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3. Oktober – Ausgabe 41

 

Leserbriefe zum Titelthema „»Die staatliche Willkür in der DDR war auch nicht schlimmer als heute«“ von Martin Machowecz et al.

 

Ihr Titel der heutigen Ausgabe (wenn auch in Anführungszeichen) ist für mich eine persönlich Provokation. Wer je in der DDR, in Ostberlin, auf der Interzonenautobahn unterwegs war hat es erfahren : Schickane und Amtsanmaßung bis in den persönlichen Bereich. Welche Ignoranz, auch schlicht Dummheit, ja undemokratische Verbildung stecken in dieser Aussage und den 58% der Zustimmung. (Wenn denn die Umfragen korrekt sind)

Die Saat der faschistischen AfD zeigt ihre Wirkung und ich muß mich fragen, verdient dieser Irrwitz soviel öffenttliche und mediale Aufmerksamkeit? Was ist mit dem Dank an Ost und West für die Entwicklung der letzten 30 Jahre? – Detlef Geisendörfer

 

 

Ihre heutige Titelblattaussage mit Zitat „Die staatliche Willkür in der DDR …nicht schlimmer als heute“ ist eine Beleidigung aller, die entweder durch DDR – Willkür gefollert wurden oder sterben mussten.Wollen Sie negativ provozieren? –S. Knäusel

 

 

Besserwessi und Jammerossi. Der Titel provoziert ja geradezu nach einem Kommentar. Im Sinne der oben genannten Klischees wird hier der Part des Besserwessis übernommen. Über das Problem des mangelnden Verständnisses wird viel diskutiert.

Dabei ist häufig die Meinung zu hören, die Ossis haben bekommen, was sie wollten (für Zyniker bedeutet das: die Höchststrafe). Was können wir dafür, wenn es anders ist, als sie es sich vorgestellt hatten? Das liegt nicht an den Wessis sondern an unzureichender Vorstellungskraft.

Muss man wirklich noch erklären, was Meinungsfreiheit bedeutet? In der DDR konnte man ins Gefängnis kommen, wenn man eine unerwünschte Meinung äußerte. Heute darf z. B. jeder sagen, dass er Ausländer für minderwertig hält. Dann muss man damit leben können, dass viele Menschen nicht in einem Land leben möchten, in dem Ausländer als minderwertig angesehen werden.

Wenn nun gejammert wird, das sei doch ein böses Missverständnis, dann kann man doch umgekehrt verlangen, sich deutlicher und unmissverständlicher auszudrücken. Soweit ein paar pointierte Thesen zum gegenseitigen Unverständnis, einmal von der anderen Seite. – Dr. G. Zeyer

 

 

Ich fühle mich im falschen Film. Zitat : Die staatliche Willkür in der DDR war auch nicht schlimmer als heute – so der Titel der heutigen Ausgabe. Wer diesen Satz von sich gegeben hat , hat a ) entweder nicht in der DDR gelebt oder war b ) ein Total – Angepasster ! Diese Menschen hatten allerdings nichts auszustehen !

Meine Familie und ich haben Willkür erlitten , angefangen von Aussperrung der Kinder von „Erweiterter Oberschule “ ( sprich : Gymnasium ) – trotz bester Leistungen – über Reisebeschränkungen en mass ( Einreise und Ausreise !) , bis hin zur Beschlagnahmung von Literatur usw

Dass die Redaktion diesen Satz auf die Titelseite setzt , muss Widerspruch hervor rufen . Ich bin jedenfalls entsetzt ! – Karl Heinz Kleve

 

 

Wollen Sie wirklich mit dem Satz ihrer Titelgeschichte behaupten,die staatliche Willkür vergleichen zur DDR – Zeit mit der Nachwende-Zeit heute ? Das kann doch nur jemand schreiben und publizieren

der niemals in der DDR gelebt hat,bzw.keine Verwandten in der DDR hatte um etwas mehr zu erfahren über das Alltagsleben in dieser sogenannten sozialistischen Republik.

Als ehemaliger Bürger des ehemailgen ostdeutschen Staates,kann ich Ihnen genug Beispiel nennen,wie die Menschen gedemütigt wurden im täglichen Leben,was ich von Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung nicht behaupten kann.

Wenn ein Teil der Bürger von Ostdeutschland meinen,das es zur DDR-Zeit besser war,dann haben Sie noch immer nicht verstanden,was ,,Freiheit,, eigentlich bedeutet.Bitte keine Pauschalisierung ! Einzelne Bürger mag es geben,die ihrer Meinung sind – aber nicht generell.

Ich habe mir die neueste Ausgabe als ein regelmäßiger ZEIT-Leser noch nicht besorgt,aber so viel vorab,man kann ihre Titelaufmachung auch als eine Provokation,oder auch als verkaufsfördernd bezeichnen,was die Wochenzeitung DIE ZEIT nicht nötig hat,da sie ein seriöses Wochenblatt ist.

Ich bin sehr überrascht das Sie sich zu so einem Satz hinreißen lassen. – Klaus-Dieter Michel

 

 

Wie gerne legen sie „den Osten“ auf Ihre journalistische, sehr westdeutsche Couch! Als ob es den „Guten oder bösen Osten“ gäbe, außer in den Klischees und Vorurteilen Ihrer Redaktion! Es ist armselig wie ständig Vorurteile reproduziert werden anstatt Ostdeutsche zu ermutigen, mal die Wahrheit zu schreiben: über jahrzehntelange Diskriminierung im eigenen Land!

Legen Sie sich doch zur Abwechslung mal selbst auf die Couch: „der böse oder verlogene Westen“, die ständige Anpassung und materielle Gier, die Amerikahörigkeit und heuchlerische Attitüde! Nicht nur die Strukturen im Osten sind defekt, der Westen ist geistig öde, extrem materialistisch und längst ncht mehr authentisch. – Werner Machmann

 

 

Das provokante Statement auf dem ZEIT-Titel ist nur ein weiteres erschreckendes Beispiel dafür, wie weit die Bestrebungen Putins und anderer Feinde der EU fortgeschritten sind, die liberalen Gesellschaften Europas zu spalten.

Die gleichfalls nahezu absurden Umfrageergebnisse zu den Themen Kriminalität und Schulbildung legen außerdem leider die Vermutung nahe, dass andere Ergebnisse der Studie ebenfalls auf „gefühlten Wahrheiten“ beruhen.

Der durchaus nicht zu vernachlässigende Anteil der ostdeutschen Bevölkerung, der der DDR nachtrauert und/oder eine rechtsradikale Agenda verfolgt, ist wohl leider für unsere freiheitliche Demokratie verloren: „Auferstanden aus Ruinen und der Vergangenheit zugewandt…“ – Willi Mößel

 

 

Willy Brandt würde ja: „Nun hört doch mal auf…“ Es hört in der Presse seit Jahrzehnten nicht auf und leider auch nicht in der Wochenzeitung DIE ZEIT! Ständig irgendwelche Untersuchungen über Ost und West. Die geht bis zu Details, wär mehr Kinder bekommt etc. Mit solchen klischeehaften Umfragen wird der Graben immer tiefer.

Um fair zu sein, mach Sie doch mal bitte eine Umfrage im Westen? Evtl. zwischen Nord und Süd? Deutschland ist seit 30 Jahren EIN LAND und ihr solltet es endlich auch so begreifen und beschreiben, dass wäre sinnvoll! – Wolfgang Sternkopf

 

 

Diese Überschrift schockiert uns bis ins Mark. Hat die AFD nun auch “Die Zeit” für ihre unsägliche Parole “Wir müssen die Revolution von 89 vollenden” erobert? Mindestens ein großes Fragezeichen hätte hinter der Überschrift stehen müssen. Wir sind Jahrgang 1938, haben also die 70 Jahre DDR mit allen ihren Vorzügen, Widrigkeiten und Gemeinheiten, also auch die staatliche Willkür erfahren.

Als Bauernkind konnte ich mit gutem Zeugnis ohne Problemeein Studium aufnehmen, nicht so ein Kind aus einem Pfarrhaus. Als Student durfte ich nicht lesen, was ich wollte und wer verbotene Bücher zum Lesen weiterreichte, der musste mit Gefängnis rechnen.

Die Reisemöglichkeiten zu Verwandten in die BRD waren prinzipiell nach den Helsinkibeschlüssen möglich, aber immer noch vom Wohlwollen (oder der Willkür ) der örtlichen Instanzen abhängig.

Gerichtlich sein Recht durchzusetzen, diese Möglichkeit gab es nicht. Wer Fahrverbote für Dieselautos mit eingeschränkter Reisefreiheit gleichsetzt, wer ein Verbot von Nazisymbolen mit dem Verbot von Büchern über historische Entwicklungen gleichsetzt, der ist entweder einfach dumm oder zynisch. DDR-Flüchtlinge, wie Bachmann und Gauland hätten die DDR loben müssen, da sie alles tat, um potentielle Flüchtlinge nicht aus ihrem Staatsgebiet herauszulassen.

Wir sind es leid, immer wieder über die enttäuschten Hoffnungen der Ex-DDRler aufgeklärt zu werden, vielleicht hatten viele von ihnen auch ihre Hoffnungen 1989 überfrachtet. Es waren wohl auch gerade die gleichen Ex-DDRler, die eine langsamere und selbstbestimmte Wiedervereinigung ablehnten. – Karin und Jürgen Bohrisch

 

 

Ich schreibe selten Leserbriefe. Aber dieser muss sein. Einen solchen üblen Aufmacher „Die staatliche Willkür in der DDR war auch nicht schlimmer als heute“ habe ich selten in einer Zeitschrift/Zeitung meinens Vertrauens gelesen, schon gar nicht in der „Der Zeit“. Er ist durch nichts zu rechtfertigen. Wessen (m.E. völlig falsche, unerhebliche ) Meinung ist das?

Durch die Ergebnisse der Umfrage wird dieser Satz nicht gerechtfertigt. 60% der Befragten sind zufrieden mit den Möglichkeiten der poltischen Mitsprache. Was soll dieser Satz? Welche Meinung soll transportiert werden? Was hat die Redaktion zu diesem Aufmacher bewogen?????

Zur Umfrage. Gut wäre es gewesen, die Meinung der Westdeutschen zum Vergleich daneben zu stellen, z.B. aus meinem Bundesland NRW. Dann wäre vielleicht herausgekommen, dass sich auch NRW-Einwohner Sorgen machen um Arbeitsplätze, Renten, Bildung, poltische Einflussmöglichkeiten und Umwelt.

Vielleicht sogar mehr als die Befragten in den ostdeutschen Bundesländern. Aber zur Zeit läuft ja bei vielen Zeitungen die Kampagne „Die armen Ossis“. So schafft man eine wunderschöne „selbsterfüllende Prophezeiung“. – Thomas Hoffmann

 

 

Was uns, Ost wie West, vereint, ist das Wort ANGST. Ein so starkes Wort, dass es seit geraumer Zeit einen festen Platz im US-amerikanischen Sprachgebrauch innehat: ängst. Dieses Wort, wie vermutlich kein anderes, repräsentiert die deutsche Psyche, die sich, im Osten wie im Westen, trotz aller kultureller, wirtschaftlicher und soziologischer Unterschiede, gleicht. Wir Deutsche haben Angst. Vor allem.

Dass es zu einer Überfremdung kommt, dass das Wirtschaftswachstum ausbleibt, dass uns der nächste Regentropfen erschlägt, wie es schon Bert Brecht in einem seiner Gedichte wohl beschrieb, und so weiter und so fort.

Was wir, die Ost- und Westdeutschen, offenbar nicht sehen wollen oder können: Aus den Scherben unserer gemeinsamen Geschichte haben wir eine funktionierende Republik geschaffen, die in der Weltgemeinschaft wohlwollend wie zukunftsweisend respektiert wird.

Die Welt sieht uns als ein vereinigtes Volk, das Wege weisen, das Impulse setzen sollte, weil es dazu in der Lage ist und was wir, als Ossis und Wessis, als Menschen, auch in der Tat könnten, stünden wir uns nicht selbst immer wieder im Weg, durch eben dieses Ding namens ANGST, das dem Gemeinwohl im Weg steht. – Sönke C. Weiss

 

 

Meine Komplimente an die gesamte Redaktion für eine außerordentlich gelungene Ausgabe Nr. 41! Alleine wegen der sehr informativen und gründlich recherchierten Artikel über die Lage Deutschlands 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, sowie der grandiosen biografischen Erzählung Ihrer Korrespondentin Xifan Yang, hat sich mein Jahresabo für die ZEIT gelohnt. Machen Sie bitte so weiter mit Ihrem Qualitätsjournalismus auf höchstem Niveau. – Dr. Moni Islam

 

 

Zuerst eine Feststellung aus persönlicher Sicht: die Schlagzeile auf der Titelseite zum „Tag der Einheit“ aus e i n e m Aspekt der Umfrage abzuleiten, halte ich für grenzwertig. Das zeugt dafür, dass das Liberale der Zeitung dem Populismus Tribut zollt! Aber nun zur Umfrage selbst.

Die Befragung von 1029 Personen birgt schon Fehlertoleranzen, die man in Tabellen ablesen kann. Aber wichtiger ist die Ausgangs-Stichprobe und ihre Ausschöpfung. Meine Fragen dazu: 1.War ess eine Telefonbefragung oder eine persönliche Umfrage? Wurden bei einer Telefonumfrage auch Handy- und Smartfon-Besitzer einbezogen?

2. Wie gross war die Ausgangs-Stichprobe und wie hoch die Ausschöpfung? 3. Wie stark wurde nachgesteuert? 1, 2, 3 Ersatz-Adressen? 4. Welche Gewichtung z. B. nach Regionen erfolgte nach Abschluss der Feldarbeit? Ich bin natürlich sehr interessiert, eine Antwort auf meine Fragen zu erhalten? – Johann Hochreuter

 

 

„Es wird bisweilen die Meinung vertreten, dass die Westdeutschen die Leistungen der Ostdeutschen seit der Vereinigung nicht ausreichend würdigen. Würden Sie dieser Aussage zustimmen?“ – „Es wurde zuletzt häufiger der Vorwurf geäußert, dass bei politischen Entscheidungen unzureichend auf die Meinung der Menschen in Ostdeutschland Rücksicht genommen wird.

Stimmen Sie dieser Aussage zu?“ 80% der Ostdeutschen stimmen der ersten, 70% der zweiten Frage zu. Was tun gegen die „miese Stimmung“? Zumindest dies: nicht mieser Sozialforschung glauben.

Beide Fragen verstoßen gegen eine elementare Regel der Frageformulierung, die in jeder Einführungsvorlesung gelehrt wird: Keine Suggestivfragen, die die Antwort in eine Richtung präjudizieren. Auf beide Fragen muss „oder stimmen sie dieser Aussage nicht zu?“ folgen.

Aber davon abgesehen, was heißt „würdigen“ und „Rücksicht nehmen“? Höhere Löhne und Renten? Von den Westdeutschen für die Ostdeutschen? Mehr Schulen? Von den Westdeutschen für die Ostdeutschen? Mehr TV-Sendengen? Von Westdeutschen über Ostdeutsche? Mehr Höflichkeit?

Von Westdeutschen vor Ostdeutschen? Würdigen kann man nur Personen, die man kennt. „Würdigung“ ist – ist ebenso wie in jüngster Zeit „Anerkennung“ und „Dankbarkeit“ in den Jahren nach der Vereinigung – keine Kategorie für Großgruppen, in denen man einander nicht kennt. „Ich liebe meine Frau“ antwortete Gustav Heinemann auf die Frage, ob er sein Land liebe.

Aber auch davon abgesehen, wieso müssen die Westdeutschen die Ostdeutschen würdigen und auf sie Rücksicht nehmen, und nicht die Städter auf die Landbewohner oder die Landbewohner auf die Städter? Politik ist keine Frage der wechselseitigen Wohlbehandlung einzelner sozialer Gruppen nach Sympathie und Stimmungslage, sondern eine Frage der Konsensfindung unter allen nach Regeln und Verfahren.

Angesicht der jahrzehntlangen Milliardentransfers von West nach Ost könnte man auf die Idee kommen, die Befragung in Westdeutschland mit folgender Frage zu wiederholen:

„Es wird bisweilen die Meinung vertreten, dass die Ostdeutschen die Leistungen der Westdeutschen seit der Vereinigung nicht ausreichend würdigen? Würden Sie dieser Aussage zustimmen oder würden sie dieser Aussage nicht zustimmen?“

Eine Prognose gewünscht, wie viele zustimmen, obwohl nicht zustimmen als Alternative angeboten wurde? Die ZEIT sollte nicht mit schlechter Sozialforschung schlechte Stimmung machen. – Prof. Dr. Heiner Meulemann

 

 

Vielen Dank für die sehr gelungene Darstellung des Titelthemas. Leider verstehe ich viele Argumente der „Ostdeutschen“ nicht in letzter Konsequenz. Nur ein Beispiel: Mitsprache. In Ostdeutschland leben deutlich weniger Bürger als in Westdeutschland.

Also bemisst sich bei Wahlen auch daran der Einfluss. Positiv gesehen hat doch jeder Wahlberechtigte eine gleich wertvolle Stimme. Auf Seite 14 derselben Ausgabe steht: 16,2 Mio. Einwohner inkl. Berlin leben in Ostdeutschland, 17,9 Mio. Einwohner alleine in Nordrhein-Westfalen.

Soviel zu den Relationen. Dann ist es doch klar, dass der Einfluss der Mitbürger aus Ostdeutschland begrenzt ist. Anders wäre es doch unfair. Zudem würde ich gerne in der ZEIT von den Emfindundungen der „Westdeutschen“ zu diesem Thema lesen. – Marko Becker

 

 

Wenn ich das Titelbild mit dem Text „Die staatliche Willkür in der DDR war auch nicht schlimmer als heute“ lese, so glaube ich, dass etwas Fundamentales nicht stimmt. Was sind das für Menschen, die so etwas formulieren ohne sich zu schämen? Dass verantwortliche Politiker der Bundesrepublik sehr oft die Realität aus ihren Augen verloren haben, ist schlimm.

Für solches Verhalten sollen und müssen sie abgestraft werden, am besten durch eine Abwahl. Aber wenn dieses freiheitliche System, trotz vieler Schwächen, mit dem totalitären System DDR überhaupt verglichen wird, zeigt es, dass diese Menschen niemals die DDR erlebt haben können.

Und wenn sie es trotzdem erlebt haben sollten, dann waren sie unwillig oder unfähig hinter die Kulissen zu blicken, oder es waren Privilegierte. Der durchschnittlich Gebildete, der die DDR erlebt hat, kann nicht solche Ansichten haben.

Ich verstehe nicht, wie ein solcher Vergleich überhaupt möglich sein kann. Es ist ein bemerkenswerter Beweis für erschreckende Einfalt. – Horst Morgenstern

 

 

Aus eigener Anschauung vermute ich, dass die Mehrheit der befragten Ostdeutschen unter der Formulierung „staatliche Willkür“ etwas anderes versteht als gouvernementalen Terror, Überwachung etc..

Die meisten Interviewten werden diese Phrase dahingehend aufgefasst haben, dass Frau Merkel ohne ihr Einverständnis irgendetwas anordnen darf. Falls meine Vermutung zutrifft, ist aber der Tenor der Interpretation auf S. 3 fragwürdig. – Michael Kardaetz

 

 

Seit 60 Jahren bin ich als (West-) Deutscher, politisch Interessierter diverse male vor und nach der Wende in Ostdeutschland gewesen und habe mich sehr über die Wiedervereinigung gefreut.

Nach dieser Umfrage bin ich maximal schockiert, weil ich erfahre, dass Deutschland offensichtlich immer noch (wie nie zuvor) in zwei Wahrnemungswelten geteilt ist. Vor diesem niemals vermutenen Hintergrund wird mir klar, was in Ostdeutschland passiert und ich werde mutlos. – Johannes Gros

 

 

Man sollte nicht nur die Ostdeutschen zur Wiedervereinigung befragen sondern auch uns Westdeutsche mit unseren Erlebnissen zu Schikanen des DDR-Regimes.

Bei Berlinfahrten ließ man uns bis zu 3 Stunden an den Grenzen warten, nahm fast unseren alten VW-Käfer auseinander und öffnete alle Gepäckstücke. Bei Besuchen in die DDr wurden uns alle Zeitschriften, Magazine, Bücher und sogar die Mickymaushefte unserer Kinder abgenommen.

Pro Tag war ein Zwangsumtausch von 25 DM vorgeschrieben. Innerhalb von 24 Stunden gab es eine Besuchermeldepflicht bei der örtlichen Volkspolizei. Wir durften den Kreis, für den wir die Einreiseerlaubnis erteilt bekamen, nicht verlassen. In den Hotels gab es keine Milch für unsere Kinder. Man ließ uns in viele Gaststätten, zb. in Auerbachs Keller in Leipzig als Westler nicht hinein, pure Schikane.

Bei der Wiederausreise mußten wir alle Belege eines etwaigen Einkaufs vorlegen und wurden oft bis auf die Unterwäsche nacvh verbotenen Waren durchsucht. All dies haben wir für Kontakte zu Freunden jahrzehntelang auf uns genommen.

Ich bin empört über manche beschönigenden Aussagen von ostdeutschen Bürgern zur ehemaligen DDR. – Margret Thiemann

 

 

ich vermute, mehr als 90% der „westdeutschen“ bevölkerung hat keine müde mark gesehen vom segen der wiedervereinigung, aber sie durften dafür bezahlen. momentan lese ich keine studie oder umfrage zur zufriedenheit der „wetseutschen“ mit der wiedervereinigung.

die ostdeutsche unzufriedenheit in den genannten punkten kann ich nicht verstehen, obwohl zu ddr-zeiten zugegebenermaßen doch eine viel größere sicherheit herrschte.

jeder wußte genau, was ihn erwartet. er durfte natürlich seine meinung frei äußern. hatte man das glück, nicht vor ort erschossen oder von panzern überrollt zu werden, bekam man langfristige sicherheiten:

ein dach über den kopf, sicherer schlafplatz, 3 mahlzeiten am tag und eine sichere arbeit in einem der komfortablen gefängnissen oder umerziehungsanstalten.

ich vermisse eine umfrage unter „westdeutschen“ zum thema: “ was betrachten sie momentan als größte gefahr für die deutsche demokratie und die errungenen „werte“? globalisierung, klimawandel, flüchtlinge,…?“

meine antwort: der ostdeutsche neonazi-pöbel, der vergessen hat oder nicht wissen will, was diktatur

und naziherrschaft heißt. sie gehen auf die straße und brüllen: „ein baum, ein strick, ein journalistengenick“. ja, unsere demokratie hat wohl doch einige systemfehler, wenn solche leute agieren dürfen und volksverhetzung betreiben dürfen in ihrem unverstand, grad wie sie wollen.

und dann fragt man sie auch noch, warum sie sich nicht wohl fühlen und was sie sich denn gern wünschen würden. wie viele häuser müssen noch brennen, wie viele politische morde braucht man denn noch? – elke grözinger

 

 

Mit dem Aufmacher „Die staatliche Willkür …“ bedienen Sie die gängigen Vorurteile, wie sie Populisten aller Couleur für ihre Zwecke nutzen und Ahnungslose gern weiter verbreiten. Hinter manchen Aussagen steckt das Vergessen wie es wirklich war.

In der Umfrage fehlen in den Fragen alle kulturellen und intellektuellen Aspekte wie Fortfall der politischen Zensur in Kunst und Literatur, Zugangsbeschränkungen in Bibliotheken, Reglementierungen beim Schulbesuch.

Daß Wehredienstverweigerung oder Nichtmitgliedschaft in der SED unzählige Biographien prägten, erscheint den Befragten und den Auswertern sekundär. Susan Krellers Artikel „Auf dem Mifa-Rad zum Oststeestrand“ zeugt dagegen von Einfühlungsvermögen und Empathie und entspricht eher den Realitäten.

Das war auch der Geist, der die Tagung der Volkacher Akademie für Kinder- und Jugendliteratur im Sommer 2019 zum 30. Jahrestag des Mauerfalls prägte und die mir deshalb in Erinnerung bleiben wird: der fachliche und sachliche Gedankenaustausch über die vielen Facetten dieses Themas ohne Vorurteile und Besserwisserei. – Dr. Karl Klaus Walther

 

 

Die Schlagzeile der „Zeit“ zum Tag der Deutschen Einheit „ Die staatliche Willkür in der DDR war auch nicht schlimmer als heute“, finde ich befremdlich bis ärgerlich und dem Niveau der „Zeit“ unangemessen.

Sie entspricht zwar leider dem allgemeinen main-stream des Jammerns und Klagens nach 30 Jahren Deutscher Einheit, eine Überschrift wie „Freiheit und Demokratie – Gewinne der deutschen Einheit“… hätte aber der „Zeit“ vielleicht besser angestanden.

Man sollte die Probleme selbstverständlich nicht verschweigen und ansprechen, aber zunächst das Positive der Deutschen Einheit in Worte fassen, um nicht denen Recht zu geben, die gerade zur Zeit dazu neigen sowieso alles ins Negative ziehen. – H. Lehrbach

 

 

Schon die Schlagzeile treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Die deutsche Teilung ging mitten durch meine Familie. Mein Großonkel mütterlicherseits konnte nicht zur Beerdigung seiner Schwester 1967 und ihr Grab bis zu seinem Tod 1970 nicht sehen. Meine Großtante väterlicherseits konnte ihr Elternhaus jahrzehntelang nicht besuchen.

Was hatten sie „verbrochen“? Sie hatten in den Zwanziger Jahren zwei oder drei Kilometer weiter ins Nachbardorf geheiratet wie Tausende in Deutschland. Nur war zwanzig Jahre später dazwischen ein eiserner Vorhang.

Wer BRD und DDR gleichsetzt, muss mir erst mal zeigen, wer hierzulande nicht zur Beerdigung der Schwester darf oder seine Elternhaus nicht besuchen. – Gerhard Wendler

 

 

Als jemand, der 26 Jahre seines Lebens die stickige Luft der geistigen Unfreiheit in der DDR atmen musste, bin ich ziemlich geschockt darüber, dass 41 % der Ostdeutschen meinen, man könne seine Meinung heute nicht freier äußern als zu Zeiten der Rund-um-Überwachung durch die Stasi.

Und völlig sprachlos macht mich, dass angeblich 58 % der Befragten der Meinung sind, dass der Schutz vor staatlicher Willkür schlechter geworden sei oder sich kaum geändert habe.

Entweder all diese Leute haben eine gestörte Wahrnehmung oder sie kennen die DDR nur aus ostalgisch verklärenden Erzählungen. Oder – und das ist meine stille Hoffnung – die Umfrage ist einfach nur handwerklich schlecht gemacht.

Denn wenn der Leiter der Studie andeutet, dass die Befragten mit staatlicher Willkür auch die Entscheidungen der Treuhand meinen könnten, dann waren die Fragen offenbar zu unpräzise für ein solch brisantes Thema.

Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man von staatlicher Willkür gegenüber dem Bürger als Individuum redet (das verstehe in erster Linie darunter) oder von durchaus umstrittenen wirtschaftspolitischen Entscheidungen, die sich zwar auf eine Vielzahl von Betroffenen nachteilig ausgewirkt haben, aber keineswegs gezielt. – Carsten Hendrych

 

 

Am 26. Oktober 2011 fand im Berliner Landgericht eine Veranstaltung statt, zu der der Berliner Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen zur Erinnerung an den 50. Jahrestags der Berliner Mauer eingeladen hatte.

Ich nahm als Zeitzeuge teil, weil ich an jenem 13. August 1961 in Ost-Berlin verhaftet und drei Wochen später wegen „staatsgefährdender Hetze“ zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Allerdings hätte mir ein anderes Thema näher gelegen…

Ich war bis 1961 in Berlin ein so genannter „Grenzgänger“ mit Schulmappe: Ich wohnte am Rande Berlins, also in der DDR und fuhr fast täglich zum Besuch der Oberschule in Westberlin. Heute, nach all diesen Jahrzehnten, bin ich immer noch „Grenzgänger“ – im Geiste, und wenn ich die Aussage lese:

„Eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent der Ostdeutschen hat das Gefühl, heute nicht besser vor staatlicher Willkür geschützt zu sein als in der DDR“ – so rechne ich mich dazu.

Jedenfalls fühle ich mich jetzt im hohen Alter als jemand, der in beiden politischen Systemen an die Grenzen gekracht ist und vorwiegend damit zu tun hat, seine herumliegenden Knochen einzusammeln.

Ich träume von einer Veranstaltung – zum Beispiel im Landgericht Berlin – mit einem Thema, das zulässt, die Rechtsstaatlichkeit des „Rechtsstaates Bundesrepublik Deutschland“ in Frage zu stellen. Ich weiß natürlich, ich bewege mich damit im Ozean der Illusionen.

Die Mär vom real-idealen „Rechtsstaat“ ist eines der härtesten Tabus in diesem Lande und deswegen bleibt das Rechtssystem auch völlig reformresistent, wenngleich es doch hin und wieder Berichte und Fernsehdokumentationen gibt, die an dem Tabu zu bohren scheinen.

Aber das sind wohl nur Filzläuse in einem dicken Pelz; sie verschwinden darin, ohne ihn durchdringen zu können. Könnte ich einen Vortrag über mein Wunschthema halten, oder in einer entsprechenden Diskussionsrunde teilnehmen, wäre der sicherlich provozierende, aber eben leider fundierte Vergleich der von mir erlebten politischen Justiz der DDR und der politischen Justiz der Bundesrepublik Teil des Themas.

Auf der einen Seite eine harte, offen als „Klassenjustiz“ ausgewiesene Strafjustiz mit der Möglichkeit, jahrelange Haft unter widrigen Bedingungen bis hin zur Todesstrafe zu verhängen – und auch indirekte, verdeckte Methoden, mit denen Personen, Familien, Berufsgruppen mit sozialer Säure zersetzt werden.

Auf der anderen Seite keine politische Strafjustiz mit all den bekannten Bedingungen, dafür aber eine – viel effizientere, nachhaltige – smarte Art der Zersetzung, eine in der Zivilgerichtsbarkeit versteckte politische Justiz, nicht als Klassenjustiz ausgewiesen, sondern über Jahrzehnte gestreckte, immer wieder mit Stellschrauben in die gewünschte Richtung justierte „rechtsstaatliche“ Verfahren, bis am Ende mit dem sanft, wie ein schöner Ausgleich klingender Begriff „Vergleich“, die Daumenschrauben angesetzt werden.

Oder, noch etwas smarter, noch etwas eleganter als ein „Vergleich“, das Prinzip „bis dass der Tod entscheidet“ ein Verfahren beendet. Klar, es ist trotz allem immer noch eines der erträglichsten Systeme auf dieser Welt, aber dennoch weit, weit entfernt vom eigenen Anspruch, des immer wieder heruntergeleierten Lobes unseres „Rechtsstaates“.

Besonders weit entfernt davon sind offensichtlich solche Verfahren, bei denen „Im Namen des Volkes“ klammheimlich durch „Im Namen des Staates“ ersetzt wird, wo also kriminelle Cliquen aus der Wirtschaft mit korrupten Staatsdienern vernetzt sind – und eben auch mit der Justiz.

Da werden nicht unbedingt Briefe mit Banknoten über oder unter dem Tisch gereicht, das System hat sich zum vermeintlichen Vorteil der Beteiligten eingespielt, es gehört sich so. Das Schmieren in den Lobbys ist Gewohnheitsrecht. Nach meiner Kenntnis sind davon besonders drei Bereiche betroffen:

Das Rotlichtmilieu (siehe z. B. TV-Dokumentation: „Wir Sklavenhalter“), die korrupten Rendezvous´ zwischen „Kapitalisten“ und SED-Bonzen/Stasi nach der Wiedervereinigung , Beispiel „Der LPG-Skandal“ (Titel einer TV-Dokumentation), und die „guten Beziehungen“ der schweren Jungs der Bauwirtschaft mit Politik und Justiz.

Meine inzwischen elende 18 Jahre dauernde Erfahrung bezieht sich auf den letzten Bereich, wie nämlich nach anno 2002, nach dem Bau unseres Eigenheimes, eine im eindringenden Wasser versinkende Schrottimmobnilie, die rechtsstaatliche Justizmühle meine fünfköpfige Familie zersetzt hat.

Ich werde hier natürlich nicht die bisher 18 Jahre andauernde Geschichte erzählen, sondern nur einen wesentlichen Punkt beschreiben. Die verdeckte politische Justiz beginnt damit, dass die Opfer wirtschaftskriminellen Verhaltens überhaupt in eigentlich überflüssige Gerichtsverfahren gezwängt werden.

Das Beispiel „Der LPG-Skandal“ sei hier nebenbei kurz erwähnt: Statt den von der DDR quasi enteigneten Bauern ihr Land mittels einigermaßen gerechter Verfahrensweise unmittelbar zurück zu übertragen und das runtergewirtschaftete Vermögen zu ersetzen, durften die „roten Socken“ sie für nen Appel und nen Ei „entschädigen“ (z. B. wurde die Vermögenswerte auf den „Erinnerungswert“ von jeweils 1 DM abgeschrieben, und die zukünftigen Chancen, der „Good Will“, einfach ignoriert..).

Die ehemaligen Landwirte, die da „arglistig getäuscht“ wurden, durften dann natürlich klagen, wir leben ja in einem „Rechtsstaat“, aber die Betroffenen klagen heute noch… bis dass der Tod entscheidet… Das Prinzip, die Opfer in überflüssige Endlosverfahren zu zwängen, scheint politisch gewollt zu sein. Beispiel Bau, mein Erlebnispark:

Am 13. 09. 2001 schrieb der Prüfstatiker an den „Architekten“ und die Baufirma einen Brief mit den Vorgaben, ohne die der Bau nicht beginnen dürfe, z. B. Bodengutachten, Würfelprotokoll u.a. Im Schreiben wurden auch Bauabschnitte genannt, zu denen er, der Prüfstatiker, zwecks Prüfung geladen werden müsse. In einem Prüfbericht zuvor, vom 13. Juni 2001, wurde auch die Vorlage von Ausführungsplänen genannt.

Weder der „Architekt“ noch die Baufirma kümmerten sich um die Vorgaben, und sie müssen auch wohl gewusst haben, dass der Prüfstatiker die Vorgaben nur mitteilen, aber nicht nachschauen muss. Hätte der Prüfstatiker einfach nur geschaut, ob die erforderlichen Unterlagen vorlagen, hätte er feststellen müssen, dass der „Architekt“ nicht in der Lage war, den Bau dieses nicht ganz so kleinen Einfamilienhauses ordnungsgemäß durchzuführen.

Ausführungspläne gab es nicht, auch ein Bodengutachten lag nicht vor, keine Würfelprotokolle… Es wären also nur wenige Minuten Arbeit notwendig gewesen, um festzustellen, dass mit dem Bau nicht hätte begonnen werden dürfen. Und diese ganzen elenden, praktisch lebenslang laufenden Gerichtsverfahren hätte es dann auch nicht gegeben.

Warum wurden solche, mit wenig Aufwand durchführbare Kontrollen abgeschafft? Der Petitionsausschusses des Abgeordnetenhauses von Berlin, Geschäftszeichen 4995/16, begründete dies mit Schreiben vom 24.09.2009 so:

„Die Bauordnung für Berlin (BauOBin) vom 29. September 2005, zuletzt geändert am 7. Juni 2007, reduziert den Regelumfang und die Regeldichte im Bauordnungsrecht. Sie verfolgt das Ziel, den Bürgerinnen und Bürgern mehr Freiräume zu geben, die Bürokratie zu verringern und durch die wesentliche Reduktion der Genehmigungsverfahren die Verwaltung von unnötigen Vollzugsaufgaben zu entlasten.

Dies geschieht durch den Abbau von staatlichen Normen und Standards und trägt damit dem politischen Auftrag nach einer grundlegenden Strukturveränderung des staatlichen Verwaltungshandelns Rechnung…“

Im Grunde ein Förderprogramm für Baukriminalität, zumindest ein Minimierungsprogramm für die Risiken von Baupfusch. So etwas entsteht im Dunkelzimmermilieu der Lobbys. Die Behauptung, dass durch Abschaffung einfacher, aber wirkungsvoller Kontrollen mehr „Freiräume“ für Bürgerinnen und Bürger entstehen, ist schon unverhohlen zynisch.

Politiker, die so argumentieren, sind resistent gegen Kritik, überhaupt gegen Argumente. Die von ihnen produzierten Misthaufen plakatieren sie mit „mehr Freiräume für die Bürger“ (und die „Bürgerinnen“ – die werden nicht vergessen!), „Rechtsstaat“ usw.

Mein persönliches Fazit als Grenzgänger zwischen den beiden Welten: Hinter der Mauer, Bevor ich sterbe, möchte ich noch einmal frei atmen, dir in die Augen sehen, dich umarmen, ohne die Schwere der gelben Steine, ohne den Modergeruch von Büchern, in die einst Gesetze geschrieben wurden.

Ich habe Sehnsucht nach einem Land HINTER DER MAUER, das in den Sagen Die Freie Welt genannt wird. – Roland Exner

 

 

Auf dem Deckblatt o.g. Ausgabe irritiert mich der Titel: „Die staatliche Willkür der DDR…“ insofern, daß er mir inpliziert, es gäbe sie noch – die DDR. Oder interpretiere ich vielleicht etwas altmodisch? Um eine Antwort wäre ich verlegen. – Reinhardt Hackl

 

 

In diesem Jahr des Gedenkens der Friedlichen Revolution in der DDR wird zugleich viel darüber nachgedacht, ob die durch die Revolution ermöglichte Wiedervereinigung „gelungen“ sei oder nicht. TV, Radio, Talk-Shows und vor allem die Printmedien sind voll tiefsinniger Analysen und Kommentare.

Warum nur sind die „Ossis“ nicht voll des Jubels, sondern voller Kritik, ja Widerspruch. Und warum münzen sie ihre Kritik in Wählerstimmen für den rechten und linken Rand um? Warum ist das so ? Bei allen zutreffenden und nicht zutreffenden Argumenten bleibt ein Aspekt außen vor:

Die Rolle der Medien in der Begleitung der Wiedervereinigung, von 1989 bis heute. Ich weiß, dass das für die Medien ein „heißes Eisen“ ist, geht es doch um sie selbst.

Und am wenigsten selbstkritisch sind die Medien, ist es doch leichter, andere zu kritisieren, als sich im Bedenken der eigenen Fehler selbst an die Brust zu klopfen und zu korrigieren. Ich habe als erster Stadtbaurat (Baudezernent) nach der Wende in Erfurt gearbeitet.

Die Bauverwaltung mit ihren (damals) acht Ämtern habe ich von „0“ an aufgebaut. Nach etwa 1 ½ Jahren hatten wir den Standard einer vergleichbaren westdeutschen Großstadt erreicht, etwa 700 Mitarbeiter arbeiteten unter meiner Leitung. Die acht Amtsleiter waren allesamt erfahrene Diplom-Ingenieure, die in der DDR wegen ihrer Parteilosigkeit in der 2. oder 3.Reihe arbeiten mussten.

Diese Aufbauarbeit haben wir ohne jeden westdeutschen Gastbeamten geleistet, mit Arbeitszeiten auf den Leitungsebenen von 12..14 Std. täglich, 6 Tage die Woche. In dieser Zeit habe ich reichlich Kontakt mit den Medien gehabt, sie waren immer auf der Suche nach unseren Fehlern (die wir natürlich auch gemacht haben), von diesen haben sie genüsslich berichtet.

Die Spitze war ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung in dem wurde uns der pure Dilettantismus bescheinigt, Autor war ein westdeutscher „Berater“, der uns kurzzeitig verordnet worden war. Von den enormen Kraftanstrengungen unserer Aufbauarbeit kein Wort. Stattdessen die Begründung der angefragten Medienvertreter ob dieses Mangel:

„Das wollen unsere Redaktionen nicht hören und unsere Leser nicht lesen“. Im Grunde genommen hat sich diese Tendenz in der sog. 4.Gewalt bis heute in dieser oder jener Form fortgesetzt.

Medien, die auf Gewinn getrimmt sind, werden immer Schlagzeilen drucken und Inhalte formulieren, die den Kick des Negativen haben. Gebraucht hätten die Ostdeutschen aber Berichte über die enormen Kraftanstrengungen und das unglaubliche Engagement der Mitarbeiter gerade in den öffentlichen Verwaltungen.

Die Erwartungen der Mitbürger in die neue Bürokratie waren hoch und es war unser gemeinsames Ziel zu zeigen, was wir leisten können, dass „wir auch nicht auf der Wurstsuppe daher geschwommen kamen“.

In Fachkreisen des Westens haben wir viel Lob und Respekt erfahren. In den Medien ? Wer leistet und dafür gelobt wird, spürt, dass seine engagierte Arbeit wahrgenommen wird. Das beflügelt. Und genau das fehlte. Eine große, vielleicht sogar historische Leistung zum Beispiel im Neuaufbau der Verwaltung auf allen Ebenen, hat kaum Anerkennung gefunden.

Ich würde mir sehr wünschen, dass heute in der Zeitung auch mal stünde und vor allem gewürdigt würde, dass wir z.B. die höchsten Sozialausgaben in Europa haben, also das dichteste soziale Netz. Dass unser Gesundheitswesen zu den besten der Welt gehört (vielleicht sogar das Beste ist). Oder dass unsere Universitäten begehrte Bildungsstätten in der Welt sind. Oder dass unsere Städte genau die „blühenden Landschaften“ geworden sind, die Kanzler Kohl versprochen hatte.

Das trifft insbesondere auf Erfurt zu, dessen planmäßiger Verfall in den ersten Nachwendejahren gestoppt wurde. Wenn aber vor allem die negativen Seiten unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens in den Medien hervorgehoben werden, dann darf man sich doch nicht wundern, wenn die öffentliche Meinung nach genau dieser Seite kippt und diesem Kippen eben auch Ausdruck in der Wahlkabine gegeben wird. – Hermann H.Saitz

 

 

Als Wessi, der im Osten lebt, habe ich die Ergebnisse der Studie mit Interesse zur Kenntnis genommen. Mich erstaunen die Zahlen, ehrlich gesagt, nicht. Manches ist m. E. aber gar kein ???Ost-Problem???: Dass sich die Einkommen in Deutschland immer weiter auseinanderbewegen, schreiben Sie auf Ihrer Website selbst. Das spricht nicht daf??r, dass es um die soziale Gerechtigkeit in Deutschland gut bestellt ist.

Dass die Qualit??t der Schulbildung abnimmt, ist ebenfalls ein gesamtdeutsches Ph??nomen, wobei der Osten seinen Niveauvorsprung bisher aber gehalten hat. Und nur deswegen schneiden die ostdeutschen L??nder nach wie vor besser ab als der Westen.

Bei der Frage nach der staatlichen Willk??r gibt es tats??chlich Unterschiede, die sich auch messen lassen. Bereits 2005 hat das manager magazinfestgestellt, dass die Finanz??mter im Osten strenger pr??fen als im Westen. Damals hat der Impulse-Chefredakteur gemutma??t, dass die ostdeutschen Finanz??mter ihre Ermessensspielr??ume oft nicht nutzen. Ich w??rde meinen, dass sie es schon tun, aber meist f??r den Staat und gegen den B??rger.

Untermauern l??sst sich diese Annahme mit einer kleinen geographischen Betrachtung: Noch 2002 gab es in Ostdeutschland (au??er in Sachsen) bei den Verfahren vor Verwaltungsgerichten mehr Neuzug??nge pro 100.000 Einwohner als im Westen (Abb-01 im Anhang). 2015 stechen nurmehr Berlin und Brandenburg negativ hervor (Abb-02 im Anhang); dies allerdings deutlich. Gleichzeitig unterliegen die Beh??rden in Berlin und Brandenburg in den Verfahren ??berproportional selten (Abb-03 im Anhang).

Ich w??rde dieses Ergebnis damit erkl??ren, dass die Menschen, die im Mittelbau der Beh??rden arbeiten, nie haben umdenken m??ssen und letztlich mit ???dem Volk??? immer noch genauso umgehen, wie sie fr??her auch getan haben. Und dass sie nicht umdenken m??ssen, liegt auch daran, dass die Justiz ihnen keine ausreichenden Grenzen setzt. Insofern leitet sich das Ergebnis Ihrer Studie in meinen Augen weniger aus dem komischen Gem??tszustand ???der Ossis??? ab, als vielmehr aus deren sehr realer Erfahrung mit den Ostbeh??rden.

Ich lebe wirklich gerne im Osten und habe viele Ostfreunde, aber aufgrund der Erfahrungen mit den Beh??rden hier, w??rde ich mir, wenn ich es heute entscheiden m??sste, einen erneuten Umzug hierher nochmal genau ??berlegen. – Ilkay Müller

 

 

30 Jahre Mauerfall ist zweifellos ein zwingender Anlaß, dieses Ereignis zum Titelthema der ZEIT-Ausg. Nr. 41 zu machen. Zielgenau wird darin das Ergebnis einer von der ZEIT in Auftrag gegebenen Studie zu Erfassung der Stimmungslage der Ostdeutschen präsentiert und dieses vom Autorenduo M. Machowecz und H. Wefing ausgiebig interpretiert.

Leider wird an keiner Stelle ihrer Ausführungen auf die seit 2000 – da gab es eine analoge Studie – und noch stärker seit 1991 eingetretenen demographischen und sozialstrukturellen Veränderungen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR eingegangen. Es wird auch nur das Wort Ostdeutschland gebraucht, obwohl z. B. Thüringen in der Mitte Deutschlands liegt.

Ein weiteres Manko der Studie ist die geringe Anzahl der Befragten. Zumindest der Nichtstatistiker bezweifelt, daß 1029 befragte Personen, entsprechend 0,0088 % der etwa 11.7 Mio Wahlberechtigten, repräsentativ sein können? Nötig wäre doch wohl auch eine analoge Studie zur Stimmungslage der „West“deutschen. Warum wird eine solche nicht in Auftrag gegeben?

Auch da dürfte eine Stimmungsverfinsterung festzustellen sein. Aus beiden Studien könnten aber Empfehlungen für gesamtdeutsches Handeln abgeleitet werden. Mit den letztlich empfohlenen Parteieintritten und Vereinsgründungen als Mittel zur Veränderung dürfte ein positiver Wandel nicht erreichbar sein.

Schlussfrage: Gibt es eigentlich für die registrierte Entwicklung keine Verantwortlichkeit der Bundesregierung, denn diese wird bei der Interpretation mit keiner Silbe erwähnt? – Hans Anhoeck

 

 

Zumindest eines ist in der Bundesrepublik besser: Jeder kann das Land verlassen ohne erschossen zu werden! Zu einem Staat, der den Straftatbestand „Republikflucht“ einschließlich Schießbefehl kennt, fällt mir weiter nichts ein. – Prof. Dieter Mutschler

 

 

Am 9. November jährt sich zum 30. Mal der Tag, an dem die Mauer fiel. Diesem werden die Medien so ausgiebig und intensiv gedenken wie nur wenigen politischen Ereignissen der Vergangenheit. Der Grundtenor wird sein: Es war ein freudiges Ereignis.

Wir werden von unzähligen Geschichten und Schicksalen zu hören und lesen bekommen, die zum Fall der Mauer geführt oder beigetragen haben. Wir werden (zu Recht) erfahren, wie unmenschlich die mit Stacheldraht bewehrte Mauer war. Uns wird (zu Recht) noch einmal in Erinnerung gerufen, dass der Fall der Mauer ein Segen war. Wir werden (zu Recht) erfahren, was sich alles zum Guten und Besseren entwickelt hat.

Dabei werden wir von Schicksalen erfahren, die durch den 9. November 1989 in eine völlig andere, positive Richtung verändert haben. Selbst die Bundeskanzlerin verdankt dem Mauerfall ihr hohes Amt. Es werden (zu Recht?) so gut wie immer ostdeutsche Schicksale sein, von denen wir erfahren werden.

Wir werden aber so gut wie nichts von Schicksalen erfahren, die durch den Fall der Mauer eine völlig andere, desaströse Richtung genommen haben – und schon gar nicht, wenn es sich um ein westdeutsches Schicksal handelt. Wir werden nichts von Menschen und Familien erfahren, die beim Wiederaufbau im Osten Arbeitsplätze gerettet und neue geschaffen haben aber als Folge davon selber in den Ruin geraten sind.

Wir werden nichts von Menschen erfahren, die an eine positive Zukunft als Folge des Mauerfalls geglaubt haben vertrauend auf einen Staat, der seine Funktion als Schutzpatron des Bürgers erfüllt (Paul Kirchhof, ehemaliger Richter am Verfassungsgericht). Wir werden nichts von Menschen erfahren, die der Staat und die Gesellschaft dabei allein gelassen haben.

Und schon gar nicht werden wir von dem erfahren, was diese Menschen empfinden, die nicht zu den Gewinnern sondern in den Ruin geraten sind. Vor 200 Jahren hatte Hölderlin, der u. a. so sehr auf die französische Revolution und mit ihr auf Napoleon gesetzt hatte und enttäuscht wurde, dies so ausgedrückt:

Das Angenehme dieser Welt hab´ ich genossen.Die Jugendstunden sind, wie lang! wie lang! verflossen,April und Mai und Julius sind ferne,ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne.Wir werden nichts davon erfahren. Oder sollte ich mich sehr irren? Ich könnte Ihnen helfen. – K. Goecke

 

 

Wen nur ist Text für die Titel-Aufmachung auf Seite 1 eingefallen, und niemandem ist der Lapsus aufgefallen? – Wolfgang Burkhardt

 

 

Das Verbreiten der Leugnung der Gräuel der faschistischen Diktatur, die wir unlängst in Deutschland noch hatten, ist in unserem Land erfreulicher Weise per Gesetz verboten. Die Verbreitung der Leugnung der Gräuel der DDR- Diktatur sollte der Anstand verbieten, wenn es nicht der Verstand tut.

Auch dann, wenn die Aussicht auf einen Aufmacher lockt, der Aufmerksamkeit verspricht. Sogar, wenn das Streben nach solcher Aufmerksamkeit sich in den Wunsch kleidet, mal ein richtig starkes Zeichen zu setzen, ein wagemutiges Bekenntnis zu unabhängigem Journalismus zu platzieren, oder lehrstückhaft zu zeigen, wie die Wahrheit tapfer auch dann ans Licht eines Aufmachers gezerrt wird, wenn diese eine häßliche Fratze trägt.

Egal, welche Beweggründe ihre Redaktion zu diesem Aufmacher zwang, mir erscheint er unentschuldbar. Den Anführungszeichen im Aufmacher und den umseitig dann auch kenntlich gemachten Zitaten gelingt es nicht darüber hinweg zu helfen, dass die Redaktion sich hier zum Sprachrohr gemacht hat.

Und das ist schlecht. Denn jeder weiß: Sprachrohre verstärken und machen lauter und größer. Das machen Sprachrohre, selbst wenn ein Sprachrohr träumt, es sei ein mahnender Zeigefinger.

Im Fall der Ausgabe vom 2.10. 2019 unterstützt die Wahl des Aufmachers alle, die jene Lüge etablieren wollen, die von der Redaktion fett gedruckt wurde.

Grund sich zu Wort zu melden, doch damit nicht genug. Statt den Ostdeutschen, des Westdeutschen wenig edlen Wilden, mal wieder zu analysieren, zu untersuchen und zu erläutern, im Bestreben dadurch ein gesamtdeutsches Problem zu erklären, sollte die Redaktion der Zeit öffentlich darüber nachdenken.

„Womöglich haben sich Realität und Wahrnehmung teilweise von einander entkoppelt“, schreibt die Zeit über den Ostdeutschen. Angesichts der Tatsache, dass es in Deutschland keinen einzigen ostdeutschen Hochschulrektor gibt, nur 1,7 Prozent aller Hochschulprofessoren in ganz Deutschland Ostdeutsche sind und eine ähnlich winzige Rate Ostdeutscher z.B. in Redaktionen bedeutenden Wochenzeitschriften als Redakteure öffentlich über unsere Gesellschaft nachdenken dürfen, angesichts dieser Tatsachen, welche bei der jüngsten Ossianalyse der Zeit leider keine Erwähnung fanden, ist zu fürchten, dass es die Redaktion sein mag, deren Wahrnehmung sich teilweise von der Realität entkoppelte, wenn diese ratlos fragt, was sich wohl im ganzen Land verändern müsste.

