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Warum ich nie Deutsche sein will

 

Das erklärt Mitbloggerin Cucumis in diesem Beitrag:

Irgendwie muss ich lachen wenn ich diesen Beitrag und die ganzen Kommentare dazu lese.

Vor allem finde ich es echt mutig, solche Beiträge zu schreiben, denn das offenbart ja eigentlich nur, wie “unwissend” die Menschen sind. Und DIE sollen Politik machen-Ja, uns allen viel Glück!

Also, die Muttersprache zu erlernen ist die Basis, auf der die zweite Sprache aufbaut. Quasi die Unterkellerung eines Hauses – muss für die Stabilität da sein.
Vor allem verstehe ich solche Zitate wie “So what!” nicht, wenn es um die DEUTSCHE Sprache geht. Also die Schauspielerin hat so gut Deutsch gelernt, dass sie nicht “rein” Deutsch reden kann. Vermischt mehrere Sprachen und ich bin mir sicher, dass sie auch mal Türkisch und Deutsch vermischt. Ein Hoch auf solche “Besserwisser”!!

In mehreren Projekten, die ja auch VOM STAAT GEFÖRDERT werden, geht es darum, dass die Kinder die Muttersprache, und die ist und bleibt TÜRKISCH, zuerst erlernen sollen. Und jetzt soll mir eine daher kommen und sagen: “Nein, dann bringt man es nicht weit!”
Das ist witzig und absurd!

Vor allem finde ich es ja so toll, dass die Menschen, die in dem Beitrag erwähnt werden genau nach irgendwelchen Stereotypen gewählt werden. Herr Öger, dem der Kragen platzt, junge Menschen mit Käppis, Frauen mit Locken. Ah, wunderbar!

Ich sag Ihnen mal was, ich komme selber aus einer Familie mit Migrationshintergrund. Wir sind 4 Geschwister. Die eine ist Dipl.Pädagogin, die eine Rechtsanwältin, die eine Lehrerin und ich studiere gerade Psychologie. Ich habe zuerst Türkisch gelernt und bin regelrecht dankbar dafür. Ich spreche besser Deutsch als manche Deutsche und nein, meine Eltern sind nicht irgendwelche Akademiker oder so. Ganz normale “Gastarbeiter”.

Also, geht es doch!!!!

Die Integrationspolitik ist doch nichts als eine Lüge, um bei den Wahlen mehr Stimmen zu kriegen. Wenn zuvor noch unser tollen Banker sagt “Kein Kindergeld für Migrationskinder mit schlechten Noten”, kann es nicht sein, dass man ein Ganzes bilden will! Die Segregation fängt doch in den Kindergarten an.

Außerdem, nur weil ich in Deutschland lebe, bin ich noch lange keine Deutsche. Werde ich auch nicht sein. Das ist genauso als würde man aus einer Hose eine Jacke machen wollen! Geht einfach nicht.
Vor allen Dingen, wieso auch??
Reichen den deutschen Staatsbürgern etwa die eigene Jugend nicht mehr??
Der demographische Wandel ist ja allen bekannt!

Ich lebe in Deutschland, zahle meine Steuern und tu alles, was “Deutsche” auch tun. Aber eine Deutsche bin ich nicht..War ich nie..und werde ich auch nie sein!…

