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1. Dezember 2016 – Ausgabe 50

 

Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

Eleven Forty Two – Guantanamo. What in heaven‘ name has happened to the United States? – Dr. Klaus Milde


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Volltreffer und aus der Seele gesprochen! Woher ( leider eine ganze Menge ) Journalisten ( und auch Kabarettisten ) den Mut und die Überzeugung nehmen, daß man Personen der Öffentlichkeit beleidigen muß, um damit den eigenen Erfolg zu beflügeln, ist mir seit jeher schleierhaft. Kritisieren ist grundsätzlich leichter, als selber konstruktiv und in Verantwortung zu gestalten. Man muß eine Meinung nicht teilen, aber die Andersartigkeit der anderen Meinung, einem anderen Verhalten, ist zu respektieren. Sie sprechen ein zentrales Thema ruhig an: die Qualität der zweiten und dritten Reihe. Es könnte einen grausen, sieht man manche Vertreter der neuen Generation langsam in die Ämter „schleichen“, die außer Politik nichts gelernt oder getan haben. Früher wurde der Politiker berufen, heute drängelt er sich mit aller Macht in die Ämter, häufig bar jeder Erfahrung im “richtigen“ Leben und mit der Angst ausgestattet, daß ein Fehler ihn die Karriere kosten könnte. Jene Karriere, außer der er nichts hat. Denkt man an Strauss, Kohl, Brand, Schmidt und Wehner, die lange Jahre selber die zweite Reihe bildeten ( bilden mußten ) und vergleicht diese mit dem „Nachwuchs“ der heute zur Verfügung steht, kann man Ihnen nur recht geben: die erste Riege ist nicht so einfach zu ersetzen. Auch wenn manche Politiker natürlich manchmal dummes Zeug erzählen oder auch mal am nächsten Tag das Gegenteil vom Vortag, so kann man ihnen dies sicherlich beibiegen, ohne daß man ihnen persönlich unter die Gürtellinie haut. Aber Gift aus sicherer Deckung zu verspritzen ist wohl einfacher, als sich in der ersten Reihe selber zu stellen. –Nico Schifferer


Leserbrief zu „Zur Not noch fünf Jahre“ ein Gespräch mit Lufthansa-Kapitän Thomas von Sturm, geführt von Claus Heckingund Claas Tatje

dem Interview mit Thomas von Sturm möchte ich noch einige Zeilen hinzufügen:  Selbst eine seriöse Zeitung setzt ein Gehalt von 22.000 € für einen LH Kapitän an; dies ist das END-Gehalt nach ca 40 Dienstjahren. Das Durchschnittsgehalt aller  LH Piloten dürfte knapp über 10.000 € liegen. ( Merkwürdigerweise regt sich kein Mensch über die exorbitanten Einnahmen eines Fussballspielers der Bundesliga auf ?? ) Leider haben die Angestellten keinen Einfluss auf die unternehmerischen Entscheidungen des Vorstands. Aber die zitierte Bemerkung von Sarah Wagenknecht trifft das Problem im Kern: es kann sogar soweit kommen, dass die jungen Kollegen bei Eurowings in die (Schein) Selbständigkeit gedrängt werden – wie bei Billigairlines geschehen. Wenn diese Konstruktion dann noch nicht mit den Gesetzen bei uns konform ist, kommen möglicherweise  noch Steuernachzahlungen in beträchtlicher Höhe auf die Kollegen zu. Diese komplizierte Gemengenlage ist natürlich Aussenstehenden sehr schwer nahe zu bringen.  – Peter Hanke


Leserbrief zu „Nischen-Spiele“ von Christof Siemens

Warum sollen an Stelle von ARD und ZDF nicht einmal andere Sender die Olympischen Spiele übertragen? Haben es sich die mit Gebühren finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender nicht allzu bequem eingerichtet in ihrem vermeintlichen Gewohnheitsrecht zur Übertragung von sportlichen Großereignissen? Bei den Spielen in Rio waren sie mit sage und schreibe knapp 500 eigenen Mitarbeitern vor Ort, obwohl sie doch viel Material von anderen Anstalten geliefert bekamen.  Und trotzdem gab es Stunden voller Leerlauf mit Wiederholungen in einer Endlos- schleife. Die einfühlsamen Interviews von Frau Müller-Hohenstein („Wie fühlen Sie sich?“) und die sachkundigen Kommentare der „Experten“ („Am Ende wurde es noch einmal knapp!“) können sicherlich auch andere Anstalten liefern. – W.-R. Heilmann


Leserbrief zu „Ich bin ja kein Diktator“ ein Interview mit Mick Jagger von Christoph Dallach

Wenn alle Ihrer Auskunft nach „seltenen Interviews“ mit Mick Jagger  so oberflächlich, inhaltsleer und teilweise absurd sind wie dieses, dann kann man ja nur froh sein über diese Jagger-untypische Mäßigung. Glauben Sie im Ernst, dass Jagger „rumgefahren“ ist, um nach einem „passenden Ort“ für die Aufnahme des neuen Albums zu suchen und dabei, wie praktisch, auf das nahegelegene Studio von Mark Knopfler gestoßen ist? Und was soll dieser Ausbruch gegen Frank Sinatra? Ausgerechnet  nach Fertigstellung eines Albums, das nur Cover-Versionen enthält, wirft er diesem vor, ein „klassischer Interpret“ zu sein, der „nie einen Song geschrieben hat“. Wenn Ron Wood „eigentlich eine Million mal üben müsste“, um die Gitarrenmelodien „hinzubekommen“ – wie unvollkommen muss dann ein Album sein, das (inkl. „Fingerübungen“ und Auswahl des Materials!) in nur drei Tagen hinuntergespielt wurde? Wäre es nicht ohnehin viel besser gewesen, einfach nur ein Album mit den zwölf Originalversionen herauszubringen, als sich bei einem Neu- aufguss, armer Ron Wood,  die Finger blutig zu spielen? – W.-R. Heilmann 


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Ich gebe Ihnen durchaus recht. Bezüglich der kommenden Wahlen habe ich sogar schon daran gedacht, die CDU zu wählen. Ich, eine alte Grünen-Wählerin! Aber nur aus taktischen Gründen: Eine AfD möchte ich auf keinen Fall. Davor fürchte ich mich, wie vor Trump oder Le Pen oder Wilder. Und hoffentlich wählt Österreich nicht populistisch! Dass Merkel weiterhin zu “ keine Begrenzung“ nach oben steht, rechne ich ihr hoch an! – Sieglinde Kaßbaum  


Leserbrief zu „Du warst unser Vorbild, mein Vorbild“ ein Leserbrief von Anna Fischer

Anna Fischer, begnadete Schauspieler, textet einen Brief an Rio Reiser und erzählt dabei fast ihr ganzes Leben… Selten so etwas Schönes gelesen. Das Wort Geniestreich greift noch zu kurz. Schreib‘ ein Buch, Anna, möglichst bald ! – Michael Zimmermann


 Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Der Gegensatz könnte nicht größer sein : Die Leserbriefe der letzten Ausgabe attestieren in der Mehrzahl den Herren Joffe und Ulrich eine Überheblichkeit und Abgehobenheit vom Geschehen (ob nun gefühlt oder real sei dahingestellt ) und in diesem Artikel schreibt Herr Ulrich weiter als sei nichts geschehen .  Es sind die anderen Journalisten und Zeitungen, die danebenliegen oder übers Ziel hinausschießen – natürlich nicht man selbst. Das erinnert so klar an den Leitartikel im „Zett“ letzter Woche über die Spaltung – die anderen sind die Bösen : ich bin gut. Einfach interessant zu beobachten . – Wolfgang Michel   


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Ich gebe Ihnen durchaus recht. Bezüglich der kommenden Wahlen habe ich sogar schon daran gedacht, die CDU zu wählen. Ich, eine alte Grünen-Wählerin! Aber nur aus taktischen Gründen: Eine AfD möchte ich auf keinen Fall. Davor fürchte ich mich, wie vor Trump oder Le Pen oder Wilder. Und hoffentlich wählt Österreich nicht populistisch! Dass Merkel weiterhin zu “ keine Begrenzung“ nach oben steht, rechne ich ihr hoch an! – Sieglinde Kaßbaum


Leserbrief zum Titelthema „Der Mensch nebenan“

In München eine Wohnung zu finden ist aufregender als eine Atlantiküberquerung in einer Nussschale. Wobei bei Meeresabenteuern die Unwägbarkeiten eingrenzbar sind (Wind, Wetter, physische Konstitution). Um in Schwabing-West eine Bleibe zu ergattern, die ansprechend, zahlbar und dann noch zu haben ist, muss man entweder sämtliche Makler bestechen – oder unverschämtes Glück haben. Letzteres war unserer kleinen Familie beschieden. Mehr noch: die Jungs fanden die neue Bleibe auch okay. Was einem 11- und einem 8-Jährigen zusagt, sollte uns recht sein.

Schieflage

Der Vermieter konnte uns aussuchen, wir konnten die Wohnung aussuchen, die Nachbarn hingegen waren gesetzt – und ob der sich abzeichnenden Veränderung wenig erfreut. Ein Jahr lang standen die Räumlichkeiten in der Nummer 23 leer. Man hatte sich daran gewöhnt, dass vom Erdgeschoss Mitte kein Lärm, kein Ton, nicht mal ein Tönchen kam. Niemand rührte sich dort, verunreinigte das Treppenhaus, knallte die Haustüre zu oder belegte einen der begehrten Tiefgaragenplätze. Der Einzug der Unkrigs beendete die Idylle.

Dass Links und Rechts unser Auftauchen argwöhnisch beäugten, realisierten wir erst gar nicht. Wir richteten das neue Zuhause ein, schnitten die Sträucher zurück, zupften Unkraut zurecht und belebten den Balkon mit Landhausdeko. Zum Leidwesen der Anstösser fassten wir den Ausdruck «Gemeinschaftsgarten» so auf, dass man auf dem Rasenflecken zusammen etwas ausrichten könnte: Feierabendbier, Grillspass, Sandmuschel für die Kleinen. Dabei hatte man sich tunlichst von diesem eingezäunten Areal fernzuhalten … Als wir die dreissig Quadratmeter von Moos und Steinen befreien wollten, schritt die Hausverwaltung ein. Als der Fensterbauer die neuen Glasscheiben an der Mauer deponierte, schrie sich ein Mitglied des Verwaltungsbeirats die Protest-Kehle heiser (obgleich er selbst den Beschluss zum Austausch dieser Elemente unterschrieben hatte). Als unsere Söhne ihr ferngesteuertes Auto im Gemeinschaftsgarten kreisen liessen, klingelte der ältere Herr aus der 21 und ermahnte uns, dem «Gedröhne» ein Ende zu setzen. Es störe seinen Mittagsschlaf. Mit anderen Worten: Wir hatten uns in kürzester Zeit beliebt gemacht!

Zwecks Entschärfung der Situation luden wir zum Brunch ein. Nahezu alle kreuzten auf. Sei es um die Nase zu strecken, sei es um zu sehen, wie die «Krachmacher» so wohnen. Einzig die Frau von nebenan schlug die Einladung aus. Wir wussten wenig von ihr: dass zwei Namen auf dem Türschild standen, aber nur eine Person ein und aus ging. Dass der Papagei bei schönem Wetter Ausgang erhielt, der dunkelgrüne Sportwagen jedoch vor sich hin rostete. Dass sie einen kunstvoll verwunschenen Garten besass, in welchen sie niemanden reinliess. Dass ihr Mann verstorben sein musste und sie vorher unsere Wohnung als Büro benutzt hatte. Allmählich dämmerte es mir: Frau Forsch hatte nie einen Mucks von «drüben» gehört. Tagsüber war sie hier, an ihrem Schreibtisch, und machte ihren eigenen Radau (der bekanntlich nicht nervt). Abends befand sie sich in ihren Privaträumen, neben dem unbenutzten Office (das jetzt bestimmt nicht mehr so gepflegt war. Man denke nur an die Schleiflackabdeckung der Küche oder den von ihr ausgesuchten teuren Parkettboden …). Eigentlich paradox: Sie hauste allein in vier Zimmern, während sich hinter der Wand – an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz – vier Personen drei Zimmer teilten. Hinzu kam ein Ungleichgewicht der anderen Art: Sie konnte in drei andere Räume flüchten, wenn es ungemütlich wurde. Bei uns hingegen fiel – wie beim Sesseltanz – für den Überzähligen kein Rückzugsort ab. Wen wundert´s, dass es zuweilen wild zu und her ging!