Mangelnde Integration befeuert Demokratieferne, unser gemeinsames Problem, das West- und Ostdeutsche gleichermaßen bedroht, betrifft und verpflichtet! Die Konstruktion der Identität der anderen, der Ostdeutschen, ist nichts, was uns verbinden wird oder die Demokratie stärken kann, denn Identität gibt es nur durch Differenz.

Näher bringen Ossianalysen nur Westdeutsche einander. Denen es gemeinsam weder an Hochschulrektoren, Professoren oder Redakteuren mangelt, durch die sie sich vertreten fühlen können.
Doch nun ist da das Entsetzen über Preis und Folgen dieser Gewohnheit, den Ossi zu erklären statt ihn zu integrieren.

Versäumt wurde Akzeptanz. Und Akzeptanz ist nun mal immer auch die Akzeptanz von Minderheiten. Und es gibt Minderheiten, sogar unter den Ostdeutschen. Wäre dem nicht so, hätte es keine Revolution gegeben, die uns zwar nicht die Chance gab, eine der ihren zu werden, aber uns ermöglichte, zu lesen was ihr schreibt.

Ganz ausgestorben ist diese kleine Bevölkerungsgruppe unter den Ostdeutschen nämlich tatsächlich noch nicht, die sogar schon, als dies noch lebensgefährlich werden konnte, der Meinung war, dass eine Demokratie die einzig erstrebenswerte Gesellschaftsordnung ist, und unbedingt erkämpft und verteidigt werden muss.

Ich z.B., und es ist nicht nur meine gesellschaftliche Verantwortung, die mich das hier schreiben lässt, sondern auch ein gerüttelt Maß Wut angesichts eines Aufmachers, der Opfer einer Diktatur beleidigt!

Jeder weiß, dass keiner es mag, wenn für ihn gesprochen wird. Daher sollte es nicht erstaunen, wenn ich gestehe: Ich hasse es, wenn der Ossi erklärt wird. Das wird nicht besser, wenn dies reißerisch geschieht. Und vom Zeitaufmacher des 2.10. 2019 fühle ich mich schlicht vergewaltigt. – Juliane Ebner

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Jetzt hört mal zu!“ von Doreen Borsutzki (Infografik), Martin Machowecz und Heinrich Wefing

 

Eine sehr sachliche und interssante Umfrage und ein hochinteressanter Artikel „Jetzt hoert mal zu“ der 3 Autoren! Aber waere nicht dazu eine Befragung bei den Buergern der westdeutschen Bundeslaender in den nichtDDR-spezifischen Fragen 1,3,4,8,9 eine sinnvolle Ergaenzung? Hier kommen auch die Entwicklungen der letzten 30 Jhre wie Digitalisierung, Aenderunge der Arbeitswelt etc zum Tragen.

Empoert haben mich die negativen 58% zur …staatliche Willkuer und die 41% zur …Meinung frei zu aeussern! Dazu meine 2 Beispiele aus der DDR: Nach der Grundschule in der DDR (8 Jahre) besuchte ich 1950 die Deutsche Uhrmacherschule Klasse Feinmechanik in Glashuett/Sa als letzter Jahrgang. Trotz bester Noten beim Abschluss ( und einer staatlichen Geldpraemie) durfte ich nicht studieren, da mein Vater kein „Arbeiter oder Bauer“ war!

Ist das nicht staatliche Willkuer? Dazu gaebe es noch viele Beispiele. Auf der Flucht im Zug nach Berlin wurden alle jungen Menschen von der Polizei in ein bewachtes Abteil gebracht, hier herrschte eisiges Schweigen und dann nebenan wurde verhoert, mit einer Lampe ins Gesicht!

Ich war gut vorbereitet mit einer Einladung zur Vorstellung in Ostberlin und marxistisch leninistischer Reiselektuere.

Im Auffanglager Kladow in Westberlin traf ich etliche der Insassen des „schweigsamen“ Abteils wieder und jeder sagte zum anderen: Dich habe ich fuer einen ueberzeugten Buerger der DDR gehalten! Ich finde das typisch fuer jede ideologische Diktatur! Nach meiner Meinung muss Demokratie erstritten und Meinungsfreiheit genutz werden. – Juergen Keller

 

 

Wenn 41 % der Ostdeutschen meinen, man könne heute seine Meinung nicht freier oder sogar nur weniger frei äußern als vor 1989 in der DDR, wenn 22% sich vor staatlicher Willkür weniger geschützt fühlen als in der DDR und 36 % diesbezüglich keinen Unterschied sehen zwischen der Rechtsordnung des Grundgesetzes und der der DDR, so sind das sicher traurige Ergebnisse.

Aber wenn die schlauen Kommentatoren als Grund dafür und für andere negative Urteile die Erfahrungen der Ostdeutschen mit der Treuhand, die Öffnung der Grenzen für die Flüchtlinge im Jahre 2015 und das erfüllte Alltagsleben in der DDR mit sicherem Arbeitsplatz, Datsche und sozialem Frieden anführen, so ist das sicher zu kurz gesprungen.

Ähnlich wie es nach dem 2. Weltkrieg bei uns plötzlich keine Nazis gab, wird bei der Bewertung der Befindlichkeiten der Ostdeutschen offenbar völlig übersehen, dass es vor 1989 in der DDR viele überzeugte Anhänger und Nutznießer des dortigen Regimes gegeben hat: die Mitglieder und vor allem die Funktionäre der SED, die Mitarbeiter der Stasi und des Staatsapparates einschließlich der verstaatlichten Betriebe und der staatlichen Medien, die Angehörigen des Militärs u.s.w.

Die Prozentzahlen kenne ich nicht, aber es werde ja sicher 20 bis 30 % der Bevölkerung gewesen sein, vor allem wenn man die Familienangehörigen mitrechnet. Diese Gruppe der Bevölkerung hat ja 1989 nicht schlagartig ihre Überzeugung geändert oder ist zum Westen übergelaufen und sie lebt zum größten Teil auch heute noch. Viele haben sich mit denen aus dem Westen zusammengetan, die schon vor 1989 der Meinung waren, in der DDR herrschte das bessere System.

Sie organisierten sich zunächst in der SED-Nachfolgepartei und finden heute in der Linken eine neue Heimat. Andere gingen in die innere Emigration und witterten Morgenluft, als die Pegida-Bewegung „Lügenpresse“ und „Merkel muss weg“ schrie. Sie finden sich heute in der AfD.

All diese Gestrigen trauern weiterhin der Vergangenheit nach und sind sicher zu einem nicht unerheblichen Teil für die Ergebnisse solcher Umfragen mitverantwortlich, wobei heute noch verstärkend der Einfluss der Blasen in den neuen Medien hinzukommt. – Dr. Wolf-Dieter Hauenschild

 

 

Sie schreiben zum Ergebnis Ihrer Umfrage in Ostdeutschland verdattert: „Das sind Zahlen, die im ersten Moment kaum zu fassen sind“. – Könnte es sein, dass dies der Beginn der Erkenntnis ist, Ihrer eigenen jahrzehntelangen Propaganda aufgesessen zu sein?

Nach offizieller westdeutscher Lesart (und wie stets schreiben auch hier die Sieger die Geschichte) war die DDR ja irgendso etwas von Stasihölle bis Kuriositätenkabinett – und dazwischen alles Grau in Grau.

„Zeitzeugen“ sind nur die, die diese Sicht bestätigen. Die Millionen Zeitzeugen (die es ja listigerweise noch gibt), die in der DDR ein ganz normales (auch glückliches!) Leben geführt haben, waren immer nur „unverbesserliche Ostalgiker“. Und dass die DDR eine Mangelgesellschaft gewesen sei, ist eine Behauptung derer, die den perversen Saus und Braus, in dem der Westen auf Kosten des Restes

der Welt lebt, als selbstverständlichen, ihm zustehenden Normalzustand ansieht.

Übrigens: Warum die Mehrzahl der Ostdeutschen findet, „in der deutschen Debatte werde zu negativ über die Lage in Russland gesprochen“, ist nicht verwunderlich. Man blättere nur ein paar Seiten weiter in Ihrer Nr. 41 und lese das Schauermärchen „Mordbefehl aus Moskau?“ – Haarsträubend, Ihre Berichterstattung. – Wolfgang Hupe

 

 

Interessiert sich eigentlich noch irgend jemand für die Befindlichkeit und Anerkennung der Lebensleistung der Westdeutschen und deren Demokratieverständnis? Die Behauptungen, die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung und der Schutz vor staatlicher Willkür seien schlechter geworden, zeigen doch, dass diese Menschen nichts verstanden haben. Natürlich kann jeder seine Meinung äußern.

Allerdings – je extremer meine Meinung ist, desto eher wird diese Meinung abgelehnt. Von Freunden, Bekannten, etc. Das muss ich akzeptieren, aber ich muss mit keinerlei Repressalien seitens staatlicher Einrichtungen rechnen.

Demokratie bedeutet auch, dass eine gewählte Regierung Entscheidungen trifft, die ich nicht gutheißen kann. Ich war z.B. gegen die Wiedervereinigung. Deswegen wäre ich aber nie auf die Idee gekommen, von staatlicher Willkür zu sprechen. – Ursula Wagner

 

 

Die Ostdeutschen müssen selbst an den Machtverhältnissen rütteln… mit diesem Zitat des Soziologen Kaj Kollmorgen schließt der inspirierende Text über die Skepsis der Ostdeutschen gegenüber der bundesrepublikanischen Demokratie.

Ein wichtiger Aspekt für diese Skepsis ‚im Osten‘ ist lt. einer von der ZEIT in Auftrag gegebenen Studie die Unzufriedenheit mit den Löhnen, Gehältern und Renten sowie das verbreitete Gefühl von Machtlosigkeit.

Kollmorgen resümiert, die Ostdeutschen müssten, statt auf den Staat zu warten, in die Parteien eintreten und die „Möglichkeiten der demokratischen Partizipation“ für sich nutzen. Ja, aber warum so allgemein?!

Gerade wenn es um die Unzufriedenheit mit Löhnen, Gehältern, Arbeitsbedingungen, langen Arbeitszeiten, Partizipation in der Arbeitswelt etc. geht, gibt es in unserem Land Institutionen und Akteure, die an den Machtverhältnissen eines ungezügelten Neoliberalismus und Finanzkapitalismus rütteln und sich für gute Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzen:

die Gewerkschaften mit den von ihnen verhandelten Tarifverträgen und die Betriebsräte mit ihren betrieblichen Regelungskompetenzen. Doch damit sieht es im Osten gegenwärtig eher duster aus:

2017 betrug Studien des DGB zufolge die Tarifbindung ostdeutscher Betriebe nur noch 18%, seit 1996 ist die Flächentarifbindung der Beschäftigten in Ostdeutschland um 22% auf nur noch 34% zurückgegangen.

Lt. einer Studie des WSI der Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2019 verdienen Beschäftigte im Osten bei gleicher Qualifikation 17 Prozent weniger im Westen. Als zentraler Grund kann die geringe Tarifbindung gelten. Hinzu kommt: Arbeiteten 1996 noch 43% ostdeutscher Beschäftigter in einem Betrieb mit Betriebsrat, sind dies gegenwärtig nur noch 33% (Schlusslicht ist Sachsen mit 31%).

Um an den Machtverhältnissen zu rütteln, ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse zu verbessern und ein stärker bürgerlich-demokratisches Selbstbewusstsein zu erlangen, ist es meiner Ansicht nach in der Tat nötig, dass die ostdeutschen Arbeitnehmer sich auf den Wert ihrer genuinen Organisationsformen besinnen und sich (wieder) in den Gewerkschaften organisieren, statt den luftigen Versprechungen moderner Rattenfänger nachzulaufen. Also, liebe ‚Ossis‘: Tretet ein! – Prof. Dr. Erhard Tietel

 

 

Zwischen den Umfragen 2000 und 2019 ereigneten sich: Bankenkrise, Griechenlandhilfe, Völkerwanderung! Hier haben unsere verantwortlichen Politiker mit kaum verhüllter „Wir schaffen das!“-Hybris die Großen, „Wichtigen“, die mächtigen (europäischen) „Freunde“ gestützt – die Kleinen, „Unwichtigen“, das Volk ließen sie die Folgen ihrer getroffenen Entscheidungen ausbaden, an denen es noch weit in die Zukunft zu knabbern haben wird!

Nach Gutdünken, Gutmenschen- und Gutsherrenart haben sie Gesetze gebrochen, Abkommen unterlaufen, an deren Abfassung sie selbst beteiligt waren! Erinnert diese Art Politik nicht fatal an die unseligen DDR-Zeiten?

Ist es da nicht allzu verständlich, ja geradezu notwendig, daß die Ostdeutschen, deren mutige unblutige Revolution für Demokratie und Freiheit die deutsche Einheit erst ermöglicht hat, sich auflehnen gegen diese permanente undemokratische Taktiererei im Graubereich der Gesetzesübertretungen?

Um sich dafür noch von Westdeutschen, die sich fragen sollten, warum sie nicht genauso heftig protestiert haben gegen diese Schwindsucht demokratischer Politik, als Jammerossis, Rechtspopulisten und Rassisten beschimpfen zu lassen!

Hätte man in der Umfrage gezielt nach der Art der Bewältigung der o. g. Großprobleme gefragt, wäre das Urteil vermutlich noch vernichtender ausgefallen! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 

 

Alles in allem sei die Stimmung 30 Jahre nach der Wiedervereinigung mies und zwar im Osten. Das ist der auf die Studie des Instituts Policy Matters gestützte Befund. Doch auch im Westen ist die Stimmung nicht die beste. Sie lässt sich, ebenso wie die dafür maßgeblichen Gründe, von der im Osten nicht entkoppeln.

Sicher gibt es im Osten Besonderheiten, die sich in erster Linie aus dem Prozeß des Anschlusses der DDR an die BRD erklären lassen. Darauf allerdings stellt die Umfrage nur sehr bedingt ab. Hingegen dürften die zentralen Fragestellungen, wie die zur Demokratie und zur sozialen Sicherheit, im Westen von gleicher Rangigkeit sein. Ausdruck findet die miese Stimmung im Osten vor allem in den Wahlergebnissen der AfD. Doch auch im Westen ist diese schon lange keine Splitterpartei mehr.

Die Umfrage und der Kommentar dringen nicht zu der Fragestellung vor, weshalb so viele Bürger mit der Art und Weise wie unsere Demokratie praktiziert wird nicht zufrieden sind. Was konkret beanstanden die Bürger ?

Dass sie nur einmal innerhalb von 4 Jahren wählen dürfen, dass die Wahlscheine zu unübersichtlich oder schlecht lesbar sind, dass es im Wahllokal keinen Kaffee und Kuchen gibt ODER dass sie der Politik, ihren Politikern nicht mehr vertrauen (seit Jahren gehen 30 bis 50% der Leute nicht mehr zur Wahl) und trotz der wiederholten Beteuerung, wir haben verstanden, weitermachen wie immer.

„Das Volk“ weiß Vieles nicht und kann und will Vieles auch gar nicht wissen. Aber es will vertrauen können. Ansonsten: es hat immer wieder bewiesen, dass es ein untrügliches Gefühl dafür besitzt, wenn es nicht fair zugeht und dass es sich zu wehren weiß. Dass dabei die Demokratie gestärkt wird, ist nicht ausgemacht. – Dr. Joachim Tischendorf

 

 

Diesen Artikel exemplarisch zum Anlass nehmend: Ich bin 1967 im Osten geboren, hier aufgewachsen, habe immer hier gelebt. Für mich, meine Schwester, meine Eltern, deren Freunde, meinen Mann, unsere Freunde war der Zusammenbruch der DDR 1989 ein großes Glück. Wir sind alle froh und glücklich, nicht mehr in diesem Land und unter diesen Bedingungen leben zu müssen und sind alle unseren Weg gegangen.

Dass das nicht immer einfach war und ist und nicht immer nach persönlichem Wunsch geschieht, ist doch vielleicht völlig normal und gehört zum Leben dazu? Wir hatten nie ernsthafte Probleme damit, Ossis zu sein und haben uns nie als Menschen zweiter Klasse gefühlt.

Mir geht die seit Monaten betriebene und aus meiner Sicht übertriebene „Ossi-Versteherei“ und das damit verbundene Gejammer gehörig auf die Nerven.

Vielleicht sollten wir akzeptieren, dass die schlechte Stimmung, das Unverständnis für die Demokratie und das Bedürfnis, AfD zu wählen (ich denke nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Positionen) auch etwas mit den handelnden Personen zu tun hat und nicht nur auf die „bösen Umstände“ zurückzuführen ist?

Ich weiß nicht, in welchem Land die Leute vor 1989 gelebt haben, die jetzt die Lebensbedingungen in Bezug auf Demokratie und Meinungsfreiheit mit der DDR vergleichen. Es gehört auf jeden Fall viel Nostalgie und Realitätsverweigerung dazu.

Ich denke eher, dass die jetzigen Probleme im Osten Folge des Lebens und der Prägung in der DDR-Gesellschaft sind (kleinbürgerliche homogene Arbeitergesellschaft, keine Mittelschicht, wenig fremde Einflüsse) und nicht durch die

„Traumatisierung“ der Menschen durch die sogenannte Transformation zu entschuldigen sind.

Ich denke, dass dieser demokratiefeindliche, unzufriedenene und AfD-freundliche Bevölkerungsanteil im Osten genau wie alle anderen Menschen aktiv handelt und bewusst denkt und dafür letztendlich auch verantwortlich ist und es keinem gut tut, das durch die äußeren Umstände zu entschuldigen. – Sabine Maass

 

 

Wenn das wirklich stimmt, dass 58% Ostdeutschen sagen, dass der Schutz vor staatlicher Willkür in Deutschland, verglichen mit der in der früheren DDR, schlechter geworden ist oder sich kaum verändert hat, dann MÜSSEN die 58% Ostdeutschen zum Arzt gehen. DRINGEND!!! – Tomek Walter

 

 

In den Umfrageergebnissen des Berliner Institutes Policy Matters, die zum Tag der Einheit 2019 in der ZEIT Nr.41 veröffentlicht wurde, spiegelt sich in den Fragebereichen zu Fortschritt und Zufriedenheit das in den östlichen Bundesländern verbreitete Narrativ, das Leben in der DDR sei zwar Beschränkungen unterworfen gewesen, aber man habe umfassende staatliche Fürsorge und Sicherheit genossen:

Soziale Gerechtigkeit, Absicherung gegen Lebensrisiken, Arbeitsplatzsicherheit, Alterssicherung, Sicherheit vor Kriminellen.
Ich habe 1990 an einer Tagung von (Noch)DDR-Pädagogen und Kollegen aus dem Münchner Raum teilgenommen. An einem Abend saß ich mit einem Ost-Kollegen beim Wein zusammen, und es wurde spät. Da sagte er unvermittelt und mit Betonung:

„Sie habeneinen großen Fehler gemacht!“ Ich sah in fragend an, aber er ging dann nicht weiter darauf ein. Eine Zeit und einen Wein später sagte er nochmals: „Sie haben einenFehler gemacht!“ Und sprach weiter: „Sie (sc. die „Westler“) haben uns zu früh geholfen!“

Ich kann diese Sätze nicht vergessen, und ich halte sie für einen Schlüssel zum Verständnis der Lage im Osten. Die wirtschaftliche und soziale Sicherheit in der DDR stand 1989 vor dem Zusammenbruch. Es drohten laut Politbürovorlage der SED vom 30.10.1989 u.a. die unmittelbare staatliche Zahlungsunfähigkeit, der „Aderlass“ an Arbeitskräften (Entlassungen) und die Abschaffung der bestehenden Subventionswirtschaft.

Durch das rasche Eingreifen Westdeutschlands haben große Teile der Ost-Bevölkerung nicht erlebt, wie trügerisch die Fürsorge und Sicherheit der Bürger der DDR war. – Dr.Helmut Anselm

 

 

Gedankenfreiheit wird in einem totalitären Staat still gelebt. Dabei liegt in der objektiv total falschen Welt, in der man lebt, die eigene subjektive Welt immer richtig, ohne dass sie sich in der Wirklichkeit als geäußerte Meinung bzw. wahrheitsfähige Auffassung ohne Risiko beweisen kann bzw. muss.

Mit dem Verschwinden der äußeren Totalität ist plötzlich auch diese Innenwelt, sind die geheimen Gewissheiten bedroht. Erschreckend: Mehr als erwartet ist das vermeintlich Eigene mit der verschwundenen Totalität verbunden.

Tragisch: Oft erweist sich die doch immer für wahr gehaltene innere Welt, kaum dass sie sich offen äußert, in der Welt der freien Meinungsäußerung als nicht haltbar. Verständlich, wenn 41 % der ostdeutschen Bürgerinnen und Bürger diese Relativierung und Entzauberung so erleben, dass die Möglichkeit, die eigene Meinung frei zu äußern, schlechter geworden ist oder sich kaum verändert hat.

Besonders bedrohlich erscheint hier die hoch entwickelte kritische freie Medienwelt, wenn sie die in der Totalität etablierten Lebenslügen schonungslos offenlegt.

Zugleich gibt es in einem totalitären Staat natürlich einen Alltag, in dem man auch eigene Angelegenheiten durchaus erfolgreich verfolgen und sich als selbstwirksam erleben kann. Mit dem Verschwinden der äußeren Totalität fehlen plötzlich alle Anknüpfungspunkte für diese kleinen Erfolgserlebnisse. Erschreckend:

Mehr als erwartet ist die vermeintlich eigene Natur – Persönlichkeit, Charakter, Haltungen, Strategien – der verschwundenen Totalität verhaftet.

Das alternativlos etablierte westdeutsche Modell wird als neue Totalität erlebt, die mit ihren staatlichen Strukturen gewachsene Lebenschancen, Selbstwirksamkeitsmöglichkeiten, Gewohn- und Vertrautheiten raubt.

Wo diese Strukturen nicht unmittelbar selbst raubend tätig werden, lässt der freiheitlich-demokratische Staat den Raub doch stets ungestraft und ungebremst zu. Tragisch: Im erlebten freien Fall fehlt jede Garantiemacht, die alte wie die neue.

Verständlich, wenn 58 % der ostdeutschen Bürgerinnen und Bürger es so erleben, dass der Schutz vor staatlicher Willkür schlechter geworden ist oder sich kaum verändert hat. Besonders bedrohlich erscheint hier die Freiheit, wo sie in langjährig gewachsener und eingeübter Form souverän, entspannt, cool und unendlich überlegen auftritt, während man selbst auch trotz äußerster Anstrengung und Anpassungsleistung erfährt, dass man nie frei werden wird.

Die Konsequenz: Erneuter Rückzug in eine inzwischen ganz auf Abwehr eingerichtete Innenwelt. Abwehr, um das zu schützen, was dem Raub noch nicht ganz zum Opfer gefallen ist. Abwehr von allem, was in den vergangenen 30 Jahren als gefährlich erlebt worden ist. Erschreckend: Mehr als erwartet bestimmt die vor 30 Jahren verschwundene Totalität das eigene Leben.

Immer noch. Und immer stärker. Tragisch: Wie konnte es dazu kommen, dass die Identifikation mit der Totalität als Rettung des verbliebenen Eigenen, als Rettung vor dem vollständigen Verschwinden des Selbst, als Rettung aus der traumatisierenden Ohnmachtserfahrung empfunden wird?

Fatal: Bei dieser Identifikation mit dem Falschen helfen immer mehr rechtsnationale Brückenköpfe. Brückenköpfe für die Flucht aus der Realität, für den Weg in eine scheinbar erlösende Selbstermächtigung. Selbstermächtigung durch totale Verweigerung, sich freiheitlich-demokratischen Ansätzen anzuschließen.

Selbstermächtigung durch den Anschluss an das Rechtsnationale, das die Totalverweigerung selbstbewusst inszeniert und zelebriert. Erst diese Selbstermächtigung kommt als Schmerz in der freiheitlich-demokratische Welt an und führt zu heftigen allergischen Reaktionen.

Endlich wieder ein kleines Erfolgsgefühl! Die autoaggressiven Züge dieser Ausrichtung und die Phantomschmerzen werden selbst kaum wahrgenommen, zumal die verdorrenden Lebenslügen endlich wieder Nahrung erhalten, endlich wieder aufblühen können.

Wenn sie sich nur auf diese Weise selbst spüren können und erst mit solchen Ergebnissen wahrgenommen werden, so ist das Abstimmungsverhalten einer wachsenden Anzahl ostdeutscher Bürgerinnen und Bürger bei den zurückliegenden und voraussichtlich auch bei den vor uns liegenden freien Wahlen erklärbar.

Ein Ausweg: Wenn sich Realität und Wahrnehmung teilweise voneinander entkoppelt haben, wie eine Schlussfolgerung in dem Artikel lautet, so sollten alle Anstrengungen unternommen werden, zusammenwachsen zu lassen was zusammengehört. Die Rede unserer ostdeutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 29. Jahrestag der Deutschen Einheit ist hier ein positiver Einstieg:

Auf die Last der Teilung folgte die Wucht der Einigung. Die Mehrheit der Ostdeutschen fühlen sich in der Bundesrepublik als Bürger zweiter Klasse.– Diesen Worten sollte nun Politik folgen. – Reinhard Koine

 

 

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen: Ein großer Teil der Benachteiligten und sich für benachteiligt Haltenden sieht den deutschen Staat offenbar ähnlich wie auf der anderen Seite z.B. jemand, der unvorstellbare Gewinne einheimsen konnte.

Als „totalitär“ bezeichnete einer der maßgeblichen Beteiligten am „Cum-Ex“-Steuerskandal den deutschen Staat, nachdem die fragwürdigen Geschäfte ans Licht gekommen waren und untersucht wurden („Cum-Ex: Der größte Steuerraub in der deutschen Geschichte“, DIE ZEIT Nr. 24/2017, 8. Juni 2017).

Wahrnehmungen und politische Schlussfolgerungen sind nun einmal sehr subjektiv – und dienen nicht immer den eigenen Interessen der Menschen, die sich ihnen anschließen. (Link zum Nachprüfen: https://www.zeit.de/2017/24/cum-ex-steuerbetrug-steuererstattungen-ermittlungen/komplettansicht) – Dr. Heide Richter-Airijoki

 

 

Hoffentlich hat man bei der Umfrage nur über 45-jährige,besser noch über 50-jährige Mitbürger befragt. Wer jünger ist,hat die politischen Umstände damals ja noch nicht kritisch betrachtet,ist also nicht kompetent,solche Fragen zu beantworten.Und was ist mit der Befragung der vielen Mitbürger,die bewußt in den Westen gezogen sind ? – Heiner Kullack

 

 

Ich habe die „Zeit“ immer für eine seriöse Zeitung gehalten, die mit dem Ohr an der Öffentlichkeit meist richtig liegt. Mit der Umfrage „30 Jahre Mauerfall“ durch ein Institut „Policy Matters“ komme ich mir verschaukelt vor.

Ich habe den Eindruck, dass die 1029 Menschen der Umfrage aus einem Heim für alte geistesschwache SED-Funktionären oder direkt aus einer “Ortsgruppe“ der AfD stammen.

Entschuldigung – wer behauptet, dass die Schulbildung in der DDR besser war, der hat nie eine Schule von innen gesehen – und wer meint feststellen zu müssen, man könne heute seine Meinung weniger frei äußern als vor 1989, der lebt woanders, aber nicht in Deutschland. Die Meinung des von Ihnen zitierten Herrn Kollmorgen, scheint mir plausibel. – Rudolf Hofmann

 

 

Die Skepsis der Deutschen hinsichtlich der Demokratie hat vielmehr damit zu tun, in welchem Zustand sich diese Demokratie befindet, und weniger mit der Herkunft. Es wird vielleicht im Osten kritischer auf die Fehler geschaut.

Wir haben in Deutschland zunehmend das Problem, dass das Parlament die gesellschaftliche Mehrheit nicht mehr abbildet, genauso wie in Großbritannien. Ich möchte Ihnen einige Beispiele dafür geben: 2016 demonstrierte ich mit 80.000 Mitstreitern in Hannover gegen die TTIP und CETA.

Weil ich und meine Mitstreiter der festen Überzeugung war, dass diese Abkommen schlecht für unsere Demokratie und schlecht für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt sind, da sie wichtige Teile der Daseinsvorsorge (z.B. Wassernetze) dem Kapitalmarkt öffneten und undemokratische ParallelJustiz einführten.

Zur selben Zeit demonstrierten etwa 240.000 Menschen in Berlin und knapp 150.000 in vier weiteren deutschen Städten. Meinungsumfang belegten, dass mehr als 80 % der deutschen Bevölkerung gegen diese Freihandelsabkommen war. Selbst das Bundesverfassungsgericht hatte Bedenken. Was ist seither passiert?

CETA wird – ohne Ratifizierung – vorläufig angewendet, obwohl auch das Bundesverfassungsgericht schwere Bedenken hatte. Und weitere derartige Abkommen (JEFTA, MERCOSUR) sind noch hinzugekommen. Nun sehen wir am brennenden Regenwald, welche grenzenlose Gier diese Abkommen auslösen. Und was macht unsere Bundesregierung? Steht weiter hinter Merkursur.

Die Franzosen und Österreicher sind weiter. Beispiel Klimawandel: Eine bräsige Bundesregierung und ein bräsiges Parlament glauben, der demonstrierenden Jugend großväterliche Ratschläge erteilen zu können, anstatt deren Aufträge auszuführen und eine zukunftsorientierte Politik zu machen.

Beispiel Glyphosat: Eine breite Mehrheit der deutschen Bevölkerung war gegen die Wiederzulassung und eine europäische Bürgerinitiative sammelte 1 Million Unterschriften. Dennoch wurde die Glyphosat-Zulassung verlängert.

Beispiel Autoindustrie: Parlament, Bundesregierung und Kraftfahrtbundesamt lassen sich von der Industrie an der Nase herum führen und schaffen es nicht, dafür zu sorgen, dass die Firmen für ihren

Betrug einstehen und aufräumen. Die gesellschaftliche Mehrheit findet auch hier kein Gehör. Beispiel Tarifeinheitsgesetz: das Bundesverfassungsgericht hat es in großen Teilen wieder kassiert, war vorher absehbar. Dennoch haben die Abgeordneten es auf Betreiben der Lobbyisten erst mal beschlossen und durchgewunken.

Mein Fazit: Aus meiner Sicht dienen unsere Abgeordneten in erster Linie ihrer Partei und ihren Lobbyisten, aber nicht mehr ihren Wählern. Das zieht sich durch alle Parteien, und bei den britischen Tories kann man das auch sehr deutlich erkennen. Und als Wähler darf man alle 4 Jahre seine Stimme abgeben, und kann ansonsten nur fassungslos zuschauen.

Es gibt keine bessere Staatsform als die Demokratie, aber wir müssen dringend zurück zu einem Zustand, in dem selbstverständliches demokratisches Verhalten auch von unseren gewählten Vertretern wieder gelebt wird. In den Schulen angefangen, muss auch Stattsbürgerkunde wieder gelehrt werden. – Ulrich Thome

 

 

Beim Lesen Ihres Beitrags ueber die Stimmungslage in den neuen Bundeslaendern kam bei mir (wieder) der Wunsch auf, Ergebnisse einer solchen Befragung in den alten Bundeslaendern zu erfahren. Anscheinend herrscht in den Medien der Eindruck deren Stimmungslage zu kennen, doch eine Ueberpruefung scheint mir angebracht.

Dass viele Ostdeutsche den Verlust an sozialer Sicherheit bedauern, kann ich verstehen. Doch es aergert mich, wenn sich Ostdeutsche als Opfer einer „westdeutschen Uebernahme“ darstellen. Die DDR BuergerInnen hatten sich bei der Wahl 1990 mehrheitlich fuer die Parteien entschieden, die fuer eine schnelle Loesung standen statt fuer jene, die den laengeren Prozess einer neuen Verfassung und einer echten Vereinigung befuerworteten.

Die BRD BuergerInnen hatten keine Moeglichkeit im Rahmen einer Bundestagswahl ihre Haltung zu aeussern. Ich persoenlich hatte kein Interesse an einer Wiedervereinigung, da mir die DDR weniger nahe stand als z.B. Frankreich oder Grossbritannien.

Ich wuenschte den Menschen in der DDR durchaus eine Verbesserung ihrer Lage, politisch wie wirtschaftlich, aber nicht mehr als ich dies den Menschen in Polen wuenschte. Und ich frage mich manchmal, ob das Interesseder DDR BuergerInnen an einer Wiedervereinigung aehnlich gross gewesen waere, wenn man nicht deutliche witschaftliche Vorteile erwartet haette.

Nach der Einfuehrung der D-Mark und dem Beitritt der DDR brach die Nachfrage nach DDR Produkten ein. Wie kann ich von anderen Achtung gegenueber meiner Lebensleistung erwarten, wenn ich selbst keine Achtung fuer die eigenen Produkte und die eigene Lebensweise empfinde (oder zumindest nicht genug, um sie nicht fuer kurzfristige Konsumbefriedigung ueber Bord zu werfen)? Ohne Selbstachtung wird die Forderung nach Achtung von anderen schwierig.

Manchmal erinnern mich die Klagen einiger Ostdeutscher an die von Frauen, die (auch gerne anonym) darueber jammern benachteiligt zu werden, ohne bereit zu sein, auch eigene Verantwortung zu uebernehmen und sich aus der Deckung zu wagen.

Im Rahmen des Beitritts der DDR ist manches schlecht gelaufen und es haben sich manche Menschen an der Unkenntnis anderer bereichert. Aber niemand ausserhalb der DDR hat sie zum Beitritt gezwungen. Das sollte bei der Debatte auch nicht vergessen werden. – Sabine Moehler

 

 

„41% der Ostdeutschen sagen, die Möglichkeit der eigenen Meinungsäußerung habe sich kaum verändert.“ Man fragt sich zu Recht, woher diese Aussage kommt. Allerdings sollte man sich davor hüten, das Gefühl von 41% der Menschen nur auf falsch verstandene Nostalgie oder auf Einflüsterungen der AfD zurückzuführen. Vielmehr lohnt es sich, kritisch zu hinterfragen, ob sich diese Meinung nicht auch aus aktuellen Erfahrungen speist.

Ein ziemlich plastisches Beispiel ergab sich just in der zeitlichen Nähe zum Einheitsfest. Ein Biomarkt kündigt einem Lieferanten mit AfD-Hintergrund, weil dieser eine Partei vertritt, deren Programmatik nicht mit der eigenen Vorstellung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz übereinstimmt. Man verweist darauf, dass man als Unternehmen die Freiheit hat, sich seine Lieferanten aussuchen zu können.

Rückblende: Wenn für 14 jährige Schüler in der DDR die Frage nach dem Besuch des Gymnasiums (damals Erweiterte Oberschule) stand, bekamen sie in etwa das Folgende zu hören: Für des Eintritt in das Gymnasium ist neben den Leistungen in der Schule auch eine positive Einstellung zum Sozialismus unerlässlich. Der Staat hätte schließlich das Recht, sich diejenigen für eine Förderung durch ein Studium auszusuchen, die auch die Weltanschauung des Staates teilen.

Ich bedauere, es feststellen zu müssen, aber die Argumentationslinien sind komplett identisch. In beiden Fällen wird eine Leistung, um die es primär geht, nämlich die Lieferung von guten Schulnoten im einen Fall und von guter Hirse im anderen Fall, mit weltanschaulichen Grundfragen vermengt.

Zum Glück kann man sagen, dass eine Biomarktkette nicht die Bundesrepublik Deutschland ist. Auf der anderen Seite finde ich es erschreckend, dass die Biomarktbesucher, vermutlich mit überwältigendem Anteil liberaler Einstellung, augenscheinlich diese Handlungsweise als völlig in Ordnung empfinden. Wenn man sich das vergegenwärtigt, ist es ein guter Moment, an die oben erwähnten 41% zu denken. – Matthias Fahland

 

 

Am Beispiel dieses Artikels ist mir mein Bedürfnis einer einfacheren und direkteren Ausdrucksmöglichkeit als Leser deutlich geworden. Ich möchte Sie mit dieser Mail bitten, das noch ein wenig zu optimieren. Inhaltlich hätte ich nämlich zum genannten Artikel gerne angemerkt, dass ich einen methodischen Fehler bei der Interpretation aktueller Umfrageantworten Ostdeutscher verspüre:

in den 30 Jahren in der Weltgeschichte hat sich, wenn ich meine eigene Stimmungslage als Nicht-Ostdeutscher auf die gestellten Fragen belausche, so viel verändert, dass im einfachen subjektiven Vergleich ‚heute+BRD‘ vs. ‚damals+DDR‘ zu viel ‚heute vs. damals‘ die Analyse von ‚BRD vs. DDR‘ verfälscht.

Auch ich würde manche Dinge für 2019 negativer zeichnen als für 1989, das ist nicht nur ein Phänomen der Menschen in den 5 ’neuen‘ Bundesländern; ihre Aussagen sollten um diesen Effekt bereinigt werden.

Zurück zum Vorschlag, wie ich gerne die Rückmeldemöglichkeit noch erleichtert sähe. Ich finde dazu mit Freude schon das ‚hintere Ende‘, https://blog.zeit.de/leserbriefe/.Um einen Anmerkung oder Rückmeldung oder einen Leserbrief zu senden, rege ich an, unter Ihren Artikeln in den Online-Ausgaben jeweils einen Link zu setzen, mit dem man direkt eine Nachricht verfassen kann.

Die Technikzeitschrift c’t vom Heise Verlag verlinkt so in einen artikelbezogenen Gesprächsfaden in einem Onlineforum. Ich unterstütze aber im Fall Ihrer Zeitschrift die moderierte Veröffentlichung, die Sie gewählt haben.

Viel Erfolg bei der weiteren technischen Verfeinerung des blogs (Inhaltsverzeichnis, link unter den Artikeln direkt ins blog zum Artikel usw.)! – Martin Wagener

 

 

Als in Brandenburg und Berlin sozialisierter Ossi haben auch mich manche Ergebnisse der Umfrage überrascht, manche aber auch nicht (z.B. Bildung). Ich stimme Ihnen auch in vielen Punkten Ihrer Analyse zu. Aber auch hier, wie bei anderen von mir bisher gelesenen Ost-West-Analysen fehlt mir folgender Aspekt:

Das DDR-Bild vieler Westdeutscher ist wesentlich geprägt durch Filme über die DDR, die nach der Wende entstanden und gravierende Schicksale einer extremen Minderheit darstellen.

Ich kenne keinen Film, in dem nicht die Stasi und SED-Funktionäre eine maßgebliche, natürlich böse, Rolle für die Protagonisten spielten. In der DDR-Realität, war das nur für einen sehr kleinen Bevölkerungsanteil so.

Um dies auch klarzustellen wäre mein Vorschlag für die nächste Umfrage Fragen wie: Hatten Sie persönlich Berührung mit Stasi-Mitarbeitern und wenn ja wurden Sie unter Druck gesetzt?

Ich denke hier herrscht ein krasses Missverhältnis von Medienpräsens und Realität. Ursache ist sicher die verständliche Meinungshoheit der ehemaligen DDR-Opposition über die DDR-Geschichte. – Axel Voß

 

 

Ihr Artikel „Jetzt hört mal zu“ hat mich recht nachdenklich gemacht, aber tatsächlich auch etwas verärgert. Verärgert hat mich die Aussage, die staatliche Willkür in der DDR sei auch nicht viel schlimmer gewesen als heute.

Sicherlich, man kann den Menschen ihre Eindrücke nicht nehmen – aber angesichts einer solchen Aussage muss man sich doch fragen, ob die Ostdeutschen alles vergessen haben, was sie zu der viel zitierten friedlichen Revolution – die jetzt angeblich nicht genug gewürdigt wurde – getrieben hat.

Dass es Ostdeutschland wirtschaftlich in vielen Regionen nicht gut geht, ist auch aus meiner Sicht unbestritten. Die Vereinsamung von ländlichen Regionen, fehlende Infrastruktur und perspektivlose Arbeitslose kann man nicht leugnen.

Allerdings gibt es diese Phänomene auch in Westdeutschland und anderen europäischen Regionen. Ich sehe hier einen Zusammenhang mit dem Thema Globalisierung und der Art, wie wir sie weltweit gestalten.

Hier geht es nach meiner Ansicht nicht allein um Ostdeutschland, sondern um die neoliberale Wirtschaftsordnung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass bestimmte Kreise politisches Eingreifen in den Markt als Sakrileg betrachten und lieber alles Konzernen überlassen würden. Ein anderes Thema…

Und offensichtlich geht es, wenn man den Ergebnissen Ihrer Umfrage folgt, ja gar nicht so sehr um Materielles, sondern um Fragen der Identität und das Gefühl der Ostdeutschen, zweitklassig und nicht gewürdigt zu sein. Als Westdeutsche frage ich mich gleichwohl manchmal: Was wird denn da erwartet?

Ich habe die ehemalige DDR erstmals 1997 besucht und dann immer wieder. Als Touristin habe ich Thüringen, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern besucht, Weimar, Erfurt, Magedeburg, Halberstadt, Quedlinburg, Frankfurt an der Oder, Eisenhüttenstadt etc., etc.

Aus meiner Sicht ist über Jahre eine Entwicklung zu erkennen. In einem in völlig desaströsem Zustand hinterlassenen heruntergewirtschafteten sozialistischen Land wurden Städte saniert und Straßen ausgebaut.

Dazu haben die Westdeutschen (ja, auch die Ostdeutschen) mit ihrem Solidaritätszuschlag beigetragen. Ich zahle ihn seit Beginn meiner Berufsbiographie und habe auch nichts dagegen, ihn weiter zu bezahlen. (Die Debatte über die Abschaffung ist Bauernfängerei und gerade angesichts des fortbestehenden Bedarfs in Ostdeutschland völlig verfehlt.)

An vielen Orten habe ich Gedenkstätten und Ausstellungen besucht, in denen das Leben in der DDR und die Biographien von Menschen beschrieben wurden, die aus der DDR fliehen wollten. Ich habe eine ganze Reihe von Filmen gesehen und Bücher gelesen, in denen diese Themen ebenfalls bearbeitet wurden.

Im vergangenen Jahr habe ich eine Tagung des „Kriegsenkel e. V.“ besucht, auf der es ebenfalls um die Betrachtung des Kriegsenkelkomplexes aus den Perspektiven Ost und West ging.

Ich will damit sagen: Es gibt mannigfach Möglichkeiten, sich mit der DDR und dem Leben der Menschen dort auseinanderzusetzen. Und in meiner Wahrnehmung werden diese Möglichkeiten auch genutzt.

Tatsächlich ist mir nicht klar, was die Ostdeutschen eigentlich erwarten. Welche Würdigung wünschen sie sich? Die Wende – darauf wird ja Wert gelegt – wurde von den Ostdeutschen herbeigeführt. Sie waren es ja selber, die schnell die D-Mark haben wollten und am Konsum in der BRD teilhaben wollten.

Und nun scheinen die Westdeutschen plötzlich die Bösen zu sein, denen die gebratenen Tauben auch in der alten BRD nie in allen sozialen Milieus in den Mund geflogen sind. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Ost- und Westdeutsche sich begegnen und sich füreinander interessieren.

Aber mit einer Vorwurfshaltung von ostdeuscher Seite gespeist aus der Haltung, man sei das Opfer des bösen Westens, habe ich wenig Lust dazu.

In der Debatte über 30 Jahre Mauerfall wurde auch angeführt, dass die Ostdeutschen nach der Wende die Demokratie erst erlernen mussten und keine Erfahrung damit gehabt hätten. Dies soll offensichtlich Aussagen wie jene, die auf der ZEIT-Titelseite zitiert wird, erklären.

Welche Erfahrungen mit Demokratie hatten eigentlich die Westdeutschen nach Ende des Nazi-Regimes? Waren die Westdeutschen Mitte der 70er Jahre auch noch so demokratiefeindlich wie heute die Ostdeutschen?

Ich glaube, nicht alles, was in Ostdeutschland schief läuft, kann man den Westdeutschen in die Schuhe schieben. Für ihre Neigung zum Rechtradikalismus sind die Ostdeutschen schon selbst verantwortlich.

Und die Auseinandersetzung mit dem aufgepfropften Antifaschismus, der nun offentlichtlich einen Hang nach Rechts nach sich zieht, können die Ostdeutschen auch nicht bei den Westdeutschen ablegen.

Ich schreibe dies, wohl wissend, dass es auch in Westdeutschland genügend rechtsorientierte Bürgerinnen und Bürger gibt. Die Gründe mögen andere sein, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht sind Ost- und Westdeutsche gar nicht so unterschiedlich, wie aktuell immer beschworen wird. Mein Bild von Identität als aus dem Ruhrgebiet stammende Hessin ist sicher auch ein anderes als das eines Bayers oder eines Hanseaten.

Müssen wir gleich werden? Warum können wir unsere Unterschiede nicht aushalten und damit leben? In anderen Kontexten nennt man das gesellschaftliche Vielfalt. Im Übrigen bin ich einer ganzen Reihe von Ostdeutschen begegnet, im Studium, im Kollegenkreis und auf Reisen ins europäische Ausland.

Sie unterscheiden sich in meiner Wahrnehmung überhaupt nicht von den Westdeutschen. Im Alltag spielt das Ost-West-Thema doch gar keine Rolle.

Das Gerede von der unverstandenen ostdeutschen Identität manifestiert meiner Ansicht nach eher eine Spaltung als dass es sie überwindet. Dies alles beschäftigt mich angesichts des 30. Jubeljahres. Zusammenfassend vielleicht so: Wirtschaftliche Benachteiligung in Ostdeutschland bleibt ein Thema und muss beendet werden.

Allerdings sollte dies im Zusammenhang mit einem kritischen Blick auf unser Wirtschaftssystem und die Globalisierung insgesamt erfolgen.

Es ist gut, wenn sich Ost- und Westdeutsche füreinander interessieren und ihre Biographien neugierig betrachten. Dazu gehört auch, kritisch zu äußern, wie man den jeweils anderen in einer bestimmten Zeit erlebt hat. Ein Verharren in ostdeutscher Opferhaltung und eine nachträgliches Schönreden des Lebens in der DDR hilft allerdings nicht weiter.

Und die Neigung von Teilen Ostdeutschlands, sich Rechtspopulisten und Verschwörern zuzuwenden und die BRD-Demokratie mit der DDR gleichzusetzen, dürfen die Ostdeutschen gerne erstmal für sich bearbeiten. Ein solches Gebaren wirkt nicht gerade einladend zum Dialog. – Erika S. Becker

 

 

Die deutsche Wiedervereinigung ist ein starkes Stück Geschichte. Doch so außergewöhnlich und großartig die Wucht des Augenblicks, der Fall der Mauer in jenen Novembertagen 1989, auch war (das eindrucksvolle ZEIT-Titelbild gibt die seinerzeit herrschende, innige Beglücktheit der Menschen greifbar wider), alles was danach kam, konnte nur mit Desillusionierung und Frust verlaufen.

Die Deutschen versahen und begegneten sich als das glücklichste Volk der Erde, nach der mannigfachen Projizierung der jahrzehntelang aufgestauten Träume, Wünsche und Hoffnungen auf die Zukunft in einem geeinten und freien Deutschland wurde von den meisten kaum weniger als das Paradies auf Erden erwartet. Und wie bei der Rückkehr zu einen großen alten Liebe wurde vieles von nur schwerlich zu bändigenden Emotionen überdeckt.

Erst der Alltag in Ost und West, die Normalisierung der Ausnahmesituation, hat uns klargemacht, dass es bei weitem nicht reicht, in Erinnerungen und Erwartungen zu schwelgen und bestehende und absehbare Schwierigkeiten herunterzuspielen, weil mit der Zeit ohnehin zusammenwächst, was zusammengehört.

Wir verstehen uns im Hier und Jetzt zwar in vielem durchaus besser als in den vorangegangenen dreißig Einheitsjahren, aber noch lange nicht so, wie sich ein Volk verstehen sollte. Wir müssen uns also weiterhin und noch aufmerksamer zuhören, mit Herz und Verstand. Dann wird aus einem starken Stück Geschichte auch endlich eine richtig gute. – Matthias Bartsch

 

 

Die Zahlen der aktuellen ZEIT-Umfrage sind beunruhigend: Mehr als die Hälfte der Befragten aus den neuen Bundesländern ist mit der Demokratie unzufrieden. Verbreitet ist das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden. Dabei wird die eigene finanzielle Lage als gut eingeschätzt. Und die Hoffnungen bei der Wiedervereinigung hätten sich im Großen und Ganzen erfüllt.

Die Autoren des Artikels schließen dennoch auf Enttäuschung über die Wiedervereinigung. Zwingend ist das nicht. Das BIBB (Bundesinstitut für Berufsbildung) hat für eine repräsentative Kohorte, gelaufen von 1992 bis 1996, von anfänglich über 2000 Jugendlichen im Ausbildungsalter, für die neuen Bundesländer damals festgestellt: 39% waren der Meinung, die Demokratie löse ihre Probleme nicht;46 % riefen sogar nach dem „starken Mann“.

Weit über die Hälfte dieser Jugendlichen meinte, sie im Osten seien nur Bürger Zweiter Klasse. Die Jugendlichen von damals gehören heute zur Elterngeneration. Die aktuellen Einschätzungen auch ein Narrativ? Die Strukturen waren schon damals verstörend. Das aber hat die Politik ignoriert. – Dr. Klaus Schweikert

 

 

Statistiken über Ost und West, Aussagen über den sog. Ost- und den sog. Westdeutschen haftet etwas Pauschales an. Natürlich macht es Sinn, aus analytischen oder statistischen Gründen einmal nach Ost und West zu trennen, wenn man das dann aber für bare Münze nimmt, entspricht das Bild, das man sich macht, nicht der Realität, sondern ist verzerrt. Die Zwischentöne fehlen. Meine Eltern kommen aus Dresden bzw. Umgebung.

Bin ich jetzt Wessi oder Ossi? Da ich die DDR als Kind vielfach bereiste und einen tieferen Einblick hatte als meine Klassenkameraden, stand ich stets dazwischen. Wo stehen die, die die DDR in den 60er, 70er oder 80er Jahren verlassen haben?

Wo stehen die Kinder aus gemischten Ehen? Wo stehen die Kinder von Menschen, die in der Folge von 1990 in die neuen Bundesländer gingen, weil dort interessante Jobangebote winkten?

Ihre Kinder gingen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR in die Schule und wurden von den Lehrern dort und der sie umgebenden Gesellschaft vermutlich anders sozialisiert als Schüler in Köln oder Hamburg. Man könnte viele Einzelfälle aufzählen.

Ungerechtigkeiten müssen ausgesprochen werden und gehören auf den Tisch, allerdings muss in der Folge das Gemeinsame gesehen werden, denn die Spaltung allein bringt uns nicht weiter.

Zumal da es den „Ossi“ oder „Wessi“ in Reinform nicht gibt. Vielleicht ist der Riss auch eher der der Erbengeneration vs. der der Nichterben.

Und die Politiker sollten sich über die Bedürfnisse der Menschen ehrlich Gedanken machen und Lösungen anbieten, denn sonst wird die Zahl derer, die das Gefühl haben, keine Stimme zu haben, noch größer als die in dem Artikel bereits erwähnten 58% – und zwar nicht nur im sog. Osten! – Gerhild Bär

 

 

In „jetzt hört mal zu….“, der Auswertung einer repräsentativen Umfrage in den ostdeutschen Bundesländern, spielen große Erwartungen an die Demokratie eine bestimmende Rolle. Leider liest sich die Umfrage wie eine Zusammenstellung umfassender Entwertungsprozesse und Enttäuschungen über nur teilweise eingetretene Verbesserungen seit 1990.

