‹ Alle Einträge

11. Juli 2019 – Ausgabe 29

 

Leserbriefe zum Titelthema „Der Mythos vom Verzicht“ von Wolfgang Uchatius

Wenn die beiden Überschriften („Ich habe kein schlechtes Gewissen … / Warum [Autofahren, Fliegen] in Ordnung ist“) im Vergleich zu dem, was W. Uchatius im Text (Sinnvolles) schreibt, nicht selbstironisch zu verstehen sind, wirken sie völlig unverständlich. Es bleibt zu hoffen, dass eine Petra Pinzler oder ein Bernd Ulrich bewusst völlig andere Schlagzeilen wählen werden. – Ilse Baumann-Grösch und Herbert Grösch

 

Ich fand Ihren Artikel so diskussionswürdig und wichtig, dass ich dazu aufrufen möchte, ihn als Sonderdruck allen älteren Schülern zur Verfügung zu stellen. Wenn die Kosten ein Problem sind, richten Sie ein Sonderkonto ein – ich bin dabei. – Norbert Fabisch

 

Soeben habe ich die aktuelle Ausgabe von „Die Zeit“ erhalten und bin bestürzt. Nun hat es das Vegetarier-/Veganer-, Umweltschutzaktivisten-, Grünen-Bashing also auch auf die Titelseite geschafft. Schon seit einiger Zeit sind mir die zunehmend mehr werdenden Artikel aufgefallen, in denen Umweltschutzorganisationen/Umweltaktivisten, Grüne und andere „Gutmenschen“ diskreditiert werden:
– Die wichtisten Falschmeldungen aus dem Jahr 2018 („Die Infomüll-Abfuhr“), die unbedingt korrigiert werden müssen, waren v. a. Zahlen aus dem Themenkomplex Umwelt („Tote durch Luftverschmutzung – die zugespitzte Zahl, „Das Ausmaß des Insektensterbens – die überinterpretierte Zahl“, „Wie dreckig sind Kreuzfahrtschiffe – die Pi-mal-Daumen-Zahl“, „Tote durch Antibiotikaresistenzen – die arg hochgerechnete Zahl“)
– Die (ökobewegten) Städter, die der Landbevölkerung ihre Naturschutzmaßnahmen diktieren – mit einem Pegida-ähnlichen Grundton
– Die Klimaforscher, die einen „eilig aufgeschriebenen, nicht begutachteten Aufsatz“ verfassen
– Die Grünen, die ihren Kreisverbänden diktieren, Wahlplakate zu verwenden, auch wenn diese das aus Umweltschutzgründen nicht wollen
– Felix Finkbeiner, der „die Welt aufforsten und das Klima retten“ will. „Nur mit den Fakten tut er sich bisweilen schwer“
– Die grüne Bewegung, deren „politischen Ziele von einst sich langsam in einem bequemen und elitäten Lebensstil auflösen“ – eine Tirade im besten Wortsinne
– Flankiert von „Schönes neues System der Widersprüche“ … u.v.m.

Ganz zu schweigen vom dumpfen FDP-/CDU-Narrativ der Grünen als Verbotspartei (die anderen Parteien dagegen machen Gesetze), dessen sich immer häufiger bedient wird, vom Stereotyp der elitären Vegetarier und Veganer (ich bin übrigens keiner), die ihren zwecks Gewissensberuhigung praktizierten Lebensstil allen Anderen diktieren wollen, vorgebracht von „Journalisten“, die den Beginn der Energiewende auf 2011 datieren (und nicht auf die „Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen“ vom 14. Juni 2000). Häufig fehlen in diesen „Artikeln“ jegliche Daten, Argumente oder interessante erwägenswerte Aspekte. Das Pro & Contra scheint in diesen Beiträgen häufig abhanden gekommen. Ein trauriger Höhepunkt war das Umweltpolitik-Plazebo, das AKK in bester Seehofer-Wendehalsmanier in Ihrem Blatt verabreichen durfte, wie immer begleitet von umfangreichem Werbematerial für Fernreisen zur See und per Flugzeug … Es tut mir sehr leid um die vielen gut gemachten Artikel und Beiträge/Kolumnen, aber momentan möchte ich „Diese Zeit“ nicht mehr mit einem Abo unterstützen! – Harald Mölzer

 

Wenn Sie Verzicht als Mythos etikettieren, müssen wir vielleicht doch irgendwann auf DIE ZEIT verzichten. Ohne Verzicht und ohne Bescheidung ist Leben auf der Erde nicht zu retten. – Dr. Karg

 

In Hamburg gehen ungefähr 90% der Menschen, die überhaupt von Ihrer Zeitschrift Notiz nehmen, an Geschäften vorbei, lesen den Titel, und gehen weiter. Was also lesen diese Leute am 11.7.2019? Möglicherweise den schlechtesten und empirisch falschesten Aufmacher, den es jemals gab. Wer, in unserer konsumistischen westlichen Welt, „verzichtet“? Was meinen Sie? Wer verzichtet auf Fleisch, gar – ich konnte mich kaum halten – auf Flüge? Ist Ihnen jede Empirie völlig gleichgültig geworden? Und wer, bitte! – es muß doch ein Mindestmaß an Niveau geben – wer hätte je behauptet, „Verzicht“ Einzelner (den es nicht gibt…quite to the contrary…) würde „die Lösung“ sein?

Dieser Aufmacher is so falsch, daß Sie sich über die Wirkung dann nicht wundern dürfen. Menschen, die sich noch für Fakten interessieren, können nur den Kopf schütteln. Verzicht, wo? Schauen Sie gelegentlich nach oben? Ist Ihnen im Flieger je klar geworden, daß Sie, über die Meere jettend, über Menschen fliegen, denen EU-Recht verbietet, zu fliegen? Die in Booten zu uns zu kommen versuchen müssen? Kennen Sie die neuesten Studien zu Kerosinstreifen, zusätzlich zu Problemen des Flugverkehrs qua CO2 usw? Viele – und das dürfte von Ihnen erwünscht sein – die Ihren Aufmache sehen, werden sich erfreut den Bauch streicheln. Ei fein, da buch ich doch rasch übers smartphone den nächsten Billigflug! Einzelne lösen keine Probleme, und 700 Millionen Einzelne auch nicht! Hau rein! IPCC1 ist nun 31 Jahre her. Es gab viel, viel Raum für die flat earth society, Maxeiner/Miersch, Lomborg, Sonja Margolina, jungle world (Ivo Bozic), „Eike“, politically incorrect, Trump, auch Ralf Fücks – die Liste ist lang. Naomi Klein hat das beschrieben – diese Leute wußten und wissen, was sie taten. Sie wollten das kapitalistische Wirtschaften retten, das die Klimazerstörung hauptsächlich bewirkt. Und sie waren erfolgreich. Eine rätselhaft absurde Überschrift aus der ZEIT von 2016 zeigt das exemplarisch – er lautete, aus dem Gedächtnis: „ach es gibt sie doch, die Klimaerwärmung“. 2006/7 gab es dann alles schon einmal. Al Gore – hunderte Berichte, überall – gefolgt von „sollen wir denn nun verzichten, ey?“. Nun Greta Thunberg – viele Berichte – und nun kippt es erneut um. Nach 30 Jahren westlichen Versagens etwas moderater, doch die Machart ist genau gleich. Und falsch.

Es gibt keinen „Verzicht“ im Westen. Niemand behauptete je, „die Einzelnen“ wären “ die Lösung“. Aber außer den Allerärmsten fliegen Deutsche längst manisch – es gibt erste Studien zu „binge flying“. Diese Einzelnen sind rund 700 Millionen Einzelne. Es ist zu spät für Aufmacher wie Ihren. Und er ist besorgniserregend niveaulos. Er ignoriert die Fakten… Selbstverständlich geht es seit langem um globale Regelungen, die übrigens in Ihrer Zeitung selten gefordert wurden – die absurde Befreiung des Suchtmittels Flugreisen (85%, genauer werden wir nicht informiert, sind weltweit noch nie geflogen, 700 Millionen fliegen unfassbar oft und weit) Flugverkehr von Steuern etwa. Keine Kerosinsteuer, keine Mehrwertsteuer für Auslandsflüge… Arbeitsbedingungen für die Angestellten, die man kaum loben kann (easyjet, Ryan Air, usw). Selbstverständlich geht es darum, a) westlich imperiale „life-styles“ zu bekämpfen, und die groteske Einseitigkeit, daß vor allem der westliche Kapitalismus, einst dazu in geringerem Maße genauso der Staatskapitalismus der UdSSR und der anderen Staaten, das Klima zerstören. Es ist aber viel, viel zu spät, so zu tun, als könnten dabei die armen, armen KonsumistInnen des Westens einfach – individuell – so weitemachen… Das beides hängt zusammen. Wer – wie viele, viele im Westen – jährlich 20, gar 100 Tonnen CO2 persönlich verbraucht, kann nicht so weitermachen. Der Verzicht findet nicht statt, außer auf Ihrer Titelseite als Behauptung. https://www.tagesspiegel.de/wissen/durch-immer-mehr-fluege-klimaeffekt-von-kondensstreifen-koennte-sich-bis-2050-verdreifachen/24504556.html

Ich schreibe meine Romane in Cafés. Ich höre täglich mindestens 10 Geschichten von Kurzflügen über 7000km oder mehr. Die Erzählungen strotzen von Phantasiearmut. Oft geht es um „Spinnen im Hotel in LA“ oder „Die Klimaanlage in Dubai reichte nicht aus“. Kurz nach der Heimkehr giert man nach dem nächsten Flug. Grüne-Wählerinnen, die 2019 dreimal bis Juni auf Hawai waren. Verzicht? https://www.arte.tv/fr/videos/073938-000-A/l-homme-a-mange-la-terre/ Haben Sie diese – späte- Zusammenfassung gesehen? 200 Jahre westlicher Wahnsinn. Fehlgegangene Technologie, die man hätte anders nutzen können. Wirklich, es ist schon im Ansatz falsch, wie Sie es „aufziehen“. Aber nach 30 mehr oder minder verschlafenen Jahren ist es zu spät, die Mär vom individuellen Verzicht zu erzählen. Deshalb ist Ihr Aufmacher so ungeheuer schlecht. Das Umdenken hätte früher einsetzen müssen, und jede weitere Verschleierung – denn es gibt keine Regierungen im Westen, die sofort – verspätet – umsteuern, und man hört schon erste Stimmen, die nach einer „Klima-Diktatur“ rufen – ist schädlich. Doch, die Einzelnen, die allein nichts ändern, müssen aufhören, zu fliegen, zuviel Fleisch zu essen, Wohnungen auf 24-27° zu heizen. Und im Kaufrausch zu leben. 700 Millionen Einzelne müssen das. – Georg Fries

 

Ich stimme Ihnen zu:
Keiner würde jemals infrage stellen, dass ein Mörder bestraft wird. Aber bei Gesetzen, die unseren Planeten und die Menschen in austrocknenden Gegenden vor dem Tod bewahren sollen, maßen wir uns an, sie mit Verweis auf unsere „Freiheit“ aus der Diskussion zu katapultieren. Und was ist mit „Die Freiheit endet dort, wo die der anderen beginnt.“? Das unterstreicht einmal mehr unseren Egoismus und unsere Bequemlichkeit. – Freya Wasen

 

„Mythos“ ?!…Hier hat offenbar jemand komplett verschlafen, was die Stunde geschlagen hat – und das ausgerechnet auf der Titelseite der vielgelesenen, anspruchsvollen Wochenzeitung „DIE ZEIT“ – „die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft nicht. Es braucht größere Lösungen“ heißt es da. Tatsächlich? Größere Lösungen braucht es also? Dann können wir uns also – ganz im Stil der herkömmlichen Poltik hierzulande – zurücklehnen und die rechte ZEIT abwarten, bis die „größeren Lösungen“ schließlich ans Tor klopfen und ihr Hämmern uns aus dem Tiefschlaf wecken werden? Inzwischen: abwarten. Vielleicht darf ich hier auf die sprachlich deftige Mahnung unseres derzeitigen Bundestagspräsidenten hinweisen, der kürzlich mit Blick auf die Europa- Politik das Wort „lahmarschig“ benutzte. Sind es denn nicht immer einzelne Menschen gewesen, die dieser Lahmarschigkeit einen kräftigen Tritt verpasst und so etwas in Gang gesetzt haben, das mit den Menschenmassen dann auch die „größeren Lösungen“ auf den Weg gebracht hat? Diese Forderung eines jeden Einzelnen meinte wohl auch P.Sloterdijk, als er seinem Buch den Titel gab „Du musst Dein Leben ändern“. Die ganze Wucht dieses Rilke Verses liegt potentiell allein in dem DU, das wie der Stein aus Davids Schleuder die Stirn jedes Einzelnen trifft. Da ist nichts von einem „Wir“ oder von „größeren Lösungen“, hinter denen „man“ sich, in seiner Faulheit und seinen eingefleischten (sic!) Gewohnheiten ausharrend, verstecken könnte. Also keine wie auch immer klebrige „Solidarität“ oder „Kollektivschuld“ oder ähnliche Bemäntelungen: DU bist es, DU SELBST, der gefordert ist, hier und jetzt die Lösung zu liefern! Du trägst die volle Verantwortung – nicht nur ein Quentchen davon, und alle „anderen“ tragen die Hauptlast… Wie entstehen denn Flashmobs, Massendemonstrationen, Petitionen anders als durch das entschlossene Hervortreten und Handeln Einzelner? Auch „größere Lösungen“ fangen an – wenn überhaupt – als Einsicht, Entschlossenheit, Heraustreten, Weg und Tat Einzelner, die allerdings nicht bloß darüber reden oder schwadronieren, sondern stattdessen diese Lösungen selber „leben“, „hic et nunc“, sie bewußt, konkret und demonstrativ in Tat und Wirklichkeit umsetzen. Was sind denn „größere Lösungen“ anderes – wenn nicht faule Ausreden – als viele ineinander verflochtene, gebündelte, entschlossen gemeinsam gelebte kleine Einzellösungen? Pfeifen es zurzeit nicht die Spatzen von allen Dächern des Landes: Hört auf, macht langsamer, konsumiert weniger, fresst nicht so viel und unnötig, esst vernünftiger und empathischer, benutzt dabei eure Vorstellungskraft, eure Fantasie, bleibt öfter zuhause und bewegt euch in eurem Umfeld, denkt nicht nur an euch und eure beschränkte Gier, sondern zunehmend auch an die Bedürfnisse und das Leid der Tiere, der Luft, der Erde, des Wassers, der Wiesen und Wälder? Wem anders pfeifen denn die Spatzen diese Mahnungen als jedem einzelnen Menschen in seiner individuellen Verantwortung und Vernunft? Das sogenannte „schlechte Gewissen“ (s. Artikel W. Uchatius) kann getrost aussen vor gelassen werden: es hat noch nie irgendetwas Positives bewirkt sondern hat im Gegenteil immer nur das bequeme Weiterdümpeln im Murksismus des Gewohnten bemäntelt und bestärkt. Letzteres auch oft mit der wahrhaft erhellenden, umwerfenden Feststellung: „Wenn ich’s nicht tue (das Fleischfressen, das Fliegen, das Konsumieren usw.), dann tut es doch nur ein anderer!“ Und wer denkt schon noch daran, in welcher Gestalt das jeweils abgeschlachtete Mitlebewesen, jetzt zerteilt und abgewogen und abgepackt in der Fleischabteilung des Supermarkts, gesehen und berührt und angesprochen werden konnte?! Der ganze Planet, mit allem was darauf grünt, blüht, schwimmt, kreucht und fleucht liegt da.Vor mir, vor dir (nicht vor „uns“!!) und mahnt (am Schluß von Rilkes Gedicht“Archaischer Torso Apollos“), herausfordernd fordernd, im absoluten Singular, als „Befehl aus Stein“ (s. Sloterdijk, S.40) : (…) „und bräche nicht aus allen seinen Rändern aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.“

Also: Die Enthaltsamkeit des Einzelnen – und also auch wohl dessen Handeln – hilft nicht? Nicht gleich, nicht mit der Zeit und auch nicht zu Millionen sich summierenden betroffenen Einzelfällen ?… Von wegen!…. – Jörg Kühne

 

Ihr Journalist ……Uchatius….hat ganz, ganz großes erzählerisches Talent. Seine Geschichten sind auch super konsequent logisch aufeinander folgend im NARRATIVEN aufgebaut! KOMPLIMENT! Ich habe seine Geschichten mit Spannung gelesen! Das schreibt an dieser Stelle übrigens eine einfache 75jährige Hausfrau. NUR: Seine Lösungsvorschläge in Richtung „VERBOTSMANAGEMENT“ wollen mir überhaupt nicht einleuchten! Wie sollte eine Regierung wie die deutsche in einem zerstrittenen Europa ein wenn auch nur minimal orientiertes „Verbotregime“ gegen diktatorisch geführte , rein macht orientierte Staaten wie -um nur wenige zu nennen- China, Russland, Nordkorea und zur Zeit unberechenbar gewordene Staaten wie USA, wahrscheinlich demnächst auch GB unter Johnson , durchsetzen können?! „That is the question!“ „To be or not to be“, sagte Prince Hamlet bei Shakespeare vorher! Zwei Europäer, von denen wir hoffen, dass sie der Brexit nicht von uns trennt! oder wir uns nicht trennen lassen! stellen uns aus heutiger Sicht eine ÜBERLEBENSFRAGE. Wann erkennt die Welt mit den Europäern endlich, dass wir sie nur GEMEINSAM retten können? To be or not to be! Ein hochaktuelles Thema! – Ruth Heiermann

 

Dem Artikel kann ich insofern zustimmen, als weder ein schlechtes Gewissen noch der persönliche Verzicht alleine die Klimakrise mindern können. Aber: Wer bei seinen Klimasünden ein schlechtes Gewissen hat, akzeptiert leichter entsprechende Verbote. Und: Wenn man selbst Verzicht übt, und sei es nur punktuell, erhöht das die Glaubwürdigkeit des Anliegens und signalisiert den Entscheidungsträgern in der Politik, dass man Klimaschutzmaßnahmen will. Wenn nämlich dieser Wählerwunsch nicht artikuliert wird, dann wird sich in einer Demokratie auch nichts ändern. – Gabriela Will

 

Danke für den Artikel! Eine Ergänzung zu Ihrem Beispiel der Kühe auf der Gemeinschaftsweide in England: In Deutschland hatten die Bauern neben ihrem privaten Acker, Garten und Gründland (zur Heugewinnung) einen Anteil an der Holzmarke (in Süddeutschland Allmende genannt). Auf dem alljährlichen Holthing wurde unter anderem festgelegt, wieviele Pferde, Kühe, Rinder, Schweine etc. jeder Stelleninhaber auf die Gemeinschaftsweide bzw. -wald getrieben werden durfte (in meinem Geburtsort Wiedensahl durften 1666 von 100 Bauern, Handwerkern, Mietern und Altenteilern insgesamt 57Pferde, 23Fohlen, 227Kühe, 168Rinder, 109Schweine und 42Schafe auf die Gemeinschaftsflächen getrieben werden. Siehe: „Niedersächsisches Online Archiv“ der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (www.gwlb), Stichwort: Wiedensahl; dort: Pfarrarchiv. Das Holthing regelte auch, wieviel Brennholz, Holz für Werkzeuge, Geräte und zum Bauen jeder entnehmen durfte. Das System war seit der systematischen Besiedlung um 1250 (30Bauernhöfe + 1Hof des Grundherrn) an die Entwicklung angepasst: an die Vermehrung der Höfe durch Hofteilungen, durch Schaffung von Handwerkerstellen (mit wenig Land; Brinksitzer genannt), schließlich Familien ohne Haus (also Mieter). Die Vermehrung der Familien führte zu einer – geringeren – Erhöhung des Viehbestandes, zulasten des Gemeinschaftswaldes. Hinzu kam das „Plaggen schlagen“ auf den Gemeinschaftsweiden, zur Düngung der Äcker. Die Gemeinschaftsflächen wurden – trotz Regelung – zu einem immer größeren Problem der wirtschaftlichen Entwicklung. Die französische Besatzung um 1810 suchte eine Lösung, kam aber durch die Befreiungskriege nicht zum Ziel. Erst 1837 wurden die Gemeinschaftsweide- und -waldflächen entsprechend dem Anteil aufgeteilt. Der unterschiedliche Wert des Baumbestandes auf dem nun privaten Waldstück wurde finanziell ausgeglichen. Die Gemeinschaft hatte vorsorglich soviele Setzlinge herangezogen, dass innerhalb weniger Tage 58ha Genossenschaftswald neu gepflanzt werden konnte. Die privaten Flächen wurden besser gepflegt, der Ertrag stieg – zunächst noch ohne „Kunstdünger“. – Adolf Ronnenberg

 

Ihr Dossier zu Sinn und Unsinn des Verzichts hat mich in eine Sinnkrise gestürzt!
Da habe ich als eine der ersten Anfang der Siebziger Pumpsprays gekauft (Ozonloch! FCKW!), Prospekthüllen aus PE (PVC ist giftig!) verwendet, Anfang der Achtziger den Biobauern mit einer Käufergemeinschaft (schrecklich die ranzige Bauernbutter von damals, aber…) über die Anfangshürden geholfen, bis heute kein Zweitauto trotz Stadtrandlage und nicht-existierender ÖPNV-Anbindung angeschafft, niemals einen Wäschetrockner verwendet, perfekt gedämmtes Fertighaus angezahlt, auf Pestizide im Garten verzichtet und den Zaun mit umweltfreundlicher Lasur gestrichen, Wasser gespart (Regenauffangbecken im Außenkeller), Kollektoren auf dem Dach angebracht (als uns noch alle kopfschüttelnd erklärten, dass sich das niemals rechne), in den Neunzigern nur noch Fairtrade-Kaffee gekauft, nur zähneknirschend Funktionskleidung erworben (Microfaser ist Sondermüll!!), das erste Partikelfilterauto (ja, leider: Diesel, sparsam laut damaligem Wissensstand) gekauft, in den Nullerjahren den Fleischkonsum massiv reduziert, kaum geflogen (Griechenland – einmal alle zwei Jahre) usw. usf, und bei all dem versucht, der Freudlosigkeit und der Ideologiefalle zu entgehen und die Mitwelt nicht zu sehr mit erhobenem Zeigefinger zu belästigen….

Und jetzt: Alles Quatsch? Es stimmt schon, wir befinden uns auf einer abschüssigen Bahn: wieder hochklettern geht nicht, – können wir wenigstens bremsen? Selbst das ist nicht sicher. Es ist ganz schön hart, jetzt rückblickend zu sagen, eigentlich hättest du genauso als unbeschwerter Konsumfuzzi leben können (und jetzt käme die Liste all der Dinge, die ich mir sonst noch verkniffen habe), es hat nicht wirklich einen Unterschied gemacht. Nicht ganz: Wie die englische Lady mit ihrem Zuckerverzicht mitgeholfen hat, dem Zeitgeist Schwung zu geben, so dass irgendwann die Politiker leidlich sicher sein konnten, mit dem Verbot der Sklaverei keinen Bürgerkrieg zu entfachen (na ja, von den USA mal abgesehen), so haben wir Ökos, Grünspinner, Müslikrieger und zuletzt die Fridays-for-futures es zumindest geschafft, das Problem nach und nach auf die Tagesordnung zu bringen. Was daraus noch wird, weiß man ebensowenig wie zu Beginn einer Ehe oder bei der Geburt eines Kindes. A propos: Die Antinatalisten sollten sich konsequenterweise auch gleich noch selber umbringen (und uns Siebzigjährige mit), weil das den garantierten Soforteffekt hätte, den es jetzt vielleicht braucht. Aber man weiß es halt nicht!

Es ist wie bei der Pascalschen Wette: Ob es sich auszahlt, gottgefällig zu leben, weiß man erst hinterher und in diesem Leben gar nicht. Und in unserem Fall wissen es auch erst die Nachgeborenen. Der größte Teil meines Lebens liegt hinter mir Was mir persönlich noch bevorsteht, weiß ich nicht, was der Menschheit bevorsteht, auch nicht. Aber so zu leben, dass vielleicht noch eine klitzekleine Möglichkeit besteht, auf der abschüssigen Bahn soweit abzubremsen, dass unseren Kindeskindern gerade so viel Zeit bleibt, mit veränderten Lebensbedingungen klar zu kommen, daran halte ich im Sinne von Blaise Pascal jetzt einfach mal fest!! – Christine Maier

 

Alles hat seinen Preis. Die Umwelt leider weitestgehend nicht. Nach wie vor wird sie als sog. freies Gut erachtet. Das ist schädlich für alle von dieser Umwelt abhängigen Individuen. Da sich am sog. freien Markt kein Preis für den Verzehr an Umwelt bildet, brauchen wir ein Regulativ. Da es unmöglich ist, alle Umweltsünden mit einem Preis zu belegen, sollten wir dort ansetzen, wo die Hebelwirkung die größte ist. Ich würde da viel weniger auf dem Individualverkehr und der Art und Weise, Urlaub zu machen herumhacken. Die größten Naturverbraucher sind bei uns die Systeme, die Energie und Nahrung erzeugen. Wir zerstören in apokalyptischem Ausmaß Biotope zweckd monokultureller Gewinnung fragwürdiger Nahrungsmittel und Rohstoffe. Wir bauen mehr Kohlekraftwerke denn je und betreiben Tagebergbau in einem Ausmaß, dass sich mittlerweile ganze Kontinente massiv landschaftlich verändern, siehe am Beispiel Australien. Um wirklich etwas zu verändern, brauchen wir einen weltweiten Konsens darüber, dass manche Arten von Umweltverzehr einen hohen Preis haben müssen! Jeder Hektar Regenwald, egal ob in Südamerika oder Südostasien abgeholzt, müsste so teuer sein, dass es sich für keinen Agrar- oder Rohstoffkonzern noch lohnt, hier umweltzerstörend Hand anzulegen. Genauso muss der Abbrand von fossilen Energieträgern wie Kohle und Erdöl dergestalt teuer sein, dass es sich geradezu aufdrängt, Strom mit regenerativen Energieträgern zu erzeugen. Auch dieses gelingt nur im weltweiten Konsens. Es gilt folglich, sich die Frage zu stellen, wie dieser Konsens erzielt werden kann. Manchmal zweifele ich daran, dass dieser im demokratischen Sinne entstehen kann, siehe und vergleiche das unerträgliche Lavieren der wichtigsten Nationen auf sämtlichen Umweltkonferenzen! Vielleicht müsste es eine nahezu überirdische Instanz geben, ausgestattet mit einer erdumfassenden Machtpromotion, uns befangene Spezies zu unserem Glück zu zwingen und endlich für den Umweltverzehr einen adäquaten Preis zu zahlen. – Ein/e Leser/in

 

Also jetzt ist es doch der Gipfel an Propaganda und Desinformation in Sachen Klimawandel ! Jetzt auch noch Verbote ! Ihr Herr Uchatius muß nun wirklich der geistigen Umnachtung anheim gefallen sein ! Hat der doch tief gegraben mit seinen Zitaten von den Zeiten des Zuckerkonsums u. a. – ziemlich schief ! Kann man alles auseinander nehmen ! VERBOTE – hier in Deutschland oder wo ? Das Klimaproblem ist doch global ,wie ständig verkündet – also verbiete man auch global ! Da beginnt und endet es – weltweit mit 7,5 Millarden Menschen – verbiete man all das was der Herr U. zitiert – welch eine utopische Forderung ! Hier besteht die Fehldenke und der Größenwahn mancher Leute vom PIK Potsdam bis di Caprio oder al Gore . Treibhausgas eine Theorie von Svante Arrehnius – völliger Unsinn – der Planet besitzt kein Glasdach wie in Beet im Gemüsegarten – die globale Dynamik der Erdatmosphäre funktioniert nach dem 2. Gesetz der Thermodynamik – Isaak Newton ! Der Anstieg der Co2 Moleküle von ca. 180 PpM seit 1850 bis heute auf ca. 4oo PpM soll die Durchschnittstemperatur auf noch nicht mal 1° Celsius erhöht haben – also wer das glaubt muß völlig vernagelt sein , oder keinen Schimmer von Physik und Chemie haben – aber wie sollte der auch , wenn einer Historie – Kulturwissenschaften oder was von Wirtschaftswissenschaften gehört hat . Lassen Sie mal einen Experten der Geowissenschaften , Physiker oder Atmosphärenchemiker in Ihrer Zeitung zum Wort kommen ! Ihre Rezensenten sind für mich Demagogen , gekauft und einseitig informiert – es ist jammerschade , daß solchen Leuten eine Plattform gewährt wie der Ihren , dennoch geschätzten Zeitung ! VERBOTE – ja wo leben wir denn , etwa in solch Zeiten wo die Jakobiner wieder das Wort führen und am Ende ( geistige) Guillotinen errichtet werden …. Schreiben Sie mal was anderes …. – Klaus Schindler

 

Herr Uchatius zitiert das Dilemma kollektiven Handelns an Hand des Beispiels von Überweidung auf Gemeinschaftsland in England in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zur gleichen Zeit am gleichen Ort nimmt ein anderes hochdynamisches System so richtig Fahrt auf und beeinflusst seither das Leben auf diesem Planeten in enormen Ausmaß – der Kapitalismus, das gewinnorientierte menschliche Handeln. Die Ursprünge desselben beruhen in der Auflösung von Allgemeinflächen, Aufteilung in kleinere Einheiten, Übereignung an den Landadel und Verpachtung an Bauern. Der Pachtzins war gesetzlich vorgeschrieben, alle Erträge darüber hinaus blieben dem Bauern. Die Rechtssicherheit wurde durch den Staat gewährleistet. Das hatte zunächst eine Verbesserung der Lebenssituation der gesamten englischen Bevölkerung zur Folge! Die weiteren Entwicklungen sind wohlbekannt, eine genaue Beschreibung sprengt allerdings den Rahmen eines Leserbriefs: Einführung von Maschinen, Verelendung der Massen, Bildung von Gewerkschaften, Finanzkrisen, Gegenbewegungen in Form von Kommunismus, Faschismus, Sozialdemokratie, Weltkriegen, immer wieder Finanzkrisen … Es ist dieses System des Kapitalismus das uns auch in die derzeitige Situation der Klima- und Umweltkatastrophe gebracht hat. Es hat uns allerdings auch den Wohlfahrtsstaat gebracht, Bildung, Freiheit, medizinische Versorgung für einen großen Teil der Weltbevölkerung. Der Kapitalismus, dieses hochdynamische, exponentiell wirkende System kann uns ins Verderben oder zu Wohlstand führen. Der derzeitige Weg führt wohl geradewegs ins Verderben – wenn wir es weiter zulassen dass unser Leben unter der Prämisse des „Homo Oeconomicus“ geführt wird und Geld, Arbeitskraft und Boden als unbeschränkt handelbaren Ware angesehen wird. Das System gehört an der Wurzel geändert und die Mär vom freien, selbstregulierenden Markt ad Acta gelegt. Für die Änderungen selbst gilt es die richtigen Ansätze zu finden – Modellversuche in relevanter Größe (siehe Wirtschaftsnobelpreis 2018) halte ich für einen vielversprechenden Weg. Ist der richtige Weg einmal eingeschlagen vertraue ich auf die bereits erwähnte Dynamik des Systems, hoffnungsloser Optimist der ich nun einmal bin. Aber solange das noch nicht der Fall ist finde ich schlechtes Gewissen für durchaus angebracht! – Helmut Reinthaler

 

Regulierung und ehrliche Preise zum Klimaschutz, ja bitte!
Danke für diese kluge Argumentation für einen Sinneswandel hin zu Verboten und Einpreisungen beim Klimaschutz. Ohne diese Veränderung gibt es ab sofort nur die große Freiheit an den Folgen der Klimakatastrophe zu leiden und zu sterben. In Kenntnis meines „inneren Schweinehundes“ füge ich mich lieber dem Notwendigen und Sinnvollen für die Zukunft der Menschheit. Man kann es nie allen recht machen, aber vieles für viele richtig: Tempo 130, weniger Fleisch, Kerosinsteuer, inländisch Bahnfahren.. tut gar nicht mal so weh und ist so gesund! Liebe Parlamentarier, denken Sie groß und langfristig, handeln Sie nach Ihrem Gewissen, schnell, mit Augenmaß, ohne ideologische Scheuklappen und beachten Sie bitte auch Gesamtökobilanz und Brückentechnologien wie Erdgas und synthetische Kraftstoffe. E-Mobile mit Auspuff am Braunkohlekraftwerk sind Blödsinn! – Gregor Berhorst

 

Sehr gut geschriebenes Dossier, das die richtigen Schlussfolgerungen zur Klimadebatte zieht: Wir brauchen eine Politik, die sich traut, das Klima auch durch Verteuerung und Verbote zu schützen. Allerdings möchte ich noch zwei Eingaben zugunsten des gescholtenen privaten Verzichts machen. 1. Verzicht ist nicht „nutzlose Einschränkung, ohne Sinn“ – Verzicht hat seinen Wert auch in sich: man wirft den Wohlstandsballast ab, man gewinnt Raum und Zeit für das Wesentliche, man merkt, dass man nicht viel braucht, um zufrieden zu sein. Schlag nach beim Suffizienz-Klassiker Wilhelm Hauff, „Das kalte Herz“, das mit den Worten schließt: „Es ist doch besser, zufrieden mit wenigem zu sein, als Gold und Güter zu haben und ein kaltes Herz.“ 2. Verzicht ist die Signatur eines Mentalitätswandels, der erst die Voraussetzung für politische Veränderung schafft: Wer wählt denn die Abgeordneten, die für entsprechende Verteuerung und Verbote eintreten sollen? Es sind doch wohl mehrheitlich die Zeitgenossen, die schon in ihrem eigenen Leben mit den notwendigen Veränderungen auf Tuchfühlung gegangen sind und die deshalb auch andere motivieren können. Und da ist das schlechte Gewissen dann auch eine gute Sache: wer es hat, lässt sich leichter überzeugen. – Dr. Olaf Hähner

 

Besten Dank für Ihren interessanten und locker geschriebenen Beitrag in der Zeit vom 11.Juli. Das Problem, dass für viele konsumierte Produkte und Leistungen nicht der echte, viel höhere Preis bezahlt wird, erwähnen Sie dabei leider nur sehr kurz , meines Erachtens zu kurz . Dabei ist es das Kernproblem unserer Marktwirtschaft : Die Belastungen von Umwelt und Gesellschaft durch den Konsum von Produkten und Leistungen fließt nicht angemessen in die Marktpreise ein die der Konsument letztlich bezahlt. Eine soziale und umweltgerechte Marktwirtschaft müsste die sozialen und umweltbelastenden Faktoren in die Marktpreise einrechnen. Man spricht dabei von der Internalisierung der externen Kosten in die Marktpreise. Konkret bedeutet das, dass für jedes am Markt angebotene Produkt und jede Leistung die Kosten bei der Herstellung , während der Nutzung und bei der Entsorgung einzurechnen sind. Nur so wird der durch den Konsum bewirkte echte Verbrauch an Ressourcen ( Umweltbelastung ,soziale Belastung ) berücksichtigt. Der Güterverkehr auf der Schiene müsste demnach z B deutlich preiswerter angeboten werden als der Gütertransport auf der Straße mit hohen externen Kosten ( CO2, NOX, Abgase, Feinstaub, Unfälle ,Staus, Fahrer Stress, Strassenbelastung ….) Und wie kann diese INTERNALISIERUNG EXTERNER KOSTEN praktisch realisiert werden ohne riesigen bürokratischen Aufwand ? Eine pragmatische Lösung wäre die ZERTIFIZIERUNG : Die Anbieter von Produkten und Leistungen müssten die Umwelt-Belastungen die bei der Herstellung , der Nutzung und der Entsorgung entstehen belegen und begründen. Bei zahlreichen sicherheitsrelevanten Produkten und Leistungen ist das heute schon selbstverständlich. Dieser Zwang , sich über diese externen Kosten Gedanken machen zu müssen , um sie zu reduzieren , würde für die Anbieter Anreize zu kreativen und innovativen Lösungen schaffen. Falls nur geringere externen Kosten eingerechnet werden müssen können die Produkte / Leistungen zu niedrigeren Marktpreisen angeboten werden. Dies würde zu mehr Umsatz und letztlich zu besseren Ergebnissen führen. Eine win/ win -Situation für Konsumenten, Unternehmen und die Umwelt . Schrittweise müsste so die soziale Marktwirtschaft zu einer sozialen und ÖKOLOGISCHEN Marktwirtschaft weiter entwickelt werden. – Dr.Roland Haselmann

 

Sie haben einen spitzen Artikel geschrieben. Sehr überzeugend und einleuchtend. Ich bin auch einer der „Schwachen“. Bin mit meinen 66 Jahren schon zum dritten Mal mit der Fridays for Future mitgegangen. – Hermann Golla

 

Seit über 30 Jahren lese ich regelmäßig jede Woche die „Zeit“ und kann mir einen Donnerstag ohne die „Zeit“ nicht vorstellen. Um es mit Loriot zu sagen: ein Leben ohne die „Zeit“ ist möglich aber sinnlos. Und heute schreibe ich meinen ersten Leserbrief. Der Artikel von Wolfgang Uchatius hat mir die Antwort auf meine Frage gegeben, nach der ich schon immer suchte. Was kann ich schon ausrichten? Danke für diese tief gehende Analyse. – Eduard Schwöbel

 

Gerade schaute ich mir am Kiosk den Titel der neuen Zeit an und beschloss, sie nicht zu kaufen. Ich las: „Der Mythos vom Verzicht. Kein Fleisch, kein Flug, kein Auto. Der Mensch soll auf immer mehr verzichten. Doch die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft nicht weiter. Es braucht größere Lösungen. Eine Zeit Serie über den Sinn und Unsinn von Verboten.“
Häh? Dümmer geht es wirklich nicht. Wenn der Titel schon dermaßen sinnentleert schreit, dann möchte ich die Artikel im Inneren gar nicht lesen. Da werden „Enthaltsamkeit“ und „Verbote“ in einen Topf geworfen, und zwei falsche Sätze hintereinander machen keinen richtigen. Enthaltsamkeit ist die Entscheidung eines jeden. Sie hilft!!!! Verbote sind Sache des Gesetzgebers, und sie helfen ebenfalls in gewissen Grenzen. Ein simples Beispiel: Wenn jeder Deutsche enthaltsam wäre, kein Fleisch von Wiesenhof zu kaufen, wäre es mit der Massentierhaltung bald zu Ende. Braucht es dazu „Größere Lösungen“?? Verbot von Wiesenhof?? Wohl kaum, denn den Nutzen, den das bringt, kann sich jeder an seinen fünf Fingern abzählen. Ich könnte das Thema hier noch weiter ausführen, denke aber, dass ich bei Ihrer Redaktion dabei nicht weiterkomme, denn es wurde anscheinend eine Losung ausgegeben, die den Leser für dumm verkaufen soll. Schade für Deutschlands intelligenteste Wochenzeitung. Kaufe mir nächste Woche die Bild, die ist besser. – Dirk Engelhardt

 

So ziemlich alles, was uns jahrzehntelang als gut, praktisch, erstrebenswert angeboten und als lohnenswert zu erwerben suggeriert wurde, ist nun „böse“. Um den CO2- Fußabdruck möglichst klein zu halten, gilt es das Leben komplett umzustellen. Dazu ist aber nicht jeder/jede in der Lage und auch nicht bereit. Dass die Vorhaltungen und Moralpredigten nicht alle Menschen in Deutschland und in Europa zur Umkehr bewegen, wissen die Politiker ganz genau. Anstatt mutige Entscheidungen zu treffen, verschanzen sie sich hinter dem angeblichen Wählerwillen oder aber argumentieren mit einem möglichen Wirtschaftsabschwung. Und selbst wenn wir alle verzichten und nochmal verzichten, kann es gut sein, dass in einigen Jahren gesagt wird: Sorry, Leute, das war´s jetzt auch nicht, probieren wir doch was Neues. Da verdient dann wieder ein anderer Wirtschaftszweig. Die Story von der Kuhweide trifft es sehr genau. – Brigitte Meidl-Kern

 

Danke für diesen Artikel! Schon seit geraumer Zeit frage ich mich, wieso niemand das eigentliche Problem thematisiert, dass nämlich die Politik zu feige ist, endlich wirkungskräftige Gesetze zu verabschieden. Wo bleibt die Kerosin-Steuer? Wo bleiben Tempolimits und Verbrauchsgrenzen für Autos? Wo bleibt das Verbot zum Verfeuern von Bunker C? Wo bleibt die Koppelung von Viehbestand an Ackerfläche? Wo bleibt die Besteuerung des Tansports gemessen am Verschmutzungsanteil? Und, und, und… Schon die Römer wussten: Divide et impera. Auf unseren Fall übertragen: die nicht organisierten 7,2 Mrd. Menschen werden niemals von sich aus so zusammen arbeiten, dass eine große Herausforderung gemeistert werden kann. Weswegen alle, die vom jetzigen System profitieren und aus ökonomischen Gründen keine Veränderungen wollen, immer schön die Verantwortung des Einzelnen postulieren. Doch nur wirksame Gesetze werden den Auswüchsen unserer Konsumgesellschaft Grenzen setzen können. Es wird Zeit, dass die Politik in die Gänge kommt. Das schließt ja keineswegs aus, dass ich als Verbraucher trotzdem versuche, verantwortungsvoll zu handeln. – Christiane Knab-Schäfer

 

Ich habe gerade den Artikel von Wolfgang Uchatius gelesen und möchte mich kurz zu ihm äußern. Sprachlich ist dieser Text alleine schon beeindruckend, inhaltlich umso mehr. Ich finde mich in diesem Artikel wieder. Ähnliche Gedanken habe ich mir bereits mehrfach gemacht. Natürlich ist man verpflichtet dazu, das Problem zu erkennen. Und insofern man einen halbwegs funktionsfähigen Erkenntnisapparat hat, eine Urteilskraft, dann sieht man das Problem sofort. Es ist der Klimawandel, die größte Krise unserer Zeit. Hinzu kommt das rasante Tempo des Artensterbens und das Schwinden der „ursprünglichen“ Biome.

