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16. MĂ€rz 2023 – Ausgabe 12

Leserbriefe zu „Sag mir, wo die Blumen sind“ von Robert Pausch

 

Sehr geehrter Herr Pausch, sie haben mit ihrer Analyse bei mir ins Schwarze getroffen. Seit dem StreitgesprĂ€ch der damaligen europapolitischen Sprecherin der GrĂŒnen Franziska Brantner mit dem US-Historiker Wertheim (Zeit, MĂ€rz 2021), wo sie mehr weltweites auch militĂ€risches Engagement der USA forderte, beschĂ€ftigt mich der Sinneswandel der GrĂŒnen. EndgĂŒltig fassungslos war ich als ich den Tweet von Katrin Göring-Eckardt „The Leopard is freed“ las. Mir kamen Erinnerungen an die Kriegsberichterstattungen der Wochenschau hoch. Die von den Nazis eingefĂŒhrten Raubtiernamen fĂŒr Kampfpanzer waren auch dort die Basis fĂŒr entsprechende enthusiastische Kommentare. Nur waren es damals Puma, Tiger und Königstiger, die freigelassen wurden. – Axel Voss

 

Das ist eine hervorragende Analyse! Wegen solcher (raren) Artikel liebe ich „Die Zeit“. Gratulation! – Dieter Wurm

 

Selten hat mich ein Artikel so enttĂ€uscht, ja abgestoßen, wie der von Robert Pausch. Es gab schon einige Artikel wo ich mich fragte, was will er, wenn er die Binsenweisheit „Waffen töten“ auf sein Revers heftet? In diesem Artikel nun wird auf perfide Weise die Haltung der GrĂŒnen angegriffen, sie sollten im Interesse der ökologischen Transformation zurĂŒckhaltender sein bei der BefĂŒrwortung von Kampfpanzern, schließlich seien 40% der Deutschen dagegen. Statt sich zu fragen warum gerade in Deutschland im Gegensatz zu den Anrainerstaaten von Russland solche Ängste bestehen, redet er den GrĂŒnen ins Gewissen. WofĂŒr sind sie Herr Pausch?? Sie meinten mit der Binsenweisheit „Waffen töten“ könnten sie Annalena Baerbock widerlegen, die zu Recht sagte „Waffenlieferungen retten Leben“. Sie sind ja so fĂŒr Interessen statt fĂŒr Werte. In wessen Interesse werden in diesem Krieg Waffen eingesetzt?

Die russische Armee setzt die Waffen ein um die Ukraine zu unterwerfen, sie tötet dabei wahllos, bzw. gezielt um die Bevölkerung der Ukraine zu demoralisieren, zerstört Menschen, WohnhĂ€user, die gesundheitliche und technische Infrastruktur, weswegen die KriegsfĂŒhrung zu Recht barbarisch und als ein einziges Kriegsverbrechen bezeichnet wird. Waffenlieferungen an die Ukraine befördern deren Interesse russische Waffen wie Raketenwerfer, Panzer etc. zu eliminieren, sich gegen die teilweise zahlenmĂ€ĂŸige Übermacht der russischen Soldaten zu erwehren. Warum? Weil dadurch weniger Ziele in der Ukraine zerstört, Gebiete zurĂŒckerobert, also Menschenleben und eine Zukunftsperspektive gerettet werden können! Ist das nun Fundi-Rhetorik? Trifft es nicht zu, dass der Kampf der Ukrainer gegen die russische Invasion ein berechtigter Kampf ist, wo sich Gut und Böse gegenĂŒbersteht, das Fortschrittliche gegen das Gestrige. Handelt es sich ihrer Meinung nach um ein imperialistischen Zweikampf im Sinne des Stellvertreterkrieges USA gegen Russland? Dann heraus mit der Sprache. Die internationale Lage spitzt sich zu, die autoritĂ€ren Diktaturen schließen sich zusammen, China brachte Iran und Saudi-Arabien zusammen. Wird es nicht immer deutlicher, dass es hier um Werte geht und der Westen ĂŒberlegen muss, wie er seine Werte verteidigen kann? In der Tat auch in der EU, denn die illiberalen Demokratien in der EU, bzw. schon autoritĂ€ren Mitglieder der Nato wie die TĂŒrkei verweisen darauf wie wichtig es heute in der Politik ist Grenzen zu setzen.

Zuletzt bei Maischberger bezog sich die Zeitredakteurin Frau Mayr auf die Aussage von Herrn Pausch das „Waffen töten“, doch ihr entschlĂŒpfte das Wort „auch“. Waffen töten auch. Der Wahrheit, dass Waffen in diesem Krieg in der Ukraine eben „auch“ Leben retten konnte sich ihr Unbewusstes doch nicht so ganz entziehen. – Michael Hopmann

 

Ja, die Sache mit Interessen versus Werte. Setzen wir fĂŒr „Interessen“ Egoismus und fĂŒr „Werte“ Altruismus, vergegenwĂ€rtigen uns, dass Altruismus der Egoismus der Weitsichtigen ist und erwarten von den politisch tĂ€tigen Menschen, dass sie weiter blicken als das Wahlvolk, von dem sie auf dessen Schultern gehoben werden – dann bin ich tief dankbar, dass mit den GrĂŒnen eine Politik Stimme und Gewicht besitzt, die von Werten geleitet ist. Unter dieser Bedingung sind die von Robert Pausch erwĂ€hnten FlĂŒssiggastanker kein Zeichen von Doppelmoral, sondern ein taktisch kluger Schritt innerhalb einer weitsichtigen Strategie. Rein interessengeleitete Politik mĂŒndet stets im Zynismus der Klientelwirtschaft. – JĂŒrgen Geisler

 

Frau Kelly konnte noch Pazifismus leben, weil sie sich des Schutzes einer Weltmacht sicher sein konnte. Frau Baerbock muss sich der RealitĂ€t des Krieges stellen, weil er dort tobt, wo es den Schutzschirm, so wie wir ihn genießen, bisher nicht gegeben hat, der Krieg jedoch auch uns bedroht. Mit „Interessen“ können Sie die UnterstĂŒtzung der Ukraine nicht begrĂŒnden. Es braucht schon „Werte“, die verteidigt werden mĂŒssen, denn diese sind massiv bedroht! – Martin Krivacek

 

Ja klar, die GrĂŒnen sind fiese Kriegstreiber und Robert Pausch ein großartiger Journalist! Mal ehrlich: Wer so etwas Dummes schreibt, sollte innehalten, in die Ukraine fahren und erleben, wer wirklich Kriegstreiber ist und wer sich um Leib und Leben verteidigt. Die GrĂŒnen stehen auf der Seite der Überfallenen, die sich leider nur mit Waffen gegen die Angreifer wehren können. – Bernhard Koch

 

Ein guter Beitrag, der auf meine eigene zerrissene Seele trifft. „…, dass er umgehend vom nĂ€chstgelegenen GrĂŒnen darĂŒber belehrt wurde, dass in der Ukraine Frauen vergewaltigt und Kinder verschleppt wĂŒrden, was zweifellos stimmt, aber natĂŒrlich zugleich jede Debatte beendet.“ Jede Debatte endet dort, weil damit alles gesagt ist. Die Frage, die sich dann stellt, warum beteiligt man sich dann nicht an jedem Krieg? Das Beste ist, man beteiligt sich gar nicht an dieser Barbarei. Aber was ist, wenn ein hilfloses Nachbarland von einer Horde faschistischer Barbaren (hier die Putin-Russen) ĂŒberrannt wird. Darf man zusehen und nichts tun?

Die Ukraine hat beschlossen, sich zu wehren und hat jedes Recht dazu. Russland hat kein Recht andere LĂ€nder zu ĂŒberfallen. Hier beginnen bereits „die Werte“. Deutschland und andere LĂ€nder haben beschlossen zu helfen, weil zu befĂŒrchten steht, dass die faschistischen Putin-Russen nicht halten werden, wenn die Ukraine zerstört ist. Es droht ein Überfall auf Halbeuropa. Putin will sich Europa mit den Amerikanern teilen. Wenn die Ukraine aufgibt, enden die Waffenlieferungen. Wenn Putin tot ist oder die Russen aus anderem Grund in die Zivilisation zurĂŒckkehren auch.

Warum sind nun ausgerechnet Pazifisten so sicher, dass eine UnterstĂŒtzung mit Waffen notwendig ist? Die Antwort ist klar, wenn sich Putin-Russland durchsetzt, dann ist die heutige EU Geschichte, dann sind freie, liberale BĂŒrger Geschichte. Es gĂ€be keine GrĂŒnen mehr. Jedenfalls nicht in den faschistischen Diktaturen. Was wĂ€re gewesen, wenn Hitler nicht gestoppt worden wĂ€re. Wir können den Alliierten, auch den damaligen Russen nur dankbar sein. Heute haben wir eine Ă€hnliche Situation. Nur kommt der Faschismus heute aus Russland und der Angriff auf die Menschlichkeit an sich erfolgt von dort.

Niemand hatte Russland bedroht. Die Politik hat uns sogar abhĂ€ngig gemacht und dabei zugesehen, wie Putin Menschen ermorden und vergiften ließ. Russland war ein zweifelhafter Partner, aber eben ein Partner, bei dem man die eigenen Werte hinten angestellt hat. Dass sich die Ukrainer eher nach Europa ausgerichtet haben, lag an den Putin-Russen selbst. Sie hĂ€tten ja auch etwas Lebensfreundliches anbieten können. Ein Land und auch eine Partei kann sich nicht immer und weltweit in aller Absolution fĂŒr die eigenen Werte einsetzen. Aber es gibt immer eine Grenze, an der man sich schĂ€men muss, als anstĂ€ndiger Mensch. Dass Ukrainer und Russen in einem Krieg sterben ist furchtbar. Dass die GrĂŒnen die Ukraine unterstĂŒtzen, ist trotzdem richtig. – Christian Fahn

 

Danke an Herrn Pausch fĂŒr diesen ĂŒberfĂ€lligen Artikel. Ein Ă€hnliches „Waterloo“ im Bereich der praktizierten Energiewende beginnt ja soeben aufzuscheinen: Die Bundesnetzagentur will das „Abregeln von verfĂŒgbarer Leistung“ durch die kommunalen oder regionalen Stromversorger fĂŒr E-Autos (von 50 kW auf bspw. 4 kW) oder WĂ€rmepumpen (von bei klirrender KĂ€lte nötigen 10 kW auf 3 kW) erlauben. Dabei sind dies erst die Vorboten einer Energiepolitik, die zwar den „Klimaschutz“ (in Deutschland?) vor allem via verstĂ€rktem Stromeinsatz will, aber leider keine soliden Kenntnisse des ElektrizitĂ€tssystems (jederzeit zur Nachfrage passende Stromerzeugung mit recht stabiler Frequenz, passenden Transport- und Verteilnetzen, 
) oder gar eines riesigen Wasserstoff-Bedarfs schon in wenigen Jahren hat. Derzeit merken wir noch nichts von den kommenden Problemen: Wir haben ja noch (bis Mitte April) drei Kernkraftwerke und noch einige Kohlekraftwerke, wenn auch mit abnehmenden KapazitĂ€ten. Dummerweise werden die bisherigen Winter-Abendlastspitzen um 78 ± 5 % GW auf absehbar ĂŒber 100 GW, also um 33 % höher als bisher ansteigen – „grĂŒne“ Backup-Systeme sind bisher Mangelware! Das kommt davon, wenn gute Absichten solide Fachkenntnis ersetzen mĂŒssen. – Wolfgang Ströbele

 

Annalena Baerbock ist eben noch keine richtige Außenministerin, wenn sie versucht, Werte und Wahrheiten mit dem Anspruch auf Absolutheit als Grundlage ihrer Politik zu propagieren. So hat Realpolitik noch nie funktioniert ! Eigentlich mĂŒsste die Partei der GrĂŒnen und die frĂŒhere Bundesvorsitzende es besser wissen wie Politik funktioniert. Sie vertritt ja nicht nur den eher hohlen Anspruch auf eine feminine Außenpolitik. Sondern provoziert inzwischen, zugespitzt durch ihre wiederholten Forderungen nach der Notwendigkeit von kriegerischen Handlungen, Kritik an ihrer ideenarmen Politik gegenĂŒber Putin und seinen Verbrechen an den Ukrainern. Baerbock erinnert mit ihrem rigorosen Bestreben Werte in Politik umzusetzen eher an die deutsche Untugend, alles besser zu wissen und zu können als der Rest der Welt.

Das fĂŒhrt hier nicht gleich in die nĂ€chste deutsche Katastrophe. Aber mehr FlexibilitĂ€t und Geschmeidigkeit könnten der Außenministerin helfen, nicht als neue deutsche Heilsbringerin auf dem diplomatischen Terrain beargwöhnt zu werden Es gab vor ein paar Wochen im französischen Fernsehen ein Interview mit der deutschen und französischen Außenministerin. Der Moderator und die französische Außenministerin zeigten sich verblĂŒfft bzw. verhalten amĂŒsiert wie Baerbock frisch von der Leber drauflos plapperte, egal ob sie leicht angeberisch ihre eigene Politik vertrat oder sich ĂŒber ihre EinschĂ€tzung von Kanzler Scholz ausließ, um dann ihre eigene Eignung fĂŒr das Kanzleramt anzudeuten. Da saß eine Parteipolitikerin, aber keine Außenministerin ! Der frĂŒhere Kanzler Kohl nannte die damals noch junge Angelika Merkel großzĂŒgig gönnerhaft „mein MĂ€dchen“. Vieleicht sollte Scholz mal „sein MĂ€dchen“ Baerbock, ungeachtet der verschiedenen Parteizugehörigkeit, mehr auf Tiefgang und Feinschliff ihrer Außenpolitik verpflichten. Die GrĂŒnen schaffen das mit „ihrem MĂ€dchen“ Baerbock anscheinend nicht. – Klaus Reisdorf

 

Robert Pausch macht es sich ziemlich leicht mit seiner Argumentation. So ist es zum Beispiel absurd, die Auftritte des Torwarts der deutschen Nationalelf und Robert Habecks in Katar zu vergleichen. Und indirekt plĂ€diert Pausch sogar dafĂŒr, dass die GrĂŒnen doch lieber auf die WĂ€hlerstimmen schielen sollten, anstatt die Politik zu machen, die sie inhaltlich fĂŒr richtig halten. Also Machtpolitik zu betreiben wie die anderen. Die FDP tut dies deutlich erkennbar fĂŒr ihre Klientel bei den Themen Steuern und Verkehr, die CDU/CSU arbeitet fĂŒr diejenigen, die keine VerĂ€nderung wollen. Die SPD betreibt tendenziell Politik fĂŒr die Nachfahren der Arbeiterklasse, und auch die Linke kĂ€mpft um ihre schrumpfende WĂ€hlerschaft. Umso mehr sollten wir anerkennen, dass die Politik der GrĂŒnen primĂ€r an Zielen und Inhalten orientiert ist, letztendlich auch an den von Pausch genannten „Wahrheiten“. Wenn das bei den anderen Parteien auch so wĂ€re, wĂ€re Deutschland an vielen Stellen weiter, etwa bei Klimaschutz, Energie, Verkehr, in der Bildungspolitik oder in Fragen der Gleichberechtigung. – Gerhard Seitfudem

 

Die GrĂŒnen haben hinsichtlich der Ukraine das GlĂŒck, dass das deutsche – und europĂ€ische – Interesse daran, dass Russland zu keinem weiteren Angriffskrieg in Europa ermutigt wird und in der Lage ist, mit der Bereitschaft der Ukrainer*innen zur Verteidigung ihrer staatlichen SouverĂ€nitĂ€t, ihrer Freiheit und ihrer Menschenrechte insgesamt konform geht. Das ist – leider! – nicht immer der Fall: Wenn die meisten afghanischen MĂ€nner mit der Entrechtung von Frauen und MĂ€dchen einverstanden sind und die Taliban nicht sooo schlimm finden, dass sie bereit wĂ€ren, ihre eigene Freiheit – und jene ihrer weiblichen Angehörigen – gegen die Taliban zu verteidigen, können selbst die USA mit militĂ€rischen Mitteln einen Sieg der Taliban auf Dauer nicht verhindern. FĂŒr eine erfolgreiche wertegeleitete Außenpolitik im Sinne der GrĂŒnen, die ich im Prinzip begrĂŒĂŸe, mĂŒssen also die Werte wie staatliche SouverĂ€nitĂ€t, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte insgesamt von einer deutlichen Mehrheit in den entsprechenden LĂ€ndern geteilt werden. – Ulrich Willmes

 

Ich konnte nicht genau benennen, was fĂŒr mich (als ehemaligem GrĂŒnen-WĂ€hler) mittlerweile fast schon beĂ€ngstigend ist, an dieser Partei. Das eiskalte Durchsetzen doppelmoralischer Werte verursacht mir intensives Unbehagen. Vielen Dank, dass Sie dies auf den Punkt gebracht haben! – Britta Jocham

 

Als langjĂ€hriger ZEIT Abonnent kann ich mich noch sehr gut an Petra Kelly und an die legendĂ€re Rede von Joschka Fischer mit dem farbverschmierten Jackett erinnern. Ich finde es sehr traurig vom Verfasser das er mit keinen Wort Petra Kelly erwĂ€hnt und gleichzeitig auf die wertebasierte Politik der GrĂŒnen abhebt. Die Werte fĂŒr die Petra Kelly zu ihrer Zeit gekĂ€mpft hat, sind im wahrsten Sinne des Wortes heute fĂŒr die GrĂŒnen und den Verfasser der Story wertlos? Wer so schnell seine Werte wie Annalena Baerbock Ă€ndert, lt. Verfasser innerhalb von acht Monaten darf sich nicht „mit gesenkter Stimme“ auf die GrĂ€uel des Warschauer Gettos berufen, indem er auf historische Verantwortung Deutschlands hinweist. Das Wertesystem der Dame ist instabil. Joschka Fischer hat im gleichen Duktus in Bielefeld seinerzeit argumentiert, er hatte nicht nur ein Problem mit seiner Partei sondern auch eines in der Koalition, hĂ€tte er nicht die Zustimmung zum Krieg erhalten, hĂ€tte es krĂ€ftigen Ärger zwischen Koch und Kellner gegeben. Derartige Probleme haben die heutigen GrĂŒnen nicht mehr, aus der Partei die sich fĂŒr Frieden einsetzt, ist eine Partei geworden, die in der Überzeugung lebt, Panzer, Waffen und Kanonen retten Menschenleben. Es wird nicht gut gehen. – Wolfgang Mayer

 

Ja, Herr Pausch, ohne die GrĂŒnen wĂ€re es einfacher. Da könnten wir ungestört so weiter machen wie bisher. Viele Ältere wĂŒrden aufatmen, wenn es sie nicht mehr gĂ€be, viele von den anderen Parteien auch, viele in der Industrie und den Banken ebenfalls. Man könnte weiter gute GeschĂ€fte mit Russland machen und mĂŒsste am Gas nicht sparen. Und nun zeigen die Spinner von den GrĂŒnen auch noch Realismus. Sie prĂ€sentieren sich elastischer als erwartet. Sie lösen die Energiekrise nicht, aber sie lassen zumindest keinen Zusammenbruch der Wirtschaft zu. Sie lösen sogar Probleme, berufen sich auf Werte, zerstreiten sich nicht mehr wie frĂŒher, wollen auch nicht gleich in die Ukraine einmarschieren. Da muss man ihnen wenigstens WidersprĂŒche vorwerfen. Ihr Beitrag hat mich genervt. – Dietrich Lohrmann

 

Ein Artikel, wie ich ihn schon erwartet habe und meiner Meinung nach auch klar ‚daneben‘. Und er kann damit nicht unwidersprochen bleiben!

Warum?

  • Allein schon die Überschrift … ‚Kriegstreiber?‘ ist schon die reinste Katastrophe. Wo sind denn die GrĂŒnen bitte Kriegstreiber (auch wenn es mit einem Fragezeichen versehen ist)? Die Argumentation von A. Baerbock und ihrer Partei ist mehr als schlĂŒssig, aber Herr Pausch sitzt im warmen BĂŒro und spricht von Arroganz und von avantgardistischen Anzeichen … Was soll das?
  • Arrogant sind vor allem Union, aber auch die Linken, von der AfD mal ganz zu schweigen.
  • Herr Pausch nimmt ein Thema auf und vermischt eine ganze Menge Dinge. Er spricht von verloren gegangenem Pazifismus. Der Vorwurf war schon erwartbar, aber genauso falsch! Was sollen denn die GrĂŒnen seiner Meinung nach machen, außer die Ukraine mit aller Konsequenz zu unterstĂŒtzen. In der Logik von Herrn Pausch mĂŒssten alle anderen , die Waffenlieferungen befĂŒrworten, auch als Kriegstreiber bezeichnet werden (hat er aber nicht gemacht…).
  • Kein Wort von den 16 Jahren Regierung unter Frau Merkel, in denen man dem Despoten in Moskau nichts entgegen gesetzt und sich auch noch abhĂ€ngig gemacht hat! Warum regt sich Herr Pausch nicht ĂŒber den in Moskau sitzenden Drecksack auf?
  • Ausgerechnet auch noch Frau Baerbock fĂŒr ihre Außenpolitik zu kritisieren, schlĂ€gt dem Fass den Boden aus. Sie macht einen sehr guten Job, aber leider gibt es zu viele, die ihr das neiden oder einfach nur polemisch werden! Und dem Herrn aus dem SĂŒden, der der zusammen mit Merz der schlimmste Populist im Land ist, ein Forum zu geben, indem man ihn zitiert, ist einfach abartig, sorry!
  • Statt ĂŒber ‚Kriegstreiberei‘ der GrĂŒnen zu faseln, sollte sich Herr Pausch mal mit denen auseinandersetzen und einen Artikel darĂŒber schreiben, die das Land spalten: die Union und ihre Helfershelfer in Industrie und Wirtschaft!

Mit Verlaub, einen solchen Artikel in der ZON zu lesen , hat mich sehr geĂ€rgert, aber auch traurig gemacht. NatĂŒrlich kann jeder seine Meinung Ă€ußern, aber dann bitte differenzierter und ehrlicher! Das Schlimme dabei ist, dass in den Kommentaren auch noch von nicht wenigen Beifall geklatscht wird. In welchem Land leben wir??

DarĂŒber hinaus: Die GrĂŒnen sind die einzigen, die immer gewarnt haben und die BekĂ€mpfung des Klimawandels ernst genommen haben. Jetzt, wo es ernst und konkret wird, wenden sich BĂŒrger ab. Das ist einfach unfassbar und macht einen fassungslos! – Martin BĂ€tz

 

Ja wo sind sie geblieben? Der Artikel gibt nicht so recht eine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet die GrĂŒnen zu der eindeutigsten Kriegspartei geworden sind, die wir hier gerade auftreiben können. Ihr Projekt des ökologischen Umbaus verkommt momentan zu einem technologischen Monster ohne jeden utopischen Gehalt, denn es verspricht elektrifizierten Wohlstand in der Konsumgesellschaft, ohne die Wurzeln der Wachstumsgesellschaft weiter in Frage zu stellen. Vielleicht daher der Furor, in diesem Krieg wenigstens zu den „Guten“ gehören zu wollen? Aber muss uns das an die Seite der Amerikaner treiben, die sich mit völkerrechtswidrigen Kriegen nun wirklich auskennen? Und welche Werte teilen wir ernsthaft mit diesem zerrissenen Land, das man als gnadenloses Beispiel einer entsolidarisierten Gesellschaft betrachten muss? Es bleiben deutlich mehr Fragen als Antworten. – Dieter Schöneborn

 

Sehr geehrter Herr Pausch, mit sehr großem Interesse und eben solcher Zustimmung habe ich Ihren Artikel gelesen. Darf ich mir erlauben, Ihnen einige Anmerkungen vorzutragen: Wie bekannt, wurde die NATO seinerzeit gegrĂŒndet als ein USA gefĂŒhrtes VerteidigungsbĂŒndnis einer großen Anzahl von Staaten gegen militĂ€rische Angriffe auf Teile oder das Ganze des BĂŒndnisses. Der Haupt- bzw. damals der einzige mutmaßliche Gegner war die Sowjetunion. 1990 zerbrach diese; die Vasallenstaaten wurden frei ebenso viele der ehemaligen Sozialistischen Sowjetrepubliken. Außerdem verschwand der Warschauer Pakt gerĂ€uschlos in der Versenkung. Geblieben jedoch ist die NATO – warum? Der Gegner war verschwunden, und China noch nicht wirklich ein Thema. Nichtsdestotrotz begann die NATO sogar eine „Osterweiterung“, verbunden mit diversen Nadelstichen auf den ehemaligen Gegner, z.B. durch das laute Nachdenken ĂŒber eine zusĂ€tzliche Osterweiterung. Andererseits gab es auch eine Stimme (Macron), die die NATO als „hirntot“ bezeichnete.

Schließlich griff der genervte Gegner – prĂ€ventiv? – zu einem Völkerrechtsbruch*** gegenĂŒber einem Nicht-NATO-Staat. Die nicht angegriffene NATO frohlockte, denn sie konnte nun beweisen, dass sie nicht hirntot ist, sondern einig wie nie zuvor. Die Aussicht nĂ€mlich, womöglich doch angegriffen zu werden und zudem das schöne Ideal, Werte zu haben und verteidigen zu mĂŒssen, sollte zusammenschweißen. Dass man die Werte selbst vielfach verletzte, wurde geflissentlich ĂŒbersehen.

Nicht ĂŒbersehen werden sollte allerdings, dass die NATO gar nicht selbst kĂ€mpfte, sondern sich eines bereitwilligen Schwertes bediente, nĂ€mlich der tapferen Ukraine unter ihrem ach so heldenmĂŒtigen Selenskiy ( ein ehemaliger halbseidener BĂŒhnenkĂŒnstler. Wir Deutsche haben ja Erfahrung mit halbseidenen KĂŒnstlern als politische FĂŒhrer. Es muss ja nicht unbedingt ein Postkartenmaler sein.) Doch dieses Schwert wird zunehmend stumpfer, wenn es denn ĂŒberhaupt scharf war. Die – zögerliche – Lieferung von ( zum Teil Schrot)Waffen sowie neuerdings auch hundsgemeine Munition kann nicht darĂŒber hinweg tĂ€uschen, dass der Ukraine zunehmend das menschliche Material ausgeht ( siehe auch den Artikel :“Es kommt niemand nach.“ ). Solches aber kann und darf die NATO aus BĂŒndnisgrĂŒnden nicht liefern. Zudem werden ihre BĂŒrger werden nicht attackiert ( höchstens wirtschaftlich durch die Nebenwirkungen der Sanktionen. – Man hĂ€tte da vorher Arzt oder Apotheker fragen sollen.). so muss die NATO zusehen, wie sie aus der Falle „Russland darf nicht gewinnen, die Ukraine muss siegen/darf nicht verlieren = alles bekommen, was immer sie haben will“ , herauskommt. Das böse China freilich könnte als Vermittler dienen, der NATO bei der Gesichtswahrung zu helfen.

*** Bruch des Völkerrechtes: DarĂŒber, ob ein Recht – in Gesetze gegossen – gebrochen wird, entscheiden Gerichte mit Richtern und Vertretern der Anklage- sowie der beklagten Seite. Außerdem gibt es Berufungsinstanzen, die beide Seiten einschalten können. Ein solches Vorgehen gegenĂŒber dem russischen Rechtsbruch, d.h. ein NachspĂŒren dessen, was dahinter stehen könnte, ist nicht erfolgt. Putin war von Anfang an der gerichtsfeste leibhaftige Teufel. Zwar hat er durchaus einige zweifelhafte Reden gehalten vorwiegend fĂŒr sein Volk, aber auch nach draußen. Doch als professionelle Historiker darf man politische Äußerungen nie als testamentarisch-unverrĂŒckbare Verlautbarungen behandeln – das habe ich schon im Historischen Proseminar gelernt.

Was die viel zitierte BrutalitĂ€t der militĂ€rischen Aktionen angeht, so wird diese vorwiegend mit den modernen Fernwaffen erzielt, gerichtet gegen Infrastruktur bei leider zivilem Kollateralschaden. Solche Waffen möchte die Ukraine auch erhalten, und die Bundeswehr soll verstĂ€rkt damit ausgerĂŒstet werden. Ihr Einsatz durch die westliche Wertegemeinschaft ist natĂŒrlich nur fĂŒr eine gerechte Sache vorgesehen wie z. B. seinerzeit im Irak, wo leider auch Folterungen (Abu Ghraib) nicht zu vermeiden waren. – Gisela Rau

 

Die Neben-Überschrift sagt: „Ausgerechnet die GrĂŒnen „gelten“ manchen als Kriegstreiber. Wie konnte es dazu kommen?“ Ich denke, es gibt einige einfache Antworten: Erstens wurden sie durch die Regierungsverantwortungen um 2000 und jetzt gezwungen, sich mit der Verantwortung auch fĂŒr die zu erwartenden Folgen der PassivitĂ€t angesichts eines brutal ausgetragenen Konflikts eines stĂ€rkeren mit einem schwĂ€cheren auseinanderzusetzen. Zweitens haben sie entdeckt, dass das tatenlose oder nur verbal appellierende Zuschauen bei Menschen- und Völkerrechts-BrĂŒchen und Kriegsverbrechen im Rahmen eines Angriffskriegs mindestens genauso schuldig machen kann wie Akte der Nothilfe fĂŒr unschuldig ĂŒberfallene. Drittens haben sie erkannt, dass Krieg in Form von Verbrechen auch gegen wehrlose oder friedliche Menschen einseitig gefĂŒhrt werden kann, wie Nazi-Deutschlands Taten gegen Juden, politische Gegner und andere belegen wie auch (nur beispielsweise) die Völkermorde an den Armeniern im 1. Weltkrieg oder anfĂ€nglich an den Tutsis in Ruanda, bis deren unbewaffnete Teile schließlich durch die bewaffneten Volksgenossen gerettet wurden. Und viertens kennen sie vermutlich wie auch andere das Gesetz der Verhaltens-wissenschaft, dass ein Verhalten, welches belohnt wird oder sonstige angenehme Folgen hat, dadurch verstĂ€rkt wird und sich in der Folge mit immer grĂ¶ĂŸerer Wahrscheinlichkeit und/oder HĂ€ufigkeit wiederholt. Auch das kennen wir aus der Geschichte, am berĂŒchtigtsten wieder die immer neuen VölkerrechtsbrĂŒche durch Nazi-Deutschland und Japan unter Tojo schon vor dem 2. Weltkrieg nach anfĂ€nglich wiederholten Erfolgen aggressiven Erpressungs-, Vertragsbruchs oder Angriffs-Verhaltens, Erfolge, die gerade durch die einseitigen Friedens-bemĂŒhungen um fast jeden Preis der Haupt-Gegner möglich wurden, ergĂ€nzt durch die anfĂ€ngliche Komplicenschaft Stalins, der nur so schlau war, seinen Teil der abgesprochenen Eroberungen erst nach Hitler zu beginnen, so dass er diese als „Schutzmaßnahmen“ auch fĂŒr die seinerseits besetzten verschleiern und verbrĂ€men konnte.

