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Mehr als Fressen und Moral: Deutschland braucht eine außenpolitische Strategie

 

Erfreulicher Weise hat meine Intervention wider die „deutsche Liebe zu den Diktatoren“ eine Debatte ausgelöst, die nicht abreißt. (In der kommenden Ausgabe der ZEIT antwortet Gerhart Baum (FDP) auf Eberhard Sandschneider.) Der folgende Beitrag stammt von Ulrich Speck, einem der anregendsten unabhängigen Köpfe auf dem Feld der außenpolitischen Debatte in Deutschland. Speck war von 2005 bis 2007 auch Zeit Blogger  (Kosmoblog). Er ist außenpolitischer Kolumnist bei der NZZ und bei Carnegie Europe.

Die Deutschen wollen verständlicherweise beides, gut verdienen und gut schlafen. Gut verdienen bedeutet, nach Lage der Welt, auch mit übleren Regimes Geschäfte zu machen. Gut schlafen heißt, dennoch ein gutes Gewissen zu haben.

Fürs Geldverdienen sind die Unternehmen zuständig. Aber auch die Politik. Türen in Russland, China, Kasachstan und anderswo zu öffnen gehört zu den Aufgaben eines Bundeskanzlers, spätestens seit Helmut Schmidt. Die Bundeskanzlerin nimmt Wirtschaftsbosse mit in der Kanzlermaschine und unterzeichnet Verträge, ein schon lange vertrautes Bild. Die Politik kümmert sich um den Rahmen, bildet Vertrauen, schafft Gelegenheiten, gibt Bürgschaften. Die Unternehmen exportieren und investieren. Eine Symbiose, die Deutschland reich gemacht hat – ungeheuer reich.

Weil Deutschland aber nicht nur reich sein will, sondern eben auch Gutes tun in der Welt, spricht die Regierungschefin im Ausland auch die Menschenrechte an, oder trifft sich mit Dissidenten. Und es gibt es sogenannte Dialoge mit mehr oder weniger autokratischen Regierungen, über Menschenrechte und den Rechtsstaat. Das alles ist seit Jahren institutionalisiert – und hat, über einzelne Gnadenakte hinaus, wenig bewirkt. Vieles ist Ritual.

Diese Trennung der Sphären – hier das Geschäft, dort die Menschenrechte, oder, nach Brecht: hier das Fressen, da die Moral – ist auch charakteristisch für die außenpolitische Debatte. Es gibt den moralischen hohen Ton, der von der Außenpolitik fordert, nichts zu tun, was Menschen in anderen Ländern schaden könnte. Und es gibt die Wortführer des Interesses, die sich gegen die moralische Aufladung von Außenbeziehungen wenden. Vor allem mit zwei Argumenten: Erstens, die Amerikaner bemänteln mit Menschenrechten auch nur ihre wirtschaftlichen Interessen, zweitens, wir haben kein Recht, anderen vorzuschreiben, wie sie leben wollen. Das klingt zumindest progressiv.

Die Debatte wird jedoch oft verkürzt geführt. Weder ein rein von Menschenrechtsbelangen noch ein rein von Unternehmensinteressen geprägter Ansatz kann und soll deutsche Außenpolitik anleiten. Beide müssen vielmehr in einen umfassenderen außenpolitischen Ansatz einfließen. Deutschland als Staat hat Interessen, die weder identisch sind mit den kurzfristigen Gewinninteressen von Unternehmen noch mit den Kampf um Freiheitsrechte von Individuen und Gruppen in anderen Ländern. Beides gehört in den Mix, aber Außenpolitik muss weitaus breiter angelegt sein.

