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8. Februar 2018 – Ausgabe 7

 

Leserbrief zu „Warum demonstrieren Griechen gegen ihren Nachbarn?“ von Ulrich Ladurner

Vielleicht könnte folgende Anregung helfen, diesen im Grunde doch recht albernen Namens-Streit beizulegen: in Anlehnung an die Bezeichnung für „Obstsalat“ -„macedonia“, beispielsweise in Italien und Spanien- könntesich doch eins der streitbefangenen Territorien in „Obstsalatien“ umbenennen. Entscheiden sollte das Los, selbstverständlich unter Aufsicht des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag. – Jürgen Wißner


Leserbrief zu „Die Endspiele“ von Cristof Siemes

Fairplay und Anti-Doping-Lack ist ab.  Geld und Gier gesiegt. Olympia geht den Bach runter .nomen est omen. Und das ist gut so! – Toni Parzefall


Leserbrief zu „Steilvorlage für Diktaturen“ von Andrea Böhm

Bevor man weitere Spekulationen anstellt sollte erst einmal der Frage nachgegangen werden, warum kein Journalistenteam an Bord des US- Schiffes durfte, um die Vernichtung der von Syrien abgelieferten Chemiewaffen zu dokumentieren. An diesem Punkt lassen sich viele Vermutungen anknüpfen. Wurden sie überhaupt vernichtet, oder könnte es sein, dass sie weiterhin jederzeit politisch passend eingesetzt werden können? – Waltraud Kohler


Leserbrief zu „Unsere Liebe, sein Lohn“ von Cathrin Gilbert

Die DFL und ihr Chef, Herr Seifert, ist der Vermarkter der Fußballrechte deutschland- und weltweit. Es wird dabei wird von den Vermarktern sehr gerne von den Gesetzen des Marktes gesprochen, denen es zu folgen gelte. Wer diesen Gesetzen nicht folgt wird dritt- gar viertklassig werden. Gut vernebelt. Jeder ökonomisch Gebildete weis, dass es „den Markt“ nicht gibt sondern nur polypolistische, oligopolistische und monopolistische Märkte. Wenn die DFL von Märkten spricht meint sie immer die beiden letzteren Marktformen, das soll aber keine merken, deshalb „Markt“. Wenn man nämlich die Marktform erkennt, erkennt man zwangsläufig auch die Machtverteilung auf den „Märkten“. Marktgesetzen folgend werden alle Marktobjekte als Güter angesehen. Wenn also Sportvereine, Sportler, Schauspieler, ein Kunstwerk, die Alpen oder sonst etwas „vermarktet“ werden, werden sie als Güter vermarktet, nach den gleichen Regeln wie Zahnbürsten vermarktet werden. In den Augen der Vermarkter ist also alles was sie vermarkten „Zahnbürste“. Setzt sich diese Wirklichkeitsbetrachtung durch, bleiben am Ende buchstäblich nur noch Zahnbürsten übrig. Daran arbeiten alle mit, die der uneingeschränkten, ausschließlichen und alternativlosen Marktlogik folgen. Setzt sich das gesamtgesellschaftlich durch, bleiben am Ende wirklich nur Zahnbürsten übrig. Das ist die harte Realität und der harte Konflikt. – Werner Gessnitzer


Leserbrief zu „Und wer weiß was?“ von Susan Djahangard

Der Artikel korreliert Ergebnisse der Umfrage zum Thema Wirtschaftswissen. Darauf möchte ich hier gar nicht weiter eingehen, auch wenn hier einen Menge Fragen entstehen.  Mir geht es um den letzten Absatz des Artikels. Dort wird die Nachfrage nach Wissen über Wirtschaft mit Schülerinnen und Schülern und mit Frauen in Zusammenhang gebracht. Dann kommt die Lösung: eine Facebook-Gruppe für Frauen (!) – verbunden mit dem allgemeinen Hinweis, dass Facebook Gruppen helfen können, soziale Unterschiede bei ökonomischen Wissen zu beseitigen. Dies unhinterfragt aufgeschrieben, danach werden dann noch Lehrer genannt. Auf der nächsten Seite dieser Ausgabe – Seite 27 – folgt eine ganzseitige Anzeige des Unternehmens Facebook. Nun habe auch ich verstanden, wie Wirtschaft funktioniert, selbst wenn ich nicht genau beziffern kann was eine ganzseitige Anzeige in der Zeit wohl kosten mag.  Wer Weiß Was? Witzig! – Dr. E. Parusel


Leserbrief zu „Kein Ende des Rudeldenkens“ von Fritz Habekuß

Zu dem folgenden Satz: Etwa in Italien. Dort lassen die Schäfer den Wolf in Ruhe, solange dieser die Schafherden in Ruhe lässt, sonst geht es ihm an den Kragen. Dazu folgendes: Nach meiner Kenntnis lassen die italienischen Schäfer ihre Herden vom Maremmen-Abruzzen-Schäferhund erfolgreich bewachen. Größe R 65 – 73 cm H 60 – 68 cm Gewicht ca. 52 kg. Offensichtlich ein gespektabler Wächter. Eine Alternative für schießwütige Deutsche ! – Claus-Hayo Hahn


Leserbrief zu „Ein Stundenplan für morgen“ von Lisa Kreuzmann

Und wieder so ein Zeitungsartikel …. „neue Fächer haben es in Deutschland schwer“….. „Ein Stundenplan für morgen“, gefüllt mit Alltagswissen, Glück und Ernährung! Unglaublich! Ich habe nichts gegen Fächer wie Arabisch und sicher auch nicht gegen Wirtschaft, auch programmieren kann mit in den EDV Unterricht einfließen. Und sicher, auch bildende Kunst, Medienkompetenz und das Thema „Steuern“ sollte seinen Platz zwischen Mathe, Biologie und Sport haben. Aber irgendwo muss man die Grenze ziehen zwischen Dingen, die in die Verantwortung der Eltern gehören und Dingen, die tatsächlich Aufgabe eines Bildungssystems sind. Interessanterweise wird parallel zu dem Geschrei, dass doch „mehr in den Schulen gelehrt werden soll!“ ebenso viel darüber geschimpft, wie überarbeitet die heutzutage Schüler sind. Das Unterrichtstage viel zu lang sind und viel zu früh anfangen. Meine Frage ist die: Was wird denn gekürzt, wenn nun auch noch das gelehrt werden soll, was Mama und Papa schon wissen und doch einfach mal an den Nachwuchs weitergeben könnten? Was ist nur los mit unserer Gesellschaft? Wieso bitte soll es Aufgabe der Lehrer sein, jungen Menschen zu erklären wie man einen Handyvertrag abschließt, wie man mehr „Freude am Leben hat“ und das man eine ausgewogene Ernährung zu sich nehmen sollte!? Ich kann das nicht verstehen! Wo sind denn die Eltern dieser jungen Leute? Für was sollen Lehrer denn noch alles verantwortlich sein? Und überhaupt: Wollen junge „Erwachsene“ gar keine Verantwortung mehr übernehmen? Auch sowas sollte von zu Hause her gelehrt werden. Wenn sie mit 18 nicht wissen, wie man einen Handyvertrag abschließt dann liegt das allein daran, dass sie wohl kein Interesse hatten, mal nachzufragen. Denn mir können diese jungen Menschen nicht ernsthaft erzählen, ihr Vater oder ihre Mutter würden sie wegschicken, wenn sie mal danach fragen würden, wie genau das nun funktioniert mit dem Handy! Stellt eurem Nachwuchs die Internetflat doch mal aus, liebe Eltern! Da kommt schneller Interesse auf als ihr denkt. Traurig ist es, wenn Eltern es nicht mehr vorleben, wie schön das Leben doch ist! Nein – sowas soll den Schülern nun ein Lehrer vermitteln. Der oder die Arme! Und ausgewogene Ernährung? Das sollte etwas sein, mit dem ein Kind von Tag 1 aufwächst. Und nichts, dass es mit 14 anfängt in der Schule zu „lernen“. Scheint als brauchen wir Abendkurse für Eltern, wo denen mal erklärt wird, was man seinem Nachwuchs besser mit auf dem Weg geben sollte. „Erziehung“ sollte zum Stichwort in unserer Gesellschaft werden! – Isabell Bollinger


Leserbrief zu „Der Tunnel“ von Ali Vahid Roodsari

wenn ich in meiner Lokalkzeitung lese, dass die DDR luftdicht abgeriegelt war, ärgere ich mich nicht mehr. Von einem Zeit-Artikel erwarte ich jedoch, dass der Verfasser auch sprachlich sorgfältig arbeitet. Herr Roodsari schreibt im ersten Abschnitt vom „hermetischen“, also luftdichten Grenzriegel! – Klaus Schanne


Leserbrief zu „Es reicht!“ von Özlem Topcu

Danke , dass sich die „ZEIT“ für Deniz Yücel ensetzt. Es ist aber mehr nötig: Jeder, der noch mit dieser Diktatur Handel treibt, jeder Investor, jeder Tourist, der in die Türkei fährt, muss wissen, dass er eine Diktatur. – Lutz Landorff


Leserbrief zu „Unpersonen“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Offenbar wurde die bedauerliche Entwicklung bereits Anfang der 1980er Jahre von wachen Kollegen voraugesehen. Im April oder Mai 2009 beglückte die „Zeit“ ihre Leser mit einer sehr gelungenen Sonderbeilage zum Thema Tagebuchschreiben. Leider ist mir diese abhandengekommen, deshalb aus dem Gedächtnis: Darin gab es eine Tagebuchnotiz eines begabten jungen Journalisten aus eben diesen frühen 80-ern, verfasst über seine Eindrücke auf einem Jubiläumsempfang des Zeitverlages. Er mußte nicht nur den Chef (ob Verlag oder Redaktion ist mir entfallen) mit seiner Ansprache ertragen („Hier spricht das Cockpit“) sondern danach auch noch eine Frau Hüllenschäufele aus der – wie ich meine zu erinnern- Personalabteilung, die sich verbreitete über die Notwendigkeit einer Erhöhung der Frauenquote bei „Tratschkes Wer war’s“.Die Quote hat inzwischen 100 Prozent weit überschritten und wir erleiden die Folgen in ungeahnter Heftigkeit. Und das wahrscheinlich noch lange? Und in unabsehbarer Schärfe? Die Redaktion sah sich übrigens genötigt, den irrtümlich und unbeabsichtigt leicht verfälschten Namen der gebürtigen Schwäbin am Schluß des Artikels entschuldigend zu korrigieren.Meine Empfehlung: Drucken Sie den Artikel mit den entsprechenden Tagebuchnotizen noch einmal ab, er hatte das Goldene Eselohr des Jahres 2009 verdient. – Gerlinde Schött-Pascual


Leserbrief zu „Raucher zu Dampfer“ von Ali Vahid Roodsari

ich bin doch etwas überrascht über die Qualität des o.g. Artikels. Im zweiten Absatz heißt es: “Electronic Nicotine Delivery Systems (ENDS) heißen die sehr unterschiedlichen Nikotin-Inhalatoren. Sie alle haben eines gemein: Es wird darin bei niedriger Hitze Tabak oder eine Flüssigkeit zum Aerosol verdampft.” Das System von Philip Morris Tabak verglimmt Tabak, das System von Japanese Tobacco extrahiert (modifizierten) Tabak mit Dampf, während in der „E-Zigarette“ eine Flüssigkeit verdampft wird. Eine Recherche zu dem Thema, dass die unterschiedlichen Alternativen zur klassischen Zigarette aufgrund der unterschiedlichen Verfahren wohl unterschiedlich in ihren gesundheitlichen Auswirkungen sind, wäre eine gute Sache gewesen. Leider ließt sich der weitere Artikel so, als ob der Autor mit vielen Abkürzungen, Geräten und Bezeichnungen von Chemikalien „Nebelschwaden“ erzeugen möchte, die bzgl. der Aufklärung der Frage, ob E-Zigaretten die gesündere Alternative sind eher abträglich sind. Das dies auch populärwissenschaftlich deutlich besser geht, zeigt die Stiftung Warentest, bei der die Themen Elektronische Zigarette und IQOS sehr professionell journalistisch im Sinne der Verbraucheraufklärung aufbereitet wurden. Ich würde mir wünschen, dass sich die Zeit bei solchen Fragen weniger an „Focus“ und „Bild“ und mehr an Qualitätsmedien orientiert. – Lollo Süben


Leserbrief zu „Riss durch die Mitte“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

Ein Riss durch die Mitte? Und in dem freiwerdenden Raum in der Mitte taucht ausgerechnet die AfD mit Gauland auf? Zwar am äußersten Ende der Achse „global – national“, aber eben nicht äußerst rechts? Warum fehlt die CSU? Sicherlich ist der Strukturierungsversuch mit dem Koordinatensystem „global – national“ und „links /Staat –  rechts / Markt“ nicht ganz ernst gemeint und soll unterhaltsam sein. Nur die Anregung zu einem Spiel, zum Mitmachen: Wo würdest du Merkel verorten? Oder soll auf der zwanghaften Suche nach etwas Neuen dieses Analyseexperiment eine Kulisse bauen, vor der die Groko einfach nur lustlos und alt aussieht? Woher kommt die Sehnsucht nach etwas Neuem, nach großen Antworten, nach Überschriften? Wenn wir nicht in der Lage sind, die großen Fragen exakt zu stellen, ist es ein Segen, von großen Antworten verschont zu bleiben. Mag sein, dass es angesichts einer sich entfesselnden Welt ein allgemeines Gefühl des Kontrollverlustes gibt. Vielleicht sogar ein Gefühl der Angst, von dem Sog des Zeitstroms unrettbar erfasst zu sein, ohne zu wissen, wo man am Ende rauskommt. Das Gefühl, die Mitte verloren zu haben. Mag sein, dass sich aus diesen Gefühlen Sehnsüchte speisen: z.B. nach einfachen Antworten, nach festen Zusagen, nach dem Versprechen, dass alles gut wird. Oder gut bleibt. Die Achse global  – national zu etablieren, hilft hier allerdings nur den Vereinfachern. Denn das Globale ist fundamental, das Nationale fiktional. Das Nationale ist ein eigener unermesslicher und sich ständig ändernder Kosmos, wo jeder mit einem eigenen Narrativ um die Ecke kommen kann. Allgemeingültige anschlussfähige Aussagen sind in diesem Kosmos nicht möglich. Punkte auf einer Achse „global – national“ sind nicht definierbar, nicht durch Gauland, nicht durch Spahn und auch nicht durch Habeck. Vorschlag: Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass der von verantwortungsbewussten Menschen verhandelte Koalitionsvertrag diese Mitte ist, eine Mitte ohne Riss. Recht nah dran an den Themen unserer Welt, in der wir leben. Nicht weit entfernt von dem Punkt, den auch das Jamaika-Projekt getroffen hätte. Keine Revolution. Keine revisionistische Utopie. Keine großen Antworten auf große Fragen. Eine ausverhandelte Mitte, die es verdient, Grundlage für eine Regierung zu werden. – Reinhard Koine


Leserbrief zu „Steilvorlage für Diktaturen“ von Andrea Böhm

Die Autorin klagt mal wieder die Welt an, hier Russland und Syrien. Der grausamen Welt sind wir ausgeliefert. Die westliche Politik unterstützt diesen Zustand, Der Philosoph Kurt Lenk sprach von Verschleierungs- und Ablenkungsideologien. Feindbilder müssen her, um den Krieg aufrechtzuerhalten. Infam und Widerwärtig – werden Sie sagen. Recht haben Sie. Trotzdem ist es die Wirklichkeit. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Macht und Scham“ von Peter Kümmel