335 Kommentare

  1.   Jörg Lau

    @ Cucumis: Es ist toll, dass Sie und Ihre Geschwister etwas aus sich gemacht haben. Deutschland ist eben ein Land, in dem das sehr wohl möglich ist. Kostenlose Schulen und nahezu kostenlose Unis von Weltniveau für jedermann – da kann man stolz drauf sein.
    Und ich stimme Ihnen auch zu, dass die Integrationspolitik zu weiten Teilen „eine Lüge“ ist. Auf das meiste davon können Leute wie Sie eh verzichten. Sie würden es überall schaffen, Sie brauchen das nicht.
    Ist es das, was Sie sagen wollen? Nicht die Integrationspolitik intergiert, sondern die Anstrengung des einzelnen.
    Ich frage mich allerdings: Was hat Deutschland Ihnen getan? Was hat das Land Ihnen genommen? Denn auf Ihren Zeilen spricht ja eine Wut der Ablehnung, die für mich schwer zu verstehen ist.
    Was ist so schlimm daran, „Deutsche zu werden“? Warum ist das nichts, was man anstrebt, auch wenn dieses Land einem exzellente Chancen gegeben hat?
    Ich kann verstehen, dass man seiner Herkunft gegenüber loyal sein will. Aber das kann man hier doch auch.
    Oder lassen Sie es mich so sagen: Der türkische Nationalismus ist schon ziemlich verwirrend. Sie lehnen das Deutschwerden in einem verletzenden Ton ab, als sei das nun wirklich das Letzte (wer zwingt Sie?). Und zugleich soll man ihre türkische Identität respektieren. Das geht aber nur auf Gegenseitigkeit.
    Es geht nicht darum zu sagen, gute türkische Sprachkenntnisse bringen nichts. Im Gegenteil: Es sind schlechte Türkisch- und schlechte Deutschkenntnisse zugleich, die in den Schulen Probleme machen.
    Ist doch toll, wenn jemand gut Türkisch kann und dann auch gut Deutsch lernt. Aber Sie wissen so gut wie ich, dass das nicht die Regel ist.

  2.   Dybth

    Herr Lau,

    ich glaube Cucumis versucht einfach zu sagen, dass man die eigene Identitaet einfach nicht von Heute auf Morgen ablegen kann. Ausserdem haben die meisten Migranten ein Identitaetsproblem Sie wissen einfach nicht, wo sie hingehoeren. Es braucht einfach etwas Zeit, und Akzeptanz auf der einen Seite, den Willen auf der anderen Seite, damit es zusammenwaechst.

    Von meinen Gespraechen und Erfahrungen haben die meisten Migranten heute immer noch das Gefuehl, dass sie hier geduldet werden, anstatt dazuzugehoeren.

  3.   N. Neumann

    Herr Lau,

    ich glaube Cucumis versucht einfach zu sagen, dass man die eigene Identitaet einfach nicht von Heute auf Morgen ablegen kann.

    @ Dyb

    Was Sie glauben, ist sowohl sinnentstellt als auch paternalistisch.

  4.   Dybth

    @Neumann

    Ich habe wenigstens eine Meinung zu dem Text von Herrn Lau. Ihre hat man ja nicht gehoert. Aber Kritik ueben ist schon einfacher, als selber nachdenken 😉

    Paternalistisch ist schon sehr weit hergeholt. Lassen Sie mich auch mal ausholen: Ihr Kommentar ist schon ein bissl kindisch 😉

  5.   Krähling

    Jetzt interessiert mich noch die Meinung von Asterix – nicht über die Römer, sondern über einige Deutsche mit migrantischem Hintergrund.

    PS: hab auch einen migrantischen Hintergrund, liegt aber schon länger in der Familie zurück!

  6.   riccardo

    Werter @Dybth, die Identität legt man auch in 100 Jahren nicht ab. Das macht auch nichts, solange alle um einen herum im Grunde Einwanderer sind. Wie in den USA oder Kanada z.B. Das Problem ist die moderne Masseneinwanderung in bereits definierte Kulturräume. Definieren sie deswegen bitte: Dazugehören


  7. @Cucumis

    Ich musste mir erst jüngst in einer anderen Diskussion dümmliches Gerede anhören, wonach eine „Katze“ immer eine Katze bleiben werde, egal ob sie nun in einem „Fischladen“ geboren werde oder nicht; sie sei eben kein „Fisch“ und könne es auch niemals sein. Gemeint war damit in Wahrheit, dass ein Türke niemals zu einem Deutschen werden könne. Das habe ich damals für groben Unfug gehalten. Und ich halte es auch dann für groben Unfug, wenn es von der anderen Seite geäußert wird (in Ihrem Fall umschrieben mit „Jacken“ und „Hosen“). Im Einzelnen halte ich Ihren Kommentar, Cucumis, sogar für eine Frechheit, die im Übrigen „Fremdenfeindlichkeit“ Ihrerseits offenbaren mag – nämlich Feindseligkeit gegenüber Deutschland und den Deutschen.

