‹ Alle Einträge

21. November 2019 – Ausgabe 48

 

Leserbriefe zu „Läuft nicht“ von Marc Brost

 

Es ist doch schön, dass man sich über Beiträge in der ZEIT noch wundern kann! Nach der Lektüre des Artikels von Marc Brost habe ich mich gefragt, ob wir wirklich beide im selben Land leben. Hier muss doch in kürzester Zeit alles zusammenbrechen: Unsere Häuser brennen ab, wir werden überfallen, im Krankenhaus sterben wir an Hospitalismus und der kranke Großvater muss im Schuppen dahinsiechen! Wo leben wir denn? Ich konnte mich des Eindruckes nicht erwehren, dass der Verfasser unter einem “Schlaraffenland-Komplex” leidet. Immer noch mehr für jeden – und zwar sofort. Und wenn nicht: Dann ist nur eine schuld – ANGELA MERKEL. Man ist geneigt, wieder einmal die gerne zitierte “schwäbische Hausfrau” ins Feld zu führen: Man kann halt nicht mehr ausgeben, als man einnimmt. Das haben viele in unserem Land leider immer noch nicht begriffen. Sie rufen, wie Herr Brost, nach dem Staat. Der Staat, der Staat, der Staat! Er soll es richten; denn Frau Merkel hat ja alles falsch gemacht. Es fehlt in diesem seltsamen Beitrag vor allem ein Wort: EIGENVERANTWORTUNG. Diese wäre übrigens auch ein probates Mittel gegen die furchtbare Partei am rechten Rand! Und noch ein TV-Tipp für Herrn Brost: Vor einiger Zeit saß Ihr Chefredakteur bei Herrn Lanz und führte ein bewegendes Gespräch mit Klaus von Dohnanyi. in dem dieser sagte: “Man wird in unserem Land Angela Merkel schon bald SEHR vermissen.” Ansehen lohnt! PS: Wie man es besser machen kann, könnte Herr Brost auf der S. 3 lesen. Die Analyse von Matthias Geis: Brillant!! – Dr. Peter Michel

 

Ich lese eure Zeitung regelmäßig und erfreue mich der meisten Artikel. Gerade die Neutralität und die interessante Gestaltung der Themenauswahl unterscheidet „Die Zeit“ von diversen anderen Tages-/oder Wochenzeitungen. So bin ich nach etlichem Probelesen Anhängerin eurer Zeitung geworden. Nun zum Anlass meines Leserbriefes: Heute wurde ich beim Aufschlagen der aktuellen Ausgabe ziemlich enttäuscht. Der Artikel „Läuft nichts“ von Marc Brost entspricht nicht dem Niveau, dass ich sonst von „Die Zeit“ kenne. Zuächst einmal fehlt es dem Artikel an Substanz. Es liest sich wie eine frustierte Schimpftirade eines gelangweilten Bürgers. Mag sein, dass es der Versuch ist das Publikum polemischer Zeitungen abzuwerben. Nur darf dabei eure Kernleserschaft nicht vergessen werden.

Der erwähnte Artikel bedient sich eines einfachen und polemischen Werkzeugs – nämlich unstubstanziierte Schlechtmachung. Getreu nach dem Motto, wenn ich genug schimpfe und alles schlecht rede, wird es schon in der vermeintlich „frustierten und negativ gestimmten Bevölkerung“ Anklang finden. Ungeachtet dessen, welche politische Meinung man vertritt, sollten Journalisten insgesamt und vor allem Autoren einer angesehenen Zeitung sachlich argumentieren und Fakten darstellen. Diesen Ansprüchen wird der Artikel in keinster Weise gerecht. Die banale Bezugnahme auf die gleichgeschlechtliche Ehe und die Flüchtingsdebatte sowie die Klimapolitik (alles drin was das lautstarke Herz eines polemischen Bürgers begehrt) und die damit begründete Unbeliebtheit der Kanzlerin lassen leider zu viele Fragen offen. Wer mit solchen – die Öffentlichkeit bewegenden Begriffen – so sorglos umgeht und sie in den Raum schmeißt um es erwähnt zu haben, führt meiner Ansicht nach entweder schlechten Journalismus zu Tage oder noch schlimmer: versucht die Stimmung anzuheizen. Wie kann ich diese Bezugnahmen sonst verstehen? Natürlich soll und darf jeder Themen aufgreifen, die das aktuelle gesellschaftliche Leben bewegen. Aber fehlen hier nicht Details, Fakten und Hintergründe? Kann man die aktuelle Situation wirklich nur gleichgeschlechtliche Ehe und Flüchtlingsdebatte runterbrechen? Hat wirklich Merkel allein und vor allem alles falsch gemacht? Wer dieses Thema in seinem Artikel behandeln möchte, sollte sich mehr Mühe geben und detaillierter recherchieren und niederschreiben. Das Fazit: „Merkel hat Flüchtlinge reingelassen, die Homoehe zugelassen und grün ist sie auch nicht“ ist nicht ausreichend und kann so nicht stehen bleiben. Würde ich auf diesem Niveau und ohne Substanz mich informieren wollen, würde ich mich an die Parteiprogramme mancher Parteien halten und eben nicht „Die Zeit“ lesen.

Auch möchte ich zur Debatte etwas beitragen, dass zum Inhalt des Artikels wurde – nämlich die Unbeliebtheit der Kanzlerin und die Politikverdrossenheit der Nation. Villeicht zunächst einige Infos zu meinem Hintergrund: Ich bin ein in Deutschland geborenes Kind von Gastarbeiter-Eltern. Ergo: Ich bin eine (glückliche) Deutsche, die dankbar ist auf den familiären Hintergrund, da es mir eine weitere schöne Welt und Kultur eröffnet hat und ich durch diese Erfahrung villeicht etwas mehr über den Tellerrand hinausschauen kann. Auch bin ich anders als anscheinend viele andere Mitbürger unserer Gesellschaft (alle 83 Millionen einbezogen) nicht enttäuscht von meinem Leben, von der Politik und der Gesellschaft. Ich kann die negative Stimmung tatsächlich nicht nachvollziehen. Das Hauptproblem scheint die Perspektive zu sein. Wer nämlich in die Welt hineinschaut und sich fragt: Was können andere für mich tun, was kann die Politik für mich allein als Person tun oder was könnte ich denn noch alles haben und was habe , wird es schwer haben je die Schwelle der Zufriedenheit zu überqueren. Wäre da nicht ab und an mal die Perspektive angebracht: Was habe ich alles? Insbesondere mit Blick auf die restliche Welt! Natürlich bin ich selbst auch der Meinung, dass man sich am eigenen Standard messen sollte, aber nur rein aus Fairnessgründen, könnte man ja mal den Seitenblick wagen und sich überlegen, was ist denn alles möglich in der Welt? Gibt es denn überhaupt eine Regierung, eine Staatsform, eine Gesellschaft, die alles besser gemacht hat als WIR? Und zwar ohne milliardenschwere Rohstoffe wie bspw. Öl, sondern nur mit eigenem Fleiß und eigener Tüchtigkeit. Die meisten wissen gar nicht, wie schwer und undankbar es ist, solch eine Gesellschaft zu regieren. Entweder sind wir Nazi oder Sozio, kurz vor dem Abgrund oder uns geht es zu gut, konservativ oder islamisiert usw. je nach Blickwinkel natürlich.

Hier mal meine Perspektive: Wir haben das Privilileg uns wirklich multikulturell zu nennen. Wir vereinen so viele Gesichter, Hautfarben, Religionen, politische und weltanschauliche Ansichten sowie unterschiedlichste Familienkonstellationen und vor allem diverse sexuelle Orientierungen. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes: eine offene und tolerante Gesellschaft. Auch kann in Deutschland jeder seine Meinung offen kundtun, sofern sie nicht unsere Gesetze (gerade diese sichern uns unser Recht auf freie Meinungsäußerung) verletzen. Oder kennen Sie jemanden, der wegen seiner öffentlichen Meinung verhaftet wurde? Ich nicht. Das „vernichte die Ausländer“ oder „vergase all diejenigen, die nicht in mein Gedankengut passen“ nicht salonfähig ist und da auch kein Anspruch auf solche Äußerungen bestehen kann, versteht sich von selbst. In diesem Fall sich als Opfer darzustellen und Deutschland eine Art totalitäre Rolle zuzusprechen pervertiert unser Grundrecht auf Meinungsfreiheit.

Auch das sogenannte „leidige Gespare unserer Politik- sprich die schwarze Null“ ist aus dem Kontext gerissen. Leider leben wir in der wirklichen Welt und ich muss all jene enttäuschen, die glauben man kann auf noch höherem Ross leben als jetzt ohne die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht zu bringen. Man sieht es doch an diversen Staaten, die sich eben weniger Gedanken um die Steuern, um Korruption und Beamtengehälter und Pernsionen Gedanken gemacht haben. Ergebnis: möglicherweise Staatspleite. Entgegen der Meinung vieler, werden diesen Ländern nciht einfach Geld geschenkt. Sie geraten durch die Hilfen in jahrzehntelange Abhängigkeit. Möchten wir das? Mit Sicherheit nein! Dennoch möchte ich hier nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen, denn ich bin kein Ökonom. Aber ich denke, es ist nicht verkehrt in guten Jahren etwas rationaler mit Geld umzugehen, um so schwierigere Zeiten zu überwinden.

Aber ich sehe, dass in der unteren Einkommensschicht heute teilweise erhebliche Schwierigkeiten bestehen existenzsichernd zu leben. Hier und an anderen Stellen kann man auf konstruktive Art und Weise die Politk auffordern aktiv zu werden. Nur mit „Alles ist schlecht“ kommt man nicht weit. Einige Berufgruppen brauchen unsere Unterstützung. Dieser Einsatz muss aber konstruktiv und kontinuierlich sein. Sonst hat es den faden Beigeschmack des auf den Zug aufspringens und des Vergessens, wenn es interessantere Themen gibt. Auch dürfen all diejenigen denen es aktuell besser geht, als jene die in der Diskussion sind, bei der Ressourcenumverteilung mal, wenn auch ganz kleine, Abstriche machen müssen nicht vergessen.

Ich bin wie erwähnt ein Kind von Gastarbeitereltern und insbesondere einer alleinerziehenden Mutter, die bis zu ihrer Rente Putzkraft war. Zugegeben hatte ich vergleichweise nicht die optimalsten Bedinungen am Anfang. Auch hatte ich in meiner Generation (Jahrgang 1988) noch mit einigen wenigen rassistischen Begegnungen, sogar innerhalb der Lehrerschaft, zu kämpfen. Den schlechten Erfahrungen standen und stehen aber immer viel viel mehr positive und neutrale Erfahrungen. So wäre es doch eine zu einseitige Sichtweise, würde ich mich auf die schlechten Erfahrungen konzentrieren. Weiterhin durfte ich kostenfrei/fast kostenfrei den Kindergarten besuchen, kostenlos die Schulbildung genießen. Auch kriegen Eltern, egal ob deutsch oder nicht, Unterstützung etwa bei den Bücherkosten falls notwendig. Ergebnis war in meinem Fall Abitur und Studium. Durch entweder Unterstützung der Eltern oder Bafög, konnte ich mein Studium finanzieren und schulde dem Staat eben keine 200.000 Euro/Dollar. Aus rein eigenem Antrieb habe ich nebenbei gearbeitet – auch nur mit Bafög wäre ein existenzgesichertes Leben möglich gewesen. Sollte ich denn Anspruch auf mehr haben? Reichen nicht eine Wohnung, ausreichend Essen, Fernseher, Computer und angemessene Kleidungsstücke (nicht kaputt, ordentlich und stylisch- trotz günstig in DE möglich) für ein Studentenleben aus? Haben Auszubildende und arbeitende Menschen so viel mehr? In meinem engsten Familienkreis wurden zwei schwere Krankheiten diagnostiziert. Hatte ich keine verzweifelten Momente im Kampf um schnelle Arzttermine für meine Liebsten? Natürlich! Aber rückblickend kann ich nur sagen: Danke an unser Gesundheitssystem! Alles in allem haben wir eine mehr als ausreichende Versorgung, fast komplett ohne Zusatzkosten. Wie viele Gesellschaften können das behaupten? Auch aus der positiven Perspektive sind die Beispiele unendlich. Ich belasse es aber bei diesen.

Punktuell gesehen machen sicherlich andere Länder einige Sachen besser. Aber im Kontext und in der Gesamtheit funktionieren wir als Gesellschaft ziemlich gut. Wir sollten mehr Stolz auf unser vielfältiges und sicheres Zusammenleben sein. Und wenn es um Thema Integration geht: Es ist nie einfach sich zwischen diversen Kulturen zu bewegen. Aber Ankommen ist auch immer eine bewusste Entscheidung des Einzelnen. Ankommen heißt zudem nicht, dass man nicht zurück kann oder sich nicht zwischen den Zielen bewegen kann. Vielleicht sind es keine zwei Zielenden, sondern ein Lebenskreis ohne Anfang und Ende. Nichts ist schwarz-weiß, erst Recht nicht unser Bewusstsein. Das kann weder auf schwarze Haare noch auf arisches Blut reduziert werden. Alle kann man nie einfangen, aber wir versuchen so viele wie möglich mitzunehmen. Nicht jeder ist bereit mitzugehen. Wir sind nicht perfekt. Aber Perfektionismus wäre nur möglich, wenn alle Menschen dasselbe als perfekt empfinden würden. Wir sind aber ein Zusammenschluss von 83 Millionen Individuen. – Melek Mounzer

 

Das Anti-schwarze-Null-Argument: „Zur Zeit ist vieles marode, wir brauchen einen gewaltigen finanziellen Kraftakt, und dann sind wir für die Zukunft erst mal durch“ wird durch die Erfahrung widerlegt. In 10, 20, 30 Jahren werden wir ebenso viele Ideen für nützliche Dinge und wegen höherer Rückzahlungen weniger Geld dafür haben. – emer. Prof. Werner Koetz

 

Ein Mitglied, Wähler oder Sympathisant der CDU oder von Angela Merkel und ihrer Politik bin ich –bei allem Respekt- nicht, aber die Formulierung, dass sie 2015 eine Million Menschen in unser „Land holte“ (!), ist m. E. unfair, böswillig – und AfD-Sprache. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas jemals auf Seite 1 der ZEIT lesen würde. Ein böses Zeichen für Gegenwart und Zukunft?! – Michael Spehr

 

Es wundert mich in der ZEIT zu lesen, „dass Angela Merkel eine Million Menschen in ein Land holte“. Ich dachte diese Menschen waren schon auf dem Weg nach bzw. durch Deutschland. Sie hat das gemacht, was in dieser Stunde und Situation notwendig war. Man stelle sich die Bilder vor, die uns die Medien gezeigt hätten, wären die Grenzen zu geblieben. – Dr. Martina Weiser

 

Ihr Autor Marc Prost hat meinen ganzen Respekt und meine Anerkennung für seinen Beitrag. Er hat alles gesagt (geschrieben), warum unser Land politisch so tief im Boden liegt. Frau Merkel hat mehr Porzellan zerschlagen als jemals zuvor. Wer das öffentliche Recht und Ordnung nicht mehr garantieren kann, hat es nicht verdient einen Staat zu führen. – Gunter Knauer

 

Hat ‚Merkels Kanzlerschaft das Land ausgezehrt‘? Meiner Kenntnis nach boomt die Wirtschaft, die Bevölkerung ist mit ihrer Lebens-Situation weitgehend zufrieden, Frau Merkel gehört zu den beliebtesten Politikern und die Bertelsmann-Stiftung gibt der Regierungsarbeit gute Noten! Welches (Nachbar-) land nimmt sich der Autor bei seiner Kritik als Vorbild? Der Autor hält nichts von der schwarzen Null und würde Hunderttausende von Personen in Dienstleistungsbereichen einstellen. Zum einen: woher diese Fachkräfte nehmen bei einer Arbeitslosigkeit von weniger als 5% –wie die Schweiz von anderen Ländern abwerben? Zum anderen, während Investitionen in die Zukunft (Sanierung von Schulen) sinnvoll erscheinen (falls genügend Handwerker verfügbar sind), wäre eine solche Personalausweitung bei einem Konjunkturabschwung kontraproduktiv.- Neu für mich ist dass ‚…Angela Merkel eine Million Menschen in(s) Land holte …‘.Ich hatte immer die Vorstellung dass diese Menschen meist aus Bürgerkriegsgebieten geflohen sind. Ausserdem: wurden diese Menschen nicht am Münchner Bahnhof von der Bevölkerung herzlich begrüsst? Und: nach Expertenmeinung bestand bei einer Zurückweisung der Flüchtlinge die Gefahr dass Länder wie Griechenland politisch und wirtschaftlich kollabiert wären. Aber solche Ueberlegungen scheinen den Autor (wie auch die AfD) wenig zu interssieren! Ein schwacher weil wenig differenzierter Artikel! – Professor (em) Dr Volker Dietz

 

Es ist kaum noch zu ertragen, wie in der ZEIT seit Wochen und Monaten die „Merkel-Dämmerung“ herbeigeschrieben wird. Dabei wüsste ich in den Parteien keinen einzigen Politiker/keine einzige Politikerin, der/die auch nur annähernd dem Format von Merkel nahe kommen könnte. – Holger Breede

 

Auch wenn ich politisch weder der CDU noch Frau Merkel nahe stehe, stört mich folgender Satz: „Dass Angela Merkel eine Million Menschen in ein Land holte, …“ Frau Merkel hatte meines Erachtens in 2015 in einer schwierigen Situation eine Entscheidung zu treffen. Geholt hat sie niemanden. Obigen Satz werte ich als Verdrehung bzw. Verkürzung. Schlechter Journalismus Herr Brost, zurück in die Holtzbrinck Schule. – Hermann Specht

 

Ich bin bisher davon ausgegangen, dass die Bundeskanzlerin die Richtlinien der Politik bestimmt. Nach dem Artikel in der Zeit Nr. 48 vom 21. 11. 2019 bin ich mir da nicht mehr so sicher. Olaf Scholz, der Bundesfinanzminister, hält an der unseligen, investitionsverhindernden „schwarzen Null“fest (müsste ihn in „rote Null“ umtaufen). Ganz unten bei den Einzelplänen steht mal wieder die Umwelt, der Naturschutz und die nukleare Sicherheit sowie die Justiz und der Verbraucherschutz. Dafür steht die Verteidigung ganz oben. Das halte ich für eine den Wählerwillen instinktlos außer Acht lassende Vorgehensweise. Was glauben Herr Scholz und Frau Merkel wieviele Erden wir haben? Fehlende Lehrer, Richter,marode Schulen und schlechte Brücken und Straßen scheinen keine ausreichende Lobby zu haben. Kein Wunder den 709 gewählten Abgeordneten im Deutschen Bundestag stehen 865 Lobbyisten mit Hausausweisen für den Deutschen Bundestag gegenüber (zur Verfügung für Beurteilungen bei Gesetzentwürfen). Diese Lobbyisten stehen für rund 400 Verbände und Unternehmen. Da stellt sich doch die Frage: Wer vertritt das Volk bei Fragen, z.B. zu Glyphosat, Dieselfahrzeugen, Tempolimit usw. usw. Ein Umdenken oder gar ein Umlenken durch die derzeitige Bundesregierung ist wohl eher nicht zu erwarten. In der Groko kriegt, auch angesichts ausufernder Personaldebatten, keiner mehr den Hintern hoch. Der eigentlich notwendige Aufschrei der Bürger wird sich wohl wieder bei den nächsten Wahlen zeigen durch Politikverdrossenheit und Nichtwählen und durch Zulauf bei der AfD. Wie Arno Schmidt schon wusste: „Die Regierungen sind nie viel besser und nie viel schlechter, als das Volk, das ihnen gehorcht“. – Felix Bicker

 

Der prominent auf der ersten Siete plazierte Artikel kann so nicht unkommentiert bleiben. (1) Die Falschbehauptung „Merkel habe … Menschen … in(s) Land geholt“, wird durch ständige Wiederholung nicht richtiger. Das erinnert an „Berlin – Hauptstadt der DDR“ unter bewusster Leugnung des Vier-Mächte-Status. Besorgt die Zeit hier unfreiwillig das Geschäft der AfD? Oder glaubt Ihr Autor dieser Falschdarstellung bereits? (2) Völlig zuzustimmen ist der Feststellung, die „Denke“ „Staat schlecht, Markt gut“ hat zu aberwitzigen Fehlentwicklungen geführt. Beispiele im Artikel. Richtig und wichtig, dass deutlich darzustellen! (3) Schade allerdings, dass ein Zusammenhang mit der „schwarzen Null“ suggeriert wird. Keineswegs muss man Schulden machen, um Prioritäten zu setzen, Dinge hintanzustellen, auch aus dem Ruder gelaufene Entwicklungen zu korrigieren. Im Gegenteil: es würde das Land zukunftsfester machen, wenn weniger wichtige Ausgaben oder gar Fehlinvesitionen (PKW-Maut, S21, BER usw.) als solche erkannt und hintan- oder abgestellt würden. Mit „zukunftsfest“ meine ich, dass meine Kinder und Enkel nicht nur keinen aus dem Ruder gelaufenen Klimawandel, sondern auch keinen einschnürenden Berg Schulden vor sich haben sollen. – Dr. Michael Zieger

 

So, so Angela Merkel hat also einfach mal eine Million Menschen ins Land geholt? Einfach aus einer Laune heraus? Was hätten denn Sie Herr Brost damals gemacht? Grenzen dicht? Wie denn? Was wäre denn Ihre Alternative gewesen? – Rudi Zimmermann

 

Ich habe gerade Ihren Leitartikel in der aktuellen Ausgabe der Zeit gelesen. Zuerst ein Lob: Ich finde ihre Analyse sehr richtig. Deutschland fährt auf Substanz und das viele Staatliche Aufgaben werden ehr schlecht als recht erfüllt und sind von Mangel gekennzeichnet (Lehrer/Justiz/Zoll/Feuerwehr/Pflegekräfte/Infrastruktur). Auch kann ich Ihnen nur zustimmen, dass sich die Ansicht in der Gesellschaft zum Aufgabenspektrum die der Staat übernehmen soll oder muss, seit den 00 er Jahren wieder verändert hat. Wo ich Ihnen allerdings nicht folgen kann und das ist der Grund für diese email an Sie, ist den Schluss den Sie daraus ziehen und schon Unterzeile hervorheben. Sie plädieren, wie viele Ihrer Kollegen, für ein Ende der schwarzen Null, also für Neuverschuldung. Allerdings sind die zu finanzierenden Aufgaben (Lehrer/Justiz/Erhalt von Infrastruktur…), die Sie aufzählen, eigentlich alltägliche (Staats-) Aufgaben. Also eigentlich müssten Sie eine höherer Staatsquote fordern, da es für mich nicht einleuchtend ist, warum zukünftigen Generationen für einen funktionierenden Staat heute aufkommen sollen. Zumal die jetzt junge Generation (ich, 33 zähle mich mal dazu) in den nächsten 30 Jahren vier massive, fundamentale Problemstellungen zu meistern hat:

  • Umbau des gesamten (primär) Energiesystems auf ein nachhaltiges EE basierendes
  • Umbau der gesamten Wirtschaft zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft
  • Demografischer Wandel
  • Klimawandel

Diese Umbrüche gehen an die Basis unserer Lebensweise, Wirtschaftsweise und Infrastruktur. Diese Aufgaben zu meistern wird jede Menge Geld verschlingen und die Zumutungen werden trotzdem sehr viel größer sein als was wir heute glauben uns zumuten zu dürfen. Gerüstet sind wir dafür nicht, statt einer gut gefüllten Kriegskasse haben wir einen massiven Schuldenberg. Ich würde mich über eine Antwort und auf Ihre Gedanke dazu und warum unter Journalisten es gerade so in ist mehr Neuverschuldung zu fordern statt einen Aufbau eines Überschuss, sehr freuen. – Felix Glöckner

 

Ich bin schon lange Jahre ein treuer Leser Ihrer Zeitung und schätze die Vielfalt der Artikel und den ausgewogenen Inhalt. Leider muss ich aber immer wieder feststellen, dass viele Artikel stark negativ gehalten sind. Oft habe ich dann das Gefühl, dass wir kurz vor dem Weltuntergang stehen. Extrem ist mir das aufgefallen bei obigem Artikel. Nach dem Studium der Zeilen könnte ich zum Schluss kommen, dass A. Merkel alles falsch gemacht hat während Ihrer Kanzlerschaft und Deutschland kurz vor dem Bankrott steht. Das dem nicht so ist, wissen wir alle. Es gibt bestimmt Themen zu kritisieren, das wissen wir alle. Trotzdem sollten guter Journalismus auch bemüht sein, das Glas als halbvoll zu beschreiben und nicht immer nur als halbleer und bezogen auf diesen Artikel positive Seiten aufzuzeigen. Ich habe jüngst das Buch von Maren Urner „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ gelesen, das genau diese Thematik aufgreift. Auf Ihrer Webseite „Perspective Daily“ wird genau diese Art von Journalismus praktiziert. Eine Kolumne in Ihrer Zeitung „Was gibt es positives aus der Welt zu berichten“ wäre doch ein mal ein anderer Ansatz neben den vielen negativen Nachrichten. – Wolfgang Vögele

 

Genial geschrieben! Absolut auf den Punkt gebracht! Vielen Dank Herr Brost, die Wahrnehmung/Enttäuschung in Worte gefasst zu haben. Was noch fehlte in der Aufzählung ist der Rückzug des Staates aus der Wohnungswirtschaft und der sich daraus resultierenden dramatischen Wohnungsnot in den Ballungsräumen. – Frauke Engel

 

Ihr Artikel trifft die Lage auf den Punkt, weiter so. Ein wachsendes Rechts braucht keine Moralkeule, sondern eine Untersuchung nach dem Wieso. – Steffen Kaufmann

 

„Die Denke der Nuller Jahre (Staat schlecht, Markt gut, Schulden schlecht, Sparkurs gut) hat die Gesellschaft verändert“, schreibt Marc Brost. Und etwas später, dass „Wettbewerbsdruck und Gewinnstreben … in Bereiche vorgedrungen“ seien, „in denen sie zuvor nichts zu suchen hatten“. Er nennt das Beispiel Krankenhäuser, ich würde – neben anderem – das gesamte Gesundheitswesen anführen. Außerdem greift er die „Politik der schwarzen Null“ an und nennt sie einen „Begriff aus dem Politikmarketing, die vielleicht erfolgreichste ökonomische Irreführung des vergangenen Jahrzehnts.“

Wenn ich das jetzt alles lese, frage ich mich schon, was Herr Brost selbst (nicht nur) im vergangenen Jahrzehnt zu dieser Irreführung beigetragen hat. Ich nehme ihn mal in Haftung für alle diejenigen Journalisten, die sowohl die eingangs genannte „Denke“ vom schlechten Staat und guten Markt als auch die Politik der schwarzen Null nicht etwa kritisch hinterfragt, sondern publizistisch unterstützt haben. Und wenn er seine Artikel der letzten beiden Jahrzehnte (solange ist er ja schon bei der ZEIT) unter diesem Blickwinkel noch einmal lesen würde, würde er vermutlich ebenso zu Selbstkritik gezwungen sein, wie es sein Kollege Bernd Ullrich bereits gewesen ist, dankenswerter Weise. Herr Brost würde dann auch, so fürchte ich, eingestehen müssen, dass seine Artikel dazu beigetragen haben, dass „am rechten Rand eine Partei größer wird, die den Bürgern weismachen will, dass die bessere Zukunft im Vergangenen liegt.“ Das nämlich hätte er mit der Regierung gemein. – Roswitha Ristau

 

Ich war erstaunt und etwas irritiert, im letzten Absatz des o.g. Artikels zu lesen, „dass Angela Merkel eine Million Menschen in ein Land holte…“. Bis zum Sommer 2015 waren mehrere Millionen Syrier vor dem IS und russisch/syrischen Bombenangriffen aus ihrem Land geflohen. Ein Teil dieser Millionen war im Begriff, sich auf teils abenteuerlichen Wegen unter Lebensgefahr nach Norden durchzuschlagen, – ohne dass sie jemand „geholt“ hätte, und ohne dass die Regierungen der EU trotz absehbarer Flüchtlingswelle zu gemeinsamem Handeln gefunden hätten. Anfang September 2015 lagerten – u.a. wegen der fehlenden Voraussicht der EU – einige Zigtausende Menschen auf ungarischen Autobahnen und Bahnhöfen. Dass Angela Merkel am Abend des 4. September 2015 nach dem Telefonat mit dem österreichischen Kanzler sich entschieden hatte, die Grenzen zu öffnen, dürfte von zukünftigen Historikern vermutlich als primär humanitär motivierte Entscheidung akzeptiert werden. Frau Merkel hat die Flüchtlinge, korrekt formuliert, also eher ins Land „gelassen“ als „geholt“. Ihr ein aktives „Holen“ zu unterstellen, dürfte historisch auf wackeligen Füßen stehen. Diese Formulierung sollte besonders deshalb mit Bedacht verwendet werden, weil sie aus anderen Mündern gar zu oft als Vorlage für abwegige Verschwörungstheorien wie z.B. jener der absichtlichen „Umvolkung“ durch eine „Kanzlerdiktatur“ zu hören war und weiterhin zu hören ist. – Dr. Tilman Bauer

 

Es ist sicher richtig, dass Frau Merkel und ihre Partei Fehler und Versäumnisse gemacht haben aber nach meiner Auffassung ist es schlecht, dass Herr Brost in seinem Artikel nur die Negativa, und das in einer möglichst kompletten Aufstellung, aufzählt- vielleicht gibt es doch einige Positiva zu berichten ? Durch reine Aufzählung von Negativa der Regierung wird das, was man den Medien meiner Meinung zu recht ankreidet, verstärkt, nämlich eine negative Grundstimmung, (was nach meiner Auffassung nur populistischen Strömungen (i.e. besonders die von rechts) Aufwind gibt.Darf ich vielleicht vorschlagen, dass in einem Leitartikel der „Zeit“ demnächst eine etwas ausgewogenere Meinung vertreten wird. PS. Mein früher geäusserter Vorschlag, die riesigen Abbildungen vielleicht durch Text zu ersetzen, ist leider nicht erfolgt. Aber Bilder sind ja auch schön. – Klaus Lang

 

Marc Brost hat in seinem Leitartikel offenbar die Tunnelbrille aufgesetzt. Vor dem CDU-Parteitag verkündet er, an allem sei Frau Merkel schuld: Zu wenig Lehrer, zu wenig Personal in Krankenhäusern und Pflege, Überlastung in der Rechtspflege, zu wenig Polizei, zu wenig Investitionen der Bahn. Ist für all das die Kanzlerin zuständig? Wozu gibt es ein Verkehrsministerium, wozu ein Innen-, Justiz-, Gesundheitsministerium, wozu die zuständigen Länderverwaltungen und Kommunen? Warum sind von dort die nötigen Forderungen nicht rechtzeitig früher laut geworden? Herr Scheuer hat seine Sympathie für die Bahn erst entdeckt, als diesen Sommer die Fridays for Future-Bewegung loslegte. Auch zu wenig öffentliche Schulden werfen Sie der Kanzlerin vor. Hat nicht das ganze Land noch vor zehn Jahren nach einer Schuldenbremse geschrieen und sogar eine entsprechende Verfassungsänderung verlangt, die dann von fast allen Parteien auch eingeführt wurde? Kein Wort sagen Sie zur Außenpolitik, kein Wort zu der entscheidend wichtigen Außenwirtschaftspolitik, von der unsere Exporte und unser Wohlstand abhängig sind; hat da Frau Merkel auch nichts geleistet? Fast nichts zur CDU, um die es doch gehen sollte, nichts zu zu deren Wirtschaftsflügel und Werteunion, die fast überall ihren Einfluss geltend machen und vielfach auf der Bremse stehen. Die Kanzlerin ist nicht Monarchin. Auf alles soll/muss sie Rücksicht nehmen und dann für alles die Verantwortung tragen. Das ist es, was nicht läuft.

Schließlich Deutschland ein „ausgezehrtes Land“? Was meinen Sie damit? Ausgerechnet das Wohlstandsland Deutschland? Die innenpolitische Unzufriedenheit? Die Stimmenverluste der GROKO? Dann sagen Sie es bitte auch. Es gibt genügend Leute, die Unzufriedenheit schüren und ihr Süppchen damit kochen, an der Spitze die AFD-Leute an allen Stamm- und Mittagstischen. In deren Horn blasen Sie, ohne es zu wollen. Wenn Sie den Sturz der Kanzlerin und ihrer Regierung jetzt haben wollen, heißt das auch Neuwahlen jetzt und 25 Prozent AFD schon jetzt. Mir reicht das in zwei Jahren und möglichst auch dann nicht. Insofern trifft auch ihr Hinweis auf die Flüchtlingspolitik nicht. Sie hat unserem Land in der Welt viel Ansehen verschafft und eine Menge dankbarer Menschen in ein Land gebracht, das seit langem ein Demographieproblem kennt und nicht einmal mehr genügend Handwerker und Busfahrer findet. Nur AFD und CSU schossen gegen die Flüchtlinge bzw. Grenzöffnung und weckten so die alten Geister des Nationalismus und Fremdenhasses. – Dietrich Lohrmann

 

Wie ist es möglich, dass ein so renommiertes Blatt diesen Artikel auf die Titelseite setzt, ohne dass offensichtlich irgend ein Kenner den Inhalt gegen gelesen hat? Der Versuch des Autors, den Wählerschwund der CDU auch einmal zu erklären – das haben andere in dieser Zeitung schon viel gründlicher getan – ist ja aller Ehren wert, aber dann bitte sauber nach Zuständigkeiten geordnet. Es wirkt geradezu lächerlich, die Zahl der offenen Stellen bei der Berufsfeuerwehr als Indiz für politisches Versagen der Bundespolitik zu benennen, gleiches gilt für die fehlenden Lehrer. Hat Marc Brost schon einmal etwas von unserem föderalistischen System gehört und weiß er nicht, dass hier Bund und Länder unterschiedliche Zuständigkeiten haben. Und auch wenn der Polizeinotruf bundesweit einheitlich ist, dafür sind die Länder zuständig! Das gilt auch weitgehend für die Justiz. Auch die Behauptung, im öffentlichen Dienst fehlen 200.000 Leute, grenzt an Verdummung, wenn man nicht nach Bund, Land und Gemeinden unterscheidet. Alles nur Merkel anzukreiden ist billig und dabei Äpfel mit Birnen zu verwechseln, zeigt nicht gerade von großer Sachautorität. – Klaus-Dieter Völker

 

Mit Erstaunen habe ich den Artikel „Läuft nicht“ von Marc Brost gelesen, der sich auf Ämtern, in Schulen und Gerichtssälen umgehört hat, um festzustellen, dass die Politik von Frau Merkel die „erfolgreichste ökonomische Irreführung des vergangenen Jahrzehnts“ sei. Brost beobachtet, dass in Krankenhäusern Betten wegen Personalmangel leer bleiben und schlussfolgert, dass wegen 3000 fehlender Feuerwehrmänner manche Wehren nicht rechtzeitig am Brandort einträfen. Die Hochrechnung,, dass im Jahr 2025 26.000 Grundschullehrer fehlen könnten, mag bedauerlicherweise stimmen. Es stimmt sicher auch, dass an deutschen Schulen ein Sanierungsstau von 43 Milliarden Euro besteht. Der Rückschluss jedoch, dass die Merkelsche Politik die Ursache der von Brost aufgezählten Missstände ist, ist vollkommen falsch. Warum? Herrn Brost ist offenbar nicht klar, wer im einzelnen die Kostenträger von Personal und Institution sind! Lehrer und Poliszisten, in vielen Fällen auch Richter und Staatsanwälte sind Landesbeamte und unterliegen den Beschlüssen der jeweils zuständigen Landesministerien. Sozialarbeiter sind in der Regel kommunale Angestellte, sofern sie nicht bei Wohlfahrtsträgern wie z.B. der AWO beschäftigt sind, die aber aber auch nicht von einer Bundesfinanzierung abhängen. Schulen werden kommunal verwaltet. Hat eine Stadt kein Geld, findet die erforderliche Sanierung des Schulgebäudes eben nicht statt. Hat aber nichts mit Frau Merkel zu tun.

Lediglich die Bahn, die irrigerweise in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts von der Regierung Kohl privatisiert wurde, ist in bestimmten Teilen noch von der Finanzierung des Bundes abhängig. Hier ist Brosts Darstellung der Zusammenhänge richtig. Um nicht falsch verstanden zu werden: Vollkommen klar und zustimmungsbedürftig ist die Kritik an fehlenden Personalstellen in Schulen, Behörden, Krankenhäusern usw. Ebenso ist es ein Unding, dass die Zukunft eines Staates, Kinder und Jugendliche, in maroden Gebäuden von zu wenig gut ausgebildeten Lehrern mit Technik von vorgestern auf die Zukunft vorbereitet wird! Wie soll das erfolgreich sein? Überschriften wie „Es fehlen Lehrer und Richter, Bahn und Schulen sind marode“ lassen die lesende Öffentlichkeit aber leider im Unklaren darüber, wer das Dilemma verursacht hat und wer es beseitigen kann. Die Auszehrung findet eben nicht durch Merkels Kanzlerschaft, sondern durch Landesregierungen und viele kommunale Entscheidungsträger statt, die ihre Schwerpunkte eben nicht auf die genannten Bereiche Schule, Gericht, Polizei oder Sozialarbeit legen. Um das zu ändern, haben wir Wähler, Eltern, Kranke, Pflegende, Alten, Bürger andere Ansprechpartner, um unserer Unzufriedenheit Luft zu machen. Und diese Ansprechpartner sitzen viel dichter bei uns als in Berlin. Von der ZEIT erwarte ich sachgerechte Information, die nur der liefern kann, dem die Hintergründe auch bekannt sind. – Helge Greunke

 

In der Zeit schreiben Naturwissenschaftler nicht ueber Literatur, und Theaterdramaturgen nicht ueber Chemie. Ueber Wirtschaft aber, da duerfen sich alle auslassen. Es besteht einfach keine kausale Ursache zwischen einer “schwarzen Null” und fehlenden Leuten im oeffentlichen Dienst, dem Wertverlust der oeffentlichen Infrastruktur, oder wieviel Prozent der Deutschen den Staat fuer ueberlasted und ueberfordert halten. Das Keynesianische Rezept ist eindeutig: In guten Zeiten eine schwarze (positive) Zahl, in schlechten Zeiten eine rote (negative) Zahl. Eine schwarze Null macht wirtschaftspolitisch keinen Sinn. Wenn Marc Brost ein Haushaltsdefizit in guten Zeiten will, also die feste schwarze Null zu einer festen roten Zahl machen will, dann hat das mit gesundem Wirtschaften genauso wenig zu tun, viel aber mit Raeuberei: Er will seine Kinder fuer die Verschuldung seiner Generation zahlen lassen, Die Umwelt, die seine Generation zestoert hat, duerfen die Kinder auch wieder zurechtruecken. Wenn Marc Brost mehr Staatsinvestitionen will, dann liegt die Loesung direkt auf der Hand, naemlich hoehere Steuerzahlungen. Mehr Steuern zahlen mag er wahrscheinlich auch nicht. Aber er kann ja auch die anderen zahlen lassen.