Da ist sie wieder, die Frage warum sich die Betroffenen nicht früher zu Wort gemeldet haben. Ich hatte gedacht gehabt, dieses Thema sei zur Genüge besprochen worden. Warum sind diese SchauspielerInnen „gestanden“? Und was sind und wo kommen „ungestandene“ vor? Hätten die das Recht gehabt mit der Kritik zu warten? Wie ist das mit den Technikern, Inspizienten oder Garderobieren, die diesen Brief unterschrieben haben – sind die auch gestanden und hätten sich immer gleich beschweren sollen – bei einem ziemlich mächtigen und offensichtlich auch bedrohlichen Chef? Und dann nimmt Herr Kümmel noch die Versuche von Herrn Hartmann, die Kritik in die Nähe einer Intrige zu bringen, auf und deutet damit eine Art Opfer-Täter-Umkehr an. Ich finde es auch nicht erträglicher den Betroffenen zu unterstellen, es ginge vielleicht gar nicht nur um die benannten Probleme, sondern sie benützten den offenen Brief möglicherweise nur um den kommenden Chef zu warnen. Ich hätte einen Artikel zu diesem Thema mit solchen Überlegungen oder, schärfer formuliert, in den Raum gestellten Unterstellungen in der heutigen Zeit in der Zeit nicht erwartet. – Dr. Oskar Luger


Leserbrief zum Titelthema „Republik am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

Sehr geehrte Analytiker unseres Parteiensystems-„links und rechts von einer nebligen Mitte/Achse“ völlig durcheinandergebracht. Ihre heutige aufgestellte Behauptung-„es gibt nicht mehr nur links gegen rechts-es geht um gobal versus national “ ist lediglich ein Bruchteil der politischen Wirklichkeiten. Und damit völlig unzureichend. Ihr Deutung -Schema für die „Staatskrise“ ist nicht mehr zeitgemäß.: Ihre gemeinschaftliche Recherche stellt für mich eine permanente Selbstverleugnung der komplexen Zusammenhänge eines anderen Koordinaten-Systems unserer Polit-Macht-Strukturen nach meinem Verständnis dar. Durch Polarisierungs-Rhetorik wird damit erst die Selbstzerstörung unserer „Medien-Republik“  herbeigeführt. Mit unserem derzeitigen Parteinspektrum hat eine Konfliklösungs -Problematik gar nichts zu tun. Denn unsere politischen Parteien sind, jede für sich, ausschließlich von Werte/Interessens-Orientierungen geformt und geprägt. Im Mittelpunkt /Zentrum aller Politik-Bemühungen steht das freigewählte Parlament auf der Grundlage des Grundgesetzes und der Rechts-Staatlichkeit. Das ist die Mitte nach der sich alle auszurichten haben, wenn sie unser Staatsgebilde regieren oder kontrollieren wollen. Ihre polit-Medien- Metaphern -Links-Rechts-Global-National als Koordinaten haben längst ihren politischen Deutungs-Wert verloren und sind zu Kampf- und Reiz-Begriffen mediengerecht instrumentalisiert worden.(Zur Anhebung des Aufmerksamkeits-Niveaus.)Das führt uns die mediale und politische Wirklichkeit täglich vor Augen.(siehe GROKO-Verhandlungen.) Heute zeigen mir Ihre Titel-Thema Text -Beiträge sehr deutlich, welchen verbalen, sprachlich-rhetorischen Zusammenbruch /Chaos wir bereits haben und miterleben dürfen. Ursache: Weil das angewandte Denk/Sprach-System aus der Zeit gefallen ist. Denn unsere Vorstellungskraft und Sprachvermögen teilt sich bereits anders auf:in RAUM-ZEIT-ZEITGEIST-WERT/Interessens-Orientierung im Koordinaten–System-Mit der Untergliederung -Staatsmacht regional-Marktmacht global/digital sowie konservative-liberal-sozial -demokratische Orientierung  und radikaler, populistischer, kapitalistischer /ökologischer Programm-Auslegung.(In Mischformen in den Partein vertreten. Vor diesem Hintergrund frage ich die beiden Autoren, wer hat hier bereits
einen Nervenzusammenbruch erlitten? – Lothar Hantel


Leserbrief zum Titelthema „Republik am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

weder links noch rechts ist die Lösung wenn man zukunftsweisend agieren will. Westeuropa ist umgeben von Armut – Asien will ich mal ausnehmen. Die Menschen im Orient sind die größte Gefahr, weil Sie in ihrem Leben keine Modernisierung erfahren haben. Das hat zu der heutigen Lage geführt. Jetzt werden Sie die westlichen Länder stark für ihre Versäumnisse wirtschaftlich und kulturell in Anspruch nehmen und es wird auch zum großen Teil erfüllt. Wie blöd muss man sein, das zu unterstützen und noch zu fördern. Diese Humanitätsduseleien werden wir besonders in Deutschland noch bitter bereuen. Das haben zwischenzeitlich alle Menschen in den arabischen und afrikanischen Staaten verinnerlicht. Verrecken lassen will keiner, also wird Westeuropa und die angelsächsischen Länder wohl oder übel die Versorgung dieser Menschen übernehmen. So entsteht dann ein Bürgerkrieg. Die Politik interessiert das alles nicht. Die denken nur in Wahlperioden. Es bleibt nur der gemeine Mensch übrig dagegen aufzustehen. Das ist für mich so klar wie das Amen in der Kirche. Die Historiker werden dann der Nachwelt erzählen müssen, dass es eine Periode in Deutschland gab, wo zwar alle fleißig gearbeitet haben aber politisch völlig unreif waren. Das hat dann letztendlich zur Revolution geführt. Die Bekanntgabe der Sitzverteilung zeigt mir noch viel schlimmeres. Jetzt sind die Deutschen völlig durchgedreht. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Wer ist eigentlich…“ von Sonja Hartwig

das ist aber mal was. Beste Arbeit: Journalismus von der Straße. Da wo das Leben wirklich tobt. Und dabei doch so behutsam und nachdenklich. Und sogar, durch das so gut beobachtete Verhalten der Protagonistin, sich selbst reflektierend. Und damit zugleich auch noch den Leser. Wunderbar beschriebene Symbiose. Ich bin begeistert und gratuliere. Bitte weiter so und mehr davon…Persönliche Anmerkung: Bisher habe ich meine Friseurin immer danach ausgesucht welche mich am wenigsten bei der für mich so profanen Tätigkeit des Haareschneidens zu labert. Korrigiere hiermit diese Gewohnheit. Das Abenteuer des Lebens ist aller Orten. – Theo Paul Pitzer


Leserbrief zum Titelthema „Republik am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

Angenommen, Martin Schulz wird wirklich Außenminister der nächsten deutschen Regierung, stellt sich mir die Fragen, wie soll jemand glaubhaft deutsche Interessen vertreten, der so ziemlich jedes zentrale Versprechen im Umfeld der Bundestagswahl gebrochen hat? Jemand, der sagt, nach 153 Jahren seie es Zeit für eine Frau als Vorsitzende der SPD, während es bei Herr Schulz´ letzter Wahl zum Vorsitzenden nach gut 152 Jahren offenbar noch nicht an der Zeit war? Nie war Sigmar Gabriel so gut wie als Außenminister, nie war Martin Schulz so schwach wie jetzt. Wenn Martin Schulz einen Job sucht, soll er es als Hofnarr von Würselen versuchen. – Christopher Hagen


Leserbrief zur Kolumne „Geschichtszenzur“ von Josef Joffe

Sehe ich ebenso: Geschichte oder Wahrheit brauchen, ja, sie vertragen keine Legitimation oder Verordnung. Gleichwohl ist die Lufthoheit über die Vergangenheit allgegenwärtiges Bildungsziel. Und auch dort herrscht traurige Reduktion, ganz ohne Zensur. Wenn man aus aktuellem Anlass einen rassistischen Hype für die Zwischenkriegsjahre nicht nur in Deutschland, sondern auch anderswo in Europa ausmacht, dann bleibt ein für die jungen Nazis ganz wesentliches Vorbild ausgeklammert. Der transatlantische Sehnsuchtspartner USA hatte ihnen noch ein wenig mehr zu bieten als die kontinentalen Nachbarn: Ein mit wissenschaftlichem Eifer betriebenes Euthanasie-Programm, die „Jim-Crow“-Rassegesetze der Südstaaten als Simile eigener Regelungen und etwa auch noch eine robuste Landnahme im Westen und Süden Nordamerikas. Und es gab angehimmelte Idole wie Charles Lindbergh, noch mehr allerdings Henry Ford: Dessen antisemitische Schmähschriften verschlangen und verwerteten die jungen Nazis, seinen autokratisch-technokratischen Erfolg bewunderten sie; im Gegenzug ließen sich Lindbergh und Ford noch 1938 mit dem exquisiten deutschen Adler-Orden adeln. Apropos Lufthoheit: Wer heute durch das National Air and Space Museum gleich neben dem Washingtoner Capitol wandert, der kann mit leichtem Magendrücken das nachhaltige technokratische Band erkennen – neben der Bodengruppe einer Saturn Vb reckt sich eine A4-Rakete (eigentlich V2, hier dezent zurücklackiert), im Nachbarraum führt eine Messerschmidt 262 die Evolution der US-Jets an, daneben prangt mit leuchtend schwarz-roten Hakenkreuzen das Hindenburg-Luftschiff und über den Wright-Brüdern legt sich Lilienthal im Hängegleiter in die Kurve. – Dr. jur. Karl Ulrich Voss


Leserbrief zu „Und wer weiß was?“ von Susan Djahangard

Die große Zeit Wirtschaftsumfrage und deren Auswertung habe ich mit großem Interesse beantwortet und gelesen. Dem Artikel zur Auswertung der Ergebnisse möchte ich gern einen weiteren Umstand beifügen. Bei der Suche nach den Gründen für das schlechtere Abschneiden von Frauen beim wirtschaftlichen Faktenwissen werden von der Autorin eine Reihe Gründe genannt. Ein weiterer könnte sein, dass es Frauen nicht etwa an Interesse sondern eher an Zeit mangelt. Weithin bekannt ist, dass auch berufstätige Frauen immer noch wesentlich mehr Zeit in Haushalt und Kinder investieren. Kurzfristig wichtiger ist dann sicher, wann der nächste Kinderarzttermin stattfindet und nicht der punktgenaue Jahresendstand des DAX. Das Frauen über ökonomische Grundlagen genauso gut wie Männer Bescheid wissen, unterstützt die Annahme. – Franziska Teichmann


Leserbrief zu „Schleier des Nichtwissens“ von Jochen Bittner

vielen Dank für den Artikel „Schleier des Nichtwissens“ 07/2018. Ich stimme Ihnen in allem vollkommen zu und hoffe, dass Sie an diesem wichtigen Thema dranbleiben. Es geht gar nicht, dass das Kopfttuchtragen nun im öffentlichen Dienst akzeptabel werden soll – Staat und Religion sollten viel deutlicher, z.B. nach dem französischen Modell des Laizismus, strikt getrennt werden. Alles andere ist falsch verstandene Toleranz und dient nicht als Vorbild für Heranwachsende in unser immer heterogeneren Gesellschaft! Ich sage dies nicht aus einer rechten Gesinnung heraus, sondern vielmehr aus einer „humanistisch-feministischen“ (wobei letzteres Wort in Deutschland ja leider mittlerweile so einen negativen Beiklang hat) und als angehende Lehrerin. Es extrem wichtig, daran zu erinnern bzw. darüber aufzuklären, dass das Kopftuch in vielen Ländern der Welt nur die Spitze eines Eisbergs patriarchalischer Unterdrückung und Gewalt ist! Wer daran noch zweifelt, sollte sich folgendes Video ansehen: Frauen im Islam – Vortrag von Laila Mirzo https://www.youtube.com/watch?v=yh_yA2-5Qjk Leider ist die Unterdrückung von Frauen in vielen Ländern bereits so sehr in gesellschaftlichen Konventionen verankert und in den Köpfen infiltriert, dass die Frauen selbst glauben, sie hätten eine solche Behandlung „verdient“. Wir sollten nicht vergesssen, dass auch bei uns erst vor wenigen Jahrzehnten die Frauenrechte hart erkämpft worden sind… – Ein/e ZEIT Leser/In


Leserbrief zur Kolumne „Über Vorwürfe und Unpersonen“ von Harald Martenstein

Sehr gerne lese ich Ihre Kolummne im Zeit Magazin. Finde das ein oder andere kontrovers aber immer unterhaltsam oder bedenkenswert. Bei Ihrer Aussage über Woody Allen frage ich mich jedoch, inwieweit Sie bei dem Thema Missbrauchsvorwürfe  Befangenheit zeigen…auch Ihr Szenario mit umgeschnittenen Filmen, Denunziationen und Sowjetunionvergleiche …herrje, ja es ist unangenehm was da ans Licht kommt. Und erstmal krachts und  riecht schlecht, wie  immer wenn ein Kompostdeckel hochgeht. Eventuell fliegt die Sch….  weit herum….Aber… ein Mann der seine minderjährige Adoptivtocher nackt fotografiert, eine sexuelle Beziehung  mit ihr hat und erst als seine Ehefrau Mia Farrow dahinterkommt, weil sie die pornografischen Fotos findet ….dann erst seine ach sooo große Liebe verkündet und das arme Ding heiratet…und damit der Justiz und Allen von der Schippe springt…das ist doch erwiesenermassen ein Kindsmissbraucher! Dass seiner Tochter Dylan nicht geglaubt wird…dass die Tochter von Klaus Kinski es erst mit 50 Jahren schaffte, ihre Missbrauchsgeschichte aufzuarbeiten, daß Männer wie Polanski sich durch Ortswechsel der Justiz entziehen, daß der Präsident der USA offen über sexuelle Antatschereien lachen kann… das sind doch alles unfassbare Geschichten, die man eigentlich nicht glauben mag. Ich arbeite seit vielen Jahren im Sozialbereich ua auch mit Frauengruppen; lieber Herr Martenstein, Sie machen sich keine Vorstellung davon, was passiert und was gedeckelt wird, wie man den Kindern nicht glaubt ( übrigens sind auch viele Jungs dabei, aber die sprechen noch weniger darüber!) und vor Allem wie die Opfer sich winden, es überhaupt zu erinnern…zu erzählen im vertrauten kleinen Kreis und NIEMALS  öffentlich oder der Polizei oä….oft nicht mal dem Partner. Deswegen mag jetzt dieses Großreinemachen übertrieben wirken…aber glauben Sie mir, ich kann Ihnen Geschichten erzählen die viel gruseliger sind, sich heute und hier abspielen und nicht Personen betreffen, die im Rampenlicht stehen und ein tolles, glitzerndes Leben führen… und immer noch nicht öffentlich oder gar geahndet werden. Für die Beteiligten oft auch besser so. Im Regelfall verarbeiten die Opfer ihren Missbrauch schuldhaft. Im Regelfall glaubt man ihnen nicht, selbst wenn darüber gesprochen wird. Die meisten Täter ( übrigens sind auch Frauen unter ihnen…) nehmen ihre Schuld nicht einmal wahr!!! Und…mit Verlaub, der Klaps auf den Po ist oft der Anfang! Sie, Herr Martenstein vertreten offensichtlich die Meinung : im Zweifelsfalle für die Angeklagten. Ich würde mich freuen, wenn Sie nocheinmal recherchieren und zu einer menschenfreundlicheren Haltung kommen könnten: im Zweifelsfalle für die Opfer! – Sabine Hetz


Leserbrief Leserbrief zu „Riss durch die Mitte“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