    J. Lau stellt zu Recht die Frage, was Sie gegen Deutschland haben, das Sie ja offenkundig nicht daran gehindert hat, sondern das Ihnen ermöglicht, die Universität zu besuchen, und das wohl auch im Übrigen nicht so schlecht zu Ihnen oder Ihre Familie gewesen sein dürfte, falls denn zutrifft, was Sie ferner schreiben (was man im Internet nie genau weiß: es spukt hier nicht nur erfahrungsgemäß häufig, sondern es werden auch viele Märchen erzählt).

    Warum ist die Muttersprache eines türkischen Kindes immer, ja geradezu gottgegeben Türkisch? Was bitte sollte türkische Eltern, die hier leben und die gut Deutsch sprechen und die vorhaben, hier zu bleiben, denn davon abhalten, zunächst mit ihrem Kind Deutsch zu sprechen? Warum kann nicht die deutsche Sprache Grundlage für einen darüber hinausgehenden Spracherwerb sein? Warum sollte man nicht wenigstens von Anfang an versuchen, BEIDE Sprachen vermitteln? Es will mir nicht einleuchten, was Sie da schreiben…

    Falls es tatsächlich Ihr Anliegen sein sollte, dauerhaft in Deutschland zu bleiben, wie kommen Sie dann darauf, dass Türkisch immer die Muttersprache zu bleiben habe und die zugewanderten Türken niemals recht Deutsche werden könnten? Liegt das in ihren Genen, oder was? Mir wäre das neu. Wenn ich nun in einem anderen Land leben würde und vorhätte, dort dauerhaft zu bleiben, wenn ich gar dessen Staatsbürger würde und überdies plante, dort meine Kinder großzuziehen, dann würde ich sicherlich auch versuchen, meinen Kindern zunächst die fremde Sprache zu vermitteln. Schließlich habe ich ja entschieden, dass dies ihre neue Heimat sein soll – andernfalls nämlich haben sie wohl gar keine Heimat mehr, höchstens eine, die sie gar nicht kennen und die daher auch begrifflich keine „Heimat“ sein kann.

    All Ihre Ausführungen, wonach ein Türke immer ein Türke bleiben werde und Türkisch die einzig wahre Sprache für einen geborenen „Türken“ sei, entlarven für mich nicht nur eine zutiefst nationalistische Attitüde; sie sind mir auch menschlich völlig unverständlich: Wenn Sie sich nicht als Deutsche begreifen wollen, wie kommen Sie dann dazu, mit größter Selbstverständlichkeit alle Annehmlichkeiten für sich zu beanspruchen, die Deutschland Ihnen zu bieten hat? Betrachten Sie das dann also als Ihr gutes Recht, weil die Deutschen dumm genug sind, Ihnen all dies zur Verfügung zu stellen, obwohl Sie keine Deutsche sind und auch niemals vorhaben, eine zu werden?