Im Zentrum weit verbreitete Zukunftsunsicherheit bei den Arbeitsplätzen und auffallende Mängel bei der Repräsentation. Man wird als Ostdeutscher nicht geschätzt, egal was man tut oder getan hat oder was man sagt, und man hat kaum Einfluss.

Die Enttäuschung ist umso größer, als die mit dem Ende der DDR sich anbahnende Verbesserung der Lebenssituation und die Beseitigung des SED-Machtapparats auf den Wunsch der DDR-Bevölkerung zurückging, aber konträr zu den gewünschten Ergebnis realisiert wurde.

So weit, so schlecht. Vorteil von Umfrage und Text ist, die Ursache des Verdrusses in Ostdeutschland erst einmal im Einigungsprozess, in dessen Verlauf, Durchführung und Folgen bis heute gesehen zu haben. Wenn wir jedoch betrachten, dass die Bevölkerung der ehemaligen DDR nicht nur der kommunistischen Diktatur ausgesetzt war, sondern auch der des Dritten Reiches, eine Zeitspanne von 1933 bis 1989, sage und schreibe mehr als 50 Jahren.

Und in dieser Zeit gab es kaum eine Chance, illegitime Herrschaftssysteme zu beseitigen. Es blieb eigentlich nur ein vielfach gebrochenes, widersprüchliches und letztlich unehrliches Arrangement mit den gegebenen Verhältnissen.

Auch nach 1990 unterblieb die Aufarbeitung dieser bitteren Erfahrungen, z.B. von entstandener Scham, Wut und Subalternität durch Trauerarbeit. Kein Wunder, dass man das neoliberale Großreinemachen nach 1990, die mangelnde Repräsentation in wichtigen Institutionen und die unvorbereitete Aufnahme gestrandeter Geflüchteter als Willkür empfindet.

Ich glaube nicht, dass man mehr als fünfzig Jahre Diktaturerfahrung in ihrem Fortwirken in der Gegenwart vernachlässigen kann. Zumal dann nicht, wenn die Globalisierung als erneute Herausforderung im Raum steht und der Schutz vor ihrer Auswirkung im Alltag als erstrangige Aufgabe angesehen werden muss, aber nicht entschlossen genug angegangen wird.

Und noch ein Gedanke: Wenn man die selben Fragen auch in den alten Bundesländern gestellt hätte, erhielte man sicherlich ein im Großen und Ganzen ähnliches Ergebnis. Denn hier spielen die Herausforderungen des Strukturwandels von der industriellen zur postindustriellen Gesellschaft ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Der Blick auf Ostdeutschland ist demnach in meinen Augen eine Verengung, geschuldet den merkwürdigen Wahlergebnissen der letzten Zeit. – Heinrich Dietz

 

 

Analyse schwach, Empfehlung schwächer! Die Fehlerquote bei solchen Umfragen ist wohl 5%, den es kann nicht ernsthaft behauptet werden, dass das Warenangebot in der DDR besser war.

Dessenungeachtet wird im Stile von Kremlastrologen fabuliert. Das tatsächlich Erlebte wird mit leichter Demenz, abgemildert als „Verklärung“, umgedeutet. Man stellt ohne Erläuterung fest, dass Jüngere mit der DDR härter umgehen. Woher wissen die Jungen das ?

Wer wird denn als „Zeitzeuge“ in die Schulen eingeladen? Die einseitige Aufarbeitung haben doch solche „Historiker“ wie Herr Knabe (s.a.“Zeit“ 2018) mit dem alles überstrahlenden Thema „Stasi“ wesentlich beeinflusst.

Nunmehr stellt der wissenschaftliche Leiter eines DDR-Museums bei „t-online“ fest: „Wir haben damals so gut wie nichts über die Stasi gewusst. Es gab Gerüchte, Vemutungen“.

Er ist sich aber auch nicht zu schade als Wissenschaftler die DDR-Rentenhöhe ohne jeglichen Vergleich zu benennen (z.B. dass die Straßenbahnfahrt bei entsprechender Währungsumrechnung heute ca. hundertmal teurer ist).

Kurzum: vergebliche Aufarbeitungsversuche. Dennoch häufen sich die Meinungen in den Medien , nach 30(!) Jahren die Geschichte differenzierter zu betrachten, nicht mehr schwarz- weiß (meistens schwarz).

Dazu darf man allerdings nicht überwiegend die „DDR-Minderheiten“ in die Schulen schicken oder interviewen, die da Bürgerrechtler (lt.Freya Klier noch ca. 2000 nach der Wende), echte Opfer, Religionsvertreter , gewendete Journalisten und Historiker sowie „Blockföten“ waren.

Wenn man als bekannter sognannter „Osthistoriker“ die DDR als Jauche bezeichnet und relotiushaft sein Ostabitur verleugnet (Zeit“ 9/2019), dann sollte er nicht mehr als „Experte“ zu Rate gezogen werden.

Die Logik , dass sinkende (nicht spezifizierte) Kriminalitätszahlen ein Beweis für den Realitätsverlust der Ostbürger ist , zeigt doch nur das Irrlichtern der Analysten (im fehlenden Sicherheitsgefühl sind übrigens nicht die großen Finanz-und Wirtschaftstbetrügereien enthalten).

Entscheidend sind doch die absoluten Zahlen, nicht die Tendenz. Ähnlich unlogisch die Bewertung zur Schulbildung , auch wenn ich „gut“ bin, kann es Besseres geben. In der Hilflosigkeit des fehlenden Verstehens haben nun Historiker und Frau Merkel das in der DDR gelernte „b e q u e m e meckern“ entdeckt.

Durfte man das denn in der Diktatur, ringsum von der Stasi bewacht ? Sicherlich konnten wir zwischen 7Uhr und 16Uhr mehr kritisieren als in den Ellenbogenfirmen, beschönigend „Wettbewerb“ genannt. Bedeutet das im Umkehrschluss, wenn alle Probleme geklärt sind, ist man erst recht

unzufrieden, man kann sich über nichts mehr aufregen? Neu ist die Rhethorik von der Unvereinbarkeit einer Diktatur mit Heimat.

Das möge man 1,4 Milliarden Chinesen erklären, als ob Gesellschaftssyteme und nicht Menschen, Regionen und Natur Heimat sind. Nun wird vom Soziologen den Ostdeutschen empfohlen, in Parteien einzutreten (müssen!). Anwerbungsversuche gab es schon vor über 30 Jahren, einige

Blockflöten haben es ja auch im Bundestag in Leitungsfunktonen geschafft. Wie erkläre ich aber meinem Nachbar, dass ich nach der Wahl andere Regelungen treffe, als vorher versprochen (auch als Koalition – Stichwort Umsatzsteuer) oder dass mein Generalsekretär zu mir sagen darf, „ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen“?

Weiterhin sollte man laut Soziologen die Möglichkeit der Partizipation nutzen und Vereine gründen. Eine bekannte englische Historikerin nannte die DDR „Teilhabediktatur“ (und nicht in einem Atemzug mit der faschistischen Diktatur, wie es heute unverschämterweise täglich in den Medien geschieht).

Als ob wir keine Sport-, Garten – und Karnevalsvereine sowie Jugenklubs gehabt hätten (das waren keine Politseminare). Welcher Verein ist denn unbelastet, ADAC, DFB oder die in Schaltstellen überrepräsentierte Institution, die den Ostdeutschen das Theodizee-Problem nicht erklären kann, der wir aber wohl die plötzliche Heimaufklärung in der DDR seltsamerweise erst ab 2010 zu verdanken haben?

Nebenbei, die „G7“ sind wirklich nicht in der Lage, IOC, FIFA und IAAF (analog Moskau 1980) zu maßregeln ? Vielleicht sollten sich die Ostdeutschen mehr mit Kfz-software oder Anlagen einer deutschen Bank beschäftigen, natürlich mit Anwälten, denn die dürfte es schätzungsweise hundertmal mehr geben als in der Meckergesellschaft, Anwalt statt meckern!

Doch angenehmer wäre mit Thomas Cook nach Afrika zu fahren, denn Afrikaner sagen „wir haben den Spass, ihr den Missmut“ (gilt sicher nur für Ostdeutsche).

Vielleicht liegt der Missmut auch an der Entwicklung Gemeischaftssinn/Individualismus/Egoismus/Kapitalismus/Trump (Johnson,Berlusconi,Sarkozy, Spendenfreikauf BRD etc.) ?

Hört zu und auf mit dem Selbstbetrug auch in den Medien, den Beleidigungen, den Geschichtsumdeutungen (auch II.Weltkrieg), dem Parteien(posten-)egoismus, dem Kapitalvorrang und der Doppelmoral in der Außenpolitik. – D.Beuschel

 

 

58% der Ostdeutschen sagen, der Schutz vor staatlicher Willkür sei schlechter geworden oder habe sich kaum verändert. Dazu gehört schon ein gerüttelt Maß an mangelnder Information um nicht zu sagen politischer Dummheit. Denn in der DDR wurde die Verwaltungsgerichtsbarkeit in den 50er komplett abgeschafft, womit der rechtliche Schutz gegen staatliche Willkür entfiel.

Aber wenn die Partei immer recht hat – was brauchen die Bürger noch Rechte ? Und zur mangelnden Anerkennung der Leistungen der DDR-Bürger: nach neueren empirischen Untersuchungen haben

1 bis 2 Millionen Bürger auf den Straßen demonstriert, die restlichen rund 14 Millionen waren Zuschauer. – Jürgen Förster

 

 

Als gelernter Ostdeutscher erlaube ich mir einige Anmerkungen zu o.g. Artikel. Ich bin 70 Jahre alt, war also 1990 41 Jahre alt, habe in der DDR ein Fachschul-Ingenieurstudium absolviert und ein Hochschul-Wirtschaftsingenieurstudium an der Verkehrshochschule „Friedrich Liszt“ in Dresden im Fernstudium.

Letzteres hat mir zwar nicht geschadet, ganz im Gegenteil, einige Inhalte haben mich darauf vorbereitet, was mich nach dem Beitritt zur Bundesrepublik etwa erwarten könnte. Ich war nie arbeitslos und konnte mit 65 Jahren und 45 Arbeitsjahren in Rente gehen.

Das Wort Willkür deute ich mit wollen oder nicht wollen. Überregulierung einerseits und fachliche Inkompetenz erklärt das Problem anders. Erschreckend für uns ist die fehlende Bereitschaft mancher Menschen an entscheidender Stelle weil sie die Probleme nicht übersehen, weil sie fachlich nicht in der Lage sind oder schlicht nicht wollen. Sie haben Angst vor Fehlern oder auch vor ihrem Chef.

Wenn dann ein Problem, ein Anliegen etc. im täglichen Leben entsteht und es führt zu keinem gewünschten Ergebnis für den Betroffenen heißt es – die wollen bloß nicht. Diese Erfahrung habe ich gerade mit meiner Wohnungsgenossenschaft gemacht.

Natürlich ist die Erkenntnis arbeitslos zu werden für einen Ostdeutschen eine neue Situation. Wir sind „geborene“ Angestellte. Sich aus der arbeitslosen Situation selbständig zu machen haben wir nicht mehr in die Wiege gelegt bekommen. Die wurde im Sozialismus zerstört. Daher war die „Flucht“ in den Westen nach 1990 die einzige Alternative für viele Menschen.

Mit der Meinungsfreiheit ist das so eine Sache. Mit der Erkenntnis von heute, dass im Kollegenkreis der Eine oder Andere als IM tätig war und Berichte geschrieben hat oder, dass wir bei neuen Freunden eingeladen waren die uns komische Fragen gestellt oder vordergründig über politische Themen gelockt haben, könnte man die Meinungsfreiheit leicht in Zweifel stellen.

Das ist hier etwas anders. Im eigenen Interesse wird man jetzt am Arbeitsplatz nicht frei alles sagen können. Das hätte sicher Auswirkung auf die Kariere. Da kommt der Druck aus einer anderen Ecke.

Für den Umgang mit politisch Andersdenkenden in der DDR kann man sich nur schämen. Wer das nicht glaubt soll sich mit Betroffenen unterhalten. Gängelei und Demütigung ihnen gegenüber darf man nicht vergessen. Eine Mauer zu bauen und die Menschen gewaltsam von ihren Angehörigen zu trennen ist das Schlimmste was man ihnen antun kann.

Für viele Menschen war das Arbeitskollektiv im DDR-Betrieb ein kulturelles Zentrum. Hier wurde man aufgefangen und es gab Gemeinsamkeiten auch außerhalb der Arbeit. Die Unpersönlichkeit des heutigen Arbeitslebens ist für viele Menschen aus Ostdeutschland ungewohnt. Jeder denkt an sich. Es geht um die Erfüllung der Arbeitsaufgabe, sonst nichts.

Das die Schulbildung in der DDR besser war als in der Bundesrepublik halte ich für unbestritten. Fehlende naturwissenschaftliche Kenntnisse, die Tatsache, dass mancher Schüler weder Physik, Chemie noch Biologie als Unterrichtsfach hatte, merkt der Ostdeutsche im Westen häufig.

Eine schöne Seite der Wiedervereinigung ist ja, dass Menschen Ost und West auch privat zueinander finden. In meiner Familie ist das so und da merkt man den Unterschied.

Es ist für uns nicht verständlich, dass sich Menschen im Weste der Esoterik, Astrologie und anderen unwissenschaftlichen Humbug zuwenden um ihre eigenen Probleme zu klären. Da fehlen einfach naturwissenschaftlicher Kenntnisse.

Natürlich schneiden heute Schüler in den ostdeutschen Bundesländern besser ab als die in den westlichen. Die Schulen haben wesentliche Teile aus dem DDR-Schulsystem übernommen.

Die heutige Schulausgangsschrift ist eine Weiterentwicklung der DDR-Schreibschrift. Schweden und Finnland waren in der DDR und haben vom Schulsystem gelernt und es teilweise übernommen. Also so schlecht kann das Bildungssystem in der DDR nicht gewesen sein.

Und Russisch in der Schule hat uns zwar den Menschen in der Sowjetunion nicht nahe gebracht weil wir nur übersetzen mussten und den sprachlichen Dialog nicht gelernt haben. Geschadet hat es uns nicht.

Was da in der Treuhand abgelaufen ist als eine Gruppe von ca. 100 junger dynamischer Hochschulabsolventen in BWL 75% der DDR-Wirtschaft vernichtet haben ist ein Kapitel für sich. Das hilft uns zwar nicht weiter aber interessant wäre es doch. Man kann es aber als Ausgangspunkt allen heutigen Übels bezeichnen.

Der Einsatz von westdeutschen Richtern, der Polizei und anderen Bereichen im öffentlichen Dienst ist nachvollziehbar. Das Nachholen weiterer Bekannter von denen die schon da sind aus dem Westen in den Osten ist nachvollziehbar.

Es hat aber schon einen bitteren Geschmack für manchen Ostler der das auch gekonnt hätte. Es ist zwar hart was ich sage aber ich glaube unsere Generation muss erst aussterben. Bei unserer Nachfolgegeneration spielt Ost/West schon jetzt keine Rolle mehr. Von Quoten halte ich nichts.

Manchmal muss man aber dann zugeben, dass der Import aus dem Westen neuen Schwung in den verstaubten Laden bringt und nun doch wieder mehr Zuschauer kommen.

Zuletzt steht etwas zum Lohngefüge zwischen Ost und West in dem Artikel. Also wenn einer wie ich als gestandener Ingenieur in einem Betrieb in Berlin-Tiergarten 1991 mit fast 42 Jahren als Servicetechniker neu anfängt, nach der Probezeit 2700 DM erhält und dann mitbekommt, dass die 27 Jahre alte Sekretärin aus Berlin-West 3700 DM bekommt, kommt man schon ins Grübeln. – Dipl. Ing(FH) Reinhard Gränz

 

 

Die deutsche Wiedervereinigung ist ein starkes Stück Geschichte. Doch so außergewöhnlich und großartig die Wucht des Augenblicks, der Fall der Mauer in jenen Novembertagen 1989, auch war (das eindrucksvolle ZEIT-Titelbild der Ausgabe 35/2019gibt die seinerzeit herrschende, innige Beglücktheit der Menschen greifbar wider), alles was danach kam, konnte nur mit Desillusionierung und Frust verlaufen.

Die Deutschen versahen und begegneten sich als das glücklichste Volk der Erde, nach der mannigfachen Projizierung der jahrzehntelang aufgestauten Träume, Wünsche und Hoffnungen auf die Zukunft in einem geeinten und freien Deutschland wurde von den meisten kaum weniger als das Paradies auf Erden erwartet. Und wie bei der Rückkehr zu einen großen alten Liebe wurde vieles von nur schwerlich zu bändigenden Emotionen überdeckt.

Erst der Alltag in Ost und West, die Normalisierung der Ausnahmesituation, hat uns klargemacht, dass es bei weitem nicht reicht, in Erinnerungen und Erwartungen zu schwelgen und bestehende und absehbare Schwierigkeiten herunterzuspielen, weil mit der Zeit ohnehin zusammenwächst, was zusammengehört.

Wir verstehen uns im Hier und Jetzt zwar in vielem durchaus besser als in den vorangegangenen dreißig Jahren seit dem Mauerfall, aber noch lange nicht so, wie sich ein Volk verstehen sollte. Wir müssen uns also weiterhin und noch aufmerksamer zuhören, mit Herz und Verstand. Dann wird aus einem starken Stück Geschichte auch endlich eine richtig gute. – Matthias Bartsch

 

 

Ich bin ein treuer und immer wieder aufs Neue erfreuter (nur selten verärgerter) Leser und habe mit Interesse, aber auch einiger Bestürzung die Ergebnisse Ihrer Umfrage unter Ostdeutschen gelesen.

Gerne hätte ich mich schlauer gemacht über die Definition des Begriffs „ostdeutsch“ bei der repräsentativen Auswahl der Befragten. Ich kann aber nirgends, auch bei „policy matters“ nicht, eine ausführliche Darstellung darüber finden. Vielleicht habe ich auch nicht lange genug gesucht?

Bedeutet ostdeutsch hier: Im früheren DDR-Gebiet geboren oder „nur“ wohnhaft? Wenn letzteres, wie lange mindestens? Wurden dort Geborene, die heute in „Westdeutschland“ oder gar im Ausland leben, auch befragt? Hat man hier einen Unterschied gemacht zwischen „vor 89 geflüchtet“ oder „nach 89 umgezogen“ gemacht?

Gelten auch im Westen oder dem Ausland Geborene, die womöglich seit dreißig Jahren im „Osten“ leben, als Ostdeutsche und wurden befragt? Ist es wirklich aufschlussreich, nach 1989 Geborene zu befragen, ob es – zugespitzt formuliert – in der DDR besser war?

Vielleicht gibt es ja doch irgendwo detaillierte Angaben, in diesem Fall wäre ich Ihnen für einen Link sehr dankbar. Ich denke, dass mehr Informationen über den Kreis der Befragten die Antworten noch besser begreifbar macht. – Jürgen Hartmann

 

 

Wen hat denn um Himmels Willen das Institut befragt? Wer heute meint, die Straßen in der DDR seien besser als heute( 16 % ), oder das Angebot an Waren und Dienstleistungen sei in der DDR besser ( 8 % ), ist entweder bösartig oder neigt zur Demenz. Da denkt man an den Spruch: ich traue nur der Statistik, die ich selber gefälscht habe. – Werner Daniel

 

 

Die Ergebnisse der Umfrage sind erschütternd; einige Aussagen von ostdeutschen Mitbürgern unverschämt. War also die Wiedervereinigung vielleicht keine so gute Idee? Doch! Sie war es. Den Westdeutschen ginge es wohl eher noch besser als heute ohnehin.

Aber wo stände der Osten? Natürlich wurde das Leben vieler total umgestülpt. Aber die heutige Motzerei ist ein Schlag ins Gesicht derer, die aufgestanden sind, um das DDR-Regime zu beseitigen – oft unter Einsatz von Freiheit und sogar Leben.

Liebe unzufriedene Ostdeutsche: ihr habt in einer Diktatur gelebt (zur Auffrischung des Gedächtnisses: schaut euch dazu mal den Film „Das Leben der Anderen“ an), jetzt lebt ihr in einem Rechtsstaat mit all seiner Unvollkommenheit.

Aber mit u.a. mit dem uneingeschränkten Recht auf freie Meinungsäußerung. Dazu gehört auch das Recht, AfD zu wählen. Nur bedenkt, wohin das führen könnte. Eine AfD-Regierung würde das Land zu einer rechten Diktatur machen, nicht besser als das SED-Regime. – Dietrich Briese

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Atomkraft, ja bitte! Wie bitte?“ von Rainer Klute

 

Sehr gut, daß sich RAINER KLUTE heut auf Seite 13 eines wichtige Themas annimmt. Gerne würde ich auch kommentieren , wie beschrieben. Aber unter zeit.de/akwdebatte müßte ich ja nach dem Kauf der ZEIT nochmals bezahlen! Wie das? –Ralf Tiefel

 

 

Wie lange habe ich auf Ihren Artikel warten müssen …! Fast hatte ich schon die Hoffnung aufgegeben, dass „Die Zeit“ in der Klimadebatte über Ihren Schatten springen wird und endlich das „ deutsche Atomkraft-Tabu“ diskutiert.

Nun ist es passiert, herzlichen Dank dafür und besonderen Dank an Herrn Klute, der sehr eindrucksvoll und überzeugend für die „nukleare Re-Alphabetisierung Deutschlands“ wirbt.

Wenn man den Beitrag Ihres Chefredakteurs Bernd Ulrich zur Klimadebatte „Grün ist schön, macht aber viel Arbeit“ dagegen stellt, wird deutlich, wo wir landen, wenn die Entwicklungen in Wissenschaft und Technik nicht zur Kenntnis genommen werden und dabei nur den eignen Dogmen vertraut wird….

Vielen Dank nochmals Herrn Klute – und ich würde gern Mitglied in seinem Verein „Nuklearia e.V.“ werden. – Dr. Gerhard Stolzenberg

 

 

Gestern habe ich mit großem Interesse den Gastbeitrag „Atomkraft, ja bitte! Wie bitte?“ von Rainer Klute (https://www.zeit.de/2019/41/kernkraftwerke-atomkraft-energiewende-atommuell) gelesen.

Kurz zur Einordnung zu meiner Person: Ich bin ein 22-jähriger Jurastudent, ordne mich politisch am ehesten bei den Grünen ein und bin seit Jahren gegen die Nutzung von Kernenergie als Stromquelle.

Zufällig hatte ich vor wenigen Monaten erst selbst ein Streitgespräch mit einem Freund über Atomkraftwerke. Dieser brachte damals das für mich neue Argument an, dass die Nutzung von AKW womöglich angesichts des Klimawandels zwingend notwendig sei, um die Co2-Emissionen wesentlich zu reduzieren.

Bei diesem Argument musste ich ihm wohl oder übel zustimmen. Eine realistische andere technische Option, den Klimawandel aufzuhalten, ist derzeit nicht in Sicht, ohne unsere Lebensweise massiv umzukrempeln.

Herr Klute brachte ebenfalls dieses Argument in seinem Beitrag an und nannte noch viele andere Vorteile moderner Atomkraftwerke, die diese Technik geradezu als die Lösung aller Probleme aussehen lassen.

Wäre es zur besseren Verständlichkeit dieser komplexen Materie daher möglich, einen anderen Experten auf diesem Gebiet in der ZEIT eine Art Gegendarstellung veröffentlichen zu lassen?

Schließlich ist Herr Klute eindeutig sehr positiv gegenüber der Atomkraft eingestellt. Doch die Wahrheit dürfte wie so oft irgendwo in der Mitte liegen. Ich bedanke mich bereits vorab fürs Lesen meiner Anfrage und nutze kurz noch die Gelegenheit, um mich für die konstant hohe Qualität der Artikel der ZEIT zu bedanken! – Philipp Forster

 

 

Das predige ich schon seit Jahren. Und was hat man gemacht; man hat auf paar dämliche Leute, auch Wissenschaftler, gehört. Wir können all die verblödete Diskussion vergessen, besonders die der Jugend. „Erwachsene Menschen“ sind auf das Trittbrett gesprungen und haben diesen Unfug mitgemacht.

Atomkraft wäre die sauberste Lösung, wie ich von einem Experten hörte, der nicht zu den Wissenschaftlern zählt, die das als Parteiprogramm propagiert haben. Die Gefahren, wie man heute weiß, sind viel geringer als man von den 68er gehört hat. Also, machen und nicht nur trommeln. – Gunter Knauer

 

 

Danke für die Satire. Erst will Herr Klute das unspaltbare Uran 238 spalten. Dann begründet er die Sicherheit mit 27 Unfällen in 14 Jahren. Sehr überzeugend. Die Neutronen werden mit Hilfe des Wasser gebremst, um eine unkontrollierte Kettenreaktion zu verhindern. Sonst hieße das Ding nämlich nicht mehr Atom-Kraftwerk sondern Atom-Bombe.

Wenn die Neutronen weniger gebremst werden, dürfte ja das Risiko steigen genau eine solche unkontrollierte Reaktion zu bewirken. Ich schlage vor der Erde wieder ihre ursprüngliche gottgewollte Form zurück zu geben – die einer Scheibe. Dann können wir das überschüssige CO2 umweltfreundlich über den Rand kippen und in den Weltraum driften lassen. Das ist genauso wahrscheinlich wie sichere Atomkraftwerke aber weniger riskant. – Iman Schwäbe

 

 

Besten Dank fuer diesen sehr interessanten Artikel bei der in Deutschland noch immer weit verbreiteten Hysterie zu diem Thema! Die Beseitigung des Atommuell ist heute das Hauptargument der Atomkraftgegner und was sagen die zu dieser Beseitigung mit dem natrimgekuehlten Schnellreaktor?

Eine Frage : Es gab den sog. Kugelhaufenreaktor, entwickelt von der TH Aachen, Prof. Schulte, Versuchsanlage in Hamm-Uentrup, von Rau, Ministerpraesident von NRW, nach Tschernobyl abgeschaltet. Ich habe gelesen, dass dieser in Suedafrika und China weiterentwickelt wuerde?

Die Entwicklung war fuer einen Leichtwasserreakto, aber ohne Gau! Ist diese Entwicklung auch in den Schnellreaktor mit eingeflossen? Ich bin bei Ihnen „Worauf warten wir in Deutschland noch“? Und heute sind 451 KKW weltweit in Betrieb-wieviel Milliarden Tonnen CO2 waeren das?? – Juergen Keller Dipl. Ing.

 

 

Danke, endlich wieder einmal eine Stimme pro AKW. Ich möchte die Idee und den Verein Nuklearia gern unterstützen, bitte teilen Sie mir mit, wie das geschehen könnte. – Dr. agr. Gernot Henseler

 

 

Hier spricht ein radikaler Vertreter der Aufklärung, ein Schüler von Steven Pinker, der ein (zehn)tausendjähriges Energiereich verspricht und „quasi ein Perpetuum mobile“ in Aussicht stellt. Ohne die technischen Details zu diskutieren, erscheint es fast schon bizarr, dass die Atomnation Frankreich sein „Astrid“-Programm beendet, und den innovativen Ländern Russland, China und den USA selbstlos die Herrschaft über die Brüter-Technologie überlässt.

Wenn alles so hübsch einfach wäre, wie in diesem Artikel, so wäre dieser freiwillige, selbstzerstörerische Verzicht der Grande Nation wohl etwas für die Kurzkolumne „Prominent ignoriert“… – Dr. Christian Voll

 

 

In dem Zeitteil „Streit“ wird hier extrem einseitig von Rainer Klute der Kernenergie das Wort geredet, während auf der Seite vorher über schulische Quereinsteiger in ausgewogenem „Ja“ und „Nein“ Argumente gegen einander gestellt werden.

Ich hoffe, dass die Zeit kompetente Naturwissenschaftler findet, die sich mit diesem Thema und diesem Artikel dann vielleich in Wissen I auseinandersetzen, nachdem Herr Klute eine ganze Seite lang unwidersprochen „ausreden “ durfte. – Karl Heinz Ranftl

 

 

Alle meine Freunde, Verwandte und Kollegen belächeln noch immer mein Eintreten für die Kernkraft.

Anfang Juli 2011 verfaßte ich folgenden Text: Deutsches Wesen:Ich kenne ein Volk/ das schwankt/ zwischen Angstwahn und Wut/Wehsal und Übermut/ Hysterie und Schein-Heiligkeit//

Wechselnd zur Unzeit die Pferde/ stellend die Weichen auf Gleise/deren fehlende Schwellen/ die Schienen nicht tragen/ zu schweigenvom Zug/ wieder Erster zu sein//Wo will es hin/ das nicht einmal weiß/ welcher Bahnhof sein Ziel//hinter sich lassend Erfolg und Vernunft/ wenn es bei Sonne undWind/ im Grünen entgleist- Ludwig Verbeek

 

 

Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich hätte nicht erwartet, dass ausgerechnet die ZEIT, die ich in den letzten Jahren zunehmend als flagship storeder Grünen wahrnehme, sich dieses Themas in dieser Weise annimmt. Meine Bitte: Bleiben Sie dran, und führen Sie das Thema aus der Rubrik „Streit“ auf die ersten Seiten des Politik- und Wirtschaftsteils, gerne zusätzlich ins Feuilleton!

Viel zu lange haben wir es uns in Deutschland in der EEG-Hängematte bequem gemacht, die zuverlässigen Stromlieferanten Stück für Stück abgeschaltet, den Zukauf von Atom- und Kohlestrom aus den Nachbarländern ausgeblendet, dabei die „nationale Katastrophe“ (s. BT-Drucksache 17/5672) eines großflächigen Stromausfalls ignoriert und uns die Zusammenarbeit mit den anderen bedeutenden Industriestaaten bei der Entwicklung natriumgekühlter Schnellreaktoren erspart.

Wenn ausgerechnet die ZEIT bei der Neubetrachtung des Themas voranschritte, wäre das nicht hoch genug einzuschätzen. – Dirk Radermacher

 

 

Mit Interesse habe ich den Artikel von Herrn Rainer Klute gelesen und möchte zu diesem einige Anmerkungen machen. Hier wird, meiner Meinung nach, ein recht einseitiges Bild von einer fragwürdigen und gefährlichen Reaktortechnologie gezeichnet.

Ich verstehe die Argumentation, dass im Zuge der Klimakrise alle Möglichkeiten der Energiegewinnungen mit möglichst geringem CO2 Ausstoß betrachtet werden sollten. Jedoch bezweifle ich, dass Hochrisikotechnologien, wie schnelle Reaktoren, hierfür eine Lösung sind. Im Folgenden möchte ich meine Überlegungen und Kritikpunkte in aller Kürze darlegen:

Schnelle Reaktoren befinden sich immer noch in einem Entwicklungszustand und wären keineswegs von heute auf morgen kommerziell einsetzbar. Momentan gibt es genau einen schnellen Reaktor welche kommerziell betrieben wird, der russische BN-800. Bis es zu einer breiten, kommerziellen Nutzung dieser Technologie kommen könnte, ist noch mit vielen Milliarden Euro und Jahrzehnten an Entwicklungszeit zu rechnen.

Abfallproblematik: Die Grundidee bei der Aufarbeitung von Nuklearmüll zu Brennelementen für schnelle Reaktoren ist, in einem ersten Schritt die abgebrannte Brennelemente aus herkömmlichen Reaktoren zu separiert und dann aus einem Teil der separierten Isotope wieder neue Mischoxid (MOX)-Brennelemente zu produzieren. Diese MOX-Brennelemente könnten dann in einem schnellen Reaktor verbannt werden.

Jedoch ist diese Wiederaufarbeitung technisch äußerst schwierig, und kommt mit hohen finanziellen Kosten einher. Es gibt eine ganze Reihe solcher gescheiterter MOX-Anlagen. Beispielsweise wurde 2002 in Großbritannien die MOX-Anlage Sellafield in Betrieb genommen, welche jährlich etwa 120 t MOX-Brennstoff produzieren sollte.

Von 2002-2009 produzierte sie jedoch aufgrund von zahlreichen technischen Problemen lediglich 6.3 t MOX-Brennstoff und wurde schließlich 2011 stillgelegt. Die Kosten dieser Anlage gingen deutlich über 1 Mrd GBP.

Wenn die so produzierten MOX-Brennelemente im schnellen Reaktor verbrannt wurden, werden sie, so wie das bei herkömmlichen Brennelementen momentan der Fall ist, in ein Endlager verbracht.

So reduziert sich weder die Zeit in welchem dieses Material gefährlich ist, noch im wesentlichen die Menge dieses Materials. Einziger Unterschied ist, dass der Nuklearmüll einmal separiert und dann ein weiteres mal von einem schnellen Reaktor verbrannt wird.

Die Idee diese abgebrannten MOX-Brennelemente, wie früher mal angedacht, wieder aufzuarbeiten, ist wirtschaftlich völlig unattraktiv und wurde auch noch nie industriell umgesetzt. In dem Artikel wird der Eindruck erweckt, dass es so etwas wie eine wirtschaftlich finanzierbare Multizyklierung geben würde, dem ist nicht der Fall. Die Abfallproblematik lässt sich durch schnelle Reaktoren nicht lösen.

Risiken: Schnelle Reaktoren sind eine Technologie, die noch in der Entwicklung steckt. Die Kühlung durch Natrium erzeugt jedoch ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Sicherheitsrisiko; die 27 Natriumleckagen im BN-600 halte ich für höchst bedenklich.

Zusätzlich weisen schnelle Reaktoren teilweise noch einen positiven Void-Koeffizienten auf, was unter Umständen das verhindern einer nuklearen Kernschmelze deutlich erschwert. Gerade nach Fukushima und Tschernobyl sollte der Einsatz dieser Hochrisikotechnologien generell zu überdacht werden.

Unwirtschaftlichkeit:Schnelle Reaktoren sind bei den in den nächsten Jahrzehnten zu erwartenden Uranpreisen deutlich unwirtschaftlicher als herkömmliche Kernreaktoren. Es müssten noch immense Geldmengen in die Entwicklung dieser Technologie gesteckt werden. Der Bau dieser Reaktoren und auch die Herstellung der verwendeten Brennstoffe ist teurer als der von herkömmlichen Reaktoren.

Proliferationsrisiko: Schnelle Reaktoren kommen mit einem immensen Proliferationsrisiko, also dem Risiko, dass diese Technologie Staaten ermöglicht heimlich Nuklearwaffen zu produzieren, einher.

Ein schneller Reaktor kann durch eine andere Anordnung der Brennelemente jederzeit einfach zu einem schnellen Brüter umfunktioniert werden. Ein solcher schneller Brüter kann in kurzer Zeit große Mengen von waffengrädigem Plutonium, welches zum Bau von Nuklearwaffen genutzt werden kann, produzieren.

Es ist also zu beachten, dass die Infrastruktur von schnellen Reaktoren jederzeit auch für ein Nuklearwaffenprogramm genutzt werden kann. Es müsste also erhöhte Kontrolle von Seiten der Internationale Atomenergie-Organisation geben.

Doch ist diese überhaupt möglich? Momentan liegt der Fehler bei der Bilanzierung für Wiederaufbereitungsanlagen bei etwa einem Prozent und bereits wenige Kilogramm Plutonium reichen aus um eine nukleare Waffe zu bauen. Das Plutonium für Indiens erster Nuklearwaffentest wurde aus deren Brutreaktor 1974 abgetrennt.

Staaten mit der kompletten Infrastruktur zum Bau von Kernwaffen auszustatten halte ich für höchst bedenklich und bringt uns in Legitimationsschwierigkeiten gegenüber anderen Staaten. Was sollten wir dem beispielsweise dem Iran antworten, wenn er verkündet werde jetzt eine schnelle Reaktoren Infrastruktur nach deutschen Vorbild bauen?

Schnelle Reaktoren sind noch in der Entwicklung und auf keinen Fall in nächster Zeit einsetzbar. Sie sind weder wirtschaftlich lukrativ noch können Sie wirklich die Atommüllproblematik lösen. Des weiteren kommen Sie mit einem immensen Proliferationsriskio einher. Ich begrüße die Idee über alle Möglichkeiten der CO2 Reduktion nachzudenken, halte die Etablierung dieser Technologie jedoch für grundlegend falsch.

Für weitere Informationen möchte ich noch auf die Veröffentlichung des Öko-Instituts in Darmstadt (Neue Reaktorkonzepte, Eine Analyse des aktuellen Forschungsstands, Pistner, Englert, 2017) verweise, welche sich mit dieser Reaktortechnologie auseinandersetzt: https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Neue-Reaktorkonzepte.pdf

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn in einer Ihrer nächsten Ausgaben eine Gegenstimme zu diesem, doch sehr kontroversen und in diesem Artikel leider sehr einseitig beleuchteten, Thema erscheinen würde. – Christopher Fichtlscherer

 

 

Diese Veröffentlichung haut mich vom Hocker. Nachdem die „Zeit“ jahrelang Sympathisant für die verordnete Energiewende und dem damit verbundenen Ausstieg aus Kernenergie und Kohle war, erstaunt mich dieser neue Weg zurück zur Realität. Hier wird erkannt, dass wir mit einem dogmatischen Verhalten die Energie- und Umweltprobleme der Zukunft nicht lösen werden.

Eine Rückkehr zur Kernenergie wird nicht einfach sein, da in den Jahren des Ausstiegs unsere Expertise verloren gegangen ist. Noch schwieriger wird es, die bereits fanatisch agierenden Umweltaktivisten eines Besseren zu belehren. – Frank Leschhorn

 

 

Herr Klute, auf diesen Artikel habe ich sehnlichst gewartet. Bei uns in Deutschland darf man wohl auch das Wort „Atom“ nicht mehr in den Mund nehmen, ohne dass panisch darauf reagiert wird. Seit Jahren hüllt sich die Regierung bezgl. Atomforschung in Schweigen, schon gar nicht gibt es eine Erklärung zum Stand der Forschung hinsichtlich Uranrest- und Müllverwertung, um diese emissionsfreie und günstige Art der Stromerzeugung ggf. zu reaktivieren.

Da werden in endlosen Nachtsitzungen verzagte, unzureichende, aber teure Maßnahmen ausgebrütet, statt sich, wissenschaftlich fundiert, wieder mit dem Thema Atomkraft auseinanderzusetzen. – Dr. Susanne Gohlke

 

 

Atomkraft, ja bitte! Wie bitte? Die Grünen lehnen Kernenergie weiterhin ab, heute mit der Begründung ( Özdemir kürzlich in der ZEIT ), das Problem der radioaktiven Abfälle sei nicht gelöst.

Wenn die Ausführungen von Rainer Klute zutreffen, dass radioaktive Abfälle, als Brennstoff in neuen, natrium-gekühlten Schnellreaktoren eingesetzt, über lange Zeit unvorstellbar große Energiemengen ohne CO2 Ausstoß liefern könnten, wäre das Klimaproblem weltweit gelöst – auch für Deutschland ? – Meier-Schellersheim

 

 

Der Artikel “Atomkraft, ja bitte“ zur IV. Generation der Atomkraftwerke (Die ZEIT vom 2.10.2019) erinnert mich an die 50er und 60er Jahre, als das scheinbar unendliche Potential der Kerntechnik in glühendsten Farben geschildert wurde. Es kam zu einem Ausbruch von Hoffnungen auf ein neues technisches Zeitalter, das in der Vorstellung vieler Zeitgenossen einer paradiesischen Welt entsprach.

Auch Franz-Josef Strauß setzte auf die Atomtechnologie, da er als damaliger Verteidigungsminister eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr durchsetzen wollte. Lediglich die Versicherungswirtschaft protestierte, da sie die unschätzbaren monetären Gefahren sah.

Was ist aus diesen Träumen geworden? Das Eintreten der von der Atomtechnologie ausgehenden Gefahren wurde als allerhöchst unwahrscheinlich beschrieben. Die Katastrophen von Windscale (deshalb umbenannt in Sellafield), Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima haben uns eines besseren belehrt, ganz zu schweigen von den kaum in die Öffentlichkeit geratenen Katastrophen von z. B. Majak (UdSSR 1957), Church Rock (1979, der bis heute schwerste Atomunfall in den USA).

Sie wurden verheimlicht oder bagatellisiert, da sie militärische Bedeutung hatten. Bedenkt man auch die Zerstörungen, die durch den Uranabbau insbesondere in Gebieten indigener Bevölkerungen entstanden sind und zu Tausenden verstrahlten und gestorbenen Menschen führten, müsste jedem einleuchten, dass die Stromerzeugung durch Atom – vorsichtig formuliert – ein Irrweg ist.

Auch die dritte Generation von AKWs (Druckwasserreaktoren, Kernfusion) kann nichts daran ändern, da sie selbst nach Atomkraftbefürwortern „zu aufwendig“ sei. Damit ist wohl gemeint, dass deren Fertigstellung sich bei explodierenden Kosten immer weiter hinausschiebt, da immer wieder große Sicherheitsmängel auftreten.

Das wird auch bei der IV. Generation nicht anders sein. An ihnen wurde schon früher geforscht. Ein großes Problem in mit Thorium betriebenen Flüssigsalz-Brutreaktoren ist, dass das Salz enorme Korrosionsprobleme verursacht. Zudem ist die Strahlenbelastung aufgrund der vielen Spaltprodukte hoch und es entstehen große Mengen radioaktiven Tritiums, die unaufhaltbar in die Umgebung entweichen.

Die Behauptung, dieser Reaktortyp sei aufgrund seiner Konstruktion besonders sicher, bezieht sich nur auf die technische Anlagensicherheit. Die Bedrohung durch Naturkatastrophen, Flugzeugabstürze, Terrorismus oder menschliches Versagen bleibt weiterhin bestehen. Deutschland beteiligt sich mit dem Kernforschungszentrum Karlsruhe an dem Problem, wie sich Uran‑233, das in mit Thorium betriebenen Flüssigsalzreaktoren entsteht, aus dem Reaktorkreislauf entfernen lässt.

Dies ist Voraussetzung für den Betrieb solcher Reaktoren, stellt aber zugleich eine erhebliche Proliferationsgefahr dar, denn das dabei gewonnene Uran‑233 ist besonders einfach waffenfähig. „Wer auf Thorium setzt, kann gleich Atombomben verteilen“, drückt es Thomas Partmann aus, pensionierter Atom-Wissenschaftler.

Die Stromerzeugung mittels Atomkraft ist aus ökonomischen und ökologischen Gründen gescheitert, auch wenn entsprechende Kapitalinteressen immer wieder versuchen, sie als Heilmittel bei der Klimaproblematik anzupreisen.

Die Endlagerproblematik für den Jahrtausende strahlenden Müll ist weltweit noch deutlich von einer Lösung entfernt, neuer strahlender Müll kommt permanent hinzu. Mit weiteren Forschungen werden immense Steuergelder verbrannt, nicht zuletzt auch durch die 1957 gegründete Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM), deren Auftrag es immer noch ist, die Kernenergie zu verbreiten und weiterzuentwickeln.

Alle EU-Staaten zahlen in den gemeinsamen Fonds erhebliche Mittel ein, obwohl er das Wettbewerbsrecht aushebelt. Ohne diese exzessive Förderung könnte die Atomindustrie wirtschaftlich nicht bestehen, was nicht zuletzt die exorbitante Subventionierung des AKW-Projekts Hinkley Point C in Großbritannien beweist. Wer in Strom sparende Techniken und sparsame Geräte investiert, erzeugt größere Gewinne als mit neuen AKWs.

Wind- und Solarkraftwerke, deren Effizienz durch Forschungen deutlich gesteigert werden, können heute schon mit Atom- und fossilen Kraftwerken konkurrieren. Warum dann auf ökonomisch, ökologisch und friedenspolitisch gefährliche Technologien setzen? Das ist Russisch-Roulette. – Norbert Bogerts

 

 

Rainer Klute formuliert geschickt, lässt dabei aber viele Aussagen verdächtig unkonkret oder stellt sie verkürzt dar. Was sind denn zum Beispiel die „gewaltigen Fortschritte“, die die Wissenschaftler und Ingenieurinnen in den vergangenen Jahren erzielt haben? Die Idee eines sogenannten „Energy Amplifiers“, der in einem schnellen Neutronenspektrum Energie aus bereits abgebranntem Brennstoff erzeugt, wurde bereits vor 30 Jahren von Carlo Rubbia vorgestellt.

Bisher wurde sie jedoch noch nicht umgesetzt, u.a. weil das grundsätzliche Prinzip von verschiedenen Stellen, (z.B. der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften) verworfen wurde. Hier wird offenbar versucht, im Zuge der Klimabewegung ein teures und gefährliches Reaktormodell in Deutschland einzuführen.

Gerade weil der Text die Öffentlichkeit als „atomhysterisch“ diskreditiert, finde ich es notwendig, dass auch die wissenschaftliche Gegenposition Darstellung findet. Und zwar nicht nur in der Online-Debatte. – Dr. Friederike Frieß

 

 

Atomkraft in der bisher technisch angewandten Form war und bleibt unverantwortlich. Deshalb sollte nicht nur in Deutschland sondern weltweit der Atomausstieg umgesetzt werden. Auch die Technik des Schnellen Brüters ist Kernspaltung und Kernspaltung ist immer ein hohes Sicherheitsrisiko und sie produziert über Jahrtausende strahlende Abfälle, die niemals in sicheren Endlagern entsorgt werden können.

Ich finde es naiv zu glauben, dass dieser Müll eine Energie-Reserve für Jahrhunderte sei und dass die nicht kontrollierbaren Plutonium Massen auf der Welt in Schnellen Brütern entsorgt würden. Die ultimative Lösung des Energiemangels wäre die Kernfusion, welche die Sonne uns vormacht (übrigens ganz ohne radioaktiven fall out.) – Karl Zwicker

 

 

Fast eine ganze Seite, um Bekanntes zur Nuklear-Technologie darzulegen, ohne dem selbsternannten Atom-Experten ein kompetentes Gegenüber zu bieten. Das Risiko des großindustriellen Einsatzes von Natrium wird verharmlost. Gleichen tat und tut die Atomlobby immer noch.

Zumindest so lange, bis Großkatastrophen alles erschütterten, für kurze Zeit. Alle Industrieunfälle sind als Risiko vor ihrem Eintreten dem Grunde und der Möglichkeit nach bekannt, immer wird beschwichtigt, es passiere nichts, alles sei beherrschbar.

Immer überrascht beim Eintreten die Hilflosigkeit. Zu beobachten jüngst beim Großbrand einer Chemo-Fabrik mit Seweso-Risiko inmitten des riesigen Wohn- und Lebensumfeldes der Großstadt Rouen. Jahrzehntelang ist nichts passiert, jetzt war es glimpflich. Na und?!

Dass es nichts nutzen wird, die vom Ing. Klute gepriesenen Anlagen weitab oder ins ferne Ausland zu verlagern, sollte er an den Großunfällen der letzten Jahrzehnte nachvollziehen können.

Das waren nicht nur Tschernobyl, Seweso, Basel oder Fukoshima. Im übrigen disqualifiziert seine verharmlosende Schönschreiberei („ein paar Gramm Uran in jedem Vorgarten“) den Autor als ernstzunehmenden Wissenschaftler.

Nicht das natürliche Vorkommen in Spuren ist das Problem, sondern deren Anhäufung zu großindustriellen, militärischen oder auch nur politischen Zwecken. Ernstzunehmen ist er als Lobbyist einer mächtigen Atomindustrie, auch wenn er auf seiner Homepage als streng unabhängiger Aufklärer daherkommt.

Solche Missionare werden nur als abschreckende Beispiele gebraucht. Liebe Redaktion, vorstehende Meinung dürfen Sie gerne offen stellen. Was mich irritiert, ist dass das missionarische Auftreten des Herrn Klute wohl keiner journalistischen Prüfung unterzogen wurde.

Seine Homepage allein stellt deutlich dar, wess Geistes Kind er ist. Seine Sympathie für die AfD tut ein übriges. Hat das denn niemand gelesen? Schade! – Helmut Schug

 

 

In der Welt von Rainer Klute gibt es keine Erdbeben, keine Flugzeugabstürze und keine Terrorangriffe. Dafür aber perfekte Technik und perfekt geschultes, zumindest in Deutschland zu 100% fehlerresistentes Personal.

Das Wort „Restrisiko“ gebraucht er, soweit ich sehe, nicht, aber er kalkuliert es stillschweigend ein, und damit das Risiko riesiger evakuierter Gebiete und Millionen vertriebener Menschen, von den Toten und Strahlenkranken zu schweigen. Die Begeisterung für Technik macht es möglich, das alles zu ignorieren.

Das Endlager-Problem sieht er als gelöst an, man „beschießt“ einfach den Atommüll mit schnellen Neutronen, und das 300 Jahre lang. 300 Jahre, in denen wir und unsere Nachkommen selbstverständlich auf gleichem oder höherem Niveau zu 100% fehlerfrei arbeiten werden.

Klute bringt es fertig, ausführlich über das Risiko brennenden Natriums zu referieren, ohne Verstrahlungen durch Radioaktivität zu erwähnen.

Die so mögliche CO2-Vermeidung klingt verführerisch in unseren Tagen der Erdüberhitzung. Also lasst uns perfekt werden. Lasst uns die Atomanlagen perfekt überwachen. Und lasst uns Robert Jungks Warnungen vor dem Atomstaat, der ein perfekter Polizeistaat sein müsste, endgültig vergessen. Zumal „alle anderen Länder es ja auch machen“. – Claudia Stursberg

 

 

Ich habe meinen Augen nicht getraut – nach all den Jahren des Widerstands und Kampfs gegen die unsägliche Atomkraft gibt gerade die ZEIT einem dezidierten Kernkraftaktivisten Raum für die Darlegung seiner abstrusen Erklärungen. Streit? – Den brauchen wir zu diesem Thema nicht mehr; der ist längst geklärt.

Wie blind und geschmacklos das „christlich“ verbrämte Geschwätz von Herrn Klute daherkommt, zeigt sich unter anderem darin, dass er mit seiner „Nuclear Pride (!) Coalition“ ausgerechnet in Belgien für Atomkraft auf die Barrikaden steigt. Fragen Sie mal in Aachen und der Eifel nach, was man angesichts der maroden Rektoren jenseits der Grenze in Thiange und Doel von einer weiteren und eventuell sogar noch ausgeweiteten Nutzung von Kernkraft hält!

Dass der Autor sein „Engagement“ für Atomkraft auch noch auf das Desaster von Fukushima zurückführt ist angesichts des vielen Leids, das dort verursacht wurde, ein weiterer Hohn. Und ausgerechnet die ZEIT öffnet hierfür ihre Blätter – einmal mehr enttäuschend und Grund genug dafür im Kiosk an ihr vorüberzugehen. – Heinz Bossert

 

 

Ihr Artikel „Atomkraft, ja bitte! Wie bitte?“ hat mich rätselnd zurückgelassen. Wieso wird dem Autor des Beitrags eine ganze Seite der Zeit im ersten Teil (!) eingeräumt, in der er seine Ansichten zu „schnellen Reaktoren“ einseitig und unter Vernachlässigung der aus meiner Sicht eben auch vorhandenen Nachteile darstellen kann?

Habe ich hier etwas übersehen? Fehlt das Wörtchen „Anzeige“ und es handelt sich um einen bezahlten Inhalt des Vereins Nuklearia e.V.?

Gibt es keinen Wissenschafts-Journalist mehr, der die Thematik von verschiedenen Seiten recherchieren und beleuchten kann? Oder ist der Artikel dazu gedacht, durch provokant einseitige Darstellung eine Debatte anzustoßen?

Was auch immer Ihre Intention war: in Zeiten von Fake-News halte ich es für nicht verantwortbar in Ihrer Zeitung eine derart einseitige Darstellung ohne Einordnung stehen zu lassen (auf der Seite gegenüber gibt es eine Streitfrage mit Pro- UND Contra!).

Es wird nun genug Personen geben, die das Klima-, Energie- und Atommüllproblem für gelöst halten – wenn doch nur alle die Wahrheit wüssten und die Politiker und Entscheidungsträger nicht systematisch davon abgehalten würden! Wie einfach das alles geht, steht ja sogar in der Zeit!