Man kann nicht herumreden, unsere Politiker haben die Bodenhaftung verloren. Die Bedürfnisse und Wünsche der Bevölkerung sind Ihnen egal, gleich ob es sich um die Flüchtlingspolitikoder die Steuerpolitik geht. Die SPD als 17%-Splitterpartei erdreistet sich die wichtigsten Kabinettsposten den Koalitonspartnern abzupressen damit eine einzelne Dame Kanzlerin bleiben kann. Dazu passt ein Zitat von Heinrich Böll (vom 3.10.1966) : „Dort wo der Staat gewesen seinkönnte oder sollte, erblicke ichnur einige verfaulende Reste von Macht,und diese offenbar kostbaren Rudimente von Fäulnis werden mit rattenhafter Wut verteidigt. Schweigen wir also vom Staat wenn er sich wieder blicken lässt. In diesem Augenblick von ihm zu sprechen, wäre Leichenfledderei oder Nekrophilie“. Die Wut auf unsere Politiker ist unbeschreiblich, die Quittung wird bei den nächsten Wahlen kommen (vielleicht schon bald). – Volker Altenähr


Leserbrief zu „Schleier des Nichtwissens“ von Jochen Bittner

Ihr Autor könnte seine Kritik auch auf die ganze Politik ummünzen. Die scheinen auch nicht zu wissen, wie es den Bürgern wirklich geht. Wenn es den Politikern und auch Feministinnen nicht in den Kram passt, dann schweigen Sie oder geben lapidare Antworten. Ihr Demokratieverständnis treibt besondere Blüten. Nach dem Motto: Demokratie ist nur dann Demokratie wenn es uns passt. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Steilvorlage für Diktaturen“ von Andrea Böhm

Steilvorlage für die Waffenindustrie! Der Kommentar von Frau Andrea Böhm hat mir die Ambivalenz unserer rechtlichen und humanen Verfassungen und unser Verhalten im Westen, nachhaltig aufgezeigt. Es wird gejammert und informiert, dass die hochgelobten Menschenrechte wertlos sind, wenn die Waffen das Sagen haben. Es ist doch jedem klar, der die Aufstände, Bürgerkriege und die Machtgier mitverfolgt, um die Machtverhältnisse zu verschieben, das Einfachste ist, die Waffen sprechen zu lassen. Diese werden vorwiegend von anscheinend zivilisierten Ländern, in die Hände von Diktatoren und Aufständischen exportiert. Was nützt es zu jammern und aufzuzeigen wie viele Opfer die Zivilbevölkerung zu tragen hat? Konsequent wäre es die Waffenproduktion und den Waffenhandel zu verbieten und mit hohen Strafen zu belegen. Ich weiß, dass das ein Wunschtraum ist. Das Jammern und Aufzeigen unter dem Motto: „ Steilvorlagen für Diktaturen“ ist genauso umsonst. – Paul Ammann


 Leserbrief zum Titelthema „Republik am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von Robert Pausch und Bernd Ulrich

Wer hätte das gedacht, dass eine Volkspartei von einigen Wenigen derart zu Grunde gerichtet werden kann. Offensichtlich denken die SPD Funktionäre allein in der binären politischen Kategorie Freund / Feind von Carl Schmitt und das insbesondere in den eigenen Reihen. Freilich, die Zeiten sind vorbei, in denen die sozialdemokratischen Narrative politisch wirken. In Zeiten eines erfolgreichen, gleichwohl sich selbst zerstörenden Kapitalismus gleichen sozialdemokratische Ideen der Gerechtigkeit und Gleichheit, die wir gesellschaftlich so bitter nötig haben, nostalgischem Anachronismus weniger Arbeiter und Gewerkschaftler. Obwohl die Zeiten – politisch gesehen – kaum besser sein können, weil es selbst jenen, die sich zu den Gewinnern und der Elite dieses Landes zählen, langsam aber gewiss dämmert, dass ohne diese sozialdemokratischen Ideen das außerökonomische Fundament erfolgreicher Ökonomie weiter wegzubrechen scheint und zwar zu einer Vision der gesellschaftlichen Spaltung und Instabilität. Diesen Zeitgeist wider konservativer Politik aufzunehmen und die Potenziale sozialdemokratischer Politik als sozialdemokratische Partei zu schärfen und den Bürgern verständlich zu machen sollte doch das vordringliche Ziel der Sozialdemokratie sein. Das aber müsste nach Jahren der politischen Nivellierung durch die Große Koalition, die doch immer nur die Ausnahme und nicht die Regel sein sollte, durch eine programmatische Runderneuerung der SPD mit neuen Programmen und Köpfen erfolgen. Warum sollte einer Neuauflage der Großen Koalition diese Runderneuerung ermöglichen, wenn wir doch gesehen haben, dass es in den ersten beiden Auflagen der Großen Koalition auch nicht funktionierte, obwohl der Bedarf auch da bereits gesehen wurde. Mit großen Respekt nehme ich einen Kevin Kühnert wahr, der mit argumentativen Trommelfeuer seiner Partei genau diesen Spiegel vorhält – Glück auf! Denn Kühnert hat Recht, die Ergebnisse tragen zwar eine sozialdemokratische Handschrift, aber es kann und darf nicht darüber hinweggetäuscht werden, dass die großen sozialdemokratischen Kernthemen entweder fallengelassen oder aber vertagt wurden. Am Ende diesen Koalitionsvertrag als ein tolles Ergebnis zu präsentieren, können freilich nur Berufspolitiker, die aus einer falschverstandenen staatspolitischen Verantwortung die Ressortverteilung als den wesentlichen Schritt sozialdemokratischer Politik – freilich nur am Rande – verstanden wissen wollen. Die Reaktionen von Martin Schulz legen dafür breites Zeugnis ab. Wenn die deutsche Sozialdemokratie selbstbewusst wäre, würde sie den Koalitionsvertrag ablehnen und alle jene, die dafür werben, in die Wüste oder aber zur CDU schicken, um eine moderate Sozialdemokratisierung konservativer Politik nahezu unbemerkt weiterzutreiben. Die SPD steht vor einem Scheideweg: entweder diskutiert die Parteiführung mit der Partei und winkt schlussendlich den Koalitionsvertrag durch oder aber die Partei diskutiert mit der Parteiführung – um es im Sprech von Nahles zu sagen – bis es „quietscht“, geben den Verhandlern „auf die Fresse“ und finden dabei auf den sozialdemokratischen Weg zurück, der einen neuen gesellschaftspolitischen Entwurf enthält, in dem Gerechtigkeit und Gleichheit keine beliebigen Worthülsen sind. Staatspolitische Verantwortung wird in der zweiten Option – gewissermaßen als demokratischer Selbstheilungsprozess – buchstäblich faktisch, weil sie ja nicht nur eine programmatische Erneuerung der Sozialdemokratie einfordert, sondern auch dadurch der CDU/CSU einen ähnlichen programmatischen Diskurs einschreibt. Mit Merkel ist das gewiss nicht zu machen, aber vielleicht steht sie schon in jener Wüste, ohne es zu wissen…kritische Kommentare in der CDU/CSU werden ja gerne abmoderiert, da ja dort alles, was zählt, die Idee des Kanzlerwahlvereins ist. Und übrigens bitte keine neuen Opferzuschreibungen a la wenn wir das nicht machen, dann gäbe es Neuwahlen. Wenn ich es recht überblicke, dann hat die CDU/CSU mit Merkel den Auftrag zur Regierungsbildung und wer sagt eigentlich, dass eine Minderheitsregierung nicht funktionieren kann? Ist eine Minderheitsregierung unter Berücksichtigung aller gelaufenen Sondierungsgespräche tatsächlich so viel schlechter als eine GroKo, die nach zwei Jahren möglicherweise aufgelöst wird? Ein Kanzlerwahlverein sollte das genau abwegen und neue Wege suchen. Die Sozialdemokratie hingegen steht wie wahrscheinlich nie zuvor am Scheideweg: das Ende oder der Neuanfang? Ich denke, es gibt mehr Gründe für die Option des Neuanfangs, der allerdings geht meines Erachtens nicht über eine Regierungsbeteiligung. Da diese nunmehr so gewollt wird, müssen wir uns darauf einrichten, die Sozialdemokratie in Deutschland als Vergangenheit zu sehen. Schade, aber es gibt einen Lichtblick: die neue Sozialdemokratie in Deutschland hat eine Chance in dem linken Liberalismus, für den programmatisch die beiden neuen Vorsitzenden der Grünen stehen. In jedem Ende steht ein Neuanfang; wir müssen die Hoffnung also nicht aufgeben. – Dr. Marc C. Hübscher 


Leserbrief zu „Riss durch die Mitte“ von Robert Pausch, Bernd Ulrich

Eine Schneise durch die Mitte: Seitdem sich vor 40 Jahren die Grünen in der Bundesrepublik  etabliert haben, gehen dem deutschen Parteiensystem zunehmend Stabilität und Übersichtlichkeit verloren. Seine Zerfaserung hat nach den jüngsten Wahlen zu einer bislang unvorstellbar schwierigen Regierungsbildung geführt.  Zu befürchten ist, dass das Ende der Zersplitterung noch nicht erreicht ist. Doch reicht „Riss durch die Mitte“ aus, um diesem Vorgang zu beschreiben?  Wohl nicht – der Riss ist eine breite Schneise! Unter den vielen Begriffen, mit denen Pausch-Ulrich unsere Republik charakterisieren, fehlt einer: „christlich“. Dieses Wort taucht nicht ein einziges Mal auf. Und kaum jemandem wird das auffallen! Obwohl jetzt eine breite Lücke klafft. Ein zentrales Element, das unseren Staat ethisch begründet, ist herausgerissen worden. Und zwar von den Parteien, die sich mit ihrem Namen zu ihm bekennen,  CDU-CSU. Die beiden Schwestern hatten in der Flüchtlingskrise seit 2013 die einmalige Chance, den christlich-menschenrechtlichen Werten einen Resonanzraum zu verschaffen. Als Papst Franziskus in Lampedusa das Abendland für den Tod tausender Flüchtlinge verantwortlich machte, reagierte – nicht nur – Deutschland erschüttert. Man hatte etwas wieder gut zu machen. Diese Einsicht dürfte Angela Merkel zwei Jahre später bewogen haben, die Flüchtlinge in Ungarn vor dem Elend und dem Hungertod zu retten. Und mit ihrem „Wir schaffen es“  motivierte sie Hunderttausende Deutsche, sich der Schutzbedürftigen anzunehmen. Viele sind bis heute dieser Aufgabe treu geblieben. Doch ab November 2015 geriet die Kanzlerin zunehmend unter das Feuer Horst Seehofers und der CSU. Sich um christliche Werte nicht scherend, machten sich die Bayern zum Sprachrohr der alles Fremde ablehnenden Ich-Bezogenheit. Das höchste Gut  – die Menschenwürde – wurde gegen ein  Wildbret –  vergeblich erhoffte Wählerstimmen – verscherbelt. Und die Kanzlerin wich Schritt um Schritt zurück. Den Grundgesetz-Auftrag, die Menschenwürde zu verteidigen, haben in der Folge auch Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt und Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz missachtet. Für ihre aus der Angst geborenen Pläne B und A 2 wurden sie genauso bestraft wie ihre mutlose Parteichefin im September 2017. Wie geht es weiter? Die SPD hatte vor, sich in der Opposition zu  regenerieren. Von diesem Egoismus holte sie der Bundespräsident herunter. Nun, da eine neue Regierung vereinbart ist, könnte die Chance,  den Staat zu führen, nutzen, um sich auf ihre christlichen Grundlagen zu besinnen. Viel wächst in der breiten Schneise aufgegebener Moral leider nicht mehr. Denn auch die Ehe hat Angela Merkel zur Disposition gestellt. Aber ein Antragsberechtigter, etwa die Bayerische Landesregierung, könnte in Karlsruhe mit einer abstrakten Normenkontrolle gegen ihre Entwertung klagen. – Helmut Mehrer


Leserbrief zu „Übernehmen Sie Verantwortung!“ von Giovanni di Lorenzo im ZEIT Campus

Der Artikel „Übernehmen Sie Verantwortung“ hat mir sehr gut gefallen. (natürlich neben vielen anderen Artikeln aus der ZEIT Nr. 7) „Was die ZEIT für mich so wertvoll macht, sind die Menschen die sie erschaffen. Menschen, die auch immer wieder den Mut haben, aus der „Schwarmintelligenz“ auszuscheren. Die dem „Schubladendenken“ (siehe hierzu auch S. 57) die Stirn bieten. Die den schrecklichen Vereinfachern dieser Welt mehr zumuten, als ihnen oftmals lieb sein mag.“ Dank an das ganze Redaktionsteam der Zeit. – Walter Degroot


Leserbrief zu „Macht und Scham“ von Peter Kümmel

vielen Dank für Ihren einsichtsreichen Beitrag. Aus meiner eigenen Zeit an einem öffentlichen Theater kann ich nur ergänzen, dass mir die jahrelange Zurückhaltung der Ensemblemitglieder des Burgtheaters sehr einleuchtet. Theater sind wie politische Parteien Tendenzbetriebe und deshalb ist der Intendant einer der wenigen verbliebenen Alleinherrscher, da viele seiner Mitarbeiter nach dem Normalvertrag Bühne in einem legalen Kettenzeitvertrag beschäftigt sind. Widerspruch oder gar juristische Abwehrmaßnahmen führen in Deutschland dazu, dass Kollegen beim Deutschen Bühnenverein als Querulanten geführt werden und kaum die Chance bekommen dürften, ein Engagement an einem anderen staatlichen Haus zu erhalten. Ich habe bei zwei befreundeten Kolleginnen aus unmittelbarer Nähe beobachtet, dass massive sexuelle Nötigung durch einen Kapellmeister und einen Regisseur eher als Regel denn als Ausnahme wahrgenommen werden. Mein Angebot, dies zu bezeugen, wurde abgelehnt aus Angst, nicht mehr besetzt zu werden und weil ihnen die eigene künstlerische Wahrnehmung wichtiger schien. Diese verinnerlichte Opferhaltung betrifft am Theater Männer genauso. Ein mir bekannter Dramaturg wurde nicht verlängert, weil er sich seinem ebenfalls schwulen Intendanten verweigert hat. Die Liste ist vermutlich lang und hat mit künstlerischem Potenzial oft nichts zu tun. Das strukturelle Problem kann bestenfalls durch die Abschaffung des veralteten Intendanz -Systems abgemildert werden. Hinzu kommt, dass die zahlreichen deutschen Musikhochschulen und Schauspielschulen Professuren durch Ernennung von Praktikern besetzen, deren didaktische Fähigkeiten weder ernsthaft überprüft werden, noch allzu häufig vorhanden sind. Diese bilden in der Summe viel zu viele Sänger und Schauspieler aus, so dass das Gagenniveau nach dem Studium eben nur geringfügig über dem Mindestlohn liegt. Dieser Marktlogik entspricht es, dass sich 40 jährige Sängerinnen und Schauspielerinnen anhören müssen, sie wären zu teuer und auch schon ziemlich alt. Ich halte es für zweifelhaft, dass bei der insgesamt kleinen Branche genügend Interesse bei Politik und Publikum zu erzeugen ist, um hier Verbesserungen zu erreichen. Ist doch die Mehrheit der Bevölkerung entschieden der Meinung, dass Theater eher überflüssig sind und wer weiß schon, dass wir Steuerzahler für die polizeiliche Absicherung von Bundesliga -Spielen mehr ausgeben als für die Kultur. – Thomas Bahr