Einen Monat später erwischte es die Anstösserin eiskalt, als sie sich beim Hauseigentümer über die unmögliche Nachbarschaft, speziell die Zugezogenen, beschweren wollte. «Kinderlärm? Ich verstehe Sie leider im Moment ganz schlecht. Meine Frau ist unterwegs und ich bin allein mit den drei Rabauken. Im Hintergrund streiten sich gerade zwei um eine Playmobilfigur: den Bauarbeiter mit Bierkasten Den gibt es in der aktuellen Kollektion übrigens nicht mehr. Wegen Political Correctness und so. Sie sehen, mit den Kids bleibt man am Ball!» Hier hatte die Geplagte kein Verständnis zu erwarten. Begeisterte Freizeitväter liessen ihresgleichen unbehelligt … An Weihnachten startete Frau Forsch den Gegenangriff. Sie liess Getränke anliefern, holte Schwarzarbeiter ins Haus und zog über die Festtage eine neue Decke ein (lautes Hämmern zu «Stille Nacht»). Ab Neujahr klopfte sie bei jedem Pieps gegen die Wand. Als ich reklamierte, meinte sie kurz angebunden, sie hätte Migräne und müsse sich auf diese Weise abreagieren. Wir studierten daraufhin den Mondkalender, um die Vorhersehbarkeit weiterer Anfälle ungefähr abzuschätzen. Gleichzeitig verlangten die Kids nach Erklärungen, warum die Nachbarin unaufhörlich die Treppe rauf runter renne. Mein Verweis auf die innere Unruhe gewisser Menschen überzeugte sie nicht. Ich doppelte nach: «Ihr weint, zwängelt oder reisst den Legomännchen den Kopf ab, wenn euch etwas nervt. Das können Erwachsene nicht. Sie müssen sich anderswie behelfen!» «Indem sie auf den Stufen stapfen? Tun, was wir nicht dürfen?», fragte der Grössere. Der Jüngere pflichtete ihm bei: «Sie grüsst nicht, schaut grimmig, grantelt ständig vor sich hin. Die hat definitiv einen Flick weg!»

Wir wechselten in der Folge wöchentlich die Strategie: Ignorieren, Aushalten, paradoxe Intervention (etwa für ihre Freundlichkeit danken). Nichts nützte! Der Nachwuchs stellt die Buchstaben am Klingelbrett um (von «Forsch» zu «Frosch»), brachte dem Papagei das Wort «Zicke» bei, schrieb «Upps» in den Staub auf der Rückscheibe ihres verstaubten Wagens und übergab der Dame süss lächelnd die DHL-Pakete, welche der Paketbote bei uns ablieferte; mit dem Ausdruck des Bedauerns, dass die Adressatin umgekehrt unsere Sendungen stets ablehne. Die «Forscherin» nahm es ungerührt zur Kenntnis.

Nach fünf Jahren hatten wir uns auf die gegenseitige Piesackerei eingestellt, bis die Widersacherin urplötzlich verschwand. Spurlos, von einem Tag auf den anderen, aus dem schwarzen Nichts heraus. Sie war weg, einfach so. Das abgeklaubte Schild auf dem Briefkasten deutete daraufhin, dass sie nicht vorhatte, zurückzukommen. Kein Geräusch drang aus der anderen Wohnung zu uns, kein Laut von uns zu ihr. Keiner zuckte zusammen, weil es «wieder lospolterte». Keiner polterte zurück. Wir schlichen wie bis anhin auf Zehenspitzen herum. Zum einen weil wir uns dies so angewöhnt hatten. Zum anderen um zu horchen, ob sich nicht doch etwas rührte, nebenan. Das einzige, das gelegentlich tickte, war ihre Standuhr. Ansonsten herrschte gegen Norden eine eigenartige Ruhe. Der Hauswart bestätigte die Beobachtung: In letzter Zeit hätte er unsere Nachbarin weder gesehen noch gehört. Vermutlich sei sie ausgezogen. Sie hätte sich allerdings weder verabschiedet noch abgemeldet. Ich war enttäuscht. Mir nichts dir nichts in Luft aufgelöst … Zumindest wäre zu erwarten gewesen, dass sie beim letzten Vorübergehen kräftig gegen unsere Tür tritt!

Die «Villa nervosa», wie wir ihr Refugium nannten, verharrt seither im Winterschlaf. Ohne Entrümpeln, Renovation oder Neuvergabe. Sie zählt zum angeblich nicht existenten Leerwohnungsbestand dieser Stadt.

Namen und Umstände leicht verändert – Karin Unkrig


Leserbrief zu „Nischen-Spiele“ von Christof Siemens

Es hat seinen Grund warum die Leute auf die Frage nach dem Motto der olympischen Spiele mit „Dabei sein ist alles!“, statt dem eigentlich richtigen „schneller, höher, stärker“ antworten. Ich habe den verdacht, dass durch diesen Medaillenhunger, die Zukunft Olympias wie die der Tour de France laufen wird. Also in der Regel nicht auf deutschen Fernsehern. Ein Sport ohne bekannten Sieger ist vielleicht uninteressant, doch ein gedopter Sieger wird auf dauer nicht als so einer akzeptiert. Wenn sich diese  Erkenntnis nicht bald bei Sportlern und Investoren durchsetzt liegt die Zukunft des Sports wohl in Sportarten wo doping ausgeschlossen oder weniger relevant ist. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die nächste Schach-WM. – Jonas Hubrich 


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Nach all den guten Artikeln zum Thema „Freihandel“ in dieser Zeitung starre ich ungläubig und entsetzt auf diesen Bericht, der mit „Aufstand gegen den Freihandel“ überschrieben ist und frage mich, weshalb sie den Rechtsruck unbedingt befeuern wollen? Wenn man es falsch findet, dass Konzerne Staaten verklagen können, weil ihre Gewinnerwartung nicht eingetreten ist, dann ist man Globalisierungsgegner? Wenn man der unumkehrbaren Privatisierung skeptisch gegenüber steht, weil sich immer wieder gezeigt hat, dass ein Unternehmen nicht anders kann, als Gewinn orientiert zu arbeiten, dann hat man was gegen weltweiten Handel? Ich möchte das nicht weiter vortsetzen. Nur so viel: Nach Angst kommt Wut und dem entsprechend wählt man. Was sie, sehr geehrte Frau Nienhaus und sehr geehrter Herr Tönnesmann, mit diesem Artikel erreichen wollten, ist mir nicht klar. Sie haben bei mir allerdings den Verdacht erhärtet, dass es tatsächlich allein das Geld ist, welches diese Welt beherrscht. – Ellen Gause


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Warum soll der Leser B. Ulrichs Analyse bevorzugen? Die Kanzlerin hat sich z. B. stur über ein Jahr über jegliche Kritik wegen der Fluchtlingskrise hinweggesetzt, das Land in EU isoliert. – Marek Pelc


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Hochachtung gegenüber Bernd Ulrich für seinen Artikel „Vermisst:  Respekt“ und gleichermaßen gegenüber Tina Hildebrandt für ihren Nachruf auf Peter Hintze „Ein superfeiner Kerl“. Bernd Ulrich hat klug und objektiv längst überfällige Gedanken formuliert und zu Papier gebracht. Tina Hildebrandt hat Peter Hintze zwischenmenschlich feinfühlig, warmherzig und spürbar ehrlich gedacht.  Beide Veröffentlichungen sind in unserer heutigen Zeit wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Insofern meinerseits: Respekt und Hochachtung. –  Uwe Rabe


Leserbrief zum Titelthema „Der Mensch nebenan“

Die Untersuchung zum Thema Nachbarschaft hat mir sehr gut gefallen. Mit diesem Thema beschäftige ich mich schon lange. Wir haben immer gute Nachbarn gehabt. Deshalb habe ich das beigefügte „Hohe Lied“ auf die gute Nachbarschaft gedichtet:

Gute Nachbarschaft –

Niemand kann in Frieden leben,

wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.

Drum ist ein guter Nachbar

Das Schönste auf der Welt.

Hallo und Guten Morgen,

Nettigkeiten hin und her

Plauschen über Freud und Sorgen

Zu wissen: da ist ja noch wer.

Das alles macht das Leben aus,

Und bringt Frieden Haus bei Haus.

Im andern Fall gibt’s Weh und Ach.

Es herrschen nur noch Streit und Krach.

Am Ende bleibt man auf der Strecke.

Keiner kommt mehr aus der Ecke.

Das müsste eigentlich nicht sein !

Nur mancher sieht es halt nicht ein.   – Dr. Klaus Kuntz


Leserbrief zu „Zur Not noch fünf Jahre“ ein Gespräch mit Lufthansa-Kapitän Thomas von Sturm, geführt von Claus Heckingund Claas Tatje

Ich habe den Eindruck, dass dem Lufthansa-Piloten die Dritte Dimension nicht bekommt. An Überheblichkeit sind die Ausführungen des Lufthansa-Kapitän kaum noch zu überbieten. Herr von Sturm tritt alle fünf Jahre in Erscheinung um 20 Prozent mehr Lohn zu fordern!

Warum?  – weil sich ihre Löhne unterhalb der Inflationsrate entwickelt haben – dieses Argument ist einfach falsch, vielleicht meint er die Inflationsrate im Ausland!?  – weil sie für den Erhalt der Werte, für ihre Sicherheitskultur  und den Service für die Passagiere kämpfen – dass sind natürlich zusätzliche Aufgaben, die unabhängig von A nach B zu fliegen, gesondert vergütet werden müssen! Bei 14 Streiks in den   vergangenen Monaten ist der erkämpfte Service für die Passagiere sehr beachtlich!  – weil die Passagiere wegen knappen Bordessens mit Äpfel aus dem Crew-Obstkorb versorgt werden!  – weil der Konzern Gewinn macht!

Wenn der Konzern keine Gewinne mehr macht, dann dürften die Piloten die hervorragende Hartz IV-Regellung in der Zweiten Dimension genießen.   –  Dieter Krause


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Mit der aktuellen Ansage von Jens Jessen hat er mich, was selten genug passiert, überzeugt. Gerade Herr Jessen macht es mir mitunter schwer, da seine persönliche Einstellung mir im Gesamtspektrum der ZEIT oftmals ein wenig zu rechts erscheint. So rechts etwa wie die Union der achtziger Jahre. Das schlägt sich nieder in dem Anschein einer schier unantastbaren Amerika-Orientierung und desweilen auch in einem teilweise für liberale Leser recht starken Hang zum Militarismus.

