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12. April 2017 – Ausgabe 16

 

Leserbrief zu den Artikeln “ Meine Schönheit war doch nur eine Erfindung, Toni“ von Anita Blasberg und Carolin Pirich; „Welch ein Wahnsinn!“ von Ulrich Greiner; „Schönheit hat immer recht“ von Matthias Politycki

Eigentlich wollte ich mein Handy am Netz nun ruhen lassen, doch – siehe da! – mehrere Artikel in der dieswöchigen DIE ZEIT  sind derart erstklassig, daß ich es noch mal angeworfen habe,  um meine“Douze Points“ gleich mehrfach zu verteilen:

Nämlich an Anita Blasberg & Carolin Pirich : fürs wunderbare Interview mit 2 wunderbaren Frauen, Vera & Toni. CHAPEAU!  Champagner!

Ebenso 12 Points an Ulrich Greiners famosen Hölderlin-Update: Ja, WELCH EIN WAHNSINN!

Und Last Not Least jeweils 10 und 8 Punkte an: ‚Schönheit hat immer recht‘ , von M.Politycki, sowie für den Artikel der beschreibt, wie das Gehirn Schönheit dekodiert.

Und nun gehts für die Speisung des Akkus schleunigst zurück ans Netz! –  Paul Zendo


Leserbrief zu den Artikeln „Wahrheit verpflichtet“ von Hans Joachim Schellnhuber; „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker; „Wissenschaft muss lernen zuzuhören“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

In den Artikeln wird im Wesentlichen behauptet, dass der Glaube an „Alternative Wahrheiten“ vor allem ein Resultat der Geheimniskrämerei und der mangelnden öffentlichen Kommunikation von Wissenschaftler(inne)n ist. Aber die Wissenschaft hat meines Erachtens auch ein Glaubwürdigkeitsproblem, das auf ihrer zunehmenden – von der Politik geforderten und geförderten – Beeinflussung durch die Wirtschaft beruht:

Viele Wissenschaftler(innen) forschen inzwischen in Drittmittelprojekten und in Stiftungsprofessuren nicht mehr vorrangig für die Allgemeinheit und das Gemeinwohl, sondern für die – nicht zuletzt finanziellen – Interessen von Privatunternehmen. Glaubt denn irgendjemand, dass das keine Auswirkungen auf die Unabhängigkeit der Wissenschaft hat, und zwar sowohl hinsichtlich der Auswahl der Forschungsgegenstände als auch hinsichtlich der Nutzung der Forschungsergebnisse und der Darstellung von Forschungsergebnissen in der Öffentlichkeit bzw. eventuell auch der Unterdrückung missliebiger Forschungsergebnisse?

Gab und gibt es nicht Auftragsforschung durch Universitäten im Dienste großer Unternehmen mit dem Ziel, z. B. die Rolle von Pkws beim Klimawandel bzw. den Klimawandel selbst zu relativieren oder den (übermäßigen) Verzehr von Zucker oder Fett oder Alkohol oder Tabak als im Grunde unschädlich hinzustellen? Wurden bzw. werden im Medizin- und Pharmabereich nicht Wissenschaftler(innen) dafür bezahlt, dass sie Artikel schreiben, in denen sie unwirksame oder gar schädliche Medikamente als hilfreich darstellen? Gab und gibt es das nicht alles und trägt es etwa nicht dazu bei, die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zu ruinieren? Herr Vogel dagegen stellt „Partnerschaften mit der Industrie“ ohne Einschränkungen als erstrebenswert hin.

Ein weiteres Problem ist meines Erachtens die mangelhafte Bildung großer Teile der Bevölkerung, selbst von Gymnasiasten: Wer nicht bereits in der Schule gelernt hat, wissenschaftlich zu arbeiten und Geglaubtes von Bewiesenem zu unterscheiden, wird es in vielen Fällen auch später nicht mehr lernen.

Eine Demokratie kann aber ohne eine hinreichend gebildete Bevölkerung nicht auf Dauer existieren! – Ulrich Willmes


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Sie schreiben „nach dem US-Angriff auf Assads Giftgas-Luftwaffe“ und weiter unten „Dass Assad so ermuntert würde, den nächsten Sarin-Angriff zu fliegen, hat in der absurden Logik keinen Platz.“.

Offenbar sind Sie der einzige, der Beweise hat, dass beim Angriff auf Chan Scheichun Assads Luftwaffe Giftgas eingesetzt hat. Die Beweise haben Sie natürlich nicht. Also stellen Sie Ihre Vermutungen und Meinungen hier als Tatsache dar. Fake News nennt man das ja wohl neuerdings.

Die Frage „cui bono“ haben Sie sicher allein aus Platzgründen nicht beantwortet. Das möchte hier für Sie nachholen.

Assad ist amtsmüde. Deshalb ist er sehr erschrocken, als die Trump-Administration verlautet hat, ihn abzusetzen sei nicht mehr das Ziel der USA. Um eine Kehrtwende bei Donald Trump zu erzwingen, hat er kurzerhand seine Luftwaffe einen Giftgasangriff fliegen lassen, um so Trump moralisch unter Druck zu setzen, ihn doch absetzen zu wollen. So kann er sich weiter auf seinen baldigen Ruhestand freuen.

Und Sigmar Gabriel hat er nebenbei auch noch eine Freude gemacht.

https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/04/05/us-regierung-haben-keine-chance-mehr-assad-syrien-zu-stuerzen/?ls=fp

Reiner Felkel


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Im Artikel von Nienhaus und Rudzio wird ein  durchschnittliches Nettoeinkommen für Familie von 4700 Euro an gegeben. Stimmt das wirklich? – P. Zielenbach


Leserbrief zu „Ihr Froschretter“ von Evelyn Finger

Drastische Artikel verdienen drastische Antworten:

Wie wär’s, wenn Sie, liebe Frau Finger und andere Christen in Deutschland, Ihrer Empörung und Ihrer Aufforderung zur Rettung der syrisch-orthodoxen Christen im Nahen und Mittleren Osten folgendermaßen Ausdruck verleihen würden:

Kleiden Sie sich in Froschkostüme (mit aufgemalten Kreuzen am Rücken); hüpfen Sie auf den Straßen herum und quaken Sie dazu möglichst laut. Benehmen Sie sich ganz wie Frösche: Bewegen Sie sich so zu einem Teich oder Flussufer in Ihrer Nähe, wählen Sie dort Partner Ihrer Art und kopulieren Sie – auf dass es bald wieder mehr Christen gebe.

Bescheidener Vorschlag hierzu: Nennen Sie sich „Die Kreuzfrösche“. Die gibt es übrigens wirklich. Zoologischer Name: Cacosternum capensae (wie passend – und: nein, den habe ich auch nicht erfunden).

Dann – und nur dann – will ich mich nicht nur für die Rettung von Menschen jedweder Religionen (oder auch Nicht-religiösen) einsetzen, wie ich es bereits tue, sondern besonders für Christen.

Tja, Cac’osternum capensae, ächt schützenswert – und, wie Christen, vom Aussterben bedroht.

Aber, mal Spaß & Satire beiseite, Frau Finger: Mir scheint, wenn es um die Probleme von Christen im Orient geht, ist Ihre Empörung stets besonders groß. Was ich zwar aus Ihrer Sicht für verständlich, jedoch aus meiner Sicht für sehr problematisch halte. Da wirken Ihre gegenteiligen Aussagen stets wie Lippenbekenntnisse.

Und die Form des Vorwurfs seitens des syrisch-orthodoxen Bischofs von Mossul halte ich für genau so peinlich daneben, wie die Idee, diesen Vorwurf in einen Artikel zu kleiden und daraus die Schlagzeile eines Aufmachers zu kreieren. – Abgesehen davon, dass wir (Deutschen und Europäer) uns auch meiner Meinung nach schon viel eher und viel stärker im Nahen und Mittleren Osten hätten engagieren sollen – auch militärisch. In diesem Punkt gebe ich dem erwähnten Bischof Recht.

Schöne Feiertage – oder wie Ihresgleichen sagt: „Frohe Ostern“ – Burkhard Schwarzkopf


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Auch bei mir, selbst Arzt, musste wegen einer Nachblutung nach Mandeloperation  eine Woche nach der Op. ein blutendes Gefäß übernäht werden, glücklicherweise komplikationslos. Ich halte Ihren  Beitrag in der Rubrik RECHT UND UNRECHT für wertvoll. Er verliert allerdings erheblich an Wert durch die geschmacklose, wenn nicht zynische Überschrift “Schluss mit lustig”. Sie kann sich ja nur auf den Tod des “dem Frohsinn verschriebenen”  Verstorbenen,  womöglich  auf sein früheres  Amt als Karnevalsprinz beziehen.  Ob Sie, sehr geehrter Herr Aisslinger,  ggf. die/der für Beitragstitel zuständige ZEIT-Mitarbeiterin/-Mitarbeiter es für angebracht halten, die Hinterbliebenen um Entschuldigung zu bitten? – Dr. med. Lorenz Peter Johannsen


Leserbrief zu „Klopp, Liverpool“ von Fritz Pleitgen

Herr Pleitgen schreibt in seiner Ich-Erzählung „Klopp, Liverpool!“ in der Ausgabe vom 12. April, dass der FC Liverpool fünfmal die Champions League gewonnen habe. Das ist falsch: Der Verein gewann viermal den Europapokal der Landesmeister und einmal die Champions League. – Christoph Seidl


Leserbrief zu den Artikeln “ Trump 2.0″ von Josef Joffe und “ Endlich eine rote Linie gezogen“ von Wolfgang Bauer

Wenn ich Maildialoge mit Freunden, Bekannten und politischen Gegnern führe, bekomme ich zu oft Antworten, die mir zeigen, daß Ihre Journalisten möglicherweise schlecht informiert sind. Hier zwei Quellen, die m.E. unberücksichtigt blieben. www.thedailybeast.com und www.InforWars.com  Was meinen Sie dazu???

Das klingt schon überzeugender. Also war der millionenteure Angriff eher innenpolitisch und außenpolitisch für die Dummen einkalkuliert ?

Hallo Herr Mösl,

haben Sie registriert, daß „den kleinen Buben den Kopf abschneiden“ von einem Portal www.thedailybeast.com veröffentlicht wurde, dessen Eigentümer die „Clinton-Stiftung“ ist. Während die sogenannte Lügenpresse in der Mehrheit davon schreibt, daß der Giftgas-Angriff noch untersucht werden müsse, Experten darauf hinweisen, daß Sarin aus einer bombardierten Waffenfabrik sich andes verteilt und gewirkt  hätte, übernehmen Sie ohne Konjunktiv die russische Darstellung. Ich glaube keiner der beteiligten Kriegsparteien. Jeder Bombenangriff ist ein schwarzer Tag für die Menschheit. Sie kommen besser voran, wenn Sie die Politik nicht in dieser Art bemühen.

InforWars.com gehörte zu den stärksten Unterstützern von Trump im Wahlkampf. – Diether Sieghart


Leserbrief zu „Je größer das Auto, desto größer der Respekt“ von Stefan Schirmer

Über die Küchenpsychologie von Rüdiger Hossiep habe ich mich geärgert. Ich bin 71 Jahre alt und habe mir wie viele gleichaltrige aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis einen SUV gekauft, weil  mir und meiner Frau das  Ein- und vor allem das Aussteigen aus einem normalen Auto zunehmend schwerer fiel. Auch das Beladen mit schweren Getränkekisten oder Koffern geht nun besser. Mit einer Ego-Krücke hat das in keinster Weise zu tun, zumal ich nur noch 6000 km im Jahre fahre. Was der Artikel betreibt ist ein Altenrassismus, weil er pauschal auch die Bedürfnisse älterer Menschen diffamiert, auch wenn das mit der Fomulierung „viele Deutsche“ kaschiert wird. – Ingbert Lindemann


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Dass im geschilderten Fall Fehler begangen wurden, wird offensichtlich von niemandem bezweifelt. Dass diese Fehler schwerwiegende Folgen hatten, ist ebenso unstrittig. Die für eine Verurteilung relevante Frage lautet allerdings, ob grobe Fehler in dem Sinne begangen wurden, dass in vollkommen unverständlicher Weise gegen selbstverständliche Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen wurde.

Bei aller Bestürzung über die Tragik des konkreten Falles sollte ein solches Urteil nicht leichtfertig getroffen werden. Ich möchte betonen, dass ich mir nicht anmaße, aus den Informationen im Artikel ein abschließendes Urteil abzuleiten, möchte aber doch Zweifel im Hinblick auf die offenbar suggerierte Annahme eines solchen groben Fehlers ableiten.

Wenn man am Schreibtisch sitzend einen Artikel schreibt oder diesen im Sessel sitzend liest, fällt ein hartes Urteil viel leichter, als wenn man den Druck kennt, als junger Arzt für viele schwer kranke Patienten gleichzeitig verantwortlich und dann mit einem schwierigen Notfall konfrontiert zu sein. Wir sollten uns auch klar machen, dass Fehler überall passieren, wo Menschen arbeiten, dass aber die Fehlerwahrscheinlichkeit von äußeren Bedingungen beeinflussbar ist. Dass sich überlange Arbeitszeiten und Übermüdung hier ungünstig auswirken, ist nicht nur intuitiv verständlich, sondern auch durch Studien belegt, und im geschilderten Fall sollte nachdenklich stimmen, dass die kritische Situation kurz vor Mitternacht eintrat.

Die äußeren Bedingungen wiederum, die sich hier offenbaren, sind in meinen Augen Folge einer Politik, die die Kommerzialisierung im Gesundheitswesen mit dem Zweck vorantreibt, einen Verdrängungswettbewerb zu generieren. Der geschilderte Fall sollte eher als mahnendes Beispiel dafür dienen, wohin diese Politik führen kann, als dazu, eine junge Ärztin an den Pranger zu stellen. – Harald Löffler


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Mit Verwunderung habe ich den o.a. Artikel unter „Politik“ gelesen. M.E. sollte ein solcher Artikel eher im „Stern“ erscheinen, und wenn schon in der „Zeit“ dann verstecken sie ihn doch irgendwo unter „Z“!

Im Ernst; jeder Wähler darf seine Entscheidung wen er wählt oder auch nicht, abhängig machen von was er will, auch davon ob Herr Schulz bekennt nie mehr Foie-gas zu essen, oder ob Frau Merkel bekennt jeden Tag ein Nachtgebet zu sprechen.

Aber eine solche Einzelentscheidung zu einem Artikel unter Politik hochzujazzen entbehrt für mich jeglicher Relevanz.

Dieses, mein Schreiben ist zunächst auch nur eine Einzelmeinung und bekommt erst Relevanz, wenn sich mehrere Leser gleichlautend äußern. Dasselbe gilt für die Schreiben des Herrn Lachetta an die SPD: für die Veröffentlichung irrelevant!

Ebenso singulär betroffen bin ich als ehemaliger Berufssoldat durch die beschriebene Feststellung des Herrn Lachetta er sein „Fallschirnjäger“ gewesen; was soll denn das? Ich vermute er war kein Jäger (Truppengattung) sondern hat bei der BW auch mal einen Springerschein gemacht. Meine Erfahrung in 35Jahren:

die wildesten militanten waren Reservisten, so wie ich (geo)politisch den Eindruck habe, die entschiedensten Befürworter von militärischen Interventionen sind in absolut überwiegender Zahl keine Militärs sondern Politiker und Meinungsbilder wie Journalisten; „ihr“ Herr Joffe tut sich da auch immer wieder (auch aktuell) gerne hervor, aber das ist schon ein ganz anderes Thema. – Thomas Steinbach


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Sämtliche mir bekannten Wissenschaftler halten es für wahr, dass zwischen Anfang und Ende eines Ereignisses Zeit vergeht. Meines Wissens sieht keiner, dass Zeit zunächst entsteht.

Dabei „wissen“ wir seit Einsteins Spezieller Relativitätstheorie, dass Zeit nichts Statisches ist. Und erst recht nicht von gleichmäßig getakteten Dauer-Teilen . Trotzdem tun wir so, als hätte es Einstein nicht gegeben.

Zur Korrektur benutzen wir die Einsicht, dass Leben nicht eine Funktion der Zeit ist, sondern die Zeit ist eine Funktion des Lebens. – Jürgen Friedrich


Leserbrief zu „Eine Diktatur in der NATO“ von Michael Thumann

Ich bitte um Verzeihung: darf ich Überschrift und Inhalt des Artikels so verstehen, dass Sie das Portugal von vor 1974 und NATO-Gründungsmitglied für eine Demokratie halten? – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Je größer das Auto, desto größer der Respekt“ von Stefan Schirmer

Je grösser das Auto, desto grösser meine Verachtung. Es sollte aber Mitleid sein, daran arbeite ich noch. – Martin Novotny


Leserbrief zu „Schönheit hat immer recht“ von Matthias Politycki

Falsche Schönheit durch falsches Christentum

Um mit Polityckis Irrtum aus „Herr der Hörner“ zu beginnen: Wenn eine Frau die Inkarnation des Bösen ist, dann nur deshalb, weil ein Mann sie soweit getrieben hat. Dass Schönheit immer recht haben muss, ist eine Männererfindung, damit die Frauen alles tun, um schön zu sein. Alles Andere wird verdrängt. Die dadurch entstehende Dualität, die dann irgendwann für Beide tödlich endet, ist eine Erfindung der Männer des Christentums, weil’s bequemer ist, alles bei den Frauen abzuladen, anstatt wie Jesus einen alleinigen Entwicklungsweg zu gehen. Das rächt sich durch zunehmende Demenz, Krebs und andere Autoimmunkrankeiten, weil sich der Körper gegen diesen Betrug wehrt. – Ruth Gehring


Leserbrief zu „Ihr Froschretter“ von Evelyn Finger

Wahrscheinlich begebe ich mich in Teufels Küche (wie passend zum Thema) wenn ich dies schreibe:

Warum müssen Christen gerettet werden und warum macht es einen Unterschied, ob zwischen Muslimen und Christen beim Retten unterschieden wird und warum ist Fröscheretten anrüchig? Ich bin evangelisch-christlich aufgewachsen, aber habe mit organisierter Religion nichts mehr am Hut!

Es ist bezeichnend, daß in der Ursprungsregion von drei großen Weltreligionen, die jeweils irgendeinen Anspruch an Liebe, Güte und Toleranz haben, die unlösbarsten Konflikte der Welt schwelen. Wie geht das zusammen? (ich habe schon lange keine Meinung und Haltung mehr zum Nahen Osten: ist eh‘ hoffnungslos und religiös hochexplosiv)

Bzw. warum müssen wir uns immernoch mit Lehren und Auswirkungen rumschlagen, die sich irgendwelche Wüstenheinis vor 2000 Jahren und später ausgedacht haben und von denen KEINER weiß, ob sie überhaupt stattgefunden haben.

Wenn Menschen religiös sind, mögen sie das gerne für sich tun, aber sie sollen bitte den Rest nicht damit belästigen!

Die Welt und gerade die Welt der Aufklärung und Wissenschaft ist inzwischen weiter fortgeschritten. Und wenn sich ergibt, daß Frösche genauso Wesen der Evolution sind und sie vermutlich andere Frösche oder für sie niedere Lebewesen nicht missionieren und Untertan machen, dann sind sie für uns schützenswürdig!

Genauso wie jeder Mensch an sich (ohne den religiösen Bombast) schützenswürdig ist. Wenn es also darum geht, Menschen jeder Art vor Krieg und Verfolgung zu schützen: ja. Wenn diese Schützenswerten religiöse Wertungen einbringen: is mir egal! – Wolfgang Michel 


Leserbrief zu den Artikeln “ Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich und “ Endlich eine rote Linie gezogen“ von Wolfgang Bauer

Sicherlich gute Argumente Für und Wider, aber das Völkerrecht sollte eben über Allem stehen! Und das ist ja laut dem Artikel über das Völkerrecht unten auf der Seite eindeutig. Traurig, daß unsere Bundesregierung da gleich wieder an die Seite der USA kuscht.

Es zeigt sich halt, sowie der Stärkste auf den Tisch haut, plappern alle nach seiner Nase. Wie enttäuschend für Deutschland und für die EU. Wann hat eigentlich die EU endlich mal eine eigene Haltung?- Wolfgang Michel


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

….ist doch egal! Na wenn schon ….!!! Diese aufoktroyierten Moralvorstellungen, diese ständigen Reglementierungen, diese Vorhaltungen, die dazu veranlassen, voller Besorgnis gramgebeugt die verseuchte Welt zu betrachten! Kann am deutschen Umweltbewusstsein wirklich die Welt genesen? Ganz abgesehen davon, dass mit einem politisch erhobenen Zeigefinger (Atomaustieg, Dieselverbot, Heizungsverbot…) Werte und Lebensplanungen mit einem Federstrich zunichte gemacht werden! –  Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

In dem Artikel „Diese radikalen Studenten“ über die  Auseinandersetzungen an der HU sind die Positionen der IYSSE völlig  unterrepräsentiert. Es werden zwar sehr wesentliche Fragen aufgeworfen,  aber nicht ansatzweise hinreichend diskutiert. Wenn in der Zeit über  die Rehabilitierung von Ernst Noltes Positionen berichtet wird, darf  das inhaltlich nicht unbeantwortet bleiben.

Da ich in dem Artikel als „Wortführer“ der Gegner in der  Auseinandersetzung genannt werde, aber mit gerade einmal 14 Worten,  kaum zitiert werde, habe ich bereits eine kurze Ergänzung unter den  Artikel gepostet.  Gerade arbeite ich an einer längeren Replik und möchte Sie bitten,  diese für den Abdruck in der nächsten Ausgabe vorzusehen. Bitte senden  Sie mir die Bedingungen für eine solche Antwort. Wie lang kann sie  sein, bis wann muss sie eingereicht werden etc.  Leiten Sie diese Anfrage ggf. bitte an die Zuständigen weiter. – Christoph Vandreier


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Dieser investigative Journalismus der ZEIT-Redaktion(Matthias Krupa) ist atemberaubend:

Vor gefühlten tausend Jahren, während seiner Zeit als EU-Abgeordneter,  hat Martin Schulz, nachweislich, Gänseleberpastete zu sich genommen.

Diese Nachricht wird die Berliner Republik nachhaltig erschüttern; die Geschichte der Ära Schulz muß neu geschrieben, um nicht zu sagen, revidiert werden.

p.s.: war dieser Artikel nicht ursprünglich für den 1. April vorgesehen ? – Werner Friedrich Balsam


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

Wenn auch 12 Jahre älter als Herr Baberowski kann ich seine in Ihrem Artikel vorgestellten Erkenntnisse nur unterstützen. Die Frage: Wie hätte ich mich an Stelle meines Vaters verhalten? stellte sich mir auch erstin einem Alter, in dem man aufgrund seiner Erfahrungen – so man sie denn macht – etwas selbstkritischer wird. Traurig ist wirklich, dass in der jetzigen Zeit solche ideologisch verrannten , historisch jedoch offensichtlich von keiner Kenntnis getrübten Akademiker auch noch öffentliches Gehör erhalten.

Über die Auswirkungen von Tugend und Moral im politischen Handeln könnten diese Tugendwächter beim Studium der französischen Revolution sehr viel lernen- allerdings ist dies eine Fähigkeit, die den Tugendwächtern nach meinen eigenen Erfahrungen auch nicht zu eigen ist. Als Trotzkisten und somit als ‚Verfolgte des Stalinismus‘ sollten sie aber zumindest vorsichtig mit Verdächtigungen und Verfolgungen umgehen. Als ehemaliger Student der Uni Bremen (von 1974 bis 1979) und daselbst aktiv in den ‚Basisgruppen‘  muss man sich doch glatt für die Dummheit eines solchen AStA schämen. – Hans-Gerd Benninghoven


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Hat Martin Schulz Gänsestopfleber gegessen oder nicht? Mit dieser vor allem für CDU-Wahlstrategen und für Herrn Lachetta spannenden Schicksalsfrage beschäftigt sich der Artikel „Martins Gans“ im Politikteil. Da springt mir die verzweifelte Aussage des Bischofs von Mossul im gleichen Politikteil ins Auge „Der Westen schert sich mehr um Frösche als um uns.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. – Joachim Peters


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Das war zu erwarten: Endlich kann er, Joffe, Trump loben. Endlich kann er auch Obama, den Er nie mochte, kritisieren. Jedes Mittel gegen den Iran und Assad ist ihm recht, weil es gegen den Islam geht.

Grundsätzlich bin ich in diesem Falle Joffes Meinung. Jedoch ist es für ihn als Jude zu durchsichtig. Von ihm habe ich noch nie ein kritisches Wort zur israelischen Siedlungspolitik gelesen.

Auf seine Kolumne würde ich gerne verzichten.  – Heinz Heienbrok


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Ich habe inzwischen den Eindruck, es gibt so viele Syrien, wie es Medien gibt, und jeder kann sich seine Wahrheit dadurch zusammenbasteln, dass er das ihm genehme Blättchen auswählt. Für das Ernst zu nehmende Medium A ist Assads Schuld so gut erwiesen, dass noch nicht einmal ein Konjunktiv oder das obligate „mutmaßlich“ verwendet wird, das genauso Ernst zu nehmende Medium B verweist darauf, dass die von Syrien und Russland vertretene Unfall-Version sehr viel wahrscheinlicher ist, für Blättchen C ist klar, dass Assad schon immer mit Giftgas um sich geworfen hat, Blättchen D wiederum weiß aufgrund der Analyse chemischer Signaturen, dass Giftgasangriffe der Vergangenheit auf eine Kungelei zwischen IS und türkischem Geheimdienst zurück zu führen sind, und jeder beruft sich auf Informationen windiger NGOs, die in der Vergangenheit schon häufiger durch „stark gefärbte“ Berichte aufgefallen sind, um es höflich zu formulieren.

