BenachrichtigungPfeil nach linksPfeil nach rechtsMerklisteAufklappenKommentareAbspielenPauseAbspielenWiederholen
 

The 10 Tenors

Vielleicht nichts für Opernpuristen, aber allemal unterhaltsam: Zehn Sänger schmettern bekannte Melodien aus „Das Phantom der Oper“ und „Les Misérables“.

 

Viel hilft viel, denkt sich das Gesangsensemble aus Brisbane. Die Ten Tenors stellen ihre zehnköpfige Stimmgewalt auf der aktuellen Tour in den Dienst zeitloser Musical-Klassiker. The Ten Tenors on Broadway heißt das neue Programm, das mit Ausschnitten aus Bühnenerfolgen wie Das Phantom der Oper oder Les Misérables das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen will. Das könnte funktionieren: Eine charismatische Sängermannschaft, die Evergreens anstimmt, in einer musikalischen Melange aus Rock und Klassik – so schreibt man ein Erfolgsrezept. Das Ganze wird noch mit etwas gutmütigem Humor garniert, heraus kommt eine Musikrevue, die Theateratmosphäre mit Konzertstimmung verbindet und schlichtweg unterhalten möchte. Für Opern-Puristen ist das vielleicht nichts, alle anderen freuen sich über bekannte Melodien in einer höchst professionellen Show-Darbietung.

 

Prosit Neujahr!

Entschädigung für böllergeschädigte Ohren: Die Neue Philharmonie spielt Evergreens von Johann Strauß, Franz Lehár, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini.

Der Start muss gelingen. Das ist nicht nur bei Rennrodlern im Eiskanal so, sondern gilt auch grundsätzlich für den Jahresbeginn. Dass 2015 gut in die Gänge kommt, ist Auftrag und Anliegen der traditionellen Neujahrskonzerte. Während der eine oder andere noch mit dem Brummschädel kämpft, werden in der Laeiszhalle klassische Melodien wie An der schönen blauen Donau, Dein ist mein ganzes Herz oder der Gefangenenchor aus Nabucco zu Gehör gebracht – die beruhigen das böllergeschädigte Trommelfell wieder. Im Großen Saal der Laeiszhalle sagt die Neue Philharmonie unter der Leitung von Dirigent Mike Steurenthaler gemeinsam mit dem Verdi Chor Hamburg Prosit Neujahr!. Mit Werken von Johann Strauß, Franz Lehár, Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini wird musikalisch angestoßen: Kann losgehen.

 

Die Happy

Mit ihrem aktuellen Album „Everlove“ im Gepäck beschließen die Ulmer Alternative-Rocker das Jahr in der Großen Freiheit.

Mit Supersonic Speed tauchte Die Happy 2001 vermeintlich plötzlich in der deutschen Musiklandschaft auf. Zunächst oft als bloßes Echo auf die Guano Apes verstanden, musste dieser Eindruck in den folgenden Jahres deutlich korrigiert werden – schließlich gründeten sich Die Happy zum einen bereits 1993 (ein Jahr vor den Guano Apes), und beim genauen Hinhören lassen sie nie einen Zweifel daran aufkeimen, dass sie schlichtweg ihr ganz eigenes Ding fahren. Wohl auch deshalb stecken sie heute mitten im 21. Bandjahr, in dem einmal mehr zum Jahresende die traditionelle Weihnachtstour auf dem Programm steht. Die geht die Ulmer Alternative-Rockband mit gleich zweifacher Neuerung im Gepäck an: dem 2014 veröffentlichten, zwölften Studioalbum Everlove sowie unmittelbaren Bandnachwuchs. Dass Frontfrau Marta Jandová durch solch Zusatzaufgaben irgendwie aus dem Energiegleichgewicht gebracht werden könnte, ist jedoch wohl kaum zu befürchten. Eine These, die zweifelsfrei jeder unterzeichnen würde, der schon einmal einem Livekonzert der Band beigewohnt hat. Text: SZENE Hamburg

 

Megacities

Das Metropolis zeigt den 1998 entstandenen Film des im April verstorbenen österreichischen Filmemachers Michael Glawogger.