Zum Beispiel diejenigen, die fuer eine Software die auf jedem Computer laeuft sehr viel mehr als die paar Cents Produktions- bzw. Verteilungskosten verlangen und so zu den reichsten Maennern der Welt geworden sind—dank den staatlich garantierten Monopolen. Was dem Staat an Finanzen fehlt, ist in den Haenden von Philanthropen die die Welt verbessern wollen, nur halt nicht unbedingt so, wie es die erklaerte Mehrheit der Deutschen gerne haette. Man kommt schnell an eine ganze Latte wirtschaftspolitischer Massnahmen, von der Nutzungdauer von Patenten (und den Grenzen dessen, was sich patentieren laesst) bis hin zur Wettbewerbspolitik. Der private Sektor kann vieles besser als ein zentraler Planungsapparat, aber freie Maerkte und Privateigentum sind Konstruktionen des Staates. Was Marc Brost beklagt ist letzlich ein Versagen des regulativen Staates und hat mit einer schwarzen Null nichts zu tun ausser bequemer Polemik. – Carsten Holz

 

Vor allem nicht seit dem Sommer 2015. DassAngelika Merkeleine Million Menschen in ein Land holte usw. Ich denke ich bin in einem falschen Film. Wer ist der eigentliche Verursacher? Ein gewisser Bush unnd Blair. Die gehören immer noch nach Den Haag. Haben Sie das gefordert ? Die eigentlichen Nieten in Nagelstreifen war das Bundesverfassungsgericht und der Bundesrat und die Presse mit ihrer Willkommenskultur. Es hat natürlich etwas Zeit erfordert die Hintergründe zu Googlen (siehe Anhang „was war“ und Palmer). Es fehlen Lehrer, Richter, Bahn, Bundeswehr und Schulen.Richtig. Hätte man mehr Schulden machen sollen ? Ich erinnere an die Maastrich-Kriterien die Kanzler Schröder 2002 nicht eingehalten hat. Ja wenn nicht einmal Deutschland warum gerade wir. Die Folgen sind bekannt.

Wir haben doch selbst noch 2 Billionen Euro Schulden. Die Weltgemeinschaft 200 Billionen Dollar. Der IWF hat bis heute 5,2 Billionen Dollar ausgegeben um fossile Energien zu subventionieren. Was wollen Sie noch ? Selbst wenn Geld genügend vorhanden wäre. Es fehlen gut ausgebildete Handwerker um die Aufträge abzuarbeiten. Wer will denn heute noch körperlich arbeiten? IPhone ist einfacher und bequemer. Und an Allem ist Angelika Merkel schuld ? Was Sie schreiben ist eine Frechheit. Herr Brost gehört aus Ihrer Zeitung entfernt. Nachsatz: Ich kaufe mir Ihre Zeitung am 200 Meter entfernten Kiosk.- Franz Stein

 

Aus Deutschland wurde Merkelland und aus Merkelland wurde Brachland, zumindest in vielen zukunftsrelevanten Bereichen. Weil die regierende CDU Angela Merkels zwar jede Menge „parteifremder“ Themen an sich gezogen, nicht aber dezidiert und nachhaltig bearbeitet hat. So hakt es auch bei der Schuldenbremse. An dieser mit einem theoriereduzierten Tunnelblick festhalten zu wollen bedeutet, ökonomisch, ökologisch und sozial notwendige (Bau)Maßnahmen abseits des Staatshaushaltes schlichtweg weiter zu ignorieren. Infolgedessen kann „per Saldo“ vom Sparen mitnichten die Rede sein, wenn derweil etwa die Sanierung der öffentlichen Infrastruktur aufgeschoben und somit die Schulden als Schlaglöcher auf unseren Straßen immer größer werden. Im Gegenteil: Bei der derzeitigen Zins-, Markt- und Wirtschaftslage sollten staatliche Investitionen eindeutig Vorfahrt haben. Schuldenbremse und schwarze Null – bei der anhaltenden Zinspolitik ohnehin eine rote – indes verfehlen ihren Sinn. – Ira Bartsch

 

Um es – wie empfohlen – kurz zu machen: Ich bin kein Merkel-Freund. Die Dame hat nie meine Stimme gekriegt, denn ich bin mir ihr oft uneins, und erst recht mit ihrem profichristlichen Wahlverein. Doch wenn ihr Versuch menschlicher Hilfeleistung als “Millionen in’s Land holen” verunglimpft wird, dann werde ich ihr Verteidiger. Herr Brost kann mich gerne daran erinnern, welche konstruktive Alternative er damals vorgeschlagen hat. Falls er das nicht getan hat, dann möge er aufhören, vier Jahre später “so nicht” zu posaunen, und mit der Begründung einer Fake-Kritzelei vom “ausgezehrten Land” zu behaupten, dass unsere Probleme nicht Donald oder Klima heissen, sondern Merkel. Und mit Hinweis auf’s Dossier: Nicht die tagtägliche Massenproduktion von “perversen Ritualmördern und sadistischen Triebtätern” ist gruselig, sondern ein Zeit-Leitartikel, der afd-Sprüche papageit. – Ewald Fischer

 

Diesen Artikel kann ich so bestätigen. Weit davon entfernt Rechts zu stehen oder zu wählen,muss man diesem Bericht recht geben. Er sagt alles aus! – Werner Baier

 

Nach meinem gestrigen Leserbrief (bzgl. Kinder in Kitas) lese ich weiter und möchte die so wichtigen Artikel „Läuft nicht“ und „Toleranz ist nicht Gottgegebenes…“ besonders loben! Mein Berufsleben habe ich am Theater, in (Hoch-) Schulen und Kitas dieser Republik erlebt, ebenso das Versagen der sogenannten Volksparteien und vieler Medien. – Ihr Leser bleibe ich! – Klaus Busch

 

Die Analyse ist zutreffend. Aber am Geld fehlt es nicht. Oder hätte man in Deutschland eine richtige Armee wenn man aus 40 Mrd 50 machen würde. Dieser Skandal, dass Deutschland trotz bereits hohem Etat keine einsatzfähige Armee hat wurde mal wieder ausgeklammert. – Claude Weber

 

Welche mehr oder weniger der Kanzlerschaft von Frau Merkel zugeschriebenen Mängel ihr auch anzulasten sind, sei dahingestellt. Der letzte Absatz von Marc Brost lässt mich allerdings fassungslos zurück. Angela Merkel hat nicht eine Million Flüchtlinge ins Land geholt, sie waren einfach da. Dass die ZEIT mit Marc Brost so massiv auf Pegida-Niveau fällt, das hätte ich nicht gedacht. – Jürgen Nellen

 

Meiner Meinung hat Merkels Kanzlerschaft das Land nicht! ausgezehrt, sondern in Zeiten von Börsenkrach, Eurokrise und Flüchtlingswelle anständig und souverän geführt. Für anstehende (und versäumte) Aufgaben – z.B. Verbesserung der Infrastruktur und Klimapolitik – stehen dank einer soliden Finanzpolitik jetzt genügend Mittel bereit. So kann man das auch mal sehen! – Dr. Christoph Uleer

 

Es entwickelt sich gerade ein neues Mantra, dass ohne die schwarze Null all die beschriebenen Defizite behoben werden könnten. Gleichzeitig wird man aber den Verdacht nicht los, dass regelmässig wahltaktische Wohltaten unters Volk gebracht werden. Lasst uns diese nötigen Zukunftsinvestitionen mit Priorität in die Budgets einplanen und dann eine Diskussion führen wie wir mit dem Rest zurecht kommen. Auch in Deutschland wachsen die Bäume nicht in den Himmel. – Edwin

 

Der Meinung von Herrn Brost in der ZEIT vom 21.11.19 möchte ich auf das Heftigste widersprechen: – die Behauptung, das Land sei „ausgezehrt und erschöpft“, kann ich in keinster Weise teilen. Nahezu Vollbeschäftigung und die Demographie führen aus meiner Sicht dazu, dass Pflegekräfte fehlen. Es fehlt eben nicht das Geld, sondern die Menschen! In welchem Land lebt Herr Brost? Ich war dieses Jahr in Kosovo, Albanien und Iran unterwegs, da konnte ich durchaus Erschöpfung erkennen. In Deutschland ist das Jammern auf hohem Niveau!! – Bundes- und Landespolitik werden vermischt. Es ist Frau Merkel nicht vorzuwerfen, wenn in manchen Bundesländern falsche Schulpolitik betrieben wird. In der ZEIT stand vor einigen Monaten ein Artikel der Bayerns und Berlins Schulpolitik verglich und zu dem Schluss kam, dass man Grundschülerzahlen und damit den Lehrerbedarf durchaus planen kann. – am meisten regt mich der Satz auf, Frau Merkel „holte“ eine Million Menschen in ein Land, in dem vieles auf Kante genäht war. Von holen kann doch keine Rede sein! Ich bin über den Artikel ehrlich empört, er nährt rechte Parteien, von denen er sich im letzten Satz nur schwach distanziert. Übrigens möchte ich betonen, dass ich in über 30 Jahren als Wahlberechtigte nie die CDU/ CSU gewählt habe. Nichtsdestotrotz bin ich ein großer Fan Ihrer Zeitung. – Andrea Kelka

 

Sie weisen zurecht auf den immensen Personalbedarf im öffentlichen und privaten Sektor hin. Es fehlen Juristen, Pflegekräfte Lehrer, Hochschullehrer, Zollbeamte und Feuerwehrleute. Ich ergänze u.a. LKW-Fahrer und Gastronomiepersonal. Restaurants müssen ihr Angebot reduzieren oder gar schließen, weil sie keine Köche und Servicekräfte finden, der Nachschub in vielen Bereichen der Wirtschaft stockt. Polizisten und Soldaten gibt es auch nicht genug. Die Situation wird sich nicht bessern, im Gegenteil, denn die Babyboomer nähern sich dem Rentenalter (ich gehöre dazu). Wirtschaftswissenschaftlich gesehen sind wir auf dem Weg in die Vollbeschäftigung, und selbst wenn Milliarden für die Sanierung von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden bereit gestellt werden sollten werden sich keine Handwerker finden, die die Aufträge annehmen können. Leider ist das Problem nur mit mehr Geld nicht zu lösen, denn was nützt es, das Geld in die Hand zu nehmen, wenn Sie es niemandem geben können. Da hilft nur eins: Einwanderung! Schnell und effizient! Am besten zuerst Bauarbeiter, die können dann die Wohnungen bauen für die, die da kommen müssen. – Johannes Henrich

 


 

 

Leserbriefe zu „Wie war noch mal das korrekte Wort?“ von Eva Marie Stegmann

 

Danke für diesen wertvollen Beitrag, in dem die Autorin anschaulich am eigenen Lebensweg darlegt, wo das Problem besteht: Es geht eben nicht darum, dass man seine Meinung nicht mehr frei äußern darf. Der Punkt ist, dass die Meinung nur noch in politisch korrekten Worten formuliert werden kann. Denjenigen, denen dies aus den von der Autorin dargelegten Gründen nur schwer möglich ist, versagen wir de facto die freie Meinungsäußerung. Je mehr wir uns dermaßen über die Verwendung falscher Worte echauffieren, desto mehr Teilnehmer werden wir im öffentlichen Diskurs verlieren und brauchen uns über den Erfolg extremer Parteien nicht weiter zu wundern. – Olaf Matthes

 

Gottchen, selten hat jemand versucht so zärtlich-einfühlend-vorsichtig an dieses Thema heranzugehen. Ich war gerührt. Und sicherlich ist die Frage der elitären Debattenkultur EIN wichtiger Gesichtspunkt und da stimme ich Frau Stegmann auch überwiegend zu. Allerdings kommt zu der Frage der kulturellen Divergenz aufgrund von Bildung, Wohnort, Herkunft auch das Alter hinzu. Jede Generation hat ihre sprachliche Heimat. Zu meiner Heimat gehört in der Tat auch der Mohrenkopf und noch viele andere Wörter, die der Mainstream der neuen Mediengeneration stigmatisiert. Jede Generation hat ihre Sprache (ich lese gerade den „Siebenkäs“ von Jean Paul – äusserst aufschlussreich!) und bis vor kurzem war das auch kein Problem, da niemand der Sprache die normative Bedeutung beimaß, die sie nicht hat. Ich habe den Eindruck, dass aufgrund gestiegender Komplexität der Probleme bei gleichzeitig gesunkender Aktionsmöglichkeit z.B. bei Fluchtursachen, Globalität des Klimas, Populismus, ersatzweise die Sprache in Haftung genommen wird. Mit ihr lässt sich vortrefflich die Lösungsradikalität exerzieren, die es in der Realität nicht gibt. Leider lassen sich weder das globale Wohlstandsgefälle noch historische Gegebenheiten oder der CO2-Anstieg in der Atmosphäre semantisch lösen – weder durch Gendersternchen noch durch Sprachverbote. Man zerstört lediglich Heimat von Menschen und provoziert Ärger. – Achim Hauck

 

Wenn man, wie ich, noch ein paar mehr Jahre überblickt, an deren Anfang ebenfalls ein kleiner Ort lag, dem etliche andere Lebenswelten folgten, stimmen die Erfahrungen dennoch weitgehend überein: vielen, die erst im Lauf des Lebens, der Ausbildungs- oder Studienjahre und der beruflichen Laufbahn ihre Kindheitsumgebung verließen, begegneten Ausländer, vor allem außereuropäische, zunächst nicht in größerer Zahl. Es sei denn, und ich hatte dieses Glück schon bis Ende der 1960er Jahre, am Wohnort wurden durch Schule, Vereine, Bildungseinrichtungen erste Kontakte zum Ausland einschließlich Austausch gepflegt. Zu der Zeit, in der durchaus noch „Reste“ der Weltkrieg-II-Generation einen erheblichen Teil der Bevölkerung darstellten (die Elterngeneration eben), wurden „Nazi-Erinnerungen“ tabuisiert, aber eben auch als unanständig ausgegrenzt. Nur im engen Kreis von Familie oder dem berüchtigten Stammtisch war davon zu hören, meist unter erhöhten Alkoholspiegeln. „Gastarbeiter“ (meist Männer) aus Südeuropa wurden in größerer Zahl zum Füllen unbesetzter Arbeitsplätze herangeschafft und bewohnten zunächst über Jahre sehr beengt alte Häuser, bevor sie Familien gründeten bzw. ihre Frauen nachholten
Persönliches Kennenlernen von Afrikanern, Asiaten, Lateinamerikanern wurde aber meist erst als Student möglich. Zahlenmäßig geringe Anteile (Quoten lagen eher bei 5 – 10%) stellten – in meiner Erinnerung – eine Bereicherung dar. Die heute so verpönte Frage nach dem Herkunftsland zeigte damals Interesse und konnte ein Kennenlernen begründen. Ganz selbstverständlich wurde von den ausländischen Studenten Orientierung an Landessitten und -regeln erwartet (Umgangssprache und Studiensprache war durchweg Deutsch), die Sprachkenntnisse stammten meist sowohl aus Deutschkursen im Heimatland als auch anfänglichen Pflichtkursen vor Beginn jedes Fachstudiums. Viele dieser wenigen Ausländer erwarben gute Kenntnisse von Sprache und Land, etliche blieben später – aufgrund politischer Wirren im Heimatland und/oder nach Familiengründung – in Deutschland.
Was die immer wieder mal veröffentlichten Prozentzahlen (von Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, etc.) betrifft, ist zum Verständnis Vorsicht geboten. Oft wird z.B. die genaue Fragestellung der Umfragen nicht genannt. So können ganz vernünftige Vorsicht in fremder Umgebung, fehlende sprachliche Verständigungsmöglichkeit, Unkenntnis anderer Kulturen und Verhaltensweisen dazu führen, jeden „anders Aussehenden“ als gefährlich, ja bedrohlich zu empfinden und daher eher abzulehnen. Wer nur selten so ungewohnt Aussehende trifft, wie es auf dem Lande wahrscheinlicher ist, wird solche Gefühle nur selten empfinden und bleibt eben lieber in der gewohnten Umgebung. Andern wird das gewohnt-übliche, traditionelle Leben dort aber zu eng und sie schaffen den Sprung in die neue Umgebung, wenn sie sich dort eingewöhnen, anpassen.
Berücksichtigt man zudem, welche erheblichen Anteile der Bevölkerung (immer noch) eingeschränkt von den erweiterten Bildungsangeboten profitiert haben (15% „funktionelle Analphabeten“, die nicht in der Lage sind, vollständige Sätze – in deutscher Sprache – zu bilden oder zu verstehen, keine bzw. sehr eingeschränkte Fremdsprachenkenntnisse bei ständig zunehmenden Anglizismen im Alltag, dabei unkontrollierte Überflutung mit Bildern, Videos und Schlagzeilen/ „Kurznachrichten“ durch Fernsehen und erst recht Internet-Medien), darf man sich nicht wundern über die verbreitete Unsicherheit. Viele der täglich verwendeten Fremdwörter und Fachsprachen dürften großen Teilen der Bevölkerung mehr oder weniger unverständlich sein, jedenfalls drohen von daher ständig Missverständnisse – oder, durch gezielte Ausnutzung dieser Verständnislücken – Möglichkeiten zur Irreführung. Übermäßige Verwendung fachsprachlicher Ausdrücke im Alltag hat zahlreiche, unterschiedlich bewusste Gründe: auf diese Weise zeigt man, wie „gewählt“ man sich auszudrücken weiß, sorgt für Unterscheidung, ja Einordnung der Zuhörer in gesellschaftliche Schichten, verschafft sich Respekt (um nicht zu sagen: verhindert Widerspruch), schüchtert ein, grenzt aus. Aber dieses Sprechen zeigt auch Rücksichtslosigkeit, denn es zielt nicht auf Verständigung, sondern nimmt Unverständlichkeit – bewusst oder unbewusst – in Kauf.
Daher braucht jeder Mensch ein gewisses Maß an Selbstbewustsein und Lebenserfahrung, um solchen Versuchen von Einschüchterung standzuhalten: fast immer lassen sich derart unverständliche Ausdrucksweisen auch in verständlicher Spräche sagen. Bei Interesse muss man eben nachfragen und auf einer Antwort bestehen. Ich wünschte mir öfter Artikel zu solchen Themen, um auch unter ZEIT-Lesern Verständnis für diese Zusammenhänge zu erwecken. – Joerg L. Neumann

 

Vielen Dank, Frau Stegmann, für diesen einfühlsamen, klugen und mutigen Artikel. – Prof. Hans-Peter Heekerens

 

Ich bin kein Rassist und verwende zeit meines Lebens – und jetzt erst recht – das Wort „Negerkuß“. Es ist meine feste Überzeugung, daß kein einziges (!) Wort per se böse, diskriminierend oder beleidigend ist; es kommt immer auf den Sprecher und seine Haltung dahinter an. Es ist ein Kardinalfehler der „Political Correctness“ anzunehmen, mit der Indizierung einzelner Begriffe und deren Nicht-Verwendung ließe sich das entsprechende Denken aus den Hirnen verbannen. Und deshalb wehre ich mich gegen jede sprachpolizeiliche Regelung, denn die Liste der verbotenen Begriffe wird immer länger und am Ende sind wir alle mundtot. Das Problem wird dadurch verschärft, daß man heute gerne alles aus dem Zusammenhang reißt und auf kurze Statements reduziert: keiner, der Jim Knopf von Anfang bis Ende gelesen hat, wird darin ernsthaft eine Diskriminierung finden können. Aber es ist natürlich anstrengender und zeitraubender, zu versuchen, den anderen zu verstehen – und nicht reflexhaft nur auf einzelne Begriffe festzunageln. Deshalb müßte Ihr Freund lernen, den Begriff „Ausländer“ erstmal auszuhalten, und sich aus dem weiteren Kontext ein Bild über den Sprecher zu machen. Ihr Beispiel mit der alten Dame und ihrem „Viehzeug“ beweist, daß man den eigenen Rassismus ausdrücken kann ohne diskriminierende Worte zu verwenden. Also: Sprachregelung ist sinnlos und bestimmtes Denken läßt sich nicht verbieten – es hilft nur geduldiges miteinander reden, und nicht gegenseitig niedermachen. – Wolfgang Heckl

 

Ich habe ihren Artikel in der Zeit sehr interessant gefunden, und war gleichzeitig mit einigen Formulierungen und Einsichten hierin persönlich nicht einverstanden. Da wäre erstens das Wort Ausländer, das an sich überhaupt nicht wertend ist sondern nur die Tatsache feststellt das die Person nicht in dem betreffenden Land geboren ist in dem es zur Zeit lebt , negativ besetzt wird es erst durch die Attribute die ein jeder im persönlich anhängt , wen ich das nicht mache warum sollte ich dieses an sich wertfreie Wort nicht benutzen? Zweitens der Satz , ist auch ein Kampf verschiedener Milieus Intellektuelle gegen Arbeiter ….. , mag schon meistens zutreffend sein , aber Frau Stegmann ich habe schon Arbeiter kennen gelernt die weitaus Intellektueller waren als manch einer mit Universität Abschluss. Auch mit dem Wort Toleranz, als beinahe höchste Form ethischer Vollkommenheit verstanden, habe ich kein Verständnis ich meine das ich zb.keine Veranlassung habe die Unterdrückung der Frau in manchen Kulturkreisen zu tolerieren nur weil es in denjenigen seit Jahrhunderten so gelebt wird , und es gibt nicht wenige Zeitgenossen welche in ihrem falsch verstandenen Toleranz denken auch hier meinen es ist zu tolerieren weil es eben schon immer so war. – Mayrhofer Herbert

 

Ich muß Ihnen Recht geben, die Diskussion verkommt immer mehr zur Rechthaberei. Meiner Meinung nach wird völlig vergessen, das Sprache sich ständig wandelt. Begriffe und Bedeutungen können sich ändern. Hinzu kommt die Teilung Deutschlands in zwei unterschiedliche Staaten. Natürlich geht die Sprache da auch getrennte Wege. Das gemeinsame Deutschland muß erst wieder eine gemeinsame Sprache entwickeln. Je nach Generation ist die sprachliche Teilung intensiver ausgeprägt oder verschwimmt langsam. Mit den sozialen Netzwerken kann man sich mit anderen Menschen in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit austauschen. Ich denke, daraus resultiert ein Missverständnis der Veränderungsfähigkeit der Sprache. Wir denken nur noch in Klickgeschwindigkeit. Wie Sie selbst erfahren haben funktioniert das aber nicht. So können nur noch Sprachbarrieren und Sprechverbote entstehen. Uns ist einfach die Gelassenheit abhanden gekommen, die Unterschiede der Generationen und der Herkunft auszuhalten. – Olaf Goldschmidt

 

Vielen Dank für diese behutsame Werbung dafür, auch die Wortschwerter der Milieu- und Bildungsprivilegierten zu entschärfen. Zur Empathieunfähigkeit bestimmter „richtigdenkender“ Eliten gegenüber weniger global Denkenden tritt wohl ein zweites Versagen, sichtbar im Ersatz des fälschlich als abwertend betrachteten ‚Flüchtlings‘ durch den vermeintlich neutraleren ‚refugee‘. Solche Symptome zeigen die Flucht der Privilegierten aus der eigenen sprachlich-kulturellen Herkunft, die von einem Völkermord gezeichnet ist. Dies ist aber auch eine Flucht aus der Verantwortung für eben diese Geschichte und für die weniger Privilegierten, die bei ihrer Suche nach einer bewohnbaren Sprache in einem bewohnbaren Land allein gelassen werden. – Andreas Goletz-de Ruffray

 

In meiner Kindheit (50er Jahre) hießen Leute mit stark pigmentierter Haut eben „Ne- ger“. Kein Mensch störte sich daran, dass wir im Bäckerladen „Negerkuss“ für 10 Pfen- nig (vom Taschengeld – 50 Pfennig pro Woche) kauften. Ebenjenes süße Gebilde aus Zucker, Eiweiß und Schokolade, später auch „Mohrenkopf“ genannt, das – versehen mit einem kräftigen Schädelbruch – auf dem Titelblatt „Z“ in der neuen ZEIT zu sehen ist. Während meines Deutschunterrichts für Flüchtlinge habe ich einen Ausländer kennen- gelernt, der kam aus Syrien. Er konnte zunächst kein Deutsch, aber (natürlich) Arabisch und auch Englisch. Er hatte in Syrien bereits 2 Semester studiert und war nach kurzer Zeit Tutor in der im Wesentlichen syrischen Lerngruppe. Nach einem Jahr konnte er nicht nur fließend sprechen, er beherrschte dabei auch die korrekte Verwendung deut- scher Nebensätze (was man von deutschen Schülern nicht immer sagen kann).

Warum, zum Teufel, darf man zu dem nicht „Flüchtling“ sagen? Das englische Wort „refugee“ ist doch nur die Übersetzung für einen, der in der Not ein Refugium für sich gesucht hat. Es ist nicht schwer, auch nicht in Syrien oder Afrika, im Internet eine eng- lische Übersetzung des deutschen Grundgesetzes zu finden, in dem man das Verspre- chen der Mütter und Väter des Grundgesetzes findet, dass politisch Verfolgte bei uns in Deutschland Asyl erhalten können, wenn sie darum nachsuchen. Warum soll man diese Menschen nicht „Asylant“ nennen? Mein Verdacht: Die Angst vor allem Fremden hat uns diese politische Korrektheit be- schert, die – ganz nebenbei, und ganz unabhängig von der „Flüchtlingswelle“ – die er- staunlichsten Blüten getrieben hat. So gibt es nunmehr in Nordrhein-Westfalen keine Behinderten mehr, und zwar offenbar durch den Beschluss der dortigen Landesregie- rung, stattdessen von „besonderen Menschen“ zu sprechen (Quelle: Dieter Nuhr, ARD). Da steht dann ein behinderter Rollstuhlfahrer vor der Treppe eines öffentlichen Gebäudes, keine Rampe da, die ihm (oder ihr) die Zufahrt zum Aufzug ermöglicht, und denkt sich: „Das ist aber was ganz Besonderes …“.

Wenn politisch korrekte Sprach- und Sprechverbote beginnen, unsere Lebenspraxis zu verändern, und zwar negativ, dann wird es Zeit, einfach mal wieder zu sagen: „Das ist ein Neger!“, oder „Der Höcke ist ein Faschist!“. Letzteres darf man ja inzwischen sagen; traurig ist nur, dass eine richterliche Entscheidung dafür nötig war … PS: … und dann war da noch der schwarze Student, der sich selbst öffentlich als „Neger“ bezeichnete. Er erhielt eine Rüge von der Gleichstellungsbeauftragten einer deutschen Uni – wegen diskriminierender Wortwahl … – Wolf Auffermann

 

Ihr Artikel spricht mir aus der Seele! Jede Form von Fundamentalismus, auch Sprachfundamentalismus, beeinhaltet schon Hass und erzeugt Hass. – Elsabe Elson

 

Es vergeht kaum eine Ausgabe der ZEIT, in der nicht bis zum Überdruss auf die Befindlichkeiten und Kränkungen von Minderheiten eingegangen wird, die sich in Deutschland ausgeschlossen, nicht anerkannt, diskriminiert fühlen, als gäbe es auf der Welt nicht weit wichtigere Themen und Probleme. Es ist doch merkwürdig, dass fast jeder bemüht ist, seine Einzigartigkeit durch Sprache, Kleidung, Gebräuche herauszustellen (und sich oft auch noch in gleichgesinnten Gruppen zusammen- und einschliesst), aber verlangt, dass die Mehrheitsgesellschaft – die er meistens verachtet – ihn umstandslos aufnimmt. Die Mehrheitsgesellschaft darf aber keine eigene Meinung haben, muss ihre spontanen Regungen unterdrücken und wenn sie von «Exoten» oder gar “Ausländern” spricht, wird das vehement stigmatisiert. Soll doch jeder nach seiner Fasson glücklich werden und allen anderen – solange sie nicht zur Tat schreiten – erlauben, ihre eigenen Ansichten zu haben! – Prof. Michaela Böhmgi

 

Vielen Dank für dieses erfrischend ehrliche Plädoyer für mehr Gelassenheit in dem verminten Feld der politischen Korrektheit. Eigentlich ist es doch gar nicht so schwer. Drei einfache Regeln helfen weiter. 1. Vermeide Begriffe, von denen du weißt oder vermutest, dass sie verletzen. 2. Halte es für möglich, dass das verletzende Wort nicht diskriminierend gemeint ist . Und schließlich 3. Sprich den Konflikt offen und nicht-konfrontativ an. – Dr. Jens-Peter Green

 

Ich möchte mich bei Frau Stegmann bedanken. Ihre Gedanken und Überlegungen sind mir aus der Seele geschrieben. Es ist ihr so gut gelungen die Ambivalenzen „des Richtigen“ zu beschreiben, dass ich nicht anders kann, als Danke, zu sagen. – Sabine Ecker

 

„Die eigentlichen Eliten…schlagen mit Ihren rhetorischen Waffen auf Unbewaffnete ein“. Was für eine wunderbare Zusammenfassung dieses bemerkenswerten Artikels. Dafür lese ich die Zeit! – Roland Heller

 

Toleranz ist in der Tat nicht von Gott gegeben, sie benötigt als notwendige Ingredienz die Demut, an der es allerdings häufig mangelt. Implizit kritisiert die in die akademische Klasse aufgestiegene Autorin diesen Mangel. Letztendlich geht es in dem Beitrag aber gar nicht um Toleranz, sondern darum wie sich Toleranz in einer politisch korrekten Sprache ausdrückt. Ob der hinsichtlich seines Wortschatzes sensibilisierte und achtsame Bildungsbürger tatsächlich tolerant ist und adäquat mit seinem einfachen Landsmann umgeht, ist der Lackmustest. (Als Kind einer Familie, die auf eine lange Tradition der Emanzipation zurückblickt, erlaube ich mir das Deutsche weiterhin effizient zu verwenden: Auch Frauen sind Bürger und ein Landsmann kann auch weiblich sein.) – Dr. Hans-Günther Vieweg

 

Im gleichen Milieu wie Frau Stegmann aufgewachsen bestätige ich das Gefühl, dass gebildete wohlhabende Menschen oft wütend und herablassend auf Äußerungen in einfacher Sprache reagieren. Das blockt jede Lust auf Unterhaltung. Man fragt sich natürlich, warum bei all‘ der Bildung nicht mehr Herzensbildung dabei ist, die jede Überheblichkeit als unangebracht entlarvt. Lasst uns einander wohlwollend zuhören – mit dem Ziel einander zu verstehen. Und nicht während des Zuhörens schon im Geist die Replik formulieren. – D. Baral

 

So ist das also: Es sind die ungebildeten Menschen vom Dorf, die sich nicht trauen, ihre Meinung zu sagen, weil sie die richtigen Worte nicht kennen. Das weiß Frau Stegmann, denn sie hat studiert, oha! Was sind denn die richtigen Worte? Konfuzius sagt: „Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht.“ Frau Stegmann tilgt das Wort „Ausländer“ aus ihrem Wortschatz. Anscheinend meint sie etwas anderes damit als die übrige Sprachgemeinschaft.Und unter „refugees“ versteht man ihrer Meinung nach viel besser was gemeint ist, als mit „Flüchtlinge“. Der wesentliche Punkt aber ist, dass sie bei der Ursache der Scheu, seine Meinung zu äußern, völlig daneben liegt. Die Sprachlosigkeit vieler Menschen liegt nicht an fehlenden Worten, sondern an den Themen. Versuchen Sie einmal in einer Diskussion Zweifel am Sinn des Atomausstiegs, der CO2-Bekämpfung, der Flüchtlingspolitik, der Mülltrennung etc. zu äußern. Mit solchen Positionen gelten Sie wahlweise als unwissend, unmoralisch oder sogar verbrecherisch. Also lassen Sie das lieber! Toleranz bemisst sich im Übrigen nicht an der Verwendung political correcter Worte.Frau Stegmann hat im Rahmen ihres Soziologie-Studiums offenbar nicht gelernt, Dinge differenziert zu betrachten. – Erica Mahr

 

„Sind das viele Ausländer!“ dachte die Autorin, als sie zum ersten Mal in der fremden Stadt zur Uni fuhr. Heute weiß sie, dass dieser Gedanke „rassistisch“ war. Was für ein Unsinn! Ausländer sind, aus der Perspektive von Inländerngesehen, Menschen, die aus dem Ausland stammen und nun hier leben oder sich hier aufhalten. Was soll an dieser sachlichen Feststellung „rassistisch“ sein? 63 % der Deutschen meinen, man müsse „aufpassen, was man sagt“. Wenn damit gemeint ist, man dürfe um Himmels willen keine falschen Wörter benutzen (Ausländer, Flüchtling, Asylant, oder, noch viel schlimmer: Negerkuss, Mohrenkopf, Zigeunerschnitzel usw), ist das mehr als ärgerlich.Warum lässt sich sich eine Mehrheit „normaler Leute“ von einer Minderheit, die meint, die einzig richtigen Ansichten zu vertreten, so einschüchtern?

Frau Stegmann beschreibt sehr anschaulich und nachvollziehbar, wie es ihr, als unsicheres „Mädchen vom Lande“ in der neuen Umgebung der großen Stadt und der Universität erging. Schade, dass sie jetzt, nach abgeschlossenem Studium, nur versteht, „wenn jemand sich nicht traut, zu sagen, was er denkt“ und dessen Wut nachfühlen kann. Diese Wut ist berechtigt! Man sollte sie unterstützen und nicht nur verstehen. Es geht in diesem Zusammenhang nicht darum, dass Menschen aus einfachem Milieu Toleranz leider nicht gelernt haben. Vielmehr sind die „Elitären“, die den anderen vorschreiben wollen, wie sie sich auszudrücken haben, selbst keineswegs tolerant, sie sind schlicht arrogant. – Peter Baier

 

Toleranz ist wahrlich nichts Gottgegebenes, rufen doch die Religionen meistens zur Intoleranz auf. Toleranz ist eher etwas Naturgegebenes. Wir haben in den 50ern ganz unbedarft mit den afroamerikanischen Nachbarskindern auf der Straße gespielt und erst als ein Reporter Fotos von uns machte und einen Artikel über „Schwarz und Weiß – friedlich vereint“ schrieb, kam uns in den Sinn, dass das nichts Selbstverständliches ist. Später lernten wir dann in der Schule, vor allem im Religionsunterricht, was Intoleranz ist. – M. Neuser

 

Ihr Artikel hat mich sehr zum Nachdenken veranlasst. Kann Ihr Gedanke: „Sind das viele Ausländer“ und dann „Heute weiß ich, dass mein Gedanke von damals rassistisch war.“ hinterfragt werden? Ist der Begriff „Ausländer“ wirklich rassistisch? Oder ist er es nur dann, wenn mit dem Begriff gleichzeitig ein negatives Urteil/Bild der betreffenden Person in Gedanken vorhanden ist? Sie schreiben „Ich habe Angst, dass ich falsch verstanden werde.“ Aber ist es nicht das Problem jeder Kommunikation, dass man falsch verstanden werden kann? Die Angst liegt vielleicht nicht so sehr im Missverstanden werden, sondern an der möglichen Reaktion im Netz. Hierzu hat Herr Martenstein eine aus meiner Sicht hervorragende Kolumne geschrieben. Was „politically incorrect“ ist, interessiert mich nicht, aber „exotisch“ gehört für mich auf keinen Fall dazu. Aber ob ich noch einen „Mohrenkopf“ verspeise, sollte doch hinterfragt werden, während ein „Zigeunerschnitzel“ auf die frühere Zubereitung durch Zigeuner deutet. Wobei „Zigeuner“ heute besser durch „Roma“ ersetzt wird (allerdings nicht beim Schnitzel), um die Menschen dieses Volkes nicht zu verletzen.Im übrigen kann einem niemand den Gebrauch von „falschen Wörtern“ verbieten. Ihrem Urteil über den Tenor des linksintellektuellen Milieus zu den Umfrageergebnissen und Ihrer Schlussfolgerung daraus, kann ich nur zustimmen. – Eduard Prosch

 

Frau Stegmann hat mir – und vermutlich vielen anderen – wirklich aus dem Herzen gesprochen! Für Viele dürfte es schwierig sein, sich immer und überall politisch wie sozial korrekt auszudrücken. Und das hängt eng mit Bildung und Milieu zusammen. Abgesehen von Schimpfwörtern gibt es meiner Meinung nach aber kaum ein Wort, das als solches rassistisch oder sexistisch ist. Erst der Kontext und die innere Haltung des Sprechenden entscheiden darüber, ob ein Wort rassistisch oder sexistisch verstanden wird. Dem Wort an sich sollte keine überzogene Bedeutung untergeschoben werden. Wie kann ich Kindern eine reflexive, kritische Haltung beibringen, wenn ich Worte wie „Ausländer“ oder „Flüchtling“, „Mohrenkopf“ oder „Negerkönig“ grundsätzlich meide. Sie sollten in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule vielmehr Aufhänger dafür sein, über das Problematische dieser stigmatisierenden Ausdrücke zu sprechen. Deshalb gehören auch Märchenbücher oder Geschichten von Astrid Lindgren nicht revidiert. Sie können stattdessen mit erklärenden Fußnoten versehen werden. Wichtig ist, und das versteht sich eigentlich von selbst: Wir dürfen unsere Kinder nicht mit diesen Begriffen allein lassen. Ich halte es für gefährlich, wenn sich immer mehr Menschen aus Angst vor verbalen Fehltritten nicht trauen, öffentlich ihre Meinung zu vertreten, und wenn nur noch am Küchentisch zu Hause unrezensierte Sprache möglich ist. – Dr. Christa Lütkenhaus

 

Ich habe mit Interesse Ihren Artikel in der Zeit gelesen. Da ich jedoch der Meinung bin, dass Sie sich und anderen das Leben unnötig schwer machen, möchte ich ihn nicht unkommentiert lassen. Zunächst einmal formulieren Sie die Ansicht, dass Ihr Gedanke „Sind das viele Ausländer“ rassistisch war. Dazu stellt sich doch die Frage, wie ist der Begriff zu verstehen, gemeint und welches Gedankengut verbirgt sich dahinter bzw. was ist rassistisch. Und rassistisch ist natürlich, wenn jemand davon ausgeht, dass eine Rasse wertvoller, schützenswerter etc. ist als eine andere. Nicht rassistisch ist es, kulturelle Unterschiede oder das Vorkommen gewisser körperlicher Merkmale in unterschiedlichen Kulturen festzustellen und auszusprechen. Natürlich gibt es in Afrika mehr dunkelhäutige, in China mehr Menschen mit einer anderen Augenform und in Schweden tendenziell eher hellhäutige Menschen. Der Gedanke darüber und das Aussprechen dieser Merkmale ist ebenso wenig rassistisch, wie die Feststellung, dass z.B. Kinder die Merkmale ihrer Eltern in Bezug auf Größe, Haarfarbe etc. geerbt haben. Rassistisch wird es, wenn daraus abgeleitet wird, diese Menschen hätten weniger Rechte, wären weniger wert etc.