Die USA und die Russen könnten das Problem durch entsprechende Untersuchungen bereinigen. So weit nachvollziebar, liegen entsprechende Vorschläge der Russen vor, die aber anscheinend nicht im Sicherheitsrat diskutiert werden. Statt dessen bemüht sich jeder Staat der so genannten westlichen Wertegemeinschaft, eigene, für die andere Seite nicht akzeptierbare Papiere vorzulegen. Wie wäre es, wenn die Medien, statt weiter verschiedene Versionen von Verschwörungstheorien zu verbreiten, Druck auf die Regierungen aufbauen würden, mit einer Untersuchung auf dem kleinsten Nenner loszulegen? Passend formuliert ließe sich schnell klären, ob das ganze Gerede über humanitäre Grundsätze nur eindudelndes inhaltsloses Gebrabbel für das Volk sind oder wirklich was dran ist. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Welcher Teufel hat Herrn Krupa geritten? Dieser Beitrag ist unterste Schublade – der ZEIT unwürdig. Wollen Sie Martin Schulz demontieren? – Ronald Kissel


Leserbrief zu „Das Rad neu erfinden“ von Mariam Lau

In Ihrem tollen Artikel in der heutigen ZEIT stellen Sie die schöne, wohl eher rhetorisch gemeinte Frage: „Stuttgart ohne Stau und mit frischer Luft – kann sich das einer vorstellen?“

Darauf gibt es seit kurzem eine neue Antwort: Nicht nur einer! Gerade hat sich ein breites Aktionsbündnis von verschiedenen Verbänden, Vereinen und Initiativen gebildet, die genau dafür eine Vision erarbeitet haben: Die gesamte Innenstadt als ein Paradies für zu Fuß gehende und Radfahrende. Unter dem Titel „Stuttgart laufd nai“ wird das Aktionsbündnis ein Bürgerbegehren starten, das die gesamte Innenstadt zur autofreien Zone machen soll.

Falls Sie nun gespannt sind, was es mit dieser Vision auf sich hat, finden Sie weitere Informationen unter www.stuttgart-laufd-nai.de, auf Facebook und im gemeinsam erarbeiteten „Wegweiser“, den ich Ihnen gerne angehängt habe.

Falls Sie sogar berichten wollen, stehen wir und die anderen Bündnispartner Ihnen gerne für Rückfragen zur Verfügung. – Andreas Zinßer


Leserbrief zu „Läuft!“ von Maximilian Probst

Hat der Autor Probst nie eine schöne Skiabfahrt genossen oder sich im Alter von über 30 Jahren über einen 400-Meter-Lauf klar unter 60 Sekunden wie Bolle gefreut? Schade! Wer wie der Schreiber dieser Zeilen noch mit etwa 60 Jahren das Finale eines Tanz­tur­niers in der A- oder S-Klasse erleben konnte, der weiß: Sport macht Spaß! Einfach so!

Vielleicht sind Motivation, Konzentration und auch Belastbarkeit sowohl für den Sport als auch im Beruf zufällig gleich günstige Voraussetzungen. Und wer zu wenig motiviert ist, den Hintern von der Couch zum Sport hochzubekommen, hat eventuell dasselbe Pro­b­lem, wenn es im Beruf anstrengend wird – und wird eventuell deshalb auf Dauer geringer be­zahlt.

Wenn Schwitzen per se besser bezahlt würde, lohnte sich nach dieser Logik ein Umzug einer Person ohne Hauptschulabschluss und sonstiger Qualifikation in eine Universitäts­stadt: Dort sind die Gehälter im Durchschnitt ja auch höher!

Dass bei einer gemeinsamen Ursache (Motivation) eine gute Korrelation der Ergebnisse auftritt, ist nicht verblüffend. Und dass jeder kreative Mensch auch Phasen der „Lange­weile“ braucht, ist ebenfalls klar! Geht Herr Probst etwa davon aus, dass sportlich aktive Menschen keinen Nerv für Ruhe und Nachdenken haben?  – Prof. Emeritus Dr. Wolfgang Ströbele


Leserbrief zu “Erdoğans Poker“ von Özlem Topçu

Ihren oben genannten Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen, weil er die augenblickliche Lage und mögliche Zukunft in der Türkei sachlich zu analysieren versucht. Nur zwei Bemerkungen zum Ende Ihres Artikels:

Die Bundesregierung soll ihre Türken zurückgewinnen. Wo waren denn unsere Türken, als Erdogan die Regierung und damit auch die Bevölkerung idiotischerweise als nazistisch bezeichnete. .Wo waren sie, als er drohte, Aufstände in Deutschland anzuzetteln? Wo waren sie, als er den Europäern drohte, keiner werde in der Welt mehr sicher sein?

Weitgehendes Schweigen. Ich meine nicht den Gemüse Händler, bei dem wir auch kaufen. Nein Abertausende türkische Mitbürger haben durch ihr Können und ihren Einsatz, aber mit Sicherheit unterstützt von einem rechtsstaatllichen System, einem guten Sozial- und einem geordneten Gesundheitssystem Gottseidank Karriere gemacht. In der Kultur, im Journalismus, in der Wirtschaft. Ich, obwohl politisch sehr interessiert, habe von den Größen weitgehend Nichts vernommen.

Zur doppelten Staatsbürgerschaft: Ich war ein klarer Befürworter. Inzwischen zweifle ich an der Verfassungsmäßigkeit. In einem demokratischen Land gilt u.a. das Prinzip „eine Person, eine Stimme“.

In der letzten Zeit wird immer offenbarer, dass die türkische Regierung den Anspruch erhebt, in Deutschland hineinzuregieren und damit mit Hilfe ihrer Imame und der AKP Mitglieder auch mit Erfolg Jeder deutsch- türkische Bürger, der seine Stimme in der Türkei abgibt, nimmt auf diese Weise ein zweites Mal Einfluss auf die deutsche Innenpolitik. Ich weiß, dass ich nicht der Einzige bin, der das nicht mehr akzeptieren will. – Karl-Heinz Weise


Leserbrief zu „Objektiv gesehen“ von Alard Von Kittlitz

Schönheit, objektiv gesehen, ist sozusagen das Thema meiner Dissertation an der New York University.  Entsprechend begeistert bin ich sofort der WhatsApp Nachricht meiner Mutter (die „back home“ mein Zeit Abo auf Papier liest) gefolgt: „Btw heute in der Zeit, ein Thema Schönheit und ein Artikel über MPI für empirische Ästhetik“.

Halb schuldbewusst verschlinge ich also den Artikel online (nur halb, es ist ja quasi Recherche). Auf Seite drei muss ich lachen, weil David Poeppel, der im Artikel interviewet wird, im gleichen Raum mit seinen amerikanischen Doktoranden diskutiert.

Seine Skepsis über den Erkenntnisgewinn aus den reinen Neurowissenschaften teile ich und auch seine Äußerung  „Die Philosophen denken seit Jahrtausenden über die Ästhetik nach“.

In meiner Forschung suche ich nach der Antwort was Schönheit ist. Ich teste die Theorien die Philosophen jahrhundertelang entwickelt haben mit empirischen Methoden. Mit den Ergebnissen meiner Experimente entwickle ich mathematische Modelle, die uns helfen Schönheit als psychologischen Prozess zu verstehen. In einer ersten Studie habe ich zum Beispiel untersucht, inwiefern zwei der Hypothesen Immanuel Kants stimmen: 1) Um Schönheit zu erleben, müssen wir denken. 2) Sinnliche Genüsse (das Stück Schokolade und das Glas Rotwein am Abend) können nicht schön sein. Diese Ergebnisse werden bald in einem international hoch angesehenen Wissenschaftsjournal veröffentlicht werden.

Es wird also nicht nur in Frankfurt nach der objektiven Wahrheit hinter dem subjektiven Erleben von Schönheit gesucht. Deshalb stimme ich David Poeppel zu – vielleicht werden wir das Rätsel Schönheit in 50 Jahren entschlüsselt haben. Ich hoffe, dass meine Arbeit ihren Anteil daran haben wird. – Aenne A. Brielmann


Leserbrief zu „Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich

Ich hatte bislang eine hohe Meinung zur politischen Urteilskraft von Herrn Ulrich. Mit seinem Kommentar vom 12.4. hat er diese deutlich hinter sich gelassen.

Man kann zu der Aktion von Trump stehen wie man will, es ist aber sehr einfach, in das allgemeine USA-Verurteilen einzustimmen – das erinnert mich sehr an die antiamerikanischen Proteste der 60er Jahre. Herrn Ulrich ist leider außer dem Einschlagen auf die Amerikaner nichts eingefallen. Er hätte stattdessen auf die Gleichgültigkeit vieler anderer (europäischen) Staaten hingewiesen, die dem Krieg in Syrien, vor allem dem Giftgaseinsatz, tatenlos zusehen. Amerika hat etwas getan, um ein Zeichen zu setzen. Es ist für einen qualifizierten Journalismus ein Armutszeugnis, dieser Tat nur Häme hinterher zu werfen. Solcher Stil ist der ZEIT unwürdig. – Hubert Klötzer


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Wenn Sie ernst genommen werden wollen mit dem, was Sie schreiben bzw. drucken, würde es sich aus meiner Sicht empfehlen, das nicht mit derart billigen und stillosen Kalauern zu hintertreiben wie dieser „unheimlich lustigen“ Überschrift. Der Karnevalsprinz ist tot! Schluss mit lustig! Spielt zwar für den ganzen Artikel keine Rolle, aber super Aufhänger. Ham wir gelacht! Die trauernde Familie ist bestimmt begeistert.

Machen Sie Witze und seien Sie lustig, machen Sie Wortspiele wo Sie wollen. Aber doch bitte da wo’s passt und nicht ausgerechnet da, wo’s nun garantiert überhaupt nicht passt. – Dr. Christian Naundorf


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

In Ihrem Artikel schießen Sie immer wiedr Spitzen ab auf den Diesel. In Bezug auf Ruß und Stickoxide ist das wohl berechtigt, aber das ist ja nicht das Thema Ihres Artikels. In Bezug auf Kohlendioxid ist der Diesel nämlich ein Segen. Ein Benziner gleicher Leistung gibt nämlich zwischen 10 und 25 % mehr Kohlendioxid ab, weil der Wirkungsgrad deutlich schlechter ist. Auf Komfort, Leistung und vor Allem auf das Fahren (allein mit dem Auto)  zu verzichten sind die Wege, die CO2 Emissionen aus dem Verkehr zu reduzieren. Mehr Radwege, Steuern für Benzin und Diesel hoch, dafür die fixe KFZ-Steuer weg, die steigenden Einnahmen in ÖPNV stecken, dort das Angebot verbessern und die Preise senken. Das wären wirksame Maßnahmen. Weniger heizen, Strom dezentral kombiniert mit Heizung produzieren, das wären weitere Maßnahmen, die gefördert werden könnten. Und das alles könnte die Politik einleiten, ohne dafür abgewählt zu werden, weil die Bürger das einsehen. – Fritjof Möckel


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Auch wenn Präsident Donald Trump während seines Wahlkampfs und in der ersten Zeit seiner Präsidentschaft zu Recht viel Kritik einstecken musste, so kann man ihm für seine Entscheidung, dem Kriegsverbrecher Assad für seinen Giftgasangriff auf die eigene Bevölkerung die Rote Karte in Form dieses Raketenangriffs zu zeigen, nur Respekt zollen. Sein Vorgänger, Präsident Barack Obama, war dagegen im wahrsten sine des Wortes eine „Lame Duck“ wie die Amerikaner sagen. Er hat zwar gerne davon gesprochen, dass ein Giftgasangriff auf die eigene Bevölkerung in Syrien durch Assad das Überscheiten einer Roten Linie mit entsprechenden Konsequenzen bedeute, aber als es dann soweit war, passierte nichts.

Daraufhin konnte der Kriegsverbrecher Assad mit seinen Verbündeten ungehindert weiter morden: Sie wussten ja, dass von Seiten der Amerikaner nichts zu befürchten war. Wenn Obama seinen starken Drohungen wirklich Taten hätte folgen lassen, hätte bestimmt der Russe sich nicht auf Assads Seite geschlagen und der Krieg, der bisher schon mehr als

600.000 Menschenleben gefordert hat, wäre schon längst beendet. Insofern hat der Ex-Präsident Obama sich schuldig gemacht und man sollte daher ernsthaft überlegen, ob man ihm den so schnell verliehenen Friedensnobelpreis nicht wieder aberkennen sollte. Auf Präsident Trump kommen jetzt schwere Zeiten zu, denn er muss seine harte Linie gegenüber Asssad beibehalten und dabei versuchen, die Russen nicht zu provozieren – ein wahrer Drahtseilakt – aber auf jeden Fall richtig. – Helmut Jung


Leserbrief zu „Endlich offline” von Ulrich Stock

Nachtreten ist doch so schön!

Ich hatte den Artikel wegen Pauschalisieringen, Ungenauigkeiten und Oberflächlichkeit kritisiert. Die Redaktion Wirtschaft hat jetzt gezeigt, wie es journalistisch richtig geht: ZEIT Nummer 16 „Endlich offline“. Da hat Herr Stock präzis geschrieben und mit Zahlen unterlegt. Und unterhaltsam,das kann also auch die Redaktion Wirtschaft. Und was hat er in der Sache geschrieben: das Gegenteil von dem, was Frau Tutmann geschrieben hat!  – Christoph Zahrnt


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Mit Begeisterung lese ich die „Zeit“ und bin sehr traurig, wenn mein Geburtstags-Abo bald ausläuft. Natürlich können nicht immer alle Artikel von gleicher Qualität sein. So hätten m.E. Matthias Krupas Beitrag „Martins Gans“ (Zeit Nr. 16, S. 5) allenfalls Platz   in „Prominent ignoriert“ finden können. Ob ein wütender Tierschützer zwei oder 20 Mails an Martin Schulz schickt und wie darauf reagiert wird, hat einen gegen Minuszahlen tendierenden Nachrichtenwert für mich. Wenn sich ein Thema bei näherem Hinschauen  als unergiebig erweist, sollten Sie noch Mut und Luft haben, ihn einfach nicht zu schreiben. – Irene Sunnus


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Ich bin entsetzt. Hat Herr Lachetta beste Verbindungen in die Verlagsspitze oder „Die Zeit“ Angst, eine Gegendarstellung bezüglich der Essgewohnheiten eines Politikers abdrucken zu müssen? EIne Zeit-Seite, ganz weit vorne, ausführlichste „Berichterstattung“ über die Befindlichkeiten eines deutschen Wahlberechtigten, ich fasse das nicht.

Sollte der Redaktion die Themen ausgehen, gebe ich gerne ein paar Anregungen, die über dieses Niveau hinauskommen. Oder darf man schon auf einen Zeit-Bericht gespannt sein, welches Klopapier Politiker benutzen. Recycling-Papier oder nicht? Oder welcher Politiker wie viel Fleisch pro Woche ißt? Sie wissen ja, die Ausdünstungen (umgangssprachlich

„Fürze“) der argentinischen Rinderherden tragen erheblich zur Klimaerwärmung bei. Alles sicherlich genauso bedeutende Themen!  – Dr. med. Th. Lukowski


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

In ihrem Artikel verwechselt die Autorin den KBW mit Zentrale in Frankfurt am Main – in dem einst Ministerpräsident Kretschmann Mitglied war –  mit dem Hamburger Kommunistischen Bund KB, dem einst Trittin angehörte. Während erstere allerdings Stalinisten reinster Güte und Pol-Pot-Fans waren, kritisierten letztere diesen Steinzeit-Marxismus mitsamt seiner mörderischen Politik. Gibt es in der Redaktion der Zeit kein Archiv mehr und niemanden, der wenigstens eine Suchmaschine betätigen kann? Wo es dann wirklich spannend wird, etwa bei der allerdings für einen Historiker seltsamen Position zu Merkels Flüchtlingspolitik, da betont die Autorin, dass der Historiker mit einer Iranerin verheiratet ist und Herrn Höcke ‚grässlich‘ findet. – Philippe Ressing


Leserbrief zu „Das Rad neu erfinden“ von Mariam Lau

Als Dauer- und Überallhin-Radfahrer freut mich das beschriebene mehr an Radwegen, und trotzdem kann ich nicht aufhören, mich über den Artikel zu ärgern. Die Kritik an einem Fehlverhalten seitens der Autofahrer kann doch nicht sinnvoll mit der Überzeugung kombiniert werden, dass der im Falle eines Unfalls schlechter gestellte Radfahrer sich drum gleichzeitig nicht so genau an die Regeln zu halten brauche. Dass es Radfahrer gibt, die meinen, über eine rote Fußgängerampel fahren zu dürfen, und die nur ein Schulterblick davor rettet, von einem abbiegenden Betonmischer überfahren zu werden (der ihn im toten Winkel vermutlich nicht einmal gesehen hat), durfte ich neulich live beobachten.

Die Autorin reiht sich leider offenbar ein in die Reihe der nichtssehenden, unvermittelt linksabbiegenden und sich sonst durch den Straßenverkehr hindurchträumenden Radfahrer — nicht umsonst erwähnt sie nonchalant, und gleich nach der Statistik der durch Radfahrer verursachten Verkehrsunfälle und der Todesfälle, dass sie „unerlaubterweise“ beim Radfahren über Kopfhörer Musik hört. Dass ein Radfahrer bei einer Begegnung mit dem Auto immer den kürzeren zieht, legitimiert nicht ein nachlässiges Verhalten seinerseits. Solche Vorstellungen sind in einer Diskussion zu der in der Tat notwendigen Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur vieler Innenstädte nur hinderlich. – Wasilij Barsukow


Leserbrief zum Titelthema: „Schönheit“

Ihr Schönheits-Dossier provoziert irgendwie zum „Bitte, ich weiß auch was!“

Also: Im belagerten Sarajewo kam ich während des Balkan-Kriegs mit einer jungen Frau ins Reden. Ihr Mann war im Krieg, und ihre siebenjährige Tochter wollte unbedingt Ballett tanzen.

Also ist sie mit ihrem Kind ständig zum Tanzunterricht gerannt, oft unter Beschuss der Scharfschützen, an brennenden Häusern und auch an Toten vorbei. „Ich lasse uns die Kultur von den Barbaren nicht rauben!“

Dann hat das Kind in einem dusteren Keller in weiße Schühlein getanzt, mit seiner ganzen Grandezza und Schönheit. – Mathias Grilj


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Richtig oder falsch, das ist hier die Frage, welche Wolfgang Bauer und Bernd Ullrich versuchen zu beantworten,  wenn es um die militärische Reaktion von Trump in Syrien geht. Das Ganze erinnert ein bisschen an die  Hilflosigkeit des Westen zu den Untaten des Serben Milosevic in den Jugoslawienkriegen Ende des vorigen  Jahrhunderts. Erst das militärische Eingreifen der Nato bewirkte den Sturz des Diktators und eine Art Genugtuung darüber, weil man ja eine humanitäre Entscheidung getroffen hatte. Ablauf und Muster der damaligen Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Clinton (die Europäer auch damals schon uneinig) könnte auch für Syrien Vorbild sein -wenn nicht Russland und der Iran Verbündete Assads wären !

Durch Obamas Zögern 2013 nach Assads  Giftgaseinsatz hatte Amerika die Syrer dem Bürgerkrieg endgültig ausgeliefert und damit den Russen ermöglicht, auf dem Kriegsschauplatz Nahost Fuß zu fassen. Man muss nicht auf die Historiker warten um das Nichteingreifen Obamas (nach Überschreiten der „roten Linie“) als größten außenpolitischen Fehler seiner Amtszeit zu bewerten. Die Kunst der Politik besteht bekanntlich auch darin, kriegerischen Konflikten so lange wie irgend möglich aus dem Wege zu gehen. Nur gibt es leider so viele Begründungen für den Krieg wie Sand am Meer.

Ist es nur ein Verteidigungskrieg mit rein defensivem Charakter, ein Interventionskrieg um Schlimmeres zu verhindern oder gar ein Krieg wegen humanitärer Ziele -etwa um Zivilisten oder religiöse Minderheiten vor der Vernichtung zu schützen ?

Reine Aggressions-, Angriffs- oder Bürgerkriege ordnet man gewöhnlich nur den Bösewichtern der Geschichte zu. Neben Diktatoren wie Hitler und Stalin gibt es heutzutage auch Machthaber wie Putin die sich in der „Kriegskunst“ der  verdeckten militärischen Operationen (wie in der Ukraine) üben oder Iran und Saudi-Arabien, die den Stellvertreterkrieg  für ihre Art Politik zu machen bevorzugen.

Die Interventionskriege der Amerikaner im Irak und Afghanistan sind ein  besonders abschreckendes Beispiel, vielleicht gut gemeint, aber sie endeten mit desaströsen Folgen für die Bevölkerung  und gewaltigen politischen und religiösen Kollateralschäden. Fazit : Wenn der Krieg als Mittel zum Zweck gewählt wird darf der Zweck nur Selbstverteidigung oder die Verhinderung humanitärer Katastrophen sein. – Klaus Reisdorf


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

So sehr ich fast allen Punkten Ihres Artikels zustimme, so deutlich geben Sie ein Beispiel dafür, warum das Misstrauen gegen „die Wissenschaft“ (was immer genau das auch sein mag — „die Wissenschaft“) in der Bevölkerung immer wieder aufs Neue angefeuert wird. Sie können es nämlich nicht unterlassen, in diesem Zusammenhang der Diskussion um Wissenschaftlichkeit und Aufklärung den anscheinend unvermeidlichen Schlag gegen unorthodoxe Heilmethoden (Homöopathie etc.) auszuführen und die Hälfte der Bevölkerung zu Irrationalisten und Aufklärungsfeinden zu erklären, von denen viele „zu Heilern und Schamanen“ pilgern.

Seit Jahrzehnten läuft dies in ähnlichen Debatten gebetsmühlenartig ab. Genau diese Einnahme der überheblichen Position einer ‚Ordnungsinstanz‘, die die Deutungsmacht über die Wirklichkeitsordnung behauptet, sozusagen einer ‚Wirklichkeitspolizei‘, ist es, die die an der empirischen Erfahrung orientierten Menschen misstrauisch macht. Und das zu Recht. Denn im Grunde handelt es sich um eine ideologische und nichtwissenschaftliche Denkweise, die sich in solchen Angriffen ausdrückt. – Dr. Gerhard Mayer


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Für keine der geschilderten Personen war es lustig: weder für den Patienten, der mit einem letzten Lachen seinem Tod gegenübersteht, die Angehörigen, die ahnen, dass sie ihren Liebsten wahrscheinlich unnötig verloren haben, für die Ärzte, die mit ihren Schuldgefühlen leben, und für die Gutachter, die wissen, dass Ähnliches auch in ihren Abteilungen vorgekommen ist und wieder vorkommen wird. Die betroffene Ärztin sucht die Angehörigen auf und äußert ihr Mitleid – sonst sagt sie nichts, weil sie dann ihren Haftpflichtschutz gefährden würde.

Wer ist unvoreigenommen – nur der fachlich nicht kompetente Richter. „Die Götter in Weiß“ gibt es nicht – auch wenn der Patient gerne den unfehlbaren Arzt hätte und der Arzt gerne so wäre. Die eigene Lebenserfahrung sagt uns, dass wir gut sind, wenn wir meistens richtig liegen – 70%, 80%, 90% ? Auf keinen Fall zu hundert Prozent.

Die Behandlungssituation ist komplex: nehmen wir die Situation der handelnden Ärztinnen der HNO und Anästhesie:

– hatten sie eine fachärztliche Ausbildung, in der sie dokumentiert in die

in dieser Situation notwendigen Verfahren eingearbeitet wurden und dokumentiert ist, dass sie sie beherrscht haben ? Die erste Nottfalltracheotomie der HNO-Ärztin ?

– oder hätte der Oberarzt die OP machen müssen ? Wie ist das Reglement ? Hat er es abgelehnt zu kommen ? Wie war sein Arbeitstag ?

War er erschöpft ?

– waren die Ärztinnen ausgeruht oder hatten sie schon ein ganzen Arbeitstag hinter sich ?

– sind in der Abteilung ausreichende personelle und technische Ressourcen vorhanden, ein fachlich supervidiertes sorgfältiges Arbeiten der Ärzte zu gewährleisten mit regelmässiger Fortbildung und Wissensüberprüfung ?

– hat die Klinik dafür die nötigen Mittel ?

– u.a.

Jeder Patient hat selbst oder in seinem Umfeld die immer knapper werdenden medizinischen Ressourcen kennengelernt.

In einer betriebswirtschaftlich dominierten medizinischen Versorgung wird die Effektivität solange gesteigert, bis Nachteile auftreten, die diesen Prozess begrenzen.

Ich empfehle daher, in medizinrechtlichen Fragen zunächst sachlich festzustellen, ob mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fehler gemacht wurde. In diesem Fall sollte die Haftpflichtversicherung der Einrichtung eintreten – wobei wir alle wissen, dass der menschliche Verlust nicht entschädigt werden kann.

Die Politik ist heute nicht in der Lage, sicher zu stellen, dass es eine ausreichende unbefangenen sachliche Qualitätsaufsicht im Gesundheitswesen gibt – so die Äusserung einer Landesregierung mir gegenüber und so kennen wir auch die tatsächlichen Verhältnisse. Das müssen wir aber verlangen – und das würde auch gegen viele Hindernisse möglich sein.

Das Medizinrecht ist noch geprägt von der strafrechtlichen Prüfung persönlicher Schuld des unmittelbar handelnden Arztes – und verkennt dabei, dass die Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse vieler Ärzte durch Kontextfaktoren des Arbeitsprozesses (s.o.) so sind, dass sie nicht so gut und sorgfältig arbeiten können, wie sie das gerne tun würden.

Diese medizinrechtliche Situation entstammt einer Zeit vor dem Krankenhausfinanzierungsgesetz, aus einer Zeit, in der selbstverständlich von hinreichenden Ausbildungsbedingungen und Arbeitsbedingungen der Ärzte ausgegangen wurde.

