Über Musik zu schreiben sei ungefähr ebenso sinnlos wie zu Architektur tanzen zu wollen, hat jemand Schlaues mal gesagt. Und wie steht’s mit der Bildenden Kunst? Dort werden in der Regel viele Worte verloren, wenn es um die Konzepte der Künstler und ihre Werke geht. Denn wenn sich ein Werk nicht von selbst erschließt, können ein paar erklärende Worte fürs Verständnis sehr hilfreich sein. Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen, dann stiften Worte noch mehr Verwirrung: „Dehnt sich der Moment der kosmischen Gestalt, so war sie schon Form. Ist die Form eine sichtbare Idee, war sie schon Skulptur. Wird eine Form zur Skulptur, ist sie schon lange Urwasser. Urwasser leuchtet.“ Okay, meinetwegen … Bis Ende Mai sind im Westwerk ausgewählte Arbeiten der Klasse von Prof. Pia Stadtbäumer (HfBK) unter dem Motto be water, my friend zu sehen. „Gemeinsam ist diesen Arbeiten ihre thematische Beschäftigung mit einer Momentaufnahme des kosmischen Zusammenspiels der Welt.“ Na, dann – auf einen Drink am schönsten Tresen der Stadt lohnt sich der Besuch allemal.
Sie ist eine Frühstarterin. Noch nicht volljährig, brachte Anoushka Shankar schon 1998 ihr erstes Album heraus. Seitdem konnte die Halbschwester von Norah Jones und Tochter des vor zwei Jahren verstorbenen Sitar-Stars Ravi Shankar so einige Stufen auf der Karriereleiter hinauf steigen. Doch glaubt man ihren Worten, geht es der 1981 in London geborenen Künstlerin gar nicht um den größtmöglichen kommerziellen Erfolg. Nein, ihr liegt die Musik am Herzen, und zwar jene traditionelle indische Musik, die hierzulande bedauerlicherweise eher als Soundtrack für Meditationsübungen und ausgiebige Kifferabende bei Old-School-Hippies bekannt ist. Anoushka Shankar führt uns hingegen mit ihrer Musik die ganze klangliche, melodische und rhythmische Schönheit dieser Musik vor Augen. Dass sie selbst auch nicht gerade schlecht aussieht, davon sollten Sie sich beim Auftritt im Rahmen des 1. Internationalen Musikfest Hamburg nicht ablenken lassen.
Text: Michele Avantario
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Als der New Yorker Sänger Frankie Lymon 1956 seine Band Frankie Lymon & The Teenagers gründete, hatte der Name alle Berechtigung – handelte es sich bei den Musikern doch tatsächlich um minderjährige Jugendliche. Lymons Band machte als Doo-Wop- und R&B-Gruppe Karriere und ging in die Pop-Geschichte ein. Das wirkt bis heute nach. Auch in Europa, bis nach Spanien. Dort hat sich vor wenigen Jahren eine Soul-Band gegründet, die sich – in Anlehnung an Lymons Gruppe – Al Supersonic & The Teenagers nennt. Aus dem Jugendalter sind die sechs MusikerInnen allemal raus. Ihr Sound klingt aber frisch und unschuldig als schrieben wir das Jahr 1962. Am 22. Mai ist das Sextett aus Granada im Rahmen der Reihe For Dancers Only im Goldenen Salon des Hafenklang zu Gast. Nach dem Konzert geht es weiter mit Northern Soul vom Plattenteller.
Text: Michele Avantario
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Die besten Geschichten in einer Großstadt findet man dort, wo sich alle Wege kreuzen: auf der Straße. Die Ausstellung Everybody – Street Photography im Projektor präsentiert mit Soul of Hamburg und Fabian Melchers zwei Positionen moderner Hamburger Fotografie, die sich mit der rauen Faszination des urbanen Lebens beschäftigen. Soul of Hamburg sind zwei Fotografen, die seit mehr als drei Jahren zufallsbedingte, alltägliche Situationen einfangen, die paradox, skurril und oft erstaunlich sind. Fabian Melchers fokussiert in seiner Kunst oft auch die sozialen Probleme der Stadt und thematisiert Ungerechtigkeiten. Bis zum 24. Mai kann man als Besucher auch eigene Bilder rund um den Großstadtdschungel einreichen. Eine Jury aus fachkundigen Fotografen wählt unter allen Einsendungen 30 Gewinnerfotos aus, die in einer eigenen Ausstellung im November präsentiert werden (Infos zur Teilnahme). Passend zur Ausstellung zeigt das mobile Kino Flexibles Flimmern am 21., 22. und 23. Mai im Projektor um 20 Uhr den Dokumentarfilm Everybody Street, der Einblick in die Entwicklung der Street Photography in New York gibt.