Die Bezeichnung von Menschen, die zu Nothilfe-Maßnahmen fĂŒr Völkerrechtswidrig angegriffene stehen, als Kriegstreiber ist etwa so berechtigt wie eine Ermutigung einer zwecks Vergewaltigung ĂŒberfallenen Frau, sich mit einem Pfefferspray zu wehren, das man ihr vielleicht sogar zuwirft, als streitsĂŒchtig oder Anstiftung einer körperlichen Auseinandersetzung zu brandmarken. Und die VorschlĂ€ge den Vergewaltiger durch Hergabe des Schmucks und Geldes zum Frieden zu bewegen statt sich zu wehren, etwa so aussichtsreich wie wenn ein Beutetier dem Raubtier ein Bein anbieten wĂŒrde, um mit dem restlichen Körper dann verschont zu werden, oder wie die kĂŒrzlich von anderen MĂ€dchen misshandelte 13jĂ€hrige in Heide, die es auch mit Entgegenkommen und Verhandeln versuchte und dabei weiter und weiter gequĂ€lt und gedemĂŒtigt wurde, bis schließlich die Polizei kam und dann ein mutiger Mann, der sie aus der Gefahr befreite.

Die Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung verschleiert solche unschönen Dilemmas, indem sie völlig offen lĂ€sst, wofĂŒr denn das militĂ€rische Eingreifen in Konflikte notwendig sein soll. Man kann denken, notwendig fĂŒr Ziele wie bessere Handelsbeziehungen oder fĂŒr einen Regimewechsel oder fĂŒr noch weniger essentielle Interessen oder Dinge. Vielleicht sĂ€he die Antwort-Verteilung aber schon anders aus, wenn gefragt wĂ€re „wenn notwendig, um Massen-Verbrechen gegen Frauen und Kinder zu beenden“ oder “ . . um keinen Anreiz fĂŒr immer grĂ¶ĂŸere Angriffskriege zuzulassen“. die Formulierung, die Ukrainer wĂŒrden fĂŒr „unsere Freiheit“ kĂ€mpfen, ist sehr missverstĂ€ndlich, denn in erster Linie kĂ€mpfen sie natĂŒrlich fĂŒr ihre eigene Freiheit auch vor noch weiteren Kriegsverbrechen. Nur, dass dieser Kampf im Erfolgsfall, der auch von uns abhĂ€ngt, es unwahrscheinlicher macht, dass wir eines Tags um unsere Freiheit oder vorher die von NATO-BĂŒndnispartnern kĂ€mpfen mĂŒssen. Auch die „wertfreie“ Formulierung eines „Interesses, Russland zu schwĂ€chen“ ist zumindest missverstĂ€ndlich, denn wenn etwas geschwĂ€cht werden soll, ist es die Angriffslust und Angriffs-FĂ€higkeit des dortigen ĂŒber die Korruption weit hinaus verbrecherischen diktatorischen Regimes, nicht die FĂ€higkeiten fĂŒr das Wohl des einfachen Volkes zu sorgen. Dass der Wertebegriff „potentiell uferlos“ ist, und in WidersprĂŒche fĂŒhrt, ist zwar richtig, fĂŒhrt aber dennoch in die Irre, denn auch vieles andere ist potentiell uferlos und fĂŒhrt ebenso in Dilemmas und WidersprĂŒche. Es ist leicht jede Entscheidung bei einem Dilemma und jede Wahl eines als geringer gesehenen Übels als falsch und die jeweiligen Folgen verursachend zu verteufeln. Einige Übertreibungen und Fehlgriffe bei Formulierungen dĂŒrfen gegenĂŒber diesen Prinzipien nicht ĂŒberbewertet werden, als sei damit die ganze Gesamthaltung unglaubwĂŒrdig. Und auch die — abgewogene — Verfolgung von Werten eher schĂ€dlich. Der Hinweis auf bittere Fakten und unsere Mitverantwortung zur Hilfe fĂŒr die Opfer, nicht mit absolut jedem Mittel, aber doch dem Weg des geringsten Gesamt-Übels fĂŒr alle beteiligten kann allzu leicht als „Besserwisserische“ Arroganz oder als „Doppelmoral“ und als „Ende der Diskussion“ abgetan werden, womit allzu oft auch das eigene Unbehagen an allem Störungen der eigenen Bequemlichkeit und des ungeschmĂ€lerten eigenen Wohlstands gerechtfertigt wird. NatĂŒrlich gilt es auch bei Kriegsverbrechen eine Grenze der Möglichkeiten und der Maßnahmen einzuhalten, um den Weg des geringsten Übels zu beschreiten, der aber keineswegs nur der Weg der kurzfristig grĂ¶ĂŸten Bequemlichkeit und des kurzfristig geringsten Risikos fĂŒr uns selbst sein kann oder darf. Ähnliches lĂ€sst sich auch immer wieder bei den Klimaschutz-diskussionen beobachten. Ja, natĂŒrlich ist es noch schwerer, Kosten und EinschrĂ€nkungen und „Verbote“ fĂŒr das Klima zu propagieren, wenn es schon kurz zuvor um andere Belastungen ging. FĂŒr beides wĂ€re es aber grob ungerecht, die GrĂŒnen als Boten der MissstĂ€nde und Gefahren und der anstrengenden und teils selbst riskanten Maßnahmen zu beschimpfen oder „bestrafen“ statt die Verursacher und VerdrĂ€ngungs- und VerschleppungskĂŒnstler der letzten Jahrzehnte!

Und WĂ€rmepumpen und manches andere sind kein Selbstzweck, sondern dienen den Werten, insbesondere dem kĂŒnftigen Wohl unserer und anderer Kinder, Enkel und noch ungeborenen. Die GrĂŒnen haben derzeit nur zwischen 14 und 20 %, sie arbeiten und kĂ€mpfen aber nicht — wie es manchmal bei anderen scheint — fĂŒr die nur eigenen Interessen und Klientels, sondern fĂŒr das kĂŒnftige Wohl von 100% der Menschen — vor allem, aber nicht nur in Deutschland. – Peter Selmke

 


 

 

Leserbriefe zu „Die 37 schrecklichsten Hits aller Zeiten“ von Florentin Schumacher

 

Ja, die (S)Hit-Liste ihrer Redakteure liest sich ganz witzig. Andererseits möchte ich bei dieser Auswahl der No-Go-Songs nicht wissen, wie langweilig die Musik bei einer Redaktionsparty sein muss. Da möchte ich echt nicht dabei sein. – Thomas Klementz

 

Autorinnen und Autoren der ZEIT haben streng subjektiv die schrecklichsten Lieder aller Zeiten ausgewĂ€hlt. Fast alle Songs der ultimativen Hit-Liste gehören auch zu meiner eigenen Hörgeschichte. Eine besondere Zugabe ist der QR-Code auf Spotify am Ende des Artikels. Ich habe den QR-Code gern genutzt und bin gut durch die Auswahl der schrecklichsten Hits aller Zeiten gekommen. Sie sind durchaus partytauglich. Auch als Hintergrundmusik beim ZEIT-lesen taugt die von Florentin Schumacher kuratierte NERV(DIE ZEIT #12)-Liste. Kompliment. – RĂŒdiger Harz-Bornwasser

 

FrĂŒher war Reggae meine Feindmusik Nummer Eins (die großen Marley-Hits ein wenig ausgenommen). Ich konnte schon ein wenig Englisch, habe aber nullkommanix verstanden. Meine Abneigung hat sich inzwischen abgeschwĂ€cht, aber die schnellere und punkigere Variante Ska gefĂ€llt mir besser.

Jetzt steht Fado auf meiner (S)hitliste ganz oben. Und ich war auch noch so dumm, zu einem Fadokonzert zu gehen (gewonnene Freikarte), weil ich dachte, dass dieses depressive portugiesische Rumgenuschel und -gezische (schlimmste Sprache ĂŒberhaupt!) live vielleicht eher zu ertragen wĂ€re. Nach 10 Minuten bin ich innerlich schreiend aus dem Saal gegangen und nach Hause gefahren. Der Fado und ich werden keine Freunde mehr.

Mit ca. 45 Prozent Ihrer Auswahl an Hits (bzw. Misses) bin ich d’accord, mit weiteren ca. 45 Prozent nicht. Den Rest kann ich nicht beurteilen, weil ich ihn nicht kenne. Einzelne Lieder, die mir missfallen, kommen mir gerade nicht in den Sinn, vielleicht weil ich mich vom Dudelfunk fernhalte. Die 80er-Jahre, die gerne als besonders schlimmes Beispiel fĂŒr einen ver(w)irrten Musikgeschmack angefĂŒhrt werden, habe ich anders, nĂ€mlich besser, in Erinnerung. Vielleicht auch hier ganz gut, dass MTV mich nicht negativ beeinflussen konnte, weil wir damals nur terrestrischen Empfang hatten.

Schön, dass in Ihrem Feuilleton (bzw. im Ressort „Entdecken“) auch mal „normale“ Musik vorkommt. Gerade in dieser Ausgabe war ansonsten doch arg viel Klassik, Jazz und Oper vorhanden. – Thomas Manthey

 

Vielen Danke fĂŒr die mit Zynismus und Sarkasmus gespickten Zeilen. Habe alle Lieder in meine Playlist integriert. – Kathrin Nicola Schumacher

 

Ich möchte eine von mir sehr geschĂ€tzte Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ – die ja ebenfalls im Buch „Entdecken“ zu finden ist – abwandeln: „Was mein Leben ÄRMER macht“: Genauso ging es mir nĂ€mlich mit Ihren o. g. BeitrĂ€gen! Was sollte das? Wieso denken Sie, die Leser interessiert der Musikgeschmack Ihrer Redakteure? Und dann noch in einem zum großen Teil anmaßenden Stil geschrieben! Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Beitrag von Anna Mayr, die von einigen Personen behauptet, dass sie „die unsympathischsten Menschen der Welt“ wĂ€ren! Und da es ihr ja „weh tut, ĂŒber diesen Song nur eine Zeile zu schreiben“ – kann ich nur sagen: HĂ€tte sie es mal lieber bleiben lassen! Wollen Sie dem Leser ein schlechtes Gewissen einreden, falls ein Song dabei ist, den er vielleicht schön findet? Ich hoffe sehr, dass Ihnen kĂŒnftig bessere Ideen einfallen, um eine kostbare Seite zu fĂŒllen! – Editha Rochow

 

Ich weiß, das ist ein satirischer Beitrag, aber das Problem solcher Listen ist trotzdem, sie sind immer im Detail nicht richtig, wirken wie aus der Zeit gefallen (hihi) und es fehlt immer etwas. Mir fehlte „Schwarz-Braun ist die Haselnuss“ und „Mama“ – auch aus der Zeit gefallen, aber es ging ja um die „schrecklichsten Hits aller Zeiten“. Wussten Sie eigentlich, dass „Mama“ von Robertino Loreti viel schöner gesungen wurde als von Heintje? Ich mag lieber Positivlisten. Übrigens finde ich „Romanina del bajon“ und „Cerasella“ von Robertino gehören unbedingt auf eine Positivliste mit „Liedern, die unerwartete Reaktionen in jede Party bringen“. Mir gefallen die Lied zudem.

https://m.youtube.com/watch?v=x6FqjoLe-JQ

https://m.youtube.com/watch?v=Kr5FsCKnbn4

Mir gefĂ€llt aber auch sowas – asiatische Hits, die von westlichen Medien komplett ignoriert werden und trotzdem trifft man hier (zwar selten) Leute, die diese Lieder kennen:

https://m.youtube.com/watch?v=K_xTet06SUo

Ich wĂŒrde mich ĂŒber einen Bericht ĂŒber die Wagakki Band sehr freuen. Vielleicht habe ich dann eine Chance, die Band mal live in Europa zu erleben. Ich weiß nicht, aber irgendwie habe ich das GefĂŒhl dieser Leserbrief gehört auf eine Liste mit Leserbriefen, die man nur deshalb schreibt, weil man sich mit einer schlaflose Nacht herumschlĂ€gt. Außerdem will ich keinen weiteren Leserbrief zu Putin und Kriegsverbrechen schreiben. Meine Meinung dazu: Kriegsverbrechen gibt es nicht, da Krieg an sich ein Verbrechen ist. Der Begriff „Kriegsverbrechen“ wurde nur erfunden, um Kriegen eine Art zivilisatorisch-saubere Berechtigung zuzusprechen. Man darf sich auch in beschissenen Zeiten ohne schlechtem Gewissen mit Unbedeutendem BeschĂ€ftigen – stimmt doch, oder? Ich liebe Musik und freue mich ĂŒber jeden Beitrag. Schreiben Sie ĂŒber die Wagakki Band. Die Band gibt eine Menge her. – Christian Fahn 

 

Durch die wunderbare und ideenreiche Beschreibung der schrecklichsten Hits, “ “ in einer so Trump-artigen Sexiness, “ „dieses Lied ist ein Kipplader voller aggresiver, pausbackiger Fröhlichkeit,“ oder “ um diese Eurodance-Verbrechen fĂŒr immer verbieten zu wollen“ werden die 37 Liedchen in eine akademische, kreative Ebene gehoben. Das Ganze erinnert mich an Ausstellungen der „modernen Kunst“ in Museen, wo beliebiger MĂŒll zusammen getragen wurde und die schwarz gekleidete Kuratorin mit einem Feuerwerk von philosophischen, abstrakten, tiefgreifenden und natĂŒrlich
farbig-kritischen AusdrĂŒcken das Kunstelend hochlobend “ liftet „. Die schrecklichsten Hits und der KunstmĂŒll haben eines gemeinsam: eine volumimöse Leere. – Reinhard Schmitz

 

Sehr gelungen! Einerseits beim Lesen getragen von leichtem Grusel, ob wohl ein eigener Lieblingssong mit dabei ist, und andererseits schmunzelnd den persönlichen AusfĂŒhrungen der Autoren zu ihren AnimositĂ€ten zu folgen. Da mag sich Chat GPT noch so entwickeln, solch eine herrlich leichte StĂ€nkerei mit viel Sprachwitz bleibt dem Menschen ĂŒberlassen. In Vorfreude auf die Seite mit den 37 Lieblingssongs
 – Norbert Schönewald, Meitingen

 

Auch Die Zeit hat ihren Musikbanausen! – Thomas Walter.

 

Ich war sehr ĂŒberrascht, als ich zwei UmstĂ€nde entdeckte:

  1. Die Zeit bringt ein Sortiment an Hass-Hits bzw. Anti-Hits und
  2. mein Hauptfavorit fĂŒr diese Liste fehlt dort.

Es handelt sich um Reinhard Mey „Über den Wolken“. Dazu muss ich eine Vorgeschichte bringen: Ich bin Jahrgang 1955 und seit meiner Teenagerzeit Fan von Reinhard Mey. Der Song macht mich wĂŒtend, weil er diesen Star durch die Ignoranz der Musikredakteure zum One-Hit-Wonder degradiert. So als wĂŒrde man von ABBA nur noch „Waterloo“ senden oder von Udo JĂŒrgens nur noch das „Ehrenwerte Haus“. Leute, seit Jahrzehnten singt und schreibt sich der Mann die Seele aus dem Leib, jetzt ist er bald 80 und was von ihm bleiben soll, ist dieses Party-Gegröhle mit FluglĂ€rm als Einleitung und Abschluss? Was ich als Therapie fĂŒr Medienverantwortliche vorschlagen wĂŒrde: Ab ins Schallarchiv, Reinhard Mey kennenlernen! Vielleicht mal wieder „Ankomme Freitag den 13.“ oder von mir aus auch „Herbstgewitter“, wenn man es romantischer mag. – Bernhard Fritzenschaft

 

Schade, dass ich gerade ein Jahresabo abgeschlossen habe. Wenn ich den musikalischen Anti-Geschmack der Zeit-Autoren und Autorinnen gekannt hĂ€tte, hĂ€tte ich mir das nochmal ĂŒberlegt. –Walter Conrad

 

4 Non Blondes „Whats up“ – Einverstanden, den Text muss man sich nicht merken. Aber wer den enormen Stimmumfang von Linda Perry da nicht hört, sollte nicht ĂŒber Musik schreiben – denn das ist wirklich peinlich! Pink und Lady Gaga haben z.B. ein Cover versucht und kommen nicht annĂ€hernd an das Original heran. – Gerhard Schwab

 

Gut, diese Liste der schrecklichsten Hits könnte man noch endlos weiterfĂŒhren, aber das waren nun einmal Hits und Menschen haben diese Scheiben gekauft, wenn auch nur aus einem kĂŒhlen Grunde! Einige meiner Hits sind natĂŒrlich auch in dieser Liste enthalten, welche das sind, das werde ich hier nicht verraten. In der deutschen Übersetzung von „WhatÂŽs up?“ der „4 Non Blondes“, die auf dieser Liste auf Platz 14 gelandet, sind singen sie: „25 Jahre habe ich schon gelebt und noch immer versuche ich hinauf zu kommen, auf diesen großen hohen Berg der Hoffnung, um ein Ziel zu haben!“

FĂŒr die „4 Non Blondes“ blieb das der einzige Hit, die vier Damen waren vielleicht nur ganz kurz auf diesem großen und hohen Berg der Hoffnung. Ob sie wohl von dort oben aus ihr Ziel gesehen haben? – Ihr Klaus P. Jaworek

 

Es stimmt schon, nicht alle Songs auf der Hit-Liste sind hörenswert. DafĂŒr sind die GrĂŒnde der ZEIT-AutorInnen, warum dem so ist, umso origineller und unterhaltsamer. Überdies könnte dieses „Schwarzbuch der Popmusik“ natĂŒrlich um beinahe jedweden Sommerhit erweitert werden. – Matthias Bartsch

 

Mein Papa (Jg 1910) hĂ€tte sinngemĂ€ĂŸ, aber viiiel freundlicher gemeint: PrĂ€pubertĂ€rer Stuss (Kinderkram) ĂŒber Sachen, von denen man nix weiß (völlig verpeilt ist). Endlich postpubertĂ€re 72JĂ€hrige (ich) fragt: Wer macht sich da an meinem Blutdruck zu schaffen?

– Angeblich geringer Zeitaufwand (Imagine, z,Zt. des Vietnam-Kriegs) zeugt von schlechtem Song?

– Udo Lindenberg trĂ€gt Hut statt Glatze und das ist doof und EIN Lied gleich mit?

– Remake von Judy-Garland-Song ist kitschig? Ja! Aber das Lied doch nicht gleich mit.

– Bossa Nova ĂŒbergehört und Stan Getz gleich mit?

– u.v. Quatsch mehr …

Ich finde, mein Vater hat recht; wenn er DAS wĂŒsste! – Gudrun von Felde

 

In einer Zeit, in der „Angst, Krieg, Depressionen“ die „BeitrĂ€ge“ Ihrer Redaktionen beherrschen, bedrucken Sie zwei großformatige ( teure ) Seiten mit einem derartigen „deprimierenden Quatsch“ – ĂŒber die „Empfehlungen der Lieblingshits“ erfahren wir dann wieder etwas zu Ostern und Weihnachten?! Dieser Stil ist niveaulos , Geschmacklos – ja, schlecht. Ist das die „ZEITenwende“? – Hans-Joachim Niedziela

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Streicht Privilegien!“ von Roman Pletter

 

Der naheliegendste Vorschlag unterbleibt, den Rotstift beim grĂ¶ĂŸten Ausgabenposten anzusetzen, dem Sozialbudget, dessen Gesamtausgaben 1 Billionen ĂŒbersteigt. Die prĂ€sentierte Sparliste sind dagegen ever greens. Flugbenzin im Alleingang zu besteuern, ist sinnlos, weil der nĂ€chste Airport nicht weit ist. Beim Diesel, im Ausland meist ebenfalls begĂŒnstigt, muss die höhere Kfzsteuer gegengerechnet werden. Im Transportgewerbe machbar, aber preissteigernd und im grenzĂŒberschreitenden Verkehr ein Wettbewerbsnachteil. So auch bei UmsĂ€tzen in der Gastronomie , die europaweit ebenfalls bevorteilt wird. Bei der Pendlerpauschale geht es um Asymmetrie und Antagonismus Stadt versus Land. Weit mehr als 50 % leben auf dem Land , meist notgedrungen, weil in der Stadt nicht genug Wohnraum verfĂŒgbar wĂ€re. Die Pauschale quasi als Trostpflaster. Substanz hĂ€tte einzig die Erbschaft- und Schenkungsteuer. Das jetzige Modell mit begĂŒnstigtem sog. Schonvermögen war ein respektabler Erfolg der Wirtschaftslobby, die die Politik mit dem Menetekel eines sterbenden Mittelstandes konfrontierte. Über alle Ideologischen GrĂ€ben hinweg liegt die Lösung in einer Flatrate: geringe SĂ€tze auf alles, keine Ausnahmen. Das fĂ€nde selbst bei den Lobbyisten Anklang. Vorbild ist die Reform der Grunderwerbsteuer 1982, bei der die Ausnahmen ( ĂŒber 90 % ) die Regel waren. Nebenbei: Die amtierende Regierung ist selbst kein Vorbild mit dem weltweit grĂ¶ĂŸten Kanzleramt und tausenden neuen Stellen. – Christoph Schönberger

 

Beim streichen klimaschĂ€dlicher Subventionen bin ich ganz bei Ihnen. Unternehmenssteuern mĂŒssen sich aber EU-weit und sogar weltweit in einem abgesprochenen Rahmen bewegen, um die grassierende Steuerflucht der multinationalen Konzerne einzudĂ€mmen. Starbucks, Amazon, Google, Lufthansa und Co. schaffen immer mehr Gewinne außer Landes. Dadurch obliegt es den Arbeitnehmern, mit immer höheren Abgaben fĂŒr das Gemeinwohl des Staates aufzukommen und Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, usw. zu finanzieren. Die Konzerne profitieren wiederum von den gebildeten, gesunden und mobilen Arbeitnehmern, schöpfen dadurch mehr vom gemeinschaftlichen Gewinn ab, ohne dem Land etwas zurĂŒckzugeben. Wenn die Staaten untereinander mit immer gĂŒnstigeren Unternehmensteuern konkurrieren, verlieren wir am Ende alle. Um den Krisen erfolgreich die Stirn zu bieten, mĂŒssen gerade jetzt die Energiebetriebe, VW, Amazon, Lufthansa und Co. mit ihren aus fossilen GeschĂ€ften eingenommenen Milliarden Rekordgewinnen mithelfen. Sollten diese nicht ausgeschĂŒttet, sondern in nachhaltige Projekte gesteckt werden, könnte man ĂŒber einen Steuernachlass reden. – Klaus Siersch

 

In „Streicht Privilegien“ von Roman Pletter ist zu lesen: „Regieren als vormoderne Textexegese mag evangelikale Originalisten begeistern.“ Dieser Satz an der Stelle scheint mir nur den Zweck zu erfĂŒllen, dass der Verfasser sich selber begeistert auf die Schulter klopfen kann, zu welchen Wortzusammenstellungen er fĂ€hig ist. Blubbert das so aus einem heraus oder feilt man daran eine Stunde? – Brigitte Wiechmann

 

Wie man mit einem einzigen Artikel die Reduzierung dieser Bundesregierung auf einen einzigen, allein bestimmenden und handelnden Minister bzw. Ministerin begrĂŒnden kann, hat Roman Pletter ĂŒberzeugend abgeliefert. Man muss das Verfasste nur ausfĂŒhren. – JĂŒrgen Dressler 

 

In Deutschland hatten wir einmal einen Finanzminister, etwa in den Jahren 1970 bis 1980,kann auch ein anderer Zeitraum gewesen sein. Er hieß Stoltenberg, der ruhige aus Kiel. Er hat eine SteuerermĂ€ĂŸigung von damals 50 Milliarden durchgesetzt, entgegen der sog Experten, nur das Ergebnis war ĂŒberwĂ€ltigend, weil er BĂŒrger mehr Geld in der Tasche hatte und die Steuern nur so sprudelten. Warum erinnert sich heute von den sogen Experten niemand mehr daran??? – B. Zipfel

 

Hat Roman Pletter wenigstens einen Moment darĂŒber nachgedacht, welche Berufsgruppen das Privileg haben, Nacht- und Wochenendarbeit leisten zu dĂŒrfen? – Andreas Zeder

 

Lieber Herr Pletter, mit Befremden habe ich ihren Kommentar zur Streichung von Privilegien gelesen. Recht haben sie mit den Subventionen von Diesel, Flugbenzin und LangstreckenflĂŒgen. Ebenso könnte ich die UnterstĂŒtzung der Kultur mit dem halben Steuersatz unterstĂŒtzen. Bedenken sollten sie aber auch, dass der Print der Zeit auch unterstĂŒtzt wird. Sehr ĂŒberheblich, empfinde ich, fĂŒr einen Redakteur der Zeit, der von 0900 bis 1700 Uhr arbeitet, sich an die Steuerfreiheit der ZeitzuschlĂ€ge fĂŒr Nacht- und Sonntagsarbeit zu stören. Überlegen sie mal bitte, wann ihre Zeit gedruckt wird. Desweiteren arbeiten gerade viele Niedriglohngruppen in der Kranken- und Altenpflege rund um die Uhr, mit entsprechender Beeinflussung in den Familien. Weiterhin sind nur 25% der ZeitzuschlĂ€ge steuerfrei und generell nicht Sozialabgaben frei. Der finanzielle Vorteil im Jahr fĂŒr Schichtarbeiter:innen ist geringer, als sie mit ihrem Presseausweis auf den Bezug eines neuen KfzÂŽs an Rabatt vom Hersteller einheimsen. Also bitte korrekt recherchieren und sich an die eigene Nase fassen. – Klaus Koßmann

 

Ist die sog. Pendlerpauschale ein klimasschĂ€dliches Steuerprivileg? Im deutschen Steuerrecht dĂŒrfen Ausgaben, die der Erzielung von Einnahmen dienen, steuerlich abgesetzt werden. Und zwar meist in der tatsĂ€chlich entstandenen Höhe; das nennt man Werbungskosten. Die Ausgaben fĂŒr die tĂ€gliche Fahrt ins BĂŒro sind unbestreitbar solche Werbungskosten. FĂ€hrt man als SelbstĂ€ndiger oder Freiberufler mit dem PKW zu seiner WirkungsstĂ€tte, so können pauschal 0,35 Euro pro gefahrenen Kilometer abgesetzt werden oder wahlweise können die tatsĂ€chlichen Kosten nachgewiesen werden.

Pendlerpauschale heißt allerdings, dass Angestellte und Arbeiter fĂŒr die Fahrt in die Arbeitsstelle keineswegs 0,35 Euro pro gefahrenen Kilometer absetzen dĂŒrfen. Sie dĂŒrfen nur die sog. Pendlerpauschale absetzen, das sind 0,30 Euro pro Entfernungskilometer, also 0,15 Euro pro gefahrenen Kilometer! Und diese Pauschale kann auch nicht durch nachgewiesene tatsĂ€chliche Kosten angehoben werden! Die Pendlerpauschale ist demnach kein Steuerprivileg, sondern eine steuerliche Benachteiligung, wenn man sein Einkommen mit abhĂ€ngiger BeschĂ€ftigung erzielt und mit dem PKW zur Arbeit fĂ€hrt!

Aber steht sie dem Klimaschutz im Wege? Die Pendlerpauschale gilt unabhĂ€ngig vom gewĂ€hlten Verkehrsmittel. Ein Fahrrad-Pendler wird steuerlich mit einem PKW-Pendler gleich behandelt. Im Ergebnis wird also die klimafreundliche Alternative deutlich gefördert und die klimaschĂ€dliche Alternative deutlich benachteiligt. Das kann man zurecht gut finden. Ein Steuerprivileg fĂŒr PKW-Fahrer ist sie aber keineswegs, und auch nicht klimaschĂ€dlich. – Wolfgang Adolf

 

FĂŒr ein gedeihliches Miteinander in einem Haus ist gegenseitige RĂŒcksichtnahme unabdingbar notwendig. Die Hausordnung (Koalitionsvertrag) ist derzeit nur Makulatur. Christian Lindner ist der Kassenwart, gefangen im Körper des Hausmeisters. Alle Ministerinnen und Minister sollen Ausgabedisziplin halten und möglichst sparen. Es lebe die Schuldenbremse. Aber diese muss atmen und mit Leben gefĂŒllt werden. Prinzipienreiterei fĂŒhrt in die Irre und nicht wie notwendig zu einem Wachstumspotenzial. Keine Steuererhöhungen bedeutet aber nicht unnötige, unsinnige und dem Klimaziel abtrĂ€gliche Subventionen auf den PrĂŒfstand zu stellen und auch abzuschaffen (Diesel, Kerosin, reduzierte MehrwertsteuersĂ€tze, Pendlerpauschale und so weiter und so fort) umso Geld fĂŒr die Kindergrundsicherung, Entlastung der unteren und mittleren Einkommen sowie die Verringerung der Unternehmenssteuer zu generieren. Von dem Umbau des Kanzleramtes und der AufblĂ€hung des Beamtenapparats der Ministerien zu schweigen. Erstmal sehen was sich machen lĂ€sst und dann machen was sich sehen lĂ€sst. Nicht wie bisher ĂŒber die Zeitenwende zu reden und dann wie beim Sondervermögen fĂŒr die Bundeswehr von 100 Milliarden bis heute keinen Cent abgerufen zu haben.