Menschen in Bombay, Moskau, New York und Mexico City: Menschen leben von und im Müll. Für seine weltumspannende Recherche hat der im April verstorbene österreichische Regisseur Michael Glawogger (Workingman’s Death, Whore’s Glory und – unter der Regie von Wim Wenders – Kathedralen der Kultur) die Ärmsten der Armen aufgesucht: In zwölf Kapiteln erzählt der Film von Shankar, dem Bioskopmann, von Modesto, dem Hühnerfüßeverkäufer, von Babu Khan, dem Farbensieder, von Nestor, dem Müllsammler, von Oleg, Boria, Kolya, Mischa, den Straßenkindern, von Cassandra, der Schauspielerin, von Larissa, der Kranfahrerin, und Toni, dem Hustler. Dabei kam es dem Filmemacher darauf an aufzuzeigen, dass ihr Kampf gegen das Elend über Einfallsreichtum, Witz und Würde verfügt. Und das ist es, was seinen Film über die Megacities nicht nur erträglich, sondern so sehenswert macht.

 

Total Chaos

Die kalifornischen Crust-Punker hauen ihre Riffs im Hafenklang herunter. Im Vorprogramm spielen Small Town Riot aus Buxtehude.

Die Bandnamen klingen so, als müsse man nach dem Konzert mit dem absoluten Ausnahmezustand am Fischmarkt rechnen. Doch keine Sorge, die wollen nur spielen. Total Chaos haben sich Ende der 1980er Jahre in Kalifornien gegründet und widmen sich seitdem schnellen, harten Crust-Punk britischer Schule. Zu ihren musikalischen Paten dürften Discharge und The Exploited ebenso gehören wie auch Crass und Conflict. Small Town Riot kommen aus Buxtehude, einem „verschissenen Vorort südwestlich von Hamburg“, und haben seit 1999 mehrere Besetzungswechsel durch- und mehrere Tonträger herausgebracht. Ihren Still beschreibt die Band selbst als Bastard aus Punk’n’Roll, Street-Punk und Deutsch-Punk. Immerhin werden sie von Dickies und Ibanez gesponsort. Das entspricht zwar nicht gerade der Punk-Orthodoxie, aber egal – solange sie nicht von der Deutschen Bank unterstützt werden…

 

Lali Puna

Das Projekt des Weilheimer Musikers Markus Acher (bekannt von The Notwist) in Kooperation mit der südkoreanischen Band Trampauline.

Während man sich bei Markus Achers bekannterer Band The Notwist mit der Kategorisierung oft schwer tut, ist sein Projekt Lali Puna mit Sängerin Valerie Trebeljahr weniger missverständlich Elektropop. Der analog und digital zusammengeschraubte Pluckersound nahm bereits auf dem Debüt Scary World Theory von 2001 viel von dem vorweg, was mit The Postal Service und dem Etikett Indietronic danach breite Käuferschichten erschloss. Das letzte Album der Band Our Inventions erschien 2010, von The Notwist (ebenso Ms. John Soda, Tied And Tickled Trio und anderen Bands aus dem Dunstkreis) ist man allerdings bereits gewohnt, dass die Mühlen im bayerischen Weilheim langsam mahlen. Eine spannende, internationale Kooperation beendet die Auszeit: In Hamburg spielt die Band einen von wenigen Gigs mit der südkoreanischen Band Trampauline, nach den drei Deutschlandterminen geht es auf Tour nach Korea und Japan. Text: Michael Weiland

 

Heimatmelodie

Die Hamburger Crew lädt zum Hangover Rave mit House- und Techno-Sounds ins Docks und in die Prinzenbar.

Es ist nicht auszuschließen, dass mancher Kater von der exzessiven Geburtstagsfeier Mitte Dezember im Fundbureau übrig geblieben ist. Bereits zum vierten Mal feierte die Heimatmelodie-Crew ihr Bestehen unter der Sternbrücke. Die nun angesetzte Hangover-Party in Docks und Prinzenbar dürfte sich jedoch vor allem an diejenigen richten, die noch mit den Auswirkungen der Neujahrsnacht zu kämpfen haben. Wer die Kopfschmerzen mit House und Techno wegtanzen will oder immer noch Silvester feiert, kommt beim Line-up mit unter anderem Anié (Foto), Kilian&Finn, Dirrty Dishes, Oliver Eich, Merok, Dimo, Paul’s Büro und Chris Kistenmacher auf seine Kosten. Die guten Vorsätze sollten allerdings zurückgestellt werden. 2015 – rave on!