    Ich habe im Übrigen, wie eingangs geschrieben, den Eindruck, dass solche Auffassungen wie die Ihre sich selbst einer fremdenfeindlichen Gesinnung annähern – in diesem Fall ist es nur nicht so sehr die Minorität, die gehasst wird. Es ist das Mehrheitliche, das Deutsche, das man verabscheut, so dass es – jedenfalls als (Teil-)Identität – unumwunden abgelehnt wird. Ohne vorfertige Identität wollen Sie dann aber freilich auch nicht sein und nennen sich darum türkisch. Die Gründe für Ihre pauschale Zurückweisung dieses Deutschen würden mich interessieren. Sie behaupten dazu passend, wahrscheinlich selbst die Notwendigkeit einer moralischen Rechtfertigung fühlend, „Segregation“ beginne bei uns bereits im Kindergarten. Selbst wenn das umfassend stimmen sollte, was ich arg zu bezweifeln habe: IHRE „Segregation“ setzt doch noch viel früher an: Sie schließen schon aus, dass Ihr Kind jemals deutsch sein oder zu einem Deutschen werden könnte. Nichts anderes besagt Ihr Ausspruch, was türkisch sei, das ist und bleibe eben türkisch, wie eine Jacke eine Jacke bleibt und eine Hose eine Hose. In diesem Fall gilt aber leider nicht: Jacke wie Hose. Denn obwohl niemand von Zuwanderern eine völlige Aufgabe ihrer kulturellen Eigenständigkeit erwarten kann (das wäre auch falsch), so gibt es doch ohne die Bereitschaft zur gemeinsamen Identifikation, zu einem Konsens der Identität, auch keine wahre Integration. Es kann sie gar nicht geben.

    Und was nun das angeht:

    „Reichen den deutschen Staatsbürgern etwa die eigene Jugend nicht mehr??
    Der demographische Wandel ist ja allen bekannt!“

    Ja, der demografische Wandel ist stets als Argument bemüht worden, um Zuwanderung zu rechtfertigen, namentlich aus der Türkei. Es ist aber schon befremdlich, wenn man in einem selbsterklärt „fremden“ Land ausgewachsen ist, dort lebt und dessen Bildung genießt, wenn man dann aber gleichwohl nur, wie Sie, in „die“- und „wir“-Kategorien denken kann, die zwischen den Autochthonen einerseits und bestimmten Allochthonen anderersets trennen. Aber Sie haben recht: Was gehen SIE schon die Probleme Deutschlands und der „Deutschen“ an, Sie gehören ja gar nicht dazu, Sie leben nur hier!

    Genau DAS ist das Problem, wenn man bei Menschen den Eindruck erweckt, es sei nicht notwendig, sich als Teil einer Schicksalsgemeinschaft zu begreifen. Und da Sie sich ja nun selbst als ein Musterbeispiel für gelungene „Integration“ zu begreifen scheinen, zumindest Lau scheint das zu denken, wenn er schreibt, Leute wie Sie benötigten beim „Integrieren“ keine Hilfe und würden es überall schaffen (Unfug nebenbei, weil das noch immer einen Staat erfordert, der jedem Bildung zugänglich macht): Jede Ihrer Zeilen schreit das Gegenteil heraus. Aber zumindest sind Sie ehrlich genug, all das zuzugeben.


  8. Als Cucumis im „Träumt ihr türkisch“-Thread den Beitrag postete, meldete ich mich:

    >>Bei meiner Tochter ist es ganz anders. Ich komme aus Irland, mein Mann ist Deutscher. Sie hat die deutsche und die irische Staatsbürgerschaft (Reziprozitätsregel innerhalb der EU). Wir haben Englisch mit ihr gesprochen, bis sie in den Kindergarten kam, damit sie eine Grundlage in der Sprache hatte. Sie hatte eher passive Deutschkenntnisse, als sie in den Kindergarten kam. Nach drei Wochen hat sie Deutsch gesprochen und beschlossen, dass ab dann wir in der Familie Deutsch zu sprechen hatten. (“Mama, sprich Deutsch mit mir!”). Das war mir nur recht.
    Ich habe öfters hier erzählt, wie ich sie vor ein paar Jahren fragte, welche Staatsbürgerschaft sie aufgeben würde, wenn sie nur eine haben dürfte: “Die irische, natürlich! Ich bin ja Deutsche!”, antwortete ohne zu Zögern. Das war mir auch nur recht. Ich habe ihr nie eingeredet, dass sie Irin ist. Auf die Idee wäre ich nie gekommen. Sie ist hier geboren worden, sie geht hier zur Schule. Das ist ihr Land. Irland ist Urlaubsland für sie. Sie liebt ihren irischen Opa, ihre Tanten, Onkels und Cousins. Aber Deutschland ist ihre Heimat. Sie weiß, wer sie ist, und wo sie hingehört. Und das ist gut so.>>