Der Staatshaushalt ist kein Selbstbedienungsladen und auch keiner „SparstrumpfmentalitĂ€t“ unterworfen. Das Geld das Herr Lindner verwaltet ist das Geld der Steuerzahler. Im Übrigen ist die immer wieder aufgeworfene Frage ob es nicht endlich mal an der Zeit ist Millionenerbschaften gerecht und/oder Ă€hnlich wie Erwerbseinkommen zu besteuern. Dann noch den Spitzensteuersatz von 42 % bis zu einem Jahreseinkommen von 277.826 €. DarĂŒber hinaus 45 % (Reichensteuer genannt). In der Ära Helmut Kohl galt von 1982 – 1990 ein Spitzensteuersatz von 56 % ab einem Einkommen von 130.000 DM. Wobei nicht unterschlagen werden darf, dass bei einem kreativen Steuerberater der grĂ¶ĂŸte Teil der Spitzensatzpflichtigen nur einen geringeren Anteil Steuern zahlt. Bei den immensen Aufgaben zur Klimarettung und den daraus erfolgenden enormen Kosten wĂ€re es angeraten Steuerschlupflöcher zu schließen und auch staatlicherseits dabei KreativitĂ€t an den Tag zu legen. Damit könnte unser „Kassenwart“ Christian einem echten Finanzminister Lindner gerecht werden. Wer das glaubt, glaubt auch das Zitronenfalter Zitronen falten! – Felix Bicker

 

Es wurde bereits viel ĂŒber das Dienstwagenprivileg oder die Pendlerpauschale geschrieben und gestritten. Beides Steuerprivilegien und damit Subventionen. Ersteres fĂŒr die Besserverdienenden, die zusĂ€tzlich zu ihrem Gehalt noch ein schickes Auto vom Arbeitgeber bezahlt und vom Staat steuerlich unterstĂŒtzt bekommen, letzteres eher eine Vereinfachungsregel um nicht die als Werbungskosten abziehbaren tatsĂ€chlichen Kosten berechnen zu mĂŒssen. Wen es interessiert, hier eine Berechnung unter folgenden Annahmen: Ein Kfz wird fĂŒr 20.000 € angeschafft und verbraucht 7l auf 100km bei einem durchschnittlichen Benzinpreis von 1,80 €. Das Kfz wird an 220 Tagen zur 35 km entfernt liegenden Arbeitsstelle genutzt und die Jahreskilometerleistung soll bei 30.800 km liegen (220x35x2=15.400 und nochmal so viel fĂŒr andere Fahrten=privat). Bei einer Nutzungsdauer von 6 Jahren und jĂ€hrlichen Kosten fĂŒr Versicherung, Kfz-Steuer, Reparaturen und sonstigem von 1.700 € kommt man auf Kosten von 0,30 € pro km, was der Pendlerpauschale fĂŒr die ersten 20 km entspricht, weil ja die Heimfahrt als privat veranlasst gewertet wird. Mit dem letzten Jahressteuergesetz wurde rĂŒckwirkend ab dem 01.01.22 gesetzlich geregelt, dass die Einnahmen im Zusammenhang mit bestimmten Photovoltaikanlagen (i.d.R. solchen, die sich auf PrivathĂ€usern befinden) steuerfrei sind. Problematisch daran ist nur, dass die Ausgaben, die im Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen stehen, steuerlich nicht geltend gemacht werden dĂŒrfen. Bei einer EinspeisevergĂŒtung von 7 Cent pro kWh ist es heute nahezu unmöglich einen Totalgewinn mit kleinen Anlagen zu erzielen, so dass der jĂ€hrliche Verlust bisher die Steuerlast gemindert hat (was ja eine Steuersubvention darstellt). Meine Wahrnehmung bisher war, dass die Bundesregierung die erneuerbaren Energien ausbauen möchte und Herr Lindner vehement den Standpunkt vertritt die Streichung von Privilegien wĂ€ren indirekte Steuererhöhungen und das wĂ€re mit ihm nicht zu machen. Wer, wenn nicht die Mittelschicht könnte es sich leisten, Photovoltaikanlagen auf ihren EinfamilienhĂ€usern anzubringen und damit einen Beitrag zur Energiewende zu liefern? Warum es dann nicht bei der bisherigen Regelung belassen, nach der man zur Liebhaberei optieren konnte und damit die Wahl hatte, ob man die Einnahmen und Ausgaben versteuern möchte oder nicht? Herr Lindner hat mit diesem Gesetz bewiesen, dass er Steuersubventionen streichen kann, jetzt muss er nur noch lernen die richtigen Privilegien zu streichen, um Deutschland sozialvertrĂ€glich und klimagerecht umzubauen. – Julia Thömen

 

Sehr geehrte Damen und Herren, Wesentliche Steuerprivilegien sind nicht aufgefĂŒhrt:

  1. Sogenannte Freiberufler wie Ärzte, RechtsanwĂ€lte und sonstige „geistige“ TĂ€tigkeiten sind von der Gewerbesteuer befreit. Ein Privileg, dass sich die damals einflussreiche Elite zugeschanzt hat. Handwerker, produzierendes Gewerbe und Handel zahlen Gewerbesteuer. Jede Arbeit leistet einen positiven Beitrag fĂŒr die Gesellschaft und ist steuerlich gleichzustellen; d.h. dieses Privileg ist abzuschaffen! Die Steuerbasis wird verbreitert und die -sĂ€tze können reduziert werden.
  2. Selbstgenutztes Wohneigentum ist einkommensteuerfrei. Beispiel: Jemand hat 500.000 €. Ein Haus wird gekauft und selbst bewohnt. Keine Einkommensteuer zu zahlen. Die 500.000 € werden in Aktien investiert und eine Wohnung gemietet. Die ErtrĂ€ge aus Aktien sind zu versteuern; die Miete bleibt einkommensteuerlich unberĂŒcksichtigt.

Die vorgenannten Privilegien sind schwer abzuschaffen, da große Bevölkerungsgruppen davon betroffen sind. Die maßgebenden Parteien werden sich da kaum die Finger verbrennen wollen. – Ernst Lothar Helwig

 

Leider werden mal wieder die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen hervorgeholt, wie z.B. die Dieselsteuer. Welchen Effekt verspricht sich der Autor? Weniger GĂŒterverkehr auf der Straße, mehr GĂŒter auf der Schiene?! Genau, weil der deutsche LKW so wettbewerbsfĂ€hig ist, werden mittlerweile fast 50 % des deutschen Mautaufkommens durch osteuropĂ€ische LKW verursacht. DarĂŒberhinaus sitzen auf deutschen LKW zu 50 % osteuropĂ€ische LKW Fahrer bezahlt nach deutschen Mindestlöhnen. Eine Abschaffung der gĂŒnstigeren Mineralölsteuer auf Dieselkraftstoff, wĂŒrde zum einen den GĂŒterverkehr in eine noch stĂ€rkere AbhĂ€ngigkeit von Osteuropa katapultieren und zum anderen fĂŒrs Klima eher negative Effekte haben. ZusĂ€tzlich wĂ€re durch gĂŒnstigeren Auslandsdiesel und osteuropĂ€ischen LKW Fahrern die deutsche Bahn noch weniger wettbewerbsfĂ€hig. Auch hatte der Bundesrechnungshof schon jetzt dem politischen Ziel 25 % des GĂŒterverkehrs im Jahr 2030 auf der Schiene abzuwickeln, als Utopie bezeichnet. Die Idee mittels Abschaffung dieser umweltschĂ€dlichen Subvention die Umwelt zu schĂŒtzen und Haushaltsmittel zu sparen, gleicht einem Rohrkrepierer! Gut gemeint ist leider wie immer gut gemacht! – Armin Klein

 

Wer FDP wĂ€hlt oder Mitglied dieser Partei ist, kennt nur ein Personalpronomen – ICH. Roman Pletter hingegen denkt das WIR mit, wenn er aus der Zeit gefallene Privilegien abschaffen will. Seine Überlegungen sind ökonomisch vernĂŒnftig, politisch klug und wenn man die Kategorie Zukunft hinzunimmt, verantwortungsbewusst. Mit diesem Geld könnten in der Tat untere und mittlere Einkommensschichten entlastet werden. Aber die FDP ist leider ideologisch zu verkrampft, eben nicht zukunftsfĂ€hig. – Helmut Schmitz

 

„Dabei wird der ökologische durch den demografischen Druck verstĂ€rkt: Weniger ArbeitskrĂ€fte mĂŒssen eine wachsende Zahl von Rentnern finanzieren.“ lesen wir in diesem Leitartikel. Christian Lindner antwortet mit dem „Generationenkapital“. Die gesetzliche Rente soll mit Aktien und anderen Kapitalanlagen modernisiert, die Steuer- und Beitragszahler entlastet werden. Nicht nur in der Rentenversicherung ist dieses Problem seit Jahren bekannt. Die BeitrĂ€ge in der Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung steigen und belasten die Lohnkosten fĂŒr Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Eine Lösung dieser Problematik ist bis heute nicht bekannt. Deshalb sollte das „Generationenkapital“ vollstĂ€ndig in die Energiewende investiert und diese ErtrĂ€ge zweckgebunden zur Stabilisierung der BeitrĂ€ge in der Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung eingesetzt werden. Diese sicheren ErtrĂ€ge, Strom wird immer fließen, wird die Gesellschaft durch die Entlastungen bei den Lohnkosten stabilisieren. Wenn sich die WindrĂ€der fĂŒr alle Menschen in Deutschland drehen, kann das auch ihre Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen. NatĂŒrlich sind noch in vielen Bereichen Reformen notwendig. Es ist wichtig, dass die gesellschaftlichen Eliten endlich den Ernst der Lage erkennen und im demokratischen Streit neue Lösungen erarbeiten, auf den Weg bringen. Die Zeit der faulen Kompromisse, wie zum Beispiel in der Atomwirtschaft geschehen, muss vorbei sein. Hier haben es die verantwortlichen Eliten zugelassen, dass die Lasten, Kosten fĂŒr RĂŒckbau der Kernkraftwerke und die Entsorgung des AtommĂŒlls, der Gesellschaft zugeordnet und die Gewinne den Energiekonzernen ĂŒberlassen werden. In der Industrie 4.0, dem Zeitalter der vierten industriellen Revolution, muss die Finanzierung der Sozialversicherung, die Finanzierung des Staates an die VerĂ€nderungen angepasst werden. Das „Prinzip Hoffnung“ gilt auch hier! – Thomas Fouquet

 

Guten Tag Herr Pletter, kurz und prĂ€gnant ist Ihr Beitrag! Das gefĂ€llt mir und versöhnt mich etwas mit Ihrer Zeitung, welche nunmehr nur noch ab und zu erwerbe. Ihr Standpunkt entspricht im Übrigen m.E. der „SchnittflĂ€che“ der Meinungen der Forschungsinstitute. Übrigens: Hoffentlich haben Sie sich schon mit dem designierten Leiter des IfW, Moritz Schularick, befasst. Auf Seite 124 seines BĂŒchleins „ Der entzauberte Staat“ stĂ€rkt er Ihre Auffassung sehr. Überhaupt: Wir Nordlichter und Kieler Volkswirte freuen uns ĂŒber seien Berufung. Er schaut u.E. weit ĂŒber den Tellerrand hinaus. – Achim Zeidler

 


 

 

Leserbriefe zu „Wahlrechtsreform. Verschwindet die CSU aus dem Bundestag?“ von Peter Dausend

 

Die CSU fĂŒrchtet die 5%-Klausel?! Die Lösung wĂ€re im Prinzip recht einfach: Die CSU löst sich auf und tritt der CDU bei… Ich finde, nicht erst seit aber besonders auch nach der Debatte um die Autobahnmaut, die Partei CSU ist aus der Zeit gefallen. Als Regionalpartei hat sie einen unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig großen Einfluss auf die Bundespolitik. Wer findet das nicht ungerecht? Es kommt mir so vor, als habe ein bayerischer CSU-WĂ€hler eine viel gewichtigere Stimme als beispielsweise ein CDU-WĂ€hler aus ThĂŒringen oder Niedersachsen. Nebenbei: Man stelle sich vor, die CDU-Fraktion bestĂŒnde aus lauter Regionalparteien! Da sĂ€ĂŸen dann in einer Merkel-Regierung 16, in Worten sechzehn, MinisterprĂ€sidenten mit am Kabinettstisch. Was wĂŒrde Frau Merkel dazu sagen?? – Friedhelm Nowitzki

 

Keine Frage, eine Wahlrechtsreform mit dem Ziel der Verkleinerung des Bundestages war seit Jahren ĂŒberfĂ€llig. Doch die von der Bundesregierung beschlossene Änderung des Wahlrechts hat einen faden Beigeschmack, zumal allen voran die GrĂŒnen, die in ihren Wahlkreisen kaum Direktmandate erzielen, profitieren. Die SPD hat sich von den GrĂŒnen einmal mehr ĂŒber den Tisch ziehen lassen. Es ist kein Wunder, dass die CSU und die Linken vor Wut ĂŒber diese grĂŒne Dreistigkeit schĂ€umen. Die angekĂŒndigte Verfassungsklage gegen diese „grĂŒne“ Reform ist daher nur folgerichtig. Die CSU könnte sich den Gang nach Karlsruhe jedoch auch sparen, indem sie, wie man in Bayern sagt, das jahrzehntelange „schlamperte VerhĂ€ltnis“ mit der CDU beendet und gemeinsam mit der Schwesterpartei in den Hafen der Ehe einfĂ€hrt.

Die beiden Parteien werden nicht jĂŒnger. Der Vorteil wĂ€re, dass sie sich um ihren Nachwuchs besser kĂŒmmern könnten, wie es beispielsweise die grĂŒne Marketing-Maschinerie per excellence beherrscht. Es gibt im Grunde kaum noch Argumente gegen eine Hochzeit, zumal die jahrelangen heftigen SeitensprĂŒnge der frĂŒheren Parteivorsitzenden der CDU, Angela Merkel, mit ihrer heimlichen Lieblingspartei, den GrĂŒnen, der Vergangenheit angehören. Die CDU ist inzwischen fĂŒr liberal-konservative BĂŒrger wieder wĂ€hlbar. Ich hoffe, die Union, aber auch die Linken, haben nach diesem Affront der GrĂŒnen endlich verstanden, wer der eigentliche Gegner ist. – Alfred Kastner

 

Peter Dausend irritiert mit der Angabe, das chinesische Parlament habe ca. 1000 Mitglieder. Man liest sonst immer von ca. 3000 Mitgliedern des Volkskongresses. – Wilfried Nippel

 

In der Diskussion um das nunmehr verabschiedete neue Wahlrecht wurde ein entscheidendes Ursachenargument verdrĂ€ngt. Es gibt im Ergebnis nur drei Parteien, die „Überhangmandate“ erzielen können; die CDU, die SPD und die CSU. Nur bei der CSU als Regionalpartei sind die Überhangmandate stark problembehaftet. Bei der CDU und bei der SPD fĂŒhrt ein mögliches Überhangmandat allgemein zu 2- 4 Ausgleichsmandaten. Bei der CSU dagegen fĂŒhrte ein Überhangmandat bei den letzten Wahlen jeweils zu 12 bis 20 Ausgleichsmandaten. Bei einer weiteren SchwĂ€che der CSU bei den Zweitstimmen kann bei Beibehaltung des bisherigen Wahlrechts sogar ein Überhangmandat bis zu 40 Ausgleichsmandate zur Folge haben.

Im Jahr 2021 sind alle ca. 130 Ausgleichsmandate ausschließlich auf das WĂ€hlerverhalten der bayrischen WĂ€hlern zurĂŒckzufĂŒhren; d.h. die „CSU“ hatte zu wenig Zweitstimmen im Vergleich zu der Dominanz bei den Erstimmen ( 45 von 46 Wahlkreise wurden von der CSU gewonnen). Bayern stellt ca. 15,5 % der WĂ€hlerschaft aber gut 30% der Abgeordneten verdanken ihr Bundestagsmandat direkt oder indirekt dem Wahlverhalten der stimmberechtigten WĂ€hlern in Bayern.

Wenn die Hebelwirkung einer reinen Regionalpartei auf die Ausgleichsmandate so extrem ist, und damit eine Partei mit 5,2% der bundesweiten Gesamtstimmen quasi allein oder zumindest maßgeblich die GrĂ¶ĂŸe des Bundestags bestimmt, muss der Gesetzgeber genau dort ansetzen, um das zu begrenzen. Das ist nunmehr geschehen. Da Karlsruhe eindeutig entschieden hat, dass das politische KrĂ€fteverhĂ€ltnis ausschließlich nach der Zweitstimme bestimmt wird, hat das im neuen Wahlrecht zu diesen Konsequenzen gefĂŒhrt . Im Ergebnis sagt Karlsruhe, dass die Bedeutung der Erststimme entsprechend einer neuen NormgrĂ¶ĂŸe relativiert werden muss bei Beibehaltung des Zweitstimmenproporzes. Dies ist nunmehr geschehen mit der Erhöhung der MindestgrĂ¶ĂŸe von 598 auf 630.

Wenn die CSU eine Bundespartei wĂ€re und keine Regionalpartei wĂŒrde es dieses Problem nicht geben und man könnte noch mit dem alten System weiter wĂ€hlen. Wegen der „Bayrischen Extrawurst/ Sperrhaltung“ haben alle BĂŒrger in den letzten Jahrzehnten mehrere € 100 Mio. extra gezahlt. ( = T€ 500 x ca. 130 Ausgleichsmandate mal 4 Jahre fĂŒr eine Legislaturperiode) – Roland Framhein

 

Zu Ihrem lesenswerten Beitrag ĂŒber die jetzt beschlossene Wahlrechtsreform möchte ich wie folgt Stellung nehmen: Herr Stefinger erklĂ€rt die Wahlrechtsreform zum Angriff auf die direkte Demokratie. Er vergisst dabei, dass es derzeit vielen Direktmandaten an LegitimitĂ€t mangelt, zumindest denen, die mit vielleicht nur einem Viertel der Erststimmen errungen wurden. MdBs sollten sich aber ein solides Mandat stĂŒtzen. Das schreit nach Stichwahlen. Als willkommene Nebenwirkung dĂŒrfte dadurch auch die Zahl der Überhangmandate drastisch fallen. So könnte ansonsten alles beim Alten bleiben: Jedem Wahlkreis seine(n) eigene(n) MdB im Parlament, und die Grundmandatsklausel könnte auch bleiben. Kleiner Nachteil: Das Wahlergebnis stĂŒnde erst zwei Wochen spĂ€ter fest. Gegessen! Warum kommt da bloß keiner drauf, selbst bei der CSU nicht? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! – Franz Ulrich HĂ€usler

 

Vergleiche hinken meist schwer, aber wennÂŽs um eine Schrumpfkur geht, da vielleicht nicht gar so sehr! Kann man wirklich das Schließen von 52 KaufhĂ€usern und die Verkleinerung des deutschen Bundestag ĂŒberhaupt vergleichen? Kann man auf alle FĂ€lle, so ich denke! Bei der Schließung der Galeria-KaufhĂ€user, da trifft es nur die braven Mitarbeiter, die immer pĂŒnktlich auf der Matte stehen und den ganzen Tag prĂ€sent sein mĂŒssen! Wenn der Bundestag mit seiner DiĂ€t-Kur ernst machen sollte, dann trifft es evtl. die Linken und die bayerische CSU am hĂ€rtesten! Egal, bei den Galeria-Mitarbeiter geht es um die blanke Existenz; aber bei den in den Bundestag gewĂ€hlten Politikern, da geht es nur um gekrĂ€nkte Eitelkeiten von Menschen, die bei vielen Sitzungen nur mit einer totaler Abwesenheit glĂ€nzen! – Klaus P. Jaworek

 

Die Wahlrechtsreform ist vielen WĂ€hlern schwer zu vermitteln, wenn gewĂ€hlte Direktkandidaten aus den Wahlkreisen nicht in den Bundestag einziehen dĂŒrfen! Mein Lösungsvorschlag: 298 gewĂ€hlte Frauen und MĂ€nner aus den Wahlkreisen ziehen in den Bundestag ein. 298 Mandate werden durch die Zweitstimmen vergeben. – Werner Niewöhner

 


 

 

Leserbriefe zu „Der Streit ist zurĂŒck“ von Simon Kerbusk et.al.

 

„Der Streit ist zurĂŒck“? Wohl eher „Die Emanzipation schreitet voran“! Die Streichung des Paragrafen 218 darf im 21. Jahrhundert nur noch eine Formsache sein. Macrons Vorschlag, das Recht auf Abtreibung in der Verfassung zu verankern, kann ich auch fĂŒr Deutschland nur begrĂŒĂŸen. Der Kampf der Frauen scheint endlos. HĂ€usliche Gewalt, Vergewaltigungen, ĂŒberfĂŒllte FrauenhĂ€user, Femizide, ungleiche Bezahlung – das alles sind Mittel zur Kontrolle der Frau. Hier reiht sich die Kriminalisierung der Abtreibung nahtlos ein. Das Recht des ungeborenen Lebens höher als das der bereits geborenen und unter uns weilenden Frau zu stellen, erschließt sich mir nicht. Sie ist hier, sie lebt, sie ist Teil unserer Gesellschaft. Hinzu kommt, dass die Abtreibungsgegner an Heuchelei kaum zu ĂŒbertreffen sind. Das Interesse am Schutz des Ungeborenen hĂ€lt nĂ€mlich nur so lange an, wie es ungeboren ist. Sobald aus dem Ungeborenen ein Kind wird, lĂ€sst das Interesse der konservativen KrĂ€fte rapide nach. Lieber schĂŒtzen sie die Altenheime, als die Bildung der Kinder zu sichern. Lieber in Straßenbau investieren, als in KitaplĂ€tze. Lieber nicht verzichten, als der kommenden Generation ein nachhaltiges Land bieten zu können. – Meike Vogt

 

Auch in Deutschland dreht sich das Klima immer mehr in Richtung der Auffassung, Abtreibung sei eine legale Sache. Insbesondere das, was die Mitglieder des Deutschen Juristinnenbundes (DJB), die meinungsstark der Kommission angehören, fordern, lĂ€sst mich als Christen, der das menschliche Leben fĂŒr ein Geschenk Gottes und fĂŒr unverfĂŒgbar hĂ€lt, frösteln. Im Grunde fĂŒhrt die Forderung nach einer Legalisierung von Abtreibungen vor Augen, wie lebende Vertreter des von Nietzsche entworfenen „tollen Menschen“ argumentieren und wohin eine Ethik fĂŒhrt, der jede Transzendenz abhandengekommen ist.

Ich empfehle die LektĂŒre von Peter Singer (sic!), der nachweist, dass alle Versuche, Abtreibung zu legitimieren, scheitern, sofern man dem ungeborenen Kind qua Speziesismus das Personsein zuspricht. FĂŒr ihn machen erst Bewusstsein, Autonomie und RationalitĂ€t den Menschen zur Person. Und mit dieser Logik schlĂ€gt er vor, Kinder bis zum Erreichen dieses Zustandes ebenso wie Demenzkranke oder geistig behinderte Menschen Tieren gleichzusetzen. Er wagt auszusprechen, was mir schon lange klar ist: Abtreibung, Euthanasie und aktive Sterbehilfe hĂ€ngen aufs Engste zusammen.

Ich plĂ€diere aus GewissensgrĂŒnden daher fĂŒr die einzige Alternative zu dieser furchtbaren, post-christlichen Kultur des Todes: dem ungeborenen Menschen das volle Personsein zuzusprechen und damit ein uneingeschrĂ€nkte Lebensrecht zuzugestehen! – Marcel Haldenwang

 

Wie ein Mensch im Alter von 12 Wochen aussieht, kann sich heute jeder bei Google anschauen. Bestreiten zu wollen, dass bei einem Schwangerschaftsabbruch ein Mensch getötet wird, ist hiernach mĂŒĂŸig. Auch der zeitliche Ablauf zwischen und nach Gerichtsurteilen oder die Einmischung einer neuen Frauengeneration in die Debatte Ă€ndert hieran nichts. Es wĂŒrde der Erörterung des Themas guttun, wenn sich die Betrachtung zumindest in gleichem Umfang auf das Opfer des Schwangerschaftsabbruchs richten wĂŒrde wie auf die Schwangere selbst. Denn es ist nicht die Frau, die, von AusnahmefĂ€llen abgesehen, ihre bei entsprechender Umsicht vermeidbare Schwangerschaft mit dem Leben bezahlt, sondern der Mensch, der in ihr seiner Geburt entgegenwĂ€chst.

Niemand stellt das Recht der Frauen in Abrede, ĂŒber ihren eigenen Körper ausschließlich selbst zu bestimmen. Mit ihrer Entscheidung fĂŒr einen Schwangerschaftsabbruch bestimmt eine Frau jedoch nicht nur ĂŒber ihren eigenen Körper, aus dem sie den Embryo entfernen lĂ€sst, sondern sie bestimmt damit zugleich auch ĂŒber den Körper eines anderen Menschen, dessen Leben sie mit dem Eingriff zerstören lĂ€sst. Der Körper und das Leben dieses Menschen gehören aber eben nicht ihr, sondern allein dem Ungeborenen, dem sie insoweit dasselbe Recht zugestehen muss, das sie fĂŒr sich selbst in Anspruch nimmt.

Die mit dem Schwangerschaftsabbruch verbundene Problematik lĂ€sst sich weder durch Strafbestimmungen noch durch Gerichtsurteile noch durch Kommissionen zufriedenstellend lösen, weil menschliches Leben unteilbar ist und alle Beteiligten dies im Grunde genau wissen. Die Kommission wird nun wieder monate- oder jahrelang nach GrĂŒnden und Rationalisierungen suchen, mit denen das schlechte Gewissen angesichts der Tötung ungeborenen menschlichen Lebens beruhigt werden kann. Dabei kann die Lösung allein darin liegen, dass die menschliche Gemeinschaft in ihrer Verantwortung fĂŒr das Leben Wege findet, auch dem nicht gewollten ungeborenen Leben gleichwohl eine Chance zu geben. Und dies ist wahrlich nicht allzu schwer. – Bernhard Langlotz

 

Ein Gedanke der mir bei der ganzen Diskussion immer fehlt, ist folgender: Machen wir es uns als Gesellschaft nicht zu leicht, wenn wir einfach „nur“ den Paragraphen abschaffen? Legen wir damit nicht noch mehr Last auf werdende MĂŒtter? nach dem Motto, „sie hĂ€tte ja abtreiben können, wieso sollen wir sie denn jetzt unterstĂŒtzen?“. Wir brauchen Hilfsangebote fĂŒr Frauen, damit ein Leben mit dem Kind keine Zumutung ist, weder fĂŒr Mutter noch Kind. Wir brauchen AufklĂ€rung und Möglichkeiten zur VerhĂŒtung im Niedrigschwelligen Bereich, damit es gar nicht erst zu Schwangerschaften kommt. Und ja, wir brauchen auch die Möglichkeit legal und sicher abzutreiben. Aber das sollte wirklich der freie Wille der Frau sein und nicht die Konsequenz aus (materieller) Not. – Julia Spreng

 

HĂ€tte Deutschland in den 3 Millionen FĂ€llen der Abtreibung aus wirtschaftlichen und sozialen GrĂŒnden seit 1990 jeder Frau oder Familie die UnterstĂŒtzung gewĂ€hrt, die aufgebracht werden muss, um Zugewanderten Wohnung, Verpflegung und Unterricht zu geben , dann hĂ€tten wir keinen ArbeitskrĂ€ftemangel . Die nicht abgetriebenen Kinder könnten in den vorhandenen Wohnungen aufwachsen, lernten die Muttersprache und bekĂ€men Schulbildung. Sie wĂ€ren bereit, wie die anderen, fĂŒr die Gesellschaft Verantwortung zu ĂŒbernehme und suchten sich ihr Arbeitsfeld und GlĂŒck. So aber fehlen uns die Personen fĂŒr die ArbeitsplĂ€tze , unsere Gesellschaft muss sich der Leihmutterschaft der asiatischen und afrikanischen LĂ€nder bedienen, um den ArbeitskrĂ€ftemangel zu beheben versuchen, und fĂŒr die Zuwandernden ErnĂ€hrung, Wohnung und Ausbildung ĂŒber mehrere Jahre zur VerfĂŒgung stellen, bis sie sich integrieren können. Abtreibung ist also doppelt teuer. Dazu mĂŒsste es nicht kommen, wenn alle, die wissen , wie man verhĂŒtet, und es lassen, aufs Poppen verzichteten. Im Übrigen ist doch pervers, dass die Erzeuger von unerwĂŒnschten KĂŒken diese leben lassen mĂŒssen, aber im Falle von ungewolltem menschlichen Leben dieses beendet werden darf. Tierisches Leben ist geschĂŒtzt , menschliches nicht. – Alois Lienhard

 

ZunĂ€chst einmal bin ich sehr ĂŒberrascht – da ist ein Foto von „Deutschland 1973“ von einer Demo gegen § 218. Ich habe zu der Zeit in Berlin und Potsdam studiert und kann mich an keine einzige solche Demo erinnern – weil seit MĂ€rz 1972 die Abtreibung völlig legal war!!! Bin ich vielleicht Nigrant in die BRD und hab das nie gemerkt???