Hier jedoch hat er mich voll erreicht mit seinem Aufruf zur eigentlich aufklärerischen Haltung, zum „Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen“ anstatt dem Dogma der Politischen Korrektheit hörig zu sein. Und doch, auch ich bin der Meinung, man sollte auf die AfD zugehen und die Tür zum Gespräch offenhalten. Aber eben nicht zu deren, sondern zu zivilisiert-mitteleuropäischen Bedingungen. Herr Jessen hat hier, vielleicht ohne es zu wollen, tatsächlich eine Lanze gebrochen für die wirklich linke Haltung: geht mal wieder auf die Straße, macht kaputt, was Euch kaputt macht! Freilich nicht im Wortsinn, aber doch in jenem, nicht wort- und tatenlos zuzusehen, wie Teile der in einem Gefühlstaumel von scheinbarer Bevormundung die Grundwerte unseres Staates, Einigkeit und Recht und Freiheit, korrumpieren. Oder mit anderen Worten: Wehret den Anfängen! – B.-Ole Juhnke


Leserbrief zu „Warum spricht Merkel nicht in Italien ?“ von Matthias Krupa

Ich glaube auch, dass eine Einmischung Merkels in die italienische Auseinandersetzung kontraproduktiv gewesen waere: die Italiener wollen sich nicht von einer Preussin sagen lassen, was sie tun sollen und was nicht. Wenn aber nach dem Erdbeben in Mittelitalien Deutschland sich solidarisch gezeigt und grosszuegige Hilfe angeboten haette, vielleicht haette das geholfen ? Und natuerlich, wenn man Italien nicht jahrelang mit dem Fluechtlingsproblem allein gelassen haette. – Hermann Weigmann


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

Die Wettbewerbsentscheidung für sich und erst recht der Beitrag von H. R. animieren, die Wettbewerbsarbeiten in Augenschein zu nehmen.

Es scheint, als seien insbesondere folgende Gründe maßgebend für die Wettbewerbsentscheidung zugunsten des 1. Preises gewesen

– der Bedarf des Museums nach weitestgehender Gestaltungsmöglichkeit und die Möglichkeit, Raumreserven innerhalb der Gebäudegroßform nachträglich zu schaffen

– die Homogenität des Baukörpers (später vom Entwurfsbüro als Archetypus bezeichnet)

– und das ja bereits bekannte “Kleid“ perforierter Ziegelornamentik, bei Dunkelheit in ausgeklügelter Weise aus der Wand heraus beleuchtet.

Keine so entscheidende Rolle hat (offenbar schon in der Ausschreibung) die städtebauliche Leitidee des Scharoun´schen Städtebaus, der Gedanke eines Kulturforums aus den 1970er Jahren, gespielt, die bereits in der Ausschreibung der realen Verkehrssituation geopfert wurde. Wenn nur ein zusammenhangloses Konglomerat von Kulturbauten mit einem Mega-Dach mittenmang der 1. Preis dieses Wettbewerbs ist ohne ein Forum, d. h. ohne einen mittendrin gelegenen Platz oder eine Platzfolge mit Bezügen zu allen anliegenden Kulturbauten, dann muss doch was schief gelaufen sein.

Es finden sich aber in anderen Entwürfen (z. B. Büro Lundberg und Tranberg, 2. Preis; Büro Bruno Fioretti Marquez, 3. Preis; Büro Volker Staab, Anerkennung) durchaus städtebauliche Qualitäten wie Aufnahme des Genius Loci, Schaffung von Teilräumen etc. Nur leider nicht bei dem überdimensionierten (ca. 70 x 130 m) Siegerschuppen. – Carl-Georg Schulz


Leserbrief zu „Unter Strom“ von Maximilian Probst

Mit großem Entsetzen habe ich die Überschrift zu diesem Artikel und dann den Artikel gelesen.Herr Probst vergleicht den großen Reformator Dr. Martin Luther mit Herrn Siemens wegen einer technischen Erfindung. Sein Vergleich ist abwegig und nicht zulässig, er zeugt von großer Unkenntnis. Herr Probst könnte auch schreiben: Was der Kuh hinten rausfällt wäre frisches Gras und es wäre nicht wahr.

Luther, Zwingli, Calvin und andere Reformatoren standen einem religiösen (päpstlichen) System gegenüber, das behauptete, Gott zu dienen und Christus zu lieben, während es ihn mit seinen Taten verleugnete. Das päpstliche System besaß in großen Teilen Europas praktisch alle politische und religiöse Macht. Dieses System kennzeichnete besonders die Verbreitung menschlicher Lehren anstelle der biblischen Wahrheit, sein verfolgender Charakter und seine offene Feindschaft gegen Gottes heiliges Gesetz (Gottes 10 Gebote, nicht die aus den Kathechismen).

Das und nur das war der Beginn der Reformation und die Reformatoren hatten den aufrichtigen und tiefen Wunsch eine Reformation in das religiöse Gefüge zu bringen und  diesem System entgegenzutreten, indem die Bibel in die entsprechenden Landes-Sprachen übersetzt wurden, so konnte die göttliche Wahrheit den Menschen zugänglich gemacht werden.

Der Buchdruck half bei der Verbreitung der Reformation und nicht umgekehrt, wie Herr Probst schreibt ,ohne Buchdruck – keine Reformation. Mögen die Menschen überhaupt und mehr in der Luhter-Bibel lesen. – Wilfried Schwarz


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Der Wirtschaftsteil der ZEIT war im Vergleich zu anderen Qualitätszeitungen ja schon oft recht schwach – ob aus ideologischen Gründen oder mangelndem Sachverstand sei einmal dahingestellt. Wenn Frau Nienhaus und Herr Tönnesmann nun in ihrem Artikel über Freihandel behaupten, die Südpfalz sei Globalisierungsverlierer wegen der niedergegangenen Textilindustrie, ist man als Südpfälzer (fast) sprachlos. In der Südpfalz gab es nie eine nennenswerte Textilindustrie und die Südpfalz ist eine prosperierende Region in Rheinland-Pfalz. Schaut man die (sehr kleine) Deutschlandkarte an, sieht man eine Region, die der Kenner als Westpfalz bezeichnet, als Globalisierungsverlierer.

Dort gab es eine Schuhindustrie, die heute nur noch in kleinen Resten existiert, wobei der Abzug amerikanischer Truppen vermutlich ebenso zu den wirtschaftlichen Problemen beitrug. Die Autoren fahren dann ausgerechnet nach Ludwigshafen um mit einem Globalisierungsgewinner zu sprechen. Ludwigshafen liegt nun wirklich in der Pfalz (vermutlich sogar in der  Südpfalz) und hat mit der BASF einen global player und Gewinner der Globalisierung par excellence zu bieten. Ist das nun mangelnde Sorgfalt beim Recherchieren, hat das Thema die Autoren nicht besonders interessiert oder was führt zu solchen eklatanten handwerklichen Mängeln eines Artikels? Kann man dem Rest des Artikels Glauben schenken oder muss man alles selber nachrecherchieren?  – Erich Reimann


 Leserbrief zu „Wir warten auf das Ende“ von Andrea Böhm

Ich bin Grundschullehrer in Saarbrücken und habe über Abdulkafi Alhamdo in der Zeit gelesen. Das hat mich dazu veranlasst mit ihm in Kontakt zu treten, da er Kinder in dieser schrecklichen Situation trotzdem unterrichtet. Was für ein mutiger Mensch. Ich bin mit ihm in Kontakt getreten, um ihm zu zeigen, dass er nicht ganz alleine ist. Ich kann ihm leider nur Mut per Messanger machen in dieser verzweifelten Situation. Das ist das Wenige was ich machen kann. Mich treibt der Gedanke um, wie wir ihm weiter helfen können, da seine Frau krank ist. Er sprach davon, dass ihn der Gedanke umtreibt, wenn er nicht das Grauen überlebt, wer sich um seine Frau und seine Tochter kümmert. Wir sollten uns Gedanken machen, wie wir ihn unterstützen könnten, wenn er hoffentlich das Grauen überlebt, auch sie als Zeitung. Deshalb bitte ich Sie um Unterstützung. Vielleicht fällt Ihnen da etwas ein, wie wir seine Zukunft mit Ihrer Hilfe begleiten und unterstützen können, wenn er aus Aleppo lebend rauskommt.  – Johannes Nettesheim


Leserbrief zu „Ist die Ungleichheit schuld?“ ein Streit zwischen Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, das Gespräch führten Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Zitat: „Wir haben es mit einer Ablehnung liberaler Werte wie Toleranz und Offenheit zu tun“.

Ein typischer Trugschluss,  denn ich glaube, es werden eher die Vertreter und Verkünder dieser Werte abgelehnt. – Franz Kumpfmüller


Leserbrief zu „Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden“ von Ijoma Mangold

Dass Identitätspolitik sowohl rechts wie links geht, liegt schlicht daran, dass beidem der Identitätswahn zugrundeliegt. Dabei hatte Prof. Oswiecenski, der bekannte Erforscher menschlichen Irrsinns, schon vor Jahren festgestellt: „Das, was die meisten Menschen für sich selber halten, nämlich ihre so genannte Identität, ist nur ein weit verbreiteter Glaube, der nachweislich falsch ist.“ – Dr. Jens Lipski


Leserbrief zu „Ist die Ungleichheit schuld?“ ein Streit zwischen Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, das Gespräch führten Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Haben sie eigentlich gemerkt, mit wem* (Clemens Fuest) sie hier diskutiert haben? * das „wem“ bezieht sich auf den Charakter Clemens Fuest ist ein Rhetoriker und Lobbyist. Seine Argumentationsweisen ähneln sehr stark denen von Donald Trump! Da sind Sie mit Ihren Fakten eher chancenlos. Nur ein Beispiel: „Tatsache ist auch, dass die Ungleichheit mit Blick auf Lebenschancen, soziale Mobilität, Vermögen und auch bei Einkommen über die vergangenen Jahre stark zugenommen hat. Das ist die zentrale politische Herausforderung.“ Was entgegnet Clemens Fuest?: Das sehe ich anders. Unzufriedenheit mit der etablierten Politik lässt sich …“ Hier beginnt dann schlimme Rhetorik, Haben Sie’s gemerkt Herr Fratzscher? Haben Sie’s gemerkt, und/oder auch die Gesprächsführenden von DIE ZEIT? Kolja Rudzio und Mark Schieritz? Zumindestens die Fragen von Kolja Rudzio und Mark Schieritz deuten darauf hin, dass beide eher faktenorientiert gepolt sind und sich nicht emotional und faktenverdrehend vereinnahmen lassen.

Zurück zum von mir hier angeführten Beispiel: Clemens Fuest hätte besser so geantwortet: „Das sehe ich etwas anders, Teile ihrer Argumente könn(t)en ja stimmen, aber …“ Wenn er so geantwortet hätte, dann würde meine Beurteilung von ihm nicht Rhetoriker, sondern Super-Rhetoriker gewesen sein. Nur -, was hilft das Ihnen, NICHTS! Der Einzige, der davon profitiert wäre Clemens Fuest. Der merkt sich solche Einwände und Hinweise von mir. Der macht dieser Fehler nicht noch einmal! Das bedeutet, dass Sie bei einem nochmaligen Gespräch mit Clemens Fuest noch eine schlechtere Figur abgeben werden. Was wäre einzig richtig und auch möglich gewesen in Ihrem Gespräch mit Clemens Fuest? Die beiden Gesprächsführer Kolja Rudzio und Mark Schieritz, die, wie ich weiter oben schon schrieb, eher faktenorientiert unterwegs waren, die hatten die Hebel in der Hand, die üble Rhetorik von Clemens Fuest aufzudecken. Zu was hätte das geführt? Zu einem Abbruch des Gespräches seitens Clemens Fuest.