Text: Ole Masch

 

Horace-Scope

Das Sextett um Bandleader und Trompeter Fletcher McCatch würdigt die Musik der im Juni verstorbenen Jazz-Legende Horace Silver.

Am 18. Juni 2014 starb der US-amerikanische Jazz-Pianist und Komponist Horace Silver im Alter von 85 Jahren. Silver war – mit Art Blakey – Gründer der legendären Jazz Messengers, galt als Be-Bop-Erneuerer uns Wegbereiter des Hard Bop. Ihm zu Ehren steht am 3. Januar ein Sextett auf der Bühne des Birdland, das sich vorgenommen hat, den Glanz und die Vielfalt von Silvers Musik auch nach dessen Tod am Leben zu halten und zu Gehör zu bringen. Horace-Scope bestehen neben Bandleader und Trompeter Fletcher McCatch aus Stephan Abel (Tenorsaxophon), Sebastian Hoffmann (Posaune), Buggy Braune (Piano), Oliver Karstens (Bass) und Knud Feddersen (Schlagzeug). Nach dem Konzert sorgt ein DJ mit dem vielversprechenden Namen Kosmischer Souverän für passende After-Show-Sounds irdischer und vielleicht auch überirdischer Art.

 

Bernd Begemann

Der Hamburger Pop-Songwriter bespielt zwischen den Feiertagen den Knust und lässt dabei die möglicherweise bestbekleidete Sau der Stadt raus.

Für Hamburger Konzertgänger gibt es gen Jahresende, neben Festlichkeiten wie Weihnachten oder dem danach anstehenden Jahreswechsel, noch eine weitere Veranstaltung, die mittlerweile fast schon rituell anmutet: Bernd Begemann & die Befreiung im Knust. Ohne eine genaue Statistik zur Hand zu haben oder konkrete Prognosen abgeben zu können, fühlt es sich zumindest so an, als hätte der Entertainer, der weiße Anzüge wie kein anderer zu tragen weiß, schon immer in diesen Tagen die Bühne des Knusts betreten – und er wird es hoffentlich auch künftig weiter tun. Gibt es einen anderen Künstler, der so viel Soul und Funk aus seiner Gitarre zu quetschen vermag, während er über irgendwie okaye Fernsehabende mit der Schwester der Freundin singt? Bei dem Pärchen zu der Zeile „beide zweite Wahl“ knutschen und sich vertrauensseelig in den Armen liegen. Der zuverlässig seine Marathon-Show durchzieht, während sich die verschiedensten Altersklassen am Tresen treffen? Traditionell dauert so ein Bernd-Begemann-Konzert an die drei Stunden. Und ebenso traditionell kommt man mit großer Zuverlässigkeit im nächsten Jahr wieder.

 

Die Vögel

Eat The Beat bringen das Elektro-Duo Die Vögel mit in den Bunker und damit die Gelegenheit, den zweiten Weihnachtstag zu Tubaklängen stampfend abzuschließen.

Während sich Nachbarschaft sowie Regional- und Wissenschaftsmedien zum Einbruch der offiziellen Winterzeit gerne wiederholt der Frage widmen, wie die korrekte und förderliche Vogelfütterung zur Kältezeit auszusehen hat, schlagen wir den umgekehrten Weg vor: einfach mal von den Vögeln füttern lassen. Mit Bassläufen, die der Tuba entspringen. Mit dadaistisch anmutenden Textzeilen und anderen Zutaten, die einem per Rave die Erholung von Weihnachtsschmausereien, zähen Gemütlichkeiten und anderen Feiertagsnebenwirkungen erleichtern. Das Hamburger Elektro-Duo Die Vögel, bestehend aus Mense Reents und Jakobus Siebels – sonst in anderen Bands wie Die Goldenen Zitronen oder JaKönigJa vorzufinden – waren einst die erste Veröffentlichung auf Pampa Records, dem Label von DJ Koze. Und sie zeigen, wie eng Dadaismus und Nachdenklichkeit, Blockflöte und Synthesizer zusammenarbeiten können, um gemeinsam eine ganz eigene Form von House Music zu erschaffen.

Texte: SZENE HAMBURG