Der Begriff Ausländer ist ebenso harmlos: man kann einfach zwischen In- und Ausländern unterscheiden, beides sind Feststellungen, wo vermutlich jemand herkommt. Ich habe mehrfach im Ausland gearbeitet und war dort naturgemäß immer eine Ausländerin, dennoch war das nie mit Rassismus assoziiert. Das Problem ist, wenn Sie schreiben, dass die Bezeichnung „Ausländer“ rassistisch ist, dann machen Sie unnütz den Sprachraum kleiner, bzw. erreichen genau das Gegenteil von dem, was Sie vermutlich ausdrücken möchten. Wie um Himmels willen soll man denn einen Menschen nennen, der aus dem Ausland kommt? Mensch fremder Staatsangehörigkeit? Ebenso die anderen von Ihnen dargestellten Begriffe: exotisch, Zigeunerschnitzel, Negerkuss, Mohrenköpfe – diese Begriffe wurden im Deutschen jahrelang (und werden immer noch bei Nicht-Zeit-Lesern – und Leserinnen) komplett gutmeinend und harmlos genutzt. Eine rassistische Wertigkeit bekommen sie erst in dem Moment, in dem sie in diesem Kontext diskutiert werden. Wir essen ja auch Hamburger, Berliner, Amerikaner und natürlich schreibt Astrid Lindgren vom Negerkönig. Ich schreibe dies so entspannt, weil ich weiß, dass es eine ganze Reihe dunkelhäutiger Menschen gibt, die kein Problem damit haben, so genannt zu werden oder diese Begriffe zu verwenden. Und natürlich gibt es Menschen, die sich daran stören und dann gebietet es die Höflichkeit, es zu unterlassen, was man ja gerne macht. Aber wie gesagt, der Begriff an sich ist nicht diskriminierend, erst die Gedanken dahinter sind es und die entstehen in den letzten Jahren vermehrt mit der Diskussion darüber. Und je mehr Begriffe „unausprechlich“ werden, desto mehr Zulauf bekommt natürlich die Bevölkerungsschicht, die sagt, dass man ja nichts mehr sagen dürfte – darf man ja anscheinend auch nicht, oder?

Sie führen weiter aus, dass Sie in einem jahrelangen Prozess gelernt hätten, sensibler, theoretischer und emotionaler zu werden und führen Ihr Uni-Wissen an. Und jetzt wird es schwierig für mich und es ist der Grund, Ihnen auf äußerste zu widersprechen: was aus Ihren Worten hier spricht ist keine größere Sensibilität – zumindest nicht gegenüber den „Nicht-Studierten“ sondern vielmehr eine Überheblichkeit der besonderen Art. Sie schreiben, dass diejenigen, die eine tolerante, multikulturelle Lebenseinstellung quasi mit der Muttermilch einsogen, die anderen verurteilen – und da ist der Beweis: Toleranz ist keine Frage des Mileus – denn die von Ihnen beschriebenen Waldorfschüler verurteilen ja ebenso, sind also intolerant. Und nur weil manche als Kind (anders als Sie anscheinend) schon mit fremden Kulturen in Kontakt kamen, sind sie dennoch nicht toleranter, aufgeschlossener, weniger überheblich usw. Ich habe regelmäßig Kontakt zu höheren Gesellschaftsschichten und auch Universitätsabsolventen – Rassismus und Antisemitismus gibt es leider überall und ist wirklich keine Frage des Milieus. Und ich habe gleichzeitig beruflich sehr viel Kontakt zu unteren Gesellschaftsschichten und auch hier treffe ich tolerante und aufgeschlossene Menschen und rassistische. Und ich treffe auch überall Menschen, die bestimmte Dinge sagen oder nicht sagen. Ich kann sagen, dass ich mich wirklich zwischen vielen verschiedenen Blasen bewege.
Aus Ihrem Artikel klingt eine Art Mitleid mit den Menschen, die nicht das richtige Wort im neuerdings hochsensiblen öffentlichen Raum haben. Täuschen Sie sich nicht, diese Menschen möchten kein Mitleid, sie möchten auch keine angepasste Sprache lernen und meiner Meinung nach brauchen sie es auch nicht. Sie müssen die richtigen Werte haben, so wie Ihre in Ihrem Artikel erwähnte Mutter, die natürlich Flüchtlinge sagen darf (um Himmels willen, warum nicht, diese Menschen sind doch auf der Flucht!!!), Asylanten (natürlich, sie suchen ja Asyl) und Syrer (wenn sie gebürtige Syrer sind, warum nicht?).

Sehr geehrte Frau Stegmann, mit einem solchen Artikel spalten Sie persönlich selbst die Gesellschaft, indem Sie wirklich den Sprachraum verkleinern, vielen Menschen das Gefühl geben, sich anscheinend nicht angemessen auszudrücken und ihnen somit die Möglichkeit an der Debatte nehmen. Ich denke nicht, dass es Ihre Absicht ist, aber es ist die Wirkung, die Sie erzielen. Kommen Sie raus aus Ihrer Blase und lächeln Sie gemeinsam mit allen Menschen, die ganz harmlos Wörter benutzen, einfach weil es bekannte Wörter sind, die Dinge beschreiben, die jeder kennt und die man schnell auf den Punkt bringen möchte. Und wenn keiner ein Thema von diesen Wörtern macht, dann sind es auch nur ganz harmlose Wörter. P.S. Reichskristallnacht ist z.B. auch so ein Wort, derzeit noch als teilweise unbedenklich – aber die ersten Stimmen sind schon da, dass man ein solches Wort nicht benutzen sollte. – Miriam Thormählen

 

Was hat denn dieser Sprachterror mit Toleranz zu tun? Das ist doch eine widerliche Arroganz selbsternannter großstädtischer Eliten, von der man sich wirklich nicht beeindrucken lassen muss. Deren fanatisches Pädagogisieren der Bevölkerung weist nicht unbedingt auf hohe Bildung oder eine Herkunft aus gebildetem Millieu hin, wie Ihre Autorin meint. Ganz im Gegenteil scheinen etliche dieser Sprachtyrannen ihre Minderwertigkeitsgefühle zu kompensieren, indem sie ihre Mitbürger moralapostelig bevormunden. Und keineswegs ist die Landbevölkerung gesellschaftspolitisch unterbelichtet, nur weil sie keine Uni von innen gesehen hat. Die Haltung der Autorin ist auch nach ihrem Studium noch unausgegoren. Sie ist ja offenbar sehr erleichtert, dass sie in „einem jahrelangen Prozess“ nun auch die „tolerante, multikulturelle Lebenseinstellung“ erworben hat. Von dieser Neo-Toleranz profitieren aber hauptsächlich willkürlich ausgewählte Minderheiten sowie „Migranten“ und sonstige Ausländer, insbesondere exotischer Herkunft. Gegenüber andersdenkenden deutschen Bürgern lassen dieselben „Eliten“ krasseste Intoleranz walten. Die sollen gefälligst so denken wie sie und keine „falschen Wörter“ verwenden. Ach so, deutsche Bürger darf man ja auch nicht mehr sagen. Die Kanzlerin spricht ja auch nur noch von den „Menschen in Deutschland“. Trotz oder gerade wegen meiner akademischen Titelbeeindruckt mich dieser derzeitige elitäreSprachfirlefanz in keiner Weise. Meinen Wortschatz lasse ich mir dadurch gewiss nicht einengen. – Dr. Christiana Baier

 

Ich bin wirklich ausgesprochen froh, dass Sie trotz Ihres für mich überaus verständlichen Zögerns diesen Artikel geschrieben haben! Ich kann ihn Satz für Satz unterschreiben – und ich wundere mich seit Jahren darüber, dass nicht alle Menschen Ihre Sichtweise teilen. Mir erscheint Ihre Perspektive ausgesprochen selbstverständlich, und ich war immer erstaunt darüber, wie anders andere das sehen können. Vielleicht ist der erklärende Schlüsselsatz: „Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie“. Denn auch ich stamme aus einer Arbeiterfamilie, und stets erscheinen mir meine Familienangehörigen leibhaftig und kopfschüttelnd, wenn mal wieder öffentliche Debatten geführt werden über „Was war noch mal das richtige Wort“ – „korrekt“ würden meine Angehörigen nicht sagen :-). Und ich höre ihre je nach Persönlichkeit belustigten oder genervten Stimmen, wenn sie mich fragen: „Sach mal, habt ihr da oben eigentlich keine anderen Sorgen?“.

Denn in der Tat bin ich inzwischen recht weit oben angelangt, aber ich habe eben nach wie vor all die Menschen präsent, die (Matthias Zick Varul spricht in seinem Buch „Geld und Gesundheit“ von den „Verwöhnten“) nicht zu den Verwöhnten gehören und im Alltag über anderes nachdenken müssen als über Zigeunerschnitzel und Mohrenköpfe. Bourdieu hat einmal geschrieben, dass normale Menschen aus Fleisch und Blut im öffentlichen Diskurs dazu gezwungen werden, sich einer Sprache zu bedienen, die nicht die ihre ist, sondern die der herrschenden Eliten. Es ist für sie eine geborgte Sprache, eine Fremdsprache, in der sie nicht beheimatet sind, in der sie nicht sagen können, was sie wollen und nun auch nicht mehr sagen dürfen, was sie wollen. Dass sie das als kulturelle Enteignung empfinden und sich darüber ärgern, kann ich genauso gut verstehen wie ich verstehen kann, dass Sinti und Roma ein Störgeräusch beim Wort Zigeunerschnitzel haben. Ich weiß auch keine Lösung, aber die aktuelle Lösung, nämlich von oben nach unten allen Menschen eine korrekte, aber exklusive Elitensprache aufzuoktroyieren, erscheint mir nicht zielführend. – Bettina Schmidt

 

Der Text ist von einer alt bekannten weißen, akademischen Arroganz geprägt. Denn der Tenor ist: Nur akademisch Gebildete setzen sich mit rassistischer Sprache auseinander. Von anderen kann man das nicht erwarten, deshalb kann man ihnen nicht übel nehmen, wenn sie „politisch inkorrekte“ Sprache verwenden. Sie meinen es nicht so. Toleranz ist eine Frage des Milieus? Nein, wohl kaum. Und überhaupt: Was hat das alles mit Toleranz zu tun? Rassismus und damit auch rassistische Sprache ist in unserer Gesellschaft quer durch alle sozialen Schichten und Bildungsgrade, in allen politischen Lagern und – ja – selbst auf Waldorfschulen vorhanden. Man muss nicht Bourdieu lesen, um zu lernen, dass Sprache verletzen kann. Diese Erfahrung machen die meisten Menschen oft schon als Kinder. Man muss aber zuhören können. Menschen, die in unserer Gesellschaft rassistische Übergriffe und Diskriminierung erfahren, machen nicht erst seit gestern auf ihre Lebenssituation in einer weißen Mehrheitsgesellschaft wie der unseren aufmerksam und erzählen von ihren Erfahrungen und Verletzungen. Diese Erzählungen muss man ernst nehmen und vor allem bereit sein, seine „lieb gewonnenen“ (sprachlichen) Gewohnheiten in Frage zu stellen.

Die ganze Debatte um „richtigen“ Sprachgebrauch wird dadurch erschwert, dass stets „Political Correctness“ wie ein Schimpfwort eingeworfen wird. Political Correctness verbiete uns zu sprechen, wie wir es doch immer getan haben und jetzt nicht mehr dürfen, so der Tenor. Aber es geht hier eben nicht um Political Correctness, zumindest nicht nach dem landläufigen Verständnis davon, was PC bedeutet – auch hier liegt die Autorin falsch. Es ist niemandem damit gedient, Begriffe durch andere zu ersetzen, ohne die Gründe dafür zu kennen oder zu verstehen. So werden nur alte Inhalte auf neue Begriffe übertragen. Manche behaupten, sie hätten nicht gewusst, dass bestimmte Begriffe abwertend seien, oder würden sie nicht rassistisch meinen. Diese Wörter haben aber alle eine Geschichte und sollten ganz bewusst auf die angebliche „Primitivität“, „Unzivilisiertheit“ oder einfach das im negativen Sinne „Anderssein“ von Menschen verweisen. Unsere Sprache ist untrennbar verknüpft mit unserem Denken und Handeln. Diese Verknüpfung macht es erforderlich, dass wir uns Gedanken machen über Bedeutung und Inhalt unserer Begriffe. Und auch dafür braucht man nicht Bourdieu zu lesen oder zu studieren, das können Kinder schon in Kindergarten und Grundschule lernen. Schließlich machen z.B. Schwarze Kinder häufig schon in diesem frühen Alter Bekanntschaft mit Rassismus. Nur weiße Menschen haben in unserer Gesellschaft das Privileg, sich nicht mit Rassismus auseinandersetzen zu müssen. Alle anderen werden damit unweigerlich früher oder später konfrontiert. Gerade Kinder entwickeln sehr schnell ein Gefühl dafür, was verletzend ist und was nicht, können verletzende Sprache vermeiden oder bewusst einsetzen. Hier fehlt dann zugegebenermaßen häufig die entsprechende Unterstützung oder Erklärung durch das erwachsene Umfeld.

Aber kehren wir zurück zur steilen Lernkurve der Autorin. Ihr Studium half ihr dabei zu lernen, so schreibt sie, welche Wörter sie nicht mehr sagen „darf“. Damit endet aber auch schon ihre neu erworbene Erkenntnis. Offenbar reichte es nicht für eine Lektüre, die ihr erklärte, warum man die entsprechende Begriffe und damit rassistische Sprache nicht verwenden sollte. Ein bisschen dünn, oder? Der Rest des Beitrags besteht aus dem alt bekannten Gejammer vieler weißer Menschen darüber, dass man in Frage gestellt wird, dass es Gegenwehr gibt und dass man Macht, auch über Sprache, abgeben muss. Das immer noch nicht auszurottende N-Wort und viele andere Begriffe waren immer schon rassistisch, nur mussten sich weiße Menschen über Jahrhunderte hinweg nicht darum scheren, weil ihnen die Welt gehörte. Nochmals muss gefragt werden, was das alles mit Toleranz zu tun hat? Weiße Menschen, so schreibt die Autorin, müssen Toleranz erst lernen. Toleranz gegenüber Menschen mit anderer Hautfarbe, anderer Religion? Es bleibt unklar, klingt aber wie etwas, das wir „gewähren“, weil wir Macht über andere haben. Müssen nicht eigentlich diejenigen, die bei uns von Rassismus und Diskriminierung betroffen sind, seit ewigen Zeiten weißen Menschen gegenüber unendlich tolerant sein, um überhaupt überleben zu können? Anmerkung zum Schluss: Die Schreiberin dieses Leserbriefs ist auch ein Arbeiterkind, eine Generation älter und von klein auf mit rassistischer Sprache und Stereotypen aufgewachsen. Es ist nie zu früh oder zu spät für Selbstreflexion. – Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst

 


 

 

Leserbriefe zu „Windkrampf“ von Petra Pinzler und Mark Schieritz

 

Neben der Windkraft, wo die unmittelbaren Folgen sicherlich am drastischsten sind, ist die gleiche bornierte Verweigerungshaltung ja auch bei Mobilfunkmasten, Bahntrassen und Straßen zu beobachten. Meines Erachtens nach ist inzwischen ein Maß an Bürgerbeteiligung erreicht, das über seinen Missbrauch durch Partikularinteressensgruppen zu drastischen negativen Folgen für breite Teile der Bevölkerung führt. Wenn wirklich die Möglichkeit besteht, hier durch Argumentation und Verhandlung etwas zu erreichen, nun gut. Ich bezweifele allerdings, dass das flächendeckend gelingt und daher ist an dieser Stelle echte politische Führung gefragt, um diese Auswüchse per Gesetz zu stoppen. Stattdessen knickt die Bundesregierung mit der neuen 1000 m Abstandsregelung – wieder einmal aus Angst vor dem Wähler – in voraus eilendem Gehorsam vor diesen Partikularinteressen ein. – Priv.-Doz. Dr.-Ing. Dipl.-Inform. Andreas Zabel

 

Hilfe die Windräder kommen!!! Schon Konrad Adenauer wusste, dass das deutsche Rentensystem nur funktionieren kann, wenn die Deutschen viele Kinder in die Welt setzen. Die vielen Bundeskanzler danach wussten das auch. Der steigende Wohlstand und der verständliche Wunsch der Frauen nach (beruflicher) Selbstverwirklichung brachte das Rentensystem ins Wanken. Die deutsche Politik reagierte auf diese seit der Nachkriegszeit bekannte und verfehlte Rentenpolitik mit wiederholten Rentenkürzungen. Sie reagierte nicht mit einer vernünftigen Familienpolitik. Was das mit Windkraft zu tun hat?Alles und auch wieder nichts. Seit der Club of Rome in den siebziger Jahren über die Grenzen des Wachstums und die aufkommenden Klimaproblematik aufklärte, tat die Politik erst mal nichts. Dann tat sie ein bisschen was um dann das Bisschen zu einem neuerlichen Nichts einzudampfen.

Mir als Otto Normalverbraucher kommt es immer öfter so vor, als sei Politik in der heutigen ZEIT :-) schlicht sinnfrei. Wir haben fast 300 Mrd. Euro für die Bankenrettung. Das Geld für Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime haben wir nicht. Wir sanktionieren Hartz IV-Empfänger, nicht aber die Steuervermeidungstaktik großer weltweit tätiger Unternehmen. Vielleicht machen wir es irgendwann einmal wie Fred Feuerstein. Wir steigen in unser mit den eigenen Füßen angetriebenes Auto und am Abend schwingen wir uns auf das Rad, treiben damit den im Keller stehenden Generator an und produzieren so den täglich benötigten Strom einfach selber. Dann brauchen wir auch keine Angst mehr vor Windrädern in unserem Vorgarten zu haben. Nachteil. Die steigende Zahl der abendlichen Radfahrer wird das Rentenproblem verschärfen, weil infolge der sportlichen Betätigung die Lebenserwartung steigt. Da bleibt mir nur noch eins zu sagen „Yabbadabbadu!!!!“ – Michael Schmitt

 

Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich habe mich bei Experten schlau gemacht. Experten die nicht parteiisch sind. Das ist nötig, sonst verfälscht sich das Bild. Die Kraftwerke müssen nicht verschrottet sondern reaktiviert werden. Andere Länder können das. Das ist die sauberste und billigste Lösung. Ihre Autorin weiß das doch alles. Warum lässt sie sich verbiegen. – Gunter Knauer

 

Regionale und nationale Energie-Autarkie ist natürlich ein edles Ziel. Und natürlich sollte jede „anständige“ Region ihren Beitrag leisten, um die Erderwärmung zu bremsen. Bedenkenswert ist aber auch die Idee, Windräder dort aufzustellen, wo der Wind weht. In Süddeutschland sind die Windstärken im europäischen Vergleich quasi unterirdisch. An den Küsten Nordeuropas dagegen gibt es einige dünn besiedelte Standorte, die zusammengenommen ganz Europa mit grünem Strom versorgen könnten. Wenn diese Regionen den Gewinn selbst einstreichen dürften, wären sie wahrscheinlich dabei. Ich verpachte mein steiniges Land und streiche eine fette Rendite ein? Die Schafe dürfen trotzdem draufbleiben? Alles en top?? Würde ich machen. Sofort. Meine Kinder hätten ausgesorgt. Norwegens bereits genutzte Wasserkraft alleine würde dann reichen, um diejenigen Zeiten abzudecken, in denen der Wind mal nicht ausreicht. Und der ökologische Kollateralschaden, den jegliche Art der regenerierbaren Energien mit sich bringt, wäre auf ein erfreuliches Minimum reduziert. Im windarmen Bayern könnte man die Dächer für Photovoltaik nutzen (gerne per Gesetz) und hätte so eine regionale Komponente ohne Flächenverbrauch. Das alles kann noch schneller gehen, als den notwendigen grünen Strom mühsam an relativ ungeeigneten und zudem umkämpften Standorten zusammenzuklauben. Schreiben Sie doch mal über die europäische Idee eines transnationalen Energieverbundes mit Bürgerbeteiligung, statt sich in den undurchdringlichen Niederungen des nutzlosen deutschen Windrad-Kleinkrieges zu verirren.- Dr. Christian Voll

 

Nichts gegen den Ausbau der Windenergie. Aber: muss man wirklich die letzten Naturgebiete wie den Schwarzwald, die Eifel, den Reinhardswald dafuer opfern ? Kann man Windraeder nicht entlang der Autobahnen und Eisenbahntrassen aufstellen, da herrscht sowieso Laerm und ist nichts mehr zu verderben. Im uebrigen: die Bundesregierung sollte wirklich Technologien zur Speicherung von Energie (Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe) foerdern, da fehlt es noch mehr. – Hermann Weigmann

 

Windkrampf? Wissenschaft kein guter Berater? Viele Wege führen zum Ziel, man muss sie nur alle fair bewerten. Einen vernünftigen Energiemix für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu finden, scheitert oft an idealistischem Starrsinn. Natürlich sind die Ressourcen Öl und Kohle zu schade zum Verfeuern. Aber nicht national, sondern weltweit. Wenn die Hysterie des Ausstiegs aus der Kernenergie nach Fukushima von der Physikerin Dr Angela Merkel nicht so spontan erfolgt, könnte über den neuen inhärent sicheren Kernreaktor nachgedacht werden. Uran kann man für 2 Sachen nutzen. Zur friedlichen Erzeugung von Energie oder zum Bau von Bomben. An letzteres halten sich nicht alle, aber die Nutzung zur Stromerzeugung wird weltweit weiter genutzt. Wenn die Entsorgung der Brennelemente so geduldet wäre wie die Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente könnte man der CO2 freien Stromerzeugung vielleicht mal wieder zustimmen. Der Vorschlag ist zwar sehr unpopulär, aber Radioaktivität zerfällt, CO2 bleibt. Kernenergie deckt die Grundlast im Stromnetz;das wäre auch für die Umstellung auf e Mobilität grundlegend wichtig. – Gerhard Marx

 

Die mit dem Klimapaket angestrebte Festlegung eines Mindestabstandes von 1000 Metern zwischen Windrädern und Wohnsiedlungen wird seit einiger Zeit kontrovers diskutiert. Die Gegner einer derartigen Regelung sehen dadurch die Energiewende in Gänze in Gefahr und sind offensichtlich der Auffassung, damit würden lokale Einzelinteressen über die Interessen der Allgemeinheit gestellt. Dass der Ausbau der Windenergie Belastungen mit sich bringt, die allein das nähere Umfeld der Windkraftanlagen zu tragen hat, während der Rest des Landes davon unberührt bleibt, ist jedoch unbestreitbar. Insoweit bedarf das Argument, die Befürworter einer größeren Mindestabstandsregelung würden ihre Einzelinteressen über die Interessen der Allgemeinheit stellen, zumindest einer differenzierten Betrachtung und Bewertung. Als Nicht-Betroffener kann ich ohne Bedenken die Festlegung eines größeren Mindestabstandes ablehnen. Soweit ich das bisher verfolgen konnte, war unter den Gegnern der vorgeschlagenen Neureglung noch Niemand, der eine Windkraftanlage „vor seiner Haustür“ hat. Der seit Jahren für eine ökologische Wende eintretende Fernsehjournalist Franz Alt hat in der Talksendung „Maischberger die Woche“ am 20.11.2019 auf die Frage der Moderatorin, ob er eine Windkraftanlage in seiner Nähe habe, geantwortet „Ja, in 5km Entfernung“. Damit ist er aus meiner Sicht ein Nicht-Betroffener und vermag nicht aus eigener Erfahrung zu beurteilen, ob – wie er meinte – bereits ab einer Entfernung von 600 m keinerlei Belastungen für Menschen auftreten würden. Könnte ein Interessenausgleich zwischen Betroffenen und der Allgemeinheit als Nutznießer nicht vielleicht darin bestehen, dass die Betroffenen einen finanziellen Nutzen zum Ausgleich ihrer Betroffenheit erhalten, zum Beispiel auf dem Wege eines geringeren Strompreises. Der kennt ja ohnehin seit Jahren, entgegen anders lautenden Versprechungen, nur eine Richtung, nämlich nach oben. – Dr. Karlheinz Großkopf

 

Danke für den interessanten Artikel zum „Windkrampf“, der mir gerade vor Augen geführt hat, was ich bezüglich Windkraft alles noch nicht verstanden habe (Und das, obwohl ich selbst ein wenig Geld in Windkraft investiert habe, oh oh). Hmm, eigentlich möchte ich Sie bitten, bald noch einen weiteren Artikel zu schreiben, vielleicht haben noch mehr Leser hier Lücken? Bislang bin ich davon ausgegangen, dass Windräder für Menschen eher ungefährlich sind, jedenfalls viel weniger gefährlich als für Fledermäuse und Vögel. Infraschall?? Leider gibt’s bei uns keines in der Nähe, unter dem ich mich probehalber bei verschiedener Windstärke aufstellen könnte. Gut, sicher machen sie Geräusche. Aber was spricht eigentlich dagegen, Windräder in windoffenen Landstrichen in Industriegebieten aufzustellen? Oder, falls sie richtig laut sind, z.B. neben Autobahnrastplätzen? Da kommt es schon auch nicht mehr drauf an, und es ist bereits Infrastruktur vorhanden (Stromleitungen, Zufahrtsstraßen …). Vielleicht gibt’s das irgendwo? Ich verstehe auch, dass höhere, größere Windräder eine bessere Ausbeute haben. Aber sind deswegen kleiner Windräder per se unwirtschaftlich? Also, auch für mich liegt nicht völlig auf der Hand, warum sie im Wald oder auf Bergen stehen sollten. Als Erholung Suchende finde ich mit Strommasten, Mobilfunkanlagen, Windrädern, Seilbahnen und anderen Artefakten ausstaffierte Landschaften auch ziemlich daneben. Sie verstehen, ich frage mich gerade, was an möglichen Kompromisslösungen ausgeleuchtet wurde, oder was von vorm herein unmöglich ist. Wäre toll, auch darüber noch etwas zu erfahren! – Dr. Gunda Matschonat

 

Es ist mittlerweile erwiese daß die BRD seinen Strombedarf nicht auf seiner Landesfläche durch grünen Strom decken kann. Die BRD muß grünen Strom importieren – die zwei Kabel nach Norwegen sind ein Schritt in die Richtung. Ebenso ist es richtig die Bevölkerung die mehrheitlich keine Windräder vor ihren Haustüren möchte vor diesem Wahnsinn zu schützen. 1 km Abstand ist aus diesem Grunde mehr als gerechtfertigt. Daß die Energiewende durch die Bundesregierung mehr als ausgebremst wird ist korrekt – allerdings liegt der Grund dafür bei weitem nicht in der Ablehnung von Windrädern vor Haustüren. – Stefan Mielenz

 

Sie beschäftigen sich in Ihrem Artikel mit den Verzögerungsursachen der weiteren Errichtung von Windparks, bezweifeln die Wirksamkeit der Regierungsmaßnahmen und sehen insbesondere die geplante Abstandsregelung von 1000m zu Wohngebieten als unnötigen Bremsklotz, sie sehen in Bürgerinitiativen und Naturschutzverbänden, die gegen neue Windräder klagen, ebenfalls unnötige Verzögerer. Diese beiden Aspekte haben mich „zur Feder“ greifen lassen, ich möchte nicht auf die grundsätzliche Frage eingehen, ob die Windenergie das halten kann, was sie verspricht. Die 1000m sind für mich angesichts der Höhe modernen WKA noch zu wenig; wenn Sie, wie ich, in der Nähe von WKA leben, dann sehen, erleben und hören Sie, was das bedeutet. Sie leben plötzlich in einem veränderten Umfeld, nicht umsonst hat der Gesetzgeber bereits im 1.EEG Abstandsregeln definiert. Zum Infraschall empfehle ich die im Frühjahr veröffentlichte Studie der Universität Mainz zu den gesundheitlichen Folgen.

Personen, die sich aus Gründen des Natur- und Artenschutzes – ich bin auch eine solche – gegen WKA aussprechen, stellen Sie in die Ecke von Querulanten, die stur sind. Aber die Argumente, die zu dieser Haltung führten, erwähnen Sie nicht, nämlich, dass es bei den Einwänden um die Einforderung geltenden Rechtes geht, Rechtes aus dem Bereich des Naturschutzes, das insbesondere bei den Auseinandersetzungen beim Bau von WKA im Wald mit Füßen getreten wird. Schutzabstände zu seltenen Tieren werden klein geredet, die Gefahr für Vögel oder Fledermäuse wird marginalisiert und ob kiloweise Insekten an den Rotorblättern kleben, darüber muss erst gar nicht nachgedacht werden. Tierschutzgesetze der letzten Jahrzehnte werden ausgehöhlt, die Gutachten befeuern das noch, denn diese Gutachten werden, wie Sie richtig bemerken, von den Betreibern bezahlt – nach wessen Wünschen wird da wohl formuliert? – Christa Breidert

 

Das Thema Windkraft gipfelt in dem Tenor, deutschlandweit verhindern unkundige Menschen egoistisch die Energiewende. Wenn jedoch, ausgehend von einem EEG ohne realistische Zielsetzung und Umsetzungskriterien, erneut ein maßgeblicher und erforderlicher Energieträger stockt, ist dies nicht den Menschen im Land anzulasten. Fläche ist nicht beliebig erweiterbar. Sie muss vor allem dem Lebensraum der Menschen hinsichtlich Wohnraumbedarf und Lebensqualität, der Infrastruktur, der Landwirtschaft und dem Naturschutz zur Verfügung stehen. Mit Brachialgewalt Windräder im ganzen Land zu platzieren, ohne parallelen Ausbau von Stromleitungen oder Speichermöglichkeiten, muss zwangsläufig auf erheblichen Widerstand stoßen. Es ist unzweifelhaft, dass der für die Wirtschaft und Industrie benötigt Strom, gemessen an Menge und Bedarf, aus den off shore-Anlagen kommt; der effektivste Energieträger für die privaten Haushalte aber die Solartechnik ist. Weiterhin ist unberücksichtigt geblieben, das dringend neue Verfahren, wie Geothermie, Elektrolyse u.a. erforscht bzw. dort, wo bereits möglich, angewandt werden müssen. Weitere intensive Forschungen zu alternativem Energieträgern ist das Gebot der Stunde.

Jetzt alles auf die eine Karte Windenergie zu setzen, ist naiv und nur gegen die Akzeptanz der Menschen umzusetzen. Die Zukunft gehört nicht allein der Windkraft. Energiewende und Klimaschutz scheitern an der mangelnden Expertise der Politik und an unternehmerischen Fehlentscheidungen, gefördert durch enorme Subventionen, ohne die Industrie in die Pflicht zu nehmen, mit ihrer unternehmerischen Ausrichtung auch die Arbeitsplätze zu schützen. So sind schlecht recherchierte Berichterstattungen in der ZEIT ein immer wiederkehrendes Ärgernis. Es ist zu erwarten, das gerade bei diesem Thema alle wesentlichen Aspekte in den erforderlichen Kontex gestellt werden, der für eine sach- und fachgerechte Berichterstattung zwingend ist und der Bedeutung dieses Themas entspricht. Ansonsten stellt sich erneut die Frage, ob ein Abo nicht entbehrlich ist. – Liane Heinze

 

Wenn, wie kürzlich auch in Mecklenburg geschehen, mal zwei Tage Flaute ist (und keine Sonne scheint), kommt der Strom aus der Steckdose natürlich nicht von erneuerbaren Energien, sondern von ganz gewöhnlichen (fossilen) Kraftwerken. Diese müssen immer in Teillast vorgehalten werden (ein hoch- bzw. runterfahren dauert zu lange), um die Versorgung sicherzustellen. Eine reine Versorgung mit Wind- oder auch Sonnenenergie ist nur möglich, wenn wir auf eine Versorgungsgarantie verzichten, oder bei Bedarf Strom aus dem Ausland einkaufen, von dortigen fossilen Kraftwerken mit teils fraglichen Umweltstandards.

Die Notwendigkeit von sog. Schattenkraftwerken wird geflissentlich übersehen, leider auch von den RedakteurInnen des Beitrags. Auch dass der Bau der Anlagen alles andere als umweltfreundlich ist, es werden große Mengen an Beton für die Fundamente verbraucht (4 Kubikmeter verursachen 1 Tonne CO2), Stahl für die Türme und ein Verbundmaterial für die Flügel, die dadurch zum Sondermüll werden,, sollten sie einmal ausgedient haben. Aktuelle Anlagen sind 245 Meter hoch, insofern wäre ein 10facher Abstand knapp 2500 m, nicht 1600 wie im Artikel angegeben. Falsch ist auch die Aussage, dass es über Infraschall keine wissenschaftlichen Studien und Erkenntnisse gibt. Die diesjährige DAGA (Tagung der deutschen Gesellschaft für Akustik) widmete sich schwerpunktmäßig dem Thema, neben zahlreichen andere Kongresse die sich mit Lärmemissionen beschäftigen. Natürlich ist Infraschall „hörbar“ bzw. wahrnehmbar, wenn auch anders als in veralteten Lehrbüchern steht, das ist inzwischen unter Forschern unstrittig. Hier hätte ich mir eine solidere Recherche gewünscht. Ich würde mir dingend wünschen, dass es eine seriöse Zeitung schafft, mit einem objektiven Abstand und gesundem Mißtrauen den Angaben der Industrie und Politikern gegenüber berichtet. Als Leser möchste man sich gerne seine eigene Meinung bilden. – Prof. Michael Sandner

 

In dem Beitrag WINDKRAMPF fragen die Verfasser, warum die Regierung den Ausbau der Windkraft blockiert. Aber auf der Suche nach Gründen dafür kreisen sie leider nur um die vielfältigen Bürgerproteste ohne etwas tiefer zu bohren. Z.B : Windkraftanlagen auf dem Land werden zu einem großen Teil in Waldgebieten erstellt. Und aufgrund der bei uns gegebenen Windstärken erbringen sie im Durchschnitt nur etwa 25 % der Nennleistung . Über die externen Vorlaufkosten (z.B CO2 Emission bei der Erstellung der Betonsockel und der Tonnen von Stahl ) und die vorhersehbaren Kosten bei der späteren Entsorgung wird bei der erforderlichen ganzheitlichen Bewertung von WKA kein Wort verloren. Auch über den Schaden der bei der Wald- Rodung entsteht wird nichts gesagt. Dabei ist der Wald ein hervorragender CO2 Senker.

Diese negativen Aspekte, die bei ganzheitlicher Betrachtung der Windkraft zu beachten wären, führen dazu , dass eine WKA wenn überhaupt ,dann erst nach jahrelangem Betrieb den Umweltschaden ausgleichen kann , der bei Ihrer Erstellung verursacht wird. Ihr Nutzen für die Umwelt bleibt spätestens dann höchst fragwürdig wenn nach Ablauf der Funktionsfähigkeit die riesigen Massen an Beton und Stahl entsorgt werden müssen. …. Bäume halten deutlich länger und senken CO2 dauerhaft. Offenbar haben einige Politiker mittlerweile erkannt , dass das Anpflanzen von Bäumen bei uns oder in anderen Ländern sehr viel schneller positive Umwelteffekte erzeugt als Windkraftanlagen auf dem Land. Vielleicht bremsen daher einige verantwortungsbewusste Politiker den ungezügelten weiteren AKW -Ausbau auf dem Land ? Wäre doch auch mal ein schönes Zeichen von Lernfähigkeit der Politik ! Und vielleicht liegen die zahlreichen Bürgerproteste gar nicht so falsch, auch wenn Sie sich vordergründig gegen die Verschandlung der Landschaft und die Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität wehren. – Dr.-Ing. Roland Haselmann

 

Der Bürgerentscheid in der Schwarzwaldgemeinde Münstertal gegen zwei Windräder auf dem Breitnauer Kopf richtete sich nicht allgemein gegen die Windkraft im Münstertal, sondern gegen den Standort. So lautete auch die Frage auf dem Stimmzettel: „Sind Sie dagegen, dass die Gemeinde Münstertal Verträge abschließt, die den Bau von Windenergieanlagen auf der Breitnau ermöglichen?“ Obwohl es Alternativen gegeben hätte, sollten die Windräder im Einzugsgebiet von drei Quellen errichtet werden, aus denen sowohl die 5000 Einwohner der Gemeinde Münstertal als auch das benachbarte Staufen mit 8000 Einwohnern ihr Trinkwasser beziehen. Das Hauptargument gegen den Standort Breitnauer Kopf war die nicht hundertprozentig auszuschließende Gefährdung der Quellen durch die Errichtung und den Betrieb der Windanlagen. Die Sorge um das Wasser hatte in diesem Fall für die Mehrzahl der Wähler Priorität vor der Windenergie. Das Beispiel Münstertal erscheint mir deshalb ungeeignet, um die dem Autor zufolge in Deutschland bezüglich der Windkraft vorherrschende “Haltung, die lokale Interessen über über die Interessen der Allgemeinheit stellt“ zu illustrieren, denn auch beim Trinkwasser handelt es sich um ein Interesse der Allgemeinheit. – Dr. Sabine Brandenburg-Frank

 

Ich bin seit fast 40 Jahren Zeitleserin, aber diese einseitge Berichterstattung hat mich doch sehr betroffen gemacht. Ich frage mich, ob ich bei anderen Artikeln von Ihnen auch so einseitig informiert werde, bei denen ich weniger Ahnung habe. Sie können ja kritisch sein, aber dann bitte korrekt… Es geht um den Artikel „Windkrampf“ vom 21.11.2019, Nr. 48, Politik S.3. Folgende Punkte in dem Artikel, obgleich so viele Redakteure mitgearbeitet haben, haben Sie überhaupt nicht beachtet: 1. Der Schaden der Windkraft ist größer als Ihr Nutzen. Es werden pro Windkraft 1,5 ha Wald gerodet, Acker und Zuwegungen nicht berücksichtigt. Der Wald ist eine CO²- Senke, ich dacht wir wollten CO² vermeiden -dafür rodet man keinen Wald- über den Hambacher Forst hat man sich heftig aufgeregt, dabei ist die Fläche Wald dort um ein Vielfaches geringer. 2. Sie schreiben der Anteil der Windkraft beträgt 25%. Das bezieht sich auf die Nennlast und nicht auf den eigentlichen Verbrauch. Außerdem gibt es nicht nur Strom…. Der Anteil der Windenergie am gesamten Energieverbrauch in Deutschland beträgt gerademal 3%- nachzulesen beim Bundesumweltamt. Diese Fakten werden vor der Bevölkerung verschwiegen. 3. Keiner weiß wie die 70 m langen Rotorblätter entsorgt werden können- wo bleibt die Nachhaltigkeit? 4. Sie schreiben der Infraschall und seine krankmachende Wirkung seien nicht bewiesen….Dazu gibt es viele internationale Studien. Aktuell im Ärzteblatt vom März 2019,3 wird über Infraschall berichtet “ Den Schall, den man nicht hört“. 20-30 % der Bevölkerung reagieren auf Infraschall. Viele Arbeitsmediziner haben darüber berichtet(z.B. ÄEfIS, oder das Ärtzeforum Bad-Orb- durch sie wurde die 10H Regelung in Bayern eingeführt). Es gib das Buch „Wind turbin syndrom“ bereits seit 2009.