Während die Katastrophe also voranschreitet, kann sich der einzelne gebildete Mensch fragen, welche Lösung die beste für dieses Problem ist. Kollabieren sollte die Menschheit nicht, daher greife ich persönlich gerne zu Jared Diamond und lese seine „Krise“. Ich gehe aber noch weiter, ich fange an Strategien zu entwickeln den CO2 – Ausstoß bei mir persönlich zurückzuschrauben. Und es funktioniert. Nur, was bringt es den oben erwähnten Boomen? – Wie Herr Uchatius schildert, bringt es nicht viel. Wenn nicht die Politik in die Verantwortung gezogen wird, dann sind Randerscheinungen wie ich mit unseren Strategien zur Krisenintervention und Problembewältigung nichts anderes als Tropfen auf dem heißen Stein.

Den bequemen Eliten aber, vor allem diesen, muss man ihr Treiben austrieben. Zumal sie auch die weniger bequemen Arbeiterklassen auch von ihren möglichen Strategien, von ihrer Bescheidenheit und Demut ablenken. Sie verlocken zu einem Handeln, für das sie beispielhaft vorangehen, unsere neuen Idole, die den Platz von Götzen und Göttern eingenommen haben und Quälen den Stolz und die Eitelkeit aber auch die Schläue der wohlgesinnten Massen. Niemand möchte als der Dumme dastehen. Wer Umweltschutz betreibt, während die Angepassten und die Wohlhabenden das Gegenteil vorleben und dafür auch noch finanziell entlohnt werden, gilt aber sehr schnell mindestens als Sonderling. Opfer ist die zynische Beschreibung aus dem Jugendjargon. Langer Rede kurzer Sinn, Herr Uchiatus hat völlig Recht, wenn er sagt, der Staat muss handeln und wir Bürger werden uns über ein paar sinnvolle und vernünftige Verbote mehr freuen. Diese Verbote sind nicht nur unerlässlich, vielmehr gibt es ohne sie keine Garantie, dass unsere Kinder eine würdevolle Zukunft haben werden. Ich danke der Zeit und Herrn Uchiatus für diese schönen Zeilen, die mich gerade dort abgeholt haben, wo ich gerade stehe. Weiter so! – Marcin Blasius Lupa

 

Im Lead auf Seite eins steht zur Einführung des Dossiers zu lesen: «Doch die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft nicht weiter.» Sätze wie diese sind seit vielen Jahren zu lesen. Sie nerven. Sie desavouieren jene, die versuchen, sich vernünftig verhalten, oder wie Sie sagen, Verzicht zu üben. Denn was sie tun, hilft nicht weiter, nützt nichts. Man muss sie für doof halten. Eine tolle Motivation für alle, die sich überlegen, etwas an ihrem Verhalten zu ändern. Und eine prächtige Ausrede für alle, die das nicht tun. Warten wir gemeinsam auf die «grössere Lösung» (seit 50 Jahren). Und tun: Nichts. – Beatrice Nünlist / Markus Capirone

 

Ein großartiger Beitrag, der ohne laute Töne auskommt und deshalb umso mehr das Bewusstsein des Lesers erreicht. Bei der vom Autor beispielhaft aufgezeigten „Fehlbarkeit der menschlichen Naatur“ muss es eine wesentliche Konsequenz geben: Ohne staatliche Regulative (Verbote und Maßnahmen über die Kostenregulierung eingeschlossen) wird sich die Klimakatastrophe nur schwer verhindern lassen. – Wilfried Kunz

 

Obwohl seit 40 Jahren Leser der Zeit,habe ich bisher noch keinen Leserbrief geschrieben.Jetzt muss es sein. Das Dossier ist das Beste,was ich bisher zu dem Thema Klimaschutz gelesen habe.Ich finde mich in meiner Zerrissenheit ( Auto abgeschafft,Bahnreisender,Carsharingnutzer ect. und doch in manchem inkonsequent ) in diesem Artikel wieder.Der Autor hat recht: es müssen gesetzliche Regeln her. – Walter Matheis

 

Der anscheinend kinderlose Autor hat vergessen, sich den Verzicht auf Kinder in seiner Umweltbilanz auf der Habenseite anzurechnen. Damit leistet er den effektivsten, weil unmittelbar wirkenden Beitrag für das Klima. Leider wurde der Verzicht auf Kinder nach meiner Wahrnehmung in der öffentlichen Diskussion von Anfang an tabuisiert und damit nicht ernsthaft diskutiert. Ein Fehler, wie ich meine. – Wolfgang Felbinger

 

Nach dem Lesen ihres Berichtes in Ausgabe Nummer 29 („Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr“) habe ich zu meiner Verblüffung festgestellt, dass meine CO2-Bilanz während der letzten 30 Jahre verblüffend gut aussieht. Und in allen Fällen kam das eher zufällig zustande: Ich hatte nie den Wunsch nach Kindern, habe mich deswegen auch schon in relativ jungen Jahren sterilisieren lassen, um den jeweiligen Partnerinnen die Last der Verhütung abzunehmen. An das Klima dachte ich dabei nicht. Ich bevorzugte, als ich noch ein Auto besaß, stets sehr kleine Autos. Fiat Cinquecento? Hinreißend. Was man heute einen Mini nennt, ist für mich ein riesen-Auto.

Aber auch der Cinquecento ging irgendwann vor vielen Jahren mal den Bach hinunter, weil ich das Motorradfahren entdeckte. Aber ein Motorrad mit 50 PS, 2000 km im Jahr bei einem Verbrauch von unter vier Litern, das genügt mir vollkommen. Flugreisen? Ich habe Flugangst. Hallo Klima! Ich bleibe gern auf dem Boden, ohne an dich zu denken. Fleisch? Esse ich schon seit 40 Jahren nicht mehr… und schon wieder nicht des Klimas wegen, sondern weil es mir nicht schmeckt – ja, okay, und ich einmal gesehen habe, wie eine total verängstigte Kuh in einen Schlachthof getrieben wurde. Meine Wohnung bewohne ich allein, ich habe keinen Wäschetrockner und verbrauche ohnehin extrem wenig Wasser und Strom. Dies ist wiederum auch weniger meiner Klimasorge geschuldet als vielmehr der Tatsache, dass ich bei Aufenthalten in Asien (ich bin vor vielen Jahren zweimal auf dem Landweg um die halbe Welt gepilgert) gesehen habe, wie glücklich die Menschen sind, die nur Weniges besitzen. Was mich dazu erzogen hat, das Einfache zu schätzen. Wer braucht denn einen SUV oder eine Yacht? Ich hatte mal ein Paddelboot; intensiver als mit einem solchen kann man Flüsse und Seen kaum erleben.

Also stehe ich in Sachen Klima, unfreiwilligerweise, könnte man fast sagen, ganz gut da… Und mir drängt sich der Gedanke auf, dass das Problem tatsächlich bei jedem Einzelnen liegt, wie es in Ihrem Artikel ja auch immer wieder anklingt. Aber was sollen denn alle diejenigen tun, die nicht vom Zufall getrieben in eine klimaneutrale Lebenshaltung eingemündet sind? Alle, welche sozusagen von Geburt an dasjenige schätzen und ersehnen, was mich (hallo Klima!) nicht interessiert hat. Auf sie wartet schlechtes Gewissen und Verzicht. Und ich fühle mit ihnen. – Ein/e Leser/in

 

Der ZEIT und ihrem Autor Wolfgang Uchatius kann man nur gratulieren zu diesem brillanten Text. Im Namen der Vernunft bricht er mit einem törichten Mainstream, der den Kampf gegen die Erderwärmung mit privatem Kleinklein führen will und mit wenig ergiebigen Appellen an Milliarden Individuen. Diese Strategie verkennt den Ernst der Lage, produziert viel folgenlos schlechtes Gewissen oder verleitet zu Illusionismus und Selbstbeweihräucherung. Nötig wäre stattdessen die Erkenntnis, dass es allein die globale Masse macht. Was sie tut oder unterlässt, darauf hat der und die Einzelne aber so gut wie keinen Einfluss.

Abhilfe verspricht allein ein Sich-Aufraffen der politischen Klasse(n)weltweit zu einem radikal neuen Kurs, gestützt auf einsichtige und entsprechend wählende Mehrheiten. Nur Anreize und neue Technologien, aber auch scharfe Gesetze und Verbote entfalten die nötige Breitenwirkung. Uchatius‘ treffliches Beispiel von der von oben verordneten Helmpflicht, die nach vielen Jahren den Debatten eitler und selbstsüchtiger Eishockeyspieler ein Ende machte, zeigt exemplarisch den Ausweg: Die Menschheit braucht Regeln, die das Notwendige bewirken (und im Übrigen die vielen Einzelnen von einer Verantwortung entlasten, die sie hoffnungslos überfordert). Und natürlich ist es absurd, gegen Regeln zum Klimaschutz Freiheitsforderungen auszuspielen und drohende ökonomische Nachteile im globalen Wettbewerb. Denn wenn die Welt beim Klima versagt, dürfte es weitaus mehr Freiheits- und Wohlstandsverluste geben, als wenn gerade noch rechtzeitig gegengesteuert wird. Erst recht vor diesem Hintergrund erweisen sich Nationalismus und unpolitischer Populismus als hochgiftige Scheinarzneien. – Rolf-Peter Henkel

 

Vielen Dank für den sehr überzeugenden Dossier-Artikel in der aktuellen ZEIT (Ausgabe Nr. 29). Ich freue mich allgemein, dass die ZEIT in letzter Zeit vermehrt Artikel zum dringensten Thema unserer Zeit, dem Klimawandel, veröffentlicht. Das hatte ich in einem ehemaligen Leserbrief gewünscht und sehe diesen Wunsch erfüllt. Das Dossier überzeugt mich, weil es in meinen Augen die richtigen Schlüsse fordert: Es braucht eine Kombination aus privatem Handeln, das politisch wird und der politisch-institutionellen Aktion. Wir Bürger*innen müssen aufhören, uns in ewiger Dialektik aus bösem/guten Klimahandeln zu zermatern. Jede*r kann seinen Beitrag leisten und für sich persönliche Schlüsse ziehen (z.B. durch Verzicht), aber viel eher müssen wir auf die Straße gehen, zivilbürgerliche und staatsbürgerliche Freiheiten in Anspuch nehmen (die auf der Welt, nebenbei bemerkt, leider nicht jede*r so genießen kann, wie wir in Deutschland) und Politik und Wirtschaft, die an den Schaltstellen sitzen, um die großen Hebel in Bewegung zu setzen, Beine machen!

Wenn wir uns nicht länger mit schrecklich schlechtem Gewissen herumbeuteln wollen, weil wir doch etwas in Plastikfolie gekauft haben, dann sollten wir unsere Stimme erheben und die Möglichkeiten ausnutzen, z.B. Petitionen oder Bürgerbegehren iniitieren etc. pp. Danke aber auch, dass Ihr Fazit nicht resigniert ausfällt und den Einzelnen in die Sinnlosigkeit entlässt, nach dem Motto, dein Coffe-to-go-Becher bringt eh nichts, lass es doch sein, sondern das Augenmerk der Leser*innen auf andere Aktivierungsmöglichkeiten längt. – Julia Molina

 

Selten habe ich einer Ausgabe der ZEIT so entgegengefiebert wie dieser, denn ich war gespannt zu lesen,wie das Thema „Mythos vom Verzicht“ dargestellt werden würde. Ich war dann überrascht, dass dann Hr. Uchatius das Thema so dargestellt hat, wie jemand argumentiert, der privat zum Verzicht bereit ist, aber feststellt, dass er „allein auf weiter Flur ist“. Ich kann das Gefühl gut nachvollziehen, da es mir genauso geht, doch ich will an 2 Stellen widersprechen:
– Die Parlamente zur Zeiten von Katherine Plymley und heute sind nicht vergleichbar. Ich kenne mich in Englands politischer Landschaft nicht aus, bin mir aber sicher, dass die Mitglieder von Unterhaus und Oberhaus nicht demokratisch gewählt wurden, also nicht auf die Stimmungen der Wähler hören mussten. Das Problem heute ist ganz einfach, dass die Politik nur das durchsetzen kann, wozu sie die Wähler ermächtigen. Wenn also die Mehrheit der Gesellschaft „gewaschen, aber dabei nicht nass werden will“, dann bleibt es bei „frommen Absichtserklärungen“. Ich sehe momentan in D keine Mehrheit dafür, dass Verzicht geübt wird; die Diskussion über die Sozialverträglichkeit der CO2- Steuer deutet für mich darauf hin, dass man zwar etwas ändern will, doch bitte ohne Mehrbelastung oder Einschränkung. Soll das bedeuten, dass die CO2-Steuer auf Kerosin vom Steuerzahler übernommen wird, da die Kunden nicht bereit sind, diese zu bezahlen ?
– Der andere Punkt ist dass der private Verzicht nichts bringt. Hier sehe ich 2 Aspekte:
– Wenn jede/r auf den/die Andere wartet passiert nie etwas. Jemand muss vorausgehen, auch wenn er/sie ausgelacht und missverstanden werden, jede Lawine beginnt mit einer kleinen Schneeflocke.

– Jede/r hat das eine oder andere, worauf er/sie problemlos verzichten kann: Ich bespielsweise kann einfach auf Flugreisen verzichten, da ich mittlerweilen neben der Belastung durch den Flug (langes Sitzen) die schädliche Wirkung auf das Klima eingesehen habe. Mir bringt der Verzicht auf etwas, das ich eh nicht brauche, das gute Gefühl, im Unterschied zu vielen anderen etwas getan zu haben. Welches Beispiel soll ich meinen Kindern geben ? Will ich die Nachricht „rüberbringen“, dass mich das Klima nichts angeht und mir Ihre Zukunft egal ist ?

Was zeichnet den Menschen aus ? Das er sich und seiner Handlungen bewusst ist und Verantwortung für sein Handeln übernehmen kann und muss. Das bedeutet für mich konkret, dass ich bewusst agiere und Verantwortung für mein Handeln übernehme. Ich kann unmöglich guten Gewissens in ein Flugzeug steigen. Deshalb würde ich das Thema „Mythos vom Verzicht“ so beschreiben: Es ist deshalb ein Mythos, weil viele davon träumen, aber nur die wenigsten dazu bereit sind, es zu realisieren. Jeder Einzelne hat die Verpflichtung, verantwortlich zu handeln, sonst ist er/sie nicht viel besser als eine Ameise im Ameisenhaufen, die nur ihrer genetischen Programmierung folgt. Wenn denn dann die Politik merkt, dass die Wähler bereit sind, Verzicht zu üben, weil weniger geflogen wird, weil keine grossen Autos mehr gekauft werden, weil die Strassen am Wochenende leer bleiben, weil die Menschen die Ruhe zuhause dem Rummel anderswo vorziehen, dann werden sie auch bereit s etwas zu tun. Letzte Frage: Der Autor kann sich vielleicht noch an die Aktion der Grünen erinnern, als diese vor Jahrzehnten einen Benzinpreis von DM 5,-/Liter verlangten. Damals war das Ergebnis, dass die Partei fast in der Versenkung ver- schwunden wäre, hätten sie nicht schnell „zurückgerudert“. Würde solch eine Forderung heute erhoben eine andere Reaktion hervorbringen. Ich bin mir sicher: Nein. D.h. es hat sich nichts geändert; wir sind uns der Problematik bewusst, aber zu bequem etwas zu tun. Werde ich deshalb meine Job kündigen, der ich in einer Firma arbeite, die mit Automobilelektronik zu tun hat ? Sicherlich nicht, aber ich habe meinen Rückzug in Form von Altersteilzeit eingeleitet, denn was haben ich und meine Familie davon, wenn ich arbeitslos werde ? Und ich werde meiner Familie ein gutes Beispiel geben wie man sich verantwortungsvoll zu verhalten hat. Letzter Gedanken: Die Deutschen zur Zeit des 2. Weltkrieges wurden nicht gefragt, ob sie Verzicht üben wollten, sie wurden schlicht dazu gezwungen, wenn sie überleben wollten. Wir haben zumindest heute (noch) die Freiheit freiwillig Verzicht zu üben, wenn wir denn Sinn sehen, bevor wir alle gezwungen werden. Mit Spannung erwarte ich die folgenden Beiträge. Ich rechne es der ZEIT hoch an, dass sie das Thema zur Diskussion stellt und nicht den bequemen Weg (wie die meisten) geht es einfach bestmöglich zu ignorieren. – Würth

 

Mythos Verzicht? Sie unterstellen mit Ihrer Titelseite, der Verzicht des einzelnen bringe nichts, um das Klima zu schützen. Das ist gefährlich und naiv. Eine Gesellschaft besteht aus vielen Einzelnen, die aufeinander wirken. Der Verzicht jedes einzelnen hat mindestens eine doppelte Wirkung: Er wirkt als konkrete CO2-Einsparung. Das können bei Besser-Lebenden schnell mal 10 Tonnen und mehr werden. Er wirkt aber auch über den Vorbildeffekt. Aha, signalisiert der Verzicht. Das macht man nicht mehr, weil es verantwortungslos ist. Übermäßig Fleisch essen, Wochenendflüge nach Mallorca zum Billigtarif, Riesenwohnungen beheizen, SUV-fahren, unmäßiger Konsum. Allein im Viersitzer zur Arbeit fahren und sich über verstopfte Straßen und fehlende Parkplätze beschweren.

Sie können den Menschen doch nicht vorgaukeln, dass wir in Zukunft ohne Verzicht auskommen werden. Das ist grob fahrlässig. Es gibt nichts Wichtigeres als den Wandel der Mentalitäten in den reichen Industrieländern. Damit eine sich ändernde Politik auch getragen wird und durchsetzbar ist. Es wird nur mit Verzicht funktionieren. Und mit Kreativität, Intelligenz und Solidarität. Aber ist Verzicht überhaupt der richtige Begriff? Nein, die richtigen Begriffe für weniger Konsum und weniger Verbrauch sind Verantwortung und Vernunft. Sollen die einzelnen nicht vernünftig sein? Das meinen Sie nicht ernst, oder? – Christian Finck

 

Ein interessanter Artikel mit durchaus beeindruckenden Beispielen und Argumenten. Fazit aber ist, dass der äußerst sparsame, umweltfreundliche Autor immer noch das 6fache dessen produziert, was das Bundesumweltamt als klimaneutral angibt. Hier zeigt sich, dass alle Theorie nur grau ist. Des Lebens goldner Baum hingegen kann nur eine aktive weltweite Bevölkerungspolitik sein mit dem Ziel, die Anzahl Homo sapiens sapiens auf einen für den Biotop Erde verträglichen Zustand im Wohlstand zu begrenzen. Alles andere wird nicht funktionieren. Sie zitieren einen Amerikaner:“ ……larrup his nigger?“ Das Wort „nigger“ übersetzen ins Deutsche mit „Neger“ das ist grob falsch! Für das rein rassistische Wort nigger gibt es keine Übersetzung ins Deutsche! Neger war nie ein Schimpfwort, auch A.v.Humboldt hat dieses Wort verwendet, und der war kein Rassist. Lassen Sie das also! – Dr.Michael Müller

 

Danke, vielen Dank Herr Uchatius ! Sinnvolle Verbote, sinnvolle Verteuerungen von Produkten und Dienstleistungen, die eine schlechte Ökobilanz haben – bzw. UmweltGERECHTE Preise , ja bitte! Da darf dann ein Umweltaktivist, ein Politiker usw. natürlich eine „herausragende“ Ökobilanz haben – ist doch logisch. Merkel soll bitte nicht mit dem Fahrrad zu Putin fahren ! – Kilian Rinne

 

Erschüttert habe ich Ihren Artikel über den Aufruf zu umweltschädlichem Verhalten gelesen! Eine Änderung zu umweltgerechtem Verhalten geht immer vom Einzelindividuum aus. Der Glaube von einer zentral lenkenden Macht, ist ein Irrglaube. Da diese Macht ihre Legitimation aus der Wahl von vielen Einzelbürgern bekommt, entscheidet auch das Verhalten des Einzelindividuums, was unsere Vertreter in den Parlamenten entscheiden. Die Summe der Entscheidungen von Einzelindividuen hat zu dieser Klimakatastrophe geführt. Dass diese Einzelentscheidungen durch mediale, konsumgesteuerte Manipulationen entstanden sind, ist wahrscheinlich. „Geiz ist geil“, „Macht euch die Erde untertan“, das Recht auf die jährlichen Flüge, Kreuzfahrten, billigen Sprit sind die Befeuerer dieses Systems. Eine zunehmende Empathie zu der belebten Natur um uns herum, mit den Tieren, Pflanzen, Lebewesen aller Art, hat die löbliche Entscheidung zum Verzicht auf Fleisch aus Tierleidfabriken, Zerstörung der Natur durch Erdölverbrennung ausgelöst. Wir werden alle eine schönere, bessere Welt schaffen, wenn wir uns in die ökologischen Kreisläufe einbinden. Liebe ReporterInnen: Es geht immer vom Einzelindividuum aus! – Dr. Josef Schick

 

Im Dossier wird etwas sehr ausführlich dargelegt, dass Verzicht Einzelner für die Umwelt wenig bringt und dass freiwilliger Verzicht von vielen Menschen kaum stattfinden wird, solange andere nicht im Geringsten daran denken, der Umwelt zuliebe ebenfalls zu verzichten. Also muss Zwang her und in unserer Demokratie ist Verzicht nicht über Verbote, sondern im Sinne der Marktwirtschaft nur über eine spürbare Bepreisung der CO2-Emmissionen zu erreichen. Oder wären doch Anordnungen denkbar, die für viele keinen extremen Eingriff in ihre freie Entfaltung bedeuten würden. Da wäre etwa ein Tempolimit, 120 auf Autobahnen, 80 auf Landstraßen und 40 innerorts. Oder warum brauchen Weihnachtsmärkte immer größere Eisbahnen. Wir sollten Abschied nehmen von immer „Mehr“ und langsam dazu kommen, dass „Weniger“ nicht nur schmerzlicher Verzicht bedeutet, sondern neben praktiziertem Umweltschutz durchaus bereichernd sein kann. – Martin Fehrle

 

Ich stimme Ihnen zwar nicht ganz zu (Der Artikel suggeriert mir zu sehr, dass man persönlich ruhig weitermachen kann wie bisher, solange man nur die richtige Entscheidung bei der Wahl der großen Entscheider trifft), aber den Artikel finde ich trotzdem großartig geschrieben. Sehr schöne Anekdoten, toller Aufbau, angenehmer Ton und ein schöner Twist am Schluss mit dem Ende der Sklaverei in England. – Sven Raschke

 

Es steht außer Frage, dass für die Begrenzung der Erderwärmung globales, politisches Handeln nötig ist. Die ganze Verantwortung dem Einzelnen aufzubürden, indem dieser verzichten soll, ist mit Sicherheit der falsche Weg. Zumal die größten Produzenten von CO2 nicht die Privathaushalte, also die Verbraucher, sind, sondern die Industrie. Dennoch möchte ich dem Autor widersprechen, dass es nichts bringt, das Verhalten zu ändern und sich in Verzicht zu üben. Immer auf die anderen zu zeigen, die ja viel mehr CO2 verbrauchen und sich zurücklehnen und erst einmal die (Öl-)heizung aufdrehen, ist sehr bequem. Man könnte sich auch mit jemanden vergleichen, der sehr viel weniger verbraucht. Aber das tun Menschen nicht. Nach dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“, will ich meine Meinung vertreten, dass Verzicht des Einzelnen durchaus was bringt und eine Veränderung bewirken kann. Ich denke dabei an die Ölplattform Brent Spar, die der Schell-Konzern Mitte der 90er Jahre in der Nordsee versenken wollte. Nachdem Greenpeace zu einem Boykott von z.B. Schell-Tankstellen aufgerufen hatte und daraufhin der Umsatz von Schell massiv einbrach, lenkte der Konzern ein und entsorgte die Ölplattform an Land. Das ist die Macht der Schwachen. – Gudrun Schuster

 

Vielen Dank dafür, diesem brennenden Thema so viel Raum zu geben und es unideologisch von einer neuen, umbequemen und wichtigen Seite zu beleuchten. Der Zusammenhang zwischen menschlicher Einsicht und inkonsequentem Handeln, sowie gesellschaftlich nach wie vor vorherrschenden Haltungen („Kein Eingriff in die Freiheit“ oder „Keine Ökodiktatur“), die das Notwendige verhindern, wird gut nachvollziehbar herausgearbeitet. Mögen der Analyse bald Taten folgen – mögen wir die Verbote begrüssen, die es endlich bräuchte. – Sebastian Müller

 

Ähnlich wie Herr Uchatius denke auch ich, dass die Stärke der Schwachen öfter vor allem darin liegt, sich etwas von der Politik verbieten zu lassen – zumindest ist es deutlich bequemer auf ein Verbot zu warten anstatt selbst bewusst aktiv zu werden und den persönlichen Verzicht auf etwas Klimafeindliches vorzuziehen. Dabei sind Menschen ja durchaus bereit, auf gewisse Dinge zu verzichten – problematisch finde ich nur den Gebrauch des Wortes „Verzicht“ und ich finde, hier sollte ein Umdenken stattfinden. Ich persönlich fahre ja zum Beispiel auch nicht jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit, weil ich bewusst auf das Auto verzichte, sondern weil es ein für mich besserer Start in den Tag ist. Gleichzeitig klopfe ich mir aber auch nicht bei jeder Fahrt auf die Schulter und sage: „Toll Kathi, wieder was fürs Klima getan!“ Aber warum eigentlich nicht? Könnte man die eigene Faulheit nicht einfach überlisten, indem genau solche kleinen Schritte in die richtige Richtung honoriert werden? Denn machen wir uns nichts vor, kein Politiker dieser Welt ist realistisch betrachtet in der Lage, so viele Gebote und Verbote der Menschheit aufzuerlegen, dass sich der CO2-Verbrauch eines jeden Einzelnen bald nur noch auf eine Tonne beläuft. Ich will ehrlich sein: Wenn DiCaprio, Al Gore oder wer auch immer solche Sätze sagen wie „Jetzt ist die Zeit für mutiges, nie da gewesenes Handeln!“, dann macht das jedes Mal etwas mit mir – allerdings leider oft nur unterschwellig in Form eines schlechten Gewissens. Denn noch nie habe ich mich danach im Unverpacktladen wiedergefunden oder war plötzlich dabei, mir mein eigenes Öko-Shampoo zusammenzubrauen. Im Gegenteil, oft dachte ich „ach, Vieles mach ich ja doch schon richtig und wenn ich kleines Licht jetzt komplett mein Leben umkrempeln würde, würde doch auch nicht plötzlich der Meeresspiegel aufhören zu steigen.“ Trotzdem wüsste ich genau, dass wenn es auch so etwas wie eine Community geben würde, wo man z.B. Punkte für klimaförderliche Verhaltensweisen sammeln könnte und sich mit Freunden, Nachbarn, Kollegen oder der Familie gegenseitig dazu ermutigen könnte, auch noch das nächste Level zu erreichen, indem man z.B. auf Ökostrom wechselt, ich wäre sofort dabei und garantiert voller Enthusiasmus! Man könnte nicht nur untereinander Tipps austauschen oder Pläne für gemeinsame Resteverwertungs-Kochabende schmieden, man könnte eben auch genau sehen, dass z.B. der Harry von nebenan schon viel mehr macht als man selbst. Mich persönlich würde das ja anstacheln auch nochmal zu schauen, wo ich aktiv werden kann. Je größer eine solche Online-Community werden würde, umso besser könnte man dadurch auch datentechnisch analysieren, wie viel man durch bewusste Verhaltensänderungen schon ganz konkret ändern konnte und welchen Part dabei jeder Einzelne geleistet hat. Wäre das nicht enorm motivierend? – Katharina Brau

 

Für mich ist der westliche Lebensstil eine dumme Angewohnheit. Sowas kann man sich auch wieder abgewöhnen. Ich bin seit vielen Jahren nicht mehr geflogen, habe noch nie ein Auto besessen, im Winter zieh ich zwei Pullis übereinander und dreh die Heizung runter. Ich wohne in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung, arbeite halbtags, hab keine Kinder und bin glücklich. Wo ist das Problem? Ich finde auch nicht, dass man etwas tun muss. Man muss nur LASSEN. – Ein/e Leser/in

 

Ich finde es erstaunlich, wie naiv die Menschen sind. Die Mehrheit glaubt, wir müssten – oder könnten gar – das Klima oder besser noch unseren Planeten retten. Nein, wir müssen uns vor uns selber retten. Die schiere Anzahl der Menschen wird voraussichtlich die Lebensbedingungen für uns und für eine nicht geringen Anzahl an Tier- und Pflanzenarten so beeinträchtigen, dass wir uns möglicherweise selbst ausrotten. Der natürliche Klimawandel, durch den Menschen beschleunigt, nimmt seinen Lauf und wird die Topographie und das Wetter verändern. Der Mensch als Bestandteil der Natur wird sich damit abfinden und zusehen müssen, ob ihm genügend Platz auf der Erde bleibt, um zu (über-) leben.

Es ist naiv zu glauben, dass wir mit lokalen Verboten wie etwa der Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen, einer Begrenzung der Motorenstärke oder einem geregelten Fleischverzicht das eigentliche Problem lösen, das unkontrollierte Bevölkerungswachstum. Ja, die Umweltzerstörung erfolgt lokal, von jedem einzelnen Menschen verursacht, kann aber nur global (oder gar nicht) behoben werden. Vor dem Hintergrund der menschlichen Tragödien dieser Welt durch Kriege, Willkür und Ausbeutung, Umweltzerstörung, Unterernährung und Krankheiten, scheint mir der Klimawandel die geringste. – Peter Breuninger

 

Man sollte kein schlechtes Gewissen haben, vor allem wenn man sein Leben so vorbildlich führt wie der Autor. Aber helfen Verbote weiter, wie der Autor meint? Welche Verbote? Wer sollte sie aussprechen und wo werden sie befolgt? Eine Weltregierung haben wir nicht und die Regierungen der Welt sind sich uneinig wie nie. Dann muss Deutschland eben den Alleingang wagen? Das wollen wir ja schon beim Kohleausstieg. Kürzlich hat der Spiegel ausführlich dargelegt, dass der deutsche Alleingang im Klimaschutz trotz erheblichem Einsatz mit entsprechenden Erfolgen bisher ohne Wirkung auf das Weltklima verpufft ist. Um im Bild des Artikels zu bleiben: Hat es die Engländer im 18. Jahrhundert irgendwie beeindruckt, dass Deutschland keinen Sklavenhandel betrieben hat?

Wer glaubt, mit dem Verbot von Inlandsflügen und SUVs und mit der Verbilligung des öffentlichen Nahverkehrs (Sorry: Auch „guter“ Energieverbrach, der subventioniert wird, führt in Summe zu Mehrverbrauch) das Klima retten zu können, der ersetzt den Mythos Verzicht durch den Mythos, „ein paar kleine Verbötchen reichen“. Wirksame Verbote sähen so aus: Keine Urlaubs-Fernflüge mehr, Work and Travel in Albanien statt Australien, keine Kreuzfahrten, Bitcoin, Blockchain, soziale Netzwerke, Google-Anfragen sowie Fleisch auch als Hundenahrung einschränken oder verbieten. Selektive, populistische Verbote, die möglicherweise schon im benachbarten Ausland umgangen werden können, führen geradewegs in eine Klima-Planwirtschaft, die die Gesellschaft weiter spalten aber die Klimakatastrophe nicht verhindern wird. Ein Retter, der kopflos handelt und den Selbstschutz vernachlässigt, wird schnell zum erfolglosen, tragischen Helden. Gerade wir Deutschen müssen bescheidener und pragmatischer werden. Historisch haben wir unsere Möglichkeiten bereits zwei Mal überschätzt. Jede zu ergreifende Maßnahme muss deshalb zwei Mindestanforderungen erfüllen: Ist sie erstens überhaupt (weltweit) wirksam und ist sie zweitens ohne unvertretbare Kollateralschäden durchsetzbar. – Benno Blessenohl

 

Der Name Wolfgang Uchatius war mir bisher zwar bekannt, aber ich hätte ihn nicht zuordnen können. Das hat sich mit diesem Dossier gründlich geändert. Ich hätte der ZEIT, die leider seit einiger Zeit immer mehr zum links-grünen Kampfblatt verkommt, einen derart sachlichen, fundierten, vorurteilsfreien und offenbar gründlich recherchierten Artikel nicht mehr zugetraut. Glückwunsch, Herr Uchatius, Sie schieben meine Kündigung des Abonnements noch einige Zeit auf. Wenn allerdings noch mehr Autoren, wie Herr Tatje, dessen Antidieselkreuzzug nahezu ohne jede Sachkenntnis und im Wesentlichen gestützt auf auf einen dubiosen Abmahnverein, dessen juristische Erfolge darauf zurückzuführen sind, daß Juristen sich nicht gerade durch naturwissenschaftliche Kenntnisse auszeichnen, die ZEIT-Redaktion bevölkern, wird sich das wohl ändern. – F. Kronberg

 

Ein großartiges Dossier. Es ermahnt mich, dran zu bleiben, den eigenen C02-Fußabdruck weiter zu minimieren auch wenn vermutlich die großen Resultate erst in erreichbare Nähe rücken, wenn die entsprechenden Gesetze von Seiten der Regierung erlassen werden. Aber stimmt es wirklich, dass in Deutschland die Entscheidung, welches Auto man fährt dem Autofahrer überlassen wird, wie es auf S. 15 in Spalte 3 heißt? Auf den ersten Blick ja, denn es gibt keine Gesetze, die Vorschriften zum Kauf erteilen. Auf den zweiten Blick nein. Denn zum einen beeinflusst die steuerliche Förderung von Autos mit Dieselmotoren, natürlich die Entscheidung vieler Käufer. Weniger Steuern, mehr Geld im Geldbeutel. Das lohnt sich ab einer bestimmten Kilometerleistung pro Jahr.

Zum anderen ist das Dienstwagenprivileg eine millionenschwere Subvention der Automobilindustrie von Seiten des Staates. Gefördert werden hier die PS-starken Autos und die Luxuskarossen. Der hochglanzpolierte PS-starke Dienstwagen steht für Erfolg, Karriere und Reichtum und damit assoziert auch für ein glückliches Leben. Ein großartiger Marketingzug. Denn dies zu Verkörpern ist der Wunsch quasi eines jeden Bürgers. Viele eifern diesem Bild durch den Kauf eines solchen Autos nach. Der Absatz der Klimakiller steigt. Zur großen Freude der Automobilindustrie. Und was macht der Dienstwagenbesitzer? Er fährt immer mit dem Dienstwagen, auch wenn er in der Früh von Wörthsee nach München 1,5 h braucht und nicht wie mit der S-Bahn 45 Min. Denn den Diestwagen zahlt ja die Firma. Im Geldbeutel des Privatmannes schlägt sich das positiv nieder. Beeinflusst also der Staat also wirklich die Entscheidung des Käufers beim Auto nicht? – Katharina Lotter

 

„bereit sein, sich etwas verbieten zu lassen.“ All jenen, die jetzt wieder schreien, man wolle sie fremdbestimmen, sei gesagt: Seit Jahrzehnten werden wir fremdbestimmt. Kauf dies, kauf das, wasch damit, koch hiermit, hab ein schlechtes Gewissen, weil die Wäsche nicht weich, have a break and a Schmatzriegel, und ganz aktuell, erobere die Straße. – Kurt Eimers

 

Der Beitrag von Wolfgang Uchatius hat mich begeistert. Der Artikel slammt und performt und verbreitet dabei wirtschaftspolitisches und sozialgeschichtliches Wissen. Hier wird eine der möglichen Ursachen von Marktversagen – wenn die negativen externen Effekte zuschlagen – auf den (wunden) Punkt gebracht. Unternehmer wie Konsumenten sollten angesichts einer neuen Helmpflicht (einer umweltgerechten Marktordnung) nicht mehr autschen, sondern in weiser Einsicht das Haupt beugen, sonst werden wir als menschliche Wesen auf den Kopf fallen. Solche eindringlichen Erläuterungen würden sich auch im Wirtschaftsteil der ZEIT gut machen. – Olga Manj

 

Vielen Dank für Ihren hochinteressanten Artikel. Ich bin ganz Ihrer Meinung, dass ohne Ver- und Gebote sich nichts in Richtung Klimaschutz ändern wird. Die klimaschädlichen Auswüchse des täglichen Lebens zu begrenzen scheint mir dringendst geboten und natürlich kann man nicht auf den Einzelnen warten. Ihre Beispiele hinsichtlich Allmende, Eishockey etc. sind wirklich eindrucksvoll! Allerdings sorgt mich sehr, dass (bzw. wie) die Bewohner der ländlichen Regionen im Bereich Mobilität hinten runter fallen könnten. Ich selbst wohne im Vogelsbergkreis, einer sehr ländlichen Gegend. Ohne Auto wäre ich nicht in der Lage, ein halbwegs „normales“ Leben zu führen, da der ÖPNV hier sehr spartanisch ist und Arbeit, Bildung, Gesundheit, Einkauf und Freundschaften sich über den ganzen Landkreis auf viele einzelne Ortschaften erstrecken. Dieses Rad zurückdrehen zu wollen würde in das Leben der Menschen hier sehr massiv eingreifen. Im Vergleich damit wäre z. B. eine drastische Verteuerung von Flügen vermutlich eine leichter auszugleichende Maßnahme. Eine wirklich gute Versorgung des ländlichen Raumes mit ÖPNV wäre unumgänglich BEVOR man das Autofahren für alle erschwert und verteuert! Als Alternative kann man sich nur vorstellen, dass sich Regionen wie der Vogelsberg noch weiter entvölkern und der Druck auf die Städte weiter wächst. Eine Utopie, in der alle bis auf ein paar Landwirte in den Ballungsräumen wohnen und keiner mehr ein Auto braucht, scheint mir trotz Klimakrise wenig erstrebenswert. Ich weiß, das schreiben Sie nicht, aber das ist einer der vielen Aspekte, die mich auch im Zusammenhang mit der angedachten co2 Steuer beschäftigen. – Mirjam Zylla-Kilian

 

Botschaft an die Politik: Macht mehr Verbote!
Zu lange schon verprassen wir, zum Teil unverdient und in unverträglichem Ausmaß systembedingten Überfluss. Übersetzt: Die Mehrheit in den wohlhabenden Industrieländern und eine wachsende Anzahl Neureicher aus aller Welt konsumiert einfach zu viel bei zwangsläufig hohem Energieverbrauch. Dieser Wohlstand, für den außerdem viele in der ärmeren Welt schuften, läuft dem Erhalt der natürlichen Umwelt, unserer Gesundheit und auch dem Tierwohl zuwider. Er ist Resultat einer wachstumsorientierten Profitwirtschaft des „immer mehr“ und „immer billiger“. Die Änderung des Konsumverhaltens jedes Einzelnen ist wichtig. Die entscheidende Wende ist aber nur durch sinnvolle politische Regulierungen erreichbar. Alle für den Erhalt unserer natürlichen Umwelt unumgänglich zu erlassenden Verbote sind letztlich Gebote der Vernunft! – Dr. Jochen Gensel

 

Der Artikel von Wolfgang Uchatius „Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr“ ist das beste, was ich in den letzten Jahren zum Klimaschutz gelesen habe. Der ebenso verständliche wie scharfsinnige Artikel ist brilliant geschrieben und hat geradezu literarische Qualität. Er müsste zur Pflichtlektüre jedes liberalen und konservativen Politikers werden. Von der Politik wird nicht die Delegation der Verantwortung auf den Bürger erwartet, sondern dass sie die richtigen Gesetze macht und für ihre Durchsetzung sorgt. Vom Bürger dagegen darf man erwarten, dass er die für den Klimaschutz erlassenen Regelungen, ja Verbote akzeptiert und nicht ihre Protagonisten abwählt, wie es weiland den Grünen bei der Ökosteuer ging. Der moralische Appell an den Bürger, das Angebot eines 20-€-Wochenendflugs nach Mallorca oder London auszuschlagen, ist ehrenwert, aber er führt in die Irre. Der Appell müsste eher lauten: „Wählt diejenigen, die dafür sorgen, dass es solche Angebote nicht mehr gibt!“ – Gerhard Bronner

 

SUVs, Kühe oder doch die Politik – Wer ist schuld, dass nichts vorwärts geht in der Klimakrise? Der Autor schafft in seinem klugen Artikel eine Brücke über die vermeintliche Kluft zwischen Individuum und Politik: Die öffentliche Debatte und die Akzeptanz von Gesetzen, die die Freiheit des einzelnen Menschen zum Wohle aller beschränken, sind die Motoren, die uns (ganz ohne CO2!) näher an die Klimaziele bringen. Mit empirischen Beispielen veranschaulicht er die menschliche Bequemlichkeit und Ich-Bezogenheit, ohne dabei die Moral-Keule zu schwingen. Mit dieser vereinenden und positiv motivierenden Sichtweise können wir alle uns auf den Weg machen in eine lebenswerte Zukunft. – Sabine Härtl

 

Schon seit einige Zeit verfolge ich die Berichterstattung zur Klimapolitik und suche auch bei uns Ansätze zu Verbesserungen. Nach meiner anfänglichen Skepsis zum Artikel kann ich aber nur DANKE Herr Uchatius sagen! Endlich schreibt jemand deutlich, dass es Gesetze oder Steuern geben soll und die Politik (!) sie einführen muss. Denn die ‚freiwillige Selbstkontrolle‘, die von vielen immer vorgeschoben wird, aus Angst echte Gesetze machen zu müssen hilft uns auch in diesem Fall nicht weiter! Egal wie viel CO2 jeder Einzelne einsparen kann, es wird nie reichen. Aber persönliche Einschränkungen und damit verbundene echte Fortschritte in der Klimakrise werden die Menschen annehmen. Also traut euch lieber Politiker! – Judith Steinke

 

Mein liebes Auto
Die Politik der Abgasreduzierung unserer Autos beruht doch auf einer Fehleinschätzung! Sie geht ja davon aus dass man das Problem durch technische Maßnahmen, spritsparende Antriebe oder Elektroautos lösen könne. Doch große E-Autos sind ja keineswegs umweltfreundlicher, ihr CO2 Ausstoß kommt nur an anderer Stelle raus, nämlich beim Kraftwerk. Denn so viel Ökostrom um alle Fahrzeuge elektrisch zu betreiben, können Windräder und Fotovoltaik bekanntlich doch gar nicht bereitstellen! Dabei könnten wir den Ausstoß schädlicher Gase auf einfache Weise drastisch reduzieren: Wenn nämlich alle die in die Stadt fahren, auf Sprit sparende Kleinwagen wie etwa den Smart umsteigen würden. Denn so ein Kleiner kommt leicht mit der Hälfte des Kraftstoffes aus wie diese PS-Protze, die aber leider immer mehr Liebhaber finden.