Was sollen Ihnen diese letzten 3 Sätze sagen geschätzter Marcel Fratzscher? Sie sollten das Gespräch abbrechen, wenn Sie solche Rhetorik der Gegenseite bemerken (gegen die Sie wahrscheinlich chancenlos sind – und wenn Sie keine Hilfe von den Gesprächsführern bekommen). Sie haben deshalb keine Hilfe von Kolja Rudzio und Mark Schieritz bekommen können, da diese (ich kenne beide nicht) wahrscheinlich zu jung sind, um diese Rhetorik von Clemens Fuest zu durchschauen. Wer der amerikanische Wähler durchschaute die extrem üble Rhetorik von Donald Trump? Wer der deutschen Wähler durchschaute die üble Rhetorik einiger AfD-Politiker? Nicht viele Menschen – richtig Herr Fratzscher? Was ist das Geheimnis solch übler Rhetorik? Sie wird von den meisten Menschen nicht durchschaut, ich denke mal es sind weit über 90%, die solch üble Rhetorik nicht durchschauen. Nur -, was bleibt bei vielen Menschen, über lange Zeiträume der rhetorischen Beeinflussung, im Unterbewusstsein haften: Sie empfinden, dass sie an der Nase herumgeführt werden, im sprichwörtlichen Sinne. Was machen diese, sagen wir es mal richtig, was machen diese hochgradig verarschten Leute? Sie wenden sich ab!!!

Letzte Frage an Sie: Was ist das Geheimnis des Erfolges solch übler Rhetorik?   Donald Trump, wie auch unsere AfD-Politiker sagen in einem Punkte die Wahrheit, die – für die Masse – leicht verständliche Wahrheit. In Amerika ist es das, alles besitzende, Establishment, bei uns ist es das gebetsmühlenartige Wiederholen einer frechen Lüge hochrangiger Politiker „Der Islam gehört zu Deutschland“. Die AfD spricht über 70% der Deutschen aus tiefstem Herzen, dass „Der Islam nicht zu Deutschland gehört“ Jetzt kommt das Wichtigste: Im Fahrwasser solch „richtiger Behauptungen“ können Donald Trump und auch unsere AfD-Politiker viel Übles sagen. Dieses Üble wird, wie Kröten, von den meisten Menschen geschluckt, weil es auf einer richtigen Grundbehauptung mitgeschwemmt wird.

Zum Abschluss auf Ihre Gesprächsführer, Kolja Rudzio und Mark Schieritz, zu kommen: Sehen Sie es ihnen nach, dass sie Ihnen nicht halfen – sie konnten es nicht. Seien Sie Kolja Rudzio und Mark Schieritz gegenüber nachsichtig, ich bin es auch! – Ulrich H. Rose


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Mir scheint, der berechtigt genussvolle Blick aufs Selbst sowie Ihresgleichen verhindert entscheidende Erkenntnis: Ihr Verständnis, Vermögen, Verhalten ist exklusiv. Toll, was alles Sie wissen, können und leisten, Sie sind offensichtlich gut gebildet. – Wirklich: sehr toll! – Ich meine das so.

Empathie setzt meines Wissens neben Veranlagung ebenfalls Bildung voraus: Herzensbildung. Das mag allgemeiner Anspruch sein, es sieht aber nicht nach Standard aus, oder? Mitmenschlichkeit muss man sich erst mal leisten können. Und was Altruismus meint, weiß kaum jemand. Für mein Gefühl schreiben Sie ausm Wolkenkuckucksheim.

Ich habe jahrelang im Süden von München da gewohnt, wo es zum gern kommunizierten Problem gehörte, dass es weniger gute Kapitalanlagemöglichkeiten gibt als hereinsprudelndes Geld. Tragisch! – Und ich weiß ganz sicher, dass ausgerechnet unter diesen verzweifelten Menschen neun von zehn ernsthaft meinen, Sie liefen am Limit. Ich fürchte, mit Ihrer Vorstellung von Mitmenschlichkeit überfordern Sie die angestrengten Leistungsträger. Ich jedenfalls habe selten weniger Empathie und Mitmenschlichkeit erfahren als unter solchen. … Neureich ist leider gänzlich anderes als breit gebildet, dafür weit verbreitet.

Zunehmender Verbreitung und Popularität erfreuen sich in diesen Zeiten die auffälligen und lästigen bis gefährlichen „Problembürger“, für deren „Kleinhalten“ Sie plädieren, für geistige Internierung, Konditionierung vs. Aufklärung? – Von mir aus! Weichgespülte Werte-Diskussion über Ethik sowie diesbezüglichen Anspruch langweilt auch mich längst und am Schluss verstehen wir uns womöglich wieder nicht.

Vielleicht aber verstehen Sie, dass schnell wachsende „Internierungslager voller Unaufgeklärter und Ungeschulter“ verdammt viel Aufsicht benötigen? Bitte erklären Sie mir, wo Sie bei abnehmender Potenz und zunehmender Dekadenz fähige „Aufseher“ rekrutieren wollen oder gar Verantwortliche für Legislative, Exekutive und Judikative?

Beispiel:

Sie wissen, dass 60 Mio. Tagesdosen Methylphenidat jährlich in Deutschland durch alle Schichten verbraucht werden, meist Jungs die Droge bekommen, damit sie nicht hampeln, sozial unverträglich sind? Und zusätzlich 21 Prozent aller jungen Männer Cannabis konsumieren? – Fühlen Sie sich wohl bei der Vorstellung, dass zukünftig zwangsläufig auch aus diesen Gruppen Verantwortliche kommen werden? Also solche, die ohne Ritalin, Medikinet, Cannabis oder noch Üblerem eigentlich angebunden gehörten?

Meinen Sie nicht, es käme zu besserem Ergebnis, wenn man mit nie dagewesenem Aufwand werben, aufklären und schulen würde gegen den Irrsinn, vor allem seine Wurzeln? – „Fesseln und knebeln“ wir doch Lobbyisten … und ersetzen wir die bisherigen wohlmeinenden Werbe-Botschafter (mit bisweilen einer Attraktivität von Handarbeitslehrerinnen und Messdienern ;))) doch bitte mit zeit- und Zielgruppen-gerechten „Helden“. Natürlich kosten deren Werbeverträge mehr!

Ich will nie dagewesenen Feldzug, Branding, Marketing, Zielgruppenanalyse, Merchandising, das volle Programm und ein Werbebudget, das alles je Dagewesene in den Schatten stellt! So dass am Ende jedes Kind und jeder Jugendliche vor allem anderen von einer Message durchdrungen ist: Computerspiel weicht Birne auf! Am besten schieben wir dann gleich noch nach: „Natur ist cool“ und für die Pubertierenden: „frische Luft macht geil“.

Ich denke, ansonsten nämlich müssen Sie bald mit ein paar greisen Restintelligenzen Ihres Jahrganges Millionen von unter Bewusstseins-verändernden Substanzen stehende Nachkommen „hüten“. Und wo nicht Virtuelles spielerisch erst dusselig und dann aggressiv macht, da herrscht ohnehin Überlebenskampf, echte Aggressivität: ein islamistischer Selbstmordattentäter wurde im Gegensatz zum westlichen Schulamokläufer in Kindheit und Jugend regelmäßig nicht von Ego-Shooter „begleitet“.

Wie gesagt, ich bin keinesfalls zu zimperlich, um scharfem Durchgreifen nicht wenigstens im Gedankenspiel folgen zu wollen. Aber wer soll denn den Job machen? Gingen Sie ggf. vor gegen die Kleinzuhaltenden? – Ich jedenfalls nicht. Das gebe ich Ihnen heute sicherheitshalber schon mal schriftlich. Ich sehe Massen auf uns zukommen … Massen, die zukünftig Gesetz und deren Vertreter genau so wenig respektieren werden wie heute schon ihre Lehrer … Massen, die über jeden unserer Versuche von Abschreckung erst lachen werden und dann skandieren: „laaangweilig!“ …

 Glauben Sie, die verzogenen Rotznasen werden einknicken, wenn´s ernst wird, wenn ihnen der Hintern nicht virtuell, sondern real brennt und keinesfalls „gespornt“ werden kann? Denken Sie, dass noch Einige sich besinnen werden? – Ja, sicher: in etwa in der Größenordnung jener, die Trump nicht gewählt haben.

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, empfiehlt Dr. Heinrich Hoffmann (Struwelpeter) und es gefällt mir. – Aber das funktioniert leider nur dort, wo Verstand (Bestrafung) reflektieren, Erkenntnis gelingen kann. – Für mein Gefühl haben wir mehr Wahnsinn in der Welt, als Verstand.

Deswegen sind längst nicht mehr nur Aufklärung und Pädagogik gefragt, sondern tatsächlich THERAPIE, Geduld und Zuversicht. Das ist weder Krankheit noch das Hare-Krishna-Mantra Weichgespülter, sondern leider das Gebot der Stunde. Anderes wäre mir auch lieber, das müssen Sie mir jetzt bitte einfach glauben, Sie hartgesottener Kerl, Sie … ;)))

Herzlichen Dank für Ihre wunderbare Zeitung, Ihre wunderbaren Beiträge, die mich wieder und wieder so herrlich „kauen“ lassen, immer bereichern. (und hoffentlich verstehen Sie meinen Humor … woher soll ich denn sonst noch Kraft schöpfen?) – Ulrike Mieth


Leserbrief zu „Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden“ von Ijoma Mangold

Meine vollste Zustimmung zum Artikel von Herrn Mangold! Die „Linke“(an sich, nicht die Partei) und der liberale Mainstream haben vor lauter PC die Bedürfnisse der Vielen verdrängt (seien diese nun weiß, hetero oder Rentner oder sonstwas). Es kann nicht ausschließend sein entweder für die Rechte von Minderheiten oder die Rechte aller einzutreten. Aber was bewegt denn jeden, egal ob Spießer, Schwuler, Flüchtling oder Oma? Ein bezahlbares Leben mit gleichen Chancen für alle… Es muß mehr geben als den Generationenkonflikt oder die Liberalisierung einer Gesellschaft von was auch immer. Schaut man sich die Programme linker und liberaler Parteien heute an, fehlt einfach die Vision für eine gerechte, inkludierte Gesellschaft.

Wo ist die Forderung nach einer Bürgerversicherung oder ähnlichem? Wo die Forderung nach bezahlbarer Krankenversicherung mit Gleichheit für alle? Wo die Forderung nach einem Bildungssystem, das keine gläsernen Decken mehr hat? Dies wären Anliegen, die alle betreffen. Nicht nur Schwule oder nur Hartz IV’er oder Opelarbeiter oder Beamte und Selbständige. Mir entsteht der Eindruck es ginge nur noch um die Revolution im Nischenbereich, aber nicht für die Gesellschaft. Als Beobachtung: Mir persönlich stoßen immer die langen Haare und der Bart von Herrn Hofreiter (Grüne) auf (man wird halt älter).