Eine Abrechnungsziffer im Leistungskatalog der Ärzte für Schallgeschädigte ist aufgeführt. Inzwischen git es einen Verein für Schallgeschädigte. Ihre Aussage entspricht den Politikern, die die Menschen nicht ernst nehmen und sie mit ihren Problemen alleine lassen. Die Schallmessgeräte sind so ausgelegt, dass diese erst oberhalb des Infraschalls messen. Dass man mit Infraschall Kriege führen kann, können sie im Spiegel nachlesen(spiegel online 30.09.2017). Hier bleibt das Grundgesetz mit Art.2. Abs.2 auf der Strecke, von wegen körperlicher Unversehrheit. 5. Besuchen Sie doch einfach die Menschen, die in der Nähe der Industrieanlagen wohnen. Ob sie durch den Lärm der Rotoren beeinträchtigt werden hängt häufig davon ab, wo die Häuser stehen. Auch 2000 m Abstand kann die Leute aus dem Garten treiben und nachts aufrecht im Bett sitzen lassen. 6. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint was machen Sie dann? So ungefähr hätte ich mir eine kritische Stellungnahme gewünscht…., aber Sie lästern über Vernunftkraft. Dabei wäre das Ihre Aufgabe die Leute aufzuklären, anstatt dem Mainstream hinterherzulaufen. PS: Ich bin nicht bei Vernunftkraft!! – Dr. med. Angelika Grimm-Eckardt

 

Die Verfasserinnen und der Verfasser dieses Artikels bedienen die zur Zeit in der Öffentlichkeit (auch in den Medien) vertretene Meinung vom uneinsichtigen Windkraftgegner, der nicht bereit ist die Folgen des massiven Ausbaus der Windernergie zu tragen, während der Rest des Landes den Nutzen hat. Ich kann nur empfehlen, sich mit Menschen zu treffen, die diese Folgen genießen. In der Regel sind dies Menschen, die im ländlichen Raum leben. Dann erhält man Aussagen wie: WKA 1 km Entfernung: „Es hört sich an wie wenn ein Airliner 24 Stunden fliegt. Kein gleichmäßiges Geräusch, sondern immer leiser,lauter, leiser… Nachts ist es nicht möglich bei offenem Fenster zu schlafen… Ein weiterer Anwohner beklagt sich über den Schatteschlag. Alle 1-2 Sekunden huscht der Schatten an der Wand vorbei, jeden Tag 40 Minuten und die Befeuerung bei Nacht ist nur mit geschlossenen Rollläden zu ertragen. Deis sind nur einige Erfahrungen von Bürgern, die alle der Windkraft positiv gegeüberstanden und sie als Ersatz zur Atomkraft sahen.

Das die Windenergie die kostengünstigste Ökoenergie ist, entspricht, jedenfalls in Baden-Württemberg, nicht den Tatsachen. Die Landesregierung und der grüne Umweltminister kämpfen in Berlin um besonders hohe Subventionen für WKAs, weil der Bau hier sonst zu teuer ist. Gründe hierfür sind die topographischen Gegebenheiten in Baden-Württemberg und das schwache Windaufkommen. Das Beispiel aus dem Schwarzwald, das im Artikel genannt wird, ist mir nicht bekannt. Was aber nachgewiesen ist, dass praktisch alle WKAs in Baden-Württemberg die bei den Planungen angegebenen Megawattstunden bei Weitem nicht erreichen. Außerdem ist die Entsorgung ausgedienter WKAs teuer und noch gar nicht geregelt. Diese Problematik wurde in der Zeit in dem Artikel “ Neunzig Meter Schrott“ sehr gut dargestellt. Sehr poblematisch sind z.B. die extrem widerstansfähigen glasfaserverstärkten Kunststoffrotoren. Es stellt sich die Frage, ob die Windwirtschaft überhaupt über genug Geld verfügt, um einen geordneten Rückbau zu bezahlen.

Es ist für mich unglaublich, dass die Windkraftfirmen ihre Industrieanlagen in Landschaftsschutzgebieten, Naturschutzgebieten, unbelasteten Buchen- und Mischwäldern und ganz in der Nähe von Siedlungen bauen können. Eigentlich gehören diese Anlagen in Gewerbegebiete. Ohne den Naturschutz wären die heimische Wildtiere noch stärker gefärdet.Das sich die Menschen gegen eine übermächtige Industrielobby zusammenschließen und sich wehren, haben wohl schon die Autoren des Zeitartikels „Ein Land wird umgekrempelt“ geahnt. Nachdem sie nämlich den immensen Flächenbedarf für WKAs und Photovoltaik dargestellt hatten, stellten sie die Frage, ob dies die Menschen wohl mittragen würden. Zu dem Punkt 1000m Abstand kann ich nursagen, dass das viel zu wenig ist und es auch auf die topographischen Gegebenheiten ankommt. Die Orte liegen oft im Tal und die 250 bis 300m hohen WKAS werden auf den Höhenzügen rundherum geplant. Die kummulativen Auswirkungen sind noch nie erforscht worden und das betrifft auch den Infraschall, dessen Exitenz von offizieller Seite ja bestritten wird. Zu diesen Thema empfehle ich z.B. sich die Sendung über Infraschall vom ZDF aus der Reihe „Planet Erde“ anzusehen. Auch die Schädlichkeit vo Asbest für den Menschen wurde von der Wissenschaft jahrzehntelang bestritten. Das sich Menschen zusammenschließen, um gegen eine übermächtige Windenergielobby sich zu wehren, ist richtig und notwendig. WKAs sollen iheren Beitrag zur Energiewende leisten, aber sie wird nur Akzeptanz finden, wenn der Ausbau für Menschen und Tiere verträgich gestaltet wird. Überredungskünste und Geld helfen dabei nicht. – Utta Goerlich

 

Einen Schönheitspreis wird es für das Windrad nicht geben, für „Flächenfraß aus und auf Beton“! Keiner will ein Windrad in seiner Nähe haben, beliebt sind sie beileibe nicht, aber sie erzeugen Energie, und diese Energie, die braucht der Mensch ganz dringlich! Die einzig vernüftige Alternative zum Windrad, die scheint nur bei der Solar-Energie zu liegen, denn Dächer, die gibt es, und nicht nur hier in Deutschland, einfach zu Hauf! – Klaus P. Jaworek

 

Tote Fledermäuse, Insekten und Vögel, wem das nicht reicht muss in die Zukunft schauen. Tausende Windräder sollen in Landschaften gestellt werden, die bereits ökologisch schwer beschädigt sind. Der Straßen – und Siedlungsbau in den Grüngürteln bis zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen oder bis an die Waldränder und die Nutzungsformen fast aller Flächen zeigen durch den Zusammenbruch der Artenvielfalt, dass sie oft falsch sind bezüglich der erdhaften Lebenssysteme. Wenn jetzt noch die Wälder aus Platzmangel mit tausenden hektargroßen Löchern perforiert und trockene Perioden wahrscheinlich werden, sind mit den Wäldern bald alle Landschaften ökologisch am Ende. Dann sind wir dort angelangt, wo die Menschen bereits heute durch die Übernutzung der Landschaften und ihrer vielfältigen Zerstörungen fliehen müssen. Windkraft ist eine Alternative zu fossilen Energien, sie kann aber zur schmutzigsten Energie überhaupt werden, wenn politischer Aktionismus und vielfacher privater Wille mithilfe staatlicher Zuschüsse zusätzlichen Gewinn aus überflüssigem Geld zu schöpfen, die Oberhand bekommen. – Hartmut Idler

 


 

 

Leserbriefe zu „»Mama!«“ von Raoul Löbbert

 

Vielen Dank für diesen aufrichtigen und berührenden Text. Auf einen solchen, kinderfreundlichen Artikel habe ich seit Jahren gewartet – endlich schreibt mal jemand, was immer verschwiegen wird in dem allgemeinen Vereinbarkeitshype! – Andrea Teupke

 

So ein armer Papa. Jetzt macht er sich Gedanken, weil er seinen Kleinen nicht gut untergebracht sieht… Ja, da muss er wohl selber ran. Vor 30 Jahren gab es einen Kindergarten, der nahm (windelfreie) 3-jährige vormittags 3 Stunden, evtl. auch noch 2 Stunden am Nachmittag. Unsere Kinder sind auch groß geworden; wir waren nach Schulende so alt, wie der Verfasser heute… Kinder brauchen Liebe, Zuwendung und – ZEIT! Das ist nichts Neues. Wozu brauche ich Kinder, wenn ich sie von früh bis spät von Fremden betreuen lassen muss? – Dr. Erhard Heisel

 

Ihr Autor scheint am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom zu leiden. Besondere Fürsorglichkeit steht im Vordergrund. Das ist eine Form der Kindesmisshandlung. In meiner Kindheit hat eine Kindergärtnerin 20 – 30 Kinder betreut. Den Rest haben die Eltern besorgt. Wir haben im späteren Leben alle unseren Weg gemacht. Die übertreibende Fürsorglichkeit ist genauso verkehrt wie die übertriebene Stränge. – Gunter Knauer

 

Der Redaktionsleiter von Christ & Welt (Sonderseiten der ZEIT) Raoul Löbbert hat genug vom Selbstbetrug bei der Betreuung von unter 3-jährigen in den staatlichen Kitas, weil er seinen 16 Monate alten Sohn in einer solchen weinend abgeben muss. Muss? Obwohl er und seine Frau sich akribisch vor der Geburt auf den neuen Erdenbürger vorbereitet haben, ist dabei offenbar ein wichtiges Thema nicht richtig durchdacht worden, nämlich wer den Jungen denn künftig betreuen soll. Da beide Eltern berufstätig sind und dies – wie sich das heute gehört – auch nach der Geburt uneingeschränkt bleiben wollen, gibt man den kleinen Mann in einer Kita ab, man kennt outsourcing wichtiger Kernfunktionen ja auch aus der Wirtschaft. Und die Politik hat schließlich alles getan, durch Rechtsansprüche der Eltern den Glauben zu fördern, ein Kind, das nicht frühestmöglich in die Kita kommt, erleide einen Entwicklungsschaden. Und jetzt das: Der Kleine will nicht in der Kita bleiben! Da muss sich der engagierte Vater natürlich mächtig und öffentlich aufregen, und etwas tun. Er gibt jetzt sein Kind bei einer privaten Tagesmutter ab, die sich um vier Kinder kümmert (in der Kita hatte das Personal 7,5 Kinder pro Betreuer/in). Eine signifikante Verbesserung also für den Kleinen.

Noch besser wäre es (rein mathematisch betrachtet) allerdings, wenn sich der Vater bzw. die Mutter selbst um das Kleinkind kümmern würden, zumindest bis es drei Jahre alt ist, dann wäre das Betreuungsverhältnis 1:1. Doch das ist derzeit irgendwie nicht so hip, man macht die Kindererziehung lieber von Anfang an zu einer gesellschaftlichen Aufgabe. Das klingt ein wenig nach DDR, aber da war ja angeblich auch nicht alles schlecht. Schade, dass die Erziehung durch die Eltern selbst nur noch ab 17 Uhr oder an den Wochenenden stattfinden soll. Von einem Redaktionsleiter von Christ & Welt hätte ich mir etwas anderes gewünscht. Dass die Unterbringung von Kleinkindern in Kitas für Alleinerzieher oder Geringverdiener eine ökonomische Notwendigkeit sein mag, kann unschwer bestritten werden, aber zu diesem Personenkreis dürften der Redaktionsleiter und seine Frau eher nicht zählen. – Uwe Reuter

 

Ich gebe Ihrem Autor dieses Artikels Recht, das diese Eltern ein schlechtes Gefühl verdrängen. Allerdings bin ich der Meinung, vielleicht sollten sich diese Eltern auch einmal überlegen, ob sie die Erziehung ihres Kindes so früh komplett in fremde Hände geben müssen. Die Erzieher/innen sind meist fremde Menschen, deren Wertevorstellung den meisten Eltern meist vollkommen unbekannt sind und trotzdem entscheiden sie sich dazu, diesen Menschen ihre Kinder für die größte Zeit des Tages anzuvertrauen. In Familien, die von einem Gehalt nicht leben können, besteht die Notwendigkeit, aber ich glaube, ihr Autor und seine Familie sind diesen Schritt nicht aus materieller Not gegangen. Hier sollte meiner Meinung nach bei der Familienplanung die ersten Jahre mit berücksichtigt werden, und bis zum 3. Lebensjahr die Kinderbetreuung durch die eigene Familie (Mutter und Vater) erbracht werden. Da sind vor allem Dingen auch die Arbeitgeber gefragt. Ich finde es auf jeden Fall fragwürdig, dies nur den überlasteten Erzieher/innen vorzuwerfen. – Michael Hüsken

 

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel zu den deutschen Kitas in der aktuellen Zeit gelesen. Auch wir haben 2 Kinder in einer Kita in Freiburg untergebracht und waren uns sehr schnell einig, dass wir eine sehr besondere und fürsorgliche Einrichtung erwischt haben. Uns ist durchaus bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist und wir sind sehr dankbar dafür. Wir wissen auch wie es Eltern das Herz zerreißt, wenn das eigene Kind weinend vor der Kita steht und man ein ungutes Gefühl bei der Einrichtung hat. Wir erlebten dies bei unserem Sohn im Kindergarten. Die Alternativen sind spärlich und oft ist man einfach nur froh eine Einrichtung gefunden zu haben. Diese Situation aber NUR der Politik anzulasten, wie Sie das in Ihrem Artikel gemacht haben, ist mir persönlich aber etwas zu kurz gedacht. Denn die Nachfrage nach Kindereinrichtungen ist in den letzten Jahren stark gestiegen, und dass nicht nur, weil die Eltern zwingend arbeiten müssen, sondern weil max. 1800€ Kindergeld einfach zu wenig sind, wenn ein Eigenheim möglichst schnell abbezahlt werden soll, die Karriere ruft oder 3mal im Jahr Urlaub drin sein muss. Mir ist bewusst, dass dies sicher nicht immer der Fall ist, aber dieser Aspekt hat – meines Erachtens- zwingend in Ihrem Artikel gefehlt. Klar kann die Politik noch mehr investieren in die Ausbildung und das Gehalt von Fachpersonal in Kitas und somit den Beruf attraktiver machen, aber es sollten sich schon auch einige – ich sage ausdrücklich nicht ALLE – Eltern fragen, warum sie ihr Kind so früh in eine Einrichtung schicken müssen. Übrigens hat der Kindergarten bei uns vor Ort kaum mehr Zulauf, weil die Öffnungszeiten bis halb 3 einfach zu unattraktiv sind – wäre auch mal ein Artikel wert oder???? – Robin Fischer

 

Ihr Artikel offenbart zwei bedenkliche Grundhaltungen, die zur scheinbar sehr schlimmen Lage Ihres Kleinkindes führen. Erstens: Wenn Sie ein Kind in die Welt setzen, ist es Ihre Aufgabe, gut für es zu sorgen, nicht die Aufgabe des Staates, irgendeiner Institution oder irgendwelcher anderer Menschen. Die Amerikaner haben da, u.a., einen treffenden Ausdruck: „Is it a good place to raise kids?“ Wenn also die Kita so katastrophal ist, sollten Ihr Kind schleunigst da herausholen und erst einmal zu Hause betreuen. Zweitens: Wenn ein Kind vor Not schreit, sollte jeder Mensch diesem Kind helfen und es trösten. Wenn Sie und Ihre Frau erstmal abwarten, ob das nicht ein anderer übernimmt…mir fehlen die Worte. Wofür muss Ihr Kind da herhalten? Wenn sich Ihr Kind verletzt oder einen Unfall erleidet, warten Sie dann auch mit der Stoppuhr in der Hand bis der Notarzt kommt und überprüfen die Dauer von Alarmierung bis zum Eintreffen am Unfallort? ALso: Frage nicht, was dieses Land für Dein Kind tun kann, frage , was Du für Dein Kind tun kannst (frei nach J.F. Kennedy). – Dr. med. Th. Lukowski

 

Endlich! Endlich spricht mal ein Elternteil das aus, was tagtäglich in den Krippen und Kitas geschieht. Alle Maßnahmen und auch das Gute-Kita-Gesetz ist dafür nur wieder ein weiterer Beweis drehen sich nur minimal um das Wohlempfinden der Kinder in den pädagogischen Einrichtungen. Wie kann eine Gesellschaft ihre kleinen Kindern Menschen überlassen, die es nicht verstehen und/oder verstehen wollen, dass diese Menschen in ihrem Lebensalter was anderes benötigen wie überfordertes Personal, das dann schnell dabei ist aus diesem Stressverhalten heraus die Kinder übergriffig zu behandeln. Da nützen keine Schulungen und Unterschriften dazu etwas (die meiner Erfahrung nach nur abgesessen werden), da fehlt es einmal an exzellenten Rahmenbedingungen und an dem Bekenntnis daran, wer in der Arbeit mit dem Kind tätig sein darf. Auch wenn es vielleicht niemand gerne hört, aber eine Kontrolle der direkten Arbeit mit dem Kind erfolgt nicht, genauso wie in manchen sozialpädagogischen Einrichtungen sehr lasch damit umgegangen wird, wenn wirklich mal ein Vorfall herauskommt. Aufgrund von Facharbeiter Mangel veranlasst oft die übergeordnete Stelle wie Träger, dass es mit einer Ermahnung getan ist. – Evelin Steinke-Leitz

 

Herzlichen Dank für diesen ehrlichen, den Finger deutlich in die Wunde legenden Artikel. Ich habe lange Zeit als Lehrerin, als Mutter und seit 4 Jahren als Oma die Entwicklung im Bereich der Kinderbetreuung beobachtet. Die Kinder werden immer früher zur Betreuung außer Haus gegeben; die Verunsicherung, die bei Kleinkindern dadurch entsteht und die daraus resultierenden seelischen Nöte, haben Sie beschrieben. Das Personal ist überlastet, kann die Geborgenheit des Zuhauses nur in Ansätzen geben, ist aber nicht Schuld an der Misere. Ihr Artikel sollte auch eine Aufforderung an junge Eltern sein, ihr Kind möglichst lange zuhause zu behalten. Dies ist weder eine rückwärtsgewandte Haltung, noch Gefühlsduselei, sondern die Überzeugung, dass diese gemeinsame Zeit mit dem Kind für alle Beteiligten ein so großer emotionaler Gewinn ist, wie ihn das Leben nur selten zu bieten hat. – Es hat sicher viele Gründe, die unsere Gesellschaft dahin geführt hat, dass Eltern meinen,, ihr Kind früh in die Kita geben zu wollen, manchmal auch zu müssen. Es ist aber von großer Bedeutung, diese Entscheidung gut zu bedenken. Der Verlust der alten Bezeichnung „Kindergarten“ zugunsten des Begriffs „Kindertagesstätte“ sagt viel über die Veränderung dieser Einrichtung. – Christa Breidert

 

Es ist erfreulich, dass Ihre Zeitung sich in dieser Form vor unsere Kinder wirft, indem sie ihre Situation in deutschen Kitas beleuchten. Sie zitieren an anderer Stelle dieser Ausgabe Hans-Joachim Maaz, der auf die zentrale Rolle von Beziehungsqualität für die Entwicklung von Kleinkindern eingeht. Zu fragen wäre, warum der gesamte U3/U2U1-Bereich in Kitas ohne Gegenwehr durch die Experten (Erzieherinnen, Fachlehrer) und gegen besseres Wissen einfach als gegeben kritiklos aufgenommen wird. Erziehungswissenschaftler reagieren darauf, indem sie Ansätze als „Werkzeuge“ kreieren, die den überforderten Experten in den Kitas suggerieren, bei guter Anwendung zu funktionieren. Die Pädagogik wird einem Methodenfetischismus geopfert. Die Frühpädagogik verkommt so zum Handwerk. Vielen der Pädagogen in den Einrichtungen ist ihre gesellschaftliche Schlüsselrolle nicht bewusst – teils sind sie moralisch oder intellektuell überfordert. Die Politik ist Parteien-übergreifend zu feige, zuzugeben, dass der von ihr kreierte Begriff der Familienfreundlichkeit auf Kosten der Kinder geht – sie bedienen ihre Wähler. Und da die Frühpädagokik immer mehr ökonomisiert wird, wollen die Kitas ihre Kunden, die Eltern, nicht verprellen. Ja – Pech für die Kleinen. – Claus Boesser-Ferrari

 

Vielen Dank für die beiden Artikel „Mama!“ und „Immer auf die Kleinen“. Schön, dass dieses Problem einmal in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Sie könnten noch ergänzen, dass die Situation bei der Betreuung der über Dreijährigen leider auch nicht besser aussieht. Ich überlege auch schon, ob ich es noch mit meinem Gewissen vereinbaren kann, meinen „Großen“ weiterhin in seinen Kindergarten zu schicken, und ob wir es uns leisten könnten von nur einem Gehalt zu leben. Die Einrichtung zu wechseln versuchen wir zwar, aber da steht man dann auch als „durchsetzungsstarke arbeitende und (vermutlich eher) wohlhabende Eltern“ ganz hinten auf der Liste. Alles voll und das Kind hat ja bereits einen Platz. Die Mails am Montag morgen mit dem Betreff „Grippewelle: Kind diese Woche bitte daheim betreuen“ kennen wir. Aber selbst an einem durchschnittlichen Tag gibt es oft nur eine Erzieherin für die ganze Gruppe, die wegen Personalmangel aus „nur“ 20 Kindern besteht. Dass da oft nur Brände gelöscht werden und nicht mehr gebastelt, raus gegangen oder geturnt werden kann, muss unter diesen Umständen wohl nicht erst erwähnt werden. Mittlerweile ist die Lustlosigkeit beim Personal so groß, dass nicht einmal mehr der Schein vor den Eltern gewahrt wird (liebloser St Martins-Umzug, unorganisierter Familienausflug, tägliche Klagen über Lappalien).

Ganz spannend wird es, wenn das Kind nicht in allen Belangen der „Norm“ entspricht. Da wird ein cleveres, liebes und fantasievolles Kind mit einem kleinen Problem gleich als Problembär abgestempelt und entsprechend behandelt. Vor den Eltern wird dann schnell ein äußerst beeindruckender Dschungel – und das mitten in Bayern! – an Sonderverwahrungsanstalten aufgetan, in die das Kind plötzlich abgeschoben werden soll. Ähm. Ich meinte natürlich in denen das Kind besonders gefördert werden soll. War nicht irgendwann vor lange Zeit einmal von Inklusion die Rede? Ach, und in den Sonderverwahrungsanstalten sind natürlich auch keine Plätze frei. Wenn ich höre, dass Bayern und Baden-Württemberg mit dem Verweis darauf, dass Bildung Ländersache sei, aus dem Nationalen Bildungsrat ausgestiegen sind, kommen mir die Tränen. Wütend bin ich auch auf die Politiker, die das Geld aus dem Gute-Kita-Gesetz dazu verwenden die Betreuungsgebühren abzuschaffen. Ich würde gerne alle Politiker, die ihre Macht zulasten unserer Kinder ausbauen, indem sie verbindliche Standards und Qualitätskontrollen bei der Bildung und Betreuung unserer Kinder verhindern, in den Kindergarten meines Sohne einladen. Nehmt doch bitte das Geld vom Land und das Geld von uns Eltern (nach Einkommen gestaffelte Gebühren und Gebührenbefreiung für Geringverdiener und Alleinerziehende erachte ich als selbstverständlich) und schaut, dass es ausreichend anständig bezahlte und motivierte Erzieher und Erzieherinnen gibt, kindgerecht und liebevoll gestaltete Räumlichkeiten, eine Qualitätssicherung, gutes Essen und dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert wird. Ein Wunder, dass es immer noch Erzieher und Erzieherinnen gibt, die hochmotiviert ihr Bestes geben. Ich darf meinen fröhlich vom Park, von Kindern und Erzieherinnen plappernden Zweijährigen jeden Mittag in einer solchen Einrichtung abholen. Das erhöht meinen ohnehin schon großen Respekt vor dem anspruchsvollen und verantwortungsvollen Beruf des Erziehers/der Erzieherin noch mehr. Und ich bin im Nachhinein sehr froh darüber, dass die oben beschriebene Einrichtung „leider“ keinen Platz für den Kleinen frei hatte. – Monika Schmitt

 

Schlecht bezahlte Erzieherinnen betreuen Kinder, damit deren Eltern ihren gut bezahlten Jobs mit gutem Gewissen nachgehen können. Und damit das Gewissen beruhigt ist, soll die Kita beste Qualität bieten und selbstverständlich auch noch hoch flexibel sein, z.B. was die Öffnungszeiten angeht. Währenddessen reicht das Einkommen der Erzieherinnen nicht aus, um in den Ballungszentren eine halbwegs angemessene Wohnung bezahlen zu können. Eigentlich klar, dass das nicht wirklich funktionieren kann, oder? – Armin Biermann

 

Sie schildern die Beobachtung der Betreuung Ihres Sohnes in einer Berliner KiTa. Wie Sie diese erlebten, ist auf keinen Fall richtig und sollte noch viel weniger der Norm entsprechen. Dennoch möchte ich hier auf Ihren Artikel erwidern. Ihre Schilderungen erwecken den Eindruck, in KiTa‘s wird Eltern quasi grundsätzlich die Unwahrheit gesagt. Und hier widerspreche ich Ihnen. Ich unterrichte als Berufsschullehrerin unter anderem angehende Erzieher*innen und bin, durch die Ausbildungsstruktur, welche theoretische und praktische Ausbildungsbestandteile umfasst, neben dem Fachunterricht auch in KiTas tätig. Ihre Beobachtungen sind nicht charakteristisch. Erzieher*innen erfassen Situationen und benennen.

Schüler*innen, die Erzieher*in werden wollen, verfolgen engagiert Ihren Plan für Kinder tätig zu werden, nicht gegen sie. Mich stört, der pauschale Verdacht, dass Erzieher*innen Eltern belügen. Dies unterstellt gleichsam, dass in den Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe Menschen arbeiten, die Zustände hinnehmen, das Wohl und die zumeist eigene Motivation, den eigenen Ansprüchen und dem Wohl des Kindes entsprechen zu wollen, ignorieren. Das entspricht weder dem Anspruch der überwiegenden Schüler*innen, noch den Erzieher*innen, die in dem Beruf arbeiten. Die in den Arbeitsfeldern Beschäftigten tun Einiges, um Kritik erlebbar zu machen und Strukturen zu ändern. Dies tun sie, weil Erzieher*innen in besonderem Maß gefordert werden, weil die Bedingungen des Berufes herausfordern und sie nicht zuletzt einen Beruf wählten, der sie in seiner Verantwortung reizt, für Menschen tätig zu sein. Das umfasst ebenfalls die Gestaltung von Strukturen, auch deren Kritik.

Ich möchte für das Ansehen eines Berufes plädieren, der meiner Beobachtung nach überwiegend von engagierten, ehrlichen und kritischen Menschen gewählt und ausgeübt wird. Um hier Strukturen gemeinsamzu verbessern, muss genau hingeschaut, sich zugehört und eben nicht pauschalisiert werden. So werden die Personal- und Sachnöte auf keinen Fall gelöst. Selbstverständlich ist die Politik in der Verantwortung, respektable Bedingungen für die Kinder- und Jugendhilfe zu schaffen. Dies ist nicht Bestandteil der Erwiderung. Hier soll auf die Vielfalt und das Engagement der in der Kinder- und Jugendhilfe Tätigen hingewiesen werden. – Dr. Nicole Napieralla

 

Sie sind mutig, sich als nicht stromlinienförmig zu outen. Denn es gehört heute Mut dazu, anders zu denken, als dem Zeitgeist entspricht – wer macht den eigentlich: ein Oberlemming? Es gab eine Zeit, da verstanden wir uns als Individualisten, mussten und wollten unseren Weg selbst finden. Heute schwimmen zuviele mit dem Strom, als es der Demokratie gut tut. Der Strom ist z. B., sich als „Werktätige/r“ zu definieren und die Kinder sich anpassen zu lassen, ja, das tun sie, ihren Eltern zuliebe. Kinder, die früh lernen, dass sie sich anpassen müssen, werden treue Untertanen sein… Da ist die DDR bei uns angekommen. Kommen Eltern auf die Idee, dass die Kleinsten, die Unterdreijährigen die größte Last tragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, früher schon in der DDR, seit etwa 10 Jahren auch in der Gesamt BRD? Auch das darf man nicht sagen, dafür wollte man mir das Mutterkreuz umhängen oder man rückte mich in die Nähe der AFD! Dabei bin ich in der Wolle gefärbte Liberale.

Wie das? Unendlich viel wurde geschrieben von Wissenschaftlern, aber auch von Praktikern wie mir, zu dem Thema, was frühe Krippenbetreuung bedeutet – und wie Krippe zu sein hat, wenn man sie will. Die Qualität der Krippe wurde fast überall in Deutschland der Quantität geopfert – „weil die Eltern uns die Bude einrennen“ – wie der Senator es ausdrückte, der sich damals in Hamburg zwischen Qualität und Quantität entscheiden musste. Das hat sich bis heute nicht geändert: Man will wieder Kinder, doch „der Staat“ soll sich kümmern. Und „der Staat“ übernimmt nicht Verantwortung, sondern tut, was wahlkonform ist – das nennt man Populismus. Dass es auch anders geht, zeigt Bremen – ausgerechnet das linke Bremen, das bildungstechnisch immer so verrufen war! Bremen lässt sich beraten von einer Erzieherin und Sozialpädagogin, die sich auch wissenschaftlich mit dem Thema Frühkindliche Bildung befasste – und baut Krippen nur soweit aus, wie es ErzieherInnen zur Verfügung hat – obwohl man auch dort über die Qualifikation der KrippenerzieherInnen diskutieren kann.

In der DDR gab es sehr gute Krippen und sehr schlechte – so wie heute auch in der BRD. Würden Sie Ihr Kind in eine Schule geben, in der es kaum Lehrer gibt, nur damit es aufgehoben ist? Doch selbst eine ausreichende Quantität ist nicht genug. Unterdreijährige befinden sich in der sensibelsten Entwicklungsphase des Menschen und brauchen beste Qualität, wenn sie fremdbetreut werden. Erstaunlicherweise erbringen Eltern – solange sie nicht so verunsichert sind wie unsere heutigen Eltern – diese Qualität. Und damit sind wir bei den Brigittes. Wenn es vier Krippenkinder sind, die sie betreut, wäre das zuviel – oder was fühlen Sie, wenn Sie von einer Mutter mit Vierlingen hören? Ist die Gruppe altersgemischt, wäre das ok. Doch auch Brigitte braucht nicht nur Herz und Hände. Weiß sie z. B., dass sie sekundäre Bindungsperson ist und wie man das macht? Sie darf das Kind nicht in den Konflikt bringen, wer für es an erster Stelle steht – daraus entstehen Konflikte mit den Eltern, die nicht selten zu einem Wechsel der Tagesmutter führen – wieder ein Beziehungsabbruch für das Kind. Ich will Sie bestimmt nicht verunsichern, nur andeuten, wie komplex die ganze Krippenproblematik ist. Jetzt stehen wir da, der Geist ist aus der Flasche und wie lösen wir das Problem? Wir müssen endlich die Krippenbetreuung vom Kind her denken!

Was braucht das Kind, wie nehmen wir seine Bedürfnisse wahr, wie werden wir ihnen gerecht? Unterdreijährige brauchen Mutter und Vater und keinen Krippenplatz – den brauchen die Eltern. Um zu zeigen, wie solch ein Krippenplatz aussehen sollte, füge ich im Anhang das Positionspapier der DGSPJ bei, das es seit 2010(!) gibt, das ich großartig finde und das niemand lesen will. Außerdem muss sich unsere Arbeitswelt ändern: zwischen 25 -35 Jahren, dem Alter, in dem Frauen aus biologischen Gründen möglichst die Kinder bekommen sollten, (unsere Mütter sind viel zu alt, können häufig auf natürlichem Wege gar keine Kinder mehr bekommen, die Schwangerschaften sind risikoreich für Mutter und Kind – auch das darf man übrigens nicht sagen.) sollte es selbstverständlich sein, dass Eltern (nicht die Mütter allein!) kleiner Kinder Teilzeit arbeiten. Wo steht geschrieben, dass man in diesem Alter Karriere machen muss? Lassen Sie uns all diese überkommenen Dinge auf ihre Notwendigkeit hinterfragen.

Es muss viel mehr Familienfreundliche Unternehmen geben: Da gibt es übrigens auch eine mehrere Jahre alte Studie, die zeigt, dass Familienfreundliche Unternehmen in allen wirtschaftlich relevanten Bereichen eine 17% bessere Produktivität haben als andere, selbst die Kundenbindung ist dort besser – und das, obwohl dort fast alle Teilzeit arbeiten; es sollte viel mehr Arbeitszeitbudgets, Gleitzeit, Heimarbeit, geteilte Jobs geben usw. Qualifizierte Arbeitnehmer sind rar bei uns, warum sollten sie nicht viel mehr familienfreundliche Bedingungen bei den Arbeitgebern einfordern? Arbeitgeber sind häufig kreative Leute, da sollte es doch gute Lösungen geben. Einer Familie geht es nur gut, wenn es allen Beteiligten gut geht – auch dem Kind. Als Kinder- und Jugendärztin habe ich zunehmend psychosomatische Beschwerden auch bei den Allerkleinsten gesehen – die von den Eltern völlig fehlgedeutet wurden – aus Bequemlichkeit? Es gäbe noch ganz viel zu sagen – die ZEIT hat übrigens 2012(!) ein wunderbares Symposion zu dem Thema Krippenqualität gemacht – doch genug für heute. Bleiben Sie an der Seite Ihres Kindes. – Dr. Ursula Augener

 

“ Die Zeit“ habe ich bisher nur wegen Giovanni di Lorenzo und Martenstein goutiert. Dass ein Artikel wie der von Löbert in „Die Zeit“ erscheint, überrascht mich. Er ist das Beste, was ich je zur Kita gelesen habe. Jedes Wort trifft den Nagel auf den Kopf. Für ein Kind unter 2 Jahren mag es im Einzelfall notwendig sein, es in einer Krippe unterzubringen. Im Regelfall aber ist es eine Gefährdung des Kindeswohls, in Fremdbetreuung – horribile dictu- bei wechselnden Bezugspersonen mehr Stunden zu verbringen als bei seinen Eltern. Das weiß jeder, der die Angst und das Weinen solcher Kinder schon bei der pünktlichen Ablieferung in der Krippe erlebt hat. Das „Gute-Kita-Gesetz“mit seinem suggestiven Framing Effekt ändert nichts an der Realität in einer Krippe.“Fremdbetreuungsgesetz“ wäre ein realistischer Begriff. Dass die Krippe die Erwerbstätigkeit der Mutter fördert, mag ihrem Wohl und dem der Arbeitgeber dienen, aber nicht dem des Kindes. – Prof. em. Peter-Christian Kunkel

 

Endlich jemand, der wirklich die andere Seite der Medaille beschreibt und an die Kinder erinnert. Eine Fragezur Wirkungder unterschiedlichen Methoden, Kleinstkinder zu betreuen: Wo waren eigentlich die, die heute bei PEGIDA mitmarschieren und „absaufen, absaufen …!“ brüllen?Wurde denen von liebevollen Eltern täglich persönlich vorgelebt, dass man empathisch und treu zu allen Menschen sein muss oder hat man sie im Alter von 1 1/2 Lebensjahren oder früher in der „Volle-Windel-Kita“ abgegeben.Der eigentliche Trick zur deutlich angestrebten Steigerung der Mitarbeiterproduktivität für ganz Deutschland wardoch folgender:1)Zielsetzung: Die Anzahl der Bürger verdoppeln, die das BIP produzieren, ohne gleichzeitig die Löhne zu verdoppeln.2)Ergebnis: Wie man an der Entwicklung der Einkommen deutlich sehen kann, ist das vollständig gelungen. 3)Logik: das Haushaltseinkommen muss reichen, um EINEN Haushalt ernähren und führen zu können. Ein Einkommen, das doppelt so hoch sein würde, nur weil beide arbeiten, ist nicht sinnvoll und schon gar nicht notwendig aus Sicht der Wirtschaft. 4)Methode: a)Sobald die Frauen in den Job gehen, ist bereits der erste Schritt getan. Frauen verdienen nämlich ohnehin nur 80% des Einkommens, das die Männer erhalten.

Die Wirtschaft schiebt diese Entwicklung kräftig mit lobenden Argumenten zur Selbstverwirklichung an und reibt sich bereits in diesem Moment die Hände: Produktivität von zwei Menschen für den Lohn von 1,8 Menschen. Was will man mehr? Dumme Frage ist das! Weil die Wirtschaft natürlich mehr will. Genug ist doch nie genug: deshalb auch noch b)Man kann doch leicht die Gewerklschaft überzeugen, dass ein Haushalt keine 1,8 Einkommen braucht, wenn schon 1,4 Einkommen für den Lebensunterhalt genügen. Die jahrelange Stagnation der Löhne und Gehälter der Abhängigen zeigt, dass die Gewerkschaften überzeugt werden konnten. 5)Indizien: Die auf den ersten Blick erstaunliche (aber vergiftete) Unterstützung der Wirtschaft für Kitas und für die „Selbstverwirklichung der Frau“, die unermütlich von Seiten der Wirtschaft demonstriert wurde und die außerdem von den Gewerkschaften und von der Politik immer wieder eifrig nachgeplappert wurde.

Motto: Denkt an Euere Selbstverwirklichung an der Kasse unter der Aufsicht eines Mannes und gebt dafür Euere Kinder ab – verwirklicht Euch endlich! und die perfide Verhöhnung der Frauen:eine Frau, die respektiert werden will, die steht doch nicht am Herd und hat ein Kind am Rockzipfel hängen. Geht endlich arbeiten! Verwirklicht euch! Primitiv, verlogen und gemein aber äußerst wirksam für diejenigen, die nicht gerne denken sondern lieber folgen; Follower eben. (Große Entschuldigung an alle Mernschen, die arbeiten MÜSSEN, weil sonst das Geld nicht reicht. Deren Entscheidung muss jeder akzeptieren. Die sind auch gar nicht gemeint.Aber deutliche Kritik an den Politikern, die diese Philosophie als Weg zum Glück verlogen predigen, weil sie die Hand der Wirtschaft in ihren Kleidern spüren! Perfekte Handpuppen eben.)Facit: Hat alles wunderbar geklappt und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wurde auf dem Rücken der Kinder deutlich gesteigert. Man kann es vom Aufjaulen der ausländischen Konkurrenz und unserer Kinder mit Sicherheit ableiten, wenn man fähig ist, solche Informationen „herauslesen“ und heraushören zu können. – Klaus Lachetta

 


 

 

Leserbriefe zu „»Fast ein normales Ereignis«“ von Hannah Knuth

 

90 % der nordamerikanischen Indianer wurden von den Weißen getötet. Mit Gewehren abgeschlachtet, mit pockenverseuchten Decken gezielt infiziert und in Reservate gesperrt, die bewusst zu klein waren, um ihnen ausreichend Nahrung zu geben. In Südamerika ging schon lange davor das Abschlachten der eingeborenen Völker los. Viele haben nicht überlebt. Für jedes Tier, das aus Afrika in einen europäischen Zoo kommt, sterben fünf Artgenossen. Ich habe keinen Grund zu der Annahme, dass das Verhältnis bei den Sklaven, die aus Afrika nach Europa und Amerika verschleppt wurden, besser war.

