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Die Gold-Kicker

 
Ist jetzt schlagartig mehr wert: Mario Gomez nach dem 1:0 gegen Portugal/ © Getty Images

Fußball ist ein Riesengeschäft. Für Spieler und Vereine geht es um Millionen. Für ZEIT Leo hat Alex Westhoff erklärt, warum Buffer so viel wert sind

Bei diesen Zahlen kann einem schwindlig werden: Nationalspieler Marco Reus wechselt für 17,5 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zu Borussia Dortmund, Superstar Lionel Messi vom FC Barcelona soll 2011 rund 33 Millionen Euro verdient haben, Thomas Müller vom FC Bayern München hat einen Marktwert von etwa 35 Millionen Euro. Im Profifußball ist so viel Geld im Spiel, dass man es sich kaum vorstellen kann. Und die Europameisterschaft in diesem Sommer in Polen und der Ukraine wird wieder viel Bewegung in den Spielermarkt bringen. Die Fans sehen die Spiele der EM, weil sie tollen Fußball erleben und ihr Land siegen sehen
wollen. Für die Spieler geht es um mehr.

Fast die ganze Welt schaut zu, wenn die besten Kicker Europas aufeinandertreffen. Und im Publikum sitzen natürlich auch die Trainer und Manager der größten und erfolgreichsten Vereine, die immer auf der Suche nach Verstärkung für ihre Teams sind. Große Turniere wie die EM sind wie eine Ausstellung, in der Fußballer am besten auf sich aufmerksam machen. Weil man bei großen Vereinen am meisten Geld verdient und die besten
Chancen hat, Meisterschaften und Pokale zu gewinnen, wollen eigentlich alle Spieler mal für den FC Barcelona, Manchester United, den FC Bayern München oder Inter Mailand spielen.

Wer bei einer EM fünf Tore schießt oder vorbereitet, macht sich interessant – und dessen Marktwert als Profi
steigt. Als Marktwert bezeichnet man den ungefähren Betrag, den ein Klub nach Meinung von Experten zahlen müsste, um den Spieler dessen aktuellem Klub abzukaufen. Ablösesumme nennt man den Betrag, den der neue Verein tatsächlich bezahlt. Nach einer EM werden viele solcher Verhandlungen geführt.

Trikots kosten. Und bringen den Vereinen und dem DFB Geld/ © Getty Images

Dass Spieler überhaupt so riesige Summen verdienen, hat damit zu tun, dass sich so viele Menschen auf der ganzen Welt für Fußball interessieren. Jeder Zuschauer trägt ein bisschen dazu bei, dass die Profis so viel Geld bekommen. Jeder? Kaum zu glauben, aber es stimmt. Die Fans eines Vereins gehen ins Stadion und zahlen zum Beispiel 30 Euro für eine Sitzplatzkarte. Oder sie gehen in den Fanshop und kaufen für 60 Euro das Trikot mit dem Namenszug ihres Lieblingsspielers. Daran verdienen die Fußballklubs – und die wiederum bezahlen ja die Spieler, die für sie kicken.

Doch das ist nur ein kleinerer Teil der Einnahmen. Besonders viel Geld bekommen die Vereine von den Fernsehsendern, die ihre Spiele übertragen. Insgesamt 628 Millionen Euro pro Jahr kostet das den Bezahlsender Sky und die ARD in Zukunft, bislang waren es »nur« 412 Millionen. Das ermöglichen auch deine Eltern, wenn sie
Fernsehgebühren bezahlen.

Außerdem verdienen die Fernsehsender an den Werbespots, die sie den Zuschauern vor dem Anpfiff, in der Halbzeitpause und nach dem Spiel zeigen. Wer in den Unterbrechungen zum Beispiel für Schokocreme werben will, bezahlt den Sendern dafür viel Geld. Dafür wird aber im Supermarkt auch die Schokocreme teurer. Es stimmt also, dass wirklich jeder die Gehälter der Fußballer mitbezahlt. Profifußball ist in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem immer größeren Geschäft geworden, in dem es um immer mehr Geld geht. Und bei dem immer mehr Leute mitverdienen.

Aber das erklärt noch nicht, warum einzelne Spieler so besonders viel Geld bekommen. Die Antwort lautet: Die Spieler, die auf dem Platz den Unterschied ausmachen und über Sieg oder Niederlage entscheiden, sind rar – der bärenstarke Torwart, der technisch überragende Mittelfeldspieler oder der gefährliche Torjäger. Und diese Spieler wollen natürlich alle Klubs haben, um weiter erfolgreich zu sein. So überbieten sich die Vereine gegenseitig mit Millionen-Angeboten.

Dabei verdienen erfolgreiche Stürmer – zuständig für die Tore – meist mehr als Abwehrspieler. Besonders umworben sind die Spieler, deren Vertrag bei einem Verein ausläuft. Denn dann können sie ohne die Zahlung einer Ablösesumme wechseln. Wenn der neue Klub die hohe Summe einspart, kann der Spieler mehr Gehalt verlangen.

Ein Beispiel dafür ist Miroslav Klose. Dessen Vertrag beim FC Bayern München lief im vergangenen Sommer aus, der Nationalstürmer wechselte zu Lazio Rom, wo er angeblich zwei Millionen Euro im Jahr verdient.