Leserbrief zu „Was ist Wachstum, was ist Inflation?“ von Uwe Jean Heuser

Herrn Heusers wohlgemeinte, aber sehr plakativen Ansichten zum Thema „Wirtschaft in Schulen“ möchte ich hier deutlich widersprechen. Vorab : ich vermisse die Information für die Leserschaft, dass im Jahr 1964 auf Empfehlung des Vorgängers des Deutschen Bildungsrates, nämlich des Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen gerade für die neu entstehenden Hauptschulen das Fach Arbeitslehre eingeführt wurde. Bis heute ist dieser Lernbereich, der die Fächer Wirtschaftslehre, Hauswirtschaftslehre und Technik umfasst, in Haupt- und Gesamtschulen fester Bestandteil der Stundentafel. Interessant ist schon, dass gerade Realschulen und Gymnasien von dieser Einführung nicht betroffen waren. An den Schulen kann es wohl nicht unbedingt liegen, dass es „diejenigen mit geringer Bildung“ sind, „denen Ökonomie fremd ist“ (Zitat Heuser). Ich verwahre mich hier ausdrücklich gegen den Versuch, „Kindern aus sozial schwächeren Familien“ (Zitat Hauser) automatisch mit geringer Bildung brandzumarken. Vielmehr hat sich „die Wirtschaft“ in rasantem Tempo verselbständigt, verknüpft, monopolisiert und globalisiert und ist sogar für -selbsternannte oder anerkannte – Fachleute zunehmend unberechenbarer und undurchschaubarer geworden : frage 3 Wirtschaftsfachleute nach Prognosen, und Du erhältst 5 unterschiedliche Antworten. Und vor allem : der wirtschaftlichen Macht, die durch Politik und das Großkapital ausgeübt wird (Beispiele sind die großen Krisenherde dieser Welt, voran USA und Nahost), steht die machtlose Ohnmacht der „Normalbürger“ gegenüber. Der täglichen Manipulation ist nicht mehr viel entgegenzusetzen : „Dieselgate“, die Cum-Ex-Geschäfte, Großbankenskandale, die Veröffentlichung der Panama papers zeigen dies beispielhaft auf. Und über die Bereicherung vieler Unternehmen an der privaten Vorsorge sind ja auch erst im Nachhinein die Fakten ans Licht gekommen. Zu sehr haben sich im globalen Welthandel bereits die wirtschaftlichen Interessen der Wohlhabenden mit Hilfe der politischen Entscheidungsträger durchgesetzt, der zunehmenden Konzentration des Kapitals auf immer weniger Menschen wird nichts entgegengesetzt. Diese Fakten alleine vergrößern den Spalt in unserer Gesellschaft! Ideologisch ist es, sich dieser Erkenntnis zu verweigern. Für die Schulen existieren bereits seit Jahren Lehrpläne und praktikable Unterrichtsreihen. Den Kindern sachkundiges Wissen zu vermitteln, kann nicht vorrangig zum Ziel haben, sie auf eine Rolle als zukünftige Sparer, Aktionäre oder Firmengründer vorzubereiten. Im kleinen Rahmen kann es gelingen, Schülerinnen und Schülern sich ihrer Rolle als kritische Konsumenten bewusst werden zu lassen und für sich einen Platz in der digitalisierten Arbeitswelt zu finden. Die große Weltwirtschaft wird dies nicht beeinflussen, sie wird es nicht einmal zur Kenntnis nehmen. – Hermann Giesenow


Leserbrief zu „Die Sprache vor dem Urteil“ von Elke Spanner

Ich danke Ihnen für Ihren differenzierten Überblick zur Untersuchungshaft, der Ihnen sicherlich nicht nur Lob einbringen wird. Ein Aspekt wird dabei jedoch nicht berücksichtigt: Im Gegensatz zu rechtskräftig verurteilten Straftätern weiß ein Untersuchungshäftling nicht, wie lange die Haft andauern wird. Er kann also nicht an jedem Morgen einen Tag davon abziehen, sondern bleibt völlig im Ungewissen. Obwohl psychologisch ungeschult, kann ich mir vorstellen, dass sich das mit zunehmender Länge der Untersuchungshaft auf die psychische Verfassung nahezu jedes Untersuchungshäftlings auswirken muss. Auch das sollten Haftrichter immer im Kopf behalten, wenn sie über die Verhängung von Untersuchungshaft entscheiden. – Veronika Scholz


Leserbrief zu „Ein großer Schatz an spannendem Wissen“ von Jean Uwe Heuser

Ich halte ihr Ergebnis für das Kaufverhalten bei steigenden Preisen bei Pullovern für falsch. Pullover sind ein saisonales Produkt. Die Preise steigen gegen Sommrende/Herbstanfang. Dann werden die meisten Pullover zu diesn hohen Preisen verkauft. In der Saison findet in der Regel keine weitere Erhöhung statt. Schon Ende Herbst sinken für einzelne Teile die Preise, und ab mitte Winter findet schon der Schlussverkauf mit entsprechneden Rabatten statt. Da ist aber schon das meißte der Kollektion verkauft. Bei Medikamenten (selbtst bei denen gibt es Saisonartikel z.B. Grippemittel), mit denen Sie die Pullover vergleichen, ist das anders. Ich nehme lieber Bier oder Schokolade als vergleichbares Produkt. Ist ein Bier im Angebot, wird mehr davon verkauft als wenn der Preis gerade wieder gestiegen ist. Diese Aussage ist richtig und auch nachvollziehbar. – Rüdiger Gayde


Leserbrief zu „Wem gehört Kreuzberg?“ von Amrai Coen und Malte Henk

vielen Dank für die Recherche, die beide Seiten hörte und weitgehend ohne Wertung berichtete. Wahrscheinlich haben die Bewohner von Kreuzberg ein richtiges Gefühl, wenn es auch keinen Grund und keine Entschuldigung gibt, Fensterscheiben u.a. einzuschlagen. Dietmar Müller-Elmau ist ein großer Vertreiber. Zwar hängt er sich das Mäntelchen eines Weltverbesserers um, glaubt dies möglicherweise in dem Moment selber. Aber es bestehen gewisse Zweifel. wie ernst er das wirklich meint. Nachdem er Schloss Elmau nach dem großen Brand wieder aufgebaut hatte – gleichzeitig wurden Familienmitglieder vertrieben und die Vorfahren schlecht gemacht – und daraus ein Luxushotel gemacht hatte, übernahm er später auch noch das Gut, hinten im Tal, in dem man damals noch zu erschwinglichen Preisen wohnen konnte. Damit vertrieb er sehr viele der jahrzehntealten Freunde des Schlosses, die aus einem intellektuellen und kulturbegeisterten Bürgertum kamen, welches gut gestellt aber oft nicht reich war. Es ist für diese nicht mehr möglich, bei den Höchstpreisen im Schloss Elmau, ins das wunderbare Tal unter dem Wetterstein zurückzukehren. Noch heute haben auch wir „Heimweh“ danach… – Barbara Ströbel-Brack


Leserbrief zu „“Es reicht” von Özlem Topcu

Ihr Artikel ist verständlich und nachvollziehbar. Allerdings verwundert mich Ihre Kritik an der in Frage gestellten Befürwortung des türkischen EU-Beitritt. Wie und warum sollte ein Staat, dessen Präsident politisch Oppositionelle und Kritiker als Terroristenunterstützer massenhaft einsperren läßt, der Kurden als ethnische Gruppe und nicht nur YPK- und PKKmitglieder militärisch sogar im Nachbarland verfolgt, der in Syrien Regierungstruppen im Kampf gegen “Rebellen”, nicht IS- Angehörige, massiv unterstützt und somit ebenfalls massenhaft getötet hat, warum also soll so ein Staat in die EU aufgenommen werden sollen?  Meiner Meinung nach sollte daran unter diesen Umständen auf keinen Fall gedacht werden. Auch wenn es einen großen Anteil Demokratiebefürworter gibt, entscheidend ist die Politik, die der nun fast autokratische Herr Erdogan macht und dessen Maßnahmen, die nicht in die politischen Rahmenbedingungen der EU passen. – Jörg Dräger


Leserbrief zu „Wem gehört Kreuzberg?“ von Amrai Coen und Malte Henk

Gute Frage, nur wann begann der Ausverkauf des Oranienplatzes? Aus europäischem Naturstein ist die Fassade des Hotels Orania – aber Naturstein ist auch vor über 10 Jahren auf dem Oranienplatz verlegt worden: Pflastersteinen aus Rajasthan / Indien und es wurden gefälschte Zertifikate vorgelegt, die angeblich belegen sollten, dass die Steine nicht von Kinderhand hergestellt worden waren. Aber genau dies war der Fall. Man läuft also seit einem Jahrzehnt auf dem Blut indischer Kinder herum. Hat Herr Fuß auch Bilder, wie diese „Blutsteine“ verlegt wurden? Und somit sollte die Frage in ihrem Artikel: „Wie viel Wandel verträgt eine Nachbarschaft?“ tiefer greifen: haben nicht beide Seiten – Müller-Elmau und die Kleinladenbesitzer – ihre Lobby durch DIE ZEIT erhalten, aber wo bleibt die Lobby der geschundenen Arbeitskinder Indiens, die unseren Wohlstand – den Wohlstand beider Seiten – untermauern? Ungeahntes Leid steckt in unserer Warenwelt! – Benjamin Pütter


Leserbrief zu „Zebra-Strategie“ von Matthias Daum

Vielen Dank für Ihren Artikel. Das Geschäftsmodell der Schweiz beruht auf der Verwaltung von Geldern, die anderen Systemen entzogen werden. Dass dieses Konzept freiwillig aufgegeben wird, ist nicht zu erwarten. Zu groß sind die Verluste, die mangels wirtschaftlicher Alternativen drohen. Die EU ist eine mächtige Institution. Sie könnte die schwarzen Streifen des Schweizer Systems weißeln. Aber dafür brüchte sie eine innere Homogenität, von der sie noch weit entfernt zu sein scheint. Herr Juncker, ehemaliger Finanz- und Premierminister einer EU-Steueroase und jetzt EU-Chef, personifiziert das Dilemma, in dem die EU steckt, sehr anschaulich. – Dr.Christian Voll


Leserbrief zu „Es reicht” von Özlem Topcu

Ihren Artikel habe ich mit Interesse gelesen. Erlauben Sie mir, Teilen Ihrer Argumentation zu widersprechen. Deutschland ist nicht von autoritären Regierungen umgeben. Allerdings gibt es Russland und Putin, die mit unserer Auffassung von Demokratie nicht vereinbar sind. Sie werden wegen Ihrer Aggression gegen die Ukraine und Krim und wegen seiner Unterstützung von Syriens Assad kritisiert und angegriffen. Um Kriege zu vermeiden und zu deeskalieren, müssen wir dennoch mit ihnen sprechen. Ob das Autoritäre von Erdogan mehr Wut entfacht als das von Putin, vermag ich nicht zu beurteilen. Daß er einen Krieg gegen die Kurden im Irak vom Zaune bricht, stellt ihn in eine Reihe mit Putin, und dafür wird er kritisiert. Die Kritik fällt nach meinem Gefühl zu milde aus. Die Türkei ist Mitglied der NATO, die ihr über Jahrzehnte Rückhalt gegeben hat, und nun führt Erdogan einen Krieg, der mit den Auffassungen der übrigen NATO-Länder nicht vereinbar ist. Daß er dazu demokratische Grundsätze wie die Meinungsfreiheit mißachtet, wissen Sie besser als ich. Daß wir dennoch weiter miteinander reden und die Beziehungen nicht abbrechen, gebietet die politische Klugheit. Ihrer Begründung, daß 3 Millionen Türkeistämmige einen überzeugenden Grund darstellen, kann ich nicht folgen. Die Deutschen haben Türken nicht ins Land geholt, um sich in ihrer Meinungs- und Entscheidungsfreiheit über die türkische Regierung einschränken zu lassen. Die Türkeistämmigen, die hier Rechte geniessen, die sie in der Türkei nicht hätten, sollten Ihrer Argumentation ebenfalls widersprechen. – Dr. Walter Engel


Leserbrief zu „Doch nicht so grün“ von Laura Cwiertnia

Vielen Dank für diesen Artikel. Er illustriert ein ganz grundsätzliches Prinzip: Wenn wir unseren Nachkommen eine Welt erhalten wollen, wie wir sie erleben durften, so dürfen wir uns keinesfalls auf freiwillige Beschränkungen verlassen – weder bei Geschäftsmodellen noch beim privaten Verbraucherverhalten. Wir brauchen vielmehr verbindliche Regeln, welche die Gesellschaften von morgen und übermorgen vor unserer aktuellen Gier schützen. – Dr. Christian Voll


Leserbrief zu „Ein Stundenplan für morgen“ von Lisa Kreuzmann

Neue Fächer braucht es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht, zumal die ersten Fachlehrer ohnehin vermutlich erst dann zur Verfügung stehen, wenn sich das Fach bereits wieder erledigt hat. Viel erreichen ließe sich durch:

  1. Konsekutiver Unterricht: Die Inhalte der laufenden Lehrveranstaltungen sind Voraussetzungen für die folgenden. Das hört sich selbstverständlich an, doch leider ist es in der Praxis so, dass kein Lehrer/Prof wirklich fragt, was der Kollege im nächsten Jahr benötigt, und die Schüler/Studis können den Stoff noch weniger einordnen. Die Folge ist, dass in den nächsten Veranstaltungen wesentliche Inhalte gar nicht behandelt wurden oder der vorne Stehende viel Zeit darauf verwenden muss, bereits Durchgenommenes nochmals zu wiederholen.
  2. Aufteiltung der Lehre in Kür und Pflicht. Im Pflichtbereich sind die Stoffinhalte systematisch zu vermitteln, die für die konsekutive Fortsetzung notwendig sind, der Kürbereich umfasst Stoff nach Wahl des Lehrers. Heute ist der Gesamtstoff Pflicht. Die Schaffung von Freiheiten macht aber die Angelegenheit für Schüler und Lehrer interessanter, und damit bleibt auch im Pflichtbereich mehr hängen.
  3. Zusammenfassung von Kürbereichen zu Projekten, die von mehreren Lehrern gemeinsam betreut werden. Hier können aktuelle Fragestellungen, die oben unter „neue Fächer“ fallen, aus verschiedenen Sichten beleuchtet werden. Die Lehrer übernehmen dabei oft nur Steuerfunktionen, wärend die Erkenntniss von den Schülern selbst gesammelt werden. Auch das hat deutliche Vorteile für den Gesamterfolg.