Aber im Ernst: Auch, wenn das ja fast einer SĂŒnde wider den Heiligen Geist gleichkommt, sollte man bei der jetzt mal wieder geplanten Diskussion zu diesem Thema vielleicht endlich mal die Erfahrungen aus dem Teil Deutschlands nutzen, der mit freigegebener Abtreibung Erfahrungen gemacht hat. Es gibt nicht nur genĂŒgend Frauen, sondern auch GynĂ€kologen, die dazu viel sagen könnten. Denn es gab damals nicht nur aus ethischer Sicht – Schutz des Lebens, Selbstbestimmung der Frau – viele Diskussionen, sondern auch zur medizinischen Seite – Gefahren durch den Abbruch, speziell bei Erstschwangerschaften und gewissen körperlichen Bedingungen der betroffenen Frau, psychische Folgen fĂŒr diese.. Da es qua Gesetz KEIN Tabu-Thema war, fanden dazu durchaus intensive GesprĂ€che statt.

Wir leben nicht mehr im Mittelalter – und eine fachlich korrekt begleitete Abtreibung ist mit Sicherheit gesĂŒnder als „Cyankali“ (Fr. Wolf), heiße SitzbĂ€der oder SprĂŒnge von SchrĂ€nken – und was es da nicht alles gab und gibt
Wie viele Mitglieder der genannten Kommission verfĂŒgen denn ĂŒber Erfahrungen?? – Eva KĂŒhnel

 


 

 

Leserbriefe zu „Deine Zwei ist meine Vier“ von Thomas Kerstan

 

Das Gegenteil von dem, was die KMK da vorhat, tut m. E. not. In den Gymnasien wird seit Jahren unentwegt eine Sau nach der anderen durchs Dorf getrieben: zunĂ€chst die Umstellung von Lernzielen auf „Kompetenzen“, dann (in NRW) die auf G8, anschließend die aufwendige und krĂ€ftezehrende RĂŒckabwicklung, jetzt also die abermalige grĂŒndliche „Reform“ der gymnasialen Oberstufe. Dabei sind es v. a. verhinderte Lehrer, die in teuren und obsoleten Gremien nach einer Rechtfertigung fĂŒr ihre hohen BezĂŒge trachten und deswegen solche Reformen auf den Weg bringen und damit die Lehrer, die an der Basis die KĂ€rrnerarbeit leisten, verschleißen.

Erinnert sei an die Einsichten des Philosophen Konrad Paul Liessman in dem brillanten Buch „Praxis der Unbildung“ zum Thema „Schule“, der diese Umtriebigkeit pointiert „Diktatur der GeschĂ€ftigkeit“ nennt. Das Schleifen der bisherigen schriftlichen PrĂŒfungsformate und Klausuren und die Forderungen nach alternativen PrĂŒfungsformaten folgt der von Liessman als „Analphabetismus als geheimes Bildungsziel“ bezeichneten Agenda.

Im Übrigen ist JĂŒrgen Kaubes brillantem bildungssoziologischen Buch mit dem Titel „Ist die Schule zu blöd fĂŒr unsere Kinder?“ zuzustimmen, wonach zentrale PrĂŒfungen das Gegenteil von dem bewirken, was sie beabsichtigen, und zwar zur Absenkung der Leistungsanforderungen fĂŒhren und eine grĂ¶ĂŸere Gerechtigkeit nur vortĂ€uschen. Liebe KMK, bitte lassen Sie uns Lehrer einfach unsere Arbeit auf dem gewohnt hohen Niveau tun und verschonen Sie uns mit Ihren Reformvorhaben! – Marcel und Eva Haldenwang

 

Wie kommt es, dass in Baden-WĂŒrttemberg 2022 ein Viertel der Abiturienten mit Noten zwischen 1,0 und 1,9 abgeschnitten haben? Besser als die Jahre davor. Haben nicht die Eltern, Lehrkörper, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sowie die politisch Verantwortlichen drei Jahre lang die Schulsituation wĂ€hrend der Pandemie beweint. Zu wenig Schulunterricht, die Digitalisierung und der persönliche Kontakt fehlt usw. Jetzt diese Ergebnisse. Kann das an den BeurteilerInnen und Beurteilern liegen.? Wenn eine Schulklasse einen so guten Notenschnitt hat, muss die Lehrkraft doch auch Spitze sein, oder? Tja, auch LehrkrĂ€fte sind halt nur Menschen. – Dieter Kolb

 

Vergleichbarkeit bei Abiturnoten herzustellen ist ein hehres Ziel, das aber nie auch nur nĂ€herungsweise erreicht werden wird. Und das liegt nicht nur am Föderalismus und an der Kulturhoheit der LĂ€nder. Sogar an derselben Schule und in derselben Klassenstufe können die Bewertungen von Lehrer zu Lehrer höchst unterschiedlich ausfallen, sogar bei derselben Aufgabenstellung und in „exakten“ FĂ€chern wie Mathematik: Der eine bewertet nur die Richtigkeit der Lösungen („x = 10“, „Der Wendepunkt hat die Koordinaten x = 3, y = 10“), der andere benotet auch die Korrektheit und VollstĂ€ndigkeit der Zwischen- schritte. In der RealitĂ€t erscheinen die Abiturnoten immer willkĂŒrlicher: In ThĂŒringen hatten zuletzt mehr als 40 Prozent der SchĂŒler einen Einserschnitt (!), bundesweit waren es „nur“ 25 Prozent. Die Zahl der Einserabiture hat sich in Sachsen von 2013 bis 2022 fast verfĂŒnffacht (!), in Bremen verdreifacht. Da lĂ€sst sich absehen, dass es in Deutschland bald nur noch die Note Eins im Abitur geben und jegliche Vergleichbarkeit abgeschafft sein wird. – Wolf-RĂŒdiger Heilmann

 

Das Ringen um Vergleichbarkeit der Abi-Noten sieht bisher so aus, als könne man durch Berechnung aus einer Summe von ungenau erhobenen Daten eine exakte, objektive und vergleichbare Note machen, die dann als UniversitĂ€ts-Zugangsnote verwendet werden kann. Das könnte nur funktionieren, wenn die gesamt Abiturnote nur aus einer fĂŒr alle verbindlichen Aufgabensammlung im Multiple-Choice-Verfahren bestĂŒnde. Solange man -glĂŒcklicherweise – davon absehen will, muss man akzeptieren, dass es eine verlĂ€ssliche und objektive Vergleichbarkeit von Abi-Noten nicht geben kann und dass man sie deshalb wegen der großen Ungerechtigkeiten nicht als Zugangsberechtigungen zum Studium missbrauchen sollte.

Die bisher vorgeschlagenen Maßnahmen zur Vereinheitlichung des Abiturs mit dem Ziel der Vergleichbarkeit der Noten sind geradezu lĂ€cherlich und auch weitere werden nicht zum Ziel fĂŒhren können. Wir mĂŒssen uns – wie auch immer – von der Abiturnote als Zugangsberechtigung zu StudienfĂ€chern verabschieden. Der Numerus clausus hat sich als ungerecht und ungeeignet erwiesen und daran werden auch weitere Bildungsgipfel nichts Ă€ndern! – Artur Behr

 

Die Abitur-Durchschnittsnote war 2022 in Schleswig-Holstein 2,42, in ThĂŒringen 2,04. Da es abwegig ist anzunehmen, dass dieser Abstand realen Leistungsunterschieden geschuldet ist, liegt die Ungerechtigkeit beim Zugang zu NC-FĂ€chern auf der Hand, und eine Angleichung der Benotungsstandards wĂ€re auch dann sehr zu wĂŒnschen, wenn das Bundesverfassungsgericht nicht eine bessere Vergleichbarkeit der Noten zwischen den LĂ€ndern angemahnt hĂ€tte. Aber die in dem Artikel genannten Instrumente – „lĂ€ndergemeinsamer Aufgabenpool“, „gemeinsame Abituraufgaben“, „gemeinsames Kernabitur in Deutsch, Mathematik und Englisch“ – werden vermutlich wenig bewirken. Die Unterschiede von Land zu Land haben eine lange Tradition, sie sind zĂ€hlebig. In Schleswig-Holstein wurde immer strenger zensiert als in ThĂŒringen; 1968 hieß es in der offiziellen ErlĂ€uterung der Notenstufen ĂŒber die Vier (!) : „Sie enthĂ€lt weder Lob noch Tadel“. Andererseits ist es kein Zufall, dass unter den fĂŒnf LĂ€ndern mit den besten Abiturdurchschnitten vier neue BundeslĂ€nder sind. In der DDR lag der Notendurchschnitt im Abitur in den achtziger Jahren um etwa eine Stufe ĂŒber dem der Bundesrepublik; das wirkt in abgemeldeter Form bis heute nach. Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass die ThĂŒringer Oberstufenlehrer nach EinfĂŒhrung der genannten Maßnahmen auf einmal strenger zensieren und den Anteil von 45% Einserabiturienten auf ein vernĂŒnftiges Maß begrenzen. Gerechtigkeit im Zugang zu NC-FĂ€chern ließe sich nur durch eine bundesweite Bonus-Malus-Regelung herbeifĂŒhren, wie es sie in der alten Bundesrepublik in den siebziger Jahren, freilich beschrĂ€nkt auf die Vergabe von Medizin-StudienplĂ€tzen, schon einmal gab. Sie könnte – allmĂ€hlich – auf die Praxis der Notengebung zurĂŒckwirken, die Inflation der Einsernoten stoppen, denn deren Nutzen wĂŒrde etwas beschnitten. – Jochen Pöhlandt

 

Der Einfluss von Leistungen vor dem Abitur auf die Abitursnoten wird gestrichen. Es handelt sich bei Ihnen ohnehin nur um Weichmacher fĂŒr das abitursergebnis. Die Aufgaben im Abitur werden bundesweit einheitlich gestellt. die Leistungen der SchĂŒler im Abitur werden nicht von den Lehrern, sondern von der KI chatgpt in jeweils neuerster Fassung beurteilt. – Jost Neubauer

 


 

 

Leserbriefe zu „»Die Rente ist ein Ersatz fĂŒr den Sozialismus«“. GesprĂ€ch mit Marcel Gauchet gefĂŒhrt von Matthias Krupa

 

Rente mit 62, demnĂ€chst 64 scheint in unseren Augen romanisch geprĂ€gter Anachronismus zu sein. Aber Halt! Die grande nation ist Deutschland in einem voraus, sie hat mehr Kinder: jede Frau 1,8 gegenĂŒber 1,53 ( 2020, Weltbank ) hierzulande. Vor wenigen Jahren sogar eine ausgeglichene Demographie. Wenn genug Kinder nachrĂŒcken, schließen sich die Reihen und zerrinnt das ArbeitskrĂ€ftepotential nicht wie im Falle unserer Babyboomer. Dann kann man sich eben mehr leisten. Das sollte unseren Nachbarn nicht zum Vorwurf gemacht werden. – Christoph Schönberger

 

GrundsĂ€tzlich mag ich die Franzosen, aber von ihrem stĂ€ndigen „Ras-le-bol“ habe ich allmĂ€hlich auch ras-le-bol. Die deutsche Übersetzung reimt sich so schön auf den französischen Ausdruck. – Thomas Manthey

 

Als Franzose muss ich ĂŒber die Meinungen von Marcel Gauchet reagieren. FĂŒr mich seine Positionen sind « teintĂ©es de parisianisme », was man ungefĂ€hr « mit Parisianismus getönt » ĂŒbersetzen könnte. Sicher hat Herr Gaucher viel Spaß bei seiner Arbeit. Dazu wohnt und arbeiten er in Paris, wo die Bedingungen (unter andere ÖNPV Infrastruktur und kulturelle Angebot) eine Ausnahme in Frankreich sind. Ich habe in Paris »intra-muros « gelebt, daher habe ich es schĂ€tzen können.

Ich komme jedoch von der Provinz, wo ich, vor meinem Umzug nach Deutschland, auch gelebt und gearbeitet habe. Dort habe ich noch viele Kontakte. Das Leben außerhalb der französischen Hauptstadt (eine wunderschöne Stadt, muss ich zugeben) ist immer ganz anders und vielfĂ€ltig. Wer da eine schwere Industrie-Arbeit hat, wird eine kĂŒrzere Arbeitszeit sowie eine frĂŒhere Renteneintrittsalters als Anerkennung des nicht so leichten Leben, die fĂŒr die Bequemlichkeit viele andere unbedingt benötigt ist (das ist immer noch so). Auch wenn diese Personen stolz von ihrer Arbeit sind, wie die Bergbauer oder die Stahlindustrie-Produktionsarbeiter es waren vor die Delokalisierung. Daher ist auch « un ministĂšre du temps libre » auch keine Initiative zu besitzen, weil die öffnet den « Volk » Möglichkeiten sich außerhalb des Arbeitsleben zu entwickeln.

Aber, und das hat Herr Gauchet gut erkannt, die Eliten haben an die normale Leute viel genommen und entscheiden immer noch von einer Wolke. Daher sind dieÂ ĂŒberrascht, wenn die Franzosen ihre Unzufriedenheit offen und zusammen zeigen (wie die Gilets Jaunes oder die heutige Protest-Bewegungen). Frankreich ist eine DEMOKRATIE, und der Volk hat sein Recht sich außerhalb der Wahlperiode zu Ă€ussern. FĂŒr viele Franzosen ist Emanuel Macron der PrĂ€sidenten der (sehr) Reiche. Die Änderung des Rentenalter ist wie eine zusĂ€tzliche DemĂŒtigung empfunden, Grund dieser starken landesweite Reaktion. Man kann es « Sozialismus » nennen, was jedoch gewĂŒnscht ist, ist mit WĂŒrde zu leben, was fĂŒr mehr und mehr Leute unmöglich gemacht ist. Dazu ist Deutschland auch auf diesen gefĂ€hrlichen Weg. Ich könnte noch lange darĂŒber schreiben, das Wichtigstes ist jedoch da. – Vincent Valentin

 

Selten ein so gut erklĂ€rendes und in der Meinung nachvollziehbares, gutes Interview auch in der Zeit, gelesen. In möchte mich als francophil bezeichnen. Wiewohl es mir mehr um den Franzosen als Person geht. Frankreich wird analysiert. Doch wie sieht es bei uns aus. Es fehlt auch hier der Mut. SPD steht fĂŒr neue Schulden, glaubt mit Geld alles richten zu können; FDP ergeht sich in ihrer Rolle als Klientelpartei; GrĂŒne hat die Teilhabe an der Macht korrumpiert, CDU und CSU leben weiter in Ihrer Arroganz: Wir wissen das besser obwohl die letzten Jahre etwas Anderes zeigten . Es fehlt der Mut dem BĂŒrger auch von “ oben “ her zu sagen, was er schon weiß. Alle erwecken den Anschein es geht einfach weiter so. Wo wird gesagt, dass man mehr soziale Gerechtigkeit braucht, nicht nur als Floskel, wo wird der große Wohlstandsunterschied nicht nur beklagt sondern bekĂ€mpft, wo bleibt die Konsequenz zur ökologischen Wende? Nichts davon. Eigentlich schade. Die BĂŒrger hĂ€tten in Europa nichts nötiger als mutige, anpackende, nicht nur schwĂ€tzende Regierungen. Ich bin weit im Denken von einer Sehnsucht nach Diktatur entfernt. Die europĂ€ischen Gesellschaften sind besser als das, was sie auch mangels Alternativen von ihren Regierunen geboten bekommen. Danke fĂŒr Ihr Interesse. – Stefan MĂŒller

 

Eine Anmerkung zum VerhĂ€ltnis der Franzosen zur Globalisierung. Seit Jahren stellt man Deutschland als das grosse Vorbild dar: VollbeschĂ€ftigung, wirtschaftliches Wachstum, stabile Staatsfinanzen. FĂŒr die französischen Arbeiter klingt dies nach Niedriglohnsektor mit prekĂ€ren ArbeitsverhĂ€ltnissen und lange Arbeitszeiten. Die Rente mit 67 und die Diskussion ĂŒber die Rente mit 70 in Deutschland verstĂ€rken dieses GefĂŒhl, was dann zu irrationalen Aktionen fĂŒhrt. Wie Marcel Gaucher ausfĂŒhrt, fĂŒrchten viele Franzosen, dass man ihnen ihr schönes Lebens zerstören will. – Peter Pielmeier

 

Sehr geehrter Herr Krupa, Ihr sehr interessantes Interview mit Marcel Gauchet wĂŒrde ich gerne in ein paar Tagen mit nach Frankreich nehmen, just in jenes DĂ©partement, aus dem Herr Krupa stammt, um es dort mit meinen französischen Freunden zu diskutieren, denn bestimmt werden wir ĂŒber das sprechen, was sich gerade in der französischen Gesellschaft und Politik abspielt. Ich halte es sicher fĂŒr gesprĂ€chsfördernder, wenn ich auch eine französische Stimme in die Unterhaltung einbringen könnte, statt nur meine deutschen Meinung von außen. Es wĂŒrde mir sehr helfen und ich wĂ€re Ihnen sehr dankbar, wenn es das Interview auch in Französisch gĂ€be und Sie es mir verfĂŒgbar machen könnten. – Herbert Zemke

 


 

 

Leserbriefe zum Titelthema „Sie haben recht“ von Jörg Lau

 

Wenn es der israelischen Regierung gelingt, ihre antidemokratischen und antiliberalen Ziele durchzusetzen und ihre Enthemmtheit dabei fortzusetzen, wird es Demokratien und erst recht der deutschen Politik nichts anderes ĂŒbrig bleiben, als den Versöhnungswillen mit dem israelischen Staat auszusetzen.

Diese Regierung ist mehrheitlich von Israeliten im Wissen um deren Absichten gewĂ€hlt worden. Dass ausgerechnet diese jĂŒdisch – religiös geprĂ€gte Politik einen derartigen Zulauf erfahren hat, verpflichtet gerade uns Deutsche zu einer scharfen Rhetorik und Erwiderung. Ich will nicht schon wieder an das EingestĂ€ndnis Martin Niemöllers als geltendes Bekenntnis aller Deutschen erinnert werden, wie bei den Nazis geschwiegen zu haben.

Die strategische AmbiguitĂ€t, gepaart mit einer einschlĂ€fernden Sprache der Versöhnlichkeit ist das VerstĂ€ndnis Nethanjahus und ist mit SchĂ€rfe von Demokraten zu begegnen. Umso mehr, als es sich um eine geplante Ähnlichkeit mit sonstigen globalen, autokratischen Entwicklungen handelt. Es ist der deutschen Politik aus einer historischen Verpflichtung untersagt, sich gegenĂŒber dem mehrheitlichen Willen des israelischen Volkes zweifelnd zu zeigen. – JĂŒrgen Dressler

 

Schon erstaunlich, mit welch unterschwelliger Bewunderung Jörg Lau in seinem Meinungsartikel ĂŒber die Justizreform in Israel ĂŒber den Heldenstatus des 69. Geschwaders der israelischen Luftwaffe schreibt. Zu den „legendĂ€ren Taten“ der Elite-Piloten gehört „die Zerstörung eines syrischen Atomreaktors“. Auch wenn das nicht das Thema dieses Kommentars war, hĂ€tte ich mir eine zurĂŒckhaltendere ErwĂ€hnung dieses unangekĂŒndigten israelischen Bombenangriffs gewĂŒnscht, eines Überfalls auf ein Land, mit dem sich Israel 2007 nicht im Krieg befand. Es kann doch nicht zur deutschen StaatsrĂ€son gehören, alle Handlungen eines befreundeten Staates gutzuheißen, wenn diese eindeutig gegen die UN-Charta des Verbots von Angriffshandlungen verstoßen. – Uwe Cardaun

 

Ja wer weiß, vielleicht bewundert Kanzler Scholz, natĂŒrlich nur ganz insgeheim, versteht sich, diesen MinisterprĂ€sidenten aus Israel, wie er das so macht, was er da gerade macht und wie man das auch in Berlin ganz Ă€hnlich machen könnte. Rechts, noch mehr rechts, ultra rechts, egal, solange sich die AfD, die Oberrechten also hier im Lande, nicht wie die Axt im Walde auffĂŒhren können, dagegen die jetzige Regierung in Israel aber schon, dann kann man ja ganz getrost darĂŒber hinweg sehen, vielleicht mal kurz etwas besorgt dreinschauen, und schon ist wieder alles easy und pillepalle! Noch eine allerletzte Frage an Herrn Netanjahu: „Wie kann man nur so unmelodisch rĂŒcksichtslos auf die Demokratie pfeifen, obwohl die Bevölkerung in Israel gar nicht mit pfeifen möchte?“ – Klaus P. Jaworek

 

Der beste Satz steht gleich am Anfang und zwar, dass fĂŒr das Treffen von Scholz und Netanjahu ausreichend bewĂ€hrte Phrasen zur VerfĂŒgung stehen. Aber die Beziehung zu Israel darf nicht nur aus abgedroschenen Aussagen bestehen. Man muss sich unter ‚Freunden‘ auch die Meinung sagen können. Netanjahu treibt gerade die Belastungsgrenze unserer Freundschaft auf die Spitze. Es macht keinen Sinn, sich die Absolution in Deutschland zu holen, wĂ€hrend sein Land auseinanderbricht. Sollte er aus Eigeninteresse und seinem Kotau gegenĂŒber seinen rechten und religiösen Partnern die Demokratie zerstören, wird unsere so hochgelobte StaatsrĂ€son ad absurdum gefĂŒhrt. – Wolfgang Scheer

 

Die israelisch-deutsche Aussöhnung ist fĂŒrwahr ein wunderbares historisches Geschenk.

Wenn wir – auch in diesem Zusammenhang – reflektieren und anerkennen, wie und warum dies möglich war, dann haben wir freilich die Antwort (auf die Frage, wie sich Deutschland jetzt gegenĂŒber Israel verhalte sollte).Beide Staaten, Israel und Deutschland, erheben den Anspruch, demokratisch und rechtsstaatlich zu sein. Gegenseitige SolidaritĂ€t bedeutet somit nicht zuletzt, dass wir bzw. die Vertreter beider LĂ€nder einander in diesem Anspruch kritisch, weil souverĂ€n, unterstĂŒtzen, Vorbilder sind und bleiben. – Matthias Bartsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Über GefĂŒhlsschonung fĂŒr Leser und die Frage, ob Steinzeitkunst noch zeitgemĂ€ĂŸ ist“ von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

 

Ist nicht auch dieses Zeit Magazin eine einzige GefĂŒhlsschonung fĂŒr Leser? Von der ersten bis zur letzten Seite zelebriert diese Ausgabe alles, was schon lange höchst bedenklich und zweifelhaft ist. Und Sie blicken geflissentlich darĂŒber hinweg. Es liegt nahe, dies zu tun, zum einen, um sich als junger Vater zu schonen und zum anderen, um nicht selbst in den Abgrund zu blicken, den wir uns und unseren Kindern tagtĂ€glich bereiten.

Es beginnt mit dem Genuss von Rindfleisch. Laut WHO ist aber der Verzehr verantwortlich fĂŒr das Auslösen von Krebs. Dazu ist es auch eines der klimaschĂ€dlichsten Produkte ĂŒberhaupt. Dann feiert die Werbung fĂŒr die Cartier Luxusuhr den bedenkenlosen Luxus fĂŒr Superreiche, gefolgt von der Reklame fĂŒr die Luxus-Flugreise nach Portugal mit Zeitreisen. FĂŒr die FlĂŒge fallen weder Energie- noch Mehrwertsteuer an. Selbst die CO2-Steuer betrĂ€gt nur €0,065 je Liter Kerosin und die Luftverkehrsabgabe von €12,73 wird auch nur einmal beim Abflug von Frankfurt fĂ€llig. Trotz der CO2-Kompensation, die, wie wir wissen, eher der GefĂŒhlsschonung hilft als dem Klima, zahlen die Reisenden einen Bruchteil der Steuern, wie jemand, der gleich viel Benzin oder Diesel mit seinem Auto verbrennt. Dass fĂŒr die luxuriösen Flugtickets ins Ausland nicht einmal Mehrwertsteuer bezahlt werden muss, ist ein Skandal angesichts dessen, dass jede*r BĂŒrger GeldempfĂ€nger*in diese fĂŒr Bus&Bahn sehr wohl bezahlt! Dom PĂ©rignon&Lady Gaga feiern wieder den Luxus, „rising always“ Richtung noch mehr KlimaschĂ€dlichkeit hinĂŒber zu „Heiter bis glĂŒcklich“-Spezial. Ihre Kolumne steht dann neben „Super-Size“ Möbeln, die nur in HĂ€usern stehen können, deren FlĂ€chenfraß und Energiebedarf selbst die dĂŒnn besiedelte und an Wind- und Sonnenenergie reiche Uckermark ĂŒberfordern wĂŒrde. Elisabeth Raether’s veganes Gericht und die Mr. Marvis Reklame gefolgt vom Tagebuch aus Kiew und der Verlag Reklame fĂŒr die Zeit sind nur ein kleines Trostpflaster fĂŒr den philosophischen Fleisch Guru der auf 8 Seiten „nachhaltigen“ Rindfleischkonsum von Tieren die zum Schlachten von Spanien nach Italien gekarrt werden zum Luxus-Lifestyle-Hype und Personenkult erhebt. Er kritisiert die Fleischindustrie, die im großen Stiel dem nacheifert, was er seinen Kunden als LebensgefĂŒhl vermittelt. Die BeitrĂ€ge „Wie geht’s?“ und das „Haus der Schuld“ wirken beinahe wie verlorene StĂŒcke, bevor redaktionell die Unterhose von Dior und ein neuer Schlafsack zum Erwerb angeboten werden. Die anschließenden Kolumne, Logelei, RĂ€tsel usw. werden abgerundet mit der Luxusuhr auf der RĂŒckseite des Heftes.

Das Zeitmagazin: Eine einzige GefĂŒhlsschonung fĂŒr ihre Leser und eine Zumutung und ein Verrat an dem Anspruch der GrĂŒnder der Zeit und der Zukunft unserer Kinder. Warum?

1.) Die Warnungen von UNO, EU und IPCC, die DĂŒrren und Katastrophen werden immer dringender, aber noch immer bekennt sich kein einziges deutsches Leitmedium freiwillig zum Ökostrom oder verzichtet auf die Darstellung der umweltschĂ€dlichsten Werbung fĂŒr Flugreisen usw. Wenn ARD, ZDF, RTL, FAZ, SZ, Zeit, Spiegel usw. genauso weitermachen wie immer, wie sollen wir als Leser jemals begreifen, wie ernst die Lage schon ist? Sind wir Leser dann jemals bereit, eine Partei oder Politiker*innen zu wĂ€hlen, die echte Einschnitte verlangen, so wie UNO, EU und IPCC verlangen? WĂ€re es nicht mal Zeit zum UNO-Weltumwelttag am 5.6. 2023 eine gemeinsame Aktion aller Leitmedien zu starten, um Klima-ehrlich zu werden und von da an nur noch Ökostrom zu verwenden und auf klimaschĂ€dliche Werbung zu verzichten? FrĂŒher oder spĂ€ter mĂŒssen wir da ja eh hinkommen :-).

2.) In den 50er und 60er Jahren schritt „Die Zeit“ mutig voran, um den braunen Sumpf, der in die Poren der Gesellschaft zurĂŒckdrang, in die Schranken zu weisen. SpĂ€ter standen Bucerius, Kaiser, Sommer, Dönhoff, Schmidt dafĂŒr ein, im Hier und Jetzt Verantwortung fĂŒr die Zukunft zu ĂŒbernehmen. Sie hatten eine Vision, was fĂŒr eine humane Gesellschaft unabdingbar erforderlich ist und haben alles in ihrer Macht stehende dafĂŒr getan, dass diese Vision wahr wurde. Damals stand der Verkauf von und die Reklame fĂŒr Luxusprodukte wie Autos, Möbel, Reisen nicht im Widerspruch dazu. Heute schon. Damit verrĂ€t „DIE ZEIT“ sich selbst und die Zukunft unserer Kinder.

3.) Ohne eine soziale und humane Politik ist eine Zukunft nicht denkbar. Schon der nĂ€chste Sommer könnte so dramatisch werden, dass Verbrenner, SUVs, luxuriöse FlĂŒge, usw. inakzeptabel werden. Gerade der Einfluss der Reichen ist dann entscheidend. Aber wieder einmal fĂŒhren wir und damit auch unsere Regierungen die Diskussion ĂŒber Armut, Reichtum, Arten, Klima, und Umwelt so, als ob uns das interessieren kann, aber nicht unbedingt muss. Warum? Meiner Meinung nach hat das viel, vielleicht auch alles mit der Art und Weise zu tun, wie unsere Medien funktionieren.

4.) Noch immer verkaufen unsere Leitmedien Leserreisen mit Flugzeug und Schiff, noch immer machen sie Reklame fĂŒr Flugreisen, SUVs und allen anderen klimaschĂ€dlichen Luxus. Noch immer weigern sie sich, Ökostrom fĂŒr ihre Produktion zu verwenden. Ja, sie informieren uns ĂŒber die „UmweltsĂŒnden“ und BetrĂŒgereien der anderen, aber dass sie selbst mit Ihrem Verhalten immer weiter das Klima aufheizen, noch immer dem schnellen Gewinn mit Reklame und Verkauf von klimaschĂ€dlichsten Produkten nachjagen, noch immer, durch ihr „nicht“ Handeln, gegenĂŒber ihren Lesern so tut, als ob es immer so weiter geht, darĂŒber berichten leider auch Sie nicht.

5.) Über diesen Zwiespalt und die AbhĂ€ngigkeit unserer Medien von den klimaschĂ€dlichen Werbeeinnahmen gibt es keine einzige kritische Diskussion. Vergleichen Sie bitte die EffektivitĂ€t und den Zustand unsere heutigen Leitmedien bezĂŒglich der Klimakatastrophen mit einem TheaterstĂŒck, in dem die Journalisten versuchen auf einer BĂŒhne einen Sachtext zu verlesen wĂ€hrend das BĂŒhnenbild unablĂ€ssig Reklame Clips zeigt und der Chor in Dauerschleife singt: „Tu es, kauf es, genieß es, alles ist gut, alles wird gut, sorge dich nicht, sobald Du dieses oder jenes angeschafft hast, fĂŒhlst Du dich wieder besser“.