Lassen Sie mich das an einem Beispiel ausführen:

Aus der Weiterbildungsordnung der Landes Rheinland-Pfalz:

„16. Intensivmedizin Dieser Bezeichnung kann der adjektivische Zusatz der je- weiligen Facharztbezeichnung zugefügt werden, z.B. Anästhesiologische, Chirurgische, Internistische, Pädiatrische, Neurochirurgische, Neurologische Intensivmedizin. „

Dazu aus dem Positionspapier Fachgesellschaft für internistische Intensivmedizin 2016:

„Bereits im Jahr 2007 wurden gemeinsame Empfehlungen zur Organisation der Intensivmedizin von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und des Be- rufsverbands Deutscher Anästhesisten (BDI) sowie der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der DGIIN veröffentlicht, die weiterhin Gültigkeit besitzen [8]. Diese sehen vor, dass konservative Intensivstationen durch Internisten und die operativen Intensivstationen von Anästhesisten oder Chirurgen geleitet werden. Auf interdisziplinären Intensivstationen sollen entsprechende kooperative Leitungsmodelle gelten „

Während also die Weiterbildungsordnung nur optional den Intensivmediziner auf das Fachgebiet bezieht, fordert die Fachgesellschaft für die jeweilige (internistische oder operative) Intensivstation die spezielle Facharztqualifikation als Grundvoraussetzung der intensivmedizinischen Tätigkeit.

Wer trägt hier die persönliche Schuld, wenn der internistische Intensivmediziner bei Personalknappheit des Hauses in der neurologischen Intensivmedizin vertretungsweise eingesetzt wird und einen Fehler macht ? Der Krankenhausträger, der das aus Effizienzgründen verlangt, die Landesärztekammer, weil sie das von ihrer Weiterbildungsordnung nicht explizit ausschliesst, die Chefärzte der betroffenen Abteilungen oder der Assistenzarzt, der das mitmacht und den Fehler begeht ?

Nach meiner Meinung wäre es also vorteilhaft, wenn Gerichte zunächst den fachlichen Fehler und damit die Haftpflicht auslösen würden und dann aufgrund der Umstände entscheiden würden, ob strafrechtliche Aspekte vorliegen, die ein Strafrechtsprozess erforderlich erscheinen lassen; dann aber mit allen Addressaten im Kontext des medizinischen Prozesses – vom CEO bis zum handelnden Arzt.

Den Angehörigen würde schneller finanziell geholfen, die Krankenkassen würden entschädigt, und bei Erfordernis alle im medizinischen Prozess Verantwortlichen angemessen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen. Das wäre eine echte Verbesserung.

Meine Chefarzttätigkeit habe ich 2016 mit 60 Jahren gekündigt, in meinem Schreiben an den Träger mit Bezug auf § 2 der Berufsordnung: „Ein Arzt darf nur tun, was er verantworten kann.“ – nach 4 jähriger präventiver medizinrechtlicher Beratung in 3 namhaften Kanzleien. Und ich war in gleicher Zeit im gleichen Raum bei Weitem nicht der Einzige. Ich bin medizinisch ausgewandert – eine Trennung von vielen liebgewordenen Patienten mit Gewissensbissen. Ich habe viele getroffen, die gerne in Deutschland unter besseren Arbeitsbedingungen geblieben wären. Wir wollen sorgfältig arbeiten können. Welcher Arzt will das in Ihrem Artikel geschilderte erleben ?

Was bewirkt dieser Artikel für die Kolleginnen ? – das Urteil steht aus: die Klinik, die Abteilungen und die Namenskürzel der Ärztinnen sind bekannt. Es ist leicht, die vollständigen Namen zu ergoogeln. Was bedeutet das für ihr berufliches und soziales Umfeld ?

Eine vermutliche Fehlhandlung von Minuten Dauer steht dagegen.

Ist der Artikel eine Hexenjagd oder ein Akt, Recht zu schaffen ?

Eine Versachlichung ärztlicher Behandlungsfehler und ihrer Entschädigung ist dringend geboten, persönliche Schuld muss von sachlicher Fehlentscheidung getrennt werden. Der rechtliche Rahmen muss der ärztlichen Berufswirklichkeit angepasst werden.  – Dr. med. Clemens Drobig, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Die Intoleranz und Respektlosigkeit mit der sich Vegetarier und Veganer als selbst ernannte Gutmenschen präsentieren, geht mir zunehmend ziemlich auf die Nerven. Das nimmt schon teilweise diktatorische Züge an. Politiker sollten an dem gemessen werden, was sie für ihr Land tun, welche humanistische Haltung sie haben oder welche politische Richtung sie vertreten.

Hat sich je einer darüber beschwert, dass ein ehemaliger Politiker Pfälzer Saumagen geliebt hat? Kennt eigentlich jemand das Lieblingsgericht von Frau Merkel?

Wenn wir keine anderen Probleme in diesem Land haben, dann geht es uns ja wirklich gut. – Karin Leißner


Leserbrief zu „Vorwärts zu alter Größe“ von Rasim Marz

Die Hintergründe des griech.-türkischen Krieges (1919-1922) werden leider nicht aufgeführt. Die Bündnispartner Griechenlands im 1. WK England und Frankreich (Entente) ermutigten und unterstützten geradezu energisch damals die griechische Regierung unter Venizelos zu diesem Schritt. Die Gründe hierfür sind allseits bekannt.

Der Lausanner Vertrag (seit 1923) ist ein Grundbaustein der internat. Friedensordnung in der gesamten Südosteuropa- und Nahostregion. Wenn internationale Grenzen in dieser geostrategisch enorm wichtigen Region aber in Frage gestellt und internationale Verträge mißachtet werden, dann besteht aber leider ein großes Risiko einer Wiederholung der Historie, die soviel Leid im 20. Jahrhundert über Europa und die Welt gebracht hatte. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Selten war einer der beiden Artikel, auch nicht bei pro und contra, so wenig überzeugend, wie der von Herrn Bauer. Er meint offenbar, dass diese Aktion dazu führt, das Leid der Menschen zu lindern. Der häufige Gebrauch des Wortes „endlich“ gibt Anlass zur Vermutung, dass für ihn der wesentliche Aspekt der Aktion war, dass er sich nun besser fühlt. Weshalb sonst die zum Ausdruck gebrachte große Erleichterung?

Immerhin sieht Herr Bauer den Angriff auf den Irak als Fehler. Er sollte sich aber einmal selbst fragen, ob er nicht 2003 genauso gejubelt hat oder hätte, endlich tut jemand etwas, schließlich hat auch Saddam Hussein Giftgas eingesetzt. Sein Ende hat offenbar Assad nicht weiter beeindruckt. Soviel zum Nutzen von Beispielen und der Sendung von Signalen.

Seine Erleichterung darüber, dass endlich jemand etwas tut, scheint ihm wichtiger zu sein als der Umstand, dass solche Aktionen zwei Supermächte an den Rand einer militärischen Konfrontation bringen, die für uns alle verheerende Folgen hätte.

Sicher ist es schwer zu sagen, was in der gegenwärtigen Situation die optimale Option ist. Es bringt uns nicht weiter, wenn darüber diskutiert wird, welche Chancen in der Vergangenheit vergeben wurden und es bringt erst recht nichts, wenn endlich einmal jemand auf den Tisch bzw. einen Flugplatz haut und dafür unabsehbare Risiken eingeht. – Dr. G. Zeyer


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Als Leiter einer Anästhesieabteilung ist es mir wichtig, Ihren Artikel zu kommentieren:

Mehr als andere medizinische Fachgebiete ist die Anästhesie dadurch charakterisiert, dass nach der Einleitung einer Vollnarkose eine Situation entsteht, in welcher bestenfalls(!) zehn Minuten Zeit bleiben, um die Beatmung – und damit das Überleben – des Patienten sicherzustellen.

Jede Anästhesieabteilung hat Standards für (un)erwartet schwierige Fälle. Dies soll vermeiden, dass der handelnde Arzt in eine Art Tunnel gerät, in welchem er unter zunehmendem Druck (den blau anlaufenden Patienten vor Augen) den Überblick über die entstandene Situation und jedes Gefühl für Zeit verliert.

Aber nicht jede Situation lässt sich in Standards beschreiben.

Hier hat die Kollegin nachts (Dienstbeginn war für alle Kollegen vermutlich mindestens 15 Std. zuvor) richtig gehandelt, indem sie ihren Vorgesetzten zur Unterstützung rufen lassen hat. Dieser hat ebenso die Möglichkeiten (häufiges zuerst, seltenes später) durchdacht und zunächst den Tubus (im Idealfall einen neuen, originalverpackten) selbst neu platziert. Ist die Lage des Tubus korrekt gibt es neben dem Koagel immer noch mehrere Möglichkeiten, warum der Patient nicht beatmet werden kann: Ein Ventil am Beatmungsgerät kann hängen, man wechselt auf die Beatmung mit einem Ambu-Beutel (auch hier habe ich es erlebt, dass in einer Notfallsituation ein Ventil nicht funktioniert hat). Es kann zu einer Verlegung der Atemwege durch einen defekten Tubus kommen, was man durch eine Bronchoskopie ausschließen kann (bei welcher man ein Koagel wohl gesehen hätte, es sei denn, nachlaufendes Blut mindert die Sicht).

Nun hätte man mit einen großlumigen Absaugkatheter Blut und ggf. auch Koagel beseitigen können.

Die alles entscheidende Frage ist: Wie lange hat es gedauert, bis der Vorgesetzte vor Ort war und wie lange hat die folgende Fehlersuche gedauert. Wie stark waren die Kollegen in diesem Tunnel aus Zeitdruck gefangen, welcher die Lösung einer  scheinbar lösbaren Aufgabe unmöglich werden lässt.

Mehrere Flugzeugabstürze (Birgen Air, Air France), bei welchen Piloten fehlerhaft angezeigte Fluggeschwindigkeiten unter zunehmendem Zeitdruck nicht als solche erkannt haben sind ähnlich desaströs verlaufen.

Wie würden überlebende Piloten von Richtern beurteilt werden? Wie bleiben diejenigen zurück, welche den Angehörigen der ihnen anvertrauten Menschen gegenüberstehen?

Es gibt Anästhesiesimulatoren, man kann solche Situationen sehr lebensecht simulieren! Es gibt aber unter zunehmendem Kostendruck keine mir bekannte Kklinik, welche ihre Anästhesisten regelmäßig zu solchen Schulungen schickt und es gibt keine Verpflichtung zur Teilnahme an derartigen Schulungen.

Hier noch einige sachliche Hinweise zu der von Ihnen beschriebenen Situation:

– wenn das Herz steht ist das Hirn wahrscheinlich längst geschädigt, das muss den handelnden Personen bewusst gewesen sein.

– Herzdruckmassage hilft hier nicht, weil auch ein vorhandener Blutkreislauf keinen Sauerstoff in Umlauf bringt, solange keine Beatmung möglich ist.

– die Kollegen der HNO-Abteilung haben sehr wahrscheinlich auf den schnellen OP-Beginn wartend alles hautnah miterlebt. Eine HNO-Abteilung verfügt über Bronchoskope in allen Variationen – man braucht nicht lange, um ein geeignetes Gerät zu beschaffen und damit zu bronchoskopieren …

– kein Anästhesist kann in einer Notfallsituation zeitgleich dokumentieren. Es ist vollkommen nebensächlich, wann NaBic gegeben worden ist, damit war nichts mehr zu retten. Die gesamte Dokumentation erfolgt nachträglich (am Besten nach dem in modernen Überwachungsmonitoren aufgezeichneten Daten). Aus der „fehlerhaften“ Dokumentation auf Vertuschung zu schließen ist nicht sachgerecht. – Dr. H


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Keine Maßnahme kann richtig sein, wenn sie von Trump kommt. Selbst die richtigste aller richtigen Maßnahmen wäre allein wegen Trump automatisch falsch, anderenfalls drohte der Super-GAU in den Redaktionsstuben.  Und das Völkerrecht ? Selbst wenn eine Millionen Menschen vergast (!) würden, muss ein Beschluss her, so die UN-Regeln, die natürlich über dem Tod von einer Million Menschen stehen. Da fällt einem nur noch der Begriff des “furchtbaren Juristen “ ein ! Oder: “ hier liegen wir, weil das Völkerrecht es so befiehlt”.   – Heinz Gutzeit


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

ein amüsanter Zeit- Artikel, den Sie da verursachen! Was? Die trotzkistische vierte Internationale gibt es noch? Die tritt mir als politischem Otto- Normalverbraucher so wenig ins Blickfeld, daß ihre historische Mission, materialistisch interpretiert, wirklich nur darin bestehen kann, Ihnen das Privatleben zu zerrütten! Aber das -und hier fallen die Kaninchen meiner Intention, Ihnen unbekannterweise zu schreiben, sogleich zu Anfang aus dem Hut- will ich nicht glauben, auch wenn es im Berliner Buddelkasten heißt „Zwee uff Een is feije!“- nehmen wir die IVte Internationale lt. Artikel und meinem gesunden Menschenverstand mal als eine Zwei- Personen- Veranstaltung: es gehören immer noch zwei (Parteien) dazu, sich das Privatleben zu zerrütten- und es sich zerrütten zu lassen!

Uns was? Sie hätten, Baujahr 1961, Ihre politische Adoleszenz im Kräftefeld des Kommunistischen Bundes Westdeutschland zugebracht? Obwohl ich dabei war, wie Joscha Schmierer im Planersaal der Architekturfakultät der TU werdende Lehrer dazu verdonnerte, den Kindern der Arbeiterklasse keine 5en und 6en zu geben (und sie damit ganz oder befristet arbeitslos machte), wusste ich dessen Gründungsdatum nicht mehr, aber Wikipedia sagt: 12.6.1973- da sind Sie ja schon mit 11 zur Rebellion eingezogen worden! Da ist -müssen Sie aufpassen!- ein wenig Psychologie im Spiel: Ihre Studenten merken vielleicht solcherlei Beschädigungen-

Und warum kritisieren Sie denn die Merkelsche Flüchlingspolitik mit so einem „Argument“??? Als Geschichtsprofessor müssen Sie doch wissen, daß (gewesene) Migration die Voraussetzung dafür darstellt, daß ihre Kritiker auf ihren (ja, auch:Lehr-) Stühlen sitzen! Müsste man nicht dialektisch- ehrlich vielleicht in der Weise Tabula Rasa machen, daß man sagt, Besitzstandswahrung und Migration sind zwei antagonistische menschliche Strebungen, keine moralisch höher zu bewerten oder legitimer als die andere, denn Eigentum war doch Diebstahl- oder? Von da ab könnte man dann weiter nach- wie vordenken- und für die Zukunft auch durchaus zu anderen Ergebnissen kommen. Das merke(l)n natürlich Ihre Studenten, daß sie da irgendwie überkompensieren! Und als gäbe es nicht Posten im Etat, die viel weiter oben auf der Abschussliste zu stehen hätten!

Ja, sprechen Sie mit Ihren Studenten, warum soll es Ihnen denn besser gehen als Teddy Adorno- und Sie wirken ja nun nicht als der Mann, dem es in der Geschichts (klitterungs?) küche auf einmal zu heiß werden könnte! Insgesamt erscheint mir die Atmosphäre an Ihrem Lehrstuhl doch guter Humus für Wissenschaft zu sein, wenn Sie die Angelegenheiten mit Ihren Studenten dergestalt durchdeklinieren, daß Fragen bzw. Aussagen entstehen, die man anhand der Fakten mit „richtig“ oder „falsch“ beantworten kann. – Hans- Christian Krüger


Leserbrief zu „Endlich eine rote Linie gezogen“ von Wolfgang Bauer

In Ihrem Artikel werfen Sie Präsident Obama historisches Versagen vor, weil er 2013 „den Angriff auf syrische Militärflughäfen absagte“.

Michael Lüders erklärte kürzlich im ZDF, dass es sich bei dem zuvor stattgefundenen Giftgaseinsatz höchstwahrscheinlich um einen Einsatz der Al Nusra Front mit Unterstützung durch den türkischen Geheimdienst gehandelt habe (https://m.youtube.com/watch?v=3Rwswcchgpk&feature=share).

Was haben Ihre Recherchen dazu ergeben? Sollte Lüders Recht haben, hätte Obama wohl ein Versagen vermieden, oder?

Was haben Ihre Recherchen zu der Frage ergeben, wer beim letzten Giftgasangriff in Syrien die Verantwortung trägt? Kann man das überhaupt schon sicher sagen?

Ich weiß nicht, wer in Syrien der Gute, wer der Böse und wer der noch Bösere ist. Ich glaube, dass unsere politischen Entscheidungsträger das auch nicht wissen; Donald Trump bildet sich vermutlich ein, dass er das weiß. Leider muss ich sagen, dass ich inzwischen jegliches Vertrauen in meine Informationsquellen verloren habe, von denen die Zeit noch immer eine der geschätzteren ist. Auch von politischen Führungspersönlichkeiten aus den höchsten Kreisen wurden in der Vergangenheit immer wieder eklatante Unwahrheiten ausgesprochen. Denken Sie an den „Beweis“ von Massenvernichtungswaffen im Irak. Daher glaube ich, dass nur wenige Menschen überhaupt fähig sind, die jeweilige Sachlage zu beurteilen, und dass es deshalb klug wäre, sich aus dem kompletten Nahost-Konflikt herauszuhalten. Natürlich darf man ihn auch nicht durch Waffenlieferungen je nach eigener Interessenlage befeuern.

Ich bin der Ansicht, dass der Westen, der mit Amerika an der Spitze (nicht nur) muslimische Gesellschaften seit Jahrzehnten provoziert und gedemütigt hat, sich den islamistischen Terrorismus damit selbst gezüchtet hat. Für Deutschland würde ich mir wünschen, dass wir endlich aus dem Kreislauf von Feuer-Legen und Löschen-Müssen ausbrechen und den USA in diesem Punkt die Gefolgschaft kündigen. Und das bedeutet, Raketeneinsetze wie den vom 7. April zu missbilligen. Ansonsten werden wir noch sehr lange mit Terrorismus leben.

Ihrer Vita habe ich entnommen, dass Sie – wie ich – während Ihres Wehrdienstes Kriegsdienstverweigerer geworden sind. Wenn bei Ihnen nicht erneut ein Gewissensprozess in Gang gekommen ist, können Sie eigentlich schon deshalb nicht für einen Raketeneinsatz plädieren. – Christian Hoof


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Ein großartiger Artikel weil voller Empathie! Eben diese fehlt den Täter-Medizinern und vor allem den schändlich feigen oder so offenbar vom System korrumpierten Gutachtern offenbar. Man kann nur die schwache Hoffnung haben, dass das Gericht den Mut aufbringt den eigenen Kopf einzuschalten und sich nicht feige hinter dem selbst eingeschalteten, aber so offensichtlich untauglichen Gutachter versteckt. Neben der Wut auf die Täter im weißen Kittel, korrumpierte Gutachter und Anwälte ohne Moral empfinde ich großes Mitleid für die Frau, die ihren geliebten Mann verloren hat. – Jakob Krose


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

In den 51 Jahren meiner Ingenieurtätigkeit (Bereich Heizung-Energie) ist der mittlere CO2-Pegel in der Atmosphäre um 25% von 320 auf 400 ppm gestiegen. Die in mehreren 100 millionen Jahren der Erdgeschichte gewachsenen Kohlenstoffspeicher können wir nicht ohne Folgen für das Klima der Erde in wenigen Jahrzehnten verheizen. Frau Pinzler beschreibt anschaulich, dass das Reduktionsziel der Bundesregierung für die CO2-Emissionen bis 2020 und darüber hinaus verfehlt wird. Die Sorgen von Herrn Ries vom Schneeferner-Haus über die miserable Klimapolitik plagen mich ebenfalls.

Das hehre Ziel von rund 5% der heutigen CO2-Emissionen im Jahr 2050, das sich aus der in Paris vereinbarten Strategie ergibt, ist mit linearer Reduktion nicht zu erreichen. Wenn wir die CO2-Emissionen für Strom, Wärme und Mobilität jährlich um 10% reduzieren sind wir bezogen auf den Anfangsstand nach 28 Jahren bei 5% angelangt. Es ist höchste Zeit damit anzufangen und es gibt technische Lösungen. Der gesellschaftliche Diskurs über den damit verbundenen tiefgreifenden Wandel wird bisher aber von keiner Partei geführt.

Die Kanzlerin und die Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landwirtschaft sowie die Ministerpräsidenten von Bayern (10H), Brandenburg, NRW und Sachsen haben vereint rund doppelt so viele Arbeitsplätze im Hochtechnologiebereich über die Wupper gehen lassen wie es in der Braunkohle gibt. Klimaschädlich tätig sind in der großen Koalition in besonderem Maße die Abgeordneten Fuchs (CDU) und Freese (SPD) mit ihrem Interessengeflecht. Auch dies sollte mal benannt werden.

Reduktionskurve   x = (1 – 0,1)n  , n Jahre  – Ulrich Soller


Leserbrief zu „Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich

Ihr Autor täuscht sich schon wieder. Es gibt im Leben auch Momente, die lassen sich nur durch Gewalt lösen, so bitter das auch sein mag. Das scheint ihr Autor nicht verstehen wollen. Die Diplomatie hat nur Lippbekenntnisse gebracht. Wie lange soll der Westen noch zu sehen.

Das wird auf Dauer mehr Tote bringen als wenn die Gemeinschaft mit den USA, notfalls auch ohne der Gemeinschaft, dem treiben ein Ende setzt.  Es darf und kann nicht auf Dauer die Lösung sein, von einer Mördergruppe weiter auf der Nase herumtanzen zu lassen. Der Westen ist mit den vielen Flüchtlingen völlig überfordert.

Wer das nicht einsehen will, mutet den Menschen weiter Terror und unendliches Leid zu. Was für ein Quatsch von der eigenen Ohnmacht von Amerika zu sprechen. Eher trifft das auf den Westen zu. Das Menschenbild ihres Autors hat schon manische Züge. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Dies ist das erste Mal, dass ich Ihnen wegen eines Artikels schreibe und leider ist der Anlass kein schöner. Ich verstehe nämlich schlicht nicht, warum man ein derartig unwichtiges Thema so aufblähen muss. Es gibt doch so viel Bedeutenderes, über das sich zu berichten lohnt, so viel Interessantes, über das man Analysen schreiben kann. Wieso eine komplette Seite über die Essgewohnheit oder Mahlzeit eines Politikers verfassen, nur weil irgendeine Person davon ihre Wahlentscheidung abhängig macht? So eine Geschichte erwarte ich von wöchentlich erscheinenden Boulevard-Zeitschriften, aber doch nicht von einem intellektuell politischen Blatt wie der ZEIT. So eine „Story“ ist doch wirklich unter Ihrem Niveau…

Ansonsten machen Sie aber einen hervorragenden Job!  – Dominik Göhmann


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Absolute Wahrheiten?

Vielleicht hätten Sie einfach Ihre eigenen Zeilen einmal lesen, oder besser: verstehen sollen: Kernenergie, Finanzkrise, Cholesterin, jeden Tag ein Durchbruch, jeden Tag ein Weltrettungskonzept, jeden Tag ein Irrtum. Sie schreiben, dass das Wesen der Wissenschaft nicht im Wissen, sondern im Zweifeln besteht. Wohl wahr, aber warum dann ein solch unsäglicher Artikel, der Menschen, die z.B. Zweifel am Sinn einer übertriebenen Impferei haben (mit guten Argumenten)  in einen Topf wirft mit Populisten wie Orban oder Erdogan? Warum haben Sie nicht einfach den Artikel auf der gleichen Seite gelesen, in dem sich der Satz findet „Die Wissenschaft ist weit davon entfernt, die ganze Komplexität unserer Immunverteidigung zu verstehen.“ ? Wissenschaft ist kein Gott. Wissenschaft ist genauso interessengeleitet und weltanschaulich determiniert wie jeder andere gesellschaftliche Bereich! Das ist keine Gleichsetzung mit unwissenschaftlichen Herangehensweisen aber es verbietet solche bestenfalls blauäugigen Verbeugungen vor einer angeblichen Objektivität. – Achim Hauck


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Erlauben Sie mir einige Ergänzungen zu Ihren Ausführungen:

  1. Die Umkehr des Bezahlmodells bei Veröffentlichungen bringt es nicht, denn wiederum werden Arbeiten vor der Verbreitung ausgeschlossen. Sinnvoll sind völlig offene Konzepte, wie sie mit der Plattform arXiv.org der Cornell-Universität oder ResearchGate.net bereits bestehen. Es ist völlig unverständlich, weshalb Universitäten nicht diesen Öffnungsweg beschreiten, zumal eine Weiterentwicklung zu einer effizienten Fundgrube wissenschaftlicher Erkenntnisse deutlich besser werden würde, wenn die Quellenbasis breiter wird.
  2. Auch das Peer-Review-System muss aufgebrochen werden, denn wenn Sie einmal genau auf die Formulierungen achten, gibt es in vielen Gebieten inzwischen „Wissenschaftler“ und „anerkannte Wissenschaftler“. Da Gelder für freie Forschung nicht mehr existieren, sondern alles politisch bestimmt wird, bilden sich gut finanzierte innere Wissenschaftskreise aus Politik und anerkannter Wissenschaft, in die kaum einzudringen ist, wenn man abweichende Richtungen verfolgt, und in denen die Wissenschaft Gefahr läuft , zur „self fulfilling prophecy“ zu werden. Im Rahmen einer Öffentlichmachung von 1. dürften sich sicher andere zuverlässige Bewertungssysteme ergeben.
  3. Das notwendige Basiswissen in der Bevölkerung verfällt derzeit schneller, als die Wissenschaften selbst etwas Neues nachlegen können (siehe Abitur für alle). Das lässt sich auch daran erkennen, das jede Form religiösen Unsinns derzeit einen enormen Hype erlebt und der Wissenschaftler politisch-gesellschaftlich gehalten ist, den Unfug zu respektieren, oder im Klartext, selbst die Klappe zu halten. Wir nähern uns gewissermaßen einem Mittelalterzustand mit Handy für jeden. Die Gefahr, dass Teile der Öffentlichkeit Bauernfängern „alternativer Erkenntnissysteme“ hinterherlaufen, wie Sie ja auch monieren, lässt sich aber nur bannen, wenn die Menschen selbst in die Lage versetzt werden, Ergebnisse und Hypothesen zu bewerten. Die Gesellschaft sollte dringend darüber nachdenken, ob man Bildungsreformen weiterhin Leuten überlassen darf, die selbst nichts mit dem Lehr/Lernbetrieb zu tun haben und obendrein in jeder Talk-Show stolz verkünden, noch nie etwas von Mathe oder Physik kapiert zu haben.  – Gilbert Brands

Leserbrief zu „Ein Zwerg führt die EU an der Nase herum“ von Felix Rohrbeck

Lange schon wird beanstandet, dass international tätige Konzerne ihre Gewinne in Länder mit niedrigen Steuern verschieben. Sie schädigen damit auch ihre Belegschaft, deren Heimatländer dadurch weniger Mittel zur Verfügung haben, um z.B. die Infrastruktur (im weitesten Sinne) zu erhalten oder auszubauen. Wenn jetzt die Steueroase Malta ihre vorübergehende EU-Ratspräsidentenschaft nutzt, um Gesetze für mehr Steuergerechtigkeit zu blockieren oder zu verzögern, ist das ein Skandal. Der einzelne Bürger hat die Möglichkeit,  sein Urlaubsgeld in anderen Ländern als Malta auszugeben. Wie aber kommt die Staatengemeinschaft in der Lösung des Problems voran? Informationen darüber sind erwünscht! – Werner Wittig


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Glückliches Deutschland! Wir können es uns leisten im politischen Teil einer unserer renommiertesten Zeitungen uns auf einer ganzen Seite damit zu beschäftigen: hat er nun oder isst er etwa noch Foie grass ? Das ist natürlich politisch völlig unkorrekt, keine Frage! In diesem Zusammenhang kann ich nur hoffen, dass alle CSU-Politiker nur Schweinshaxen von glücklichen Schweinen essen, oder wird nur das Ess- und Trinkverhalten ( kein Pinot Grigio unter 5€ ) von Sozis daraufhin erforscht?