An dänischen Unis wie Aarhus werden solche Konzepte erfolgreich schon seit der Jahrtausendwende verfolgt. Wir haben das mit mehreren Kollegen auch über Jahre hinweg versucht, allerdings mit marginalem Erfolg, weil die meisten anderen Kollegen aus unterschiedlichen Gründen mauern. Das Messen der „Qualität der Lehre“, die als politischer Auftrag in verschiedenen Gesetzen verankert ist, ist denn auch schnell zu einem Zählen der Anzahl der Powerpoint-Folien verkommen. Der Reformeifer der Politiker ist erschöpft, wenn sie ihnen Namen unter einem Gesetz finden. Die Kontrolle eine sinnvollen Umsetzung interessiert niemanden, da man sich besser mit der nächsten Reform verewigen kann. – Gilbert Brands


Leserbrief zu „Riss durch die Mitte“ von Robert Pausch, Bernd Ulrich

es sind die grünbeseelten „Kosmopolitischen“, die „Globalen“, die Gesinnungsethiker, die sich die Deutungshoheit über unsere gesellschaftliche Entwicklung anmaßen, die dafür den „Nationalen“, „Begrenzten“, „Heimat“lern die Lufthoheit über den Stammtischen überlassen! Das brennende Thema: Asyl, Flüchtlinge, Einwanderung reißen Sie an in einem Satz: „Flüchtlinge“ – „Allerschwächste“!? Es  i s t der „Riß durch die Mitte“, der Grabenbruch durch Ihr buntes Koordinatensystem; hängt wie ein unsichtbares Damoklesschwert über den darin abgebildeten Köpfen! Würden diese (pars pro toto!) nur einmal ihren – farblich passenden – grünen Tisch der grauen Theorien verlassen und nach draußen gehen, dorthin, „wo es brodelt und stinkt“ – sie kämen möglicherweise geläutert, vielleicht ernüchtert in den klimatisierten Reichstag zurück und begännen endlich einmal, über Deutschlands Zukunft – nach dieser Legislaturperiode, besser noch der nächsten – ernsthaft nachzudenken! Wir (Wahl)Bürger warten sehnlichst auf ein realistisches, unretuschiertes Bild, in dem wir jedoch unser Land wiedererkennen wollen! Dabei ist es uns egal, ob es eine mehr globale oder nationale, mehr linke oder rechte Signatur trägt! – Dr. med. Ulrich Pietsch


Leserbrief zur Kolumne „Über Vorwürfe und Unpersonen“ von Harald Martenstein

Welche Erleichterung, in all dem Metoo_e einmal eine besonnene Stimme zu vernehmen; wie so oft ist es die von Harald Martenstein. Anhand seiner Texte wird man einmal studieren, mit welchen sprachlichen Mitteln selbst in Zyklonen von Bigotterie und Blutdurst (die Beschreibung ist korrekt, aber viel zu deklamatorisch, also nicht martensteinisch) beidbeinig auf dem Boden zu bleiben – und das heißt, vernünftig zu bleiben und vernünftig zu reden ist. Man vergisst so leicht, dass Sexualität als solche in der Natur gar nicht vorkommt. Immer ist sie mit etwas anderem, einem Interesse, amalgamiert, mit Fortpflanzungswünschen, mit Dominanz und Aufstieg, mit Geschäft und Gewinnstreben, mit Entspannung und, was das Prozedurale angeht, mit „Dingen“, denen man sich in interesselosem Zustand nur mit Latex und Sagrotan nähern möchte. Der Standpunkt von Matt Damon, auf den Martenstein so mutig wie dankenswert hinwies, hat unter diesen Umständen doch viel für sich. – Roger Schiemenz


Leserbrief zu „Ich esse fast alles“ aus der Serie Prüfers Töchter von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

die Texte von Tillmann Prüfer habe ich in der Vergangenheit eigentlich ganz gern gelesen. Dass er sich nun im letzten Heft in seiner Rubrik ‚Prüfers Töchter‘ eine ganze Seite lang beklagt, dass er seiner zehnjährigen Tochter wegen „im Prinzip nur zum Italiener oder zu McDonald“ essen gehen könne, finde ich mehr als ärgerlich. Wie mögen Eltern sein Lamento empfinden, die es sich überhaupt nicht leisten können, irgendwo essen gehen zu können? Oder deren Kinder eine tatsächliche Essstörung oder eine andere ernstzunehmende Krankheit haben? Man hätte diese Seite lieber Claire Beermann geben sollen. Sie scheint einen deutlich besseren Instinkt für relevante Themen zu haben als ihr Kollege Prüfer. – Beate Langmaack


Leserbrief zu „Ich bin so schön“ von Carolin Würfel im ZEIT Magazin

ich mußte doch ziemlich schmunzeln als ich den Artikel von Carolin Würfel über das amerikanische Plus-Size-Model Barbie Ferreira las. Sowohl das Model als auch die Autorin und letztlich wohl auch die Redaktion sind hier schön dem Zeitgeist und einer daraus resultierenden Marketingstrategie aufgesessen. Ich mache dem Model keinen Vorwurf, Frau Fereira ist sehr jung und ich kann mir gut vorstellen, daß man da noch nicht vollständig überblickt, was in diesem Business vorgeht (eine Tatsache, die Christy Turlington übrigens in der gleichen ZEIT Magazin Ausgabe bestätigt). Letztlich ist es aber schlicht totaler Blödsinn, dieser jungen Frau und auch den Lesern einreden zu wollen, hier läge eine feministische Coming-of-age Story vor. Uns soll hier die Geschichte der Entwicklung des grauen Entleins zum stolzen Schwan erzählt werden. Von der dicken Barbara zur starken, selbstbewußten, feministische Barbie, die sich trotz aller Widrigkeiten durchgesetzt hat. Auch Frau Fereira wird das scheinbar eingeredet. Letztlich ist die Plus-Size-Bewegung aber keine feministische. Auch nicht die von Barbie Ferreira. Woran erkennt man das? Nun: bleiben wir beim Artikel und schauen wir uns die dazugehörigen Fotos an: auf zweien davon wird Barbie Fereiera halbnackt und lasziv abgebildet, auf dem dritten werden ihre vollen Lippen ebenfalls lasziv inszeniert. Auf keinem der Fotos wird sie selbstbewußt oder stark dargestellt, sondern eher objekthaft und passiv. Aus künstlerischer Sicht durchaus machbar. Uns soll aber mit diesem Artikel doch etwas ganz anderes erzählt werden. Fakt ist einfach: mit Plus-Size-Models (übrigens auch kein sehr netter Begriff) wird im Moment so viel Geld umgesetzt wie nie zuvor. Das resultiert jedoch nicht aus einer grundlegenden Änderung der Einstellung gegenüber dicken oder übergewichtigen Menschen, sondern ist reiner, kommerzieller Zeitgeist. Das hat mit Feminismus oder gar Humanismus nicht das geringste zu tun. Ich zitiere ihre Autorin : „Hilfreich dabei war, dass ihr Gesicht -….symetrisch ist, in einem klassischen Sinne schön: große Augen, Stupsnase, volle Lippen. Ihre Maße mögen konventionell sein, ihr Gesicht ist es nicht.“ Alleine dieser Satz ist eigentlich eine Unverschämtheit und sexistisch. Wenn man denn jetzt mit der Keule kommen wollte. Ich will aber nicht ausholen und draufhauen,  sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, wie viel Sexismus in uns allen, auch uns Frauen und unsere Sichtweise auf uns selbst, steckt. Das schließt das junge Model ein : „ich bin eigentlich nur ein dickes Mädchen…“ und Achtung, wichtig ist die Hotness: „Verdammt, sehe ich heiss aus!“ ). Au weia, wir waren doch schon mal um Längen weiter… So lange Frauen und Mädchen das Gelingen ihres Lebens fast ausschliesslich über ihre Schönheit, den Attraktivitätsgrad und ihre „Hotness“ definieren, so lange darf man sich auch nicht wundern, daß Männer wie Donald Trump an die Macht kommen. Da gibt es gesellschaftlich nämlich durchaus einen Zusammenhang. Egal ob die Frau nun etwas dicker, etwas dunkelhäutiger, etwas andersartiger ist, wichtig ist in dieser Zeit nämlich ausschließlich die Frage : „Ist sie auch HOT?“. Tja, wer da mitspielt kann eigentlich dauerhaft nur verlieren. Zumindest als Frau. Wie eine differenziertere Auseinandersetzung mit den Themen Feminismus, Selbstverwirklichung oder Modebranche aussehen kann, ist in den Artikeln über Angela Missoni und Christy Turlington nachzulesen, wie ich finde.  Danke dafür! – Tanja Bischof


Leserbrief zu „Raucher zu Dampfer“ von Ali Vahid Roodsari

in Ihrem Artikel über E-Zigaretten zitieren Sie, wie viele andere Publikumsmedien auch, eine im British Medical Journal publizierte Studie, die angeblich belegen würde, „dass selbst eine einzige Zigarette pro Tag das Risiko für Herzkrankheiten oder Schlaganfälle beträchtlich erhöht“. Tatsächlich würde sich diese Meldung für ihre Kolumne „Fakt oder Fake“ eignen, in der etwa (gleiche Ausgabe der ZEIT) die verzerrende Berichterstattung über eine Studie zur Auswirkung der Digitalisierung kritisiert wird. Wie ich schon im British Medical Journal selbst beschrieb (http://www.bmj.com/content/360/bmj.j5855/rr-1), ist obige, die Aufmerksamkeit auf sich ziehende Aussage, in keiner Weise durch die Publikation bzw. durch die in der Meta-Studie benutzten Forschungsergebnisse gestützt! In der Regel wurden in den Studien nur Raucher in einer Kategorie zusammengefasst, die zwischen 1 und 10 Zigaretten konsumierten. Diese „geringe Menge“ an Zigarettenkonsum wird dann an verschiedenen Stellen des Artikels, auf der Webseite und dann in den darüber berichtenden Medien auf „eine einzige Zigarette“ verkürzt. Der Grund dafür ist offensichtlich: „Eine einzige Zigarette“, die Herzinfarkt verursacht,klingt dramatischer als „weniger als 10 Zigaretten“. Letztlich wird aber dadurch die Meldung zum „Fake“. – Dr. Johannes M.Lehner


Leserbrief zu „Warum hängt diese Tafel noch im Bundesgerichtshof?“ von Volkert Volwerk

Warum sollte die Tafel entfernt werden? Wie sollte man sonst so nachhaltig erfahren, dass den Opfern der NS-Justiz wenigstens ein ganz klein wenig Gerechtigkeit zugebilligt worden ist. Da liest man, 34 Mitglieder des Reichsgerichts und der Reichsanwaltschaft sind in Lagern in Mühlberg und Buchenwald nach dem Krieg umgekommen. Ganze 34, die vielleicht während ihrer großen Zeit im NS-Staat Tausende in den Tod geschickt haben. Die Herren hatten halt Pech gehabt, ausgerechnet in die Hände der Roten Armee zu geraten. In der amerikanischen Zone wären sie bei der Entnazifizierung als Mitläufer eingestuft worden und weiterhin glänzende Karrieren im Justizwesen und der Wirtschaft erlebt. Die Recherchen von Herrn Vorwerk sind begrüßenswert, aber besagte Tafel gehört als Gedächtnisstütze weiterhin zu unserer Erinnerungskultur ! – Günter Winkler


Leserbrief zu „Schandfrieden“ von Volker Ullrich

als gebürtige Finnländerin lese ich Ihre Darstellung des Friedens von Brest-Litowsk mit Empörung. “Schandfrieden” und nichts anderes??? Wir – die Finnen, die Esten, die Letten und die Litauer  –  feiern in unseren Tagen 100 Jahre Selbstständigkeit (Finnland am 6.12. 2017, die anderen “in derselben Drehe”). Unsere Freude können Sie nicht ermessen und offensichtlich nicht verstehen. Sie hätten es offenbar gut und richtig gefunden, wenn wir Zwangsteile Russlands bzw. der Sowjetunion hätten bleiben müssen. Hätten Sie sonst nicht wenigstens beiläufig darauf hinweisen können, dass WIR im Jahre 1918 ja nicht Teile des Deutschen Reiches wurden, sondern FREI? Dass wir seinerzeit (1721 bzw. 1809) durchaus unfreiwillig Russland angegliedert wurden und Russland nicht den Schatten eines moralischen Rechts auf uns hatte? Deutsche haben im Allgemeinen nicht viel Ahnung von unserer Geschichte. Aber diese Darstellung und das in der ZEIT – das tut schon weh! – Thelma von Freymann


Leserbrief zu „Schandfrieden“ von Volker Ullrich

ich habe Ihren Artikel über den Vertrag von Brest-Litowsk gelesen („Schandfrieden“, Die Zeit, 8.2.2018, Seite 19). In ihrem Artikel stehen einige sehr unpräzise Behauptungen. So schreiben Sie, Russland „verlor ein Viertel seines Territoriums“ als Folge von Brest-Litowsk. Tatsächlich verlor Russland ein Viertel seines europäischen Territoriums. Das ist ein erheblicher Unterschied. Auch nach Brest-Litowsk blieb Russland der flächenmäßig größte Staat der Welt (vorausgesetzt man bezeichnet koloniale Imperien wie das Britisch Empire nicht als Staat). Zudem scheint mir Ihr Vergleich von Brest-Litowsk mit dem Vertrag von Versailles wenig hilfreich zu sein. Das Versailles im Vergleich zu Brest-Litowsk „geradezu milde“ ausfiel, trifft nicht zu. Beide sogenannten Verträge waren Diktatfrieden. Versailles geht aber in vielen Punkten über Brest-Litowsk weit hinaus. Die Westalliierten bezichtigten Deutschland der Alleinschuld am Ausbruch des Weltkrieges, eine ähnliche Schuldzuweisung findet sich im Vertrag von Brest-Litowsk nicht. Die Westalliierten bürdeten Deutschland eine wesentlich höhere Reparationssumme auf als das Kaiserreich den Russen. Die Westalliierten diktierten den Deutschen die Größe ihres Heeres und ihrer Marine und verboten Luftstreitkräfte, ähnliche Bedingungen finden sich im Vertrag von Brest-Litowsk nicht. Und: Während in Brest-Litowsk selbstredend die Russen zugegen war, verwehrten die Westalliierten den Deutschen den Zugang zu den „Verhandlungen“ in Versailles und diktierten dem besiegten Reich in absentia die Bedingungen. Zwar musste Russland in Folge von Brest-Litowsk große Gebiete abtreten. In den meisten dieser Territorien wie in Polen und Finnland lebten aber nicht-russische Völker. Brest-Litowsk nahm im Prinzip die spätere Grenzziehung durch die westlichen Alliierten in Osteuropa vorweg. – Hendrik D. Heermann


Leserbrief zu „Eine merkwürdige Wiederbegegnung“ von Iris Radisch

Obwohl ich Ihre Autorin sehr schätze, liegt Sie für mich in ihrem Beitrag völlig schief. Die Ideologien schaffen in Wahrheit nur Konflikte. Ideologien verdrängen das wahre Bild einer Gesellschaft. Das Freund-Feind-Bild hat Vorrang. Deswegen bin ich eher bei Bodo Strauß als bei Ihrer Autorin. Auch die Behauptung von Heinz Bohrer, das Deutschland provinziell und langweilig geworden ist findet eher meine Zustimmung. Dafür gibt es für die Autorin Zitronen. Kleiner Scherz am Rande. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Klasse und Rasse“ von Marie Schmidt

ein ewiges Thema der Medien in Europa. Die Schwarzen werden zeitlebens damit leben müssen. Ich lese aber nirgendwo warum das so ist. Es gibt nur Ansätze da und dort. Aber die wirkliche Wahrheit habe ich noch nicht lesen können. Kann es nicht vielleicht sein, daß es an den Schwarzen selbst liegt? Wollen die sich nicht integrieren? Wollen die sich vielleicht der weisen Gesellschaft nicht anpassen? Wollen die lieber in einem Ghetto leben? Warum steht kein schwarzer Intellektueller, den es durchaus gibt, auf und appelliert an die eigene Gesellschaft, was sie vielleicht falsch gemacht haben? Fragen über Fragen türmen sich vor mir auf. Wer ist in der Lage mir ehrliche Antworten zu liefern. – Gunter Knauer