6.) Sie fĂŒhren die Arten-, Klima-, und Umwelt Diskussion so, wie jemand der laut pfeifend durch den dunklen tiefen Wald geht: „Hoffentlich geht es gut und eigentlich weis ich dass es langfristig alles andere als vernĂŒnftig ist, denn ein jedes Kind weiß, dass das kommende Bevölkerungswachstum mit wachsendem Wohlstand nur möglich ist, wenn die Reichsten, also wir, etwas von unserem Reichtum abgeben, also verzichten“. Ignorieren Sie nicht das unheimliche GefĂŒhl, das Sie und uns alle schon lĂ€ngst beschleicht? Rennen Sie nicht mit immer weiter in die falsche Richtung und subventionieren Sie durch ihr „nicht-darĂŒber-schreiben“ weiter den unbegrenzten und klimaschĂ€dlichsten Luxus, den wir uns eigentlich schon lĂ€ngst nicht mehr leisten können?

7.) Gerade bewegt sich viel, nur die Medien scheinen sich noch immer nicht zu bewegen. Das ist schade, denn selbst mein Arbeitgeber, ich bin FlugkapitĂ€n, verzichtet schon bewusst auf Einnahmen, um klimafreundlicher zu werden. Auch fordern sich die Fluggesellschaften gegenseitig heraus, https://www.youtube.com/watch?v=_tAyLoJBp_o aber es gibt keine entsprechenden Zeichen von den Leitmedien selbst. Um Katastrophen zu verhindern, mĂŒssen wir alle freiwillig alles tun, was möglich ist. Wir BĂŒrger, die Wirtschaft und die Medien. Wenn weiter jeder auf den anderen wartet, wird es nichts werden.

8.) Wenn alle im Bad eine Regendusche installieren und 10-mal mehr Wasser verbrauchen, wird es fĂŒr die Wasserwerke 10 mal schwieriger genug Wasser in die Leitungen zu pumpen. Wenn alle zur gleichen Zeit ĂŒber die gleiche Autobahn brettern wollen, wird keine Autobahn jemals breit genug sein, um einen Stau zu verhindern. Wie entschĂ€rft sich so ein Stau in echt? Einige sitzen ihn aus, andere nehmen die Landstraße und wieder andere fahren gar nicht erst los. Wollen wir den Klimakatastrophen erfolgreich die Stirn bieten, können wir nicht warten, bis uns der Staat alle Regeln bis ins Kleinste vorgibt, wir mĂŒssen selbst aktiv werden, die langsamere Landstraße nehmen, spĂ€ter losfahren oder gar nicht erst ins Auto steigen. Wenn wir alle den Stau aussitzen und darauf warten, dass der Staat neue Regeln macht oder die Autobahn verbreitert, gibt es keine Hoffnung, dass wir jemals genĂŒgend gegen die Klimakatastrophen tun. Immer schlimmer wird es aber, wenn uns die Kolumnisten und mit ihnen die Leitmedien uns immerzu anspornen, alle zugleich mit einem SUV im Stau zu sitzen.

9.) Jedes Kind versteht, dass wir ab jetzt sparen mĂŒssen

Wir mĂŒssen immer und ĂŒberall sparen, ganz gleich wie sinnvoll es uns erscheint, denn der sparsame Umgang mit allen Ressourcen der Erde ist moralisch immer richtig angesichts wachsender Bevölkerungszahlen mit wachsendem Wohlstand. Jedes Kind versteht auch, dass vor allem die Reichen, also wir, sparen mĂŒssen, denn bei uns hat es den grĂ¶ĂŸten Effekt und wir mĂŒssen am wenigsten leiden. Jedes Kind versteht auch, dass wir teilen mĂŒssen, denn wir haben viel mehr als genug und können teilen, ohne etwas entbehren zu mĂŒssen. Aber wir handeln immer noch so, als ob es diese Wahrheit nicht gĂ€be. – Klaus Siersch

 

Mit Martenstein & Cecchini zeigen Sie allen woken & veganen Dogmatikern & Diktatoren eine herrlich lange Nase bzw. ein wunderbares gekochtes Knie. Merci. – Kurt Eimers

 

Ad usum Martenlapissensis et Fengelis? Die deutliche GefĂŒhlsschonung zur SanftfĂ€rbung der ZEITMAGAZIN-Leserschaft? – fĂ€ngt schon mit der Illustration von Martin Fengel an, dessen MĂ€nnchen gegenĂŒber dem vollbrĂŒstigen Frauchen: kein SchwĂ€nzchen hat – warum eigentlich nicht? Irgendwie haben diese hĂ€ngenden MĂ€nnerpimmel ohne Erektionen keine optische Bewirkung und zudem: an den antiken marmornen Statuen sind diese Geschlechtsteile geradezu unmĂ€nnlich kleinlich „unproportioniert“ – (um vielleicht auch damalig homophil „hinten“ reinzupassen!?!) Der hĂ€ssliche Sokrates war der Liebhaber des ĂŒberaus schönen Alkibiades. HomosexualitĂ€t war damals staatstragend, die Frauen hatten sowieso keine „BĂŒrgerinnen“-Rechte und sind zudem auch sexuell austauschbar bzw. nur zum GebĂ€ren notwendig gewesen. Eine sehr geschlechtlich einseitige „Demokratie“ der SchwanztrĂ€ger! Der Leserbriefschreiber hatte im Cafe König in Baden-Baden eine Beschwerde loszuwerden, nĂ€mlich: dass wir MĂ€nner in diesem doch alteingesessenen Cafe – an den drei Pissoir-Urin-Becken gaaanz dicht nebeneinander zu stehen haben und ohne Sichtblende: die Penisse der jeweils anderen MĂ€nner „vorzeigt“, was uns dreien „Pissenden“ an diesem Standort peinlich war – man hörte es daran, dass niemand von uns „Wasser“-lassen konnte: zu dicht waren wir aneinandergestellt um womöglich aufzuzeigen, wie natĂŒrlich doch der Mensch gestaltet sei ohne Schamhaftigkeit… Frauen dĂŒrfen beim jeweiligen Ausscheidungsdrang immerhin sich in ihre Toilettenkabinen zurĂŒckziehen – wir MĂ€nner aber sollen in solch einer Schwanzparade uns aufreihen… EgalitĂ©, FraternitĂ© – nein: leider eine eigenartige Bloßstellung in der Stellung des Urinierenden, und sicherlich nicht zur Abmessung der SchwanzgrĂ¶ĂŸen positionierbar eingebĂŒrgert… (Bei Schwulen mag das ja augenscheinlich rege ankommen – die Schwanzparade zur erregenden SolidaritĂ€t in dieser homophilen GeschlechtsattraktivitĂ€t. Die zu Schnellficks jeweiligen anvisierten Toiletten-Treffpunkte sind oft beschrieben in der Literatur des Hubert Fichte!) – Zu den beschreibbaren „Königs“ kommen wir noch! Baden-Baden ist so oder so auch ein SĂŒndenpfuhl mit gierigem Spiel-Casino!

Hinzu bekam der Leserbriefschreiber noch einen Etepetete-Verweis eines Mitpinklers, der sich danach endlos lange die HĂ€nde mit Seife wusch und wusch, als ob er nicht seinen Penis, sondern einen Haufen Scheiße angefasst habe – und der Wisch-Wasch-wartende RvM nicht umhin kam ihm sagen zu mĂŒssen: „Was Sie hier fast schon abschrubben nach dem Penis-Anfassen, nehmen andere Beteiligte beim Sex in den Mund!“ Patsch, kam ich knapp an der Ohrfeige vorbei und saß dann wieder etwas entgeistert bei meiner Tasse Kakao – Kaffee trinke ich schon seit 50 Jahren nicht mehr! Zu unanregend! Auf meinem Tisch lag der Buch-Briefwechsel zwischen Max Frisch und Ingeborg Bachmann – eigentlich war dieses unfrische MĂ€xchen doch ein ziemlich verklemmter kleiner Schweizerischer Möchtegerntausendsassa – der sich kopflastig an den Frauen abtastete. Diese Briefe von ihm sind Kopfgeburten, die literarisch daherkommen sollen und keinen Lebenssaft beinhalten: langatmig und laangweilig! Wo bleibt da der (auch geistige) Orgaaasmusss? Die Bachmann aber hatte es drauf, schien faszinierend! „Ad-usum-Delphini“ – das Kontroll-Siegel dafĂŒr, dass der französische Thronfolger (Dauphin genannt) keine „verschweinte“ Literatur zu lesen bekam, jene Zeilen zuvor an den bestimmten Stellen, geschwĂ€rzt wurden…? Harald Martenstein zĂ€hlt zusĂ€tzlich einige Steinzeit-Artefakte auf, z.B. auch die Venus von Willendorf mit fettem Arsch und deftiger Vulva – und dies zum sexistischen Anblicken fĂŒr (heutige) MĂ€nner nun doch verboten werden sollte, gar als „gefĂ€hrlich pornografisch“ eingestuft und gesperrt wĂŒrde… Feministischer Anti-Feminismus pur? Was sind denn Frauen in der Natur vorerst anderes als Fruchtbarkeits-(Göttinnen) – je nach Optik und zeitlicher Betrachtungsanwesenheit des jeweiligen Mannes: da wir MĂ€nner sowieso nichts anderes im geilen Kopf haben, als ans Ficken zu denken (und das möglichst mit vielen Weibern in ihrem doch relativ zeitanteilig gierigen vorhandenen Sexualleben). Wer von den MĂ€nnern etwas anderes behauptet, ist entweder erst kurzzeitig verheiratet und zuvor noch nicht lange mit der Braut beisammen – oder aber es ist ein so hĂ€sslicher Vogel, dass er froh sein kann, dass ĂŒberhaupt eine Frau ihm an das GemĂ€chtle geht… So ist das nunmal im Konkurrenzkampf mit uns mĂ€nnlichen Menschentieren – und die Frauen sind garantiert nicht anders veranlagt, wollen einen (oder mehrere) echt spannende Liebhaber um sich und in sich haben. Lieber zwei drin als einen draußen! Ist doch so in/auf der freien Wildbahn der Geschlechterkopulationen… Oder will da jemand das Gegenteil behaupten? Zu laut gebrĂŒllt, Menschenaffe?

Ja was denn nun: Martenstein schreibt – die Schriften des Homer und Ovid hĂ€tten ebenfalls das Kontrolleurs-Siegel „ad usum Delphini“ erteilt bekommen, habe der Dauphin die verschiedenen geschwĂ€rzten (oder herausgetrennten Zeilen und Seiten) aus der Antike nicht lesen dĂŒrfen und können… Doch was war denn mit dem „Alten Fritz“, der in jungen Jahren als Kronprinz heftig auch die versaute

Literatur heimlich in sich reingezogen hatte, zwar vom gestrengen Vater immer wieder reglementiert und geschlagen und Schlimmeres – dennoch: dann schwul auch als König: sich von den langen Kerls (seiner ĂŒberlangen Soldaten in der Garde) von hinten nehmen ließ oder ihnen den Soldatenpimmel lutschte, diese dann dafĂŒr eine goldene Taschenuhr bekamen: an denen sie erkenntlich waren als des Königs One-Night-Stands… Zutreffend? Oder beschauen wir den bayerischen König Ludwig II., der seine Sex-Scouts in Europa (bis in die TĂŒrkei hinein!) aussandte um große SchwĂ€nze (die originalgetreu in Erektion aufzumalen waren) fĂŒr sich einzufinden, diese dann samt Manngestalt (nach zeichnerisch- brieflicher, königlicher Begutachtung) vom „Roi de Lune“ (oder „Sonne 2“) herbeibefohlen wurden – klar, kostete das ordentlich Geld aus der Ludwig II-Privatschatulle, zuvor vom bajuwarischen Volk bezahlt. FĂŒr Umme hat wohl niemand dem Schwanen-König seinen Schwanz gelutscht! Alle (diejenigen) wollten sie was dafĂŒr! Ob der hĂ€ssliche Richard Wagner dieserhalb als Unattraktiver um jene eindringenden/eindringlichen sexuellen Zeremonien herumgekommen war, sich dabei nicht schwanzlutschend und rektal fĂŒr Seine MajestĂ€t verausgaben musste? Wie auch immer und ĂŒberhaupt zu all dem hochgehobeneren Theater um Sex und Sexappeal? Auch das Volk ist keinen Deut besser oder unlustvoller – in der insgesamten Versautheit der deutsch-deutschen DDR-BRD-NationalitĂ€ten!

Zumeist oberschichtlich waren das doch belesene und (anteilig) ein/gebildete Leute – und selbst ein Marquis de Sade (und der Ritter Leopold von Sacher-Masoch) hatten in ihren Schriften/Werken nur die Phantasien fĂŒr UNS alle in den verschiedenen sadomasochistischen Dosierungen aufgezeigt – denn es ist ja nicht so, dass spĂ€tere Erweiterungen auch eines Henry Miller oder Charles Bukowski einfach so daher erfunden worden waren, da sind doch VorgĂ€nger und VorgĂ€ngerinnen am geistigen und körperlichen Werke gewesen: und (im kĂŒnstlerischen Vorbild) auch ein Henri Toulouse-Lautrec in seiner Kleinheit an KörpergrĂ¶ĂŸe war ein außergewöhnlicher Zeichner und Maler, der zudem in Bordellen lebte und verkehrte und diese EindrĂŒcke unserer gierigen Menschenwelt ĂŒbermittelte… Ferner ein Hubert Fichte: der sein schwules Milieu bis ins Detail genau schriftstellerisch schilderte, dies keineswegs nur Pornographie – auch wenn der ach so scheinbar reinheitliche und feinsinnige Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki damit als Kritiker nichts anfangen konnte… Sein literarisches Idol Thomas Mann aber hinter dem Luxus-Hotelfenstervorhang onanierte, wĂ€hrend er den jungen MĂ€nnern mit engen, kurzen Hosen beim Tennisspielen -von oben herab – zuschaute, sich dabei aufgeilte…

Goethe und Schiller hatten sich immer privatissimum zur (lesenden) Öffentlichkeit nett zurĂŒckgehalten, sich schriftlich keine sexuellen BlĂ¶ĂŸen gegeben – wobei aber Goethes Gevatter und Freund Carl August als Herzog/Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach: heftig viele Kinder mit verschiedenen Frauen produzierte und sein Intimus Wolfgang „Komplikationen“ entschĂ€rfte, dafĂŒr verantwortlich war: dass diese AmourösitĂ€ten jeweils finanziell und heimlich, stillschweigend aus der Welt geschaffen werden konnten… Und seine reichlich schmuckbehĂ€ngte HauptmĂ€tresse Karoline Jagemann hemmungslos ihm öffentlich in Weimar vom Fenster aus, erwartend zurief: „August kommst Du endlich!“ Frauen können aus MĂ€nnermenschen öffentliche Narren machen! Jedoch von geistigen Orgasmen abhĂ€ngig zu werden – das jedenfalls hört man im Allgemeinen von mann/frau wesentlich seltener! Kann nicht auch die Kultiviertheit der Person aufreizend sein – ja und nein: doch ohne heftige SexualitĂ€t und Befriedigung ist keine körperliche AbhĂ€ngigkeit möglich! Auch das „Platonische“ wird hierbei von uns Heutigen (philosophisch und körperlich) falsch ausgelegt!

Das Leben schreibt zuallererst das auf, was spĂ€ter auch kĂŒnstlerisch nachempfunden werden kann – nicht die Phantasie zuvor ist der Beginn aller AnfĂ€nge, sondern das Verlangen, die Lust und die Geilheit der Ursprung aller Anwesenheit von und zu diesen scheinbaren Lasterhaftigkeiten. Ach ja – voila: der Francois Villon: welch ein großartiger Dichter und Connaisseur und einmaliger Darstellender des damaligen hemmungslosen Erlebens seinerseits und andererseits zu den Personen, die Lust und Laune durch und mit ihm hatten… Und er war doch auch ein Krimineller, ein Verbrecher, ein Vagabund und Coquillard – mehrfach zum Tode verurteilt und begnadigt und dann verschollen in die Zeit seiner körperlichen Verschwundenheit außerhalb von Paris… Und er gilt als einer der bedeutendsten französischen Poeten! Nehmen wir hierzu noch Arthur Rimbaud, Paul Verlaine, Charles Baudelaire – alles verfickte Gestalten, versoffene und drogisierte geistreiche, poetische VerrĂŒckte – und dennoch oder deshalb: jeweils unaustauschbare SolitĂ€re auf dem RĂŒcken des Pegasus fĂŒr alle Zeiten: weltweit – und oft auch zensiert!

Intensiv lesend zu vernehmen sind ebenso die Tage-und-NĂ€chtebĂŒcher des Schriftstellers, Feuilletonisten und Essayisten Fritz J. Raddatz (der da öffentlich von sich gibt: dass er mit ĂŒber tausend MĂ€nnern im Bett oder sonstwo sexuell intim gewesen war) – doch unzweideutig erlesbar: dass seine Beschreibungen zu den Eitelkeiten der SchriftstellerInnen plus Betriebsanhang, der „Hautevolee“: absolut mitverdeutlichen, was sich da so abspielte hinter den Fassaden, die dem Normalverbraucher nicht einsichtig waren … Und zudem: hat sich der Fritz J. Raddatz selbst nicht verschont und geschont – sich deutlich bloßgestellt, das gehörte sich fĂŒr ihn so und war selbstverstĂ€ndlich sein oberstes Credo wenn ́s an das schriftstellerische Offenbaren insgesamt ging! Welch ein unruhestiftender Ambassadeur auf dem literarischen Hochseil ohne Netz und ohne doppelten Boden zu den scheinheiligen Moralansichten im Volke!

Harald Martenstein will wohl ein Bisserl aufrĂ€umen mit diesen unsinnigen Verwerfungen, diesen enervierenden Umschreibungen von Tatsachen und Bewahrheitungen, die nicht mehr benannt werden sollen und dĂŒrfen – was die italienische KĂŒnstlerin Laura Ghianda als „Krieg gegen die menschliche Kultur“ beschreibt… Und der Harald dies im ZEITMAGAZIN in Steinchen gemeißelt sehen will, doch zu Recht gegen die Vereinnahmungen von Verlogenheiten einer falschen UnĂŒbersichtlichkeit… „Frauen kreischen und MĂ€nner werden weiß im Gesicht!“ Und der RvM Ă€rgert sich dann eben schwarz/weiß! Wahr ist zudem, dass ein Mann mit einem kleinen Penis eben einen kleinen Schwanz fĂŒrs Ficken und den Sex hat – das kann frau und mann nicht grĂ¶ĂŸer und massiger bereden wollen aus lauter MitgefĂŒhl fĂŒr irgendwelche Verkleinerungen und Verklemmungen im alltĂ€glichen Leben. Damit hat mann zu leben und sich nicht (selbst) kleinmachen zu lassen: jedem Töpfchen also sein Deckelchen! Doch in der Kunst jedweder Form und Entformung: darf es keine Tabus geben bis hin zu den scheinbaren Beleidigungen des vorhandenen und phantasievollen Daseins – ansonsten wĂŒrden wir Menschen uns nur noch hinter den Maskeraden verstecken und nichts mehr beim wahren Namen nennen und aus den Entrahmungen benennen… Das Wort „dĂŒrfen“ hat nur am Rande mitzuschweben, bei den VerschĂ€mtheiten und Schamhaftigkeiten – doch all dies ist nur manipuliertes Erziehungsgehabe inhaltlich zu diesen Zeiten. MĂ€nner haben einen Schwanz, Frauen eine Vagina oder Muschi oder Fotze – und das will zusammenkommen, egal welche Grenzen und Schranken jeweils „kulturell“ auferlegt werden. Nur die Kunst kann uns heftig mitbeteiligt weiterhin von dieser (bĂŒrgerlichen) Einfesselung befreien – und jedwedes Verbot wĂ€re ein Verlust an Wahrhaftigkeit(en) und IdentitĂ€ten pro domo und außerhalb der vier WĂ€nde! FĂŒr Picasso war der (hinzugemalte) Minotaurus mit geilem GemĂ€cht seine eigene Person – hierzu sind seine sogenannten Altersbilder vollgepackt mit sexuellen Motiven voller Lebenslust und zudem Lebenstrauer: auch dass all dies s/ein (persönliches) Ende finden wĂŒrde… – dazwischen aber hatte er mit hunderten Frauen sexuelle IntimitĂ€ten, abseits seiner Hauptfrauen, die ihn doch auch nur wegen seiner BerĂŒhmtheit, seinem Reichtum in ihrem Leben eingefangen halten wollten. So schööön kann doch kein Mann sein – und Pablo Picasso war wahrlich kein Adonis pur aus der Natur!

Steht der Schwanz, ist der Verstand im Arsch! Frauen können seit menschlichen Ewigkeiten damit mehr oder weniger klarkommen (mĂŒssen)… Harald Martenstein hat sich letztlich zĂŒchtig zu diesem Thema verhalten und schriftlich in seiner Kolumne das Äußerste (?) geĂ€ußert – es wĂ€re aber hierbei mehr aufzeigbare Verwilderung von und durch ihn vonnöten gewesen im ZEITMAGAZIN! Denn: fĂŒnf Seiten weiter jedenfalls kann sich ein scheinbar weltberĂŒhmter Metzger ĂŒber das Abschlachten und Auffressen von Tieren seitenlang breitmachen und austoben, enthemmt mörderisch fabulieren: „Gekochte Knie sind mein Lieblingsgericht!“ – und dass er als Kind RinderfĂŒĂŸe und Pansen liebte… Da kann einem als Vegetarier nur das große Entsetzen kommen und die wĂŒtende Nachdenklichkeit: was WIR fĂŒr verkommene und psychisch kranke Menschentiere sind. Nicht aber darĂŒber genauer beinhaltend: weil wir bitte weiterhin sexuell versaut bleiben wollen und sollen! Und zudem uns keinen sinnlosen Maulkorb verpassen lassen sollten! Es lebe die freie, hemmungslose, verrĂŒckte, grenzenlose Kunst! Toleranz wird hierbei grundsĂ€tzlich vorausgesetzt – Charles Bukowski vermeint deklarierend brĂŒderlich: „Johann Sebastian Bach hatte zwanzig Kinder. TagsĂŒber hat er auf Pferde gewettet, nachts hat er gefickt und am Vormittag gesoffen. Komponiert hat er zwischendurch… sagte ich, als sie von mir wissen wollte, wann ich eigentlich meine Gedichte schreibe.“ – Axel Manfred Rvmpf von Mansfeld

 

In der kĂŒnftigen Lyrik und Prosa werden wir nichts mehr lesen ĂŒber menschliche Schicksale und AbgrĂŒnde, sondern nur noch Berichte ĂŒber starre, steinerne, stumme Statuen. Von ihnen geht nicht mal ein laues LĂŒftchen aus, an dem sich zartbesaitete SplittergrĂŒppchen, Mimosen, SprachpharisĂ€er erkĂ€lten könnten! Anderenfalls wĂŒrden sie Ă€ußerst verschnupft reagieren auf jedes bißchen Dynamik, auf jedes Wort mit Ecken und Kanten! Nie wieder werden wir Sprachgewalt erleben wie in solchen Versen: „Es schĂ€umt das Meer in breiten FlĂŒssen Am tiefen Grund der Felsen auf Und Fels und Meer wird fortgerissen In ewig schnellem SphĂ€renlauf“. Da solche Kunst ohnehin kaum noch erreicht wird, sollten wir uns lieber mit lebloser Statuenliteratur langweilen! In unserer kriegerischen, chaotischen, klimatisch aufgeheizten Epoche wirkt Langeweile vielleicht ein bißchen einschlĂ€fernd und damit weniger erregend und kriegslĂŒstern! – Ulrich Pietsch

 


 

 

Leserbriefe zu „Mmmmmh“ von Elisabeth Raether

 

Vor unseren Augen findet die Klimakatastrophe als erdgeschichtlich grĂ¶ĂŸten Einschnitt seit der Kreidezeit statt. Was wir in Zukunft essen, wird dabei eine entscheidende Rolle spielen, aber ganz anders als Sie beschreiben. Auch dieses Jahr deutet wieder alles auf DĂŒrre-, Hitze- und Waldbrand-Katastrophen, aber die Medien prĂ€sentieren uns die Klimakatastrophe so, als ob sie uns interessieren könnte, aber es nicht muss. Dabei ist es genau umgekehrt. Aber bevor wir das verstehen, mĂŒssen sich die Medien und besonders die Zeit grundlegend Ă€ndern. Denn in den Medien, ja auch in der Zeit werden immer wieder wichtige Inhalte bezĂŒglich der Klimakatastrophe durch die Verlagsangebote, Leserreisen, Werbung etc. in den Hintergrund gedrĂ€ngt bzw. konterkariert. Hat die Zeit ĂŒberhaupt eine Klimapolitik? Wo vermeidet sie klimaschĂ€dliches Handeln? UnterschĂ€tzt sie den Ernst der Lage, oder trĂ€gt sie sogar aktiv dazu bei, dass unsere Klimasituation immer extremer wird? – Klaus Siersch

 

Es ist leider so, dass Politik hĂ€ufig mit Stimmungen und LĂŒgen statt mit Argumenten und nachweisbaren Erfolgen gemacht wird. Wenn eine Regierungspartei keine großen Erfolge vorweisen kann, schafft sie ein Feindbild und erklĂ€rt oder suggeriert z. B., dass man die Herrschaft der GrĂŒnen unbedingt verhindern mĂŒsse, weil sonst alle Bayern gezwungen wĂŒrden, Insekten statt Schweinsbraten zu verspeisen. Und wenn die LĂŒge oft genug wiederholt wird, halten die meisten Menschen sie irgendwann fĂŒr die Wahrheit. So macht es nicht nur Herr Söder. So machen es auch Donald Trump und Viktor OrbĂĄn und alle Populisten und Diktatoren dieser Welt. Und solange selbst eindeutige und politisch verheerende LĂŒgen wie Trumps LĂŒge vom gestohlenen Wahlsieg nicht bestraft werden, sondern als „Meinung“ gelten, wird sich daran wohl selbst in Staaten, die (noch) Rechtsstaaten und Demokratien sind, nichts Ă€ndern. – Ulrich Willmes

 

Laut biblischer Überlieferung wollte damals Gott das Volk der Ägypter dafĂŒr bestrafen, dass diese das Volk Israel als Sklaven knechteten. So sandte Gott zehn Plagen, darunter auch die Heuschrecken, die die Ernte der Ägypter total auffressen sollten. Die Heuschrecke ist demnach in der Bibel eine Art göttliche Luftwaffe. Bevor wir uns jetzt ĂŒber die Heuschrecken hermachen, um diese (pfui Teufel nochmals) zu knabbern, hĂ€tte ich da eine viel bessere Idee. Der ukrainische Schauspieler-PrĂ€sident W. Selenskyj lechzt doch stĂ€ndig nach einer VergrĂ¶ĂŸerung seiner Luftflotte, vielleicht sollte er auf Heuschrecken-Jagd gehen, um diese dann gegen seinen Erzfeind W. Putin einzusetzen. Übriggebliebene Krabbel-Flieger könnten beide Kriegsherrn dann immer noch auffuttern! – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „Strahlende Zukunft“ von Heike Buchter

 

Quo vadis Deutschland? Jetzt wo die Abschaltung in Deutschland von Kernkraft fast da ist und die Stromarmut wieder da ist, kommt dieser Artikel. Gratulation! SpĂ€t, aber immerhin! Wenn sich unsere Politiker aller Parteien jemals Gedanken zur Physik der Kernkraft gemacht und sich ĂŒber Small Modular Reactors kundig gemacht hĂ€tten fĂŒr klimaneutrale Kernkraft, dann wĂ€re Deutschland heute wesentlich weiter als mit knapp 30.000 WindrĂ€dern und Millionen PV-Anlagen. Aber man rodet rund 1000 Hektar klimaschĂŒtzende Wald, pflanzt WindrĂ€der in Landschaftsschutzgebiet oder am Fauna-Flora-Habitat-Gebiet als, dass die Ampel jemals Atom eine Stimme gibt. In BW wieder Stromarmut am Samstag, 18.03.23. Bevölkerung wird zum Verzicht aufgerufen. (Quelle: App TransnetBW). – Martin Fehringer

 

Sehr geehrte Frau Buchter, DANKE fĂŒr die Zahlen im o.g. Artikel, mit dem Sie das TerraPower (Bill Gates-)-Projekt – vielleicht ungewollt – entzaubern: fĂŒr 4 Milliarden Dollar wĂŒrden bei 8000 Vollaststunden und 345 MW Leistung im Jahr maximal 3 TWh erzeugt, die Baukosten wĂ€ren bei 10 ct /kWh (in Hinkley Point/UK werden aktuell 11 ct/kWh gezahlt) also erst nach etwa 12 Jahren wieder eingespielt, wenn sich keine Kostensteigerungen ergeben, operative Kosten, Löhne & GehĂ€lter, hochangereichertes Uran und Endlagerung NICHTS kosten und sich keine UnfĂ€lle ereignen. Alternative: FĂŒr 4 Milliarden Euro könnte man rund 1000 WindrĂ€der mit jeweils ca. 3,5 MW Nennleistung bauen – in der Summe also dem Zehnfachen der Reaktorleistung. Diese WindrĂ€der wĂŒrden dann mit nur 10% ihrer Nennleistung die gleiche Strommenge liefern wie der Reaktor und könnten auf ca. 250 Quadratkilometer FlĂ€che errichtet werden, das sind 1 Promill der FlĂ€che von Wyoming (etwa die gleiche FlĂ€che wie die alte BRD aber mit nur etwa 500 000 Einwohnern). Die Windenergietechnik ist heute verfĂŒgbar, kostet dann im Betrieb < 5 ct/kWh und verursacht weder PrimĂ€renergie- noch Endlagerungskosten. Das Terrapowerprojekt wird also ökonomisch hochwahrscheinlich defizitĂ€r, ist dazu – wie Sie auch in der letzten Spalte richtig zitieren – technisch ein hochriskanter Prototyp. Seriöse Kaufleute sollten sowas ablehnen. – Dirk Bade

 

In der noch aktuellen Ausgabe habe ich den Artikel ĂŒber Atomkraft in Wyoming gelesen. An sich ist die Technologie der Firma terrapower sehr interessant. Sie ist erheblich sicherer als ein herkömmliches AKW und erzeugt auch deutlich weniger problematischen AtommĂŒll. Durch Modifikation könnte sie sogar bei der Neutralisierung des aktuellen AtommĂŒlls helfen und dabei noch Energie erzeugen. Nur es gibt einen entscheidenden Nachteil. Sie wird frĂŒhestens in 20 Jahren einsatzbereit sein. – Michael Oberseider

 


 

 

Leserbriefe zu „HAUS DER SCHULD“ von Niklas Bessenbach im ZEIT Magazin

 

Ihr „Haus der Schuld“ -Beitrag im neuesten Zeit-Magazin rĂŒhrt bei mir an einigen alten, aber glĂŒcklicherweise gut vernarbten Wunden. Nein, ich bin nie sexuell ungebĂŒhrlich behandelt worden in meinen katholischen Internatszeiten, weder 1959 – 1963 am bischöflichen Knabenseminar St. Stanislaus in Dillingen an der Donau, noch als Zögling des heiligen Benedikts im Missionskloster St. Ottilien am Amersee. Und trotzdem. Gerade weil ich aus einem brutal-katholischen Milieu stamme, hat es mir viel Kraft gekostet, mich zu befreien von der ganz anderen Art des Missbrauchs, der nicht nur in solchen Einrichtungen wie dem Aloisiuskolleg betrieben wird. Missbrauch mit der GlĂ€ubigkeit junger Seelen.