    Daraufhin meldete sich Krause:
    >>Mein Sohn, deutsch-bulgarisch, denkt genauso.

    Zaimoglu hat vor Jahren in einem Aufsatz gemeint, wir Deutschen müssten aufpassen, dass eines Tages im Multi-Kulti-Land die Ausländer alle am Tisch zusammensitzen und wir Deutschen allein daneben. Ich habe eher den Eindruck, dass zukünftig unsere türkischen Mitbürger allein schmollend in der Ecke sitzen, während der Rest sich gut versteht. Aber keiner zwingt sie in der Schmollecke zu bleiben – das müsste die Politik deutlicher machen.>>

    Auch Docaffi (iranischer Herkunft) meldete sich:
    >>Meine Töchter denken genauso.>>

    Dann zitierte ich die die türkeistämmige Autorin Hatice Akyün, die eine anderthalb Jahre alte Tochter (Merve) hat, die zweisprachig erzogen wird. Gegenüber der taz erklärt sie, warum:

    >> Wir haben als Kinder zu Hause nur Türkisch gesprochen, Deutsch wurde draußen gesprochen. Das waren zwei getrennte Welten. Ich spreche mit Merve nur Deutsch, der Papa nur Türkisch. Und das Schönste ist: Das Kind reagiert auf beide Sprachen. In ein paar Jahren wird sie mit Leichtigkeit zwei Sprachen sprechen. Ich verstehe nicht, warum es Eltern gibt, die sich nicht darum kümmern, dass ihre Kinder Deutsch sprechen können. Meinen Eltern gefällt das natürlich nicht.

    taz: Das Zweisprachige?

    Akyün: Meine Eltern meinen, das Kind muss erst mal ein Fundament in seiner Muttersprache bekommen. Aber für mich ist Merves Muttersprache Deutsch, sie ist ein Berliner Kind. Ihre Zweitsprache ist Türkisch. Meine Muttersprache war früher Türkisch, mittlerweile ist es Deutsch. Das sehen meine Eltern nicht so. Sie sagen: Du bist Türkin, dein Mann ist Türke, also ist das Kind Türkin. Aber Merve wird hier leben, zur Schule gehen, studieren. Ihre Zukunft ist hier. Wenn meine Mutter das hört, reagiert sie böse und nennt Merve “deutsches Kind”. Und alle in meiner Familie haben Mitleid mit ihr, weil wir sie jeden Abend pünktlich um acht ins Bett stecken. Konsequent. Das ist absolut deutsch.>>
    http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/sie-haben-mich-helga-genannt/

    Akyün liefert die Erklärung für die Identitätsprobleme gerade türkischstämmiger Menschen mit Migrationshintergrund, Probleme, die daher rühren, dass sie nicht freigesetzt werden, ihre eigene Identität zu finden. Das hängt auch damit zusammen, dass die erste Generation eine starke Rückkehrorientierung hatte und ihre Kinder nicht an die fremde Umwelt „verlieren“ wollte. Schließlich sollten sie am ersehnten Tag X mitkommen und sich wieder in die türkische Gesellschaft integrieren können. Das hat zwangsläufig eine große kognitive Dissonanz bei den Kindern ausgelöst, die den Spagat zwischen der häuslichen türkischen Kultur und der schulischen deutschen Kultur bewältigen mussten. Es lassen sich verschiedene Strategien zur Bewältigung dieser kognitiven Dissonanz beobachten, z.B.