 Leserbrief zur Kolumne „Über Vorwürfe und Unpersonen“ von Harald Martenstein

Gerade habe ich Ihre Kolumne im ZEIT-Magazin vom 8. Februar 2018 gelesen. Dort beklagen Sie, dass Matt Damon Opfer einer Kampagne werde, weil er bei sexueller Belästigung zwischen einem Klaps auf dem Hintern und Vergewaltigung differenzieren wolle. Ich verfolge die gesamte Affäre nicht, und in der Kürze der Darstellung möchte ich Matt Damon Recht geben und halte die beschriebene Kampagne gegen Matt Damon für vollständig überzogen. Nicht, dass ich in irgendeiner Schublade lande, in der ich mich nicht wohlfühle. Sie singen in dieser Kolumne ein Loblied auf die Differenzierung. Meine Tante sagte auch: „Anders ist immer anders!“ Und wie zufällig fällt mein Blick auf einen Kommentar von Ihnen, vom 10. Januar 2016, im Tagesspiegel. In diesem prangern Sie an, dass die „massenhaften Sexualverbrechen“ in Köln in der Silvesternacht 2015 relativiert würden mit dem Argument, auch beim Oktoberfest würden Frauen angegrapscht werden. Was ist nun Relativierung? Und was ist Differenzierung? Was wäre, wenn Matt Damon anläßlich der „massenhaften Sexualverbrechen in der [Kölner] Silvesternacht“ gesagt hätte: „Die meisten zur Anzeige gebrachten Fälle sind Fälle von Grapscherei. Ekelhaft und bestrafenswert, aber schon was anderes als Vergewaltigung.“ Differenzierung? Oder Relativierung?Was wäre, wenn Matt Damon damals gesagt hätte: „Ja, diese Täter waren größtenteils Männer aus Nordafrika. Ich weiß aber aus meiner Tätigkeit, dass Filmproduzenten, Regisseure und Schauspieler genauso ekelhaft mit Frauen umgehen.“ Differenzierung? Oder Relativierung? Sie stellen in dem Kommentar im Tagesspiegel die These auf, dass eine islamische Sozialisation nicht selten zu Sexualverbrechen führt. Kann sein. Sollte vielleicht mal untersucht werden. Und schöne Formulierung mit dem „nicht selten“, da kann jeder alles reinlesen. Welche Sozialisation führt zu dem Verhalten, dass Dieter Wedel vorgeworfen wird? Die Sozialisation in deutschen Universitäten? Oder gar im deutschen Bürgertum? Die Frage ist vermutlich relativierend, oder? Aber gut, differenziert betrachtet ist Dieter Wedel sicherlich nur ein Einzelfall. So wie die Missbrauchsfälle in der Odenwaldschule, in der katholischen Kirche, in dem Sportverein um die Ecke usw. Der Punkt, der mich an Ihrer Kolumne im ZEIT-Magazin ärgert, ist, dass Sie das Schreckgespenst der Unterdrückung der Freiheit, sogar der Aufklärung, an die Wand malen. Die Zustände erinnerten an die Sowjetunion – darunter geht es wohl nicht? Es wäre schön, wenn Sie in einem Jahr oder vielleicht in fünf Jahren Ihre Kolumne hervorkramen, um zu prüfen, wieviel von Ihren Vorhersagen eingetreten ist. Ob Matt Damon und Scarlett Johansson zur Unperson erklärt wurden, nie wieder Filme drehen durften, aus allen Fotos wegretuschiert wurden. Mein Tipp für die Zukunft: Matt Damon und Scarlett Johansson werden munter weiter ihre Filme drehen und ihr Leben führen. – Thorsten Bauer-Yang


Leserbrief zu „Warum stärken die Angriffe von Macerata die Extremen im italienischen Wahlkampf?“ von Ulrich Ladurner

mehr als die in Macerata von einem Rechtsextremen verübten Angriffe auf Afrikaner (bei denen es übrigens keine Todesopfer gegeben hat) trägt eine nicht ausgewogene Berichterstattung dazu bei, die Extremen im italienischen Wahlkampf zu stärken. Das Interview fängt damit an, dass ein Rechtsextremer in Macerata gezielt auf schwarze Menschen geschossen hat. Erst im Laufe des Interviews wird wie beiläufig erwähnt, dass dieser – verurteilenswerte – Vorgang auf ein schreckliches Verbrechen folgt, bei dem inzwischen drei Nigerianer unter der Anklage stehen, einem jungen Mädchen wie es scheint Rauschgift besorgt zu haben, es anschliessend vergewaltigt, getötet, in Stücke zerlegt und in zwei Koffern “entsorgt” zu haben. Auch in Italien hat es geschmackloserweise gleich einen Aufmarsch gegen Rassismus gegeben, bei dem keiner des toten Mädchens gedacht hat. Das Verschweigen der Tatsachen und das Vertuschen von Verantwortungen trägt sicher nicht dazu bei, die Gemüter der murrenden, aber noch “stillen” Mehrheit zu beruhigen. Nur eine offene und ehrliche Debatte, die die Probleme anspricht, die sich aus einer ungeordneten Massenzuwanderung ergeben und mit denen die “normalen” Menschen Tag für Tag konfrontiert sind, könnte Licht in einen Wirrwar aus Vertuschungen und Heuchelei bringen. – Prof. Michaela Böhmig


Leserbrief zu „Übernehmen Sie Verantwortung!“ von Giovanni di Lorenzo im ZEIT Campus

Ich möchte mich bedanken für diesen ausgezeichneten Beitrag zum Thema „ Eliten“. Die Kritik und Polemik über  die „ Eliten“ schwelt ja im Moment allenthalben und wird teiweise genüsslich ausgeschlachtet. Das stört mich schon lange und ich bin dankbar für so einen , meiner Ansicht nach, klärenden Artikel. Gerne werde ich ihn an meinen studierenden Enkel weitergeben und auch bei Bekannten und Freunden in die Diskussion einbringen. – Ursel Wochele


Leserbrief zu „Rettet er die SPD?“ von Caterina Lobenstein

Ist die SPD überhaupt noch zu retten, müsste die Frage aus hochaktuellem Anlass freilich heißen. Und wenn ja, was ich auch als Nichtwähler der Partei einesteils aus demokratischer Grundüberzeugung, anderenteils aus programmatischen Gründen in höchstem Maß hoffe, dann könnte Kevin Kühnert sicherlich einer aus der jungen Politikerriege sein für die nachhaltige Gestaltung einer – notwendigerweise – deutlich besseren Zukunft der Sozialdemokraten. Seine überaus klare und umsichtige Art, sich vorzugsweise an Inhalts- und weniger an Personaldebatten zu beteiligen, ist ausgesprochen wohltuend und gehört zweifellos zu den Stärken des 28-Jährigen. Kühnerts rhetorisches Talent zählt natürlich ebenso dazu, wenngleich er dieses derzeit für die NoGroKo-Bewegung einsetzt, die ich, auch im Sinne der SPD-Gesundung, mitnichten für die richtige Alternative zur Regierungsbeteiligung halte. – Matthias Bartsch


Leserbrief zu „Lasst mich bunter wählen“ von Henning Sußebach

Der Artikel trifft genau meine Überlegungen die ich vor der Wahl hatte. Es ist praktisch unmöglich in einer Partei alle Anliegen und Meinungen abzudecken. Daher habe ich mir auch überlegt wie man das splitten könnte. Ich hätte mir eine Prozent Regelung gewünscht. Als klassische Grünwählerin bin ich mit der Flüchtlingspolitik der Grünen absolut nicht mehr einig, möchte aber grüne Umweltinteressen unbedingt als Schwerpunkt erhalten. Aber AFD kommt für mich gar nicht infrage. So ist es auch mit anderen Themen. Jede Partei vertritt in verschieden Positionen mal mehr oder weniger meine Meinung. Ich habe das mit vielen Bekannten diskutiert. Denn praktisch alle waren ratlos, wo sie ihr Kreuz diesmal machen sollen. Aber die Prozentregelung fanden zwar alle gut, winkten jedoch meistens ab: Viel zu kompliziert für die meisten Wähler. Also ich wäre dabei wenn der Vorschlag für eine Änderung zumindest in Erwägung gezogen würde. – Ursel Wochele


Leserbrief zu „Riss durch die Mitte“ von Robert Pausch, Bernd Ulrich

Verzeihen Sie mir einen kleinen, aber notwendigen Nachtrag zu Ihrem einsichtsreichen Artikel: Neben den Dimensionen links/rechts und global/national, die ja inhaltliche Differenzen darstellen,  macht sich noch eine Dimension in der internationalen Politik breit, die geeignet ist, unsere Demokratien in Gefahr zu bringen. Es ist die nicht inhaltliche Dimension puristisch vs. kompromissbereit. Man kann sie wohl auch ideologisch vs. pragmatisch nennen. Die Politik in den USA wurde bereits vom Streit entlang dieser Dimension zerrissen. Das Auftreten von CSU und FDP in den Jamaica Verhandlungen, von CSU und SPD in den jüngst abgeschlossen Koalitionsverhandlungen (war es tatsächlich stundenlanges Sichanschweigen in der letzten Verhandlungsnacht?) lässt auch für uns nicht Gutes ahnen. Die Zustände in den USA zeigen uns, wohin das führt: Der kompromisslose Purist/Ideologe ist der Held, auch wenn die Handlungsfähigkeit der Politik zu Block gefahren wird. Der lösungssuchende, kompromissbereite Pragmatiker wird zum prinzipienlosen Opportunisten abgestempelt. Das ist Gift für die Demokratie! Dieser Riss wird verstärkt durch die Tendenz einiger Politiker, das Wahlvolk mit steilen Thesen von ihrer Wahrhaftigkeit und Volksnähe zu überzeugen, ihm „Red Meat“ zuzuwerfen, und sich so in eine Position zu bringen, die anschließend jeden Weg zum Kompromiss verbaut. Unser aktuelles, fast tragisches Beispiel aus Deutschland: Der an sich ja kompromissbereite Politiker M.Schulz konnte nicht der Versuchung widerstehen, zu großem Applaus sein „nur Opposition“ und „kein Minister unter Merkel“ auszustoßen, um so seine nach der Wahlniederlage angekratzte Reputation zu retten. Er musste vom Bundespräsident herumgehoben werden. Die Folgen sind Geschichte. Und wird nicht A. Merkel als prinzipienlos gescholten, obwohl sie durch Hintanstellung der puristischen Parteiinteressen die Möglichkeit offen gehalten hat, dass es in Berlin zur dringend nötigen Regierungsbildung kommt. Dass sie dann dem Vorwurf ausgesetzt wird, sie habe aus Eigeninteresse für ihre andauernde Kanzlerschaft mit dem Finanzministerium bezahlt, ist indikativ für die von mir wahrgenommene Spaltungsdimension. – Klaus Feldmann


Leserbrief zu „Warum hängt diese Tafel noch im Bundesgerichtshof?“ von Volkert Volwerk

Soll diese Art der Abrechnung kein Ende nehmen ?  Etwas mehr Gelassenheit, etwas weniger Aufregung, etwas mehr «Coolness« wünscht Fritz Kehrer  Herrn Volkert Vorwerk. Rechtsanwalt beim Bundesgerichtshof, im Umgang mit der deutschen Geschichte. Lassen wir die Toten ruhen und danken wir Gott für die Gnade der späten Geburt! – Fritz Kehrer


Leserbrief zu „Rettet er die SPD?“ von Caterina Lobenstein

Die SPD ist nicht mehr zu retten! Auch wenn Kevin Kühnert von den Jusos sich noch so vehement in s Zeug legt.Die Altvorderen lassen sich von den Jusos nicht vorführen.Noch nicht ! Sie wollen wie im richtigen Leben auch das Sagen behalten.Die Alten! „Sollen die Jungschnäbel doch erst mal was werden,einen Berufsabschluss haben!“Die Realität schnuppern. Bleibt zu hoffen,dass das alternde Wahlvolk endlich anders denkt: Der Jugend die Macht ! – Harald Dupont


Leserbrief zu „Übernehmen Sie Verantwortung!“ von Giovanni di Lorenzo im ZEIT Campus

Giovanni di Lorenzo plädiert in seiner Ansprache vor Studenten und Absolventen der Universität Bayreuth u.a. für Mut, Herzensbildung und der Bereitschaft, Elite sein zu wollen und Verantwortung zu übernehmen- zweifellos richtige Gedanken. Besonders überzeugt der scheinbar paradoxe Gedanke, man solle auch Umwege gehen, d.h.  Fehler und Niederlagen auch positiv sehen. Allerdings hat diese Ansicht schon Goethe vertreten. Man fragt sich allerdings, ob der Redner z.B. sein Eingeständnis, Probleme  der Mehrheit seien von der Politik vernachlässigt worden, logisch mit der Kritik an Trump verbinden kann. Denn Walter Benjamin hat bereits  in den Zwanzigerjahren darauf hingewiesen, dass die Unterschicht  dankbar ist, wenn ihre Probleme überhaupt angesprochen werden, auch wenn sie nicht  gelöst werden. Dass illegale Zuwanderung z.B. aber  durchaus Verschlechterungen für diese Gruppe der Bevölkerung bringt, zeigen die unglaublich hohen Mieten in München, die allerdings in den meisten Medien auch nicht ansatzweise mit der Migrationspolitik in Verbindung gebracht werden. Trump, dessen Außendarstellung anders ausfällt, soll übrigens durchaus ein gründlicher Denker sein, wie  auf „Phönix“ von Experten vorgetragen wurde. Unter dem   Elitebegriff sollte man durchaus auch wirtschaftlichen Erfolg subsumieren, da er  meist nicht die Folge bloßer Skrupellosigkeit sondern von finanzieller  Intelligenz ist. Das Gleiche gilt für erfolgreiche Machtpolitik. Schon der Aufstieg in einer Partei ist gewöhnlich nicht nur dem Opportunismus geschuldet.Übrigens sollte zum Elitebegriff auch das Streben nach Wahrheit und analytischer Aufrichtigkeit gerechnet werden, was sich von  bloßem Taktieren oder gar Übertaktieren unterscheidet. Meines Erachtens unterlief dieser Fehler  z.T. sogar Helmut Schmidt. Unter diesen Gesichtspunkten überzeugt die Analyse des Satzes von Frau Merkel nicht, wo sie unterstellt, dass die Kritiker ihrer Politik bloße Neinsager seien. Ich halte die sog. Populisten, übrigens ein politischer Kampfbegriff, durchaus z. T. für eine politische Elite, in dem Sinn, dass sie fast als Einzige auf den Widersinn hinweisen, dass junge Männer im wehrfähigen Alter, die ihre Familien zurücklassen, die größte Gruppe der „Schutzsuchenden“ bilden oder wenn sie offen die mit der ungeregelten Einwanderung verbundenen realen Probleme benennen. – Karl Seegerer