Vielleicht haben Sie verfolgt, dass vor wenigen Tagen in Hamburg ein offensichtlich ausgestoßener Zeuge Jehovas versucht hat, seine „GlĂ€ubigen“ zu erschießen. Sofort machte sich politisch geheucheltes Entsetzen breit, die Justizministerin kĂŒndigte schĂ€rfere Waffengesetze an und Schleswig-Holsteins – zufĂ€llig katholischer – MinisterprĂ€sident kriegte sich gar nicht mehr ein vor ErschĂŒtterung und MitgefĂŒhl und drohte den Jehovas Zeugen mit seinen Gebeten. Dass solche GlĂ€ubigkeit, – Jehovas Zeugen fĂŒhlen sich ja als einzig Geretteten im Meer der verdammten UnglĂ€ubigen, fanatische und faschistoide ZĂŒge trĂ€gt, davon kein Wort.

Sie sind ja noch zu jung, um die Narrative der 70er Jahre miterlebt zu haben. „Wer zweimal mit der selben pennt, gehört schon zum Establishment, – make love, not war, – trau keinem ĂŒber Dreißig“, und so weiter. Die sozialistische Moral der damaligen Logik: Bums Dich frei, sonst bleibst Du ein verklemmter ReaktionĂ€r. Die ehemaligen Groupies jener RevolutionĂ€re, die sogar die Straffreiheit von Kindesmissbrauch forderten und von der Erotik SechsjĂ€hriger schwĂ€rmten, sind heute lĂ€ngst pensionierte Oberstudiendirektoren oder Ministeriale. Die Zeit ging ĂŒber jenen Zeitgeist spurlos hinweg.

Komisch, auch ich bin, wie Sie, immer noch Kirchesteuerzahler, obwohl ich mit Religionen und Doktrinen Ă€hnlicher Art heute nichts mehr anfangen kann. Allerdings auch glĂŒcklich darĂŒber, dass ich damals aus Verzweiflung die Kraft fand, dem, sehnsĂŒchtigen Wunsch meiner Mutter, aus ihrem zehnten Kind einen Priester zu machen, brutal ausgebrochen bin. Kurz vor dem Abitur und mit allen Konsequenzen. Wenn ich heute verfolge, was sich so von kirchlicher Obrigkeit gedeckt und versteckt hervorquillt, wĂ€re ich als Priester entweder verrĂŒckt oder sonst irgendwie irrlichternd geworden statt ein mit seinem Leben weitgehend zufriedener Mensch. Internatsleiter wie die von ihnen geschilderten sind schlimm. Aber noch schlimmer und vor allem viel weitreichender sind die verkorksten Drohungen mit SĂŒnde, Hölle, Tod und Teufel. Von wegen Kinder Gottes, laut Überzeugung der damaligen Kirche keine kleinen SĂŒnderlein, sondern allesamt Satansbraten, schon mit der ErbsĂŒnde geboren und dann auch noch mit einer von Amtskirche geĂ€chteten, weil perversen Moral. Niemand muss die Hölle mehr fĂŒrchten als diejenigen, die sie predigen und die Finger nicht von Jungs lassen können. – J. Stempfle

 

Keiner hat Schuld gehabt. Seinem Titel „Haus der Schuld“ will der Beitrag von Niklas Bessenbach offensichtlich gar nicht gerecht werden. Denn auch nach zehn Magazinseiten hat irgendwie keiner Schuld gehabt am jahrelangen und durch zwei (!) AufklĂ€rungsberichte belegten schwerwiegenden Missbrauch im Bonner Aloisiuskolleg: keine Verantwortlichen, keine StrukturschwĂ€che, nichts. Aber das Thema des Autors und Ex-SchĂŒlers ist ja auch ein anderes: seine eigene Sohn-Vater-Beziehung zum ehemaligen jesuitischen Rektor. (Und hier möchte man „Vorsicht Falle!“ rufen. Warnt im Text doch sein ehemaliger Internatsleiter vor dem damaligen Kollegsprinzip: Beziehung vor jede ĂŒberprĂŒfbare Regel zu setzen.) Jedenfalls sind dem Pater Rektor aus dessen Sicht damals offenbar nur ein paar „Fehler“ unterlaufen, auch wenn er ĂŒber viele Jahre verantwortlich fĂŒr jeweils 800 SchĂŒler war. Und „Moralvorstellungen 
 wandeln sich“ halt mit der Zeit: Wie bitte? Seit Skandalbeginn 2010 kennen wir solche Antworten. Zum Problem wird dem Artikel: Er bleibt bei Befindlichkeiten stehen. Innerhalb dieser Blase werden ausschließlich Vertreter der „TĂ€terorganisation“ befragt, aber kein einziger gravierend Betroffener, nicht der Opferverein Eckiger Tisch Bonn, keine Eltern, keiner, der das Ganze neutral psychologisch, pĂ€dagogisch oder kriminologisch einordnen könnte. Schade. Dabei hĂ€tte die Aufarbeitung des Machtmissbrauchs gerade am Aloisiuskolleg einen neuen Schub gebraucht. – Ebba Hagenberg-Miliu

 

Der Artikel „Missbrauch am Bonner Aloisuskolleg ist ein Modell solcher Artikel in welchen der Verfasser immer das jedoch diskret zurĂŒckhaltende und völlig unschuldige Opfer der MissetĂ€ter ist, der verlogene und ein wenig MitleidvolleTon zeigt wie sehr der Autor selbst an seiner eigenen Unterwerfung beteiligt war, er konnte nicht anders, selbstverstĂ€ndlich, aber er hat wie ich selber unter Ă€hnlichen VerhĂ€ltnissen es nicht nur negativ empfunden. – Georges-Arthur Goldschmidt

 


 

 

Leserbriefe zu „Bleibt doch lieber unten“ von Martin Spiewak

 

Herr Spiewak hat mit seinem Kommentar ins Schwarze getroffen, denn wahrlich sind i. S. Bildung der Worte genug gewechselt … . Vor Jahren hatte der frĂŒhere ZEIT-Herausgeber Theo Sommer fĂŒr sein Hamburg-Buch ermittelt, dass von den in der Hansestadt beschĂ€ftigten Lehrern und Lehrerinnen knapp 50% in der Verwaltung tĂ€tig sind. Halbierte man dieses Kontingent und fĂŒhrte die dadurch freigesetzten KrĂ€fte der Schularbeit vor Ort zu, wĂ€ren der Lehrermangel und viele damit zusammenhĂ€ngenden Probleme behoben. Eigentlich sollte es zu den vornehmsten Tugenden der Politik gehören, mit ihren Ressourcen sorgsam und zielorientiert umzugehen. – Oskar Meyer

 

Wir werden unser Bildungssystem nicht „aktualisieren“ und zeitgemĂ€ĂŸ aufstellen können, wenn wir die systemischen Bedingungen nicht verĂ€ndern. Es ist existenziell, was wir hier machen und es ist nicht akzeptabel, das zu wissen und nichts Entscheidendes zu unternehmen. Eine AbsichtserklĂ€rung im Koalitionsvertrag reicht nicht und ebenso kein „Bildungsgipfel“. Es geht um Grundlegendes. Schulische Bildung muss wie schon der Jugendhilfebereich (SGB VIII, Kinder und JugendstĂ€rkungsgesetz des Bundes) insgesamt Bundessache werden. Wir sollten realisieren, dass wir als EuropĂ€er Bildung nicht mehr auf der Ebene relativ kleiner dt. BundeslĂ€nder verantworten dĂŒrfen, sondern in grĂ¶ĂŸeren ZusammenhĂ€ngen. Ich wĂŒnsche mir, dass die ĂŒberfĂ€lligen VerĂ€nderungsprozesse im Bildungsbereich Chefsache werden, Sache des Bundeskanzlers mit UnterstĂŒtzung des BundesprĂ€sidenten. – Rainer Schweppe

 

Vielen Dank fĂŒr Ihren Kommentar; schade, dass er nicht auf der Titelseite erschienen ist; denn schließlich geht es um die Kinder und damit um die Zukunft. Seit vielen Jahren frage ich mich immer wieder, was die Bildungsverantwortlichen eigentlich – den ganzen Tag tatsĂ€chlich – machen und worin ihre Taten bestehen? Das, was Sie schreiben, ist doch keine Neuigkeit!!! Warum machen diese Personen nicht ihren Job und werden trotzdem bezahlt, bzw. erhalten AltersbezĂŒge…? – Klaus Busch

 


 

 

Leserbriefe zu „Die KI hĂ€lt sie nachts wach“ von Ulrich Schnabel

 

In letzter Zeit lese ich hĂ€ufiger in Ihrer Zeitung Artikel zu KĂŒnstlicher Intelligenz (KI), speziell zu dem Chat-Bot ChatGPT. Der Medienhype erweckte mein Interesse und nachdem ich selbst das Programm ein wenig getestet habe, muss ich sagen: ich kann in dieser KĂŒnstlichkeit keine Intelligenz erkennen. Ein Beispiel? Ich stelle eine einfache Textaufgabe, die spĂ€testens in der Mittelstufe unter Zuhilfenahme von Wikipedia ĂŒberhaupt keine Probleme bereiten sollte: Die Sonne sei auf einen Durchmesser von 1,5 m verkleinert. Wie weit entfernt ist dannÂ đ›ŒÂ Centauri? Nachdem mir nacheinander zwei falsche Antworten gegeben wurden, fragte ich noch einmal nach und bat um einen ausfĂŒhrlichen Lösungsweg: jetzt kam die richtige Antwort. Als ich ein viertes Mal nachfragte, kam wieder eine falsche und von allen bisherigen verschiedene Antwort. Und ChatGPT ist so „intelligent“, dass ihm diese InkohĂ€renz nicht einmal auffĂ€llt.

Ähnlich schlechte Erfahrungen machte ich bei Fragen zu Texten der Weltliteratur. Mein Fazit: KI ist nicht intelligent, sondern tĂ€uscht Intelligenz vor. FĂŒr intelligent gehalten werden kann KI nur, wenn man sich davon blenden lĂ€ĂŸt und die eigene Intelligenz zur ÜberprĂŒfung der KI-Ergebnisse nicht heranzieht. Von dieser EinschĂ€tzung ausnehmen möchte ich ausdrĂŒcklich Software, die fĂŒr konkrete Aufgaben programmiert wurde, wie Schach- oder Übersetzungsprogramme. Aber was die Nachbildung universaler FĂ€higkeiten betrifft (und das ist ja heutzutage meistens mit dem Stichwort KI gemeint), sind die Programme (noch?) Lichtjahre von menschlicher Intelligenz entfernt.

Ich sehe eine große Gefahr: nicht in KI selbst, sondern in der menschlichen Bereitschaft, sich auf sie zu verlassen. – Klaus Hermann

 

Nicht nur als Patriot freue ich mich, wenn das Ehepaar Feiyu Xu und Hans Uszkoreit seine segensreiche Arbeit in Deutschland fortsetzen will und kann. – Die Begeisterung fĂŒr u.a. ChatGPT kann ich (noch) nicht teilen. Ich habe zwanzig eigene Gedichte auch mit diesem Programm schreiben lassen. Die Ergebnisse waren ernĂŒchternd, die eingebauter Zensur Ă€rgerlich: KĂŒnstlicher Intelligenz ist intelligente Kunst/ stets auf der Suche nach Geld und Gunst/ FĂŒr ein Gedicht/ zu schlicht./ Allgemein und populĂ€r/ und allzu oft bedeutungsleer./ Manchmal nur ein Wortsalat/ viel zu wortreich, viel zu fad./ Wie beim Pawlow’schen Hund/ Reaktion ohne Befund./VerhĂ€ngt im neuen Vatikan/ Zensur, wie einst der rote Clan. – Johannes Kettlack

 

Mit großem Interesse und gleichzeitig mit Befremden las ich den Artikel von Herrn Schnabel in der Wochenzeitung „Die Zeit Nr. 12“ zu Ihren Forschungen und AktivitĂ€ten im Zusammenhang mit KI. Ich bin Musiklehrer habe meine ersten zarten Versuche mit ChatGPT gerade hinter mir. Ich forderte die KI unter anderem dazu auf, einen „thoughtful“ englischen Songtext zu schreiben. Abgesehen davon, dass man unbehaglich begeistert davon ist, dass ChatGPT das innerhalb von rund 30 Sekunden erledigt, enttĂ€uschte mich das Ergebnis doch sehr. Denn letztlich kommt da ein klischeehaftes Geschwurbel heraus, das irgendwas von Zeit und Liebe faselt.

Dennoch wĂŒrde ich daraus einen Song machen, wĂŒrde vermutlich trotzdem keiner bemerken, dass es ein KI-Text ist. Es ist ein Blendwerk, ein Text, der aus Millionen Informationen einen Brei formt, der jegliche Persönlichkeit und jegliche unbequeme Intention vermissen lĂ€sst. Aber dem soll nun wohl Abhilfe geschaffen werden. KI soll „deeper“ werden, sozialer, emotionaler natĂŒrlicher, individueller, menschlicher etc. Dazu soll sie laut Ihren Aussagen von Filmen (!) lernen. Also von Geschichten, die Menschen sich erzĂ€hlen, um all dem zu entfliehen, was unser echtes Leben bedeutet. Filme bedeuten ja gerade nicht die RealitĂ€t menschlicher Existenz, sie spielen damit, sie verzerren, ĂŒberzeichnen, verfremden, verfĂ€rben. Wir schauen uns ja Filme an, damit wir fĂŒr eine Weile der menschlichen RealitĂ€t entfliehen können, wir lassen uns doch nur vorgaukeln, dass es in echt so ist. Auf die Frage: „Was soll ich im Notfall machen, wenn ich jemand mit einer DrogenĂŒberdosis auffinde ?“ spuckt die KI bald aus: „Besorge dir schnell eine Adrenalinspritze und stich damit in den Brustkorb der Person.“ Gelernt aus Pulp Fiction.

Das ist natĂŒrlich Quatsch, denn die KI gleicht das ja dann mit unzĂ€hligen anderen Filmen ab. Filme, die andere Halbwahrheiten erzĂ€hlen. Am Ende lernt die KI dann doch genau das Richtige, denn die massenhaften Informationen ergeben dann doch irgendwie genau die Wahrheit. Aber welche breihafte Wahrheit soll das sein ? Auf wen und wann passt diese Wahrheit ? Womit ich wieder beim Songtext bin. Die ganz eigene Welt einer Person wird niemals in einer KI komplett gespeichert und abgebildet sein. Und ich hoffe, dass es immer Menschen geben wird, die zwischen der Schönheit des Individuums und zwischen erbĂ€rmlicher Masseninformationsverpanschung unterscheiden können. Last but not least: dass die Deutschen es einerseits einfach nicht wirklich kapieren mit der KI, Sie aber andererseits Sehnsucht nach deren „Offenheit im Denken“ verspĂŒren, ist ein schöner Widerspruch. Danke dafĂŒr ! Das Zusammenwirken von Herrn Schnabel und Ihnen beiden als Forschenden ergab einen interessanten Text. Alles Gute fĂŒr Ihre weitere Arbeit. – Frank Genkinger

 


 

 

Leserbriefe zu „Kapital, du Zaubermaus, wo bist du?“ von Sybille Berg

 

Wohnen ist ein Grundrecht und sollte keine Goldgrube fĂŒr gierige Manager und Investoren sein. Sonst werden unsere Straßen immer voller, StĂ€dten immer grĂ¶ĂŸer und immer mehr mĂŒssen an einer Hauptverkehrsstraße oder gar unter einer Einflugschneise arbeiten und/oder wohnen. Eine gierige Automobil-, Bau- und Reiseindustrie verdient sich daran eine goldene Nase, denn abgestoßen von unserer grauen, asphaltierten, betonierten und aufgeheizten Umgebung kaufen wir Klimaanlagen und fliehen immer öfter, immer weiter weg. DafĂŒr muss wiederum mehr Infrastruktur gebaut werden. Dieser selbstverstĂ€rkende Teufelskreis lĂ€sst irgendwann alle Natur, frische Luft, sauberes Wasser und ausreichend gesunde Lebensmittel fĂŒr alle verschwinden.

Eigentlich haben wir noch gar nicht angefangen, an die Bau-, Verkehrs- und Klimawende zu denken, die wir brauchen. Wir wollen immer mehr, immer luxuriöser, immer schneller und immer billiger, aber nehmen keine Notiz von unmittelbar wohltuenden Alternativen wie z.B. einer lebbaren Gartenstadt: https://www.zeit.de/2023/02/stadtgruen-pflanzen-klimawandel-cassian-schmidt

Eine solche umzusetzen kann nur einer Stadt gelingen, die als EigentĂŒmerin ĂŒber den nötigen Gestaltungsspielraum verfĂŒgt. Wir sollten nach Wien schauen. Dort gehören 80% des Wohnraumes der Stadt. Solche astronomischen Miet- und Wertsteigerungen durch stĂ€ndigen Weiterverkauf, Gewinnmitnahme und Luxussanierung sind dort unbekannt.

Unsere ungebremst wachsenden Ballungsgebiete lassen auch wertvolle Ausgleichs- und ErholungsrĂ€ume verschwinden. Die umliegenden Gemeinden mit ihren Seen und Bergen mĂŒssen immer mehr Tagestouristen oder Pendler aufnehmen. Gehört nicht schon lĂ€ngst auf Bezirks-, Landes- oder sogar Bundesebene diskutiert, wie strukturschwache Regionen gefördert und zusammen mit unseren StĂ€dten sozial und klimaneutral umgestaltet werden können, um so den Verschandelungs- und Wachstumsdruck von unseren Ballungsgebieten zu nehmen? – Klaus Siersch

 

Ja, es klingt dramatisch, was Frau Berg ĂŒber die Wohnungssuche in einer Großstadt schreibt. Aber mal ehrlich. Wer sich auf den kleinen Raum einer Großstadt fixiert, weil er die „Annehmlichkeiten“, die er damit verbindet, genießen möchte, schrĂ€nkt seine Auswahl und seine Erfolgsaussichten ein. Wirklich enttĂ€uschend ist es, wenn man wie wir (meine Frau und ich haben 10 gemeinsame Kinder) völlig offen in sĂ€mtlichen BundeslĂ€ndern vom Main bis zur Nordsee sucht, nicht fixiert auf eine Großstadt, aber gezwungen, Schulen in der NĂ€he zu haben, die man mit dem ÖPNV erreichen kann, ohne dass die Kinder um 5.00 Uhr morgens das Haus verlassen mĂŒssen, man aber nur Absagen erhĂ€lt, weil der „kinderfreundlichen“ Nation Deutschland 10 Kinder zuviel sind. Selbst in einem Haus mit 300qm. Selbst, wenn man ĂŒber genug finanzielle Mittel verfĂŒgt. Selbst, wenn man, was man so schön sagt, der bĂŒrgerlichen Mitte angehört. Frau Berg hat Alternativen. Wir selten. – Oliver Hauschke

 

Bis vor kurzem gab es ein Land in Mitteleuropa, in dem die von Frau Berg gewĂŒnschte Ordnung herrschte: die DDR. Der Grund und Boden gehörte dem Staat und die meisten Wohnungen auch. Die Mieten waren so niedrig, dass sie sich jeder leisten konnte. Die ehemaligen DDR-BĂŒrger trauern vielem nah, aber nicht dem Wohnungsmarkt. – Peter Pielmeier

 


 

 

Leserbriefe zu „Armageddon“ von Christoph Heinemann et.al.

 

Sehr geehrte Autor*innen, dass Sie den Namen des AmoklĂ€ufers abgekĂŒrzt haben, ist fĂŒr die Katz: Das Buch wird immer noch (warum auch immer, vielleicht weil die Inhaber rechts „konservativ“ sind) von einer amerikanischen Supermarktkette angeboten. Im Angebot dieser Kette befinden sich offenbar auch immer noch Waffen samt Munition, also ein umfassendes Portfolio fĂŒr jeden Psychopathen.

Dass unsere Behörden wieder einmal, wie schon bei dem Messermörder im Zug vor kurzem, schlecht aussehen, wundert mich nicht. Man kann den Leuten natĂŒrlich nicht ins Gehirn sehen, aber ein bisschen mehr GrĂŒndlichkeit (war das nicht mal eine deutsche Tugend, gerade bei den Behörden?) wĂŒrde ich mir bei solchen FĂ€llen schon wĂŒnschen.

Jetzt sollen wieder einmal Gesetze verschĂ€rft werden, die hinterher eh nicht durchgesetzt werden. Was nĂŒtzt eine psychische ÜberprĂŒfung beim Erstkauf? Solche Tests mĂŒssen von Fachleuten, nicht von irgendwelchen ĂŒberforderten Behörden, durchgefĂŒhrt werden. Und zwar REGELMÄSSIG! Was nĂŒtzt es, dass der Erwerb / Besitz von Schusswaffen erschwert werden soll, wenn die TĂ€ter dann stattdessen zum Messer greifen? (Okay, mit Schusswaffen kann man im Normalfall mehr Menschen in kĂŒrzerer Zeit als mit einem Messer töten.) Bleibt abzuwarten, ob man gegen die JĂ€ger- und SchĂŒtzenvereinslobby und ihre Vertreter in der Union und der FDP ankommt. – Thomas Manthey

 

Zur möglichen Motivation des TĂ€ters: Die Familie des Philipp F. war „wohl ursprĂŒnglich streng katholisch“, so im Artikel. Er war daher mit den dortigen Dogmen Fegefeuer, Apokalypse, JĂŒngstes Gericht (Armageddon) und der persönlichen Option einer ewigen Folter in einer Hölle im Falle einer Nichtvergebung geschĂ€digt. F. ging nicht den Weg der Abschaffung seines Glaubens, nicht also den Weg in den Atheismus. Er unternahm das Gegenteil: Hin zum Glauben. Es ist der Weg zahlreicher Schizophrener: Sie lehnen sich als Jugendliche zuerst gegen ihren fundamentalistischen Glauben auf, scheitern aber damit und suchen nun ihr Heil in einer extremen Frömmigkeit.

Der Glaube der Zeugen Jehovas versichert seinen Angehörigen durch ihre exklusive Mitgliedschaft eine klare „Rettung“, wie es dort heißt, vor dem so gefĂŒrchteten Zorn Gottes. Gott werde beim Gericht die Mitglieder verschonen. Die Gottangst lĂ€sst in der Gemeinschaft, potenziert durch deren Strenge, erheblich nach. Offiziell glaubt man dort nicht an die ewige Hölle, dies Dogma sei unbiblisch. Aber da wird im Einzelfall vieles verdrĂ€ngt. Nicht alle Menschen wĂŒrden „erlöst“, so in einer Web-Seite der Zeugen (s.u.). Jesus habe gesagt: „Die TĂŒr ist eng. Setzt alles dran, hineinzukommen! Viele werden es versuchen, aber es wird ihnen nicht gelingen“. Hier geht es um die Chance, in das „Reich Gottes zu kommen“, ins Paradies – Mk 10,23–27 EU.

ErfĂ€hrt nun ein Mitglied eine wodurch auch immer bedingte Abneigung durch die Gemeinschaft der Zeugen, die seine Zugehörigkeit beendet oder die es veranlasst, auszutreten, sieht es sich mit seinen massiven KindheitsĂ€ngsten erneut konfrontiert. Es können Hass- und RachegefĂŒhle entstehen: Der Abgespaltene mag sich im Voraus fĂŒr die Strafen im Jenseits, die er nun mit Sicherheit auf sich zukommen sieht, rĂ€chen. Es treten, wie auch bei F., Schizophrenie-Symptome auf. F. schreibt eine Art Bibel, um sich doch noch als Geretteten sehen zu können. Der Casus Breivic ist ein analoger Fall. Er sah sich, irregeleitet, offiziell als Kreuzritter im Auftrag seines Gottes unterwegs.

Über diese glaubensbedingte Schizophrenie steht viel im „Fallbuch SpiritualitĂ€t in Psychotherapie und Psychiatrie“. Mit diesem Buch, so der Herausgeber Prof. Utsch, betrete die DGPPN „fachliches Neuland“. Es wird der schwere Kunstfehler eingestanden, dass religiöse Themen in der Psychotherapie „viele Jahrzehnte ĂŒbergangen wurden“, so Utsch. Eigene religiöse Ängste liegen bei Psychiatern vor, bedeutet uns Chefarzt Dr. Manfred LĂŒtz. Sie sind es, die eine erfolgreiche Ă€rztliche Therapie religionskranker Patienten bisher blockierten – und noch blockieren.

Das Fallbuch ist dann auch voll von Kasuistiken Betroffener, die ihre religiösen Ängste auch explizit vor der „Hölle“ offen ansprechen. Diese Patienten sind in einem Sacco-Syndrom (Religious Trauma Syndrome) durch ihre fundamentalistische Religion erkrankt. 17 der 20 aufgefĂŒhrten FĂ€lle beinhalten als die eigentliche Ursache ihrer Krankheit Gott- bzw. StrafĂ€ngste. In gleich sechs Krankengeschichten (4 / 5 / 9 / 11 / 13 / 15) treten Schizophrenie-Symptome aufgrund massiver Ängste vor jenseitigen Strafen auf. Hier ist C. G. Jung bestĂ€tigt: Die Schizophrenie ist keine eigenstĂ€ndige Erkrankung. Sie ist das bei schweren Ängsten auftretende Symptom einer Dissoziation, einer Flucht in einen Wahn, in eine Spaltung des Bewusstseins. Die Halluzination entspricht einem Traum im Wachzustand – hervorgerufen durch dauerhaften massiven Stress. Daneben lĂ€uft immer noch die Genhypothese.

Gottangst bzw. ĂŒberhaupt Angst fĂŒhrt die Betroffenen in AbhĂ€ngigkeit ihrer Persönlichkeitsstruktur in ganz unterschiedliche Symptome: ADS, ADHS, Autismus, SĂŒchte, Depressionen, Neurosen, ZwĂ€nge, Psychosen, Perversionen etc. Alles Unheil der menschlichen Psyche entstammt der Angst des Menschen, so Eugen Drewermann. Nach dem Priester Eugen Biser ist die Höllenangst die grĂ¶ĂŸte Angst des Menschen. Er widerlegte damit Sigmund Freud, der hier die fĂ€lschlich Katrationsangst und entsprechend den Penisneid anfĂŒhrte.

https://www.jw.org/de/bibliothek/zeitschriften/wp20081101/Glauben-Jehovas-Zeugen-dass-sie-die-Einzigen-sind-die-gerettet-werden/ – Rolf Reitis

 

Ich bedauere jetzt einfach mal die Opfer dieser schrecklichen Tat, das ist mir sehr wichtig, das musste einfach sein! Das ortsĂŒbliche GesĂŒlze der Politiker nach so einer Bluttat einerseits, die gleich wieder mit VerschĂ€rfungen im Waffengesetz drohen, das geht eher voll an mir vorbei, wĂ€hrend die andere Fraktion sofort von einer konsequenten Anwendung der bestehenden Gesetze redet.

Was denn nun? Hier geht es um uns, um die Menschen, und Menschen sind nun mal nicht so berechenbar, wie es unsere gewĂ€hlten Volksvertreter gerne haben möchten! Auch bei einer stĂ€ndigen oder gleich totalen Überwachung kann und wird es immer derartig furchtbaren Entgleisungen geben. – Klaus P. Jaworek

 


 

 

Leserbriefe zu „»Es kommt niemand nach«“ von Olivia Kortas

 

Aus Bachmut berichtet u. a. ein Soldat, wie unvorstellbar grausam Putin und seine Kumpane den Krieg fĂŒhren. Die Ukrainer wissen, wie nahezu hoffnungslos die Lage ist. Jetzt erhalten sie aus Deutschland die Botschaft, dass die BundesbĂŒrger in der Mehrheit die Waffenhilfe fĂŒr die Ukraine ablehnen. Die Ukraine soll sich der Gewalt beugen und ihre Nation aufgeben. Grosny, Georgien wurden besiegt, warum jetzt nicht auch die Ukraine ? DemnĂ€chst die Ostblockstaaten ! Dann geht das KalkĂŒl Putins auf.