Außenpolitik muss vielfältige Interessen abwägen und integrieren. Dazu gehören materielle Interessen: Unternehmensinteressen (Großunternehmen und Mittelstand), langfristige ökonomische Interessen (Energie und Bodenschätze), finanzpolitische Interessen. Dazu gehören auch sicherheitspolitische Interessen: Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung von Frieden, Sicherheit der Verkehrswege. Aber auch ideelle Interessen wie Einhaltung der Menschenrechte, Gerechtigkeit, Kampf gegen Armut. Weiterhin das Menschheitsinteresse am Erhalt der natürlichen Umwelt. Und nicht zuletzt das Interesse am Erhalt einer Weltordnung, die Deutschland Freiheit, Sicherheit und Wohlstand gebracht hat.

Wie aber lässt sich das alles halbwegs in Einklang bringen? Wie verhindert man, dass sich Außenpolitik nicht im Klein-Klein individueller Akte verliert? Die Antwort lautet: “grand strategy” — eine übergreifende, umfassende Strategie, die die generelle Marschrichtung vorgibt und an der sich die vielen Akteure im Feld der Außenbeziehungen orientieren können. Und die zudem die Verbindung und Abstimmung mit unseren wichtigsten Partnern erleichtert, europäisch und transatlantisch.

Mein Vorschlag für so eine grand strategy ergibt sich aus der Prämisse, dass Deutschland seine Sicherheit, seine Freiheit und seinen Wohlstand einer Ordnung verdankt, die als liberal zu bezeichnen ist: beruhend auf Marktwirtschaft und liberaler, also Freiheit und Sicherheit garantierender Demokratie.

Nach ihrer Schwächephase zwischen den beiden Weltkriegen, als totalitäre Alternativen attraktiver erschienen, hat sich liberale Staatlichkeit mit amerikanischer Hilfe in Europa fest etabliert, nach 1945 im Westen, nach 1990 dann auch in der Mitte und im Westen des Kontinents. Zahlreiche neuen Demokratien sind in der Welt entstanden, in Asien, Afrika und Südamerika.  Deutschland hat, eingebettet in Nato und EU, seine zweite Chance genutzt und ist zu einem der Anker liberaler Staatlichkeit in der Welt geworden.

Das Beispiel Europas, aber auch die Erfahrungen in anderen Weltregionen, die in den letzten Jahrzehnten das Modell liberaler Staatlichkeit übernommen haben, zeigen, dass liberale Demokratie die Erfolgsformel für langfristige Stabilität darstellt. Demokratisch gewählte Regierungen verfügen über ein Maximum an Legitimität, und Minderheiten haben durch den Staat gesicherte Rechte. Nicht Willkür herrscht, sondern der Mehrheitswillen im Rahmen von Gesetzen, die sich Gesellschaften selbst gegeben haben. Individuen und Gruppen genießen Raum für wirtschaftliche Entfaltung. Konflikte werden nicht mit Gewalt ausgetragen, sondern durch Verhandlungen und die Anrufung von Gerichten gelöst. Regierungen sind auch außenpolitisch tendenziell eher bereit, Konflikte mit friedlichen Mitteln zu lösen; materielle Gewinne spielen eine größere Rolle als Status. Man schaue sich nur die Staaten an, die uns derzeit beunruhigen: Iran und Nordkorea, Syrien, in gewissem Grad auch Russland und China. Alles keine liberalen Demokratien. Von Frankreich, Japan, Australien oder Brasilien hingegen fühlt sich niemand bedroht.

Liberale Demokratie muss man im übrigen auch niemandem aufzwingen. Wenn Menschen aber die Wahl haben, dann entscheiden sie sich eben nur in den seltensten Fällen dafür, autokratische oder diktatorische Regimes einzusetzen, die die natürlichen und menschlichen Ressourcen des Landes zu eigenen, privaten Zwecken unter Einsatz von Gewalt ausbeuten. Niemand lässt sich eben gerne unterdrücken oder in seiner Entfaltung beschneiden. Deutsche sollten das doch eigentlich wissen. Über Jahrzehnte war Ostdeutschland von einem Gewaltregime beherrscht, das seine Bürger nur durch Androhung von Mord an der Grenze zurückhielt. Als die Gewaltandrohung schwächer wurde, entledigten sich die Bürger ihrer selbsternannten Führung und strebten in die Freiheit namens liberale Staatlichkeit. Dass die Propaganda autokratischer Regimes alles daran setzt, die Attraktivität dieses Modells zu negieren, liegt in der Natur der Sache. Man sollte aber, gerade wenn man selbst im Vollbesitz aller Freiheits- und Entfaltungsrechte ist, dieser Propaganda nicht auf den Leim gehen. Der Wunsch, anständig regiert zu werden, ist universal.