Leserbrief zu „Riss durch die Mitte“ von Robert Pausch, Bernd Ulrich

Meiner Meinung nach besteht den „Riss“ immer noch viel mehr zwischen „links“ und „rechts“, genauer gesagt zwischen ethnisch/nationalistischen Rechtspopulisten und linken Internationalisten, die aber durchaus auch Kritiker der kapitalistisch organisierten Globalisierung sein können. Man kann auch liberaler und/oder sozialistischer Kosmopolit sein, wenn man den internationalen Finanzkapitalismus kritisiert und z.B. die völlige Kapitalverkehrsfreiheit zum Schutze von Armen hier und in den unterentwickelten Ländern stark einschränken will. Richtig ist die Fragestellung, die Pausch und Ulrich  äußern: „Wie kann man Weltoffenheit und Liberalität verteidigen und sich gleichzeitig um jene kümmern, für die eine flexible, individualisierte Welt kein Versprechen, sondern eine Bedrohung ist?“ Aber wie in dem Artikel in dem Zusammenhang dann Personen zugeordnet und beschrieben werden, das ist ziemlich fürchterlich. Z.B. S.Wagenknecht ist überhaupt nicht nur „die Anwältin ostdeutscher Wendeverlierer“! Kann man ihr wirklich vorwerfen, sie kümmere sich nur um die Probleme der inländischen Globalisierungsverlierer? Internationale Solidarität ist für sie sicherlich viel wichtiger als für die meisten CDU/CSU/FDP/SPD-Politiker, die im Artikel erwähnt werden. Wenn S.Wagenknecht (und viele andere) z.B. den Finanzkapitalismus, der schon so viele Schäden angerichtet hat und große Gefahren für das Wohlergehen der Menschen weltweit beinhaltet, bekämpfen, ist das auch eine Form von internationaler Solidarität. Gelingt es denn den liberalen „Kosmopoliten“ besser, Weltoffenheit und Hilfe für Globalisierungsverlierer zu verbinden? Kann die völlige Öffnung für alle, die nach Deutschland kommen möchten, die richtige Lösung sein? Ist das die Haltung der liberalen Kosmopoliten?  Das werden wohl die meisten der von ihnen genannten „Kosmopoliten“ so nicht vertreten (außer vielleicht Katja Kipping und Claudia Roth).  Auch die Herren Pausch und Ulrich unterstützen das sicher nicht. Warum stellen sie dann S.Wagenknecht und andere Kritiker der kapitalistisch organisierten Globalisierung in die rechte Ecke und versuchen sie so in den Augen der Öffentlichkeit unmöglich zu machen? Das ist eine Unverschämtheit und vielleicht sogar Kalkül. Oder die Einordnung SPD-Schmidt-Schröder als „national-beschränkter Sozialdemokratismus“! Das ist ebenso unsinnig. Hat nicht gerade Schröderviel dazu beigetragen, dass Deutschland dem unbeschränkten Finanzkapitalismus geöffnet wurde (was ich kritisiere)?Zur Antwort auf die o.g. wichtige Frage haben die Herren Pausch und Ulrich nichts beigetragen, sie haben nur Desorientierung (und Diffamierung) geliefert. – Günter Winkler


 Leserbrief zu „Übernehmen Sie Verantwortung!“ von Giovanni di Lorenzo im ZEIT Campus

es ist leider leicht gesagt als getan. Ihr Chefredakteur beschreibt ein Leben, was ich mir auch wünsche. Ich bin älteren Datums und weiß noch sehr genau, wie wichtig Herzensbildung für die Entwicklung eines Menschen ist. Ihr Autor entschuldigt sich fast dafür, daß das Wort völlig aus der Zeit gefallen ist. Allein diese Tatsache macht deutlich wie schlecht es mit unserem Staat bestellt ist. Das Wort wird ja nirgendwo gelehrt. Ich habe das nur durch meine Eltern im Laufe meiner Kindheit immer wieder erfahren müssen. Die Ursache dafür sehe ich an der Vergewaltigung unseres Staates von einer bestimmten Horde von Menschen, die unseren Staat und uns Bürger getäuscht haben. Die Agenda hieß: Weg mit den   Nazischerken in der ersten Regierungszeit unter Adenauer. Das haben die Bürger fast alle verstanden. Richter, Staatsanwälte und Militärs aus der Hitlerzeit wurden für einen Neuanfang in Hohe Ämter fast eins zu eins übernommen. Alles was nach 1968 als überholt, rückständig, faschistisch oder einfach nur als umständlich und unsympathisch galt, wurde damals bürgerlich genannt. Bürgerlich waren die Ehe, die Familie, die Heimat, die Höflichkeit, der Glaube an wissenschaftliche Objektivität. Selbstverwirklichung ohne Bindung an die Gemeinschaft, Missachtung der Sekundärtugenden, grenzenlose Öffnung ohne nationale Würde, Missachtung von Familienbindungen. Wo waren all die Journalisten die das hätten thematisieren können. Sie waren in Wirklichkeit alle von der gleichen Sorte. Weg mit dem alten Gram. Alles nur Nazigequatsche. Ihr Autor kommt 40 Jahre zu spät um Herzensbildung zu erfahren. Die ist ausgestorben und wird vielleicht erst in einer anderen Generation wieder auferstehen. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Österreich – Steueroase für Konzerne“ von Hans Weiss

Mit Freude habe ich ihren Artikel zu den steuerlichen Taktiken multinationaler Konzerne in Österreich bzw. weltweit gelesen. Ich habe allerdings einige Anmerkungen zu aktuellen Entwicklungen zu diesem Thema die im Artikel nicht genannt werden und einige Anmerkungen zu Missverständlichkeiten die man ohne spezielles Fachwissen nicht verstehen kann und daher im Kommentarbereich auch einige wichtige Diskussionspunkt entfallen. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang finde ich eine Erläuterung zum Zwei-Buch System, dabei handelt es sich nicht wie in den Kommentaren fählischerweise angenommen um die normale doppelte Buchführung mit soll und haben, sondern um zwei separate Buchführung für interne Zwecke(Bonuszahlungen etc.) und steuerliche Zwecke vgl. : http://www.springer.com/cda/content/document/cda_downloaddocument/9783642259791-c1.pdf?SGWID=0-0-45-1302150-p174273161 Außerdem vermisse ich ein Eingehen auf die BEPS Initiative der OECD: http://www.oecd.org/ctp/beps/ Hier werden bzw. wurden schon 20 verschieden Massnahmenkataloge verfasst und umgesetzt um viele der angesprochenen Probleme für Steuerbehörden transparent zu machen und den Missbrauch erheblich einzudämmen. Da die Umsetzung erst letzte Jahr begonnen hat kann man zwar noch nichts über (langfristige) Erfolge aussagen, aber ich fände es wichtig den Lesern zu vermitteln das „die Politiker“ nicht nur vollkommen hilflos zusehen oder sogar helfen, sondern es systematische, weltweit und von den wichtigsten Ländern der Welt unterstützt Reformen in Kraft gesetzt werden um dieses Problem zu lösen. Weiterhin finde ich die Schlussfolgerung die Aufteilung von Gewinnen nach dem Umsatz zu ermitteln falsch, da hier sehr viele Probleme liegen (Umsatz ist nicht gleichzusetzen mit den wirtschaftlichen Aktivitäten die einen Mehrwert generieren, z.B. bei Apple wo die Entwicklung in den USA stattfindet und die Produktion in China ist noch schwer zu verstehen warum auf europäische Umsätze (hohe Umsätze) gleich viele Steuern gezahlt werden sollten wie in den anderen beiden Ländern? Außerdem sollte hier auch auf die für die DACH Region wichtigen KMU eingegangen werden, wie im Artikel genannt zahlen diese viele Steuern in den drei Ländern, viele dieser Unternehmen sind allerdings stark export orientiert und erzielen große Teile ihres Umsatzes (in vielen Fällen >>50%) nicht im Inland, bezahlen aber dort einen Großteil ihrer Steuern. Wenn diese Steuerzahlungen nach Umsatz aufgeteilt werden würde Deutschland erheblich an Steuersubstrat verlieren und damit erhebliche Einnahmeneinbußen hinnehmen müssen. Aufgrund des großen Exportüberschusses ist auch davon auszugehen das diese Verluste nur zu einem kleinen Teil wieder aufgefangen werden können. Als letzten Punkt vermisse ich einen Bezug auf die inländische Situation besonders im Bezug auf die Gewerbesteuer, hier gibt es erhebliche Differenzen, allerdings auch systematische Probleme die besonders sehr schwache Kommunen weiter schwächen. Vor allem Kommen die sich in der Haushaltssicherung befinden müssen ihre Gewerbesteuersätze teilweise dramatisch erhöhen und verlieren damit im Wettbewerb mit anderen Gemeinden einen starken Standortfaktor, was wiederum die Steuereinnahmen senkt und damit die Probleme weitervergrößtert. Wohin so etwas führen kann lässt sich vor allem in NRW im Ruhrgebiet und im anderen Extrem in der Gemeinde Monheim erkennen. Ich würde mich freuen wenn es eine weitern Artikel geben würde der einige der von mir genannten Punkte oder auch andere Anmerkung die es bestimmt gibt, aufgreift und vielleicht im Interview mit einem Experten (eventuell ein Professor/Professorin eines Steuerlehrstuhls) eine differenziertere und aktuelleren Überblick über das Thema gibt. – Jens Panek


Leserbrief zu „Riss durch die Mitte“ von Robert Pausch, Bernd Ulrich

Der Gedanke ist nicht ganz neu, die politischen Ambivalenzen in westlichen Demokratien entlang der Achse global versus national zu deuten. Bereits in seiner Ausgabe vom 30.07.2016 hat der “The Economist“ die These aufgestellt, dass sich die neue Teilung innerhalb der atlantischen Welt nicht in dem Links-Rechts-Schema widerspiegele, sondern in den Kategorien <open and closed>. Doch diese Konfiguration stellt in erster Linie linke Parteien vor enorme Probleme. Denn jene Politiker, die einer Verteilungslogik folgen, müssen in der stark globalisierten und automatisierten Arbeitsteilung stets im Auge behalten, welche Folgen ihre Handlungen auf den eigenen Standort haben werden. Folglich kommen sie an einer Beantwortung der Frage nicht vorbei, welchen Teil des Bruttoinlandsprodukts sie umverteilen und wie stark sie die Wirtschaft „anzapfen“ können, ohne die einheimischen Produktionsstrukturen so zu beschädigen, dass sie letztendlich nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Die Schwäche der SPD resultiert womöglich aus dem Dilemma, sich entscheiden zu müssen zwischen einer verantwortungsvollen und regierungstauglichen Programmatik und der Versuchung, das Blaue vom Himmel zu versprechen. Letzteres hört sich lediglich in der Opposition gut an. – Dariusz Adamczyk


Leserbrief zu „Was ist Wachstum, was ist Inflation?“ von Uwe Jean Heusser

um es klar zu sagen: „Die Zeit“ widmet sich mit dem Wissenstest zum Thema „Wirtschaft“ einem auch in seiner gesellschaftspolitischen Dimension bedeutsamen Thema, wie Uwe Jean Heuser richtig feststellt. Zum (ökonomischen) Entscheidungsdenken gehört es aber, nicht nur Probleme zu beschreiben und eine(!) Lösung zu präsentieren, sondern zunächst die Ursachen des vorgefundenen Problems zu analysieren, alternative Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren und diese mithilfe gesellschaftlicher, d.h. auch ökonomischer Kategorien zu bewerten. An diesen Stellen bleibt der Standpunkt Heusers erschreckend undifferenziert und auch in den ökonomischen Kategorien erstaunlich eindimensional. Zur Analyse der Ursachen des Problems des „Wirtschaftswissens“ würde gehören, sich die unterrichtliche Wirklichkeit des Faches an deutschen Schulen anzusehen. Dazu zählt zum einen die von Heuser angesprochene nahezu verwirrende Vielgestalt der unterrichtlichen Erscheinungsformen ökonomischer Inhalte. Allein auf diese Etiketten zu schauen, greift aber zu kurz. Bei genauerer Analyse würde man so z.B. auch feststellen, dass selbst dort wo „Wirtschaft“ gar nicht draufsteht, oft viel Wirtschaft drin ist, an nordrhein-westfälischen Realschulen beispielsweise etwa ein Drittel des Schulfachs „Politik“, in anderen Bundesländern und Verbundfächern sicherlich weniger, auch das sei unbestritten. Fundierte Analyse würde weiter die Erkenntnis zutage fördern, dass in vielen Schulformen und dabei v.a. denen, die entsprechend Heusers Postulat von Chancengleichheit durch Ökonomisches Bildung besonders bedeutsam sind, gesellschaftswissenschaftliche Fächer nahezu vollständig fachfremd unterrichtet werden, was sich sicherlich nicht positiv auf den Lernerfolg auswirkt. Ausgehend von einer um diese Aspekte erweiterten Analyse läge es dann nahe, unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten für das beschriebene Problem zu diskutieren und diese auch mithilfe ökonomischer Kategorien zu bewerten. Dabei müssten mindestens die Knappheit an verfügbarer Unterrichtszeit und die Frage nach Effizienz der vorgeschlagenen Lösungen berücksichtigt werden. So müsste sich Heusers Vorschlag mindestens die Fragen gefallen lassen, worauf angesichts knapper Unterrichtszeit und schier unendlichen „Mehrbildungsbedürfnissen“ auch über den gesellschaftlichen Bereich hinaus (Ernährung, Glück, Digitale Bildung…) für ein Schulfach Wirtschaft verzichtet werden soll und ob der Aufwand für die Etablierung eines neuen Schulfaches inklusive eigener Lehrerbildung dem unterstellten Ertrag gerecht wird oder nicht vielmehr andere Lösungen effizienter sind. Ob am Ende dieser Auseinandersetzung ein deutschland- und schulsystemweites Schulfach „Wirtschaft“ steht, darf bezweifelt werden. Vielmehr scheint diese naheliegende Lösung ein politischer Kurzschluss zu sein, der wesentliche Ursachen des Problems nicht löst, sondern schlichtweg ignoriert. So bleibt der Beitrag von Heuser allein gemessen an ökonomischen Kategorien unterkomplex und oberflächlich, von didaktischen und schulfächersystematischen Gründen ganz zu schweigen. – Christoph Bulmahn


Leserbrief zu „Steilvorlage für Diktaturen“ von Andrea Böhm

Trotzdem sind ab der Mitte „handelsübliche“ Nachlässigkeiten bemerkenswert: – Es gibt keine „westliche Produktion“! Es gibt nur Produzenten und Regierungen, die den Export – UND damit konkludent den Einsatz – genehmigen! Warum verschweigen Sie diese? .. und schützen sie durch Verschweigen? – Es mögen Kampfbomber unter syrischer und russischer Flagge fliegen, aber kein Einziger unter „westlicher“!  Warum unterstellen Sie Ersteren Vorsatz (Vermutung wäre mglw. besser reinformuliert), lassen Letzteren aber diese unhaltbaren Ausreden durchgehen? Wer tötet, sollte schon genau hinschauen, WEN er da umbringt! Und zwar VORHER! In einem nicht völkerrechtskonformen Krieg, der seit 2001 schon 17 Jahre auf 5 Kontinenten andauert (und damit der erste wirkliche Weltkrieg ist), kann es auf einen Tag nicht ankommen! Ihre Kolumne finde ich recht gut! Aber sie könnte etwas präziser, und damit noch besser sein! Also gerne weiter! – Franz Berger


Leserbrief zu „Haben wir Internet gedruckt“ von Karoline Kuhla

Voranstellen möchte ich ein Lob für die wunderbare Sektion „Freunde der Zeit“. Es ist immer wieder interessant auf diese Weise einen Einblick in das Zustandenkommen der Zeitung, Abläufe und den Alltag der Redaktion zu erhalten. Ich denke, dies ist genau die richtige Form von Transparenz um Medienskepsis vorzubeugen. Sehr stimmig empfinde ich vor diesem Hintergrund auch die meist Reportagen beigefügten Informationen zur „Geschichte hinter dem Artikel“. Hauptsächliches Anliegen meines kurzen Leserbriefes ist jedoch, eine Rückmeldung zum Artikel von Fr. Kuhla in der aktuellen Ausgabe zu geben. Mich hat die Geschichte des Journalisten und Bloggers Richard Gutjahr damals in der Ausgabe Nr. 4 sehr erschrocken. Ich gehörte wohl zu der Öffentlichkeit, die im Internet noch nicht über den Beitrag gestolpert war. Umso mehr begrüße ich deshalb Ihre redaktionelle Entscheidung trotz der internen (und wahrscheinlich auch externen) Kritik auch immer wieder mal „das Internet abzudrucken“. Gerade in unserer, durch ein Zuviel an Informationen geprägten Zeit macht es den großen Mehrwert eines guten journalistischen Mediums aus, eine sorgsam kuratierte Auswahl aus dieser Informationsflut zu erhalten. Da macht es gar nichts, sollte man dann im Zweifel doch einmal über einen Artikel stolpern, den man schon irgendwo gelesen hat. Der Nachteil des „verschwendeten“ Platzes wird durch die Vollständigkeit der Ausgabe und der sich dadurch ergebenden Chance, anderswo neue Themen zu entdecken ohne weiteres aufgewogen. In dieser Hinsicht möchte ich daher nur sagen: „Weiter so!“ – gern mit einer weitergehenden, wie von Ihrem Berliner Kollegen vorgeschlagenen, Reportage über die Täter von Internethetze und ihre Motivation. – Flemming Kilian