Wir lesen Ihre Zeitung seit Jahrzehnten und ich würde mir wünschen, dass Sie Ihr Niveau nicht immer weiter absenken, sondern den Journalismus pflegen, den wir immer so an Ihrem Blatt geschätzt haben. – Jutta Kamp


Leserbrief zu „Wie lange dauert es, bis aus Flüchtlingen Kollegen werden?“ von Arnfried Schenk

Eure Berichterstattung über Geflüchtete und ihre Situation in Deutschland auf dem Arbeitsmarkt ist sehr lobenswert und von mir gerne gelesen. Da ich selbst mal einen Workshop für Bewerbungen in Deutschland für Geflüchtete gegeben habe, weiß ich auch ungefähr wie kompliziert das alles ist und finde es gut, dass ihr auf die Problematik hinweist, das nicht jeder Arbeitgeber bereit ist sich darauf einzulassen und auch, dass nicht alle Geflüchteten kapieren was eine Ausbildung sein soll (so was gibt es nun mal auch nur bei uns)

Nun möchte ich aber sanft darauf hinweisen (keine Feminismus-Keule!), dass ihr nur über Männer berichtet. (DOSSIER über den Arzt, Ausgabe 08 und in der aktuellen Ausgabe in CHANCEN) Da ich Integrationspatin bin und eine syrische Frau betreue, liegt mir das so langsam schwer im Magen. In meiner Zeit als freiwillige Deutschlehrerin beim Unionhilfswerk habe ich viele  geflüchtete Frauen kennen gelernt, die zwar tatsächlich in der Regel aufgrund ihres traditionellen Lebensstils mit einigen Kindern zu Hause bleiben aber entweder auch gutes, oder aber sehr viel besseres Deutsch sprechen als einige männliche Geflüchtete die ich kenne (das ist selbstverständlich nicht repräsentativ)

Die junge Frau, die ich unterstütze ist 22 Jahre alt und hat zu Hause in Syrien Medizin studiert, bevor sie dann wegen der Flucht abbrechen musste. Sie hat jetzt, nachdem sie, wie die Mehrheit, 2015 hier angekommen ist, das Sprachniveau C1 erreicht. Bitte lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen. C1 – da werden grammatikalische Strukturen behandelt, die nicht mal wir ohne weiteres aus dem Hut zaubern können. Ich kenne keinen anderen Flüchtling (außer eine weitere Freundin von ihr) die das in so kurzer Zeit geschafft hat.

Sie hat jetzt ein Praktikum in einem Krankenhaus absolviert und möchte eine Ausbildung zur Operationstechnischen Assistentin anfangen und danach weiter Medizin studieren. Sie ist eine gläubige Muslima, in recht strenger Ausführung und hat es nicht einfach in Alltagsituationen, wie zum Beispiel der Umkleide im Krankenhaus. Jenseits von absurden Debatten über die Kleidungsnormen von Muslimas und ähnlichem, zieht sie einfach ihr Ding durch. Sie will weder heiraten, noch Kinder kriegen (das ist jetzt nicht zu bewerten, aber sie hebt sich durchaus ab) geht selbständig zu allen Terminen, organisiert den Brief und Schriftverkehr für sich und ihren Vater und fragt mich dabei nur ganz selten um Hilfe. Sie recherchierte eigenständig nach für sie passenden Berufen und formulierte ihre Anschreiben selbst – ich verbesserte nur.

Sie ist für mich auch ein Paradebeispiel an Integration, sowie auch viele andere geflüchtete Frauen, die in der journalistischen Debatte vergessen werden und nur auftauchen, wenn man sich mal wieder darüber streitet in welchen Klamotten Frau rumzulaufen hat – oder sie werden nebenbei als Ehefrau erwähnt. – Friederike Aps


Leserbrief zu „Gutscheine gegen den Hunger“ von Benedikt Becker

Warum kommt denn niemand auf die idee endlich mal eine funktionierende geburtenkontrolle zu initieren? fast alle konflikte in den genannten laendern sind verteilungskaempfe, hervorgerufen durch zu wenig resurcen und eine rasant wachsende bevoelkerung. solche konflikte treten immer entlang enthnischen oder religioesen grenzen auf, aber die ursache wird sicherlich nicht damit bekaempft, indem man immer mehr leute durchfuettert. aber mit dem schlagwort KINDER STERBEN und ein paar entsprechende fotos dazu bekommt man immer leute dazu zu spenden und eine riesige helferindustrie am leben zu erhalten. – Wittmann Siegfried


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Schluss mit lustig. Ein wichtiger Artikel zum Thema Recht &  Unrecht, der leider zwiespältige Gefühle  hinterlässt,  liegt dem Verfasser doch offensichtlich mehr an der Wirkung auf die Leserschaft als an sachlichem Journalismus. Worum geht es? Eine „simple“  Mandeloperation beendet das Leben eines Karnevalsprinzen.  Ist diese Feststellung wirklich nur schiere journalistische Ahnungslosigkeit? Bereits eine oberflächliche Recherche zum Thema hätte nicht nur gezeigt, dass die operative Entfernung der Gaumenmandeln kein simpler Eingriff ist, sondern auch heute noch regelhaft und nicht voraussagbar mit dem  bekannten Risiko einer Nachblutung verbunden ist ,  die in Einzelfällen  durchaus das Leben bedroht. Kommt es zu einem solchen Notfall , kann dies alle Handelnden   in höchste Bedrängnis führen , ohne dass grobe Fahrlässigkeit im Spiel sein muss.

Sicherlich ist es eine journalistische Steilvorlage, wenn ein Karnevalsprinz sein Leben  lassen muss. Und der Verfasser kann der Versuchung auch nicht widerstehen, dies im Text mit Plattheiten  wiederholt  aufzugreifen („Michael mit der Narrenkappe, Michael –  immer lachend“).  Aber  was verbindet die Freizeittätigkeit des Verstorbenen  mit dem tödlichen Ausgang einer Notoperation ?  Allenfalls Oberflächliches oder vielleicht der Umstand, dass es das Amt eines Karnevalsprinzen schwierig gemacht haben dürfte , die dringend gebotene körperliche Schonung nach erst kurz zurückliegender Operation einzuhalten.

Im Ganzen ein Beitrag, der den Aufmacher Karnevalsbezug wichtiger nimmt als die Bedeutung und die Tragik des Ereignisses. – Dr. Wolfgang Schott, HNO-Arzt


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Herrn Aisslinger ist zu danken, dass er für eine breite Öffentlichkeit wahrnehmbar, den Finger in eine von den Verantwortlichen gern übersehene, weil unbequeme Wunde legt: mangelnde Patientensicherheit in deutschen Kliniken.

Die in diesem traurigen Fall geschilderten Details sind m.E. kein Einzelfall und  –Gott sei Dank – auch nicht die Regel, aber zu häufig.  Zwei offensichtlich überforderte diensthabende Assistenzärztinnen, ein Oberarzt zuhause im Rufbereitschaftsdienst ,  der -vor Ort –

wahrscheinlich den Patienten hätte retten können ,durch nicht abgestimmte Dienstpläne zusammengewürfelte Teams, welche tagsüber nicht zusammenarbeiten, etc.  Da kann es leicht passieren,“ dass im OP-Saal   Hektik ausbricht“.  Dies angesichts einer zwar seltenen, aber typischen Komplikation nach Mandel-Operation, für deren Management ein Notfallablauf -standard hätte existieren können (nicht müssen ).  Patienten haben nach meiner Erfahrung , ohne dass es m.W. exakte Zahlen gäbe, im Nacht- und Bereitschaftsdienst aus o.g. Gründen schlechtere Überlebenschancen als im Tagesbetrieb.

Ich selbst, inzwischen 35 Jahre im Beruf, habe auch erst vor fünf Jahren anlässlich eines Vortrags von Flugkapitän  Manfred  Müller, Leiter der Flugsicherheitsforschung bei der Lufthansa, den Kern des Problems begriffen : in der zivilen Luftfahrt hat die Sicherheit der Passagiere  erste Priorität – in der Medizin nicht.  Die Patientensicherheit kommt als Ziel- kriterium  nach Ökonomischer Effizienz, Ergebnis- und Prozessqualität – frühestens an dritter Stelle.  Oder, wie es Herr Müller im Jahre 2012 drastisch formulierte :“ Würde man die Komplikations- und Sterberaten der deutschen Medizin auf  die Luftfahrt übertragen, so würde Keiner mehr ein Flugzeug besteigen“. Daran hat sich m.W. bis heute prinzipiell

Nichts geändert.  Dies trotz  Existenz professioneller Fehlermelde –und Analyse Systeme                      ( CIRS)  oder verbindlicher M&M ( Morbiditäts- und Mortalitäts ) –Konferenzen.  – Prof.  Dr. med. Ulrich Krause, Chirurg


Leserbrief zu „Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich

B. Ulrich demonstriert die bewiesene Impotenz im politischen, strategischen und taktischen Denken – sehr europäisch,  sehr EU-europaisch. Es stünde ihm auch viel besser zu Gesicht, wenn er mehr Konjunktiv in seiner anti Trump Philippka benutzte. – M. Pelc


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Immer diese Zuschreibungen nach Ost und West.Im Westen gehen überwiegend die Kinder der besser gestellten sprich intelligenteren Eltern in eine Kita,die armen Kinder bleiben zu Hause bei den doofen Eltern ohne frühkindliche Bildung,bleiben also auch doof!

Können Sie diese Behauptung beweisen? Fremdbetreuung sobald wie möglich,wird gefördert,am besten lassen wir die Babys gleich im Krankenhaus und springen von dort wieder fröhlich zum Arbeitsplatza! Was Familen brauchen sind individuelle Angebote,keine einheitliche Betreuung seitens des Staates und sie brauchen flexible Betreuung,mit guten Erziehern.

Und auch die Anerkennung wenn intelligente Eltern die frühkindliche Bildung selber leisten wollen,auch wenn es finanzielle Einsparungen erfordert.Kinder brauche ihre Eltern,vor allem in den ersten Jahren,dies ist auch Fakt! – Ingrid Müller


Leserbrief zu „Endlich eine rote Linie gezogen“ von Wolfgang Bauer

Es gibt sehr geehrter Herr Bauer keinen „Westen“ – der EU-Westen ist impotent und und wenn die USA unter Präsident Obama  nichts tun, bewegt sich auch nichts und das Morden geht ungehindert weiter. Angesichts dieser Imptenz kann nur so wortreich argumentiert werden  wie Herr B. Ulrich es tut. – M. Pelc


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Zum US-Luftschlag gegen die syrische Luftwaffenbasis al-Scheirat; Zeitgeist von Josef Joffe „Trump 2.0“ (DIE ZEIT v. 15.4.2017, S. 46) der nachfolgende Leserbrief:

Ich hätte sie so gerne, diese Standfestigkeit – oder die beruhigte Teilhabe an diesem Zeitgeist in klaren Kontrastfarben: In Syrien genau ein Schlächter, ein Russe sein Helfershelfer, in Amerika ein Braver, der sich nun anschickt, die Dinge wieder zu unserem Besten zu richten. Dem man das jedenfalls zutrauen kann.

In den mir verbleibenden ein, zwei Jahrzehnten werde ich zu diesem Glauben wohl nicht finden können, nach der Erfahrung der letzten sechzig Jahre. –  Dr. jur. Karl Ulrich Voss


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Vor 7 Jahren wurde unsere Tochter (damals 42 Jahre alt) am Bauch operiert, danach kam sie nach mehreren Rehas in ein Pflegeheim. Sie ist halbseitig gelähmt, kann nicht sprechen, ist inkontinent und Rollstuhlpflichtig. Vor der OP wurde im Krankenhaus ein ZKV (zentraler Venenkatheter) von einem Internisten gelegt, allerdings nicht in die Vene sondern in die Arterie und das hat 7 Tage lang niemand gemerkt. Nachdem der Narkosearzt nach der OP den ZVK gezogen hat, ist ihm artielles Blut entgegen gespritzt. Die Tochter wurde auf Intensiv gelegt, dann aber in der Nacht in ein normales Zimmer, dort kam es zu einem schweren Schlaganfall, niemand in der Klinik hat es gemerkt.

Jetzt haben wir das gleiche erlebt: Die Ärzte erzählten uns, es habe Schwierigkeiten gegeben. Da mir die Sache komisch vorkam, habe ich sofort über einen Fachanwalt die gesamte Dokumentation / Röntgenbilder angefordert. Das waren ca. 500 Seiten, die Klinik hatte somit keine Zeit der Manipulation mehr. Außerdem habe ich ein MDK – Gutachten und ein privates Gutachten erstellen lassen. Es wurde ganz klar bewiesen, dass es zu einer Unterlassung der ärztlichen Sorgfaltspflicht in mehreren Fällen gekommen ist. Das hat die Haftpflichtversicherung der Klinik überhaupt nicht interessiert. Die Ärzte dürfen dazu keine Aussagen machen, sonst verliert die Klinik den Versicherungsschutz, hat aber die Versicherung abgestritten. Mehrere Jahre musste ich mich bemühen, einen Behandlungsfehler nachzuweisen.

Ein befreundeter Radiologe hat festgestellt: Das sieht man doch, das der ZVK falsch liegt! Die notwendigen Beweise der Unterlassung der ärztlichen Sorgfaltspflicht mußte ich selbst in mehren Jahren heraus arbeiten, bis es zu einer außergerichtlichen Einigung gekommen ist. Als Krönung hat dann die AOK den elektrischen Rollstuhl abgelehnt, mit der Behauptung, das es zu gefährlich für sie ist. Also mußte ich den Rolli selbst kaufen, denn es geht ja um ihre Lebensqualität, interessiert aber auch niemand. Jetzt fährt sie 6 Jahre damit ohne irgendwelche Zwischenfälle, nur die Rechnungen zahlen wir alle selbst. Die ganzen Rechnungen für Gutachten, Rechtsanwalt und Pflegeheim bis zu einer Einigung mußten wir selber bezahlen,  wer das Geld nicht hat, geht ganz schnell in die private Insolvenz. – Reinhard Müller


Leserbrief zu „Und das Völkerrecht“ von Jochen Bittner

Warum der Autor seinen informativen, gut recherchierten, sachlich formulierten Artikel mit den letzten 2 Sätzen im Polemischen verenden lässt, ist mir unverständlich. – Walter Stach


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Gelassenheit statt Arroganz

Leider werden die Autoren ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht. Leider deshalb, weil ich ihre Grundanliegen zur Öffnung der Wissenschaft unterstütze.

Wahre Wissenschaft ist sich jedoch der Vorläufigkeit ihrer Erkenntnisse bewusst. Ich halte es deshalb schlichtweg für unnötig, immer wieder die homöopathische Behandlung als Feindbild der Aufklärung zu präsentieren.

Erstens weiß die Homöopathie um ihre Grenzen. Zweitens halte ich es für einen großen Unterschied, ob ein Wochenend-Schnellkurs für Heilpraktiker zu einem Sammelsurium „alternativer“ Heilmethoden führt oder ob ein Dr. med.

nach wirklichen Alternativen sucht und damit Erfolg hat. Drittens wird suggeriert, dass die üblichen Methoden der Schulmedizin immer wirken. Das ist jedoch nicht der Fall. Und wenn, gibt es mit möglichen Nebenwirkungen und oft hohen Preisen Gründe, (auch) andere Mittel anzuwenden.

Wir wurden in der DDR im Sinne einer „wissenschaftlichen Weltanschauung“ erzogen. Allein das macht skeptisch gegenüber Absolutheitsansprüchen einer „reinen Lehre“. Die im Beitrag aufgestellten Thesen kann ich guten Gewissens unterschreiben.

Deswegen rate ich auch zu mehr Gelassenheit – zumindest gegenüber der Homöopathie. Vielleicht wird ja deren Wirkung doch noch erforscht. Wirksam ist sie jedenfalls. – Heiko Reinhold


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Nein, ich wähle nicht die SPD, habe sie noch nie gewählt und werde sie wahrscheinlich auch nicht wählen. Meine Kriterien sind dabei aber nicht die Essgewohnheiten der Spitzenpolitiker, auch nicht, wenn sie einer human correctness widersprechen. Dass ihr Redakteur aber genau diese in seiner Wiedergabe eines allerdings bizarr zu nennenden Informationsaustauschs zum Thema macht, also lustvoll genau ein solches Thema –das natürlich nicht immer gottgleiche Verhalten von Menschen, auch solchen, die in der Politik aktiv sind- noch einmal aufpumpt, nicht in der Rubrik „kurz und uninteressant“, sondern auf einer ganzen Seite im Politikteil an prominenter Stelle in Ihrem Blatt thematisiert, fällt bei mir unter den Verdacht der unseriösen Stimmungsmache. Denn Sie wissen: Es bleibt etwas hängen in den Hirnen der Leser, nach einer Zeit zumeist verschwommen, eventuell in der Richtung: Auch er ist nicht glaubwürdig. Diese für Politik gefährliche Haltung mit einem derart lächerlichen Thema zu befeuern, sollte der ansonsten von mir meistens geschätzten redaktionellen Ehrlichkeit ihrer Zeitung in Zukunft hoffentlich wieder fremd werden.    – Jürgen Fritzsche


Leserbrief zu „Diese beiden Männer reden den ganzen Tag. So wollen sie das Töten beenden“ von Jana Simon

Danke für diese Bereichterstattung über die FRIEDENSVERMITTLER. Was Jana  Simon uns mitteilt begeistert und ernüchtert zugleich-der Franzose Romain Grandjean und der Amerikaner David Gorman sind unermüdlich im Einsatz, um zu vermitteln-wunderbar, dass es diese Menschen gibt! Wie mühsam ist es, „Frieden zu schaffen ohne Waffen“! – Volkmar Gartenschläger


Leserbrief zu „Gutscheine gegen den Hunger“ von Benedikt Becker

Ich möchte um Nachsicht bitten, dass ich Ihr Angebot über 2 Kochbücher mit „besonderen Rezepten für jeden Anlass“ und „großformatiger Food-Fotografie“ nicht annehmen kann, da ich kurz vorher den Artkel direkt darüber gelesen habe.

Es ging um die erschütternden Hungersnöte und deren langsames Kommen, welches man spüren kann, in den Regionen Somalia, Südsudan, Nigeria und Jemen.

Wer macht das Layout, ein Computer? Hätte man anstatt der Werbung für Kochbücher nicht eine Anzeige von z.B. ‚Brot für die Welt‘ schalten können? – R. Ciliox


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Die kontinuierliche Zunahme der Treibhausgase in Deutschland lässt sich tatsächlich begrenzen. Das zeigt  Ihr Hinweis auf die Tatsache, dass der CO2 Ausstoss in England durch den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken bei gleichzeitiger Abschaltung von Kohlekraftwerken zu einem ständig sinkenden Ausstoss von Treibhausgasen führt.  Kernkraftwerke hatten vor der massiven Abschaltung in Deutschland nach Fukushima eine CO2 Einsparung, die den CO2 Ausstoss des gesamten Verkehrsaufkommen in Deutschland aufwog.

Eine komplette Substitution dieses Einsparpotentials durch die erneuerbaren Energien ist bis heute nicht möglich so dass sehr viele fossile Dreckschleudern auf absehbare Zeit weiter betrieben werden müssen, um die Versorgung mit Grundlast sicherzustellen.  Die Zuordnung des Begriffs “Haken“ zur Kernenergie ist ideologisch und nimmt keinerlei Kenntnis vom sich ständig weiterentwickelnden internationalen Stand von Wissenschaft und Technik. Gerade China und Korea gehen hier eigene Wege und bauen weiter viele neue Kernreaktoren und verbessern dabei kontinuierlich deren Sicherheitseigenschaften. Das Festhalten an unseren Klimazielen unter Ausschluss der Kernenergie Option  ist ein gefährlicher Weg, der uns langfristig ins Abseits bringen kann. – Dr. Ing Peter Royl


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Das im Artikel unterstellte sichtbare Bekenntnis der Wissenschaften zu Zweifeln und die entsprechende Abkehr von Wahrheitsverkündigung hat nicht wie erhofft zur Glaubwürdigkeit beigetragen, weil ausgerechnet im medial prominentest sichtbaren Bereich – der Klimaforschung – diese Grundsätze nicht allgemein erkennbar sind. Nirgendwo schlagen sich die Ergebnisse von Grundlagenforschung so unmittelbar in politischen Entscheidungen nieder, die jeder direkt im Geldbeutel spürt (Stichwort Energiewende). Und gerade hier werden Zweifel nicht nur ausgeblendet, sondern aktiv unterdrückt. Vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Klimaoptimums mit heute vergleichbaren Temperaturen und der späteren kleinen Eiszeit, deren Ursachen längst nicht klar sind, ist denkenden Menschen nicht zu vermitteln, wieso die sich daran anschließende erneute Erwärmung nun aber ausschließlich dem anthropogen verursachten Anstieg des Kohlendioxidanteils der Atmosphäre zuzurechnen sein soll. Solche Zweifel eigenständig rational denkender Menschen sind in unserer Gesellschaft möglicherweise weiter verbreitet, als von Klimaforschern und deren Unterstützern angenommen wird. Das Ignorieren, ja Verunglimpfen entsprechender Fragesteller erweckt dann leicht den Eindruck ergebnisorientierter, ideologisierter Forschung. Diese Einschätzung kompromittiert dann leider auch andere Wissenschaften und führt bei weniger differenziertem Urteil zu allgemeiner Skepsis. – Michael Pfannschmidt


Leserbrief zu „Wenn das Warten kein Ende nimmt“ von Albrecht Koschorke

Wo populistische Führer in Narrativen von Stolz, Ehre und Sieg kommunizieren und agieren, macht sich Albrecht Koschorke auf, die Phänomene unserer Zeit zu erklären. Dabei erzeugt er ein schillerndes Beispiel für ein Narrativ, dass im kreativen Bemühen, Zusammenhänge zwischen möglichst vielen unzusammenhängenden Zusammenhängen herzustellen, sich allzu sehr selbst genügt. Der Leser, der geduldig und mit einer gewissen Spannung seiner Erzählspur mit Aspekten aus der Psychoanalyse, der Gesellschafts- und Demokratietheorie und der Zeit- und Kulturdiagnostik bis zu Ende folgt, wartet vergeblich auf ein schlüssiges Fazit. Nach langem Anlauf und kurzem Absprung findet er sich wieder in dem großen Warteraum der Geschichte mit der etwas schräg gestellten Frage, ob eine Demokratie möglich ist, die sich weder auf Sklaverei noch auf Ungleichheit stützt – und dem faden Beigeschmack, Zeuge einer Verwirrung geworden zu sein, die nur zufällig den Populismus als Ausweg verfehlt.    – Reinhard Koine


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

‚Die Wissenschaft steckt in einer Vertrauenskrise‘ und muss daher heraus aus dem Elfenbeiturm. Aber ist die Wissenschaft wirklich im Elfenbeinturm wie der Artikel suggeriert? Hier nur ein Beispiel fuer eine kernige Aussage, die der Ueberpruefung nicht standhaelt:

‚..die immer groesser werdenden Datenmengen werden wie ein Schatz gehuetet…‘. Eine Vielzahl von Journalen verlangt fuer die meisten Daten, dass diese spaetestens bei Publikation einer Arbeit in oeffentlich zugaengliche Datenbanken eingestellt werden. Dies gilt ohnehin prinzipiell fuer alle Genomdaten, so lange nicht ethische Bedenken bestehen. Oder anders gesagt: noch nie gab es so viele frei verfuegbare wissenschaftliche Daten. Ob die Oeffentlichkeit damit etwas anfangen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Und stimmt es, dass es hier die Wissenschaft dort die Gesellschaft gibt?