Ich selbst lief im Parka mit schulterlangen, schmuddeligen Haaren herum. Aber das waren die 1970er Jahre! Wenn ich mich jetzt in die Opas der 70er hineinversetze, ist es nicht unbedingt die lange Haartracht, die mich abstößt, sondern der elitäre Separationsanspruch zum „Establishment“, der mich stört. Damals und heute nehmen die „Revoluzzer“ eben nicht alle Menschen der Gesellschaft mit, sondern nur den Teil der ihrer eigenen Weltsicht entspricht. Und das scheint das grundlegende Dilemma der „Linken“ auszudrücken: sie ist einerseits zu etabliert geworden (die gutverdienenden Grünen im Kiez) und sie hat es nie verstanden, diejenigen der Gesellschaft mit einzubeziehen oder für sie zu kämpfen, die ihrem Weltbild nicht sosehr entsprachen. Die Quittung sind die miserablen Wahlergebnisse linker oder fortschrittlicher Parteien überall…  – Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Als jahrelange, immer noch sehr zufriedene Zeit-Leserin habe ich heute  zwei Anliegen.  Zum einen bin ich sehr dankbar für den klugen Artikel von Jens Jessen  als Replik auf Alard von Kittzlitz. Ich teile seine Meinung  vollständig: man kann dunkle Flecken im Denken haben-  es verbietet  sich allerdings, diese aus der Dunkelheit hervorkommen zu lassen. Es  ist ein Gebot des Christentums und ebenfalls der atheistischen  Werteanschauung, menschlich zu handeln. Wir müssen für Pegidisten und  Rechtspopulisten kein Verständnis aufbringen. Es ist beschämend, dass  es solcherlei Gedankengut überhaupt ausgerechnet in Deutschland gibt!  Ebenso wichtig ist mir folgendes Anliegen:  Ich wünsche mir sehr ein Buch aus der Rubrik: “ Du siehst so aus wie  ich mich fühle“. Wird es das jemals geben? Es wäre zu wünschen.  –  Tanja Triefenbach


Leserbrief zu „Mehr Steuergeld für die Ruheständler“ von Elisabeth Niejahr

Warum wird stets verschwiegen, dass renten- und pensionsberechtigt auch jene ‚Gattinnen’ oder ‚Gatten’ sind, die ganz einfach nicht arbeiten wollten oder wollen – obwohl sie gesund waren und sind. Es langt in unserem Land völlig, dass sie verheiratet sind mit einem berufstätigen Partner oder einer Partnerin.. Diese Menschen zahlen keine Steuern, da sie nicht arbeiten und der arbeitende Partner/ die Partnerin kann durch  das Ehegattensplitting seine Steuerlast noch senken.  Sie zahlen auch keine Sozialabgaben. Sowohl in der Krankenkasse, in der sie kostenfrei mitversichert sind, wie auch in der Rentenkasse, in die sie nicht einzahlen, schmarotzen sie sich durch das Leben. Nein, dieses Privileg ist nicht daran gebunden, dass sie Kinder großziehen oder großgezogen haben. Es lang voll und ganz, dass sie den Bund der Ehe eingegangen sind. Jeder berufstätige Mensch, mit und ohne Kinder, muss ‚solidarisch’ für diese faulen Zeitgenossen aufkommen. In mir sprengt das  jede Bereitschaft zur Solidarität.

Man wird sich auch nicht darauf verlassen können, dass diese Lebensform ein Auslaufmodell ist. Man wird Niemandem vorschreiben können und wollen, wie er/sie zu leben hat, aber finanzieren müssen sich diese Menschen ihren Luxus schon selber durch eigene Beiträge und zu zahlende Steuern, anstatt die arbeitende und Kinder erziehende Mehrheit der Gesellschaft skrupellos auszunutzen.

Und die Politik lässt es zu! – Doris Siefer


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

habt ihr jetzt total ein Rad ab?

Bei der Betrachtung der Fotomontage der neuen Museumsplanung, frage ich mich als alter Berliner, an welcher Ausfallstraße diese neue Markthalle wohl liegen soll. Es ist ja ein schönes großes Gebäude, leider passt der klassistischer Turm im Hintergrund nicht so recht dazu, da gibt es doch moderne Lösungen, und auch das eigenartige Stahlgebäude, das wie ein Tempel aussieht, stört doch mächtig den gesamten Eindruck der Volumenanhäufung.

Ich begreife nicht, wie bekannte und erfolgreiche Kollegen zu so einer banalen, geradezu zynischen Entwurfsidee kommen konnten. Man kann sicher ihren Mut und Unbefangenheit bewundern mit einer Grundform zu spielen, die an Lagerarchitektur erinnert, bestenfalls an Gebäude für Massentierhaltung oder Großeinkaufsmärkten. Wahrscheinlich ist dieser Entwurf eine adäquate Aussage für die Kunstvermaktung in unserer Zeit.

Als Berliner mit einer frechen Schnautze erlaube ich mir schon mal den Namensvorschlag: KKS, Kunstkuhstall! – Dip.Ing. Günther Knüppel


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

In Ihrem Artikel „Aufstand gegen den Freihandel“ erwähnen Sie die „westlichen Gegner von Freihandelsabkommen wie TTIP“. Ihnen ginge es weniger um den Verlust ihrer Jobs sondern um „gutes Essen, ihre Justiz, ihre Demokratie“.

Es ist mir schlichtweg nicht nachvollziehbar, weswegen Sie über diese Gesichtspunkte in einem Nebensatz hinweggehen und sich weitgehend auf wirtschaftliche Argumente beziehen. Rhetorisch klassifizieren Sie zudem die Grundwerte unserer Staatsform wie Demokratie und eine von der Wirtschaft unabhängige Justiz auf dieselbe – demgegenüber eher banal erscheinende  – Ebene wie „gutes Essen“ -, dessen Qualität durchaus auch ihre Berechtigung hat, da schliesslich unsere Gesundheit davon betroffen ist. Und weiter scheinen Ihnen diese Punkte keiner Betrachtung wert. Dieses Denken entspricht ganz der Zeitströmung, die Wirtschaftlichkeit als Totschlagargument gegenüber allen anderen Werten einsetzt. Ich empfinde diese unkritische Distanzlosigkeit als sehr bedenklich. – Rose Marie Schulz-Rehberg


Leserbrief zu „USA: Wie weiter mit Trump?“

Ganz im Sinne seines Wahlkampf-Slogans „Make America great again“ könnte Trump unmittelbar nach Amtsantritt Größe zeigen, indem er die dringend erforderliche Reform des amerikanischen Wahlrechts auf die Agenda setzen ließe – auch wenn er zu deren Konditionen nicht gewählt worden wäre. – Christoph Müller-Luckwald


Die im ZEIT-Magazin aus aller Welt erschienen Briefe an Angela Merkel sind ein ausserordentliches Dokument von Kommunikation. Zu der Idee kann man Ihnen nur gratulieren. Wie wäre es einen Sonderdruck herauszugeben? Ich würde 10 Exemplare sofort abnehmen. –  Dr. Klaus Tiedje Stuttgart


Leserbrief zu „Zur Not noch fünf Jahre“ ein Gespräch mit Lufthansa-Kapitän Thomas von Sturm, geführt von Claus Heckingund Claas Tatje

Kompliment: eine ganze Seite für eine Minorität, die die Majorität von über 100.000 Mitarbeiter/-innen erpresst und das Unternehmen lahmlegt. Aber Ihr Interview hat auch eine gute Seite: Die Antworten des Piloten lassen deutlich erkennen, wie egoistisch gedacht und marktfremd argumentiert wird. Drei Beispiele a) Wir wollen unser Gehalt behalten, egal wie sich die Welt verändert hat. b) Werterhalt ist ein hehres Ziel. Nur sieht die Wirklichkeit so aus, dass die Wettbewerber erfolgreich ihre Produkte mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis deutlich unter Lufthansa anbieten. c) Kein Wort zu den unzähligen Kolleginnen und Kollegen, die nun zum 15. Mal das vom Cockpit bewusst produzierte Chaos aufräumen mussten.

Ich kann nur hoffen, dass Sie nach dem Täter-Opfer-Prinzip sehr zeitnah die Opfer (Mitarbeiter, Kunden, Shopbetreiber am Flughafen u. v. a. m. zu Worte kommen lassen. – Peter Sehr


Leserbrief zu „Ein superfeiner Kerl“ von Tina Hildebrandt

Für Ihren Nachruf auf den viel zu früh gestorbenen Peter Hintze bedanke ich mich. Was Sie geschrieben haben, wird seiner Persönlichkeit gerecht. Mich haben seine engagierten Plädoyers für die Zulassung vorgeburtlicher Diagnostik (PID) und für die Möglichkeit, dass Ärzte Sterbehilfe leisten, beeindruckt. Mit seiner Einstellung zur Kirche und ihren Lehren ist er leider, aber aus verständlichen Gründen, nicht so in die Öffentlichkeit getreten; das hätte ich sehr begrüßt. – Prof. Dr. Wolfgang Hachtel


Leserbrief zu „Ist die Ungleichheit schuld?“ ein Streit zwischen Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, das Gespräch führten Kolja Rudzio und Mark Schieritz

Schade, dass das Gespräch an der Stelle endet. Die Jobs, die finanzieller Anreize bedürfen, sind heute am schlechtesten bezahlt (Reinigungsfachkräfte, Altenpflege etc.). Im Rahmen des bedingungslosen Grundeinkommen müsste hier tatsächlich zusätzlich ein finanzieller Anreiz geboten werden, was zur sozialen Gerechtigkeit beitragen würde und die Qualität der geleisteten Arbeit erhöhen würde.  Win-win. – Katharina Odebrecht


Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

In Ihrem sehr bewegenden und informativen Dossier „Stellen Sie sich vor, ..“ berichtet Herr Kolm über auf U-234 gefundene Technik und Materialien. Die folgende Einschätzung über den Stand der deutschen Wissenschaft legt m.E. nahe, dass auch eine deutsche Atombombe in Greifweite war, weil die deutsche Wissenschaft so fortgeschritten war. Eine Aufarbeitung vieler Dokumente, die in der aktuellen Spektrum der Wissenschaft nachzulesen ist, stellt das sehr in Zweifel. Die deutsche Atombombe war wohl nur eine Möglichkeit. Es fehlte aber zum Glück auch am theoretischen Verständnis.

Was mich aber wirklich ganz schrecklich ärgert ist die Bildunterschrift auf Seite 27, links oben. „Immer mehr Menschen auf der Welt, …“ Also, echt jetzt? Da suche ich im Interview doch mal nach denen, die sich wirklich beklagen können, weil es ihnen an Allem fehlt: Sicherheit, Wasser, Bildung, Gesundheitsfürsorge, einer Lebensperspektive – Menschen in Afrika, Pakistan oder was weiß ich wo. Die Welt Ihrer beiden Experten besteht aber offenbar aus Amerika und Deutschland. Dann muss sich die richtige Welt wohl mal wieder in Erinnerung bringen. – Joachim Sieben


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Zunächst deutet Frau Baurmann Verständnis für die Gegner des Freihhandels an, indem sie ein Argument der Globalisierungsgegner aufgreift. So würde mehr lokale Produktion dazu führen, dass neue Arbeitsplätze geschaffen oder bestehende sicherer würden.

Gleich darauf nennt sie die Tatsache, dass Geringverdiener mehr importierte Waren konsumieren als Wohlhabende, die eher Dienstleistungen in Anspruch nähmen. Frau Baurmann zieht daraus den Schluss, dass deshalb gerade die Ärmeren unter Einschränkungen des Freihandels leiden würden. Diese Schlussfolgerung untermauert sie nochmals am Ende des Artikels mit dem Zitat Herrn Hövels der eingesteht, sich wohl kein deutsches Auto leisten zu können.

Dabei lässt Frau Baurmann jedoch außer Acht, dass die erhöhte Nachfrage nach Arbeitskräften für einfache Tätigkeiten an Fließbändern oder in Werkshallen das Arbeitskräfteangebot Ungelernter und Geringqualifizierter reduzieren würde (In Deutschland sind es nämlich nicht die Facharbeiter und Akademiker, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind). Der Marktmechanismus würde dazu führen, dass die Entgelte für diese Berufsgruppen steigen würden. Das hätte zur Folge, dass die kürzlich in der ZEIT (Ressort Z) diskutierten „neuen Bediensteten“ {ich erinnere mich nicht mehr an die exakte Überschrift} eben nicht mehr für Niedriglöhne die Aufgaben von finanziell Bessergestellten übernehmen müssten. Die Putzfrau müsste dann nicht mehr für 8,50 € die Hausreinigung anderer übernehmen, da ihre Arbeitskraft auch von der Industrie gefragt wäre.

Die Preise für Dienstleistungen würden steigen, während die erwähnten Gutverdiener das Nachsehen hätten. Somit ist es durchaus denkbar, dass sich Herr Hövels aufgrund eines besseren Einkommens einen Volkswagen oder Opel leisten könnte.