Natürlich kann ich mich irren und die Sachlage sich wirklich so positiv darstellen wie von Hr. Klute beschrieben. Dann würde es mir leid tun, Hr. Klute der Einseitigkeit beschuldigt zu haben; nach dem, was ich jedoch sonst in verschiedenen Quellen über das Thema lesen kann, kann ich hierzu allerdings aktuell keine Tendenz erkennen.

Es ist normalerweise nicht meine Art, Feedback in dieser Form zu geben, aber dieser Artikel hat mich in der Tat irritiert. – Hartmut Katz

 

 

Im Forschungszentrum Karlsruhe war die in dem Zeitartikel dargestelltenAnwendungen mit einem natriumgekühlten Forschungsreaktor schon Wirklichkeit und der „schnelle Brüter“ bei Kalkar sollte die Nutzanwendung sein. Mit Unwissenheit und maßloser Ideologie wurden stattdessen unendliche Milliarden DM vernichtet.

Tschernobil war technisch nicht mit deutschen Reaktoren vergleichbar und Fukuschima ein Verbrechen der Reaktorbetreiber weil vulkanische Wasserwellen seit Jahrhunderten bekannt und trotz Warnungen keine baulichen Schutzmaßnahmen erstellt wurden. Hierzulande werden wir in Kürze wegen politischer Unfähigkeit und ideologischer Verbohrtheit mit kalten Hintern im Dunkeln sitzen. – Hartkopf-Bothner

 

 

Wenn die Risiken von Natrium gekühlten Atomreaktoren so niedrig sind wie behauptet, dann wird Herr Klute sicherlich eine Versicherung finden, die mögliche Schäden durch den Betrieb einer solchen Anlage vollständig abdeckt.

Sollte das nicht der Fall sein, so würde sich, wie das Beispiel Japan zeigt, das alte Spiel wiederholen: Private Investoren in solche Anlagen streichen zunächst satte Gewinne ein, für Schäden und Entsorgung haftet dann jahrzehntelang die Allgemeinheit und der Steuerzahler. – Michael Parys

 

 

Der Mut des Autors, in der heutigen Diskussions-Unkultur eine Lanze für Atomenergie zu brechen, ist bewundernswert. Nur: wird leider nichts. Nicht aus technischen Gründen, o nein, da glaube ich dem Autor die Machbarkeit, sondern aus politisch-gesellschaftlichen.

Insbesondere zwei Aspekte müssten diskutiert werden: 1. Sicherheitsrisiken und 2. Kosten. Sicherheit: Wie soll in einem Land vernünftig über die Risiken von Kernenergie diskutiert werden, in dem man vor der elektromagnetischen Strahlung von Hochspannungsleitungen Angst hat und sogar eingegrabene Energiekabel ablehnt?

Wer soll eventuelle Unfälle bei Kernkraftwerken verantworten, wenn bei jahrelangen Verzögerungen beim Flughafenbau (!), u.a. wegen der Brandmeldeanlage, bis heute niemand zur Rechenschaft gezogen wurde?

Kosten: Wenn bei einem Bahnhofsbau (!) die mehrfach angezweifelten und jedesmal öffentlich bestätigten Kostenschätzungen nach der Genehmigung um 50 bis 100% überschritten werden (je nach Gutachter), wie will man da die Kosten einer neuen Technologie abschätzen?

Da solche Diskrepanzen zur Regel geworden sind (siehe Elbphilharmonie, siehe Berliner Flughafen) glaubt wohl niemand mehr an unvorhergesehene Umstände. Die Sachverständigen-basierte Lüge ist in einem Maße zur Gewohnheit geworden, dass sich der normale Bürger kein Urteil mehr bilden kann.

In einem mitteleuropäischen Land, in dem Atomkraft abgeschafft wird, weil es in Japan Tsunamis gibt, ist eine vernünftige Diskussion unmöglich geworden. Leider. – Frank Hrebabetzky

 

 

Der Super-GAU von Tschernobyl (1986) und der Super-GAU von Fukushima (2011) sind (fast) schon vergessen. In Deutschland, da hat die Bundesregierung die Konsequenzen gezogen; das letzte deutsche Kernkraftwerk soll 2022 abgeschaltet werden.

Nach wie vor gibt es weltweit kein Endlager für abgebrannten Brennstäbe, und dennoch scheint die Atomkraft weltweit auf eine Renaissance zuzusteuern, getarnt unterdem Slogan: „Alles doch nur halb so schlimm“! – Klaus P. Jaworek

 

 

Herrn Klute sei gedankt für seinen sachlichen Beitrag zur Kernenergie. Schaut man in die Nachbarländer Frankreich, Schweden und Großbritannien, ist dort dank dieser Technologie der Pro-Kopf CO² Ausstoß um über drei Tonnen (rund 30%!) niedriger als in Deutschland. So sieht klimafreundliche Energieerzeugung aus.

Nur auf Erneuerbare zu setzen, würde den Bau von weiteren zehntausenden Windkrafträdern und Monokulturen zur Verstromung in der Biogasanlage bedeuten – mit entsprechenden Folgeschäden und Flächenverbrauch. Leider ist diese Debatte hierzulande nicht rational zu führen und so werden die Deutschen weiter glauben, mit Einkaufen im Hofladen und dem Verzicht auf Plastiktüten die Welt zu retten. – Adrian Schröder

 

 

…wenn’s denn so einfach wäre wie auf S. 13 dargestellt!? Als geneigter Leser&Laie beschleicht mich der Verdacht, dieser PR-Artikel der Nukleatia eV verheimlicht die Nachteile der so gelobten Problemlösung “ Schneller Reaktor“. Deswegen hoffe ich auf ideologisch unbelastete Kommentatoren, die diese notwendige Debatte fortsetzen… – peter schrader

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Grün ist schön, aber macht viel Arbeit“ von Bernd Ulrich

 

Aktuell stammen ca. 36% des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. Wenn wir also in einer hoffentlich nicht mehr so fernen Zukunft 100% Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen wollen, dann muss die Stromerzeugung aus EE um den Faktor 300% steigen.

Bei dieser simplen Überlegung ist noch nicht berücksichtigt, dass wir im Rahmen der angestrebten Verkehrswende deutlich mehr E-Mobilität auf deutschen Straßen sehen und bewegen wollen, dass auch die deutsche Industrie künftig CO2-neutral und erneuerbar arbeiten soll. Von der viel gescholtenen Landwirtschaft ganz zu schweigen. Die Frage, ob wir uns alle demnächst in Verzicht üben müssen, stellt sich schon lange nicht mehr.

Aktuell geht es mehr um die Fragen, wann begreifen die Deutschen, und damit sind nicht zuletzt auch unsere Politiker gemeint, dass es ohne gewaltigen Verzicht (darunter fallen dann so nette kleine Dinge, wie Regeln oder Verbote) schlicht nicht funktionieren wird?

Und wer sagt es den Deutschen? In der gegenwärtigen Situation gehen in unserem Land die Lichter aus, wenn ein paar Millionen E-Autos am Abend ihre Akkus laden würden. Aber das wäre dann ja auch eine andere Form des Verzichts. – Michael Schmitt

 

 

Ihr Kollege Bernd Ullrich scheint sich in der Klimafrage gut eingearbeitet zu haben. Ich verstehe davon sehr wenig, eigentlich gar nichts. Die Pragmatiker tun sich schwer mit diesen Gedanken; unsere Welt geht unter. Was passiert, wenn die Luft weiter verpestet wird? Seit ein Homo unseren Planeten besetzt hat, schon vor der Industrialisierung, ist die Luft durch den Homo verpestet worden.

Die Sedimenten sind durch ein Lebewesen bedingt gewesen. Mein Leben tut alles dafür, wenn es stimmen sollte, daß der Dreck, den ich erzeuge, durch „dicke Autos, ständige Flüge durch die halbe Welt, sich noch vergrößert. Nun habe ich im Physikunterricht gelehrt bekommen, daß der Kohlenstoffdioxid nicht brennbar, geruchlos und im besonderen ungiftig ist.

Warum also die Aufregung. Seit Tagen regnet es mit Unterbrechung bei uns. Mit uns meine ich Singapur und NRW. In Singapur schüttet es zeitweise wie aus Kübeln.

In meinem Unverstand bezeichne ich die mediale Aufregung für Angstmacherei. Wie wir wissen, ein schlechter Ratgeber. Und an Herrn Ulrich persönlich:

Die Grünen rücken uns in der Tat auf die Pelle. Aber die Macht wird ihnen versagt bleiben. Ich gehe davon aus, daß sie diese Partei auch wählen. Dann muß ich mit Verlaub; an ihren Verstand zumindest zweifeln dürfen. – Gunter Knauer

 

 

Endlich, möchte man sagen. Ein Weckruf wie ein politisches Manifest. Das Mythen glasklar offenlegt. Von dem man sich wünscht, daß nun endlich ein Ruck durch dieses Land geht.

Gleichzeitig ein reicher Fundus aus dem vielfältige Chancen für unsere wundervolles Land und für diesen wundervollen Planeten entwickelt werden können. Chancen einerseits für die heute noch sich selbst als politische Mitte beschreibenden politischen Parteien.

Dringend gesucht ist politisches Führungspersonal, das willens und fähig ist eine neue Art der Verantwortung und Kommunikation zu übernehmen, strikt ausgerichtet an der neuen Realität, sich selbst lösend aus überkommenen lobbyistischen Zwängen , ausgestattet mit der Bereitschaft die existierenden, erfolgreichen Systeme des letzten Jahrhunderts konsequent umzubauen und zu überführen in zukunftsterichtete neue Systeme, diesen Umbau zu verknüpfen mit einer zuversichtlichen und positiven Vision für dieses Jahrhundert.

Das dabei gleichzeitig die hartnäckigsten Bremser von wirksamen Klimaschutzstrategien und auch alle Kein-Verzicht-Apologeten, z.B. aus Verkehrs- u. Landwirtschaftsministerium sowie FDP-Vorsitz auf der Strecke bleiben, darf dann sogar als Kolleteralnutzen für einen sich erholenden Planeten angesehen werden.

Chancen können sich zweitens für die sog Eliten aus Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft, Medien, Kirchen ergeben. Heute oft im Zwielicht stehend, mit teilweisen massiven, aber hausgemachten, Glaubwürdigkeisproblemen konfrontiert, kann das Spitzenpersonal aus unseremm Land endlich wieder eine glaubwürdige Führungsrolle übernehmen und mit eigenen Initiativen einer wirkungsvollen Klimastrategie zur Durchsetzung verhelfen.

Der Mut und die Kraft für die Übernahme dieser Verantwortung würde sich gleich mehrfach auszahlen: Die Anstrengung der Politik würden befördert, klimaschonende Strategien und Effekte würden schneller wirksam und sich gegenseitig verstärken. Darüberhinaus würde das ramponierte eigene Image in enem deutlich anderen Licht erscheinen.

Neben die vielkritisierte Eigennützigkeit würde endlich wieder einmal das dringend benötigte Gemeinnützige sicht- und wahrnehmbar in den Vordergrund gerückt. Schließlich tragen glaubwürdige Eliten, die als sichtbare Vorbilder vorangehen maßgeblich zur gesellschafliche Akzeptanz und damit zum Stabilisierung des gesellschaftlichen Zusammenhalts bei.

Drittens können es auch Politik und Eliten noch nicht alleine richten. Jeder Einzelne trägt, in unterschiedlichem Umfang, dazu bei, ob sich unser Planet wieder erholt oder ob sich die in den vergangenen Jahrzehnten sich beschleunigende Zerstörung des Planeten fortsetzen wird.

Unsere täglichen Konsumentscheidungen leisten den schnellsten und nachhaltigsten Beitrag zu der weiteren Entwicklung unseres Planeten. Die Chance ? Entweder wir richten es selber, eigenverantworltich und in Freiheit oder wir werden dazu gezwungen. Die 2. Variante ist dabei die weitaus schmerzlichere. Auch wenn das den „Kein-Verzicht-Dogmatikern“ nicht gefällt. – Hans-Jörg Glaß

 

 

In dem Beitrag „Grün ist schön, macht aber viel Arbeit“ von Bernd Ulrich wird unter Punkt 5 behauptet, ein junger Mensch könne nicht in die „seligen siebziger Jahre zurückkehren, als CO2 noch ein weithin unpolitisches Gas war“.

Dieser Feststellung muss ich widersprechen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass Prof. Heinz Haber in populär-wissenschaftlichen Fernsehsendungen und Veröffentlichungen auf den Anstieg des CO2 Gehalts der Luft hingewiesen hat. Auch stellte er einen Zusammenhang zwischen CO2-Anstieg und Temperaturzunahme auf der Erde her.

Als Beweis benutzte er Messdaten der Wetterstation auf dem Mauna Loa (Hawaii). Die damals dargestellten Grafiken sind noch heute im Internet vorhanden. Prof. Haber hat auch darauf hingewiesen, dass der Anstieg der Weltbevölkerung unbedingt gebremst werden müsse.

Greta Thunberg hat deshalb recht, wenn sie in ihrer „Wutrede“ den Politikern vorwirft, seit Jahrzehnten nichts oder fast nichts gegen die Erderwärmung getan zu haben. Außerdem bin ich der Meinung, dass wirksame Maßnahmen nur durch gesetzliche Änderungen erreicht werden können.

Ältere Zeitgenossen können sich noch erinnern, in welchem Zustand die Flüsse in Deutschland in den 1970er Jahren waren. Eine Zellstofffabrik zahlte lieber jahrelang ein Bußgeld von 200000 D-Mark, als

eine Kläranlage zu bauen. Erst als die Umweltgesetze verschärft wurden, haben Industriebetriebe und Kommunen wirksame Kläranlagen gebaut. – Wilfried Stiemer

 

 

Ja: “ zu wenig, zu spät…“ Der Berg kreißte und gebar eine Maus ( Horaz) . Angesichts der von Herrn Ulrich zurecht ge- -geißelten „Schritt-für-Schritt-alle-müssen-mit-Politik“ kann man nur hoffen, daß die Grünen im Bundesrat noch substantielle Verbes- ungen durchsetzen: z.B. deutlich höherer CO2-Einstiegspreis, Erhöhung der E-Auto-Prämie, Förderung der Photovoltaik… etc.

Die Hoffnung bleibt zwar ebenfalls , dass bei der nächsten regulären Bundestagswahl genügend Jugendliche der Fridays for future -Bewegung wahlberechtigt sein werden …2021 dürfte allerdings zu spät sein ! Es geht, wie Ulrich schreibt : “ sondern um jetzt und hier“. – Prof.Dr.med. Ulrich Krause

 

 

Der einzige gravierende Makel an den zwölf brillant formulierten, höchst trefflichen Thesen ist der Zeitpunkt ihres Erscheinens: Sie kommen gefühlt um ein halbes Jahrhundert zu spät. Aber das soll niemand davon abhalten, diesen ungemein klugen und mutigen Artikel aufmerksam zu lesen. Denn mehr Vernunft findet man sehr selten auf einer einzigen Seite der ZEIT.

Und jenen, die sich vor Verantwortung drücken, und jede Veränderung boykottieren, wenn sie Verzicht bedeutet, ist Bernd Ulrich trotz der großen Verspätung eine halbe Ewigkeit voraus. – Peter Jungwirth

 

 

Ich lese Die Zeit fast regelmäßig seit den 70er Jahren. Meine Frau Ulrike Hollands-Lührs abonniert Die Zeit seit dieser Zeit. Der oben genannte Artikel hat mich motiviert, diesen Leserbrief zu schreiben:

„Die Zeit 2.10.2019 Grün ist schön, macht aber viel Arbeit. Ja wirklich? Nach der Lektüre dieses Artikels habe ich den Eindruck, dass sich das Aussitzen der grundlegenden Probleme unserer Gesellschaft als akzeptierte Herangehensweise der Politik etabliert hat – 14 Jahre Merkel sprechen Bände. Leider scheinen sich auch Journalisten mit dieser Haltung anzufreunden.

Das Thema Klimawandel ist sehr komplex. Es gibt leider keine einfachen Antworten. Die Wissenschaft warnt seit Jahren vor den Folgen. Wir Bürger können die Zusammenhänge kaum verstehen, beklagen uns über zwei heiße Sommer, bedrohte Bienen geben den Grünen bei Landtagswahlen und der Europawahl wesentlich mehr Stimmen.

Auf einem G8-Gipfel vor einigen Jahren im Süden Deutschlands hat die Politik verkündet, die Gesellschaft zu dekarbonisieren, das heißt das Leben ohne CO2-Emissionen zu gestalten. Dieses Ziel wurde danach im Paris-Abkommen konkretisiert. Heute sind wir davon leider mehr denn je entfernt.

Die Politik traut sich leider nicht, uns Bürgern die notwendigen Maßnahmen verständlich zu erklären. Sie hat auch leider keinen Plan, wie die notwendigen Maßnahmen sozialverträglich abgefedert werden sollen! Proteste wie die der Gelbwesten fürchtet die Politik wie der Teufel das Weihwasser.

Beispiel Wohngebäude: Als Alternative zu fossilen Brennstoffen bieten sich Pelletsheizung, Solarthermie und elektrische Wärmepumpen an. Nach geltendem Recht zahlen aber die Mieter die Modernisierung. Wir erleben bereits jetzt, dass viele Mieter durch Modernisierung verdrängt werden, weil sie sich die höhere Miete nicht leisten können.

Beispiel Verkehr: Der öffentliche Nachverkehr ist zur Zeit des Berufsverkehrs morgens und nachmittags bereits jetzt überlastet. Die Park und Ride Parkplätze sind voll. Das Auto muss deshalb von vielen noch genutzt werden. Aber warum gibt es zum Beispiel jeden Morgen und Nachmittag lange Staus auf der Autobahn 555 zwischen Köln und Bonn am Kreuz Köln Süd und Bonn Nord?

Offenbar pendeln viele Menschen zwischen den Regionen Köln und Bonn. Warum nur? Weil pendeln billiger ist, als den Wohnort zu wechseln! Ich habe das selbst Ende der 1980er erlebt. Damals waren Wohnungen/Häuser in Frankfurt ca. 20% teuer als in Köln bei etwa gleichem Gehaltsniveau.

Auf der Autobahn habe ich montags morgens um 6 Uhr viele Fahrzeuge aus dem Ruhrgebiet Richtung Süden fahren sehen. Am Freitag ging es zurück nach Hause.

Beispiel Landwirtschaft:Mein Großvater und ein Onkel waren erfolgreiche Landwirte in Niedersachsen. Ich habe viele Ferien gerne auf diesem Bauernhof verbracht. Dabei konnte ich den Strukturwandel sehr genau beobachten. In den 60er Jahren gab es auf dem Bauernhof, Kühe, Kälber, Schweinezucht und Mast, Hühner. Das Futter für die Tiere wurde auf den eigenen Flächen angebaut. Die Eier wurden an einen fliegenden Händler verkauft, der die Dörfer der Umgegend abfuhr.

Damals gab es noch keine Supermärkte. Im Verlauf der Jahre hat mein Onkel Zug um Zug, Kälber, Kühe, Hühner abgeschafft und sich auf Schweinezucht und Mast konzentrieren müssen, weil es nicht mehr zum Leben gereicht hat.

Heute hat mein Cousin alle Flächen verpachtet, weil Schweinezucht und Mast auf 50 Hektar keine Familie mehr ernähren kann. Warum kann man heute als Landwirt nicht mehr von 50 Hektar Fläche leben? Warum zwingen wir Landwirte in die großindustrielle Landwirtschaft?

Beispiel Energieerzeugung: Die Energiewende wurde vor vielen Jahren mit einiger Euphorie gestartet. Deutschland galt sogar einige Jahre als Vorreiter. Was ist davon geblieben? Seit rund 4 Jahren ist mehr oder weniger Stillstand eingetreten.

Zwar ist neben dem Ausstieg aus der Kernenergie auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung beschlossen. Aber wie wird eine sichere und bezahlbare Stromversorgung gewährleistet? Der Ausbau der Netze hinkt hinter den geplanten Abstellungen der Kraftwerke hinterher.

Für den Bürger kommt der Strom ja wie bisher aus der Steckdose, was soll die Energiewende schon daran ändern? Windenergie in der Nordsee kostet ohne Netzausbau viel Geld für Ausgleichsenergie. Leider nimmt dies der Bürger auf seiner seiner jährlichen Stromrechnung kaum wahr, obwohl die Umlagen für Erneuerbare Energien, Netzentgelte usw. bereits 2/3 vom Strompreis betragen.

Der Bürger wird vermutlich erst aufbegehren, wenn im Winter der Strom ausfällt und weder Heizung noch Herd und Kühlschrank funktioniert. Müssen wir mit dem Ausbau der Windkraft an Land und der Stromnetze warten, bis auch der Letzte begriffen hat, dass wir sie wirklich brauchen?

Beispiel Industrie: Es gibt gibt Studien, in denen Alternativen zu fossilen Rohstoffen und Energien beschrieben werden. Es gibt auch einzelne Firmen, die ernsthaft in eine Co2-neutrale Produktion investieren.

Das Problem: Nachhaltige Produkte sind zur Zeit noch viel teurer als konventionell erzeugte Produkte. Elektroautos zeigen dies exemplarisch. Nicht jeder wird sich nachhaltige Produkte leisten können. Kluger Einkauf von langlebigen Produkten hilft aber CO2-Emissionen zu senken.

Beispiel Globalisierung:Globalisierung erleben wir in den letzten Jahrzehnten als sogenannte Erfolgsstory, die den Wohlstand in der Welt mehrt. Globalisierung trägt aber mit dazu bei, dass mehr und mehr Schiffe über die Weltmeere fahren, und viel mehr LKW auf unseren Straßen transportieren müssen. Die Rastplätze sind mittlerweile so überfüllt, dass die LKW-Fahrer nicht mehr die vorgeschriebenen Lenkzeiten einhalten können.

Die Transportkosten sind offenbar immer noch viel niedriger als die lokale Fertigung. Sogar so niedrig, dass wir Plastikmüll nach Asien exportieren können! In den siebziger Jahren las ich einmal einen Artikel in der Zeitüber die Produktion eines Fruchtjoghurts.

Ich fand es damals schon wahnsinnig, welche Strecken die Inhaltsstoffe eines Joghurts in Europa zurücklegen. Ich erinnere mich, dass die Früchte aus Polen kamen und bei Zentis in Aachen zu einer Fruchtzubereitung verarbeitet wurden.

Die Alufolie für den Deckel wurde in Grevenbroich gewalzt, aber zunächst in Kulmbach mit der damals typischen Riffelung versehen, bevor der Joghurtbecher in Stuttgart abgefüllt und mit der geriffelten Folie verschlossen worden ist. Die Zeit-Redakteure mögen bitte im Archiv nachsehen, wo die Milch und Joghurtkulturen herkamen – nach meiner Erinnerung jedenfalls nicht aus der Stuttgarter Umgebung.

Wenn grün so schön ist, welche Arbeit sollten wir uns machen? Die Politik muss die Konsequenzen aus dem Klimawandel mit einfachen Worten erklären und ein nachhaltiges, sozialverträgliches Konzept vorstellen, das Schritt für Schritt in den kommenden Jahren umgesetzt wird.

Ein erster hasenfüßiger Anfang ist gemacht, die CSU steht schon wieder auf der Bremse, aber die kommenden Jahre bieten die Gelegenheit zum Nachschärfen. Wir haben in Deutschland seit 2015 fast nur noch über Flüchtlingspolitik gestritten. Es ist höchste Zeit, dass wir uns konstruktiv um Klimapolitik kümmern. Dabei dürfen wir auch viele andere drängende Probleme aus den Augen verlieren – als da zum Beispiel wären:

  • Ausbau der Kinderbetreuung mit qualifiziertem Personal
  • Renovierung der Schulen
  • Mehr Lehrer und Sozialarbeiter wegen Inklusive und Migration
  • Verbesserung der Altenpflege
  • Reduktion des Niedriglohnsektors und der Altersarmut
  • Renovierung der Infrastruktur
  • bezahlbarer Wohnraum durch massiven sozialen Wohnungsbau
  • Reduktion der Pendlerströme durch Homeoffice und dezentrale Arbeitsplätze „
  • integrative Europapolitik
  • eigenständige europäische Verteidigungspolitik
  • Digitalisierung mit europäischer Hard- und Software

Darüber hinaus möge jeder Einzelne überlegen, wie er sein persönliches Verhalten im Sinne des Klimaschutzes verändern kann. – Armin Lührs

 

 

Danke für diese Reflexion. Es gibt ein paar Punkte, an deinen ich widersprechen möchte. 1. U.a. der schnelle Ausstieg aus der Kernenergie hat die Abkoppelung der Wirtschaft vom CO2 – Ausstoß unterbrochen. Es war sozusagen eine Energiewende in die falsche Richtig, zumindest bei der Stromerzeugung.
2. Die Veganer machen Niemandem das Leben zur Hölle. Zumindest nicht aktiv.

Ich kenne einige. AKK gibt hier die Schuld für das berechtigte schlechte Gewissen der Fleischesser den Falschen. Das Gleiche gibt für das Radfahrer-Autofahrer-Beispiel. Ich erlebe eher agressive Autofahrer und Fleischesser, die Veganer überzeugen wollen als umgekehrt.3. Wir haben keine 10 Jahre Zeit, einen klimafreundlichen Pfad zu betreten. Da müssten wir dann schon Seite 10 Jahre drauf untergegangen sein. Speicherkarten – jetzt müssen wir drauf!

4. Verzicht? Ist meistens nur ein „etwas Anderes tun“. Oder anders. Eine Fragen der Einstellung. Mit dem Gewinn., kein schlechtes Gewissen mehr zu haben. Aber vielen Dank für diese Artikel. Meine Anmerkungen sind nur Kleinigkeiten. – Fritjof Möckel

 

 

Seit über 65 Jahren bin ich regelmässiger ZEIT-Leser und komme zu dem Urteil, dass die jüngsten Beiträge von Bernd Ulrich zum Thema Klima- bzw. Umweltpolitik zum Besten gehören, was je zu einem Politikfeld von zentraler Bedeutung in dieser Zeitung geschrieben wurde.

Bernd Ulrich hat die Diskussion auf ein Niveau gehoben, das dem Thema zusteht, während (leider) andere Autoren der ZEIT im Stil der Boulevard-Presse z. B. Menschen, die eine Verhaltensänderung der Konsumenten anmahnen, als „Verzichtprediger“ diffamieren und der Politik quasi ein „Weiter so!“ empfehlen, da der Kapitalismus im Verein mit technischen Innovationen die Klimakatastrophe abwenden und gleichzeitig ewiges Wirtschaftswachstum garantieren werde.

Man wünschte sich, die Artikel von Bernd Ulrich würden als Broschüre in jedem deutschen Haushalt, in allen Schulen und vor allem in allen Politiker-Büros verteilt! Herzlichen Dank für diese Bestätigung, dass es sich lohnt, weiterhin „DIE ZEIT“ zu lesen! – Dr. Wolfgang E. Fischer

 

 

Anmerkungen: 4) Weil viele Veganer ihren Lebensstil wie eine Monstranz vor sich her tragen. Seht her, ich bin der bessere Mensch. 5) Keiner jungen Generation ging es je besser. Nicht nur materiell, sondern auch in Bereichen wie Bildung und Gesundheit (Lebenserwartung).

Wenn sie es anders und besser machen will, nur zu. Einfach bei sich selbst beginnen und nicht nur wütend mit dem Finger auf die Eltern und Großeltern zeigen. Eigenes Tun hinterfragen und ändern: Internetnutzung (hoher Energieverbrauch), Bekleidung, Klassenfahrten, Urlaub, Heizung im eigenen Zimmer, Konsum allgemein, usw. Einfach vormachen. Das ist überzeugender als nur fordern.

6) Walk the Talk ist ganz entscheidend. In Punkt 1) und 2) wird diese Lücke angeprangert. Und jetzt soll es falsch sein, von Klimaaktivisten Konsequenz einzufordern.

8) Deutschland hat noch genau 10 Jahre.? Und dann? Weltuntergang? Was ist mit den anderen Staaten? Eine Weltklimaformel, die die Entwicklung des Weltklimas in Abhängigkeit aller Einflussfaktoren sowohl in der zeitlichen als auch räumlichen Domäne exakt vorhersagt, hätte längst den Nobelpreis verdient.

Nicht weil wir alles verstehen, sondern weil wir nicht alles verstehen sollten wir schonend mit unserem Planeten umgehen. Etwas mehr Demut.

Erinnert sei auch an die düsteren Prognosen des Club of Rome aus den 70er Jahren. Ich vermisse insgesamt die Thematisierung der Folgen der weiterhin exponentiell wachsenden Weltbevölkerung. Tabu? Das deutsche Institut für Weltbevölkerung benutzt nur das unwahrscheinliche Szenario, dass das Wachstum bei 10 Milliarden zum Stillstand kommt und danach schrumpft.

Hier verschließt jemand die Augen vor einem unbequemen Thema. Und der Journalismus macht mit. Siehe Punkt 1) – Dietmar Baier

 

 

Mit grossem Interesse habe ich den Artikel von Herrn Ulrich gelesen. Mein Dank gilt ihm, da er es mir ermöglicht hat, die einzige und alleinige Wahrheit der menschgemachten Klima-katastrophe zu erfahren. Gestatten Sie mir, dass ich mich auf einige der aufgeführten Punkte beschränke, da sonst der Leserbrief viel zu lang würde.

Endlich erfahre ich, dass die Klimaleugner die Klimakatastrophenwissenschaft selbst in Frage stellen. Bisher hatte ich in meiner Naivität geglaubt, dass der Heidelberger Appel, dem inzwischen mehr als 4000 Wissenschaftler aus 106 Ländern, darunter 72 Nobelpreisträger, beigetreten sind, die wahre wissenschaftliche Antwort auf die Beschlüsse der Klimakonferenz von Rio de Janero war.

Dank Herrn Ulrich weiss ich nun, dass die einzigen unumstösslichn Tatsachen über den Klimawandel sich nur aus den Computermodellen des Potsdamer Instituts ergeben können; wissenschaftliche Messungen sind absolut überflüssig. Deswegen haben auch die deutschen Zeitungen so gut wie nichts über diese Klimaleugner veröffentlicht!

Sehr dankbar bin ich auch, dass Herr Ulrich in Ziffer 3 auf die Nazizrit verweist! Wo kämen wir denn

hin, wenn wir nicht bei jeder Gelgenheit auf die verwiesen. Und nur unsere Eliten, politisch, wirtschaftlich und kulturell, wissen wie und was wir zu denken haben. Und die ZEIT wäre nicht die ZEIT, wenn nicht endlich den gedanken – und gewissenlosen Fleischessern und Autofahrern das Handwerk gelegt würde?

Wir sollten alle Veganer werden. Darf ich hoffen, dass Herr Ulrich morgens auf dem Weg zur Arbeit immer seine Sichel dabei hat, damit er sich sein Veganer Frühstück am Strassenrand schneiden kann? Und ja, wir müssen alle zu Gunsten des Kampfes gegen den Klimawandel verzichten, verzichten, verzichten, ohne Rücksicht auf die Kosten und die sozialen Folgen!

Nur so können wir den Ansprüchen der Gesinnungsethik, wie sie Herr Ulrich rigoros vertritt, gerecht werden! Und ja, die verkommene Geisteshaltung der Vorzeigbarkeit des Reichtums? Wenn wir ökologisch leben und den Klimawandel stoppen wollen, dann steht uns nur noch eine Blechschüssel , ein Blechlöffel und eine Sichel zum Schneiden unseres Veganer Essens zu!,

Jawohl, es wird keine Ökodiktatur geben, es sei denn, wir folgen den fundierten Ratschlägen des Herrn Ulrich nicht. Wir brauchen im Zweifelsfall eine ökologische und keine demokratische Regierung; dafür werden sicherlich die Eliten in Politik, Wirtschaft und Kultur sorgen.

Es ist eindrucksvoll wie Herr Ulrich in Ziffer 11 die Abschaffung der Freiheit begründet. Ja,nur so kann es gelingen, dass Deutschland einmal mal wieder die Welt rettet!

Wir müssen deswegen Herrn Ulrich und seinen Kollegen und dem Potsdamer Klimainstitut folgen, bedingungslos! Mit Demut und in tiefer Dankbarkeit erwarte ich fürderhin das grüne Evangelium, das Herr Ulrich uns, unterstützt von seinem Akolythen, Herrn von Kittlitz,verkünden wird. – Ulf Hanel

 

 

Bernd Ulrich kommt schon wieder seinem Habitus als pointierter Rufer in einer Wüste der Ignoranz mit den zwölf Thesen zur Klimadebatte auf den Punkt. Ich sehe hierbei das Zaudern/Mauern der Allgemeinheit vor unbequemen, nicht wahrhaben wollenden Tatsachen, das für die Mehrheit eher früher als später unbequem wird.

Und diese Trägheit im notwendigen (re)agieren drückt sich für mich auch sehr bezeichnend in der inflationär gebrauchten Formulierung: “Es ist 5 vor 12! Es muss gehandelt werden bevor es zu spät ist!” aus. Ein Weckruf, der schon gefühlte Dekaden auf den Buckl (Rücken) hat, wobei sich die Hörbarkeitsfrequenz zwangsläufig steigert.

Diese Unverbindlichkeit des moralisierenden Zeigefingers ist im “Es muss… “ wohlverpackt präsentiert: jeder weiß wie’s geht und schuld sind die anderen. “Alles wird anders” – mit Sicherheit! Eine Feststellung, die neugierig/Angst macht… – Wolfgang Sauer

 

 

Leider fehlt eine der bedeutsamsten Thesen zur Klimadebatte: Die Erde ist seit 60 Jahren übervölkert. Warum wird diese Grundursache für die ökologische Krise nicht diskutiert, sondern übergangen?

Wir steuern fast ungebremst auf 8, bald 9,10….Milliarden Menschen zu, die alle gleiche Rechte haben, wenn sie erst geboren sind. Wo bleibt dabei unsere Verantwortung für all die noch lebenden Arten? Die Menschheit die MONOKULTUR auf der Erde?

Dies kann nur für uns alle ein schreckliches Ende haben. Nebenbei, es freut mich sehr das Eingeständnis von Bernd Ulrich, dass die Journalistengeneration des 21. Jahrhunderts es versäumt hatte, die Ökologische Frage hinreichend zu begleiten. – Wolf Lübcke

 

 

Da haben wir den unreflektierenden Artikelschreiber Bernd Ulrich, der eine Zunft vertritt, die sich in ausgedachten Variationen regelmäßig selbstbestaetigt: Mit dem Hauptthema Klima.Wissenschaftlich ist die Behauptung: ‚menschliche Aktivitäten bestimmen das Erdklima‘ falsch. Richtig ist, dass die Wissenschaft aufgefordert ist, die Veränderungen zu erklären.

Dabei verstärken zwei trockene Nordsommer und die alltägliche Berichterstung zu Sturm und Meereisschmelze die Angst vor dem Untergang und befördern gut dotierte und zielgerichtet formulierte Forschungsauftraege mit der Erwartung, das Ergebnis möge passen;

z. B. „Wie wirkt der menschengemachte Klimawandel auf die Biodiversität“ oder „Welchen Beitrag koennen erneuerbare Energien leisten, um die Klimaziele der BRD zu erreichen“?– Die erwartete Antwort liegt bereits in der Fragestellung.

Dass Wetter und Klima in der Vergangenheit eine wesentlich groessere Bedeutung hatten, ist weithin unbekannt und wird kaum publiziert. Während heute ein Trockenjahr in Westeuropa kaum Auswirkungen auf die Nahrungsversorgung hat, verhungerten bis in 19. Jahrhunderte Tausende oder wanderten aus. Hunger war allgemein und bewirkte sparsamen Umgang und hohe Wertschätzung mit und fuer Lebensmittel.

Die kälteren Jahrzehnte während der kleinen Eiszeit zwischen 14. und 19. Jahrhundert, in denen es zeitweise sommerlose Jahre gab, sollte sich niemand zurueckwuenschen!

Dank CO2 – Anstieg wächst die Vegetation und steigen die Pflanzenleistungen. Dass die eintretende Erwärmung zufällig mit der beginnenden Verbrennung fossiler Brennstoffe zusammenfällt, verführt dafür bezahlte Wissenschaftler und policy maker zu seltsamen Konstruktionen, und die Öffentlichkeit nimmt nur allzu gern naheliegende und einfache Erklärungen auf.

Der verbleibende Rest an Zweifel und Unsicherheit bietet der schreibenden Zunft reichlich Stoff zu phantastischen Ausflügen in Erklärung, Phantasie und Verdummung. Warum reflektiert Ihr nicht die Zweifel? Die europäischen Gebirgsgletscher schmelzen infolge der Erwärmung. An welcher Stelle schmelzen die?

An der Zunge durch Erwärmung und am Körper durch Verschmutzung. Die Zungenschmelze ist also temperaturbedingt und schmilzt je 1 Grad Erwaermung etwa 150 Meter ab. Die Sommerschneefallgrenze steigt ca. von 2200 auf 2350 Meter. Der Jungfraugletscher reicht bis in 4000 Meter.

Es bedarf also einer Lufttemperaturerhoehung um erwa 13 Grad, um ihn komplett abzuschmelzen (!) Das Abschmelzen im oberen Bereich hat mit der Lufttemperatur nichts zu tun. Das liegt an der Verschmutzung mit verminderter Abstrahlung.

Verschmutzung gehört in den Bereich Umwelt, die Umgebungstemperatur ist hier nicht Ursache.

Kernkraftstrom durch Kohlestrom zu ersetzen, vermindert nicht die Verschmutzung. Sollte man nicht auch ins Gruebeln kommen, wenn schmelzende Gletscherzungen uralte Baumstämme oder einen Oetzi freigeben? Alles nichts Neues!

Dass viele Wissenschaftler kosmische Ursachen fuer Kimaaenderungern verantwortlich machen, ist bei Ihnen wohl auch noch nicht präsent. Das zu diskutieren, koennte der Klimahysterie die Gereiztheit nehmen. Unverschaemt wirkt die Behauptung, die Alten waeren verantwortlich fuer kommendes Unglück. Richtig ist : Rückblickend war jede Junggeneration verschwenderischer und wohlfartsgeiler als die vorausgehende.

Meine Eltern brachten mir Sparsamkeit bei, nicht meine Kinder! Erinnern Sie sich an Ihren Chemieunterricht oder hatten Sie das Fach abgewählt? Erkenntnis: Wir verbrauchen nicht, wir wandeln um: Kohle und Oel in CO2, Eisen und Chrom in Stahl. In den umgewandeten Molekülen bleiben die Originalelemente erhalten und koennen durch Recycling rueckgewonnen werden. Es gibt keinen Atommuell, nur eines Tages wiederverwendbare Reststoffe. Daher auch: kein Endlager, nur strahlungssichere Zwischenlager.

Aus dem Kohlenstoff der Atmosphäre sind synthetische Kraftstoffe herstellbar. Warum nehmen Sie den Wahnsinnshype dieser Greta ernst und vermehren Angst und Schrecken? Uns wird wohl die „restliche“ Menschheit auch nicht folgen wollen und koennen.

Es ist wohlfeil, den Europäern ein wenig vom Wohlstand zu nehmen und dafuer 2 Mrd. unterentwickelt verkommen zu lassen. Sie koennen einem Afrikaner seinen Wunsch nach ein wenig Wohlstand nicht nehmen, auch nicht den Wunsch nach einem Moped. Halten Sie inne! – Wolfgang Eckardt (Dipl. Ing.)

 

 

Wie immer bringt Herr Ulrich die wichtigsten Punkte zum Thema Klima fundiert auf den Punkt. Jedoch vermisse ich zuweilen die Lösungsansätze. Wie wäre es denn mal mit folgender Idee: Jeder Bewohner diese Planeten erhält jedes Jahr ein festgelegtes CO²-Budget. Über dieses kann er frei verfügen. Bei jedem Konsum bekommt er einen vorher ermittelten CO²-Wert seines konsumierten Produktes abgezogen.

Wenn der stark konsumierende reiche Westler mit seinem CO²-Budget nicht auskommt, kann er es Menschen, die vielleicht nicht so viel CO² benötigen, abkaufen und fördert so ggf. noch die Entwicklungshilfe. Die Hersteller der Produkte hätten einen Anreiz eine CO² arme Herstellung ihrer Produkte anzustreben, da für die Kunden nun nicht mehr nur der Preis, sondern auch der CO²-Wert des Produktes kaufentscheidend ist.

Sicherlich gäbe es viele Punkte, die gelöst werden müssten: Wie man zum Beispiel das Bevölkerungswachstum einbezieht oder wie man international eine Einigung erzielen kann. Aber alleine die Vorstellung, dass jeder Mensch dieser Erde nur einen gleichen Teil der Ressourcen dieses Planeten in Anspruch nehmen darf, wäre doch schon ein Anfang. – Carsten Wirth

 

 

Herr Ulrich, warum stellen Sie als jemand, der auf seine alten Tage noch einmal radikales Feuer verspürt, nicht die Kardinalfrage: Wieviele Menschen (v)erträgt die Erde? Glauben Sie allen Ernstes, dass bei einer Weltbevölkerung von 10 Milliarden im Jahr 2050 unser heutiger moralischer Größenwahn noch irgendeine Bedeutung haben wird? Gegen die künftigen Verteilungsstürme werden die Auswirkungen des Klimawandels laue Lüftchen sein. – Konrad Sauheitl

 

 

Zw. Zw. Zü. (Zwischen Zwei Zügen) und keine Zeit, auf all Ihre Thesen einzugehen, die ich nur nicht, noch nicht, zu denken wagte, weils gar zu grauslich ist, sich vorzustellen, was auf uns A L L E , a u s n a h m s l o s, zukommt, wenn weiter so unverantwortlich zögerlich gehandelt wird von denen , die angetreten sind, die Geschicke ihres Landes zu lenken.

Und die … Vorreiter sein wollen in der Welt. S O N I C H T . ZU SPÄT ? Nein, nein, es darf nicht zu spät sein. Es ist noch nicht ganz zu spät. Es darf es nicht sein. Wo ein existenzielles Interesse und Bedürfnis da ist und Liebe nicht nur zum eigenen Leben, – Da wächst Bereitschaft nach. Morgen….ZU WENIG ? Wenn Sie das Klimapaket der Groko meinen – das ist wirklich halbherzig.

„Wer will dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.“ Das hat Erich Fried gesagt. Der hat gewarnt und ist nun schon 31 Jahre tot. Am 22. 11. 1988 ist er gestorben. 31 Jahre. Was da alles anders hätte gemacht werden können. Jetzt bleiben nur noch 10 Jahre. 10 Jahre, umzusteuern und Lebensqualität neu zu lernen.

Sehr geehrter Herr Ulrich, wenn ich Ihnen etwas erzählen darf zum letzten Satz Ihrer neunten These.

  1. Die Klimakrise stellt die soziale Frage neu. (Die letzten zwei Sätze:) „Warum sollte ein Reicher mehr Recht haben, das Klima in Gefahr zu bringen, als ein Armer? Und was passiert mit der Motivation der Mittel- und Oberschicht, wenn Wohlstand oftmals Nicht mehr bewundert wird, sondern ökologisch verpönt ist, was wird dann aus der Vorzeig- Barkeit des Reichtums?“

„Wohlstand“, „Reichtum“ müßte wohl neu definiert und teilweise vom Geld, das einer ausgeben kann, abgekoppelt werden. Als mein Vater, lieb, am Ende des Studiums, zu mir (die mit dem Pfennig rechnen mußte, es aber auch Konnte), sagte: „Mei, Mädle, jetzt bist bald fertig und wirst auch mal mehr Geld verdienen“, da habe ich ihm ins Gesicht gelacht und gesagt: „Was willst Du, Vater, ich bin doch reich. So reich.“

Reichtum war für mich damals, gesund zu sein (so halbwegs zumindest), frei entscheiden zu können,

was ich wollte – und was ich eben nicht brauchte, mit allen Sinnen das Leben wahrnehmen zu können

in einer damals noch intakten Natur mit blühenden Bäumen im Frühjahr, die im Herbst schwer von Früchten waren, mit vielen Vögeln in der Luft und auf den Bäumen und im Winter auf dem Fenstersims mit dem Futter, hören, sehen, schmecken, fühlen zu können mit Lust…, genug zu Essen und so, daß es schmeckt,Nicht (mehr) hungern und nicht (mehr) frieren zu müssen.

(obwohl ich auch gehungert habe damals. Aber das hatte andere Gründe und gehört nicht hierher.) Das Nötigste zu haben und ab und zu sich etwas Schönes kaufen zu können, sich, wie man heute sagt: Etwas gönnen. Das schon auch. Aber eben völlig unabhängig von dem, was andere haben zu müssen glaubten. Wirklich frei zu sein.

Und, ganz wesentlich: Eine Zukunft zu haben, in der noch mancher Wunsch erfüllt würde. (1) Das alles hätte aber nicht gereicht, wenn Eines gefehlt hätte: Die Liebe. Liebe empfinden und geben zu können. Das war der größte Reichtum. Womit wir bei der „Vorzeigbarkeit des Reichtums“ wären.

Und bei dem, was „man“ sich leisten kann. Und bei den „Prestigeobjekten“. Wirklich zuf r i e d e n und in sich ruhend habe ich auch damals viele nicht erlebt. Die mehr hatten Von dem, was man sich für Geld kaufen kann. Und trotzdem (?) anderen nichts gönnen konnten.

Den Wettbewerb, wer das größere Auto fährt, habe ich nie verstanden. Nie. Mir war das wurscht. Ich ging zu Fuß. Sehr geehrter Herr Ulrich, ich habe mich verfranst. Ich möchte aber, zu guter Letzt, auf einen der angesprochenen Punkte, die mir Zufriedenheit und Freude und das Gefühl gaben, reich zu sein, zurückkommen: Die Zukunft.

Das Gefühl, eine Zukunft zu haben, in der das eine oder andere sich noch erfüllen würde. Auch materiell. Was sind das für Politiker und Wirtschaftsbosse, die den jungen Leuten, die jetzt auf die Straße gehen, teilweise opferbereit, nicht das Mindeste zugestehen wollen, was ein junger Mensch braucht:

Eine Zukunft zu haben, für die es sich zu kämpfen lohnt. Eine schöne, reiche Zukunft…..die zwei glänzenden Kastanien, an denen ich kürzlich nicht vorbeigehen konnte, die habe ich noch

Niemandem gezeigt. Obwohl sie sehr schön und wohlgeformt und somit „vorzeigbar“ sind. Früher habe ich das gemacht. Da hatten die Menschen noch Zeit zum Staunen. Zum Innehalten.

Danke für Ihre Analyse, die ich aber – ich bin so eher der ängstliche Typ – nach dem ersten vollständigen Durchlesen zum Verinnerlichen nur noch häppchenweise an mich heranlasse. – Beate Schwärzler

 

 

Ich habe ihren Artikel und die 12 Thesen zur Klimadebatte mit großem Interesse und großer Zustimmung gelesen. Auch ich habe am 20. September für mehr Klimagerechtigkeit demonstriert. Aber am Ende der Lektüre fiel mir auf, dass die 13. These fehlt: die globale Dimension der Debatte über Klimagerechtigkeit. Aus meiner Sicht ist es unmöglich, diese nicht gleichranging mit dem Generationenkonflikt und der sozialen Frage zu nennen.

Es sei denn, man beschränkt die Aufmerksamkeit auf Deutschland bzw. Europa, was einer Zeitung wie der ZEIT eigentlich fremd sein müsste. Und ihre Kollegin Andrea Böhm zum Beispiel hat in ihrem Artikel zu den Wirbelstürmen in Mosambik vor einigen Wochen ja auch bereits alle drei Dimensionen (die globale, die Generationenfrage und die soziale Frage) in einem Atemzug genannt.

Auch Bartholomäus Grill hat den Zusammenhang neulich in einem Artikel im Spiegel am Beispiel der letzten Dürre in Sambia aufgezeigt.

Wenn auch in Nairobi und in Kapstadt für besseren Klimaschutz gestreikt wird, dann geht es den Demonstrierenden sicher nicht nur um den Konflikt zwischen jungen und alten Kenianer*innen oder zwischen reichen und armen Südafrikaner*innen. Es geht um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern, deren Bewohner*innen schon heute unter seinen Folgen leiden.

Und im globalen Maßstab gehören alle Deutschen, auch junge und arme, zur feudalen Klasse, die sich ihren Lebensstandard auf dem Rücken des globalen Südens leistet. Deshalb müsste auch ihre 9. These dringend ergänzt werden: „Warum sollte ein reicher Deutscher mehr Rechte haben, das Klima in Gefahr zu bringen, as ein armer Kenianer?“

Und die ganz praktische Folge der Veränderung von Flucht- und Migrationsströmen ist in dieser eher ethischen Frage ja auch noch nicht berücksichtigt. Die käme als Aufgabe für einen „grün gefärbten Notstandstaat“ hinzu, denn es gehört ja nicht viel Phantasie dazu sich auszumalen, dass die Millionen erwarteter Klimaflüchtlinge nicht durch eine Art „EU-Türkei-Deal 2.0 “ aufgehalten werden.

Eine „Ökodikatatur“ müsste sich also auch mit ganz anderen Dimensionen von Flucht und Migration auseinandersetzen. Schade, dass Ihr Buch wohl schon erschienen ist, ohne diese globale Dimension zu berücksichtigen. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja bald eine Neuauflage? – Corinna Kreidler

 

 

Früher kam einem das „Nach mir die Sintflut“ locker über die Lippen. Nimmt man inzwischen die Klima- und Umweltforscher ernst muss es jetzt heissen „Nach mir kommt die Sintflut“. Anwohner von Küsten werden demnach mit ansteigenden Meeresspiegeln zu kämpfen haben. Der CO2 Anstieg und sein Einfluss auf die globale Wetterverschiebungen sind in allen Erdteilen zu beobachten.

Dürren verhindern Ernten oder es kommt häufiger zu verheerenden Unwettern. Die immer noch schlechte Luftqualität in den Grossstädten erscheint dagegen fast harmlos. Das zentrale Problem bei der Verringerung von CO2 ist aber das Wechselspiel von Politik und Wählern bzw. Kosumenten.

Werden Menschen per Gesetz gezwungen seltener Auto zu fahren um vermehrt Nahverkehrsmittel zu nutzen werden weniger Autos gebaut und damit beschäftigt diese Industrie weniger

Menschen. Es gibt unzählige andere Beispiele wo Verzicht oder Einschränkung Politik,Industrie und Wirtschaft zu radikal neuen Ansätzen zwingen wird um den Konsumenten nicht vor den Kopf zu stossen und ihn vor Zukunftsängsten zu schützen. Das grösste Problem fällt naturgemäß auf die Politik.

Der Klimagipfel der grossen Koalition ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig die Politiker noch von den drängenden Problemen der Umweltschäden verstehen wollen um ihre Wähler nicht zu verschrecken. Schließlich fürchtet der Politiker am meisten den Unmut seiner Wähler.

Da Nachbarland Frankreich hat gezeigt wie empfindlich eine Wählerschicht auf Umweltmassnahmen der Regierung reagiert die den Franzosen direkte finanzielle Nachteile beschert, die am unteren Ende der Einkommenskala liegen. Die Gelbwesten sind zwar ein typisch französisches Phänomen aber ihre politische Wirkung kann in jedem anderen Land Nachahmer finden.

Es bleibt also das fast unlösbare Problem, Wähler und Politiker zu einer gemeinsamen Anstrengung für den Schutz der Umwelt zu drängen -eine fast unmenschlicher Kraftakt. – Klaus Reisdorf

 

 

Bei allem Verständnis für die ZEIT als Zentralorgan der Grünen und deren betuchtes, gutsituiertes Klientel, jetzt war es zuviel. Was Bernd Ulrich als stellvertretender Chefredakteur nach seinen Damaskus- Erlebnissen absondert, hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Es ist die Verkündigung des Glaubens eines neuen Gesalbten.