Noch nie haben so viele Menschen ein wissenschaftlichen Hochschulabschluss gehabt wie heute. Eine Vielzahl von diesen Absolventen wird vermutlich keine Vertrauenskrise haben. Das soll nicht heissen, dass es in den Wissenschaften keinen Reformbedarf gibt oder interessant neue Entwicklungen wie Citizen Science. Aber dies sollte man doch wesentlich differenzierter betrachten. – Jens Rolff, Geschaeftsfuehrender Direktor, Institut fuer Biologie Professor fuer Evolutionsbiologie Institute for Biology Freie Universitaet Berlin


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Trump ist lernfähig ohne seine Grundüberzeugung aufzugeben. Das ist doch schon mal die halbe Miete.

Und Europa spielt in gar keiner Liga. Höchstens im Sandkasten einer Kitaeinrichtung. Das Totschlagargument: das muß die  Diplomatie lösen was der Bürger schon seit 60 Jahren von der politischen Klasse hört ist vielleicht in früheren Zeiten eine bessere Lösung gewesen.

Die haben wir aber nicht mehr. Jetzt gilt es Flagge zu zeigen.  Ich habe eher den Verdacht, die haben die Weltlage noch nicht wirklich verinnerlicht.

Die Bildungsstätten haben nur  „Gutmenschen“ groß gezogen, was so verkehrt ja nicht ist. Wenn es nicht regelmäßig das Gegenteil dessen hervorriefe, was man unter gesunden Menschenverstand versteht.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wahrheit verpflichtet“ von Hans Joachim Schellnhuber

Welche Wahrheit?  Die Wissenschaft ist anfällig wie ein löschriger Käse.

Es würde zu weit führen, die ganzen angeblichen Wahrheiten aufzuführen, die heute keine mehr sind. Auch die Wissenschaft ist vor Irrungen nicht gefeit.  – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Irrtümer, Schnapsideen und andere Altlasten“ von Bruno S. Frey und David Iselin

Wie bezeichnend, dass für die Aussage „Menschen arbeiten nicht um des Geldes willen mehr…“ mal wieder die im Vergleich extrem schlecht bezahlten sozialen Berufe, die klassischen unterbezahlten Frauenberufe von Altenpflege bis Sozialarbeit und Erziehung als Beispiele für die lobenswerte intrinsische Motivation herhalten müssen, wenn bei Managergehältern in mehrfacher Millionenhöhe immer damit argumentiert wird, nur so ließen sich Top-Leute holen.

Meine KollgInnen und ich im Sozialen Dienst, mit täglichen Entscheidungen in existentiellen  Krisensituationen konfrontiert,  würden eine bessere Bezahlung sowohl angemessen zur Sicherung des Lebensunterhaltes als auch als gesellschaftliche Anerkennung unserer Arbeit empfinden. Das gleiche gilt mit Sicherheit auch für die anderen, für das humane Zusammenleben einer Gesellschaft notwendigen Berufe.  – Anja Nohlen


Leserbrief zu „Irrtümer, Schnapsideen und andere Altlasten“ von Bruno S. Frey und David Iselin

Bruno S. Frey und David Iselin sprechen in diesem Kommentar eine wichtige Erkenntnis an: Nämlich, dass jedes ökonomische System menschgemacht ist. Und da Menschen naturgemäss nicht perfekt sind, sondern Fehler machen, bestehen diese Systeme aus Irrtümern.

Zwei wichtige Fehler in der ökonomischen Lehre haben Frey und Iselin jedoch nicht erwähnt: Erster Fehler: Bertrand Piccard, der Schweizer, der zuletzt als erster mit einem Solarflugzeug die Welt umrundete, umschrieb ihn sehr treffend: «Der Preis, der am Produkt angeschrieben ist, ist nicht der Preis, den das Produkt die Gesellschaft kostet». Sprich: Externe Kosten wie Umwelt- und Sozialkosten werden nicht vom Käufer bzw. vom «Verursacher», sondern von der Allgemeinheit bezahlt. Der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) arbeitet zur Zeit zusammen mit höchsten Stellen bei Weltbank, IWF etc. an einem Konzept, um diesen Fehler zu korrigieren. Es nennt sich «True Value» und soll Firmen dazu bringen, soziale und Umweltkosten in Ihrer Erfolgsrechnung und in Ihrer Bilanz zu aktivieren – sprich, externe Kosten zu internalisieren. Als Resultat hätten dann die Produkte ein «korrektes» Preisschild, nämlich eins, das die wahren Kosten abbildet.

Zweiter Fehler: die Konstruktion des BIP an sich beinhaltet einen gravierenden Fehler: Das BIP ignoriert nämlich Schäden komplett. Beispiel: Eine Überschwemmung verursacht Schäden von 100 Mio. Diese 100 Mio. werden nachher repariert – und für das BIP bedeutet dies «Wachstum», denn die Reparatur fliesst in die BIP-Rechnung mit ein, der (direkte) Schaden jedoch nicht. Jeder, der rechnen kann, weiss: Das ist Unsinn, denn die Rechnung ist im besten Fall Null (Minus 100 plus 100 = Null). Der «Genuine Progress Indicator» (http://rprogress.org/sustainability_indicators/genuine_progress_indicator.htm) rechnet diese Schäden mit ein. Resultat: Seit den 70er-Jahren haben wir de facto gar kein wirtschaftliches Wachstum mehr. Anders ausgedrückt: Das vermeintliche «Wachstum» ging vollends auf Kosten der Nachhaltigkeit. Im Klartext: Wir lügen uns selbst in die Tasche. Damit sich dies ändert, müssen die Diskussion um (wirtschaftliche) Modelle ent-ideologisiert und die alten links-rechts-Denkschemata ein für alle Mal im Sondermüll der Geschichte entsorgt werden. – Markus Mühlbacher


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Die Autoren des Artikels plädieren zurecht für eine „Öffnung“ der Wissenschaft als Ausgang aus der Vertrauenskrise. Sie vermitteln aber ein falsches Bild, wenn sie schreiben, dass in der Gegenwart die meisten Wissenschafter hinter verschlossenen Türen forschen und ihre Daten auf verschlüsselten Festplatten horten würden. Diese Gehemniskrämerei mag durchaus vorkommen – aber das Malaise, das angesprochen wird, liegt nicht so sehr in der Geheimhaltung von Daten als eher in ihrer Mehrdeutigkeit. Was dem einen Forschungsteam als Evidenz gilt, kann von einem andern nicht bestätigt werden. Die Statistiker sprechen von einer Replikationskrise. Transparenz ist durchaus da, aber das zu lax und unkritisch gehandhabte Gütesiegel des Signifikanzwerts verleiht vielen Forschungsresultaten die Würde einer Entdeckung, wo es sich um kaum mehr als Zufall handelt.

Worauf ich mit diesem Beispiel hinaus will: Der Finger sollte auf die wirklich neuralgischen Stellen des heutigen Wissenschaftsbetriebs gelegt werden, auf die Häufung von Fake-Entdeckungen, gerade aufgrund der massiven Datenproliferation. Der Wissenschaftsjournalismus sollte sich nicht einfach damit begnügen, all die schönen, neuen, atemberaubenden Ergebnisse aus der Forschung zu popularisieren, er sollte auch zeigen, wie diese Ergebnisse entstanden sind und worauf sich ihre Glaubwürdigkeit stützt. Oder eben nicht stützt.

Mit einem Wort: Die Leserschaft müsste viel mehr wissenschafts- und erkenntnistheoretisch ins Bild gesetzt werden darüber, was denn hinter „Studien“ steckt mit Resultaten „Menstruierende Frauen bevorzugen die Farbe Rot“ „Medizinischer Nutzen von Zahnseide nicht bewiesen“ oder „Mit Posieren schaffst du es (Fake it until you make it)“ – wissenschaftliche Quickies dieser Art erfreuen sich grosser Aufmerksamkeit, und gerade ein seriöser Wissenschaftsjournalismus könnte seinen Beitrag zur Öffnung leisten – indem er nämlich die Augen öffnet gegenüber all dem – auch evidenzbasierten – Bullshit, der heute im Namen der Wissenschaft verzettelt wird. – Eduard Kaeser


Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

Vielleicht hätten Sie in Ihrem Artikel die Positionen von Herrn Baberowski etwas mehr anhand seiner Schriften darstellen sollen, statt das  gespannte Sohn-Eltern-Verhältnis so hervorzuheben. Auch die Position dieser seltsamen Trotzkisten-Gruppe hätte den einen oder anderen Satz hinsichtlich ihrer Einschätzung von Baberowski vertragen, im Internet in Form eines 20seitigen Ergusses abrufbar (ich habe es nur bis S. 3 geschafft), den man gut als Beispiel eines „linken“ Trumpismus bezeichnen  möchte. Man muss diesen Leuten schon einen gewissen Respekt zollen: irgendwie sind diese „Trotzkos“ nicht totzukriegen.

Der Anlass meiner Zuschrift ist aber ein anderer: Trittin war keineswegs im KBW, sondern im (nicht als Partei organisierten) KB, was -da dürfen Sie jetzt ruhig lachen- für mich als alten KB’ler, Mitglied der Portugal-Kommission des „Arbeiterkampfes“ und später Angehörigen der Gruppe Z  (wie Ebermann, Trampert etc.  und eben auch Trittin) immer noch einen beachtlichen Unterschied ausmacht.– Das hätten Sie übrigens bei Wikipedia nachsehen können (eine kleine Recherche-Schluderei: denken Sie immer an das Geschrei von der Lügenpresse!).– Kommt übrigens in Trittins offizieller Biografie auf der Website des Bundestages nicht vor, derzufolge sein poltisches Leben wohl erst mit dem Einzug in den Bundestag 1980 beginnt.

Nun ja, wir werden alle älter —und milder! – Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Klopp, Liverpool“ von Fritz Pleitgen

Ich hab Ihren Artikel über Jürgen Klopp noch gar nicht gelesen, weil ich bei den Überschriften schon vom Hocker gefallen bin. Jürgen Klopp so beliebt wie die Beatles? Das kann nicht sein. Never. Denn die Beatles waren  bekanntermaßen  beliebter als Jesus (John Lennon). Das schafft nicht einmal Jürgen Klopp. Aber Sie sind entschuldigt, denn Sie waren/sind zu alt für die Beatles. Nichts für ungut: die Beatles bleiben die Größten, selbst wenn Jürgen Klopp den FA-Cup und irgendwas Ähnliches gewönne. – Fritz Hausbacher


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Volle Zustimmung zum Tenor des Beitrags: Benachteiligten Kindern helfen vor allem gute Kindertagesstätten und Grundschulen. – Dazu gehören gezielt kompensatorische Betreuung und Erziehung.

Dennoch, ein Doppelsatz zur kostenlosen Kita bedarf der Richtigstellung. Das Autorenduo schreibt: „Die meisten Krippen erheben Beiträge abhängig davon, wieviel die Eltern verdienen. Reichere zahlen also mehr.“ Das stimmt ganz und gar nicht!

Einkommensabhängige Kita-Gebühren sind bei den 1.100 Städten und Gemeinden Baden-Württembergs die große Ausnahme. Und Realität ist: Je höher das Einkommen der Eltern, desto geringer die Kita-Gebühren. Diese widersinnige Realität hängt mit unserem Steuersystem zusammen. Kita-Gebühren können größtenteils steuerlich abgesetzt werden.

D.h. gut verdienende Eltern bekommen bis zu 42 Prozent der Gebühren als Steuerrückzahlung erstattet. Die ‚Leidtragenden‘ dieses Systems sind Haushalte mit kleinen bis mittleren Einkommen. Sie verdienen zu viel, um noch Transferleistungen zu erhalten– etwa, dass das Sozialamt die Kita-Gebühren bezahlt – aber zu wenig, um Steuern zu zahlen.

Also gibt es auch keine Steuererstattung. Nur diese Familiengruppe bezahlt die Kita-Gebühren voll! Deshalb ist für mich als Kommunalpolitiker die kostenlose Kita die fairste Lösung: Kitas werden dann voll vom Steuerzahler finanziert. – Bernd Schenkel


Leserbrief zu „Je größer das Auto, desto größer der Respekt“ von Stefan Schirmer

Seit es den Smart gibt, fahre ich ihn und auch ich musste in den ersten Jahren viel Hohn und Spott einstecken. Inzwischen ist es aber kein Grund für Aggressionen mehr, wenn ich auf der Stadtautobahn mal einen „fetten Schlitten“ überhole, dazu gibt es inzwischen einfach zu viele flotte Kleinwagen. Für eine Großstadt wie Berlin ist es eine effiziente und preiswerte Möglichkeit schnell ans Ziel zu kommen und ich finde IMMER einen Parkplatz.

Wenn ich allerdings die Stadt verlasse um die 300 km zu meinem Vater zu fahren, miete ich mir gerne einen SUV, weil es einfach Spaß macht auf der Autobahn zügig und mit Überblick zu fahren. Mein Vater (91) ist auch erfreut, weil er bequem einsteigen kann und sich sicher fühlt. Ich teile aber Ihre Meinung, dass diese Art von Autos für den Stadtverkehr in der Gesamtschau nicht geeignet sind. Schade dass viele Menschen zum Aufpolieren ihres Selbstwertgefühls noch solche Dreckschleudern brauchen, denn „Great Lovers don´t need big cars“. – Katrin Schobig


Leserbrief zu „Das Dorf mit den 600 Chinesen“ von Jana Gioia Baurmann

Ich beziehe mich auf Ihren o.a. Artikel in ZeitOnline. Leider muss ich sagen, dass das eher eine Werbeanzeige für ICCN ist, aber kein kritischer Journalismus.

Bei mir zuhause saßen wiederholt Bewohner von Oak Garden und haben sich „ausgeweint“. Es ging los mit Immobilien („im Herzen Europas“), die zum doppelten des Marktpreises an die (unwissenden) Bewohner verkauft wurden (mir selbst wurden 25% Provision angeboten, wenn ich Käufer beischaffen kann), bis hin zur Monopolisierung von Informations- und Verfahrenswegen, die durchaus mit Drohungen verknüpft waren – nach dem Motto: „Wenn Ihr nicht spurt, gibt es keine Aufenthaltsgenehmigung, denn wir (ICCN) haben den Kontakt zu den maßgeblichen Personen, und nicht Ihr.“ Den Bewohnern von Oak Garden kann man hierbei den Vorwurf machen, dass sie unfähig sind, sich gegen diese Machenschaften zu organisieren – das war mein Rat an sie.

Grundsätzlich muss man eine klare Unterscheidung treffen: Die meisten Bewohner emigrieren ihrer Kinder wegen (das chinesische Ausbildungssystem ist hundsmiserabel und eine Tortur), es geht hier zumeist weniger um’s Geschäfte machen. Dabei haben die meisten Bewohner vollkommen falsche Vorstellungen darüber, was es heißt, in Deutschland als Selbstständiger Fuß zu fassen. Richtige Aufklärung bekommen sie nicht, und auch die Unterstützung Seitens ICCN könnte vor Ort besser sein, vorsichtig ausgedrückt.

Allerdings wird das Migrationsprojekt Seitens des Kreises als ein Wirtschaftsförderungsprojekt „verkauft“, die beiden Perspektiven (Migration vs. Busines) werden nicht klar auseinander gehalten.

Generell wischen die örtlichen Würdenträger derzeit so ziemlich alle Bedenken beiseite, weil in dem Projekt eine Chance gesehen wird, die strukturschwache Region wieder auf die Beine zu bekommen. Dies mag ja auch im Grundsatz stimmen, weswegen das Projekt ICCN ja auch nicht grundsätzlich negativ zu bewerten ist – im Gegenteil. Aber: Was aber mit denjenigen Chinesen, die kein Geschäft auf die Beine bekommen (das sind gar nicht so wenige), und was wäre, wenn die Sache wirklich so boomt, wie sich ICCN das vorstellt? Wären die Birkenfelder mental auf einen solchen Ansturm (eine Dominanz von Chinesen in der Region) überhaupt vorbereitet? Was passiert mit den Chinesen, die scheitern? Welche Lasten kommen dann auf die Kommune zu? Gibt es einen „Plan B“? Wie verhindert man einen Missbrauch der monopolartigen Stellung von ICCN (den Bewohnern von Oak Garden gegenüber)? (Wie) wurde sich in Kreis und Kommune mit diesen und anderen Fragen auseinandergesetzt?

Wenn Sie noch einmal über die Sache schreiben, können Sie vielleicht diese andere Perspektive berücksichtigen. Sie werden allerdings nichts von dieser Perspektive erfahren, wenn Sie nur ICCN und „Offizielle“ befragen. Falls Sie noch einmal über die Sache schreiben wollen, vermittle ich Ihnen daher gerne geeignete Gesprächspartner, die diese andere Perspektive vermitteln können (von mir selber werden Sie allerdings kein Interview erhalten). Senden Sie bitte für diesen Fall eine Mail an die Adresse des Absenders zurück (die nicht meine persönliche Mailadresse ist). Ich möchte vorsichtshalber einstweilen anonym bleiben, um meine Laufbahn nicht zu ruinieren. – Anonymer Leser


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Der Forscher Ries misst auf der Zugspitze wohl kaum „deutsches CO2“, „österreichische Stickoxide“ etc. Auch die deutschen (fossil befeuerten) Kraftwerke sind allesamt im EU-wei­ten CO2-Emissionshandel (EU-ETS) und haben damit in der Summe aller einbe­zoge­nen EU-Emit­tenten eine europäische Obergrenze einzuhalten. Das tun sie! Gesonderte natio­nale oder gar regionale CO2-Ziele sind für diese große Gruppe im EU-ETS sinnlos.

Auf Seite 29 empfehlen die ZEIT-Autoren Hartung/Sentker den Wissenschaftlern „raus­zugehen“ und ihre Resultate und Methoden öffentlich zu diskutieren und nicht innerhalb der Disziplinen. Haben diese beiden bedacht, dass es für einen Diskurs auch ein Min­dest­wis­sen und Wissenwollen über Grundlagen auf der anderen Seite braucht? Manchem Poli­tiker, aber auch Journa­listen und Bürger ist wohl das „gute moralische Gefühl“ wichtiger als das müh­same Lernen unbeque­mer Fak­ten.

So wird auch bei Frau Pinzler das Elektroauto zum „umweltfreundlichen“ Hoffnungsträger stilisiert, selbst wenn es wohl bis 2040 (insbesondere jeweils im Winterhalbjahr) ohne Koh­le­strom zum Aufladen nicht auskommen wird. Oder weht der Wind immer dann, wenn ab 18 Uhr viele Autofahrer ihr Auto aufladen müssen? Ach so, das löst ja „smart metering“! Pech nur, wenn man das Auto nachts plötzlich für eine Fahrt in einem Notfall doch braucht!

Wie in der sehr einseitigen Kernenergiediskussion der 70er Jahre mit der Kernkraft als vermeintlicher Patentlösung erleben wir heute analog eine technisch fast ahnungslose Phan­tasie zu den möglichen Beiträgen der erneuerbaren Energien in den kommenden Jahrzehn­ten. Wenn Sie mir verraten, wie wir Wissenschaftler gegen grün angestrichene Phantaste­reien und „fake thinking“  andiskutieren können, wäre ich dafür sehr aufgeschlossen – Prof. Dr. Wolfgang Ströbele, früher: Universität Münster


Leserbrief zu „Ein Zwerg führt die EU an der Nase herum“ von Felix Rohrbeck

Wenn die EU nicht in der Lage ist eine einheitliche Steuer in Gang zu setzen, dann braucht sich keiner zu wundern, wenn das dabei herauskommt.

Was mich auch zornig macht, ist die Tatsache, das ständig auf die Leistungsträger herum gehackt wird, die versuchen alle Möglichkeiten auszuschöpfen,  um ihr Unternehmen profitabel zu machen.

Ich höre und lese kein Wort, über die ständige Verschwendung der Staaten, die leichtsinnig mit dem Steuergeld umgehen. Der Bundesrechnungshof spricht von Milliarden die jedes Jahr aus dem Fenster geschmissen werden. Der Bund der Steuerzahler kommt auf ähnliche Zahlen.

Ihr Autor gehört genau zu den Leuten, die einseitig Journalismus betreiben.

Ausserdem hilft es der Bevölkerung der gesamten EU-Staaten. Die Firmen die nach Malta ihre Firma verlegen helfen der dortigen Arbeitswelt genauso wie in Deutschland. Wenn man das. 1×1 der Ökonomie beherrscht.

Und zu guter Letzt sollte kein Staat der Welt den Steuerzahlern die Hälfte seines Lohnes wieder aus der Tasche ziehen. Das ist genauso schlimm wie Steuern hinterziehen.

Wenn die Staaten besser mit dem Geld umgehen würden, reicht auch ein Drittel an Steuereinnahmen ohne das dabei die Infrastruktur vernachlässigt wird. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Wissenschaftler haben in der Tat eine Bringschuld. Die Zeitautoren übersehen aber, dass sie ihrerseits als Wissenschaftsjournalisten eine Holschuld haben. Beispiel: Ich habe als Wissenschaftler Zugang zu Fachjournalen und Buchverlagen. Um den längst fälligen Paradigmenwechsel beim Lehren und Lernen von Fremdsprachen vom Prinzip der Einsprachigkeit hin zu einem bilingualen Ansatz durchzusetzen, müsste das Thema aber auch in Medien wie der ZEIT aufgegriffen werden. Was bisher nicht der Fall war.

Gerade in diesen Jahren, wo so viele Migranten eine für sie sehr sperrige Sprache wie die deutsche lernen müssen, kann ein Ansatz von der Muttersprache her (Arabisch, Farsi, Tigrinisch…) kleine Wunder bewirken. Viele Zuwanderer scheitern nicht zuletzt an einer Methodik, die verkennt, dass die Muttersprachen ein Kapital sind, das es einzusetzen gilt, wo immer es möglich ist.  Aber noch immer halten das BAMF und zahlreiche Sprachlehrzentren und -akademien ungeprüft an einem traditionellen Alles-auf-Deutsch Prinzip fest. – Prof. em. Dr. Wolfgang Butzkamm


Leserbrief zu „So zart. So leise“ von Christine Lemke-Matwey

Es macht mich geradezu fassungslos, dass Christine Lemke-Matwey in ihrer Kritik – eher einer hingerissenen Eloge auf Christian Thielemann – kein Wort verliert über die Schlussszene, wo der Feuerzauber von auferstandenen Helden in Uniform mit Fackeln begleitet und unterstützt wird – ein Schlusstableau, wie wir es von der Nazipropaganda nur zu gut kennen.

Im Gesamtzusammenhang der  Inszenierung ergibt dieses Ende keinen rechten Sinn. Was entsteht, ist nicht Betroffenheit, sondern Besoffenheit, wie an Lemke-Matweys Kritik abzulesen: Sie, die sich sonst nicht politisch korrekt genug gerieren kann, weiß nur noch von Ergriffenheit zu schwelgen. Genau der Effekt, den Nazi-Fackelzüge und Lichtdome erreichen sollten und leider auch erreichten.

Merkwürdig im Zusammenhang mit Christian Thielemann. Merkwürdiger noch, dass kein Wort darüber verloren wird. Nichts als ein Schwelgen, wie zart und leise die Musik geklungen habe. Das Ergebnis solcher Fackelaufmärsche ist, wie wir wissen, nicht mehr zart und leise. – Dorothea Renckhoff


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Es macht mich traurig zu lesen, wie die zunehmende Kommerzialisierung von Allem, auch das Thema Kinder erfasst. Bezeichnend finde ich dass dieser Artikel nun schon im Ressort Wirtschaft eingeordnet wurde. Argumente für Kinder erschöpfen sich in Ihrem Artikel auf den Halbsatz „bedauerlich wenn man Kinder liebt“ und geht dann sogleich über in die allgemeinde Sorge (also auch der Kinderlosen) „wenn die Renten kaum mehr finanzierbar sind.“

Dann dreht sich alles nur noch darum genügend KITA Plätze mit Erziehern als Ersatzeltern zu fordern. Da frage ich mich warum Sie überhaupt ein Kind wollen. Auch wenn dies vielleicht unmodern ist, so wünsche ich mir, dass es sich Familien leisten können, wenn ein Elternteil zu Hause bei den Kindern bleiben kann oder beide ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich diese Aufgabe zu teilen.

Ich habe als Mann als meine Söhne klein waren meine Wochenarbeitszeit auf 20 Std. reduziert und habe die Kindererziehung mit meiner Frau geteilt. Diese Zeit möchte ich nicht missen und es war sicher auch für Sie eine gute Entscheidung.

Wir verfügen leider nicht über das von Ihnen angegebene Nettoeinkommen von 4700 Euro. Aber wir waren da, als sie uns gebraucht haben. Sie haben keine Not leiden müssen, wir haben Ihnen gesunde regionale Lebensmittel gekocht und Zeit mit Ihnen verbracht. Wir waren nicht im Urlaub oder Disneyland, haben lieber jeden Tag mit Ihnen gespielt.

Und ich kann nicht verstehen wie sich nun viele den Kopfzerbrechen, damit möglichst beide Elternteile Arbeiten gehen können. Es sind doch nicht nur finanzielle Überlegungen, ob man heute Kinder haben möchte oder nicht!

Wir können und dürfen Kinder nicht auf ihren Wirtschaftlichen Wert oder als Rentenzahler reduzieren. Es oft die Rede von Bildungsfernen Schichten, ich habe beim Lesen solcher Argumente eher das Gefühl Wirklichkeitsferne Schichten machen hier Politik.