In seiner Nachbarschaft betreibt Deutschland bereits ja auch seit Jahrzehnten eine Politik, die auf der Idee der Ausweitung des Geltungsbereichs liberaler Staatlichkeit gründet. Die schrittweise EU-Erweiterung, von Deutschland mitgetragen und gerade nach Osten hin von Deutschland forciert, war immer an die Bedingung geknüpft, dass Kandidaten das Gesamtpaket liberaler Staatlichkeit und marktwirtschaftlicher Ordnung übernehmen. In einer solchen Nachbarschaft fühlt sich Deutschland sicher und stabil – und es entsteht neue Nachfrage für deutsche Produkte.

Deutschland hat ein generelles Interesse an der Ausweitung der Zone liberaler Staatlichkeit: ökonomisch, friedenspolitisch und im Hinblick auf Menschenrechte. Auch das längerfristige Interesse deutscher Unternehmen ist in freiheitlichen Staaten weitaus besser gesichert als in fragilen, immer von Umsturz und Verwerfungen bedrohten Autokratien; in liberalen Staaten stimmen die Rahmenbedingungen für auf Dauer angelegten Warenverkehr. Und auf längere Sicht sind auch die Menschenrechte nur dann in guten Händen, wenn ihre Einhaltung nicht von der willkürlichen Gnade autokratischer Herrscher abhängt, sondern von einem institutionellen Rahmen, der Grund- und Freiheitsrechte garantiert.

Eine außenpolitische Strategie, die am Ziel der Ausweitung des Geltungsbereichs liberaler Staatlichkeit ausgerichtet ist, würde alle Aspekte der bilateralen Beziehungen immer einem Test unterwerfen: Ist das, was wir tun, eher förderlich oder hinderlich für eine langfristige Wandlung hin zu liberal-demokratisch-marktwirtschaftlicher Staatlichkeit? Stützen wir Kräfte und Strömungen, die einen Wandel stärken oder sind wir Teil der Kräfte der autokratischen Beharrung? Mit wem arbeiten wir zusammen, um die Entwicklung des Landes in die Richtung zu fördern, die diesem übergreifenden Interesse entspricht? Führt Annäherung zum Wandel, oder ist mehr Distanz angebracht? An welchen Stellschrauben können wir drehen, um die Entwicklung in diesem Sinne zu befördern?

Deutsches außenpolitisches Handeln in eine solch umfassende Strategie einzubinden würde sie weitaus effektiver und zielgerichteter machen. Die derzeit dominierende Praxis, in der die Interessen von Unternehmen unter der sichtbaren Oberfläche erheblichen Einfluss auf die Außenpolitik ausüben, balanciert durch ein bisschen menschenrechtliche Rhetorik, mag zwar diejenigen, die den massivsten Druck auf die Regierung ausüben, jeweils in gewissem Grad befriedigen. Sie kann aber kein Ersatz für eine echte Außenpolitik sein, die den Gesamtinteressen des Staates entsprechen sollte.

Ulrich Speck ist außenpolitischer Analyst in Heidelberg.

422 Kommentare

  1.   Zagreus

    Ein netter Aufsatz – aber Speck hat oder will nicht die problematik, die er selbst in den ersten Sätzen anreisst, verstehen und deckt sie darum mit letztlich moralisierenden teleologischen Wunschbildern zu, um so keine wirkliche Antwort liefern zu müssen.

    Die Probematik besteht – wie er es ja selbst am Anfang konstatierte – die zwischen zwei Bedürfnissen, die man plakativ als ‚gut verdienen‘ und ‚gut schlafen können‘ fassen kann.

