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100 Euro das Kilo

 

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Als letzte Woche die Ergebnisse der Stichwahl bekannt wurden (Ashraf Ghani führte), brach in Kabul Chaos aus. Der Verlierer Abdullah Abdullah erkannte das Ergebnis nicht an und drohte, eine zweite Regierung auszurufen. Einige seiner Anhänger riefen zum Kampf mit den Waffen auf.

Schließlich flog der amerikanische Außenminister John Kerry nach Kabul, vermittelte und man beschloss, alle acht Millionen Stimmen neuauszuzählen. Die Inauguration wurde verschoben. Und die beiden Kandidaten Ashraf Ghani und Abdullah Abdullah umarmten sich medienwirksam.

Während dieses Chaos waren Niklas Schenck und ich in einer deutlich sortierteren Gegend unterwegs, dem letzten Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan.  Camp Marmal, Masar-i-Scharif. Momentan sind dort noch etwas mehr als 2000 deutsche Soldaten stationiert, fast alle sind mit dem Abzug beschäftigt. Am 31. Dezember 2014 wird die Mission ISAF enden und jetzt muss all das, was einmal aus Deutschland nach Afghanistan gebracht wurde, wieder zurück nach Deutschland.

Das klingt einfach, in Wahrheit ist es aber ein bisschen komplizierter. Denn genau genommen ist noch gar nicht klar, ob der Abzug überhaupt ein richtiger Abzug werden wird. Die NATO plant eine Folgemission namens Resolute Support – allerdings nur, wenn die Amerikaner mitmachen. Die wiederum wollen sich solange nicht festlegen, bis die afghanische Regierung ein bilaterales Truppenstatut unterschreibt, in dem unter anderem festgelegt ist, dass amerikanische Soldaten für alles, was sie in Afghanistan machen, rechtlich nur in den USA belangt werden. Präsident Karzai will genau das nicht und weigert sich seit Monaten, das Abkommen zu unterschreiben. Die beiden möglichen Nachfolger, Abdullah Abdullah und Ashraf Ghani, haben beide angekündigt, das Abkommen zu unterzeichnen, sobald sie Präsident sind. Aber nach dem Chaos der letzten Wochen kann das noch dauern.

Solange das Truppenstatut nicht unterzeichnet und die Mission „Resolute Support“ nicht beschlossen ist, plant die Bundeswehr mit „Option Zero“. Um den Zeitplan dafür einzuhalten, wird sie ab 15. August auch die  Güter außer Land bringen, die im Falle einer Nachfolge-Mission Anfang nächsten Jahres wieder zurück nach Afghanistan gebracht werden müssen.

P.S. Ein kleines Rechenbeispiel: Laut Einsatzführungskommando kostet ein Kilo pro Flugstunde etwa acht Euro. Von Masar nach Deutschland sind es etwa 6 Stunden. Ein Kilo unnötig nach Deutschland geflogenes Material macht also, hin- und zurück: etwa 100 Euro.

 

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