Wie unverantwortlich gehen wir mit den nächsten Generationen um. Leben wissentlich über unsere Verhältnisse, verprassen Ressourcen im Konsumrausch, zerstören, vergiften die Biosphäre, häufen Staatsschulden und Atommüll an. Führen längst Stellvertreterkriege um Ressourcen, wundern uns über Klimaflüchtlinge und denken nicht nach was geschieh,t wenn durch die zunehmende Digitalisierung und Fortschritte in der Robotertechnik in naher Zukunft sich die meisten Arbeitsmärkte umdrehen werden und nach neuen Studien über 40% aller Arbeitsplätze verschwinden. Das sollten Sie lieber einmal in Ihre Rentenüberlegungen einbeziehen. Zahlt dann der Redaktionsroboter der Ihren Arbeitsplatz einmal übernehmen wird ihre Rente?

Das sind die wirklichen Probleme zum Thema Kinder, denen wir uns endlich stellen müssen. Und das ist leider auch ein Argument, weshalb heute junge Familien sagen: sie möchten keine Kinder in diese unsichere Welt setzen. Das gibt mir zu denken. Die Grünen wären doch prädistiniert hierzu etwas zu sagen, warum hört man da nichts? – Bernd Fischer


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Kita 2.0. reicht nicht!

Wenn „die Mehrheit der Deutschen allein oder als kinderloses Paar“ lebt, verspricht es wenig Erfolg, im Wahlkampf Angebote für Familien mit Kleinkindern zu machen. Die Menschen müssen als Teil der Gesellschaft, der Sozialgemeinschaft und als Kinder ihrer Eltern abgeholt und bedient werden.

Elterngeld und ElterngeldPLUS, finanzielle Unterstützung durch Stiftungen für werdene Mütter, ein erhöhter Hartz 4-Satz für Schwangere samt Pauschalbeträge für die Erstausstattung, Entbindungsgeld von der Krankenkasse, das Recht auf Hebammenhilfe, den Krippen- sowie Kindergartenplatz auch bei einer Tagespflegeperson – hierbei zahlen Eltern zwischen 0,- Euro und dem vollen Satz je nach Einkommen, was auch so bleiben sollte…. Es ist eine glückliche Familienzeit, wenn die Kinder verlässlich betreut und versorgt sind, während Mutter und Vater für den Lebensunterhalt sorgen – eine(r) allein schafft es meist nicht.

Da erschreckt mich das angegebene durchschnittliche „Nettoeinkommen von

4700 Euro im Monat“! Das klingt doch sehr beruhigend. Wie hoch ist das Durchschnitteinkommen der Paare in Deutschland, wenn wir alle Hartz 4-Empfängerfamilien, -Alleinerziehende und -Aufstocker abziehen? Ich bin sicher, kategorisiert würde das ein realistischeres Bild aufzeigen.

Ich hatte das „Glück“, nur vier Jahre als Alleinerziehende mit zwei Kindern mit Hartz 4 haushalten zu müssen. Die Erfahrung war goldwert, doch ich möchte sie niemandem zumuten: Ich habe beim Bauern gejobbt für

8 Euro/Std., familienverträglich von halb acht bis eins, volle Kompostkiste gratis. Ich habe Zimmer im Haus untervermietet und freiberuflich als Seminarleiterin gearbeitet mit freier Zeiteinteilung.

Ich habe unentwegt gearbeitet, bin über dem Suppenteller oder vor roten Ampeln eingeschlafen und habe schon mal morgens vergessen ein (!) Kind zu wecken, weil ich so durch den Wind war. Immer wieder bekam ich vom Amt die Aufforderungen, Jobs anzunehmen für 5,42 Euro/Std. von morgens halb sechs bis mittags um zwei. Als Aufstockein konnte ich ihnen „einen Vogel zeigen“ und mich nicht herumkommandieren lassen. Ich war in der glücklichen Lage, mir ein gutes soziales, privates Hilfsnetz aufbauen zu können, ein Handwerk gelernt zu haben, und meine Kinder durch Heimarbeit an die Lebenswirklichkeit heranzuführen, sie in die Arbeit mit einzubeziehen und nun mit Freude auf sie blicke, weil sie ihren Weg in Ausbildung und Beruf erfolgreich gehen.

Schlimm war für mich jedoch etwas anderes, und daran muss sich politisch etwas ändern:

Krippen- und Kindergärten müssen für Eltern zu Fuß und mit dem Fahrrad bzw. mit Öffis erreichbar sein. Die Betreuung während der Schulzeit muss mindestens genau zeitgleich verlässlich sein wie zu KiTa-Zeiten. Es nutzt nichts, wenn Eltern in der Vorschulzeit wieder in Arbeit kommen und dann durch Unterrichstausfall und fehlende Horte ins Schleudern kommen. Gearbeitet wird 24/7 – da muss es entsprechende und angemessene Kinderbetreuung für bis zu 12 / 14 Jährige geben. Da ist Unterstützung vonnöten für Familien, die sich kein soziales Hilfsnetz (Fahrgemeinschaften, Freunde mittags mit nach Hause bringen dürfen, oder diese übernachten lassen; Wohngemeinschaften gründen) aufbauen können.

Erziehungspartnerschaft ist soziale Arbeit. Dafür muss genügend Personal sein, welches so gut bezahlt wird, dass diese Personen wiederum ihre Familie ernähren können.

Alleinerziehende brauchen eine dringende rechtliche Hilfe, bzw. die Kinder ein eigenes automatisches Recht auf Unterhalt. Es kann nicht sein, dass Kinder nur Unterhalt bekommen, wenn es für sie eingefordert wird. Glaubt das Elternteil, bei dem die Kinder leben, an die Liebe und den Verstand des unterhaltspflichtigen anderen Elternteils, gehen oft Monate ins Land – leider oft Jahre – bis sie merken: „Da kommt nichts“.

Fordern sie es dann schließlich mit Rechtsbeistand ein, gibt es erstens kein rückwirkendes Recht der Kinder auf Unterhalt…die GEZ kann rückwirkend nach eigenem Ermessen fordern!…zweitens sind sie oft die Geächteten, weil sie die Kinder „gegen das zahlungspflichtige Elternteil aufhetzen“ und für Missstimmung im Eltern-Kind- und Großfamiliengefüge sorgen. Unterhaltsvorschuß vom Jugendamt ist zwar angenehmer, beläuft sich aber nur auf den Mindestsatz (ein Glück für alle Gutverdiener-Sonntagsbesuchselternteile) und wird nur bis zum 12.

Lebensjahr gezahlt. Würde dann auch zu teuer für die öffentliche Kasse, denn dann wachsen die Kinder schneller als man gucken kann, sie brauchen ständig neue Klamotten, gehen auf teure Klassenfahrten, wollen wohlmöglich Abitur machen, einem Sport nachgehen und haben oft unbändigen Hunger. Jobben mit 14? Klar, die Jobs gibt es wie Sand am Meer…fragen Sie einmal herum, wer 14-Jährige einstellt?

Interessant ist das von mir beobachtete Verhalten von Eltern bezüglich der Erstausstattung. Je bildungsferner-ärmer, so erscheint es mir, desto eher stäuben sich diese vor Second Hand Austattungen. Für mich war es aus ökologischen Aspekten gar keine Frage, dass ich alles gebraucht zusammensuche, zumal es auch den Geldbeutel schont und mir wiederum soziale Kontakte beschert hat. Liegt es also daran, dass ärmere Menschen nicht als arm erscheinen möchten und darum alles neu kaufen? Immerhin halten sie damit die Neuproduktion am Laufen. Das ist natürlich für den Staat interessanter als Recyclingverhalten.

Wohnraum für Familien kann geschaffen werden: Es stehen so viele Immobilien leer (Steuersanktionen her!), da tut jeder neuversiegelte, und bebaute Grund im Herzen weh! Wo bleiben die (wilden) Grünflächen für unsere Kinder, wo das Ackerland für unsere Lebensmittel? Wo dürfen Kinder wie Kinder draussen spielen, wo vor allem Jugendliche ihre Energie entfalten und sich als Teil der Bevölkerung erleben? In Innsbruck fiel mir vor kurzem ein Platz mitten in der Stadt auf:

Gedenkstätte für Bürger und Touristen und gleichzeitig eine Skaterbahn. Stelle ich mir so viel Mut in einer deutschen Kleinstadt mal vor!

Ja, und zu guter letzt fehlt mir in diesen familienpolitischen Ideen solche für die Mittelalten und Senioren. Was ist, wenn das Leben einem einen Strich durch die Rechnung macht? Plötzliche Berufsunfähigkeiten durch Krankheit oder Unfall – egal bei welchem Familienmitglied – ersetzt das Pflegegeld das vorherige Einkommen? Ist damit die eigene soziale Absicherung aufrecht zu erhalten? Wo ist psychosoziale Begleitung auch hier – gut ausgestattet und finanziert wie im Klein-/Kindbereich schon gefordert? Wir dürfen die Augen nicht vor der Tatsache verschliessen, dass es kaum noch Großfamilien gibt und mit den sozialversicherungsfreien Einkommengrenzen kaum Rücklagen gebildet werden können. Was tun für all die kinderlosen Bedürftigen? Auch hier ist staatlich finanzierte Sozialarbeit gefordert. Dabei ist es Augenwischerei, dass überwiegend ins Ehrenamt zu schieben – da wird oft nur zum Mindestlohn mit unbezahlten Überstunden gearbeitet, damit meine ich die Menschen, die die Arbeit machen, nicht die dazugehörige Verwaltung.

Und die Kinderlosen? Ob beabsichtigt oder nicht, Kinderlose können lückenlosere Arbeitsbiographien vorweisen und im Leben mehr verdienen.

Sie haben das Recht, es nicht zu tun. Grundsicherung für alle und den klassischen Zehnt auf das Einkommen, welches darüber verdient wird – ohne Steuerabsetzmöglichkeiten. Damit bleiben Jedem und Jeder 90% des zusätzlich Erwirtschafteten. Mindestlohn auf realistischem Lebensniveau für alle, ob Anwalt oder Fensterputzer? Da gibt es viele Komplexitäten und Modelle durchzurechnen, zu überlegen, ob nicht einiges wieder in staatliche Hand zurückgeführt werden sollte:

Die Privatisierung des Sozialen führt auf kurz über lang nämlich zu einem Sozialdarwinismus von oben mit unzureichend praktisch ausgebildetem Nachwuchs, der unzureichend aufgefangen werden wird und eine Zunahme pflegebedürftiger Alter und Kranker, die keiner mehr versorgen kann. Die fallen dann bildungsmäßig wie physisch als Wähler weg. Die bald ausgebrannte Schicht in der Mitte könnte noch wählen, aber schafft es zeitlich und desillusioniert nicht mehr zur Wahlurne…auch ein interessantes Ziel für die Staatslenker. –  Birgit Lehnert


Leserbrief zu „Martins Gans“ von Matthias Krupa

Bis zum Lesen des Artikels wußte ich nichts von Gänsestopfleber- jetzt ist mir schlecht, und ich möchte, dass das aufhört, dass Leute sich das Elend der Tiere schmecken lassen.    Und bedanke mich bei Klaus Lachetta,  dem es eine Anfrage an die SPD wert war. – Irmgard Kenkenberg


Leserbrief zu „Eine Diktatur in der NATO“ von Michael Thumann

M. Thumann erweckt mit seiner Überschrift „Eine Diktatur in der NATO“ den Eindruck, als wäre die griechische Diktatur etwas Neues für die NATO gewesen. Dem ist mitnichten so, denn ein Gründungsmitglied war das faschistische Portugal! Das ist zwar leicht aus den damaligen Reichweiten für Transatlantikflügen zu erklären; Portugal war als Zwischenstation für Versorgungsflüge der NATO notwendig, zeigt aber doch, wie „pragmatisch“ man bei der antisowjetischen Einkreisungspolitik dachte. Wenn dieser Artikel im Zusammenhang mit der Kritik an Erdogans Politik erscheint, sollte doch auch noch wenigstens kurz auf die Putsche in der Türkei hingewiesen werden. Die Türkei war und ist doch NATO-Mitglied. – Joachim Fenske


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

zunächst möchte ich betonen, dass ich die Zeit sehr gerne lese. Ich schätze es, ausführlichere Artikel und Reportagen zu erhalten. Dass Ihr Blatt eine bestimmte politische Agenda unterstützt und eine gewisse Nähe zur US-Politik hat, nehme ich so hin – auch wenn ich das Kriegstreiben Ihrer Redakteure nicht gutheiße.

Nun jedoch zu dem, was den Anlass meines Schreibens darstellt. In Ihrer aktuellen Ausgabe, Nummer 16 vom 12. April 2017, stellen Sie die Frage: „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump?“ Wolfgang Bauer und Bernd Ulrich äußern sich in Pro- und Contra-Beiträgen dazu. Auf die Inhalte möchte ich gar nicht weiter eingehen.

Was mich allerdings gewundert hat, ist, dass beide Autoren ihrem Text die Prämisse zugrunde gelegt haben, dass der Giftgas-Angriff in Syrien vom Assad-Regime verübt wurde. Es gibt bis zum heutigen Tage – und wir sind schon wieder fünf Tage weiter – keine Beweise dafür, dass Assad den Anschlag veranlasst hat. Der Bericht der US-Regierung zu den Giftgas-Angriffen ist unvollständig und fehlerhaft – nicht von Forschern abgesegnet, sondern rein politisch. Lesen Sie sich dazu bitte Einschätzungen von Wissenschaftlern durch, ich verweise gern auf MIT-Professor Theodore Postol. (Allein die Tatsache, dass ich Sie darauf hinweisen muss, sollte Ihnen zu denken geben.)

Das Vorgehen der US-Regierung erinnert stark an jenes, das den Irak-Krieg 2003 zur Folge hatte. Vielleicht haben auch Sie mitbekommen, dass das völkerrechtlich nicht ganz astrein war. Genauso wie die Angriffe auf Syrien. Auch das fehlt in der Zeit: Es handelt sich um völkerrechtswidrige Angriffe, um Kriegsverbrechen. Herr Bittner bezieht sich kurz genau darauf, aber gemessen an der Bedeutung dieser Klarstellung ist der Hinweis etwas dünn und nicht entschieden genug. Es geht hier um Kriegsverbrechen und unzählige getötete Zivilisten – als Folge der „humanitären“ Bomben aus dem Westen, hinzu kommen noch Russlands „nicht-humanitäre“ Bomben, die aber nicht völkerrechtswidrig – weil auf Einladung der syrischen Regierung – sind. Insgesamt eine Menge Bomben, die in der Zeit auch noch gefeiert werden (insbesondere von Herrn Bauer), ähnlich wie auf MSNBC, wo von „beauty of our weapons“ (Brian Williams) gesprochen wird. Die Zivilisten in Syrien werden sich auch gefreut haben über das schicke Feuerwerk.

Fragwürdig ist auch, wie Herr Bauer noch an der Meinung festhalten kann, dass Assad in 2013 für den Giftgas-Angriff mit über 1000 Toten verantwortlich war. In dem Zusammenhang sollten Sie bei der Zeit versuchen, aktuelle Geschehenisse und Entwicklungen zu verfolgen. Oft ist das, was kurz nach einem Ereignis als Vermutung herausgeschrien wird, nicht die Wahrheit (Irak, Massenvernichtungswaffen; Irak, Brutkasten-Geschichte; Vietnam, Golf von Tonkin…). Da empfiehlt es sich, an Geschichten dranzubleiben und weiter zu recherchieren. Kurz ein, zwei Schlagworte, dann kann Herr Bauer mal googlen, was es mit dem Giftgas von 2013 auf sich hat: Al Nusra, Türkei.

Ich würde mir von der Zeit wünschen, dass sie Redakteure beschäftigt, die echte Recherche betreiben und im Rahmen von Konflikten beide Seiten anhören. In der Zeit wird fast ausnahmslos ein US-Narrativ wiedergegeben. Bezogen auf den Giftgas-Angriff wäre es beispielsweise interessant gewesen, zu fragen, was denn Assad damit hätte bezwecken wollen, dass er plötzlich Chemiewaffen einsetzt – und so seine Politik völlig unnötig destabilisiert, zu einem Zeitpunkt, an dem er Unterstützung von allen Seiten erfährt.

Ich kann verstehen, dass Zeit-Redakteure Fehler machen – so wie dies jeder tut. Ich kann auch verstehen, dass sie nicht auf dem Niveau von Wissenschaftlern schreiben. Und genau deshalb würde ich Sie als Redaktion bitten, sich unterstützen zu lassen.

Insofern wäre es schön, wenn Herr Bauer, Herr Ulrich und auch Herr Bittner die Möglichkeit bekommen würden, sich diese Zeilen durchzulesen. Es würde ihnen journalistisch helfen – sofern sie als Journalisten im Sinne der vierten Gewalt tätig sein wollen. Bei Rückfragen dürfen sich die drei genannten Redakteure bei mir melden, ich berate sie gerne und helfe auch bei Recherchen – Letzteres jedoch nicht mehr unentgeltlich.  – Kilian Symalla


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Ich teile das Plädoyer der Autorin für den Kampf gegen den Klimawandel und für nachhaltigere Automobilität. Unverständlich ist jedoch, daß dabei ein „Deutschland ohne Diesel“ gefordert wird. Ein Drittel (15 Mio) der in Deutschland zugelassenen PKW sind Diesel. Diese müßten mangels realistischer Alternative dann durch Benziner ersetzt werden. Bei technologiebedingten Mehremissionen von 20% des Benziners gegenüber dem Diesel würde das 3-4 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich pro Jahr  bedeuten. Selbst die Grünen in Deutschlands Smog-Hauptstadt Stuttgart sagen, daß der nach Euro6 gesäuberte Diesel unverzichtbar ist beim Erreichen der Klimaziele, zumindest solange es keine wettbewerbsfähige regenerative Alternative gibt. Auch ein mit Kohlestrom betriebenes Elektroauto hat keine bessere CO2-Bilanz als der Diesel. Erst mit Solarstrom gibt es Null Emissionen. – Eckart Krägeloh


Leserbrief zu „Nur die eigene Ohnmacht demonstriert“ von Bernd Ulrich

Wer hat hier die eigene Ohnmacht demonstriert?  Herr Ulrich, es ist Ihnen wieder gelungen nicht aus Ihrem selbst gebauten Käfig zu entkommen. Wer die Welt aus Ihrer begrenzten, der Realität leider nicht mehr gerecht werdenden Sicht betrachtet, fühlt sich überall verfolgt. Demonstrationen der Stärke seien zwecklos und nicht zeitgemäß – tja:  Giftgas-Angriffe lassen sich allerdings nicht mit Appellen an friedfertige Handlungen vermeiden. Wenn die Menschen alle gleich denken und dementsprechend handeln würden, hätten Sie Recht.

Diese Gattung gibt es trotz vielfältiger Versuche der Gleichschaltung –  und von „oben“ verordneter Harmonie nicht. Es ist für Sie gewiss sehr unangenehm, diese Realität akzeptieren zu müssen – offensichtlich fällt es noch viel schwerer auch einmal aus dem eigenen Wohlfühl-Dunstkreis heraus zutreten, um der realen Welt zu begegnen. Wer Giftgas zulässt und nur journalistische Schelte hinnehmen muss, wird sehr beeindruckt sein und natürlich wieder Gas einsetzten. Dahinter stehende Allianzen – Russland, Iran – sind sicher durch wohlmeinende und aufmunternde Artikel stark zu beeindrucken. Es wäre auch einmal einen Versuch wert aus dem eigenen Käfig herauszuschlüpfen und unbefangen über Situationen nachzudenken die evtuell die eigene Denkschablone sprengen. – Rolf Fehndrich


Leserbrief zu „Hamburg oder Budapest“ von Jens Jessen

In seinem Artikel zum G20-Gipfel hat Herr Jessen wohl nur eingeschränkte Informationen verwertet.
Der Aufruf zur Demonstration (http://g20-demo.de/de/aufruf/) enthält Forderungen, wenn auch recht allgemein:
Verlangen nach einer Welt des Friedens, der globalen Gerechtigkeit und der grenzenlosen Solidarität.
Sie werden im Aufruf selbst jedoch hinterfüttert.

Ob die G20 diese Forderungen abdecken oder nicht, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Damit, dass Herr Jessen alle Demonstranten als Krawallmacher abstempelt, macht er es sich jedoch zu einfach.

Auch verwundert mich, dass Herr Jessen attac mit seinen Forderungen übersieht oder unter die „nur dagegen“ Fraktion einordnet. Hier ist seine begrenzte Sicht zu erweitern hier die Positionen von attac: http://www.attac.de/themen/globalisierung/.

Als Beispiel für Organisationen mit recht konkreten Forderungen möchte ich Herrn Jessen auf erlassjahr.de mit der Aufforderung zum Schuldenschnitt hinweisen: http://erlassjahr.de/kampagne/debt20/. – Dr. Klaus Urgast

Leserbrief zu „Diese radikalen Studenten“ von Mariam Lau

Mit solch unvoreingenommenen und ehrlichen Artikeln (….wie auch von Lisa Nienhaus „Irgendwas mit Familie“….) kehre ich  reumütig zur Familie der überzeugten ZEIT-Leser zurück! – Hans Hardenberg


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Mit Interesse habe ich den Artikel von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio gelesen: Unterstützung von Familien ist mal wieder Wahlkampfthema. Das kommt immer gut und geht alle an, denn sind wir nicht alle Kinder, Geschwister, Eltern?

Ob Baugeld, Begrüßungsgeld oder kostenlose Kitas: die Vorschläge kommen von allen politischen Seiten, die Unterstützung soll dann auch allen Familien zugute kommen, ob arm oder wohlhabend, vielkindrig oder alleinerziehend, gut ausgebildet oder ohne Arbeit. Die Autoren vermissen – zu Recht – Sinnhaftigkeit und Gerechtigkeit dieses Geldregens für alle.

Nienhaus und Rudzio wünschen sich und Deutschland stattdessen bessere und breiter aufgestellte Kinder- und Schulkinderbetreuung. Das ist richtig. Aber das ist erst der zweite Schritt.

Der erste ist der Ausbau von Bestärkung der familialen Kompetenzen durch Familienbildung: einer Institution, die Ressourcen innerhalb der Familie erkennt, ausbaut und bestärkt. Die wichtigen Themen Bindung, Gesundheit, Bildung haben dort ihren Platz: alles Grundpfeiler einer prosperierenden Gesellschaft. Und da Familienbildung primärpräventiv arbeitet, sorgt sie wirklich für mehr Gerechtigkeit. Denn sie spricht alle Menschen an. Ihre Angebote sorgen für Inklusion, Erziehungskompetenz, Gesundheitsvorsorge. Zudem vermeidet Investionen in Familienbildung teure Folgekosten im Gesundheits-, Bildungs- und Justizwesen. Das wäre nachhaltig und gerecht. – Doris Niebergall


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Gut, dass sich Wissenschaftler und Journalisten per primam unterscheiden, wenn dies nicht so wäre, müsste man diskriminieren. Während wissenschaftliche Eliten noch Werte (genannt: Erkenntnisse) versuchen zu gewinnen, verteilen Medien an „sogenannte demokratische Masen“ den gewonnenen Ertrag, instrumentalisieren und manipulieren politisch. Das Resultat in der Bildung: Abi für alle, wie gewonnen – so zerronnen.

Wissenschaftliche Rosinenpicker machen Google mächtig, Massen manipulierbar –  endlich auch intellektuell homogenisiert? Nein Danke, liebe Medien, nicht auch das noch mit den Wissenschaften. – Dr. Burghard Schaper


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Vielen Dank für Ihren Artikel „Irgendwas mit Familie“ in der Zeit No 16.

Dort schreiben Sie, dass Paare mit einem oder mehreren Kindern im Durchschnitt ein Nettoeinkommen von 4700 € im Monat hätten. Die Zahl erscheint mir auffällig hoch.

Das statistische Bundesamt gibt an, dass lediglich 19.4 % ein Nettoeinkommen über 4500 € haben. Rund 70 % liegen zwischen 1300 und 4500 €

(https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Datenreport/Downloads/Datenreport2016Kap2.pdf;jsessionid=3E6829A4AF20CB0CDE19BEDEF85DB06B.cae2?__blob=publicationFile),

was sich vom Durchschnitt 4700 € dann doch deutlich unterscheidet. Die Zahl mag als Durchschnittswert ggf. sogar stimmen, verzerrt dadurch das sehr wenige sehr sehr hohe Nettoeinkommen haben. Die Zahl wäre in diesem Fall dann allerdings völlig aussagelos, da nicht repräsentativ für die Mehrheit. Ich weiß nicht aus welcher Quelle die Daten stammen, da keine Angabe, und es ist vielleicht etwas kleinlich, aber in Zeiten von „Fake News“ m.E. doch eine Hinterfragung wert.

Sie schreiben, kostenlose Kitas würden die Ungleichheit verschärfen. Das ist m.A. nicht ganz so eindeutig. Gut situierte Paare geben ihre Kinder so oder so in die Kita, da für sie der Beitrag keine Rolle spielt. In den mittleren und niedrigen Einkommensklassen wird die Kita Gebühr oft zur Abwägung. Für 1200 Euro Netto arbeiten, um dann davon wieder 600 für die Kita zu bezahlen? Die Zahl der Kinder aus sozial schwächeren Familien würde steigen, was wiederum der erste Schritt zur Durchlässigkeit im Bildungssystem ist.

Natürlich kann man argumentieren, dass den Gutverdienern durch Wegfall der Gebühr ein Vorteil entstünde. Man würde aber auch nicht sagen, das beispielsweise eine kostenlose Schule vor allem den Reichen nütze. Dann sollten eher alternative Mechanismen über die Steuer geschaffen werden, dass Gutverdiener das eben nicht oder weniger hoch absetzen können o.ä.

Und: Es gibt natürlich auch ganz viele Kitas, die keine gestaffelten Beiträge haben! Diesen Fakt kann man nicht einfach so übergehen. – Dr. Marius Majewsky


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Die, die wissen, können nicht. Die, die wollen, dürfen nicht. Die, die könnten, wollen nicht.