    Specks Ausführungen dazu argumentieren mit einem rethorischen Trick: unter ‚gut verdienen‘ wird auf die Industrie und einzelne Unternehmer konsistiert, ohne dabei die beiden wichtigen Momente in den Blick zu nehmen, die eigentlich für uns als BDR entscheidend sind: der über die Industrie und die Unternehmer laufenden Einnahmen durch außenbilanzüberschüsse für die BRD, sprich die deutsche Gesellschaft, und der Urspruch dieser Möglichkeit in einer zumindest noch partiell vorhandenen technologisch-wissenschaftlichen Überlegenheit der BRD-Gesellschaft gegenüber vielen gesellschaften der zweiten udn dritten Welt.
    Dabei interessiert die deutsche Industrie und die deutschen Unternehmer nur insofern, als sie eben deutsch sind, sprich tatsächlich an den Standort Deutschland gebunden sind – denn was soll zum Beispiel die deutsche gesellschaft interessieren, ob Simens in Singapur eine Entwicklungsabteilung unterhält und dort produkte herstellt und von dort aus vertreibt, wenn das Geld und das Know-how dafür nicht nach Deutschland fließt in form von Steuern, Löhnen, Investitionen etc., letztlich für Deutschland einen Außenbilanzüberschuss generiert, mit dessen Hilfe entsprechende Güter aus und im Ausland erworben werden können.
    Von daher ist eben der Speckschen Aussage zu widersprechen:
    „Deutschland hat ein generelles Interesse an der Ausweitung der Zone liberaler Staatlichkeit: ökonomisch, friedenspolitisch und im Hinblick auf Menschenrechte.“

    Dezutschland hat genau hier eben kein generelles Interesse, sondern nur partielle – nämlich insoweit es einerseits dadurch der Handel begünstigt wird, und andererseits eben die aus einer technisch-wissenschaftlichen Überlegenheit resultierende Wirtschaftskraft dabei nicht ‚flöten‘ geht. Ein China z. B., welches quasi alle (technischen) Produkte selbst in ähnlicher Qualität herstellen kann, muss von Deutschland nichts kaufen, sondern tritt als Konkurrent bzgl. dieser Produkte auf den Weltmarkt an. Und hier hat es dann die Möglichkeit auch gegenüber Kunden zu verkaufen, bei denen ‚wir‘ aufgrund moralischer bedenken wie mangelnde Menschenrechtsumsetzung, Demokratie und Freiheit bedenken gegenüber einen handel mit diesen Kunden haben. Die Möglichkeit Einfluss auf innerstaatliche Missstände in irgendwelchen Ländern zu nehmen, geht nur so weit nämlich, inwieweit diese Länder auf den handel mit uns angewiesen sind. Ein diktatorisch geführtes Land, dass sich aber einfach sagen kann: „wir kaufen halt unsere Waren dann in China, anstatt von den Deutschen – die chinesischen sind sowieso genauso gut und billiger, und versuchen usn nicht unter Druck zu setzen“ – muss sich nicht mehr um irgendwelches Einwände aus Deutschland kümmern.