TEXT: KATHARINA MANZKE
Ausstellung vom 20. – 24. 5.
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Kichern, schreien, brüllen, lauschen, kitzeln, krabbeln, tollen, hüpfen, staunen, träumen – heute können die kleinsten Anwohner Hamburgs in Planten un Blomen ganz viel Spaß haben. Auf dem Gelände beim Spielplatz an der Marseiller Straße wird zum fünften Mal das Fest der kleinen Wichte gefeiert. Von 15.30 bis 18 Uhr gibt es ein großes Unterhaltungsprogramm, das hauptsächlich mit Büchern zu tun hat: Es gibt Bilderbuch-Krabbeltunnel und Bilderbuch-Dosenwerfen. Bei einem Bilderbuch-Theater können die Kinder eine tierische Reise mit dem BulliBusBuch von Birte Müller unternehmen und dabei Tierstimmen raten und nachahmen. Zum Geschichtenvorlesen lädt auch der Bus der Bücherhallen ein, der auf dem Gelände parkt. Und Ilona Schulz, Henning Stoll und Christian Gerber präsentieren mit Gedichte für kleine Wichte die schönsten Mitmachlieder und Reime auf einer Freilichtbühne. Spiel und Spaß beim Kinderfest sollen auch einen Lerneffekt haben: Organisiert wird das Fest wie in den vergangenen Jahren von Buchstart, einem Hamburger Sprachförderprogramm für Kinder. Das Programm ist für Kids bis drei Jahre konzipiert, aber auch ältere Kinder sind willkommen.
Nimmt man es genau, gibt es eigentlich nur ein Dum Dum Girl: Dee Dee, bürgerlich Kirstin Gundred, hatte sich als Musikerin ursprünglich selbst ein Mädchengang-Image verliehen, ihre jeweiligen Band(en)mitglieder sind dabei relativ austauschbar. Das macht es allerdings auch einfacher, unterwegs mal die Richtung zu ändern: Waren die Songs auf dem Debüt I Will Be (2010) und Nachfolger Only In Dreams (2012) hallgetränkter Schrammelrock, ist ihr aktuelles, alleine eingespieltes Album Too True Achtziger-inspirierter Gitarrenpop, mit Anleihen bei The Cure, Echo & The Bunnymen und Siouxsie & The Banshees. Dass man von dem Stilwechsel kein Schleudertrauma davonträgt, liegt vor allem an zwei Dingen: Dee Dees selbstbewusster Stimme und dem nach wie vor immens eingängigen Songwriting. Etwas schwindelig wird einem bei den heißen Outfits der Musikerinnen allerdings vielleicht doch: viel schwarze Spitze, kurze Röcke und lange Beinen in gemusterten Strumpfhosen.
TEXT: MICHAEL WEILAND
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Kampnagel widmet diesen Abend der schwarzafrikanischen Kultur – zunächst im Vortrag zur Reformagenda Ruandas „zwischen Turbokapitalismus und traditionsbewusstem Wertekanon“, im Anschluss mit der Performance Das neue schwarze Denken von Monika Gintersdorfer und Knut Klassen.