Doch auch die Afrikaner selber bemühen sich redlich (Stichwort Huti) „die Anderen“ auszurotten. JA, ich kann Mr. Hallam nur zustimmen: So einzigartig war der Massenmord der Deutschen an den Juden leider nicht. Das macht die Deutschen nicht weniger schuldig und das Leid nicht geringer, doch Andere haben sich auch zu verantworten und dürfen sich nicht hinter uns verstecken. Und wenn wir so weitermachen mit der Zerstörung der Erde, haben WIR den Tod der gesamten Spezies Mensch zu verantworten – doch das interessiert dann niemanden mehr. – Horst Schwäbe

 

Der Artikel von Frau Knuth ist nicht objektiv verfasst ist, sondern strotz von Voreingenommenheit. Mit keinem Wort erwähnt die Autorin die Ausführungen Roger Hallams zu seiner These, dass die Passivität, mit der die westliche Welt der Klimakrise gegenübersteht, und die auf langer Sicht zu vielen menschlichen Opfern in den ärmeren Ländern führen wird, mit der Gleichgültigkeit vieler Menschen gegenüber Völkermorden, die uns aus der Menschheitsgeschichte bekannt sind, vergleichbar ist. Vielmehr fokussiert sich die Autorin von Anfang an auf eine Vorverurteilung Hallams. Das ist schade, weil auf diese Weise kein echter Diskurs stattfinden kann. – Vera Grebe

 

Die Relativierung von Menschen gemachten Tragödien entlarvt diese, wie sonstige Klimabewegungen auch allein als religiöse und globale Missionierungen zum Schutz der eigenen Rasse, welche für alle diese Tragödien und für die Klimakatastrophe allein verantwortlich ist. Deshalb sind sie und ihre schärfsten Gegner wie u.a. Trump Brüder im Geiste. Ihnen geht’s nur um sie selbst. Die Forderung nach einem Schutz der Natur als ein geordnetes Ganzes dient auch in diesem religiösen Wahn nur der Sicherung der eigenen Spezies. Deshalb wird dieses Missionieren von neu berufenen Sehern glücklicherweise zum Vorteil einer sich neu findenden Natur ohne Erfolg bleiben. – Jürgen Dressler

 

Der Mann um den es hier geht, Roger Hallam, denkt gar nicht so verquert, wie sie bemerken. Die liberale Demokratie gehört eher auf den Prüfstand. Seit ich in zwei völlig unterschiedlichen Ländern lebe, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß eine liberale Demokratie einen Staat mehr schaden kann als zum Beispiel eine Autokratie. Ihn ständig als alternativlos hinzustellen bringt keinen Staat wirklich weiter. Auch diese Ideologie gehört auf den Prüfstand. Die „Zeit“ hat das schon mal versucht. – Gunter Knauer

 

Das Wort „Holocaust“ hat sich in vielen Länder durchgesetzt als Umschreibung für die plamäßige Vernichtung der europäischen Juden durch die Nazi Herrschaft. Es soll für etwas stehen, dass man nie wiederholen, bzw. vergessen darf. Doch könnte dieser Ausdruck genau für das Gegenteil stehen: Geschichtsvergessenheit. Das Wort stammt aus dem Griechischen „holokauston“ (vollständig verbranntes Tieropfer) und wurde meistens benutzt, um den entsprechenden Hebraischen Begriff im Alten Testament zu übersetzen. Darf man der Massenmord an den Juden durch die Nazis als „Opfergabe“ betrachten? Wäre es nicht stimmiger das gängige Hebraische Wort „Shoah“ (Unheil, Katastrophe) zu benutzen? Wenn man aber Worte nicht so genau nehmen muss, dann gebe ich Roger Hallam völlig Recht: Völkermord, bzw. Massenmord an Zivilisten gehört zum Arsenal des ganz normalen, banalen Bösen. In jedem Krieg werden Menschen getötet, nur weil sie eine andere Gruppe (ethnisch, religiös, politisch, usw.) angehören. – Jean-Marie Clarke

 

In ihrem Beitrag über den Begründer der Bewegung Extinction Rebellion hebt die Autorin stark ab auf dessen Haltung zum Holocaust. Denn er selbst hat, wie sie schreibt, sehr engagiert darüber gesprochen. Der Mann lebt in Wales, heißt Roger Hallam, hat viele, zum Teil schräge Ideen im Kopf, und seine (auch für mich durchaus befremdliche) Bewertung des Holocaust irritiert Frau Knuth zutiefst. Ich finde es gut, wenn wir Deutschen – und Hannah Knuth scheint eine zu sein, vermutlich sogar, wie ich, Nachfahrin von Mitläufern oder Tätern – den Holocaust als DAS grauenvolle Verbrechen unserer Geschichte begreifen und jede Relativierung abwehren. Ich selbst versuche seit etwa 50 Jahren die ganze Monstrosität der Ereignisse zu erfassen und werde das wahrscheinlich nie ganz können, jedenfalls bin ich bis heute über jede neue Information erschüttert oder verstört.

Richtig ist allerdings leider auch, dass es massenhaften Mord, z.B. Völkermord, bereits vordem gegeben hat und bis heute gibt. Deshalb finde ich es falsch zu erwarten, wie Frau Knuth es in anscheinend tut, dass der Holocaust nicht nur für uns Deutsche, sondern für alle Europäer oder gar für alle Welt als einzigartig in seiner Schrecknis zu gelten habe. Denn diese Bewertung sollten wir Deutschen meiner Meinung nach den anderen selbst überlassen. Ein Kurde, Armenier, Hutu oder Tootsie, ein Navajo, Rohingya oder eben auch ein Waliser mag diese Frage anders beantworten. Das darf uns Deutsche dennoch nicht dazu verleiten, das millionenfache Versagen und Verbrechen unserer eigenen Vorfahren auch nur teilweise als „entschuldigt“ oder verringert misszuverstehen. – Gesa Pansch

 

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel mit dem o.g. Titel im Wirtschaftsteil der letzten Zeit gelesen. Um es vorwegzunehmen, die Verbrechen in der Nazizeit waren m.E. sehr schlimm und unentschuldbar. Aber muss man gleich jemanden diffamieren mit dem Vorwurf der Relativierung, der Interviewte hat jetzt keine Vernichtung gutgeheißen, noch rechtfertigt, nur anders eingeordnet als das der deutsche Mainstream derzeit tut. Er hat nur gemeint, dass solch ein Mist in der Geschichte häufig vorgekommen ist. Als erstes könnte man der Einstellung ihrer Journalistin Frau Knuth entgegnen, dass wir die Verbrechen anderer Völker relativieren, indem wir indirekt sagen, eure Verbrechen waren gar nicht so schlimm, unser war nämlich am schlimmsten. Zweitens: ist es überhaupt so wichtig zu diskutieren, ob die VErbrechen unserer Großeltern die schlimmsten in der Menschheitsgeschichte waren, oder einfach eines unter mehreren wirklich schlimmen Entgleisungen? Ein Mord macht einen anderen Mord nicht besser nur weil der Täter ein anderer war! Mord ist einfach nur Mord und bleibt Mord, egal ob von Deutschen (an Juden, Roma, Sozialdemokraten und Kommunisten, etc), Russen (z.B. an Ukrainer), Spanier (an Indianer) oder Engländer (u.a. ebenfalls an Indianern) begangen.

Drittens: wir kennen einige systematische Vernichtungskriege gegen Menschen in der Geschichte: – warum gibt es sogut wie keine Indianer in Nordamerika, in Uruguay oder Argentinien mehr? Oder warum sind die allermeisten Indianerstämme in Chile nicht mehr existent. Ja, weil sie so wie die Juden in Europa systematisch ermordet und beraubt wurden – halt mit den Waffen des 16. bis 19. Jahrhunderts. – was ist mit der ukrainischen Landbevölkerung unter Stalin? – oder den Armeniern in der Türkei vor 100 Jahren? – oder den Hutus in Ruanda? – den Aborigines in Australien? – usw. Alle systematisch ermordet. Wie gesagt: das macht die deutschen Verbrechen kein deut besser, aber dies zeigt die Maßlosigkeit des öffentlichen Diskurses in Deutschland, und jeder der hier eine abweichende Meinung äußert wird gleich als Leugner, Rechter, etc. diffamiert! Nicht die Meinung des Herrn Hallam ist das Problem für die Demokratie, sondern der intolerante Umgang der Presse und der linksliberalen Eliten damit. Dabei hätte man die Gelegenheit zu einem Diskurs nutzen können, das hätte eher in die neue „Streit-Rubrik“ viel besser gepasst. Und mit diesem Diskurs wird ja auch heute praktische Politik begründet (z.B. die „Einladung“ an Flüchtlinge), die das alles noch schlimmer macht, weil von vielen nicht akzeptiert. Zu einer ausgewogenen Berichterstattung gehört nicht nur die Recherche, sondern vielmehr die Einordnung dessen, wie jemand was gemeint hat, statt jetzt Satzfetzen aus dem Kontext herausgenommen in den Vordergrund zu schieben, nur um die tolle Überschrift zu haben. Die Presse sucht viel zu oft nach der Möglichkeit, wie man jemandem das Wort im Mund umdreht, statt sich zu fragen, wie jemand einen Satz in letzter Konsequenz wirklich meint! – Kurt Möller

 

„Man kann weder den Inhalt noch die Form von Hallams Äußerung mangelnder Bildung anlasten.“ Wer gibt ihnen das Recht zu urteilen? Zuschreiben, ohne Wertung, das wäre das Passende gewesen. Auch daß Sie anderer Meinung sind können Sie schreiben. Das liebe ich so an den Medien, daß es da immer welche gibt, die die Moral und das Recht mit Löffeln gegessen haben. Und damit eine Diskussion überhaupt nicht mehr zulassen. Und damit zeigt sich genau diese spezielle Traumatisierung, die er anspricht. Und der Medienmainstream. – J.Völker

 

Ich verstehe Roger Hallam, der seinerseits nicht versteht, wie ein Vernunft begabtes Wesen immer wieder die Auslöschung seiner eigenen Art vorantreibt – egal wo und wie. Daher rebelliert er gegen Auslöschung – ganz allgemein und mit Allen, die sich und andere auch nicht auslöschen wollen. So einfach ist das. Alle Auslöschung vorher konnte nicht von Einzelnen einfach gestoppt werden, da Menschen zu wenig wussten oder als Systemgegner ihre eigene Auslöschung fast sicher in Kauf nahmen. Die Auslöschung, um die es heute geht, hat ganz andere Ausmaße, ist viel länger Jedem bekannt (1962 „silent spring“, 1974 Ölkrise, 1980 Waldsterben); keiner muss um sein Leben fürchten, wenn er „grüne Entscheidungen“ trifft und ganz sanft würde Jeder mit jeder (Konsum)Entscheidung zu einer anderen Welt beigetragen haben, die es längst geben könnte. „Die Politik“ kann das nicht und der Einzelne scheint zu selten bereit. Was Roger Hallam nun äußerte, deckt sich fast mit meiner Aussage, die ich in meiner Schulzeit traf: „Lieber ein Mitläufer im Hitlerdeutschland, als ein Mitfahrer im Autodeutschland“. Möglicherweise hält so ein Bild oder Provokation im Allgemeinen zu bewussterem Leben und Konsum Eines Jeden an. Wir sollten Alles versuchen und wissen, dass „die Politik“ und „die Bürokratie“ eher auslöscht, als aufhält. (s. auch: Zygmunt Bauman 1989: Modernity and The Holocaust. Ithaca, N.Y.: Cornell University Press. ISBN 0-8014-2397-X) Die Welt braucht Jeden Einzelnen und bekommt ihn möglicherweise erst bei unerträglichem Leidensdruck. – Dominik Peitsch

 

Es gibt viele Menschen, die die Bedeutung von Auschwitz nicht begriffen haben und es offensichtlich auch nicht begreifen werden. Roger Hallam bringt Klimakrise und Holocaust gedanklich zusammen. Das ist eine schamlose, rücksichtslose und sehr dumme Verflechtung zweier Katastrophen, die absolut nichts verbindet. Hallam hätte diese gedankliche Entgleisung nicht passieren dürfen, weil sie von der Klimakrise ablenkt und zugleich Klimaaktivisten in Verruf bringen kann. Warum er sich dazu versteigt, Holocaust und Klimakrise gedanklich zu verknüpfen, ist einfach zu erraten. Die Regierenden bagatellisieren durch ihr minimales Programm zur Bekämpfung der Klimakrise die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwartende Menschheitskatastrophe und die ihr anvertraute Bevölkerung bleibt untätig. Es ist bisher ein ungelöstes Problem, wie die wissenschaftlich erfasste Klimakrise sprachlich angemessen den Menschen zu vermitteln ist, damit klimawirksame Verhaltensänderungen entstehen können. Passiert ist bis her nichts Nennenswertes. Deswegen dieser schamlose Vergleich mit dem Holocaust!

Nun zu Hannah Knuth: sie war angereist, um mit Hallam über sein Demokratieverständnis, über Recht und Moral zu sprechen. Warum ist ihr das nicht gelungen? Als Ersatz bekommen wir einen Beitrag, in dem Hallam als Holocaustrelativierer rüberkommt. Ist ihm damit Gerechtigkeit widerfahren? Die Geschichte eines exponierten Klimaaktivisten, der Klimakrise und Holocaust verbindet, lässt sich immer gut verkaufen, das weiß auch Hannah Knuth. Hätte Sie einen Augenblick Ihre Journalistenrolle verlassen und wäre Sie in die Rolle eines empathischen Menschen geschlüpft, dann wäre es ihr vielleicht gelungen, einen an der Politik verzweifelten Menschen von seinem unstatthaften Vergleich zu überzeugen. So aber hat sie einen sensiblen Menschen einer öffentlichen Verurteilung übergeben. Musste das sein? Alle Beteiligten an dieser Geschichte haben Schaden genommen. – Wolf Lübcke

 

Der Wirrkopf Hallam ist der Diskussion schlichtweg unwürdig, weil es zur Shoah nur eine ganz klare Meinung geben kann. Warum ausgerechnet ein deutsches mediales Flaggschiff wie DIE ZEIT sich dazu entschlossen hat, dem als solchen bekannten Demagogen eine öffentliche Bühne für die Darstellung von widerwärtigem Gedankentum zur Verfügung zu stellen (wenngleich vermutlich nach kontroverser Diskussion innerhalb der Redaktion) ist mir bis hierhin ziemlich rätselhaft. Zumal dem britischen Umweltaktivisten auch dem Bericht zufolge bereits sehr rege Aufmerksamkeit und Meinungsfreiheit zuteilgeworden sind. Darüber hinaus hat einer wie Hallam natürlich nichts in einer Bewegung zu suchen, die (angeblich) um die Zukunft der Menschheit kämpft. – Ira Bartsch

 

Roger Hallam: ein Holocaustleugner und Antisemit! Ha, ha, ha!! Das ist fast so gut wie Putin, der 2014 versichert, dass es keine russischen Soldaten in der Ukraine gibt, oder Assad, der 2012 behauptet in Homs kein Giftgas eingesetzt zu haben. Ich kann nicht glauben, dass die Zeit einen so massiven journalistischen Recherchefehler zufällig begeht, daher muss ich vermuten, dass andere Motive dahinter stecken. Komischerweise fallen mir sofort die regelmäßigen Seiten- und Halbseiten-großen Inserate sämtlicher Deutscher Autohersteller wieder ein. Warum erschien obiger Artikel im Wirtschaftsteil? Da frage ich mich: liegt hier ein Fall von Täter-Opfer-Umkehr vor? Beschuldigt dieZeit hier einen Menschen, der sein Leben dafür opfert, so viele Lebewesen wie möglich zu retten, vor einem der schrecklichsten Ereignisse in der Vergangenheit nicht gebührenden Respekt zu zeigen, während sie gleichzeitig das größte Verbrechen aller Zeiten, das derzeit direkt vor unser aller Augen stattfindet – die Auslöschung des Lebens –, verschweigt und verharmlost (durch beharrliches Nichtberichten) ja verniedlicht (durch gelegentliche lapidar kommentierende Artikel im Stile von ‚die Klimabewegung im Wandel der Zeit‘)? Sie, sehr geehrtes Team von dieZeit, sind es, die aus der Geschichte nichts gelernt haben.

Sie, sehr geehrtes Team von dieZeit, machen sich Woche für Woche schuldig an dem, was wir in den kommenden Jahren erleben werden, indem Sie Ihrer Verpflichtung nicht nachkommen uns, das Volk, über bevorstehende Gefahren zu informieren. Stattdessen streuen Sie Verunsicherung und Verleumdung gegen die, die das Leben beschützen wollen. Und das mit meiner Unterstützung. Mir ist schlecht! Daher, und weil ich mich nicht mitschuldig an Ihren Machenschaften machen will: Ich kündige hiermit, jetzt und sofort, meinPrint-Abo Nr.: 290198912615 – 1undmein Audio-Abo KundenNr.: 287101629326fristlos und unwiderruflich.Wagen Sie es nie wieder von meinem Konto abzubuchen und unterstehen Sie Sich mir noch eine einzige Ausgabe zu senden! PS.: Sollten Sie Sich in aller Form bei Roger Hallam entschuldigen und die Ullstein Buchverlage dazu bringen, Hallams Buch doch noch zu veröffentlichen, dann wäre ich über diese eine Ausgabe, in der Sie darüber ausführlich und selbstkritisch berichten, doch noch sehr dankbar. PS.: Hier ein gelungenes Beispiel wie über Ihr Interview berichtet hätte werden können (hoch intellektuell statt sinnlos emotional), stünden nicht andere Motive im Vordergrund: https://www.derstandard.at/story/2000111453615/roger-hallam-von-extinction-rebellion-klimawandel-als-gaskammer#story-community Caroline Thurner

 

Dürfte der englische Befragte, den „der Untergang der Welt“ beschäftigt, meinen, die gesamte Mordgeschichte der Menschheit sei schlimmer als der eine Massenmord? Das hierzulande gepflogene Alleinstellungsmerkmal taugte vor Jahrzehnten gegenüber dem Achselzucken, wonach Schandtaten in schweren Zeiten gängig seien. Heuer beachtet es die weiteren damaligen Opfergruppen nur randweise. Wieso sollen die anderen Völkermorde weltweit vor, während und nach den nazistischen nicht einzigartig sein? Etwa in den ‚christianisierten beiden Amerika, der ‚ruhmreichen SowjetUnion‘ oder dem enstehenden Jugoslawien oder jünger in Kambodscha und Ruanda und jüngst an den Jesiden. Gleich, ob sie im Umfang gleich oder ungleich waren;und im Hinblick auf ihr jeweils anderes Vorgehen. Das hochgehaltene Merkmal selber beruht auf dem Relativieren. Es setzt in Beziehung und mindert die Wucht andersgearteter Völkermorde. Der auslegende Gesprächsbericht und seine öffentliche Aufnahme setzen fort, daß man seit einiger Zeit mit einer wägenden Meinung – außerhalb der in Publizistik und Politik herrschenden – Gefahr läuft, nieder gemacht zu werden. Wie in den 1950er Jahren. Damals von rechts, heuer von links. Schwiege man in diesem Mißstand, gäbe man ihm nach. – Ulrich J.Heinz

 

Es gibt viele Menschen, die die Bedeutung von Auschwitz nicht begriffen haben und es offensichtlich auch nicht begreifen werden. Roger Hallam bringt Klimakrise und Holocaust gedanklich zusammen. Das ist eine schamlose, rücksichtslose und sehr dumme Verflechtung zweier Katastrophen, die absolut nichts verbindet. Hallam hätte diese gedankliche Entgleisung nicht passieren dürfen, weil sie von der Klimakrise ablenkt und zugleich Klimaaktivisten in Verruf bringen kann. Warum er sich dazu versteigt, Holocaust und Klimakrise gedanklich zu verknüpfen, ist einfach zu erraten. Die Regierenden bagatellisieren durch ihr minimales Programm zur Bekämpfung der Klimakrise die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwartende Menschheitskatastrophe und die ihr anvertraute Bevölkerung bleibt untätig. Es ist bisher ein ungelöstes Problem, wie die wissenschaftlich erfasste Klimakrise sprachlich angemessen den Menschen zu vermitteln ist, damit klimawirksame Verhaltensänderungen entstehen können. Passiert ist bis her nichts Nennenswertes. Deswegen dieser schamlose Vergleich mit dem Holocaust!

Nun zu Hannah Knuth: sie war angereist, um mit Hallam über sein Demokratieverständnis, über Recht und Moral zu sprechen. Warum ist ihr das nicht gelungen? Als Ersatz bekommen wir einen Beitrag, in dem Hallam als Holocaustrelativierer rüberkommt. Ist ihm damit Gerechtigkeit widerfahren? Die Geschichte eines exponierten Klimaaktivisten, der Klimakrise und Holocaust verbindet, lässt sich immer gut verkaufen, das weiß auch Hannah Knuth. Hätte Sie einen Augenblick Ihre Journalistenrolle verlassen und wäre Sie in die Rolle eines empathischen Menschen geschlüpft, dann wäre es ihr vielleicht gelungen, einen an der Politik verzweifelten Menschen von seinem unstatthaften Vergleich zu überzeugen. So aber hat sie einen sensiblen Menschen einer öffentlichen Verurteilung übergeben. Musste das sein? Alle Beteiligten an dieser Geschichte haben Schaden genommen. – Wolf Lübcke

 

Herr Hallam hat völlig Recht, wir Deutschen sind immer noch traumatisiert vom Holocaust. Sie selbst sind das beste Beispiel. Wie können Sie nur dem Holocaust ein Alleinstellungsmerkmal zusprechen? Ein Alleinstellungsmerkmal ist normalerweise ein Ausdruck, mit dem man eine positive Eigenschaft verbindet, die jemanden oder etwas heraushebt aus der Masse, siehe Wikipedia: „Der Begriff gehört zum Grundvokabular des Marketings. Ein Alleinstellungsmerkmal, d. h. ein einzigartiges Nutzenversprechen, soll mit dem Produkt verbunden werden.“ Damit erwecken Sie den Anschein, als ob Sie auch noch stolz sind auf den Holocaust: Wir Deutschen wollen immer die Besten sein, und mit Hitler sind wir jetzt auch Weltmeister im Völkermord.

Außerdem finde ich es unmöglich wenn sie per Alleinstellungsmerkmal für den Holocaust Kategorien für Völker- und Massenmord einführen. Dadurch sind Sie es nämlich, die relativiert und zwar all die anderen schrecklichen Verbrechen in der Menschheitsgeschichte: Mao, Stalin, christliche Kreuzzüge, Sklaverei, Ausrottung der Inkas, etc. Dadurch dass Sie den Holocaust noch darüber stellen, machen sie all diese Verbrechen an der Menschheit zu ganz „normalen, üblichen“ Verbrechen. Das sollten Sie nicht tun! Bei Völkermord gibt es kein schlimm, noch schlimmer, am schlimmsten. Man kann nicht nach Opferzahlen kategorisieren und schon gar nicht nach Grausamkeit, Perfidität und menschlichem Leid. Das ist vollkommen sinnlos. Nur wenn wir mit solchen Ansichten endlich aufhören, dann – und damit hat Herr Hallam vollkommen Recht – dann können wir anfangen zu lernen. Es gibt allerdings einen Umstand, der tatsächlich einmalig in Deutschland ist: wir bekennen uns offen zu den Verbrechen der Deutschen in der Nazizeit. Ich glaube, dass durch die Hervorhebung des Holocaust von den anderen Völkern der Druck genommen ist, sich ebenfalls zu bekennen. Nur wenn man alle Verbrechen an der Menschheit auf eine Stufe stellt, und mit der damit verbundenen Einsicht in die Fehlbarkeit des Menschen, hätten wir die Chance auf eine bessere Welt. Ich hoffe, Sie verstehen mich. – Uwe Dieckmann

 


 

 

Leserbriefe zu „»Spielen Sie jetzt Tribunal?«“ Gespräch mit Peter Handke geführt von Ulrich Greiner

 

Wenn bei einem Interview mit einem Literaturnobelpreisträger der Journalist nicht unterscheiden kann zwischen gehen und laufen, dann ist das schon sehr betrüblich. Es sei denn, dieser Journalist ist triefend nass vor Schweiß beim Häuschen des Nobelpreisträgers angekommen, dann wäre er tatsächlich gelaufen, neudeutsch: gejoggt. Bitte ein sorgfältigeres Lektorat, wenn der Journalist es von sich aus nicht beherrscht. – Christian v.Appen

 

Ich bin wie Ulrich Greiner seit fast 50 Jahren Leser von Handke, anfangs (meiner Jugend, *1952, zuzuschreiben), wohlwollend bis freundlich, mit den Jahren immer distanzierter. Handke wurde mir fremd(er), nach „Die Wiederholung“ und der „Niemandsbucht“ stellte ich das Lesen ein. Im Sommer 2007 spielte die Geschichte den Mann aus Griffen wieder auf meinen Schirm: Schrieb er, und vor allem veröffentlichte er ein Buch (heute nennt er es ‚Literatur‘) über Serbien, hielt auf dem Begräbnis des Massenmörders Milosevic eine krude Rede, in der er „seine Welt“ von der „anderen Welt“ schied. Dann kam 2019 der Literatur-Nobelpreis – und nicht nur ich frage: Wofür? Für sein Frühwerk? Für krude Texte seit 1980? Ich las nun noch einmal seine Rede von 2007, das lange Interview mit Andre Müller vom August 2007 (Frankfurter Rundschau vom 31.08.2007, Wiener „profil“ vom 02.09.2007) – und es erscheint ein Mann, eitel, arrogant, selbstverliebt, realitätsblind, der Wiener würde ihn „an rechtn Oasch“ nennen. Person und Autor Handke sind ein Vexierbild, changierend zwischen einem Misanthropen, der zu viel Wein trinkt, einem Wesen, das sich von Welt und Menschen entfernt hat, und einem Mann, der von Politik und Geschichte keine Ahnung hat und über einen Massenmörder oder das Massaker von Srebrenica salbadert wie über ein gutes Essen. Vergesst Handke, nehmt ihn nicht ernst; soll er in seiner Welt – die nicht die andere, die unsre Welt ist – glücklich werden! – Dieter Klug

 

Geschichte wird gewöhnlich von den Siegern geschrieben. Die Verlierer bringen Gegendarstellungen, die nicht jeder hören will. Aber wann schreibt mal ein Mensch Geschichte aus umfassender, objektiver Perspektive – und wer würde ihm Glauben schenken? – Gerhard Jahnke

 

„Ach ja“, Peter Handke, Literat meiner Schulzeit und Lektüre heute, „ein Seufzer“, und ich glaube, Sie nun besser zu verstehen. Wie beiläufig kommt Ihre Erklärung zu uralten Prägungen, ewiger Unterdrückungsgeschichte und Zerrissenheit daher: „Wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, wenn Armut und Mangel herrschen, dann bricht die Vorgeschichte auf.“ Dies kann für uns das Ergebnis einer Entwicklung sein, die vergleichbar der in der Zeit der Weimarer Republik ist. Wobei man bedenke: ständig wird das Eingeständnis u. a. der Partei „Die Linke“ eingefordert, die DDR sei ein „Unrechtstaat“ gewesen. Unser Staat ist dies in so manchem staatstragenden Bereich in hohem Maße. Und Armut und Mangel in unserer angeblich sozialen Marktwirtschaft brechen sich Bahn, weil an Quantitäten „herumkoalitioniert wird, statt Qualitäten zu verbessern.“ – Jürgen Fischer

 

Ein Zufall, wenn die Glosse „So schön ist der Hochmut“ von Hanno Rauterberg und das Handke-Interview „Spielen Sie jetzt Tribunal?“ von Ulrich Geiner auf einer ZEIT-Seite sich begegnen? Während Peter Handke bei der Führung durch den Irrgarten seiner eigenen sprachlichen Äußerungen journalistische Literatur als Bastard der schlimmsten Art abkanzelt, zeichnet Hanno Rauterberg mit Venedig-Motiven ein menschenfreundliches Bild des Hochmuts. Zwischen dem Textanfang „Kaum je…“ und dem Abschluss „…nur Erinnerung noch bleibt“ findet der Leser den schönen Satz: „Meinte man eben noch, man habe sich im Gassengewirr hoffnungslos verlaufen, weitet sich plötzlich der Blick, und endlich ist man angekommen, dort, wohin man nie wollte.“ Eine sehr sympathische Orientierungshilfe, vielleicht auch für einen Literatur-Nobelpreisträger, der sich verrannt hat. Mir jedenfalls macht dieser Satz Mut, Handke zu lesen – vielleicht in Venedig. – Reinhard Koine

 

Herr Greiner hat das Interview mit Peter Handke mit großem Respekt geführt. Aus meiner Sicht hätten seine Fragen etwas mehr „Tiefenbohrung“ verdient gehabt. Warum hat er ihn bspw. nicht nach seinem 1999 ausgestellten jugoslawischen Reisepass gefragt? Oder hat Herr Greiner befürchtet, dass Peter Handke den Hammer holt? (Interview, Handke: „Wenn Sie das noch einmal sagen (Herr Greiner), hole ich einen Hammer . . .“) – Hagen Treutmann

 

Peter Handke könnte in Deutschland gar nicht mehr leben. Das sagt mir mein Gefühl. Nicht nur, weil ich mich auch abgesetzt habe. Seine Logik wird keiner in Deutschland verstehen wollen. Ihr Autor Ulrich Greiner hat das Interview erst interessant gemacht. Ich habe nicht die Kenntnis darüber zu urteilen, was Handke dazu geführt hat sich so über Serbien auszulassen. Mir ist als ständiger Leser „Der Zeit“ auch nicht in Erinnerung, daß irgendein Journalist Hanke an die Wand genagelt hat. – Gunter Knauer

 

Für das aussagekräftige Interview von Ulrich Greiner mit dem Literaturnobelpreisträger Peter Handke in der neuesten Auflage möchte ich mich bedanken. Ich erlaube mir, drei kurze Gedichte zum Thema „Jugoslawienkrieg“ aus dem Jahr 1999 beizufügen, die in meinem Gedichtband „Achilles gesucht!“ 2001 erschienen. Dies als Erinnerung an die grosse Empörung in der westlichen Welt – auch hierzulande – über den damaligen Natoüberfall, der heute anscheinend völlig in Vergessenheit geraten ist.Aus Belgrad höre ich//eine Frauenstimme: ”Heute Nacht haben sie nicht so viel/geschossen. Ich koche mal Kaffee. Ich weiss nicht, wann wir/wieder arbeiten können. Schon wieder Alarm./Das Abendessen mit Rotwein wie das letzte Abendmahl./Ich hatte wieder das Gefühl, dass dieses Mitteleuropa stirbt./Der Alarm hat aufgehört. Ciao, bella!“ Applaus./„Wir haben etwas zu feiern. Das ihr Gas habt,/könnt ihr Spaghetti kochen?“/Sirenen. Detonationen in der Nacht./„Ein Tiger frisst seine eigenen Tatzen. So nervös ist er./Wir sind auch wie die Tiere.“//Sie übersetzt gerade Hannah Arendts/„Menschen in finsteren Zeiten.“//1999

Nato-Kommunikation oder Bombengrüsse aus Bonn//So sei versichert, mein Liebster,/dass der Rauch, der den Himmel/über Athen verdunkeln lässt/direkt aus der frühlingsblühenden/Eifel kommt: Giftspuren der Bomber,/die mich nachts aus dem Schlaf reissen/und ihre Last über unsere Nachbarn/Abwerfen//im April 1999

Bombenfehlabwurf//Das Grauen kündigt sich um Mitternacht an:/über meinen Kopf fliegen die todbringenden/Maschinen mit drohendem Geräusch/Ich liege in meinem Bett/im Land der Aggressoren/und bitte vergebens um Vergebung/„denn sie wissen, was sie tun“

„By means of the Tarnhelm“/Götterdämmerung/(III. Teil, XX. Jahrhundert)//Und wieder liegt das Herz Europas in Flammen/Und wieder bedient sich der verratene „Held“/eines Verrats,/um die Macht an sich und seine Auftraggeber/zu reissen/Der Ûberfall/findet mittels/„Tarnkappen-Bomber“/statt – Birgitta Sigfridson

 

Ein Tribunal war das wahrlich nicht. Hier trafen sich Zwei, die sich nicht weh tun wollten. Wer sich mit Massenmördern gemein macht und bei diesen Aktionen auch gern seinen Sancho Pansa Peymann mitnimmt, der darf ruhig etwas derber angefasst werden. – Wenn der Sohn von Susan Sonntag im „New Yorker“ von einem „ethnisch gereinigten“ jungen Mann spricht, dann „zittert der Nobelpreisträger vor Wut“ „Schämt der sich nicht“ „Der Krieg hat die Sprache des New Yorker verändert“. Bei schamlosen Morden im Rahmen der ethnischen Säuberung durch Serbien hat er nicht gezittert. Diese Worte von Handke sind wohl der Gipfel von schamloser Menschenverachtung, Scheinheiligkeit und amoralischer Ignoranz. Dazu, wie zu vielem anderen, kein Wort von Greiner. – Es ist ja sehr schön, wenn man die Paulus Briefe im Original lesen kann, dann sollte man aber bei diesem Thema, wenn man schon kein Verständnis und Empathie dabei empfindet, doch lieber den Mund halten. – Achim Kästner

 


 

 

Leserbriefe zu „Ich und das Klima“ von Armin Falk

 

In dem Artikel beklagt der Verfasser, dass der Einzelne und damit in der Summe fast alle wenig Bereitschaft zeigen, Verhaltensänderungen vorzunehmen und die Menschheit so dem Abgrund entgegensteuert. Ich möchte dazu und zu den vielen anderen Berichten, die in Ihrer Zeitung regelmäßig zu der apokalyptischen Bedrohung durch die weltweite Klimaerwärmung veröffentlicht werden, einen Gedankengang präsentieren, der zugegebenermaßen provokant ist: Was passierte denn, wenn man alles so laufen lässt, wie bisher? Die Katastrophen würden sich massiv häufen sich und letztlich würde die Menschheit zugrunde gehen. Doch wäre das nicht das Beste für die geschundene Natur? Wenn es uns wirklich um die Rettung des Klimas und den Planeten geht, müsste man es nicht zum Exodus und zum Verschwinden des homo sapiens kommen lassen? Die Natur und das Klima würden sich wieder erholen, Zeit spielt da ja keine große Rolle. Für den Menschen als Art wäre trotzdem nicht alles verloren, denn ein paar versprengte Reste würden sicher überleben und die jetzt so vermisste Verhaltensänderung und Kooperationsbereitschaft wären selbstverständliche Grundlagen einer neuen Menschheitsepoche. Übrigens gab es diese strategische Überlegung schon mal, wenn auch in abgemilderter Form, bei den Grünen in den siebziger Jahren. Damals wandten sich die Funda-mentalisten gegen jeglichen pragmatischen Umweltschutz; Ziel sollte es sein, die Verhältnisse soweit zu verschlimmern, dass zum Schluss die ganze Gesellschaft aus eigenem Antrieb eine Kehrtwende vollzieht. – Robert Höpfner

 

Der Autor hat als Professor für VWL zum Klimawandel einen Beitrag geliefert,der mir für ein Seminar geeignet erscheint.Vermutlich sind auch Aspekte aus dem Briq-Institut eingeflossen.Seine Rückschlüsse auf die Wirkung der Verhaltensökonomie des einzelnen Bürgers in unserem Land taugen in der notwendigerweise konjunktuvistischen Betrachtung nichts, um den Auswirkungen des weltweiten Klimawandels, der periodisch und langfristig vonstatten geht, abfedernd wirksam zu begegnen.Wenn er vordergründig die Option empfiehlt, Parteien zu wählen,die Klimaschutz zur Maxime erklären, übersieht er die Erfordernisse der VWL und zugleich die Bedürfnisse des Wählers auf Sicherung der Prosperität des Landes und seiner Lebensqualität. Es entbehrt schon der Wissenschaftlichkeit,den Nutzen Klima neutralen Lebens(das es nicht gibt)des Individuums gleichzeitig der weltweiten Bevölkerung als Bonus zuzuschreiben. Wenn ferner die beliebten Reizthemen SUV und Flugreisen kritisch apostrophiert werden, muss man doch auf die Lebenswirklichkeit verweisen.Es ist wohlfeil, sich an diesen marginalen Größen abzuarbeiten, während die Volkwirtschaften weltweit ohne den Güter- und Personenverkehr mit Kraftfahrzeugen,Schiffen und Flugzeugen, nicht zu vergessen Notdiensten aller Art,kaum reibungslos funktionieren würden. Brot und Spiele waren schon im Alten Rom unverzichtbar, Gleiches gilt heute für z.B.Formel1,Profi-Fußball etc.etc. Wir Menschen werden uns dem Klima in Demut anpassen müssen, ohne zu glauben,der Schöpfung ins Handwerk pfuschen zu können. – Heinz-W. Raderschatt

 

Dieser Artikel zeigt komprimiert und klar, warum die Menschen ihren globalen Lebensraum zerstören. Im Grunde eine Untergangs-Urkunde für unsere Spezies, und so ist der Artikel auch gestaltet. Ein Riesen-Dank an den Autor. Es gibt sie doch noch, die klaren Worte! Wenn die Google-Werbung daneben nicht wäre, würde ich diesen Artikel einrahmen und mir an die Wand hängen. – Markus Eberhard

 

Ich finde den Artikel sehr erhellend und hätte mir gewünscht, dass er nicht erst auf Seite 31 abgedruckt wird, sondern vorne im Politikteil, zumal er durchaus politisch ist. Die Entschuldigungen für egoistisches Verhalten lassen sich leicht den Parteien zuordnen: Die AfD leugnet den Klimawandel und warnt vor Panikmache, die FDP hofft auf wunderbare technische Erfindungen und will bis dahin (fast) nichts tun, CDU/CSU und SPD möchten am liebsten nur dann etwas tun, wenn alle anderen Staaten auch mindestens ebenso viel tun. In einer repräsentativen Demokratie haben Politiker(innen) aber den Auftrag, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden und auch gegen Widerstände das Richtige durchzusetzen – und das bedeutet konkret, dass sie sich auch gegen Widerstände viel mehr für den Klima- und Umweltschutz einsetzen müssten. Was bei der umstrittenen Rente mit 67 möglich war, sollte doch wohl auch beim von den meisten Parteien als notwendig erkannten Klimaschutz möglich sein. – Ulrich Willmes

 

Dass die erforderlichen Veränderungen des alltäglichen Verhaltens offenbar vielen schwerfallen, könnte auch damit zusammenhängen, dass der Nutzen eigentlich die Abwendung oder auch nur die Begrenzung eines zukünftigen Schadens ist. Wenn das Ziel ein „negatives“ ist (weniger Erderwärmung durch weniger Emissionen) und auch die Mittel im Unterlassen oder zumindest Verringern von Gewohntem bestehen, paßt das schlecht zum eingeübten Schema von tätiger Anstrengung und Belohnung als Vermehrung von etwas Erwünschtem. Ob sich da eine Haltung mit positiver Bewertung von Genügsamkeit, gar Verzichtsbereitschaft mit der notwendigen Schnelligkeit ausbreiten wird? – Bettina Ziegler

 

In seinem Artikel „Ich und das Klima“ liefert Prof. Falk eine einleuchtende Analyse der Gründe für unsere Tatenlosigkeit hinsichtlich des sich verändernden Klimas. Doch er hinterfragt nicht die Ursachen, die zu derartigen Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft geführt haben: Warum sind wir so auf unseren persönlichen Vorteil bedacht und so wenig altruistisch und kooperationsfähig? Warum gelingt es uns nicht mehr, in größeren Zeiträumen zu denken, sondern erwarten eine sofortige „Belohnung“ unserer Anstrengungen? Warum können wir uns keine positive Zukunftsgeschichte vorstellen, sondern erfinden „entschuldigende Narrative“? Geht man diesen Fragen auf den Grund, bedeutet dies, unsere gesamte heutige Lebensweise zu hinterfragen. Dazu sind allerdings die wenigsten bereit. Wir glauben immer noch, dass wir an ein paar Stellschrauben drehen können und damit das Problem in den Griff bekommen.