Folgerichtig wäre, Schluß mit Presse und Medien und der dort eigentlich gebotenen Pseudoobjektivität, raus auf die Straße und predigen, wie weiland Franz Alt. Aber das nähret den Künder nicht. Deshalb verbleibt er dort, wo man ihn weiterhin bestens versorgt und schlägt uns aus dem ZEIT- Tempel seine zwölf Gebote ganz ungeniert um die Ohren. – Karl Schmitt

 

 

Diese fast nach Vorbild Luther verfassten 12 „Gebote „ des Herrn Ulrich machen mich völlig traurig : Wie kann ein Herr wie Ulrich so einseitig ,,klagend pessimistisch vom Zustand der Welt und deren Klima schreiben ? Ist er der Anwalt von Millionen an Benachteiligten auf diesem Planeten ?

DEM Herrn Ulrich geht es doch gut in unserer Welt , er muß auf nichts (fast) verzichten .. von seinem behaglichen Büro heraus mag er gute Ratschläge für den Rest der Welt haben ; aber er vergisst , er ist doch nur eine dünne kleine Stimme im großen Konzert – machtlos – in weniger als 20 Jahren wird niemand je von im wissen oder gar lesen – vielleicht hat ihn dann das Klima gefressen …. – Klaus Schindler

 

 

Sie beklagen netter Weise das Fehlverhalten auch der eigenen Zunft, bei der Vorbereitung der Gesellschaft auf die Klimakatastrophe und die dagegen gerichteten notwendigen Einschränkungen nicht ausreichend hingewiesen zu haben (ich meine aber, es gab genug Informationen).

Und obwohl Sie heute alles besser wissen, mogeln Sie sich weiterhin am entscheidenden Problempunkt der Klimakatastrophe vorbei, am Schlüsselparameter, von dem die ansonsten diskutierten Phänomene nur Folgeerscheinungen/Symptome sind: die schiere Menge menschlicher Erdbevölkerung.

Mit jedem neuen Erdenbürger (>90 Millionen/Jahr) wächst auch der Bedarf an Nahrung, Energie und Fläche und folgerichtig die Abfallprodukte Treibhausgase und Müll. Selbst die optimistischsten Rettungsversuche werden mal an ein naturgesetzliches Minimum stoßen, im Gegensatz zur Vermehrungsbereitschaft des Menschen.

Es ist nachvollziehbar, wenn auch so schlaue Leute wie Sie, Ihre Kollegen und erst recht Politiker sich vor diesem heißen Eisen drücken, unabhängig von der bedrohlichen Situation für
alle(!) Lebewesen auf dem Globus.

Ich ahne, wie viel Mut dazu gehören würde, einen Konflikt mit (Welt-)Religionen einzugehen („mehret Euch und macht Euch die Erde untertan“), ganz zu schweigen vom Risiko, den an der
Bevölkerungsexplosion maßgeblich beteiligten und ausnahmslos unterentwickelten Ländern den sakrosankten, aber rassistischen Opferstatus abzuerkennen, um auch von ihnen Mitverant-
wortung einzufordern.

Per bisheriger politischer und gutmenschlicher Sichtweise muss ausschließlich die (mündige?) „erste Welt“ globale Verantwortung tragen – und wo dies nicht möglich ist, wird der Sachverhalt vorsichtshalber unter der Decke gehalten.

Natürlich kann nicht jeder ein Held wie Martin Luther, Galileo Galilei und Charles Darwin sein, dennoch möchte ich Ihnen und Ihren ängstlichen Mitläufern eine Parallele aufzeigen:

Denken Sie mal darüber nach, wie hochmoralisch und leichtfertig Sie sich in Artikeln über die Nazizeit und deren damalige „feige Mitläufer“ entrüsten können. – Ernst Kaffanke

 

 

Ulrich demaskiert die Hoffnung, dass allein Technologie die Wende in der Klimakrise bringen könnte, als „Jungs-Träume des Liberalismus“ nach der Lektüre von zu vielen „Was ist was-Büchern.“ Die FDP und der politische Liberalismus werden nur eine Zukunft haben, wenn sie die liberalen Begründer der Umweltpolitik wiederentdeckt.

Nicht die Grünen, sondern weitblickende Liberale um Peter-Menke-Glückert und Genscher haben vor 50 Jahren auf die „deutlichen Grenzen für die Bewohner des Raumschiffs Erde“ hingewiesen. In den „Zehn ökologischen Geboten für Weltbürger“ (März 1968) steckt ein ähnlicher Spirit für das Überleben der Menschheit wie in den entschlossenen Gesängen von „Extinction Rebellion“. – Dr. Kai Hünemörder

 

Bernd Ulrich hat „die Sache“ mit dem Klima klar und entlarvend auf zwölf Punkte gebracht. Wer sich dabei nicht einfach (oder auch mehrfach) angesprochen und ertappt fühlt, dürfte die Zeichen der Zeit ohnehin kaum mehr erkennen. Trotzdem muss nun endlich für alle gelten: Ökonomie ist Silber, Ökologie ist Gold. – Matthias Bartsch

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Schaden Seiteneinsteiger den Schulen?“ Streit von Wibke Poth und Manuel J. Hartung

 

Freunde der Zeit liegen mal wieder richtig. Nicht immer, aber immer öfters. Ihr Autor hat das gesagt, was ich schon seit Jahren sage. Ob Seiteneinsteiger oder Übereinsteiger oder Untereinsteiger ist doch schnurz piepe. Er muß es aus Freude und Überzeugung tun.

Meine Kinder sind von Lehrerinnen (Lehrer gibt es so gut wie gar nicht) unterrichtet worden, die aus Langeweile eingestiegen sind. Sie haben fast durchweg den Beruf als schönen Nebenverdienst gesehen. Warum keine Lehrer: Weil jämmerliche Gehälter gezahlt werden. Das will sich naturgemäß keiner antun.

Die Bildung ist dadurch auf untersten Niveau. Und die Politik hat wenig Interesse an der Bildung gehabt. Brauchbares Lehren und Lernen wurde verboten. Selbstfindung war angesagt. – Gunter Knauer

 

 

Der Rat des Frankfurter Physikers Marianus Czerny an die Studienanfänger: „Kein Buch ist so schlecht, dass Sie daraus nicht noch etwas lernen könnten.“ Mutatis mutandis: kein Seiteneinsteiger ist so schlecht wie ausgefallener Unterricht, der Verzicht auf Seiteneinsteiger wäre also so etwas wie unterlassene Hilfeleistung.

Als die Mikätzchen und Mikater den deutschen Schulen unter die Arme griffen, war Frau Poth noch nicht geboren, sie kennt also die Blaupause nicht. Seiteneinsteiger sind sicher keine Dauerlösung, sie haben aber oft einen grossen Vorteil: sie wissen, was man mit dem Erlernten anfangen kann. – Dr. Peter Walkling

 

 

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel „Schaden Seiteneinsteiger den Schulen“ gelesen. Ich bin selber ein Seiteneinsteiger, ein ausgebildeter Bauingenieur und möchte ich dazu äußern.

Im Nachhinein betrachtet, wundere ich mich immer noch über die Art und Weise, wie ich dann doch noch ein richtiger Lehrer geworden bin. Ich wurde vor über vierzehn Jahren als Informatiklehrer an einer Hauptschule eingesetzt.

Am 1.12.2005 stand ich dann, ohne irgendwelche pädagogischen Erfahrungen im Klassenraum und sollte einer neunten Klasse etwas über Word, Excel usw. beibringen. Als nichtausgebildeter Lehrer wurde ich nach einem Jahr an eine andere Hauptschule abgeordnet und durfte für sechs Monate Englisch, Technik, Geschichte und Informatik unterrichten. Dann lief mein Vertrag für die Erziehungsurlaubsvertretung aus und ich war arbeitslos, pünktlich zu den Ferien.

Es folgte eine dreiwöchige Vertretung an einer Grundschule, Arbeitslosigkeit in den Herbstferien und anschließend eine neunmonatige Vertretung an einer Gesamtschule. Ich habe in der Zeit keine Schulung oder Fortbildung erhalten. Im Jahre 2008 habe ich dann wieder als Bauingenieur angefangen, da ich die befristeten Arbeitsverträge leid war und habe bemerkt, dass ich die zwei Jahre als Lehrer genossen habe und ich eigentlich wieder vor einer Klasse stehen wollte.

Im Jahre 2009 erhielt dann wieder eine Stelle als Vertretungslehrer, und ich durfte nach einem Jahr mit einer Ausbildung zum richtigen Lehrer beginnen, die ich dann im Jahre 2012 als Technik- und Physiklehrer erfolgreich abgeschlossen habe. Und was soll ich sagen, ich fühle mich nicht als Lehrer zweiter Klasse. Ich bringe komplett andere Erfahrungen mit in meinem Schuldienst und ich glaube sagen zu dürfen, dass man auch davon profitieren kann.

Es gibt kein gut oder schlecht, um Seiteneinsteiger anzustellen, es geht um die Persönlichkeit als Lehrer und Mensch, wie man den Schülerinnen und Schülern gegenübersteht. Es geht um Respekt den Schülerinnen und Schülern gegenüber, die zeigt man oder zeigt man nicht.

Daran kann nämlich auch ein ausgebildeter Lehrer scheitern. Ich darf sagen, dass ich mit knapp 50 Jahren meinen Traumberuf gefunden habe und jeden Tag davon genieße. – D. Trapphagen (Dipl.-Ing.)

 

 

Ihre Überschrift lautet: „NEIN. Sie sind nicht Lehrer zweiter Klasse – sondern eine Chance“. Seiteneinsteiger sind nicht Lehrer zweiter Klasse, nein sie sind überhaupt keine Lehrer! Seiteneinsteiger sind eine Katastrophe für unsere Kinder, für unsere Schulen, unserer schulische Bildung, für unsere Bildungsrepublik und für unsere Zukunft.

Wir Gymnasiallehrer haben mindestens 2 Fächer (außer in Kunst und Musik) wissenschaftlich für wenigstens 5-6 Jahren an Hochschulen studiert; parallel dazu die Studiengänge Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Methodik und Didaktik der jeweiligen Fächer. Anschließend mussten zahlreiche Staatsexamina in allen Fächern abgelegt werden.

In der anschließenden zweijährigen Referendarzeit wurden Pädagogik, Erziehungswissenschaften, Psychologie, Diagnostik, Schul- und Sozialkunde noch weiter vertieft mit zahlreichen betreuten Unterrichtsstunden (durch Seminarlehrer oder / und Betreuungslehrkräften), eigenständigem Unterricht und Prüfungslehrproben. Anschließend musste ein großes 2. Staatsexamen abgelegt werden.

In den bayerischen Staatsdienst wurden dann nur die besten Absolventen eines Jahrganges übernommen! Sie schreiben: „Ich bin überzeugt: Durch die Seiteneinsteiger wird der Lehrerberuf attraktiver“. Nein, mit diesem Artikel haben Sie dem Lehrerberuf einen Bärendienst erwiesen, Sie haben das sehr aufwändige und schwierige Studium und das anschließende Referendariat marginalisiert und in die Mülltonne getreten.

In meiner zehnjährigen Tätigkeit als Schulleiter eines Gymnasiums mit gebundenem Ganztageszweig und einer großen Seminarschule (mit über 50 Referendaren in den 1., 2. und 3. Ausbildungsabschnitten) habe ich es auch notgedrungen mit einer Reihe von Quereinsteigern – in Englisch, Deutsch, Mathematik, Physik, Biologie und Sport – zu tun gehabt.

Entweder haben die Quereinsteiger von selbst nach einigen Tagen oder Wochen die Verträge gekündigt oder sie wurden von mir zum Halbjahr wegen Unfähigkeit entlassen. Quereinsteiger haben sowohl mir als auch meinen Fachbetreuern als fachliche Oberaufsicht und den für ihre Betreuung abgestellten Lehrern sehr viel Arbeit und Mühe bereitet und das Unverständnis und den Zorn der Schüler und der Eltern über deren Einsatz hervorgerufen.

Lieber haben wir dann im Kollegium umgeschichtet oder einige Kollegen waren bereitet, zusätzlich zu ihrem 50-60 Wochenstundenjob weitere Unterrichtsstunden zu übernehmen oder letztendlich mussten die Referendare einspringen. Und jetzt ohne – für Sie ärgerliche – Polemik:

Würden Sie sich von einem begabten und handwerklich versierten Klempner die Zähne ziehen lassen, oder von einem top Schneidermeister, der gekonnt mit Schere, Zwirn und Nadel umgehen kann, im OP operieren lassen, oder kann jede Mutter, die schon mindestens ein Kind geboren hat, die Aufgabe einer Hebamme aus dem Stand erfüllen, oder jeder Metzger aus dem Schlachthof die Aufgaben eines Pathologen übernehmen, oder würden Sie Ihr teueres hightech Auto von einem Steinmetz, der geschickt mit Meißel und Hammer umgehen kann, reparieren lassen, usw. usw.?

Und zum Schluss: Ist jeder Briefeschreiber geeignet für den Posten eines Redakteurs oder ein Redakteur einer Schülerzeitung für den Posten eines Chefredakteurs?

Ich habe schon manchen Artikel in Schülerzeitungen gelesen, die vom Niveau, von der Qualität, von der Stringenz und vom Anspruch her höher einzuschätzen sind als so manches Geschreibe von Schreiberlingen der so genanten Qualitätsmedien wie z.B. SZ, FAZ oder Zeit. Ihren Artikel muss man leider wieder unter die Rubrik „unterstes hohles Lehrerbashing“ einordnen. – Dr. rer. nat. Kurt Blaschke

 

 

Ja und nein, beide haben Recht: Ja: Wenn man Fachkräfte ohne jegliche pädagogische Ausbildung und ohne Eignungsprüfung als Laien-Lehrer in die Schulen holt, richtet man mahrfachen Schaden an: Man beschädigt das Berufsbild des Lehrers (kann ja jeder!), man benachteiligt alle betroffenen Schülerinnen und Schüler, besonders die Leistungsschwächeren (fehlende pädag. Kompetenz!), man belastet die Kollegien (zusätzliche kollegiale Hilfen etc.) und man untergräbt das Ansehen des Lehramtsstudiums und dessen Notwendigkeit (geht ja auch ohne langes Fachstudium mit anschließendem Referendariat!)

Nein: Wenn man geigneten Fachkräften und Persönlichkeiten die Möglichkeit gibt, als Spätberufene eine solide päagogische Zusatzqualifikation an den Ausbildungs- und Studienseminaren, unter Einschluss finanzieller Anreize, zu erlangen, dann werden diese qualifizierten und sicher auch hoch motivierten Seiteneinsteiger ein Gewinn für alle, für die Schülerinnen und Schüler, die Kollegien, die

Schule insgesamt, den Berufsstand und die Gesellschaft. Dann und nur dann werden Seiteneinsteiger zu einem dringend erwünschten und benötigten Erfolgsmodell bei der Versorgung der Schulen mit geeigneten Lehrkräften.

Die jetzige Praxis, pädagogische Laien als vollverantwortliche Lehrkräfte im normalen Schulunterricht einzusetzen, ist eine fatale Notlösung, unverantwortlich gegenüber den Schulen und den Betroffenen, für die es keine Begründung oder Rechtfertigkeit gibt!

Man stelle sich vor, der Mangel an Richtern würde in den Gerichten durch Laien ersetzt mit der Begründung, jeder könne ja den Gesetzestex lesen und zur Be- und Verurteilung reiche schließlich der „gesunde Menschenverstand“. Das würde – zu recht – nicht nur bei der Richterschaft zum Aufschrei führen! – Dr. Artur Behr

 

 

Zu der von Ihnen aufgeworfenen und im dialektischen Sinne aufbereiteten Thematik, eine kleine Geschichte von mir: Ich bin 1938 geboren und wurde im Okt. 1944 eingeschult – für 1. Tag. Weil der Krieg kam, wurde die Schule geschlossen und erst wieder im Okt. 1945 geöffnet. Ich fand mich nun in die 2. Klasse versetzt.

Wir waren 85 Kinder, 8 Klassen, in 1 Klassenraum mit 1 Lehrer. Wie sollte er alle gleichzeitig unterrichten ? Also bestimmte er die `besten´ Schüler/innen der 7. und 8. Klasse als Hilfslehrer für die 1 bis 4 Klässler, und andere als `Aufsicht´ für die `oberen Klassen´, soweit er diesen “Arbeitsaufträge” erteilt hatte. Er selbst unterrichtete vornehmlich die 7. und 8. und nebenbei die 5. bis 6. Klassen.

Mit dem Nachteil für die `Hilfslehrer´und `Aufsichtsführenden´ – wie ich – dass Sie von dem Unterricht des Lehrers – überwiegend – n i c h t s mitbekamen. Sie werden sich vorstellen können, dass meine Grundschulausbildung “äußerst desolat”war.

Mit 22 fand ich schließlich eine Berufsausbildung, die es mir ermöglichte, im Rahmen der Aufstiegslaufbahn das `Einjährige´ nachzuholen, mich für den gehobenen Dienst zu qualifizieren und letztlich sogar in den höheren Dienst – und sogar zum Vizepräsidenten einer Landesbehörde – aufzusteigen.

(Und beinahe wäre ich sogar noch – während meiner `Aufstiegsphase´ an einer Fachhochschule Lehrender – “Professor” geworden, wie in Hessen die Dozenten´, wie in meinem Bundesland eingestuft waren, betitelt wurden. – `lach mich´– leider nicht kaputt – weil kein Professor!)

Für Sie – als “Zeit”- dazu noch eine Episode ! Während meiner “ fortschreitenden allgemein bildenden Beschulung” hatte ich einen Geschichtslehrer, der im Hauptberuf an einem Gymnasium “Deutsch” unterrichtete.

Ihm war meine desolate “Allgemeinbildung” – vor allem in Deutsch – aufgefallen und er gab mir den Rat, DIE ZEIT zu abonnieren und `eifrig – aber mit Geduld´ – regelmäßig zu lesen,weil ich damit nicht nur meine Rechtsschreibung, sondern “Deutsch” insgesamt, kontinuierlich verbessern könnte u n d – ganz neben bei -auch mein `defizitätes´ Allgemeinwissen (Politik, Wirtschaft, Finanzen, Kultur etc.)erweitern würde.

Ich hatte Die Zeit von da an (ca. 1963) ca. 20 Jahre im Abo,und danach bis heute – mal aboniert – dann wieder nur gekauft. Ich kann Ihnen als Zeit – ohne Schmeichelei – sagen, der Rat meines damaligenLehrers, war das ´Beste´, was mir zu meinem beruflichen Werdegang verholfen hat.P.S. Wäre diese Methode meines `Grundschullehrers` – aus der Nachkriegs-Notheraus – nicht auch ein “Modell” für unseren – insgesamt – verlottertenfdsR-Staat – beispielhaft für das “hochgeschätze Bildungssystem” – aber eine `Bankrotterklärungder Regierung?

Warum “Laien”als Lehrer beschäftigen und dann auch noch als “zweite Klasse” diskriminieren, wenn man 7. und 8. Klässler als ‘Hilfslehrer´ zu freien Verfügunghat – die ohne Krankheitsausfälle pp. s t ä n d i g und in d i v i d u e l l verfügbar sind und vor allem – n i c h t s k o s t e n !

Wo gibt es heute noch etwas umsonst?Lach: Politiker können nicht rechnen, nur Zahlen – nicht einmal nur lesen und deuten –, sondern sich nur als “algorithmisch” in einer Sphäre vorkommen (als einem nach einem bestimmten Schema ablaufenden Rechenvorgang ) -der ihnen unbegreiflich ist, mit `Tölpelhaftigkeit” nicht mehr zu über/unterbieten ist (Grins).

Wie U-Boote die nicht schwimmen, und Flieger, die nicht einmal Minister undsogar Kanzlerin dorthin zu tansportieren vermögen, wo sie hinwollen?

Gibt es größere Blamagen ? – vor allem gegenüber dem Ausland ?Dem doofen Bundesbürger in seiner “Sattheit” ist das wohl egal ! Danke für Ihre Geduld und Ausdauer, wenn Sie bis hierhin gelesen haben sollten. – Nikolaus Krost

 

 

Mit einem Magister in Germanistik und English sowie der BAMF-Qualifizierung für die Leitung von Integrationskursen (Deutsch als Zweitsprache) kam ich vor dreieinhalb Jahren als Seiteneinsteigerin an eine kaufmännische Berufsschule im ländlichen Raum, die händeringend Deutschlehrer für die sogenannte „Flüchtlingsklasse“ suchte.

Ich war zunächst Klassenlehrerin in einer VABO Klasse, unterrichtete die jungen Männer aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und dem Irak für 2,5 Schuljahre in Deutsch und Englisch und führte sie schließlich zum erfolgreichen VAB-Hauptschulabschluss.

Ich blieb an der Schule und unterrichtete im letzten Schuljahr die neue VABO Klasse. Während der letzten zwei Jahre arbeitete ich lediglich in Teilzeit an der Schule und studierte gleichzeitig vier Semester Lehramt in Vollzeit an der Universität Konstanz. Und jetzt beginne ich im Januar das Referendariat – mit 54 Jahren.

Warum der ganze Aufwand? Nicht, weil ich als vollwertige Kollegin in der Schule nicht akzeptiert wurde – im Gegenteil. Es ist der Staat Baden-Württemberg, der Seiteneinsteiger tatsächlich als Lehrer zweiter Klasse behandelt. Denn höchstens sechs Jahre darf ein Seiteneinsteiger ohne Staatsexamen an staatlichen Schulen unterrichten.

Danach darf er nicht mehr eingestellt werden. Bezahlt werden Seiteneinsteiger natürlich im Angestelltenverhältnis und bekommen eine Gehaltsgruppe weniger als ihre angestellten Kollegen mit Staatsexamen – für die gleiche Arbeit.

Verträge laufen nur jeweils bis zum letzten Schultag. Das bedeutet während der Sommerferien Arbeitslosengeld. Während dieser 6,5 Wochen darf man höchstens eine Woche „ortsabwesend“ sein; sonst werden die Bezüge gekürzt.

Baden-Württemberg hat sich damit ein außerordentlich sparsames Modell ausgesucht, das weiterhin Bestand hat, trotz Proteste der GEW. Wenn der Staat in seine Seiteneinsteiger investiert hätte, beispielsweise durch Fortbildungen zur Weiterqualifizierung oder pädagogisch-didaktische Begleitung im Schulalltag, gäbe es nicht nur mehr Lehrer, sondern es wäre ein Anreiz geschaffen worden, mehr Seiteneinsteiger anzulocken und das Problem des Lehrermangels schneller zu lösen.

Seiteneinsteiger bringen Lebenserfahrung ins Klassenzimmer, wo in Deutschland das Lehrerbild oft auf das Didaktische verengt wird – wie Manuel Hartung richtig bemerkt. Anstatt auf Diversität im Lehrerkollegium zu setzen, zwingt der Staat Seiteneinsteiger den langen Weg über die Universität und das Referendariat zu gehen, um permanent angestellt zu werden.

Oder entlässt sie einfach nach sechs Jahren. Ich habe den Weg über die Uni gewählt, weil es die einzige Möglichkeit gibt, im Lehrerberuf zu bleiben.

Als ich vor 30 Jahren studiert hatte, sah ich mich nicht vor der Klasse stehen aber inzwischen stehe ich buchstäblich mit Leib und Seele gern dort. Wenn ich das Referendariat beendet habe, habe ich vor, mit einem vollen Deputat bis zur Rente in der Berufsschule unterrichten; eine Aufgabe, die mir jetzt schon viel Freude bereitet und dann endlich ein faires Einkommen sichern wird.

Finanziell wird sich der Aufwand lohnen. Es bleibt aber abzuwarten, ob mein Unterricht tatsächlich besser wird. – Susan Hoyer

 

 

Der Einsatz von Seiteneinsteigern mag Lehrern und ihrer wertvollen Aufgabe eine Beleidigung sein. Ein studierter Lehrer muss zwei oder drei Fächer bieten, um in Betracht gezogen zu werden. Den Seiteneinsteigern fehle die, wie sie an anderer Stelle des Beitrags genannt wird, systematische pädagogische Vorbereitung.

Frau Poth erklärt jedoch mit ihrem laufenden Kampf um das Folgeleisten der Kinder auf einfachste Bitten, ein Vorgehen nach dem einmal gelernten System ist heute nicht mehr durchzusetzen. Das Format der Seiteneinsteiger sollte überdacht werden. Wer ist wann und wo einsetzbar. Die Richtigen an den richtigen Stellen versagen nicht, gerade weil sie dieses System nicht kennen. – André Trumpa

 

 

Ihr Streitbeitrag vom 02.10.2019 zum Thema „Schaden Seiteneinsteiger den Schulen?“ ist unglaublich wichtig, weil durch eine Polarisierung das Bewusstsein geschärft wird. Genau diese Debatten machen unsere Gesellschaft lebendig und wertvoll!

Meine persönliche, pragmatische Meinung dazu: Ja, wir brauchen aktuell dringend die Unterstützung von geeigneten Quereinsteigern in unserem Bildungssystem. Unsere Schulleiter und Lehrer stehen durch Migration, Inklusion, Digitalisierung und Globalisierung vor riesigen Herausforderungen. Ihre Aufgaben verlagern sich von Wissensvermittlung hin zur Organisation des Miteinanders.

Wenn bis 2025 fast 25.000 Lehrer fehlen, brauchen wir jeden – wohlgemerkt passenden – Quereinsteiger! Die Aufgabe selbst sollten wir gut durchdacht angehen. Die Vorqualifizierung der Seiteneinsteiger sollte im Vorfeld solide und der aktuellen Zeit entsprechend neu durchdacht werden.

Wir, die Heraeus Bildungsstiftung, unterstützen seit vielen Jahren Schulleiter und Lehrer in ihrer Arbeit durch Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung und bieten auch Quereinsteigern passende Weiterbildung an.

In privaten und beruflichen Situationen erlebe ich zahlreiche engagierte Menschen, die gerne als Lehrer tätig würden, weil sie diesen Beruf als zentral wichtig erachten. Lassen Sie uns dieses Potenzial nutzen! Die Gesellschaft muss dem Lehrberuf endlich wieder die Wertschätzung entgegenbringen, die er verdient hat! – Dr. h.c. Beate Heraeus

 

 

Bitte bitte VOR dem nächsten Beitrag dieser Art 75 Minuten investieren: Eine nicht-gefakte, echte Sachunterrichtsstunde in einer beliebigen Grundschule ansehen. 15 Minuten mit den Kindern sprechen und 15 Minuten mit der Lehrkraft. Dann passiert Ihnen so etwas Peinliches nicht mehr.

Ganz im Ernst. Und jetzt im Spaß: Meine aus dem Sachunterrichtsstudium erworbenen Kenntnisse über die menschliche Anatomie sollten doch für einen Quereinstieg als Arzt ausreichen. Und jetzt wieder im Ernst: Muss man sämtliche Lehrkräfte und deren Qualifikation derart abwerten? – Ufke Janssen

 

 

Sie schreiben, durch Beschäftigung von Seiteneinsteigern sinke die Wertschätzung des Lehramtstudiums. Ich selbst habe nach mehr als 7 Jahren Gymnasiallehramtsstudium inklusive Praxissemester im Ausland im Referendariat das erste Mal vor 30 Schülerinnen und Schülern gestanden. Es entschied sich innerhalb von wenigen Stunden, ob ich mich für den Job eignete, pädagogisch, nicht fachlich!

Was ich über Pädagogik und Didaktik während der Ausbildung gelernt habe, war, Entschuldigung, ein Witz. Wie man Konflikte im Klassenzimmer löst und Schüler motiviert, habe ich in der Praxis erlernt. Der Draht zu den Schülerinnen und Schülern war einfach da, den kann keine Hochschule vermitteln.

An meiner Schule absolvieren Seiteneinsteiger ein anspruchsvolles und stressiges Referendariat. Dass sie bisher alle nach ein paar Jahren der Erprobung verbeamtet wurden, halte ich für mehr als fair. Auch sie sind Fachleute für ihre jeweiligen Gebiete. Wie sie mit den alltäglichen Gegebenheiten im Klassen- und Lehrerzimmer umgehen, lernen sie vor Ort. – Julia Ilg

 

 

Ich bin Grundschullehrerin. Ich denke, neben dem pädagogischen, didaktischen und fachlichen Wissen gibt es durchaus viele anspruchsvolle Themen, die Teil einer guten Lehrerausbildung sein müssten: das Erstellen von Proben, die sinnvolle Bepunktung von Aufgaben und die faire Bewertung von Schülerleistungen, der Umgang mit störenden/aggressiven Schülern, der Umgang mit schwierigen/aggressiven Eltern…

Leider wurden diese Themen im Studium wie im Referendariat – wenn überhaupt – nur gestreift. Ich bin überhaupt der Meinung, dass ein Studium für den Beruf des Grundschullehrers unsinnig ist. Am besten würde man das Lehren dort lernen, wo der Unterricht täglich stattfindet – in der Schule.

Vormittags Hospitation und eigene Unterrichtsversuche und Nachmittags im Seminar, in dem das Fachwissen gelernt wird, bzw. zur Besprechung, Vor- und Nachbereitung des Unterrichts.

Die Lehramtsanwärter würden von Jahrgangsstufe 1 bis 4 alle Klassen durchlaufen und wären nach vier Jahren bestens gerüstet für die ihre Lehrtätigkeit – es würde so manchem den Praxisschock nach dem ersten Staatsexamen ersparen. Außerdem würden die Schüler von zwei Lehrkräften im Unterricht profitieren.

Nun, wir konnten es uns nicht aussuchen! Wir haben mindestens acht Semester studiert und zwei Jahre Gängelei im Referendariat überstanden. Und das wurde uns beileibe nicht leicht gemacht: Wir mussten uns vor der Klasse und auf Elternabenden beweisen, den Unterricht profund vorbereiten und bei Unterrichtsvorführungen „eine Show abliefern“, die kein Lehrer so im Alltag exerziert.

Anschließend wurden unsere Versuche zerredet, es wurde nach Fehlern und Schwächen gesucht und wenn es nichts zu finden gab, konnte man sich immer noch anhören, man könne ja die „Ecken des Arbeitsblattes abrunden, so dass keine Verletzungsgefahr für die Schüler besteht“ – so geschehen in meinem Seminar. Es wurde von Selbstmorden in Lehrerseminaren gemunkelt.

Der Artikel „Die schlimmste Zeit meines Lebens“ aus der Süddeutschen Zeitung vom 17. Mai 2010 spricht mir aus der Seele. Und nun, bei plötzlich auftretendem Lehrermangel, werden massenweise Seiteneinsteiger ohne pädagogische und didaktische Ausbildung an den Grundschulen eingestellt. Wen wundert es da, dass ein Aufschrei durch die Lehrerzimmer geht?

Ich glaube nicht, dass man guten Unterricht von einem Tag auf den anderen lernt. Ich denke aber, diese Leute sind durchaus eine Chance für unser Bildungssystem. In den Unterricht einarbeiten müssen sie sich wie jeder andere Lehrer am Anfang seiner Karriere.

Respekt für ihren Einsatz – mögen ihnen alle Hilfen und das notwendige Wissen für diesen Job zuteil werden! Aber macht doch bitte auch den Leuten, die diesen Beruf von der Pike auf lernen wollen, das Leben nicht unnötig schwer! – Sonja Kellner

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Darf man ihn töten?“ von Bastian Berbner

 

Ich bin entrüstet über die detaillierte Schilderung gegen Ende des Artikels, wie ein Mensch „mit einem einzigen Schuss“ einen Elefanten töten kann. Muss das sein?

Ich stelle mir die Frage, ob diese sehr bildhafte Beschreibung, die dann auch noch die effizienteste Jagdmunition nennt, nicht hauptsächlich dazu dient, die kranke Fantasie von Möchtegern-Großwildjägern anzuregen. Für mich ist das abartig und ich hätte dies nicht von der Zeit erwartet. – Marion Laaf

 

 

Es steht mir nicht zu, die Situation zwischen „Mensch und Elefant“ in Botswana zu beurteilen – ich war noch nie dort und kenne die Umstände nicht aus erster Hand. Unbestritten scheint mir aber, dass die Lebensräume für viele Tierarten durch den Menschen immer kleiner werden. Wenn´s dann zu unliebsamen Begegnungen kommt, dann ist das Tier schnell auf der Anklagebank, siehe auch die „Wolfdebatte“ in Österreich.

Wir Menschen werden uns darüber Gedanken machen müssen, wie wir mit den Ressourcen, die uns die Erde zur Verfügung stellt, und auch mit unseren „Mitbewohnern“ verfahren sollen – oder wir machen uns keine Gedanken darüber, dann wird das auf Kosten der Artenvielfalt gehen. Ich denke, die dramatisch abnehmenden Zahlen bei vielen Tierarten, die die Erde oft schon lange vor dem Menschen bewohnten, sprechen eine klare Sprache.

Und sensible, intelligente, stolze Tiere wie Elefanten abzuschießen, weil sie lästig und ja, auch gefährlich sein können, mag im gegebenen Fall notwendig sein, mutet aber trotzdem traurig und tragisch an. – Christian Masser

 

 

Unfassbar wie der Autor die Tragödie des Menschen darstellt und es darstellt, als ob der Elefant den Lebensraum des Menschen zerstört. Ist es nicht eher andersherum, dass der Mensch den Lebensraum der wilden Tiere zerstört! Botswana mag lange ein Jagdverbot gepflegt haben un die Tiere zu schützen doch das sollte der standarf sein und nicht womit sich ein Staat rühmt.

„Kompensation für Tierschäden“ – wer kompensiert wie die Schäden der Artenvielfalt, der Zerstörung von Lebensraum der Tiere? Statt, dass Botswana das Jagdverbot aufhebt, hätte ganz Afrika im Gegensatz dasselbe Jagdverbot zum Schutz der Tiere einführen sollen.

Und das Problem hätte sich von selbst gelöst, wenn der Elefant gemerkt hätte, dass er über den Grenzen Botswanas hinaus sicher leben kann. Dieser Aspekt hätte stärker hervorstechen sollen und Petitionen dafür gestartet werden. – Marija Mihaljevic

 

 

Ein toller und sehr gut recherchierter Artikel. Kein Land ist so ursprünglich und naturnah wie Botswana, kein Land besitzt eine solche Fülle von Wildtieren und Naturparks.Aber was fehlt sind die Menschen. Die Batswana, die liebenswerten Menschen dieses wunderbaren Landes.

Kein Land hat eine solche Grundsatzdemokratie und in keinem anderen Land gibt es eine solche Gleichheit zwischen schwarz und weiß. Aber warum? Botswana war nie Kolonie. Nur englisches Protektorat. Dort gab es ja nichts außer Kalaharisand. Die alten Strukturen der Batswana wurden nie ausgehebelt und durch koloniale Strukturen ersetzt.

Der erste Präsident Botswanas Sir Seretse Khama war der Enkel von Khama III, der 1895 nach England reiste und bei Königin Victoria erfolgreich gegen eine Annexion des Bechuanalandes durch Cecil Rhodes intervenierte.

Seretse Khama heiratete während seines Jurastudiums in London 1947 die britische Sekretärin Ruth Williams, was damals im Apartheitsland Südafrika einen Skandal auslöste. Ihr ältester Sohn Ian Khama wurde 2008 bis 2018 der 4. Präsident Botswanas, der 2018 nach 2 Amtsperioden die Präsidentschaft weitergab, so wie alle 3 Präsidenten vor ihm.

Die romantische Liebesgeschichte zwischen Ruth und Seretse wurde 2016 verfilmt von Amma Asante mit Rosamund Pike und David Oyelowo unter dem Titel „A United Kingdom“. Ein sehenswerter Film. Wenn auch hoffnungslos romantisch. Lady Ruth Khama war bei den Bamangwato voll akzeptiert und später nach Seretses frühem Tod die „Grand old Dame“ des Landes.

Botswana ist demokratisch. Traditionell wird die Macht sehr stark vom Volke ausgeübt, wichtige Dinge werden von den älteren Männern auf dem Kgotla, dem Versammlungsplatz diskutiert, wo jeder reden darf. Und jeder Chief ist gut beraten auf die Diskussionen am Kgotla zu hören und entsprechend zu entscheiden. Frauen sind dort zwar nicht vertreten, ihr Einfluss ist aber trotzdem sehr stark.

Botswana ist reich. Hier gibt es die größten Diamantenvorkommen der Welt, der 2. Größte Diamant der Welt „Lesedi la rona“ Licht unseres Vaterlandes, mit 1100 Karat wurde 2015 in Botswana gefunden. Das Geld wird investiert in Schulen, Hospitäler, Infrastruktur.

Als Botswana 1966 unabhängig wurde hinterließ England in dem Land von der Größe Frankreichs 50 km Teerstraße, 1 Hospital und 1 Sekundarschule. Alles andere hat sich das Land heute mit dem 2. höchsten Bruttosozialprodukt Afrikas selbst erarbeitet und aufgebaut. Klingt wie ein Märchen. Ist auch eines! So kann und sollte Entwicklung aussehen. Und das wäre doch mal ein Zeit-Dossier wert. – Jürgen Wagner

 

 

Unglaublich blöd, diese Frage: Natürlich nicht abschiessen! Erstens gibt es für den ängstlichen Bauern in Botswana eine einfache, natürliche und äußerst effiziente Methode, Elefanten vom Eindringen in Farmland abzuhalten ( z.B. durch aufgehängte Bienenkörbe);

zweitens müssen endlich die Zäune zwischen den Nationalparks zugunsten besserer Wanderungsmöglichkeiten für Wildtiere abgebaut werden; drittens sollte die einheimische Bevölkerung lernen, welche zukunftsweisenden, nachhaltigen Effekte der aktive Schutz der Einheimischen Tierwelt mit sich bringt (man schaue auf das geniale Vorgehen im Luambe Nationalpark in Zambia), und schließlich viertens wäre es nur allzu logisch, die desaströseste und zahlenmäßig dominante aller Bestien, nämlich den Menschen, zum Abschuss frei zu geben.

Ich hoffe doch stark, dass mindestens das zuletzt genannte Argument den Freunden der Schusstechnik die Ungeheuerlichkeit einer massenhaften Keulung von Elefanten vor Augen führt.

Zur Erinnerung: Elefanten haben vor dem Eingreifen zuvorderst europäisch-kolonialer Chaoten fast den gesamten afrikanischen Kontinent bevölkert, und die Menschen vor Ort haben sich darauf einzustellen gewusst. – Christof Magar

 

 

Ich habe diese Woche in der gedruckten ZEIT den Artikel „Darf man ihn töten?“ über die Elefanten in Botswana gelesen. Beeindruckt war ich neben dem Text auch von den Bildern, die ich gerne ausgeschnitten hätte, leider war die ZEIT so verknickt, dass ich es nicht verwenden konnte.

Als ich den Artikel in der Digitalversion angeschaut habe, kommen leider andere Bilder. Deswegen meine Frage, ob die Originalbilder (die beiden schwarz-weißen) irgendwie zugänglich sind? – Jonathan Maisenbacher

 

 

Es gab noch nie so wenige Elefanten wie heute. Wilderei und Trophäenjagd töten weitere Tiere und reduzieren den Genpool. In Botswana steht die Präsidentenwahl an und die Elefanten (seit Jahren konstant ca. 130.000 Tiere) werden mit Stimmungsmache und Einschüchterungsversuchen (u.a. wurde der weltweit anerkannte Forscher Dr. Mike Chase von Elephants without Borders in Kasane mundtot gemacht) von Interimspräsident Masisi zum Stimmenfang genutzt.

Das Zusammenleben mit Wildtieren ist nicht einfach, aber Autos töten in Botswana jährlich 470 Menschen, eine Kampagne gegen Motorisierung gibt es hiergegen nicht. Offen bleibt, was denn angeblich die Elefantenjagd zur Konfliktlösung und Armutsbekämpfung beitragen soll? Die Population wird nicht reduziert, die Tiere werden aggressiv und das Geld erreicht die arme Bevölkerung auch nicht.

Offen bleibt auch die Rolle der mächtigen Jagdindustrie, die seit Jahren in Botswana Elefanten wieder schießen will, weil es in Afrika kaum noch welche gibt.

Offen bleibt eine Recherche zur explodierten Wilderei in Botswana (hier ein aktueller Report: ) und der Status des KaZa Projektes, das mit mind. 35 Mio. Euro vom deutschen Steuerzahler seit vielen Jahren dazu sorgen soll, dass die Elefanten wieder nach Angola, Zambia oder Zimbabwe wandern – das tun sie aber nicht, weil dort (wie nun auch in Botswana) Wilderei und Trophäenjagd drohen.

https://oxpeckers.org/2018/12/the-worlds-largest-paper-park/https://pdfhost.io/v/+o@V5GdJW_PowerPoint_Presentation.pdfEs stimmt mich sehr nachdenklich, wenn ein Artikel veröffentlicht wird, der die oben erwähnten, sehr wichtigen, Punkte/Fragen nicht mal im Ansatz beleuchtet. –Christine Prager

 

 

Welch erfreuliche Nachricht! Als einstige UNO Mitarbeiterin sah ich, in Afrika stationiert die Elefanten, als es sie in vielen Ländern noch gab.

Da ich im heute im Kunstbereich arbeite, kann ich direkt nichts für Elefanten tun und so freue ich mich sehr, chinesische Gäste zu sehen und spreche sie darauf an, daß sie sicher auch etwas lernen wollen auf so einer Reise (Goethe sagte ja reisen bilde – das ist ja auch schöner, mit Einheimischen mal in Kontakt zu kommen als nur Fotos zu schießen -so geht es mir zumindest ) ich bitte die Gäste in ihrem Land zu verbreiten, kein Elfenbein oder Nashornhorn mehr zu kaufen, damit die Wilderei von Elefanten und Nashörnern in Afrika aufhöre.

Viele wissen darum und es entwickeln sich immer nette Gespräche. Mein Credo ist, wir Menschen müssen international zusammenhalten; um die Tiere zu erhalten. So freue ich mich, daß noch mehr Gäste aus China kommen, die auch englisch sprechen, wie Sie schreiben, so habe ich Hoffnung, mit meinem kleinen Projekt weiter zu kommen. –Brigitte von Stebut

 

 

Nein, man darf ihn nicht töten! In Zeiten des weltweiten Artensterbens ist das nicht akzeptabel.

Elefanten sind bei der anstehenden Präsidentenwahl in Botswana zum politischen Spielball geworden – dabei sollte ihnen internationaler Schutz gewährt werden. 1900 gab es noch 10 Mio., heute nur noch 400.000 Elefanten. Mit ihrem Abschuss werden Wählerstimmen gesammelt, gerade bei armen Menschen in abgelegenen Regionen, denen die Jagd auch nichts bringt.

Stattdessen müssten alte Lebensräume der Tiere in den Nachbarländern gesichert werden. Deutschland finanziert u.a zu diesem Zweck mit mehr als 35 Mio. Euro das KaZa Projekt. Aber da scheint es zu haken, denn die Tiere sind bisher lieber in Botswana geblieben, konstant seit vielen Jahren 130.000.

Lösungen gibt es, aber mit einem „Staatsfeind Elefant“ versucht jemand eine Wahl zu gewinnen, schon die Meldungen zur explodierten Wilderei wurden deshalb 2018 mit großem PR Aufwand dementiert. https://africanelephantjournal.com/a-letter-to-botswanas-president/Heike Henderson

 

 

Tragödie für die Elefanten. Der entscheidenden Frage aus der Überschrift („Darf man ihn töten?“) wird der Text nicht gerecht. Hier hätte auch die ethische Dimension der wieder eröffneten Jagd auf Elefanten in Botswana zur Diskussion stehen müssen: Ist es – im Zeitalter des sechsten Massenaussterbens – noch legitim, bedrohte Tiere gegen Entgelt zum Abschuss freizugeben?

Kann das Töten hoch entwickelter und gefühlsbegabter Lebewesen „zum Spaß“ oder für den Adrenalinkick noch als gesellschaftlich akzeptierter Zeitvertreib gelten?

Oder müssen wir nicht umdenken und anderen Spezies ihren Platz auf diesem Planeten einräumen (nicht zuletzt aus eigenem Überlebensinteresse, aber auch, weil die Forschung zunehmend Mühe hat, gravierende Unterschiede zwischen Mensch und Tier auszumachen)?

Stattdessen mit den durch Elefanten verursachten Schäden zu argumentieren kann nicht überzeugen, zumal hierzu keine Zahlen vorliegen. Um die Konflikte zu entschärfen hätten sich auch andere Lösungen angeboten. So etwa, die Bevölkerung in Elefantengebieten an den Gewinnen aus dem Fototourismus zu beteiligen, und damit Schutzmaßnahmen für Felder und menschliche Behausungen zu finanzieren.

In Anbetracht der Propagandaschlacht, die in Botswana derzeit tobt, ist bei der Einordnung der Vorfälle mit Elefanten ohnehin größte Vorsicht geboten. Die Tiere sind zum Spielball politischen Kalküls geworden.

Weltweit ist die Zahl der Elefanten auf einem Rekordtief, eine Trendwende nicht in Sicht. Das Verschwinden der Grauen Riesen hätte dramatische Auswirkungen auf unsere Ökosysteme. Wie zynisch ist es da, ein Szenario der Überpopulation auszumalen! Zumal der Autor weiß, dass die Tiere in den vergangenen fünf Jahren nach Botswana geflohen sind, um ihr nacktes Überleben zu sichern.

Dass die Elefanten nun auch in ihrem letzten großen Refugium zur Jagd freigegeben werden, erschüttert Wildtierfreunde auf der ganzen Welt. Herrn Berbner indes verstrickt sich in technischen Details von „Vollmantelgeschossen“, die „wie bunkerbrechende Raketen“ ins Gehirn des Tieres einschlagen – und hält es für einen akzeptablen Kompromiss, wenn „nur 400 Mal im Jahr“ geschossen werde. Das ist absurd!

Die Elefanten, die nun von Trophäenjägern ins Visier genommen werden, sind mit Sicherheit die stattlichsten und erfahrensten Individuen, deren Überlebens-Know-How in der Elefantengesellschaft dringend gebraucht wird.

Zu den Schattenseiten der Jagd gehört auch, dass die Tiere dann nicht mehr von den Fototouristen, die das Geld ins Land bringen, entspannt beobachtet werden können: Sie verhalten sich dann wesentlich aggressiver.

Erstaunlicherweise lässt der Autor trotz vieler Recherchen entscheidende Aspekte außen vor. Etwa das besorgniserregende Aufflammen der Wilderei unter Präsident Masisi. Zu Beginn seiner Amtszeit ließ er die Wildhüter entwaffnen – was einer Einladung an hochgerüstete Wilderer-Syndikate gleichkommt.

Seither häufen sich auch in Botswana wieder die Elefanten-Massaker, was die neue Regierung mit aller Macht zu vertuschen versucht. Experten wie Mike Chase von Elephants Without Borders, die Alarm schlagen, werden mundtot gemacht.

Dass die Elefanten ihre letzte Zuflucht verlieren, ist eine Tragödie! Ohne konsequenten Schutz und entschlossene politische Maßnahmen (z.B. Verbot des Elfenbeinhandels) wird diese einzigartige Spezies nicht zu retten sein. – Iris Koch

 

 

Ich muss zugeben, ich hatte den Schießbefehl „Shoot to kill“ und den Einsatz der Soldaten im Innern Botswanas so unkommentiert hingenommen, wie sie ihn geschrieben hatten. Erst am Ende ihres Beitrags, als sie das Für und Wider zum Abschuss von jährlich 400 Elefanten diskutieren, kamen mir Bedenken.

Hätte es im Zeitalter von Political Correctnessnicht auch einer abgewogenen Betrachtung der Bekämpfung von Wilderei bedurft, auch wenn die internationale Öffentlichkeit, insbesondere Celebrities an den menschlichen Schicksalen hinter der Wilderei kein Interesse hat?

Gestatten Sie mir abschließend noch den persönlichen Hinweis, dass mir Ihr Faux pas dennoch sympathischer ist die heute übliche Pharisäerei. – Dr. Hans-Günther Vieweg

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zur Infografik „Dicke Luft“ von Jelka Lerche und Niels Boeing

 

Habe mir gerade die Grafiken zu Dicke Luft angesehen und bin bei der Grafik „Wer ist am saubersten?“ ins Grübeln gekommen. Ich hatte für das Fliegen ein Verbrauch um die 4 Liter pro 100 Personenkilometer im Kopf.

Habe mal kurz gegoogelt und in einer Veröffentlichung vom 1.10.2018 des BDL sogar einen Wert von nur 3,58 Liter pro 100 Personenkilometer gefunden, also 0,035 l pro Personenkilometer. Wie aus ca. 32 g Kerosin 132 g CO2 werden, dem Wert in der Grafik mit 82% Auslastung, ist mir ein wissenschaftliches Rätsel.

Nur wenn der Durchschnittsverbrauch für das Auto unter 5,4 l auf 100 Km sinkt wird mit dem Faktor 1,5 der Verbrauchswert beim Fliegen unterschritten. Der Durchschnittsverbrauch dürfte ehrlicherweise eher bei 10l pro 100km liegen. Wer hat denn da mit welchen Werten gerechnet?

Ich halte Fliegen für ein viel CO2 produzierendes Fortbewegungsmittel, aber nur weil wir damit lange Strecken zurückzulegen. Noch eine Anmerkungen zur Eisenbahn: der Emissionswert scheint mir stark heruntergerechnet zu sein. Im Spiegel war vor einigen Jahren eine ähnlicher Vergleich der Verkehrsträger. Dort war, wenn ich mich richtig erinnere, nur ein geringer Unterschied zwischen Flugzeug und Eisenbahn.

Würde mich sehr freuen, wenn Sie die Berechnungen mal nachchecken würden. Über einen Link wäre ich sehr dankbar. – Dr. Hubert Suding

 

 

Vielen Dank für die anschaulichen Grafiken und die Daten. Bei den Erläuterungen sind mir allerdings ein paar Sachen aufgefallen, die ich problematisch finde, weil sie fragwürdige Schlüsse nahelegen. So viele fliegen: die USA haben mehr zusätzlichem Flüge als China. Trotz viel kleinerer Bevölkerung.

Schiffe gegen Flugzeuge: die globalen Emissionen von Schiffs_ und Flugverkehr zu vergleichen ist irreführend. Vermutlich werden von Schiffe mehr als 1000 mal so viele Nutzlasten transportiert. Der Reisebus schneidet gut ab. Aber Linienbusse? Gar auf dem Land? Auto im Kurzstreckenverkehr – Auslastung 1,5 Personen? Ob das stimmt? – Fritjof Möckel

 

 

In Ihrem Artikel „Dicke Luft“ schreiben Sie, Flugzeuge könnten klimafreundlicher fliegen, wenn die Flughöhe reduziert wird, von 10-15 km auf 7 km zum Beispiel. Im Sommer wanderte ich in der wunderschönen schwäbischen Alb. Es gab auf den mehrstündigen Wanderungen nur wenige Minuten, in denen man kein Flugzeug hoch oben am Himmel hörte. Sie sind alle zu hören, aber sie sind sehr leise, weil sehr hoch.

Würden sie in 7 km Höhe fliegen, wären sie sehr wesentlich lauter, und deutlich zu hören. Und weiterhin nahezu ständig. Und das wäre dann in jedem Park, auf jedem Feld, an jeden See, bei jedem Spaziergang, auf allen Balkonen und in jedem Garten das nahezu ständige Geräusch unserer Freizeit, dauerhafter Begleiter, wenn wir nicht in Autos oder Häusern sitzen.

(Man würde es aber auch in den Häusern hören.) Das Flugzeugbrummen wäre immer da. Dann müßte man man sehr weit fliegen, an den Rand Europas mindestens, um mal wieder stille Luft genießen zu können. – Martin Jentzsch

 

 

Im unteren Bereich des Artikels „Dicke Luft“ auf Seite 42 wird darauf hingewiesen, dass Transatlantikflüge in Reiseflughöhen zwischen 10-15 km durchgeführt werden.