Assumpta Mugiraneza ist Sozialpsychologin sowie Politikwissenschaftlerin und stammt aus Ruanda. Der Großteil ihrer Familie wurde während des Genozids an den Tutsi ausgelöscht. Sie setzt sich 20 Jahre nach dem Völkermord mit diesem dunklen Kapitel der afrikanischen Geschichte auseinander – und das in einer Zeit des Turbokapitalismus, in der die Regierung Ruandas damit beschäftigt ist, ausländische Investoren ins Land zu locken. In ihrem Vortrag, der aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt wird, stellt sie unter anderem die Frage, ob neue Konflikte zwischen Arm und Reich den Prozess der Aussöhnung bereits wieder gefährden. Um 20 Uhr performen schließlich deutsch-ivorische Künstler eine Chefferie – „eine politische und administrative Einheit, die es in Afrika vor der Kolonisierung gegeben hat, und die dort auch heute parallel zu den staatlichen Organisationen nach eigenen Grundsätzen weiterarbeitet: viele Chefs – kein Unten.“
Erika M. Anderson war bislang eher Musikblog-Liebling ohne nennenswerten Mainstream-Zugang. Die Ex-Sängerin der Drone-Folk-Combo Gowns veröffentlichte vor vier Jahren unter dem Akronym EMA ihr Solodebüt, ein sperriges und provokantes Gesamtkunstwerk. Ihr nunmehr drittes Album ist auf dem besten Weg, deutlich mehr Leuten ein Begriff zu werden: Klang, Image und Songs haben auf The Future’s Void vorläufig die persönliche Bestmarke erreicht, ihr elektronisch verfremdeter Indierock hält jene Balance zwischen schön und verstörend, die schon PJ Harvey berühmt gemacht hat. Beim Texten lies sie sich vom Zukunftsskeptizismus von William Gibsons Sci-Fi-Klassiker Neuromancer von 1984 infizieren, auf den in zwei Songs explizit verwiesen wird. Totalüberwachung und digitale Paranoia sind hier ihre Themen. EMA ist ein artist to watch: Man will gar nicht wegschauen – was aber auch schwer werden könnte im kleinen Turnzimmer vom Uebel & Gefährlich, in dem das Konzert stattfindet.
TEXT: MICHEAL WEILAND
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MC Fitti ist wohl der Inbegriff des cooles Berliners: Hipster-Bart und HipHop-Klamotte trifft loses Mundwerk. Sein Sommerhit 30 Grad – eine Hommage an die TV-Serie Miami Vice – wurde aber auch in Hamburg abgefeiert. „30 Grad, Flamingos und Flipper. Sonnenbrille auf und rein in die Slipper. 30 Grad, kolumbianischer Schnee. Rosanes Sacko, im Cabriolet.“ Top! Das ist nun zwei Jahre her. Mittlerweile macht MC Fitti Werbung für den Elektronikmarkt Saturn und man ist sich nicht mehr so sicher, ob man den Typen noch cool findet. Auch weil sich neuere Songs wie Schnelle Ponys eher nach deutschem Schlager als nach Hip-Hop anhören. Aber auch wenn die Musik manchmal kaum ertragbar ist, gefällt der schräge Vogel als genialer Selbstinszenierer, dessen Konzerte immer zur gigantischen Party ausarten. Tipp: Der rappende Animateur wird mit jedem Bier lustiger!
TEXT: LENA FROMMEYER
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Die in Hamburg lebende Grafik-Designerin Alisa Karabut stammt aus der Ukraine. Dort lernte sie Jany Topito und Pablo Nechytaylo kennen, die das elektro-akustische Indie-Pop-Duo Zapaska bilden. „Äußerst entspannte Menschen, die einen vielseitigen Musik-Mischmasch produzieren“, sagt sie. Wer ihr neues Album Kontur abspielt, hört nicht kommerzielle Pop-Musik: einfache Beats, zweisprachige Texte, raue Gitarre, Indie-Klänge der achtziger Jahre, hallenden Gesang, elektronische Perkussion. Das klingt herrlich befremdlich – freundlich psychedelisch. Zapaska stammt aus der Ukraine – das liest man auf ihren Platten und Shirts, das betont das Duo auch in Interviews. Obwohl ihnen mal jemand in Polen den Hinweis gab: „Leute, sagt lieber nicht, dass ihr Ukrainer seit. Sonst denken alle, ihr macht Folklore.“ Mit Volksmusik hat ihr Sound genau so wenig zu tun wie Fraktus mit Klassik. Nach dem Konzert im Frappant legt Alisa Karabut, die man in letzter Zeit schon öfters bei Datscha-Partys am DJ-Pult hantieren sah, osteuropäische Musik auf.
TEXT: LENA FROMMEYER
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