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Noch eine dumme Fatwa: die Yoga-Fatwa

 

Der nationale Fatwa-Rat vom Malaysia hat Yoga für unislamisch erklärt. CNN zitiert eine Muslima, die seit 10 jahren Yoga praktiziert und voller Wut ist: „Diese Fatwa ist eine Schande für meinen Glauben.“ Auch die BBC hat einen jungen Muslim aufgespürt, der sich an die Fatwa nicht halten wird – und weiter Yogakurse und seine Moschee besuchen wird.  

In Südostasien tut sich etwas Beunruhigendes: Die religiösen Autoritäten verfallen immer mehr der Strategie, eine religiöse Reinheit durchzusetzen, und dies in traditionell religiös synkretistischen Gesellschaften. Es droht die Saudifizierung der Region, die für den Islam vielleicht noch die größten Hoffnungen birgt, mit der modernen Welt zu einem Arrangement zu kommen.

Über ähnliche Entwicklungen in Indonesien hatte ich hier bereits berichtet.

77 Kommentare

  1.   Andreas

    @ mathilde, von den meisten fatwa erfährt man hier nichts. Ein, die vielleicht nicht ganz so dumm ist, wäre diese hier:

    http://www.islam.at/text/0300/00312_verbot_von_angriffenl_txtbe.pdf

  2.   xNWO

    @ Jörg Lau umbequemes und häßliches Kürzel
    Ja, schon. Aber (deswegen) doch passend für mich.

    Kulturdiplomatie
    Die selbst wird funktionieren. Die Kohle machts. Aber die soll ja auch was bewirken – gesellschaftlich (nach unseren Begriffen).

    Ob das bei sich (ökonomisch) modernisierenden Gesellschaften (sofern es sich nicht um Renten-Ökonomien handelt) auf Dauer und in die gewünschte Richtung funktioniert, darf man bezweifeln. Das soll kein Trost sein. Die zu erwartenden „Verwerfungen“ sind sicher nicht zu unterschätzen. Aber sofern etwa Al-Qaida Muster für das auch aus saudischer Perspektive zweideutige Ergebnis der gewünschten Saudifizierung ist, muss man deswegen nicht in Panik verfallen. Die Schüsse, die die Saudis im Begriff sind loszulassen, haben beträchtliches Rückschlagspotenzial.


  3. @Jörg Lau
    “ Saudifizierung läuft nicht über Druck von Aussen, sondern durch Kulturdiplomatie (Finanzierung von Moscheen, Lehrstühlen, Stipendien, Institutionen). Überall ist dieses verdammte Ölgeld unterwegs und macht den örtlichen Islam kaputt.
    Unser Geld, im übrigen.“

    Hier mal ein schöner Link zu dem Thema:

    http://www.islam.de/10016.php

    „Wenn hiesige Politstrategen meinen, mit fadenscheinigen Argumenten den Muslimen ihr Recht auf den Bau eines Gotteshauses zu verwehren und dann aber im Orient Tausend und eine Nacht spielen – O-Ton Beckstein gegenüber der ddp: „Das erscheint fast wie ein Märchen aus 1001 Nacht“ – dann geht das nicht auf. Denn das wirkt unglaubwürdig und populistisch.“

    Die ganzen konservativen Politiker haben mehr für die Islamisierung Europas getan, als die paar linken Spinner, die sich dem Islam anbiedern. Man braucht halt die Petrodollars.

  4.   Rafael

    Alter Aberglaube wird nicht dadurch kaputt gemacht, dass irgendein Ölscheich die Leute in Südostasien kauft.

    Der alte Aberglaube, der halbinformierte Religionsmischmasch Südostasiens verschwindet deshalb, weil die Menschen dort immer gebildeter werden.

    Sie können die Schriften des Islam, den Koran und die Hadithe nun eigenständig lesen. Sie können sich über neue Medien von wirklichen Autoritäten des Islam belehren lassen und sind nicht mehr auf ihren Dorfschamanen angewiesen, der den Koran lediglich für ein besonders potentes Zaubermittel hält.

    Und sie haben durch wirtschaftlichen Fortschritt geistige, materielle und zeitliche Ressourcen frei, um wirklich über ihre Religion nachzudenken.

    Dann kommen sie ganz natürlich zu einem saudifizierten Verständnis von Islam, denn nur der saudische Islam ist auch der authentische Islam. Um das zu verstehen, braucht man kein Öl und keine Bestechungsgelder.

    Was die Saudis in der islamischen Welt leisten, ist, den Muslimen die Möglichkeiten zu bieten, sich umfassend und eigenständig über ihre Religion zu informieren. Ohne viele Mittler oder Sektengurus. So, wie es dem Geiste des Islam entspricht. Saudifizieren tun sich die Leute dann schon von ganz alleine.

  5.   Weltbuerger

    Ignoranz und Dummheit (so blöd, dass sie schon wieder komisch ist) gibt’s überall:

    http://img395.imageshack.us/img395/7256/jeebuzlovinlunaticbc5.jpg

    Tja, die Mischung macht’s!!


  6. @ Mathilde: Hier gibt’s eine Menge gute Fatwas:
    http://tiny.cc/uW64B

  7.   Andreas

    @ Rafael, der „saudische Islam“, bzw. der Wahabismus ist innerhalb eine marginale Richtung, die man fast schon als Sekte bezeichnen könnte. Islamische Gelehrsamkeit gibt es in Indonesien und anderen nicht-arabischen Ländern nicht erst seit ein paar Jahrzehnten, sondern seit Jahrhunderten. Deswegen gibt es ja auch gerade in vielen Ländern zum Teil gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen so genannten Wahabiten und anderen Muslimen. Diese Konflikte bestehen, seit dem es das Öl-Geld gibt.

  8.   PBUH

    Hihi, grosser Fehler, jetzt haben die Islamisten doch noch die ganzen gelangweilten Yoga-Weiber und ihre linksliberalen politischen Vertreter gegen sich.

    Dachte ich mir gleich, das diese (eigentlich unbedeutende) Nachricht grosse Wellen schlägt.

    Bei Yoga-Verbot hört selbst für den Gutmenschen der Spass auf.

  9.   PBUH

    >Diese Konflikte bestehen, seit dem es das Öl-Geld gibt

    Ja, aber saudisches Öl-Geld wird seit Jahrzehnten verteilt, schon bevor es SUVs gab und lange bevor der Ölpreis zum ersten Mal die $25 überschritten hat.

    Das gilt auch für die iranische Terrorunterstützung, solange überhaupt Geld vorhanden ist wird man immer zuerst auch die Hizbollah damit unterstützen.

    An der westlichen Zapfsäule kann man da wenig gegen tun.

  10.   Andreas

    „ber saudisches Öl-Geld wird seit Jahrzehnten verteilt“

    und die Konflikte gibt es auch schon seit Jahrzehnten.

    „An der westlichen Zapfsäule kann man da wenig gegen tun.“

    Das stimmt. Jeder kann aber auch jetzt schon weniger Öl verbrauchen bzw. sparen. Und jeder kann sich stärker für den Wechsel zu nicht-fossilen Energieträgern einsetzen bzw. engagieren.

 

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