Quelle:

Zitat (S. 26) dazu, warum Menschen gegen die Globalisierung aufbegehren: „Ihre Stellen wären vermutlich sicherer oder neue Arbeit wäre in Sicht, wenn wieder mehr im Land produziert würde. Andererseits könnten Sie als Konsumenten stark getroffen werden. Das liegt daran, dass Wohlhabendere relativ mehr für Dienstleistungen ausgeben, die in der Regel aus dem eigenen Land stammen. Ärmere konsumieren hingegen im Verhältnis zu ihrem Einkommen mehr Waren, die weltweit gehandelt werden: von der Kleidung über den Fernseher bis zu Ikea-Möbeln. Waren, die es dann nicht mehr gäbe oder nicht mehr zum gleichen Preis.

Zitat (S. 27): „Wolfgang Hövels zum Beispiel fährt einen Hyundai, deutsche Autos findet er zu teuer. Würden die Grenzen geschlossen, könnte er sich womöglich gar kein Auto mehr kaufen. >>Okay, ein Punkt für die Globalisierung<< sagt er. – Hubert Wörle


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

Vielen Dank für Ihre klare Position! Auf der grünen Wiese, im Umfeld von Bauernhöfen und Scheunen mag das „Ding“ ja noch angehen – wie auf Long Island mit dem Parrish Art Museum (s. Link).

http://www.archdaily.com/294936/parrish-art-museum-herzog-de-meuron-2

Dass aber Berlin ein Scheunenensemble erhalten soll, nur weil Herzog & de Meuron, wenn sie sich nicht selbst kopieren, sich doch zumindest wiederholen, ist für sie ein Armutszeugnis, das es für Berlin nicht werden darf! – Heinz Mechling


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Vielen Dank für diesen aufgeklärten, nicht weichgespülten und enorm wichtigen Essay!

 „So tief hinunterbeugen kann man sich aber gar nicht, dass man auf das Niveau von Trump und AfD käme.“ Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

Wie sagte Bernd Ulrich neulich: „Der Kampf hat begonnen!“  Bekennen wir Farbe und stellen uns gegen völkisches Zugehörigkeitsdenken und die braune Soße aus AfD, ‚Identitären‘ und „Trump-Verstehern“. –  Mert Dinçer


Leserbrief zu „Abendland, mal anders“ von Christine Brinck

Dass Menschen ohne Religion an gar nichts glauben, wie im Artikel zitiert wird, ist offensichtlich zu unglaublich! Schon weil ein Mensch unmöglich alles nachprüfen kann, ist jeder gezwungen, den meisten Worten der meisten Menschen zu glauben. Selbst in den Wissenschaften ist dies so – auch wenn hier das Prinzip der kritischen Überprüfung kreativer Aussagen zum Prinzip geworden ist.

Die wirklich wichtige Frage ist also, warum so viele Menschen an die vielen gegenwärtigen und ausgestorbenen Religionen (mit Zeus, Jupiter, Isis usw.) nicht glauben – aber einer dann doch: der eigenen. Warum die meisten Gläubigen also nur fast, nur beinahe ungläubig sind. Meine Antwort: Ich weiß es nicht.

Zum zweiten ist sehr interessant, was dieses „glauben“ bedeutet. Irgendwie war ich der Meinung, man müsste dann die Gebote jener geglaubten übernatürlichen Wesen kennen, befolgen, verkünden. Die wichtigsten, die Drei ersten der Zehn Gebote bzw. Jesu Erstes Gebot, werden aber – wie heute typisch – auch in diesem Artikel und in dieser „christlichen“ Schule verschwiegen und verdrängt. Ich als Atheist finde es hingegen sehr bedenkenswert, dass ein (angeblich) lieber Gott die Liebe zu sich herbei befiehlt, und zwar eine Liebe „mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.“ Das steht dort wirklich! Was für ein faules, egoistisches Miststück ist dieses göttliche Dingsbums?

Zum dritten ist es denn doch erstaunlich, dass vieles in dieser Schule als „christlich“ bezeichnet wird was in Wirklichkeit allgemein menschlich ist. Oder gibt es irgendwo auf unserer Erde eine Gesellschaft, die Zerstören und Lügen nicht verbietet und ächtet? Und hat nicht jener angebliche Gottessohn Jesus oft gelogen, selbst wenn er eine Ausage mit „Amen“ also „Wahrlich“ bzw. im Johannes-Evangelium mit „Amen, amen“ einleitete? Lesen Sie hierzu vielleicht meine als Denkanstöße zu verstehenden Kleinanzeigen in der Süddeutschen Zeitung am Samstag. Oder selbst nach in jenen Drohbotschaften.

Auch Ihre Überschrift „Glauben & Zweifeln“ ist leider eine Lüge: der Zweifel fehlt fast immer völlig, auch wenn diesmal, ausnahmsweise, einige Zweifel gedruckt wurden. Nicht Gott, den Kindern sei Dank: „Kindermund tut Wahrheit kund!“

Siemens statt Luther! Siehe Seite 15. – Manfred Schleyer


Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

Der Artikel von Herrn Berbner hat mich jedoch, angefangen beim Titel bis hin zur letzten Textzeile in seinen Bann gezogen. Ein cleverer Aufmacher und ein unverbrauchtes Thema mit tief greifenden (und, wenn man dieses Wort noch mal gebrauchen darf: ergreifenden) Augenzeugenberichten sowie gut bemessener Bilddosis. Weiterhin – man höre und staune – nicht zu lang, vielmehr ein überzeugendes Argument, auch weiterhin am Zeitschriften-Printformat festzuhalten. Bravo! – Martin Mach


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Wenn man sich selber als Elite bezeichnet, und es, weil man gepennt hat, dann auch noch zu spät zum Wegducken ist, wenn man, wie Sie sagen, von der Geschichte angesprungen wird, dann ist man ganz einfach den Herausforderungen seines Berufes nicht gewachsen!!!   Ein praktisches Beispiel: Unsere Regierung hatte etwa 5 Jahre lang die Probleme im Nahen Osten (für sie im gaaanz weitentfernten Osten!!!) verpennt. Und urplötzlich wurde sie von einer Flüchtlingswelle angesprungen, vor der das Außenministerium längst hätte warnen müssen! Und man stellt sich, wohl wissend, daß man völlig unvorbereitet ist, hin und sagt “wir schaffen das”, dann sollte keiner behaupten,  man sei eine Elite.    Eine Elite sollte agieren!!! Dann und nur dann verdient sie sich Respekt!!! – Klaus Riediger


Leserbrief zu „Viel Rauch und fast nichts“ von Elisabeth Raether

Es ist mir stets eine Freude eine Seite der Zeit aufzuschlagen, in welcher mir Ihr Name unter der Überschrift begegnet.

Ihre Gedanken sind außerordentlich inspirierend. Auch wenn ich ihnen nicht immer folgen möchte. Was mir sehr sympathisch ist, dass Sie am Ende nicht den Eindruck hinterlassen, Sie hätten ein Patentrezept für irgendeine Misere.

Natürlich kann man verurteilen, wenn Menschen nur Missstände beklagen ohne Lösungsrezepte. Doch sind es ja gerade die Rezeptverkäufer für komplexe Missstände, die Schuld sind an eben diesen Missständen. Die Suche nach Lösungen ist es, die uns zu Menschen macht.

Dies streift dann eine Ihrer Anmerkungen zu den Mansplainern. Dieses Verhalten ist im übrigen nicht nur üblich Männern Frauen gegenüber. Es sind auch Männer Runden, in denen man sich gegeseitig zu überbieten versucht einander die Welt zu erklären. Aber auch bei Frauen ist dieses Verhalten zu beobchten. Wenn auch vielleicht nicht in dieser Häufung.

Zwei Ihrer Sätze haben mir besonders gut gefallen. Zum Einen, dass Sie beim Thema „Kölner Sylvesternacht“ in einem Atemzug von den nordafrikanischen Tätern und Nordafrika als sicherem Herkunftsland sprechen. D.h., denkt man den rassistischen Gedanken konsequent zu Ende, dass „die Nordafrikaner“ alles Vergewaltiger sind, so erscheint die Definition „sicheres Herkunftsland“ für ein Land voller Vergewaltiger amüsant. Gerade für Fauen und insbesondere die Opfer der Sylvesternacht. Dabei fällt mir auf, dass das Thema „Asyl für Frauen aus frauenverachtenden Kulturen“ in Ihrem Artikel gar nicht vorkommt.

Zum Zweiten Ihre Anmerkung, dass der Feminismus das Recht des Stärkeren angreift bzw. außer Kraft setzen will. Denn auch dies ist ein Gedanke, der gerade in Männer- oder Stammtisch Runden gerne bemüht wird. Man gefällt sich darin, stärker zu sein als andere. Und dies gibt ja auch ein gutes Gefühl! Macht fühlt sich gut an. Vielleicht ist dies auch ein Grundproblem unserer Gesellschaft, dass die Macht als solches gerne verteufelt wird. Doch es gibt ja auch so etwas wie eine gute Macht. Bzw. andersherum wird ebenfalls ein Schuh draus: Machtlosigkeit tut eben nicht gut. Sie macht im extremsten Fall verzweifelt. Und die Macht des Stärkeren ist eine verblüffend einfache Antwort darauf. Ein Angriff darauf, durch komplizierte Gleichberechtigungsgedanken kann am (vermeintlich) einfachsten durch einen Schlag (auf den Tisch, ins Gesicht, an der Wahlurne) vereitelt werden.

Vielen Dank für Ihren Artikel! – Mirko Strick 


Leserbrief zu „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude.“ von Bastian Berbner

Mit großem Interesse las ich gerade den ausgezeichneten Artikel „Stellen Sie sich vor, Sie sind Jude. Und Sie müssen sich anfreunden mit einem Nazi“ von Bastian Berbner. Auf S. 19 dieses Artikels schreibt Herr Berbner, dass Hitler im Dezember 1944 Wernher v. Braun „im Ballsaal eines Schlosses im Münsterland“ einen Orden verliehen habe.

Können Sie bitte den Autor fragen, ob es sich bei diesem Schloss um das (mir gut bekannte) Schloss Nordkirchen gehandelt hat, das im Münsterland als „Westfälisches Versailles“ bezeichnet wird. – Rudolf Innig


Leserbrief zu „Immun gegen Argumente“ von Ulrich Bahnsen

Kürzlich las ich einen interessanten Artikel von einem Pathologischen Institut in Hameln. Das Institut hat eigene Daten ausgewertet und könnte eine Antwort auf ihre Frage sein, warum Eltern sich gegen diese Impfung entscheiden.

Die Auswertung beschreibt, dass nur die Hälfte aller geimpften Frauen kaum bis keine Antikörper gegen das HPV-Virus bilden und je älter eine Frau, desto geringer scheint die Antikörperbildung generell zu sein. Acht Jahre liegt die Einführung dieser Impfung zurück und die Sicherheit des Impfschutzes ist somit nicht in jedem Fall gewährleistet. Die Daten zeigen auf, dass bei Frauen mit Dysplasien, d. h. Krebsvorstufen (65 % sind mit dem Impfstoff Gardasil geimpft, bei 35 % ist die Impfstoffangabe nicht bekannt) in 65 % low grade lesions (1.-2.  Krebsvorstufe) und in 35 % high grade lesions (3. und letzte Vorstufe vor einem Karzinom) nachgewiesen wurden. Kurz gesagt, wie viele Impfversager hat diese Impfung?

Wer legt fest, inwiefern diese Impfung in Bezug auf Nebenwirkungen sinnvoll ist? Steht dies im Verhältnis zur Entstehung eines Zervixkarzinoms, welches auch bei der Früherkennung erfasst werden kann? Mit der HPV-Impfung werden eine Reihe von Erkrankungen des Nervensystems in Zusammenhang gebracht (akute disseminierte Enzophalitis, Armplexusneuritis, Guillan-Barre-Syndrom und den fraglichen Zusammenhang von MS).