Das bringt mich zum nächsten Punkt: Der Autor übernimmt das derzeit gängige Klimanarrativ, nämlich dass der Klimawandel allein abhängig ist von unseren CO2- Emissionen und sich folglich auch nur über diesen Weg beeinflussen lässt. Diese reduktionistische Sichtweise lässt aber alle anderen Phänomene außen vor: die systematische Zerstörung von Ökosystemen seit Jahrhunderten! durch den Menschen, den dramatischen Artenschwund, die Trockenlegung von Feuchtgebieten, das andauernde Abholzen von Wäldern, die fortschreitende Bodenerosion, um nur einige der offensichtlichsten Entwicklungen anzuführen. All diese vom Menschen bewirkten Veränderungen verringern die Aufnahme von Kohlenstoffdioxid und schwächen die Fähigkeit der Natur, auf starke klimatische Schwankungen zu reagieren. Denn die Natur ist ein äußerst komplexes System, in dem nicht eine Variante (CO2) herausgegriffen und allein betrachtet werden kann. Und wir Menschen sind Teil dieses Systems. Solange wir aber die Natur für unsere vermeintlichen Bedürfnisse benützen, werden wir nur einen reinen Reparaturbetrieb anstreben, der der Größe unserer Herausforderungen nicht gerecht werden kann.

Am Ende seines Artikels sieht Prof. Falk unsere wachsende Moral und Kooperationsfähigkeit als einzigen Hoffnungsschimmer (er selbst glaubt nicht so recht daran). Beides ist meines Erachtens aber erst dann möglich, wenn wir unsere gemeinsame Verbundenheit erkennen und echte Empathie nicht nur zu unseren Mitmenschen, sondern auch zur Natur mit all ihren Erscheinungsformen entwickeln. Das ist mit einer utilitaristischen Einstellung nicht möglich. Eine Sichtweise, in der wir die Natur als lebendigen Organismus und ebenbürtigen Partner sehen, würde allerdings so ziemlich alles auf den Prüfstand stellen, was wir im Moment als selbstverständlich und unverzichtbar halten. Und dann wäre sehr viel möglich! – Eva Weidinger

 

In dem Beitrag Ich und das Klima, von Armin Falk, Ausgabe 48/2019 S. 31 wird das Thema Diskontierte Zukunft angesprochen.Meine Frage: Können Sie mir Angaben darüber senden, welche Studien diese Zahlen belegen, die Frage deshalb: Ich bin im Bereich Arbeitnehmervertretung aktiv und dort auch mit der Thematik betriebliche Altersvorsorge befasst. Daher wäre ich IHnen für zusätzliche Angaben zu Thematik dankbar – Ihre Zahlenbeispiele erscheinen mir deutlich überhöht. – Klemens Minn

 

Armin Falk hat sehr prägnant die grundlegenden theoretischen Mechanismen hinter einem riesigen Kooperationsdilemmas erläutert. Insbesondere hoffe ich, dass sich die ein oder anderen skeptischen, pessimistischen und eben auch „entschuldigenden“ AutorInnen derZEIT-Lesebriefe der vergangenen Wochen den Artikel zu Herz nehmen. Denn wichtig ist auch das, was Armin Falk genau nicht erwähnt hat, um das Dilemma zu überwinden: Da sich individuelles Verhalten nur langsam von allein ändert, sollte man über andere, schneller greifende Werkzeuge nachdenken. Vorweggenommen: Es hat etwas mit Steuern zu tun. – Stefan Bruch

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Die Faszination des Bösen“ von Sabine Rückert et al.

 

Schon mehrfach hatte ich große Mühe, die von mir immer noch geschätzte Zeit zu lesen, da ich dazu meine Abscheu vor der Bildwelt des Jonathan Meese überwinden musste, den Sie „einen Spezialisten des Abgründigen“ „ nennen und mit der Illustration Ihres Dossiers in der Zeit Nr.48 beauftragt haben. Wer von Ihnen hat an Jonathan Meese einen solchen Narren gefressen, dass er nicht nur in den Zeit-Editionen vermarktet wird, sondern nun auch noch im redaktionellen Teil herausgehoben und mit Bedeutung aufgeladen wird, obwohl er gewiss kein Spezialist des Abgründigen, sondern überschätzter Dilettant einer vordergründigen Schmieren-Provokation mit einer scheinbar nur dümmlichen, aber heutzutage auch wieder bedrohlichen Nazi-Symbolik und Rhetorik ist ? Oder sind auch Sie bereits der Faszination des abgrundtief Miesen erlegen … ? – Prof. Klaus Armbruster

 

Ein Mann hat am Montag, dem 29. Juli 2019, um 9:59 Uhr auf Gleis 7 des Hauptbahnhofs in Frankfurt am Main eine Frau und ihren Sohn vom Bahnsteig auf die Gleise vor einen einfahrenden Zug gestoßen. Der Mann soll sich „starren Blicks“ hinter einem Pfeiler versteckt haben, sagte der Präsident der für Bahnhöfe zuständigen Bundespolizei, Dieter Romann. Anschließend habe er, so sagte es die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Nadja Niesen, zuerst die Mutter gestoßen, danach den acht Jahre alten Jungen. Beide stürzten in die Gleise. Die 40-Jährige konnte sich auf einen schmalen Fußweg auf der anderen Seite zwischen den Gleisen 7 und 8 rollen. Der Junge wurde vom ICE erfasst. Die Mutter blieb unverletzt, trug aber einen schweren Schock davon. Der Junge starb noch im Gleisbett.

Wie reagieren wir als Gesellschaft auf derartige Nachrichten? Mit einer Jugendgruppe habe ich zwei prominente Filmszenen neu analysiert und kritisch besprochen. In der Netflixserie „House of Cards“ stößt Frank Underwood die Journalistin und seine ehemalige Geliebte Zoe Barnes vor einen anrollenden U-Bahn-Zug, weil er ihr Geheimwissen fürchtet; Zoe Barnes ist sofort tot. In der sehenswerten Tatort-Folge 552 „Das Böse“ bekommen es die beiden Kommissare Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) aus Frankfurt am Main mit dem reichen und machtbesessenen Banker Petzold (Ulrich Tukur in einer Glanzrolle) zu tun, der in seiner Langeweile Menschen umbringt; unter anderem stößt dieser Psychopath einen Drogendealer auf die Gleise der U-Bahn, so dass der Verachtete von dem Zug überrollt wird. Beide Filmsequenzen deuten auf erschreckende Weise das reale Geschehen am Frankfurter Hauptbahnhof und sollten – gemeinsam mit anderen Beispielen aus Literatur, Film, Kunst und Musik – genutzt werden, um mit Heranwachsenden ins Gespräch zu kommen über das unfassbar Böse, zu dem Menschen fähig sind, sowie über psychische Krankheiten, unter denen Menschen leiden können, und über den konstruktiven Umgang mit Angst und Furcht. – Felix Evers

 

Schöne Bilder zum „Bösen“! Die Texte mit schauerlichem Vergnügen gelesen! Das Böse tut gut. Als untröstbarer Guter grüßt – Peter Reimer

 

Das Böse liegt nicht weit unter der Oberfläche des menschlichen Bewusstseins. Es liegt zwar eher im Unterbewusstsein aber sein Weg auf die Ebene menschlichen Handelns ist leider oft zu kurz. Dabei ist die Gefahr, dass das Böse bei den Menschen wirkmächtig wird so unterschiedlich wie die Menschen verschieden sind. Es gibt den Typ Menschen der nie böse wird weil er es nicht kann oder nicht will. Der andere, gefährliche Typ Mensch, hat eine fatale oder kriminelle Neigung dem Bösen in sich freien Lauf zu lassen um andere Menschen zu töten, zu quälen oder beides zu tun. Am Beispiel der Hitler-Diktatur lassen sich noch ganz andere Zusammenhänge herstellen. Waren die wichtigsten Protagonisten der völkischen Rassenideologie wie z.B. Himmler oder Heydrich (als Endlöser der Judenfrage) davon überzeugt böse zu handeln ? Oder taten sie nur etwas um eine fürchterlichen Ideologie in eine böse Tat umzusetzen ? Ihr Denken über das eigene Böse bleibt unbekannt da man ihren Inbegriff des Bösen nur auf die Juden übertragen kann. Der angesprochene Hang des Menschen zum Bösen mit dem Ergebnis, lästige Konkurrenten oder Gegner umzubringen wird übertrieben, wenn man die heutigen Fesseln durch Rechtsstaat und ethische Normen bedenkt. In grauen Vorzeiten hat das Böse eine viel größere Rolle als heute gespielt. Wenn der moderne Mensch sich so lustvoll auf Krimifilme und Bücher stürzt um das Böse als spektakuläre Unterhaltung zu geniessen ist das eher mit kultureller Anspruchslosigkeit zu erklären. – Klaus Reisdorf

 

Ich finde, daß Ihr Dossier weniger über das Böse aussagt, sondern ehet die gegenwärtige Verklärung des Bösen unwillentlich darstellt. Zum einen findet stilistisch fast durchgängig eine Personifizierung des Bösen, was die Erläuterungen der Experten blitzlichtartige Einwürfe bleiben läßt. Es findet also keine erhellende Aufarbeitung statt und leider bleibt ein gewisses Bemühen um Effekthascherei nicht unverborgen, insbesondere im Interview mit jener Psychologin, die doch wiederholt versucht, darzulegen, daß das Böse kein Eindringling von außen, der Weg in die Kriminalität kein planvoller ist, dem Bösen weder Komplexität noch Mysterium innewohnen. Statt die Experten wahrzunehmen, ist die Rede von einer Überlagerung des Guten mit dem Bösen in Breaking Bad, wo tatsächlich ein Familienvater aus Angst und Schwäche seine Ideale verrät – was jedem droht. Über eine Autorin wird gesagt, sie sei selbst dem Bösen erlegen – weil sie Gerichtsreporterin war. Und im Gespräch mit der Pschologin wird eifrig nach serientauglichen Motiven gesucht – Schuld, Mitschuld, Hauptsache Drama – statt ihr zuzuhören. Insofern würde man sich ein weiteres Dossier wünschen, in welchem thematisiert wird, inwiefern die große Konkurrenz des medialen Angebots immer erschreckendere Szenarien befördert, welche des Zuschauers Erwartungshaltung sowohl an Realität wie Unterhaltung so nachhaltig verwirren, daß schließlich auch seriöse Journalisten sich auf die Suche nach dem Bösen begeben. Sie fänden es übrigens hinter den diversen Kameras in David Lynchs Lost Highway. – Sören Schlegel

 

Trotz der möglichen Faszination des Bösen auf uns oder einige Menschen ist unsere Geschichte untrennbar mit der entwicklungsfördernden, also positiven Kooperation unterschiedlicher Gruppen und Einzelpersonen verbunden. Dass wir nicht in Idealwelten ohne Widersprüche und Dualismen leben, gehört zu unseren allgemeingültigen Existenzbedingungen. Perfektion wäre auch langweilig. Wir können also von Glück sagen, dass wir uns zwischen gut und schlecht (für das Gelingen unserer Lebensentwürfe), friedliebend und böse entscheiden bzw. uns darum bemühen können. Und wenn es in der Bergpredigd heißt: „Selig sind, die Frieden stiften“, dann ist das kein Automatismus, sondern ein konstruktiver Hinweis auf Möglichkeiten zum Guten. Böses Verhalten ist trotz der Möglichkeit reaktiver Faszination destruktiv und trifft einen selbst. Die Illustrationen von dem Meese find ich blöd. Er hat sich ja auch noch vor Kurzem sinngemäß mit seiner Bemerkung, nur die Kunst könne im gesamtgesellschaftlichen Kontext noch anerkennungswürdig sein, als Ignorant geoutet. – Christoph Müller-Luckwald

 

Ja, die Lust an der Spurensuche gehört zur Natur des Menschen. Aber doch nicht die Lust am Morden! Darum frage ich mich, was nur, in aller Welt, fasziniert die stellvertretende Chefredakteurin der auflagenstärksten deutschen Wochenzeitung so sehr an dem Bösen, dass sie bereit ist, die gesamte Menschheit in Sippenhaft zu nehmen, und uns als „Mörder von Geburt an“ zu betrachten. Wird damit nicht ein fundamentales Vorurteil gefällt, welches, ähnlich der Fremdenfeindlichkeit oder dem Judenhass, die Bereitschaft zur Gewaltanwendung fördert, auch weil sie somit erklär- und rechtfertigbar ist?

Natürlich bezieht sich Frau Rückert bei Ihrer „Spurensuche“ auf Wissenschaft. Und da findet sich immer etwas, was zu den eigenen Vorstellungen passt. Wenn einzelne Wissenschaftler ihre gruselfaktorgetränkte Hypothese vorstellen, wie etwa die, dass die „menschliche Entwicklungsgeschichte ein einziges Blutbad gewesen sei“, das „Töten nicht Abart, sondern Kern des Menschen ist“ – darf`s noch ein wenig mehr sein? – könnte durchaus eine gewisse Skepsis aufkommen. Für den ermittelnden Hobbykriminologen ebenso, wie für den kritischen Journalisten. Das sind Thesen, die locker mit den finstersten Botschaften jeder Religion mithalten können. Solange die Angst vor sich selbst und den Mitmenschen nicht schon zu groß geworden ist, könnte man anfangen zu fragen, könnte sich trauen zu schauen, ob denn jenseits der orakelten Finsternis nicht noch ein anderes Menschenbild denkbar (!) wäre.

Ich finde solche Beiträge furchtbar, vor allem deshalb, weil sie – trotz des Wissenschaftsbezuges – auf eine fundamentalistische Argumentation zurückgreifen, in der die konstruierte Bedrohung durch das apokalyptische Menschenbild als einzig mögliche Rettung nur die Akzeptanz genau dieses Menschenbildes zulässt. Nur wer sich dazu bekennt „im Kern böse zu sein“, darf sich dem Genuss des Gruselns hingeben und ist zudem einzig in der Lage, die Quelle des Bösen mit einem allzeit kritischen Blick im Zaume zu halten. Ich war wirklich erleichtert und berührt zu lesen, dass Frau Kastner 2 Seiten später, die über ihre Arbeit in der Realität dem Bösen so nahe kommt wie kaum sonst jemand, das Böse nicht für dämonisch hält, sondern für traurig, und das Faszinierende im Menschen selbst erblickt. – Jürgen Pilz

 


 

 

Leserbriefe zu „Immer auf die Kleinen“ von Jeanette Otto und Johanna Schoener

 

Vielen Dank für den Artikel „Immer auf die Kleinen“! Er spricht mir aus der Seele. Als Mutter eines neun Monate alten Sohnes kann ich all die im Artikel angesprochenen Missstände rund um die Kinderbetreuung nur zu gut nachvollziehen. Was nicht Thema des Artikels ist, aber sicher im Hintergrund eine gewichtige Rolle spielt, ist der Umgang der Tagespolitik mit dem Thema Familie. Familienpolitik wird gerne als „weiches“ und unwichtiges Feld („Gedöns“) abgetan. Familienpolitik soll bitte möglichst nichts kosten und wenn, dann werden – gerne als Wahlgeschenk – finanzielle Wohltaten verteilt. Familienpolitik wird dazu genutzt, das eigene Parteiprofil zu schärfen (besonders traditionell / besonders fortschrittlich…), worüber dann tatsächliche Probleme in den Hintergrund treten. Was dabei häufig auf der Strecke bleibt, ist eine pragmatische Politik, die sich an den Bedürfnissen der Familien ausrichtet. Am Beispiel Kinderbetreuung wird dies nur allzu deutlich. Was sich viele Eltern wünschen, ist ein Ort, an dem sie ihr Kind morgens guten Gewissens abgeben können und gut aufgehoben wissen.

Was Eltern stattdessen bekommen, ist eine Glückslotterie der Betreuungsplätze und ein Haufen Zweifel. Der Staat versucht, den Frust durch allerlei finanzielle Leistungen nach dem Gießkannenprinzip (Kindergeld, bayerisches Familiengeld, finanzielle Entlastung durch die Senkung der Kitagebühren…) zu mindern, mit denen die Eltern nur leider das nicht bauen können, was sie so nötig brauchen: gute Betreuungsstrukturen. Das wäre eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht zuletzt darin bestünde, die Arbeit der Betreuungspersonen mehr wertzuschätzen (auch in finanzieller Hinsicht!). Familienpolitik sollte endlich mehr sein, als das unkritische Verteilen von Geld. Es geht um Qualität, in der außerhäuslichen Betreuung, aber auch in der familiären. Die (finanziellen) Mittel gezielt dafür einzusetzen, sollte der Maßstab guter Familienpolitik sein, und nicht der Wunsch, es am Ende allen recht gemacht zu haben und dabei für die Kinder und ihre Eltern nichts bewirkt zu haben – ein Schicksal das leider auch dem „Gute-Kita-Gesetz“ droht. – Monika Platz

 

Gut, dass einmal ansatzweise aus Sicht der betroffenen über Betreuung im Elementarbereich nachgedacht wird. Leider wird die Lösung dann nicht mehr von unten nach oben gedacht sondern umgekehrt. Bundesweite Standards klingen gut, aber was bewirken sie? Noch mehr Dokumentation und Rechtfertigung von unten nach oben, anstatt Zeit für die Betroffenen, die Kinder und die Eltern zu haben. Wichtig wäre vielmehr eine Stärkung der Kindertagesstätten gegenüber den Trägern, Kommunen, Kreisverwaltungen und Ländern, z.B. indem Tagesstätten besondere Bedarfe unabhängig von den Eltern anmelden könnten. Hierarchische Gängelung passt wenig in eine Demokratie. Vertrauen und Zusammenarbeit von unten nach oben, also Kita, Eltern, Träger sollte gefördert werden und nicht Dokumentation über die Einhaltung komplizierter bundesweiter Regeln. – Henrike Eberhardt

 

Wenn man es etwas überspitzt darstellt, können die Mütter ihre Kinder direkt in der Kindertagesstätte gebären. Auch der wieder in Verwendung gekommene Begriff „Tagesstätte“ deutet auf eine Verwahranstalt hin, wie Obdachlosenaufenthaltsstätte, Altenbegegnungsstätte etc. in diesem Wort ist bereits enthalten, dass es sich um eine Institution handelt, in der die Kinder in Verwahrung gegeben werden, weil die Eltern nicht willens oder finaziell in der Lage sind, sich um die Kinder zu kümmern. Aus meiner Sicht ist es eine gravierende Fehlentwicklung, wenn Kinder bereits mis einem Jahr in der Krippe abgegeben werden. Im Artikel schreiben Sie, dass 320.000 Plätze für U3 Kinder fehlen. Bekommt man tatsächlich Kinder um sie gleich in Verwahrung zu geben? Auch finde ich es krank, dass bei in dem Artikel sehr oft das Wort Bildung, auch in Bezug auf U3 Kinder vorkommt. Sollten Kinder in diesem Alter nicht eher ungezwungen spielen? Alles in Allem finde ich es eine bedenkliche Entwicklung, wenn Kinder schon mit U3 an eine Institution übergeben werden, egal wie gut die Betreuung ist. – René Karsubke

 

Lange habe ich auf diese Artikel… gewartet! Ich bin Ihnen sehr dankbar für die Beiträge „Immer auf die Kleinen“ und „Mama!“ in der Hoffnung, dass alle PolitikerInnen sie lesen und begreifen … !!! Bitte bleiben Sie mit Ihren Augen weiterhin bei den Stätten der Kinder und den jungen überforderten Familien! – Klaus Busch

 

„Immer auf die Kleinen“ – so denken Sie vielleicht, wenn ein Leserbrief zu Ihnen kommt – der anmahnt, dass Sie gekonnt die Mißstände anprangern und auch Ihre Quellen dazu benennen – ein langer Text, der an den Gegebenheiten nichts ändern kann. Was ich vermisse, ist ein einziger, vielleicht kleiner Abschnitt, der die Arbeit der Erzieherinnen wertschätzend beschreibt, der hinweist, wieviel Empathie viele Erzieherinnen in die tägliche Arbeit einbringen und ihnen so Mut macht, in diesen Zeiten das Beste daraus zu machen. Ich bin nur ein „Opa“, der erlebt, dass seine Enkel dennoch gerne dorthin gehen und meist fröhlich von dort kommen. – Ferdinand Kramer

 

Die ersten Lebensjahre sind besonders prägend. Da baut ein Kind grundlegende Beziehungen zu wichtigen Personen für seine Entwicklung auf, zu den Eltern, Großeltern, Geschwistern und erwirbt so ein Gefühl von Geborgenheit, Verlässlichkeit und Sicherheit. Wenn eben möglich, sollte das Kind daher in den ersten drei Jahren zu Hause betreut werden, sein tägliches Lebensumfeld kennenlernen und viel Zeit in der Familie verbringen. Nach seinem dritten Geburtstag ist es dann in der Regel „reif“ für die Kita. Der Besuch fördert vor allem seine Sozialkompetenz, seine Sprachentwicklung, seine Kommunikationsfähigkeit und andere Fertigkeiten wie zum Beispiel seine Fein-und Grobmotorik. So ist er eine gute Vorbereitung auf den Schulbesuch, Vor dem Hintergrund der großen Bedeutung der Vorschuljahre für die Gesamtentwicklung des Kindes ist es besonders wichtig, dass die Kleinen in den Kitas nicht nur „aufbewahrt“, sondern „gut betreut“ werden. Dies wiederum setzt genügend Erzieher/innen voraus, deren Arbeit angemessen honoriert wird, was die Bezahlung, aber auch ihr Ansehen betrifft. Je attraktiver diese Tätigkeit, desto mehr Schulabgänger werden sich für diesen wichtigen Beruf interessieren, somit dazu beitragen, die Kita-Krise in immer mehr Orten zu überwinden. – Gabriele Gottbrath

 

Wenn Deutschland fast 30% seines Bundesetats für Rentenzuschüsse ausgibt, wird klar wo bei uns die Prioritäten liegen. Statt arbeitsfähige Rentner zu steuerzahlenden Erwerbstätigen zu machen – ggf Teilzeit, werden diese Menschen zu Konsumenten degradiert, die sich Ersatzbeschäftigungen organisieren. – Christian Voss

 


 

 

Leserbriefe zu „Daheim ist es am schönsten“ von Anna Gielas

 

Die Haftpflichtprämie einer Hebammen beträgt 8.174 Euro, was sollen da diese halbwissenschaftlichen Studien und Berichte? Eine Argumentation, in der „Sicherheit“ zurücktritt, gegen „daheim ist es am schönsten“, ist von erbärmlicher Dummheit. Eine Argumentation, in der „zwei mal ist es schon gut gegangen“ vorherrscht, bei einer Geburt, ist von noch viel größerer erbärmlicher Dummheit. Einem logisch denkendem Menschen nicht zu vermitteln. Von einer ausgesprochen dämlichen unterbelichteten Hausgebärenden, vermutlich unter erheblichem Sauerstoffmangel selbst hausgeboren. Grauslich. Grauslich. Viele herzliche Grüße an die Redaktion, viele Grüße an Frau Gielas. Was antwortet Frau Richter, wenn sie von ihrem wegen Sauerstoffmangel deppertem Kind gefragt wird: „Du hast mein Leben versaut, warum bist Du nicht ins Krankenhaus gegangen?“ – Ulrich Bosshammer

 

Ich bin Arzt und war überzeugt, für Mutter und Kind ist die Klinik der geeignete Ort für die Entbindung. Vier Schwangerschaften später mit vier gesunden Kindern bin ich anderer Meinung. Erste Geburt: Vorzeitiger Blasensprung, von der Charité in Berlin wurden wir nach Hause geschickt. Auch bei Wiedervorstellung wegen Fiebers hieß es zunächst „abwarten“. Wegen der einsetzenden Wehen eine Periduralanästhesie, die zu Sprechstörungen bei der Mutter führt – leichte Überdosierung, hieß es. Nach Schichtwechsel der zuständigen Ärzte hieß es dann: „Warum ist die Frau noch nicht operiert? Sectio, sofort!“ Zweites Kind, Geburt im Kreiskrankenhaus mit ungewohnt viel ärztlicher Zuwendung: keine Komplikation, kein Kaiserschnitt, alles bestens.

Dritte Geburt, ebenfalls in einem kleinen Krankenhaus: Arzt benachrichtigt, er kommt erst, als das Kind friedlich an der Brust nuckelt. Die Hebamme hatte alles zuverlässig im Griff. Vierte Erfahrung: gleiches Krankenhaus, jetzt aber hatten die Ärzte das Regime übernommen. „Die Geburtsstunde ist die gefährlichste Stunde eines Menschen in seinem Leben«, sagt Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. »Geht hier etwas schief und ist nur wenige Minuten die Sauerstoffzufuhr behindert, erleidet das Kind einen Schaden fürs ganze Leben.“ Genau diesen Stress brachte die ärztliche Geburtshelferin in den Kreissaal. Alles war plötzlich brandgefährlich, nichts mehr schien normal zu laufen, nichts konnte meine Frau mehr richtig machen, der ganze natürliche Vorgang musste durch „Kommandos“ optimiert und seiner Gefahren beraubt werden. Das Erlebnis einer „schönen“ Geburt, das ganze Miteinander, jede Harmonie blieb auf der Strecke. Wäre es unser erstes Kind gewesen, hätte uns dieses Erlebnis eher traumatisiert als beschenkt – ein krasser Kontrast zur Geburt, die ausschließlich von der Hebamme geleitet wurde.

Schön, dass Sie im Artikel Studien zitieren, dass das Outcome von Haus- versus Krankenhausgeburt keine Unterschiede zeigt. Die Schulmedizin, so wichtig sie im Fall von Schwierigkeiten auch sein mag, besiegt nach meiner Einschätzung vor allem Komplikationen, die sie zuvor selbst geschaffen hat. Als Vater von vier glücklicherweise gesunden Kindern kann ich allen Beteiligten nur zur Gelassenheit raten – und Müttern zur Hausgeburt. – Dr. med. Ingo Schymanski

 

Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass Sie im o.g. Artikel die Hausgeburt derart anpreisen lassen. Ich hatte bei meinem ersten Kind auch zwischenzeitlich an eine Hausgeburt gedacht, habe dann aber zum Glück davon abgesehen (medizinisch sprach nichts dagegen). Mein Sohn hätte eine Hausgeburt mit dem Leben bezahlt, eventuell auch ich. Ich bin der Meinung, es ist egoistisch seinem Kind die bestmögliche Versorgung in einem Notfall (am Besten in einem Krankenhaus mit angeschlossener Kinderklinik) vorzuenthalten. Viel mehr sollten Eltern darauf hingewiesen werden, dass im wirklichen Notfall keine Zeit bleibt, um noch ins Krankenhaus zu fahren (da bringt auch eine vorherige Anmeldung nichts mehr). – Anja Herrgott

 

Ich arbeite als Anästhesistin unter anderem auch in der Geburtshilfe eines deutschen Universitätsklinikums, meine Meinung über Hausgeburten ist auf Grund meiner Erfahrungen eine andere. Mit der zwischen Hebammen, Ärzten und Schwangeren emotional geführten Debatte über den „richtigen“ Geburtsmodus und -ort wird man in jedem Dienst konfrontiert. Die Leistung eines Perinatalzentrums besteht meiner Meinung nach darin, für die Geburt für Mütter und Neugeborene die maximal mögliche Sicherheit zu gewährleisten. Hierfür ist ein massiver personeller und infrastruktureller Aufwand notwendig, so müssen beispielsweise rund um die Uhr Hebammen, gynökologische Geburtshelfer, Neonatologen und neonatologisches Fachpflegepersonal, Anästhesisten und anästhesiologisches Fachpflegepersonal, Intensivmediziner und Laboratoriumspersonal bereitstehen. Ich für meinen Teil empfinde es als großes Privilieg in einer Gesellschaft zu leben, die sich einen solchen Aufwand für die Sicherheit von Müttern und Neugeborenen finanziell leisten kann und will. Selbstverständlich ist die Geburt ein natürlicher Vorgang, deshalb bestehen aber trotzdem Risiken. Solche Risiken sind zum Teil vor der Geburt durch Anamnese und Untersuchugen antizipierbar, aber eben nur zum Teil, und nicht wie im Artikel suggeriert im Regelfall. Ein kritischer Abfall der Herzfrequenz des Kindes während der Geburt oder eine ausbleibende Kontraktion der Gebärmutter nach der Geburt mit folgender massiver Blutung sind nur zwei Szenarien, die auch bei gesunden Müttern und komplikationslosem Schwangerschaftsverlauf auftreten können. Bei beidem ist zudem eine so zeitnahe Intervention notwendig, dass die Verzögerung durch einen erforderlichen Transport in ein sei es noch so nahe gelegenes Krankenhaus fatal sein kann.

Natürlich sind solche Risiken zahlenmäßig gegenüber komplikationslosen Geburten sehr gering, aber mir scheinen sie dennoch in ihrer Auswirkung so katastrophal, dass ich für mich persönlich nicht bereit wäre, sie einzugehen. Wer sie zu Gunsten einer intimeren Athmosphäre einzugehen bereit ist, kann sich natürlich für eine außerklinische Geburt entscheiden, sollte aber vorher darüber aufgeklärt werden. Unser Ziel im Krankenhaus ist keinesfalls die Erfüllung irgendwelcher Quoten, wie manchmal gemutmaßt wird, sondern, dass Mutter und Kind unsere Klinik gesund verlassen. Keine Mutter sollte sich zudem nach der Entscheidung zur Anlage einer Periduralanästhesie als Versagerin fühlen müssen. Möglicherweise ermöglicht ihr diese Maßnahme eine vaginale Entbindung, die im häuslichen Setting wegen Erschöpfung der Mutter hätte abgebrochen werden müssen. Das Misstrauen gegenüber innerklinischen Geburten, gesät in einer Zeit, bevor die Frauen überhaupt in Kontakt mit den im Kreißsaal arbeitenden Kollegen kommen, belastet das für eine gute Geburtsbetreuung erforderliche Vertrauensverhältnis. – Dr. Anna Hoenen

 

Die Hausgeburt wird in diesem Artikel fast romantisch verklärt, Selbstverwirklichung in jedem Lebensbereich. Natürlich gibt es auch Frauen, die traumatische Geburten im Krankenhaus erleben, aber es gibt auch sehr schöne, intime Geburten im Krankenhaus. Inzwischen sind viele Kreißsäle sehr liebevoll und gemütlich gestaltet. Für den Notfall sind jedoch alle in bereit. Meine Tochter musste direkt nach der Geburt reanimiert und intensivmedizinisch versorgt werden. Ich hatte eine völlig unauffällige Schwangerschaft, keinerlei Vorerkrankungen oder Risikofaktoren und einen normalen, sogar relativ zügigen Geburtsverlauf ohne PDA, einen Tag nach dem errechneten Geburtstermin. Trotzdem wäre meine Tochter heute tot, wenn ich nicht in einem Krankenhaus entbunden hätte. Heute ist sie ein kerngesundes Mädchen. Solche medizinischen Notfälle sind extrem selten, aber gerade weil sie so gefährlich sind, sollte man sie nicht riskieren. Jedes Kind sollte mit den besten Chancen starten. – Dr. med. Tabea Korden

 

Der letze Artikel von Frau Anna Gielas ist schon ein Schlag in das Gesicht der ZEIT-Wissenschafts-Redaktion. Was Frau Gielas hier „unter sich gelassen“ hat, spottet jeder Vernunft. Ich gebe zu, nicht leicht zu erkennen – sicher aber gehört es NICHT in die Wissenschaftsredaktion. Ich verzichte darauf, Frau Gielas in einzelnen Punkten zu wiederlegen (siehe die Kommentare zu dem letzten Artikel), es ist aber gefährlich, solche Amateure in einer seriösen Publikation zu Wort kommen zu lassen. Es wäre schön, wenn Sie in Zukunft Beiträge, in denen es um Wichtiges geht, von Fachleuten gegen lesen lassen würden und nicht ungeprüften Quatsch einfach publizieren. Vielleicht bieten Sie Frau Gielas besser eine Freelance-Tätigkeit bei der Rubrik „Astrologie“ oder „Homöopathie“ an. Die ZEIT ist ein wichtiger Meinungsbildner und darf nicht Platz für ungeprüften Unfug sein. – Dr. med. Porras

 

Daheim ist es am schönsten – Ich bin sprachlos und wütend wie verharmlosend und falsch in Ihrer, von mir bisher hochgeschätzten Zeitung, Hausgeburten darstellt werden. Sind sie wahnsinnig? Wie viele Kinder müssen zu Schaden kommen, damit alle Beteiligten verstehen, wie gefährlich das Fehlen einer Infrastruktur sein kann? Doch von vorne. Ja, zu Hause ist es in der Tat viel schöner als im Krankenhaus. Mein Anspruch an meine eigenen Entbindungen war nicht „schön“ , sondern „sicher“. Aber das Sicherheitsbedürfnis ist von Mensch zu Mensch verschieden. Eine Geburt ist ein natürlicher Vorgang, der in den meisten Fällen ohne ärztliche Intervention gut funktioniert. Sonst wäre die Menschheit ausgestorben. Wenn „meistens“ ausreicht – ab nach hause. Alle Kreißsäle schließen. Brauchen wir nicht mehr. In diesem Fall empfehle ich auch die Krankenversicherung zu kündigen. Die meisten Menschen sind schließlich gesund. Und Autofahren ohne Gurt ist dann auch vollkommen in Ordnung. Meistens haben wir ja schließlich keine Unfälle. Und Kindersitze könnten wir doch eigentlich aus gleichem Grunde auch gleich abschaffen.

Ach einen Kindersitz möchten Sie doch benutzen? Sie meinen Ihr Kind (welches hier leider nicht mitdiskutieren kann) habe ein Recht auf Sicherheit und körperliche Unversehrtheit? Warum soll es das nicht unter seiner Geburt auch haben? Verwehren Sie ihm die Sicherheit einer Krankenhausgeburt, die Sie selbst genossen haben? Mit welchem Recht? Abschließend möchte ich noch einmal feststellen, dass ich mich sehr wundere einen derart schlecht recherchierten Artikel in der Zeit zu finden. Was ist denn da passiert? Ich biete an, in unserer Klinik zu recherchieren. Wir sind diejenigen, die wenn alles schief geht, kommen und retten sollen. Wir besetzen den Baby-Notarztwagen in Hannover. Ja, wir fahren auch zu missglückten Hausgeburten und ins Geburtshaus. Dort versorgen wir unter mangelhaften Bedingungen Kinder, die das Pech hatten nicht in einem Krankenhaus auf die Welt kommen zu dürfen. Damit ihre Mutter stolz sein kann auf ihr Geburtserlebnis. – Dr. med. Marlene Buck

 


 

 

Leserbriefe zu „Sind Tiere auch nur Menschen?“ von Martin Klingst

 

Herr Klingst schreibt: „Auch das deutsche Tierschutzgesetz stellt nach wie vor den Menschen in den Mittelpunkt…“. Es ist noch nicht gar nicht so lange her, da stellte der Mensch die Erde noch in den Mittelpunkt des Universums. – Horst Schwäbe

 

Im gestrigen sehr guten Artikel von Martin Klingst auf Zeit Online „Sind Tiere auch nur Menschen?“ möchte ich eine kleine Ergänzung anregen: Und zwar sagt Herr Klingst am Ende seines Artikels eine Verbandsklage für Tiere würde es noch nicht geben. Das ist nicht ganz korrekt, auf Landesebene gibt es in einigen Bundesländern dieses Rechtsinstrument bereits. Nur auf Bundesebene gibt es bislang keine Tierschutzverbandsklage, was im rechtswissenschaftlichen Diskurs aber bereits viel disktutiert ist, siehe etwa Kloepfer/Kluge, DIe tierschutzrechtliche Verbandsklage (2017) oder die Dissertation von Yasemin Groß, Die Rechtsdurchsetzung von Tierbelangen insbesondere durch tierschutzrechtliche Verbandsklagen (2018). Diese Unterscheidung bzw. Klarstellung dass eine bundeseinheitliche VErbandsklage für den Tierschutz ebenso wie im Umweltschutz wünschens- und hilfreich für das Anliegen des Tierschutzes wäre, bzw. Klagen wie jene von PETA dann in anderer GEstalt möglich wären, wollte ich nur gerne anregen. – Kolja Schmitz

 

Dieser kurze Einblick in die Rechtslage in Nachbarländern mit den gewissen Ungereimtheiten, worauf genau Begründungen des Tierschutzes fussen, war interessant. Einfacher wird es, wenn man sich klar macht, dass es ja zunächst um Tiere geht, die sich in Obhut des Menschen befinden (oder der Natur entnommen werden): Das Verhältnis zwischen Katz und Maus fällt dann schon mal raus. Die Verantwortung des Menschen für das Tier steht zu Recht im Mittelpunkt. Dass Tiere nicht rechtsfähig sind und keine Verantwortung übernehmen können, ist zwar richtig, aber doch egal: die treffendere Analogie scheinen mir Kinder, sowie Erwachsene zu sein, die aus diversen Gründen unmündig sind. Auch ihnen werden ja Persönlichkeitsrechte problemlos zugebilligt. Jemand kann an ihrer Stelle klagen; eine Verbandsklage im Namen von Tieren wäre ähnlich und zu begrüßen. – Dr. Gunda Matschonat

 

Die Organisation PETA hat mehrmals Landwirte angezeigt, weil Tiere ums Leben kamen als ihr landwirtschaftlicher Betrieb abbrannte. Das ist jedesmal ein Schlag ins Gesicht von Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, die ihren Lebensmittelpunkt verloren haben. Bei solchen Bränden wird von der Brandfahndung ermittelt. Außenstehende, die die Anzeige auch noch groß im Netz publizieren braucht es zur Aufklärung nicht. Wer so zynisch handelt, darf niemals ein Verbandsklagerecht bekommen. Landwirte werden bereits jetzt an vielen Stellen ausgegrenzt. Ein Verbandsklagerecht für PETA würde das verschärfen. – Christoph Schröder

 


 

 

Leserbriefe zu „Zeigt euch!“ von Manuel J. Hartung und Katharina Menne

 

Die beiden Autorinnen haben bereits, so scheint es, im Untertitel einige der kommenden Leitartikel der nächsten Wochen und Monate skizziert bzw. vorbereitet. Und verlangen mit Blick auf die Akteure zu Recht: Zeigt euch! Drei Ereignisse werden aufgelistet, die drei Fragen provozieren. Die Steinmeier – Rede, die nach Streitkultur ruft, ein Blick auf die fragile Wissenschaftskommunikation und nicht zuletzt das Wissenschaftsbarometer zeigen erheblichen Gesprächsbedarf an. Etwas stärker zugespitzt:

  • – Wie steht’s mit der Streitbarkeit in den Universitäten?
  • – Ist den Wissenschaften an der Universität aktuell ein Werturteilsstreit (politischer Art)

überhaupt zumutbar?

  • – Welche Öffentlichkeit(en) finden die Wissenschaften zu Beginn des 21. Jh. vor?

„Der Streit der Fakultäten“ überschreibt Kant seine Abhandlung. Seiner Intention nach wird die Stellung der Philosophie neu justiert. Während anderen Fakultäten Nützlichkeit zugesprochen wird ( Theologie, Recht, Medizin), diene die philosophische Fakultät der Wahrheit. Darin wiederum nütze sie, nach Kants Urteil, den anderen. Aktuell könnte ihr diese Aufgabe wohl eher als Zumutung erscheinen angesichts der festgestellten Defizite in Sachen Streitkultur. Welche Fakultät findet hier schon so schnell den Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit? Anders als zu Zeiten Kants liegt er aktuell nicht in der Freiheit vom Staat und seiner Repräsentanten. Heute liegt der Freiheits – Fokus zwar auch auf gesellschaftlichen, politischen, aber vor allem auf dem Umgang der inner-universitären Kräfte miteinander. Was für eine Farce, wenn das Staatsoberhaupt in seiner Rede anlässlich der Jahresversammlung der HRK sich herausgefordert fühlt, vor den Präsidenten anzumahnen, dass ihre Hochschulen „ein Ort der Freiheit aller zum Reden und zum Denken“ sei, dass die Universität ein „Austragungsort für Kontroversen“ sein müsse, „kein Ort der geistigen Schonung“.