Das verkannte Problem dabei ist: Das Auto dient ja nicht nur der Fortbewegung, sondern ist in hohem Maße auch Mittel der Selbstdarstellung! Das wird von der Politik immer übersehen! Viele Menschen definieren sich doch über ihr Auto! “Seht her, mein Auto, mein Stolz!” Deshalb müssten die Menschen zum Umdenken bewegt werden. Dann man braucht wirklich keine zwei Tonnen Auto um einen Menschen zu befördern! Auch wenn sich die Hersteller rühmen die Verbräuche der SUV gesenkt zu haben: Um ein Fahrzeug von 2,2 Tonnen Gewicht an der Ampel zu beschleunigen braucht es einfach mehr Energie als für einem Kleinen von knapp einer Tonne. – Freiwillig werden die Menschen aber wohl ihren Großen nicht in der Garage lassen. Eigentlich brauchte man nur an den Zufahrtsstraßen zu den Citys Verkehrsschilder aufzustellen mit der Beschränkung “5 Liter”, um die Schadstoffelefanten fern zu halten! (Nebenbei würde damit auch das Problem der Dieselschadstoffe halbiert!) Egal ob Diesel oder E: aber klein muß er sein! – Rolf Wittig

 

Ich stimme dem Autor aus tiefstem Herzen zu: es müsste staatliche Regelungen und Verbote geben, um umweltschädliches Verhalten auf breiter Front zu begrenzen. Meines Erachtens ist das schon seit mindestens 30 Jahren klar. Und trotzdem findet sich in der Bevölkerung weit und breit keine Mehrheit, sich bei Wahlen für eine Partei zu entscheiden, die „die Freiheit einschränken“ möchte. Die Grünen etwa vermeiden es tunlichst, als „Verbotspartei“ wahrgenommen zu werden. Würden z.B. die Grünen sich anschicken, das Autofahren zu beschränken oder Inlandsflüge zu verbieten, würde sich ihr relativer Höhenflug bei den Wähler*innen vermutlich schnell relativieren. Vielleicht blieben ihnen 20% der Wähler*innenstimmen. Die restlichen 80% der deutschen Wähler*innen wünschen keine solchen Einschränkungen. Von Europa und der restlichen Welt zu schweigen. Das Nadelöhr, durch das das Kamel hindurchmuss, bleibt die Frage, ob und wie es in unserem demokratischen Gemeinwesen möglich sein wird, der Erkenntnis folgend zu handeln. – Stefan Baier

 

Beim ersten Lesen befiel mich eine tiefe Depression. Hat er nicht Recht, und ich habe mein ganzes Leben lang auf Vieles völlig umsonst verzichtet? Seit die 1. Ölkrise mich in dem empfänglichen und begeisterungsfähigen Alter derer traf, die heute freitags auf die Straße gehen, hat ökologisches Denken mein Verhalten mehr und mehr bestimmt. Und das soll alles sinnlos gewesen sein? Ich habe vier Tage gebraucht, um den Fehler in der Argumentation zu finden: Die Allmende-Analogie ist falsch. Wir – der Autor, seine Leser und ich – sind nicht die Produzenten, die in Konkurrenz um die knappen Resourcen stehen. Wir sind Konsumenten und haben durch unser Verhalten sehr wohl Einfluß auf das, was und wie produziert wird. Industrie und Landwirtschaft werden freiwillig nichts an ihren Produktionsverfahren und Produkten ändern. Aber sie sind empfänglich für negative Schlagzeilen und Boykott-Maßnahmen. Natürlich reicht das nicht. Gesetzliche Vorgaben sind unumgänglich. Aber wie kommt es zu diesen Gesetzen? Was sollte Politiker motivieren, in dieser Hinsicht aktiv zu werden, wenn nicht die Wähler, die zeigen, dass sie einen Richtungswechsel wollen? Und wodurch werden immer mehr Wähler motiviert, grün zu denken – wenn auch nicht unbedingt selber grün handeln – wenn nicht durch uns, die Vorreiter, die guten Beispiele, die zeigen, dass ein Verzicht auf Auto, übermäßigen Konsum u.a. keineswegs eine Einbuße an Lebensqualität bedeuten muss. In diesem Sinne werde ich wohl so weitermachen. – Anna Schmitz

 

Nach dieser Überschrift und dem Vorspann, „Warum es in Ordnung ist, Auto zu fahren, in den Urlaub zu fliegen, Fleisch zu essen – und trotzdem für mehr Klimaschutz einzutreten“ kommt wirklich niemand daran vorbei, den Text zu lesen. Ein Teaser für die ganze Breite eingeübter Positionierungen! Was ist zu erwarten: Ein Plädoyer für selbstgefällige Selbstregulierungsideologen wie Christian Lindner? Eine Bestätigung für ungebremste Spaßpolitiker wie Andreas Scheuer? Vielleicht sogar die Unterstützung einer triumphierend zur Schau gestellten Themenverweigerung wie z.B. bei AfD-Politikern? Eine Provokation selbstgerechter klimaschutzbewegter Bürger? Nein – der Artikel ist eine unwiderstehlich im Sendung-mit-der-Maus-Format erzeugte Konfrontation der Leser mit der eigenen Unzulänglichkeit. Er führt den Leser durch ein Spiegellabyrinth, wo sich erdrückende Fakten und Prognosen zur Erderwärmung in den überraschend erzeugten Perspektiven historischer Erfahrungen und vor dem Hintergrund unserer Verhaltensmuster so verwirrend brechen, dass all unsere Positionierungen und Handlungsansätze zumindest verunsichert werden.

Am Ende der Aufruf, auf die Straße zu gehen und von Politikern die notwendigen Verbote einzufordern. Die Einsicht: Die zum Überleben erforderliche Verzichtsleistung kann nur durch politische Macht erreicht werden. Der Artikel kann als ein Redeentwurf für verantwortungsvolle Politiker gelesen werden, mit dem sie ihre Entscheidungen für den unausweichlichen radikalen Umbau unserer Art des Wirtschaftens den Bürgern erklären können. Er kann auch als Entwurf für einen Nachruf gelesen werden, um zu erklären, warum es am Ende doch nicht geklappt hat. – Reinhard Koine

 

Ich bin absolut begeistert von dem Artikel! Herzlichen Dank, Herr Uchatius! Sie sprechen mir so dermaßen aus dem Herzen und ich selbst konnte es noch nie so klar formulieren, wie Sie es gemacht haben. Verbote akzeptieren! Genau das können wir machen. Und das bedeutet natürlich für die Politik: Sprecht endlich Verbote aus! Lasst das unsägliche Geschwafel von „Verbote bringen nichts, wir appellieren an die Freiwilligkeit/den Verstand der Bevölkerung“ Nein, sagt: Wir verbieten – für Klimaschutz, für unsere Kinder und Kindeskinder! Wir appellieren an eure Akzeptanz des Verbots!“
Ja! Ja! Ja!
Ein kleines Problem sehe ich dann nur noch in der Umsetzung. Weil mit unserem jetzigen Bewußtsein halten wir uns nicht an Verbote. Das müsste alles kontrolliert werden, bis wir soweit sind. Und das ist kaum machbar. … Vielleicht also auch das hoffungslos … Eigentlich ist es ja auch schon längst nach 12. – Susanne Jürgensen

 

Überall wird über die Jugend geschrieben, die der älteren Generation Fehlverhalten vorwirft, da diese der Jugend eine zerstörte Umwelt hinterlassen wird. Ich hatte noch nie ein schlechtes Gewissen gegenüber der jüngeren Generation, und dafür gibt es handfeste Gründe. Z.B. das Reiseverhalten der Jugend: als wir in den Achtzigern 15, 18 oder 22 Jahre alt waren, sind wir nicht geflogen. Wir sind noch nicht mal Zug gefahren. Brieffreunde in 70 km entfernten Städten konnten wir nicht besuchen, das war alles unbezahlbar. Heute fliegen Jugendliche kreuz und quer durch die Welt. Die Freundin in Barcelona zum Geburtstag überraschen? 39 Euro. Z.B. Einkaufsverhalten: wenn wir damals neue Schuhe oder Jeans wollten, sind wir in die nächstgrössere Stadt gefahren, haben einen Einkaufsbummel gemacht, alle Läden besucht, bis wir die schönsten Schuhe und Jeans in der richtigen Grösse hatten, und sind wieder nach Hause. Die heutige Jugend will alle paar Wochen andere zerrissene Jeans und die neuesten Sneaker. Dazu werden diverse Hosen, Schuhe uvm. online in diversen Grössen bestellt, und was nicht passt, zurückgesendet. Kostet ja nichts, ausser dass die Innenstädte aussterben, Fachkräfte im Fachhandel ihren Job verlieren, und wir als Gegenleistung mit Transportern überfüllte Strassen und billigste Arbeitskräfte als Fahrer oder Lageristen haben – nebst der Luftverschmutzung, dem Lärm, und der Ressourcenverschwendung. Z.B. Kommunikationsverhalten: Wir haben früher ab und zu telefoniert oder noch Briefe geschrieben, und uns zum Kaffee oder Bier verabredet. Die heutige Jugend hat Schnappatmung, wenn Facebook nicht funktioniert, weil kein Netz verfügbar ist. Wir betreiben Serverfarmen auf der ganzen Welt mit Millionen von Servern und Trilliarden von Festplatten, nur damit die jüngere Generation täglich ihre Frühstücksfotos, Selfies oder andere überaus wichtige Nachrichten dort posten kann. Nebst dem unvorstellbaren Stromverbrauch für die Server wird die Erde für Rohstoffe geplündert – und alle ein bis zwei Jahre muss es eh ein neues Smartphone sein, auch wenn das alte noch deinen Dienst tut. Wieso sollte ich also ein schlechtes Gewissen haben? Die nachwachsende Generation zerstört ihre Zukunft auch ohne uns. – Andreas Pfaff

 

Ich halte wie Sie Fahr- oder Fahrzeugverbote, Flugverbote, Fleischverbote, Beschränkungen der Wohnungsgrößen, Verpflichtungen zur energetischen Sanierung bzw. zu entsprechend gedämmten Neubauten etc. oder aber Steuern und Abgaben auf klima- und umweltschädliche Produkte und Handlungsweisen, die so hoch sind, dass sie Verhaltensänderungen erzwingen, für den einzig Erfolg versprechenden Weg, die deutschen Klimaschutzziele vielleicht noch zu erreichen. Appelle bringen erfahrungsgemäß nicht genug, wie z. B. die Gurtpflicht bei Autos gezeigt hat. Allerdings reicht es nicht, wenn nur Deutschland das macht. Mindestens die G20-Staaten müssten engagiert mitmachen, um einen hinreichenden Effekt zu erzielen. Das scheint mir angesichts von Staatenlenkern wie Trump, Bolsonaro, Putin, Erdogan, Mohammed bin Salman al-Saud usw. aber ziemlich illusorisch zu sein. – Dr. Ulrich Willmes

 

Wir sind in der Tat längst an einem Punkt, an dem das freiwillige Wohlverhalten und der Verzicht Einzelner (auch vieler Einzelner) nicht mehr ausreicht. Jetzt ist der Staat gefordert, endlich seiner Verantwortung nachzukommen und mit drastischen Maßnahmen (Verbot von Kurzstreckenflügen, autofreie Städte, massive Preiserhöhungen für Fleisch, spürbare CO2-Steuer, sofortiger Kohleausstieg usw.) gesetzlich dafür zu sorgen, dass wir die Klimakatastrophe noch abwenden können. Es ist grober Unfug, dass das kostenneutral oder ohne eine merkliche Veränderung unseres Lebens zu machen wäre, aber wenn es durch eine breite politische Mehrheit getragen und vor allem für alle spürbar wird, dann lässt es sich umsetzen. Härtefälle sind abzupuffern, aber im Prinzip wird es für alle teuer und unangenehm werden. Eine internationale Ausdehnung dieser Maßnahmen ist unumgänglich, aber Deutschland muss jetzt sofort damit anfangen. – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel

 

In der Mail zur Ankündigung der neuen Ausgabe der ZEIT vom 10.07.19 heißt es u.a.: „Kein Fleisch, kein Flug, kein Auto – der Mensch soll verzichten. Doch die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft der Welt nicht. Es braucht größere Lösungen. Mit unserem aktuellen Dossier beginnen wir eine neue ZEIT-Serie über den Sinn und Unsinn von Verboten.“
Das klingt schon eigenartig. „die Enthaltsamkeit des Einzelnen hilft der Welt nicht“ Haben Sie schon einmal von Greta Thunberg gehört? Einfach mal googeln …
„Es braucht größere Lösungen.“ Also die, über die CDU und AKK das nächste Jahrzehnt ernsthaft nachdenken?
„Kein Fleisch, kein Flug, kein Auto – der Mensch soll verzichten.“ Und immer wieder die einfallslosen, dumpfen Angstgespinste für die verschreckten Bürger, denen die Grünen angeblich alles wegnehmen wollen. Wo sind denn Ihre konstruktiven Vorschläge? Nun weiß ich wieder, warum ich mich einfach nicht mehr zu einem Abo der ZEIT durchringen kann. – Prof. Dr. Manfred Seifert

 

Ich bin sehr enttäuscht von der Titelseite der oben genannten Ausgabe. Es mag korrekt sein, so wie Ihr Autor Wolfgang Uchatius insbesondere im letzten Absatz seines Artikels es darstellt, dass jeder Einzelne alleine es nicht vermag, die großen gesellschaftlichen Problem entscheidend zu beeinflussen, ABER: die großen politischen Entscheidungen sind nur dann möglich wenn in der Bevölkerung das Bewusstsein über das zu Verändernde existiert, nur dann können überhaupt sinnvolle Gesetze entstehen, und akzeptiert werden. Nur wenn Menschen es „üben“ ihr alltägliches Leben klimafreundlicher zu gestalten werden sie auch mit einem Gesetz, das z.B. innerdeutsche Flüge regelt, leben können, es akzeptieren können – dies gilt für alle große Veränderungen – ohne ein breites, bereits bestehendes Bewusstsein kein Entscheidendes Vorankommen in der Politik.

Ich habe leider der Verdacht dass „Die Zeit“ ein bisschen zum Wohlbefinden all der, von den Unvereinbarkeiten der Existenz geplagten, schlauen und nachdenkenden Menschen an Flughäfen beitragen wollte – nur bloß nicht in der Urlaubszeit auch noch auf die komplett überflüssige, sinnlose Urlaubsreise hinweisen… Sehr Schade ist das, eine verpasste Chance, und „Der Zeit“ so gar nicht ähnlich. – Dr. Heda Kvakan

 

Welche Geschichte möchtest du erzählen?
oder:
Es ist nicht in Ordnung mehr Fleisch zu essen, mehr Auto zu fahren und mehr zu fliegen und dennoch für mehr Klimaschutz zu sein

Das ist mir noch nie passiert. Ich streiche massenhaft Sätze und ganze Textpassagen in einem Zeitungsartikel an und schreibe eifrig eigene Notizen dazu. Begonnen hat es damit, dass sich innerlicher Widerstand in mir geregt hat. Es ist auch jetzt, nach dem Lesen des Artikels, immer noch schwer es genau auf den Punkt zu bringen, was genau mich dazu bewegte diesen Leserbrief zu schrieben. Aber ich werde es versuchen. Der Titel der Ausgabe „Der Mythos vom Verzicht“ hat mich neugierig gemacht. Ich studiere zurzeit ein Fach, an einer deutschen Hochschule im Masterstudiengang, das sich mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigt. Auch als Kind bin ich für damalige Verhältnisse recht umweltbewusst aufgewachsen. Zwar sind wir auch damals nach Italien geflogen, aber nur ein einziges Mal. Klar gab es zu Hause auch konventionell erzeugte Lebensmittel, aber nicht ausschließlich. Natürlich gab es auch gentechnisch veränderte Lebensmittel, aber so reduziert wie möglich. Ich will sagen: Verzicht in einer Gesellschaft zu thematisieren, die auf die genaue Gegenseite gepolt ist, fand ich sehr spannend. Zudem darf ich auf ein gewisses Maß auf Hintergrundwissen zum Thema Umwelt-, Natur- und Klimaschutz und Nachhaltigkeit zurückgreifen. Im Großen und Ganzen finde ich den Artikel gelungen. Er stachelt etwas an und spricht vielfältige Argumentationen der Nachhaltigkeits- oder auch Umweltdebatte an. Zu großen Teilen stimme ich dem Autor mehr als zu!! Ja: wir brauchen mehr Regularien um das heutige Almende Problem zu lösen. Ja: Wofür gibt es Inlandflüge, weg damit!! Alles richtig, meiner bescheidenen Meinung nach. Und dennoch kann ich es nicht auf mir sitzen lassen, den Text nicht auch konstruktiv zu kritisieren. Denn: Meiner Meinung nach spricht der Autor verschiedene Dinge in seinem Text an. Zum einen wird die Schuldfrage angegangen und dann die Frage nach den Auswirkungen des persönlichen Verzichts.

Zuerst ein paar Worte dazu: Hier bin ich definitiv anderer Meinung, als der Autor. Ja, wir konsumieren das alles. Aber das entbindet den Produzenten nicht von seiner Schuld es zu produzieren. Die Sklavenhändler waren mal so was von Schuld, Exxon Mobil und alle anderen sind mal so was von schuld, wenn wir überhaupt darauf aus sind Schuld zu zuweisen. Aber wenn, dann sind es auch diese, die uns vorgaukeln nur durch Wachstum Wohlstand erfahren zu können, die uns weißmachen wollen, nur das neuste Handy mache glücklich, die angeblich wissen, was wir brauche und wollen, die die wissentlich manipulieren und indoktrinieren. Wenn wir die Schuldfrage wirklich eröffnen wollen, und ich denke das würden sehr viele sehr ungern hören, dann gilt: Wer schädliches anbietet und fördert ist genauso schuldig, wie jemand der schädliches kauft und verwendet. Denn man könnte den Spieß auch umdrehen: Wenn keine Sklavenzucker produziert würde, dann würde ihn auch keiner kaufen und auch keiner darauf verzichten müssen. Für mich als Leser, um mein Verständnis des Textes klar zu benennen um somit zu besserem Verständnis meiner Argumente beizutragen, war die Massage des Autors: Wandel geht nur über öffentlichen Druck und Gesetze. Die Passage über Freiheit und angeblichen Verzicht auf Freiheit werde ich mir wahrscheinlich ausschneiden und im Zimmer aufhängen, aber hier und da gibt es meiner Meinung nach sehr sehr Wichtiges zu ergänzen! Die Metapher des Zuckers war gut gewählt. Dennoch ist es zu einfach und falsch zu sagen, dass 100% der Leute weiterhin Zucker essen. Das würde ja bedeuten, dass sich nichts getan hat, kein Wandel, keine Veränderungen stattgefunden hat. Hier wird deutlich, wie komplex das Thema ist. Umwelt – und, nennen wir es der Einfachheit halber „Klimaschutz“, sind keine Themenfelder bei denen leichthin mit „Wenn-Dann“ Beziehungen gearbeitet werden kann. Wenn kein Zucker gegessen wird, wird keiner mehr produziert. Das geht ganz gut. Wenn keiner mehr Auto fährt, ist das Klima gerettet; das geht schon nicht mehr. Klimawandel und die Folgen sind ein gesamtgesellschaftliches und das aktuell wichtigste Problem unserer Zeit. Hier möchte ich dem Autor zustimmen und es zusätzlich bestärken! Und genau darum ist Verzicht, und jetzt kommen wir zu einem meiner Hauptanliegen, genau darum ist Verzicht die Pflicht jedes einzelnen. Jeder kann sich entscheiden, wie das bei ihm persönlich aussieht: kein Auto, kein Fliegen, keine Mangos? Vielleicht ist es aber auch an der Zeit nicht auf Gesetze zu warten, sondern sich die Gesetze selbst zu gestalten! Es essen nicht mehr 100% der Menschen Zucker. Es gibt mittlerweile zahlreiche Menschen, die vegetarisch oder vegan essen. Und das nicht, weil die Weide offensichtlich übernutzt ist, sondern weil es Menschen mit Weitblick gibt. Ja es gibt sie und es werden immer mehr. Und dabei muss Verzicht nicht „Verzicht ohne Sinn“ sein. Man muss sich nicht klein und ausgenutzt fühlen (vor allem wenn man gar nicht wirklich verzichten muss, wie der Autor beschrieben hat). Das Frauenwahlrecht wurde eingeführt, weil wenige Frauen angefangen haben zu demonstrieren. Mittlerweile wird gegendert, man darf unabhängig des Geschlechtes wählen gehen, es ist total normal und sogar angesehen (zumindest in gewissen Kreisen), vegetarisch und vegan zu essen. Alles nur weil wenige angefangen haben mutig zu sein. Und das ist der Punkt. Verzicht ist Mut! Mut anders zu sein. Mut zu etwas zu stehen. Mut sein Leben und seine Lebensweise zu hinterfragen. Abgesehen davon, dass Verzicht auch sehr wohltuend sein kann.

Ich lebe ich einer WG. Wir haben keine Spülmaschine, teilen uns eine Waschmaschine, ein Wasserkocher, ein Herd. Alle haben wir kein Auto. Klar, Vorteil: wir leben in einer Stadt, in der kein Auto benötigt wird. Wir beziehen Ökostrom und jeder von uns kommt, wie der Autor, ebenfalls auf ca. 6,5Tonnen CO2 im Jahr – weil wir verzichten. Manchmal freiwillig, manchmal unfreiwillig, und dennoch ist es enorm entspannend sich nicht um den TÜV, den Reifenwechsel, den Stellplatz, die Versicherung, die Auslandsplakette, die ADAC Mitgliedschaft und und und kümmern zu müssen. Aus Verzicht kann ein mehr an Lebensqualität werden, auch wenn er zu Beginn scherzhaft sein kann. Und nicht nur zu mehr Lebensqualität (Stichwort „Konsumburnout“), sondern solche Entscheidungen und Muster können auch zur Gewohnheit werden, womit die negative Konnotation von Verzicht sehr wahrscheinlich verschwindet. Denn dann ist es normal und selbstverständlich kein Obst aus Übersee zu kaufen. (Die Qual der Wahl fällt weg, es ist in gewisser Weise auch einfacher!) Kommen wir kurz zurück zu unserer WG. Nehmen wir an, Verzicht wäre nicht notwendig und jeder von uns vier, würde 11 Tonnen CO2 verbrauchen pro Jahr, würde das auf die gesamte Statistik wenig Einfluss nehmen. Allerdings wären es dann 44Tonnen CO2 im Jahr, statt 26Tonnen.

Und ach ja – hätte DiCaprio auch angefangen zu verzichten, hätte er dennoch seine Umweltorganisation gründen können, hätte immer noch dadurch CO2 angespart. Nur wäre freier Wohnraum entstanden, Wohnraum der jetzt, da er von DiCaprio belegt wird; keiner kann zeitgleich in mehreren Häusern wohnen und Nein-man muss gar nicht verstehen, dass ein Hollywoodstar wie ein Hollywoodstar leben will – woher nimmt so jemand das recht dazu? Woher nimmt er sich das Recht über seine Maße zu leben?, frei, den anderen nutzen könnte. Es müsste nicht weiter wertvolle Erde versiegelt und damit unbrauchbar gemacht werden, etc. (Man sieh, dass einfache „Wenn-Dann Beiziehungen“ nicht funktionieren. Es ist keine Ketter an Folgen und Wirkungen, sondern ein Netz.) Und man darf auch einen UN Botschafter auf Grund seines Lebensstieles kritisieren. Das macht seine Reden nicht weniger richtig, und dennoch ist sein Verhalten und die jedes Menschen, der mehrere Wohnungen nur für sich alleine besitzt eine Yacht hat und aus keinem ersichtlichen Grund, der Mehrwert für die Gesellschaft hat, zwei Mal Silvester feiert und dafür um die halbe Weltkugel fliegt, nicht nachhaltig, nicht sinnvoll für die kommenden Generationen, schlicht weg nicht vertretbar! Aber wir, jeder von uns, jeder der Verzicht übt, jeder der mutig ist kann Gesellschaft verändern. Die Pädagogen wissen schon lange: Durch Vorbildsein lehrt man. Und das ist der springende Punkt: Gesetzte können schnell große Wirkungen haben (daher brauchen wir sie auch, müssen darin besser werden unsere augenscheinliche Freiheit aufzugeben, müssen die Schüler*innen unbedingt weiter streiken) jede kleine Veränderung bei sich selbst kann allerdings etwas viel schöneres Bewirken. Eine gesamtgesellschaftliche Veränderung aus den Menschen selbst heraus. Wer möchte seinen Enkeln und Kindern denn auf die Frage „Was habt ihr damals getan`“ antworten: „Ach, nichts. Zu verzichten hatte ja keinen Wert!“? Wer das antworten möchte ist Zyniker. Wer allerdings diese Welt verändern will, sie gestalten und prägen möchte, muss mutig sein! Auch und besonders mutig sein zu verzichten. – Sebastian Welte

 

Vielen Dank für Ihren Artikel! Meine Ansichten:
1. Der rosafarbene Elefant der im Raum steht und den niemand so richtig benennet hört auf den Namen: Konsum und Kapitalismus (in Deutschland umgetauft in die ’soziale‘ Marktwirtschaft). Wir in der ersten, westlichen Welt sind spätestens mit der Nachkriegsgeneration groß geworden, mit dem Versprechen / Verlangen das: a) alles immer zu haben ist b) dies möglichst billig (aka preiswert) zu haben ist. Die Grundlage dazu bildet der mittlerweile globale Kapitalismus der Ressourcen, Umwelt und Menschen ausbeutet um a) für eine kleine, ‚reiche‘ Oberschicht immer weiter Vermögen anzuhäufen b) die Konsum Maschine der westlichen Welt am Laufen hält. Beruflich bin ich seit 1995 im SAP Umfeld unterwegs, ich sehe leider jeden Tag wie sich die Maßstäbe nur nach Wachstum, Profit, etc. richten – wir (unsere Generation) kommen aus dem Hamsterrad nicht raus.
2. Es gibt kein unbegrenztes Wachstum. Das nennt man in der Biologie Krebs. Wir leben auf einem endlichen Planeten mit endlichen Ressourcen. Millionen von Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, ausreichender gesunder Nahrung und vernünftige Lebensstandards.
3. Es wird nur mit einem Mix gehen:
a) Neudefinition der Ziele. Nicht mehr Börsenwerte, IFO Indikator, Export Überschüsse, etc. sollen die Ziele sein SONDERN: Nachhaltigkeit, Achtsamkeit mit der Umwelt und Ressourcen, den Planeten besser den nachfolgenden Generationen hinterlassen als wir ihn vorgefunden haben.
b) Verzicht auf unseren derzeitigen Lebensstil und ein umsteuern. Dazu den Rest der Welt auf ein vernünftiges Niveau bringen. Außerdem müssten wir uns mal Gedanken machen wieviele Menschen der Planet verträgt und wie wir das steuern wollen / können.
c) Verbote und Gebote durch die Politik. Es gibt kein Recht auf individuellen Verkehr per Auto, Flugzeug. Es gibt ein Recht auf eine saubere Umwelt, saubere Luft, sauberes Wasser, Nahrungsmittel, etc.
Ich bin Jahrgang 1966. Unsere Eltern haben es gut gemeint. Unsere Generation hat es verbockt. Meine Tochter (17Jahre) und die nachfolgenden Generationen müssen die Suppe auslöffeln. Helfen wir ihnen jetzt wenigstens noch ein wenig dabei. – Thomas Sablonski

 

„Bepreisung“ oder „Verbote“ funktionieren nur als Wechselanreiz, wenn es eine Alternative gibt. Davon kann man schön träumen oder doch besser Energie-Ingenieure und Physiker fragen, was überhaupt in 30 Jahren realis­tisch geht! Tausende von Leonardo di Caprios belasten zwar den Planeten etwas; viel gravierender werden jedoch die seit 1990 heranwachsenden 2,5 und die bereits geborenen und demnächst noch zu gebärenden über 3 Milliarden jungen Erwachsenen auf diesem Planeten, selbst wenn sie nur 40 % des CO2-Abdrucks eines Mitteleuropäers verursachen. Denkt daran jemand? – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Ja, wir wollen Verbote und Beschränkungen. Allein schon aus dem Grund, dass das Vergleichen und Aufrechnen und das Moralisieren aufhört. Wird der gesetzliche Rahmen für den Klimaschutz gesetzt, wären viele bereit, sich an die Regeln zu halten. Wo bleiben die Kilometerbeschränkungen für das Autofahren, wo bleiben Regelungen, die Flüge oder Fleischkonsum begrenzen ? Solche Gesetze wären nicht unproblematisch, Arbeitsplätze, sozialer Friede usw. . Letztlich entstehen aber durch das „Nicht-regeln“ auch soziale und moralische Kluften. Schließlich werden uns wohl früher oder später von der Natur oder von der Migration her einige Probleme erreichen, die das Arbeitsplatzproblem lächerlich erscheinen lassen. Also bitte Regelungen her und Lösungen für Probleme finden.

Letztlich darf der Einzelne aber nicht aufgeben, seine Kuh von der Weide zu holen. Auch wenn er denkt, dass sein Tun sinnlos ist. Die Problemlage schreibt uns doch eine Haltung zur Umwelt vor. Kann man denn wirklich ruhigen Gewissens im Nichtstun sein, während um einen her alles baden geht ? Es gibt doch jenseits aller Unwahrscheinlichkeit des Erfolges einen inneren Zwang, etwas tun zu müssen. Die Sängerin ZAZ erzählt in einem ihrer Konzerte eine Geschichte von einem Kolibri, der von den anderen dafür verhöhnt wird, dass er versucht Wasser mit seinem Schnabel zu einem Waldbrand zu bringen und dort auszuschütten. Dies in der Absicht den Brand zu löschen. Er erwidert: „Ich tue wenigstens etwas.“ Sollte das nicht unsere Haltung bleiben, auch wenn der Nachbar seine Kuh auf die Weide schickt ? Danke für Ihren Artikel. – Frank Genkinger

 

Sehr guter, tiefgründiger Artikel. Ich wünsche, dass es dem Journalismus und uns Lesern gelingt, des Themas nicht überdrüssig zu werden; oft und viel wird über den Klimawandel und den Einfluss des Einzelnen sowie der Pflicht der Regierenden berichtet. Steter Tropfen höhlt den Stein und Tropfen für Tropfen möge die Problematik in das Bewusstsein aller dringen um endlich weniger egoistisch und mehr weitblickend zu handeln. – Ramona Grohs

 

Das von Ihnen verfasste Dossier in der ZEIT vom 11.07.2019 deckt das zentrale Dilemma auf, in dem wir Menschen des 21. Jahrhunderts stecken. Wir sehen uns mit einer beispiellosen Umweltzerstörung durch unsere eigene Lebensweise konfrontiert und sind doch unfähig gemeinsam als die Summe von Einzelnen, die handeln, so zu handeln, dass wir die Katastrophe abwenden können. Ein anderer Modus des gemeinsamen Handelns ist nötig. Sie zeigen, dass die „Tragedy of the commons“ ein Phänomen ist, dem wir empirisch begegnen und das wir nicht leugnen können. Alle Appelle an den freiwilligen Verzicht der Einzelnen („Man muss bei sich selbst beginnen!“) bleiben global gesehen wirkungslos und hemmen sogar die Durchsetzungskraft derjenigen, die sich auf kollektiver, d.h. politischer, Ebene für Veränderungen stark machen, weil sie ihre Unfähigkeit sich vollkommen korrekt zu verhalten im Lichte solcher Forderungen diskreditiert. Es ist zur Zeit schier unmöglich vollkommen richtig entsprechend der Ansprüche, die man an sich stellen müsste, zu leben, wenn man noch in irgendeiner Form am normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen will. Berufe machen Flüge notwendig, weil es erwartet wird, Arbeit und Familie müssen vereinbart werden, was für viele ohne Auto nicht geht, weil es erwartet wird, etc. Das darf natürlich kein Aufruf zum Zynismus sein und so kann ihr Text auch nicht gelesen werden. Adornos „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ ist kein Freibrief sich selbst die Zügel schießen zu lassen, da man ja eh nichts ändern kann. Vielfach hört man aber Argumente in diese Richtung. Deshalb ist mir wichtig anzumerken, dass der Einzelne trotzdem weiterhin angesprochen ist sich zu bemühen, weil eine solche Praxis moralisch richtig ist, weil sie die persönliche Tugend fördert und somit das Glück, weil sie das Vertrauen in die eigene Meinung stärkt und weil sie dem Willen Nachdruck verleiht sich auch tatsächlich für Veränderungen auf der politischen Ebene einzusetzen. Außerdem ist dies die beste Methode seine Mitmenschen zu überzeugen, die nämlich äußerst empfindlich auf Menschen reagieren, die Wasser predigen und Wein trinken. Wer dagegen handelt, braucht nicht zu predigen, sondern steht einfach da, als Beispiel, wortlos. Es kann hier keine Perfektion geben und die darf man auch nicht erwarten. Kleinigkeiten sind wichtig und es zählt die Motivation, die hilft den Willen zu bilden systemische Änderungen voranzutreiben.

Ich möchte noch auf zwei zentrale Begriffe eingehen, die in Ihrem Text eine große Rolle spielen und über die eine noch größere Verwirrung herrscht. Der erste Begriff ist der der Freiheit und, damit zusammenhängend, der zweite ist der des Verbots. Sie führen die Absurditäten eines rein als Handlungsfreiheit verstandenen Freiheitsbegriffs sehr schön vor. Diejenigen, die sich auf diese Freiheit berufen, tun dies oft im Brustton der Überzeugung mit Bezug auf die Aufklärung. Aber was hätte Kant, der Titan unter den Aufklärern, wohl von einem solchen Freiheitsbegriff gehalten? Antwort: nichts. Der Freiheitsbegriff bei Kant ist schwierig, aber zumindest in einer Hinsicht ziemlich klar: Freiheit bezieht sich auf das Vermögen des Menschen sich seiner Vernunft zu bedienen und damit die rein zufälligen, naturgegebenen Verhältnisse zu übersteigen, so wie etwa die, in einer mächtigeren Position als jemand anderes zu sein, was ein kontingentes Faktum ist. Diese Position nicht auszunutzen und sich selbst zu beschränken ist dagegen Freiheit! Kant schreibt hierzu in der „Kritik der reinen Vernunft“ im Kapitel „Der Kanon der reinen Vernunft“:

„Die praktische Freiheit kann durch Erfahrung bewiesen werden. Denn nicht bloß das, was reizt, d.i. die Sinne unmittelbar afficirt, bestimmt die menschliche Willkür, sondern wir haben ein Vermögen, durch Vorstellungen von dem, was selbst auf entferntere Art nützlich oder schädlich ist, die Eindrücke auf unser sinnliches Begehrungsvermögen zu überwinden; Diese Überlegungen aber von dem, was in Ansehung unseres gesamten Zustandes begehrenswerth, d.i. gut und nützlich, ist, beruhen auf der Vernunft. Diese giebt daher auch Gesetze, welche Imperativen, d.i. objective Gesetze der Freiheit, sind, und welche sagen, was geschehen soll, ob es gleich vielleicht nie geschieht, und sich darin von Naturgesetzen, die nur von dem handeln, was geschieht, unterscheiden, weshalb sie auch praktische Gesetze genannt werden.“

Eine Form dieses praktischen Gesetzes ist die wohlbekannte Formulierung des kategorischen Imperativs, nach der man stets nach der Maxime handeln solle, von der man zugleich wollen könne, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. In diesem Sinne sind selbstgegebene Verbote einer demokratischen Gemeinschaft, die der Vernunft entspringen, ein Ausdruck der Freiheit und keine Gängelung oder „Ökodiktatur“, zumal die Lage in diesem Falle mehr als klar ist und zumindest 70% der Bundesbürger die Dringlichkeit anerkennen (man könnte sich ja auch irren). Wer dagegen Freiheit als reine Handlungsfreiheit begreift, der liegt vollkommen falsch, weil er den Naturzustand propagiert, das Recht des Stärkeren, wie ihr Beispiel mit dem durchzuprügelnden Sklaven anschaulich belegt. Außerdem wird mit solcher Begriffsverdrehung die Gesetzgebung eines Rechtsstaates mit der Willkür eines Unrechtsstaates gleichgesetzt, was im Kern antidemokratisch und autoritär ist. Wer so denkt will nicht DAS Recht, in dem der freie Wille, der den freien Willen will regiert, sondern SEIN Recht, wo getan wird, was er sagt, oder er zumindest seine Macht, zu tun, was er will, komplett ausschöpfen kann. Vielen Dank für Ihren notwendigen Artikel! – Sebastian Kauczok

 

Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel. Für jeden nachvollziehbar und mit stechenden historischen Beispielen beseitigt er den schädlichen und gefährlichen Irrglauben, Moralpredigten und selbstauferlegte, freiwillige Einschränkungen könnten zur Lösung epochaler gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen.
Man sollte denselben Artikel nächste Woche nochmal drucken für die, an denen er diese Woche vorbeigegangen ist. Und übernächste Woche sicherheitshalber noch einmal! – Dr. Christian Voll

 

In diesem Artikel wird davon gesprochen, das schnelle Fahren auf den Straßen z.B. mit Gesetzen zu begrenzen, oder mit Gesetzen die Massentierhaltung zu verbieten, oder die Inlandsflüge und so weiter. Gut. Und um dies durchzusetzen bliebe nur die Straße, also der massenhafte Protest. Ja. Vielleicht. Aber bitte, wer geht wann, wo und wie auf die Straße, wenn er nicht vorher in sich eine kritische Haltung entwickelt hat, ein Bewusstsein auch des Verzichts!! Und dies dann auch von der Wirtschaft und der Politik fordert. Natürlich gehört zur Kritik der Blick auf die eigene Verantwortlichkeit! Und was um Himmels Willen ist bloß so schlimm am Verzicht?? Wenn es überhaupt eine Veränderung gibt, dann nur mit dem Einzelnen und dessen Umgang mit sich und der Welt. Es ist beides: der Wunsch nach Veränderung bringt mich dazu zu verzichten, und er bringt mich dazu, auf die Straße zu gehen. – Renate Matthäus

 

Es ist ein Armutszeugnis für den aufgeklärten Menschen, den mündigen Bürger einer Demokratie, den W.U. in seinem Artikel beschreibt. Der moderne Mensch verhält sich irrational, schaut immer, ob seine Mitmenschen genug fürs Klima tun, entwickelt sich zu einer multiplen Klimapersönlichkeit, obwohl es ganz existentiell um seine Zukunft und die seiner Nachfahren geht. Zurück zur aufgeklärten Monarchie, in der ein klimakompetenter Monarch oder Monarchin den Untertanen sagt, wo es lang geht? Oder doch die Hoffnung aus dem letzten Satz des Artikels ziehen, dass wir allmählich bereit sind, uns in einer Demokratie etwas verbieten zu lassen und damit staatlich verordneten Verzicht zu akzeptieren, weil dieser langfristig mehr Lebensqualität und Lebenssicherheit bringt? – Andrea Grimmell-Hesse

 

… schön für Sie, dass Sie kein schlechtes Gewissen mehr haben! Als ob das relevant wäre! Zusätzlich zu den langatmigen Passagen über Zucker, Eishockey und Leonardo di Caprio, blasen Sie m.E. fleißig ins Horn der Systembewahrer. Typisch dafür ist u.a. Ihre Mathematik , dass die Schüler*innen der Friday for Future Bewegung im theoretischen Idealfall nur 0,07 % CO2 (äq.) vermieden hätten. Was passiert mit den Leser*innen? Sie denken sich: das lohnt sich doch gar nicht hinzugehen. Und prompt bleibt alles beim Alten. Ich wünsche mir weniger Schmiermittel für den Systemerhalt in der ZEIT. Statt dessen mehr klare politische Forderungen und Demonstrationen gegen das „Weiter so!“. Wie wäre es mit „Journalists for Future“? – Kerstin Wessel

 

Danke für die Darstellung der Zusammenhänge, auch geschichtlich, in diesem Artikel – ich möchte allerdings schon noch etwas hinzufügen, das meiner Ansicht nach bei dem Gedankengang vernachlässigt wurde: wenn Leute sich von etwas abwenden und etwas nicht mehr machen oder kaufen, suchen sie Alternativen. Es geht also nicht nur um den Verzicht, es wird stattdessen etwas Positives gesucht, gefördert, aufgebaut. Wenn wir das Beispiel im Artikel hernehmen und 300.000 Familien aufgrund der Forderung der SchülerInnen auf das Auto verzichtet hätten, wären sie ja nicht zu Hause sitzen geblieben, sondern würden stattdessen Zug-, Bus- und Radfahren. Das würde auf Dauer zu mehr Angebot in dem Bereich führen und damit zu mehr Leuten, die das wahrnehmen würden und können. Ein geändertes Konsumverhalten von auch nur wenigen Prozent führt zu einem erweitertem Angebot, wie man bei der Geschichte von Bio-Produkten sehen kann, die nun ja in jedem Supermarkt zu haben sind.