    Letzten Endes besteht das Problem nicht darin, ob wir erfolgreich Menschenrechte, Liberalismus und Demokratie erfolgreich exportieren können oder nicht, sondern darin, inwieweit wir einerseits auch zukünftig in der Lage sind unseren Wohlstand aufrecht zu erhalten mit Hilfe von einem entsprechendem Exportvolumens, versus unseres Wunsches, in anderen Ländern zumindest freiheitlich-demokratische Grundordnungen und ein entsprechender Wohlstand für die dortigen Menschen zu ermöglichen.
    Und diesen sich im Grunde widersprechenden Bestrebungen, beantwortet Speck eben nicht, sondern er gibt eine letztlich auf der Moral (dem ‚gut schlafen-können‘) basierende Antwort ohne wirklich die problematik diskursiv genügend behandelt udn beantwortet zu haben, wenn er schreibt:
    „Eine außenpolitische Strategie, die am Ziel der Ausweitung des Geltungsbereichs liberaler Staatlichkeit ausgerichtet ist, würde alle Aspekte der bilateralen Beziehungen immer einem Test unterwerfen: Ist das, was wir tun, eher förderlich oder hinderlich für eine langfristige Wandlung hin zu liberal-demokratisch-marktwirtschaftlicher Staatlichkeit?“
    Denn dieses von ihm hier vorgegebene (generelle) Ziel der Außenpolitik berücksichtigt eben nicht die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands als Staat und Gesellschaft, sondern erhebt die moralische Außenpolitik zu Ziel in der Forderung nach „liberal-demokratisch-marktwirtschaftlicher Staatlichkeit“, ohne gewährleisten zu können oder zu wollen, inwieweit im Angesicht einer ungleichen Resourcenverteilung auf der Erde der auf Export basierende Wohlstand Deutschlands („das gute Fressen“) aufrecht erhalten werden kann.

  2.   B.L.R.R.

    Deutschland hat also seine Sicherheit, seine Freiheit und seinen Wohlstand einer liberalen demokratischen Ordnung zu verdanken. Und nach einer kleinen herumirrenden Schwächephase zwischen den beiden Weltkriegen, soll sich liberale Staatlichkeit mit amerikanischer Hilfe in Europa endlich fest etabliert haben.

    So, so… . Ich hab da so meine Bedenken ob diese Aufreihung von Ursachen und Wirkungen historisch zutreffend sind, oder ob nicht doch einiges eher in einer umgekehrten Reihenfolge verlief, zB. erst Wohlstand, und dann durfte Ursula den Minirock tragen.

    Und noch viel größere Bedenken habe ich mit dem „fest etabliert“ sein. Damit solch
    eine gewagte Behauptung keine ideologische Überzeugung mit viel Hoffnung bleibt, sondern sich als tatsächlicher Zustand erweist braucht es noch die geeigneten Zeiträume – 68Jahre sind in der Menschheitsgeschichte nicht mal ein Wimpernschlag, und die bis ins Mark gehende Krise, denn den Deutschen nehme ich den Überzeugungstäter in Sachen liberaler Demokratie erst ab, wenn sie zutiefst überzeugt bleiben auch wenn sie hungern.

    Und genau da wären wir eigentlich beim Kernpunkt:
    Wie viel Überzeugung in einer liberalen demokratischen Ordnung steckt wirklich in den Deutschen? Ist sie für die meisten nur ein Mittel zum Zweck oder unumstößliches Überzeugungsfundament?

    Meine rein persönliche Ansicht auf diese Fragen lautet, erst wenn nach dem „großen Fressen“ einmal eine Phase des „großen Hungers“ eintreffen sollte, werden wir die Antwort erfahren.

    Meine Vermutung tendiert aber stark in einer Richtung. Ich halte die deutsche Überzeugung in die liberal demokratische Ordnung für deutlich schwächer als zb. bei den Amerikanern, die ihre Verfassung mit einer religiös christlichen Aufladung vermischt haben. Es heißt sehr wahrscheinlich nicht: hier das Fressen, da die Moral. Sondern zuerst das Fressen und dann kommt irgendwann mal die Moral. Nicht bei allen, aber bei denen die Mehrheiten bilden. Sei es in der eigenen Strasse, in der
    eigenen Stadt, in der Wirtschaft oder in der Politik.

    Außenpolitische Experten aus Deutschland sind natürlich auch Deutsche.
    Die Debatte verläuft deshalb auch zwischen den fromm gläubigen die mehr Missionseifer fordern, (und die wahrscheinlich auch in der hungernden Armut an ihren Überzeugungen festhalten würden) und denen, die in der liberal demokratischen Ordnung lediglich ein Werkzeug sehen, dass seine Legitimität nur solange behält, solange man glaubt damit Wohlstand produzieren zu können. Sollte aber, wie aus heiterem Himmel, der Wohlstand wegfallen und fürs erste auch nicht mehr
    wiederkommen, dann war es nicht die liberal demokratische Ordnung die ihn generierte, auch wenn man es zuvor selber raus schrie. Das Werkzeug dass nichts mehr einbringt wird durch ein anderes ersetzt.