Anders lässt sich die wundervolle Sprechblase der Kanzlerin von den ‚Perspektiven für den Strukturwandel‘ nicht deuten. Nicht der Klimawandel ist das Problem, sondern die Angst vor der ‚Fossilen Lobby‘ und den gleichbleibend ärgerlichen Wahlen. – Alexander Ditze


Leserbrief zu „Wie lange dauert es, bis aus Flüchtlingen Kollegen werden?“ von Arnfried Schenk

Mit großem Interesse habe ich den o.g. Artikel gelesen. Aus der örtlichen Presse sind mir Fälle bekannt, wo Asylbewerber abgeschoben wurden, obwohl sie bereits einen Ausbildungsplatz mit großem Erfolg angetreten hatten, der Spracherwerb sehr gut war und der betroffene Bäckermeister den Lehrling liebend gern behalten hätte. Da fragt man sich: WARUM? Nur weil Afghanistan so „sicher“ ist?

Meine Cousine (Sozialpädagogin von Beruf) betreut in Passau seit 2015 geflüchtete Jugendliche (Syrer, Iraker, Afghanen) in einem Heim und erzählte mir vor einigen Tagen, daß sie allmählich ein seltsames Gefühl beschleicht: Abgeschoben werden just diejenigen, die sich integrieren und arbeiten wollen, die bereits gut Deutsch sprechen. Die „Nichtintegrierten“ würden nicht abgeschoben.

Klar, das sind Einzelansichten. Aber wäre nicht eine umfassende Recherche zu dem Thema interessant? Warum schiebt man junge Menschen in Ausbildung überhaupt ab??? Und jammert aber andererseits über den demographischen Wandel? – Ruth E. Göttler


Leserbrief zu „Je größer das Auto, desto größer der Respekt“ von Stefan Schirmer

‚Je größer das Auto, desto größer der Respekt‘: Ich mache gerade zum dritten Mal die Erfahrungen, die Herr Hossiep exakt so beschreibt, wie ich es erlebe – nach größeren Wagen fuhr bzw fahre ich jetzt wieder aus umwelt-, parktechnischen und pragmatischen Gründen Kleinwagen. Auf der Bundesstraße fahre ich nach wie vor, da wo es erlaubt ist, mit 100 km/h.

Nur werde ich jetzt regelmäßig überholt und gefährlich geschnitten, was vorher mit dem Mittelklassewagen kaum mal vorgekommen ist. Und über die SUVs, die kaum in eine Parklücke kommen, weil sie für ihre FahrerInnen zu groß sind, oder über Feldwege schleichen, weil sie Angst vor dem Straßenzustand haben, kann ich nur lächeln. Letzteren empfehle ich, mal im afrikanischen Busch zu üben. Aber genau dafür sind diese Blechmonster für Egomanen ja nicht ausgelegt .. – Sybille Jester


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

„Raus, raus, raus!“: in kurzem Abstand wird nun wieder in einem Artikel der ZEIT pauschal die Wirkung von homöopathischen Globuli diffamiert.

Nach mehr als dreißig-jähriger, positiver Erfahrung mit homöopathischer Behandlung, die ohne Heilversprechen und Nebenwirkungen auskommt, wünsche ich mir gerade in der ZEIT differenziertere Recherchen als eine solche Vorverurteilung in Bausch und Bogen. Wie viel Geld ich meiner gesetzlichen Krankenkasse schon erspart habe, weil Homöopathen, Osteopathen und Fachärzte in Naturheilverfahren, die ich allesamt privat zahlen durfte, mich von diversen Krankheiten geheilt und Schmerzen gelindert haben, kann ich gar nicht beziffern. Und gratis dazu gab es immer eine Menge Empathie und Zuwendung, für die Schulmediziner ja keine Zeit haben. Richtig ist, dass die Wissenschaft selbst für die Vertrauenskrise verantwortlich ist und sich nicht wundern darf, dass nach anderen Wegen gesucht wird. – Sybille Jester


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Die Tatsache, dass einerseits mehr als die Hälfte der jungen Deutschen mit ihrem Abitur auf dem besten Weg sind, selbst Wissenschaftler zu werden und andererseits alternative facts und Wissenschaftsverdruss immer stärker um sich greifen, ist ein Paradox, aber wie beschrieben nicht ohne Grund.

Die Forschungsinstitute müssen sich stärker öffnen, zumal ihre Arbeit, und  damit auch die Karrieren der beteiligten Wissenschaftler,3 größtenteils von öffentlichen Mitteln abhängen. Doch eine große Citizen-Science-Welle, die jeden schnell zum Forscher erhebt erscheint mir unrealistisch. Die Faszination hierfür erreicht wohl in erste Linie diejenigen, die auch jetzt schon fleißig mitforschen: Den Artenzähler im Vogelschutzbund, den Hobbyastronom oder den ehrenamtlichen Archäologen.

Es gibt jedoch noch eine wissenschaftliche Ressource, die noch nicht ernsthaft angezapft wurde: Die Schule! Der Zweifel am Ist-Zustand des Wissens ist ein Wesenskern wissenschaftlichen Fortschritts. Abgesehen von der engagierten Jugend-forscht-Elite beschäftigt sich der durchschnittliche Schüler jedoch zumeist mit mehr oder weniger starren Theorien, die er im besten Fall mehr oder weniger schnell als Wahrheiten übernimmt. Auch im sog. forschend-entwickelnden Unterricht wird zumeist auf ein vom Lehrer geplantes und erwartbares Ergebnis hingearbeitet.

Wäre es nicht sinnvoll, unseren zukünftigen Wissenschaftlern (und Wissenschaftsverweigerern) die Möglichkeit zu geben an „echter Forschung“, die Irrungen und Wirrungen von Hypothese – Untersuchung – Auswertung nachzuvollziehen? Warum sollten nicht die Hochschulen (Klein-)Projekte an Schulen auslagern? Open data und open access sei Dank!

So wäre doch zum Schluss allen geholfen. Die Forscher haben zusätzliche Manpower und ein transparenteres Bild in der Öffentlichkeit. Die Schüler werden in ihrer harten Arbeit wertgeschätzt, weil sie tatsächlich einen gesellschaftlichen Wert hat. Und die Gesellschaft hat wieder mehr Vertrauen in die dabei gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse. – Dr. Fabian Kellermeier


Leserbrief zu „Plötzlich Geschäftsmann“ von Laura Cwiertnia

Schön Ihr Artikel über den Plattenladen des Herrn Schmandin. Schade nur, dass Sie die Wirklichkeit zurechtbiegen, wie es Ihnen gefällt, nur weil sie dann besser zur Retro-Analog-Botschaft Ihres Artikels zu passen scheint.

Dass, wie Sie schreiben, das „Belgische Viertel, in dem er seinen Laden betreibt, zum Szenviertel Kölns geworden“ sei, ist einfach Unfug. Das Belgische Viertel war 1994, als Herr Schmandin seinen Laden aufmachte,  längst (!) das (!) Szeneviertel Kölns. Das war es sogar schon Ende der 80er Jahre, wie Ihnen jede/r bestätigen kann der oder die in dieser Zeit in Köln studiert hat. – Dr. med. Philipp Stachwitz

Leserbrief zu den Artikeln „Wahrheit verpflichtet“ von Hans Joachim Schellnhuber

Selbst wenn alle Ihre Hypothesen zum menschgemachten Klimawandel sich als wahrscheinlich herausstellen sollten, habe ich Angst vor Ihnen. Sie benutzen die wissenschaftliche Methode als Keule, um Kritiker zu entwürdigen.

Zur Erinnerung: Wissenschaft kennt keine Wahrheit, sondern nur Hypothesen welche durch wiederholte Falsifikationsstudien eventuell mehr und mehr gesichert werden, ohne je das Stadium der Wahrheit zu erreichen. Um das bekannte Beispiel von Karl Popper zu bemühen: Die Hypothese ‘alle Schwäne sind weiß ‘ist nur so lange haltbar bis ein Schwan mit anderer Farbe gefunden wurde. Wissenschaft ist nicht die angestrengte Suche nach immer neuen weißen Schwänen, sondern die neutrale Suche nach Schwänen mit anderer Farbe.

Sie und Ihre Mitstreiter suchen nach immer neuen Beweisen für den menschengemachten Klimawandel, und finden auch etliches. In Ihrer dogmatischen Art nehmen Sie diese Befunde als Tatsachen und stilisieren Ihre Hypothesen zur Wahrheit. Sie halten sich nicht allzu lange bei Gegenbefunden auf, sondern ignorieren was nicht ins Konzept passt und nicht mit der Theorie übereinstimmt.  Das ist die Dogma- Methode nicht Wissenschaft. Ein Wissenschaftler würde nicht, wie Sie, großspurig von Wahrheit und Kampf gegen Ungläubige, Abtrünnige, Leugner reden.

Dass Sie gleichzeitig von Toleranz und Meinungsfreiheit reden, ist doch sehr ironisch. Die Hypothesen „Es gibt einen Klimawandel“ und „Er ist menschgemacht“ entsprechen möglicherweise der Realität, aber es gibt bereits jetzt zu viele „graue Schwäne“ von denen Sie nichts wissen wollen. Dass 194 souveräne Staaten das Klimaabkommen in Paris unterschrieben, taugt nicht sehr viel als wissenschaftliches Argument.

Jahrtausende lang haben fast 100 Prozent der Menschen die „Wahrheit“ geglaubt, dass die Sonne um die Erde dreht, und genau wie Sie jetzt, ganze Bibliotheken mit Beweisen dafür angesammelt. Es genügte ein seriöses Falsifikation Experiment, um etwas Anderes zu erfahren.  Hypothesen zur Wahrheit erheben, das ist eine Anmaßung, welcher kein seriöser Wissenschaftler erliegen sollte. Die Wahrheit ist immer nur die Richtung, es steht den Menschen nicht zu, sie als Ziel zu erleben.

Menschen welche die Wahrheit verkünden, nennt man Messias. Sie bringen meistens die Dogmen gleich mit und teilen die Menschen ein in Gläubige und Ungläubige(Leugner). Der Klimawandel wird gerade wie ein Dogma behandelt. – Dr (med) Siegfried Rausch


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Ihre Feststellung Deutschland versagt beim Kampf gegen den Klimawandel ist leider wahr. Doch Ihre Begründung für diesen dramatischen Fehlschlag steht auf wackeligen Beinen.

Gewiss würden Gaskraftwerke anstelle von Braunkohle-Verfeuerung die Bilanz etwas bessern. Aber unser jetzt schon hoher Strompreis würde nochmals ansteigen und die noch größere Abhängigkeit von russischem Gas wäre schon bedenklich. Gewiss spielt auch der bremsende Einfluss unserer Kohleländer eine negative Rolle. Doch ein nicht unerheblicher Teil unserer Stromerzeugung wird auch weiterhin fossile Energieträger nutzen müssen, denn Strom aus Sonne und Wind ist nun mal wetterabhängig und deswegen nicht immer verfügbar. Auch eine Speicherung überschüssiger Energie aus sonnen- und windreichen Tagen ist kaum möglich, Forschungsbemühungen in dieser Richtung sind wenig aussichtsreich. Gewiss ließ sich auch der Abgasausstoß im Verkehr noch reduzieren, usw., usw.

Doch der Hauptgrund für den Fehlschlag unserer Energiewende ist ein anderer: Der gleichzeitige Ausstieg aus fossiler und nuklearer Energie ist praktisch unmöglich – auch auf längere Sicht! Ihr Beispiel „Großbritannien“ demonstriert dies: Die CO2-Reduzierung war dort möglich, weil das Land an der Kernenergie-Nutzung festhielt. – Dr.-Ing. Rolf Krieg


Leserbrief zu „Endlich offline” von Ulrich Stock

. . . dass der Meiste Mensch in seiner zunehmend von Bedürfnis und Gelegenheit geförderten Infantilisierung bevorzugt emotional motiviert, dem ‚das Herz erwärmenden‘ Analogen den Vorzug gibt, was im Fall des MalBuchs mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffend ist. KANN ABER AUCH SEIN . . . dass der Mensch rational wie intuitiv, d.h. von seiner gesamten Vernunft motiviert, das Analoge vorzieht, um sein eigenes konkretes Vorhandensein in Struktur und Funktion an der Struktur und Funktion seiner konkreten Umgebung überhaupt erst bemessen zu können. Wie, wenn er mit Hirn, Hand, Stift und Papier zeichnet schreibt, um zu verstehen wie DAS DING an sich IST, das schlicht analog strukturiert ist und funktioniert. Und auch, weil er ein solches DING selber ist. In jedem Fall so lange er sich nicht selbst mit infantiler Begeisterung ganz und gar digitalisiert und virtuell wird, wobei diese Verbindung nicht zwingend ist. Bedeutet doch DIGITALISIERUNG nichts weiter als die Übersetzung vieler kontinuierlich variabler Werte analoger physikalischer Parameter in wenige diskrete Werte digitaler ZahlenSysteme, mit der Bedeutung von Wert im Sinn zu bemessender physikalischer Größen und zum Zweck der Handhabbarkeit. Vorausgesetzt das zugehörige DING ist analog schon verstanden worden. – Leonard Pengler


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Trotz aller annerkennenswerten Bemühtheit, die Ideale der Aufklärung zu retten, finde ich die Darstellung in vielerlei Hinsicht naiv und idealistisch.

Wie soll denn ein Wissenschaftssystem, in dem nur Veröffentlichungen zählen (publish or perish) denn andere als narzisstische Charaktere hervorbringen nach dem Motto ‚Wer hat den größten, dicksten, längsten ….Artikel produziert? Versuchungen gibt es da viele, die eigenen Daten zu manipulieren und zu frisieren bis sie zur Hypothese, dem Kongreß- oder Buchbeitrag passen.

Was ist da Wahrheit, was ist fake?

Insofern hat die Wissenschaft selbst kräftig dazu beigetragen, dass man sie heute mit Misstrauen beäugt. Doktortitel kann man kaufen, sofern man neuerdings der Plagiatssoftware nicht auffällt. Nach der Wissenschaftssoziologie verändern sich Paradigmen meist durch das Aussterben der Mainstreamanhänger und nicht durch durch einen fairen und offenen Austausch von Argumenten, bei dem die trefflichsten sich durchsetzen.Platzhirsche beherrschen die Diskussion und neue Ideen haben oft kaum eine Chance.
Was sagt es denn über  Wissenschaftler aus, die ihren Wert an der Menge der Zitierungen im Science Citation Index bemessen?

Den Vogel abgeschossen haben die sogenannten medizinischen Wissenschaften. Obwohl Gesundheit eines unser höchsten Güter ist, hat die Unwissenschaftlichkeit, die Dogmatisierung durch Richtlinien und die Unterdrückung von oft preiswerteren Medikamenten und Wahrheiten Methode.

Nach meinem Kenntnisstand gibt es in Deutschland keine von Industrieinteressen freie Medizinforschung mehr. Betrügereien und Datenmanipulation scheinen in der Pharmaindustrie an der Tagesordnung zu sein, wie man in einer Vielzahl von Publikationen nachlesen kann, nicht nur in der Psychopharmakaforschung. Dass da viele auf alternative Produkte abfahren und ihr Heil  suchen, ist doch überhaupt nicht verwunderlich. Dass viele dabei nur wieder auf Quacksalber und Egomanen hereinfallen, da bestehen keine Unterschiede zwischen Forschung und Politik. Man muss sich aber über Homöopathie als Petitesse nicht aufregen, solange der Placeboeffekt nicht einmal systematisch erforscht und genutzt wird. Aber das wäre ja geschäftsschädigend.

Haben nicht Wissenschaftler, deren Ausbildung und Forschung weitgehend vom Staat finanziert worden ist, bei neuen Entdeckungen, häufig nur das Ziel, durch Patentierungen schnell Profite zu machen, wie man gerade mal wieder an der ‚Unsterblichkeitsforschung‘ sehen kann.

Wer kann denn noch auseinanderhalten, was Wahrheit und was Betrug, Gaunerei oder Industrieverbrechen ist, von der Steuerkriminalität gar nicht zu reden. Auch hier scheint es es nur noch ein Streben zu geben, möglichst schnell ganz viel Kasse zu machen, ohne Rücksicht auf Verluste, tierische oder menschliche.

Das ist der einzige Wert, der heute zählt, nicht die ‚altmodische‘ ‚alberne‘ Wahrheit der Idealisten. Und ist nicht der Glaube an die Wissenschaft letztlich auch nur ein Glaube?

Vielleicht können einige Probleme ja dadurch gelöst werden, daß man den Augiasstall ausmistet, wenn es denn gelingt, aber alle?

Vielleicht haben die meisten Menschen mit ihrem Misstrauen ja auch recht angesichts der Verhältnisse in der Welt. Wer will schon Zweifel, wo uns doch alle Gewissheiten abhanden gekommen sind? Wie kann man in einer Welt der Lüge, des Mißbrauchs, der Kriege, Diskriminierungen, Unterdrückungen und Desinformation Vertrauen aufbauen und pflegen.? Wenn wir diese Frage nicht lösen, kann uns auch die Wissenschaft nicht helfen. Dann zerstören wir alle individuellen und gesellschaftlichen Werte und steuern geradewegs auf unseren Untergang als Spezies zu. – Dr. Karl-Heinz Grimm


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Wissenschaft ist für Alle da, JA, aber nicht Alle sind für die Wissenschaft da. Denn Wissenschaft ist nicht unterhaltsam, nicht spaßig, nicht cool, nicht geil, sondern ernst. Und das immer und überall. Dass Wissenschaft diskreditiert worden ist und immer noch diskreditiert werden wird, ist NICHT PARADOX, sondern folgerichtig. Ist der Meiste Mensch bevorzugt emotional konstituiert, glaubt er in der Hoffnung auf die Erfüllung seiner Erwartung an die letztendliche Sicherheit.

Und so glaubt er auch, dass, wer sicher ist, auch alles weiß, so dass der Wissenschaft, die nicht eigentlich wissen kann, für den glaubenden Menschen, der Wahrscheinlichkeit nur als RedensArt kennt, nicht zu trauen ist. NEIN, nicht die Wissenschaft disqualifiziert sich mittels Versuch und Irrtum, sondern der eine und andere Wissenschaftler disqualifiziert die Wissenschaft, wenn er sich benimmt wie der Meiste Mensch, so dass auch die von ihm betriebene Wissenschaft zum KonkurrenzBetrieb degeneriert, um erwartete Sicherheiten u.a. sicheres Geld und sichere Unterhaltung zu produzieren.

Deswegen DARF Wissenschaft NIE GLAUB-WUERDIG sein, sondern MUSS Wissenschaft IMMER und ÜBERALL die vollständige d.h. die intuitionale wie die rationale VERNUNFT WUERDIG vertreten. Würde der Meiste Mensch bevorzugt diese seine Vernunft d.h. seine Intuition wie Ratio zum Denken verwenden, würde weder er selbst beständig emotional überflutet noch der Rest der Welt von dem sich daraus ergebenden Resultat. Das aber ist wahrscheinlich ZU RADIKAL. – Leonard Pengler


Leserbrief zu „Irgendwas mit Familie“ von Lisa Nienhaus und Kolja Rudzio

Ihr Artikel „Irgendwas mit Familie“ hat mich teilweise belustigt, teilweise erzürnt, teilweise hat er auch den Kern getroffen. Zunächst: 4700 Netto-Durchschnittseinkommen beim ersten Kind? Woher haben Sie die Zahl? Aus Frankfurt/ Main? Davon sind wir als Akademiker noch gut entfernt, beim ersten Kind war an eine solche Zahl nicht zu denken.

Fakt ist aber, Geld allein hilft nicht, da haben Sie vollkommen Recht. Spielt aber in der Verteilung eine Rolle. Um auf der Ebene zu bleiben: Was wirklich helfen würde, wäre ein einkommensunabhängiges Elterngeld. Dann wäre sowohl Studenten als auch der Hausfrau geholfen, die sich entschieden hat, ihre Kinder zu Hause zu erziehen. Aber die größte Wertschätzung kommt mit der aktuellen Elterngeldregelung nur gut verdienenden Eltern zu Gute.

Und ein Begrüßungsgeld oder kostenlose Kitas würden auch das nicht schaffen, woran es im Lande wirklich mangelt: Kinderfreundlichkeit, die in der Gesellschaft verankert ist. Hilfe beim Einsteigen mit Kinderwagen (und vielleicht noch mit Kleinkind) in die Straßenbahn. Spielplätze, auf denen Kinder tatsächlich spielen dürfen (auch zwischen 11 und 15 Uhr – wohlbemerkt in der Woche). Verständniss für quengelnde Kinder im Supermarkt, im Restaurant, auf Arbeit. Wo man sich nicht dafür entschuldigen muss, dass man mit einem kranken Kind zu Hause ist.

Kein Einkommensverlust bei Kindkranktagen. Erhöhung der Kindkranktage, für Alleinerziehende sollten sie auf das Doppelte erhöht werden. Am Beispiel Kinder kann man herllich beobchten, wie realitätfremd so mancher Politiker doch ist. Unkomplizierte Nachbarschaftshilfe. Was bin ich mit Dank erfüllt, dass wir in einer Hofgemeinschaft leben dürfen, in der Kinder willkommen sind, laut sein dürfen und Teil der Gemeinschaft sind! – Friederike Manig


Leserbrief zu „Vorwärts zu alter Größe“ von Rasim Marz

Ihr Essay „Vorwärts zu alter Größe“ ist – das muss zugeben, wer die türkische Geschichte kennt – ein zutreffendes, wenn auch verkürztes Bild der letzten 100 Jahre dieses Staates. Allerdings: Interessant wäre es gewesen, wenn der Autor auch die – wahrscheinliche – Zukunft etwas ins Visier genommen hätte. Denn diese ist, zumal nach dem Referendum, keineswegs so vielversprechend, wie es Erdogan vorgibt.  Man muss sie vielmehr als hochgradig unsicher bezeichnen. Warum?

Sieht man vom Faktor „Wirtschaftliche Entwicklung“ ab, der in den nächsten Jahren dominieren wird,  ist es der Blick  auf Ostanatolien, auf die kurdische Region, der alarmierend ist:  Wer die türkische Geschichte kennt, weiß um die Vielzahl der kurdischen Aufstände in den letzten 80 Jahren, Aufstände, die durchaus den Charakter von Bürgerkriegen hatten. Sie waren die Folge der unbeschreiblich grausamen Unterdrückung, die die Türkei der kurdischen Minderheit – immerhin rd. 20% des Staatsvolks – angedeihen ließ. ( Ich habe lange genug – beruflich – in dieser Region gelebt, um dies bezeugen zu können. Das Ergebnis meiner Recherchen fasste ich in einem Buch zusammen. )

Die Situation ist für die Kurden derzeit positiv wie nie zuvor seit dem Marhaba-Aufstand 1946: Kurden stehen, bestens bewaffnet, in Nordsyrien und dem  Irak, kampferfahren und willens, die Sache durchzuziehen. Sie sind Teil der Anti-IS-Koalition,  verlässliche Verbündete des Westens  und werden diesmal keine Ruhe geben, ihren eigenen Staat, einschließlich natürlich der kurdischen Teile Ostanatoliens, zu errichten, für Erdogan die Katastrophe, der er aber letztlich nichts entgegen zu setzen hätte. Es wird in der Region kein zweites Syrien geben. – Helmut Körlings


Leserbrief zu „Spürst du die Lust?“ von Peter Dausend

Dausends satirische Überlegungen zu möglichen CDU-Werbeslogans einer prominenten Werbeagentur werden getoppt durch real vorhandene Werbeplakate von satirischem Wert. Beim Anblick eines SPD-Werbeplakats mit dem Slogan „NRWir Schlaumeier:

Spitze bei Investitionen in Kinder, Bildung und Familie“ war mein 1. Gedanke: Die Begeisterung fürs Postfaktische ist nun auch bei den großen Parteien hoffähig. Fakt ist nämlich meiner Information nach, dass NRW sich hinsichtlich der Schülerleistungen auf den letzten Plätzen der Republik tummelt. – Aber WIKTIONARY verhalf mir zur Erleuchtung; als eine Bedeutung von ‚Schlaumeier‘ wird angegeben: „ein Mensch, der sich unbegründet für schlau hält oder als schlau ausgibt“. Handelt es sich also um irrtümliche Selbstentlarvung? – Erika Nakaten


Leserbrief zu “ Trump 2.0″ von Josef Joffe

Ihre Glosse Zeitgeist vom 11.4.2017 „Trump 2.0“ animiert mich zu meinem ersten Leserbrief. Ganz konkret geht es um Ihre Kategorisierung des Angriffs mit cruise missiles als „Gesellenstück.

Diese Bewertung halte ich in verschiedener Hinsicht für misslungen. Ganz an der Oberfläche ist es mehr als kühn, diese einmalige Entscheidung mit einem Produkt gleichzusetzen, das am Ende der Lehre zeigt, dass der Lehrling das Metier beherrscht. Beides vermag ich dem nicht zu entnehmen.

Eine Schicht tiefer stellt sich die Frage nach der politischen, militärischen und humanitären Qualität der Entscheidung für diesen Angriff. Politisch dürfte die Entscheidung signalisieren, dass das Regime Trump (wer immer dort das Sagen hat) sich dafür entschieden hat, den Herrschaftsanspruch als global erste Macht geltend zu machen. Dieser Schritt stellt weniger das Ergebnis strategischer Überlegungen dar, als die unvermeidliche Enthüllung der Ziele des Trump Regimes. Das trumpsche Wahlkampftheater hat seine Zwecke erfüllt und kann und muss nicht länger durchgehalten werden. Wenn ein Vergleich  mit dem Bereich der handwerklichen Ausbildung passt, dann kann man die trumpsche Wahlkampfinszenierung als ein gelungenes Meisterstück der Manipulation und Irreführung von Wählern bezeichnen. Was jetzt auch in anderen Handlungsfeldern teilweise als Kehrtwendung der Politik des Trumpregimes bewertet wird, stellt in Wahrheit nur das Ablegen der Maskerade des clownesken Populisten dar.