Wenn regionale, biologisch angebaute Lebensmittel vermehrt gekauft werden führt das zur Förderung von Bauern, die einen anderen Umgang mit der Natur haben – und das bringt zum Beispiel für die Artenvielfalt und gegen das Artensterben gar nicht so wenig, auch wenn das nur wenige grüne Inseln sind. Natürlich wäre es gut wenn die Politik etwas macht, aber es braucht auch Personen, die zeigen dass es möglich ist anders zu leben. In unserer völlig von Geld bestimmten Welt ist Kaufen wie Wählen – wenn man selbst sich denkt: meine Stimme zählt eh nichts, dann denken viele Tausende andere genau so. Das Gleiche aber auch umgekehrt. – Catrin Bolt

 

Beim Lesen der Überschrift war ich empört, nach dem Lesen voller Begeisterung. Wolfgang Uchatius hat mir aus der Seele gesprochen. Seine scheinbar unendlich weithergeholten Beispiele sind überzeugend!! – Sven Herfurth

 

Mit vielfältigen Vergleichen, darunter geschichtlichen, zum Ende des Sklavenhandels durch die Engländer möchte W. Uchatius in seinem Beitrag belegen, dass persönlicher Verzicht und Enagement alleine nichts bringen, um wirksam gegen Missstände anzugehen, der Staat müsse letztendlich handeln, um effektive Verbesserungen z.B. in Sachen Klimaschutz, herbeizuführen. Aus meiner Sicht greift der Autor in seiner Argumentationskette mehrfach in entscheidenden Punkten zu kurz, v.a. , da wo es um den Begriff „Verzicht“ geht.

Der Begriff „Verzicht“ ist immer ein subjektiver, weist auf den Verzichtenden zurück. Was für den einen ein Verzicht ist, muss für den andern keinesfalls einer sein, im Gegenteil, gar ein Gewinn. 3 Beispiele:
– Ich selbst z.B. verzichte“ seit 37 Jahren komplett auf Fleisch und schränke mich damit ein, „verzichte“ im Sinne des Autors. Nur: Ich erlebe damit keinen Mangel, erlebe und erlebte es nie in diesem Sinne als „Verzicht“, im Gegenteil. Ich lebe damit prächtig, gewann damit in einer fast vier Jahrzehnte währenden Ära des lukullischen Neuentdeckens zusätzlich Lebensqualität.
– Ich „verzichte“ nach zwei innereuropäischen Flügen, dem ersten Anfang der 70er Jahre, nunmehr seit über 40 Jahren aus ökolog. Bewusstsein fast komplett aufs Fliegen. Dennoch interessiert mich durchaus die Welt rund um den Erdball, in Reiseberichten, Reportagen – und (!) ich blicke auf viele spannende, anregende und erholsame Urlaubsreisen zurück, auf einem der landschaftlich/klimatisch vielfältgsten Kontinenten der Erde: Europa.
– Ich boykottiere von Anbeginn an Datenkraken im Bereich Social Media wie Facebook, WhatsApp usw. und habe dennoch viele und echte Freunde, die wie ich den direkten persönlichen Austausch schätzen.

Ein weiterer Punkt: Verzicht braucht immer die Bezugsgröße „auf was“. Verzicht aber auch Nicht-Verzicht haben immer eine Verzichts-Konsequenz, die abzuwägen ist, eine eigentlich banale Lebensweisheit. Fakt ist doch: Wenn der wohlhabende Teil der Menschheit sich nicht schleunigst dazu durchringt, Verzicht zu üben, da wo es besonders klimarelevant ist, beim Fliegen, Fleischdauerkonsum usw., so „verzichtet“ sie, v.a. aber die, die wenig für den Klimawandel können, zwangsläufig irgendwann auf das Allerwichtigtste überhaupt, was wir existentiell brauchen , auf ausreihende (Über-)Lebensbedingungen, von Einschränkungen der Lebensqualität ganz zu schweigen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Autor das komplett übersehen hat!?

Schlimmer noch seine Anklage mit dem ausgestreckten Zeigefinger gegen die anderen. „Warum soll ich verzichten, wenn andere das nicht tun, all die verlogenen Verschwender?“ und bemüht als Beispiel hierfür den UN-Klimabotschafter Leonardo DiCaprio, der offenbar Wasser predigt und selbst schamlos Wein in vollen Zügen trinkt, indem er privat pausenlos durch die Welt jettet. Ich empfinde dies fast als „Aufschrei“ des Autors, in einem kompromisslosen aber selbstbezogenen Gerechtigkeitsempfinden der Art, wie es Kindern zu eigen ist, die zornig, trotzig aufstampfen: „Wenn der das macht, dann hab ich auch keine Lust mehr! Ätsch!“

  1. Uchatius‘ Fazit: Wenn nichts mehr hilft, dann nur noch Vater (Staat), der mal richtig von oben durchgreifen sollte, da es die „verkommene Hedonistenhorde“ über Selbstdisziplin offenbar nicht hinbekommt, so sein Fazit. „Mensch, verbietet mir doch das Fliegen, denn ich kann von . alleine nicht damit aufhören, auch, wenn ich weiß, dass es meine Zukunft runiniert“. Klingt erstmal gut, aber auch hier hat der Autor aus meiner Sicht in seiner Analyse nochmal zu kurz gegriffen. – Klar, wäre beim Klimaschutz vieles längst besser gelaufen, wenn eine Ökodiktatur einfach durchgegriffen hätte, nur, verehrter Herr Uchatius, in unserem demokratischen System – ob es das tatsächlich ist, sei an der Stelle mal dahin gestellt – , denken Politiker vor allem an den nächsten Wahltag, an dem die Politik abgewählt wird, die den Interessen der Wähler entgegen steht. Damit wären wir aber schon wieder beim „inneren Schweinehund“ in uns Wählern, der bestimmt, welche Güterabwägung wir als Wähler betreiben. „Weiter so“ oder „Zukunft“

Und wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Egal wieviel die DiCaprios und Kollegen sich schamlos vom Planeten nehmen, und egal ob ihr Kollege zufällig gerade den fünften nutzlosen Inlandsflug in Folge antritt: Wir alle, Sie und ich sind gefragt, sich der Verantwortung für das Ganze zu stellen, denn es braucht einen kompletten Kulturwandel, den u.a. Greta Thunberg mit ihrer schlichten Forderung nach einer Zukunft für sie und die Altersgenossen auf diesem Planeten angestoßen hat.

(Das sagt sich so leicht, „Kulturwandel“. Wenn man das zu Ende denkt, meint es einen Wandel in unseren Köpfen, der alles Bisherige in Frage stellen wird, Lebenskonzepte, liebe (Konsum-) Gewohnheiten, Ansprüche und Wirtschaftsweisen, welche die Rechnung bislang immer ohne die Natur gemacht hatten.) Und – das fehlt auch in ihrer Analyse – wenn in unser aller Köpfen, auch ihrem, nicht schnell dieser Wandel im Kopf beginnt und zügig ins Handeln kommt, dann werden bald schon diejenigen politisch Oberwasser bekommen, die auf Verdrängung, „Weiter so“, Abschottung und Krieg um Ressourcen setzen. Sie werden Klimaschutz einfach abwählen, die Amerikaner haben es vorgemacht. Der Staat alleine wird’s in einer offenen Gesellschaft nicht richten . Sie, lieber Wolfgang Uchatius, werden sich wohl selbst, da wo es für den Planeten zu viel wird, „einschränken“ müssen. Freuen Sie sich jetzt schon auf den Gewinn, den sie daraus mit Sicherheit auch ziehen werden! – Martin Rothe

 

Sie führen in ihrem Artikel viele interessante Vergleiche auf, machen jedoch zwei grundsätzliche Fehler, die ihren Artikel unnötig beschädigen. Persönliche Klimabilanz und CO2-Rechner: Es stimmt, dass der CO2-Ausstoß in Deutschland bei über 11 Tonnen liegt. Allerdings berechnet ein CO2-Rechner, wie der des Bundesamtes, den Wert des Konsumprinzips. Also auch den Ausstoß, der nicht in Deutschland anfällt, aber Deutsche konsumieren – also zB Produkte die aus China importiert werden. Nach dem Konsumprinzip besitzt Deutschland einen CO2-Ausstoß von mehr als 18 Tonnen. Das ist der Durchschnitt in Deutschland. Ihr persönlicher Wert liegt also bei nur einem Drittel des Durchschnittsdeutschen. Ein sehr guter Wert.

Eine Klimaneutralität ist derzeit schon bei 4 Tonnen CO2/Person erreicht. Dies gilt unter der Annahme, dass arme Länder wie Äthiopien auch in naher Zukunft nicht ihren CO2-Ausstoß um mehr als das Doppelte pro Kopf vergrößern werden. Die eine oder zwei Tonnen pro Person zur weltweiten Klimaneutralität, die immer genannt werden, sind die weltweit gerechten. Jeder Erdenbürger dürfte diesen Wert ausstoßen. Der praktische Wert liegt aber 4 Tonnen CO2 pro Kopf für die Industrienationen und unter der Berücksichtigung, dass viele arme bzw. nichtindustrialisierte Länder nicht plötzlich zu Industrienationen werden. Ihr Wert von 6,5 Tonnen verfehlt also die persönliche Klimaneutralität nur um 1,5 Tonnen.

Zweiter Punkt: In ihrem Artikel schwingt der Unterton mit, dass ihre persönlichen Bemühungen eigentlich wenig die Allgemeinheit beeinflussen. Diese Haltung besitzt neuerdings auch die Partei der Grünen. Nicht der Einzelne soll Verzicht üben, sondern der Staat muss Verbote und Steuerungsmaßnahmen ergreifen. Dabei wird aber etwas Wichtiges komplett vergessen. Die Akzeptanz des Bürgers für Veränderung! Und diese ist nur gegeben, wenn bereits einige diese Veränderung anderen vorleben, die diesen noch skeptisch gegenüber stehen. Es braucht also Informationsträger (wie Sie), die mit ihrem Verhalten auch andere anstecken. Wenn es diese „Lotsenfische“ nicht geben würde, würde der Schwarm auch nicht seine Richtung ändern wollen.

Das eigene Verhalten (in diesem Fall in Richtung Klimafreundlichkeit) ist also enorm wichtig und ist als erster Schritt eines Veränderungsprozesses Bedingung. Erst danach, wenn genügend „Lotsenfische“ in die neue Richtung umgeschwenkt sind, erst dann ist der Boden dafür bereitet, dass auch Verbote und andere Lenkungsmaßnahmen akzeptiert werden. Ihr klimaschonendes Verhalten ist also absolut sinnvoll, ihre Schlussfolgerungen in ihrem Artikel waren es leider nicht immer. – Dipl.-Ing. Achim Michael Hasenberg

 

Vielen Dank für Ihren Beitrag im Zeit Dossier der endlich mal einen Weckruf hinsichtlich des Verhaltens jedes einzelnen Menschen ist. Seit 15 Jahren mache ich mit meiner Kunst auf diesen Zusammenhang aufmerksam, bei der genau dies die zentrale Message ist. Dabei wird das Projekt auch von ihrer Redaktion und Pressekollegen ignoriert. „Man möchte sich nicht vor einen Karren spannen lassen“ usw. Also Floskeln und wegwischen. In 2016 habe ich während der Zeitreise auf der Queen Mary Ihre Kollegen auf das Umweltthema angesprochen (und auch der Hinweis was so eine Reise ständig soll. Das Reiseangebot der Zeit ist CO2 Sünde in Reinkultur. Exklusive Reisen für eine gut situierte Klientel). Bringt aber Geld in die Kasse. Dabei habe ich ausführlich mein Projekt persönlich vorgestellt und gebeten diesem Projekt doch mal etwas Öffentlichkeit zu geben. Das ist nicht geschehen. Ausserdem hatte ich mit der ZEIT Online Redaktion einen Termin in Ihren Räumlichkeiten mit Karsten Polke-Majewski. Nichts passiert.

Mir fehlt also der klare Hinweis in ihrem Artikel, dass sie als Journalisten auch Teil des Problems sind: des Verdrängens, Nichtstuns, nicht verändern Wollens , nicht wahrhaben Wollens. Schließlich gab es ja immer ander alltägliche vermeintlich wichtigere Themen als die Zerstörung unseres Lebensraumes. Plötzlich seit Fridays for Future und Rezo hat wohl die ZEIT-Redaktion erkannt, dass sich die Umweltthemen gut verkaufen lassen. Soll das glaubwürdig erscheinen? Mein Sohn (26.J.) – der mir vor 13 Jahren den Anstoß für das Projekt gab – hat sich auf jeden Fall (wie Rezo) von derartigen Journalisten und Politikern abgekoppelt. Für ihn sind sie Teil des Problems. Mehrere Pressemitteilungen an die ZEIT Redaktion zu verschiedensten Aktionen ob Ausstellungen, Documenta, G20 Gipfel usw. würden wohl von ihren Journalisten Kollegen als nicht so relevant eingestuft. So namentlich die Herren Rauterberg, Ullrich, Klingst usw. Immerhin hatte Wolfgang Ullrich als Privatperson die Sache unterstützt und einen Artikel mit guter Rezension geschrieben. Vielleicht berichten Sie ja doch mal darüber. Vielleicht hilft es dem Projekt ja dann doch noch das nächste Etappenziel zu erreichen.Überregionale Aufmerksamkeit und eine Ausstellung im neuen Humboldt Forum in Berlin. – Rudi Fischer

 

Als Laie in Wirtschaftsfragen habe ich mit großem Interesse Ihren Artikel gelesen. Vor allem die Geschichte mit den Kühen auf der Gemeinschaftswiese hat mir eingeleuchtet. Mitsamt den Konsequenzen, die Sie daraus ableiten. Überzeugt mich durchaus. Nun warte ich nur auf die Fortsetzung, in der geklärt wird, wie das mit den gesetzlichen Regelungen auf der weltweiten Wiese klappen soll ……. – Ilse Wittenborn

 

Dieser Artikel hat mir irgendwie die Augen geöffnet. Wie der Autor den Klimaschutz in die grossen geschichtlichen Zusammenhänge einbettet ist grossartig. Vor allem das Beispiel mit den Kuhherden in England im 19. Jahrhundert. Fazit: Der Klimaschutz muss erst einmal bei den Spitzen der Politik ankommen. (Bei Donald Trump dauert ist evt. etwas länger.) Erst dann wird es ein Umschwenken geben. Aber wir Bürger können trotzdem mit Hartnäckigkeit und Ausdauer im Alltag mit unserem Handeln einen Wandel herbeiführen, wie die Geschichte von Katherine Plymley mit dem Zucker wunderbar zeigt. Ein grossartiger Artikel. – Max Weber

 

Die Stärke der Schwachen zeigt sich darin, auf die Straße zu gehen und die Politik zu beeinflussen – das ist richtig. Nur die Politik ist in der Lage, die Weichen in Richtung einer klimaverträglicheren Lebensweise zu stellen. Aber was tun wir, bis die Weichen umgestellt sind? Das kann und wird wahrscheinlich Jahre dauern. Wie soll es anders gehen, als derweil unsere Macht als Konsumenten zu nutzen und unser Verhalten soweit wie möglich zu ändern? So grausam die Sklaverei war, sie war eine von vielen Phasen in der Geschichte, in denen sich Menschen gegenseitig Leid zugefügt haben, aber sie hat die Welt nicht an einen point of no return gebracht, vor dem wir stehen, wenn das Klima kippt. Die Zeit läuft uns davon und alles was wir unterlassen, um das Klima zu schädigen, hilft! Alles andere ist zynisch und Selbstbetrug. Das schlechte Gewissen dürfen wir nicht aufgeben, im Gegenteil, wir müssen es kultivieren und es sollte uns Wegweiser sein. Auch ohne SUVs und Ferienflüge kann man gut und zufrieden leben. Wir müssen privat und politisch aktiv sein – nicht entweder oder. – Andrea Wagner

 

Das sehr lesenswerte Dossier mit den originellen Strukturanalogien scheint mir am Ende einen Denkfehler zu haben oder zumindest inkonsequent zu sein. Denn mit dem Argument, der persönliche Verzicht habe einen viel zu geringen Effekt für die Minderung der Treibhausgase, könnten auch der kleine Steuerpflichtige, der seine exakten Einnahmen verschleiert, oder der Kleptomane, der sich im Kaufhaus „bedient“, darauf verweisen, dass ihr „Verzicht“ auf den großen Schaden, der in diesen Bereichen angerichtet wird, keinen effektiv mindernden Einfluss habe, sie also mit gutem Gewissen weitermachen können wie bisher. Effektiv werden aber auch vom kleinen Verbraucher die Schöpfung und die nachfolgenden Generationen geschädigt. Und wenn wir für unser Verhalten allein nach dem Effekt fragen, zeichnet sich die gute Tat nicht gerade dadurch aus, dass sie um ihrer selbst willen getan wird und nicht (allein) um eines Effektes willen? – Manfred Bender

 

Ich stimme Ihnen in den meisten Punkten zu: Die Schuldzuweisung weg vom Individuum und hin zu den Versäumnissen von Politik und Konzernmächten ist wichtig und ist ja auch der Ansatz der For Future Bewegung – die Entscheidungsträger müssen endlich Verantwortung übernehmen und Handeln! Meine Sorge ist allerdings, dass die Darstellung „was der Einzelne tut bringt nichts“ als Kernaussage des Artikels gelesen wird und sich in einem „dann kann ich mich ja zurücklehnen und warten bis die Anderen etwas tun“ beläuft, da es ja anscheinend nichts nütze, wenn man als Individuum einen bewussten Lebensstil pflegt. Wer nur die Zeitungsheadline liest, denkt sich möglicherweise „in der Zeitung steht, es bringt nichts wenn ich verzichte“ um dann erleichtert den nächsten Flug zu buchen. Meines Erachtens setzen Sie zu sehr den Fokus darauf, welche Anstrengungen man bleiben lassen kann, anstatt welche man für wirksamen Klimaschutz ergreifen sollte. Die wichtigste Handlungsanweisung geht am Ende ihres Artikels etwas unter: Wir alle müssen aktiv werden und auf die Straße gehen – gerade als Erwachsene – und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Regierung aus ihrem unerträglich rasenden Stillstand bzgl. Klimapolitik endlich in Bewegung bringen. – Xena Wieser

 

Ich habe sehr gern Ihren Artikel zum großen Thema Umweltschutz gelesen. Es ist ein Artikel, der endlich mal die Zusammenhänge herstellt, die dargestellt werden mussten. Er nimmt einfache historische Beispiele, um Dinge zu erklären, die nach wie vor relevant sind. Das große Problem von heute hat sich gar nicht so gravierend geändert, nur sind die Umstände radikaler geworden – wie so häufig in der Geschichte der Menschheit. Nicht nur nach der Lektüre Ihres Artikels, sondern generell bin ich der Auffassung, dass es einen riesigen Knall geben wird, damit sich die Menschheit neu schüttelt. Nicht, weil ich mir das sehnlich wünsche, sondern weil ein Zurückrudern längst nicht mehr realistisch ist. Welcher Knall das nun ist, spielt eigentlich keine Rolle, da alles miteinander vernetzt ist. Der Umweltknall wird es bloß deswegen nicht sein, weil er noch zu lang dauert. Ob es zuerst die internationale Wirtschaft ist, die zusammenkracht, die Europäische Union oder das deutsche Renten- und Gesundheitssystem – die Möglichkeiten und Angriffspunkte des gesamtgesellschaftlichen Konstruktes um uns herum sind mannigfaltig. Das Konstrukt ächzt aus jedem Balken und jeder Verstrebung. – Robin Bräuer

 

In Ihrer letzten Ausgabe haben sie im Dossier über den Mythos vom Verzicht und die Tragig des Allgemeingutes geschrieben. Verzicht wird nie funktionieren, kaum einer wird sich schlechter stellen als sein Status Quo und schon garnicht wie der Nächste die Frage ist auch ob das erstrebenswert ist, den modernen Komfort aufzugeben – das liegt nicht in der Natur des Menschen und fühlt sich wie ein Rückschritt an. Viele drohen immer, wenn wir so weiter machen wird es im Desaster enden. Was den Gesetzgeber auf den Plan ruft Verbote zu erlassen und Standards anzuziehen. Was mich an einen Vortrag meines Wirtschaftsprofessors erinnert als er uns in einem Vortrag von der großen Pferdemist Krise von 1894 erzählt hat bei der eine Großstadt im Pferdemist erstickt ist und sich mit Gesetzen nicht effektiv wehren konnte. Ich ziehe hier frei Parallelen zur Klimakrise. Die Lösung war damals eine technische Erfindung, nämlich die des Autos.

Aufrgrund unseres Wesens nach muss auch die Lösungen der Klimakrise eine technische sein. Die zur Zeit angepriesenen technischen Lösungen des Klimawandels klingen immer so einfach aber der Teufel steckt im Detail. Einfach Ölkessel gegen eine Luftwärmepumpe tauschen und voilà man wird grüner. Denn einfach eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen wird das Problem nicht lösen, da man auch die klassischen Konvektoren ersetzen muss, sonst ist der Wirkungsgrad der WP zu schlecht. Photovoltaik ist in unseren Breiten leider auch nur eine Spielerei da uns gerade im Winter die Sonnenstunden fehlen. Für riesige Windfarmen oder dezentrale Stromproduktion ist unser Stromnetz schlicht nicht ausgelegt und zu unintelligent.

Meiner Meinung ist es ganz wichtig, dass wir uns soviel Zeit wie möglich kaufen. Da ist die Kernkraft der einzig technisch verfügbare Ausweg vor dem man sich nicht verschließen darf. Alles müsste daran gesetzt werden Reaktoren zu bauen die mehr als 1% des Urans in den Brennstäben nutzbar machen und alternative Techniken die bereits konventionell verbranntes Material verwenden. Statt aus der Kernenergie auszusteigen, muss man neben Biomasse, Solar, Wasser und Wind es schlicht besser machen als die anderen und als leuchtendes Beispiel in der Welt voran gehen. – Max Robin Drott

 

Ich möchte Ihnen Mut machen. Es ist von großer Wirkung bei sich selbst anzufangen und sich um die Reduzierung des persönlichen CO2-Abdrucks zu bemühen. Natürlich sind dem deutliche Grenzen gesetzt. Die Politik wird sich aber nur schwer zu Entscheidungen durchringen, wenn sie von der Akzeptanz und Bereitschaft der Bevölkerung nicht überzeugt ist. Die Fridays-for-Future-Proteste allein werden dafür nicht ausreichen. Wenn man seine eigene Bemühungen und auch seine Grenzen offen kommuniziert, dann erreicht man auch andere. Ich bemerke in meinem Umfeld immer wieder, dass mein begründeter konsequenter Verzicht auf das Fliegen in meinem Umfeld auch andere bewegt. Letztlich sollten wir den Blick nicht nur nach oben zu den Menschen mit den größten CO2-Emissionen richten, sondern vor allem nach unten. Die meisten Menschen haben doch gar nicht die Möglichkeiten so viel CO2 wie sie oder ich zu emitieren. Diese Menschen haben aber das selbe Anrecht wie wir auf ein schönes und erfülltes Leben. Von dem schon lange zu hohen CO2-Pro-Kopf-Ausstoß in unserem Land profitieren wir auch in Form von reicher Bildung und Innovationskraft. Daher sehe ich uns in Deutschland auch in besonderer Verantwortung mit Blick auf die Bekämpfung der Klimakrise. Unser Beitrag besteht in der Entwicklung technischer Innovationen, der Implementierung wirksamer und sozialverträglicher Regelungen (CO2-Steuer) und letztlich auch im Vorleben einer CO2-reduzierten und gleichzeitig auch l(i)ebenswerten Lebensweise. – Florian Etterer

 

Es mag sein, dass sich der Verzicht Einzelner nicht gravierend auf die Klimabilanz auswirkt, dennoch ist es falsch zu sagen, der Verzicht des Einzelnen könne nichts bewirken! Wenn Greta Thunberg Freitags auf ihren Unterricht verzichtet, ändert das nicht viel, wenn aber die medien darüber berichten, tausende Schüler auf der ganzen Welt es ihr nachtun und jeden Freitag für mehr Klimaschutz demonstrieren, dadurch endlich alle Politiker über Klimaschutz sprechen und die ersten Länder und Städte den Klimanotstand ausrufen, dann hat Gretas Verzicht doch sehr viel bewirkt. Sie hat die Bilanz nicht merkbar verändert, aber sie hat genau das in Gang gesetzt was Sie, Herr Uchatius fordern: politische Lösungen für den Klimanotstand.

Wenn eine Person auf den Konsum von Tierprodukten verzichtet, ändert das nicht viel, wenn aber diese Person ein Youtube video erstellt, darin ihre Gründe erläutert (Tierrechte, Klimaschutz, Welthunger, Gesundheit) und tausende Menschen es ihr nachtun, dann ändert sich die Nachfrage auf dem Markt. Wenn sich die Nachfrage ändert, ändert sich auch das Angebot, weg von Tierprodukten, hin zu tierfreien Alternativen. Seine Nachfrage ändern, ist also auch ein Weg, um seine Forderung zu zeigen. Und vielleicht startet einer der Zuscher des Youtube Videos eine Petition gegen Massentierhaltung, aber wer soll die unterzeichnen, wenn keiner darüber spricht, dass wir unseren Fleischkonsum drastisch reduzieren müssen, um die Welt zu retten? Und wer spricht darüber mit einer Bockwurst in der Hand?

Durch Verzicht setzt man ein Statement. Durch Verzicht zeigt man seine Forderung. Durch Verzicht kommt man in die Kommunikation. Und nur über Kommunikation finden wir genug Menschen, die eine Demonstration planen und besuchen, genung Menschen, die eine Petition starten und unterschreiben, genug Menschen, die etwas verändern wollen. Genau das brauchen wir. Menschen die etwas verändern wollen. Aber mit Ihrem Artikel geben Sie uns das Gefühl, nichts bewirken zu können, das Gefühl, dass es so wie so nicht zählt, was wir kleinen Leute tun. Wir brauchen niemanden, der uns sagt, dass unsre Taten nichts bringen, wir brauchen jemanden, der unsere Taten anerkennt und uns trotzdem sagt, was mehr bewirken könnte. Also liebe Lieser, plant eure eigenen Demonstrationen oder besucht andere! Startet Petitionen oder unterzeichnet welche! Schreibt Briefe an Abgeordnete und Wirtschaftsunternehmen und macht eure Forderungen klar! „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, könenn sie das Gesicht der Welt verändern.“ – Unbekannt – Anna Camilla Otten

 

Ihrem engagierten, klugen und wichtigen Artikel kann ich zwar wirklich sehr viel abgewinnen. Den geradezu aberwitzig trotzig klingenden Titel Ihres Artikels – „Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr“ – finde ich aber über Ihrem Artikel so derart unfassbar und provozierend, dass ich Sie (bzw. die Redaktion der ZEIT, die diesen merkwürdigen Titel gewählt hat) unbedingt – und, wohlgemerkt, am besten unverzüglich -persönlich fragen möchte:
Wirklich nicht?
Pardon, sehr geehrter Herr Uchatius, pardon, sehr geehrte ZEIT-Redaktion. Aber dass es „in Ordnung ist, Auto zu fahren, in den Urlaub zu fliegen, Fleisch zu essen“ – und das alles ohne schlechtes Gewissen – fusst wohl auf einer grundsätzlichen Annahme, die hinterfragenswürdig ist. Nämlich der Annahme, dass alles, was dem Bürger und der Bürgerin nicht explizit verboten ist, der Bürgerin und dem Bürger erlaubt ist. Ich glaube, man kann den kategorischen Imperativ von Kant deutlich strenger auslegen, als Sie das tun, sehr geehrter Herr Uchatius. Und ich glaube, im Hinblick auf die lebensbedrohenden Verheerungen, die als Folge des gegenwärtigen Wirtschaftens anno 2019 offenkundig sind, man MUSS den kategorischen Imperativ strenger auslegen, als der meiner Ansicht nach gründlichst missratene Titel ihres Artikels dies nahelegt.
*
Aber, natürlich, ich bin auch mit jenen Verheerungen vertraut, die Massen von Menschen im Laufe der Geschichte angerichtet haben, denen seitens einer gewählten oder nichtgewählten Obrigkeit allzu schnell allzu viel von jenen potentiell sehr bitteren Konsequenzen zugemutet wurde, die mit einer strengen Auslegung des kategorischen Imperativs zwingend einher gehen. Und vielleicht, ich weiß es wirklich nicht, selbst beim besten Willen, haben ja Sie Recht, sehr geehrter Herr Uchatius, sehr geehrte ZEIT-Redaktion. Und die hier von Ihnen gewählte extrem milde Dosierung an schlechten Nachrichten ist jene, die bei den mit bloß – sic – 47,1 Millionen „Fahrzeugen“ ausgestattenten Bürgerinnen und Bürgern gerade noch so durchgeht, ohne in deutschen Landen sofort Reaktionen wie jene der Gelbwesten in Frankreich hervorzurufen.
*
Allerdings, und da komme ich jetzt leider nicht darum umhin, Ihnen, sehr geehrter Herr Uchatius, und auch Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren der ZEIT-Redaktion, dies mitzuteilen: Überzeugend, in sich schlüssig oder im Detail sorgfältig genug gearbeitet, wirkt dieser Artikel, der doch Auftakt einer Serie von Artikeln sein soll, leider nicht. Das fängt schon damit an, sehr geehrter Herr Uchatius, dass Sie – siehe oben – schlicht von „Fahrzeugen“ sprechen. Wo eigentlich – oder irre ich mich etwa? – vielmehr von KRAFTfahrzeugen die Rede sein müsste.
Pardon, sehr geehrte ZEIT-Kollegen da oben in Deutschland – und ich spreche Sie für einen Moment lang ALLE an, vom Chefredakteur abwärts, über den Autor, bis hin zum Letztverantwortlichen für diesen gravierenden journalistischen Missgriff – wenn in einem Artikel von derartiger Tragweite sogar in der ZEIT keine sprachlich exaktere Arbeit vorgelegt werden kann, dann finde ich das wirklich zum AUS DER HAUT fahren. Und Ihren wie selbstverständlich erhobenen Anspruch, sehr geehrter Herr Uchatius, „ohne schlechtes Gewissen“ weiterhin mit einem „Auto zu fahren, in den Urlaub zu fliegen, Fleisch zu essen“, den finde ich – falls Sie es bei dieser Art von „Genauigkeit“ (Fahrzeuge statt Kraftfahrzeuge) belassen wollen, und bei den noch ausstehenden Texten der Serie nicht entsprechend nachbessern – zumindest ein ganz kleines Stück weit zu unverschämt.
*
Im Gegensatz zu Ihnen, sehr geehrter Herr Uchatius, habe ich ein schlechtes Gewissen bei all diesen Tätigkeiten – und Ihr Artikel hat nicht dazu beigetragen, dass sich mein schlechtes Gewissen auch nur um jene lächerlichen „0,07 Prozent“ vermindert hat, die die Pointe Ihres wichtigen, teils auch löblichen, aber mir viel zu kurz greifenden und an entscheidender Stelle – Titel – missglückt scheinenden Artikels sind. – Peter Jungwirth

 

Das wäre mal ein Wahlprogramm! Gleichzeitig mit dem Mythos des Verzichts wird auch mit dem der Freiwilligkeit und der Freiheit aufgeräumt. Das Prinzip „Tragedy of the Commons“ ist heute weit aktueller, dringlicher und existenzbedrohender als vor 200 Jahren. Mal sehen, ob Parteien den Mut finden eine solche Argumentation zum Teil ihres Wahlprogramms zu machen. Es ist höchste Zeit. Meine Zustimmung hätten sie jedenfalls. – Jörg Siebert

 

Ich esse nur noch Joghurt aus dem Pfandglas. Ich wasche meine Hände mit einem Stück Seife. Ich trenne konsequent den Müll. Ich bin Vegetarier; ich fahre täglich mit der S-Bahn, mit der U-Bahn und mit dem Bus; den Rest laufe ich zu Fuß, und außerdem lese ich „DIE ZEIT“! „Mensch was willst du mehr, da muss keine überzogene Groß-Lösung her!“ – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Stürme, Fluten, Geld“ von Andrea Böhm

Das ganze Gezerre um den Klimaschutz ist die politische Flankierung eines nihilistischen Zerstörungsprojekts. – Gunter Knauer

 

Die im Bericht aufgeführte Statistik führt in die falsche Richtung. Danach können sich die bevölkerungsreichen Staaten einen „schlanken Fuss“ machen, stoßen sie doch pro Kopf nur „sooo wenig“ CO2 aus. Mit dieser Einsellung kann die unerträgliche Entwicklung der Klimakatastrophe nicht alleine angegangen werden. Entscheidend ist die Anzahl der ausgestoßenen Tonen CO2 weltweit. Und die muss rigoros reduziert werden. Vorrangig sind die größten Sünder die Länder, die den meisten CO2-Ausstoß verursachen und noch planen. Dort sind alternative Energiegewinnung zu forcieren und klimaschädliche zukünftig nicht weiter einzusetzen. In diese Richtung muss der Apell und das globale Handeln gehen. Die Länder sind zu schützen, die nur gering zur zu erwartenden Katastrophe beitragen und die zu den ärmeren (Entwicklungs-) Lädern gehören. Die großen, vermögenden ( im doppelten Sinne) Länder müssen Verantwortung übernehmen und kurzfristig das Notwendige veranlassen. Da bleibt keine Zeit mehr. – Udo Bauer

 

Leider muss ich während meines Testabos feststellen, dass auch Die Zeit solche undifferenzierten Beitrage zur vermeintlich menschgemachten Klimakrise verbreitet , wie in °Stürme, Fluten,Geld von Andrea Böhm in Ausgabe N 29. Deutschland hier in die Liste der global größten Klimasünder einzureihen , ist barer (statistischer)Unsinn und zeugt von Unwissen über die industrielle Entwicklung und Struktur von Deutschland und negiert die enormen Anstrengungen ,die CO2 Emissionen in Zukunft drastisch zu reduzieren, auch wenn das keinen Einfluss auf das Weltklima haben wird. Natürlich würden es Millionen von Menschen auf der Erde gerne sehen, wenn Deutschland sie für Klimaschäden entschädigt. Findige Anwälte und grüne Organisationen werden einen Zusammenhang finden , zwischen den CO2 Emissionen aus Deutschland ,dem Anstieg des Meeresspiegels und Ernteschäden.

Die Lösung scheint zu sein , wir leben wie die Ärmsten der Welt , dann kann uns keiner vorwerfen, die Rechte anderer auf saubere Luft und Wasser sowie auf einen konstanten Meeresspiegel zu verletzen. Aber dann bitte ohne fossile Feuerstätten zur Nahrungszubereitung. Ich kann nur hoffen , dass sich der gesunde Menschenverstand in Deutschland durchsetzen wird. – Gerd Heiermann

 

Ihren wortreichen Beitrag in Ehren – Respekt , aber an den Realitäten völlig daneben – unwissenschaftlich, Propaganda im Vorfeld sder kommenden Klimakonferenz im Herbst und den Bemühungen der Bundesregierung irgendein phantastisches Klimaversprechen zum Schutz der Menschheit mit neuen Steuerauflagen durchzusetzen : Schon das Begleitbild auf der ersten Seite Ihres Artikels ist ein provokanter Fake : Eis taut schon seit Epochen in Grönland und war vor 1100 Jahren reichlich weniger vorhanden als heutzutage — sollten Sie wissen , die Wikinger ernteten Bohnen an den eisfreihen Küsten. Ab 1560- 70 wurde es im Nordatlantik , Westrussland – Mittel/osteuropa wieder kälter , dauerte ca. 350 Jahre , wurde seit Anfang des 19. Jhdt. wieder wärmer , bis in unsere Tage ! Warum , welche Ursache dieses Auf& Ab darüber, wird spekuliert, niemand weiß so recht Genaues . Selbst die schlauesten der Zunft von Klimatologen a la Schellnhuber & Co. Da gibt`s das böse “Giftgas CO 2 , irgend einen Bösewicht muß es doch geben ! Dann die “nie” gewesenen Stürme – Karibik , Bangaladesch , Mosambik etc. Komisch : Robins Cruseo strandete schon auf einem Eiland – im 14. Jhdt fand eines der folgenreichsten Sturmkatastrophen an der friesischen Küste statt und hinterlies weite Bereiche des heutig Wattenmeeres – in den Annalen als “Die große Mandränke” überliefert : und Bangaldesch liegt 1m über dem Meeresspiegel – zudem senkt sich das Ganges/ Brahmaputradelta langsam ab mit seinen 120 Millionen Bewohnern … alles infolge des CO 2 Eintrags ?? —- Co 2 , das uns angeblich seit der Industrialisierung bis heute noch nicht mal + 1° Celsius bescherte ? Wie wäre denn der Umkehrschluss : es würde noch viel wärmer und die Mitteleuropäer – Russen – Kanadier – Japaner , Chinesen brauchten winters kaum noch zu heizen – schon erübrigte sich der Eintrag von CO 2 ! Natürlich hat man die bösen PKW und LKw im Visier – schalte man allsamt ab , ob die Bilanz , also das Verhältnis CO 2 zum Sauerstof-Stickstoff nachhaltig besser werde ? kaum zu errechnen – Nach derzeitigem Stand sind ohnehin alle Voraussagen was in 50 Jahren bei dieser oder jener Temperaturerhöung , glatte Spekulation , nein sogar perfide Desinformation ! Die Leute die da virulent, sich auf KLimakonferenzen treffen , gehören doch zu den Privilegierten auf diesen Planeten – und Sie übrigens ebenfalls – niemand von all denen wird auch nur ein etwas von seinen Annehmlichkeiten Abstand nehmen . “Neuer Imperativ”für Klimaschutz , das ist ja lächerlich und dann vorgebracht von diesem UN Guru Alston und Mitstreiter Dirk Messener : > einen KLimapass den angeblich bedrohten Insulanern im Pazifik zu gewähren ! Siedle man doch gleich den ganzen Pazifik um – auf 28 Länder in Europa verteilen , von wegen , nicht nach Karelien , nach Deutschland – das GELOBTE LAND — ..dahin, dahin wo die Zitronen blühen lass mich o mein Geliebter ziehen… aber nur wenn`s auch richtig warm in Deutschland – In 50 –60Jahren ? Verehrte Frau Böhm und Mitstreiter — eines ist gewiss , Sie werden , genau wie ich es nicht mehr erleben – für meinen Teil bin 1939 geboren ! Sie faseln von Klimakatastrophe – Hitzewellen u.a. mehr – wo bitte denn ? Kanada hatte 3 der kältesten Winter in Folge – hier in Mitteleurpa war es im Winter etwas wärmer – letzten Sommer etwas übern Durchschnitt – Schuld nicht das eine Grad mehr auf dem Globus , sondern Saharawinde…. und heuer alles im grünen Bereich – oder will man das Unheil herbei reden, nur um Spekulationen zu rechtfertigen – sieht so aus ! Das Thema Klimakastrophen – Erderwärmung ist ein Hebel um vom eigentlichen Problem abzulenken : Der Planet steht am Rande der Übervölkerung und wollten künftig 15 oder 20 Milliarden Menschen nach westlichen Standard leben dann gebe ich den Warnern recht – aber mit dem KLima hat das alles nichts zu tun . Noch eine Frage : Wo ist eigentlich all dasGeld für Entwicklungshilfe geblieben , die doch diese rücksichtslose westlich ausbeuterische erste Welt Jahrzehnt gespendet hat ? Das neue Fass heisst Klimakollekte … Ehe Sie verehrte Frau Böhm wieder mal einen Beitrag zum Thema verfassen – überlegen Sie gut die Realitäten , holen sich bei wirklich kompetenten Experten Rat und lassen den Text auf grünen Papier drucken …. Ihr Engagement sei unbenommen. – KLaus Schindler

 

Die Schuld liegt bei allen Menschen –wenn auch unterschiedlich verteilt
Der Beitrag von Andrea Böhm ist vom Grundsatz her richtig. Natürlich geht eine wesentliche Verantwortung an den zunehmenden klimabedingten Katastrophen auf das über (mindestens) 200 Jahre „angesparte“ Schuldenkonto der westlichen (wie mittlerweile auch östlichen) Industrienationen zurück und dem bis heute weitgehend fehlenden politischen Willen, dieses gezielt abzubauen. Und natürlich sind es die Armen, wie auch immer definiert, die in vielen Regionen dieser Welt besonders unter den Folgen zu leiden haben. Jedoch greift es letztlich zu kurz, wenn diese komplexe Thematik allein auf die Botschaft „reiche Übeltäter gegen arme Opfer“ reduziert wird. Mit Blick auf die anhängende Grafik scheint dabei allein der rote Balken (CO2-Ausstoß) zu zählen, während der Einfluss des blauen Balkens (Anteil an der Weltbevölkerung) im Artikel keinerlei Erwähnung findet. Gerade in den von zunehmenden Extremwetterereignissen wie Dürren, Stürmen und Überflutungen besonders heimgesuchten Weltgegenden steigen die Bevölkerungszahlen unvermindert an, und die internationalen Organisationen kommen kaum mehr hinterher, ihre diesbezüglichen Prognosen für die Zukunft stückweise nach oben zu korrigieren. Dass nun immer mehr „Arme“ von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, liegt also nicht einfach nur daran, dass diese, bis heute von den „Reichen“ befeuert, immer stärker zur Geltung kommen, sondern dass viele klimatisch fragilen Regionen heutzutage hoffnungslos übervölkert sind –Tendenz klar steigend. Gleichzeitig nehmen die „Armen“ qua Masse (blauer Balken) selbst zunehmend Einfluss auf das Geschehen.