Die GRÜNEN werden fĂŒr ihre Waffenhilfe kritisiert und sinken auf der Beliebtheitsskala. Annalena Baerbock, die mutig zu ihrer Überzeugung steht und fĂŒr die Menschenrechte eintritt, wird angegriffen. FĂŒr mich stehen die GRÜNEN fĂŒr Demokratie, Meinungsfreiheit, Gerechtigkeit und Erneuerung. WidersprĂŒche innerhalb der Partei bezeugen ihre WandlungsfĂ€higkeit und dass man sich irren kann. Die AfD freut sich ĂŒber den zunehmenden Zulauf und ĂŒber die zunehmende GleichgĂŒltigkeit der BĂŒrger gegenĂŒber dem Kriegsleid der Ukrainer.

Die BĂŒrger, die jede weitere Waffenhilfe fĂŒr die Ukraine ablehnen, kommen mir vor wie die Zeugen eines Überfalls, die sich abwenden, um nicht damit behelligt zu werden. Ich habe als 5-JĂ€hrige den 2. Weltkrieg erlebt und dabei meine Eltern verloren. Als Witwe eines Ukrainers, wĂ€re ich aktiv an der Seite der Ukrainer. Leider fehlt mir die psychische Kraft dafĂŒr. Meine Hoffnung bleibt, dass die Gerechtigkeit siegt. – Hannelore Justin

 

Im Osten nichts Neues – Bachmut als Symbol fĂŒr die Sinnlosigkeit des Stellungskrieges. Am Montag wurde Im Westen nichts Neues mit vier Oscar gekĂŒrt. Ich habe mich lange verweigert den Film anzuschauen – zu groß war die Angst, dass mich dies emotional ĂŒberfordern wĂŒrde. Nach der Oscarverleihung hat mich dann meine Frau ĂŒberzeugt den Film anzuschauen. Meine Angst war berechtigt. Der Film hat in mir ein riesiges schwarzes Loch zurĂŒckgelassen. Ein Loch bei dem es keine Werte mehr gibt und selbst die Sinnhaftigkeit des eigenen Überlebens in Frage gestellt wird. Nichts aber auch gar nichts lĂ€sst diesen menschlichen Irrsinn einordnen oder gar rechtfertigen. Auf Seite zwei der letzten Ausgabe der Zeit wird ein Foto von einem ukrainischen Soldaten im SchĂŒtzengraben in Bachmut gezeigt. Im Osten nichts Neues – wir sind in der Sinnlosigkeit des Krieges angekommen. Wer kann dieses sinnlose Ausbluten, die Tausende von Toten und das furchtbare Leid noch rechtfertigen? Es bleibt nur eins. Friedensverhandlungen heute und nicht erst morgen – nur so können wir wieder zu unseren menschlichen Werte zurĂŒckfinden. – Rainer Spanagel

 


 

 

Leserbriefe zu „Aussöhnung am Golf Ist China der neue Friedensstifter?“ von Andrea Böhm

 

Ein wirklich toll geschriebener Beitrag von Frau Böhm ĂŒber den bereits einsetzenden chinesischen Avantgardismus. Auch wenn der Begriff Taufpate ein ganz hĂŒbscher ist und allegorisch dazu Ă€ußerst passend, wĂŒrde ich mich selbst eher fĂŒr ein alternatives, sagen wir mehr nihilistisches Schlagwort entscheiden. Im Film Sieben Jahre in Tibet betreten in einer Szene die Mao-Kommunisten den heiligen Tempel in Lhasa. Angekommen bei den Mönchen, die hingebungsvoll vor ihren Mandalas knien, machen sie einen Augenblick Halt. Dann lĂ€sst der AnfĂŒhrer kurz und lapidar verlautbaren, dass Religion Gift sei, um gleich darauf das rituelle Bild zu besudeln, indem er mit seinen Stiefeln einfach darĂŒber lĂ€uft. Aber ich schweife ab. Der GeneralsekretĂ€r der kommunistischen Partei Chinas, ferner Vorsitzender der Zentralen MilitĂ€rkommission und seit dem 10. MĂ€rz vom Nationalen Volkskongress fĂŒr eine dritte Amtsperiode wieder bestĂ€tigte PrĂ€sident Xi Jinping ist der kommende Mann und kĂŒnftige Weltenlenker dieses Jahrhunderts. Und weil er das weiß, macht er sich nun daran, die globale geopolitische Landschaft zugunsten seiner Agenda auszurichten. Und daran wird ihn niemand, nicht einmal die Amerikaner hindern können. Der Paradigmenwechsel vollzieht sich. Von der Pax Americana zur kĂŒnftigen weltumspannenden Schutzmacht China. Alea iacta est. – Michael Ayten

 

Der große und der kleine Satan (Saudi-Arabien und der Iran) nehmen also wieder diplomatische Beziehungen auf. Unter Vermittlung der „Friedens „macht China. Erstens wird das nicht lange halten (an dem innerislamischen Konfessionskrieg zwischen Sunniten und Schiiten haben doch seit mindestens 1979 und der damaligen Geiselnahme von Pilgern durch eine Endzeitsekte und dem nachfolgenden Massaker von Mekka beide Seiten viel Spaß dran gehabt, warum sollte sich da was Ă€ndern?) und zweitens wird das keinem dieser Verbrecherstaaten etwas nĂŒtzen. – Thomas Manthey

 


 

 

Leserbriefe zu „Wie soll sich Deutschland jetzt gegenĂŒber Israel verhalten?“ Streit von ZeĂšv Rosenberg und Tal Rimon

 

In diesem StreitgesprĂ€ch geht es vor allem um die Frage, ob innerisraelische VorgĂ€nge von außen ĂŒberhaupt kommentiert und kritisiert werden dĂŒrfen. Dass im Falle Deutschlands eine besondere ZurĂŒckhaltung geboten ist, darĂŒber herrscht unter den GesprĂ€chspartnern Einigkeit. Maximilian Feldmann weist am energischsten jede deutsche Einmischung zurĂŒck. Er bejaht die Politik Netanjahus vorbehaltlos und immunisiert den politischen Kurs der nationalreligiösen Regierung gegen jegliche Kritik aus dem Ausland, indem er den potentiellen Kritikern pauschal eine fundamental israelkritische Haltung unterstellt – und das heißt in seiner Lesart: dass sie das Existenzrecht Israels zu delegitimieren beabsichtigen. Die landesweiten Proteste gegen die Justizreform wertet er als Beleg fĂŒr eine intakte Zivilgesellschaft, wobei er unterschlĂ€gt, dass die geplanten Maßnahmen kĂŒnftiges zivilgesellschaftliches Engagement zumindest erschweren

dĂŒrften.

Nicht auszuschließen ist zudem, dass die Rechte der ohnehin marginalisierten arabischstĂ€mmigen Bevölkerung in Israel wegen möglicher TerroranschlĂ€ge prĂ€ventiv eingeschrĂ€nkt werden – Regierung und Parlament brauchen dann eine eventuelle ZurĂŒckweisung einer derartigen Gesetzesnovelle durch den Supreme Court nicht lĂ€nger zu fĂŒrchten. Maximilian Feldmann erwĂ€hnt den Zionismus – eine Bewegung, die angesichts der katastrophalen Entwicklungen in Europa seit dem 19. Jahrhundert fĂŒr Juden existenziell notwendig und folgerichtig war. Deren Ziel wurde mit der StaatsgrĂŒndung 1948 erreicht. Die jĂŒdische Bevölkerungsmehrheit sah sich dabei keinesfalls als Teil eines kolonialen Siedlerstaates; daran Ă€nderte sich auch nichts, als die israelische Armee 1967 die Westbank besetzte und die Voraussetzungen fĂŒr eine expansive jĂŒdische Siedlungspolitik ab den 1980er Jahren schuf, die die dort lebenden PalĂ€stinenser in eingezĂ€unte Enklaven zwĂ€ngte, von wichtigen Verkehrsverbindungen abschnitt und den Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen erschwerte. Auch in diesem Kontext gilt: Mit der Aufhebung der Kontrollfunktion der Judikative erlangt die gewĂ€hlte politische FĂŒhrung faktisch ein Mandat zum „Durchregieren“ – hier zur Fortsetzung der international weitgehend geĂ€chteten Siedlungspolitik.

Dass sich allerdings hierzulande unter dem Etikett der Israelkritik handfeste antisemitische Stereotype verbergen, ist nicht von der Hand zu weisen, darf aber nicht als Vorwand dienen, problematische Entwicklungen in einem befreundeten demokratischen Staat kommentarlos zu ĂŒbergehen. – RĂŒdiger Paul 

 

das Thema brisant, die Diskussion interessant. Die Zeit fragt: „Wie soll sich Deutschland gegenĂŒber Israel verhalten?“ Ich frage die Zeit: Darf ich hoffen, die Antwort in einer der nĂ€chsten Ausgaben zu lesen? Übrigens, Frau Rimons Ansicht ĂŒber „unsere FĂ€higkeit, KomplexitĂ€t zu erfassen“, ist wenig schmeichelhaft. – Monika Klein

 


 

 

Leserbriefe zu „Unfeine englische Art“ von Jochen Bittner

 

Irgendwoher kommt mir der Spruch „Play the ball, not the man.“ bekannt vor. Ich möchte mit Peter Dausends bzw. Shakespeares Fußballweisheit antworten: „Fair is foul, and foul is fair.“ Könnte auch Motto des Kölner Kellers sein. [not enough room] to swing a cat musste ich erstmal googeln. War mir als idiomatische Redewendung bisher nicht bekannt. Die arme Katze. Warum nimmt man nicht einen Hund? – Thomas Manthey

 

Sehr geehrter Herr Bittner, ich finde Ihren Kommentar Ă€rgerlich. Schon allein, weil Sie Gary Lineker unterstellen, es gehe ihm darum Applaus zu erheischen. Das hat er wohl eher nicht nötig. Wesentlicher ist es aber, dass Sie ganz entscheidende Punkte weglassen, die wichtig sind, um die Geschichte richtig einordnen zu können. NĂ€mlich dass die Tory-Regierung in trauter Verbundenheit mit der starken rechten Tagespresse seit Jahren versucht, die BBC an die Leine zu legen oder, noch besser, ganz abzuschaffen. Was an vielen Stellen schon dazu gefĂŒhrt hat, dass in vorauseilendem Gehorsam Selbstzensur geĂŒbt wurde.

Sie erwĂ€hnen nicht, dass der BBC-Vorsitzende Richard Sharp höchst umstritten ist als Tory-Spender und dem damaligen Premier Johnson zu einem dicken Kredit verholfen hat. Generaldirektor Tim Davie wurde 2020 installiert, um den „War on woke“ voranzutreiben. Und sie erwĂ€hnen vor allem nicht, dass bei der Beurteilung von Social Media-AktivitĂ€ten ganz offenkundig mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn Lineker ist nicht der einzige BBC-Mitarbeiter, der Ansichten zu politischen Themen kundtut. Was aber bisher weitgehend unbemerkt und ungeahndet blieb. Kurz: Das Ganze war ein scheinheiliger Versuch einen Prominenten, dessen regierungskritische Meinung wahrscheinlich mehr zĂ€hlt als die eines DurchschnittsbĂŒrgers, zum Schweigen zu bringen. Mit Unparteilichkeit hatte es nichts zu tun. – Michael Ortmann

 


 

 

Leserbriefe zu „Heute ein König“ von Stefan Willeke

 

Die Landwirtschaft wird oft als Inflationsgewinnler dargestellt. Der Landwirt kauft zum Beispiel Futtermittel auf Kredit, mĂ€stet damit Schweine. Mit dem Verkaufserlös tilgt er dann den Kredit. Um die Produktion aufrecht zu erhalten, muss er dann aber sofort wieder Futter auf Pump kaufen … Ein mehrmaliger Kreislauf – bis Ende 1923 mit dem Verkaufserlös fĂŒr das Schlachtschwein nur ein Bruchteil des – geringer abgewerteten – Kredites abgelöst werden konnte. So erging es einem Vorfahren von mir, einem gelernten Schuster, der aber keine neuen Schuhe mehr verkaufen und von den Erzeugnissen von 3ha Land nicht leben konnte, daher auch Schweinemast mit zugekauftem Futter betrieb. Nur mit sparsamster Lebensweise konnte er in 2 Jahrzehnten den Inflationsverlust abstottern. Dies als nur ein Beispiel. Insgesamt ging der Sektor Landwirtschaft nicht entschuldet aus der Inflation heraus; danach stieg die Verschuldung wieder. – Adolf Ronnenberg

 

Bis vor Kurzem galt die „New Monetary Theory“ (NMT) als wahres Zaubermittel: Die Zentralbanken schufen jahrelang je „nach Bedarf des Staates oder der EU-Staaten“ neues Geld gegen teils „Murks-Schuldtitel“. Argumente dafĂŒr kamen aus der Betrachtung zweier Gleichgewichtslagen. In der ZEIT (16-03-2023) wird dankenswerterweise gleich dreimal implizit die „NMT“ ad absurdum gefĂŒhrt:

  • Die skizzierte Aufarbeitung der „großen Inflation“ 1923 im Dossier zeigt den Betrug der Staatsspitze an ihren BĂŒrgern. Das Versprechen: „Nach dem glorreichen Sieg werden alle Staatsanleihen zurĂŒckgezahlt“ konnte niemals eingehalten werden.
  • Da die Zentralbanken seit 10 Jahren ein enormes (monetĂ€res) Inflationspotential geschaffen hatten, reichten schon die ersten Bremsversuche nach einem realen Schock aus, um grĂ¶ĂŸere Crashs herbeizufĂŒhren. Die „NMT“ hĂ€tte besser „New Monetary Trash“ genannt werden mĂŒssen.
  • Dass bei einem Geldzinssatz von nahe (oder real unter) NULL die Investoren in teils schrĂ€ge Finanzierungsmodelle (Modell Stinnes) oder sicherheitshalber in „Betongold“ gehen, weiß jeder Ökonom in mittleren Semestern.

Eine letzte Frage an Frau Berg: „Wenn die StĂ€dte und Dörfer wieder denen ĂŒbereignet werden, die darin wohnen“, was machen Sie bei bspw. berufsbedingten UmzĂŒgen in andere StĂ€dte oder soll das wie im Mittelalter reglementiert werden? Auch wenn ZĂŒrich nicht zum EZB-Bereich gehört: Sie sollten die miese Rolle der EZB in diesem Ablauf auch erkennen! Und dass alle „coolen“ Leute entweder nach MĂŒnchen, Berlin oder ZĂŒrich wollen, treibt dort die Mieten besonders dramatisch hoch. FĂŒr mich war auch MĂŒnster (Westf.) mit 300.000 Einwohnern eine besonders schöne Stadt! – Wolfgang Ströbele

 


 

 

Leserbriefe zu „Zukunft fĂŒr Ruinen“ von Marcus Rohwetter

 

Man sollte eigentlich einen Kommentar nicht kommentieren, aber als ehemaliger Planungsdezernent einer Großstadt erlaube ich mir, auf die journalistische Putzigkeit des Kommentars zu reagieren. Vor dreißig Jahren schliefen alle InnenstĂ€dte den Dornröschenschlaf und alle – auch ich – glaubten an dessen Unendlichkeit. Dabei hatten lĂ€ngst die Ratten des Einzelhandels wie Aldi und Lidl das Ende eines diversifizierten Handelsstandortes eingeleitet. Es waren nicht nur die Annehmlichkeiten des Erreichens und Verweilens, viel dramatischer waren dessen ExpansionsplĂ€ne fĂŒr alle Sortimente. Schleichend wurden die zu Deutschlands grĂ¶ĂŸten Schuh- , Möbel-, Elektronik-, WeinhĂ€ndler usw.

Es gab verantwortliche Strategien in den StĂ€dten fĂŒr eine ausgewogene Standortentwicklung, welche von opportunistischen Politikern trotz selbst gefasster BeschlĂŒsse bei erst bester Gelegenheit nach Meckern von bequemen BĂŒrgern in Frage gestellt wurden. Es waren exakt die Politiker, welche heute nach den logischen Anpassungen des Handels in den InnenstĂ€dte deren Renaissance einfordern. Es werden zukĂŒnftig keine InnenstĂ€dte mehr geben. Der Einzelhandel wird durch den Einfluss der Handelsriesen auch die letzte Nische zur absoluten VervollstĂ€ndigung ihrer Macht besetzen und dieses durch eine, sogar im lĂ€ndlichen Bereich zufriedenstellende PrĂ€senz. Das ehemalige Handelsstandorten einen Glauben fĂŒr Arztpraxen, BĂŒros, Wohnungen und einen Handel des tĂ€glichen Bedarfs erlauben, ist derart weit vom Charakter einer Innenstadt, dass diese Begrifflichkeit obsolet wird. Eine kulturelle Anreicherung dieses Bereichs wird auch mit gastronomischen ErgĂ€nzungen keine VitalitĂ€t erzeugen, weil die Resonanz fĂŒr eine betriebswirtschaftliche TragfĂ€higkeit nicht ausreicht.

Damit werden die genannten Änderungen partielle Wirkungen entfalten, aber der Charakter Innenstadt ist ĂŒberholt, auch weil Kommunikation durch den Einfluss von Internet und Social-Medien keine raumspezifischen BedĂŒrfnisse und Belange erzeugen. Es wird in zehn Jahren keine Theater und Kinos mehr geben, auch weil eine entsprechende Hard- und Software ein auch neubestimmtes BedĂŒrfnis nach Bildung und Kultur bedienen wird. Man muss nur seine eigenen Kinder und Enkelkinder beobachten. – JĂŒrgen Dressler

 

Da kann ich Herrn Rohwetter nur zustimmen. Die WarenhĂ€user, gleich urbanen Höhlen, waren mir schon immer suspekt. So muffig, wie sie stets daherkommen. Wie KrĂ€merlĂ€den, die völlig aus der Zeit gefallen sind. Das Wirtschaftswunder zu Zeiten Ludwig Erhards lĂ€sst hier grĂŒĂŸen. Ich kann die triumphale Freude daher auch nicht so ganz nachvollziehen, die sich jetzt bei Frau Verena Hubertz von der Trierer SPD auftut. Klar, sie hat mit ihrem Einsatz nun dazu beigetragen, dass das Warenhaus erhalten bleibt. Aber ganz ehrlich, nobody cares about a verstaubtes Relikt aus alten Tagen. Wir kaufen von zuhause aus ein. Bei Jeff. Das ist viel unkomplizierter. Und angenehmer. Und nicht so verstaubt natĂŒrlich. – Michael Ayten

 


 

 

Leserbriefe zu „»Die Bombe könnte auch meine Mama anbringen«“. GesprĂ€ch mit Achim Schlöffel gefĂŒhrt von Cathrin Gilbert

 

Hat Habeck dieses MĂ€rchen geschrieben? Oder hat sich Yasha Mounk dies ausgedacht? Ist das hier ein Menschenversuch, wie dumm die Leute in Deutschland sind? Gehören Sie zu den Journalisten, die die Bundesregierung oder der BND bezahlen? Entschuldigen Sie bitte, Sie scheinen Ihr Publikum WIRKLICH fĂŒr dĂŒmmer als DrittklĂ€ssler zu halten. Dieses kleine ZEIT-Narrativ ist noch dem bescheidensten Intellekt eines Erwachsenen ins Gesicht gespuckt. – Klaus Fuchs

 

Diese Aussage drĂŒckt aus: FĂŒr diese TĂ€tigkeit benötigt man weder besonderes Wissen noch besonderen Verstand, sie ist total simpel, Mama-Niveau ist völlig ausreichend. Damit unterstĂŒtzt sie ein altes RollenverstĂ€ndnis. Ich bin entsetzt, dass sich diese missliche Aussage des Interviewten in der Überschrift findet. Und ich wĂŒnsche mir eine Welt, in der dieses alte Denken, das ein GefĂ€lle zwischen MĂ€nnern und Frauen impliziert, nicht weiter gepflegt wird. Bitte leisten Sie als Zeitung einen Beitrag dazu. – Anne Hengst

 


 

 

Leserbriefe zur Infografik „Frohen Ramadan!“ von Nora Coenenberg (Infografik) und Arnfrid Schenk (Recherche)

 

Die Infografik ĂŒber Muslime in Deutschland anlĂ€sslich des baldigen Begins des Ramadans (Wissen. S. 44) löst bei mir Unbehagen aus. Wieso wird hier der Beginn des Fastenmonats als Anlass genommen, eine oberflĂ€chliche Ethnographie und (um drei Jahre verjĂ€hrte) VolkszĂ€hlung der Muslime in Deutschland vorzunehmen? Die Infografik weißt durchweg das Problem des „Othering“ (Fremd-Machung) auf. ZunĂ€chst einmal wendet sie sich explizit an nicht-Muslime da sieÂ ĂŒber Muslime zu informieren sucht, trotz der sich mit dem Inhalt der Grafik reibenden Überschrift „Frohen Ramadan.“ Muslime, so entnehme ich der Grafik, haben immer Wurzeln anderswo, auch wenn sie deutsche StaatsbĂŒrger sind, und folgen „Anderen Zeiten.“ Man mag sich zwar mit diesen Inhalten legitim auseinandersetzen, doch in ihrer OberflĂ€chlichkeit suggerieren die Informationen hier den fremdmachenden Blick der deutschen Mehrheitsgesellschaft, die hier implizit die angesprochene Leserschaft der Zeit darstellt.

Des weiteren scheint mir auch unter Anderem der Teil der Infografik zur Praxis des Kopftuchtragens problematisch. Entgegen den Umfragewerten zum Fasten hat das Kopftuchtragen erst einmal nichts mit dem Ramadan zu tun. Auffallend ist auch, dass aus unerfindlichen GrĂŒnden der 62%-Prozent Balken der KopftuchtrĂ€gerinnen ĂŒber 66 in ein herausstechendes Pink eingefĂ€rbt wurde, obwohl in den Balken darĂŒber kein Farbverlauf stattfindet und es auch sonst keinen ersichtlichen Grund (z.B. >50% = Pink) gibt. Schließlich ist es mir unbegreiflich, warum die Illustration einer kopftuchtragenden Person augenlos dargestellt wird.

Der Mehrwert dieser Infografik ist fraglich, da die Umfragewerte und Erhebungen auch durch das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge eingesehen werden können (https://www.bamf.de/SharedDocs/ProjekteReportagen/DE/Forschung/Integration/muslimisches-leben-deutschland-2020.html;jsessionid=AACA0240E16877E95D411273870FF8C4.intranet242?nn=282388#a_329722_2).

Was ich unreflektiert finde, ist, den Beginn einer kulturell und religiös wichtigen Zeit als Anlass zu nehmen, Muslime in Deutschland statistisch und Fremd-Machend unter die Lupe zu nehmen—als ob sie nicht schon lange auch zu der Kultur der Bundesrepublik dazugehören. – Elena Kempf

 

In der Infografik der aktuellen Zeit Print Ausgabe, erscheint mir ein nicht unwesentlicher Fehler. In der Mitte steht, dass 6,7% der Menschen in Deutschland muslimischen Glaubens sind. Mit Sternchen. Wenn man diesem zur Quelle am Rand folgt, steht dort, dass dies auf Hochrechnungen des BAMF beruht, sowie die Definition des „Migrationshintergrunds“. Nicht alle Menschen mit Migrationshintergrund sind Muslime und nicht alle Muslime in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Vielleicht war es korrekt gemeint und schlecht beschrieben. Oder es wurden dich zwei Dinge in einen Topf geworfen, die da eigentlich nicht so zusammen gehören? Vielleicht wĂ€ren ja auch die GrĂŒnde dafĂŒr und der Zusammenhang Migration und Muslime einen aufklĂ€renden Artikel wert. – Miriam Spagl

 


 

 

Leserbriefe zu „Moralisch sein, trotz allem“ von Thomas Assheuer

 

«Gerade einmal 15 Jahre alt war Ernst Tugendhat, als ihm seine Mutter Martin Heideggers Jahrhundertbuch „Sein und Zeit“ in die Hand drĂŒckte. Der philosophisch hochbegabte Sohn fing Feuer  » Der Nachruf auf Tugendhat nimmt Bezug auf einige bedeutsame Erkenntnisse aus der so begonnenen philosophischen Laufbahn. Bemerkenswert ist Tugendhats Einstellung zum Lebensende: «Solange der Einzelne spĂŒrt, dass es zu Ende geht, stehe ihm nur eines noch offen – die Mystik der Weltverneinung.» Dahinter sei Heisenbergs Idee der Gelassenheit erkennbar. Der Mensch «bindet sein Ich zurĂŒck an das Universum, an die unverlierbare „Allheit“, die ihn seit je mit „unvergleichlicher Macht und RĂ€tselhaftigkeit umgibt“» Eine auch philosophisch interessante Frage könnte nun sein, ob sich nicht auch aus dieser Situation der folgende Auftrag ergibt: Wir sind nur Gast auf diesem schönen Planeten und mĂŒssen somit dafĂŒr sorgen, dass dieser Planeten unseren Nachkommen unversehrt ĂŒbergeben werden kann. Das betrifft drei Themen nĂ€mlich Demographie, Ökonomie und Ökologie.

Aus einem solchen Auftrag ergibt sich die Forderung, Grenzen einzuhalten bezĂŒglich Kopfzahl und Konsum. Dabei ergeben sich Zielkonflikte beim Festlegen solcher Grenzen. Soll zunĂ€chst der Konsum pro Person begrenzt werden und daraus die Grenze fĂŒr die Kopfzahl ermittelt werden oder bewirkt dies, dass Ersatz-Perspektiven gesucht werden, die zur untragbaren Erhöhung der Kopfzahl fĂŒhren? Oder umgekehrt können die Geburtenraten durch mehr Wohlstand ausreichend reduziert werden, ohne dass dadurch die Grenzen beim Konsum ĂŒberschritten werden? Und da geht es dann auch noch ums Ermitteln von Sicherheits-AbstĂ€nden unter BerĂŒcksichtigung vorhandener Unsicherheiten. Die schwierigste Frage ist dann wohl die, wie die begrenzende Zuteilung funktionieren kann, durch Institutionen oder durchs Fördern von Mechanismen?

Noch schwieriger wird es, wenn man als viertes Thema die Moral einbezieht. Dies allerdings nur dann, wenn nur die kurzzeitige Wirkung einer Moral im Vordergrund steht. Langfristig gesehen ist es ja so, dass das NichterfĂŒllen des Auftrags mit soviel Leid verbunden ist, dass dieses NichterfĂŒllen als maximal unmoralisch angesehen werden muss. Der Titel des Artikels lautet «Moralisch sein, trotz allem» Das erfordert eine entsprechende Interpretation der folgenden Feststellung Tugendhats: Das Recht auf Eigentum mĂŒsse «eingeschrĂ€nkt werden, und zwar genau in dem Masse, wie es die Rechte der ĂŒbrigen BĂŒrger verletzt. Nicht Gleichheit sei begrĂŒndungspflichtig, sondern Ungleichheit.»

Eine Aufgabe der Philosophie wĂ€re demnach, Ungleichheit zu begrĂŒnden. Das ist wichtig, denn die Ursache des Schlamassels der Menschheit lĂ€sst sich mit dem Prinzip «Tragik der Allmend» charakterisieren. Die AufnahmekapazitĂ€t der Erde fĂŒr Konsum und Kopfzahl ist eine Allmend, sie hat keinen EigentĂŒmer. Ein Eigentums-VerhĂ€ltnis – als Mittel diesen Zustand zu beenden – liesse sich realisieren dadurch, dass jeder Mensch nur so viel Nachkommen haben darf und nur so viel konsumieren darf, dass dafĂŒr seine langfristig verfĂŒgbaren Ressourcen ausreichen. Leistungstransfer sollte nur in unverschuldeten Notsituationen möglich sein. Ungleichheit bei der diesbezĂŒglichen Verteilung von Verantwortung (wer darf wie viel konsumieren, wie viele Kinder haben), die etwa auf historischer Schuld beruhen könnte, wĂ€re – in Übereinstimmung mit Tugendhats Forderung – begrĂŒndungspflichtig. Damit ergibt sich ein wichtiger gemeinsamer Aufgabenbereich fĂŒr Philosophie und Technik. Die Technik wĂ€re zustĂ€ndig fĂŒrs Ermitteln und Einhalten von Grenzen. Die Philosophie fĂŒrs moralische BegrĂŒnden.

PS: Mich hat der Nachruf auch interessiert wegen Heidegger. Dies weil mein Urgrossvater Max Niemeyer, den gleichnamigen Verlags grĂŒndete, der Heidegger und Husserl verlegte. – Gernot Gwehenberger

 

Lieber Zeit-Genosse, Thomas Assheuer, Welch ein prĂ€chtiger und treffender Hinweis von Richard Rorty mit: „Ein Gott der Macht ist eine AutoritĂ€t; ein Gott der Liebe ist ein Freund“. Besser kann man den eigentlichen Kern-Streitpunkt unserer Zeit und Gesellschaft nicht zum Ausdruck bringen. Das ist jedoch aus meiner Sicht noch kein Vorschlag fĂŒr eine bessere ,eine sĂ€kulare Gesellschaft als Ziel-Vorstellung. „Erhabene Wahrheiten“ haben ihren Ort als Richtschnur nicht allein nur im Privaten als kosmischen Zufall des Daseins fĂŒr uns Sterbliche allein bloß zu sein. Sie gelten fĂŒr die Gesellschaft in der wir leben wollen im gleichen Maße als wesentlich und sinnvoll. Es gibt fĂŒr mich einen Gottesstandpunkt, als Grund des Seins und Sosein der Welt unabhĂ€ngig von jedem Machtanspruch jedweder AutoritĂ€t, im Gottvertrauen in eine progressive kulturelle Evolution, die parallel zur biologischen verlĂ€uft.