    Ich als religiöser Mensch weiß sehr genau, dass die wirklich zutiefst Überzeugten immer die Minderheiten bleiben gegenüber den Mehrheiten die ihr Fähnchen immer nur im Wind halten werden. Diese Erfahrung werden alle stark glaubenden Menschen machen, ganz gleich in welcher Religion und Zeit. Die Menschen wechseln ihre Götter schneller als man sehen kann, wenn sie nicht mehr das bekommen was sie sich erhofft haben.

    Deshalb Herr Lau, ihr liberaler „Fundamentalismus“ der sicherlich aus einer tiefen und wohlgemeinten Überzeugung kommt, wird niemals eine tatsächliche Mehrheit in Deutschland bilden, nicht mal in ihrer Strasse, und nicht mal in dieser außenpolitischen Debatte, denn die „Heuchler“ die ihren „Pragmatismus“ immer vor „Idealen“ stellen waren seit je her die absolute Mehrheit innerhalb der gesamten Menschheit.

    Deshalb Herr Lau, ist die Ansicht die ganze Welt mit dem Liberalismus beglücken zu können, während sehr wahrscheinlich die Mehrheit ihrer eigenen Nachbarn nicht wirklich Glaubensfest ist, und bei rauem Wind schneller umknicken als sie wohl wahr haben könnten, ein Wunschtraum.


  3. irgendwie hats da wohl diskussionsbedarf.
    wäre interessant, wie eine solche diskussion auf eu-niveau aussehen würde.
    dank an jl.

  4.   Zagreus

    @ B. L. R. R.

    „Ich halte die deutsche Überzeugung in die liberal demokratische Ordnung für deutlich schwächer als zb. bei den Amerikanern, die ihre Verfassung mit einer religiös christlichen Aufladung vermischt haben.“

    dieses Argument hat durchaus einiges für sich – durch das semi-religiöse Aufladen der amerikanischen verfassung für die Amerikaner wird eine steigerung der bedeutung für diese erzielt, was zu einer weigehenderen Festhalten an derselbigen beiträgt.

    Nur hier sollten sie sich einmal etwas abbremsen und einmal in sich gehen:
    „Ich als religiöser Mensch weiß sehr genau, dass die wirklich zutiefst Überzeugten immer die Minderheiten bleiben gegenüber den Mehrheiten die ihr Fähnchen immer nur im Wind halten werden. Diese Erfahrung werden alle stark glaubenden Menschen machen, ganz gleich in welcher Religion und Zeit. Die Menschen wechseln ihre Götter schneller als man sehen kann, wenn sie nicht mehr das bekommen was sie sich erhofft haben.“