In bislang nie dagewesenem Maße und mit immer weiterentwickelteren technischen Möglichkeiten (Motorsägen, Dynamit etc.) holzen sie für den Eigenbedarf Urwälder von Antonia Baum (als Brandrodung zur Gewinnung von Acker-oder Weideland oder zur Brennholzgewinnung) oder schädigen nachhaltig küstennahe Korallenriffe durch tägliche (Über-)Fischung, um sich und ihre oft großen Familien zu ernähren. Dabei bringen sie sich selbst um die Pufferfunktionen solcher natürlicher Systeme gegen Extremwetterereignisse bzw. wirken wesentlich auf das zwar nicht globale aber doch nicht minder einflussreiche Mesoklima ein. Dass gleich-zeitig riesige Waldflächen für Futtermittelanbau und Edelholzgewinnung gerodet und die Ozeane von riesigen Trawlern leergefischt werden, um die Bedürfnisse der „reichen“ Konsumgesellschaften zu befriedigen, steht dabei natürlich außer Zweifel. Am Ende ist es müßig darüber zu diskutieren, welche (finanzielle) Verantwortung Konzerne wie RWE an der zunehmenden Klimakatastrophe haben. Denn ihre Produkte werden letztlich von allen Menschen verbraucht –traditionell natürlich eher von den wenigen „Reichen“, mit zunehmender Entwicklung(-shilfe) aber auch zunehmend von den immer mehr „Armen“. Letztere orientieren sich zudem in ihrem steigenden Konsumverhalten mitnichten an internationalen Nachhaltigkeitsempfehlungen sondern fast ausschließlich an der (westlichen wie heute auch östlichen) Überflussgesellschaft. Und wie Wolfgang Uchatius in seinem Beitrag in derselben Ausgabe gut und ausgiebig erläutert, wird sich daran ohne klare Vorgaben „von oben“ auch nichts ändern.

Für eben diese (Regierungs-)Vorgaben fehlt es aber leider fast überall, bei den „Reichen“ wie bei den „Armen“, weniger an den finanziellen Mitteln als vielmehr am überzeugenden Willen. Wir sind also alle, als globale Gemeinschaft gesehen, Schuld an der zunehmen-den fatalen Entwicklung und müssten dringend gegensteuern –entweder durch weniger Konsum und/oder durch weniger Kinder. Sich gegenseitig Schuld und Verantwortung zuzuweisen, ohne endlich auf den jeweiligen Kontext angepasste konkrete Maßnahmen zu beschließen und diese dann auch ebenso konsequent wie zeitnah umzusetzen, hilft letztlich niemanden sondern über-dehnt die Fähigkeit des Planeten, die Spezies Mensch zu (er-)tragen, nur von Tag zu Tag mehr. Letztlich müssen alle, „Arme“ wie „Reiche“, bereit sein, sich etwas verbieten zu lassen –um noch einmal die abschließende Formulierung von Wolfgang Uchatius aufzugreifen. Leider ist genau diese Bereitschaft welt-weit gesehen nur sehr schwach ausgebildet, um wirklich Hoffnung auf ein gerade noch rechtzeitiges Gegensteuern haben zu können … – Tobias Feldt

 

Angst verhindert klaren Verstand! Nur so kann ich mir Andrea Böhms diffuse Ideen für eine ökologisch gerechte Politik erklären. Alles Elend dieser Welt, von Stürmen in Mosambik über Dürren in der Sahara, vom feindlichen Sojaanbau in Lateinamerika, bis hin zu Gesundheits- und Ernährungsproblem in Ländern der Dritten Welt wird durch den Klimawandel verursacht. Und der Klimawandel ist allein die Schuld der westlichen Welt. So einfach? Der Klimawandel ist Teil des irdischen Systems und vollzieht sich seit Jahrmillionen. Er hat in der Vergangenheit immer schon Migrationswellen von Menschen und Tieren ausgelöst. Unsere Eiskappen und Gletscher schmolzen schon zigmal – und entstanden hernach wieder. Neu ist, dass der Mensch, verursacht durch seine schiere Menge und noch verstärkt durch das Verbrennen von fossilen Energieträgern die Erwärmungsphase der Erde, in der wir uns seit der letzten Eiszeit befinden, beschleunigt. Die Klimaveränderungen kommen also etwas schneller und eventuell heftiger, als ohne menschliches Zutun. Kommen werden sie allemal. Sie aufzuhalten, wie Klimahysteriker uns glauben machen wollen, ist naiv bzw. anmaßend.

Dass ein Bauer in Peru, der sein Haus an ein vom Klimawandel potenziell betroffenen Ort gebaut hat, dafür einen deutschen Energieversorger zur Verantwortung ziehen könnte, ist absurd. Dann könnten wir ja auch von China fordern, ihre 1,3 Milliarden Menschen zu reduzieren, weil sie die Welt zerstören,. Das Problem der Welt sind in der Tat die vielen Menschen, die immer mehr Raum, Nahrung und Energie benötigen – und dazu noch umweltschädliche Mobilität einfordern. Die Lösung dieser globalen Herausforderung wird letztlich über das Wohl und Wehe der Menschheit entscheiden. Selbst wenn der Mensch sich irgendwann selbst ausrottet, die Natur wird sich schnell daran gewöhnen und weiter gedeihen. Ein kleiner Trost! – Peter Breuninger

 

Allen wissenschaftlichen Experten ist bewußt: eine katastrophale Klimaveränderung ist im Gange; sie bedroht die Existenz der Menschen ! Viele nationale und internationale Aktivisten versuchen, Gegenmaßnahmen einzuleiten; bisher wenig erfolgreich. Der Beitrag von Andra Böhm in der ZEIT beschreibt die Situation, Aber sie macht den selben Fehler wie viele Parteipolitiker und lautstarke Protestanten: Sie redet von „Klimagerechtigkeit“ und meint, Geld aus den Industriestaaten könnte helfen. Wirksame Möglichkeiten bleiben verborgen ! Zunächst einmal muß auf bereits erreichte Erfolge aufmerksam gemacht werden, die weltweit wirken können. Keineswegs stimmt es, Wissenschaft und Politik waren in der Vergangenheit schon lange tätig: Neue Technologien der Energiegewinnung, die keinen Einfluß auf das Klima haben, sind schon längere Zeit erfolgreich: Kernenergie, Windräder oder Sonnenkollektoren können die Nutzung fossiler Brennstoffe ersetzen. Das geht langsam, weil viele wirtschaftliche Interessen hemmen; ein technisches Problem ist es nicht mehr.

Ein Problem ist aber auch die europäische Innenpolitik, die politischen Diskussion, der falsche Zungenschlag in den Massenmedien, die Kampagnen auf der Straße. Kohlever­bren­nung ist in Europa längst ein Auslaufmodell; der Protest gegen die Braunkohle etwa ist nur Sterbehilfe; dabei der Zeitrahmen für den Ausstieg für das Weltklima völlig belanglos ! Wichtiger ist die Diskussion um eine Besteuerung der Luftverschmutzung durch Klima­gase, insbesondere für Kohlendioxyd. Aber auch in dieser Diskussion ist ein gewaltiger Fehler. Der Kohlendioxydgehalt der Luft ist niemals konstant, sondern ein Produkt der biologichen Entwicklung der Erde, ein ein dynamisches Gleichgewicht, das Leben auf der Erde über­haupt erst möglich macht. Das bedeutet: nicht nur zu viel Kohlendioxyd wird zum Pro­blem, sondern genau zu wenig von diesem Klimagas. Die Natur hat dazu ein System ent­wickelt, mit Hilfe der Sonnenenergie Kohlendioxyd wieder einzusammeln. Jeder kennt es: die Photosynthese. Grüne Pflanzen sammeln Kohlenstoff und speichern es in Form von Holz oder in Mooren.

Das bedeutet: um Kohlendioxyd aus der Atmosphäre zu entfernen, können Pflanzen genutzt werden. Das ist die am schnellsten wirkende Maßnahme, das Klima zu stabili­sieren. Ich sehe aber nirgends politische Unterstützung für dieses zentrale Thema. Die Umweltverbände, die mehr Naturschutz einfordern, bleiben isoliert ! In der großen Politik wird sogar das Gegenteil diskutiert: Obwohl es doch völlig gleichgültig ist, ob Kohle oder Holz verbrannt werden,.Immer ent­steht die gleiche Menge Kohlendioxyd, denn das ist das Prinzip jeder Wärmeerzeugung durch Verbrennung. Dabei ist die Verbrennung von Bäumen noch wesentlich umwelt­schädlicher als die Verbrennung fossiler Energieträger. Die Verbrennung von Holz müßte sogar noch höher belastet werden als die Verbrennung von Kohle, denn die lebenden Bäume sind bremsen die Luftbelastung.

Ein ähnlicher Effekt besteht auch bei der Nutzung von von biologische Rohstoffen zur Treib­stoffgewinnung: die Maisfelder zerstören wegen den intensiven Bewirtschaftung den Humus der Böden, der in der Natur ebenfalls große Mengen Kohlenstoff speichert. Die demonstrierenden Menschen, die einen Kohleausstieg einfordern, wären viel glaub­wür­diger als Klimaschützer, wenn sie konsequent dafür sorgen würden, in ihren Wohnge­bieten die vorhandenen Bäume zu sichern und Neuanpflanzungen zu unterstützen Wichtig sind zudem wirksame Baumschutzgesetzen in den Kommunen und Lädern. Die Natur­schutz­verbände wären sehr dankbar, wenn sie dafür Unterstützung vor Ort bekommen würden. – Dr. Werner Gruhn

 

Soeben habe ich den Artikel gelesen. Zuvor fiel mir aber die Grafik ins Auge mit dem CO2-Ausstoß pro Kopf. Sofort habe ich mich gefragt, wie der absolute Ausstoß der Länder und Regionen ist um zu lokalisieren ob wir immer noch den selben Rang einnehmen? Und, wie sieht der relative Ausstoß aus in Bezug auf Einrechnung der Im- und Exporte? Da unsere Industrie unbestritten großen Anteil daran hat ist es sehr interessant, wie der pro Kopf Anteil dann tatsächlich aussieht, wenn man den CO2-Anteil der Importe und Exporte mit einrechnet und am besten optisch mit angibt. Das wäre für mich als Leser am interessantesten: Wie verhält es sich dann weltweit mit meinem pro Kopf Ausstoß? Diese Betrachtung erscheint mir auch legitim, da dem Verbraucher die Menge angerechnet wird. Mit der einzelnen Grafik beschleicht mich etwas das Gefühl, dass hier pauschal ein schlechtes Gewissen erzeugt wird. China schneidet bei der gezeigten Grafik fast mustergültig ab. Weitere Fragen wären auch: Wie rechnet man Atomkraft dabei ein? Diese ist ja sehr CO2 freundlich, birgt aber andere Risiken. Wie wäre der Ausstoß, wenn die AKWs durch konventionelle oder regenerative Energieerzeuger ersetzt werden? – Stephan Wieland

 

„Völkerrecht würde ich heute studieren, wenn ich noch einmal davor stünde“, schrieb ich am Beginn meiner Gefangenschaft einem Neffen, Mitte Zwanzig, der durch besonders unglückliche Umstände vom blitzgescheiten Kind / mit Abitur, zum Kellnern / als Beruf gekommen war. Das war vor fast vier Jahren. Damals hatte ich den Landraub in Entwicklungsländern im Visier, das illegale Abholzen der Regenwälder, die Ausbeutung der Bodenschätze in anderen Erdteilen für die Industrieländer… Vom Klimawandel hatte ich damals noch nicht viel mitbekommen. Nun berichten Sie von der Klage des peruanischen Bauern Saul Luciano Lliuya, dem sein abgeschmolzener Gletscher samt Bergsee bald auf den Kopf fällt. …und der RWE verklagt. Seit 2015. Jetzt bricht das für diesen Fall zuständige Oberlandesgericht Hamm mit Experten Auf nach Huaraz, der Heimatstadt von Saul Luciano Lliuya, dem peruanischen Bauer. Vielleicht, – man darf gespannt sein – wenn dieser peruanische Bauer Recht (und Zumindest teilweise Entschädigung) bekommt, ist dieser Prozess der Auftakt „…für den Umbau unseres Wirtschaftssystems zu einem ökologischeren und gerechteren.“ (Spalte 4, Absatz 4, letzte Zeile). Wie gesagt: „Völkerrecht würde ich heute studieren, wenn ich noch einmal davor stünde.“ – Beate Schwärzler

 

Während der letzten Klimakrise, der neuzeitlichen „Kleinen Eiszeit“, wurden Hexen für die negativen Klimaauswirkungen wie Kälte, Hunger, Gletschervorstöße, Stürme, Überschwemmungen, Hagel verantwortlich gemacht und auf den zahlreichen Scheiterhaufen verbrannt. Das war die damals gebotene Reaktion aller Gottgefälligen auf einen teuflischen Natur- und Geschichtsprozess. Auch wir wünschen uns in der aktuellen Klimadiskussion einfache und entlastende Antworten (CO2-Steuer, Elektromobilität, Klimagerechtigkeit) unter Benennung Schuldiger (Industrie, Klimaleugner, Flugreisende). Die neuen Heilsbringer (Experten) versprechen uns bei schnellem politischen Handeln (Kohleausstieg, Energiewende) stabile Klimaverhältnisse (für Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte?). Wir wollen nicht wahrhaben, dass die Zukunft bei einem so komplexen Natur- und Kulturvorgang wie dem aktuellen Klimawandel offen ist. Unsere Illusion (Religion?) ist zu glauben, die moderne Wissenschaft und Technik könnte die globalen Probleme lösen, deren Verursacher sie doch ist (Fortschrittsglaube, Machbarkeitswahn, Folgenblindheit). Was bleibt? Das, was immer galt, Überleben durch Anpassung an eine ungewisse Zukunft. – Konrad Sauheitl

 

„Dem Global Carbon Atlas zufolge steht Mosambik auf der Liste der CO2-Verursacher auf Platz 104. Deutschland, das weniger Einwohner hat, auf Rang sechs.“ Dieses Zitat aus dem Artikel macht Deutschland kleiner als Mosambik. Tatsächlich aber ist es mit weit über 80 Mio. Ew. viel größer als Mosambik mit knapp 29 Mio. Ew. – Norbert Ortgies

 

Der Artikel macht mich einigermaßen sprachlos, weil Szenarien herbeigeredet werden, die am Ende dem Verbraucher schaden, wie eine CO2 Steuer.Es ist sichrlich so, dass eine Erderwärmung stattfindet, was auch zu Veränderungen führt, vor allem im meterologischen Bereich. Der Sünder ist auch schon ausgemacht – er heisst CO2. Nun habe ich in der Schule einst, es ist faßt 50 Jahre her, gelernt, dass CO“ für Pflanzen bei der Photosynthese unerlässlich ist ebenso auch für die Bildung der Ozonschicht, man nennt es auch Assimilation. Viele von Ihnen aufgezählten Unternehmen mögen Umweltsünder sein, aber was unternimmt man denn dagegen? Gehandelte Emissionen sind doch ein Mittel zum Geld drucken, aber keines um Veränderungen herbeizuführen. Und noch etwas drakonische Strafen treffen meist auch nur die im letzten Glied der Kette. Ich meine aus Ihrem Artikel herausgelesen zu haben, dass Sie dies eigentlich nicht wollen. Für diese kaptalgesteuerte Gesellschaft gibt es immer nur zwei Mittel, die da heißen Sanktionen oder Steuer. Es ist immer gut, den Klimaschutz ,zumindest verbal, zu befördern.

Aber Klimaschutz darf nicht bedeuten, das ist meine unmaßgebliche Meinung, dass die Erde formatiert wird. Was wir zur Zeit erleben, ist eine Abwehrreaktion der Natur, aber mir wird persönlich schlecht, wenn Ökostrategen der Natur ins Handwerk pfuschen wollen, und das auch noch geduldet wird, wenn sie die Fahne mit der Aufschrift Klimaschutz vor sich hertragen. Vielleicht wäre ein wenig Vorsicht und eine Sensibilisierung für die Natur auch schon gut, damit nicht das, was sie selbst heilt, auch noch zerstört wird. Wir ausgerechnet, wo die Industrialisierung am weitestetn fortgeschritten ist, verkünden Rezepte, wie Temperaturabsenkung etc., um angeblich zu helfen. Der Spruch „kleine Ursachen, große Wirkung“ trifft hier zu. Ein Blick in die Erdgeschichte ist auch hilfreich, die Erde hat schon mehr Eis- bzw Wärmezeiten überstanden. Wenn wir mit dem ewigen Ruf nach Wachstum einmal aufhören, würde das wahrscheinlich sehr hilfreich sein, sonst landen wir, wie im Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ in der Kate. Das soll heißen, wir sollten nicht Gott spielen wollen, aber genauso läuft es jetzt. – Lieselotte Schuckert


 

Leserbriefe zu „Kenn ich nicht!“ von Peter Dausend und Matthias Krupa

In diesem Artikel schreiben die Herren Dausend und Krupa, dass das Europäsiche Parlament 751 Abgeordnete hat. Hat es nicht. Es sind drei weniger, die zensiert, gemobbt und mundtot gemacht werden. DIE ZEIT hat nicht einmal darüber geschrieben, wie es sein kann, dass ein Mitgliedstaat der EU und auch der Präsident des europäsichen Parlaments derart gegen Gesetze und Wahlergebnisse verstoßen haben und konnten. Sehr enttäuschend. – Montserrat Varela

 

Dass Frau von der Leyen sich gut verkaufen kann, ist bekannt – treuherziger Augenaufschlag, unwiderstehliche Botschaft („Jedem Kind eine warme Mahlzeit!“). Dass sie auch Ämter übernimmt, für die sie keinerlei Kompetenz hat und in denen sie einen immensen Schaden anrichtet, ist allerdings auch eine Tatsache.
Sie verfügt weder über Kenntnisse noch Erfahrungen in der Wirtschafts-, Finanz- und Geldpolitik. Es ist zu befürchten, dass sie im Europäischen Parlament dennoch eine knappe Mehrheit erhält.
Monsieur Macron kann sich die Hände reiben. Er hat Frau Merkel über den Tisch gezogen und den viel bedeutenderen Posten der Präsidentin der Europäischen Zentralbank bekommen. Madame Lagarde wird Frau von der Leyen in allen wirklich wichtigen Fragen ins Leere laufen lassen und zur Frühstücksdirektorin degradieren. Letzteres kommt auch Herrn Orbán nicht ungelegen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

Die Medien zählen alles auf, was Ursula von der Leyen angeblich alles falsch gemacht hat. Nichts, aber auch gar nichts hat sie falsch gemacht. Die Medien sind aus parteipolitischen Gründen grundsätzlich gegen alles was konservativ heißt. Dabei sind die Linken die größten Flaschen die in unserem Land herumlaufen. – Gunter Knauer

 

Wie demokratisch ist das EU-Parlament?
Eine größere Zahl EU-Parlamentarier möchte, dass nur ein im EU-Parlament vorgeschlagener Spitzenkandidat EU-Kommissionspräsident werden kann. Die Begründung: die EU muss demokratischer werden. Was das Europäische Parlament angeht, so muss man feststellen, dass seine demokratische Legitimation nicht perfekt ist. Seine Wahl ist allgemein, unmittelbar, frei, geheim, aber eben nicht ‚gleich‘ wie die der nationalen Parlamente. Das heißt, Wählerstimmen unterschiedlicher Mitgliedsstaaten haben im EU-Parlament ein unterschiedliches Gewicht. Das widerspricht der zentralsten aller Demokratieregeln! Dieses demokratische Manko ist auch der Grund, weshalb das EU-Parlament nicht die gleiche Macht haben kann wie nationale Parlamente. Wie man allerdings dieses zutiefst demokratische Problem des EU-Parlaments lösen könnte, ohne die kleinen Mitgliedstaaten unterzubuttern, weiß ich nicht, denn zu deren Schutz wurde diese undemokratische Wahl des EU-Parlaments bewusst eingeführt. Diese Situation wird deshalb so lange andauern wie die EU keine echte föderale Struktur hat, also wahrscheinlich noch sehr lange. Im Moment bleibt aber immerhin festzuhalten, dass niemand Präsident wird, dem das EU Parlament nicht zustimmt. Auch die in Ihren Ländern demokratisch gewählten Mitglieder des Rates können das EU-Parlament nicht überstimmen. Das ist für ein undemokratisch gewähltes Parlament schon sehr viel demokratische Macht.
Fazit: Es ist nicht komplett undemokratisch, wenn sich das EU Parlament nicht zu 100% durchsetzen kann, denn es ist kein 100%ig demokratisches Parlament. – Peter-J. Kramer

 

Liebe Uschi,
Kopf hoch (erhoben vergrößert die Sicht auf die Körpergröße) und weiterhin Stille bewahren, was Du ja in der Vergangenheit immer bewiesen hast, wenn Deine Berater nicht in der Nähe waren, und Fragen, dieser unsäglichen und irritierenden Frischlinge im neu gebildeten EU-Parlament, ausweichen und Deckung bewahren (was Du ja bereits bei unserer Bundeswehr bewiesen hast). Es ist unglaublich, das bei Deiner Vita, von der bürgerlichen zur adelsgeschlechtlichen Umwandlung einer geborenen Albrecht/Stromeyer zu Hannover zur Seidenwebermutti von der Leyen, dazu geboren im Bezirk Brüssel und dort in Brüssel zunächst aufgewachsen und später in Ilten (auweia) bei Hannover, Du so wenig be/v/er/kannt bist und wirst. Sie wissen nicht um Deine vers/z/agende politische Laufbahn sonst würden sie sich nicht Deiner Kandidatur zur ominierten EU-Kommissionschefin streuben, um die EU endgültig ins Abseits zu führen.

Aber keine Angst! Wenn es nicht klappt, dann kommste halt wieder Nachhause zu mir und darfst weiter mit Deinen Soldaten und Panzer, Flugzeuge, Hubschrauber und Segelschiff spielen (aber nicht alles noch mehr kaputt machen). Und bald ist wieder Weihnachten, dann können sie alle wieder mit der roten Mütze rumlaufen und Stahlhelme sparen. Ja, als Christkind hast Du immer eine große Ausstrahlung und mit Deinen Gedanken bist Du immer bei den Hinterbliebenen (diesmal aber nicht bei diesen dummen Mädel und Buben vom europäischen Parlament). – Peter B. Sanden

 

Um den Klimawandel zu bremsen und vielleicht sogar zu stoppen brauchen wir verantwortungsbewusste Einzelne, die mit gutem Beispiel voran gehen und Alternativen vorleben. Und wir brauchen Gesetze, die umweltschädliches Verhalten für alle einschränken. Was wir nicht brauchen ist die Überschrift „Es ist in Ordnung, Auto zu fahren und in den Urlaub zu fliegen“! – Karl von Kannen

 

Endlich ein Artikel, der vorsichtig zum Kern vordringt! Ich möchte es radikaler ausdrücken: Die Verursacher müssen gezwungen werden, ihre Emissionen zu senken – per Gesetz! Des weiteren:
– Geschwindigkeitsbegrenzung auf allen Autobahnen
schafft sofort bessere Luft
keine neuen Autobahnen (mehr Autobahnen = mehr Verkehr),
nur Erhalt und Pflege

– zügiger Ausbau des Schienenverkehrs (Vorbild Frankreich)
– der gleiche Preis für Diesel und Benzin
– Einführung der Kerosinsteuer
– Streichung aller vorhandenen Subventionen
nur noch Subventionen für umweltfreundliche Betriebe, z.B. für den Biobauer
– zügiger Ausbau alternativer Energien
– Massentierhaltung beenden per Gesetz
-generelles Verbot von Plastik

Co2-Steuer und Emissionshandel werden die Emissionen nicht verringern. Das Klima interessiert sich nicht für Geld. Der Verbraucher ist ein armes Schwein: Die Unternehmen geben die Kosten an die Verbraucher weiter,- also zahlt der Verbraucher nicht nur die CO2-Steuer (falls sie kommt) sondern auch die Emissionszertifikate
Zu guter Letzt : E-Autos sind nur ein scheinbar sauberes Geschäft! Und keine echte Lösung! Die Ausbeutung der Umwelt findet dann z.B. im Kongo statt: Kobalt-Abbau unter menschenunwürdigen Bedingungen.. – Brigitte Nieschalk

 

Die Nominierung von Ursula von der Leyen als mögliche neue Chefin der EU Kommission ist nicht das, was die Wähler in der EU erwartet haben, als sie ihre Stimmen abgaben. Jeder, auch die Vertreter der SPD in Deutschland und in Brüssel, darf sich zu dieser Nominierung eine Meinung bilden und diese Meinung kundtun. Frau von der Leyen in einem mehrseitigen Schmäh-Pamphlet in Brüssel persönlich zu diskreditieren, geht zu weit bzw. unter die Gürtellinie. Ein solches Pamphlet hat nichts mit Demokratie zu tun. Statt das offene Gespräch, die Diskussion mit denjenigen zu suchen die Frau von der Leyen ins Rennen gebracht haben, entscheiden sich gewählte SPD-Politiker feige für eine peinliche Schlammschlacht. Auch das kann Europa nur schaden. – Ein/e Leser/in

 

Das wird eine schwere Enrscheidung am 16. Juli. Um in mir überhaupt zu einer Ansicht zu kommen, habe ich mir noch Unterstützung Im heute-journal und in den Tagesthemen geholt, im Fernsehen also. Da hatte ich, am 17. Juni, auch die Meldung über ein deutsch-französisches Kampfflugzeug gesehen, das für 100 Milliarden Euro bis 2040 gebaut werden soll. Für Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen war das ein „Großer Tag“. Für mich ein Grund, den Ausschaltknopf zu bedienen, im Schockmodus. Das, muß ich sagen, hat mir Ursula von der Leyen verleidet. Sollte sie nun aber – und am Ende Ihres Artikels empfehlen Sie sie – gewählt werden, – Dann doch lieber m i t den Stimmen der SPD, auch der deutschen und n i c h t nur, zusätzlich zu den Stimmen der Konservativen und der Liberalen, mit den Stimmen der Ultrarechten und der Populisten in Osteuropa, die dann Forderungen stellen könnten In einem Sinn, der dem europäischen Gedanken zuwiderläuft. Und auch dem Klimaschutz.. Oder ? Was meinen Sie ? – Beate Schwärzler

 

Im ZEIT-Leserforum werden unsachliche und polemische Artikel nicht veröffentlicht. Was aber ist, wenn die Artikel an sich schon polemisch sind und eine polemische Antwort geradezu herausfordern? Die Opposition ins Lächerliche ziehen, ihre Argumente auf Kindergartenniveau abtun (die SPD als beleidigte Leberwurst)? Frau von der Leyen wurde ohne Absprache mit der SPD nominiert, und, sollte es sich beim EU-Parlament irgendwie um Demokratie handeln, dann muss es möglich sein, dass es eine Opposition gibt, die „Nein“ sagt, und zwar nicht aus infantiler Bockigkeit, sondern aus bekannten Gründen, die man allerdings bei beleidigten Leberwürsten nicht zu akzeptieren braucht.

Die Mehrheit der Deutschen traute den Umfragen nach Frau von der Leyen ihr neues Amt nicht zu.Sie fühlten sich bei dieser Europa-Wahl und auch in dieser Personalentscheidung nicht ernst genommen und entmündigt. Das war aber den Debattierenden völlig egal. Man wird das Volk, den großen Lümmel, schon so lange beeinflussen, bis es nicht mehr glaubt, was es glaubt; notfalls in der Kindersprache. Man wirft ihm ein paar Bonbons hin, die Schwulenehe, die Übernahme von Taxikosten bei Schwerstpflegestufen 4-5, 10 Euro im Monat mehr pro Kind, Pfandbecher, einen Rücktritt, der eigentlich längst überfällig ist, eine „Anti-Flächen-Versiegelunsgsinitiative“ ohne jede Befugnis (Söder), ein schnelleres internet und ein paar Versprechen, die es mit der Zeit vergessen wird. Damit ist dann gut bis zur nächsten Wahl. Der große Lümmel wäre aber schon dankbar für das kleinste Zeichen von Verantwortungsbewusstsein oder Gewissen: der Verschrottung der Gorch Fock oder einem Rücktritt Scheuers, und zwar nicht erst dann, wenn der nächste Posten schon ins Haus steht. Stattdessen wird mit Sicherheit jetzt nach Schuldigen, Abweichlern und Peinlichkeiten gesucht. Es ist katastrophal. Der grüne Schlips von Gauland wird das Symbol unserer Epoche werden, denn die AfD scheint das einzige zu sein, was die Politik noch schreckt. Dagegen hilft garantiert kein Lächerlichmachen, kein Ärschibätschi, keine beleidigte Leberwurst, ja, nicht einmal die Rettung der Biene Maja, elektrische Tretroller oder Kramp-Karrenbauer. – Martina Winter

 

Diese Wahl im EU-Parlament, die hat mit sehr viel Demokratie zu tun! Die EU ist die einzige supranationale Institution weltweit, von souveränen europäischen Staaten, die gemeinsam, weiterhin Demokratie mit viel Bürokratie wagen wollen. Dabei wird sicherlich auch so manches schon vorab, in einigen Hinterzimmern besprochen werden. Die EU wird immer weiblicher, und auch in Deutschland bleibt das Verteidungsministerium in weiblicher Führungshand. Ein klasse Sieg für uns Frauen! – Riggi Schwarz


 

Leserbriefe zu „Weil sie wissen, was sie tun“ von Peter Kümmel

Der Titel soll wohl auf “Denn sie wissen nicht, was sie tun” anspielen, dem Film mit James Dean aus den 50ern. Ob Greta Thurn wirklich weiss, was sie tut, weiß ich nicht. Ich teile mit ihr die Besorgnis, dass die Erderwärmung unser Leben ernster bedroht, als es die Politik mit dem Argument auf “Arbeitsplätze” u.a. einräumen will.

Ich bin irritiert, dass Herr Krümmel (er ist da nicht allein) sie als “junge Frau” bezeichnet. Das ist auf merkwürdige Weise falsch – ein Sonderfall von PC? …nach dem Motto, wer so Maßgebendes in die Welt setzt, muß schon “erwachsen” sein. Nein, sie ist ein Mädchen, das hoffentlich von seinen Eltern gut betreut wird. Jedoch, ihr Portrait erinnert an das “Mädchen mit dem Perlenohrring” von Jan Vermeer. Vor Jahren sprach ich mal mit einer Großnichte, die noch fraulicher entwickelt war, die jedoch die entspechenden Reaktionen der Umwelt als unangenehm empfand. Will sagen, dass die falsche Erwähnung von Greta als “junge Frau” das Thema auf ein heikles Gleis schiebt.! – Gerhard Schroeder

 

Megan Rapinoe: 34 Jahre, zweimal Fußballweltmeisterin, Olympiasiegerin. Kapitänin und Aushängeschild des aktuellen Weltmeisterinnenteams der USA. Eine mehr als erwachsene Frau auf dem Zenit ihres Könnens. Eine weit gereiste Profisportlerin, die auch im Ausland erfolgreich war. Person des öffentlichen Lebens durch ihr politisches Engagement, aber auch eigene Bildstrecken in zum Beispiel Sports Illustrated. Und die ihre über eine lange, erfolgreiche Sportlerkarriere erarbeitete Publizität jetzt nutzt, um politisch Stellung zu beziehen. Und was fällt dem Autor dazu ein? „Die junge Frau als game changer arbeitet sich nicht nach oben, sondern sie ist plötzlich da, zum Auftritt provoziert durch einen Skandal oder eine Katastrophe.“ Wo bitte hat sich Rapinoe nicht nach oben gearbeitet? Wie weit muss man von ihrem Metier entfernt sein, um sie als ‚plötzlich da‘ zu beschreiben? Warum muss sie zu einem Auftritt provoziert werden und kann nicht einfach einen gesellschaftspolitischen Standpunkt besitzen und vertreten? Und warum ist sie mit 34 eine ‚junge Frau‘?

Der Artikel ist ein hervorragendes Beispiel für den paternalistischen Umgang vor allem der älteren Jahrgänge in hervorgehobener Position mit Menschen (hier: Frauen) weit im Erwachsenenalter, die in vielen Feldern die Leistungsträger der Gesellschaft darstellen. Es mag ja für eine Pointierung nützlich sein, diese mit protestierenden Schülern in einen Topf zu stecken; angemessen oder produktiv ist es nicht. Wie weit entfernt muss man sein, um eine 34jährige Sportweltmeisterin und eine 16jährige Schülerin über den gleichen Kamm zu scheren? Ich muss ernsthaft überlegen, ob ich mit 48 nicht auch noch zu jung bin für ein Abonnement der Zeit. – Dr. Christof Lenz

 

100-prozentig d’accord, lieber Herr Kümmel, mit Ihrem Dank an die Gegenwartsgeschichte der engagierten Frau, Ihren „Gesichtern der Zu-spät-Moderne“. Und wie bei jedem 100-prozentigem Einverständnis regt sich zwar nicht der Widerstand, aber der Wunsch, noch einen allerletzten Aspekt der Vollständigkeit halber hinzuzufügen: Braucht es neben diesen aufständischen Frauen, denen Sie zu Recht huldigen, nicht gleichwohl den (männlichen oder vielleicht eher grün-politischen) „Bündniswert“? Also den Politiker der kungelt, sprich: der politische Kompromisse darüber schließt, „welches Wild erlegt wird und wer zum Schuss kommt und wer die Signale gibt und wer die Meute führt“? Genau dies scheint mir mit der Wahl Ursula von der Leyens durch den Europäischen Rat passiert zu sein. Der Rat der verfeindeten Alphatiere hat einen scheinbar unmöglichen europäischen Kompromiss über ihre künftige Dompteurin gefunden; – auch wenn das Parlament in seiner Logik natürlich das Recht hat, dem nicht zuzustimmen. Die FAZ am Sonntag hat diesen Prozess in den „Hinterzimmern der Macht“ – wo auch sonst?! – in einem gut recherchierten Artikel kürzlich ganz neutral beschrieben.

Geht es denn ohne solche Bündnispolitik? Natürlich ist uns Greta Thunberg, diese grosse Prophetin des 21. Jahrhunderts, unendlich viel lieber als Ursula von der Leyen, die deutsche Hilary Clinton. Ist doch klar. Aber ich weigere mich die eine zum Rollenbild der neuen Frau und die andere zum Mannweib zu erklären – wie es Ihr Text, pardon, ein bisschen nahe legt. Denn nur in ihrer beider Zusammenspiel – im Zusammenspiel von zivilem Aufstand und Gesetzgebung (das Dossier in Ihrer ZEIT-Ausgabe beschreibt es) – könnte aus dieser Welt wider Erwarten noch etwas werden. Sonst wird Greta Thunberg zur Kassandra. – Fritz von Klinggräff

 

Beim Aufschlagen des Artikel hatte ich schon böse Ahnungen, aber es kam dann noch arger als gedacht. Haben Sie diesen Artikel kniend geschrieben? Ihre heilige Greta und auch die weltenbummlerische Rackete, natürlich aus gutem Hause, werden die Welt nicht verändern und daher wenig aus- noch anrichten können. Da gibt es Zahlreiche einer ganz anderen Liga, ob Gandhi, Mandela, Theresa, M. Luther King, all die konnten mit ihren teils berechtigten teils verbrecherischen (Hitler, Stalin, Mao..) Vorstellungen die Welt im Wesentlichen nicht ändern, so wie es Kanonen, Dampfmaschinen, Internet und KI es mit Leichtigkeit hervorgebracht haben und werden. Aber es sind die vielen stets in Lauerstellung wartenden, die mit ihrem unsäglichen Devotismus, Pawlow’schen Hunden gleich, eigennutzungserwartend auf Trends reagieren und so jedwede Heilslehre zur Katastrophe boostern können. Außer einer erschreckenden Unterwürfigkeit ist Ihr Artikel trotz pathetischer Vergleiche inhaltslos und bei der Frauenwelt punkten werden sie damit wohl auch nicht. Die spüren doch jede Form der Anbiederung und reagieren da eher ungehalten. – Dr. Bernhard Jung

 

Da schreibt ein Feuilleton-Redakteur, wie das die älteren Herren gerne tun, über junge Frauen, es soll eine Eloge sein, aber die Wortwahl konterkariert die guten Absichten: Wer eine geschlechtsreife junge Frau, Greta Thunberg, ausschließlich bei ihrem Vornamen nennt, stellt sich in eine ungute Tradition. Es sind die Gehilfinnen und „Musen“ großer Männer, die schon immer so bezeichnet wurden. Oh, Peter, hättest du geschwiegen … – Renate Kraft

 

Peter Kümmels Loblied auf die engagierten Frauen von Greta Thunberg bis Meg Rapinoe ist sicherlich eine legitime und sogar angebrachte Beobachtung zivilen und humantitären Engagements. Ach, käme sie doch nur ohne den Popanz aus, in dem „das Patriarchat“ sogar noch herhalten muss für die besonders perfide Unterdrückung der Frauen durch die ihnen obliegenden „care-Tatigkeiten“ und – explizit zitiert – die „psychische, emotionale und sexuelle Wartung der Lohnverdiener“. Hier erliegt der Autor jener dem „Neo“-Liberalismus gerne und nicht zu Unrecht zugeschriebenen Ideologie: Indem er nämlich die Ausbeutung nicht mehr auf die unterdrückte Klasse oder Schicht bezieht, sondern zwischen den beiden Geschlechtern innerhalb derselben eine Gegenfront öffnet, die die jahrhundertealte soziale Frage mal schlankweg vergessen lässt, vulgo den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit. Das wird nicht nur diejenigen FrauenrechtlerInnen freuen, die über den Tellerrand ihres Themas schon lange nicht mehr hinausgeblickt haben. Und so sehr ich mit Herrn Kümmel darin übereinstimme, dass das Engagement von Greta, Megan, Carola und anderen Frauen ein erfreuliches ist, so sehr vermisst man doch die Erwähnung etwa eines Colin Kaepernick, der seine Karriere (als Football-Star) seinem Engagement gegen den Rassismus in den USA geopfert hat. Oder jener Kapitäne und Besatzungsmitglieder, die nicht den offenbar medial weitaus erheblicheren Vorteil besitzen – nämlich weiblich zu sein. Aber im Grunde muss man doch am Ende vor allem Friedrich Küppersbusch Recht geben, wenn er sagt: „Ich dachte, das Heldenkonzept sei überwundener Männerquatsch.“ – Joachim Bell

 

Es ist ohnehin längst Zeit, dass wirklich starke Persönlichkeiten mehr Zugang zu gesellschaftspolitischer Macht und Verantwortung bekommen. Denn für die Aufgaben und Herausforderungen, die, lange vor uns hergeschoben, nun umso dringlicher vor uns liegen, braucht es ebenso unbedingt entschiedene Perspektiv- und Strukturwechsel. Zynisch gesagt braucht es Menschen, die außer ihrer Zukunft nichts zu verlieren haben und die diese Einsicht solidarisch und vernunftbegabt zu vertreten bereit sind; es braucht Menschen, die tugendhaft deklarierte Werte eben nicht nur mit Worten verteidigen, sondern konsequent auch mit Taten.