In den Höhenbändern 7 km und darunter ist von einer „besseren“ Reiseflughöhe die Rede, weil dort keine Kondensstreifen entstünden.

Mich würde in diesem Zusammenhang der weitaus höhere Spritverbrauch interessieren, meines Wissens wäre ein Flug über den Atlantik in dieser niedrigen Höhe viel schädlicher für die Umwelt und die CO2 Belastung als es ein Kondensstreifen jemals sein könnte.

Der Hinweis die Fluggesellschaften würden die höhere Reiseflughöhe aus wirtschaftlichen Erwägungen bevorzugen, greift hier meiner Meinung nach zu kurz. – Ralf Blohmann

 

 

Die Aussage, die absoluten Emissionen seien gleich, suggeriert, das beide Transportarten gleich schlecht einzustufen sind. Dabei transportierten Schiffe im Jahr 2015 10,05 Mrd. Tonnen (Quelle: UNCTAD) und Flugzeuge 52,2 Mil. Tonnen (Quelle: IATA) Fracht, d. h. ein Unterschied des 193-fachen.

Der Vergleich der Verkehrsträger für den Personentransport vergisst das Schiff komplett, auch dort würde der Wassertransport der eindeutig günstigste sein (Quelle: Informationszentrum Schachtschleuse, WSA Minden). – Thomas Witolla

 

 

Vielen Dank für die grundsätzlich erhellende Grafik zum Kohlendioxid-Ausstoß verschiedener Verkehrsmittel. Bei den beiden letzten Abbildungen (Flughöhe und Flugroute) drängten sich mir

allerdings Fragen auf. Zur Flughöhe: Fliegt das Flugzeug niedriger, benötigt es mehr Treibstoff, stößt also mehr Kohlendioxid aus.

Ist dieser Effekt weniger klimaschädlich als die Cirruswolkenbildung? Zur Flugroute: Grundsätzlich ist doch davon auszugehen, dass die Fluglinien aus Kostengründen so fliegen, dass wenig Treibstoff verbraucht wird. Wie kann es da sein, dass eine Flugroute mit einem Viertel weniger Kohlendioxid-Ausstoß nicht längst genommen wird? In der Grafik fehlt eine Begründung. – Jörn Bullwinkel

 

 

Ein neuer Trend, der den Veranstaltern gefährlich werden könnte – in Skandinavien nimmt die Debatte um Flugscham Tempo auf“. Welch großartige Erkenntnis, daß die Branche sich die Frage nach Nachhaltigkeit stellen muss .

Deutschland hat eine Fläche von 357.386 km2 und über 80 Millionen Einwohner, Schweden hingegen 444.435 km2 mit ca. 10 Millionen Einwohnern, sie leben noch in und mit Natur.

Kann es sein, daß man hierzulande noch nicht verstanden hat, daß dieser Massentourismus gefährlich ist für unsere Welt? Flieht man in Deutschland vor etwas, daß man ständig auf Tour oder in Urlaub sein muss? – Brigitte von Stebut

 

 

Sie stellen völlig richtig dar, dass bessere Flugzeugtechnik und weniger Warteschleifen den Kerosinverbrauch und damit den CO2-Ausstoß senken können. Aber der „Vergleich des CO2-Ausstoßes von Flugzeug, Auto und Bahn“ konzentriert sich m. E. sehr auf die Zunahme der Flugreisen. Interessant wäre auch die Erwähnung, wie stark der Auto- und Schiffsverkehr im untersuchten Zeitraum zugenommen hat.

Aber einige Punkte der Darstellung sollte man auch unter anderen Aspekten betrachten und den Lesern mitteilen: „Schonend fliegen“ – die Vermeidung von Kondensstreifen mag sinnvoll sein, aber um welchen Preis?

Abgesehen davon, dass die Menge der Flugzeuge, die zu bestimmten Tageszeiten nach Osten bzw. nach Westen über dem Atlantik unterwegs sind, eine freie Wahl der Flughöhe wegen der festgelegten Sicherheitsabstände zumindest einschränkt, steigt der Kerosinverbrauch in niedrigen Flughöhen stark an – und damit auch die Menge des CO2-Ausstoßes.

Hier handelt es sich nicht um ein paar Kilogramm Kerosin, sondern um mehrere Tonnen (jeweils abhängig vom Flugzeugtyp, von dessen Gewicht und von der Streckenlänge). So viele Kondensstreifen kann man gar nicht „einsparen“, um den erhöhten Treibstoffverbrauch zu rechtfertigen! Die Kosteneinsparung durch höheres Fliegen senkt den CO2-Ausstoß erheblich!

– Prinzipiell wird jede längere Flugstrecke so berechnet, dass die Flugzeit am kürzesten und damit der Spritverbrauch am kleinsten wird. Es ist dabei völlig irrelevant, wie lange die Strecke in Entfernungskilometern oder -meilen tatsächlich ist. Für den Spritverbrauch sind nur die nautical air miles (NAM), also die zurückgelegte Entferung durch die Luft, ausschlaggebend!

Ein starker Rückenwind kann eine längere Strecke über die Großkreisdistanz hinaus rechtfertigen, weil er die gesamte Flugzeit verkürzt. – Daraus folgt, dass es keine generelle Aussage geben kann, wie weit nördlich oder südlich ein Transatlantikflug verlaufen muss, um den CO2-Ausstoß minimal zu halten. Denn jeder Flug ist vom vorherrschenden Wind abhängig.

Im nordatlantischen Luftraum wird deshalb jeden Tag von den zuständigen Luftverkehrsstellen ein Routenverlauf festgelegt, der sich an den Windverhältnissen orientiert. Mehrere, im Sicherheitsabstand parallel verlaufende Strecken werden angeboten und sorgen so für die kürzesten Flugzeiten von den verschiedenen Abflugorten zu allen möglichen Zielen.

Ihre Grafik mit den „Besseren Routen“ ist insofern sehr irreführend, weil es aus den genannten Gründen keine pauschal gültigen, tatsächlichen Routen geben kann, erst recht keine standardisierte „Flugroute mit weniger CO2-Belastung“.

Zu all diesen Betrachtungen kommen national festgelegte Luftstraßen, Sperrgebiete (vor allem militärische) und sonstige Einschränkungen, die den Kerosinverbrauch erhöhen. – Dr. Robert Löffler

 

 

In der 4. Grafik schreiben Sie dass der CO2 Ausstoß eines Flugzeuges 201 g/km beträgt. Eine einfache Recherche für den Kerosinverbrauch der deutschen Fluggesellschaften ergibt für 2018: 3,55 l Kerosin pro 100 Passagierkilometer. Ein Liter Kerosin setzt bei der Verbrennung 2760 g CO2 frei.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/253315/umfrage/kerosinverbrauch-der-fluggesellschaften-aus-deutschland/Dies ergibt: 3,55 l/100 km * 2760 g/l / 100 = 98 g/km. Dies ist weniger als die Hälfte als die Angabe im Artikel. Falls sie in dem Artikel den Flugzeugemissionen ein erhöhtes Treibhauspotential zuschreiben, da die Emissionen in höheren Luftschichten geschehen, sollten sie dies kennzeichnen und mit einer Quellenangabe versehen. Die angegebenen Quellen am Ende des Artikels sind darüber hinaus nicht hinreichend.

Es ist für den Leser nicht nachvollziehbar wo die jeweilig genannten Zahlen herstammen oder ob sie selber berechnet wurden und wenn, wie diese berechnet wurden. So wie der Artikel jetzt ist, ist er falsch.

Gerade im Hinblick auf die emotional aufgeladene Klimadebatte sollte Wert auf eine faktenbasierten Diskurs gelegt werden. – Benedikt Brandes

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Das abgeschriebene Land“ von Marcus Böick und Marc

 

Durch Ihre Artikel habe ich zum ersten Mal seit 30 Jahren etwas Hand/Denkfestes über die Treuhandanstalt erfahren. Leider müssen die Folgen einer verspäteten , sachdienlichen Aufklärung und Veränderung jetzt von der ost- und westdeutschen Bevölkerung ausgelöffelt werden. Ich wünsche uns allen dafür Kraft und Einfühlungsvermögen unter der Mitwirkung fundierter ZEIT- und sonstiger Pressemeldungen. – Christa Krüger

 

 

Bei aller Kritik an der überhasteten Privatisierung der DDR Wirtschaft durch die Treuhandanstalt sollten nicht die Fälle unerwähnt bleiben, in denen die Entflechtung und danach folgende Privatisierung zu unternehmerischen Erfolgen und dem Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region geführt haben. Ein solches positives Beispiel ist der ehemalige “ VEB Deutsche Seereederei, Seehafen Rostock, Deutrans“.

Nach der Entflechtung der drei“volkseigenen Betriebe“ haben private Investoren aus der Deutschen Seereederei die Kreuzfahrtreederei Aida entwickelt, die heute einer der Marktführer in der Seetouristik ist und ihren Unternehmensmittelpunkt in Rostock hat. Der Seehafen Rostock wurde in eine Infrastruktur Gesellschaft und in Betreibergesellschaften in handelsrechtlicher Form überführt.

Nach dieser Neustrukturierung ist der Seehafen Rostock mittlerweile Marktführer an der deutschen Ostseeküste. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Region Rostock ist durch die Umstrukturierung und die folgende Privatisierung gestiegen. Nur die Spedition Deutrans musste abgewickelt werden.

Bemerkenswert ist, das der größte Teil der neuen Generation des Managements beider Gesellschaften aus Ostdeutschland stammt und an den dortigen Hochschulen ausgebildet wurde. Eigentlich ein Erfolg auf den die Beteiligten mit Befriedigung zurückblicken können. – Prof. Dr. Rolf Stuchtey

 

 

Ihr Artikel ist mir zu sehr vom vorsätzlichen Plattmachen geprägt. Nur in wenigen Zeilen wird die Schwierigkeit der Treuhand, Betriebe in GmbHs oder AGs umzuwandeln aufgezeigt. Auch der Schritt westliche Unternehmen zur Übernahme anzuregen war zunächst nicht vom Filetieren geprägt. Es waren die Defizite, welche die eigentlichen Aufgaben der Treuhand sein sollten, aber nicht adressiert wurden.

Der Betrieb, für den ich 1991 arbeitete war Teil des Thyssen Maschinenbaus. Damals wurden wir von der Treuhand angesprochen, Betriebe in Ostdeutschland auf die Möglichkeit der Übernahme zu prüfen.

Im März 1991 fuhr ich also nach Magdeburg um einen Maschinenbau Betrieb zu besichtigen. Als ich im Hof des Unternehmens parkte, sah ich 3 Mitarbeiter, die den Hof reinigten. Einer mit einem Besen, einer mit einer Schaufel und einer mit dem Schubkarren. Soviel zur Produktivität.

Beim Betriebsrundgang mit dem Werksleiter sah ich volle Hallen mit Maschinen in der Erprobung, in Ausführung und Funktion auf Weltniveau. Nur höchste Wertarbeit für Kunden des Ostblocks. Nach Auskunft des Werksleiters fehlte es an Folgeaufträgen.

Die bestehenden Aufträge waren durch Wirtschaftsbeziehungen innerhalb des Ostblocks entstanden und nicht durch eine Verkaufsorganisation akquiriert worden. Auch gab es keine Verkaufspreise, weil der Ausgleich in Berlin durch Warentausch geregelt wurde. Der „westliche Ansatz“, Preispolitik und Vertrieb zu unterstützen fiel also flach.

Da es auf Grund dieser Mängel nicht möglich war, schnell für Beschäftigung im angestammten Produktbereich zu sorgen war unser Ansatz, eine Fertigung von Baugruppen unserer Produkte zu verlagern und dadurch eine Grundlast zu erzeugen.

Wir übergaben Fertigungsunterlagen unserer Baugruppen zur Kalkulation der Herstellkosten für ein Angebot. Lange kam keine Antwort, bis uns bei einem Besuch offengelegt wurde, dass man außerstande sei die Herstellkosten zu ermitteln. Es fehlten die notwendigen Informationen und die erforderliche betriebliche Infrastruktur war nicht vorhanden. Im Warentauschsystem war eine Kostenrechnung nicht erforderlich gewesen.

Wir sahen uns außerstande, bei einer Übernahme eine Überbrückung und die komplexe Aufbauarbeit zu leisten und sagten der Treuhand ab. In der Folge traten dann Investoren in den Vordergrund, deren Interesse sich weniger an Produkten und qualifizierter Belegschaft orientierte. – Hans Ulrich Jaissle

 

 

Skandalös, wie die Treuhand damals arbeitete. Mit welcher unglaublichen Fahrlässigkeit Typen wie Breuel, als Politikerin ohne wirtschaftlichen Sachverstand, diese Behörde führten und den skrupellosen Machenschaften von Westdeutschen Tür und Tor öffneten, um das Vermögen der ehemaligen DDR unter ihresgleichen zu verteilen.

Und dafür sicher ein fürstliches Honorar zugeschanzt bekommen und nach getaner „Arbeit“ wieder zurück zu ihren Landsleuten in den Westen gegangen. Und hier im Osten verbrannte Erde hinterlassen. Kaum hatte man sich von Honecker und Co. befreit, kamen diese „Schlächter“. Und die ganzen anderen westdeutschen Heerscharen, die den Osten mit ihren „klugen“ Tipps überzogen und dabei nur an ihre Bereicherung dachten.

Nein, ich bin kein Anhänger der DDR. Nur sehr enttäuscht, was aus den Träumen zur Wende eines damals 16jährigen geworden ist. – Jens Roßbach

 

 

Ich bin davon überzeugt, dass dieses Thema nicht so in der Tiefe behandelt Wird, wie es wohl richtig wäre. Jede Bundesregierung nach dem Krieg hatte als Oberstes Gebot die Wiedervereinigung auf dem Programm.

Allerdings war diese Priorität nicht ganz ehrlich gemeint, zumal man viele <Jahre ja davon ausgehen konnte, dass eine solche nicht stattfinden werde. Spätestens als Genscher die DDR Bürger in Ungarn frei bekam, hätten bei uns sämtliche Alarmglocken läuten müssen.

Es war doch offentlichstlich, dass die DDR nicht mehr die Kraft hatte wie früher Hier haben die Schlapphüte total versagt. Es gabe wohl keine entsprechende Berichte, die auf ein mögliches Ende der DDR hinwiesen. Oder es gabe sie, aber keiner interessierte sich dafür. Meiner Meinung hätten Pläne für die Zeit nach einer möglichen Wiedervereinigung In allen Schubladen der Regierungen liegen müssen. Aber nichts war geplant.

So Wachte man im Oktober morgen auf und stellte fest, die Mauer ist weg. Dann Kamen nicht haltbare Verspechungen und dann kam die Treuhand, die die Pläne Der westlichen Wirtschaft und Politik diktatorisch durchgeführt hat.

Ein Trauerspiel, Noch eine Bemerkung zum Schluss. Es wird leider immer wieder vergessen, dass Der Gundstein zur Vereinigung im weitesten Sinne von Lech Walensa gelegt wurde. – Wolfgang Mengewein

 

 

Bei Ihrem interessanten Artikel über die Treuhand aus der Innensicht kommen einige Aspekte zu kurz, finde ich. Praktisch die gesamte DDR-Produktion war im Rahmen des Ostblock-Planwirtschaftsverbunds auf Jahre hinaus durch Lieferverträge verplant.

Die Frage war zunächst, ob man trotz Umstellung aller Unternehmen diese Mengen weiterhin würde liefern können. Dass dieser Absatz mangels Devisen im Ostblock von einem Tag auf den anderen vollständig wegbrach, hatte wohl niemand vorausgesehen.

Damit mussten die Unternehmen mit ihrem überalterten Maschinenpark und ihrer niedrigen Produktivität als neue Konkurrenten auf den Weltmarkt. Die gößten Arbeitgeber im damaligen Kreis Rathenow (wo ich öfter war) waren die Landwirtschaft (LPGs, die privatisiert wurden), ein Stahlwerk (Weltmarkt übersetzt), ein Chemiefaserwerk (modernere in der BRD längst stillgelegt) und die Optischen Werke Rathenow, die mal einen ähnlichen Ruf wie Zeiß gehabt hatten, aber zuletzt aus angelieferten Einzelteilen Brillen für Brillen Fielmann zusammenschraubten, weil das etwas Devisen brachte.

„Könnt Ihr Alles vergessen!“ musste ich meinen neu gewonnenen FDP-Parteifreunden dazu sagen. „Jetzt ist Marktwirtschaft. Schwimmen müsst Ihr selbst, aber es ist wie Hallenbad mit Badeordnung ohne Haie im Becken!“ hatte ich weiter verkündet. Das war leider zu blauäugig, denn in der Übergangszeit, bis die westliche Marktordnung auch in der ehemaligen DDR galt, nutzten sehr wohl einige Haie die Gunst der Stunde.

In jeder Stadt hatte es eine Filiale der staatlichen Bank und der staatlichen Versicherung gegeben – die gehörten, als Quasi-Monopol, von einem Tag auf den anderen der Deutschen Bank bzw der Allianz, die sie billig erwarben. Die im Artikel genannten Kalibergwerke wurden von vornherein in der Absicht gekauft, sie als lästige Konkurrenz stillzulegen.

Angesichts der Anlaufschwierigkeiten argumentierten meine neuen Freunde nicht zu Unrecht: ich sollte mir mal vorstellen, die BRD wäre zu Planwirtschaftsbedingungen an die DDR angeschlossen worden – sicher auch nicht reibungslos, oder? – Bernhard Hecker

 

 

Manche Betriebe im „Anschluss-Gebiet“ hätten vermutlich überlebt, wenn Frau Breuel für sie so engagiert gekämpft hätte wie für die strukturschwache Raffinerie Wilhelmshaven. Allerdings hatte sie in Ostdeutschland den Umtauschkurs und die westdeutschen Gewerkschaften, die Angst vor der Konkurrenz hatten, gegen sich. – Dr. Peter Walkling

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Können sie den Präsidenten stoppen?“ von Kerstin Kohlenberg

 

Sie sollten sich an dem dämlichen Gerede über Trump nicht beteiligen. Das ist Mal wieder ein Schwachpunkt ihrer Redaktion. Seit Jahren muß man sich nur dummes Zeug über Trump anhören. Natürlich ist das Benehmen von Trump gewöhnungsbedürftig.

Das sollte aber nicht dazu führen, daß die Medien ihn in Gänze ihn Grund und Boden beleidigen und dummes Zeug erzählt. Der Mann hat all das eingehalten was er den Wählern versprochen hat. Nennen sie mir nur einen Politiker der das von sich sagen kann. Die Demokraten helfen Trump um die nächsten Wahlen zu gewinnen. Das sage nicht nur ich, sondern auch ihr Kollege Josef Joffe.

Auf den „Amtsmissbrauch“ folgt als Nächstes sein Sexualleben mit zahlreichen Nutten. Was für eine Scheiße heute alles erzählt wird um an die Macht zu kommen. Sie als „seriöse“ Journalisten sollten sich daran nicht beteiligen.

Ich lege das auch als vorsätzlich aus. Sie wissen sehr genau, das die meisten Staats(frauen)männer ständig mit anderen Kollegen telefonieren, um Empfehlungen oder Ratschläge etc. abzusondern. Das gehört zum Geschäft. Ich habe mir sagen lassen; unsere Bundeskanzlerin ist darin Weltmeisterin. – Gunter Knauer

 

 

In obigem Artikel schreiben Sie ,dass Trump mit dem Zurückhalten der Militärhilfe gedroht hätte .Dieser Tatbestand hat sich ,wenn ich dem Bericht meiner Tageszeitung , den Nürnberger Nachrichten, glauben darf ,so nicht durch die jetzt zur Verfügung stehenden Protokolle erhärten lassen .Da heißt es wörtlich :

Der noch explosivere Vorwurf ,Trump habe bei seiner Forderung und 400 Mill. U S Hilfsgelder als Druckmittel eingesetzt scheint durch das Protokoll entkräftet. Der ukrainische Präsident Selenskyj bestätigte am Rande der UN -Vollversammlung: „Es gab keinen Druck“. –Karla Vetter

 

 

… und sich seit über fünf Jahren in einem Krieg mit Russland behauptet. Ein weiterer Beweis, daß die ZEIT zum Propagandablättchen degeneriert ist. Der ganze Artikel läßt darauf schließen, von Anti-Trump bis Anti-Rußland. Die Guten im Spiel, die „Amtsentheber“, oder besser die, die das gerne möchten, aber genau wissen, daß sie es nicht schaffen werden?

Denn da steht der US-Senat dagegen. Aber zurück zum fake-news-Satz: Führt Rußland tatsächlich Krieg gegen die Ukraine, oder ist das doch ein Stellvertreterkrieg USA gegen Rußland, wie ihn die USA permanent führen?

Würde Rußland Krieg führen gegen die Ukraine, würde die sich so behaupten, wie der Irak gegen die USA und ihre Mittäter. Sie wäre so schnell „aufgerollt“ wie der Irak, als die USA das Land mit Krieg überzogen.

Gut, vielleicht muß man der Autorin ein bißchen Nachhilfe geben in Punkto Krieg. Aber da gibt es ja den Chefredakteur, der wissen sollte, was er da veröffentlichen läßt. –K. Alt

 

 

Trump ist freilich längst von allen guten und mittelmäßigen Geistern verlassen. Gleichwohl stellt sich noch immer die absolut nicht unerhebliche Frage, wie lange dieser personifizierte Skandal vor aller Augen und Ohren das Weiße Haus und die amerikanische Demokratie durch jedweden Dreck ziehen darf.

Jedenfalls läuft mächtig viel schief, wenn trotz demokratischer Verfassung das politisch handelnde Personal nicht (mehrheitlich) über die demokratische Verfasstheit und Einsicht verfügt, eine Diktatur der Unfähigkeit und des destruktiven Machtwillens, und sei es die des Präsidenten, endlich einzugrenzen bzw. zu beenden. – Matthias Bartsch

 

 

Nancy Pelosi (Sprecherin des Repräsentantenhauses) sagt zwar: „Auch Donald Trump (derzeitiger Präsident der USA) steht nicht über dem Gesetz!“ Donald Trump (derzeitiger Präsident der USA) wird das ganze vermutlich viel entspannter sehen: „Ich, Donald Trump (und derzeitiger Präsident der USA), ich stehe nicht über dem Gesetz“.

„Ich, Donald Trump (und derzeitiger Präsident der USA), ich bin das Gesetz, und ich werde es hin- und herbeugen, bis euere Ohren richtig heiß geglüht sind“! Donald, the „first“ Trump (Präsident der USA) kann sich im Augenblick, nur selbst stoppen! – Klaus P. Jaworek

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „»Man muss es demokratisch lösen«“. Gespräch mit Svenja Schulze geführt von Petra Pinzler und Elisabeth Raether

 

Man sieht hier wieder sehr schön, dass die Regierung – unverändert seit 50 Jahren – nicht den Mut hat (schwierige) Entscheidungen zu treffen und endlich mal konsequent dass zu tun, was für das Überleben notwendig ist. Wieder wird nur ein Öko-Negligé umgehängt und man bewundert sich selbst und lobt sich als die großen Macher.

Ich finde es auch anmaßend, wenn Frau Schulze der SPD attestiert die Union bewegt zu haben. Das bisschen Bewegung haben ja wohl Andere bewirkt, nämlich die jungen Menschen, die seit einem Jahr konsequent einfordern, was die Bundesregierung ihnen genauso konsequent verweigert: Das im Grundgesetz verbriefte Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. – Horst Schwäbe

 

 

Finden Sie nicht, dass sie die Frage nach dem Rücktritt von Frau Schulze in Ihrem Interview etwas oft gestellt haben? Was wäre denn dadurch gelöst worden?

Bzw verstehe ich nicht die Intention dieser Frage abseits von Provokation. Oder war das die Absicht? Vielleicht können Sie es mir erklären. – Jonathan Gauß

 

 

Wir dachten schon, wir hätten uns im Blatt geirrt, aber es waren tatsächlich die geschätzten Redakteurinnen der „Zeit“, die von der Uweltministerin erwarteten, das Klima mal eben im Alleingang zu retten. Besonders der insistierende Duktus der Fragenden, die der Ministerin gar den Rücktritt nahelegten, erschien uns wie ein Missverständnis.

Als würde der Sportredakteur nach dem verlorenen Spiel ausgerechnet den besten Spieler der Verlierermannschaft für die Niederlage verantwortlich machen. Wieso fragen Sie nicht Hernn Scheuer und Konsorten? – Michael Speth und Sabine Kruspel

 

 

Wo bleibt die klare redaktionelle Linie der ZEIT? Da sind auf Seite 8 die kohärenten und wirklich überzeugenden Thesen Bernd Ulrichs über den Klimawandel („Grün ist schön, macht aber viel Arbeit“). Stimmt, man kann seine Ursachen nicht im „klein klein“, sondern nur mit Blick auf die großen Zusammenhänge lösen. Ja, die Klimakrise stellt die soziale Frage neu, und das Klimapaket der Groko wird wahrscheinlich wirkungslos bleiben.

Dann reibt man sich auf der nächsten Seite die Augen, angesichts der Fragen von Petra Pinzler und Elisabeth Raether an die Bundesumweltministerin. Sie beginnen mit der angeblichen Belastung der „ärmere(n) Menschen“ durch eine Fixierung des CO2 – Preises — N. B.: auf zehn Euro pro Tonne! Mit der Horrorvision eines Gelbwestenprotests in seiner Folge.

Dann zur Beibehaltung des so „klimarelevanten“ Dienstwagenprivilegs; auf das die Ministerin kontert, dass es künftig die „Markteinführung von kleineren und Elektroautos“ vorantreiben soll. Und so fort. Die Fragenstellerinnen als Stichwortgeber für eine Ministerin, die ein leichtes Spiel hat, auch kleinstteilige Maßnahmen des Groko-Klimapakets als großen Wurf zu verkaufen. – Peter Brinkmann

 

 

Die „Schnürer“ sind am Werk. Sie schnüren das „Klima-Paket“ zu und auf und zu und auf und…, je nach „Interessen-Drucklage“; alles wird verwässert, alles wird geschönt, wie halt der Wind so gerade weht.Und was machen wir?

Wir schimpfen auf die „Schnürer“ hoch da oben; fahren immer dickere Brummer-Karossen, (fr)essen das Oktoberfest „ochsenfrei“, und machen „freiwillig“, wenn schon denn schon, wenig bis überhaupt nichts, für unsere einzige, krank-geschundene Umwelt! – Klaus P. Jaworek

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Nicht einknicken!“ von Josef Joffe

 

Dieser Artikel bestärkt mich in meiner Meinung, DIE ZEIT nicht regelmäßig zu beziehen. Sie reihen sich einfach ein in die Gruppe der Meinungsmacher, die Trump-bashing bzw. Johnson-bashing betreiben. Das ist schön einfach.

Und sie beziehen dafür vermutlich Beifall von der politisch linken Seite. Und die Seite, von welcher sie keine Beifall beziehen, bezeichnen sie einfach als rechtsradikal. Welch einfaches Weltbild. – Friedrich H. Baumgärtner

 

 

In der aktuellen ZEIT-Ausgabe verfälscht J. Joffe – wieder einmal – in populistischer Manier die Tatsachen mit dem Ziel, für Israel zu werben. Er erwähnt nicht, dass der Staat Israel unter B. Netanjahu ein rassistischer Staat geworden ist, der die Rechte der palästinensischen Minderheit in rassistischer Absicht mit den Füßen betrat.

Und er verschweigt, dass Israel für die katastrophale Misere der Millionen von vertriebenen Palästinensern in Lagern (Libanon, Jordanien etc.) verantwortlich ist. Ihr Redakteur Joffe ist nur gut in seinem Populismus. Widerwärtig, dass so eine Person den Ruf Ihrer Zeitung ruiniert. – Prof. Dr. Elias Jammal

 

 

In der 41/2019 schreibt Josef Joffe auf der Titelseite, dass Joe Biden „als Vizepräsident zugunsten der anrüchigen Geschäfte seines Sohnes Hunter in Kiew hinterveniert haben“ soll. Meines Wissens ist dies bis jetzt eine Art Verschwörungstheorie bzw. Hirngespenst von Donald Trump, welches dieser nicht müde wird zu wiederholen.

In dieser Formulierung von Herrn Joffe, wird es nun so dargestellt, als würde es hierzu eine offizielle Untersuchung geben.

Meines Erachtens wird damit genau das erfüllt, was Donald Trump (und insbesondere seine Spin-Doktoren) sich wünschen. Eine Lüge und wüste Anschuldigung wird plötzlich ein Fakt. Um den Sachverhalt zu verstehen, muss der Umstand, dass Donald Trump einen Gegner beschuldigt, durchaus erwähnt werden.

Aber kann dies nicht geschehen, ohne die Lüge zu wiederholen und als fast schon Faktum darzustellen. Es wäre doch auch möglich zu schreiben, dass Donald Trump einen Konkurrenten haltlos beschuldigt.

Damit wüsste jeder Bescheid und die Namen und Inhalt würden nicht weiter verbreitet. Mir macht es insbesondere Sorge, da auch in Deutschland immer mehr so Politik betrieben wird und Lügen in den Medien wiederholt werden, bis sie geglaubt werden. – Moritz Gesterding

 

Zu dem unerschrockenen Artikel fällt mir in diesem Nietzsche-Jubiläumsjahr noch etwas zum geistesgeschichtlichen Hintergrund ein. Was Nietzsche schon 1889 ankündigte, ist auch aus heutiger Sicht leider nicht so weit hergeholt:

„Was ich erzähle“, schreibt er im Ecce Homo, „ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht anders kommen kann: Die Heraufkunft des Nihilismus. Was bedeutet Nihilismus? Dass die obersten Werte sich entwerten. Es fehlt das Ziel; es fehlt die Antwort auf das ,Warum‘.“

Im zwanzigsten Jahrhundert hatten wir dann als Folge dieses Nihilismus den überheblichen Nationalismus bis hin zum Nationalsozialismus sowie den Marxismus:

Allen diesen Ideologien ist gemeinsam, dass sie mit der jüdisch-christlichen Weltsicht abrechnen, den Glauben an einen allmächtigen, allwissendenden, liebenden Gott, der uns in Jesus Christus persönlich Vergebung und ewiges Leben anbietet, bekämpfen, objektive Moral leugnen, auf einer Fortschrittsphilosophie basieren, den Kampf als treibende Kraft dieses vom Staat zu beschleunigenden Fortschrittes sehen, Andersartige, Rückständige, Unangepasste, zugrunde richten oder unterdrücken.

Und daraus sollte sich dann der neue Mensch heranbilden. Es zeigt sich: Ein neuer, besserer, sozialerer, glücklicher Mensch entstand dadurch nicht. Vielmehr kommt eine Haltung zum Vorschein, die gar nicht neu ist, die Platon in seinem Dialog Gorgias den Sophisten Kallikles bereits vor ca. 2400 Jahren zum Ausdruck bringen lässt:

„Wer richtig leben will, muss seine Begierden so groß wie möglich werden lassen, ohne ihnen einen Zügel anzulegen; sind sie aber so groß wie möglich, so muss er imstande sein, ihnen mit Tapferkeit und Klugheit zu dienen und alles, wonach sich die Begierde regt, zur Stelle schaffen.“ Daraus leitet er sogar ein Recht ab: „Es gilt als ausgemachtes Recht, dass der Stärkere über den Schwächeren herrsche und gegen ihn im Vorteil sei.“

Wenn wir zur Bewahrung unserer freiheitlichen Demokratie linke, rechte oder andere Diktaturen aufarbeiten, trägt es zur Objektivität bei, ihre sich teils stark überschneidenden machtideologischen Grundlagen zu hinterfragen. – Gerhard Jahnke

 


bitte um rückrüf von jesof joffe. bin sprachlos, was ich hier lesen muss – auf seite eins der zeit. herr joffe, wenn sie schreiben, dass der sieg von kurz ermutigend für die demokratien ist, sind sie entweder

ein kurzjünger, haben von der österreichische innenpolitik in den letzten zwei jahren absolut nix mitbekommen, schreiben im auftrag von kurz oder ihnen ist einfach im stress des tagesgeschäfts ein fehler unterlaufen. – Daniel Kudernatsch

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu »Heiko Maas kann man im politischen Berlin unbehelligt als ›Herrenausstatter‹ bespötteln oder als ›halbe Portion‹ – ohne dass es einen #aufschrei gibt« von Fabienne Hurst

 

Mich wollten mal im Alter von 30 Jahren zwei Missionare zwischen Tür und Angel zum Glauben bekehren. Als ich das aus verschiedenen Gründen ablehnte (mein Bruder ist Pastor), verlangten sie, meinen Vater zu sprechen! Das fand ich ein starkes Stück: Familie, zwei Kinder, Manager, gerade zurück von einem Jahr USA. Und habe einfach die Tür zugemacht.

Nun hatte ich lange ein jugendliches Aussehen. Meine Frau riet dann zu einem Bart, was half. Ich kenne also das Problem, obwohl ich gern etwas von der Schlankheit von Herrn Maas ab hätte. Nach den neuesten Zahlen liegt HM bei Beliebtheit vorn, bei Leistung eher hinten resp vorbeziehungsweiser Hinter Olaf Scholz.

Dazu passen die Spitznamen der Medien passen, wenn man den von S. 69 “sexy” (verstehe ich in dem Kontext gar nicht) ausnimmt tendenziell. Gut, “Herrenausstatter” hätten man auch und eher bei Schröder sagen können.

“Halbe Portion” und “Herrenausstatter” sind zwar nicht höflich, leiten sich aber doch von der Tatsache ab, dass Maas noch nicht seine Statements auf hinreichende Basis gründet: Beispiel heute schimpft er auf die Zollandrohungen von Trump. Das ist EU-Kompetenz. Und wenn, sollte sein Parteifreund Scholz nicht gleichzeitig auf Mäßigung drängen.

Warum empfängt er den Freiheitskämpfer Joshua Wong während Frau Merkel, seine Chefin, in China um wirtschaftliche Kooperation baggert. Damit war Merkels Reise reine Luftverschmutzung mit CO2. Die Twitterei von Trump finden die meisten nicht gut. Dann sollte aber bei uns auch nicht jeder vor sich hin twittern – am besten gar nicht!

Wir müssen auch nicht zu jedem Ereignis auf der Welt und vor jeder Besprechung twittern. Das wird auch kaum jemand außerhalb Deutschlands lesen. Mit “Konfirmand” könnte man Bundeskanzler, die wiedergewählt werden möchten, bezeichnen. Das ist auch nicht persönlich gemeint, sondern drückt ein Unbehagen aus. – Gerhard Schroeder

 

 

Struktur und Funktion resp. Form und Inhalt sind eine wechselseitige Einheit, können aber auch Ausdruck sein für die Einheit und den Kampf der Gegensätze. Da lobe ich mir unsere uneitle Frau Bundeskanzlerin. Um diesbezüglich Ursache und Wirkung in der Persönlichkeitsstruktur von Herrn Maas zu entschlüsseln, ist es m.E. hilfreicher, sein unwirklich-bemühtes Wesen als ursächlich für seine adäquate Äußerlichkeit zu betrachten.

Er ruht nicht in sich. Nicht seine Kinderanzüge prägen also sein Wesen, sondern umgekehrt, und seine locker-sportliche Ver-Kleidung auf der Seite 69 passt sich nicht zu seinem angestrengt-verhuschten Blick. Diese innere Zerrissenheit ist es, weshalb Herr Maas nicht nur von seinen Außenministerkollegen als halbe Portion empfunden wird; er ist eine solche und insofern eine Fehlbesetzung. – Gernot Henseler

 

 

Die Anmerkungen zum „Herrenausstatter“ habe ich mit großem Interesse und mit voller Zustimmung gelesen. Ihre Kritik an solchen Urteilen ist durchaus berechtigt. Aber Vorsicht bei Bibelzitaten, die sollten im Kontext gelesen werden!

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“ ist kein Aufruf zur Rache! Es geht um Wiedergutmachung. Eigentlich absurd, deshalb: den Schaden erst gar nicht entstehen lassen. Und dem armen Paulus wird seit Jahrhunderten ein Zitat untergeschoben, das gar nicht von ihm stammt.

Paulus bekannte mit Genesis 1: Gott schuf den Menschen als Mann und als Frau, gleichwertig und gleichberechtigt. Aber Männer wollen das bis heute nicht wahrhaben. – Ilse Vogel

 

 

Es sollte nicht darum gehen, wie der Mann oder die Frau gewandet sind. Es sollte immer um den Menschen gehen, der im Gewand steckt! Denkste, dann wäre alles doch etwas zu einfach und simpel, oder!? – Riggi Schwarz

 

 

Ich habe mich durch Ihren Artikel gequält – zunehmend ungläubig – und am Ende feststellen müssen: Sie haben es bis zum Schluß nicht begriffen. Deshalb hier also die ersehnte Antwort. Sie wird Ihnen allerdings nicht gefallen. Aber egal, ich komme zu einem Schlüsselwort, das leider im Aussterben begriffen ist. Ähnlich wie „fürderhin“ oder „fürbass“. Und das Zauberwort lautet: Humor.

Ich überlasse es Ihnen die Definition dieses Begriffs im Duden nachzuschlagen (solange er noch da zu finden ist). Erhellend ist die Lektüre allemal.

Und wenn Sie jetzt die ganzen Artikel über die (fehlenden) männlichen Attribute diverser Promis noch mal mit einer Prise Humor im Arbeitsspeicher nachlesen, dann verstehen Sie: da hat jemand eine witzige Metapher gefunden und das Ding dann einfach rausgehauen – schenkelklopfend und ohne sich zu überlegen, ob da andere auch drüber lachen können – Humor eben!

Zugegebenermassen: männlicher Humor. Ob es weiblichen Humor im Zeitalter von #MeToo noch gibt, weiss ich nicht. Es ist schwierig. Natürlich gibt es auch blöde Witze. Aber es gibt ja auch hässliche Menschen. Die dürfen auch sein. Denn für die gibt es den allgemeinen Humanismus und für die blöden Sprüche gibt es Humor und alles zusammen ergibt: eine lebenswerte Welt. – Achim Hauck

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Wo bleibt der Zins?“ von Mark Schieritz

 

In Ihrem Artickel Herr Schieritz, haben Sie eine große Personengruppe vergessen. Es sind die Rentner. Diese haben noch lange nicht alle eine auskömmliche bis gute Rente, sondern bedürfen der Früchte ihrer Ersparnisse. Verantwortungsbewusste, viele heutige Rentner, haben ein Leben lang für Ihr Alter gespart, also vorgesorgt.

Da sind aber zum Erhalt der Altersvorsorge Zinsen natürlich erforderlich! Diese Personengruppe hat darüber hinaus nach der deutschen Wiedervereinigung bereits einen Krankenkassenbeitrag in Höhe von 10% abverlangt bekommen (Rentenkürzung).

Desweiteren wurden sowohl die Beiträge zur Rentenversicherung als auch die erwähnten Sparleistungen in DM erbracht. Die heutigen Leistungen erfolgen in EUR. Also für den Rentner ergibt sich auch daraus ein Kaufkraftverlust.– Eberhard Schmitt

 

Herr Schieritz focussiert sich viel zu sehr auf die Zinsverluste, die angeblich durch gestiegene Löhne kompensiert werden. Was aber ist mit den Leistungskürzungen laufender Renten durch Pensionskassen oder mit den heimlichen Beitragssteigerungen privater und öffentlicher Versicherungen durch die zusätzlichen Kosten der Negativverzinsung liquider Reserven?

Gleiches trifft auch auf die kurz- und mittelfristig gehaltenen Mittel öffentlicher Haushalte und jener von Sozialkassen zu, für die letztlich wieder Steuer- und Beitragszahler aufkommen. – Hans Hardenberg

 

 

Der Leitartikel irritiert mich an einigen Stellen. Wenn das Geldvermögen der privaten Haushalten im ersten Quartal 2019 bei rund 6,17 Bio. EUR liegt, wie Herr Schieritz schreibt (was ich unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37880/umfrage/geldvermoegen-der-privathaushalte-in-deutschland/bestätigt finde) und die Zahl der Haushalte bei etwa 42 Mio. liegt (sh. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1240/umfrage/anzahl-der-privathaushalte-deutschland-nach-bundeslaendern/), dann komme ich auf einen Durchschnittswert von etwa 150.000 EUR Geldvermögen und nicht von 17.000 EUR.

Natürlich kann es sein, dass es sehr vermögende Haushalte gibt und welche, deren Geldvermögen 0 beträgt (oder sogar aufgrund Ver- oder Überschuldung weniger als 0) und mit 17.000 EUR ein Median gemeint ist – dann wäre aber eine Erläuterung sinnvoll gewesen. Und (nur als Musterrechnung) 150 TEUR mit 1% oder 2% zu verzinsen, macht nach 40 Jahren einen Unterschied von (zumindest nominal) über 100.000 EUR.

Der Zuwachs gegenüber den Vorjahren (trotz Nullzins und schlechtem Börsenjahr 2018 ist – auch das scheint unstrittig – auf eine gestiegene Sparquote zurückzuführen. Dieses Verhalten hat schon ein Ökonom in der vorherigen Ausgaben beklagt und auch Herr Schieritz schreibt, es werde zu viel gespart.

Leider hat mir keiner der beiden Herren verraten, welche Maßnahmen ich für ein auskömmliches Einkommen im Alter treffen soll, außer zu sparen und zwar – als Folge der gesunkenen Erträge meiner Vorsorgeprodukte – mehr als bisher.

Im Untertitel wird auf das Verhalten von Banken, die unter dem Nullzins leiden, abgestellt. Herrn Draghi soll keine Schuld treffen (mag sein), aber der Artikel beantwortet nicht, wer sonst schuld sein soll bzw. welche Handlungsalternativen die offenbar vom Autor nicht sehr geliebten Banken dazu hätten.

Es wird behauptet, ein höherer Zins würde den Zuwachs an Arbeitsplätzen insgesamt bzw. den Lohnzuwachs ausbremsen bzw. der aktuell niedrige Zins sei gut für die Beschäftigunsglage. Einen Beleg für diese These bleibt der Autor schuldig.

Es wird weiter behauptet, die unteren 40% der Haushalte könne der niedrige Zins mangels Geldvermögen ziemlich egal sein. Da bin ich mir nicht so sicher, dürften doch die meisten dieser Haushalte zur Miete wohnen und damit unter dem Anstieg der Mieten leiden, der nicht nur, aber m.E. eben auch auf die niedrigen Hypothekenzinsen sowie Kapital auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten in Immobilien verursacht ist.

Insgesamt überzeugen mich die Schlussfolgerungen des Autors nicht. – Michael Buscher

 

 

Leider fußt der Tenor Ihres prominent platzierten Artikels auf falschen Angaben. Sie belegen Ihre These, dass höhere Zinsen den privaten Haushalten praktisch nichts bringen würden mit einem Zitat der Bundesbank, dass das Geldvermögen eines mittleren bundesdeutschen Haushalts sich auf rund 17.000 Euro belaufen würde.

Hierbei haben Sie eine 0 unterschlagen. Richtig ist, dass das durchschnittliche Geldvermögen eines bundesdeutschen Haushalt 170.000 Euro beträgt. Damit würde eine Erhöhung der Zinsen um einen Prozentpunkt 1.700 Euro pro Jahr und Haushalt ergeben. Durchaus eine signifikante Größe.

Den Fehler hätten Sie auch durch eine kleine Kontrollrechnung mit Ihrer ebenfalls zitierten Zahl von 6,17 Billionen Euro Gesamtvermögen erkennen können, wenn Sie diesen Betrag durch die Anzahl der Bundesbürger (ca. 83 Millionen) geteilt hätten und mit der durchschnittlichen Anzahl der Bürger pro Haushalt (ca. 2) multipliziert hätten. Lassen sich bei Zugrundelegung der richtigen Zahlen Ihre Schlussfolgerungen aufrecht erhalten? –Burkhard Lange

 

 

Also so ist das mit der EZB und dem unsäglichen Herrn Draghi! Da stimmen zum Beispiel 10 Notenbanker gegen das neu aufgelegte Anleiheprogramm, das eigentlich jetzt enden sollte, aber Mario Draghi, (ein Italiener ist ein Italiener, ist ein Italiener) lässt weiter die Gelddruckmaschinen rasseln und kauft und kauft mit bedrucktem Papier, das EURO genannt wird, Staats- und Unternehmensanleihen, und sei es auch der letzte Schrott.

Mit dieser Methode könnte er demnächst der Versuchung nachgeben, sich nicht nur als Staatsretter, was expressis verbis der EZB verboten ist, sondern auch als vermeintlicher Sanierer von Firmen aufzuplustern, die aus irgendwelchen Gründen den Anschluss am Markt verloren haben. Kein Wunder, dass vor diesem Hintergrund Zinsen für Investitionen in die Altersvorsorge eine Fata Morgana bleiben. Wann hat es das je gegeben?

Ich möchte Herrn Schieritz empfehlen, das Memorandum, das vormalige EZB-Ökonomen Herrn Draghi in aller Öffentlichkeit vorgehalten haben und in dem sie die „anhaltende Krisenpolitik der EZB mit wachsender Sorge beobachten“, zu lesen.

Wenn er dann mit seinen fadenscheinigen Argumenten noch immer glaubt, als Apologet des Herrn Draghi in Sachen Zins- und Finanzpolitik der EZB auftreten zu müssen, dann erübrigt sich jede weitere Auseinandersetzung mit seinen Ansichten. Es wäre allerdings schade für „Die Zeit“. –H.-Jürgen Borchelt

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Fontane ist besser“ von Jens Nordalm

 

Hätte ich doch diese Woche DIE ZEIT besser nicht gekauft, ich kaufe sie unregelmäßig und diesmal entschied ich mich zum Kauf unter anderem wegen des Themas FONTANE. Beim Aufblättern des Feuilletons blieb ich gleich an der Überschrift FONTANE IST BESSER, dem Vergleich von EFFI BRIEST und MADAME BOVARY hängen, der doch beiden literarischen Kunstwerken nicht gerecht werden kann wegen der unvermeidlichen Reduktion auf vordergründig-inhaltliche Elemente und zwei kaum vergleichbare Romane zur Begründung einer Rangfolge einander gegenüberstellt.

Das ist so willkürlich und unangemessen wie der Vergleich zwischen Kirschen und Erdbeeren, die beide rotes Obst sind. Nordalm gefallen bei Fontane die schönen Dialoge, auch das Personal, allen voran die liebliche Effi , auch Nebenfiguren wie der tiefsinnig predigende Pfarrer in Fontanes Roman, während er für die Figuren und die Gestaltung des Romans von Flaubert nicht nur nichts übrig hat, sondern ihn auch Effi, ihre durch romantische Lektüre entfachten Sehnsüchte, ihre Leidenschaft, ihre Lügen, ihre Kälte, ihr Ende und auch der bittere Ausgang des Romans nicht berühren, ja ihm in ihrer Negativität missfallen.

Man ahnt so etwas wie den Standpunkt eines moralischen Realismus, hinter dem sich oft die Ablehnung der Moderne verbirgt. So wirft Nordalm Flaubert seine Mitleidslosigkeit vor, die bei der Gestaltung seiner Figuren bis zur Karikatur gehe. Auch sind in der Tat die Gespräche bei Flaubert mit leeren Phrasen und für das Milieu und die Zeit typischen Redewendungen versehen, hatte der Autor doch kritisch die sprachlichen Klischees seiner Zeitgenossen in einem Wörterbuch der Gemeinplätze gesammelt.

Das alles ist doch keine Charakterschwäche des Autors ,sondern führt als ästhetisch-inhaltliches Gestaltungsmittel ohne ausdrückliche Absicht ,wenn denn unbedingt das Moralische für Nordalm berücksichtigt werden muss, zu dem Menschlichen von Flauberts Roman , der eben unversöhnlich bleibt und darin letztlich ohne bewusste Intention eine radikale Kritik an den Verhältnissen übt.

Dass Flauberts Roman moderner und radikaler ist, zeigt sich auch daran, dass der Autor mit dem Material Sprache malt,was ihm den verräterischen Vorwurf Nordalms einbringt, sein Roman habe Längen, einer der kunstfeindlichsten typischen Vorwürfe. Ja, Flaubert äußert in einem Brief, dass er gerne ein Buch über NICHTS schreiben würde, was natürlich wegen des immer Bedeutung tragenden Materials Sprache nicht möglich ist.

So suchte Flaubert in der schäbigen tristen Provinzgeschichte ein von sich aus weniger attraktives Sujet, sozusagen einen Drecksklumpen, den er durch Durchformung , Rhythmisierung, durch all seine ihm zur Verfügung stehende Mittel in mehrjähriger Arbeit Glanz verlieh. Keineswegs sind seine Figuren mechanisch , auch schloss die Impassibilite als ästhetische Methode die Empathie des Autors zumindest mit der Hauptfigur nicht aus, in deren zentraler Gestaltung er mit seiner eigenen Romantik sich auseinandersetzte.

Das Madame Bovary, c‘est moi war keineswegs einfach daher gesagt. Bei Nordalm wittert man im Hingergrund die Frage, wo denn das Positive bleibe. Er wirft das Dargestellte dem Gestalter vor, bewertet es moralisch, wenn er auf den guten Willen der Figuren bei Fontane hinweist, der den Figuren Flauberts fehle.

Will man auf Nordalms Ebene bleiben, so könnte man von EFFI BRIEST sagen, dass alle Figuren zwar etwas schuldig werden , aber beste Absichten hegen und irgendwie alle unseres Verständnisses sicher sein können, denn das alles „ist ein weites Feld“.

Was Nordalm über künstlerische Moral sagt, ist spießig platt und gehört zu einer zeitgenössischen Tendenz Kunst und ihr Sujet schon nach völlig unreflektierten äußerlichen moralischen Kriterien zu bewerten.Flauberts Figuren gegenüber Empathie zu entwickeln verlangt ein anderes Bild vom Menschen, der ein rätselhafter Abgrund mit Schönem und manchmal viel Schrecklichem ist.

Es wäre interessant, wie Nordalm wohl Gregor Samsa und seine Geschichte beurteilt, womöglich würde er ihn und seine Geschichte mit der von Hanno Buddenbrook vergleichen und die Geschichte des letzteren der des ersteren vorziehen.

Man kann eigentlich kaum mit Erkenntnisgewinn zwei Kunstwerke vergleichen , indem man seinen so zufälligen wie sich verschiedenen Gewohnheiten verdankenden Geschmack zu irgendeiner „Objektivität“ zu erheben und mit Legitimation zu versehen versucht.

AUF DIESE WEISE kann man zwei große Kunstwerke nicht vergleichen , so wenig wie Kirschen mit Erdbeeren und Liebermann mit Manet. Der Literatur und der Vergrößerung des Interesses an ihr dient der Artikel weniger als der Bestätigung und Bestärkung von Ressentiment. – Michael Hucht

 

 

Wenn Jens Nordalm Fontanes Effi Briestim Vergleich mit Flauberts Madame Bovaryden Vorzug geben will, ist dagegen nichts einzuwenden. Ich stimme in vieler Hinsicht seiner Begeisterung für Fontane zu, nicht aber der in hohem Maße einseitigen und überzogenen Darstellung der Unterschiede zwischen dem deutschen und dem französischen Autor: also der Entgegensetzung von Flauberts „Gehässigkeit“, „Grausamkeit“ und „Gnadenlosigkeit“ im Umgang mit seinen Figuren und Fontanes „Milde“, „Diskretion“ und „Güte“.

Und besonders irritierend muss es wirken, wenn der Verfasser damit die „moralische Frage an das Künstlertum“ verbinden will und sich somit der Argumentationsweise von Kritikern der ersten Stunde anschließt, die Flaubert den Prozess machen wollten.

Mit seiner parteiischen Einschätzung, die ein wenig an die einer anderen Zeit entstammenden Klischees vom deutschen Gemüt und vom kritischen französischen Geist erinnert, wird Nordalm keinem der beiden Autoren gerecht. Es gehört zu Fontanes Qualitäten, dass er bei all der zur Schau getragenen Milde ein hartes Urteil über seine Figuren durchaus nahelegt.