    1. Die Strategie von Cucumis, die sagt: „Ich bin keine Deutsche und werde es nie sein. Wieso auch?“

    2. Die Strategie von Renan Demirkan, oder von Hatice Akyün, die in ihrem Buch „Einmal Hans mit scharfer Soße“ schreibt
    „Mein Name ist Hatice. Ich bin Türkin, aber auch Deutsche, Ausländerin, Muslime, Deutsch-Türkin, Journalistin oder ein Miststück, je nachdem, wer mich grade betrachtet. Und ich empfinde es als Reichtum, diese Widersprüche in mir zu vereinen. Ich trage kein Kopftuch und bin mit 35 noch nicht verheiratet. Ich bin zu deutsch, um eine Türkin zu sein, und zu türkisch, mich eine Deutsche zu nennen.“

    3. Die Strategie von Kaya Nanar, der gegenüber der WELT erklärte:
    „Doch, meine Identität ist mir egal. Ich gebe nicht so viel auf Tradition oder Religion. Ich fühle mich weder deutsch noch türkisch noch sonst was. Mit dieser Einstellung bin ich schon immer durchs Leben gegangen. Und dann wird von außen an mich herangetragen: Legen Sie sich bitte fest! Ich sage dann immer: nö! Wenn man keiner Kultur angehört, kann man sich zu jeder Kultur äußern. Das ist eine Option, die mir gefällt.“

    4. Die Hinwendung zum Islam, sozusagen als dritter bzw. vierter Weg. Man ist weder Deutscher noch Türke, sondern Muslim.

    Die paar „Halbtürken“, die ich (Papa Türke, Mama Deutsche) kenne haben hingegen keinerlei Probleme mit kognitiver Dissonanz. Identitätsmäßig geht es denen genauso wie meiner Tochter, Krauses Sohn und Docaffis Töchtern. Sie sagen ohne Umschweife: Ich bin Deutsche(r).

    Nur schade, dass die Anzahl bikultureller Ehen zwischen Türken und Deutschen so schwindend gering ist (5% der 2. Generation haben einen deutschen Partner/ eine deutsche Partnerin). Warum das so ist, kriege ich gerade bei einer türkischen Freundin meiner Tochter mit. Die Eltern sind nach außen hin recht modern, wenngleich die Mama nach 20 Jahren noch kein Wort Deutsch kann. Aber die Mutter hat ihr vor einem Jahr deutlich gesagt: „Bring mir keinen Deutschen nach Hause!“ Und als der Mutter von der Verwandtschaft (sie sind überall und sehen alles) zugetragen wurde, dass das Mädchen doch einen deutschen Freund hat (einen wunderbaren, anständigen Jungen) gab es türkische Tragödie pur samt Zimmerdurchsuchung (nach belastendem Material) und Hausarrest.

    Ich hätte brüllen können: Leute kommt mal im Hier und Jetzt an und lasst eure Tochter ihren eigenen Weg gehen! Aber das habe ich natürlich nicht getan. Denn dann hätte sie nicht mehr zu uns kommen dürfen.

  9.   FreeSpeech

    Meine deutschen Freunde (in der Schweiz) werden immer Deutsche bleiben, meine italienischen Freunde immer Italiener, meine griechischen Freunde immer Griechen, meine chinesischen Verwandten immer Chinesen, meine brasilianischen Verwandten immer Brasilianer – und ich werde in Deutschland immer ein Schweizer bleiben.

    Man hat je nach Situation verschiedene Identitäten und auch mal Leute, die einen nicht wollen.

    So ist das Leben. Auch morgen und übermorgen.

    So what?

    Man ist Bürger, macht mit und gestaltet mit.

  10.   Delta Zwo

    Sie mag Deutsche sein, und deshalb will ich sie nicht in Deutschland. Die Gewährung von Gastfreundschaft und Haß auf den Gastgeber passen nicht zusammen.

 

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