Dass sich dabei nicht selten (junge) Frauen hervortun, überrascht nicht. Frauen wie etwa Greta Thunberg, Carola Rackete oder Megan Rapinoe treten mit Herz und Verstand für eine gerechtere Welt ein und sind damit reinweg die Antipoden zu verantwortungslosen, moralisch unsäglich kläglichen Ego-Leadern wie Donald Trump und Konsorten.
Kurzum: These ladies can make our planet and humanity great again. – Matthias Bartsch

 

E i n m a l möchte ich es schaffen, einen k u r z e n Leserbrief zu schreiben. Einmal wenigstens. Wenn ich mir dieses Foto so anschaue, dieses Bild von Greta Thunberg, die gefalteten Hände, auf die sie das Kinn stützt, darüber dieses blasse Gesicht mit dem unerbittlichen Ausdruck und dem bezwingenden Blick, darüber die schlichte Frisur, die streng gescheitelten Haare, aus dem Dunkel kommend, die ganze Person,… …geballte Ruhe ausstrahlend… …dann drängt sich mir die uralte Menschheitsfrage auf: „Wer war zuerst da: Die Henne oder das Ei?“ – Beate Schwärzler


 

Leserbriefe zu „Überall Chaos“ von Ingo Malcher und Claas Tatje

Ein sehr guter und wichtiger Beitrag ist das auf der S.19 – aber wer erklärt uns diese Grafik? Auch meine Frau – Grafikerin – ist ratlos … – Dr.Hanns-W. Hey

 

Endlich wird dieses leidige Thema mal aufgegriffen. Das Chaos belastet nicht nur die großen Firmen sondern auch den Alltag der kleinen Leute. Ich wuerde gerne mal wissen, welchen Anteil der Frust ueber derartige Probleme an Wahlentscheidungen pro AfD hat.
P. S Für mich der insgesamt interessanteste Wirtschaftsteil seit langem. Danke. – Susanne Sänger

 

Der Artikel listet beispielhaft – für jeden BT-Abgeordneten eigentlich Pflichtlektüre-die Symptome der Systemmängel auf, ohne jedoch mögliche Ursachen zu benennen. Dazu bedarf es der Fähigkeit, die inneren Ursachen zu eruieren. So haben z.B. in Unternehmen und öff. Verwaltung millionenfach – nach “tollem US-Vorbild“- Betriebswirte und Juristen das Heft in der Hand mit den Zielen der kurzfristigen Gewinn-Maximierung bzw. kurzfristiger Wahlzyklus-Erfolge. Da werden gegen Ingenieurrat z.B. Klima-Stellklappen in PKW´s mit nur 500 Stellzyklen eingebaut, nur weil sie 20ct. billiger sind – mit bekannten teuren Reparaturfolgen für Kunden. Solchen Akteuren sind meist leider nur die 4 Grundrechenarten und schlichte proportionale Relationen bekannt. Die ominöse „schwarze Null“-Logik mit ihren Sparfolgen erinnert stark an DDR-like (Wirtschaften aus der Substanz). DDR- und BRD-Akteure haben z.B. die Mehrwerttheorie nicht kapiert, nach der die Reproduktionskosten für ein funktionierendes System kontinuierlich zumindest in die Langfristkalkulation gehören. Dazu kommt der öffentliche Ausschreibungs-Wahnsinn, nach dem formal recht schlicht meist die Billigheimer den Zuschlag erhalten- es fehlen dazu die qualitätsorientierten Fachleute. Wie auch im Verkehrsministerium, die leider nicht selbst- wie im Artikel benannt- das Güterverkehrswachstum prognostizierten; das hat Prognos/Progtrans schon von gut 10 Jahren dokumentiert- passiert ist so gut wie nichts. Stichwort „ Verkehrs-chaos“, das sich oftmals als sog. „Deterministisches Chaos“ zeigt. Hier ist das Ministerium schlicht überfordert. Es fehlen die Fachakteure auf Ministeriums-Arbeits-ebene, die eine wissenschaftliche Politikberatung realisieren (Max Weber) und nicht bloße Erfüllungsgehilfen sind. – Dr. H. Gerster

 

Der im Betreff genannte Artikel ist – leider erneut – ein Beweis dafür, wie gut recherchierte und treffsicher geschriebene Geschichten in Ihrer Zeitung kombiniert werden mit einem erheblichen Mangel an Wissen zu ostdeutscher Geografie: Sie schreiben von „Zwickau nahe der polnischen Grenze“. Von Zwickau benötigt man via A4 ca. 220km bis zur polnischen Grenze! Das ist wirklich noch „nahe“? Liegt dann Hamburg nahe der dänischen Grenze? Oder meinten Sie Zittau? Nehmen Sie Google Maps von der Blacklist des Internetzugangs Ihrer Autoren – vielleicht hilft das… – Matthias Raasch

 

Die Kenntnis des deutschen Ostens Ihrer Autoren ist schon beeindruckend: „Zwickau nahe der polnischen Grenze“ – das kann man schon gelten lassen, wenn man „Nähe“ mit 200 km definiert. Oder war etwas „Zittau“ gemeint? Ist ja auch egal, klingt doch so ähnlich! – Dieter Schuster

 

In ihrem Artikel verwenden Sie eine Prognose aus dem Bundesverkehrswegeplan (BVP) 2030: „Bis 2030 wird der Güterverkehr auf der Autobahn noch mal um 40 Prozent zulegen“. Diese völlig falsche Aussage des BMVi nehmen Sie offensichtlich als korrekt hin. In der Verkehrsverflechtungsprognose (VVP) 2030, der Grundlage des BVWP, sind bezüglich der Gültigkeit der dort gemachten Prognosen u.a. die beiden folgenden Anmerkungen gemacht worden: Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern sich nicht und der BVWP verfolgt keine expliziten Umweltziele, sondern ist eine rein numerische Fortschreibung der bisherigen Entwicklung. Die jetzige Diskussion über die notwendige CO2-Bepreisung für Benzin und Diesel zeigt aber sehr deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen, sprich Kosten für den Transport, ändern müssen und werden!

Laut der VVP wird der CO2-Ausstoß bis 2030 um 15% abnehmen, in den letzten fünf Jahren haben die Emissionen des Verkehrssektors aber zugenommen. Diese Fehlprognose zeigt in meinen Augen sehr deutlich, welche Relevanz diese Vorhersagen haben: gar keine! Angesichts der aktuellen Entwicklung bei den Folgen des Klimawandels (z.B. Arktis, Hitzesommer 2018), der durch Friday-for-future und dem IPCC-Report 2018 angefachten Diskussionen, sowie der Tatsache, dass Deutschland 2015 die Klimaziele in Paris unterzeichnet hat, muss es auch für den Verkehr verbindliche Vorgaben für dessen Einsparungen bei seinen Kohlendioxidemissionen geben: Bis 2030 mindestens 55%!! Und dies wird nur mit einer drastischen Verringerung des Verkehrsaufkommens möglich sein. Diese ist auch notwendig, um endlich unseren überdimensionierten Ressourcenverbrauch zu verkleinern. Nach Uwe Schneidewind vom Wuppertal-Institut wären für eine globale Ressourcengerechtigkeit 80% weniger erforderlich. Eine Maut würde nur das Verkehrsaufkommen nur zeitlich verlagern. Wir bräuchten einen Einstieg in eine Postwachstumsökonomie, regionale Produktion, keine Wegwerfgesellschaft, langlebige und reparable Produkte u.ä.m. – Horst Dallmann

 

Diesmal fand ich im Wirtschaftsteil der ZEIT mich interessierende Beiträge – gleich „Überall Chaos“ von Ingo Malcher und Claas Tatje fand meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Beim Lesen stolperte ich in der vierten Spalte oben über eine geographische Ungenauigkeit (vorsichtig ausgedrückt!). Wurde doch Zwickau „nahe an die polnische Grenze“ verfrachtet. Das tut echt weh – vielleicht sollte mal eine Reise von Zwickau nach z.B. Görlitz an der polnischen Grenze unternommen werden – das sind schlappe ca. 220 km. Für den Fall das die Länder verwechselt wurden, hier noch ein Tipp gen tschechische Grenze – bis Oberwiesental sind`s von Zwickau ca. 70 km. Ergo – von „Nahe“ kann wohl in beiden Fällen nicht die Rede sein. Also – mal auf in den Osten – es ist schön hier und tut gar nicht weh! – Annemarie Knöfel

 

So gut der Artikel auch das derzeitige Verkehrschaos beschreibt, wäre es sehr wünschenswert, wenn Sie Ihre Angaben überprüfen. Ja, Zwickau liegt an einer Grenze, das ist richtig. Aber es liegt nicht an der Grenze zu Polen. Sie haben leider Zittau und Zwickau verwechselt. Zittau liegt im Dreiländereck Polen-Deutschland Tschechien, Zwickau im Süden von Sachsen, der bekanntlich an den zweiten Freistaat der Bundesrepublik und an die Tschechische Republik grenzt. VW Produziert in Zwickau. Aber wir sind schließlich alle Menschen, das kann ja mal passieren. – Kirsten Lippert


 

Leserbriefe zu „Ohnmacht. Was muss sich ändern?“ von Hartmut Rosa und Harald Welzer

Wohin „resoniert“ Hartmut Rosa? Glücklicherweise hatte der geneigte Leser die Möglichkeit, gleich neben Hartmus Rosas „Rede: Es herrscht rasender Stillstand. Unser Verhältnis zur Welt ist versteinert“ (Die Zeit Nr. 29, Sinn & Verstand, S. 38/39) eine Replik von Harald Welzer zu lesen: „Gegenrede: Es hilft nur, zu kämpfen“ (ebd. S. 39). Insofern blieb man nicht ganz so im Regen von Resonanz, Mediopassivität und einem Spiritualitätsbegriff stehen, der nirgendwo erklärt wird. Wir wissen doch seit langem aus der Psychologie oder der Neurobiologie, dass zumindest Menschen die Eigenschaft und Fähigkeit zur Empathie und zum Rapport haben und damit die Möglichkeit, das „Dazwischen“, das „In between“ von dir und mir auszuloten. Da denkt man an Spiegelneuronen, an Gerald Hüther oder Richard Davod Precht. Insofern mag die Resonanzkiste von Rosa nicht so neu sein. Aber wen eigentlich spricht Hartmut Rosa an? An wen wendet er sich? Man stelle sich „kleine“ Leute, Unternehmer, Politiker, Mittelschichtler, Abgehängte, Kollegen oder wen auch immer vor – keine Resonanz! Nein, stimmt nicht: Harald Welzer hat sich zur Gegenrede aufgeschwungen. Ihm sei Dank! – Thomas Vehoff

 

Die Frage impliziert eine Lösung als das Ergebnis einer Handlung. Da diese jedoch auf ganzer Linie, ausbleibt, lautet die Antwort „Was wird sich ändern“. – Wolfgang Burkhardt

 

Zustimmung zu Herrn Welzer, dass eine zukunftsfähige Form des Wirtschaftens jetzt erstritten werden muss. Und Zustimmung zu Herrn Rosa, dass wir die menschliche Abhängigkeit von der Natur annehmen müssen. Aber warum bezieht sich keiner der beiden auf die feministischen und rassismuskritischen Theoretikerinnen, die diesen Gedanken seit Jahrzehnten entwickeln? Der Gedanke, dass es ein beherrschbares „Anderes“ (statt einer Vielfalt) geben muss (sei es die Natur, die Frau oder Menschen mit dunkler Hautfarbe), bildet die Grundlage für Ausbeutung. Die Idee, dass die Abhängigkeit und Bedürftigkeit jedes Menschen im Zentrum stehen muss, dass die Bedürfniserfüllung in der Care-Ökonomie Teil der Wirtschaft ist – all diese Gedanken sind nicht neu, sie werden bereits von Milliarden Menschen gelebt, und ein Verweis im Text z. B. auf Audre Lorde, Antje Schrupp u.v.a. wäre schön gewesen. – Frederike Navarro

 

„Groß“ und „stark“ sollst du „in der Welt“ sein. Der ewige – männliche – Traum, schon dem ahnungslosen Säugling „eingebläut“, gerinnt im erwachsenen Manne zur Mission. Stark sein im Kampf für das „Wahre“, „Richtige“ und „Gute“. Parteibuch und Religion? Nebensache. Leben bedeutet kämpfen, von der Geburt bis zum Tod. Und da kommt nun ausgerechnet ein Mann mit Namen „Rosa“ daher, stellt das „Männer Mantra“ von Kämpfer zur Disposition und schlägt vor, unser menschliches „Weltverhältnis“ ganz anders zu denken. Bezogen, berührbar, von Resonanz getragen. In der Tradition der humanistischen Psychologie, deren prominenter Vertreter Erich Fromm schon vor über 4 Jahrzehnten die „menschliche Destruktivität“ eines „kämpfenden in der Welt seins“ eindrucksvoll seziert hat.

Nein, Rosa`s Resonanzbegriff darf kritisiert werden und kann auch nicht das letzte Wort sein. Und zum Kämpfen wird es auch weiterhin noch genug Gelegenheiten geben. Auch muss sich niemand vor „händchenhaltenden, rosarot bebrillten Romantikern“ fürchten, die zum Gebrauch der Vernunft nicht mehr fähig sind. Die „Gegenrede“ des Fachkollegen Welzer, die sich als „Gegenschlag“ mit der Brechstange des Vorwurfs einer Unwissenschaftlichkeit entpuppt, zeigt einmal mehr, wie selbstverständlich Männer „um sich schlagen“, und bestätigt die gewöhnliche Beobachtung, dass insbesondere leidenschaftliche Kämpfer vor Eifer leicht blind zu werden drohen. Denn wissenschaftliche Methoden haben überhaupt kein Weltverhältnis, und am Beispiel der Chaosforschung und Komplexitätswissenschaft ist seit mehr als 6 Jahrzehnten gezeigt, das stabile Strukturen in komplexen Systemen nicht aus einem Steuerungs- und Konkurrenzprinzip, sondern über Wechselwirkungen, selbstorganisiert entstehen. Es sind Wissenschaftler in ihrem persönlichen Verhältnis zur Welt, die vor Eifer aus den Messwerten ihrer Experimente Weltverhältnisbedeutsames herauslesen, Bahnbrechendes versprechen, und resonanzblind selbst gegenüber kompetenten Fachkollegen für ihre Hypothesen „kämpfen“, bis sie umfallen. Das darf sich doch gerne ändern, oder? – Jürgen Pilz

 

Habe gerade die „Philosophischen Seiten“ der letzten Ausgabe gelesen. Dazu einige flüchtige Anmerkungen: Hartmut Rosas Rezonanz-Philosophie ist eine schöne Vision vom neuen Menschen. Wir brauchen schöne Visionen, aber sie reichen nicht aus, um aus unerer prekären Weltsituation heraus zu kommen. Das, was Rosa vorschwebt, setzt eine gesitige und erzieherische Revolution voraus. Der erforderliche Wirkungsgrad einer solch neuen geistigen und kommunikativen Haltung wäre realistisch erst einige Generationen später erreichbar. Denn dieses neue Verhältnis des Menschen auf der Basis der Resonanzempathie zm Mitmenschen, zur Natur und zu sich selbst setzt ein umfassendes und weitreichendes Erziehungsprogramm und Erziehungsmaßnahmen voraus. Auf Knopfdruck wird sich die große Mehrheit der Menschen, die im alten System des Autonomiestrebens gefangen sind und auch dort verbleiben wollen, nicht ändern. Deshalb stimme ich der Replik von Harald Welzer zu, dass gegenwärtig konkrete praktische Schritte von Einzelnen wie von Institutionen zur Abwendung größerer Katastrophen wichtiger sind als die Arbeit am neuen Menschen. Gleichwohl stimme ich Harmut Rosa insofern zu, als für das langfristige Überleben und gute Zusammenleben auf der Erde das von ihm anvisierte Ziel einer Bewusstseins- und Verhaltensänderung auf der Basis einer sensibleren Wahrnehmung des Anderen notwendig ist. – Bernd Schmidt Grafschaft

 

Harald Welzer spricht von der Dialektik der Aufklärung wenn er in dem Generationenkonflikt den Jugendlichen Vernunft und den Erwachsenen dagegen Illusionismus und magisches Denken attestiert. Vernunft gibt es aber genauso auf Seiten der Erwachsenen – nur bezieht sie sich dort weniger auf die drohende Umweltzerstörung als auf die Gefahr von schwindendem Wohlstand -was kommende Generationen treffen würde. Verzicht und Schonung der Umwelt stehen in einem Zusammenhang vor dem die Erwachsenen mehr Angst haben als die Jugendlichen. Deren noch frisches Weltbild ist idealistisch geprägt und typisch für die Gegensätze im Denken von Erwachsenen und jungen Menschen. Sieht man es dialektisch muss dabei eine Synthese herauskommen : Vielleicht weniger materielle Zugewinne für künftige Generationen aber Chancen für eine Erholung der Natur. – Klaus Reisdorf

 

Ich bin mit 82 weder wie Rosa Sozialphilosoph noch wie Welzer Sozialpsychologe. Nur Neugier ließ mich beide Artikel lesen. Zugegeben: für mich eine philosphische Nummer zu hoch. Aber sofort verstanden habe ich das Plaidoyer für „schonendes Naturverhältnis“. Was heißt das? Geschirrspülen, Zähneputzen, Duschen ohne den Hahn voll aufzudrehen. Mehr den ÖPNV benutzen. Oder das Fahrrad. Oder die eigenen Beine (gesund!). Mich fragen, ob Massentierhaltung und mein Essverhalten zu einem Schonen der Natur beiträgt. Ob es wirklich ein SUV sein muss, um mit der Familie ins Grüne zu fahren. Mich fragen, was mich das Abholzen von Regenwäldern in Brasilien u.a. angeht und mit meinem Lebensstil zu tun hat. Wir brauchen Rosa u n d Welzer; handeln müssen wir alle, on „Friday“ and every day. – Jörg Schlette


 

Leserbriefe zu „Abgelesen und abgezockt“ von Stefan Buchen

Als privater Vermieter würde ich gern auf die oft unzuverlässigen und teuren Dienste von Techem und Co. verzichten. Zur Zeit warte ich schon seit Monaten auf die Abrechnung 2018 für meine Mieter. Auch ich habe kein Interesse, meine Mieter mit überzogenen Kosten für die Abrechnungen zu belasten. Aber als privater Vermieter kann ich Zum Beispiel die Arbeitsstunden, die ich für die Datenerfassung und die Erstellung der Abrechnung aufwenden muss, nicht den Mietern in Rechnung stellen. Wenn ich aber einen Dienstleister wie Techem beauftrage, dann geht das. Auch hier wären gesetzliche Änderungen notwendig, ebenso wie hinsichtlich der Eichfristen. Auch ist es schwierig und teurer für den Vermieter, wenn er die Messgeräte selbst kaufen will. Miete ist einfacher und für den Vermieter im gegebenen rechtlichen Rahmen kostengünstiger. Und es stimmt: der Wechsel zwischen Anbietern ist für Vermieter langwierig und teuer. Das behindert den Wettbewerb. Auch die Wartungspflichten für Rauchmelder sind ein Problem. Fernwartung ist hier der eigentlich kostengünstigste Weg, aber auch hier muss ich mich als Vermieter lange binden und kann nicht wie beim Stromlieferanten einfach wechseln. Insgesamt versagt also die Bundesregierung und vor allem Bundeswirtschaftsminister Altmaier. Altmaier reist um die Welt und scheut daheim die Mühen der Ebene. Dabei könnte Altmaier mit Leichtigkeit sowohl für Mieter wie für die große Mehrheit der privaten Vermieter schnell für bessere Regelungen sorgen.

Noch eine Anregung, eine Bitte an die ZEIT: Berichte zu folgenden Themen: Wärmedämmung für Häuser ist sehr teuer, sind da Kartelle an Werk? Wie steht es mit der Nachhaltigkeit der Dämmstoffe? Gibt es technische Innovationen, die nicht auf den Markt kommen, weil Oligopole dies verhindern? Wie steht es mit der Forschung in Sachen besserer, kostengünstiger Dämmung? Ist Dämmung im Neubau und im Altbau nach den heutigen Normen demnächst überhaupt noch wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll, falls bald reichlich Windstrom auch für Heizung von Gebäuden zur Verfügung steht?

Wer heute ausserhalb von teuren Ballungsräumen vermietet, für den ist energetische Sanierung nach den heutigen Normen übrigens völlig unwirtschaftlich, weil die Kosten nicht über Mieterhöhungen wieder eingespielt werden können. Die Absenkung der Umlagemöglichkeit für energetische Sanierung auf 8 Prozent ist da nur ein Schauprojekt der Politik für Großstadtbewohner. Und in der Berichterstattung dominieren die Luxussanierungen in Ballungsräumen. Warum gibt es keine kostengünstigen Dämmstoffe, die auch ausserhalb der Ballungsräume Dämmung wirtschaftlich werden lassen? Für die grosse Mehrheit des Wohnungsbestandes in Deutschland könnte man da im Interesse des Klimaschutzes dann viel erreichen. Auch dazu wären ZEIT-Analysen sehr wünschenswert. – Udo Barske

1)Wärmemessdienste gab es schon vor 1981. Die Firma Techem zum Beispiel wurde – laut Wikipedia – 1952 gegründet.
2) Den Wasserverbrauch in einer jeden Wohnung kann der Vermieter selbst ablesen und berechnen. Er muss nur die Wasseruhren einbauen (lassen, durch einen Installateur).
3) Das Ziel der Verpflichtung zum Einbau der Wärmemessgeräte in Mehrfamilienhäusern ist zunächst die gerechte Verteilung der Wärmekosten auf die Mieter (oder Wohnungseigentümer) und zweitens ein Anreiz zur Energieeinsparung. Der sparsame Nutzer profitiert davon. Eingeschränkt wird dies dadurch, dass 30% der Wärmekosten nach der Wohnfläche verteilt werden (anfangs konnten dies bis zu 70% sein). Dennoch liegt im günstigen Fall der Anteil einer Wohnung an den Wärmekosten unter dem Wohnflächenanteil.
4) Ich stimme Ihnen zu, dass die Kosten für den Wärmemessdienst (zumindest der beiden Marktführer, mit anderen Firmen habe ich keine Erfahrung) zu hoch sind. Sie werden jedes Jahr – überproportional – erhöht, ist erstmal der 5- oder 10-Jahresvertrag unterschrieben. Dies liegt auch an Ineffizienzen. Da weiß der eine nicht, was der andere tut. Zum Beispiel wurde mir dreimal eine Funkablesung angeboten, obwohl das Netz dafür viel zu schwach war (der Ableser wohnt im Nachdorf) und der Firma dies schon zweimal mitgeteilt worden war. Auch wurden Leistungen doppelt in Rechnung gestellt.
5) Bei Häusern mit 2 Wohnungen ist eine Wärmemesseinrichtung nicht vorgeschrieben. Oft wünscht aber eine Partei eine „objektive“ Ermittlung der Kosten. Als 1971 mein Vermieter seine Heizungsanlage auf „meine“ Wohnung erweiterte, schlug ich die Wohnfläche als Verteilschlüssel vor. Der Vermieter aber ließ die Röhrchen anbringen. Am Ende zahlte ich weniger als von mir vorgeschlagen, der Vermieter zahlte effektiv die gesamten Kosten des Messdienstes. Umgekehrt erlebte ich dies Jahrzehnte später bei einer „normal“ genutzten vermieteten und einer kleineren, selten eigengenutzten Wohnung: hier zahlte effektiv der Mieter drauf. – Adolf Ronnenberg

 

….als ich den Artikel las, hat es genau das auf den Punkt gebracht, was ich kürzlich wahrgenommen habe. Mit einem kleinen 3-Parteien Mietshaus meiner Mutter hatte ad hoc die Nebenkosten zu erstellen. Ich quälte mich durch die Onlineabrechnung, ärgerte mich über den Support. Hatte über diese vielen Rechnungen und Leistungen den Kopf geschüttelt als ich das mal gecheckt habe. Wollte bei der Abrechnung eigene Kostenzeilen einfügen wie bei Excel und musste jede Zeile extra und teuer bezahlen. Die Umlage der hohen Kosten auf die Mieter abzuwälzen war mir unangenehm, aber wie sollte ich die Firma loswerden/ wechseln. Gerade kurz vorher haben sich die Mietzeiten der super dooper Funkheizmessgaräte automatisch um 10 Jahre verlängert. Die anderen hatten dafür keine Verwendung. Merkwürdig?! Würde mich im Namen aller Mieter über eine Aufmischung des Marktes durch die Politik freuen. Jetzt ist mir klar warum es hier nur big two auf dem Markt gibt, wenn sogar die Messgerätehersteller hier mitmischen, um die Preise hochzuhalten. Ich werde die Entwicklung der neuen Berliner Plattformfirma im Auge behalten und hoffe es macht die anderen zwei recht bald recht nervös. – D. Franze aus Friedberg

 

Nicht alleine bei den Kosten der Ablesung wird der Mieter ganz schön übervorteilt. Es geht oft weit darüber hinaus. In unserer Wohnanlage wurde in 2013 auf Fernwärme umgestellt, die dann ab 2014 mit elektronischer Ablesung abgerechnet wurde. Von mehr als 20 abzurechnenden Häusern, die im alten System auf Nutzereinheiten, bestehend aus mehreren Häusern, zusammengefasst waren, wurde mit der Umstellung auf Fernwärme auf eine Abrechnung pro Haus umgestellt. Einher damit gingen Erhöhungen von Heizung und Warmwasser um ca 30%, der eh schon hohen Heizungsnebenkosten (in meinem Fall für eine 3 Zimmer Wohnung EUR 1500.00 pro Jahr, alter Preis). Nach Rückfrage durch uns Mieter wurde die Erhöhung mit einer Einrohrheizung begründet. In meinem Fall verdoppelte sich die lt Zählern abgelesene Grundwärme unter der Angabe „Rohrwärme“. Weitere Rückfragen zu dem Thema blieben unbeantwortet, obwohl keine Transparenz der Abrechnung erkennbar war. Meine persönliche Nachzahlung, die ich aufgrund nicht beantworteter Rückfragen nicht bezahlte, wurde in 2015 gerichtlich eingeklagt. Das Verfahren, für das ich meinen Rechtsanwalt mit Stundensatz bezahlt habe, ging zu meinen Gunsten aus. Die Gegenseite, in dem Fall nicht Techem sondern ein weiterer zwischengeschalteter Abrechner, nahm die Klage zurück. Es gab folglich kein Urteil. Der Prozess zog sich über 2 Jahre hin und als ich nach der Klagerücknahme für die Folgejahre eine Rückzahlung gelten gemacht habe, wurde mir die Rückzahlung abgelehnt mit dem Hinweis der Klageweg stünde mir ja offen. Es ging mir hier nicht mehr ausschliesslich um die Rückzahlung des mit zustehenden Betrages (etwas mehr als EUR 450.00) sondern um die grundsätzliche Abrechnungspraxis einer Gebühr für Rohrwärme, auch für die kommenden Jahre, obwohl es sich bei der eingebauten Heizung nicht um eine Einrohrheizung handelt, bei der die angesetzte VDI Norm 2077 greift. Nach einigen Terminen, einem neuen Gutachter und einem BGH Urteil aus 2017 zu dem Thema, hat das Gericht ein Urteil zu meinen Gunsten gesprochen.

2 Anmerkungen:
a) Die hohen Anwaltskosten gingen zu meinen Lasten nach gängigem Gesetzestext, der mir vom Justizministerium bestätigt wurde. Mein Hinweis darauf dass es für einen Kläger oder auch Beklagten fast unmöglich ist einen Anwalt auf Basis der Gebührenordnung zu finden und die weitere Schlussfolgerung, dass es unter diesen Umständen kaum einen Mieter gibt, der sich gegen eine falsche Abrechnung zur Wehr setzt, wurde nicht beantwortet. Der Abrechner würde es sich vielleicht überlegen, wenn er nach verlorenem Prozess die vollen Anwaltskosten des Klägers oder Beklagten zu tragen hätte.
b) Die angemahnte Rückforderung (am 22.03.19) aufgrund des Urteils für eine unkorrekte Abrechnung in 2017 wurde bis heute nicht ausgeglichen, u.a. mit dem Hinweis darauf, das der Abrechner (TECHEM) jetzt die Abrechnung nochmal überarbeiten müsse.

Zu dem Umstand VDI 2077 und der Abrechnung beim Vorliegen einer Einrohrheizung gibt es eine Webseite, die diese Praxis sehr kritisiert: https://www.vdi2077-nein-danke.de/ Für den Mieter ist es fast unmöglich den Beweis gegen eine „vermeintliche“ Einrohrheizung zu führen. Der vor Gericht gehörte Gutachter zu meinen Abrechnungen, obwohl vermeintlich objektiv, war einer der Architekten dieser VDI NORM 2077. Es geht hier um ein komplexes Thema, das nicht ordentlich geregelt ist und nach dem Lesen des Artikels von Stefan Buchen hab ich mich entschlossen, Ihnen meinen Fall zu schildern. Kaum zu glauben dass die Politik selbst den Anforderungen des Kartellamts nicht nachkommt, obwohl die Reduzierung der Ablesegebühren noch ein kleiner Schritt wären. Die Firma Techem übernimmt bei uns die Ablesung, die Abrechnung und liefert dem „Abrechner“ der dann die Rechnung verschickt noch die Begründung dafür, dass in unserer Anlage nach VDI 2077 mit Einrohrheizung abgerechnet werden kann, obwohl wir uns 3 Jahre darüber gestritten haben, dass es keine sogenannte „Einrohrheizung“ gibt. Auch dieser Sachverhalt wäre eine Recherche Ihrerseits wert. – Dagmar Epke

 

Zu Ihrem Beitrag kann ich sehr gut die Arroganz von techem bestätigen. Der Oligopol techem hat z.B. für den eigenen Haushalt für den Abrechnungszeitraum vom 1.7.2017 – 30.6.2018 einen Wasserverbrauch von 157.600 Einheiten abgerechnet. Die von mir abgelesenen Wasseruhren zeigten aber nur 51.838 Einheiten! Auf meinen Fehlerhinweis meldete sich am 20.12.2018 techem mit „Da die Ablesewerte hier via Funk ausgelesen werden, ist ein Ablesefehler durch Techem nicht möglich“. In einem Brief am 12.1.2019 stellte ich die von techem abgerechneten Verbrauchswerte den von mir persönlich abgelesenen Werten gegenüber und stellte fest, dass neben der überaus falschen Meldung der Küchenwasseruhr die anderen Ablesewerte von techem einfach aufgerundet wurden. Zweimal fragte ich an, wem die Aufrundung wohl nutze? Keine Antwort! Am 29.1.2019 bat techem um ein Foto des Küchenzählers. Am 22.2.2019 kam die Nachricht, dass man die Zahlen korrigiert hat und ein Betrag von EURO 423,11 erstattet wird!! Auch die abgerechneten Heizwerte stellte ich in Frage. Eine unbefriedigende nicht haltbare Antwort! Zum Abrechnungstermin 30.6.2019 habe ich techem angeboten, v o r der Abrechnung die Werte mit meinen abzugleichen. Dazu keine Reaktion von techem. Müssen sich weiterhin Wohnungseigentümer mit Wissen der Hausverwalter so abzocken lassen? Die Übertretung einer Parkzeit wird bestraft. Offensichtlicher und vorsätzlicher Betrug z.B. bei Messdienstleistern wird nicht geahndet! – Siegfried Walter

 

Mit Genugtuung habe ich Ihren Bericht „Abgelesen und Abgezockt“ gelesen. Ich bin Vermieter und habe bei meinen Objekten tlw. bereits seit 10 Jahren die Ablesung selbst übernommen. Ich halte es für unverantwortlich, die Ablesung den genannten Firmen zu überlassen. Das Prinzip der Ablesefirmen funktioniert vor allem weil „der bestellt nicht bezahlt“. Dies hatten sie in ihrem Beitrag bereits anklingen lassen. Da aber sowohl sie, als auch die Kollegen von Panorama einen besonderen Aspekt ausgelassen bzw. die Sache nicht von allen Seiten beleuchtet haben möchte ich folgendes an einem Beispiel vertiefend ergänzen:
Beispiel: Ein mittlerweile gedämmtes 8-Familienwohnhaus (Außenwände, nicht beheizte Keller- und OG-Decken gedämmt, Gesamtwohnfläche 550 qm) Durch die energetischen Maßnahmen verursacht diese Immobilie jährlich (Stand 31.12.2018) noch 3.800 € Heizkosten (Gas).
Wenn Sie nun als Vermieter – im Rahmen der Heizkostenverordnung vergehen – können Sie die Grundkosten für Warmwasser und 50 % der Heizkosten auf die Wohnfläche umlegen. Danach verbleiben im Beispiel rd. 1.500 € – die sie nach Verbrauch verteilen „lassen“ – übrig. Für alle anderen Kosten brauchen Sie keine Ablesefirmen und deren „unverzichtbares“ Wissen.
Ein aktuelles Angebot der Fa. Techem (habe ich mir letztes Jahr anbieten lassen) spricht von jährlichen Kosten von rd. 760,00 € für obiges Objekt. Somit zahlen die Mieter für das Ablesen rd. 760,00 €. Die Dienstleistung die sich dahinter verbirgt: „Gerechte Verteilung von 1.500 € auf 8 Wohneinheiten. Somit reden wir nicht mehr von 10 % der gesamten Nebenkosten, sondern von rd. 50 % Kosten um einen Betrag X gerecht zu verteilen. Kleiner Exkurs: EG-Wohnungen heizen grundsätzlich OG-Wohnungen mit (Effekt -> Fußbodenheizung). Was ist also gerecht?
Fragen Sie mal die Mieter ob Sie lieber 187 € (1.500 €) nach Wohnung oder 285 € (2260 €) gerecht nach Verbrauch, verteilt haben wollen?
In jedem Fall kann der Vermieter, wenn er die Ablesegeräte selber anschafft und seinen Aufwand berechnet, das Ablesen zum halben Preis durchführen. Da schließt sich wieder der Kreis zu den hohen Gewinnen dieser Firmen (1 Euro fast 50 cent Gewinn). Nebenbei bemerkt, wenn man die Eigentümerstruktur dieser Unternehmen untersucht verlieren sich die Spuren irgendwann auf den Caymaninseln oder sonstigen noch nicht ausgetrockneten Steueroasen. Dies ist der eigentliche Skandal.
Es gibt verschiedene Ansatz diesen Skandal zu lösen. Daher richte ich folgende Appelle an die jeweiligen Adressaten:

  • Vermieter – Eigentum verpflichtet – übernehmt die Verantwortung für das Verteilen der Heizkosten und rechtnet selber ab.
  • Hauseigentümergemeinschaften, Wohnungsgenossenschaften stellt um und übernehmt das Ablesen.
  • Die Rechtsform der Genossenschaft eignet sich hierfür hervorragend (im Sinne von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen: „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele!“
  • Politiker handelt endlich (Hartz IV hat sich von 2009 bis 2019 um 65 € erhöht) … Ketzerische Frage: „Wie viel von dem Erhöhungsbetrag der letzten 10 Jahre ist in Steueroasen gelandet? – Ulrich Fluhrer

 

Leserbriefe zu „»Sie werden weitermachen«“ von Jeannette Otto

Güting, immerhin Präsident der Kultusministerkonferenz, findet 2019 den Stein der Weisen, wenn er zu der Erkenntnis kommt: „Der Lehrer wird sich von seiner Rolle als Allwissender verabschieden müssen. Er wird eher Coach und Lernberater.“? Grundschulen arbeiten schon Ende des letzten Jahrhunderts so, in den weiterführenden Schulen tat man sich da schon schwerer, weil die Organisation von schülerorientierter Arbeit sehr zeitaufwändig und schwer vergleichbar zu bewerten, also für das Ausleseprinzip zu sperrig ist. Aber selbst dort hielt sie spätestens Anfang 2000 Einzug auch in Gymnasien. Endgültig wurde sie zu Grabe getragen, als Vergleichsarbeiten und das Zentralabitur eingeführt wurden. Da ging es dann vor allem für Lehrer, Schüler und Eltern darum, für ein vorgeschriebenes Pensum zu büffeln, um mit dem Numerus Clausus zurecht zu kommen. Für offene Projektarbeit ist da kaum Platz mehr, wenn man bedenkt, dass die Schulzeit auch noch verkürzt wurde. Die Viertagewoche in der Schule wäre übrigens eine weitere, wunderbar zu verkaufende ökologisch wertvolle Sparmaßnahme. – Uwe-Carsten Edeler

 

Es macht mich wütend einen solchen Schmarr’n von einer Pädagogin zu lesen. Die heutige Jugend ist fast durchgehend verblödet. Kein Wunder von einer solchen Lehrerin unterrichtet zu werden. – Gunter Knauer

 

Mich interessiert Folgendes: Sind die „Fridays for future“- Demonstrationen auf den Schulfreitag begrenzt oder werden sie auch nach Beginn der Ferien fortgesetzt? – Klaus Grasenick

 

Das Interview mit Prof. Lorz wäre anders verlaufen, wenn seine exzellenten völkerrechtlichen Gutachten zur UN-Kinderrechtskonvention (2003, 2010) zur Sprache gekommen wären. Dort ist zu lesen, dass Art. 3 als „Dreh- und Angelpunkt“ der Konvention die ‚best interests of the child‘ mit Vorrang versieht, „alle behördlichen Maßnahmen einem besonderen – gerichtlich voll nachprüfbaren – Begründungszwang unterwirft und die Darlegungs- und Beweislast insoweit auf die entscheidende Behörde verlagert“. Deshalb wäre die Notwendigkeit einer Abwägung zwischen der Schulpflicht und dem Demonstrationsrecht der Jugendlichen zu erörtern gewesen und klar zu machen, dass bei Sanktionen in jedem Einzelfall ausdrücklich darzulegen ist, warum das Recht der Jugendlichen, für ihre Zukunftsinteressen zu demonstrieren, in der konkreten Unterrichtssituation hinter der Schulpflicht zurückstehen soll.

Die Abwägung wird unterschiedlich ausfallen, wenn es um einen Tag oder eine ganze Woche geht; doch sie zwingt die Schule als eine selbst den Zukunftschancen der jungen Generation verpflichtete Institution, Position zu beziehen: Das Thema lässt sich allein durch Hinweis auf die Schulpflicht nicht erledigen. Nicht zuletzt, damit Schule auch künftig Sinn macht, muss sie ihre Maßnahmen darauf abstimmen, dass die Jugendlichen ‚laut‘ sein dürfen, um politischen Handlungswillen für ihre Zukunft zu erreichen; zugleich muss sie im Unterricht Engagement für die Auseinandersetzung fordern, wo Grenzen legitimen Protests liegen und Legalität durchgesetzt werden muss. Die Europawahl hat gezeigt, dass sich Menschen von der Dramatik der Klimaentwicklung überzeugen lassen. Auch die Kultusministerkonferenz sollte sich verständnisvoller aufstellen, um nicht eines Tages obsolet zu sein. – Dr. Reinald Eichholz

 

Einmal mehr zeigt sich, dass es die eigene Agenda ist, die manchem Minister wichtig ist. Kein Gedanke daran, die Anliegen zukünftiger und Bereits- Wahlbürger aufzunehmen. Da hilft fremdschämen nicht mehr, Parteifuntionäre sind nicht die richtige Besetzung. Und es ist nur zu hoffen, das die Jugend weitermacht mit Ihren Protesten, und es sich nicht gefallen läßt, hochnässig auf den Marsch durch die Institutionen geschickt zu werden! – Haral Kirchner

 

Der zweite CDU Politiker, der den jugendlichen Schülern unterstellt, sie glaubten, wenn sie auf die Strasse gehen, passiert gleich was. Herr Lorz, geht von dieser Annahme aus und sagt so gehe das nicht, no na. Zeitgleich spricht er von Sanktionen. In Österreich waren wir mit einem ähnlich „fortschrittlichen“ Bildungsminister gesegnet. Wer hat denn die Mülltrennung in die Haushalte gebracht? Die Schulkinder, die die Verantwortung erkannten, brachten sie. So geschah es zumindest in Österreich und ich denke so lief es auch in Deutschland. Es ist ein längerer Prozess, bis er die Basis erreicht.

Erst durch die die Diskussionen, die diese Bewegung auslöste, wird die reale Bedrohung in Gehirne kommen und sich dann im Verhalten ausdrücken. So lernen wir, was wir besser machen müssen für unsere Erde – eben für diese Kinder. Der CDU (auch der ÖVP)wünsche ich, den Mut zu haben notwendige Veränderungen im Sinne dieser Bewegung anzugehen. – Renate Smolik


 

Leserbriefe zu „Fladen des Lebens“ von Christiane Grefe

Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel über die Kuhfladen und ihre Bedeutung für die Biodiversität. Es wird besonders deutlich, dass in unserer Landschaft Naturschutz nicht ohne Beachtung der gewachsenen Kulturlandschaft betrachtet und bewertet werden darf. Unsere Artenvielfalt ist ganz wesentlich ein Ergebnis einer bäuerlichen Kulturlandschaft, die sich nach der spätmittelalterlichen Landwirtschaft seit dem 18. und besonders im 19. Jahrhundert augrund der verbesserten Agrarwirtschaft (A. Thaer, J. v. Liebig, G. Mendel u.a.) herausgebildet hat.

Leider ist Ihnen m.E. in der 4. Textspalte im 4. Absatz ein Fehler unterlaufen: Graslandschaften haben sich in den Prärien mit Schwarzerde gebildet, aber sicher nicht in den Tundren, vielmehr in den europäischen Steppen, besonders in Russland. Ganz wesentlich für die Bildung von Graslandschaften ist allerdings das Klima, nämlich ein wechselfeuchtes kontinentales Klima mit drei Jahreszeiten: Kalte, trockene Winter, warme und feuchte Wachstumsperiode im Sommer und eine warme und trockene Ruhephase im Herbst. So kann sich in der Wachstumsphase viel Biomasse bilden, die in den beiden anderen Phasen nur teilweise zersetzt aber nicht wieder vollständig abgebaut werden kann, sodass sich die mächtigen Humushorizonte der Schwarzerde bilden können. Dies ist in der Tundra nicht möglich! In diesem Steppenklima sind die Gräser den Bäumen überlegen, weil die Gräser die lange Trockenphase im Herbst und die Vegetationsruhe im kalten Winter überdauern können, was dagegen Bäume nicht schaffen. Gräser können oberirdisch total absterben und dann bei Wärme und Feuchtigkeit wieder voll austreiben, das können Bäume, Holzgewächse nicht.