Das gemäß Nordalms Formulierung mit „rückhaltloser Elternliebe“ ausgestattete Ehepaar Briest zögert nicht, die noch kindliche Tochter einem doppelt so alten Karrierebeamten zur Frau zu geben, der bereits um die Mutter geworben hat; und dieser Innstetten, für Nordalm ein bewundernswerter Mann von „erheblicher Sensibilität“, erschießt wegen einer längst vergangenen Affäre den Liebhaber und straft seine junge Frau mit eiskalter Unbarmherzigkeit.

Die besondere Qualität von Fontanes Figuren besteht sicher darin, dass sie alle über ein hohes moralisches Reflexionspotential verfügen, doch das schützt sie nicht davor, sich nicht nur von letztlich egoistischen Gefühlen, sondern vor allem auch von einer bedenklichen Hörigkeit gegenüber den Gepflogenheiten der konservativen wilhelminischen Gesellschaft leiten zu lassen.

All dies hat Fontane so gewollt, und dafür ist er zu bewundern.
Noch schwerer wiegt die Fehleinschätzung Flauberts. Wenn Nordalm ihm eine „brutale Überdeutlichkeit des auktorialen Erzählers“ ankreidet, so ist das schlicht falsch.

Flauberts Erzähler ist mindestens ebenso zurückhaltend wie der Fontanes, der hierin ganz offensichtlich dem französischen Autor gefolgt ist; und darüber hinaus versteht Flaubert es meisterhaft, die Figurenperspektiven so zu entfalten, dass der Leser intensiv an den Wahrnehmungen und Empfindungen der Protagonisten teilhaben kann.

Nordalms Behauptung, dass „man vergeblich in sich nach Mitgefühl für Emma sucht“, erscheint daher als eine – im besten Fall naive – Verallgemeinerung eines höchst subjektiven, mir nicht nachvollziehbaren Leseeindrucks. Natürlich sind Flauberts Figuren einfacher und beschränkter bzw. in anderer Weise beschränkt als die Fontanes.

Doch während Fontane bei seiner Version des Ehebruchthemas sich in durchaus traditioneller Weise darauf verlegt, Milieu und Gefühlskultur der Oberschicht in den Mittelpunkt zu rücken, ist es die Leistung Flauberts, dem Leser ein schlichtes, aus kleinen Verhältnissen stammendes Landarztehepaar in seinen scheiternden Lebenssehnsüchten nahezubringen.

Gerade das Mittelmäßige dieser hilflos in ihren Lebensumständen gefangenen Figuren trägt maßgeblich dazu bei, eine intensive Trauer über ihr Schicksal auslösen.

Dass Flaubert dabei mit den Vertretern des Zeitgeists wie dem Apotheker Homais sehr viel schärfer ins Gericht geht als Fontane, kann ebenso als Zeichen der Humanität gewertet werden wie die uneingeschränkt verständnisvoll erscheinende Haltung des deutschen Romanciers. – Prof. Dr. Wolfgang Matzat

 

 

Vielen Dank für die illustren drei Fontane-Seiten im Feuilleton vom 2.10.2019. Ein nicht unwesentliches Detail zu seinem wohl – auch nach dem Reich-Ranitzkyschen Kanon – bedeutendsten Roman „Effi Briest“ habe ich jedoch vermisst, welches sicher einer größeren Leserschaft bekannt sein sollte:

Das lebendige Vorbild für die Protagonistin Effi Briest war Elisabeth Baronin von Ardenne geborene Freiin von Plotho, die im Dörfchen Zerben bei Elbe-Parey im heutigen Sachsen-Anhalt in Flussnähe aufwuchs. Anders als die Romanheldin wurde diese großartige Frau, deren Jugend man in Zerben nachspüren kann, 98 Jahre alt. Sie starb erst 1952.

Sie war nach den tragischen Ereignissen zeitlebens allein geblieben, hatte sich sozial für Kranke und Bedürftige engagiert, mit 80 Jahren noch das Radfahren erlernt und als erste Frau einen mittleren Zweitausender bestiegen. In Zerben, wo heute am damaligen Schloss ein „Frauenort“ für sie eingerichtet wurde, war sie seinerzeit schon als Kind und junge Frau sehr beliebt, die Kinder nannten sie „unsere Else“.Ihre Geschichte wäre ganz allein einen ZEIT-Beitrag wert. – Hans-Peter Wannewitz

 

 

Soll der Artikel zum Vergleich von Theodor Fontanes Effi Briest mit Gustave Flauberts Madame Bovary eine Satire auf Literaturkritik sein? Hat es Fontane nötig, gegen Flaubert ausgespielt zu werden? Muss man Flaubert ‚exekutieren‘, um Fontane zu leben zu lassen? Als Kriterium der Literaturkritik jedenfalls taugt das nicht.

Flaubert „Gehässigkeit“ zu unterstellen, heißt die Tradition der französischen Moralistik zu negieren, damit dann auch gleich Montaigne, Voltaire. Fontane „Milde und Güte“ bei der Darstellung Instettens als „respektablen, ernsten, schönen Mann von erheblicher Sensibilität“ zu bescheinigen, unterschlägt die Brutalität, mit der dieser Effi „einem Angstapparat aus Kalkül“ (Spuk) zu unterwerfen sucht und ihr das eigene Kind entfremdet, vom Totschießen des Liebhabers ganz zu schweigen. Charles Bovary ist zwar nicht schön, aber ein seine Frau unwandelbar Liebender.

Eine der Fehlinformationen dieses Artikels ist von kapitaler Natur: Der Vorwurf, Flaubert sei ein auktorialer Erzähler (wie kann das, nebenher, ein Vorwurf sein?) Er ist das Gegenteil des allwissenden Erzählers. Er brachte als Neuerung die ‚personale Erzählperspektive‘ in die Literaturgeschichte ein, in der der Autor als Wortführer und Kommentator zurücktritt und durch das Bewusstsein seiner Personen spricht.

Dieser Technik verdankt sich die außerordentliche Intensität, mit der die Bewusstseinszustände der Titelfigur auf sehr moderne Weise gezeigt werden. Flauberts Darstellung richtet sich gegen die ideologisch-bourgeoisen Diskurse seiner Zeit und bleibt auch darin zeitlos.

Die ZEIT ist Flaubert, dessen Romanfiguren in dem Artikel als „Bagage“ denunziert werden, einen Artikel zur Gegendarstellung schuldig! – Dr. Doris Wendt

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Mal Revolutionär, mal Reaktionär“ von Ijoma Mangold

 

Als Liebhaber der Militärgeschichte fehlt mir ein wenig die Würdigung Fontanes als Militärschriftsteller. Seine Beschreibungen der deutschen Einigungskriege sind heute noch lesenswert und insbesondere seine Erlebnisse in Frankreich 1870/71.

Und allen, die meinen, früher wären Kriege irgendwie edler oder menschlicher gewesen, empfehle ich Fontanes Beschreibung der Plünderungen auf dem Schlachtfeld nach der Schlacht von Königgrätz/Sadowa. – Peter Pielmeier

 

 

Ich habe schon lange darauf gewartet, dass die „Zeit“ im Fontanejahr einen guten Beitrag liefert. Als Fontanefan habe ich den „Stechlin“ im vergangenen Jahr nach 45 Jahren noch einmal gelesen und war überrascht von seiner Tiefe und Weite, so dass ich Thomas Assheuer voll zustimme ,wenn er ihn „aufregend ereignisarm“ nennt.

Die religiöse Dimension kommt mir allerdings dabei zu kurz. Während Theodor Fontane als Apotheker in der diakonischen Einrichtung Bethanien arbeitete, hatte er nach der Beobachtung der Pförtnerin auffällig viel Kontakt zu Pastor ‚Schultz. Ein Freund fragt ihn einmal: Ist es so weitmit dir gekommen?

Mit PASTORIBUS lässt du dich ein. Willst du den Mann Gottes für deine rote Republik gewinnen oder wird er dich zum Frommen machen? Großer Wühler, bearbeitest du sein Hirtenherz oder bist du der Empfangende?

Eine Dissertation von Eckart Beutel im Kaiser,Gütersloher Verlagshaus trägt den Titel „Fontane und die Religion“ und beschreibt am Beispiel von Theodor Fontanes Werk und Person das neuzeitliche Christentum „im Beziehungsffeld von Tradition und Individuation“.Zuletzt entdeckte ich das Buch von Friedemann Coppoletta „Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde“ .

Wie es im Untertitel heißt, wird hier die zunehmende Bedeutung und Differenzierung der Bibel in seinem Gesaamtwerk untersucht. Ich bin gespannt auf die Entdeckungen, die hier noch zu machen sind, denn ich habe das Buch noch nicht erhalten und gelesen. – Helmuth Reske

 

 

Ich habe die Bitte an Herrn Ijoma Mangold, sich doch beim Verleger des 18-bändigen „Meiers Großes Universal Lexikon“ s dafür einzusetzen, dass in einer Neuauflage das Wort „Ambiguitätstoleranz“ aufgenommen wird. Mein Nachschlagen in der aktuellen Auflage war ergebnislos. – Walter Heinzer

 

 

Vielen Dank für diese glänzend recherchierte und formulierte Würdigung eines „ambivalenten“ Schriftstellers in seiner Zeit, an seinem Ort.

Auf die Frage, worin jene „jüdische Gesinnung“ eines „Stockjuden“ besteht, „die so stark sei, dass alle Versuche der Assimilation vergeblich seien“, gibt es eine Antwort, die so alt ist wie das Judentum und der Hass, der es von Anfang an begleitete: Der Glaube an einen einzigen allmächtigen Schöpfergott, der einzig das jüdische Volk unter allen Völkern „auserwählt“ hatte.

Ein Glaube, der zu einer Buchreligion führte, nicht der ersten, aber in Verbindung mit der christlichen Religion hierzulande die wirkmächtigste, deren Beweiskraft sich aus dem früh schon magisch schriftlich fixierten „heiligen“ Wort ergab, der Tora.

Der christliche Glaube, der zunächst seinen „Messias“ im „Neuen Testament“ mit den Weissagungen des „Alten Testaments“ begründete, stand allerdings von Beginn an in Konkurrenz zu dem spezifisch jüdischen, weil sich zwei unterschiedliche Absolutheitsansprüche ausschließen: Der eine wird als Angriff auf die Identität der jeweils anderen

Glaubensgemeinschaft empfunden – ein Konflikt, der sich infolge der Ausbreitung beider Religionen (Mission und Diaspora), die Hellenisierung (Paulus) und dann Erhebung der christlichen zur Staatsreligion verschärfte, in der Zeit Fontanes sogar eine „wissenchaftliche“ Begründungen fand:

die „Rassenlehre“ (vgl. dazu ZEIT 38/2019). Ach, hätte doch christlich-gläubiger Humor auch von jüdischem, insbesondere jiddischem gelernt: „Ja, Gott, wir sind dein auserwähltes Volk. Aber wofür hast du uns auserwählen dürfen?“ – Eckhard Heumann

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Pflege in den Hörsaal!“ von Klaus Hurrelmann und Doris Schaeffer

 

Als ehemaliger Landarzt möchte ich die Gegenposition einnehmen. Praktisch alle Studiengänge, außer denen der dualen Studiengänge produzieren Theoretiker, die der praktischen Tätigkeit am Ende des Studiums wenig gewachsen sind.

Nur die praktische Tätigkeit weckt das Interesse am theoretischen Hintergrund. Deshalb würde ich auch eine Kranken(Gesundheits)pflegeausbildung zur Grundlage des Medizinstudiums machen. – Wolfgang Stenner

 

 

Die Äußerungen von Fr. Schaeffer/Hr. Hurrelmann können so nicht unwidersprochen hingenommen werden. Dass die Akademisierung des Pflegeberufes hierzulande international weit hinterherhinkt, ist Fakt. Was mir aber bis heute fehlt, ist der Nachweis, dass Pflege international besser (fachlich), effizienter (in der Verwendung der Absolventen), attraktiver (im Wettbewerb mit anderen Ausbildungen) oder erfolgreicher (in der Patientenversorgung) ist.

Akademisierung ist Teil einer notwendigen Entwicklung – leider versagen hier m.E. die Hochschulen absolut, einen entsprechenden Mehrwert auch aufzuzeigen…oder auch nur ein klares Kompetenzprofil anzubieten. Eine Frechheit indes ist die Behauptung, dass Berufsfachschulen für Pflege oft nicht „das Niveau“ der dualen Ausbildung erreichen – das zeugt von eklatanter Unkenntnis sowohl des einen als auch des anderen Bereichs.

Mir ist kaum eine andere berufliche Ausbildung (schon gar nicht im Gesundheitswesen) bekannt, die eine eigene akademische Lehrerausbildung besitzt (Pflegepädagogik), einen solch hohen theoretischen Anteil hat (2100 UE), viel fachliche Expertise anbieten kann (Pflegekräfte, Juristen, Mediziner, Betriebswirte,…) und Anforderungen in dieser Breite verlangt.

Und im Gegensatz zu normalen Berufsschulen ist (zumindest in Bayern) der Anteil an fachfremden Lehrkräften minimal. Die Anbindung an ein Krankenhaus mag problematische Aspekte haben – allerding hat hier die Schule viel mehr Einfluss auf die praktische Ausbildung als dies bei dualen Partnern der Fall ist. Ich bin allerdings sehr gespannt, wie die Hochschulen jetzt die neuen Möglichkeiten des Regelstudiums nutzen. – H. Pintarelli

 

 

Zu dem Artikel von Frau Schaeffer und Herrn Hurrelmann möchte ich als examinierte Krankenschwester und Ärztin im Ruhestand folgendes anmerken: Es ist sicher auch lobenswert, die Krankenpflege theoretisch aufzuwerten, das ändert aber nichts daran, daß hierzulande die KrankenpflegerInnen einfach viel zu schlecht bezahlt werden!

Deutschland als eines der reichsten Länder in Europa steht mit der Bezahlung seiner Pflegekräfte auf den hintersten Rängen!! Von dem Gehalt kann sich niemand eine Wohnung leisten, zumindest nicht in einer Großstadt zu den marktüblichen Preisen, von den übrigen Lebenshaltungskosten ganz zu schweigen!!

DAS, meine Damen und Herren ist der Skandal, der mal beim Namen genannt werden muß!! Dazu kommt, daß durch den chronischen Personalmangel viele gut ausgebildete Pflegekräfte nach einigen Jahren so ausgebrannt sind, daß sie den Beruf aufgeben (müssen)!

Die Damen und Herren PolitikerInnen, gut (privat)versichert, haben davon offenbar keine Ahnung — sie sind (und werden nicht) davon betroffen (sein)!! Ein Aufwertung der Pflege sollte also zunächst einmal ganz praktisch erfolgen, nämlich durch eine ANGEMESSENE Bezahlung!! – Dr. med. Hildegard Emde

 

 

Wenn die Hürden für den Pflegeberuf noch höher gelegt werden, werden wir noch weniger Pflegekräfte bekommen! Und für ausländische Kräfte wird es noch schwieriger. Kontraproduktiv. – Rolf Wittig

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „In drei Drinks durch Dublin“ von Dimitrij Kapitelman

 

Ein interessanter Bericht von Dmitrij Kapitelman auf der Suche nach snugs in Dublin.

Einen „16-jährigen irischen Glenfiddich“ jedoch wird er nicht bekommen haben, „um den Pegel zu halten“ – ist er doch schottischer Herkunft. War der zuvor genossenen Cider bereits so stark? – Helmuth Feuerriegel

 

 

Nie und nimmer konnte sich Ihr Autor (Dmitrij Kapitelman) einen 16jährigen IRISCHEN GLENFIDDICH bestellt haben. Man muß seine Aussage daher unter „schriftstellerischer Freiheit“ abhaken. Der Glenfiddich ist PURE SCOTTISH und stammt aus Speyside.

Dass er sich anschließend einen 21 Jahre alten REDBREAST bestellt hat, läßt bei mir ein wenig Neid aufkommen. Ich schätze, dass seine Reisekostenabrechnung aus Dublin mit dieser letzten Bestellung den Tagesspesensatz gesprengt hat. Sláinte !! – Melitta Pichler

 

 

Ich hätte zu gerne das Gesicht der Person gesehen, bei der Ihr Pubtester einen 16 jährigen irischen Glenfiddich bestellt hat. Vielleicht hat der cider im ersten pub doch etwas die Sinne getrübt. Glennfiddich ist ungefähr so irisch wie Racke Rauchzart schottisch ist. Slainte! – Dieter Schreck

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „In der Dopingfalle“ von Cathrin Gilbert

 

Warum wird gedopt? Es geht um persönliches Ansehen und um Geld. Kritiker sehen Doping bei Sportlern noch aus der Einstellung eines sauberen, olympischen Amateurgedankens. Aber die Zeiten im Sport haben sich gewandelt. Sportler, die finanziell abhängig von sportlichen Erfolgen sind, müssen in relativ kurzem Zeitraum den Unterhalt für ihr Leben verdient haben.

Und die Frage muss gestellt werden dürfen: was machen eigentlich und in der sogenannten „freien Wirtschaft“ Mitarbeiter,-innen, von denen vorbildliches Verhalten und kompetente Ausstrahlung verlangt wird, wenn es ihnen psychisch oder physisch mal nicht so gut geht?

Nehmen sie dann nicht auch Mittel, um nicht nur nach aussen den Eindruck zu hinterlassen, der von ihnen erwartet wird, sondern auch bessere Leistungen zu erbringen, die ihnen ihren gut bezahlten Job erhält oder einen besser bezahlten Job ermöglicht.

Werden diese Mitarbeiter,-innen auch als Betrüger verunglimpft? Wenn ja, müssen dann nicht alle Menschen in leitenden Positionen wie Leistungssportler genaue Angaben machen, wo sie sich in den nächsten Tagen und Wochen aufhalten, um jederzeit unvorangemeldet auf leistungssteigernde Mittel überprüft werden zu können?

Natürlich würden wir alle aufschreien und die Datenschutzbeauftragten als Erste. Und das zu Recht! Aber Geld verdienende Sportler haben „sauber“ zu sein, haben ihr Geld „redlich“ zu verdienen. Das können wir Zuschauer gefäligst erwarten!

Aber Doping ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und findet sich bei Sportlern, Schülern, Studenten, Fitnessstudios, zur Leistung verpflichteten Menschen in allen Berufsgruppen. Für alle sollten Lösungen gefunden werden. Oder es wird so behandelt wie der Konsum von Alkohol und Tabak. Aber nur Sportler als Bösewichter oder gar als Betrüger herauszugreifen, das geht schon garnicht.

Richtig ist der rigorose Kampf gegen die Dopingindustrie zu führen, die leistungssteigernde, aber stark gesundheitsgefährndende Mittel mit verbotenen Substanzen unkontrolliert auf den Markt bringt. Aber leistungssteigernde Mittel wird es weiterhin geben.

Der Markt hierfür ist riesig und will bedient werden. Wie schwer es ist, das kontolliert geschehen zu lassen, ist in den Bereichen Alkohol und Tabak zu sehen. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. – Udo Bauer

 

 

Doping ist ungefähr so, wie töten ohne Zeugen. Hanno Seppelt steht auf verlorenen Posten. Leider!

Ich vergleiche das auch mit der Mafia, egal im welchen Land. Was tun? Freigeben, wie manche vorschlagen. Das Publikum scheint auch nicht sonderlich daran interessiert zu sein.

Die Kontrolleure sind auch nicht unbedingt die Fleißigsten, um es vorsichtig auszudrücken. Ich erinnere mich an Freiburg. Für mich stellt sich daher die Frage, gehört das Doping zum Sport wie das Training der Leistungssportler. – Gunter Knauer

 

 

Cathrin Gilbert weist daraufhin, dass Hajo Seppelt ganze Sportarten in Verruf bringt. Gerade bei den Ausdauersportarten wie Radfahren und Skilanglauf vermutet inzwischen fast jeder, ohne Epo können Sportler im Spitzensport nicht mithalten . Und auch beim „schneller, weiter , höher“ in der Leichtathletik weiß man, dass ohne Doping fast nichts geht.

Durch Aussagen von ehemaligen erfolgreichen Hochleistungssportlern (z.B. Ommer- Sprinter, Henning- Diskuswerfer) ist seit langem bekannt geworden, wie die Einnahme von leistungsfördernden Substanzen genau die 10% an Leistungssteigerung bringt, die es erlaubt in der internationalen Szene mitzuhalten.

Aber so kritisch inzwischen Sportjournalisten geworden sind, eine Sportart lassen die meisten unberücksichtigt. Der Fußball bleibt weltweit unbehelligt. Derweilen mehren sich die Anzeichen, auch im Profifußball hat die Dopingfalle schon lange zugeschlagen . Zum Beispiel wurde bei dem spanischen Dopingarzt Fuentes zwar auf den Spitzenfußball hingewiesen, alles wurde aber mit einem Mäntelchen überdeckt.

Insgesamt gilt höchstwahrscheinlich: Für die Erforschung von leistungsfördernden Substanzen, die nicht oder noch nicht nachweisbar sind, ist um ein vielfaches mehr Geld da, als für die Erforschung von Dopingnachweisen. Und obwohl die unglaublich hohen Ablösesummen, der moderne Sklavenhandel im Profifußball den meisten Fans bekannt sind, sind Woche für Woche die Stadien gefüllt. Warum eigentlich?

Bietet die Identifikation mit einem Verein das Gemeinschaftserlebnis, das es sonst kaum noch gibt? Bietet der Sachverstand im Fußball Gesprächsthemen über alle gesellschaftlichen Milieus hinweg?

Lassen sich über Tabellen, Erfolgserlebnisse vermitteln, die im realen Leben nur schwer zu realisieren sind? Muss die „eigene“ Mannschaft deshalb erfolgreich sein, um jeden Preis? Und gibt es Auswege? Vielleicht selbst Sport treiben und sich nicht nur als Fan erleben? – Helmut Gattermann

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Herr Sommerbambus und die Partei“ von Xifan Yang

Die Autorin gibt, auch aufgrund ihrer besonderen Familiensituation, einen aufschlussreichen Einblick in die Widersprüche ihres Landes, dem sie schon sehr früh den Rücken gekehrt hat. Sozialisation hat sie entfremdet und Familienbande zwingen sie zu Verständnis und Einordnung.

Das ergibt eine interessante Gemengelage für eine ausgewogene, menschliche Beschreibung. Der Satz: „Ich habe lange gebraucht zu verstehen, wie das sein kann.“belegt ihr Ringen und ihre Versöhnung.

Weißt du, die Partei hat mir 20 Jahre meines Lebens gestohlen“, sagte er mir einmal. „Aber sie hat mir auch die letzten 40 Jahre geschenkt. Und die waren die besten meines Lebens.“

Diese Worte, die man oft in China hören kann, bringen einerseits die Opferbereitschaft und andererseits den berechtigten Stolz auf die gigantische Aufbauleistung Ausdruck. Die Formel 70% der Mao Ära seien positiv bezieht sich auf die Befreiung von den Kolonialmächten und der Stabilisierung des Landes nach 30 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen, und 30% seien negativ auf die katastrophalen Belastungen seines Weges für die Bevölkerung. Trotzdem: selbst im Westen stieß in den 60ern die kleine rote Mao Bibel im Westen auf große Begeisterung.

Mein Fazit: Die Situation in China entzieht sich jeglicher Bewertung durch die eurozentrische Brille. Und Ähnliches gilt auch für andere interkulturellen Interferenzen. Wer das verstanden hat, leistet einen Beitrag zum Weltfrieden. –Uwe-Carsten Edeler

 

Um das Heute verstehen zu können, müssen wir uns mit dem Gestern beschäftigen. Danke für einen weiteren interessanten Baustein für mein Bild über China. Machen Sie bitte weiter mit Ihren neugierig fragenden, empathischen Reportagen. – Andreas Klingebiel

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „60 Zeilen … Liebe“ von Peter Dausend

 

Sie schreiben „Was ist schon Here Comes the Sunvon den Beatles gegen Here comes the Rain Again von den Eurythmics?“ und erwähnen auch noch weitere Lieder zum Thema Regen. In dieser Reihe vermisse ich schmerzlich den Beatles-Song, der schlicht Rain heißt, ursprünglich als Rückseite von Paperback Writererschienen ist und sich noch auf der Compilation Hey Judebefindet.

Es handelt sich dabei um eines der meistunterschätzten Stücke der Beatles, einen typischen John-Lennon-Song, der ganz maßgeblich von dem überragenden Schlagzeug-Spiel von Ringo (der in einem späteren Artikel dieser ZEIT-Ausgabe zu Wort kommt) getragen wird.

Man könnte auch sagen „Was sind schon all die anderen Aussagen zum Thema Regen gegen die ZeileCan you hear me?That when it rains and shines it’s just a state of mind„?

Diese Aussage wird doch allenfalls noch übertroffen vom Schluss des Liedes, wo es heißt Sdeah reiht edih dna nur yeht
semoc niar eht fi niar senihs nus –
da hat man einfach einen Schnipsel des Liedes rückwärts laufen lassen. – Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

 

Regen ist wunderbar! Vor dem Hintergrund der fühlbaren Erderwärmung und der Hitze und Dürre in Deutschland habe ich mich zuletzt im Urlaub in den Allgäuer Alpen über 4 Tage ergiebigen Dauerregen und die damit verbundene saftig grüne Landschaft gefreut.

Genießen konnte ich diese Tage ungeniert dank eines wasserdichten skandinavischen Regenmantels eines – zugegeben – häßlichen Goretex Regenhutes und meiner Fahrradregenhose.

Mit meinem Trenchcoat wäre ich leider bis auf die Haut nass geworden. Ungeniert deponiere ich bei entsprechendem Wetter eine Tasche mit Regenbekleidung im Schließfach des Theaters, um nach dem Theater- oder Konzertbesuch die eleganten Schuhe zu wechseln und trocken mit dem Fahrrad heimzukommen.

Auch zum samstäglichen Einkauf bei Regen in der Innenstadt kommen Fahrrad und Regenmantel statt Auto und schickerem Mantel zum Einsatz.

Schön, dass Sie überall mit einem Trencoat und mutmaßlich einem Schirm gut gerüstet fühlen – ich freue mich, auch bei längeren Aufenthalten im Freien zu Fuß und auf dem Fahrrad trocken zu bleiben.

Ach ja, auch durch Paris oder Rom laufe ich lieber stundenlang mit robusten Sandalen oder Turnschuhen (ohne Jack Wolfskinjacke!), als nach kurzer Zeit zu humpeln. – Heike Wetzel

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Einmal ein Selfie machen, wo der »Führer« stand“ von Constantin Goschler

 

Herr Goschler mag ja Professor für Zeitgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum sein, aber in seinem Artikel zeigt er tiefe Wissenlücken über das Thema, über das er schreibt. Das ist sein Problem. Aber es kann für die Öffentlichkeit nicht unwidersprochen hingenommen werden.

Seine Darstellung über den Umgang der Stadt Nürnberg mit dem Reichsparteitagsgelände ist historisch komplett falsch. Bis Anfang der 80er Jahre hat sich die Stadt mehr oder wenig erfolgreich der Auseinandersetzung mit dem Umgang dieses Geländes entzogen.

Das „Märzfeld“ und die sich weiter südlich angrenzenden Lagergelände für die Besucher der Parteitage wurden überbaut, heute ist das der Stadtteil „Langwasser“. Wesentliche Teile der Haupttribüne des „Zeppelinfeldes“ wurden unter fadenscheinigen Begründungen gesprengt, die Reste nach innen in der Haupttribüne versteckt. Dies stellt ein großes statisches Problem dar.

Aber seit etwa 1982 stellt sich die Stadt dem Problem und versucht damit umzugehen. Ich war in der Anfangsphase dabei. Die von so manchen Historikern oder Kulturwissenschaftlern (im Arikel erwähnt Norbert Frei Zeit Nr. 48/14) vom „kontrollierten Verfall“, die gerade jetzt immer wieder vertreten wird, ist eine absolute Chimäre.

Sie gibt es nicht. Ein „kontrollierter Verfall“ ist so sinnhaft wie ein „schwarzer Schimmel“. Einen Verfall kann man nicht kontrollieren. Das steckt bereits im Begriff des Verfalls und ich kenne die Baulichkeit von innen.

Der kontrollierte Verfall hieße, alle Baulichkeiten radikal einzuzuzäunen und sie rund um die Uhr auf Jahrzehnte hin zu bewachen, bis sie dann irgendwann in sich zusammenfallen. Das würde auch irgendwann geschehen. Aber wann, das weiß niemand. Deshalb die Aufforderung an alle, die sich dem Konzept des „kontrollierten Verfalls“ öffentlich anschließen:

Sprecht mit Bauingenieuren, sagt dann, wir sprengen das Ganze, schütten es mit Sand zu, und und und. Macht euch ehrlich und versteckt euch nicht hinter unreflektieren Gedanken von „Kulturleuten“, die wenig wissen, aber viel schreiben. Entsetzt bin ich über die Aussagen von Herrn Goschler über die wie er schreibt gern erzählte „Erlösungsgeschichte“ (der Stadt Nürnberg, meine Ergänzung)

Zitat: „Von der Stadt der verführten Volksgemeinschaft verläuft sie durch das Fegefeuer des Bombenkriegs und der Kriegsverbrecherprozesse bis in die jüngere Vergangenheit, in der Nürnberg als „Stadt der Menschenrechte“ aus der Asche steigen konnte. Das ist infam und falsch. Die Stadt Nürnberg hat sicherlich über Jahrzehnte Schwierigkeiten gehabt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Aber sie hat es dann getan. Und erfolgreich. Nirgendwo in Deutschland gibt es soviele erfolgreiche Projekte zu den Menschenrechten und zum Völkerrecht. Das sollte ein Professor für Zeitgeschichte wissen. (Und die zuständige Redaktion der Zeit auch). – Christoph Latz

 

 

Mit großem Entsetzen las ich über das Vorhaben zur Erhaltung der Zeppelintribüne in Nürnberg. Unglaubliche 85 Millionen Euro werden hierfür vom Bund, dem Freistaat Bayern und der Stadt Nürnberg bereitgestellt !! Ich möchte hier nicht aufzählen, was mit dieser Summe sinnvollerweise finanziert werden könnte.

In meinen Augen jedenfalls eine nicht zu rechtfertigende Geldverschwendung, ein kontrollierter Verfall (siehe Norbert Frei) ist das Maximum, was man diesem Schandfleck zugestehen kann ! Es wird noch nicht einmal in breiter Öffentlichkeit darüber diskutiert, ob bauliche NS-Relikte erhalten werden sollen.

Ein (kleines) Bronzemodell des Geländes würde völlig genügen, dann aber auch inklusive mit den in dem Artikel erwähnten Zeltlagern und Baracken sowie deren Verwendung. Dies würde zu einer Stärkung der Geschichtskultur durchaus seinen Beitrag leisten, wir benötigen keinen begehbaren „A.H.-Gedächtnispark“. –Dr. Jürgen Franz

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Die Geburtstagsinflation“ von Francesco Giammarco

etwas verdutzt bin ich schon, dass ihnen als moeglichkeit zum gratulieren am geburtstag eines wirklich guten freunds oder eines menschen, dem sie imponieren wollen nur die sms einfaellt. wobei die gleichsetzung eines guten freunds mit jemanden, dem man imponieren will, auf mich auch lidschaeftig wirkt.

kennen sie nicht mehr das mittel eines bogen weissen papiers, den man handschriftlich mit den besten geburtstagswuenschen beschreibt und dann mittels der allgemeinen post dem zu gratulierenden zukommen laesst?

gerne stimme ich ihnen zu, dass facebook gratulationen sehr niedrig aufzuhaengen sind. umso hoeher stehen handgeschriebene botschaften im kurs. dies ist zumindest meine erfahrung. – friedrich o.j. roll

 

Viele Dank für diesen wunderbaren Artikel, der mir aus der Seele spricht, und den ich – Verlinkbarkeit sei Dank – sofort auf meine Facebook-Seite verlinkt habe – natürlich mit dem Hinweis, dass ich ab sofort keine „automatischen“ Glückwünsche mehr verschicken werde.

Vergessen haben Sie aber leider auf das aus meiner Sicht in diesem Zusammenhang noch viel schlimmere FB-Übel hinzuweisen: Die neueste Masche mit der Aufforderung zu Geldspenden. Das sollten Sie nachholen. – Walter Krombach

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Die große Zuckerpanik“ von Sarah Schaschek

 

“Ich will, dass ihr Panik bekommt” – bei CO2 ok, bei Zucker nicht? Die wissenschaftlichen Fakten zur Klimaerwärmung haben sich in den letzten 30 Jahren nicht wesentlich geändert, die Wahrnehmung schon. Wenn Greta Thunberg heutzutage bei CO2 von Panik spricht, ist das für die Öffentlichkeit mittlerweile ok. Die Bewertung hat sich einfach geändert.

Wenn jedoch die Reduktion von Zucker in den Fokus der ZEIT gerät, wird nicht zum ersten Mal für Besonnenheit geworben. Hier ist keine Panik ok. Warum? Die Deutschen und alle anderen Industrienationen überschreiten seit Jahrzehnten die Zucker-“Grenzwerte” der WHO um mehr als 300%.

Die Belege für die desaströse Langzeitwirkung von Zucker in Bezug zu Karies, Zahnfleischerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Diabetes, schnelleres Altern und früheres Sterben sind so evident wie noch nie.

Die Bewertung hat sich einfach geändert: während in den 60igern nur das gesättigte Fett noch am Pranger stand, wissen wir heute das Zucker und fehlende Ballaststoffe genauso krank machen.

Sarah Schaschek stellt in ihrem Artikel doch fantastische Rollenmodelle für gesundheitsbewusste Eltern und Kitas dar, warum darüber lustig machen und nicht die Chance zum Gesellschaftswandel wahrnehmen? PS: Zucker macht nicht süchtig? Dann lassen wir ihn doch einfach weg! – PD Dr. Johan Wölber

 

 

Ihre Autorin ist wahrscheinlich in einer Zeit groß geworden, wo jeder gegen jeden ist. Ratschläge hin oder her; ich behaupte, nur wenige taugen etwas. Eigenartiger Weise kommen aus dem Norden (Dänemark, Schweden, Finnland) die besten wissenschaftlichen Vorschläge.

Mein Erfahrungswert (unbezahlbar) hat mich zu der Erkenntnis gebracht; in Deutschland sind die Bedingungen für die Erziehung der Kinder die denkbar schlechtesten.

Die Pädagogen sind fast alle bescheuert. Ich meine Pädagoginnen. Vater von 3 Kindern und lange Zeit im Elternbeirat einer Realschule in Düsseldorf. Meine Erlebnisse haben mich altern lassen. Die Schuldigen sind in der Partei der Grünen zu suchen. Wie sie wissen, ist Bildung Ländersache. Ich kann also nur für NRW und bedingt von Bremen sprechen.

In Bayern wird es sicherlich ganz anders laufen, wenn ich mir die Zahlen von Pisa anschaue. In Sachsen ist es ähnlich. Angesagt war die Selbstfindung der Schüler, im Klartext hieß das; die haben sich selbst zu erziehen. Und noch schlimmer; die mußten selbst herausfinden wie was geschrieben oder gerechnet wird. Brauchbares wurde kaum gelehrt. Diktate wurden verboten. Ja, sie lesen richtig.

Als mir der Kragen platzte, habe ich meine Söhne in Privatschulen gesteckt. Die meisten Eltern der Schüler sind von der gleichen Sorte. In meinem Fall waren die Drogen das bestimmte Zuckerschlecken. Süssigkeiten waren eher zweitrangig. Das alles hat dazu geführt, daß die Linken vor gut einem Jahr abgewählt worden.

Frau Kraft war schlecht beraten, die Grünen mit ins Boot zu nehmen. Die haben das ganz allein zu verantworten. Ich weiß, das fast alle Pädagoginnen mit dieser Partei sympathisieren. Das wird auch öffentlich zugegeben. Manche gehören auch der Partei zugehörig.

Seitdem haben die bis in ewige Zeiten bei mir verschissen. So erziehen wir Rotzlöffel heran, sagt; der schwedische Wissenschaftler David Eberhard. Wer kuschelt, der kuscht. Kuscheln und kuschen – das sind die beiden Enden der deutschen Volkspsychologie. Richtig wäre; sagen sie ihren Kindern nichts geht mehr. Fertig aus.

Ausnahmen sind die Regel. So haben wir, meine Frau und ich es geregelt. Die Kinder verstehen das auch, mann muß es nur tun. Wo bitte ist das Problem. Bestenfalls sind sie das Problem. – Gunter Knauer

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Falsche Idole bei der Truppe?“ von Jochen Bittner

 

Ich bekenne, ich gehöre zu jenen, die die Aufstellung der Johannesson-Büste in der Aula der Marineschule Mürwik für richtig halten und daran mitgewirkt haben, obwohl ich mich für einen alten Linken und kritischen Historiker halte. Wie ist dieser vermeintliche Widerspruch zu erklären?

1)Keine Frage, Johannesson hat im April 1945 fünf Todesurteile bestätigt. Ob er diese hätte verhindern können, ist nicht zu klären, aber auch unerheblich. Letztlich trägt er dafür die Verantwortung. Im Gegensatz zu anderen, die in gleicher Weise schuldig geworden sind, hat er, was Kritiker gerne verschweigen, diese Urteile später bereut.

So hat er, und dies dürfte nahezu einmalig für einen ehemaligen Verantwortlichen sein, sich entgegen der damaligen Rechtsprechung aktiv dafür eingesetzt, einer der Witwen eine Rente zu zahlen.

Ob er öffentlich hätte Reue zeigen müssen, ist eine unhistorische Argumentation. Diese übersieht, dass die Urteile der Kriegsgerichte erst 2008 durch einen Bundestagsbeschluss aufgehoben wurden, er also bis 1989, seinem Todesjahr, glauben konnte, trotz seiner Reue rechtmäßig gehandelt zu haben.

2) Die Aula der Marineschule ist anders als in früheren Zeiten ausdrücklich kein Ort mehr, um alte Helden zu verherrlichen. Ihre Neugestaltung soll Kadetten, Offizieren und Öffentlichkeit die kritische Auseinandersetzung mit den Irr- und Umwegen der Marinegeschichte seit 1848 zu ermöglichen.

Daher stehen dort neben Wellershoff und Kranzfelder auch Vordemokraten wie Prinz Adalbert oder Albrecht v. Stosch. Johannesson wiederum ist ausdrücklich ein Beispielfür die Brüche und Irrwege, aber auch die Schwierigkeiten des Neubeginns:

Er hat sich als einziger ehemaliger Admiral aus einer christlichen Grundhaltung heraus nach Kriegsende voller Überzeugung kritisch mit der Vergangenheit der Marine auseinandergesetzt und für einen demokratischen Neubeginn stark gemacht.

Dafür ist er von seinen alten Kameraden bis zu seinem Tode als „Nestbeschmutzer“ und „Verräter“ behandelt worden. Die Kontextualisierung der Büste macht diese Leistungen, aber auch die Schuld deutlich. Hier wird nichts verschwiegen, ein alter Admiral keineswegs als Idol verklärt.

3) Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte muss an dem zentralen Ort der Marineschule, der Aula, nicht, wie von Kritikern gefordert, versteckt im Hinterzimmer eines Nebengebäudes stattfinden. Diese Entscheidung ist, auch dies wird gerne verschwiegen, das Ergebnis eines langen, kritischen Diskussionsprozesses zwischen Kadetten, Offizieren, Historikern, Vertretern der Verbände und der Kirchen gewesen.

Hier haben keineswegs alte Admirale im Hinterzimmer aus falschverstandener Nostalgie einem der Ihren ein Denkmal setzen wollen. Diese demokratische Entscheidung einer Mehrheit will eine kleine Minderheit, die nur ihre Form der Erinnerung für richtig hält, nicht respektieren. Dies ist in einer demokratischen Gesellschaft nicht akzeptabel; es schadet dem kritischen Diskurs über Formen der Erinnerungskultur.

4) Und die „Erinnerungen“? Wer deren Entstehungsgeschichte nachverfolgt und Johannessons Exemplar mit Dutzenden kritischer Randbemerkungen mit der erschienenen Fassung abgleicht, kann nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Doch mehr darüber zu sagen, wäre zuviel für einen Leserbrief, obgleich diese Geschichte einen interessanten Einblick in die „Vergangenheitspolitik“ konservativer Kreise in den 1980er-Jahren erlaubt. – Prof. Dr. Michael Epkenhans

 

 

„Ihr, die ihr der finsteren Zeit entronnen seid, gedenkt unserer mit Nachsicht“ heißt es bei Brecht. Vielleicht kann daher die Büste des Admiral Johannesson in der Aula der Marineschule Mürwik doch stehen bleiben. Selbstverständlich aber nur mit allen Prämissen, die Sie dafür gefordert haben.

Man darf hoffen, dass sie den Offizieranwärtern dort als Anreiz dient, sich kritisch mit der Verantwortung militärischer Führerschaft und mit dem dazugehörigen Falsch und Richtig auseinanderzusetzen.

Viel drängender ist aber die Frage, ob die Jahrgangsbesten der dortigen Lehrgänge regelmäßig einen auf seinen Namen lautenden Ehrenpreis erhalten dürfen. Die Würdigung der Besten unter dieser Namenslehensschaft setzt nämlich viel zwingender voraus, dass Johannesson vollumfänglich als militärisches Vorbild akzeptiert werden kann. Hier hilft aber eine Entschuldigung des Admirals durch die Umstände der Vergangenheit wenig.

Vielmehr ist die Frage, ob sein gesamtes Handeln als Richtschnur für das Offizierkorps unserer Bundeswehr im Heute und Morgen taugt. Eine Umumstößlichkeit, die man mir in der eigenen Ausbildung zum Offizier der Bundeswehr beigebracht hat ist, dass ich keine Befehle erteilen oder befolgen darf, die gegen das Menschenrecht verstoßen.

An dieser Stelle scheitert daher die Überprüfung auf den Vorbildcharakter Johannessons. Das Unterzeichnen und Vollstrecken von Todesurteilen muss für den Offizier und Bürger in Uniform heute in jeder Lage unvorstellbar bleiben.

Die Antwort lautet also: Nein. Einen Ehrenpreis mit dem Namen Johannesson sollten sich die künftigen Ausbilder, Führer und Erzieher unserer Soldaten nicht an die Brust heften lassen.

Dafür muss ein anderer Namensgeber und ein anderes Vorbild her, auch wenn die Suche so schwierig wie nötig sein mag. Die Soldaten haben es aber verdient. – Dr. med. Ulrich Vortkamp

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Im Kerker der Vernunft“ von Peter Dausend

 

Vielen Dank für die wöchentliche Freude, die sie mir mit der ZEIT bereiten. All die spannenden Berichte und Reportagen, über aktuelles Geschehen, aber auch Artikel, welche einem sonst nicht begegnen würden und welche daher umso wichtiger sind.

Im Folgenden schreibe ich einen Kommentar zum Artikel „Im Kerker der Vernunft“ auf Seite 6 der aktuellen Ausgabe (41 vom 02.10.19) über die Kandidatur des SPD-Duos Klara Geywitz und Olaf Scholz: Der Artikel beschreibt sehr trefflich die Stellung von Olaf Scholz innerhalb der SPD, seine Stärken und Schwächen, sowie seine Chancen als SPD-Vorsitz gewählt zu werden. Beim Lesen des Artikels entsteht jedoch teilweise der Eindruck, Olaf Scholz würde als Einzelkandidat kandidieren.

Klara Geywitz, welche gemeinsam mit Olaf Scholz den SPD-Vorsitz anstrebt, wird auf der ganzen Seite ganze drei Mal erwähnt. Davon nur einmal nebenbei im Text, die beiden anderen Erwähnungen gehen auf das Konto von Überschrift und Bildunterschrift.

Da stellt sich doch die Frage, ob die Ursache dessen lediglich in einer etwas unemanzipierten Berichterstattung oder doch eher in den politischen Strukturen zu finden ist.

Böse Zungen mögen behaupten, um mit dem authentischen Grünen-Spitzenduo Annalena Baerbock und Robert Habeck mitzuziehen, müssen den dominierenden männlichen Anwärtern auf den SPD-Vorsitz nun ebenso Frauen zur Seite stehen, unabhängig von deren Bekanntheit oder Chancen.

Ich hoffe sehr, dass diese etwas zugespitzte Behauptung sich auch als solche entpuppt, nichtsdestotrotz würde es mich sehr freuen, wenn die künftige Berichterstattung emanzipierter und ausgeglichener stattfindet, denn schließlich gehören zu einem Duo immer zwei.

Dass es klappt beweist der Artikel der nächsten Seite, in welcher Nancy Pelosi unter anderem neben Adam Schiff als Schlüsselfigur beschrieben wird, welche Donald Trump möglicherweise des Machtmissbrauchs überführen könnte. – Timo Dreher

 

 

Wenn Peter Dausend über die SPD schwadroniert, klingt er wie ein beleidigter Liebhaber. – Klaus Jürgtens

 

 

                                                                      

 

Leserbriefe zu „Dieselskandal: Wann gibt es Geld für die Kunden?“ von Marcus Rohwetter

 

Knapp eine halbe Million „dieselgeschädigter Dieselfahrer“ klagen gemeinsam die Autoindustrie an, und wollen dafür einen Schadenersatz erstreiten, obwohl eigentlich gar kein finanzieller Schaden entstanden ist. Außer einiger weiterer Umweltschäden, ist doch wirklich nichts passiert.

Die Bundesregierung, die rudert indes auch nur noch in eine Richtung, nämlich nach zurück, und pfeift dabei auf die Umwelt, und die Autoindustrie, rudert und pfeift kräftig mit! Alles nur halb so schlimmt, gemeinsames „Pfeifen-Rudern“, könnte entschleunigend wirken.

Cirka 99,9% der Umweltschäden sind reines Menschenwerk, damit muss die Umwelt leben, und ob es der Mensch überleben wird, das ist wieder eine ganz andere Frage.Klaus P. Jaworek

 

Ganz gleich, wie der VW-Prozess ausgehen wird, der Autokonzern hat, insbesondere gegenüber seinen Kunden in Deutschland, moralisch bereits den Offenbarungseid geleistet. Diesen hanebüchenen Vorgang sollte man daher nicht nur juristisch und wirtschaftlich aufarbeiten, sondern auch von seiner durchaus gesellschaftlichen Wirkung her betrachten.

Wer also das Vertrauen von Geschäftspartnern und Kunden über lange Zeit gezielt missbraucht, ökonomisch wie ökologisch, sollte dafür die nachhaltige Verantwortung übernehmen müssen, an der es beim originären Handel und bei einer transparenten Aufklärung bisher eklatant gefehlt hat. Nicht zuletzt dem Braunschweiger Oberlandesgericht ist es nun überlassen, Ökosoziale Marktwirtschaft zu definieren.Matthias Bartsch

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „»Seine Situation sieht besser aus, als sie ist«“. Gespräch mit Armin Wolf geführt von Matthias Krupa

 

Seine situation sieht besser aus. Schon diese Aussage ist verkehrt. Es gab überhaupt keinen Zweifel daran, daß Herr Kurz nicht klar gewinnen wird. Jedenfalls für die politisch interessierten Bürger. Wenn die Medien jetzt ständig die Grünen als Koalitionspartner ins Spiel bringen, dann wäre es die denkbar schlechteste Lösung.

Das würden die meisten Bürger Kurz nicht verzeih’n. Was ich auch so sehe. Das zeigt mir auch, manche Journalisten wollen das nicht wahrhaben, daß die Linken unseren schlechten gesellschaftlichen Zustand zu verantworten haben.–Gunter Knauer

 

Felix Austria!Du besitzt einen alten und neuen Bundeskanzler und Regierungschef, der aufgrund seiner Glaubwürdigkeit und Gradlinigkeit beliebt ist wie nie.Der charismatische Brückenbauer Sebastian Kurz hat etwas geschafft, dass das deutsche Pendant, die CDU, bislang vergeblich versucht.

Er hat seine Partei, die nach den vielen Jahren der großen Koalitionen ziemlich verbraucht wirkte, grundlegend erneuert.Kurz erreicht junge Wähler, ohne dabei die alten, konservativen ÖVP-Anhänger abzuhängen.

Das Grundprinzip des politischen Stils von Sebastian Kurz ist die wirksame Kommunikation mit den Menschen vor Ort.Er lebt nicht in einer politischen „Blase“ fernab von den Alltagssorgen der Menschen.Es liegt ihm fern, sich moralisch über andere zu erhöhen.Funktionärsjargon oder abgehobene Schwurbelsätze würden ihm nie über die Lippen kommen.

Felix Austria!Du kleines, aber feines Land.Deine Natur und Bergwelt könnte nicht schöner sein.Deine Kultur ist genauso Weltklasse wie der Wintersport.Während in Deutschland ein Milliardendesaster entstand, setzt Du ein einfach konstruiertes Mautsystem wirkungsvoll um.Deine Bürger sind charmant und gastfreundlich.

Der Ausländeranteil an Deiner Bevölkerung beträgt nahezu 20 %.Bei der nachhaltigen Integration von Migranten können viele von Dir lernen.In der Asylpolitik beweist Du Herz, aber auch Verstand.Probleme gehst Du lösungsorientiert und pragmatisch an.

Aufgrund Deiner weitsichtigen Agrarpolitik können auch traditionelle kleine Bergbauern von ihrem Einkommen leben und für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Anbauflächen sorgen.

Deine Renten sind wirklich sicher. Du giltst auch für künftige Generationen als Rentnerparadies.Bereits vor 40 Jahren galt für Dich der Slogan „Atomkraft nein danke“.Deine Bürger müssen dennoch nicht Sorge tragen, wegen Energieknappheit plötzlich im Dunkeln sitzen zu müssen.

Wirtschaftlich stehst Du auf festem Boden.Deine Unternehmen haben genügend Cash in der Kasse, um ein deutsches Traditionsunternehmen wie Osram zu übernehmen.

Deutschland hingegen wird laut dem Chefökonomen der Allianz, Michael Heise, wirtschaftlich gerade nach unten durchgereicht.Es wird bald vorbei sein mit den sprudelnden Steuereinnahmen und Sozialabgaben.Im Gegensatz zu früheren Abschwungphasen droht dieses Mal den Wirtschaftsexperten zufolge eine tiefer greifende strukturelle ökonomische Krise.

Doch die Bundesregierung wirkt wie paralysiert und zur Gegensteuerung außerstande. Die wirtschafts-und sozialpolitische Reformrendite der rot-grünen Bundesregierung ist aufgebraucht. Die darauffolgenden Regierungen unter Bundeskanzlerin Merkel haben es leider vorgezogen, sich auf deren Lorbeeren auszuruhen. – Alfred Kastner

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „“Die Helden wurden umgebracht““. Gespräch mit Harold James geführt von Thomas Fischermann

 

Wer von der ewigen Identität von rechtem Denken und historischen Tragödien ausgeht, denkt falsch. Aber es bleibt ebenso falsch, wenn man Intellektuellen eine Haltung zubilligt, aus Protest rechtsradikal zu wählen. Dann sind Sie Dummköpfe. – Jürgen Dressler

 

 

Thomas Fisvhermann fragt den Historiker aus Princeton nach dem Ptroblem von Unternehmern mit Nazis in ihrem Betrieb und dem Problem der Denunziation. Die Frage wird wohl mit ja beantwortet, jedoch nach meinem Ermessen nicht mit der gebotenen Tragweite.
Sie ist für uns Nachgeborenen auch nur schwer zu erfassen.

Jedoch muss man sich vergegenwärtigen, dass die Nazis für ihre Zwecke sich einen Gummiparagraphen geschaffen hatten , die derartige Auseinandersetzunngen nicht nur heikel, sondern auch gefährlich machten.