Innerhalt von 6 Monaten wurden bei 20 geimpften Patientinnen Dysplasien, die HPV-positiv sind nachgewiesen. Es gibt noch weitere HPV-Typen (53, 67, 68, 70, 73, 82). Diese HPV-Typen werden von gängigen Tests nicht angezeigt und sind auch in der Impfung nicht erfasst. Mein Fazit: Auch geimpfte Frauen sollten weiter am jährlichen gynäkologischen Vorsorgeprogramm teilnehmen. Den Slogan „Ein Stich gegen den Krebs“ finde ich sehr somit sehr fragwürdig.

In einem Punkt stimme ich Ihnen voll zu: Warum sind Männer aus dem Impfprogramm ausgeschlossen?. Herr Bahnsen, ich kenne Ihr Alter nicht, aber würden Sie sich als Mann trotz diesem großen Katalog an Nebenwirkungen diese Nadel setzen lassen? – Andrea Geiselmann


Leserbrief zu “ Unser Mann in DC“ von Josef Joffe

Die unscharfe Grenze zwischen gut und böse geht bekanntlich ausnahmslos durch jeden einzelnen Menschen. Leider neigen wir alle dazu, dass wiederholt zu vergessen oder nicht wahrhaben zu wollen. Um so erfreulicher registrierte ich die Erwähnung der positiven Seiten von Herrn Trump, auch wenn sich Herr Joffe dabei hinter der Satire verstecken zu müssen glaubte. – Dr. Günter Hackel


Leserbrief zu „Viel Rauch und fast nichts“ von Elisabeth Raether

Wie schade – die ganze Seite 6 im Politikteil für schlechten Journalismus zu opfern! Hätte Frau Räther etwas über den Tellerrand hinaus recherchiert, wäre schnell offensichtlich geworden, dass sich hinter dem Begriff „Feminismus“ die unterschiedlichsten z.T. auch widersprüchliche Auffassungen und Haltungen verbergen. Meiner Meinung nach gibt es „die Feministinnen“ gar nicht und damit geht ihre Argumentation ins Leere – ganz so wie der Artikel überschrieben ist: Viel Rauch um nichts. – Ilga Bertelsons 


Leserbrief zu “ Unser Mann in DC“ von Josef Joffe

Ihr Beitrag, warum wir (Europäer) Donald Trump lieben sollten, ist hoffentlich als Satire gemeint!  Aber… Sie haben mit Ihren Voraussagen zum Wahlausgang daneben gelegen, nicht verstanden, warum man diesen Kerl wählen könnte (nicht Sie oder ich wählen so jemanden, aber eben viel zu viele andere Menschen). Sie haben nicht verstanden,  warum man TTIP ablehnen könnte (zum 1.000 Mal: es sind nicht die Chlorhühner, es sind die undurchsichtigen privaten Schiedsgerichte!!!). Auch nicht, warum man dagegen sein kann, dass Amerika nur zum Schutz seiner eigenen wirtschaftlichen oder politischen Zwecke in anderen Ländern einmarschiert, aber sehr wohl dafür sein kann, dass sich Amerika an allgemein akzeptierten Einsätzen beteiligen muss.  Ich befürchte daher, dass das keine Satire war, sondern Sie schmollen.  Kam nicht an! – Cornelia Grosch


Leserbrief zu „Stoppt das Ding“ von Hanno Rauterberg

Dieses Ding ist nur scheinbar ein monumentaler, überdimensionaler Kunstsupermarkt im  Nirgendwo. Tatsächlich verbergen sich in dem Ding Architekturmotive des  Nationalsozialismus: Die Kreuzung der Aufmarschachsen für das Museumsvolk wird zum  Mittelpunkt im Volksmuseum, das als Kunstscheune die sentimentalen Vorstellungen einer  Volkskunst für ein Kunstvolk bedient, welches die Kulisse von Heimatstil benötigt um in  Kunstlaune zu kommen. So ein Ding braucht Berlin nicht.

Die Vorstellung, dass „nichts Abgehobenes“ und die „Wiedererkennbarkeit tradierter  Gebäudetypologien“ (beide Zitate stammen gem. Rauterberg von der Berliner  Stadtbaudirektorin Regula Löscher) per se ein gestalterisches Konzept sein könnten, wirkt im  besten Fall kurios, im schlimmsten degoutant. Wer solche kleinmütigen Kriterien propagiert,  offenbart die eigene, möglicherweise subversive Amts-Perspektive. Es wirft die Frage auf, ob  es sich dabei auch um den angemessenen Blickwinkel handelt -einen, den Berlin als  Hauptstadt verdient?

Im geteilten Berlin bildete das Kulturforum einst die kulturelle Mitte des Westens. Diese  heute mit einer modischen Heimatstil-Kulisse zu verbauen, ignoriert, ja verachtet ebenso  fatal wie perfide die Baugeschichte der Berliner Nachkriegsmoderne.  Stattdessen sollte der Städtebau die Vorstellung des „Urstromtals“ von Scharoun durch das  Anlegen eines begrünten Platzes (Kulturforum), der die derzeitige Eingangsrampe ersetzt,  fortschreiben; die Architektur mit einem Kopfbau die Museen Preußischer Kulturbesitz  fassen, ein Tor zum Tiergarten bilden und stadträumliche Zusammenhänge schaffen. – AG Architekten BFS. Lübeck-Münster, Christiane Bärmann-Frontzek und Manfred Sundermann


Leserbrief zu „Die liberale Gesellschaft und die irre Suche nach ihren Feinden“ von Ijoma Mangold und „Eine Frage der Haltung“ von Harald Welzer

Noch immer fassungslos und, trotz zahlreicher Erklärungsversuche in den Medien, ratlos, lese ich die beiden Artikel von Mangold und Welzer im Feuilleton um endlich zu verstehen was da am 8. November in den USA passiert ist.

Doch Mangolds Erklärungsversuch macht mich echt sauer. Hier schreibt jemand der sich in seinen intellektuell ausgefeilter Rhetorik gefällt, dem ich als  normale Leserin aber egal bin. Gehört „rabulistisch“ wirklich zum aktiven Wortschatz ihres Durchschnittslesers? Der Autor will von mir nicht verstanden werden und mich verlässt nach 3 Spalten die Lust Herrn Mangold in seinen Ergüssen zu folgen. Zwei Seiten weiter zeigt Herr Welzer dass man auch mit einfacher Sprache intelligente Artikel verfassen kann. Vielen Dank Herr Welzer! – Marion Göbbeler


Leserbrief zu „Aufstand gegen den Freihandel“ von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann

Ich gehöre zu denen, die gegen TTIP und Ceta auf die Straße gehen. Zu denen also, die nach Meinung der Autoren gegen Globalisierung sind und damit Wohlstandsmehrung verhindern, weil ihnen „ihr gutes Essen, ihre Justiz, ihre Demokratie“ wichtig sind. Rechtsstaatlichkeit, transparente demokratische Prozesse, hohe Verbraucher- und Umweltstandards sind für mich und zig-Tausende essentiell, keine Luxusbedürfnisse. Sie auf dem Altar der Globalisierung zugunsten von immer mehr materiellem Wohlstand zu opfern, ist keine Option. Wer hinterfragt, ob immer mehr Macht und Schrankenlosigkeit für profithungrige Konzerne ein Segen für die Menschheit sind, erscheint den Autoren offenbar nur als bedauernswerter Gobalisierungsverlierer.

Die Kritik an TTIP, Ceta und Tisa wird mit Trump’schem Protektionismus und europäischem Rechtspopulismus in einen Topf geworfen. Hunderttausende Demonstranten – alles nur reaktionäre, abschottungswütige Globalisierungsopfer? Komisch nur, dass man sie bei Protesten gegen AfD und Pegida wieder trifft. Der Anti-TTIP-Bewegung geht es nicht um die Verhinderung von Freihandel, sondern darum, dass unter dem Deckmantel „Freihandel“ beim Gewinnstreben störende Teile der Demokratie abgeschafft werden. Argumentativ kann man den TTIP- und Ceta-Gegnern wenig entgegensetzten. Sollen sie nun dadurch schachmatt gesetzt werden, indem man sie in die rechte Ecke stellt? Aber das wäre ja eine Verschwörungstheorie. – Arno Pfeifenberger


Leserbrief zur Rubrik „Zeitsprung“

Darf man davon ausgehen, dass die Rubrik „Zeitsprung“ immer vom selben Redakteur, derselben Redakteurin bearbeitet wird? Die Beiträge gleichen sich so stark und sind so persönlich, dass man sich kaum mehr angesprochen fühlt. Sollte es mal an Anregungen fehlen, hier an paar Bildunterschriften zu Ihrer freien Verfügung: „Links mein Bruder und ich 1979 auf der Zugspitze beim Skifahren. Rechts im Jahre 2016. Wir können es immer noch.“ „Früher waren meine Eltern mit mir im Sommer auf Sylt beim Baden, heute spielt hier mein Sohn.“ „Das linke Bild zeigt mich vor sieben Monaten; damals konnte ich noch besser sehen. Heute (rechts) habe ich ein Brille.“ Gähn. – Bernhard Waxenberger


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

In ihrem Artikel ist viel Wahres, gegenseitiger Respekt ist etwas ganz Wichtiges für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Leider liegt hier auch der Hund begraben, den gegenseitiger Respekt erfordert eben die Gegenseitigkeit.  Was soll man von Politikern halten, die für uns Normalmenschen ein überaus detailliertes und kleinteiliges Antikorruptionsgesetz beschließen und andererseits sich jeden Tag von einem anderen Lobbyisten zum Essen einladen lassen? Was soll man von Politikern halten, die gegen den Willen von 70-80 % ihrer Bevölkerung versuchen, CETA durchzuziehen, obwohl viele kluge Leute gut begründen, warum dieses Abkommen mehr schadet als nützt? Herr Schulz ist hier übrigens ein besonders unrühmliches Beispiel. Und die Kommentare, die diese Politiker für ihren Kollegen Marquette aus Wallonien hatten, als dieser keine Denkverbote akzeptierte, zeugten auch nicht gerade von hohem Respekt.  Mein Fazit: Die Politiker leben es also gar nicht besser vor. Sie ignorieren die normalen Menschen (die sich dadurch schwer missachtet fühlen), und gebrauchen selber einen ebenso rauen Umgangston.  –Ulrich Thome


Leserbrief zu „Eine Frage der Haltung“ von Harald Welzer

Ich darf folgenden kurzen Zuruf zum Beitrag von Herrn Harald Welzer vornehmen:

Als Reaktion auf eine sich in der Selbstwahrnehmung, egal ob objektiv gerechtfertigt oder nicht, abgehängten Wählerschaft Handlungsempfehlungen im Rahmen von „Demos, Flashmops, Debatten, Tafeln, Musikfestivals“ zu geben, zeigt in aller Deutlichkeit, warum der aktuelle politischen Diskurs das Kampffeld um „die kleinen Leute“ den Trumps weltweit überlässt.