Die Bedeutung des Klimas für Graslandschaften zeigt sich auch daran, dass sich Wiederkäuer nicht nur in Co-Evolution mit Graslandschaft entwickelt haben. Die Wildrinder Eurasiens, Ur und Wisent, sind Bewohner einer halboffenen Waldlandschaft, in der die Wiederkäuer selbt für Lichtungen im Wald mitgesorgt haben. Das Klima hat aber die Bäume geneüber den Gräsern bevorteilt, sodass Europa – trotz vorhandener Wildrinder – von Natur aus überwiegend ein Waldland war, weil es in einem außertropischen, atlantischen, also immmerfeuchten Klima liegt. Die gleichzeitige Nennung von Prärien und Tundren in diesem Zusammenhang ist m.E. also falsch. Den europäischen Steppen ensprechen die nordamerikanischen Prärien und auf der Südhalbkugel die südamrikansiche Pampa. Tundren gibt es sowohl in Assien wie auch in Nordamerika, immer nördlich der Steppen- bzw. Präriegebiete. – Dr. Artur Behr

 

Ich danke für den informativen Artikel! Vielleicht gehen Sie auch einmal der Frage nach, welchen Einfluss die Hygienevorschriften auf den Rückgang der Weidehaltung hatten. In den Anfangsjahren des „Grünen Planes“ (ab 1956) erhielt jeder Milcherzeuger bei Unterschreiten eines bestimmten Keimgehaltes in der Milch einen „Qualitätszuschlag“. Mein Vater erhielt diesen immer. Dabei stellte er die zwei 20l-Kannen mit der Abendmilch einfach in einen Graben (meistens ohne Wasser). Am Morgen brachte er sie zusammen mit der Morgenmilch zum 300m entfernt wohnenden Milchwagenfahrer. Es dauerte wohl 2-3 Stunden, bis die Milch in der Molkerei ankam und die Kühlung begann. Nur bei Gewitterluft nahmen meine Eltern die Abendmilch mit nach Haus und stellten sie in eine Wanne mit Brunnenwasser (Einmalbefüllung). Das Milchgeschirr wurde auf der Weide mit Wasser aus dem offenen Brunnen gewaschen, das schon optisch nicht klar war. Gelegentlich befand sich eine tote Maus darin. Gemolken wurde in einen offenen Eimer, in den Kluten vom Kuhfell fallen konnten. Bei Regen war es gar nicht zu verhindern, das Regenwasser an der Kuh herunter und dann auch in den Eimer lief. Aber die Milch wurde durch ein Filterpapier „geseiht“, war dann optisch einwandfrei, die Keimzahlen hielten sich in den vorgesehenen Grenzen. Aber heute würde eine solche Milch von den Molkereien nicht mehr angenommen. Um die heute zulässigen geringen Keimzahlen zu erreichen, muss die Milch von der Zitze an in einem geschlossenen System transportiert und schon wenige Minuten später gekühlt werden. Bei einem heute durchschnittlichen Kuhbestand ist Sommerweidehaltung (von Mai bis Oktober) nur möglich, wenn der Stall am Dorfrand, besser noch inmitten des Grünlandes steht. Aber auch dann sind Treibewege von 500-1000m schnell erreicht. In anderen Fällen wäre ein weiterer Melkstand erforderlich (mit Kosten mindestens im 6-stelligen Bereich) mit einem Zufahrtsweg mit einer Tragfähigkeit für Lkw (Milchsammelwagen).

Die Tier-LPG’s in der DDR hatten (bei geringeren Hygiene-Vorschriften) mehrere Melkplätze in den Weidegebieten. Nach der Wende wurde dies vom Natur- und Wasserschutz als Problem angesehen. Neben den Melkplätzen und auf den Treibewegen war der Bewuchs total zertreten, der Boden verdichtet… Vorteil der Sommerstallfütterung ist auch, dass die Fütterung gezielter, eine Futterumstellung sanfter erfolgen kann (der Bauer füttert eigentlich nicht die Kuh, sondern den Pansen mit Billionen Lebewesen). Voraussetzung ist ein Laufstall, Frischluft und ausreichend Lauffläche. – Adolf Ronnenberg

 

Sie haben einen herrlichen Artikel über das Biotop Kuhfladen geschrieben und wer da alles davon profitiert. Sie haben mich unwissend dabei vergessen. Als Kind heimatvertriebener Eltern habe ich die Kindheit und Jugend auf einem Einödbauernhof in Oberfranken verlebt. Wir waren bitterarm, da wir bei einem Bombenangriff auf den Bahnhof Chemnitz unser gesamtes Gepäck verloren haben und froh waren, dass wir mit dem nackten Leben dem Inferno entrinnen konnten. Nach der großen Heuernte und dem sog. Grummetschnitt, gab es im Herbst noch etwas neues Gras bevor der Winter mit Schnee und Kälte dem Graswachstum ein Ende setzte. Dieses Gras haben dann die Kühe der Bauern gefressen und immer wieder die von Ihnen beschriebenen Fladen „abgesetzt“. Wir Kinder vom Bauern und die der Heimatvertriebenen waren dann als Hüter eingesetzt. Elektrozäune gab es noch nicht. Da wir ja auch im manchmal nassen Gras unsere Arbeit zu tun hatten, waren wir barfuss unterwegs. Der Herbst war auch nicht die warme Jahreszeit. Da waren die frisch abgesetzten Kuhfladen oft eine sehr geschätzte Wärmequelle für unsere durchfrorenen nackten Füße.

Warum gibt es die Fladen heute nicht mehr. Das ist meiner Meinung nach eine Geschichte mit vielen Gründen bis letztendlich zu uns den Milchkäufern. In meiner Jugend gab es im Dorf den Milchladen, extra aus hygienischen Gründen, da dort die Milch offen(!) verkauft wurde. Später kamen die Supermärkte auf, mit von der Molkerei verpackter Milch. Die später z.B. von den Albrechtbrüdern eingerichteten Discounter ALDI, später weitere andere Läden, erkannten, Familien mit Kindern brauchen mehr Lebensmittel als Singles. Was brauchen solche Familien für die Kinder? Milch! Ergo wurde der Mlchpreis ein „Lockpreis“. Damit wurde der Erlös für einen Liter an den Discounter verkauften Liter Kuhmilch so niedrig, dass der Bauer mit 5 bis 6 Kühen ihn wirtschaftlich nicht gerieren konnte. Ergebnis: Großbauernhöfe mit vielen Kühen, die meist keine Weide mehr sehen.

Gibt es einen Weg zurück in die armselige Idylle als Hüterbub auf der Wiese oder zur Fladen absetzender Kuhhaltung? Jein, auf den Almen der Bauern im Gebirge der Alpen gibt es noch das Eldorado für die Insekten, aber nicht mehr im Flachland. Da hat heute in meinem ehemaligen Heimatdorf ein einziger Bauer alle Felder gepachtet, baut großflächig Mais an für seine etwa 3000 (!) Schweine als Mastfutter. Mit den idyllischen aber armen Bauernhöfen von damals will keine Landfamilie mehr leben. Wir sind aber auch nicht gewillt, mit einem höheren Mlchpreis dies zu finanzieren. – Georg Obieglo

 

Die interessante Darstellung der biologischen Kreisläufe und Zusammenhänge um einen Kuhfladen macht deutlich, wie stark die (konventionelle) Landwirtschaft aus der Spur geraten ist und die Natur aus dem Gleichgewicht bringt: mit immer weniger Weidehaltung der Kühe, gedüngten Intensivweiden, Hochleistungsrindern (“ Milchautomaten“) ,prophylaktischen Medikamentengaben für Nutztiere, hohen Methan-Emissionen, einer schlechten CO2 -Bilanz, schwindender Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt u.s.w. Kurz, die Landwirtschaft hat große Defizite bei der Nachhaltigkeit. Es ist deshalb höchste Zeit , dass die Agrarpolitik umsteuert in Richtung stärkerer Beachtung der Stoffkreisläufe und hin zu einer ökologischen Wirtschaftsweise der Betriebe. Doch danach sieht es leider nicht aus. Frau Klöckner favourisiert wir ihre Vorgänger das Weiter so. – Stefan Kaisers

 

Vielen Dank für Ihren tollen Bericht. Amüsant und aufschlussreich geschrieben, informiert er über die Korrelation zwischen Weidehaltung und dem Artenrückgang, Das war mir in dieser Dimension nicht bewusst und geht sicher nicht nur mir so. Mehr Öffentlichkeitsarbeit dazu, eine stärkere Förderung und Schutz der Weidehaltung wäre also Gebot der Stunde. Nun haben wir hier im Elbe –Weser-Dreieck aber auch die weltgrößte Wolfsdichte, die die Weidehaltung zunehmend erschwert bis unmöglich macht. Das betrifft vor allem die Schäferei. Viele kleinere und Hobbybetriebe haben deswegen schon aufgegeben, weitere folgen. Die von Ihnen beschriebenen Zusammenhänge gehören also auch auf den Tisch bei der ganzen Diskussion um den Wolf, der hier im für ihn zu engem Raum lebt und dessen Population jährlich bis zu 50% wächst. Man darf diese Diskussion doch nicht naturfernen Städtern und ebensolchen Politikern überlassen. Ich bin Agrar-Ingenieur und schreibe als freier Mitarbeiter für unsere Lokalzeitung, gern werde ich die Aussagen in Ihrem Artikels nutzen. Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. – Dr. Bernhard Jung

 

So wäre er, der natürliche Naturkreislauf; die Kuh scheißt in die Gegend, erleichtert sich damit und versorgt gleichzeitig das Kleingetier mit „bester“ Nahrung. Greift der Mensch in diesen natürlichen Naturkreislauf „menschlich erfolgreich“ ein, dann gibt es diesen natürlichen Naturkreislauf irgendwann nicht mehr. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „»Lang lebe die Weltrepublik!«“ von Andreas Bummel und Jo Leinen

Nach dem zweiten Weltkrieg und noch fast bis zu seinemTod 2013 hat Garry Davis vehement und weltweit Aufsehen erregend als „Erster Weltbürger“ für die Überwindung der Nationalstaatlichkeit agiert. Wie kann man seinen Versuch, den Clootsschen Forderungen (ob er sich nun darauf berufen hat oder nicht) zum Durchbruch zu verhelfen, unerwähnt lassen? – Klaus Bärwinkel

 

Es ist schön, dass man sich an Anacharsis Coots und die „Ursprünge“ der Idee einer Weltrepublik erinnert. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass Kants Idee zu einer allgemeiner Geschichte in weltbürgerlicher Aussicht neun Jahre vor Coots‘ Werk Die Repüblik des Menschengeschlechts erschienen ist. Darüber hat Gerhard Beestermöller besonders zum Theme Versailles in „Die Umsetzung der Völkerbundsphilosophie in politische Wirklichkeit durch Woodrow Wilson“ in Die Völkerbundsidee. Leistungsfähigkeit und Grenzen der Kriegsachtung durch Staatssolidarität (Stuttgart: Kohlhammer, 1995) geschrieben. – Douglas R McGaughey

 

Hochinteressant ihr Artikel… Wer hätte das gedacht, dass es bereits vor 200 Jahren Menschen gab, die global dachten. Nun heute tut dies nahezu jeder, aber ein funktionierendes Weltstaatensystem erscheint immer noch unerreichbar. Anacharsis Cloots schwebte eine universelle Republik vor. Heute erleben wir Despotismus, Oligarchie und Demagogie und müssen erkennen, dass selbst demokratische Staatsformen Mängel haben. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle das Buch „Die Weltordnung Baha’u’llahs“ von Shoghi Effendi empfehlen. In dieser Ordnung werden demokratische, aristokratische und autokratische Elemente in einen gesunden Einklang gebracht und zu einer völlig neuen, nie dagewesenen Form verschmolzen. Hier liegt tatsächlich ein zeitgemäßer Entwurf vor! – Marion Claus

 

In meinem Alltag mit Hausarbeit, Landpflege (5,5 ha), Katzenspaziergang und Nachdenken über Lyrik treffe ich auf diesen den Blick weitenden Beitrag: Die Idee einer weltumspannenden Politik ist 200 Jahre alt, die Guillotine konnte sie 1794 nicht ausrotten und wir müssen aufpassen, dass sie heute in ihrer Zerbrechlichkeit nicht zerrieben wird. Wie länge hätte ich gebraucht, um dieses umfängliche Thema zu recherchieren und auf einer Seite zusammenzufassen! Ich dachte: „Die Zeit“ lesen ist eben immer ein exquisites Essen im Kopf! – Gundela Nitschke

 

Cloots Idee einer Weltrepublik scheitert nicht erst an der Realität, sondern in seiner Idee stecken schon Fehler: Zum einen führt jede Idee, zu dessen Verwirklichung es erforderlich ist, dass alle an sie glauben, zum Imperialismus, was gegen die Vielfalt spricht. Historisch ist sich daher die Welt nicht einig, ob diese eine Welt nun sozialistisch, kapitalistisch, islamistisch und sonst wie gestaltet sein soll. Dass der Name Frankreich und die Völker abgeschafft sollten ist ebenso unsinnig wie unrealistisch, da zu allen Zeiten und Orten Menschen Gesellschaften bilden und auf ihre eigene Art und Weise konkludes Handeln entwickeln, welches sich von anderen Gruppen unterscheidet und daher auch benannt werden kann, ansonsten gäbe es wiederum keine Vielfalt. Selbst wenn man von dem heeren Ideal überzeugt ist, so sollten zur Erreichung dieses erst einmal weltweit die Rechtsräume angleichen und sich dann erst die Grenzen auflösen, nicht umgekehrt, da ansonsten der sich öffnende Staat ein Machtvakuum darstellen würde. Selbst wenn Schiller die Nation als Fessel empfindet, so entgegne ich, dass sie auch ein Schutz und eine gegenseitige Verpflichtung zum Wohle der Schwächeren sein kann! Der Umstand, dass für Menschen am falschen Ort die Menschenrechte nicht gelten, ist nicht der Zugehörigkeit zu einer Nation geschuldet, sondern an den dortigen Verhältnissen. Jeder Versuch, auch wohlwollend eine Weltrepublik zu schaffen, hat meist zu einer Katastrophe geführt. Solange es Eigentum gibt, sind die Profiteure einer globalisierten Welt lediglich die besitzenden Eliten, während das Proletariat nomadisiert und dadurch entrechtet wird.
PS: Eine Weltrepublik würde in den einzelnen Regionen das Gefühl von Befremdung verstärken. Was wir brauchen ist eine Internationale, keine Antinationale! – Stephan Jürgens


 

Leserbriefe zu „Klima: Kann man eine CO-Steuer sozial verträglich gestalten?“ von Petra Pinzler

Wo lebt denn ihre Autorin Petra Pinzler. Sie versaut die ganze Belegschaft meines früheren Betriebes. Keiner verdient 5000,-€ im Monat. Kann es sein, daß sie Deutschland mit Luxemburg verwechselt hat. Vielleicht auch mit Irland. Und zum eigentlichen Thema will ich mich lieber nicht äussern. Alles was ich darüber gelesen habe spottet jeder Beschreibung. – Gunter Knauer

 

Ein nationales CO2-Steuersystem ist doch soooo einfach: Nur CO2 anstelle aller Treibhausgase wird 2030 mit 180 €/t CO2 besteuert, die Bürger mögen bitte schnell auf elektrische Systeme umsteigen, auch wenn der Black-Out nach 2022 droht, und Heizölschmuggel oder Tanktourismus in andere EU-Staaten sind bei offenen Grenzen auch kein Problem. Sankt Greta lässt grüßen! – Prof. emer. Dr. Wolfgang Ströbele

 

Eine CO2 Steuer, wie jetzt diskutiert, macht nur Sinn, wenn sie europaweit eingeführt wird oder gar weltweit. Und dann bitte nicht so plump, nur auf Kraftstoffe, mit den bestehenden Ausnahmen, wie Diesel- und Kerosinrabatten. Und bloß nicht „zurückzahlen“ das Geld wird gebraucht! Um die tatsächlichen Verursacher zu besteuern schlage ich vor, zum Beispiel:
Steuer auf Kerosin. Und zwar mindestens 50%. Oder pauschal 200 Euro pro Nase pro Flug. Es geht nicht an, daß die Menscheit vor dem Klimawandel zittert, aber für 30 Euro quer durch Europa jettet. Frankreich macht es vor!
KFZ Steuer: Steigerung von 100% auf alle Fahrzeuge mit mehr als 300 kg pro zugelassenem Sitzplatz. Auch für LKW!! Wenn jeder zweite kaufkräftige Europäer meint, es müsse ein SUV sein, bitte. Aber dann soll er auch zahlen. Jährlich! Ebenso LKW, das gibt einen Anreiz, Waren auf die Schiene zu verlagern. Diesel ist eh die Krätze, hätte schon vor Jahrzehten von Flüssiggas abgelöst werden müssen.
Im Übrigen ist der Wasserstoffmotor das aktuell gegebene Antriebsmittel. Dieser kann sofort am Sockel des Windrades produziert werden! Elektromobilität ist nur der krampfhafte Versuch unserer Autobauer, ihre Pfründe zu schützen. Sie schlafen im Stehen!!!
Heizungen ebenso. Da muss Öl so besteuert werden, daß alle sofort auf das weit weniger schädliche Gas umsteigen MÜSSEN. Plastikproduktion ebenso! Macht den Quatsch TEURER!!!! Da fällt mir ständig Neues ein…
Und mal ehrlich, haben Sie schon mal was vom Verursacherprinzip gehört. Langsam wird es Zeit dafür. – Olaf Dietrich

 

Der Mensch ist eben ein großer und spaßiger „Spaßvogel“, darum zahlt er auch ganz freiwillig, ganz brav und sehr gerne jede „Bepreisung“, egal wie teuer sie ihm zu stehen kommt, koste es auch, was es kosten wird. – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zu „Zu viel verlangt?“ von Jörg Lau

Einer der bekanntesten Soziologen schrieb einst; „Häufig auftretende Neigung oder eine kulturelle Voreingenommenheit zugunsten des Krieges“ sind Anlass und Auslöser von Kriegen oder zumindest von Konflikten. Zu welcher Neigung zählen Sie? Ivh kann dieses schiesswütige Denken und Verhalten nicht mehr ertragen. Wer bedroht uns denn? UUkraine, laut v. Dohnanny in der Zeit, hat die Nato dort Vorbereitungen getroffen, Russland kam ihnen lediglich zuvor. Nahe und mittlerer Osten, wer bitte hat denn dort Völkerrechtswiedrige Kriege geführt. Eine der Folgen ist dass, was drittklassige Journalisten, einen Arabischen Frühling bezeichneten. Das andere ist der IS kpl. Hussein Armee samt Waffen wurden nach Hause geschickt was dann zum IS wurde. Nordafrika, als Folge des freudig begrüssten Arab. Frühling wurde Lybien durch die USA/Nato kapp gebombt, was bis heute Krieg in diesem Land bedeutet.

Wer bedroht uns denn nun wirklich? Bitte Nachdenken Herr Lau bevor Sie einen solchen Unsinn veröffentlichen dass die Deutsche Bundeswehr nach Syrien soll. Warum für was? Um die Scherben wegzukehren die die Amis hinterlassen? Die Bundeswehr hat keinen Auftrag und bekommt hoffentlich nie einen solchen, um irgendwo in der Welt Krieg zu spielen. Denn, auch da hilft Nachdenken und in der Hystorie kramen, noch NIE hat ein Krieg irgendwelche Probleme beseitigt. Koreal Vietnam Irak Lybien Syrien und, und… nehmen wir noch den Iran hinzu wird die Kroteske kpl. Seit den 1920er Jahren wurde dort keiner Präsident ohne die Grossmacht USA, doch plötzlich tauchte ein Pfaffe auf. Seither ist das Land der Feind Nr. 1 Folge, Abrüstung ist angesagt und dass in umfangreichen Grössenordnungen, wir benötigen keine US Truppen bei uns mit Atom Sprengköpfen. Wer bitte will oder soll und angreifen?ß Sollten Sie den Gedanken pflegen, dass könnte Russland sein, dann empfehle ich eine Reise in dieses Land und einen Blick in die Hystorie Ich stelle fest, dass nun auch bei der Zeit, Kriegstreiberei wichtiger wird als Bildung und Soziologische Entwicklungen. Wird Zeit dass ich mich davon verabschiede. – Hartmut F. Wolf

 

Man muss J. Lau sowohl zustimmen als auch widersprechen: Es ist anzunehmen, dass sowohl der Iran als auch die EU (Deutschland, Frankreich und Grossbritannien) auf den Ausgang der Wahlen in den USA spekulieren, nämlich, dass D. Trump nicht wiedergewählt wird. Seitens der EU ist das unbestreitbar eine Vogelstrauss-Politik. Der Iran wird voraussichtlich die mögliche Wahl eines Demokraten ausnutzen, um die Atombombe zu produzieren. Bis dahin, mit der EU-Unterstützung, wird er die Voraussetzungen dafür schaffen. – Marek Pelc

 

Der Journalist J. Lau, sollte sich daran erinnern, wie sich der IS-Terror entwickeln konnte. Die Geburtsstunde des Grauens und dessen Einfluss, fiel in die Zeit, als die USA mit ihrer „Regime Change Politik“ im Irak und Libyen, große Zerstörung und Chaos hinterlassen und einen Flüchtlingsstrom nach Europa freigesetzt haben. Der IS in Syrien, sollte durch den gewählten Präsidenten Assad und der Peschmerga bekämpft werden. Dafür müssten jedoch die Sanktionen aufgehoben und der Aufbau einer Infrastruktur gefördert werden. Der Artikel von Herrn Lau, entlarvt die Sichtweise eines Schreibtischtäters, mit dem Werkzeug des Brandbeschleunigers. – Klaus Peter Mielke

 

Jörg Lau fordert von der Bundesregierung eine differenzierte Haltung den USA gegenüber. In der Frage des Atomkonflikts mit dem Iran müsse Deutschland den USA entschiedener entgegentreten und zur Bekämpfung des >>Islamischen Staates<< empfiehlt er der Bundesregierung, dem Aufruf Donald Trumps zu folgen und Bodentruppen nach Nord-Syrien zu entsenden. Als Begründung für eine Ausweitung des Bundeswehreinsatzes führt er an, es ginge um deutsche Interessen und der Militäreinsatz gegen den IS sei unter den Interventionen in der Region die einzige Erfolgsgeschichte. Nichts an dem Anliegen der USA sei illegitim. Da sind doch Zweifel angebracht sowohl in der Frage, ob ein Einsatz von Bodentruppen nützlich im Sinne deutscher Interessen wäre, als auch in der Frage, ob es legitim ist, die Interessen mit militärischen Mitteln zu verfolgen.

Ich teile nicht die Einschätzung Jörg Laus, die Überbleibsel des IS seien vergleichbar mit einigen letzten Flämmchen, die man nur austreten müsse. Man mag das Kalifat militärisch besiegen können aber kann man die Ideologie des IS besiegen? Wie würde ein Engagement der Bundeswehr von den übrigen Bürgerkriegsparteien in Syrien wahrgenommen und wie von der Bevölkerung? Möglich wäre Dankbarkeit für die Befreiung vom IS, realistischer aber Empörung über die ausländische Einmischung, denkbar auch Hass. Wer garantiert, dass die Terrorgefahr für Deutschland nicht sogar steigt, indem Deutschland mehr als bisher als Arm westlichen geostrategischen Machtstrebens wahrgenommen wird? Schaffen wir nicht einen neuen Nährboden für neuen Terrorismus? Leichter als die Frage nach dem Nutzen ist die Frage der Legitimität zu beantworten. Es ist verboten, mit einer Armee in ein anderes Land einzumarschieren. Es gibt kein Mandat der Vereinten Nationen und die Bundeswehr wurde nicht von der syrischen Regierung um Hilfe gebeten. Das Völkerrecht kann Jörg Lau also nicht meinen, wenn er von Rechtfertigung für den Krieg der Koalition spricht. Wenn wir Deutschen uns darüber hinwegsetzen, können wir dann glaubwürdig Verletzungen des Völkerrechts durch andere verurteilen? Wird über einen Einsatz von Bodentruppen diskutiert, dann müssen auch diese Themen zur Sprache kommen. – Dr. Michael Häußler


 

Leserbriefe zu „Stadt oder Land“ von Katharina Heckendorf

Keiner der Wirtschaftsräte will ein „somewhere“ ein, einer stellt eine Gegenfrage statt einer Antwort. Interessant nur, dass Herr Luis Hanemann sich als „anywhere“ bezeichnet, aber in Berlin aufgewachsen ist, aktuell dort lebt und nicht weg will. – Christian Faulhammer

 

Ein Lob für dieses erhellende Streitgespräch zwischen den Wirtschaftsrat-Mitgliedern. Man sieht doch sehr deutlich, in welch verschiedenen Welten Stadt- und „Land“-Bevölkerung leben. Vor allem der Vertreter aus Berlin öffnet einem (von ihm sicher ungewollt) die Augen. Soviel Arroganz in fast jedem Satz, dass einem der Kamm schwillt. Man könnte meinen, dass Berlin die einzige Stadt in Deutschland ist, in der sich alle Einwohner täglich in Kultur baden. Als ob es hier keine sozial abgehängten Menschen gäbe, die andere Probleme als Kultur haben. Sein romantisches Bild vom Land rundet seine „kosmopolitische“ Sicht bestens ab. Aber das ist auch nur so eine Meinung eines „Landei“ aus einem 500.000 Einwohner-Kaff. – Michael Hauck

 

Dieser Diskussionsrunde mangelt es an typischen Land bzw. Stadtbewohnern – zugezogene allenthalben. Es fehlt das soziale und Intellektuelle Gefälle in beiden Regionen und es fehlt ganz besonders der echte Landbewohner. Eine Diskussion unter Gleichgesinnten trägt nicht zur bewusstseinserweiternden Aufklärung bei. Schade eine überflüssige Seite. – Eckhard Adler

 

Ich bin seit einigen Jahren Zeit- Abonnentin, wenn auch unter meinem bürgerlichen Namen, und schätze die Zeitung. Immer häufiger ärgere ich mich jedoch über die einseitige Auswahl von Gesprächspartnern, wie in der aktuellen Runde zum Thema Stadt und Land. Ich, 41 Jahre alt, Mutter zweier kleiner Söhne , Schauspielerin und in der DDR aufgewachsen bis zum elften Lebensjahr, habe bis 2006 in Berlin gelebt, dann in Bremen – und seit 2014 in Mecklenburg auf einem einsamen Hof. Ich kenne also beide Seiten sehr genau und finde es journalistisch absolut unzureichend, keine ostdeutschen Städter und Landbewohner in die Fragerunde zu integrieren, denn deren Antworten wären ganz andere:
“ auf dem Land ist es einfacher, zu Wohlstand zu kommen. Hier hat eigentlich jeder ein großes Haus, meist mehrere Autos, Motorräder, Pferde.” Sagt Anuschka von der schwäbischen Alb, deren Mann Beamter ist und die selber nicht Arbeitet. Und Tele Arbeit von Zuhause? Die Menschen, die ich seit 5 Jahren auf dem Land kennengelernt habe, sind keine, die Berufe ausüben, die man mit Telearbeit verrichten könnte und es arbeiten auch zumeist beide, um ihr Leben finanzieren zu können, trotz Kindern und Hof etc. Von Wohlstand, wie er dort aufgezählt wird, sind viele weit entfernt.

Es ist sehr schade, dass Sie eine Bevölkerungsgruppe und ganze Landstriche ausschließen – wie übrigens auch bei der Grafik zu den Sommer Festivals. Wo waren die Festspiele Mecklenburg- Vorpommern, die Schlossfestspiele Schwerin oder Rudolstadt mit dem Folk und Tanzfest? Sollten Sie für kommende Artikel oder Gespräche Interesse an Ausgewogenheit haben, stelle ich gern meine Hilfe bei der Wahl von Gesprächspartnern zur Verfügung. – Annett Renneberg


 

Leserbriefe zu „Wir sind alle Rassisten“ von Evelyn Finger

Die Zeitgeist-Glosse von Evelyn Finger zum grassierenden Rassismus-Hype war für mich dieses Mal das Highlight in der ZEIT, das einiges an sonstigen ziemlich zeitgeistigen Beiträgen kompensierte und ein exzellentes Beispiel für erfreuliche Meinungsvielfalt darstellt. Die seit geraumer Zeit um sich greifende inflationäre (dabei soziologisch meist unsinnige) Anwendung des Rassismus-Begriffs ist politisch problematisch. Denn dadurch werden real existierendce rassistische Zustände verharmlost, von der Diskriminierung weiblicher afrikanischer Hausangestellter im gesamten Nahen Osten bis zu veritablen Sklavenhändlern unter den (arabischen) Djanjaweed-Milizen im Sudan, die wie vor 150 Jahren Jagd auf Schwarze machen. Die hiesigen moralisierenden Apologeten der Critical Whiteness (einem Konzept, das auf einem zutiefst rassistischen Weltbild begründet ist) sollten sich da mal an der der erfreulich lockeren Realität in Schwarz-Afrika ein Beispiel nehmen: da sind von jeher spezielle Begriffe für Weiße üblich, vom Muzungu in Ostafrika über den Mulele im Kongo bis zum Yovo und Toubab in Westafrika. Und kein Mensch würde da auf die Idee kommen, diese Bezeichnungen für offensichtliche phänotypische Unterschiede als Rassismus zu bezeichnen. – Prof. Bernd Leber

 

Also ehrlich, wie sich Evelyn Finger hier selbst ins Abseits redet ist kaum zu ertragen. Wie kann man in so kurzer Zeit so viel Mumpitz schwurbeln? Dass sie postuliert und sich selbst in ihrer Erkenntnis mit einbezieht dass die ach-so-aufgeklärte deutsche Gesellschaft frei von Rassismus sei und sie sich anmaßt den „Critical-Whiteness“ Test mit anekdotischem Halbwissen durch den Kakoa zu ziehen ist wirklich jämmerlich. Als Soziologie-Student ist mir schmerzlich bewusst wie sehr dieser oft un- und unterbewusste Alltags-Rassismus, den das Critical-Whiteness-Training bekämpfen soll, in wirklich 99% der Menschen, unter ihnen auch ganz besonders ZEIT Ressortleiter, existiert und wie wichtig es ist diesen ernst zu nehmen und zu reflektieren. Frau Finger sollte weniger an ihre blinden Argumente Glauben und mehr an ihrer Selbstreflexion Zweifeln. – Julian Thiel

 

Der Artikel von Evelyn Finger zum Thema Rassismus ist eine Unverschämtheit und ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich länger als zwei Minuten mit den Themen White Saviorism, White Privilege, Alltagsrassismus und den Auswirkungen des Kolonialismus beschäftigt haben. Critical Whiteness Training ist mitnichten eine überzogene Reaktion auf den Trend der Political Correctness, sondern eine Aufforderung an Menschen mit heller Hautfarbe sich mit ihren eigenen Privilegien und ihrer schon viele, viele Jahrhunderte lang bestehenden Vorherrschaft gegenüber Persons of Color auseinanderzusetzen, die sich in Sklaverei, Kolonialismus und bis heute andauernder Ausbeutung und Diskriminierung niederschlägt. Dabei wird der „weiße Mann der Mitte“ (sowie auch die weiße Frau) mitnichten mit fackelschwingenden Nazis gleichgesetzt, sondern einfach nur aufgefordert, sich mit diesen Phänomenen zu beschäftigen, seiner eigenen Rolle in der selbstverständlich auch heute noch rassistischen Gesellschaft klarzuwerden und dadurch möglichst dem für Persons of Color alltäglichen Rassismus und eventuellen eigenen Vorurteilen entgegenzuwirken. In diesem Vorhaben kann ich nichts erkennen, was den Sarkasmus Evelyn Fingers rechtfertigen würde. Aufgrund ihrer Äußerungen schließe ich, dass sie an einem solchen Kurs teilgenommen hat. Dass sie anscheinend Kritik geübt hat und die darauf folgende Reaktion mit der Meinungsunterdrückung in diktatorischen Regimes vergleicht, wage ich mir damit zu erklären, dass es ihr unmöglich ist, sich als weiße Frau mit ihrem Privileg auseinandersetzen, weil sie sich dabei zu sehr in ihrem selbstzufriedenen Weltbild gestört fühlt. Ja, die Beschäftigung mit den eigenen Privilegien, die man zeitlebens als gegeben hingenommen hat, kann unangenehm sein und zuweilen auch schmerzhafte Ablehnung hervorrufen. Ich – als ebenfalls weiße Frau – kann das gut verstehen. Wenn man diese Reaktion bei sich bemerkt, sollte man aber lieber noch tiefer bohren, als einfach verächtlich abzuwinken und einen oberflächlichen und schlecht recherchierten Artikel in der Zeit zu veröffentlichen. Ich würde Ihnen, Frau Finger, zu der Lektüre der Bücher „Deutschland schwarz-weiß“ und „Why I’m No Longer Talking To White People About Race“ empfehlen. Danach könnte Ihnen einiges klarer werden. Ich würde mich sehr über eine Stellungnahme in der Zeit zu diesem Thema freuen, die eine andere Seite der Problematik beleuchtet, nämlich die der Community engagierter und starker Persons of Color in Deutschland, darunter sehr viele Frauen, die es in den letzten Jahren endlich geschafft haben, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. – Antonia Heesen


 

Leserbriefe zu „Handys gehören in die Schule“ von Klaus Hurrelmann

Ob Hurrelmann mit seiner Forderung recht hat, wird diskutiert werden. Nicht recht hat er, wenn er so nebenbei ganz apodiktisch feststellt, „daß sie (die Schüler) diese Geräte … besser beherrschen als ihre Eltern und ihre Lehrer“. Wo steht Hurrelmann da? Bei den Opas? Da müsste in der Logik Hurrelmanns Demenz herrschen. Tatsächlich sind Eltern oder Lehrer nicht mehrheitlich blöde. Voraus sind sie den die Kindern sicher ganz oft mit ihrer Urteilskraft. Auch wenn die nur so mit den Jahren zunimmt, sie ist da. Sollte sie nicht eine große Rolle spielen bei der Nutzung des Handys, das geeignet ist, jederzeit an jedem Ort jeden beliebigen Mist und auch einige Perlen auf den Bildschirm zu zaubern? Hurrelmann lässt sich übertölpeln von der Fingerfertigkeit der User,,die nicht mehr wissen, dass es auf Papier gedruckte Zeitungen gibt, sogar Bücher und Bibliotheken. – Werner Dreesen

 

Nein, Handys sind nicht not-wendig in der Schule. Seit Hatties großer Untersuchung zum Lernen (und Erziehen) in der Schule weiß man, dass es auf die Lehrerin und den Lehrer ankommt. Genausowenig wie man den Umgang mit dem Auto notwendigerweise in der Schule lernen muss, braucht es den Umgang mit dem Smartphone. Das Smartphone ist ein Gerät, das man zum Kontakten, Chatten, Informieren, Spielen, Musik hören, Video schauen benutzt; verstehen, wie es funktioniert , muss man nicht, genausowenig wie bei den vielen nützlichen und unnützen Geräten des Alltags. Dennoch sind einzelne Einsätze im Unterricht denkbar. Viel wichtiger ist es zu lernen, sich kritisch und skeptisch mit den „Wahrheiten“ und der Informationsflut der Medien insgesamt auseinander zu setzen (TV, Printmedien,Internet). Diese „Informationen“ zu bewerten , einzuordnen und für sich zu nutzen, findet im Gespräch mit anderen statt, braucht aktives Mitdenken, Diskutieren ud findet im Kopf des Schülers statt und nicht auf dem Display. Während man sich früher als Schüler auf de Informationen der Schulbücher verlassen konnte (da von Verlag und Schulbehörde geprüft), ist man mit der Fülle und der Zuverlässigkeit im internet überfordert. Wie soll ein Schüler/in aus den 25 Millionen Beiträgen , die zum Stichwort „Löwe“ im internet erscheinen während einer Biologiestunde die für ihn relevanten und gültigen Seiten herausfiltern, und das innerhalb einer kurzen Unterrichtsstunde? Und herausgefiltert hat er den Text noch nicht gelesen, verstanden und mit Altwissen verknüpft . Lernen geschieht, wenn ich etwas be-greifen, umkreisen, sprachlich und gedanklich beschreiben kann, nicht wenn ich Texte und Bilder vorbeirauschen oder herunterladen kann. Ein digitales Gerät ist nur ein Gerät, es zeigt keine Empathie, es lobt nicht, zollt keine Anerkennung. Und nimmt die Qualität der Sprache etwa durch eifriges Chatten mit dem Smartphone zu ? Eher nicht. – Alois Lienhard

 

Schule hat die Aufgabe, die Heranwachsenden auf das Leben vorzubereiten, sie zu befähigen, die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu meistern. Es versteht sich daher von selbst, dass Schule im Zeitalter der Digitalisierung die hiermit zusammenhängenden Kompetenzen vermitteln muss. Wenn Smartphone und Co auch zum Alltag der Schüler gehören, so bedeutet das im Allgemeinen nicht, dass sie den richtigen Umgang mit digitalen Geräten beherrschen und wissen, wie man angemessen damit lernt. Medienkunde in der Schule wäre daher sehr zu begrüßen. Insbesondere sollte die Vermittlung digitaler Kompetenzen „integrativer Teil aller Fächer sein,“ wie es in dem Artikel heißt. Um zu verhindern, dass Schüler tagtäglich zu viel Zeit mit dem Handy verbringen, durch zu langes Starren auf den Monitor, vielleicht sogar gesundheitliche Schäden davontragen wie z.B. kurzsichtig werden, ist es wichtig, einige Regeln vorzugeben und auf deren Einhaltung zu achten. – Gabriele Gottbrath


 

Leserbriefe zu „Ferienzeit: Stimmt es, dass jeder Siebte zu arm für eine Urlaubsreise ist?“ von Kolja Rudzio

Ich bin überzeugt, dass das in etwa stimmt. Ich hatte ein Berufsleben lang engen Kontakt mit Kollegen vom Sozialamt, da erfährt man Konkretes. Es geht um keine kleine Gruppe von Menschen, die man regelmässig nur beim Dicounter sehen kann, nicht jedoch im Restaurant, in der Eisdiele oder auf dem Volksfest, auch das geht nicht…. – Karl Scherer

 

Ob das stimmt weiß ich nicht. Was ich aber sehr genau weiß; die Bürger in Deutschland sind mit die ärmsten „Schweine“ in Europa. Ihr Autor braucht gar nicht weiter zu recherchieren. Meine Untersuchungen sind verbindlich. Ich kenne zwar die Reihenfolge nicht. Ich weiß nur das Luxemburg und Irland ganz vorn stehen. Finnland, Norwegen, Schweden, England verdienen die Bürger auch mehr. Was sagt uns das? Die Bürger in Deutschland werden gnadenlos ausgenutzt. Der Staat, das gierige Monster, bescheißt ständig seine Bürger. Durch die hohe Einwanderung – circa 76% davon leben vom Steuergeld der Einheimischen, sind die Ausgaben um ein vielfaches gestiegen. Und das schlimme an der ganzen Sache ist die Tatsache, die Deutschen haben keine Eier mehr in der Hose. Für die Frauen erspare ich mir die Bemerkung unter dem Gürtel hinzulangen. Wenn ich in dieser Lage wäre, hätte ich schon längst die Verantwortlichen eingesperrt. Komme was da wolle. – Gunter Knauer


 

Leserbriefe zu „Die Legende vom gebrochenen Versprechen“ von Horst Teltschik

Mit grossem Interesse habe ich gelesen, wie HerrTeltschik den Ausführungen von Herrn von Dohnanyi widersprochen hat. Eine genaue Lektüre des Buches von Frau Sarotte gibt beiden Recht oder unrecht. Auf Seite 110 ihres Buches 1989 zitiert sie den schriftlichen Vermerk Bakers nach seinem Gespräch am 09.02. 1992 in Moskau mit den sowjetischen Führern, in dem Baker seine folgende Aussage festhält: „End result :Unf. Ger. anchored in a *changed (polot.) NATO-*whose juris would not not move * eastward. Sie führt dann aus, dass das zu einem großen Missverständnis geführt habe. Aufgrund seiner Vorbildung und Ausbildung sei Gorbatschow davon ausgegangen, dass eine mündliche Zusage eines amerikanischen Regierungsmitgleids für die USA verbindlich sei (Seite 108/109). Dagegen konnte Baker auf Druck des NSC diese Zusage nicht einhalten, weil für ihn als amerikanischen Juristen (lawyer)letztendlich nur eine schriftliche Zusicherung verbindlich gewesen wäre. Von einer Überinterpretation von Frau Frau Sarotte kann entgegen den Ausführungen von Herrn Teltschik keine Rde sein. – Ulf Hanel

 

Herr Teltschik möchte mit seinen Ausführungen belegen, dass der Westen im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung gegenüber der Sowjetunion keineswegs den Verzicht auf die Ost-Ausdehnung der NATO zugestanden hat. Nun mag es zwar tatsächlich keine solche explizite mündliche oder gar schriftliche Zusicherung gegeben haben – doch bei den Gesprächen am 8./9. Februar 1990 in Moskau hat Gorbatschow gegenüber dem amerikanischen Außenminister ja offenbar klar geäußert, dass „jede Erweiterung des NATO-Gebiets nicht akzeptabel wäre“. Und wenn – wie vom Autor außerdem im Detail dargelegt – diese Haltung Gorbatschows durch Jim Bakers Brief auch Helmut Kohl am 10. Februar in Moskau bekannt war, dann kann man die spätere Ost-Ausdehnung der NATO durchaus als westlichen Vertrauensbruch betrachten. – Armin Göckeritz


 

Leserbriefe zu „Wo geht’s hier nach rechts?“ von Mariam Lau

Egal was die Medien beklagen und vieles besser wissen, zeigt mir, in Deutschland wird es immer schwieriger hier vernünftig leben zu können. Es geht kein Weg daran vorbei und das sagen alle anderen Länder in Europa, die grenzlose Millionenfache Einwanderung ist der Jahrhundert Gau in unserem Land, der undemokratisch bestimmt worden ist. Damit wird unser Land nicht fertig. Wie auch, wenn das viele Menschen für gut heißen. Und das liegt wiederum an der Dummheit vieler Menschen, besonders der jüngeren Generation. Ich habe das früh erkannt und lebe jetzt in einem Paradis. – Gunter Knauer

 

Das Gezerre um den zukünftigen Kurs der AfD berührt ein grundsätzliches Phänomen: Radikale Populisten können mit ihrer formelhaften Sprache und ihren einseitigen Gesellschaftsmodellen bei Wählern, die der Einfachheit halber auf Hau-ruck-Methoden zur Lösung von Konflikten setzen, leicht punkten. Und genau da ist das Problem. Punktuelle Konzepte kommen durch ihre Fokussierungen zwar kraftstrotzend daher, blenden aber gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge, Ursachen und Ethiken vollständig aus. Aber es kann nicht erfolgreich sein, Wirklichkeit auf eine überschaubare und damit kontrollierbare Anzahl von Punkten zu reduzieren. Und wenn Herr Höcke sich als „bescheiden“ darstellt, dann rechnet er natürlich mit Reaktionen, nämlich dass seine Anhänger ihn zum heroischen Idol hochjubeln. – Christoph Müller-Luckwald


 

Leserbriefe zu „Freistil“ von Karin Ceballos Betancur

Am 25.8.1966 hatte ich nicht nur eine Bahn, sondern das ganze Freibad (in Bückeburg) bei meiner Freischwimmerprüfung für mich, nur der Bademeister war ab und zu in der Nähe zu sehen. Dies war nicht nur mein 20.Geburtstag, sondern auch einer der letzten Ferientage (und vermutlich auch der Öffnungszeit). Ich schwamm immer am Beckenrand lang und erhielt schließlich das erhoffte Papier. Zu Beginn der 13.Klasse (April 66) hatte mir der Sportlehrer gesagt, wenn ich beim Abitur eine „4“ haben wolle, so müsste ich die Grätsche über den Kasten lang und den Freischwimmer schaffen. Also übte ich (und ein weiterer Mitschüler) in jeder Sportstunde in der Halle den Sprung. Für den ersten systematischen Schwimmunterricht überhaupt nahm ich ab Juni morgens um 6Uhr am Unterricht in Bückeburg teil. Mit dem Moped brauchte ich von meinem Dorf aus für die 20km etwa eine halbe Stunde. Nach der 3/4 Stunde war ich ausgekühlt (1966 war ein kühler Sommer), schlotterte, hatte rote Flecken und erheblichen Harndrang. Sowie ich wieder trocken war, ging’s mit dem Moped nochmals ca. 15km nach Petershagen zum Gymnasium. Um ca. 7.35Uhr war ich rechtzeitig bei der Fähre, um pünktlich beim Unterricht zu sein – 3Stunden nach dem Aufstehen. Anfang November 66 (Kurzschuljahr) erhielt ich das Reifezeugnis.

