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Ein Hurra für den Euro!

 
Ein 1-Euro Stück auf einer Europakarte/ © Getty Images

Vor zehn Jahren hieß unser Geld noch anders: D-Mark. Heute teilen wir eine gemeinsame Währung mit 22 Nachbarländern

Von Irene Berres

Es ist noch nicht lange her, da hatte jedes Land in Europa sein eigenes Geld. Wenn man in Österreich Urlaub machte, musste man seinen Kaiserschmarren oder seinen Apfelstrudel mit österreichischen Schillingen bezahlen. In Italien blätterte man viele Lire für ein Stück Pizza hin und in Spanien Peseten, wenn man Oma einen Strohesel mitbringen wollte. Dass man sein deutsches Geld vor jedem Urlaub umtauschen musste, war nicht besonders praktisch – aber für viele Menschen gehörte es eben zu den Ferien dazu. Ausland, das war fremdes Essen, fremde Sprache – und fremde Währung. Der berühmte deutsche Schriftsteller Martin Walser hat vor Kurzem erzählt, dass er sich nicht vorstellen konnte, einen tollen französischen Rotwein nicht mehr mit Francs, sondern mit dem neuen Geld zu bezahlen: dem Euro. Das erschien ihm ganz falsch.

Heute findet er den Euro aber großartig. Und das hat nicht nur damit zu tun, dass der Urlaub bequemer geworden ist. Was Martin Walser und viele andere Menschen am Euro gut finden, ist etwas viel Wichtigeres: Vor nicht einmal 70 Jahren (das ist nur ein Menschenleben her) führten die Länder in Europa einen schrecklichen Krieg gegeneinander (den leider Deutschland angefangen hatte). Niemand hätte sich damals träumen lassen, dass danach je wieder Frieden herrschen könnte, dass die europäischen Staaten zu guten Nachbarn würden. Der Euro sollte auch ein Zeichen sein, ein Symbol für diese neue, friedliche Zeit. Er sollte zeigen: Wir arbeiten zusammen, wir werden nicht wieder gegeneinander kämpfen. Außerdem machte es die gemeinsame Währung den Ländern leichter, miteinander Handel zu treiben.

Die Umstellung der vielen Währungen auf den Euro war allerdings eine Riesenaktion! Zunächst einmal gab es ja in Deutschland noch das alte Geld – in Millionen von Sparschweinen und Portemonnaies, auf Bankkonten und Sparbüchern. Wie sollte man das alte Geld einsammeln, das neue verteilen? Man einigte sich auf einen Termin: den 1. Januar 2002. Von diesem Tag an sollten die Banken und Geldautomaten nur noch Euros ausgeben. Bei uns konnte jeder seine D-Mark-Münzen und -Scheine bei den Banken umtauschen: Für eine Mark bekam man etwa 51 Cent. Das ist heute immer noch so: Wer in einer Truhe einen alten Geldschein findet, kann ihn zum selben Kurs einwechseln.

Viele Leute wollten sich das neue Geld schon in der Silvesternacht holen – das neue Jahr beginnt ja um 0.00 Uhr. Deshalb hatten die Regierung und die Banken im Voraus furchtbar viel planen und organisieren müssen, damit die Geldautomaten gut gefüllt waren und niemand enttäuscht wurde. In Berlin und München wurden 4,3 Milliarden neue Euro-Scheine gedruckt. Allerdings war am Anfang alles streng geheim: Niemand Fremdes durfte bei der Geldproduktion zusehen. Die Mitarbeiter der Druckereien durften kein Wort von ihrer Arbeit erzählen, nicht einmal zu Hause. Das war wichtig, damit Geldfälscher keine Chance hatten, die Scheine nachzumachen.

Die Euro-Münzen kamen unter anderem aus der Prägeanstalt Staatliche Münze Berlin. Zwölf grüne Maschinen spuckten dort 850 Münzen pro Minute aus. Schon seit dem Sommer 1999 hatten diese Maschinen rund um die Uhr gerattert. Jeden Tag haben die Mitarbeiter elf bis zwölf Kisten mit Münzen gepackt, jede etwa 700 Kilogramm schwer. Insgesamt gibt es in Deutschland fünf Münzprägeanstalten. Bis zum 1. Januar 2002 entstanden dort 17 Milliarden deutsche Euro-Münzen – genug, um eine Lastwagenkolonne von mehr als 52 Kilometer Länge zu füllen!

In den letzten vier Monaten vor dem Jahresende 2001 herrschte Geldtransporter-Hochbetrieb auf den Straßen. Innerhalb weniger Wochen wurden in ganz Deutschland 2,3 Milliarden Euro-Scheine im Wert von 132 Milliarden Euro und 15,5 Milliarden Euro-Münzen im Wert von 4,8 Milliarden Euro an die Banken ausgeliefert. Das Gewicht des Geldes betrug rund 71500 Tonnen, es war damit etwa so schwer wie 440 Jumbojets! Der Transport stellte eine Herausforderung für die Polizei dar: Schließlich wussten auch alle Gangster, dass der Euro kommen würde. Um die Transportfahrzeuge zu schützen, begleiteten Polizisten jede große Tour mit Blaulicht. Das war natürlich nicht gerade unauffällig. Nur bis es tatsächlich losging, konnten die Strecken wirklich geheim gehalten werden. Dafür mussten die Wagen unterwegs aber kein einziges Mal anhalten und kamen rasch zu ihrem Ziel. Gelohnt hätte sich ein Überfall ohnehin nur bei einem Geldtransporter mit Scheinen. Münzen nämlich sind viel zu schwer: 30000 Euro wiegen etwa 500 Kilogramm. Die kann selbst ein sehr starker Gangster nicht schnell wegtragen.

Und was geschah mit dem alten Geld, mit der D-Mark, die jetzt überflüssig geworden war? Rund 2,6 Milliarden Geldscheine waren ja nun zu nichts mehr zu gebrauchen. Übereinandergestapelt hätten sie einen Turm von mehr als 300 Kilometer Höhe ergeben. Wohin damit? In der Bundesbank machten Maschinen Konfetti aus dem Geld und rissen jeden Schein in 800 winzige Teile (es sollte ja niemand die alten Scheine zwei- oder dreimal gegen neue Euros eintauschen). Ein Großteil der Geldschnipsel landete in den Müllverbrennungsanlagen und ging zwischen leeren Joghurtbechern und anderem Hausmüll in Flammen auf. Ein kleinerer Teil wurde zu Briefpapier, auf dem mit etwas Fantasie noch die Bilder der Geldscheine zu erkennen waren. Es gab auch den Vorschlag, die alten Scheine zu kompostieren. Die Druckfarbe war dafür aber zu giftig. Auch aus der Idee, Toilettenpapier aus dem Geldkonfetti zu machen, wurde nichts. Das wollten die Deutschen ihrer Mark dann doch nicht antun! Den Münzen erging es besser als den Scheinen: Nach dem Einschmelzen gelangten sie als Euro-Münzen zurück in die Geldbeutel.

3 Kommentare

  1.   Renu

    das ist wirklich eine tolle Euro-Geschichte Reise!

  2.   Matthias

    Der Euro ist eine gute Idee, doch wer eine gemeinsame Währung hat, sollte auch eine gemeinsame Staatshaushaltsverwaltung haben.

  3.   KOch

    Was würde ich ohne die ZEIT machen?
    Danke, dass ihr auch an die Generationen nach euch denkt.

 

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