Die militärische Relevanz des Angriffs ist strategisch die Meldung, dass die USA auf diesem Spielfeld bereit sind zu handeln. Damit ist ein Spiel eröffnet, dessen Entwicklung unvorhersehbar ist. Weder besteht Klarheit über den nächsten Zug der Gegenseite (Russland) noch über das verfolgte Ziel. Spekulationen über eine Strategie dürften daher verfrüht sein. Dass der Lehrling sein Metier beherrscht, muss sich erst noch weisen. Klar ist, dass die militärische Führung das Heft in der Hand hat. Ob sie ihrerseits politisch geführt wird, vermag niemand zu sagen.

Humanitär gibt Trump nochmal einen halbherzigen Auftritt als Politclown, wenn er über die beautiful babies lamentiert. Gleichzeitig wird im Jemen unter tatkräftiger Unterstützung der us-amerikanischen Streitkräfte gekämpft und der Verlust von Menschenleben auch in der Zivilbevölkerung zumindest in Kauf genommen. Dabei wird es den Opfern nicht darauf ankommen, ob sie durch Giftgas oder konventionelle Kampfmittel umgebracht werden.

Aus dieser Perspektive stellt sich natürlich nicht die von Ihnen aufgeworfene Frage, ob Trump das Handwerk weiter ehrt und er gar eine Friedenskonferenz organisiert. Vielmehr stellt sich die Frage danach, welche Ziele die USA im nahen Osten letztlich verfolgen und welche Kraft sie haben, diese gegen Russland und den Iran durchzusetzen. Wir sollten uns dabei weder Verheißungen vorspiegeln noch durch Twitter-Aktionen ablenken lassen. Wir sind in der Realpolitik, in der das tatsächliche Handeln den Maßstab gibt. – Christian Armborst


Leserbrief zum Titelthema: „Schönheit“

Mein Name ist Suzanne ich bin 54 Jahre alt und lebe auf Ibiza, „die   Insel der Schönen und Reichen“. In den letzten 6 Wochen hatte ich   meinen 83 jährigen Vater zu Besuch, er hat Alzheimer und musste eine   zeitlang bei uns bleiben. Seine kurzzeitige Erinnerung geht maximal   15-20 Minuten zurück und natürlich weit in die Kindheit, Jugend und   seine abenteuerlichen See-Reisen.

Mein Vater zeigte mir in diesen 6 Wochen die wahre Schönheit, die   Schönheit der Momente, denn was anderes konnten wir gemeinsam machen,   als von Moment zu Moment zu leben?  Er stand morgens auf, wusch sich und machte sich zu Recht ( all das   kann er noch) er duftete frisch und sah gut aus, dann ging er auf die   Terrasse, in den Garten, fand ein kleines Schneckenhaus, setzte sich   auf die Stufen und betrachtete es von allen Seiten, schaute auf,   lächelte und sagte, sieh mal, das ist doch sagenhaft wie schön die   Natur dieses kleine Gebäude für ein schleimiges Lebewesen geschaffen   hat. Mir kamen die Tränen, ja, sagte ich, wunderbar.

Die Schönheit in den kleinen Dingen, eine zerrissene Wolke am Himmel,   die aussieht wie ein Engel, eine Möwe, die immer und immer wieder ihre   Kreise zieht, die Blüte des Hibiskus, wie zauberhaft, die Maserung im   ausgewaschen Holzstück am Strand.  Wo auch immer wir waren, gingen, saßen, er fand stets etwas Schönes,   und sei es nur der Stein, der wie ein Herz geformt war.  Schönheit und Alzheimer, er erkannte sie und zeigte sie mir, Danke! – Suzanne Frings


Leserbrief zu „Wissenschaft muss lernen zuzuhören“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

So zustimmungsfähig die Aussage ist: „Wissenschaft muss lernen zuzuhören.“, so sehr ist die Behauptung im Nachsatz zu bezweifeln: „Sprechen kann sie schon.“ Denn wenn sie „oft nur sich selber“ zuhört, muss sie anders sprechen lernen, damit auch andere ihr zuhören. Und dafür reicht es nicht festzustellen: „Plötzlich scheint es zwei Arten der Erkenntnis zu geben: Emotion und Rationalität – gleichberechtigt im Diskurs. Deshalb muss die Wissenschaft für Rationalität und kritisches Denken werben.“ Genau das aber kann sie nicht, wenn sie nicht ihre Sprache ändert.

Dies vermag sie nur, wenn sie die Voraussetzung dafür ändert: Sie muss prüfen, welche Art der Erkenntnis sowohl bei ihr selbst wie bei allen Menschen zugrundeliegt. Und da lehrt uns die Evolutionsforschung: Es gibt nur eine „Art der Erkenntnis“; sie ist aus unseren überwiegend unbewussten Emotionen hervorgegangen und hat über immer stärkere Bewusst- und Sprachwerdung zu unserer heutigen „Rationalität“ geführt, die allerdings diese Herkunft um so heftiger leugnet, je mehr sie sich von ihr bedroht fühlt. Nicht erst seit heute.

Von Anbeginn seiner „Menschwerdung“ hat der homo sapiens versucht, seine irdische Abkunft „geistig“ und „geistreich“  zu überhöhen, um sich seine Vormachtstellung in der Welt zu sichern.  Zum Beispiel durch Glaubensvorstellungen wie der Gottesebenbildlichkeit, die durch „alternative Fakten“ belegt, in heiligen Büchern schriftlich fixiert (auch die von Luther übersetzte Bibel ist voller fake-news) und  geglaubt werden – bis heute. Weil dies die „Erkenntnisbedürfnisse“ unserer Gefühle befriedigt, Antwort gibt auf unsere Angstfragen nach Sicherheit, nach dem Woher und Wohin. Wir sind also geübt im Umgang mit „alternativen Fakten“ und fake-news – nicht nur in „Glaubensfragen“. Wieso soll diese bewährte und beglaubigte Erkenntnisstrategie nun plötzlich nicht mehr gelten?

Schon beim Zuhören also müsste „die Wissenschaft“ lernen, verständnisvoll-empathisch zuzuhören, nicht besserwisserisch-überheblich. Umso mehr gilt dies für ihr Sprechen. – Eckhard Heumann


Leserbrief zu „Raketeneinsatz gegen Assad: Richtig trotz Trump? – Ein Pro und Kontra“

Die Autoren stellen nicht die Frage „Dürfen die denn das?“. Man beschränkt sich auf die Erörterung der Zweckmäßigkeit des Raketenangriffs der USA auf Syrien. Es ist auch in Ordnung, die Frage so zu stellen, denn den Krieg gegen Syrien führen die USA schon lange, indem sie gemeinsam mit ihren Verbündeten Saudi-Arabien, diversen Golfstaaten und der Türkei alle Gruppierungen unterstützen, die gegen die syrische Regierung kämpfen.

Richtig ist auch, dass die USA überall in der Welt bombardieren oder schießen, wo sie es für zweckmäßig halten, man nennt es dann „Strafaktionen“. Den Begriff kennen wir aus der Kolonialzeit, aus dem späten 19. Jahrhundert. Charakteristisch dafür war, dass die Bestraften keine Mittel hatten, um mit gleicher Münze zurückzuzahlen.

Gleiche Münze hat niemand auf der Welt, niemand hat 12 Flugzeugträger, um vor die Küste der USA zu fahren und „Strafaktionen“ durchzuführen.

Die Russen sind schuld. Das geht aus dem letzten Satz der juristischen Bewertung des Rechtsdoktors Bittner hervor.

Nur, Herr Bittner, einmarschiert sind die Russen in die Ostukraine nicht. Sie waren dort schon, als  die USA  noch eine britische Kolonie waren und die Westukraine zu Österreich gehörte. Und als es ihnen missfallen hat, dass die ukrainische Regierung von drei Ministern aus Amerika kontrolliert wurde, hat diese Regierung, die Herr Bittner für legitim hält, Kriegswaffen gegen das eigene Volk eingesetzt.

Herzlichen Dank für das schöne Ostermärchen. – Hartmut Winterfeldt


Leserbrief zu „Der Schnee von morgen“ von Petra Pinzler

Wen wundert es, dass die Reduzierung der Treibhausgase stagniert?

Nach dem völlig überstürzten Atomausstieg, einem populistischen Eigentor mit enormer Tragweite, hängt nun mal die Hauptlast der Energieversorgung an den „dreckigen“ Kohlekraftwerken. Oder glaubt man ernsthaft, dass deren Anteil von z.Z. 70% (fossile Energieträger und Rest- Kernkraft) von alternativen Energieformen wie Windkraft und Photovoltaik schnell ersetzt werden kann?

Leider sind die in diesem Artikel aufgeführten „einfachen Gegenmittel“ ein Beitrag aus dem Kapitel der Grünen Umweltschutz- Romantik und an naivem Wunschdenken kaum zu überbieten:

1) Elektroauto?? Die Gesamt- Ökobilanz der beliebten Grünen- Allzweckwaffe Elektroauto ist, von der Herstellung bis zur Entsorgung, grottenschlecht. Schlimmer noch: Diese Fahrzeuge sind es doch, die ihren Strom überwiegend aus den Kohlekraftwerken beziehen! Man verlagert also nur die Emissionsquellen.

Dass ein schlechtes Produkt auch mit Kaufprämien aus Steuermitteln schlecht bleibt, kann man übrigens an den mikroskopisch winzigen Zulassungszahlen ablesen.

2) Gaskraftwerke? Diese wurden zur Abdeckung von Bedarfsspitzen konzipiert, können also keine Riesenkohlekraftwerke wirtschaftlich ersetzen. Ganz nebenbei emittieren auch Gaskraftwerke Treibhausgase.

3)  Einführung einer CO2- Steuer? Wird sofort von den Energieerzeugern an die Endverbraucher weitergeleitet die mit berechtigter Wut im Bauch auch diese Sondersteuer bezahlen werden. Die angestrebte CO2- Reduzierung bleibt jedenfalls auf der Strecke.

4) Verringerung des LKW- Transportvolumens durch Erhöhung der LKW- Maut??  Geht’s noch? Auch hier werden die Spediteure ihre höheren Kosten an die industriellen Auftraggeber und diese wiederum an die Endkunden abwälzen. Und: Das gesamte Verkehrsaufkommen, also Bahn-, Flug-, Schiffs- und Straßenverkehr, ist nur zu 13% an den CO2- Emissionen beteiligt.

5) Abschaffung der Steuervergünstigung für Dieselkraftstoff? Da ist er wieder, der Erzfeind aller Umwelt- Bedenkenträger! Fakt: „Der Diesel“ verbraucht im Vergleich zu einem Benzinmotor gleicher Leistung ca. 30 – 40% weniger Kraftstoff, damit erzeugt er auch 30-40% weniger CO2. Wie man diesen Vorteil dann zusätzlich durch eine Verteuerung des Dieselkaftstoffs noch verbessern will, bleibt rätselhaft.

Fazit: Etwas mehr Kreativität zu diesem Thema und weniger Unsinn aus der Grünen- Mottenkiste würden „Der Zeit“ gut zu Gesicht stehen. – Michael Deil


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Ihre Gleichsetzung der alternativen Medizin mit den sogenannten „alternative facts“ veranlasst mich zu diesem Leserbrief.

Ich bin von Ihrer Zeitung differenzierte Artikel gewohnt, was auf diesen ganz und gar nicht zutrifft.

Selbstverständlich müssen wir nicht über Chemtrails, Vitamin-C-Spritzen gegen Krebs oder eine Impfung gegen Masern diskutieren. Ob jedoch Impfungen anderer Art mehr nutzen, als dass sie schaden, ist auch unter Wissenschaftlern umstritten.

Wenn monatelange Hüftschmerzen vom Orthopäden erfolglos mit Einlagen und Spritzen behandelt werden und dann eine Heilpraktikerin das Problem durch die Erkenntnis „Gelenk nicht richtig in der Pfanne“ und eine einfache manuelle Behandlung dauerhaft behebt ist die Devise „Wer heilt, hat recht“, ganz offensichtlich sehr angebracht. Dies ist ganz sicher kein Argument gegen das wissenschaftliche Weltbild, solange man anerkennt, dass Krankheit nicht gleich Krankheit ist und dass es überhaupt nicht um eine Entscheidung für das eine oder das andere geht, sondern dass beides sich ergänzen kann, bzw. in manchen Fällen das eine oder das andere mehr angeraten ist. Studiengänge der Medizin die dies (und darüber hinaus die starke Verbindung zwischen Körper und Psyche) in ihrem Lehrplan berücksichtigen, würden die Welt der medizinischen Behandlung in Deutschland in wenigen Jahren stark verbessern – und „Heilern“, die wirklich Scharlatane sind, die Geschäftsgrundlage entziehen.

Wer den Menschen den Glauben an die medizinische Wissenschaft nimmt, sind übrigens ganz sicher nicht die Wissenschaftler sondern viel eher die Pharmaindustrie. Denn wie Sie selbst schreiben: Wissenschaftliche Erkenntnisse und Forschungsergebnisse sind dem Normalbürger in ihrer Tiefe wenig bis gar nicht zugänglich. Auch hier ist übrigens zu differenzieren: Was schwarze Schafe in der Pharmabranche anrichten muss den Millionen Medikamenten gegenübergestellt werden, die jeden Tag Menschen zu einem längeren und besseren Leben verhelfen. – Anne Okolowitz


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Ich bin sehr froh, dass Sie über den Fall Mielesko berichten. Es darf nicht sein, das an einer Patientenakte manipuliert wird.

Man kann das nur aufdecken, wenn darüber berichtet wird. Ich hoffe in diesem Fall, dass das Gericht berücksichtigt, dass die Patientenakte manipuliert wurde, hoffentlich zu Gunsten der Hinterbliebenen.

Als Fachärztin für Anästhesie und Mutter eines Kindes habe auch ich erleben  müssen, dass die Patientenakte meines Kindes nach einer misslungenen Augenoperation manipuliert wurde, es gab zwei Versionen. Die von mir unterrichteten Strafverfolgungsbehörden ignorierten das Vorhandensein zweier Patientenakten, es wurde nicht weiter verfolgt. Ich selbst habe dann aufgegeben, da ich durch das Verfahren zermürbt wurde, außer einer Rechnung des Anwaltes von 2500 Euro musste ich das Scheitern des Verfahrens akzeptieren. – Anynomer Leser


Leserbrief zu „Schluss mit Lustig“ von Moritz Aisslinger

Als ehemalige HNO-ärztin bin ich über die geschilderten Fakten entsetzt: Eine Woche nach einer Mandelentfernung (TE) begibt sich der Patient in  das Einkaufsgetümmel bei IKEA!! Das darf doch wohl nicht wahr sein!!

Es ist üblich, dass jeder Patient, der nach TE entlassen wird, eine  schriftliche Anweisung über Verhalten und Ernährung mitbekommt: 1. ist  der Patient für 3 Wochen krank geschrieben und 2. soll er 1 Woche nach  TE zwar nicht das Bett, aber das Sofa hüten, weiche Kost essen und  keinen erkälteten Besuch empfangen.

Ein Einkauf bei IKEA ist ja wohl  der krasseste Gegensatz dazu!  Natürlich werden auch Patienten, die durch leichtsinniges Verhalten  krank werden, behandelt. Und ebenso natürlich wird erwartet, dass die  Ärzte, die den ganzen Tag schon gearbeitet haben, nun auch nachts bei  sehr seltenen und daher noch nicht miterlebten Komplikationen hellwach  und kompetent helfen.  Mir tut die Anästhesistin sehr leid.

Sie ist wahrscheinlich so  verunsichert, wenn nicht traumatisiert, dass sie wohl ihren Beruf  wechseln wird.  Facit: So viel Leid für Familie und Ärzte kann entstehen, wenn ein  Patient es nicht für nötig hält, den Anweisungen des Arztes zu folgen! – Dr. med. Almuth Zenker


Leserbrief zu „Wie Es Wirklich Ist… einem Baby den Schädel aufzusägen“ von Peter Vajkoczy

Dieser persönliche OP-Bericht von Peter Vajkoczy, Leiter der Klinik  für Neurochirurgie an der Berliner Charité, gehört nach meinem  Empfinden nicht in Ihre  Zeitung. Die Fachkompetenz dieses Arztes wird nach einem solchen OP-Erfolg  sicherlich besonders in medizinischen Kreisen  berechtigte hohe  Anerkennung erfahren und hätte in der Fachpresse veröffentlicht werden  können Für die  Eltern ist es aber aus meiner Sicht nicht o.k., das  schreckliche Schicksal ihres Kindes mit dem Satz   „Ich bin mir aber sicher: die Krankheit wird bleibende Schäden  hinterlassen.“ in „DIE ZEIT“ dokumentiert und veröffentlich zu sehen. – Sigrid Schulte


Leserbrief zu „Raus, raus, raus!“ von Manuel J. Hartung und Andreas Sentker

Beim Journalismus hat man gesehen, was passiert, wenn man qualitativ hochwertigen Journalismus durch Allerweltsleute-″Journalismus″ ersetzt: die Qualität sinkt im Schnitt wohl eher, als dass sie sich verbessert. Guter Journalismus bleibt zwar erhalten, aber der schlechte nimmt zu – und wird immer  schlechter,  siehe  Twitter,  Facebook  u. ä. Transparenz,  dass  Jede/-r  alles  sehen  und  lesen kann, hat auch nichts geholfen. Wissenschaftliche Daten zu veröffentlichen hilft nichts, wenn der Leser,  Benutzer  o. ″Hobby-Wissenschaftler″  nicht  gelernt  hat,  sie  richtig  zu  interpretieren.  Dazu studiert  man  –  diese  Wissenschaft,  die  man  beurteilen  will.

Und  selbst  dann  bleiben  z. T. große Spielräume, v. a. wenn man nur die Daten kennt, aber nicht deren exakte Entstehung. Das Hauptproblem  der  Glaubwürdigkeit  der  Wissenschaft  ist  auch  nicht  das  Zurückhalten der Daten. Die Glaubwürdigkeit leidet v. a. dann, wenn die Unabhängigkeit der Forscher nicht mehr gewährleistet  ist  –  siehe  die  Gefahren  der  Drittmittelförderung!  Sie  leidet  auch  dann,  wenn  das Erklimmen der Karriereleiter so dermaßen maßgeblich von der Anzahl der Publikationen abhängt. Es  wird  viel  zu  viel  publiziert,  was  die  Qualität  verschlechtert.

Folgende  Gründe  tragen  zur Publikationsschwemme  bei  (Auswahl):  i.) die  Kurzlebigkeit  von  Projekten  und  befristeten Wissenschaftlerstellen;  ii.) die  Zunahme  der  Drittmittelfinanzierung,  die  eine  Schwemme  an Projektanträgen  verursacht  hat;  iii.) das  tumbe  Zählen  von  Publikationen  u. a. Kennziffern  durch Verwaltungsfachleute  der  Forchungseinrichtungen  anstatt  einer  qualifizierten  inhaltlichen Beurteilung  durch  Wissenschaftler  derselben  Disziplin;  iv.) die  in  vielen  Fachzeitschriften erzwungene Begrenzung des Umfanges eines Artikels auf z. B. sechs Seiten, die zu Verkürzungen zwingt, die oft der Sache zuwiderlaufen, die es aber erlauben, die Anzahl der Aufsätze zu erhöhen; v.) der Ersatz einer klassischen Monographie als Grundlage einer Promotion durch meist zwei bis drei Artikel in Fachzeitschriften.

Dies  führt  zu  folgenden  Problemen  (Auswahl):  i.) das  ganze  Papier,  das  in  Form  von eingereichten  Aufsätzen  in  Fachzeitschriften  und  als  Projektanträge  geschrieben  wird,  muss  von Gutachtern gelesen werden, d. h. qualifizierten Wissenschaftlern, die schon genug Stress und Arbeit haben; ii.) diese Gutachter können gar nicht mehr alles so genau lesen und durchdenken, wie sie es wollten und müssten, um der Sache wirklich gerecht zu werden (ich habe hanebüchene Fehler in publizierten  Aufsätzen  anerkannter  Fachzeitschriften  gefunden,  und  ich  habe  hanebüchen  falsche Gutachter-Kritiken gelesen, die nur den Schluss der Überforderung der Gutachter zulassen); iii.)  es kommt  heute  nicht  mehr so darauf an,  als Wissenschaftler gelesen,  verstanden  o. gar  geglaubt  zu werden,  es  kommt  fast  nur  noch  darauf  an,  zu  veröffentlichen;  iv.)

Methodenbeschreibungen  in Artikeln  sind oft so verkürzt,  dass sie von anderen Wissenschaftlern  nicht nachvollzogen werden können,  was  dem  Grundprinzip  der  Reproduzierbarkeit  diametral  widerspricht;  v.) halbgare Erkenntnisse  werden  zu  früh  publiziert,  weil  das  z. B. nötige  dritte  Messjahr  aufgrund  der Projektlaufzeit nicht realisiert werden konnte, o. weil das, was sich als sachlich geboten herausstellt, im Finanzierungsrahmen nicht realisierbar ist; vi.) wird gar Falsches o. Unwertes publiziert, fällt es zu  oft  nicht  auf,  weil  es  oft  gar  nicht  erst  gelesen  wird  (ich  kenne  so  viele  gestandene Wissenschaftler,  die  zugeben,  allermeist  nur  noch  das  Abstract  zu  lesen),  o. weil  es  keine ausgereifte  Fehlerkultur  gibt,  die  die  Personen,  die  Falsches  o. Schlechtes  publiziert  haben,  zur Korrektur und zur Redlichkeit zwingen – die publik gewordenen Fälle sind wahrscheinlich nur die Spitze  des  Eisberges;  vii.) wissenschaftliche  Erkenntnisse  widersprechen  sich  z. T. allein  schon deshalb, weil z. T. falsche Methoden o. falsche Zahlen verwendet wurden; wird die eine Publikation über eine Sache bestmöglich erstellt, und die zweite Publikation über dieselbe Sache mit Fehlern, braucht  man  sich  über  Widersprüche  und  über  den  Verlust  der  Glaubwürdigkeit  keine  Sorgen machen;  dass  je  nach  Auftraggeber  bei  Drittmittelprojekten  auch  u. U. verschiedene  gelenkte Positionen  vertreten  werden,  hilft  auch  nicht;  viii.) aufgrund  der  Zeitnot  und  der  häufigen Unmöglichkeit, sich als Gutachter in das zu lesende Papier wirklich richtig hineinzudenken, wird i. d. R. das  positiv  beschieden,  was  schnell  und  fix  überflogen  ins  Schema  F  passt;  abweichende Meinungen, Ideen und Erkenntnisse bräuchten zu viel Zeit, um sie zu lesen und zu durchdenken, also werden sie meist negativ beschieden; dies hemmt den Erkenntnisfortschritt gewaltig, und trägt auch nicht zur Verbesserung des gesellschaftlichen Rufes der Wissenschaft bei.

In Erinnerung geblieben ist mir ein Satz eines Lehrstuhlinhabers von 1994: wo vor 1994 nur dann  aus  einer  Promotion  eine  oft  z. B. 20  Seiten  lange  Publikation  in  einer  Fachzeitschrift resultierte,  wenn  etwas  wirklich  Gutes  u./o. Wichtiges  herausgefunden  wurde,  wird  heute  jede Kleinigkeit  aus  einer  Promotion  mehrfach  verpackt,  mit  etwas  anderem  Schwerpunkt  und wechselnder  Autorenschaft,  oft  nur  der  Reihenfolge  der  Autoren,  und  mehrfach  publiziert.  So bekommt  man  mehr  Erbsen  zugebilligt,  und  kann  Karriere  machen.  Der  Beschleunigungszwang, Zeitnot,  Wettbewerb  um  Geld  und  Aufmerksamkeit,  Zwang  zur  Werbung,  das  Kreisen  um  sich selbst,  und  der  Zwang  zur  ″Produktion″  i. S. ″produktiver  Leistung″  gemäß  quasi- betriebswirtschaftlicher ″Qualitätskriterien″ schadet der Wissenschaft viel mehr, als das zu Recht zu kritisierende Geschäftsgebaren der Verlage der wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Der ″Output″ wird  gesteigert,  die  Glaubwürdigkeit  geht  flöten.

Dass  sich  dieses  Wissenschafts-System  nicht wirklich  verbessert,  ist  nicht  verwunderlich.  Mit  kosmetischen  Operationen  (″geht  in  die Öffentlichkeit″) und Ablenkungsmanövern (z. B. open access, open sciene) wird suggeriert, dass so die Qualität der Wissenschaft zu retten sei, weil damit davon abgelenkt werden kann, die wirklichen Probleme  zu  lösen.  Die  nötige  Arbeit  (-smenge)  für  eine  wirklich  erhöhte  Qualität  kann  bei  der Vielzahl von ″bedrucktem Papier″ gar nicht geleistet werden. Denn die wahren Probleme zu lösen würde viele Pfründe kosten, und von diesen Pfründen profitieren die maßgeblichen Akteure zu sehr. Der  einzige  maßgebliche  Akteur  in  diesem  System,  der  nicht  profitiert,  ist  der  Steuerzahler,  der zwar nicht beweisen kann, dass er schlechte Wissenschaft geliefert bekommt, der es aber spürt, ahnt und  befürchtet.

Das  Unbehagen  der  Bevölkerung  gegen  die  Wissenschaft  sollte  dazu  benutzt werden, eine echte Fehleranalyse zu machen, und dann das System zu reparieren, und nicht, um mit nebensächlichen  Rezepten  an  Begleit-Symptomen  herum  zu  doktern.  Bis  sich  die  Frage  der Zugänglichkeit von Publikationen,  Wissen und Daten stellt,  sind die möglichen  Fehler alle  schon passiert. – Dr. rer. nat. Jürgen Kühn