So wie die Konservativen ab der bleiernen Zeit nur hilflose Antworten auf das bürgerliche Begehren auf Teilhabe an der Gesellschaft gefunden haben, so zeigt sich angesichts solcher Hilflosigkeit der identische Reflex-nur politisch seitenverkehrt.  – Andreas Steffen


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Als sich vor einigen Jahren Lehrkräfte über Beschimpfungen im Internet beschwerten und klagten, lautete die Antwort: Kann nicht verboten werden, unterliegt der „freien Meinungsäußerung“. In verschiedenen Sendungen werden Anwesende und andere Personen beschimpft, damit die Quote stimmt. Böhmermann kann sich zum Beispiel unter dem Mäntelchen SATIRE und Meinungsfreiheit bisher alles erlauben. Wo sind die Beispiele und Vorbilder, in denen einander Respekt gezollt wird?? Nirgends!!!!!  – Gebhard Müller


Leserbrief zu “ Unser Mann in DC“ von Josef Joffe

Herr Joffe betrachtet die Welt von so weit oben herab, dass er vor lauter Wald keine Bäume unterscheiden kann. Sie sind ihm alle eins, und so erklärt es sich, dass ihm auch „hiesige TTIP-Feinde“ und Trump-Freunde eins sind.

Hätte er sich auf seinen geflügelten Merkursschuhen herabgelassen, dann hätte er wahrnehmen können, dass die Demonstranten gegen TTIP und CETA „Für einen gerechten Welthandel“ auf die Straße gegangen sind. Mit etwas Nachdenken und gutem Willen hätte er den Schluss ziehen können, dass dies einen nicht unerheblichen Unterschied zu Herrn Trumps politischer Motivlage – nach allem, was wir bis jetzt wissen – darstellt. Und dass Menschen, die von der Aussicht, politische Gestaltungsmacht an Konzernchefs abzutreten – die wiederum nur den Weihnachtsbaum ihres Profits, aber nicht den Wald sehen -, nicht begeistert sind, weder zwangsläufig Globalisierungsfeinde sind noch „Dankes-Emails ans Weiße Haus“ schicken möchten.

Wer für einen Welthandel eintritt, der anders tickt als Wohlstandszonen mit noch billigerem Hähnchenfleisch zu überschwemmen – egal, ob chlorgebadet oder nicht -, weiß sehr wohl, dass von Trump, diesem Abziehbild eines Homo oeconomicus, neoliberale Flexibilität zu erwarten ist: Regeln sind gut, so lange sie meinen/den nationalen Interessen dienen, falls nicht, dann wird robust dereguliert.

Herr Joffe, der aus seiner Überfliegerposition schon manche wesentliche Kleinigkeit übersehen hat, sollte sich eine Auszeit gönnen und auf das Rauschen der Bäume hören. Wir, das Fußvolk, das etwas zu verlieren hat, kommen eine Zeit lang auch ohne Welterklärer aus; wir schlagen uns derweil ins Unterholz, und versuchen, an Rechtstaatlichkeit und Demokratie zu retten, was zu retten ist. –  Günther Kusidlo


Leserbrief zu “Wir hatten es sehr gut miteinander” von Moritz Aisslinger

Ich finde ihren Artikel sehr ungerecht, es gibt keine Entschuldigung für diesen Vater (selbst wenn man davon absieht wessen Geistes Kind er ist) . Er hat Kinder gezeugt und ist genauso wie die Mutter für sie verantwortlich, gerade durch die vielen Ungereimtheiten hätte selbst der Dümmste etwas gemerkt. Er ist nicht das Opfer , sondern die Kinder sind die Opfer , das vermisse ich in ihrem Artikel . Für ihn sollte es keine Sonne mehr geben. Wegschauen oder nicht wahrnehmen ist genauso schlimm .  Für seine Kinder wird es keine Sonne mehr geben , und keine Salami. – Birgit Korbach


Leserbrief zu „Kampfansage“ von Jens Jessen

Jens Jessen berücksichtigt in seiner „Kampfansage“ titulierten Erwiderung auf Alard von Kittlitz Versuch, den Erfolg der rechten Populisten mithilfe des psychoanalytischen Konzepts der Projektion und Delegation zu erklären, nicht, dass es in der Tat darauf ankommt, den Gesprächspartnern zunächst immer das Recht auf eine eigene Wahrnehmung zuzubilligen. Er missversteht von Kittlitz offensichtlich bewusst oder unbewusst (das häufigste Phänomen im gegenwärtigen „Diskurs“). Es geht letzterem m.E. nicht um das Therapieren der Andersdenkenden, sondern um ein Verstehen der Anderen über eine differenziertere Selbstsicht, die sich nicht von allen unangenehmen Regungen reinwäscht.

Wie analog im Falle eines Straftäters bei der Suche nach seinen Motiven schließt ein Verstehen von unliebsamen Entwicklungen im Individuum oder in der Gesellschaft mitnichten eine Schuld und damit auch eine Verurteilung aus. Es wäre notwendig, die Diskussionen endlich zu deeskalieren und zu depolarisieren, es bedarf eines Verständnisses für die Motive der Gegner, um sie überhaupt angemessen bekämpfen zu können. Und wenn Herr Jessen all diese Regungen nicht in sich zu spüren vermag, die Herr von Kittlitz endlich einmal beschrieben hat, sind sie dennoch offenkundig wirksam. Doch auch in der von mir geschätzten Zeit wird die Spaltung in Eliten und angeblich Verblendete so nicht beendet- dieses Werfen mit Steinen im Glashaus, es ist wirklich beängstigend. – Dipl. Psychologe


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Angesichts des verbreiteten undifferenzierten Politiker-Bashings spricht mir Bernd Ulrich aus der Seele.

Was aber ist die Ursache für die „moralische Arroganz“, mit der Politiker bis ins Privateste durchleuchtet und abgeurteilt werden? Möglicherweise die tiefe Abneigung der 69er und Folgegeneration gegen jede Autorität, sicher aber die tief verankerte Skepsis gegenüber jedem politischen Machtstreben – seit „Machtergreifung“ und  „Ermächtigungsgesetz“. „Der/die will ja doch nur an die Macht kommen oder an der Macht bleiben“, diese Sentenz dient an den deutschen Stammtischen längst als billige Begründung für die pauschale Ablehnung der politischen Kaste an sich.

Angesichts dieser in großen Teilen der Wählerschaft verbreiteten Grundhaltung und erst recht in Anbetracht der globalen politischen Konflikte wäre der von Ulrich beschriebene Fluchtreflex der politischen Führung, wie er sich z.B. gerade bei F.Hollande gezeigt hat, nur zu verständlich.

Wenn sich gerade in den USA eine finanziell nun wirklich saturierte Kandidatin jenseits der 70 der Tortur des amerikanischen Wahlkampfes gestellt hat, wenn sich nun die Bundeskanzlerin erneut diesem Wahlvolk stellen will, so kann als Hauptmotiv weder ein finanzielles noch pures Machtstreben unterstellt werden. Vielmehr wird es das Bewusstsein sein, durch ein einflussreiches politisches Amt der persönlichen Verantwortung für das nationale/europäische Gemeinwesen, ja für die Menschheit insgesamt gerecht werden zu wollen.

Wenn wir als Wahlvolk dieses idealistische Grundmotiv bei den von uns gewählten Politikern nicht grundsätzlich zunächst einmal voraussetzen, sondern ihnen undifferenziert Geld- und Machtgier unterstellen, dann kann Demokratie nicht funktionieren, dann werden die besten Köpfe unserer Republik sich lukrativeren Betätigungsfeldern zuwenden als der Politik – und wir sollten uns nicht wundern, wenn wir Opfer der Trumps, Le Pens, Johnsons und Grillos dieser Welt werden. – Wilhelm Kösters


 Leserbrief zu “Das darf doch nicht wahr sein” von Jan-Martin Wiarda

Was da nicht wahr sein dürfe, fragte ich mich nach der Lektüre des Artikels. Eine Abbrecherquote von nur 27 Prozent bei den Fachhochschulen sollte keine solche Schlagzeile provozieren, denn zum einen liegt sie noch tiefer als bei den Universitäten und zum anderen dürften zu viele junge Menschen ein Studium aufnehmen, die dafür nicht geeignet sind. An unserer FH in der Schweiz lag zu Zeiten des Diplomstudiums bei den Ingenieurwissenschaften, wo ich unterrichtete, am Ende des ersten Jahres die Quote bei 50 Prozent, und wir Dozenten verloren darüber keine vielen Worte, denn die Gründe waren klar: das falsche Studium gewählt oder überhaupt nicht fürs Studieren geeignet. Seit der Einführung von Bachelor und Master ging dieser Wert sehr stark zurück, weil ein Bestehen der nötigen Module zum erfolgreichen Abschluss genügt. Die Studenten haben schnell begriffen, wie man seine Credits bekommt, denn zu jeder Modulprüfung kann man viermal antreten. Es sei dahingestellt, ob das zu qualifizierteren Absolventen führt. Eine Sache ist auf jeden Fall wahr: in Deutschland machen viel zu viele ein Abitur, was bei etwa 50 Prozent eben nicht reicht, um erfolgreich studieren zu können – q.e.d. – Rudolf Schmitt


Leserbrief zu „Vermisst: Respekt“ von Bernd Ulrich

Das, was Bernd Ulrich in seinem Kommentar angesprochen hat, musste einfach mal gesagt werden; richtigerweise gleich auf Seite 1 der neuen ZEIT-Ausgabe. Wo kommen wir denn noch hin in dieser trump-triumphalen, postfaktischen Ära, in der die Schwerkraft von Argumenten, gewissermaßen initiiert durch kommunikative Präzession, aufgehoben scheint. In der bornierte sowie opportunistische Demagogen mittels freiwilliger Erkenntnisisolation und organisierter Nichtverantwortung invektiv den Ton angeben.

Was, wenn die Klügeren, die Besonnenen und Rücksichtsvollen immer öfter den Schreihälsen weichen, den Wichtigtuern und den selbstherrlichen Egoshootern? Denken wir also daran, dass wir der Lauterkeit, nicht der Lautheit, der Historie, nicht der Hysterie, unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenken, und, – ohne die Absage an unser aller Intellekt -, offen sind für einen breiten, wertschätzend-sachdienlichen Dialog. Demokratie braucht allenthalben Maß und Mitte, das schließt selbstverständlich demokratische Umgangsformen mit ein. Verteilen wir ruhig mal wieder ganz bewusst und ehrlich Kopfnoten wie in der Schule für gutes Benehmen und soziales Verhalten, wenn wir die Leistungen von Politikern, Journalisten, dem Kollegen oder auch von uns selbst einordnen wollen. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Nischen-Spiele“ von Christof Siemens

Christof Siemes meint, dass Spitzensportförderung geändert werden muss, weil der Sport seine Werte nicht mehr mit der Reichweite von ARD und ZDF verbreiten wird.

Diese Werte werden aber nicht nur über den Bildschirm vermittelt. Der Leistungssport ist Vorbild für Millionen von Breitensportlern, die an den Erfolgen der Sportler auch ohne ARD und ZDF teilhaben werden.

Der Leistungssport ist auch Selbstzweck. Kultur, die der Staat wie andere kulturelle Institutionen fördert, weil sie sonst nicht bestehen können. Wer eine Debatte über Spitzensportförderung führt, darf nicht vergessen, dass Spitzensportler keine Entertainer sind, die nebenbei ein moralisches Lehrstück aufführen. Es sind Menschen, die unter erheblichen Opfern Bestleistungen anstreben und dafür Unterstützung verdienen.

Wie die Bevölkerung dazu steht ist fraglich. Sie hat in zwei Volksabstimmungen gegen riskante Großveranstaltungen und nicht gegen Spitzensportförderung gestimmt. Sport hat durch Doping an Ansehen verloren. Aber Sportförderung darf nicht gegen Dopingkontrollen ausgespielt werden.

Spitzensportförderung fördert begriffsnotwendig die Spitze. Olympia ist eine praktikable Messlatte. Als Ziel die ersten drei Ränge herauszugeben ist ebenso willkürlich wie den ersten, fünften oder zehnten Platz zur Grenze zu erklären.

Dass Olympia in der TV-Sparte versinkt ist bedauerlich, nur hat es mit der Förderung des Spitzensports wenig zu tun. – Marius Gappa