Indem die Nazis auf den , von Paul v.Hindenburgper Notverordung erlassenen Paragrafen 134a StGB, mit dem 134b StgB aufsattelten, der einen speziellen Ehrenschutz für die NSDAP, ihre Mitglieder und ihre Machenschaften darstellte, war eine Kritik daran unter Strafe gestellt und lebensgefährlich. Die Anwendung dieses Paragrafen ist mir zwar unbekannt, doch dürfte er zu erheblichen Umfang zur Bevölkerung der Arbeitslager beigetragen haben.

Dem Historiker sei zugute gehalten, dass dieser spezielle juristische Effekt leicht zu übersehen ist und nachträglich in seiner Bedeutung nur schwer zu erfassen ist, zumal die Aufehebung durch den Alleierten Kontrolrat , Im Jahr 1946 diesen Paragrafen in der Vergangenheit verschwinden lässt. –Gruß B. Pufahl

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Mordbefehl aus Moskau?“ von Holger Stark

 

Da liegt der Herr Stark richtig.Einem Fall von Staatsterrorismus auf deutschem Boden muß eine entschiedene Antwort folgen.Aber wenn es denn die USA sind,die hinter einem solchen Anschlag stehen?Am 22.April 1991 im Berliner Friedrichshein. Der deutsche Staatsbürger Jens Karney wird auf offener Strasse vom US-Geheimdienst entführt.Dass er ein in die DDR übergelaufener US-Geheimdienstler war rechtfertigt ja wohl nicht solche Maßnahme in unserer Hauptstadt.

Und die deutsche Antwort kommt.Eine Protestnote verurteilt die Entführung als völkerrechtswidrig und wird sofort, 6 Jahre später 1998, übergeben.Reaktion der USA: Fehlanzeige. Ermittlung der deutsche Behörden gegen die Entführer: Fehlanzeige. Danach : Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind nicht gestört. Aber jetzt werden wir es den Russen zeigen. Wir haben daraus gelernt. – Dr.Hartmut Bockholdt

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Elite in Bruchbuden“ von Christine Prussky

 

Im Artikel „Elite in Bruchbuden“ schreibt die Autorin Christine Prussky, es sei im letzten Jahrzehnt kräftig in die Universitäten investiert worden, was sie mit einer Steigerung der Ausgaben um 36% begründet. Dem entspricht eine jährliche Steigerung von etwa 3,1%. Die mittlere Inflationsrate lagt in dieser Zeit etwa halb so hoch.

Trotzdem ist inflationsbereinigt der Anstieg mit gut 17% in einem Jahrzehnt bescheiden, zumal in dieser Zeit laut Statista.de die Zahl der Studierenden um 42% zugenommen hat. Wäre es nicht wünschenswert, wenn Journalisten und Journalistinnen Zahlen kritisch hinterfragen würden und wenn die Entwicklung dieser Kompetenz in ihrer Ausbildung breiteren Raum einnehmen würde? – Reinhard Oldenburg

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Frauen an die Macht“ von Lisa Nienhaus und Mark Schieritz

 

Ich bin für Lisa Nienhaus :-) !! Keinesfalls für die Riege der Neokeynesianer wie Fratzscher oder Schieritz, die eher mit leichter Hand die Haushaltsbremsen in Europa zu aller unserer Beglückung noch weiter lösen würden! – Hans Hardenberg

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Ikone des Regenwaldes“ von Evelyn Finger

 

Sehr beeindruckend, wie Sie uns den Häuptling Raoni Metuktire vom Volk der Kayapó, eines der ältesten indigenen Völker auf dem amerikanischen Kontinent, hier. Brasilien, nahebringen. Die immer noch einsatzbereite Abgeklärtheit dieses 89-jährigen Herrn, Abkomme eines stolzen Kriegerischen Stammes, der sich vom Töten des Feindes abgekehrt hat und mit friedlichen Mitteln versucht, für das Überleben seines Volkes zu kämpfen. Seit Jahrzehnten. Das beschämt.

Er ist, schreiben Sie, eine Autorität in der Weltversammlung „Religions for Peace“, war auch in Lindau. Ich h o f f e, er bekommt den Friedensnobelpreis und kann dann, vor aller Welt, die Worte wiederholen, die an den Westen gerichtet sind und die Sie ans Ende Ihres Artikels gestellt haben:

„Ihr seid auf einem Irrweg. Ihr zerstört die Bäume, die Pflanzen, die Tiere, die Flüsse. Aber all diese Dinge sind beseelt. Wenn ihr nicht aufhört, die Geister dieser Erde zu töten, stirbt die Erde selbst. Dann werdet ihr die Angst spüren, die wir schon so lange spüren.“ – Beate Schwärzler

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Kurzschluss im Finanzsystem“ von Heike Buchter

 

Erstmals seit der Finanzkrise von 2008 musste die US-Notenbank am Geldmarkt am 16. September intervenieren, um durch diese Notmaßnahme Liquiditätsengpässe im amerikanischen Bankensektor und daraus resultierende Steigerungen der kurzfristigen Zinsen bis auf 10 Prozent zu beheben. Heike Buchter weist zu Recht darauf hin, dass es „alarmierend ist, dass es keine eindeutige Erklärung für den Vorfall gibt“.

Denn die Parallelität zur Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 ist erschreckend. Und nicht nur die Analysten müssten ein Interesse an der Klärung haben, ob die Verwerfungen am US-Repo-Markt (Repurchase Agreement) mit einem einmaligen Vorgang aufgrund des Zusammenkommens von Sonderfaktoren zu erklären sind oder ob die Ursache für diesen „Kurzschluss“ in langfristig beunruhigenden Entwicklungen in der Zukunft zu suchen ist.

Denn das internationale Finanzsystem ist heute im Vergleich zu 2008 viel verwundbarer geworden, weil die Zahl der Gefahrenherde und deren Größe für die Destabilisierung des Finanzsystems stark zugenommen hat und dies nicht nur die Finanzwelt in Unruhe versetzen sollte. Ob die Federal Reserve Bank hier zu einer weiteren Aufklärung beiträgt? Die Fachwelt und die Öffentlichkeit sollten gemeinsam darauf dringen! – Hans-Henning Koch

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Prominent ignoriert: Dinkel-Berlin“ von PED

 

Als Architekt, Unternehmer, Erbe und Vermieter wundert man sich nicht über diese Zahlen, dass ist eine klare Folge aus der Politik mit Mietpreisdeckeln. Insgesamt ist zu bemerken dass die Politik den Mietmarkt nicht verstanden hat Neubau rentiert sich nur noch zum Verkauf der Wohnungen oder im Gewerbebau keine vernünftige Investor wird eine Mietwohnung bauen.

Von der Politik werden leider nicht die Rahmenbedingungen für günstigen Wohnraum geliefert. Das beginnt damit, dass Einzelheizungen im Wohnhäusern besser abrechenbar sind als weit effektivere Gemeinschafts Heizungen z.B. unterstützt durch Solaranlagen.

Bis zum Erbrecht das Eigentümer von Wohnhäusern , im Gegensatz zu Gesellschaften und Firmen, so besteuert dass diese verkauft werden müssen und dann in Eigentumswohnungen übergehen. Die langjährige Mieter werden dann aus den Städten verdrängt. Aus den Häusern entstehen dann WEG Einheiten ,ein sehr problematisches Rechtskonstrukt, dass baulich keine Entwicklung mehr zulässt und damit bis in alle Ewigkeit zementierten Städtebau darstellt.

Einer der wenigen Politiker der hier gute Vorschläge gemacht hat ist Hans-Jochen Vogel – z.b. schlägt er vor das der Wertzuwachs von Bauland beim Staat bleiben muss und neues Bauland nur noch in Erbpacht vergeben werden darf dass man Genossenschaften fördern muss – hier sieht man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat über die Langzeiteffekte.

Allerdings wurden diese Ideen „prominent Ignoriert“ (insbesondere von der SPD). Mietpreisdeckel sind dagegen eine unglaublich kurzsichtige kurzfristige Maßnahme die als Bumerang wieder zurückkommen. – Hannes Schelbert

 

                                                                      

 

Leserbrief zu „Das vergessene Organ“ von Harro Albrecht

 

Leider bleibt die heutige Schulmedizin und die Pharmaindustrie in der materiellen Forschung gefangen. Ich empfehle Ihnen einen Vortrag von Rudolf Steiner, den er am 28.3.1911 in Prag gehalten hat (in Okkulte Physiologie).

Heute greifen ein paar Firmen in der Naturmedizin geistiges Wissen wieder auf, leider von der sogenannten Wissenschat unakzeptiert: Phylak, Spagyros usw. Es wäre mir eine Freude, falls ich Ihnen zu tieferen Erkenntnis verholfen habe. – Hans Joachim Hühner

                                                                      

 

Leserbrief zu „Klick, klick, klick“ von Jan Schweitzer

 

„Wenn das Auge nicht sieht, ist es nicht blind sondern Kamera“ Hugo Kükelhaus. Ich habe meinen Kindern und Enkeln das Fotografieren nahegelegt, um das Sehen zu schulen. Die sogenannte KI in Smartphones ist vom Intellekt des Menschen ausgedacht, dabei ist ihm, dem Menschen entgangen, dass er sich gefährlich weit vom seelisch geistigen entfernt hat. Intellekt ist etwas ganz Anderes als Geist.

Die Schärfentiefe war schon Forschungsgegenstand der großen Leica. Unser Auge ist allerdings nur Tor zur Seele und zur Bildimagination im Innern des Menschen. Die jungen Menschen davon wegzubringen ist Ziel der Geister, die die künstliche Intelligenz propagieren. Was diese kleine Kameras können ist eben auch so interessant, dass eine Selbstbegrenzung fast unmöglich erscheint.

Ziel muss aber sein, ihr Bewußtsein zu einem kollektiven Bewußtsein zu schließen. Der Intellekt, der hinter der KI steht hat aber ein anderes Ziel, das der Vereinzelung und Vereinsamung trotz gewaltigen Mengen von Wissen.

Der MENSCH hat die Möglichkeit über das Sinnliche hinauszuschauen, da sein Geheimnis im Innern wohnt. Dies wird keine Digitalkamera jemals fotografieren können. – Hans Joachim Hühner

 

                                                                      

 

Leserbrief zu „Ich habe tatsächlich geweint“. Gespräch mit Ringo Starr geführt von Christoph Dallach

 

Ringo Starr (79 Jahre alt) Schlagzeuger, Sänger, Komponist und Spaßvogel, der bekannten Pop-Rock-Gruppe „The Beatles“, scheint fit wie ein Turnschuh zu sein, und tourt mit seiner Band noch ständig rund um die Welt. Ab und zu trifft er dabei, auf „offener Bühne, sogar auf seinen Kumpel aus früheren Tagen, Paul McCartney (77 Jahre alt), Bassist, Gitarrist, Pianist, Sänger und Komponist, der bekannten Pop-Rock-Gruppe „The Beatles“!

Nach 50 Jahren wurde nun die Beatles-LP: „Abbey Road“ nochmals „runderneuert“ aufgelegt, und landete prommt in den UK-Charts auf Platz 1. Was Boris Johnson, eine Brexiteer aus UK, darüber hält, das bleibt hier unerwähnt; jedoch dem Drummer Ringo Starr, dürfte dieser überraschende Charteinstieg von „Abbey Road“, auch wieder ein paar „Mäuse“ in sein Portemonaie spülen! – Klaus P. Jaworek

 

                                                                      

 

Leserbrief zu „Er ist noch zu haben“ von Claas Tatje

 

Morgens pflanzen wir einen neuen robusten Wald, mittags fliegen wir mit Condor rund um die Welt, abends grillen wir im Rinderwahnsinn, Fleisch aus Brasilien, und in der Nacht genießen wir unsere chronische Schlaflosigkeit. – Klaus P. Jaworek

 

                                                                      

 

Leserbrief zu „Jobs: Bedroht der Klimaschutz den Arbeitsmark?“ von Laura Cwiertnia

Ich finde, das die Sorgen um die Beschäftigung- nicht- übertrieben sind. Dieser Artikel überzeugt mich nicht. Eine Logik, die ich in dieser Art Studien nicht verstehe, ist die Feststellung, das z. B. “ in der Braunkohleindustrie sowieso bis 2030 etwa zwei Drittel der Beschäftigten in Rente gehen.

Es werden dort zwar Stellen verschwinden, arbeitslos werden aber viel weniger.“ Worum geht es denn eigentlich? Um Arbeitslose oder Arbeitsplätze? Es geht letztendlich um Arbeitsplätze. 2030 sind diese zwei Drittel Arbeitsplätze auch verschwunden.

Ein großes Feld ist die Autoindustrie. Der Artikel geht hier nicht auf konkrete Zahlen ein, die bezogen auf Produktionsausfälle der Zulieferbetriebe beträchtlich sind.

Zum Schluß eine satirereife Feststellung. „Die Diskussion wird teilweise sehr hysterisch geführt und geht an den echten Problemen vorbei.“ Hier kann ich nur an die bewußt geführte Katastrophen Stimmung der Klimaaktivisten erinnern.

Eine politische Phrase, die verboten gehört als Frage an Carola Rackete(ZEIT Ausg. 37): „Es sind Arbeitsplätze in Gefahr“. Begründung: Das Ökosystem des Planeten kollabiert gerade. Der Schlußsatz – „Gesamtgesellschaftlich aber müsse sich das Land keine Sorgen machen.

Die Energiewende ist ein ambitioniertes Projekt, aber es ist beschäftigungsneutral machbar.“ Ja dann. Gute Nacht, und schlaft schön. – Walter Schroiff

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Über umweltfreundliches Reisen und das Bahnfahren in der stürmischen Jahreszeit“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Wenn man dieses, pardon!, Machwerk liest, wundert man sich, wie tief ein sogenannter Kolumnist sinken, und fragt sich, wie weit nach unten eine seriöse Zeitschrift ihre Qualitätsmaßstäbe noch schrauben kann. Der Verfasser protzt mit seinen angeblichen Autos in der angeblichen Hoffnung, dass ihn „vor Neid triefende Hassmails“ erreichen. Geht es noch schlimmer?

Dabei hat er sich mit diesem alles Bisherige unterbietenden Text doch nur tiefes Mitleid verdient. Und die Hoffnung, dass es Redakteure gibt, die ihn in Zukunft davon abhalten, seinen Ruf als ernstzunehmender Journalist endgültig zu ruinieren. –Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann

 

 

Mit Entsetzen lese ich, wie Ihre Welt in Trümmer geht, wie Ihre Lieblingstiere von einer industriellen Fehlentwicklung geschreddert werden und man Ihr Wehklagen darob nicht begreift. Tröstlich ist aber doch, dass uns der Sekt nicht warm wird. Prösterchen! – Harald Bost

 

 

Es soll an dieser Stelle nicht darüber debattiert werden, auf welche Wetterlagen der Bahnverkehr vielleicht tatsächlich zu sensibel reagiert, sondern einfach nur betont werden, dass es normal ist, oder einmal normal war, dass sich menschliche Mobilität auch nach dem Wetter und anderen Naturphänomenen richten muss.

Wenn ein Baum, von woher auch immer, auf Schienen landet, dann ist es verständlich, dass dort für gewisse Zeit kein Zug fahren kann. Herr Martenstein schreibt aus einer Einstellung heraus, die kaum klarer offenbaren könnte, dass wir mit einer Erwartungshaltung leben, in welcher die Wirtschaft Vorrang vor Allem haben muss, selbst vor Vorgaben der Natur.

Es fehlt ihm, bei allem journalistischen Talent, wie vielen Menschen leider an der Phantasie, sich eine Welt vorzustellen, in der es auch einmal okay ist, dass Wirtschaftsabläufe sich nach der Natur richten. Selbst der zweite Ernteausfall durch einen Dürresommer in Folge scheint diese Tatsache hier nicht ins Bewusstsein zu rücken.

Man kann wohl zugeben, dass unsere Welt nicht untergehen wird, wenn eine Martenstein’sche Lesereise pausieren oder ausfallen muss, und sie sollte auch selbst dann nicht untergehen müssen, wenn auch andere Menschen, welche in Produktion oder Dienstleistung arbeiten, manchmal verspätet oder nicht an ihren Arbeitsplatz kommen.

Der gefürchtete Untergang tritt aber vielleicht auf lange Frist ein, wenn wir nicht lernen, wieder etwas realistischer und weniger mit durch ökonomische Modelle verblendeten Augen auf das Verhältnis unseres Arbeitslebens und der Natur zu schauen. Totalausfälle aus Wettergründen mal außen vorgelassen ist es sowieso zum Gähnen beim Thema Verspätungen Züge und Autos gegeneinander ausspielen zu wollen.

Jeder, der in dieser Debatte für das Auto votiert, kann auf keinen Fall vor Kurzem zwischen Hamburg und Hannover oder in einer beliebigen deutschen Metropole mit dem Auto unterwegs gewesen sein.– Matthias Koschnitzke

 

 

Bis jetzt war ich sehr begeistert von Ihrer Berichterstattung über den Klimawandel, sowie über die aktuelle Umweltproblematik und Umweltpolitik. Ich finde es auch richtig, dass Meinungen einen Platz finden, die dem Ganzen kritisch gegenüberstehen. Die aktuelle Kolumne von Herrn Martenstein im Zeit Magazin überschreitet jedoch meine Akzeptanz.

Zum Einen bedient er sich mehrfach an nicht begründeten populistischen Aussagen, die scheinbar die Strategien gegen den Klimawandel (z.B. Reduzierung Konsumverhalten) oder Personen (Greta Thunberg) ins Lächerliche ziehen sollen, zum Anderen – und das finde ich sehr erschreckend – hofft er sogar, dass er mit der Aussage über SUVs den Hass der Leser erzeugt.

Meiner Meinung nach übersteigt die gezielte Erzeugung von Hass durch einen Artikel die Druckbarkeit einer Kolumne. Oder können Sie mir Ihr das Ziel der Redaktion durch die Veröffentlichung solcher Artikel erklären?

Ich hoffe, es war die letzte Kolumne von Harald Martenstein, sonst werde ich demnächst das Magazin ungelesen in die Papiertonne befördern (und das ist auch nicht so umweltfreundlich). – Dr.-Ing. Christian Weingarten

 

 

Am Anfang kann ich ihrem Artikel als Glosse noch ganz gut folgen, wenn es auch für die Kurzstrecke nicht unbedingt eines Suffs bedarf. Den 300 SL lasse ich mal durchgehen. Ich habe, glaube ich, auch noch einen als Wiking H0-Modell, Maßstab 1:87. Das Ende des Artikel hat mir aber böse aufgestossen.

Das ist reines Windkraftbashing. Zwar ist der Bahnhof Aurich stillgelegt, aber besagte Windkraftfirma hat die Strecke nach Aurich für ihren Werksverkehr reaktiviert. Das Tochterunternehmen e.g.o.o GmbH führt als Eisenbahnverkehrsunternehmen jede Menge Transporte für Enercon und auch Dritte durch.

Vermutlich hat die Firma zusätzliche Strassentransporte. Eine Firma dafür zu geißeln, die sich explizit gegen den Trend für mehr Transport auf der Schiene einsetzt ist unangemessen.

Ebenso wie die olle Kamelle des Vogelschredderns. Das verursacht der Autoverkehr in einem viel größeren Umfang, darüber wird aber nicht diskutiert. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit des Vogelschlags bei einem SUV wesentlich größer als mit einem Cinquecento wegen des größeren Einfangquerschnittes. – Werner Bischof

 

 

Bis jetzt war ich sehr begeistert von Ihrer Berichterstattung über den Klimawandel, sowie über die aktuelle Umweltproblematik und Umweltpolitik. Ich finde es auch richtig, dass Meinungen einen Platz finden, die dem Ganzen kritisch gegenüberstehen. Die aktuelle Kolumne von Herrn Martenstein im Zeit Magazin überschreitet jedoch meine Akzeptanz.

Zum Einen bedient er sich mehrfach an nicht begründeten populistischen Aussagen, die scheinbar die Strategien gegen den Klimawandel (z.B. Reduzierung Konsumverhalten) oder Personen (Greta Thunberg) ins Lächerliche ziehen sollen, zum Anderen – und das finde ich sehr erschreckend – hofft er sogar, dass er mit der Aussage über SUVs den Hass der Leser erzeugt.

Meiner Meinung nach übersteigt die gezielte Erzeugung von Hass durch einen Artikel die Druckbarkeit einer Kolumne. Oder können Sie mir Ihr das Ziel der Redaktion durch die Veröffentlichung solcher Artikel erklären?

Ich hoffe, es war die letzte Kolumne von Harald Martenstein, sonst werde ich demnächst das Magazin ungelesen in die Papiertonne befördern (und das ist auch nicht so umweltfreundlich). – Dr.-Ing. Christian Weingarten

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „“Ich spüre diese Wut überall“. Gespräch mit Lars Dittrich geführt von Jana Simon und Moritz Müller-Wirth im ZEIT Magazin

 

Ein tolles Interview mit einem beeindruckenden Menschen! Manche Fragen der Reporter fand ich schwer vertändlich weil überzogen sozialromantisch (Geld und Macht KÖNNEN den Charakter verderben, das MUSS aber nicht so sein!), aber selbst diese Fragen haben einen neugierigen, offenen und am Gegenüber wahrhaft interessierten Menschen Lars Dittrich offenbart.

Und darüber hinaus wurde ein Teil der Gründe für die Wut im Osten greifbar. Je länger ich als Rheinländerin in Dresden lebe, desto besser kann ich diese Wut verstehen und empfinde sie inzwischen oft selbst. Im Westen wird eher vertikal kommuniziert, sprich: Wer ist oben und wer ist unten.“

Im Osten wird viel mehr im gesellschaftlichen Kontext und in Gruppenidentidäten gedacht und kommuniziert. Ich persönlich fühle mich dabei wohler. –Patricia Klein MBA

 

 

Vielen Dank, dass Sie sich dem Interview gestellt haben. Der Artikel hat mich stark bewegt und ich möchte meine Gedanken dazu mit Ihnen teilen. Ich finde, unsere Lebensläufe haben viele Parallelen.

Ich bin wie Sie 45 Jahre alt, bin ebenfalls im Osten aufgewachsen, allerdings in der ehemaligen Sowjetunion und gehöre damit zu den sog. Russlanddeutschen. Mit 15 Jahren, wenige Monate vor dem Mauerfall, kam ich nach Deutschland, musste die Sprache perfektionieren und in einer fremden Gesellschaft ankommen.

Dabei musste ich beruflich wie privat unzählige Situationen meistern, die ich aufgrund meiner Herkunft und Sozialisation als irritierend empfand. Meine Eltern bauten auf den mitgebrachten paar Hundert DM als „Reingeschmeckte“ in der Nähe von Stuttgart eine komplett neue Existenz auf.

Inzwischen bin ich im oberen Management eines Großkonzerns und damit in einem gewissen Establishment angekommen. Wenn ich Sie richtig verstehe, tragen viele Ostdeutschen eine Wut in sich, weil sie von den Westdeutschen (Politikern? Wirtschaftsbossen? Allen Wessis?) nicht die Wertschätzung erhalten, die sie verdient hätten.

Bei der Lektüre Ihres Interviews kam in mir die Frage auf, warum bei mir und in meiner Verwandtschaft keine solche Wut und Enttäuschung vorherrschen. Denn auch wir, die Russlanddeutschen, haben keinerlei Wertschätzung erhalten. Nie. Von niemandem. Dabei haben wir immerhin 70 Jahre massiver Diskriminierungen in der Sowjetunion überlebt und uns hier aus dem Nichts eine neue Existenz aufgebaut.

Die Generation meiner Großeltern ist von den Kommunisten aufgrund ihrer Nationalität in die GULAGs gesteckt und ins unwirtliche Sibirien vertrieben worden. Unzählige sind gestorben. Wir haben mehrmals unsere Heimat verloren und unsere Identität eingebüßt – dort waren wir die „Nazis“, hier wurden wir zu „Russen“. In der „historischen Heimat“ waren wir unwillkommene Fremde.

Wir mussten unseren Wohlstand in Deutschland mit eigenen Händen hart erarbeiten. Wir haben keine Heimatorte mit vom Steuergeld aufwendig restaurierten Altstädten und neuwertigen Autobahnen. Weder in den Führungsetagen der Wirtschaft noch in den Machtzirkeln der Politik sind wir adäquat vertreten. Mehr noch: wir sind gar nicht vertreten. Benachteiligungen und fehlende Wertschätzung, wo man nur hinschaut.

Ich denke, die beiden wichtigsten Gründe für die Abwesenheit von Wut und Enttäuschung sind Dankbarkeit und Selbstbewusstsein. Ich bzw. wir sind zutiefst dankbar für den Frieden, den Wohlstand und die Freiheit, die wir in der Bundesrepublik genießen dürfen. Wir werden hier auch nicht wegen unserer Nationalität oder aufgrund unseres Glaubens verfolgt – ein weiterer unfassbar wichtiger Grund zur Dankbarkeit.

Diese Dankbarkeit vermittele ich aktiv meinen Kindern. Dieses Jahr besichtigten wir die Mauer-Überbleibsel in Berlin und das GULAG-Museum in Moskau, damit sie in die Vergangenheit der Familie eintauchen und ihre gegenwärtige Lebensweise schätzen lernen. Mit Ihrer Wahrnehmung sind Sie offensichtlich nicht allein.

Am Tag der Deutschen Einheit las ich in der Thüringer Allgemeinen, dass Herr Ramelow noch viele Ungerechtigkeiten sähe und dass der Beitrag der Ostdeutschen zum Wohlergehen des Landes „gesamtdeutsch anerkannt“ werden müsse.

Dazu soll seitens der Bundesregierung eine „Vielzahl an Dialogen“ stattfinden, um den „Austausch über Erreichtes und noch nicht Gelungenes zu vertiefen“. Auf mich wirken diese Aussagen wie die Worte eines Co-Abhängigen: Ich, Ossi, bin nur glücklich, wenn Du, Wessi, mich glücklich machst.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über das Glück deuten darauf hin, dass lediglich 10% unseres Glücks von äußeren Umständen abhängen, jedoch ganze 40% von uns selbst beeinflusst werden können.

Außerdem wird die starke Auswirkung der praktizierten Dankbarkeit auf das eigene Glück betont (nur ein Link von vielen:https://www.happify.com/hd/science-of-happiness-infographic/).

Das wissen Sie sicherlich schon. Daher wage ich die These, dass niemand es schaffen wird, den Ostdeutschen jene Wertschätzung zu geben, die sie nachhaltig zufrieden und glücklich macht. Nicht eine ostdeutsche Kanzlerin, sogar wenn sie sich regelmäßig vor sächsischen Landschaften ablichten lässt. Nicht die Wirtschaft, sogar wenn es eine Ossiquote für Führungsetagen gäbe. Auch die nett gemeinten Dialoge werden die ostdeutsche Wut nicht vertreiben können.

Ich träume von einer ostdeutschen Gesellschaft, die voller Dankbarkeit auf das Erreichte schaut. Die dankbar ist, dass das Gehaltsniveau, welches früher um ein zigfaches unter dem West-Niveau lag, sich schon so stark angeglichen hat. Die selbstbewusst damit umgehen kann, dass es im Osten noch nicht so viele Großgrundbesitzer gibt.

Ich wünsche mir selbstbewusste ostdeutsche Menschen, die Wessis nicht als „böse“ wahrnehmen, nur weil diese sich aufgrund ihrer Sozialisation anders verhalten. Diese Haltung würde meines Erachtens viel mehr zur gesamtdeutschen Einheit beitragen als die schmollende Erwartung einer nicht näher definierbaren „Wertschätzung“.

Durch meine erlebten Irritationen eines „Reingeschmeckten“ mit Wessis ist mir seit einigen Jahren ein Zitat wichtig geworden, dessen Autorenschaft ich leider nicht mehr weiß: There are more problems in this world through people who decide to take offence than through people who really offend. Das versuche ich zu beherzigen.

Ich habe den Eindruck, viele Ostdeutsche haben sich in ihrem Beleidigtsein wohnlich eingerichtet. Sie entscheiden sich täglich gegen Dankbarkeit und für Wut. Ich hoffe, sie können sich eines Tages daraus befreien. Das wird aber nur eine Kraft vermögen – sie selbst. Mich würde wirklich interessieren, wie Sie das sehen. Wenn Sie mögen, schreiben Sie mir gerne zurück. – Viktor Boschmann

 

 

Sehr interessante Sicht auf die eigene Entwicklung Dittrichs und die in unserem Land nach 1990. Kleiner Korrekturhinweis zu S. 92:In den „Werkstätten für Keramik Hedwig Bollhagen“ wird Keramik und nicht Porzellan produziert. – Fred Villbrandt

 

 

In dem vorliegenden Interview bekundet Lars Dittrich Verständnis für die AfD Wahlergebnisse in Sachsen und Brandenburg.In diesem Kontext ist mir allerdings noch nie die gewagte Behauptung zu Ohren gekommen, dass alle Ostler Nazis wären.

Seine Hypothese, im Osten hätte man aus Parteienfrust und Gekränktheit mit der AfD- Wahl den tradierten Parteien einen Denkzezttel geben wollen hat allerdings einen Haken: Um seinen Frust zu zeigen bestand die Möglichkeit, ungültig zu wählen oder eine harmlose Splitterpartei zu wählen.

Die AfD, die aktuell immer heftiger mit ihrem rechten Flügel wedelt, die Klimakrise verleugnet und sich in rechten Sprüchen übertrifft ist nicht „irgendeine“ Partei, sondern bekanntermaßen die nationalistische Populistenvereinigung mit Verbindungen in rechte und rechtsradikale Netzwerke. Diese Partei zu wählen bedeutet auch, sie zu stärken, aufzuwerten und ihr Zugang zu Finanzen und Posten zu verschaffen.

Die AfD- Ostwähler , haben entweder die Inhalte dieser Gruppierung nicht gekannt (peinlich) , die Wahlalternativen nicht gesehen ( noch peinlicher) oder ganz bewußt diese rechtsnationalistische Gruppierung auch inhaltlich wählen wollen. Damit sind sie immer noch keine Nazis, aber vielleicht doch unerklärlich (hoffentlich endemische) Haustiere (Ostalische Braunhennen????) – C.Stellmacher

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Zurück in die Wanne“ von Anna Mayr im ZEIT Magazin

 

‚Das Warme im Menschen zum Vorschein bringen‘ durch Baden?!?! Dieser romantischen und einseitigen Vorstellung nebst Artikel muss ich einfach widersprechen. Meine Badewanne ist Standard wie wohl die der meisten Leute. Sie war und ist sehr praktisch, um Kinder, jetzt Enkelkinder einzuweichen, größere Textilien auszuspülen etc.

Ich selbst habe sie in 30 Jahren etwa 5 mal benutzt. Warum? 1. Ich entspanne mich am besten auf dem Bauch liegend. Habe ich in der Wanne versucht – geht nicht!! 2. Ich liege in der Wanne in duftendem Schaum, Kopf auf einem weichen Polster, aber ungemütlich, weil auf dem Rücken, Kerzen, Buch … wohlige Wärme bis zum Hals, Füße warm … Und was ist mit den Knien bei 1,80 Körpergröße ?!?!

Wenn ich sie wärmen will, beschweren sich nach kurzer Zeit die Füße oder die Schultern, je nachdem, was rausgucken muss!

Entspannung pur? Nee, lass ma‘! Die habe ich garantiert, nach dem duftenden Duschbad bäuchlings auf der flauschigen Couch, mit Buch und Kerze. –Brigitte Timme

 

 

Ihren Artikel fand ich ganz wunderbar! Von der Illustration bis zur Überlegung, große Politik und der Therme oder der Badewanne abhalten zu lassen…. – Oliver Schmidt

 

 

Ich habe eine neue Art des Duschens kennengelernt und muss diese unbedingt mit der Öffentlichkeit, vor allem aber Ihrer Autorin Anna Mayr teilen, von der der Artikel „Zurück in die Wanne“ stammt, der im Zeitmagazin Nr. 41/2019 erschienen ist. Ich hoffe Sie nehmen auch Leserbriefe zum Zeitmagazin entgegen und akzeptieren diese als Word-Dokument im Anhang.

Ich habe versucht, mich an das zu halten was wir in der Schule zum Leserbrief gelernt haben. Meine Matura ist nicht mal ein halbes Jahr her, also es sollte noch einiges hängengeblieben sein. Natürlich hoffe ich, dass sie meinen potentiell weltverändernden Beitrag drucken. – Marlene Walser

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zur Fotokolumne „Wer bist du?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

 

Ich verfolge von Beginn an die Fotoserie über Ihren Sohn. Jedesmal bin ich tief berührt und gleichzeitig sehr froh, dass die Zeit diese Fotoserie veröffentlicht. Aus diesen Fotos spricht einerseits so viel Liebe, auch Glücksmomente andererseits auch die Angst und Verzweiflung der Eltern.

Mein Bruder Alexander, der im letzten Jahr mit 55 Jahren gestorben ist, erinnert sehr an Ihren Friedrich.
Er war ebenfalls schwerstmehrfachbehindert, durch einen Sauerstoffmangel während der Geburt.

Wir haben ihn sehr geliebt und ich denke oft Sie schreiben über Alexander, wenn Sie zu Ihren Fotos schreiben. Danke für diese Fotoserie, die anderen Menschen vielleicht auch mal ein bisschen eine andere Seite, die das Leben auch haben kann, vermittelt. Alles Gute für Friedrich und seine Familie! – Petra Berns

 

 

Ich möchte auf diesem Weg Ihnen (und Ihrer Frau?) danken, dass sie jede Woche im Zeitmagazin Bilder Ihres bezaubernden Sohnes mit uns teilen. Ihnen und Ihrer Familie weiterhin alles Gute. – Ines Then

 

 

Schon länger möchte ich Ihnen schreiben, wie wundervoll und berührend ich die Fotoserie von Florian Jaenicke finde, mit der er aus dem Leben mit seinem Sohn Friedrich erzählt. DIe Bilder strahlen so viel Lebensfreude, Liebe und Wärme aus, ohne die Traurigkeit und Mühe dieses Familienlebens zu verbergen.

Ich freue mich jede Woche auf die Fortsetzung und bin immer gespannt, aus welchem Lebensabschnitt seines Sohnes Herr Jaenicke dann berichtet. Hoffentlich gibt es noch lange eine Fortsetzung. – Ulla Buse

 

                                                                      

 

 

Leserbriefe zu „Das war meine Rettung. Thaddaeus Ropac“ von Louis Lewitan im ZEIT Magazin

 

Ich habe gerade Ihr sehr interessantes Interview “Das war meine Rettung” im Zeitmagazin gelesen. Mir ist aufgefallen, das jemand in dieser Erzählung fehlt: Frauen. – Svenja Wichmann

 

 

Im Kunstmarkt 15 (KM 15) in Abenberg (Mittelfranken), da suchte der Vortragnde, die Annäherung an Joseph Beuys (1921-1986), einen doch sehr bekannten Aktionskünstler, Bildhauer, Zeichner, Kunsttheoretiker und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, der mit seiner Kunst und seinen Kunstaktionen, oft nur Kopfschütteln bei den Menschen hervorgerufen hat.

Joseph Beuys, wurde durch einen Flugzeugabsturz im 2. Weltkrieg, mit dem „Kampfflugzeug Ju 87“, am 17. März 1944 auf der „Krim“, total aus seiner Lebensbahn katapultiert. Er überlebte mit zig Knochenbrüchen und einem Absturztrauma, als einziger Bordinsasse, diese Katastrophe.

Seine Vorliebe für die Materialien Fett und Filz könnten mit dem Absturz und der Zeit danach, in der Gefangenschaft, zu tun haben. Wer den Vortrag über Joseph Beuys miterlebt hat, der dürfte nicht unbedingt schlauer nach Hause gegangen sein, aber der Vortrag könnte in ihm ein gutes und positives Gefühl, von „du kannst das, also mach auch mal das Ungewöhnliche“, mitgenommen haben, den die „Sterne, stehen meist sehr günstig dafür“.

Wer allerdings den Vortrag über Joseph Beuys versäumt hat, der hat auch einen sehr engagierten Vortragenden versäumt, der dann doch eine gewisse „Beuys´sche Art“, dem erstaunten Zuhörer, der erstaunten Zuhörerin, ganz relaxt vermitteln konnte.

Joseph Beuys verstehen zu können, das scheint ein „unmöglich Ding“ zu sein, egal was er auch immer „geboten hatte“, er wurde wahrscheinlich meist mehr gehasst als geliebt; richtig geliebt und verehrt wurde er von seinen Studenten und Studentinnen, für die er immer ein „offenes Ohr“ hatte.

„Joseph Beuys light“, Joseph Beuys, „mal so im Vorübergehen“; das geht so nicht, man/frau muss sich auf ihn einlassen können, offen sein für diesen großen Künstler. Joseph Beuys ist „kein Mann für eine Nacht“, und das hat er spätestens bei der Documenta 7 im Jahre 1982 in Kassel gezeigt, und dort sein großes Zeichen gesetzt; indem er einfach so „7000 Eichen“ gepflanzt hatte, und das alles nur aus Liebe zu den Menschen, aus Liebe zur Natur und aus der Liebe zur „Kunst“!

Mit der bekannten Ausspruch von Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“, beendete der Vortragende (s)einen sehr relevanten Vortrag im „KM 15“ in Abenberg. Gewidmet dem Galeristen Thaddaeus Ropac, dem Künstler Joseph Beuys und dem Künstler Andy Warhol.

Mein Dank gilt dem Vortragenden, dem Schriftsteller Billy Wechsler, Literaturpreisträger des Landkreises Roth (Mittelfranken). – Klaus P. Jaworek

 

                                                                      

 

Leserbriefe zum Wochenmarkt „Ein herrlich chaotischer Kuchen“ von Elisabeth Raether im ZEIT Magazin

Ihre Kolumne ist meine wöchentliche Freude der „Zeit“ und ich beginne die Lektüre dort. Ihre Vorliebe für Mangold teile ich und so habe ich manches Mangoldrezept nachgekocht, ebenso wie die Gemüsebrühe, Pflaumen etc. und meine Freunde infiziert.

Ich liebe die Rezepte, sie sind kochbar und unkompliziert, geschmacklich ein Genuss. Sie polieren das Image einer Berufstätigen Frau unendlich auf! Tausend Dank und bitte pflegen Sie diese Kolumne neben ihren anderen Interessen!- AutorChristiane Goeters

 

 

Als Nicht-„Mehlspeis“-Koch (obwohl Österreicher) meinte ich, mir immerhin Ihren Apfelkuchen zutrauen zu können, und hatte dann doch ein Problem: Das Verhältnis 75 g Mehl und 100 ml Milch ergab keinen „cremigen Teig“, sondern eine dünne Suppe.

Also meinte ich, noch etwas Mehl zugeben zu müssen (natürlich dann doch zu viel). Daher meine Frage: Waren die Angaben in Ihrem Rezept wirklich richtig? –Thomas Höhne

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Ruhe, bitte!“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Richtig, ich habe schon einen Piep-Ton im Ohr, wenn gar nichts piept. In der Aufzählung aber wurde vergessen… der Eierkocher! Meiner piept so dezent, dass die Eier immer hart sind. Jede Wohnung aber verfügt über einen Sicherungskasten. Wir stellen alles aus, was piepen könnte; besonders in der Küche. Auch der Sicherheit wegen.

Schlimmer aber als ein Piepton ist das was einem aus dem Fernseher entgegen dröhnt. Dieses Gerät versieht seinen Dienst seit 1.5 Jahren als laut-und bildloses Kunstwerk in der Stube. Wusste gar nicht, wie schön es ist, mal wieder Bücher von früher oder neue zu lesen, und Musik zu hören.

In meinem neuen Auto piept es jetzt in Stereo, und das Steuer wird mir – obwohl hellwach – ohne Piepton aus der Hand gerissen. Aber wehe, wenn jemand die Scheibe einschlägt. Welch Fortschritt!– Burkhard Breslauer

 

                                                                      

 

Leserbrief zur „Mieten-Nieten“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

Mir geht es mit Ihrem Beitrag so, daß ich mich angesprochen und verärgert fühle. Damit senden Sie negative Aussagen weiter. Schauen Sie bei „Schoenbourg Frankreich STUDIO SCHOENBOURG“ über Google mein Ferienstudio, das komplette Inserat, einmal in Ruhe und ohne Ihre Verallgemeinerung an.

Ich will nette Gäste, ihnen mein Elsaß, meine Heimat näherbringen – nicht auf großen Gewinn absehend. Die Einrichtung ist hand-geschreinert, im Einzelhandel gekauft. Was ich hier nicht bekam an Kleinigkeiten, bestellte ich per Internet. Zuerst inserierte ich bei Fewo-direkt, was unpersönlich wurde und ausgerichtet auf Gewinn. Bei Airbnb werde ich persönlich betreut, wenn ich Fragen habe oder es Ungereimtheiten mit Gästen (zwei bislang) gibt.

Die Kosten für Vermittlung sind moderat.Wenn man bei Airbnb Elsaß, Frankreich insgesamt durchblättert, findet man schon ganz individuelle Adressen. Lieder finde ich die Lodge eines Freundes in Irland gerade nicht, die ganz liebevoll und persönlich ausgestattet ist und betreut wird.

Man hat immer die Erfahrungen und Begegnungen, die mit einem selbst und seinen Erwartungen zu tun haben. Auch ich habe mit den beiden negativen Erlebnissen meine Erwartungen angeschaut und feststellen können, daß ich „selbst schuld“ war. Eine gute Einstellung für künftige Gäste war die Folge. Das war’s. Schön, bekäme ich von Ihnen Feedback.- Elfriede E. KLEIS

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Ich bin Zeit-Leser. Ihre Texte zu „Prüfers Töchter“sind neben den Janoschgeschichten für mich das Wichtigste aus dem Zeitmagazin. Besonders Ihr letzter Beitrag gefällt mir sehr, da ich selbst ein Gartenliebhaber seit Kindheit bin. Aber auch andere Beiträge haben mich beeindruckt. Z. B. „Die Mutter und ihr erstes Kind“, da ich selbst wegen falschem ärztlichen Rat ein negativ Betroffener bei meinem ersten Kind bin. Aber deswegen schreibe ich Ihnen nicht.

Ich habe in einem Text von Jörg Herrmann eine Aussage von Ihnen gefunden, die ich hier zitiere: „Ich glaube. Ich glaube, denn ich will glauben. Ich finde die Vorstellung, dass die Welt, in der wir leben, nur Zufall und Chaos ist, zu trostlos, als dass ich sie für wahr halten könnte. Ich glaube, dass es einen Sinn gibt, einen Sinn, in dem wir alle geborgen sind.

Einen Sinn, der höher ist als das, was wir begreifen können. Ich denke, Glaube ist ein Weg mit vielen Irrungen. Und ich hoffe, Gott wird mich und uns alle auf diesem Weg begleiten.“
Ich habe über 50 Jahre an diesem Thema gearbeitet. Ich war bei der Vorbereitung von Kirchentagen beteiligt. In der Kirchenreform war ich engagiert. Ich habe kirchliche Beteiligungsprozesse moderiert, in Kirchen Vorträge gehalten, in kirchlichen Zeitschriften viel veröffentlicht und eigene theologische Konzepte entwickelt.

Beruflich habe ich 16 Kirchen gebaut und dabei einen besonderen Stil entwickelt. Nach 50 Jahren Bemühung entdeckte ich eine Struktur, welche eine phantastische Harmonie der Weltgeschichte sichtbar machte. Dazu schrieb ich ein Buch. Diese harmonische Struktur der kollektiven Seelenentwicklung der Menschheit kann nicht von Menschen gemacht sein.

Hier muss eine höhere Prägekraft eine Rolle spielen. Und nun versuche ich die Erkenntnis in der Kirche und der Wissenschaft bekannt zu machen. Aber die Kirche und die Wissenschaft wehren sich. Beide wollen von einer überweltlichen Prägekraft nichts wissen.

Sie zweifeln nicht etwa den wissenschaftlichen Beweis an sondern sie sagen einfach, eine Verbindung von Glaube und Wissenschaft ist nicht akzeptanzfähig. Der wissenschaftliche Beweis wäre relativ einfach zu erbringen und zwar in einer für die Naturwissenschaften üblichen Beweisführung.

Das ist mein gegenwärtiges Problem. Ich habe die wissenschaftliche Entdeckung gemacht, dass die Welt, in der wir leben, kein Zufall und Chaos ist und „dass es einen Sinn gibt, einen Sinn, in dem wir alle geborgen sind.“ Aber niemand will von dieser Entdeckung etwas wissen. Auch von einer Überprüfung wollen sie nichts hören. Die Kirche sagt: Glaube und Wissenschaft hat nichts miteinander zu tun.

Und die Wissenschaft sagt, mit Wissenschaft kann man nichts über den Glauben aussagen. Beide weigern sich, das Thema überhaupt anzuhören. Sie sagen in dem oben zitierten Text, der Sinn wäre höher, „als das, was wir begreifen können.“ Das stimmt natürlich..Aber wir können mehr oder weniger begreifen. Und wir verwenden auch immer wieder die Wissenschaft, um etwas von dem höheren Sinn zu begreifen.

Ich wende mich an Sie, weil Sie in Medien etwas zu sagen haben und weil Sie mit Ihrem Buch mit Sicherheit auch Beziehungen zur Kirche haben und dort vielleicht Stellen kennen, die für ein Gespräch über dieses Thema bereit wären. Ich glaube auch durch das Lesen von „Prüfers Töchter“, dass Sie für Seelenanliegen anderer Menschen ein Gespür besitzen.

Aber sicher würden Sie sich erst genauer für meinen Ansatz interessieren, falls Sie sich nicht an eine der oben genannten ablehnenden Begründungen anschließen. Sie könnten zu diesem Thema eine Gegenfrage stellen und ich würde Ihnen darauf antworten – eventuell auch mit einem vorhandenen Text. – Theodor Henzler

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Gesellschaftskritik. Über das Alter“ von Peter Dausend im ZEIT Magazin

 

Ihr „Artikel“ über das neue Buch von Thomas Gottschalk; „Herbstbunt“, ist völlig überflüssig und unsinnig. Sie können Thomas Gottschalk nicht leiden; sieht ein Blinder. Warum machen Sie sich lustig über ihn ? Wenn Sie das Buch „doof“ finden, ignorieren Sie es einfach, anstatt öffentlich über ihn herzuziehen.

Wenn er Werbung für Hörgeräte macht, na und ? Sie wären wahrscheinlich froh, wenn Sie demnächst Werbung für Hörgeräte machen können. Sie sind ja auch nicht mehr der Jüngste; treten Sie dann auch zurück und verschwinden da, wo Sie niemand sieht ?

Gottschalk ist aus Ihrer Sicht alt, ein Kerl, der in der Versenkung versinken soll; aber wie sieht es denn bei Ihnen aus ? Sitzen Sie mit 70 Jahren auch im Schaukelstuhl und unterlassen alles, was Ihnen Spaß macht – dies forden Sie ja auch von Thomas Gottschalk.

Ich würde mir das Buch von T.G. auch nicht kaufen, jedoch lesen, wenn ich es hätte und es gibt viele, viele Menschen, denen das Buch gefällt und denen auch Thomas Gottschalk immer noch gefällt; wird das bei Ihnen auch so sein ? Ein Journalist ist für mich was anderes ! So viel Spott, so viel Häme – t o l l , Herr Dausend. Übrigens: Ihre Bücher kenne ich nicht, habe noch nie davon gehört. – E. Mattmüller

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „Zu Hause beim König“ Bilder von Martina Bjorn, Text von Tilmann Prüfer imZEIT Magazin

 

Auf den unter der o.g. Überschrift zu findenden Artikel über Axel Vervoordt war ich mich sehr gespannt, weil ich seine Arbeiten sehr schätze. Umso entsetzter war ich beim Betrachten der den Artikel begleitenden Fotostrecke. Ich habe selten etwas Uninspirierteres gesehen, ausgerechnet bei diesem Mann! Nun mag ja manches Geschmackssache sein.

Aber unverzeihlich finde ich es, wenn Sie Ihren Lesern Fotos zumuten, die schlicht totgeblitzt sind und die jeder Amateurfotograf sofort von seinem Gerät löschen würde. Das gilt für die Bilder auf den Seiten 31, 32 (rechts oben und unten sowie links unten) und 38 links unten.

Hätte der Autor selbst diese Bilder beigesteuert, so könnte man ihm den Rat geben, beim nächsten Mal jemanden vom Fach mitzunehmen. Ich bin versucht, ihm gleichwohl genau dies zu raten. – Thomas Friedenstab

 

                                                                      

 

 

Leserbrief zu „»Auf jeden Fall ging es immer um Macht«“. Gespräch mit Klaus Siemon geführt von Jörg Kramer in der Regionalausgabe ZEIT IM OSTEN

 

Auf der „Zeit im Osten“-Seite gibt es ein ganzseitiges Interview mit Herrn Klaus Siemon als Insolvenzanwalt im laufenden Insolvenzverfahren des Chemnitzer FC. Dies ist nicht der erste Artikel, den Sie diesem Sachverhalt digital oder analog widmen. Als jemand, der den Sachverhalt rund um das Insolvenzverfahren des Chemnitzer FC sehr genau kennt bzw. verfolgt hat, stelle ich leider fest, dass alle Artikel den Sachverhalt immer nur aus der Perspektive des Herrn Siemon darstellen.

Auch diesmal darf er unhinterfragt praktisch die gesamte Fanszene des Chemnitzer FC als rechtsradikal verunglimpfen, darf sich als den großen Kämpfer gegen diese rechtsradikalen Strukturen darstellen, dem -so suggeriert er- deswegen massive Ablehnung und Anfeindung entgegenschlägt. Subtil setzt er im Interview den Fanszene eV gleich mit den Rechtsradikalen, unterstellt, dass diese den Verein „übernehmen“ wollen.

Da ich den Sachverhalt zu einem großen Teil völlig anders wahrnehme, möchte ich Sie dringend bitten, zur besseren Urteilsfindung doch einmal die von Herrn Siemon kritisierte „Gegenseite“ zu Wort kommen zu lassen und wenigstens einmal auch RA Herrn Georgi oder RA Frau Neuerburg oder andere Vertreter der von Herrn Siemon so empfundenen „Gegenseite“ (RA Herr Lengtat, Herr Frank Sorge, Vertreter aus dem Fanszene eV, …) Möglichkeit zur Darstellung ihrer Sichtweise einzuräumen.

Wenngleich das Thema sicher nicht überregional von Bedeutung ist, mithin in einer überregionalen Zeitung wie der ZEIT eher nicht behandelt werden müsste, ist es angesichts der bislang ausschließlich einseitigen und -aus meiner Sicht- falschen Darstellung eigentlich mehr als geboten, hier den Lesern der ZEIT einen umfassenderen Einblick zu verschaffen.

Die Ablehnung, die Herrn Siemon und mit ihm Herrn Sobotzik und Herrn Bergner im Laufe des vergangenen Jahres zunehmend entgegenschlug, gründet nur zum kleinen Teil auf der Diffamierung der gesamten Anhängerschaft als irgendwie „rechts“, sondern vielmehr darin, dass Herr Siemon im Zuge des Insolvenzverfahrens versucht hat, den Chemnitzer FC eV als Hauptanteilseigner der neu gegründeten GmbH der Kontrolle der Mitgliederschaft zu entziehen, die nunmal grundständig für einen eV ist.

Es würde Bücher füllen, all seine Verleumdungen, Klagen und Lügen zusammenzustellen, mit denen er die handelnden Personen, die Mitglieder, die Fans, schlicht alle, überzogen hat.

Er wollte die 50+1-Regel aushebeln, indem der Form nach der Verein die entsprechenden Anteile hält, dabei aber vollständig unter Kontrolle der Minderheitenanteilseigner ist. Dagegen richtet sich der Protest in Chemnitz, nicht gegen seinen vorgeblichen Kampf gegen den Rechtsradikalismus.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie der „Gegenseite“ des Herrn Siemon die Möglichkeit einräumen würden, seiner Perspektive eine zweite Sichtweise gegenüberzustellen. – Michael Mally