Kritisch kommentieren auch die beiden Autorinnen unter ihrem dritten Punkt: „Strukturwandel der Öffentlichkeitsarbeit“, die nicht-beabsichtigten Folgen der Bologna- Reform an den Universitäten, ihre Fehler. Und schließen mit der Hoffnung, dass nach den großen Strukturreformen Energie frei werde für Neues. Dass sie dabei auf junge politische Köpfe setzen, scheint zuerst einmal plausibel. Aber ein Blick nach Berlin, nach Hamburg verdüstert schnell diese Hoffnung. Deshalb bleiben diese Orte auch ungenannt. Stattdessen wird auf Diskurs gesetzt: „Auf die Hochschule der Strukturreformen folgt die Hochschule des Diskurses“. Vielleicht könnte an den genannten Universitäten zuerst einmal das etwas bescheidenere Ziel einer offenen Debatte angepeilt werden, in der Streitkultur geübt wird. Diskursfähigkeit bedeutet schließlich dem Zwang des besseren Arguments zu folgen. – Klaus D. Lubjuhn

 

Der Artikel liest sich als ein Appell an alle Hochschulen: Seid streitbarer! Gewährleistet einen Raum der Offenheit und Freiheit! Politisiert euch! Und vor allem: tragt eure Forschung nach außen! Die Bringschuld, so liest es sich, liegt ganz bei der Wissenschaft. Dass wir als Gesellschaft vorwährend das spannungsreiche Verhältnis zwischen Politik und Wissenschaft über- und neudenken müssen, halte ich für unabdingbar – soweit stimme ich den beiden Autor*innen zu. Dennoch ziehe ich letztendlich einen anderen Schluss daraus: Wir brauchen keine politischere Wissenschaft, sondern eine wissenschaftlichere Politik.Ich würde noch einen Schritt weitergehen und die These aufstellen, dass die Politisierung der Wissenschaft (wie beispielsweise in Form von Scientists-for-Future) daraus resultiert, dass es der Politik mitunter an Wissenschaftlichkeit mangelt. Noch viel zu häufig setzen sich in konkreten Gesetzen und Reformen die Interessen jener durch, die über gigantische Machtressourcen verfügen. Selbst jene Forschungsergebnisse, die in der Wissenschaft über einen breiten Konsens verfügen, müssen sich im Gesetzgebungsprozess meist hinter Partikularinteressen Einzelner, die über eine machtvolle Lobby verfügen, einreihen. Am Ende bleibt die Wissenschaft in der Politik allzu oft ungehört. – Anne Marquardt

 

„Etwas kleiner geht es wohl nicht? Nicht weniger als das Aufkommen einer neuen Epoche lesen Manuel Hartung und Katharina Menne aus der Rede vom Bundespräsidenten Steinmeier, dem mehr als dürftigen Grunsatzpapier zur Wissenschaftskommunikation aus dem BMBF und der Tatsache, dass sich eine Handvoll Wissenschaftler/innen in politische Debatten einbringen. Die beiden Autoren lassen wohl die Gäule durchgehen, anstatt dass sie erst einmal abwarten, ob und was sich da tut. Denn die Bewertung über einen Epochenwandel trifft frühestens die nächste Historikergeneration. Aber vielen Journalisten genügt es heute leider nicht mehr, nur zu berichten, was war: Ihre Ungeduld treibt sie dahin, das sogar selbst gestalten zu wollen, was einmal berichtenswert sein wird. So recht Steinmeier mit seiner Kritik an der gegenwärtigen Streitkultur hat und sie belebt wissen will, hat er doch nur das Wie angesprochen, nicht aber das Was: also worüber zu streiten in der Wissenschaft sei. Wenn Wissenschaftler/innen streiten, so doch hoffentlich über ihre Wissenschaftsthemen und über das Arbeiten in ihren Institutionen, etwa den Hochschulen. Dafür sind sie auch qualifiziert und dafür werden sie bezahlt. Wenn sie sich allerdings zur Tagespolitik äußern, sind sie Laien und Wähler, wie jeder andere von uns, und es wäre vermessen, von ihnen zu erwarten, für Politiker Entscheidungen zu treffen. Dafür wählen wir Politiker. Allerdings lassen sich die Worte Steinmeiers auch auf die Politik beziehen, denn auch dort steht es um die Streitkultur nicht zum besten.“ – Dr. Josef König

 


 

 

Leserbriefe zu „Er oder sie?“ von Matthias Geis

 

Wie hat Matthias Geis im Satz „Inzwischen hat Spahn die Selbstvermarktung als jung-konservative Nachwuchshoffnung m e r k l i c h zurückgefahren“ über M e r k e l s Nachfolge gemeint – als unterschwellige Leserlenkung? Oder ist es doch nur eine Freudsche Fehlleistung par excellence? – Oskar Dreyer

 

Ein schöner Gedankengang ist nur gut und richtig, wenn der Grundgedanke gut und richtig ist. „Es war nicht der Voluntarismus der Kanzlerin, es war der Zwang der Verhältnisse, der die Union dazu brachte, ihr traditionelles Familienbild zu verabschieden, Banken zu verstaatlichen, die Energiewende einzuleiten oder Flüchtlinge ins Land zu lassen. Nichts spricht dafür, dass sich an dieser unbequemen Konstellation etwas ändert.“ Kann man das glauben, ohne Opportunismus, Ignoranz und Phantasielosigkeit mit Pragmatismus zu verwechseln? Die Alternativlosigkeit ist alternativlos und weiter so? Glaubt Ihr das wirklich? Ja- dann Gute Nacht. – Rolf Maschlanka

 

Dr. Markus Söder scharrte in Leipzig schon lautstark mit seinen Hufen und lässt auch schon mal das „Einspannen“ üben. Der Bayerische Ministerpräsident aus Nürnberg (Mittelfranken) bringt sich und seine CSU in Habachtstellung. Eine vorzeitige Ausfahrt nach Berlin, die könnte sehr bald möglich werden. Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) und Friedrich Merz, die beklatschen freudig und freundlich diesen urfränkischen Entschluß! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Aufbruch in den Wald“ von Melanie Croyé und Claas Tatje

 

Hier kann man wieder sehr schön auf allen Ebenen den Irrsinn der Menschen sehen. Die Anwohenr freuen sich in Zeiten der Klimakrise ihren Wald abholzen zu dürfen, damit dort der Klimafeind Auto gebaut wird. Und vor lauter Begeisterung sind sie auch noch bereit viele Millionen ihrer Steuermittel dafür zu bezahlen. Wie kann man sich als Politiker so von einem Unternehmer unter Druck setzen lassen, dass man vor lauter Aktionismus nicht mehr zum vernünftigen Nachdenken kommt. Aber vielleicht bedeutet NACHdenken ja: danach denken. Das Beispiel zeigt auch deutlich, dass Politiker fast immer lügen, wenn sie von Klimaschutz, Umweltschutz o. ä. reden. Und welch absurde Logik stellt es dar nicht bedrohten Tier- und Pflanzenarten so lange den Lebensraum zu nehmen bis sie bedroht sind statt dafür zu sorgen, dass es nicht zur Bedrohung kommt. – Horst Schwäbe

 

Es ist täglich damit zu rechnen, daß das alles nur Strohfeuer war. Ich kenne Musk ganz gut. Der wird nicht lange Fackeln wenn ihn etwas nicht passt. Der Politik rate ich, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Das Bundesland Brandenburg ist ja nicht gerade auf Rosen gebettet. Ich traue heutzutage den Politikern alles zu. Deutschland ist politisch geschrumpft. Unter Merkel ist das auch kein Wunder. Ihr Meisterwerk ist die völlig überzogene Flüchtlings- und Ausländerpolitik. Daran kann unser Land scheitern. Ihre Autoren schreiben es richtig: Musk baut nur ein weiteres Autohaus. Das sollten die Beamten im Rathaus wissen. – Gunter Knauer

 

Auf gehts in den Wald nach Brandenburg, gleich dort neben der berühmtesten Ruine von Deutschland, der „BER-Ruine“, da kann doch nur alles noch besser werden, auch wenn es etwas an Zeit kosten könnte! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Germanische Wertigkeit“ von Alard von Kittlitz

 

DieWertigkeitder Naturwissenschaften: Alard von Kittlitz kritisiert die neuerdings inflationäre Verwendung des Ausdrucks „Wertigkeit“. Zur Begründung beschreibt er die Herkunft des Begriffs aus der Wissenschaft Chemie (unvollständig übrigens), um gleich darauf zu erklären „Keine Ahnung, was das heißen soll“.Dass man sich öffentlich geradezu kokett damit schmücken darf, von Naturwissenschaft (und seinen es auch nur, wie hier, Basiskenntnisse) „keine Ahnung“ zu haben, zeigt leider, welch geringe Wertigkeitdie naturwissenschaftliche Bildung des Autors speziell sowie die MINT-Fächer generell in unserer Gesellschaft haben.Zumindest bei den Themen Klima und Homöopathie hat es sich ja inzwischen herumgesprochen, dass Kenntnisse der naturwissenschaftlichen Grundlagen und Zusammenhänge unerlässlich sind. Wieso darf man trotzdem unkommentiert ein solches Wissenschaftsbashing betreiben? Na, jedenfalls nicht von mir unkommentiert…. Liebe Redaktion „Wissen“, bitte arbeiten Sie weiter gegen diesen Trend an und laden Sie Ihren Kollegen Kittlitz doch ein, auch diesen Teil der ZEIT zu lesen! – Dr. Elke Baum

 

„…aber halt tiefwertig“ – nicht Ihr Ernst, Herr von Kittlitz, oder? Dabei sprechen Sie mir mit der Abneigung gegen das nicht existente Adjektiv „wertig“ aus der Seele: Denn das wird erstaunlich oft verwendet, um einen hohen Wert anzupreisen, obwohl es genausogut für minderwertig stehen könnte. Denn so bezeichnet man doch seit jeher das Gegenteil. – Dr. med. Dietrich Tamm

 

Es ist ein Segen, lieber Herr von Kittlitz, dass wir sprachsensible Menschen wie Sie haben. Sie übertreiben aber dann doch, wenn Sie bei dem Werbedummschwätz-Wort „Wertigkeit“ gleich Nazi-Alarm schlagen. Dabei ist die harmlose Wertigkeit doch lediglich ein Beispiel für die allgegenwärtige Bläh-Sprache, mit der jedes kleine Thema zur „Thematik“ aufgeblasen und jede simple Technik als „Technologie“ verkauft wird. Wenn Sie dann allerdings eben jene Wertigkeit als platonische Idee beschreiben, stimmen die Verhältnisse wieder. Denn eine besonders abgeschmackte Form des Aufplusterns betreibt die Werbebranche dort, wo sie schlichte Gestaltungsfragen, etwa bei den von Ihnen genannten Autositzen, zu nichts geringerem als einer „Philosophie“ erhebt. – Dr. Wolfgang Tzschaschel

 


 

 

Leserbriefe zu „»Man muss die Regeln brechen«“. Gespräch mit Han Dongfang geführt von Xifan Yang

 

Herzlichen Dank, dass war ein sehr erhellendes Interview! – Dr. Gunda Matschonat

 

WELCHE OPTIONEN HAT XI JIN PING FÜR HONGKONG? Han Dongfang hat sich in dem Interview der ZEIT zum Glauben an die Menschheit bekannt, zum Glauben an die Vernunft und auch zum Glauben, dass Xi Jin Ping Hongkong ein Angebot machen wird. Alle Humanisten in der Welt, ob Chinesen oder Europäer, hoffen, dass dieses Angebot noch rechtzeitig kommen wird. Denn in Hongkong steht sehr viel auf dem Spiel, nicht nur das Interesse Hongkongs, das Interesse ganz Chinas, sondern letztlich auch das Interesse der ganzen Menschheit. Und zwar deshalb, weil es jetzt darum geht, wie weit man in China heute bereit ist, das große humanistische Erbe, das die Philosophie des Kung Fu Tse hinterlassen hat, in die Tat umzusetzen. Kung Fu Tse, einer der größten Philosophen Chinas und der Menschheit, gab nämlich schon zu seiner Lebenszeit (551 – 479 v. Chr.) klare Anweisungen für politische Herrscher, die immer noch gültig sind, auch in der gegenwärtigen Situation, zumindest für solche Herrscher, die sich philosophisch beraten lassen oder philosophisch gebildet sind.

In der berühmten Schrift „Lun-yu“ II, 1 sagt beispielsweise Kung Fu Tse: „Wer nach sittlichen Grundsätzen regiert, gleicht dem Polarstern; er behält seinen Platz, und die anderen Sterne umkreisen ihn.“ Und die sich hier gleich aufdrängende Frage, wie sich diese „sittlichen Grundsätze“ für alle Zeiten kurz erklären lassen, antwortete der Meister im „Lun-yu“ XV, 24, dass alle diese Prinzipien auf dem Bemühen um „gegenseitige Rücksichtnahme“ beruhen. Tatsächlich liegt auch darin der Schlüssel zur Lösung des Problems in Hongkong.: Xi Jin Ping hat ja für Hongkong derzeit nur drei Optionen: 1. die Bedürfnisse der Bevölkerung in Hongkong mit Gewalt niederzuschlagen 2. diese Bedürfnisse zu ignorieren und sich passiv zu verhalten und 3. auf diese Bedürfnisse in Form eines „Dialogs“ und damit im Sinn der von Kung Fu Tse empfohlenen „gegenseitigen Rücksichtnahme“ einzugehen. Könnte sich Xi Jin Ping für die dritte Option entscheiden, für die philosophisch ratsamste, wäre das gewiss für alle Beteiligten die beste Lösung und alle Humanisten in der Welt würden applaudieren und das Ansehen Chinas in der Welt würde zu Recht enorm steigen! – Dr. Rupert Biedrawa

 


 

 

Leserbriefe zu „ZEIT-Mitarbeiter empfehlen Bücher zum Fest“ von Antonia Baum et al.

 

Vielen Dank für die interessanten Buchtipps im „Spezial zu Weihnachten“ in der aktuellen Ausgabe. Das Buch „Nach seinem Bilde“ von Jerome Ferrari wird auf Seite 84 empfohlen. Ursula März schreibt, dass dieses in der „Sezession“ erschienen sei. Meiner Meinung nach ist die „Sezession“ eine rechtsextreme Zeitschrift von Götz Kubitschek. „Nach seinem Bilde“ ist laut Google-Recherche im „Secession-Verlag“ erschienen. Überprüfen Sie doch noch einmal diese Informationen, damit keine Missverständnisse entstehen. Ich benutze den IPad-Reader. – Noah Weisswange

 

Am „Heiligabend“, da sollte eigentlich, wie jedes Jahr, der Geburtstag von Jesus Christus gefeiert werden. Damals, wir befinden uns ungefähr im „Jahre Null“, da soll im „Stall von Bethlehem“ (jetzt: Westjordanland/Paläst. Autonomiegebiete) ein Kindlein geboren worden sein, Jesus Christus, war sein Name, seine Mutter soll Maria geheißen haben und sein Stiefvater soll der Josef gewesen sein (der „leibliche“ Vater soll der „Heilige Geist“ sein). Das Christkindlein soll kurz nach seiner Geburt von „Drei Weisen Männern“ (vielleicht auch „Drei Heilige Könige“) aus dem fernen Morgenlande besucht worden sein, die als Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe mitgebracht haben sollen. In welcher Beziehung diese drei Herren zu Jesus Christus standen, das bleibt jedoch (weiter) im Dunkeln. Nun könnte man auch weiter annehmen, dass sich genau aus dieser Situation heraus (und nicht nur) am Heiliabend, (fast weltweit) ein Beschenkungs-Ritual entwickelt haben soll. In unseren „modernen“ Zeiten droht nun dieses Beschenkungs-Ritual total auszuufern, oder ist gar schon längst ausgeufert und völlig aus dem Ruder gelaufen! Der ordentliche Konsument jedenfalls, der vollzieht am Heiligen Abend noch ein weiteres Ritual, indem er nach der ganzen Beschenkerei zur „Christmette“, in irgendein Gotteshaus aufbrechen soll! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Geld oder Leben“ von Harro Albrecht

 

Ich warte immer noch darauf, dass jemand mit der groben Irreführung aufräumt, im sogenannte ,Gesundheitssystem‘ ginge es um ,Gesundheitskosten‘. Es geht um ,Kankheitskosten‘. In diese Falle sind auch Sie im Untertitel Ihres Artikels getappt, wo Sie davon schreiben ,wie teuer Gesundheit in Zukunft sein wird‘. ,Gesundheit‘ kann man nicht kaufen; sie ist kostenlos, wenn sie auch nicht umsonst zu haben ist. Sie ,kostet‘ Arbeit. Man könnte sagen, das sei ein Streit um des ,Kaisers Bart‘. Ist es aber nicht, denn die echten Aufwendungen für Gesundheit, wie sie sich in dem Aufwand für Präventivprogramme niederschlägt, liegt bei mageren ein bis zwei Prozent. Sie sehen, die gedankliche Unschärfe hat durchaus praktische Konsequenzen. – Dr. med. Jürgen Heines

 

Die Ausgaben für Gesundheit steigen auch deshalb stetig, weil allzu oft in den Sterbeprozess eingegriffen wird. An jeder Straßenecke hängt ein Defibrillator, um das stillstehende Herz wieder zum Schlagen zu bringen. Aus dem unmittelbaren Bekanntenkreis weiß ich, wie leidvoll es ist, einen lieben Angehörigen zu pflegen, der wegen Reanimation im Wachkoma liegt. Ich habe eine Patientenverfügung, in der ich jegliche Reanimation ablehne. Hoffentlich hält sich der Notarzt daran, wenn es dazu kommt…! Warum ist es so schwer, den Tod zu akzeptieren? Vielleicht weil viele nicht mehr daran glauben können. dass das Beste noch kommt…? – Marion Claus

 


 

 

Leserbriefe zu „Die Frau, die Mann und Sprache verlor“ von Antonia Baum

 

Herzlichen Dank für Ihre netten Zeilen : Wenn ich Ihnen mit meinen Gedanken eine Anregung vermitteln kann , ist mir das ein Vergnügen . Der oben angeführte Text gefällt mir : er ist flüssig – klar – verständlich und zielstrebig bis zum de facto Schlußsatz “ Olga findet ihre Sprache und sich selbst wieder .“ Was ich im folgenden ankreide , betrifft nicht Madame Ferrante , denn sie steht haushoch darüber , verwendet sie doch gerade dies als Rückgrat des Romans . Was mich empört , ist die Rolle der Mutter = der Tradition . Sie indoktriniert ihre Tochter dahingehend , dass sie doch gefälligst ihre Individualität als Tribut für eine Versorgerehe „auflösen “ solle , ihrem Göttergatten ( wie verräterisch doch selbst die Umgangssprache ist ) ein goldenes Nest bauen um ihn so zu “ halten “ . Dieser Versuch ist psychologisch kontraproduktiv , denn jedes Klammern schlägt den Partner in die Flucht .

Da es aber aber hinsichtlich der Psyche kein Null gibt , ergibt sich ein Zusammenbruch . Der Mensch ist nach Aristoteles ein “ zoon politikon kai logikon “ – also ein Gemeinschaftswesen , das denkend/sprechen kann. Deshalb wird bei einem Zusammenbruch genau dieses Zentrum der Person zerstört und es folgt der Wahnsinn . Das was Sie als “ Aufhören “ bezeichnen , ist meiner Meinung nach die außergewöhnliche Gabe der Frauen , ihr wahres Selbstbewußtsein zu pflegen : Wie schön kann eine reife Frau sein , auch ohne sexuellen Reiz . Die Paare , die auf den körperlichen Anreiz allein bauen , haben auf Sand gesetzt , denn wie uns die Biologen sagen , kann dieser zwar Jahrzehnte anhalten , erlischt aber irgendwann . Erhalten aber bleiben Zärtlichkeit , Vertrauen , Geborgenheit , Liebe . Dadurch , dass Olga sich selbst und ihre Kinder wieder wahrnimmt , wird sie stabiler und ihr Denken/Sprechen realistischer . Dies erinnert mich an das Credo einer anderen Schriftstellerin , deren Namen ich vergessen habe : Ich danke meiner Mutter dafür , dass sie mich früh gelehrt hat , selbständig zu sein und den Versprechungen der Männer nicht zu glauben ! – Dieter Wendler

 

Weil es keinen irgendwie definierten Begriff von „Männerliteratur“ gibt, verbietet sich die Verwendung des Begriffs „Frauenliteratur“ (auch mit einem abschwächend vorangestellten „sogenannte“). Wer ihn dennoch benutzt, grenzt „Frauenliteratur“ damit automatisch ab gegen „Literatur“ an sich und überlässt diese somit den Männern. Reich-Ranicki hat das expressis verbis getan, im Vorwort des von ihm herausgegebenen Gedichtbandes Frauen dichten andersdefinierte er salopp, mit „Frauenliteratur“ könne Literatur überFrauen nicht gemeint sein, davon gebe es zuviel; Literatur fürFrauen könne ebenfalls nicht gemeint sein, diese gehöre zur Trivialliteratur, somit sei „Frauenliteratur“ eben Literatur vonFrauen. Aber das war 1998, also knietief im vorigen Jahrtausend, und ich möchte sehr gern, dass damit endlich Schluss ist. – Katrin Düringer

 


 

 

Leserbriefe zu „Der letzte Schatz“ von Bettina Malter und Gesa Steeger

 

So lange es irgendwo noch Dinge auf der Welt gibt, so lange gibt der Mensch nicht auf, die Dinge ans Tageslicht zu befördern, um sie in den menschlichen Plan zu integrieren. Schade nur, dass die Erde nicht alles so schadlos hinnehmen wird! – Klaus P. Jaworek

 

Der Bergbau in der Tiefsee ist sicherlich nicht unkritisch, und die Auswirkungen (wie auch die technische Machbarkeit) sind wohl auch noch nicht komplett erforscht. Aber es ist keine Lösung, grundsätzlich gegen alle Bergbauaktivitäten zu sein – egal, ob in der Tiefsee, irgendwo in der Welt oder einfach nur vor der eigenen Haustür – und gleichzeitig die Rohstoffe nutzen zu wollen. Es geht darum, die Chancen und Risiken fair abzuwägen. – Peter Eysel

 


 

 

Leserbriefe zu „Seine Feinde drohen: »Nur ein toter Kurde ist ein guter Kurde«“ von Ali Ertan Toprak

 

Herr Toprak erwähnt die Erdogansche Religionspolitik gegenüber den Kurden als den nach dessen Meinung zu „Verrätern an der islamischen Sache“ stigmatisierten. Was im Gesamtkontext fehlt, ist ein grundsätzlicher, lösungsorientierter Ansatz zum Religionsverständnis jenseits von Zugehörigkeiten, Konfessionen und Institutionen. Erdogans Absicht ist so eindeutig nationalistisch spaltend, dass man seine Politik und die Verwendung seiner Magie suggerierenden Symbole nur als Instrumentalisierung zu seinem exklusivistischen Nutzen bezeichnen kann. Er stilisiert sich zum Idol, dem die Herde nachfolgen soll. Hätte er gern. Ohne die Bereitschaft zur Selbstreflexion und zu Hinterfragungen ist auch der noch so punktuell herausposaunte Glaube in jedem Fall nur Makulatur. Da liegt das Problem, ohne dessen Lösung keine wirksamen Fortschritt zu eigenem und gegenseitigem Verstehen (als Voraussetzung für Vertrauen) erreicht werden kann. Dass die mehrheitlich muslimischen Kurden auf eine säkulare Ordnung als Bais für eine freie Gesellschaft hoffen, mögen Erdogan und seine Leute unerträglich finden, in Wirklichkeit ist aber gerade die das Tor. durch das man Egoismen, Illusionen und sinnlose Rivalitäten verlassen kann. Religiöse Orientierungen schweben eben nicht als abgehobene Werte über unserem menschlichen Geschehen. – Christoph Müller-Luckwald

 

Ich schäme mich, dass die Bundesregierung die Kurden so verrät. Als ich vor Jahren von Rojava hörte, war ich sehr begeistert. Aber die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist Erdogan ein Dorn im Auge, wie auch demokratische Strukturen sein Sultanat bedrohen. Ich wünsche mir sehr, dass die Bundesregierung Farbe bekennt und die Türkei stoppt in ihrem scheußlichen, menschenverachtenden Tun. Leider bin ich nicht optimistisch. Ich wünsche Ihnen und den kurdischstämmigen Mitbürgern viel Kraft und Bedachtsamkeit, diese verfahrene Kriegssituation zu meistern. – Rotraut Langnese

 


 

 

Leserbriefe zu „Verschissmus?“ Foto von Jochen Hartmann

 

Als ich die Seite „Irgendwas ist ja immer“ aufschlug und das Foto des Kranzes zum Volkstrauertag der SPD Mülheim an der Ruhr sah, war ich mehr als erschrocken. Der Urheber dieses Fotos ist allerdings nicht Herr Jochen Hagemann, sondern Herr Jochen Hartmann von der BAMH. Wie ich den lokalen Medien entnehmen konnte, hat Herr Hartmann das Foto zeitnah an die großen Medien geschickt und über die sozialen Medien verbreitet. Wie jetzt der NRZ Mülheim in der Ausgabe vom 21.11. zu entnehmen ist war wohl ein menschlicher Fehler Schuld an dem Vorfall. Jochen Hartmann, bis vor ein paar Jahren für die AFD im Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr sitzend, hat eine regelrechte Hetzjagd ausgelöst.Leider hat DIE ZEIT die Fotos ungeprüft übernommen – zwar mit falsch geschriebenem Namen , was Herrn Hartmann sicherlich ärgern wird – aber trotzdem ohne irgendwelche Hintergründe zu erfragen. Sicherlich sind solche Bilder ein Hingucker – aber dann eher eher für andere Medien. – Birgit Lemke

 

Sonntagmorgen am Volkstrauertag: Heike Schmoll, renommierte Journalistin einer großen deutschen Tageszeitung, referiert morgens im Radioprogramm SWR2-Wissen über die nachweislich deutlich schlechter werdenden Rechtschreib- und Lesefertigkeiten deutscher Schulkinder. Besonders fragwürdig sei die Methode des „Lesen durch Schreiben“ nach Autor J. Reichen. Dabei lernen Schulanfänger vorwiegend erst nach Gehör zu schreiben. Montagmorgen danach, Nachrichten: Aufregung um die Kranzschleife des Mülheimer SPD-Ortsvereins am Volkstrauertag. Statt „den Opfern von Krieg und Faschismus“ steht dort „…Verschissmus“ darauf. Oh Schreck! Böswillige Sabotage? Absicht? Die Polizei ermittelt. Nein, weit gefehlt: offenbar nur ein Übermittlungsfehler bei der telefonischen Bestellannahme im Blumenladen. Einzelfall mit unfreiwilliger Komik? Oder werden wir gar solche Pannen und Irritationen künftig öfter erleben – vielleicht dank „erfolgreich“ vermittelter Rechtschreib(un)kenntnisse? – Joachim Westendorf

 


 

 

Leserbrief zu „Der Schrott und sein zweites Leben“ von Sebastian Kempkens

 

Danke für Ihren guten Artikel ueber Plastikmuellvermeidung. Es waere wünschenswert, wenn Sie sich einmal www.winnowsolutions.com genauer ansehen wuerden, wo es um die Verminderung von Essensresten geht: Eine Erfolgsgeschichte, die bestimmt ZEITleser interessieren wird. – H. Peter Krebs

 


 

 

Leserbrief zu „Extrem lieb“ von Klaus Brinkbäumer

 

Im Artikel „Extrem lieb“ schreiben sie, dass die Kosten für die Krankenkasse die Frau Warren einführen möchte 20,5 Billionen Dollar betragen sollen und das Einsparungen dieses Geld wieder einbringen sollen. Wenn das die jährlichen Kosten sein sollen, dann wird dies aber eine extreme Herausforderung. Das BIP der USA betrug 2018 ungefähr 20,58 Billionen Dollar… (Tip: Das englische „billion“ (1000 Millionen) wird im deutschen mit „Milliarde“ übersetzt…) – Thomas Mehring

 


 

 

Leserbrief zu „Je friedlicher, desto blutrünstiger“ von Sabine Rückert

 

Zu dem Thema Ihres interessanten Artikels möchte ich Sie noch aufmerksam machen auf ein kürzlich auch auf deutsch erschienenes Buch von Richard Wrangham „Die Zähmung des Menschen“ („The Goodness Paradox“), das eine Erklärung des „Gut-Böse-Paradox“ des Menschen aus der Evolution entwickelt. – Bernd Schuppener

 


 

 

Leserbrief zu „So spart Europa“ von Lara Janssen

 

Zum Thema Sparen – gerade wie es in dem Wirtschaftsteil der Zeit immer wieder behandelt wird – möchte ich mal aus der Sicht eines klassischen Sparers etwas beitragen. Mir geht es verhältnismäßig gut. Und mir ging es meistens nicht schlecht. Ich habe mich durchs Leben geschlagen, manchmal als Arbeitnehmer, über weite Strecken als Selbständiger. Ich hatt immer wieder Phasen, in denen ich sparen konnte, also etwas mehr Geld eingenommen habe, als ich verbraucht habe. Ich habe Lebensversicherungen angelegt (mit brauchbaren Renditeversprechen), habe mich auch mal an der Börse versucht. Immer mit kleinen Beträgen. Maximal kleine vierstellige. Die Zinsen für Erspartes haben nie einen nennenswerten Beitrag zu meinem Einkommen geleistet. Nie. Völlig egal, ob es 3% auf Festgeld waren oder 0,3% auf das Sparkonto. Dem Kleinsparer – allen die ich kenne – ist es völlig wurscht, wie niedrig der Zins auf geparktes Geld ist. Weil es ein Puffer für schlechte Zeiten ist. Hätte ich mein Geld nicht in Lebensversicherungen angelegt, als ich welches übrig hatte, wäre ich besser gekommen.

Ich habe sie irgendwann beliehen (für eine Gründung) und später aufgelöst – resultierende Gesamtzinsen: negativ. Und ein sehr altes Haus gekauft, das kein Reicher haben wollte. Das war bisher meine einzige Geldanlage, die sich gelohnt hat. Und es ist meine private „Rentenversicherung“. Kleine Mieteinnahmen, keine Mietausgaben, das wird wirtschaften helfen, wenn ich dereinst (in gar nicht ferner Zukunft) eine Rente von vielleicht 500 € erhalte. Ich habe immer gearbeitet, ich habe 3 Kinder, zwei davon leisten schon einen hohen Beitrag zur Volkswirtschaft (bisher 2 Enkel), das dritte geht noch zur Schule. Grundrente? Das ist nichts für etwas weniger geradlinige Lebensläufe, wie meinen. Zinsen in den meisten Fällen auch nicht. Zinsen sind nur für Leute interessant, die sie nicht bräuchten, weil sie schon sehr viel haben. Wer z.B. 100.000 € auf dem Konto hat, dem kann es egal sein, ob er dafür 1% oder 2% Zinsen bekommt, weil er die nur hat, weil er über ein hohes Einkommen verfügt und dauerhaft (10 Jahre) nennenserte Beträge sparen kann – 1000 € im Monat oder so, das ergibt etwa 100.000 €. Ob man da (im 10. Jahr) noch 1000 im Jahr dazu bekommt an Zinsen, spielt keine große Rolle. Mir wäre es egel. Ich würde mich sehr reich fühlen. Aus meiner Sicht werden die (Klein)sparer als angeblich Leidtragende des Zinsniveaus vorgeschoben von Leuten denen es eigentlich egal sein könnte, weil sie schon sehr wohlhabend sind, aber ohne groß nachdenken zu müssen, mehr haben wollen. Auch in der ZEIT. – Fritjof Möckel

 


 

 

Leserbrief zu „Tod durch Schluckauf“ von Jens Jessen

 

Herr Jessen hat wohl im Französischunterricht gefehlt als die Vokabeln mit p dran waren, sonst könnte er „Monsieur Pain“ nicht mit „Herr Schmerz“ übersetzen. Schmerzlich ist es allerdings, dass solche Fehler in den Literaturseiten eines auf Qualität bedacht sein wollenden Journals passieren können. – Friedrich Tomi

 


 

 

Leserbrief zu „Der Banker und die Frauen“ von Heike Buchter

 

Unsere Gesellschaft hat nichts weiter im Sinn als ständig von Diskriminierung zu sprechen. Es nervt mich darüber in den Medien ständig lesen zu müssen, wie schlimm alles sei. Wer gibt ihnen das Recht ständig diesen Stuss zu erzählen. Es gibt viele unterschiedliche Sichtweisen auf dieser unseren Welt. Ich lebe auch in einem Staat, in dem, nach der Ideologie der hier lebenden Spinner, überall wo man hinguckt Diskriminierungen stattfinden und trotzdem leben alle glücklich miteinander. Obwohl man bei den Juden durch die Araber von Diskriminierung sprechen kann. Noch schlimmer scheint es in diesem Fall zu sein. Alles mal wieder nur Unterstellungen. – Gunter Knauer

 


 

 

Leserbrief zu „Einer muss es ja tun“ von Ann Esswein

 

Es ist mir unverständlich, dass Herr Spahn nach México reist, um Pflegekräfte anzulocken oder auch wie in ihrem Bericht Arbeitnehmer aus Osteuropa angeworben werden müssen. Es muss doch möglich sein, in unserem Land mit so vielen jungen Arbeitssuchenden Pflegekräfte auszubilden und wenn man diesen dafür zusätzlich eine Prämie bezahlt. Anstatt wochenlang in unzumutbaren Unterkünften „abzuhängen“. – S. Hirschberger

 


 

 

Leserbrief zu „Geschlechterrolle vorwärts“ von Volker Hagedorn

 

Sehr gefreut habe ich mich über den Artikel zu den Countertenören, ich bin ein großer Fan dieser Sänger. Meine Liebe zu diesen Sängern wurde vor langer Zeit geweckt durch einen deutschen Countertenor, durch Jochen Kowalski, den damals kaum einer kannte. Dass Countertenöre jetzt so präsent und gefragt sind und es immer mehr gute Sänger gibt und sie auch junge Menschen begeistern finde ich einfach toll. Auch in meiner Heimatstadt Passau gibt es einen jungen Countertenor Fritz Spengler, der über eine sehr kraftvolle und erstaunliche Stimme verfügt,er wurde in Salzburg am Mozarteum ausgebildet und ich wünsche ihm auch viel Erfolg für seine zukünftige Karriere. – Anne Hieke

 


 

 

Leserbrief zu „Warum so peinlich?“ von Derek Scally

 

Wenn Herr Scally meint, eine Inszenierung von René Pollesch mit der Gesamtsituation des Theaters in Deutschland gleichsetzen zu müssen, dann ist seine Sichtweise offenbar in einem Maße „oberflächlich“ und „seicht“ ( Begriffe aus seinem „offenherzigen Brief“), dass er sich besser auch dem Kino fernhalten sollte… – Gernot Lindner

 


 

 

Leserbrief zu „»Die Perle schwimmt nicht auf der Fläche«“ von Sinem Kiliç

 

Zu dem wichtigen Artikel von Sinem Kilic sei ergänzend auf die Ausstellung im Karmeliterkloster Frankfurt am Main hingewiesen: Clara Schumann – Eine moderne Frau im Frankfurt des 19. Jahrhunderts. Der Katalog zur Ausstellung von Ulrike Kienzle (Societäts Verlag) informiert umfassend. – Paul Gerhard Langenbruch

 


 

 

Leserbrief zu „Im Schatten des Brexits“ von Matthias Krupa

 

Die „UK-People“ sind total genervt und ziemlich (brexit)müde. Würde es einen „Oskar“ für „Spott und Häme“ geben, so hätten ihn sicherlich die Politiker von der Brexit-Insel, mehr als ganz redlich verdient! „Get Brexit (and politician) done!“ – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „»Ich glaube an die CD und ihr Weiterleben«“ von Christine Lemke-Matwey

 

Ich bin auch weiterhin ein großer Fan der kleinen CD, und solange diese kleine CD einigermaßen gefragt sein dürfte, ähnlich der (schwarzen) Vinylscheibe, dann wird diese Scheibe weiter „am Leben“ bleiben können. Alles liegt irgendwie nur an uns selbst, alles liegt irgendwie in unseren Händen (vielleicht)! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „Rabatte: Wer profitiert von Aktionstagen wie dem Black Friday?“ von Marcel Laskus

 

Bei Amazon ist am „Black Friday“ ein „Black Friday For Future“. An den deutschen Standorten dürfte nicht all zuviel in Bewegung kommen. Die Rabattschlacht macht Pause, Streik ist angesagt, der Arbeitskampf geht in die pausenlose Pause. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbrief zu „Aus dem Tollen schöpfen“ von Sebastian Turner

 

Ich bin von diesem Artikel enttäuscht. Es ist gut, einer breiten Meinung ein Forum zu verschafen. Doch dieser Artikel ist technisch auf Anfängerniveau: er vermengt unterschiedlichste Themen, zieht Begründungen zu, die schlicht themenfremd sind. Wer über die Innovation der Verwaltung sprechen will, braucht Belege aus der Verwaltung, nicht der Politik. Die Aufträge und Ziele dieser Beiden Bereiche öfentlichen Lebens sind nämlich gänzlich unterschiedlich: während die Politik einen Gestaltungs- und Repräsentationszweck verfolgt, soll die Verwaltung die von der Politik in Gesetzen vorgegebenen Ziele umsetzen. Sie darf in der Dienstleistungserbringung innovativ sein, nicht jedoch zu Richtungsentscheidungen. Auf das Schulbeispiel bezogen: die Frage der Gymnasialjahre ist eine politische Vorgabe. An diese muss die Verwaltung sich halten, sie hat jedoch einen Gestaltungsspielraum bei der Umsetzung und kann etwa Innovation in Lehrplänen gestalten. Im übrigen ist das Schulbeispiel aus einem zweiten Grund fehlgehend. Zumindest hier in Bayern war der Prozess eine politische Hau-Ruck-Aktion. Es wurde innerhalb kürzester Zeit beschlossen, alles umzuschmeißen. Innovation hingegen ist ein Lernprozess: man stellt eine Hypothese auf, gestaltet einen Prototypen, testet ihn, lernt, passt an. An alledem fehlte es bei der Diskussion um das G8, etwas besser war es auf dem Weg zurück, wo das G9 zunächst auf einigen Schulen wieder eingeführt wurde. – Baltasar Cevc

 


 

 

Leserbrief zu „Digital-Leninismus“ von Matthias Nass

 