Anfang 1967 bei der Bundeswehr war ich das nächste Mal im Wasser. Wir hatten zu zeigen, dass wir uns eine Viertel Stunde über Wasser halten konnten. Ich konnte es – als Einziger der Gruppe – nicht. Ich hatte die mühsam antrainierte Technik verlernt. Bei Übungen auf dem Wasser hatte ich daher an Land zu bleiben. Im Urlaub mit den Kindern war ich dann gelegentlich wieder im Wasser, schaffte in einem Jahr sogar 15Minuten ohne Pause. Ein Freund des Schwimmens bin ich nicht geworden. Wenn Sie das Freibad einmal (fast) allein haben wollen, dann versuchen Sie es mal an einem Spätsommertag mit 14Grad Wassertemperatur. – Adolf Ronnenberg

 

Bei ihrem Artikel „Freistil“ habe ich gedacht: Ja, genauso ist es. Ich schwimme auch für mein Leben gerne – Woche für Woche, Bahn für Bahn. Am liebsten im Freibad auf der 50-Meter-Bahn. Und am liebsten, wenn es kühl oder leicht bedeckt ist, so dass sich die Massen nicht ins Wasser trauen und man die Chance auf „seine“ eigene Bahn hat. Ich hätte das aber nie so gut beschreiben können, wie Sie das getan haben. Vielen Dank für so einen schönen Artikel. – Sabine Hildebrandt


 

Leserbriefe zu „»Ein Schwundprozess«“ von Mariam Lau und Robert Pausch

Die Graphik zu den Bundestagswahlergebnissen der CDU seit 1949 ist unverstaendlich. Die Balkenlaengen passen nicht zu den Zahlen – die Balken fuer 1976 und 1984 sind nahezu gleich lang, tragen aber die Werte 48,6 und 44,5. Umgekehr sind die Balken fuer 1998 und 2013 unterschiedlich lang, tragen aber den gleichen Wert 41,5. Koennten Sie bitte erklaeren, wie die Graphik zu verstehen ist? – Sabine Moehler

 

Wieder einmal wurde viel über den Überbau geredet, ohne den materiellen Kern des Konservatismus auch nur zu erwähnen: Die materielle Macht ( im kapitalismus ist das bekanntlich das Kapital) soll da bleiben und sich vermehren wo sie schon ist.Hier ist die Union auch Dank der Verbrüderung mit dem Neoliberalismus äusserst erfolgreich und zwar international (siehe „Globalisierung). Deshalb bleibt das Nationale außen vor (gut für die AfD). Da die Werbewirksamkeit des Überbaus abnimmt bleibt die Interessenvertretung für die Mächtigen – nur – davon gibt es nicht soviele. – Dieter Herrmann


 

Leserbriefe zu „Von klein auf in der Schuld“ von Johanna Schoener

Nach der sozialen Entwicklung in Deutschland in den letzten 30 Jahren liegt doch auf der Hand, wie dieses Problem gerecht gelöst werden kann: Beseitigt das Ehegattensplitting vollständig und ersatzlos und steckt die eingesparten Mittel in ein Kindergeld, dass den Bedarf des Kindes (fast) vollständig deckt: Es besteht keinerlei Grund Verheiratete gegenüber Singles oder Unverheirateten Paaren steuerlich zu begünstigen. Durch die Heirat werden ja keine Mehrkosten sondern durch die Synergieeffekte (nur noch eine Wohnung, geringere Reisekosten, geringere Beförderungskosten, geringere Ausgaben für Kleidung usw.) erhebliche Kostenminderungen erzeugt. Ein großer Teil der Paare heiraten doch nur, damit sie in die günstigere Steuerklassen kommen. Nur die Kirchen – zuforderst die katholische – verhindern aus überholtem Verständnis, dass der Staat dieses Lockmittel aufgibt.

Wenn dagegen der Staat für jedes Kind einen Betrag zahlte, der in etwa dem gesamten Bedarf entspricht, würden die bestehenden geschilderten Probleme mit einem Schlag beseitigt. Nebenher würden sicher wieder erheblich mehr Kinder geboren und die bei manchen Bürgern bestehende Befürchtung beseitigt, dass die Bevölkerung sich drastisch verringert, (wenn man die Zuwanderung nicht rechnet). Auch das Problem, dass die zukünftigen Alten, wegen der zahlenmäßig abnehmenden arbeitenden Generationen kein ausreichendes Auskommen mehr hätten, wäre gelöst oder zumindest gemindert. Die staatliche Ehe ist überflüssig, zumal ein wesentlicher Teil der Paare ohnhin nicht amtlich heiratet, und mit kirchlich kann man ja gern groß “ in Weiß“ weiterhin heiraten – aber bitte ohne Steuernachlass! – Joachim Kramer


 

Leserbriefe zu „Nur Ja heißt Ja“ von Merlind Theile im ZEIT Magazin

Voller Entsetzen las ich im Zeitmagazin den Artikel „nur ja heißt ja“. Was ist da in Schweden passiert, dass ein Mann zu einer Haftstrafe wegen sexuellem Übergriff verurteilt wird,obwohl es eigentlich nicht völlig klar ist, ob es nicht doch ein Einverständnis war. Als ich jung war– und das ist schon eine Weile her — galten die Schwedinnen als sehr freizügig, ja sogar als sexaggressiv. Junge Männer fuhren extra nach Schweden, um sexwillige junge Frauen aufzutreiben. Wir in Deutschland waren da noch etwas zurückhaltender, aber wir wußten doch, wie man junge Männer (und auch ältere) anmachte: ein tiefer Ausschnitt, ein Minirock bedeutete :ja, und wenn man allein mit einem Mann in ein Zimmer ging, in dem ein Bett oder Sofa war, bedeutete das: ja, ja! Wissen das die Schwedinnen heute nicht mehr? Glauben sie, der Mann liest ihnen in der Einsamkeit des Zimmers aus der Bibel vor?

Und wie ist das, wenn Frauen übergriffig werden? Das gibt es nämlich auch. Gilt das Gesetz dann auch für die, oder gilt das nur für Männer? Die Männer werden als die bösen triebbesessenen hingestellt. Haben die Schwedinnen denn gar kein Sexualbedürfnis mehr? In meiner jugend war das Sexualbedürfnis zwischen Mann und Frau eigentlich recht ausgeglichen. Die Probleme der heutigen Generation hatten wir nicht. Wir waren offener, aber wir gehörten ja der Hippiegeneration an. Der Sexualtrieb ist der stärkste Trieb überhaupt, dient er doch der Arterhaltung. Und er ist sehr wiederstandfähig. Selbst in den armen Ländern setzen die ausgehungerten Menschen noch immer viele Kinder in die Welt.

Und der Sex an sich ist eigentlich auch gewalttätig. Handelt es sich bei der Ausübung von „normalem“ Sex immer um eine Penetration. Sogar in der Natur geschieht es fast immer auf die gleiche Weise. Sogar die Hummel penetriert die Blüte. Doch nur auf diese Weise ist der Sex zur Arterhaltung erfolgreich. Beim Menschen kamen irgendwann die Gefühle dazu. Sex ist nur gut, wenn beide es wollen. Sonst ist es Vergewaltigung. Und das ist richtig so! Doch es gibt vielfältige Arten der Zustimmung. Und auch Passivität bedeutet nicht immer Ablehnung, es kann auch eine Art des sich Fallenlassen sein. Und leidenschaftlicher Sex ist nicht immer sanft, ganz abgesehen von den Spielarten, die der Mensch entwickelt hat.

Warum machen es die Frauen heute den Männern so schwer? Statt sofort zum Richter zu gehen, sollten sie reden. Ich glaube heutzutage hat sich bei vielen Frauen eine Überempfindlichkeit und Prüderie entwickelt, die die Männer verunsichert. Sie haben Angst vor Frauen, und suchen sich Auswege, wie dem Internetsex. Oder ihre Angst entlädt sich in Aggression. Sollten wir nicht wieder offener werden und weniger verkrampft sein. Früher haben wir Frauen uns gegen Übergriffe selbst verteidigt, entweder durch klare Worte, oder durch einen Klaps auf übergriffige Hände oder durch einen Tritt in die …………! Dann wußten die „Kerle“ Bescheid. Offenheit und Unverkrampftheit würde die Situation sicherlich entspannen! – Ingrid Grenzmann

 

Das verschärfte Sexualstrafrecht in Schweden genausogut wie in Deutschland ist zwar gut gemeint und moralisch berechtigt, aber in der Praxis kaum anzuwenden. Es liegt in der Natur des Tatherganges, daß es normalerweise keine stichhaltigen Beweise oder verläßliche Zeugen gibt. Also steht in der Regel Aussage gegen Aussage. In diesen Fällen dürfte ein Gericht kein Urteil fällen dürfen. So aber kehren wir zu mittelalterlichen Zuständen zurück: jede (Frau) kann fast jeden (Mann) verleumden und ruinieren (damals waren die Männer auf der „guten“ Seite), denn „Im Zweifel für den Angeklagten“ zählt offensichtlich nicht mehr. Damit wird es auch zum Instrument der Rache für enttäuschte Geliebte. – Wolfgang Heckl


 

Leserbriefe zu „»Ein Herumirren in Europa«“ von Evelyn Finger

Frau Graefe ist für mich eine Heldin. Ich weiß, dass Anwältinnen und Anwälte, die sich aufs Asylrecht spezialisiert haben und Geflüchtete auch auf Beratungshilfeschein beraten, damit kein Geld verdienen können. Dass sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen es dennoch tun, verdient größten Respekt. Was Frau Graefe beschreibt, entspricht genau meiner Erfahrung bei der ehrenamtlichen Unterstützung von Geflüchteten (aus Eritrea). Gottseidank habe ich in der Nachbarstadt eine Anwältin gefunden, die sich ebenfalls mit großem persönlichen Engagement und großer Sachkenntnis für Geflüchtete einsetzt. Meine Kommune Hückeswagen z. B. verweigert selbst schwersttraumatisierten Flüchtlingen die Finanzierung einer Einzelunterbringung und riskiert lieber einen Suizid als das Geld, das sie vom Land bekommt, auch für Flüchtlinge einzusetzen; an Geflüchteten mit Duldungsstatus oder deren Asylverfahren noch nicht entschieden wurde, verdienen Kommunen auf diese Weise noch Geld!

Da mag der Bürgermeister meiner Kommun und LeserBeirat sich in derselben Ausgabe der „Zeit“ als „anywhere“ bezeichnen. Wer die Arbeit der Ehrenamtler auf diese Weise konterkariert, offenbart doch nur seine provinzielle Sachbearbeiter-Mentalität. – Marcel Haldenwang

 

Zum Dilemma der damaligen Situation gehörte auch, dass das Ereignis sprachlich mit der völlig unpassenden deutschen Vokabel „Willkommen“ medial hochgejubelt wurde. Und eine diesbezügliche (lange) „Kultur“ bezogen auf endlose, nicht definierte Treks gab es schon gar nicht, erst recht keine europäische. Viele bis alle wollten helfen, aber mit willkommen begrüßt man üblicherweise nur jemanden, den man eingeladen, ersehnt oder erwartet hat, worauf man dann auch vorbereitet ist. Das traf hier aber nicht zu. Das Wort generierte nicht zuletzt bei den betroffenen Flüchtlingen einen irreführenden Eindruck. Schlaraffenland sieht anders aus. – Ernst Hankammer


 

Leserbriefe zu „Das goldene Steak“ von Lea Frehse

Vorausgeschickt – ich lese seit über 50 Jahren DIE ZEIT. Vieles war super, manches weniger. Doch der Artikel über das goldene Steak, das ist einfach nur dekadent. Das ist ein Thema für die Klatschpresse! Und was das alles mit dem Ressort POLITIK zu tun haben soll, steht in den Sternen. Das ist weit unter dem Niveau der Zeit. Schade, dass Sie dafür Platz zurVerfügung stellen. – Ilse Seibel

 

Der Mensch läßt immer wieder einmal zu gerne, den „Großkotz“ raushängen, sobald er über genügend „Kleingeld“ verfügt. Er bestellt sich dann ganz locker, in seinem „Lieblings-Nobel-Restaurant“, ein „Steak im geschmacklosen Blattgoldmantel“, für schlappe 600 €, die heißbegehrte „Ribery-Golden-Eyes-First-Class-Edition“! Wenn das „multikulturell“ sein soll, dann greif ich lieber zur regionalen „Bauern-Kultur“! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbriefe zum Wochenmarkt „Kirschen als Gemüse“ von Elisabeth Raether

Schweinekotelett mit Kirschen habe ich heute gleich nachgekocht, allerdings mit Rum, da wir keinen Wermut mehr im Haus haben. Wir fanden es wunderbar und meinen durchaus dass Kirschen nicht nur in den Kuchen gehören. Außerdem war dieses Rezept so herrlich einfach. Empfehlung: Bitte weiter so – Obst wie Gemüse. – Ingeborg Stadler

 

Sofort habe ich das Rezept Schweinekotelett mit Kirschen statt mit grünen Bohnen ausprobiert. Sehr schmackhaft und sehr gelungen, nie wieder grüne Bohnen sage ich nicht, aber alles zu seiner Zeit, jetzt ist Kotelett mit Kirschen angesagt, vorher ein kleiner Aperitiv Wermut on the rocks fertig ist das sommerliche Essen, vielleicht probiere ich es nocheinmal mit Sauerkirschen, mal sehen. Eine Verehrerin Ihrer Rezepte für die schnelle Küche, also auch für Faule, Zitronenspaghetti sind der absolute Hit. Bitte noch viele Anregungen. – Alexandra Habermann


 

Leserbriefe zu „Über seine germanischen und römischen Gene“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Ich gehöre normalerweise nicht zu der Sorte Mensch, die Leser*innenbriefe verfasst, jedoch hat mich die aktuelle Kolumne von Harald Martenstein im Zeit-Magazin derartig entsetzt, dass ich mich sowohl veranlasst sah, mein Abonnement sofort zu kündigen, als auch Ihnen Rückmeldung zu diesem meiner Meinung nach extrem geschichtsrevisionistischen und kolonialismusverharmlosenden Artikel zu geben, der ein Schlag in die Gesichter der Milliarden Menschen ist, die bis heute direkt und indirekt unter den Folgen des Kolonialismus leiden. Ich muss Ihnen hier wohl kaum die zahlreichen Gräueltaten aufzählen, die bis heute sowohl zu individuellen Folgen wie psychologischen Leiden als auch zur strukturellen Benachteiligungen ganzer Weltregionen führte. Der verblendete Versuch, diese katastrophalen Auswirkungen mit kulturellen Errungenschaften zu relativieren, erinnert mich stark an Jene, die Hitler´s Autobahnausbau positiv hervorheben. Das individuelle Leid Millionen von Menschen lässt sich nicht durch (vermeintliche und subjektive) Errungenschaften wieder gut machen. Dies gilt für das Dritte genauso wie das Römische Reich und die europäischen Kolonialreiche. Dass in Deutschland und anderen europäischen Staaten die Aufarbeitung der Kolonialzeit nur schleppend voran geht, ist bestürzend genug. Dass jedoch nicht nur Herr Martenstein, sondern auch die durch gut (aus-)gebildete Redaktion des Zeit-Magazins es für angemessen halten, solch eine ignorante, verkürzte und opferverhöhnende Kolumne (welche diesen Namen eigentlich nicht verdient hat) zu veröffentlichen, hinterlässt mich fassungslos und wütend.

Genauso wie wir als Gesellschaft die Aufgabe haben, unsere Lehren aus der Shoah zu ziehen und uns mit allen Kräften für ein „Nie wieder!“ einzusetzen, betrifft dies auch unsere koloniale Vergangenheit. Auch wenn die Veröffentlichung der Kolumne vom Gegenteil zeugt, so hoffe ich sehr, dass Sie sich als Redakteur*innen und Mitarbeiter*innen der Verantwortung, die Ihnen bei dieser Aufgabe zu kommt, bewusst sind oder werden, dass meine Zuschrift (und hoffentlich zahlreiche weitere, die Sie dazu erreichen) ein Denkanstoß sind und dass Sie derartig widerlichem Gedankengut nie wieder Ihre Plattform zur Verfügung stellen. – Deike Ohse

 

Leider habe ich heute ausnahmsweise Martenstein gelesen. Der Mann meint, er würde sich auf die Seiten der römischen Kolonialisten gegen die barbarischen Germanen schlagen. Aus freien Stücken taten das zuletzt deutsche Männer wie Carl Friedrich von Savigny, welche sich im 19. Jahrhundert vom Römischen Recht inspirieren ließen, um das Allgemeine Preußische Landrecht zu reformieren. Wenn ich mich recht an die Magisterarbeit meiner Schwester zum Allgemeinen Preußischen Landrecht erinnere, wurde dadurch die Position des Mannes in der Familie gestärkt und Mitspracherechte anderer Familienmitglieder z.B. bei der Erziehung reduziert. In jener Zeit scheint das entstanden zu sein, was wir heute als Inbegriff der Familie empfinden: Vater, Mutter, Kinder. Warum man eine barbarisch patriarchalischen Unkultur wie der römischen zusprechen sollte? Harald Martenstein hat sicher seine Gründe. – Christoph Hörentrup


 

Leserbrief zu „Aufstand gegen Amazon“ von Ann-Kathrin Nezik

Ich begrüße das Vorgehen von Ortlieb. Ich habe – jetzt auch schon wieder vor 2-3 Jahren – mir über die homepage von ortlieb Vertriebspartner gesucht, weil ich aus Prinzip nicht über Amazon kaufe, außer es gibt gar keine andere Möglichkeit, was bisher 2x der Fall war. Da es keinen Vertriebspartner in Österreich fand, bestellte ich bei einer lizensierten Verkäuferin in Deutschland und war vollauf zufrieden. Schwer zu verstehen ist für mich, weshalb Menschen trotz reichhaltiger Alternativen bei einem Konzern einkaufen, der weder gleiche Steuern zahlt wie Mitbewerber, schlechte Arbeitsplätze bietet und die Konkurrenz durch wettbewerbsstörende Maßnahmen zu Lohn- und Steuerdumping wenn nicht in den Konkurs treibt. Wir alle sind in der Verantwortung und dürfen uns nicht über Abbau von Sozialleistungen beschweren, wenn wir die Verursacher füttern. – Elisabeth Kutschera


 

Leserbrief zu „»Ich meide Plastik, wo ich kann«“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

Ich erinnere noch gut eine Ihrer letzten Kolumnen und die Bemerkung, dass Sie und Ihre Familie in Urlaub geflogen sind … Verstehe ich jetzt richtig: zur Wiedergutmachung quasi vermeidet Luna nun Plastik? Lob, Lob! Das macht aus dem zuvor fabrizierten ökologischen Fussabdruck ja ein Babyschühchen. Aus Hanf, Flachs oder sonstwas gestrickt, gehäkelt. Weiter so. Ist ja amüsant. – Gerhard Hoffmann


 

Leserbrief zu „Damals“ von BIT

Meine Theorie ist: Das war volle Absicht. Jemand wollte mit dieser etwas ungenauen Zeitangabe herausfinden, wieviele ZEIT-Leser auf den Fehler hinweisen würden. – Von meinem Walkman gesendet – Hans-Peter Dickmann


 

Leserbrief zu „Bringt diese Frau den Zins zurück?“ von Mark Schieritz

Die ökonomischen Betrachtungen und Spekulationen von Mark Schieritz sind allemal bedenkenswert, mag man sie teilen oder nicht. Das gilt auch für seinen Versuch, einen Schuldigen für die sparerschädliche Niedrigzinsphase auszumachen. Nicht billigen kann ich dabei seine Aussage, Zentralbanken hätten, stabiler wirtschaftlicher Verhältnisse wegen, die Aufgabe, eine Inflationsrate festzulegen. In allen für die EZB maßgeblichen gesetzlichen Grundlagen ist das Gegenteil gesagt. Sei es im Grundgesetz (Art. 88), sei es in den EU-Verträgen, immer ist nur von „Preisstabilität“ die Rede, in Art. 2 des EG-Vertrages sogar ausdrücklich von einem beständigen, nichtinflatorischen Wachstum. Den eindeutigen Begriff „Preisstabilität“ hat die EZB durch Ratsbeschluss eigenmächtigen umgedeutet in den schwammigen Begriff „Preisniveaustabilität“ und so wider allen Rechts eine Inflationsrate postuliert. Die Welt nimmt´s kritiklos hin. – Dr. Eugen Schmid


 

Leserbrief zur Fotokolumne „WER BIST DU?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

Mit den Jahren als ZEIT-Leserin habe ich schon einige Fotoserien im Zeitmagazin beschmunzelt bis ertragen. Jetzt, 2019, bin ich berührt von den Fotos Florian Jaenickes. Ich bin voller Hochachtung, uns durch diese Fotos in das Leben mit seinem Sohn Friedrich Einblicke zu geben. Herzlichen Dank, denn dies ist harter und sehr liebevoller Alltag, eine nachdenklich stimmende, große Bereicherung. – Waltraud Hammermann


 

Leserbrief zu „»Ich habe mich ihr ausgeliefert«“ von Kerstin Bund

Zweifellos ist das erlittene Leid und deren psychische Folgen der Menschen ohne gleichen, die der Willkür eines Konzentrationslagers ausgesetzt waren. Die menschenverachtende Haltung des Nationalsozialismus wirkte sich jedoch auf die gesamte damalige Zivilgesellschaft und wirkte noch lange in der Bundesrepublik nach. So irrt Herr Sucher in der Annahme, seine Mutter habe ihm das Daumenlutschen auf brutale Weise als Folge der Traumatisierung durch den Aufenthalt im Konzentrationslager abzugewöhnen versucht.

Ich bin 1958 geboren. Meine Mutter erhielt vom Schulzahnarzt noch 1966 einen entsprechenden Elternbrief. Noch 1966 war es offenbar Stand der Wissenschaft, Kindern das Daumenlutschen unter Zwang abzugewöhnen. Man beachte den handschriftlichen ergänzten Vorschlag der Zahnärztin, dem Kind neben dem Vernähen der Nachthemdärmel 14 Tage ein leichtes Schlafmittel zu verabreichen. Ironie des Schicksals ist, dass ich heute als Sozialpädagoge im gleichen Gesundheitsamt Menschen mit psychischen Erkrankungen betreue. Gerne halte ich meinen ärztlichen Kolleginenne und Kollegen, wenn es um ärztich wissenschaftliche Gewissheit geht, dieses historische Dokument unter die Nase. – Hölscher


 

Leserbrief zu „»Es geht um Ehre und Respekt«“ von Simone Sondermann

Die Rückgabe von Kunstobjekten bringt keine Lösung. Wir sollte stattdessen die geraubten Objekte zählen und dann eine Kommission einladen, die genau diese Anzahl aus unseren Museen und Kirchen wegnehmen und in ihren Heimatländern ausstellen darf. Und zwar unabhängig von einem Geldwert, der den Dingen von mächtigen Weißen zugeschrieben wird. Dann würde für uns in Europa erlebbar, was Kollonialismus bedeutete! Und das Erleben der anderen Kulturen würde in allen Kontinenten möglich. – Holger App


 

Leserbrief zu „Der Unbestechliche“ von Manfred Bissinger

Danke für dieses quicklebendige Bild, das Sie von einem jüngst Verstorbenen gezeichnet haben. Das ist wie Ostersonntag nach einem Karfreitag. Warum ich dabei an einen anderen Nachruf in der ZEIT denken mußte, von vor 33 Jahren, den Nachruf Von Fritz J. Raddatz auf den Schriftsteller Hubert Fichte, – Weiß ich nicht. Vielleicht, weil er auch sehr eindrücklich war und mir sehr lange im Gedächtnis blieb. – Beate Schwärzler


 

Leserbrief zu „»Nichts als gieß, gieß, gieß«“ von von Christine Lemke-Matwey

Sie bedauern in Ihrem Regenjammer den Verlust verregneter Tage: „Früher, als es noch richtig regnete…..“ Unsinn und falsch. Laut DWD haben die Niederschläge in Deutschland kontinuierlich seit dem 19. Jahrhundert um etwa 10 % zugenommen. Sowohl ein vertrockneter Sommer, wie auch ein verregneter, sind seit Jahrhunderten beobachtete Ereignisse, die unserer Lage und den Wetterkapriolen geschuldet sind. Dass ein Trockensommer (2018) politische Aktionen und Verschiebungen bewirkt, kann man nur mit Dummheit begründen. Ich vermute mangelnde naturwissenschaftliche Grundbildung in Ihrer Generation, verbunden mit einem unerschuetterlichen Glauben an unsere Schuld: Wohlstand kann doch kein Dauerzustand sein. Emotionserguesse von Schriftstellern und Liedermachern zu zitieren, erbringt auch keine brauchbaren Erkenntnisse. – W. Eckardt


 

Leserbrief zu „Warnhinweise in die Muckibuden“ von Harro Albrecht

Wenn ein Mensch das erste Mal im Leben, ein Fitnesstudio betritt, dann könnte eine gewisse Absicht, hinter diesen kühnen Plan stecken. Könnte ja durchaus sein, dass er sich evt. auch nur ganz richtig „powermäßig“ auspowern möchte. Eine gewisse Portion Vorsicht, die sollte dieser Mensch dann doch „walten lassen“, denn er wird von „Muskelgebirgen“ umgeben sein, aber nur soweit, wie die Augen reichen! – Klaus P. Jaworek


 

Leserbrief zu „Vikrams Mondfahrt“ von Alina Schadwinkel

In ihrem Artikel Vikrams Mondfahrt behauptet Frau Schadwinkel, dass die Indische Weltraumforschungsorganisation Isro das Gewicht der Raketenladung für die geplante Mondmission von 3,8 Tonnen mit dem Gewicht von acht ausgewachsenen Elefanten vergleiche… Es würde mich doch sehr wundern, wenn ausgerechnet die Inder so schlecht rechnen könnten. Ein ausgewachsener indischer Elefant wiegt je nach Geschlecht zwischen 2000 kg und 5000 kg, also zwischen 2 und 5 Tonnen. Acht Elefanten würden entsprechend auf ein Gewicht von 16 – 40 Tonnen kommen. Hat sich da bei Ihnen etwa ein Kommafehler eingeschlichen und die Inder wollen nicht 3,8 Tonnen, sondern 38 Tonnen auf den Mond transportieren? – Susanne Hortig


 

Leserbrief zu „Der letzte Versuch“ von Uwe Jean Heuser

Hieß das Motto der Deutschen Bank nicht einmal „Leistung aus Leidenschaft“? Es fragt sich, worin die Leistung des in Deutschland bestbezahlten Aufsichts- ratsvorsitzenden Achleitner besteht, unter dessen Ägide die Bank zu einem Sanierungsfall geworden ist und nun ein Fünftel ihrer Belegschaft entlassen muss. Es fragt sich, worin das besondere Verdienst des höchstbezahlten Vorstands- mitglieds Ritchie besteht, dessen Geschäftsbereich, das Investmentbanking, so unprofitabel ist, dass er nun weitgehend eingestellt werden soll. Bei beiden (und manchen anderen hochbezahlten Verantwortlichen) muss man wohl eher von „Leistung, die Leiden schafft,“ sprechen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


 

Leserbrief zu „Worüber denken Sie gerade nach, Amia Srinivasan?“ von Amia Srinivasan

Offensichtlich gibt es eine Vielzahl subjektiver Sichtweisen, bei denen „Menschen ihre Götter nach ihrem eigenen Bilde schaffen“, wie es so prägnant im Artikel der Professorin Amia Srinivasan heißt. Wie lässt sich herausfinden, was subjektiv ist und was objektive Wahrheit? Durch genaue Beobachtung der Wirklichkeit, rationale Schlussfolgerung oder durch das Vertrauen auf Aussagen real bestätigter Autoritäten? Alle drei Elemente haben immer ihre eigene Rolle gespielt und können durchaus auch miteinander harmonieren. Es ist dabei sinnvoll, Welterklärungsmodelle zusammen mit ihren jeweiligen Erklärungserfolgen und Erklärungslücken zu vergleichen. Jedes Modell für sich betrachtet sollte das Recht bekommen, die vielfältige Wirklichkeit zu erklären.

Die existenziellen Fragen nach dem Woher, Wozu, Wie und Wohin lassen sich so untersuchen, dass die Antworten logisch konsequent, der beobachtbaren Realität angemessen und für die menschliche Existenz relevant sind. Für die Väter der modernen Naturwissenschaft wie Francis Bacon, Galileo Galilei, Isaac Newton, Robert Boyle, Johannes Kepler, Lord Kelvin, Blaise Pascal, Maxwell, Michael Faraday, Gregor Mendel, Louis Pasteur und viele andere war es selbstverständlich: Gott hatte die Natur mit ihren Gesetzen und ihre Beobachter geschaffen. Francis Bacon sagte, die Bibel sei das Buch des Wortes Gottes und die Natur das Buch der Werke Gottes. Inzwischen haben sich Welterklärungsmodelle herausgebildet, die dem Denken der naturwissenschaftlichen Pioniere widersprechen. Man stellt zum Beispiel dem Modell von einem Anfang durch einen rationalen Gott das Modell eines rein materiellen Ursprungs gegenüber. Beim Vergleich der Erklärungsmodelle wäre es notwendig, die praktische Relevanz für unser Leben zu betrachten.Wir sehen die Wirklichkeit oft durch eine Brille, einen Filter. Manchmal hört man die Aussage, jemand sehe nur, was er sehen will. Es gibt unzählige Filter, durch die man die Wirklichkeit wahrnimmt. Man könnte sie aber zur Vereinfachung in zwei Arten einteilen:

  1. a) Den materialistischen Filter, der nur empirisch untersuchbare Materie zulassen darf und für alles nur materielle Ursachen sucht und alle andere Erklärungen ablehnt und
    b) Den umfassenden Filter mit rationaler Basis, der auch andere Ursachen zulässt und so ein vollständiges Bild der Wirklichkeit ermöglicht.

Mit einem rein materialistischen Filter, der nur auf dem experimentell Wahrnehmbaren beruht, erhält man kein komplettes Bild von der Wirklichkeit. Man muss zur Abrundung des Bildes immer wieder subjektive Annahmen über Dinge treffen, die nicht direkt wahrnehmbar oder experimentell überprüfbar sind und Erklärungen „aus anderen Filtern borgen“, wie zum Beispiel „Götter nach seinem eigenen Bilde schaffen“, wie es im Artikel heißt. In der Wirklichkeit erleben wir viele wesentliche Elemente, die wir gar nicht erklären könnten und die gar nicht existieren dürften, wenn wir nur den materialistischen Filter zulassen: Leben, Geist, Bewusstsein, Identität, Zielorientierung, Denken, Sprache, Information, Gedächtnis, Vernunft, Kommunikation, Gewissen, Wahrheit und Wahrheitsliebe, Richtigkeit und Falschheit, Logik, die mathematische Beschreibbarkeit des Universums, die Naturgesetze, die Korrelation zwischen unseren Sinnen, unserem Gehirn und der Wirklichkeit, ethische Gesetze, Liebe, Freiheit, Hoffnung, Sinn, Einheit in der Vielfalt, Ästhetik und vieles mehr.

Und doch wissen wir, es gibt sie und sie sind auch unverzichtbar. Wenn wir ein möglichst komplettes Bild der Wirklichkeit bekommen wollen, können wir zu dem Filter (b) greifen, dem umfassenden Filter, der es nicht nur ermöglicht, dass wir im Prinzip alles von Menschen Beobachtbare beobachten und rational einordnen können, sondern der auch einen rationalen Grund für die anderen, nicht materiellen Elemente bietet, weil er es erlaubt, auch deren Existenz ausreichend und notwendig zu erklären und sie innerhalb unserer Grenzen möglichst mit objektiven und nachvollziehbaren Methoden systematisch zu beschreiben, zu untersuchen und zu erfassen. Ein lebendiges, geistiges, denkendes, redendes und mit uns kommunizierendes, vernünftiges, logisches, ethisches, schöpferisches, liebendes und uns persönlich und die ganze Welt sowie die ganze Menschheit erhaltendes, freies, für uns hoffendes, mitleidendes und sinntragendes, allmächtiges, allwissendes und allgegenwärtiges personenhaftes Wesen wäre eine adäquate, schlüssige Ursache für die naturwissenschaftlich wahrnehmbaren UND die naturwissenschaftlich nicht wahrnehmbaren Elemente unserer Wirklichkeit. Wenn dieses Wesen die Welt nach dem für ihn charakteristischen Eigenschaften und den Menschen als begrenztes, aber ihm ähnliches Wesen geschaffen hätte und u.a. in Form der Naturgesetze erhalten würde, wäre das eine notwendige und ausreichende Grundursache für ALLE beobachtbaren und erfahrbaren Elemente und eine notwendige und ausreichende Erklärung für die Tatsache, dass wir rational denken und Wissenschaft betreiben können.

Der Bestsellerautor Yuval Noah Harari nennt in seinem Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ eine weitere wichtige Prüfmethode, mit der man feststellen kann, ob ein Weltbild (eine Geschichte) real oder imaginär ist: „Wenn man irgendeine großartige Geschichte vor sich hat und wissen möchte, ob sie real oder imaginär ist, sollte eine der entscheidenden Fragen sein, ob der Held im Mittelpunkt der Geschichte leiden kann.“ Harari zitiert den großen polnischen Nationalpoeten Adam Mickiewicz, der Polen den Christus der Nationen nennt, weil es so viel gelitten hat. Doch Harari stellt die Frage, ob eine Nation wirklich leiden könne, ob eine Nation Augen, Hände, Sinne, Zuneigungen und Leidenschaften haben könne. Ein Mensch könne leiden, aber Nation sei nur eine Metapher. – Jesus Christus hingegen, der zentrale Held der „Geschichte“ des Christentums, ist Mensch geworden, er hat gelitten, fürchterlich gelitten. Auf Grund seines eigenen Grundverständnisses vom Leiden müsste Harari seine atheistische Weltsicht überdenken. Der Held des atheistischen Weltbildes, die Materie, kann nicht leiden, also ist diese Geschichte imaginär. Der Held der christlichen Geschichte hat gelitten, also ist diese „Geschichte“ selbst nach dem Kriterium Hararis real.

Der kürzlich verstorbene Philosoph Robert Spaemann war überzeugt, dass man zwar durchaus wahre Urteile und Gewissensentscheidungen treffen könne, auch wenn man als Individuum nicht an Gott glaubt. Damit aber überhaupt Wahrheitsansprüche und sittliche Überzeugungen möglich sind, sei Gott als absoluter Bezug erforderlich, und wenn man Gott leugnet, leugne man damit die Grundlage aller Wahrheitsansprüche und aller sittlichen Überzeugungen und damit tendenziell diese Ansprüche selbst. Gott ist in der Natur in seiner Größe, Weisheit und Kraft erkennbar. Die Feinabstimmung des Universums in Hinblick auf das Leben, die Ursache von Naturgesetzen, Information, Leben, Bewusstsein, Geist und Logik sind nicht ursächlich auf materielle Weise zu erklären.

Das Christentum knüpft daran an und stellt zusätzlich fest, dass Gott, der Schöpfer-Geist sich den Menschen mitgeteilt hat, durch sein Wort und in menschlicher Gestalt als Jesus Christus innerhalb der realen Menschheitsgeschichte. Sein Sterben, Leiden und Auferstehen bieten uns die Chance, wieder zu ihm zu kommen. Für diese historischen Ereignisse gibt es ausreichende Belege. Aber Gott ist keine Theorie, sondern eine Person. Und weil wir nach seinem Bild geschaffen wurden, können wir eine wirkliche und persönliche Beziehung zu Gott erleben. Das Christentum ist in diesem Punkt gegenüber anderen Religionen konkurrenzlos, weil keine andere Religion das Wissen um Vergebung und Frieden mit Gott in diesem Leben bietet. Das basiert nicht auf Verdienst oder Leistung, sondern auf das, was Gott getan hat, und was wir durch Umdenken und Veränderung in Seinem Sinn als Geschenk annehmen können. – Gerhard Jahnke


 

Leserbrief zu „Frau Karliczek, die Landesväter und der Streit um die Akkufabrik“ von Jan-Martin Wiarda

Jeder, aber wirklich jeder hat bei der Ernennung von Frau Karliczek, einer Hotelfachfrau, zur Bundesministerin für Bildung und Forschung gewusst, dass die hierbei ausschlaggebenden Qualitätskriterien nicht Kenntnisse und Erfahrungen, sondern Parteipolitik, Proporz und Quote waren. Entsprechend dieser Logik wurde nun in einem wenig transparenten Verfahren entschieden, ein wichtiges Forschungszentrum nicht an den dafür prädestinierten Standorten, sondern in der Heimat der Ministerin zu errichten. Frau Karliczek hat ihre Schuldigkeit getan – vielleicht wird sie nach der anstehenden Kabinettsumbildung (ähnlich wie ihre Kurzzeit-Kollegin in Bayern vor einem Jahr) auch schon wieder gehen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann


 

Leserbrief zu „Wall Street: Deutsche Bank, ade?“ von Heike Buchter

Sie haben ihren Titel wenigstens mit einen ? versehen. Ich bin ein alter Banker der Deutschen Bank – auch in verantwortlicher Position. Wenn ihre Autorin Heike Buchter wüsste, was wir alles schon über unser Bankhaus haben lesen müssen, würde sie mich nicht mehr angucken. Das die Medien grundsätzlich gern übertreiben ist hinreichend bekannt und manche uns sogar beleidigen, ist auch bekannt – weniger von der „Zeit“, sonst würde ich sie gar nicht lesen. Das die Bank wieder mehr zum Privatkunden zurückkehren möchte ist ein Service, der nicht unbedingt verkehrt ist, aber kein Geld bringt. Wer international tätig sein will, muß aber ganz andere Geschäftsfelder im Auge haben. Und die Deutsche Bank hat ihr Geschäft schon immer als internationaler Player verstanden. Der einzige Politiker, der das verstanden hat, war Helmut Schmidt. Wer konservativ sparen will sollte lieber zur Sparkasse gehen. Die sind deswegen eingerichtet worden. Oder zu einer Genossenschaft. Ihre Autorin hat wahrscheinlich ihr Hochschulstudium in einer linksgerichteten Uni absolviert – wenn sie eines hat. Wir sind lupenreine Kapitalisten und das ist auch gut so. So funktioniert das Finanzgeschäft. Ich weiß natürlich auch, das besonders in Deutschland der Sozialismus eine wichtige Rolle spielt. Für uns nicht. Das wäre der Tod. Wir nehmen auch Strafzahlungen in Kauf. Auch das ist nichts besonderes. – Gunter Knauer


 

Leserbrief zu „Was spielen die denn da?“ von Franziska Lehnert

Dieses Fußballspiel kenne ich! Wir haben es 1960 in Erfurt auf der Straße praktiziert, und unsere „Tore“ waren die (vergitterten) Kellerfenster der Häuser. Je nachdem, wieviele Jungs da waren, spielten wir auf zwei, drei oder vier Tore. Wir nannten das Spiel „Kellerloch“. Dribbeln war gefragt, Tricks auf engstem Raum, in welchem Loch der Ball einschlug, war egal, jeder merkte sich seine Treffer. Wer zuerst bei zehn war, hatte gewonnen. – Rudolf Heym