    Nun, auch ihnen sollte klar sein, dass ein synonym für strak religiöser Mensch der Ausdruck Fanatiker ist – jemand, der wider alle vernunft und einwände an seinen Überzeugungen festhält – auf biegen und brechen. Und sicherlich ist so schonmanch gutes getan worden, dummerweise aber auch berge von schlechten – denn nur weil jemand überzeugungen hat und an eine sache tief glaubt, heisst das ja noch lange nicht, dass dieser Glaube und diese Überzeugungen gut seien oder Gutes bewirken.
    Auch die Klage des ‚Fähnchens nach dem Wnd hängens‘ und des „Sollte aber, wie aus heiterem Himmel, der Wohlstand wegfallen und fürs erste auch nicht mehr
    wiederkommen, dann war es nicht die liberal demokratische Ordnung die ihn generierte, auch wenn man es zuvor selber raus schrie. Das Werkzeug dass nichts mehr einbringt wird durch ein anderes ersetzt.“
    macht nur Sinn für jemanden, der gar nicht mehr merkt welch im Grunde arrogante Position er einnimmt, wenn er behauptet, dass eine Position schlechthin gut wäre – wider der erfahrenen realität.
    Ja, manchmal ändern Menschen ihre Überzeugungen – und das muss nicht zwingend zum Guten geschehen oder eben zu schlechten – udn das kann man immer als ein ‚Fähnlichen in den Wind hängen‘ diffamieren, geradee auch dann, wenn dies bei eienr größeren gruppe der fall ist.
    Und letztlich sind überzeugungen auch wirklich werkzeuge, mit deren Hilfe eben Welt bewältigt wird – udn das gilt auch für religiöse Überzeugungen. Denn wenn sie nicht an die erlösungshoffnung gottes glauben würden und daran, dass Gott das heil darstellen würde, wären auch ihrer Überzeugung die Fundamente entzogen. Diese Hoffungen sind aber zielgerichtet udn können eben sehr wohl als letztlich utilitraristisch verstanden werden. Und genauso wie Menschen zum Glauben kommen können, so können sie auch den glauben verlieren – und meist mit der selben berechtigung.
    Das sture Festhalten aber an einem Glauben ist nicht umbedingt der Erweis der inneren Stärke, sondern kann auch schlichtwegs Broniertheit, Arroganz, Besserwisserei sein – und die Beurteilung, was es nun wäre, liegt dabei meist im Auge des Betrachters.

    Von daher weäre ich halt mit solchen allgem. Urteilen wie
    „Deshalb Herr Lau, ihr liberaler “Fundamentalismus” der sicherlich aus einer tiefen und wohlgemeinten Überzeugung kommt, wird niemals eine tatsächliche Mehrheit in Deutschland bilden, nicht mal in ihrer Strasse, und nicht mal in dieser außenpolitischen Debatte, denn die “Heuchler” die ihren “Pragmatismus” immer vor “Idealen” stellen waren seit je her die absolute Mehrheit innerhalb der gesamten Menschheit.“
    würde ich mich etwas zurückhalten – denn es ist schon ein ziemliches Ding kurz mal über sehr viele Menchen den Stab zu brechen – und das wohl von jemanden, der aller Wahrscheinlichkeit nach selbst bzgl. seines Glaubens noch nie wirklich auf die probe gestellt wurde, noch unter dem Aspekt, dass manchmal prinzipien und Überzeugungen, die zu einer Zeit als richtig und gut sich erweisen haben, zu eienr anderen Zeit, zu anderen Umständen und zu einer anderen Gelegenheit gerade kontraproduktiv und falsch sein können.

  5.   aliana

    …ausser dass Deutschland nicht so sehr gutes tun will, als es den Anschein erwecken will, gutes zu tun.

  6.   ernsthaft

    Ist deutsche politik nur an deutschen interessen ausgerichtet ? Man könnte den eindruck gewinnen wenn man diesen beitrag liest. Ist deutsche nahostpolitik/israel nicht komplexer zu betrachten ? Verteidigen wir wirklich unsere freiheit am hindukusch ? Oder konnte man, nach irak, den amis nicht noch einen korb geben ? Wir machen doch auch eine außenpoltik die interessen unserer partner/freunde unterstützt .Es wird zb von der deutschen öffentlichkeit solidarität mit frankreich eingefordert (libyen/mali).
    Setzen wir uns in syrien für mehr liberalität ein? Was ist das ergebnis von mehr liberalität in irak ? Ist es nicht etwas komplizierter als uns der beitrag vorgaukelt ?

  7.   Cem gülaycasano

    Ohne die druckpressen der EZB und der Fed wäre es auch um diesem System geschehen. Auch dachten schon andere,das ihr system ewig dauern wird.

  8.   MRX

    @ CG

    Kämpfen Sie jetzt für den Goldstandard?

  9.   ernsthaft

    8 mrx
    Cem hat goldzähne…

  10.   Cem gülaycasano

    Ernsthaft, Goldzähne ich? Nein,Wenigstens habe ich noch meine echten

 

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