Auf Ihren Artikel kann habe ich ein kurze Antwort: Nicht die Chinesen haben das Handy unserer Bundeskanzlerin geknackt! Natürlich ist so ein Überwachungsstaat irrsinnig – aus unserer Sicht. Es ist aber wohl der Preis, den wir für die immer weiter um sich greifende Digitalisierung zahlen – später sicher auch wir. Und je nach dem im welchem Kulturkreis wir leben, empfinden wir das als Irrsinn oder Errungenschaft. In China geschieht das alles weitgehend offen, in anderen Ländern gehört es noch zu den Werkzeugen der Geheimdienste. Ich verweise auf ein Interview mit Dieter Nuhr aus dem Tagesspiegel vom 18.11.: „Herr Nuhr, was lernt man in China über Deutschland?“ Man lernt auf Reisen, dass scheinbar selbstverständliche Normen keineswegs überall gleich sind. In China ist das Verhältnis von Gemeinschaft und Individuum anders als bei uns. Das kann man schön finden oder nicht, aber das ist dem Chinesen egal. Wir halten unsere Vorstellungen gerne für universell. Das ist lächerlich. Eine Reise nach China ist ein Blick in die Zukunft. Viele bei uns denken, die Chinesen werden uns irgendwann überholen. Tatsache ist: Die können uns im Rückspiegel schon gar nicht mehr sehen. In China hat der Turbo-Kapitalismus, den wir für unsozial halten, ein paar hundert Millionen Menschen aus der Armut geholt. Das sollte doch bei aller kritischen Distanz auch Linke irritieren. In China ist man pragmatisch. Da wird die Ideologie der Realität angepasst, bei uns ist es umgekehrt.“ Ich selbst war in großen Abständen 3x in China und kann mich Herrn Nuhr in seiner Einschätzung nur anschließen. Und ich kann nur für mich sagen: ich bin eher in großer Sorge vor amerikanischer Einmischungspolitik als vor dem Seidenstraßenprojekt der Chinesen. – Ingrid Kube

 


 

 

Leserbrief zu „Die Uroma der Kinderrechte“ von Katrin Hörnlein in ZEIT leo, die Seite für Kinder

 

Nach dem Lesen des Artikels frage ich mich -auch hinsichtlich der Idee der Groko, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern – , ob die ungeborenen Kinder auch dieselben Rechte zugesprochen bekommen ? – Alois Lienhard

 


 

 

Leserbrief zu „Gemeinsam für 457 Milliarden Euro“ von Mark Schieritz

 

In der Ausgabe 48 vom 21. November ist mir im Wirtschaftsteil auf Seite 28 folgender Fehler aufgefallen: Im letzten Drittel in der ersten Spalte steht: “Insgesamt wären das 457 Milliarden Euro oder 1,3 % der jährlichen Wirtschaftsleistung”. Richtige wäre gewesen, 13 %. Unser Bruttoinlandsprodukt beträgt ca. 3,5 Billionen Euro, das sind ca. 3500 Milliarden. Mit freundlicher Bitte zur Überprüfung. – Detlev Konertz

 


 

 

Leserbrief zu „Metaphysik! Geheimnisse!“ von Wolfram Goertz

 

Haben Sie Dank für den Hinweis auf Igor Levits Einspielung der 32 Klaviersonaten von Beethoven. Sie reihen ihn ein mit Brendel, Pollini und Korstick. Als „ewige Referenzen“ dienen Schnabel, Serkin, Cutner, Gulda und Gould. Wo aber – so frage ich mich – bleibt das Klavier-Genie und großartige Beethoven-Interpret Claudio Arrau? Seine Einspielung der 23 Beethovenschen Klaviersonaten ist für mich nach wie vor unübertroffen! – Stefan Martin

 


 

 

Leserbrief zu „Das Geld spricht, und keiner hört hin“ von Thomas E. Schmidt

 

Mit Interesse las ich Ihren Beitrag. Die Satzfolge „Denn wohin mit dem Batzen? Wo wäre heutzutage bei überschaubarem Risiko noch eine Rendite zu erwirtschaften? Der Mißerfolg steht schon fest.“ brachte mich zum Grübeln.Wenn unsere Regierung gut durchdachte Rahmenbedingungen für die energetische Sanierung von Gebäuden aller Art setzte, könnten Investoren durch Clusterbildung von gleichartigen Gebäuden, ihr Geld in die Seriensanierung solcher Cluster stecken und sich dabei die Einsparung von Instandhaltungs-, Strom- und Brennstoffkosten mit den Hausbesitzern fair teilen. Die Hausbesitzer könnten noch von der damit verbundenen Wertsteigerung profitieren. Durch langjährige Beratungsarbeit für Baufirmen, Planung von Fabriken mit funktionalen Ausschreibungen für die wichtigsten Gewerke, kenne ich die Potenziale, die so zu heben wären. Bitte fragen Sie Herrn Händler, was der dazu meint. Zur Zeit diskutiere ich mit einem kreativen Denker aus Salzburg, dessen Beitrag zu fast autarken, bezahlbaren Häusern. Auch dafür könnte man große Batzen mit Aussicht auf Erträge einsetzen. – Diether Sieghart

 


 

 

Leserbriefe zu „Ein Held geht in Rente“ von Tilmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

Ach, Herr Janosch! Ihr Abschied macht mich sehr traurig! Eine letzte Frage sei erlaubt:“ Was mache ich jetzt ohne Wondraks Ratschläge?“ Einen Trost habe ich. Über meinem Schreibtisch hängt die Antwort auf meine Frage an Herrn Wondrak. p.s. Natürlich auch viele Grüße an Luise. – Volker Krause

 

Abschied von Wondrak tut schon ein bisschen weh. Was mein Leben reicher macht: Der Gedanke an Herrn Wondrak: dösend in der Hängematte auf einer sonnigen Insel. Die Tigerente schaut ihm von einem lauschigen Plätzchen aus zu. Luise kocht im grünen Kleid Ihrer Mutter Bohnen mit Speck und pfeift dazu Alle-Meine-Entchen. Herr Wondrak ich Danke Dir für Dein großes Herz. Donnerstags morgens hast Du mir so viele Glückmomente geschenkt und gezeigt, was wirklich wichtig ist – da will ich jetzt nicht gierig werden! – Nicole Rogl

 

Nun bin ich schon mehr als fünfzig Jahre treuer Leser der Zeit und habe jede Woche als Erstes im aktuellen Magazin Herrn Wondrak gelesen. Ich und auch meine Frau sind traurig, nun auf Wondraks Lebensweisheiten verzichten zu müssen. Aber wir wollen Herrn Janosch für diese wunderbare Figur ganz ganz herzlich danken. Wondrak wird uns sehr fehlen ! Wir sind aber auch schon sehr gespannt, wie, mit wem und was die Magazinredaktion die nun leere Seite füllen wird. – Wolfgang und Marilies Bünger

 

Schade, dass Janosch geht. Es war zuletzt das einzige Highlight im ZEIT-Magazin! Ich verabschiede mich von meinem jahrzehntelangen Abonnement zum Jahresende, da ich die Beiträge von Bernd Ulrich, Marc Brost und Frau Hildebrandt nicht mehr länger lesen will. Die von ihnen gesetzten Themen – besonders über die Bundeskanzlerin in den Ausgaben Nr. 47 und 48 – waren nicht nur überspitzt, sie wurden immer persönlicher, so dass man sich für den fürchterlichen Zerriss schämen musste. Und das für ein Medium, das im deutschen Blätterwald einmal führend war. Sie betreiben einen bewusst persönlichen und beleidingenden Zustand der aus meiner Sicht den Medien – zumindest seriösen Medien – nicht zusteht. Ich erinnere, dass Die ZEIT die Frage der Migration einstmals positiv begleitet hat und nun das Gegenteil betreibt. Ich kann mit den Zuständen in unserem Land gut und gerne leben und wüsste nicht welch anderes freies demokratisches Land bessere Verhältnisse aufweisen kann.

Eine Koalition ist nun mal zu Kompromissen verdammt. Die ZEIT-Redakteure verhalten sich wie das Fähnlein im Winde! Ich erwarte schon mit Entsetzen die Rundumschläge Ihres Hauses vom heute beginnenden CDU-Parteitag in Leipzig in den nächsten ZEIT-Ausgaben. Ausgewogenheit gibt’s nicht mehr! Ethische Ansätze sind längst passé. Leider, leider vermischen Sie Berichterstattung mit persönlicher Parteizugehörigkeit und nehmen nicht wahr, wie Sie den Leser versuchen zu manipulieren. Mit Bedauern verabschiede ich mich als Abonnent. – Karl Steidle

 

Mit Bestürzung ereilte mich die Nachricht, dass Janosch in Rente geht. Es war eine wunderbare Routine, seine gezeichneten Figuren und Weisheiten wöchentlich zu erblicken. Janosch gehörte zu meinen Lieblingsrubriken. Mit seinen 88 Lenzen hat er natürlich ein Alter erreicht, bei dem es ihm mehr als zusteht mehr Zeit für seine privaten Projekte zu veranschlagen. Sollten Sie noch mit ihm in Kontakt stehen und er Ihre Emails öffnen (weil er nicht denkt, dass da ein erneuter Auftrag reinflattert :-) ), dann senden Sie ihm doch gerne anhängendes Photo. Auf diesem ist unsere Gästezimmertür zu sehen nebst sechs Janosch-Weisheiten. Dieser Raum hat bei uns den Namen „Janoschzimmer“. Freunde und Bekannte, die das erste Mal bei uns nächtigen, sind stets zunächst sehr überrascht ob dieses Namens, dann aber sehr angetan von den Lebensphilosophien Janoschs. Herzlichen Dank! PS. Was das Leben schöner macht(e): Das war sicherlich die wöchentliche Kolumne dieses großartigen Meisters des Zeichnens und der Worte. – Gilberto Rodriguez

 

Lieber Wondrak, liebe Luise, mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiede ich Euch – Ihr wart mir treue Begleiter die letzen Jahre! – Christoph Hensel

 

Herr Janosch, wie verlässt man als Sieger das Stadion ? Wondrak sitzt neben Luise im Wohnzimmer auf dem Sofa. Er hält ihre wärmende Hand und weiß, dass er die Menschen glücklich gemacht hat. Das reicht. – Joachim Buß

 

Ich habe es immer befürchtet, irgendwann wird mir Wondrak nicht mehr sagen, wie das Leben so läuft. Jetzt ist es also soweit. Ich bin ja froh, einerseits, dass es nur ein Tschüss ist und kein so long auf immer. Mit 88 kann das ja auch passieren. Jetzt gehst du also quasi in Ruhestand. In die Hängematte. Das ist ja auch okay, aber wie soll das Leben jetzt ohne dich und Wondrak und der Tigerente und Luise eigentlich weiter gehen? Niemand sagt mir Donnerstag für Donnerstag wie es laufen soll, das Leben. Immer konnte ich mich auf die Ratschläge von Herrn Wondrak verlassen. Er wusste einfach alles, und alles war richtig. Vorausschauend habe ich mir etwa 20 Meter Zeit Magazine gestapelt um die Übergangszeit in die Wondrak leere Zeit zu überbrücken. Ich werde sie brauchen. Lieber Janosch, ich danke dir. Tausend Dank auf ewig und mehr! Ich wünsche dir noch 100 Jahre in der Hängematte, sommers die draußen, im Winter überm Kamin! Ich hoffe, dass ein lieber ZEIT Redakteur dir sagt, wie sehr du fehlst, oder er schickt dir sogar meine Mail. Das wäre toll! – Deine Karin, for ever

 

Wem kann ich meine Trauer mitteilen übr den „Abgang“ von unserem lieben Janosch-Wondrack? Ich schick es Ihnen, Herr Martenstein, zu treuen Handen. Für mich ist das allwöchentliche Öffnen der Zeitpost ein Ritual: Das Zeitmagazin als Erstes, Janosch, dann Martenstein und auch das Kochrezept, dann wird der Kopf frei oder nicht, je nachdem… Und dann: der Janosch haut ab! Das geht doch nicht! Jetzt sag ich Ihnen in aller Güte: Glauben Sie ja nicht, Sie könnten sich auch so davonmachen, das geht aber gar nicht. Mit der Bitte, daß Sie uns noch so manche Kolumne zum nachdenken und Schmunzeln schreiben! (Ich weiß eh, Sie sind jung und voller Taten- und Schreibdrang.) – Christoph Serentschy

 

Neeeee ,Wondrak du darfst nicht gehen! Dein Sichtweise auf uns und unsere kleine Welt macht unser Leben reicher und bunter und schöner ….du bist DER ERSTE den ich mir in jeder neuen Ausgabe ZUERST anschaue und auf den ich mich am MEISTEN FREUE… du kannst uns doch jetzt nicht einfach so zurück lassen. Überleg dir DAS bitte noch mal – LUISE findet das bestimmt auch nicht gut. – beAte

 

Wir sind maßlos traurig. Wie sollen wir in Zukunft die Fährnisse des Lebens bestehen ohne Wondraks Weisheiten??????? Was macht Wondrak nun? Hat er eine angemessene Rente, oder muss er Flaschen sammeln? Wie geht es Luise, wenn er den ganzen Tag auf dem Sofa sitzt? Wir sind voller Sorgen! – Hans-Michael Heinke

 

„Ein Held geht in Rente“/ Es wird etwas fehlen in der „Zeit“/ Wondrak’s Lebensglück erfüllt die ‚Zeit’/ den Raum und Luise/ Danke für die Leben’s „Zeit“/ Auch Luise,gab ein bisschen polnische Priese/ Das Glück,dass auch durch den Magen ging./ Danke für die schönen Episoden/ Danke für die lange“Zeit“begleitung/ Wünsche Wondrak mit Luise noch viele/ Stunden am Meer – Heinz-Dieter Wilmsen

 


 

 

Leserbriefe zu „Über Feinde der Freiheit und die Angst, seine Meinung zu äußern“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Wieder mal in´s Schwarze getroffen. Danke. – Christian Voll

 

Martenstein bestreitet, dass man in der Öffentlichkeit frei reden kann, begründet das aber nicht mit dem Mord an Walter Lübcke, mit der bedrohlichen NPD-Demo vom 23.11. in Hannover gegen namentlich benannte Fernseh-Redakteure, nicht mit dem Mord an 2 Menschen neulich in Halle, als es nur einer glücklichen Vorkehrung zu verdanken war, dass der Täter kein Massaker an jüdischen Mitbürgern angerichtet hat, auch nicht mit der Meldung aus dem Tagesspiegel über die in den ersten drei Quartalen erneut auf jetzt über 14.000 gestiegenen Straftaten von Neonazis und die erneut auf 1155 gestiegenen antisemitischen Delikte, die laut den Behörden überwiegend rechts motiviert sind – sondern mit Banalitäten wie dem Shitstorm auf eine bekannte Moderatorin, die sich gegen das Schminken von Männern ausgesprochen hat, sowie mit der gewiss beklagenswerten Verhinderung von Vorträgen des AfD-Gründers und des vormaligen Innenministers durch linke Demonstranten. Beiden Herren ist niemand körperlich zu Nahe getreten, sie werden nicht physisch bedroht und können gottlob ihre Vorlesungen halten bzw. ihren Vortrag nachholen. Die Opfer des NSU sind auf immer verstummt, ihre Gedenkorte werden geschändet. Martensteins tendenziöse Kolumne schaufelt (zum wiederholten Male) Wasser auf die Mühlen der Feinde unserer Demokratie und stärkt nicht deren Verteidiger, sondern deren Angreifer. Ein Vorschlag zur Güte: Könnte man nicht Martenstein statt des menschenfreundlichen Wondrak in Rente schicken? Dann hätte ich nicht mehr das Gefühl, mit meinem Zeit-Abo vereinzelt die falschen Leute zu unterstützen. – Wolfgang Roiger

 

Bitte hören Sie auf gar keinen Fall auf, Woche für Woche Ihre Kolumne im Zeit-Magazin zu schreiben! Sie ist das Beste im ganzen Heft und fast immer das Erste, das ich lese. Okay, manchmal lese ich auch den Wochenmarkt zuerst (herzliche Grüße auch an Frau Raether – ich habe schon viele Ihrer Rezepte ausprobiert). Aber so eine gelegentliche Zweitplatzierung ist nicht weiter schlimm, oder? Je mehr bedauerliche Hass-Mails bei Ihnen ankommen, umso wichtiger, dass Sie weiter machen. Ich glaube, dass die meisten Ihrer Fans einfach keine Mails schreiben – nach dem Motto „Ned gschimpft is scho globt gnua“. Aber die sind schon auch noch da. Also lassen Sie sich bloß nicht ins Bockshorn jagen! – Diana Staake

 

Mit Interesse habe ich Ihre Kolumne gelesen, bin allerdings gleich im ersten Absatz über die von Ihnen zitierte Meinungsumfrage gestolpert: Zwei Drittel der Befragten trauen sich nicht, in der Öffentlichkeit „offen“ über den Islam und Flüchtlinge zu sprechen. Sie, lieber Herr Martenstein, finden das schlecht. Ihre Zahlen beziehen Sie offensichtlich aus der Allensbach-Umfrage zum Thema Meinungsfreiheit. In dieser Umfrage werden allerdings auch andere Themen abgefragt. Gleich an dritter Stelle der „heiklen Themen“ (Allensbach) haben die Befragten das Thema „Juden“ gesetzt: 63 Prozent der Befragten meinen, hier könne man sich „leicht den Mund verbrennen“ (Allensbach), das sind nur drei Prozentpunkte weniger als beim Thema „Islam/Muslime“. Wenn Sie meinen, dass die Menschen in Deutschland sich „offen“ über den Islam äußern sollten, würden Sie sich das auch in Bezug auf das Judentum wünschen? P.S.: Interessant ist, nebenbei bemerkt, dass Allensbach in der Umfrage nur die Zustimmung zur Aussage „Der Islam hat zuviel Einfluss in Deutschland“ abgefragt hat. Dem haben 62 Prozent der Befragten zugestimmt. Nach einem übergroßen „Einfluss“ des Judentums wurde nicht gefragt. – Bert Hoppe

 

Ihr Aufsatz ist das Beste an der Zeit. Sie sind ein pragmatischer Demokrat mit Rückgrat. Ihr Sohn wird eines Tages stolz auf Sie sein. – Dr. med. Stefan Heinrich

 

Wie es sich für einen guten Kolumnisten gehört, habe Sie mich schon öfters geärgert, und das habe ich Ihnen auch ein- oder zweimal geschrieben. Nachdem Sie die letzte Kolumne mit einem müden Stoßseufzer endeten, hier nun zwei meiner All Time Highs aus Ihrem Füllhorn: Sie schrieben einmal sehr plastisch von den verwirrenden Gefühlen eines Jungen im Bus, als ein offensichtlich pädophiler Mann sich neben ihn setzte und der Junge begriff, dass er begehrt wurde. Drei Jahre jünger als Sie, habe ich ähnliche Situationen mit Lehrern aus dem nahen Dominikanerkloster erlebt und ähnlich empfunden. Wir alle wussten von zu langen, zu zarten Berührungen, waren eher geschmeichelt als verängstigt und, obwohl wir untereinander derb über die schwulen Pater und übereinander spotteten , wahrten wir die Diskretion. Vielleicht spürten wir die Tragik des unerfüllbaren Sehnens der Herren. – Ihre Geschichte hat ein kleines Licht in den Schlagschatten der moralischen Eindeutigkeit geworfen. Danke dafür.

Ähnlich und in der Form vielleicht noch schöner, Ihr Bericht vom Klassenaußenseiter, der im Gebüsch des Schwimmbads seinen Pimmel zur Schau stellt, und der unaufgeregten Reaktion des Bademeisters, gestragen von Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und der Gelassenheit des Amtsträgers. Ähnlich wie Briefträger und Schaffner, war „Bademeister“ ein Amt. Ich glaube, dass der augenblicklich (auch in der Zeit Readaktion) grassierende Wille zu Abgrenzung, Bestrafung und moralischer Eindeutigkeit seine Ursache im Verlust von Selbstsicherheit und Aufgehobenheit hat – und dem damit immer stärkeren Wunsch, endlich unzweifelhaft auf der richtigen Seite zu stehen. Wir waren aufmüpfig genug und sind alt genug, da immer mal wieder gegen zu halten. So viel zu verlieren haben wir nicht. Machen Sie bitte weiter. PS: Anbei ein Link zu einem „Reply to Greta“, der nach ihrem Auftritt vor der UN über mich gekommen ist. 6 Minuten, die sich lohnen. Hat mir bisher 40 Klicks und keinen Shitstorm beschert. – Ingo Klamann

 

Ein „Übergangszeitalter“ hatten wir schon einmal vom Ende der sechziger- bis in die siebziger Jahre: Politiker und Professoren wurden von radikalen Besserwissern niedergeschrien, besonders mißliebige Repräsentanten des „kapitalistischen Establishments“ sogar ermordet! Wir haben diese Zeit überstanden, ohne „totalitär“ zu werden, doch so richtig gelernt haben wir offenbar nichts daraus! Heute erleben wir die gleiche Intoleranz, diesmal auch von radikalen Moralaposteln, und Morde geschehen auch wieder! Erneut müssen wir mühsam lernen, den Andersdenkenden und -sprechenden anzuhören und ausreden zu lassen, ihm nicht jedes seiner Worte im Munde herumzudrehen, auf die Goldwaage zu legen und moralisch-akribisch zu sezieren! Denn dann wird er irgendwann verstummen oder selbst intolerant und radikal werden! Doch, wer im Glashaus sitzt… eine ähnliche Entwicklung beobachtet man schon seit längerem in der Medizin: wenn Ärzte nur auf die vermeintlich pathologischen Laborwerte und CT-Bilder ihrer Patienten starren und darüber deren eigentliche Beschwerden und Sorgen übersehen, geschweige denn behandeln! Auch hier sind die Folgen einer solchen, diesmal iatrogenen, Bevormundung absehbar! – Dr. med. Ulrich Pietsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Zahltag“ von Claire Beermann im ZEIT Magazin

 

Es ist doch nicht zu fassen dass man 30 Jahre nach der Wende immer noch westdeutsche Geschichte meint, wenn man über deutsche Geschichte schreibt. Liebe Frau Beermann, recherchieren Sie doch mal über Frauen in der DDR. Da stimmt es nicht, dass Frauen bis 1977 noch ihren Ehemann um Arbeitserlaubsnis bitten mussten. Im Gegenteil. Aber das macht ja nichts, wenn man das unter den Tisch fallen lässt… – Ines Prüfer

 

Ich finde es sehr unaufmerksam, dass es vor dem Druck, zumindest der Redaktion, nicht auffällt, dass in einem Artikel 30 Jahre nach der Wende nur eine Wirklichkeit dargestellt wird. Dies sind die kleinen Dinge, die bei den Menschen in Ostdeutschland das nicht-Gesehen-werden-Gefühl verstärken. Da wird in dem Artikel wie selbstverständlich davon gesprochen, dass Frauen durch folgende Vergangenheit geprägt sind. „Was bei dem „Es geht doch um die Geste“-Argument leider oft unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, dass der zahlende Mann ein Relikt aus jenen Zeiten ist, in denen Frauen nicht berufstätig waren und deshalb kein eigenes Geld verdienten. Finanziell hatte er die volle Kontrolle: Bis 1962 durften Frauen ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns kein eigenes Bankkonto eröffnen, bis 1977 nicht ohne seine Zustimmung arbeiten.“ Dies ist aber nicht die Erfahrung der Millionen von Ostbürgern! Dort war es den Frauen ohne Einschränkung möglich, eigenes Geld zu verdienen und ein Bankkonto zu führen. Warum wird dieser erhebliche Fauxpas begangen? Warum wird nicht die Konkretisierung „in den westlichen Bundesländern“ vorgenommen? Schade, dass dies leider auch in der ZEIT immer wieder passiert. Oder sollen wir im Osten nur die ZEIT im Osten nur lesen???? – K.Tenbusch

 

Claire Beermann mag ihre Sicht der Dinge behalten. Ich jedoch halte meiner Frau die Tür auf, weil ich sie schön finde, sie mich mit ihrem Charm und Intellekt begeistert, ich ihr hingebungsvolles Sein bewundere und ihr auf meine Art zeigen will, dass ich sie liebe. Darin eine Herabsetzung der Frau hineinzuinterpretieren, kann nur mangelndem Selbstbewusstsein geschuldet sein. Solch männliche Geste annehmen zu können, zeichnet eine starke emanzipierte Frau aus – den Papa mal zum Essen einzuladen, eher ein kleines Mädchen. – Hendrik Meyer

 

Schmunzelnd begann ich den Artikel „Zahltag“ von Claire Beermann zu lesen – stolperte aber sehr schnell über „…bis 1962 durften Frauen ohne Erlaubnis…“ – da war es wieder, sogar fettgedruckt! – die Autorin bezieht sich historisch nur auf die „alte“ Bundesrepublik. Wir Frauen im anderen Teil Deutschlands mussten keinen fragen, ob wir ein eigenes Konto eröffnen wollten oder ob wir arbeiten gehen wollten!!!! Es schmerzt, dass immer wieder, wenn die Geschichte bemüht wird – es die altbundesdeutsche Geschichte ist, auf die man sich bezieht – deutsche Geschichte der Nachkriegszeit endet nicht am „Grünen Band“ – die paar Kilometer gen Osten bis zur Oder–Neiße-Grenze gehören nun schon ein ganzes Weilchen dazu. Schade, dass dies anscheinend nicht allen bei der ZEIT bewusst ist (zu dieser Schlussfolgerung bringt mich das „Fettgedruckte“, also bewusst hervorgehobene). Hier noch eine kleine Anmerkung – nicht alle Frauen in der DDR, es waren immerhin wohl 91%, fühlten sich, wie mancherorts dargestellt, wie „arbeitszwangsverpflichtet“! Wir hatten fast alle eine Berufsausbildung oder ein Studium absolviert – und das wollten wir auch anwenden. Meine Kinder waren stolz auf den Beruf ihrer Mama. Ich muss jetzt mit ansehen, wie meine akademisch gebildete Tochter sich von einer befristeten Stelle zur nächsten hangelt – und ihre berufliche Leidenschaft nicht ausleben kann…. Frau Beermann hat einen netten Artikel geschrieben; sie ist wohl noch sehr jung. Einige Jährchen drauf, gesundes Selbstbewusstsein durch Können und Leistung gebunkert – und schon muss man nicht so vordergründig darauf bestehen, was man alles „selber“kann…. – Annemarie Knöfel

 

Im Artikel „Zahltag“ haben wir ein gutes Beispiel, warum Ostdeutsche Deutsche zweiter Klasse sind. Was da beschrieben wird ist nicht meine Welt. Und es ist falsch. In der DDR konnten Frauen immer ein Konto eröffnen. Aber wenn Ostdeutschland im Denken der Autorin nicht vorkommt schreibt frau solche Sachen. Ein Artikel von Wessis für Wessis. Ossis kommen nicht vor. Lasst uns Ostdeutsche doch endlich Deutsche sein! – Mario Lucchesi

 


 

 

Leserbriefe zu „Die besten … Restaurants“ von Ruth Rogers im ZEIT Magazin

 

Eine Empfehlung von Ruth Rogers für ein Pariser Bistro, in dem sie besonders gerne Foie gras ißt, im ZEIT MAGAZIN 48 zu lesen, macht mich traurig. Geht es nicht endlich ohne Stopfleber? – Dr. Irene Bukovec

 

Finden Sie nicht, dass es sinnvollere, umweltfreundlichere Restauranttipps gibt als diese von Frau Rogers? Angesichts der dramatischen Klimakrise finde ich es obsolet, Restaurants in Mexiko-Stadt, in Paris, in Marakkesch, in Tokio und in Ligurien zu empfehlen. – Rosmarie A. Meier

 


 

 

Leserbriefe zur Deutschlandkarte „Meteoriten“ von Matthias Stolz im ZEIT Magazin

 

Die Karte macht deutlich: Es knallt hin und wieder. Vielleicht überlegen Sie den Einschlag des „Nördlinger Ries Meteors“ in die Karte aufzunehmen. Mit der + xxx xxx xxx to Masse würde dieser Meteor wohl nicht aufs Blatt passen. – Jürgen Kessel

 

Leider ist Ihnen bei der Deutschlandkarte Meteoriten im ZEITmagazin ein eklatanter Fehler unterlaufen: Sie haben dort den größten Meteoriteneinschlag nicht dokumentiert. Der größte Meteorit in Deutschland hat das Ries zum Entstehen gebracht. Besuchen Sie doch mal das Rieskratermuseum im wunderschönen Nördlingen. – Dr. Karg

 


 

 

Leserbriefe zu „Danke, Carol“ von Nina Kunz im ZEIT Magazin

 

Vielleicht wissen Sie das ja schon: Das tolle Buch von Carol und ihren Mitstreiterinnen wurde auch auf Deutsch übersetzt und verlegt vom Orlanda Frauenverlag. Wir konnten es in den 80er Jahren in Frauenbuchläden finden, ich hatte es mir in einer zweiten überarbeiteten Auflage unter den Weihnachtsbaum legen lassen. Ich finde übrigens, dass das Schreiben über feministische Themen sehr viel Wirkung entfaltet und jede sollte das dafür tun, was sie am besten kann und am liebsten tut. Und zur Emanzipation gehört auch, sich das Ego für eine Promotion zu gönnen, wenn frau Lust dazu hat: unbedingt tun, nicht aufschieben und genießen (mit allen Höhen und Tiefen), macht Freude! Ich habe dafür einen guten unbefristeten Job geschmissen, Familienplanung aufgeschoben, beruflich kaum davon profitiert, hatte aber selten so einen Flow und habe jetzt trotzdem zwei gute Jobs und zwei emanzipierte Töchter. – Dr. Bettina Frieben

 

Vielen Dank für den Artikel über Carol Downer im letzten Zeit Magazin. Ich habe mich so erkannt gefüllt, denn: ich bin 43 Jahre alt, habe vier Kinder und habe in den letzten drei Jahren unglaublich viel dazu gelernt und war ebenfalls erschüttert, dass Frauen in meiner Generation und jünger immer noch physiologische Gegebenheiten ihre Körpers nicht kennen. Wenn ich darf, gebe ich ein kurzes Hintergrundbild: Ich habe 2001 in Boston studiert, 2003 in Deutschland mein Studium der Sprechwissenschaft und Phonetik abgeschlossen, habe seitdem in unterschiedlichen Berufsfeldern gearbeitet und 2015 sind mein Mann und ich mit drei unserer vier Kinder nach Washington DC gezogen. Dort war ich 2 1/2 Jahre die Assistentin des Österreichischen Botschafters. Während meiner Arbeit dort habe ich die österreichisch – amerikanische Journalistin und Autorin Bettina Gordon-Wayne kennengelernt. Durch ihr wunderbares Buch – The Joy of Later Motherhood: Your Natural Path to Healthy Babies Even in Your 40s – hat sie mich auf Regina Thomashauer, aka Mama Gena aufmerksam gemacht. Mama Gena – falls nicht bekannt – ist eine New Yorker Feministin und Ikone in den USA.

Ich hatte das große Glück bei ihrem letzten großen Event in New York im Februar diesen Jahres dabei zu sein. Wir waren über 800 Frauen, von überall aus den USA und der Welt kommend, in einem Hörsaal der NY University für 2 Tage. Das war unglaublich, diese Kraft, Energie und auch Verletzlichkeit von so vielen Frauen zu erleben. Mama Genau erwähnte auch die Frauenbewegung in den 60/70/80 in den USA – so lernte ich etwas über Carol Downer. Ich kenne ihr GELBES BUCH und Mama Gena hat ein Buch mit dem Titel Pussygeschrieben (existiert auch auf deutsch), dass ich immer nur empfehlen kann. Wie großartig, dass Sie den weiten Weg auf sich genommen haben und die alte Dame besucht haben! So verklemmt vieles weiterhin in den USA ist, habe ich doch auch einen unbeschreiblichen Befreiungsdrang dort erlebt. Man muss dort gewesen sein, um diesen Zwiespalt zu erleben. Ja und dann frage ich mich natürlich, was kann ich tun – so wie sie in ihrem Artikel ! Ja – ich will auch so cool mit 60 wie Mama Gena und so gelassen mit 80 wie Carol Downer sein! Logisch erziehe ich meine Töchter (24, 15, 5) mit einem Bewusstsein für ihren Körper und erlebe doch ständig, dass andere DA UNTEN sagen oder keine Worte finden. (Wenn man Pussygelesen hat, ist es auch einfacher dieses Wort zu benutzen.)

Seit Juli sind wir zurück in Berlin und ich empfinde hier eher einen Rückschritt. Nun habe ich, um aktiv werden zu können, in den USA eine Ausbildung zum Health&Life Coach gemacht, habe einen Kurs für Mütter entwickelt (PEKIP ist nicht mehr up to date – Mütter brauchen mehr!), den ich ab 2020 hier in Berlin unterrichten will und arbeite gerade an meinem Youtube Channel. Liebe Nina Kunz, wenn Sie hier in Berlin sein sollten und Lust auf einen gemeinsamen Kaffee/Tee haben sollten, lassen Sie es mich bitte wissen. Da Sie schreiben, Sie sind in der Schweiz – da bin ich auch oft, ich habe Familie in Zürich und in Graubünden – vielleicht klappt es da einmal. – Ulli Zimmermann

 


 

 

Leserbriefe zu „Prüfers Töchter“ von Tillmann Prüfer im ZEIT Magazin

 

SgHP sSITL deeBwdhuasvüdR MfG OV (Sehr geehrter Herr Prüfer, Schreiben Sie Ihrer Tochter Lotta docheinmal eine Botschaft wie diese hier und amüsieren sich vielleicht über deren Ratlosigkeit. Mit freundlichen Grüßen (Übrigens – Botschaften, die mit „MfG“ unterschrieben sind, fallen bei mir ungelesen der Löschtaste zum Opfer.)) – Ottmar Voll

 

Zunächst mal möchte ich Ihnen für Ihre Beiträge im Zeitmagazin danken, in denen Sie über Ihre Töchter so nette Beiträge verfassen! Ich lese diese immer als erste und freue mich jede Woche , wenn ich das Magazin wieder im Briefkasten mit der ZEIT finde.Wir haben selbst 3 Söhne und ich kann viele Gemeinsamkeiten bei ihnen und den Enkeln sehen, bzw mir das, was Sie so schön schreiben, lebhaft vorstellen. Das gehört für mich in die Rubrik: „Was mein Leben u.a. schöner macht“. Im letzten Magazin habe ich in Ihrer Laudation über Janosch gelesen, dass er in Zabrze geboren wurde. Wenn ich das früher gewusst hätte ! Ab 1980 hatten wir eine Einwohnerin aus Zabrze mit Paketen und Briefen unterstützt, auch besucht, die in ihrer Kindheit bis 45 noch deutsch gesprochen hatte, und es wäre interessant gewesen, sie mit Janosch’s Werk als gebürtiger Zabrzer bekannt zu machen. Ich glaube, sie wusste von seinem Werdegang hier nichts. Vor ein paar Jahren ist sie schon verstorben. Herzlichen Dank für diesen Hinweis im Text. So schließen sich manchmal Kreise, unverhofft. – Alois Lienhard

 


 

 

Leserbrief zu „Der Bärenflüsterer“ von Stefan Willeke im ZEIT Magazin

 

Einen schlechteren Artikel habe ich selten gelesen: Stefan Willeke hat über Andreas Kieling geschrieben. Es hätte spannend sein können, man hätte diesem tolle Fragen stellen können, stattdessen wird erzählt, wie jener Kaffee aufbrüht, dass seine Lebensgefährtin einen wehen Backenzahn hat und seine erste Frau ihm die Büroarbeit macht. Und das unendlich lange, nicht endend wollend, es kommt nie zum Wesentlichen. Schade um meine Zeit. Und ich bin über dieses jämmerliche Niveau entsetzt, empört. Das ist kein Journalismus, das ist nicht einmal Grundschulniveau. Die Qualität der Zeit nimmt ab. Leider muss ich diesen Abstieg in den letzten Jahren beobachten und es ist wohl bald der Punkt erreicht, wo ich mein Abo aufkündige. – Brigitte Groihofer

 


 

 

Leserbrief zu „Wie komme ich da hin?“ von Margit Stoffels im ZEIT Magazin

 

Als wir vor 40 Jahren die „Voithokilia Bucht“ entdeckten, war sie so unberührt wie auf ihrem Foto. Jetzt muss man Glück haben in der Vor -und Nachsaison, sie so vorzufinden, teils Juni, vor allem Juli und August und teils im September liegt hier Tourist an Tourist und steht Sonnenschirm an Sonnenschirm, das ist nicht mehr schön. Um die Navarino Beach Apartments stehen im Hochsommer alle Flächen voll mit Autos und Musik schallt manchmal von 3 Beach Bars über den wunderschönen Strand hoch zu den Apartments, das sollten sie nicht verschweigen. – Heidrun Holme

 


 

 

Leserbrief zu „Lebensgeschichte“ im ZEIT Magazin

 

In der Auflösung ihrer „Lebensbilder“ wird Erich Ludendorff, 1923 Hitlers Mitputschist vor der Münchner Feldherrenhalle, fälschlicherweise als Erfinder der „Dolchstoßlegende“ bezeichnet: Wie unschwer zu recherchieren gewiesen wäre, hat vielmehr sein Kollege und Chef in der kaiserlichen „Obersten Heeresleitung“ der spätere Reichspräsident Paul von Hindenburg diesen Kampfbegriff geprägt: Bei seinem Auftritt vor dem Reichstag im November 1919 hatte Hindenburg die Behauptung aufgestellt, die deutsche Armee sei „von hinten erdolcht“ worden. – Bernd Burkhardt

 


 

 

Leserbrief zur Fotokolumne „Wer bist du?“ von Florian Jaenicke im ZEIT Magazin

 

Als Leser des Zeitmagazins sehe ich wöchentlich Ihre Fotokolumne mit Fotos Ihres Sohnes Friedrich, die mich jedesmal aufs neue bewegen… Ich musste Ihnen einfach mal diese Mail schreiben und Ihnen und meinen tiefsten Respekt dafür bekunden, wie Sie uns mit dieser Kolumne an dem sicherlich schwierigen und höchst privaten Teil Ihres und Friedrichs Lebens teilhaben lassen. Trotz dem was man leider immer noch „Behinderung“ nennt strahlen Ihre Kolumne und Ihre Fotos vor Liebe, Kraft und Lebensfreude . Danke dafür! – Ralf Strohschein

 


 

 

Leserbrief zu „Schiffbruch oder freie Fahrt“ von Andreas Khol in der Regionalausgabe ZEIT Österreich

 

Mit seiner Interpretation des Scheiterns der schwarz-grünen Koalitionsverhandlungen 2003 geht Andreas Khol schon seit Jahren hausieren. Aber wie ist es um die Glaubwürdigkeit eines Politikers bestellt, der mit dem Sager „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit“ berühmt wurde? Auch während Türkis-Blau wurde er nicht müde, mit allerlei verbalen Verrenkungen die Koalition als vereinbar mit dem christlich-sozialen Anspruch der ÖVP darzustellen. Es geht also nicht darum, warum die Umgestaltung Österreichs zu einer ökosozialen Marktwirtschaft 2003 scheitern musste und warum 2020 die Aussichten dafür besser sind, sondern: Warum die ÖVP schon zweimal bereit war Österreich an die rechtsextreme FPÖ zu verkaufen und jederzeit wieder bereit dazu ist. Dann wird halt die Schimäre ökosoziale Marktwirtschaft wieder verräumt und die „ordentliche Mitte-Rechts Politik“ feiert fröhliche Urständ‘. Denn anscheinend ist auch die Moral eine Tochter der Zeit. – Alexander Wandruszka