Die Stars verdienen nicht nur viel, durch Prämien erhöhen sie ihre Einkünfte noch: Beim FC Bayern gibt es für den Gewinn der Meisterschaft 200 000 Euro extra. Dazu kommen Werbeverträge. Wenn zum Beispiel Cristiano Ronaldo Werbung für Jeans oder Limo macht, bekommt er dafür im Jahr etwa 25 Millionen Euro. Bei ihm und bei manchen anderen Kickern sind die Werbeeinnahmen sogar höher als das Gehalt vom Verein. Die 33 Millionen Euro, die Superstar Lionel Messi im letzten Jahr verdient haben soll, setzten sich in etwa so zusammen: 10,5 Millionen Gehalt, 1,5 Millionen Prämien, 21 Millionen Werbeeinnahmen.

Die Zahlen sind nicht ganz, sondern nur ungefähr richtig. Denn Spieler und Vereine veröffentlichen die Millionengehälter eigentlich nicht. Doch weil im Fußballgeschäft viel geredet und geprahlt wird, kommen die Zahlen meist doch irgendwann heraus. Nationalmannschaft, Werbespots, Millionengehälter – in dieser Welt bewegen sich freilich nur die Besten der Besten. Kleinere, ärmere Vereine können sich diese guten Spieler nicht leisten. Sie verstärken ihre Teams mit unbekannten oder sehr jungen Spielern und hoffen, dass diese sich zu sehr guten Fußballern entwickeln.

Erst bei Borussia Dortmund aussortiert, nun heiß begehrt: Marco Reus/ © Getty Images

Marco Reus ist dafür ein gutes Beispiel. Der Nationalspieler war in der Jugend bei Borussia Dortmund. Aber ein Nachwuchstrainer hielt ihn damals für zu dünn und zu wenig durchsetzungsstark. Zu den Dortmunder Profis, hieß es, würde es Reus nie schaffen. Was für ein teurer Irrtum! Über den kleinen Verein Rot-Weiß Ahlen, der damals in der Zweiten Liga spielte, kam Marco Reus für eine Million Euro in die Erste Bundesliga, zu Borussia Mönchengladbach. Dort startete Reus richtig durch, er schoss viele Tore und wurde Nationalspieler. Nun wechselt der 22-Jährige zur kommenden Saison wieder zurück zum deutschen Meister Borussia Dortmund, zu dem Verein, der ihn einst aussortiert hatte. Dortmund bezahlt dafür 17,5 Millionen Euro.

Wie schnell ein junger Spieler zum Millionär aufsteigen kann, hat ein anderer Dortmunder Star gezeigt: Mario Götze. Als 18-jähriger Jugendspieler schaffte er den Durchbruch bei den BVB-Profis, wurde Stammspieler in Dortmund und Nationalspieler. Vor Kurzem hat er bei der Borussia einen Vertrag bis 2016 mit Millionengehalt unterschrieben. Wer wird es nach der EM Sami Khedira nachmachen? Der deutsche Nationalspieler war vor der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika in anderen Ländern kaum bekannt. Dann spielte Khedira bei der WM aber so brillant, dass Real Madrid ihn anschließend holte, gemeinsam mit Mesut Özil. Auch der ist bei der WM endgültig zum Weltstar geworden – und verdient so viel Geld wie nie zuvor.

Wenn Du die Spiele der EM guckst, willst Du natürlich tolle Tore und spannende Spiele sehen. Vielleicht rätst Du aber auch gleich mit, welcher Spieler nach dem Turnier den besten Vertrag abstaubt.

1 Kommentar

  1.   Anonym

    Deshalb gehe ich schon lange nicht mehr ins Stadion und zahle auch nicht fuer Premiere/Sky. Die richtigen Fans wurden doch eh alle schon weggetrieben und durch die Reichen ersetzt. VIP Bereiche fuer die Reichen gibt es ohne Ende und ueberall entstehen neue Stadien. Ticketpreise erhoehen sich ohne Ende und den dummen Fans werden auch noch jedes Jahr neue Artikel angedreht, da sich Trikots etc immer aendern. Vereine und Spieler „huren“ durch die Welt um sich selbst und Produkte zu verkaufen. Viele Fans haben jetzt schon in Asien etc mehr Fans als im Heimatland. Durch diese „bandwagon fans“ werden die grossen Vereine immer reicher und die kleineren Vereine haben kaum noch Chancen.

    Der Witz ist, dass Politiker diesen Vereinen auch noch helfen ohne Ende um finanzielle Vorzuege zu erlangen, die „normalen“ Menschen nicht zustehen. Man muss sich nur einmal das „Beckham Law“ in Spanien anschauen oder wie viel der reichste Verein der Welt (Man United) an Abgaben zahlt. Naehmlich absolut nichts aufgrund ihrer hohen Verschuldung. Die kleinen Leute werden jedoch zur Kasse gebeten. Waere schoen, wenn dafuer wenigstens nicht die GEZ Gebuehren verschwendet wuerden, aber was soll man machen. Fuer die Sicherheit im Stadion sind die Vereine dann auch nur geringfuehgig an den Kosten beteiligt. Der Grossteil wird naemlich nicht von Ihnen uebernommen, sondern ultimativ durch die Buerger.

    Das ist eben Kapitalismus. Ein „Researcher“, der an einer Krankheit forscht verdient vielleicht $60.000 im Jahr wenn er Glueck hat. Aber jemand der gegen den Ball kickt bekommt $40 Millionen im Jahr. Die Gesellschaft wurde ja hierfuer von den Medien konditioniert. Wir sind eine Gesellschaft in der es nicht mehr wichtig ist was man macht, sondern was man hat. Noch trauriger, dass diese unglaublichen Summen in Zeiten der Weltwirtschaftskrise gezahlt werden und es viele Vereine im Fussball gibt, die eigentlich Pleite sind.

 

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