Leserbrief zu „Übernehmen Sie Verantwortung!“ von Giovanni di Lorenzo im ZEIT Campus

Das plumpe Kokettieren des Autors mit seinem eigenen Bildungsweg als ’schlechter Schüler‘ wird junge Leute kaum zur Übernahme sozialer Verantwortung motivieren, denn dank eines egalitären Schulsystems und der damit einhergehenden Noteninflation sind die ‚underachiever‘ rar geworden, um sich mit Herrn Di Lorenzo identifizieren zu können. So wird sein Appell wohl wenig Widerhall finden, zumal die Sozialisation in unserem neoliberalen Verblendungszusammenhang von der Kita bis zum Studienabschluss eben das, was hier Herzensbildung genannt wird, verhindert, es sei denn, sie stellt sich zufällig, durch ein privilegiertes Elternhaus gefördert, ein. Was wir brauchen sind entschleunigte Bildungsgänge, die nicht nahtlos und elegant von einem vermeintlichen Höhepunkt eines inszenierten und durchgestylten Lebenslaufes zum anderen überleiten. Muße, Spontaneität und Umwege in der Lebensplanung müssen wieder möglich sein, so dass Herzensbildung passieren kann. – Willi Goldstein


Leserbrief zu „Wird jeder zehnte arbeitslos?“ von Kolja Rudzio

Durch die Digitalisierung wird also in Deutschland nicht jeder Zehnte arbeitslos. Auch Unternehmen können mit ihr recht gut leben. Leider ist mit diesen Ergebnissen aus den Umfragen vieles nicht geklärt. Die eigentlichen Probleme der IT-Branche liegen am Anfang ihrer Lieferketten. Ob es Zinn, Wolfram, Tantal oder Gold ist, wer sogenannte Konfliktrohstoffe verbaut, trägt auch eine Mitverantwortung, unter welchen Umständen sie gewonnen werden. Allein 2015 gab es 98 meist gewaltsam ausgetragene Konflikte weltweit um natürliche Ressourcen, die meisten in Mittel- und Südamerika, dem subsaharischen Afrika, Asien und Ozeanien. Viele rohstoffreiche Länder gelten als fragile Staaten, in denen gewalttätige Konflikte, politische Willkür und Korruption an der Tagesordnung sind. Hier eignen sich multinationale Unternehmen Territorien an und beuten sie systematisch aus. In der Rohstoffstrategie der Bundesregierung steht eine stabile und kostengünstige Versorgung der heimischen Industrie an vorderster Stelle. Soziale, menschenrechtliche und ökologische Standards in den Förderländern oder gar natürliche Grenzen des Planeten spielen dagegen beim Handel kaum eine Rolle. Mit dem Abbau von Handelshemmnissen, mit Bürgschaften oder ungebundenen Finanzkrediten erleichtert die Bundesregierung deutschen Unternehmen den Zugang zu Rohstoffen überall in der Welt. So werden Fluchtursachen verstärkt anstatt bekämpft. Die globale ökologische Bilanz der Digitalisierung wäre ein lohnendes Forschungsfeld. Wenn wir dem Klimawandel Tür und Tor öffnen und sei es geographisch weit entfernt, verbauen wir ganz klar auch unsere Zukunft. – Friedrich Brachmann


Leserbrief zu „Alles schräg“ von Eckhard Klieme

es bringt die Schüler nicht weiter, wenn ihnen konstatiert wird, daß Sie im Umterricht jetzt besser aufpassen oder freundlicher mit anderen Schülern umgehen. Das ist doch alles anno Tobak. Daß das schon als Erfolg gewertet wird, zeigt mir, wie weit weg manche Wissenschaftler sind. Natürlich ist Aufmerksamkeit im Unterricht wichtig – das ist doch alles ein alter Hut. Damit überhaupt an die Öffentlichkeit zu gehen, zeigt mir die Ahnungslosigkeit einzelner Pädagogen der OECD. Ihr Autor Eckhard Klieme ist mein Mann. Er hat alles aufgeschrieben und erklärt. Oder wollte die OECD nur mal testen, wie die Reaktion der Lehranstalten ausfällt. Das ganze Schulklima muß von Grundauf renoviert werden. Autorität der Pädagogen ist in der heutigen Schulkultur verloren gegangen. Das ist der Knackpunkt – ohne Autorität lässt sich kein Lehrkörper vernünftig führen. Eine Lehrerin meines Sohnes hat den Schülern das „Du“ angeboten. Der Präsident der Freien Universität in Berlin, Dieter Lenzen, hat vor einigen Jahren sinngemäß geschrieben: „Die Nachkriegspädagogen hielten nichts von Autorität in den Lehrkörpern. Das assoziierte man immer mit der Nazivergangenheit!“ Das war Teufelszeug. Wenn die Ideologie sich nicht ändert, wird sich auch in den Schulen nur oberflächlich etwas ändern. – Gunter Knauer


Leserbrief zu „Schandfrieden“ von Volker Ullrich

mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel über den „Schandfrieden“ von Brest-Litowsk gelesen. Meine 1984 verstorbene Mutter wurde 1912 in der Nähe von Shitomir (heutige Ukraine) geboren und mit ihrer Familie ca. 1919/1920 mit Einheiten der deutschen Armee über Litauen nacht Ostpreussen evakuiert. Trotz einiger Recherchen habe ich bisher noch keine ausführlichen Darstellungen dieser Zeit gefunden. Vielleicht können Sie mir das eine oder andere Werk empfehlen, das mir etwas Aufschluss über die Geschehnisse dieser Zeit und dieser Gegenden geben könnte. Da ich zumindest ein Aufbaustudium in Wissenschaftsgeschichte absolviert habe, können es durchaus auch „trockenere“ Werke sein. – Erich Reimann


Leserbrief zu „Ein Lehrstück“ von Dietmar H. Lamparter

ie beleuchten die Möglichkeiten der Mitwirkung einer Belegschaft bei der Gestaltung der Zukunft von Unternehmen und Unternehmensteilen. Sich hier die Zustimmung der Belegschaft zu holen, ist eher ein Novum – wie Sie das auch feststellen. Aber für die Zukunft eines Unternehmens sicher ein großes Plus. Der Belegschaft wird ein Teil der Verantwortung für die zukünftige Entwicklung gegeben und sie nimmt diese auch an. Auch für das Leistungsvermögen der Firma und das Arbeitsengagement der Mitarbeiter kann sich das nur positiv auswirken. Allerdings wäre es notwendig, dass sich bei Fusionen und Zusammenschlüssen vor allem innerhalb Europas die Mitbestimmung und die vielfältigen Möglichkeiten der Mitwirkung auf das gesamte Unternehmen ausweiten können, zumindest für den europäischen Teil der Firma. Hier müssten auch Rahmenbedingungen in der EU erarbeitet und geschaffen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass Mitbestimmung und Mitwirkung der Belegschaft weltweit doch eher ausstirbt. Denn amerikanische und chinesische Firmen haben für Mitbestimmung wenig übrig, fürchte ich. Oder sehe ich das falsch? – Hans Lazarus


Leserbrief zu „Wem gehört Kreuzberg?“ von Amrai Coen und Malte Henk

Wie ärgerlich, dass das Dossier zu Kreuzberg leider wieder nur an der Oberfläche kratzt und nicht über die müden Klischees der Kreuzberger Steinewerfer und der gar nicht so gemeinen Gentrifizierer, die ja auch nur Menschen sind und nichts Böses wollen, hinwegkommt. Denn weder das Orania noch seine eingeschlagenen Scheiben sind wirklich das Problem, und den meisten Kreuzbergern auch herzlich gleichgültig; das eigentliche Problem ist die Spekulation mit Immobilien – wenn Wohn- und Lebensraum der einen zum hyperventilierenden Renditetraum der anderen wird. Wenn in einem der immer noch ärmsten Bezirke Berlins inzwischen die stadtweit höchsten Preise bei Neuvermietungen abgerufen werden. Wenn diese mit dem so ‘authentischen’ Kiez beworben werden, den sich aber die eigenen Einwohner nicht mehr leisten können. Und wenn die Politik den Menschen keine Möglichkeiten gibt, sich gegen das große Geld zu wehren. So geschehen zum Beispiel Ende letzten Jahres, als die Deutsche Investment eine ganze Häuserzeile der Oranienstrasse aufkaufte, um als quasi ersten Amtsakt in der Limousine von Geschäft zu Geschäft (übrigens alles Einzelhändler aus der Nachbarschaft) zu fahren und ihnen die Kündigung zu überreichen – inklusive der Kita unserer Tochter, seit 34 Jahren der einzige Kindergarten in der Oranienstrasse, denen eine Mieterhöhung im Ist-Zustand von 400% angeboten wurde. Ein Vertreter der verwaltenden EB Immoblienmanagement erklärte dann auch ganz offen in einem ersten Gespräch, dass ihre Aufgabe die höchstmögliche Gewinnmaximierung für ihre Anleger sei, und nicht die Verwaltung der Interessen ihrer Mieter. Und schöner könnte man das Problem nicht auf den Punkt bringen: Wem gehört die Stadt – den Menschen, die dort wohnen, oder denjenigen, die es sich aus der Ferne einkaufen und zu höchstbietenden Preisen weiterverschachern? Das wäre doch mal ein interessantes Thema für ein Dossier – denn in dem letzten kommt das alles leider nur am Rande zur Sprache. – Kai von Rabenau


Leserbrief zu „Lasst mich bunter wählen“ von Henning Sußebach

Ach wie gut ich es doch habe! Ich arbeite für Mindestlohn und die einzigen, die hier was brauchbares bieten sind die LINKEN. – Voila! Wie primitiv und egoistischß – also gut : Ein bischen Geschichte: Es gab einmal einen „bösen“ „(Manchester-) Kapitalismus“ , der seine Untertanen sehr schlecht behandelte. Das gab einem Humanistischen Idealisten (Karl Marx)  und ein par narzistischen, verrückten Rassisten (Hitler, Mussolini) die Basis die Welt zu einem schlechteren Ort zu machen. Und heute gibt es da ein par Vermögende (Kapitalisten) und Anhang, die ihre, schon fast sklavisch, zu fast Hungerlöhnen arbeitenden Mitmenschen (beobachten Sie mal ihren Hermesboten) immer schlechter behandeln( weniger übrig lassen). Und wie könnte man nun die Wiederholung der Geschichte verhindern? – Man wählt LINKS! – oder? Ja da gibt es noch dieses neue Problem der Umwelt. Also dann vielleicht 50% Grün wählen hm hm – ok. Aber sind die nicht auch links? Also vielleicht „linke Sammelbewegung“ (Sarah Wagenknecht“) aus:
– Realistischen Linken also ohne den naiven Glauben an den „Guten Menschen“ und ohne internatiolales Sendungsbewußtsein.
– linken SPDMenschen, also Agendagegnern (die Agendafans können dann ja in CDU und FDP eintreten)
– linke Grüne, also Agendagegner, die Anderen können dann ja vesruchen mit dem bürgerlichen Lager grüne Politik zu machen – siehe „Klimakanzlerin“ – na denn viel Spaß. Wäre doch toll schätze so 20%?! und dann kanns ja nur noch bergauf gehen oder? SARAH for President! – Dieter Herrmann


Leserbrief zu „Übernehmen Sie Verantwortung!“ von Giovanni di Lorenzo im ZEIT Campus

Nach langem Zögern möchte ich doch etwas zu diesem Thema hinzufügen. Ich habe selber (leider) nicht studiert, meine aber, einen hochqualifizierten Beruf auszuüben. Dieser wird m.E. durch eine steigende Anzahl Ingenieurs-wissenschaftlich ausgebildeter Mitarbeiter entwertet. Die Deutungshoheit verschiebt sich immer mehr nach „oben“. Dabei passiert folgendes: Nicht der Praktiker an der Basis hat das Sagen, geschweige ein Mitspracherecht, sondern der Theoretiker in der Führung und zwar ausschließlich. Praktische Erfahrung ( und Ausbildung ) gilt nichts, Theorie und Dienstgrad (Dienststellung) alles. Mitarbeiter, die Missstände ansprechen, werden systematisch kaltgestellt. Je mehr studierte Mitarbeiter, desto schlimmer , so scheint es. Dabei wäre vieles durch Mitarbeiter ohne Studium wahrscheinlich besser zu erledigen. Jeder normale Mitarbeiter hofft ,sich so schnell wie möglich in den Ruhestand zu retten. Stichwort: Rente mit 63. Hunderttausende rollten so schnell wie möglich vom Werkshof und zwar ausschließlich die sogenannten Facharbeiter. Frage an meine Kollegen: Kennt jemand Giovanni Di Lorenzo? Antwort: Nein. Liest jemand FAZ ,SZ,ZEIT o.ä. Zeitungen? Antwort: Nein, kann man alles im Internet nachlesen. Hat jemand mehr als 100 Bücher zu Hause? Vermutlich keiner. Schlagworte aus Gesprächen mit Kollegen: Ich wähle nicht Rot-Grün versifft / Die Afd ist eine wirkliche Alternative / Die Oper in unserer Stadt kostet 50 Millionen im Jahr, warum wird die nicht geschlossen / Auschwitz interessiert mich nicht ( wenn überhaupt bekannt ). Dazu der verheerende Zustand der Politik: Das Frau Merkel wieder BK wird,ist niemandem zu vermitteln. Herr Schulz hat sich und die SPD völlig ruiniert. Ich denke, bei der nächsten Wahl werden noch nicht einmal mehr 20 % erreicht werden. Ich selbst bin bei der letzten Kommunal-/Bundestagswahl nicht mehr zur Wahlurne gegangen ( wenn auch unter Bauchschmerzen ). Leider ist es z.Zt. so: Mir ist es mittlerweile völlig egal. Zurück zum Thema: Wie ist das zu erklären, das steigende Akademikerzahlen zu sinkenden Buchabsätzen führen? Warum steht ein Land mit der elitärsten Regierung ( Frankreich ) wirtschaftlich und gesellschaftlich nicht an der Spitze Europas? Steigt doch mit steigender wissenschaftlicher Kompetenz die Möglichkeit, Unfug zu treiben? Wie sieht es in Polen, Ungarn, Österreich aus ? Sind es nicht vorrangig Menschen mit Studium, die nach rechts abdriften? Blick in die Geschichte: Das RSHA war ein Amt mit den höchsten Akademikerzahlen. Aktion T4, Auswärtiges Amt, die Justiz, das Militär, das Personal an den Universitäten… Wo ist der wissenschaftliche Georg Elser? Warum wird die Erziehung zur Mündigkeit ( Adorno ) nicht vorangetrieben? Zum Schluß noch ein Wort über das einfühlsame Porträt über die Friseurin, über die die Autorin so erstaunt scheint. Ich kann es verstehen, ich bin seit über 30 Jahren mit einer gelernten Friseurin verheiratet und staune noch immer. – Michael Schmitz