Diesen Genuß demokratischer, individueller Freiheiten hat uns vor 5oo Jahren bereits Martin Luther mit seinem Protest gegen die AutoritĂ€ts-AnsprĂŒche und VerfĂ€lschungen des Papstes zum Machtanspruch seiner Kirche verschafft.(Gegen Ablasshandel und fĂŒr Reformationsbedarf).ER hat damit Gott wieder nur als Liebe und Freund identifiziert(Was Rorty ihm gleich tut.).Beide haben damit die“ Wahrheit “ wieder zurechtgerĂŒckt als Beziehung zu den Dingen und nicht ausgegrenzt.. Es gibt also „Wahrheiten“, die wir nicht vergessen ,denen wir vertrauen können, uns jucken und kratzen lassen sollen ,wenn wir Mensch bleiben wollen. Denn unser Heil besteht nicht im moralischen Relativismus, postkolonialen Linken Machtstreben und romantisch, frömmelnden Polytheismus sowie Gewaltmomenten im Monotheismus toleranter Lebensformen der herrschenden Dynastien in Kultur und Politik. Als dramatischer Gegensatz von GefĂŒhl und Moral in dem allein der menschliche Wille zur Macht nur selbst „heilig“ wird. Dieses praktizierte Ideal ist der entscheidende Punkt zur Standortbestimmung und damit zur VerfĂ€lschung/MissverstĂ€ndnis der eigentlichen göttlichen Botschaft der Liebe fĂŒr uns. Allein die gezielte, öffentliche Beschallung mit sĂ€kularen Heils-Botschaften trennt uns bewußt von der Glaubens-Gewissheit unserer eignen „Wahrheiten“. Luther ist es zu verdanken, dass er uns die demokratische Freiheit vor der Macht der AutoritĂ€t der Kirche im neuen Glauben an die Liebe und Freundschaft Gottes geschenkt hat, Ja, „Pragmatismus als Antiautoritarismus.“. Ihr Mit-Zeitgenosse – Lothar Hantel

 


 

 

Leserbriefe zu „I love Bitcoin“ von Ijoma Mangold

 

Sehr geehrter Herr Mangold, dass Sie in ihrem Artikel in der Zeit vom 16. MĂ€rz 2023 den Bitcoin als „intellektuelles Faszinosum“ darstellen und regelrecht feiern ist Ă€ußerst fragwĂŒrdig. Ausgerechnet Bitcoin verbraucht Unmengen an Strom. In den letzten Jahren stand wiederholt ein Verbot des Bitcoin im Raum, da das SchĂŒrfen extrem energieaufwĂ€ndig ist. Ob KryptowĂ€hrungen an sich zu rechtfertigen sind, sei dahingestellt, aber – als Intellektueller! – so unhinterfragt und hĂŒbsch mit den MĂŒnzen dekoriert die Bewunderung dieses Klimakillers in die Zeitung zu stellen, finde ich unbegreiflich! – Mirjam Zylla-Kilian

 

OjĂ©, jetzt muss ich auch in der ZEIT die exakt selbe Art einseitige Jubelarie zu Bitcoin lesen, die einem schon seit Jahren jeder Bitcoin-Fan serviert. Unter völliger Ausblendung der Probleme, die sich aus einem Mangel an Regulierung, dem CO2-Fußabdruck, der deflationĂ€ren Konstruktion und der Tatsache ergeben, dass die Macht ĂŒber die Validierung der Transaktionen doch wieder bei denen liegt, die sowieso schon Geld haben. NĂ€mlich bei denen, denen die dicken Rechenknoten gehören, die das so genannte Mining betreiben. Wenn im Artikel die Finanzkrise 2008 angesprochen wird, warum dann nicht die Tatsache, dass Bitcoin gegenĂŒber seiner höchsten Marktkapitalisierung im November 2021 innerhalb eines Jahres auf etwa ein Drittel zusammengeschrumpft ist?

Ich weiß auch gar nicht, was mich an dem Artikel mehr stört – wie spĂ€t er kommt, oder wie unkritisch er die ĂŒbliche „Bitcoin ist sicher und transparent und man kann niemandem trauen außer der Blockchain“-Leier ĂŒbernimmt. Wahrscheinlich ist es die Kombination aus beidem. Es gĂ€be inzwischen reichlich Möglichkeit, mal zu schauen, was an Bitcoin und KryptowĂ€hrungen echtes Potenzial hat, und was daran Versprechungen nicht einhĂ€lt – und was immens problematisch ist. Stattdessen
 letztlich unreflektierte Jubelarien. – AndrĂ© Fromme

 


 

 

Leserbriefe zu „Anna Mayr entdeckt: Berlins wahres Problem“

 

Pommes sind schon gut, aber das große Sterben der Pommesbuden in Berlin, begann vor mehr als einem Jahrzehnt. Ob es noch aufzuhalten ist? RĂŒckgĂ€ngig zu machen ist? ABER: bei den GetrĂ€nken hat Berlin durchaus Lokales zu bieten. Das ist einmal die Berliner Weiße, mit und ohne („Schuß“ – womit ein krĂ€ftiger Schluck Waldmeister- oder Himbeer-Sirup gemeint ist) also rot oder grĂŒn oder eben weiß – ohne. Allerdings leicht alkoholhaltig.

Ein besonders leckeres SommergetrĂ€nk ohne Alkohol und besonders nach körperlichen AktivitĂ€ten wie Radfahren usw. besonders gut: Berliner Faßbrause. Diese gab es wirklich aus dem Faß, wie Bier, gezapft, mit deutliche weniger Zuckergehalt als die heutigen in Flaschen abgefĂŒllten Varianten. Diese trinken Sie nicht mehr, wenn sie die gezapfte Alternative einmal probiert haben. Erfrischend und wie gesagt, nach Sport besonders gut, kinderfreundlich und wenn die Eltern ein Bierchen bevorzugen oder die Berliner Weiße, ist das auch okay. Wenn Sie mir einen Laden nennen können in der Berlin, der noch echte Berliner Faßbrause hat, lassen Sie es mich bitte wissen. – Gudrun Wilhelmy

 

In unserem kleinen Dorf am Rande des Vogelsbergs pflegen wir einen alten Brauch: am Fastnachtsdienstag lĂ€uft, besser stakst der StrohbĂ€r steifgliedrig durch die Straßen, ein Jugendlicher, vollstĂ€ndig in StrohbĂŒndel eingewickelt – eine massive Eintages-Gewichtszunahme! Hinter ihm trollen sich laut grölende, maskierte Jugendliche, neben ihm einige HĂ€scher, die bevorzugt junge Zuschauerinnen fangen. Sie sollen sich am StrohbĂ€ren reiben. Das bringt GlĂŒck! Daneben soll er noch den Winter austreiben. Wie bringe ich jetzt den StrohbĂ€r aus dem Dorf in die Großstadt Berlin? Das Berliner Wappentier ist der BĂ€r! Er verkörpert GemĂŒtsruhe. „Probier’s mal mit GemĂŒtlichkeit…“ empfahl sein indisches Pendant Balou! Das hat Berlin bereits verinnerlicht, siehe Flughafenneubau! Zu Ehren des Berliner BĂ€ren könnte man doch eine jĂ€hrliche BĂ€renparade veranstalten, so wie den Rosenmontagszug in Köln! Frauen und MĂ€nner in den unterschiedlichsten BĂ€renkostĂŒmen, vom EisbĂ€r bis zum WaschbĂ€r, vom BraunbĂ€r bis zum NasenbĂ€r, vom SchwarzbĂ€r bis zum AmeisenbĂ€r! Hinter ihnen als ReprĂ€sentanten der Berliner Randbezirke bĂ€rtige, BĂ€rwurz trinkende Waldschrate. Statt oller Kamellen wie in Köln werfen sie frische BĂ€rliner unter die Berliner, und fĂŒr die schwĂ€bische Parallelgesellschaft BĂ€rendreck, wie die Lakritzspiralen im MuschterlĂ€ndle genannt werden! NatĂŒrlich mĂŒssen als noch grĂ¶ĂŸere Parallelgesellschaft alle Muslime berĂŒcksichtigt werden! Der „BĂ€rentag“ darf nie in den Ramadan fallen!

Da BĂ€ren bekanntlich einen BĂ€renhunger haben, gibt es an diesem Tag BĂ€rlauchpfannkuchen im Zehnerpack, gefĂŒllt mit BrumbĂ€rmarmelade! Der einfache Berliner trinkt dazu BĂ€rliner Weiße mit Schuß, der gehobene TrockenbĂ€rauslese! Alle an diesem Tag geborene Kinder heißen BĂ€rbel oder BĂ€rnd; bei unklarer Zuordnung BĂ€rbelnd. Beim Ă€ drĂŒckt das Standesamt an diesem Tag ein Auge zu! Nichts liegt mir ferner, als Feld-, Wald- und Wiesenbewohner dem WeltstĂ€dter einen bĂ€rigen Rat zu geben, auf den er bei ruhigem Nachdenken selbst kĂ€me, natĂŒrlich hauptstĂ€dtisch aufgepeppt! Wenn Sie aber unbedingt an Ihren Pommes kleben, dann bitte nur an solchen in BĂ€renform! – Ulrich Pietsch

 


 

 

Leserbrief zu „Die Rechnung zahlen die BedĂŒrftigen“ von Carla Neuhaus und Jonas Schulze Pals

 

Mit steigender Lebenserwartung nimmt natĂŒrlich auch die Anzahl der PflegebedĂŒrftigen zu. Unsere moderne Hightech-Medizin ist hier also Segen und Fluch zugleich. – Wolfgang Felbinger

 


 

 

Leserbrief zu „IST DAS DER NEUE CRASH?“ von Heike Buchter et.al.

 

Janet Yellen ist US-Finanzministerin, sie war vorher FED-Chefin. – Helmut P.Hagge

 


 

 

Leserbrief zu „Stimmt’s? Bei den Singvögeln singen nur die MĂ€nnchen“ von Christoph Drösser

 

Nun ja, da herrscht eben Ordnung. Das Weibchen legt die Eier, brĂŒtet und muss das Nest reinigen. Der Gatte treibt sich irgendwo herum, muss das Revier verteidigen und bringt seiner Frau dann leckere WĂŒrmer mit. Singe wem Gesang gegeben, aber nicht dem Vogelweibchen. – Hans-Emil Schuster

 


 

 

Leserbrief zu „KlangrĂ€ume (4/6). Bereit fĂŒr die BĂŒhne“ Bild von Johanna Schoener

 

Vielen Dank fĂŒr diese großartigen Fotos aus dem Inneren von Instrumenten. Sie sehen bombastisch aus – und der Raum ist doch so klein! Ich bin Hobbyfotograf und habe mich in diese Fotos geradezu verliebt… Bitte mehr davon! – JĂŒrgen Hagemeyer

 


 

 

Leserbrief zu „Die Position: Gebt ihnen PĂ€sse!“ von C. Katharina Spiess

 

Frau Spiess, fĂŒhrt fĂŒr die rasche EinbĂŒrgerung von AuslĂ€ndern, also die großzĂŒgige und beschleunigte Vergabe des Deutschen Passes einige recht merkwĂŒrdige Argumente ins Feld. Deutschland soll ein „modernes Einwanderungsland“ werden heißt es vollmundig. So, so, wer hat denn das beschlossen? Was heißt in diesem Zusammenhang „modern“? Eine flotte Floskel! Und unter „Einwanderung“ wird alles und jedes verstanden, was irgendetwas mit dem Zustrom von Migranten zu tun hat. Klingt aber irgendwie aktuell, ist aber recht ungenau. „Integrationsleistung“ soll mit dem Pass belohnt werden. Was genau ist eine solche Integrationsleistung? Seit je her gilt “If You are in Rome, do as Romans do!“, was daran soll eine belohnenswerte Leistung sein? Und die „Wirtschaft soll unterstĂŒtzt“ werden. Nun, der FachkrĂ€ftemangel ist bekannt, aber nur in seltenen FĂ€llen wird ihm durch Zuwanderer aus DrittlĂ€ndern begegnet. Zusammengefasst sind das aus Talk-Shows sattsam bekannte Redensarten ohne jede Substanz.

Um das noch zu toppen, beruft sich Frau Spiess auf geradezu wunderwirksame HeilkrĂ€fte des Deutschen Passes. Am Ende scheint es zu genĂŒgen, jemandem einen solchen Pass zuzustecken und alles wird gut: Kita-Besuch, Bildung, Abitur, Integration der MĂŒtter, beruflicher Erfolg, etc. Alles in Studien nachzulesen und bewiesen. Könnte hier vielleicht die vermeintliche KausalitĂ€t mit einer schlichten Korrelation verwechselt werden? Klar ist, dass AuslĂ€nder, die die deutsche StaatsbĂŒrgerschaft anstreben, große Anstrengungen unternehmen, um ein anerkanntes Mitglied der neuen Kultur und Gesellschaft zu werden. Sie sind erwerbsorientiert, sie kĂŒmmern sich um die Zukunft Ihrer Kinder, sie machen mit im Ehrenamt, sie sind erfolgsorientiert. Mit diesen Eigenschaften und Einstellungen prĂ€gen sie ihr Leben und das Ihrer Kinder. Das fĂŒhrt kausal zu breitem Erfolg und nach einigen Jahre auch zum Deutschen Pass. Nicht umgekehrt. – Lutz Bauermeister

 


 

 

Leserbrief zu „Worum geht’s … im Völkerrecht?“ von Christine Prussky

 

Das die Weltgemeinschaft unabhĂ€ngig von der nationalen Herkunft international allgemein anerkannte Regeln braucht im friedlichen Miteinander, stĂ¶ĂŸt immer wieder in der Praxis an seine Grenzen. Nicht alle Staaten dieser Welt sind gewillt, sich dem anzuschließen und unterzuordnen. Die eigene nationale IdentitĂ€t und das Rechtssystem haben Vorrang vor einem internationalen Rechtssystem. Die sogenannte Regelbasierte Ordnung fĂŒr alle LĂ€nder der Welt ist ein richtiger Weg und Ziel. nur Kriege konnten damit nicht verhindert werden. – Thomas Hamburg Hauschild

 


 

 

Leserbrief zu „»Freunde, es ist der Oscar!«“. GesprĂ€ch mit Edward Berger gefĂŒhrt von Moritz von Uslar

 

„Ich bin in Wolfsburg geboren, in der absoluten Mittelklasse“, Edward Berger meinte damit wohl nicht, dass er in einem VW-Passat das Licht der Welt erblickte, sondern in die deutsche „Mittelschicht“ geboren wurde. Und die wohnt nach wie vor in der im deutschen Durchschnitt einkommensstĂ€rksten Stadt Wolfsburg. Und diese Mittelschicht ist und bleibt, egal ob da nun drei Viertel der Deutschen oder vier Viertel der Ostdeutschen unterhalb ihrer dahinvegetieren, absolut! Im Westen nichts Neues also. Da gibt’s nichts zu jammern, ihr Deutschen. Im Gegenteil – auf diese KontinuitĂ€t im deutschen Bewusstsein hĂ€tten Berger und Zeit-Hollywood-Reporter Moritz von Uslar echt mal mit Schampus anprosten können statt vergebens mittels der „Espressi“ ausnĂŒchtern zu wollen. – Matthias Meindl

 


 

 

Leserbrief zu „Am Webstuhl des Jazz“ von Ulrich Stock

 

Ulrich Stocks Aufsatz „Am Webstuhl des Jazz“ ĂŒber die Harfenistin Kathrin Pechlof ĂŒberraschte mich, denn die Harfe spielt im Jazz bestenfalls eine Außenseiterrolle. Vorsorglich stellt U. Stock die Musikerin in die knappe Riege von Jazz-Harfenistinnen, die sich vor ihr mit diesem sperrigen GerĂ€t abmĂŒhten. Ein Name fehlt in der Liste allerdings, und mein Leserbrief will an ihn erinnern – denn ausnahmsweise handelte es sich bei Horst Ramthor (1915 – 1987) um einen Mann. GemĂ€ĂŸ einer Namensliste von Berliner Persönlichkeiten lebte Ramthor, Pseudonym Marcel Tardieu, hier an Spree und Panke.

Mir prĂ€gte sich sein Name im Sendegebiet des NWDR ein, weil ich von 1946 – 1955 in Ostfriesland aufwuchs. Als ich in jener Zeit swingenden Jazz lernte, war Ramthor immer wieder im Radio zu hören. Nach seinem Tod anno 1987 hinterließ er uns eine Reihe von Single-Aufnahmen mit 4‘ LĂ€nge. Gespannt befragte ich mich, ob Horst Ramthor nach heutigen MaßstĂ€ben als Jazzer eingeschĂ€tzt werden kann.

Die ĂŒberlieferten Titel aus dem American Songbook wie

  • Tenderly
  • Romance
  • Someone to Watch Over Me
  • Flamingo
  • Blue Moon
  • Sweet and Lovely
  • Harp-Stomp (Eigenkomposition?)

mit improvisierten Chorussen zeigen, dass Ramthor zumindest Jazz-Verwandtes spielte. Kontra-indikativ klingen allerdings die sĂ€uselnden Streicher des Begleit-Orchesters Hans Carste. Hoffentlich gelang es mir hiermit, an den jazzigen Harfenisten Horst Ramthor zu erinnern. – Joachim Conseur

 


 

 

Leserbrief zu „Sein Zwang“ von Marina Klimchuk

 

Das hört sich fĂŒr mich nur nach einer gefĂ€hrlichen, wenn nicht sogar toxischen Beziehung an. Dass Sie sich so leicht und ohne einen Hauch von Standfestigkeit von ihm die Dinge erklĂ€ren lassen, wo er doch der Kranke ist, finde ich super erschreckend! Liebe Frau Klimchuk, begehen Sie bitte nicht den Fehler, Ihre eigene mentale Gesundheit zu ruinieren, nur weil Sie sich Herrn Dante verpflichtet fĂŒhlen. Sie haben ein Recht auf ein gesundes Leben! Und darĂŒber mĂŒssen Sie auch niemandem Rechenschaft ablegen. Krankhafter Zwang hin oder her. Dem hĂ€tte ich schon lĂ€ngst einen Arschtritt gegeben!

#BetterAloneAndHealthyThanBadCompany – Michael Ayten

 


 

 

Leserbrief zu „Pass mal auf, so lĂ€uft das hier!“ von Omar al-Jaffal

 

Die Glosse des Journalisten und Lyrikers Omar al-Jaffal, der die „Zeit“ in ihrer letzten Ausgabe eine ganze Seite eingerĂ€umt hat, macht mich traurig! Jeder dem Heer der Asylbewerber Wohlgesonnene kann nur mit Betroffenheit reagieren ob der unglĂŒcklichen Lebenssituation des Autors: Die Ehefrau gefangen im „stĂ€hlernen GehĂ€use“ des gastgebenden Landes, er selbst als Literat der deutschen Sprache auch nach sieben Jahren noch nicht in dem Umfang mĂ€chtig, dass er einen Zeitungsartikel ohne Übersetzer zu Stande brĂ€chte. Dann noch das schlechte Wetter, die klagsame autochthone Bevölkerung, die unfreundlichen Extremisten, die zu langen Bretter im Baumarkt und die harten Kartoffeln! Man kann nur wĂŒnschen, dass sich die VerhĂ€ltnisse im Irak bald wieder so weit stabilisieren, dass der Heimreise der UnglĂŒcklichen nichts mehr im Wege steht! – Gerhard Baur

 


 

 

Leserbrief zu „SEEGANG“ von Dennis Gastmann 

 

Vielen Dank fĂŒr Ihren Bericht Seegang: Dennis Gastmann auf den Andamanen, in der Zeit vom 16. MĂ€rz 2023. Ihr Bericht ist amĂŒsant und kokett geschrieben. Wiederholt „outen“ Sie sich als „dummer, unbelehrbarer, fotografiewĂŒtiger“ Tourist und beschreiben, wie selbst die einheimischen martialischen Beamten weichherzige Menschen werden, wenn sie von Ihrer Liebe zu Elefanten erfahren. Ihre Hilfsbereitschaft fĂŒr Ihr kindliches Ansinnen kennt dann keine Grenzen. Ach, wie gut können wir uns selbst in dieser Rolle vorstellen. Wir reisen hin und können selbstvergessen unseren LĂŒsten und SehnsĂŒchten nachgehen und werden dabei umgehend von der hilfsbereiten und geflissentlichen lokalen Bevölkerung bedient. So stellen wir uns das Paradies vor. Das bisschen Schmutz und Verderbnis am Wegesrand gibt dem ganzen noch das ersehnte Flair von Abenteuer und ExklusivitĂ€t. Sie opfern sich ein StĂŒck weit, um uns so das „echte Leben und das, was wirklich wichtig ist“ nĂ€her zu bringen.

Dabei geben Sie der zukunftsgefĂ€hrdenden und höchst unsoziale Wahre „Flugreise“ eine kĂŒnstlerisch extrem gelungene Verpackung und stellt somit die Reiseindustrie insgesamt auf perfekteste Art und Weise ins Schaufenster. Keinen Moment steht man still bei den horrenden UmweltschĂ€den, die durch diese Reise entstehen, noch bei denen, die entstehen, wenn wir genauso viel reisen. Noch denken wir an die ausbeuterischen VerhĂ€ltnisse, womit wir Reiche uns auf dem RĂŒcken von Ärmeren das Leben versĂŒĂŸen lassen. CO2-Ausstoß, FlĂ€chen-, Ressourcenverbrauch und Artenschwund. Zu alledem trĂ€gt die Reiseindustrie erheblich bei. Vor ein paar Wochen waren dies noch beherrschende Themen, aber dieser wunderbare Beitrag lĂ€sst all diese Gedanken bei uns sofort verschwinden. „Kann man mit Zeit-Leserreisen nicht noch buchen?“; “ Ich klicke noch schnell auf die eingeblendete Reklame von Lufthansa, die angebotenen BilligflĂŒge nach Übersee sind doch zu verlockend!“, usw. denkt man noch wĂ€hrend des Lesens.

Ähnlich wie Leni Riefenstahl wollen Sie nur Ihren kĂŒnstlerischen Wert verhandelt wissen. Sie bemĂŒhen sich ganz und gar „unpolitisch“ zu sein. Wollen, wie Riefenstahl, nur Natur, Kultur und Menschen feiern, perfekte Bilder, Ästhetik und dazugehörige Geschichten mit grĂ¶ĂŸter EmotionalitĂ€t liefern. Schon 1936 gab es kein Richtiges im Falschen und waren diejenigen, die unpolitisch „nur“ Kunst machen wollten, höchst politisch, ohne es sein zu wollen. Nun, 2023, warnen uns UNO-GeneralsekretĂ€r und EU-RatsprĂ€sidentin mit immer apokalyptischeren Worten, fordern uns zu immer drastischeren Schritten auf, um verheerendste Klimakatastrophen abzuwenden. Wir werden in 2036 wahrscheinlich genauso auf Ihren Bericht zurĂŒckblicken, wie wir es heute auf die von Leni Riefenstahl tun: Ästhetisch perfekte Verpackungen fĂŒr höchst bedenkliche und gefĂ€hrliche politische Botschaften. KĂŒnstlerisch perfekt, aber in der politischen Wirkung verheerend! – Klaus Siersch

 


 

 

Leserbrief zu „BEIM MICHELANGELO DES FLEISCHES“ GesprĂ€ch mit Dario Cecchini von Lena Niethammer im ZEIT Magazin

 

„Gekochte Knie“ sind die halbe Erlösung! Was ist geschehen? War Bernd Ulrich im Urlaub? Vor gefĂŒhlt wenigen Tagen hat er im Zeit-Magazin (!) mit Shakespeare die allentscheidende Frage gestellt: Fleisch oder nicht Fleisch? Im Wortlaut: Was ist so schwer daran, auf Fleisch zu verzichten?“ Meine Antwort war: Nichts! Einfach weglassen. Nur: Warum um Gottes Willen sollten wir das tun?

Und jetzt liefert just wieder das Zeit-Magazin die Antwort: Wenn es unter den Metzgern dieser Welt auch nur einen Michelangelo gibt, werden wir doch weiterhin seiner großen Kunst in Ekstase frönen! Gut, der Vergleich mag hochhergeholt sein, ansonsten aber liefert der italienische (!) Metzger alle Antworten auf den veganen Schwachsinn, mit dem ein Bernd Ulrich doch so gerne die Welt retten will: Solange wir das gute Fleisch von Weiderindern verzehren, vom Schwanz bis zur Schnauze, und von Michelangelo marmoriert, dann retten wir die Welt oder immerhin die Wiesen und die Bauern!

Es sollte doch möglich sein, dass kluge Journalisten den kleinen großen Unterschied endlich mit all ihren Mitteln propagieren! Den Irrweg einer Tierhaltung, die nur noch auf hohe Leistung setzt (und dafĂŒr ihre Tiere natĂŒrlich nicht quĂ€lt!), die auf das falsche Futter setzt (Soja
), und die vor allem alle Genießer verhöhnt, da ein solches Fleisch nicht schmeckt, dafĂŒr aber sehr billig ist. Noch immer gilt: Es kömmt nicht darauf an, die Welt zu interpretieren, sondern sie zu verĂ€ndern. FĂŒr die JĂŒngeren: Also sprach Karl Marx. Also: Kein veganes Geschwafel, keine Ersatzreligion, kein Klischee vom „Qualfleisch“, sondern hinein in die StĂ€lle, Praktika auf den Bauernhöfen, Besuche bei den Metzgern – alles fĂŒr den Genuss, mit Wolfram Siebeck im Hinterkopf! Elisabeth Raether zitiert ihn noch gelegentlich


Eine große Aktion der Medien, gerne aus Hamburg, könnte den Wahnsinn mit Billigfleisch schnell stoppen! Die Landwirtschaft verĂ€ndern, natĂŒrlich auch die Massen-GemĂŒsehaltung. Die Genießer und die Veganer werden ja allesamt verhöhnt von so vielen Produkten der modernen Landwirtschaft. GemĂŒse ohne Geschmack ist nicht die Alternative, geiles GemĂŒse und das beste Fleisch wĂ€ren die Zukunft in Sachen Genuss. Die ZEIT sollte dieser hehren Aufgabe ein ganzes Magazin widmen! Mit den besten Themen und Rezepten, Bauern und Metzger im PortrĂ€t, mit den zehn Geboten fĂŒr die Agrarwende, gedruckt auf bestem Papier, damit die „Massen“ voller Verlangen danach greifen


Klar, ein solches Magazin kann auch scheitern, wenn sich schon das Papier schlecht anfĂŒhlt, wenn keine rechte Botschaft zu begreifen ist, wenn ĂŒberall Moral rausschmeckt, wenn der Charme des „Wochenmarkts“ schlichtweg nicht eingelöst wird. Metzger Michelangelo mĂŒsste Modell stehen, auf jeder Seite. Ich aber fĂŒrchte, dass das wunderbare PortrĂ€t mit dem Eros der Knie allenfalls eine löbliche Ausnahme bleiben wird. Der schöne Text wird wohl in den Giftschrank der ZEIT wandern, wenn Chefredakteur Ulrich aus dem Urlaub (in Italien??) zurĂŒckkehrt.

Der Zeitgeist wird weiter seine veganen BlĂŒten treiben, halb Hamburg weiter Hafermilch trinken, begierig warten die Gutmenschen auf ihr Fleisch aus dem Labor, futtern bis dahin zur Not Insekten. Mit einem Wort: Wir werden uns weiterhin nach dem authentischen Leben verzehren und uns zugleich mit Ersatz befriedigen! Im protestantischen Geist: So soll es aussehen, das schöne neue Leben, Huxley wird sich zufrieden grummelnd im Grab umdrehen


Die andere Utopie: Mit Michelangelo und den Metzgern ein Modell schaffen! Bis Bernd Ulrich die Frage stellt, gerne wieder im Zeit-Magazin: Warum sollen wir dem Fleisch entsagen? Warum wollen wir Buße tun, vegan leiden, wenn es doch so einfach wĂ€re, Fleisch und Genuss, geiles GemĂŒse und alten KĂ€se, Wein und Weib, Rinder und Schweine, Bauern und Metzger in eine große Koalition einzubinden, in eine große Versöhnung!? Klar, so mancher Journalist könnte sich dann nicht mehr narzisstisch selbst erhöhen, aber mit einer Reise ins authentische Italien wĂ€re diese Niederlage schnell ĂŒberwunden


Schade nur, dass Elisabeth Raether nicht fĂŒr Michelangelo und seine Fans wie mich auch noch das passende Rezept in derselben Ausgabe geliefert hat! Aber, mit Rosenkohl liefert sie einen schönen Trost, ich gestehe, dass mich seine natĂŒrliche Bittere auch in den Genuss-Himmel versteigt. Auch wenn ein schönes StĂŒck Ochsenbrust noch gut dazu passen wĂŒrde. Vielleicht darf ich es ja im nĂ€chsten Magazin „Wochenmarkt“ entdecken? Falls noch eine Ausgabe erscheint
 Beste GrĂŒĂŸe jedenfalls und mehr Metzger! – Rudi Holzberger

 


 

 

Leserbrief zu „WIE GEHT’S?“ von Dmitrij Kapitelman im ZEIT Magazin

 

Es reicht mit dem Winterbashing allerorten. Seit Wochen ist es wohlfeil, ĂŒber den Winter zu lĂ€stern, zu klagen, zu schimpfen, an jeder Ecke, in jedem BĂŒro, Betrieb, Feuilleton und sonstwo. Alles sei im Winter ja noch viel schlimmer – „die Gesamtsituation [ist] gravierend gesamtsituativer“. Well spoken, aber insgesamt eher Unsinn. Sechs Gegenthesen:

  1. Der Winter ist angenehm! Im Winter kann ich z. B. zu jeder Tageszeit Sport machen. Es ist kĂŒhl in meinem Zimmer, ich rolle die Matte aus und los. Ich muss nicht warten, bis gegen Mitternacht die Sonne untergegangen ist und ich mir wenigstens einbilden kann, es wĂŒrde etwas kĂŒhler, wenn ich das Fenster öffne.
  2. Der Winter ist abwechslungsreich! Es gibt im Winter viel mehr tolle irl Meets als im Sommer. Wir treffen uns zum Spielen, Kochen, Kaffeetrinken, Winterwandern, Weinverkosten, Konzertbesuch, Filme schauen und whatnot. Im Sommer passiert gefĂŒhlt nichts außer zwanghaftem Grillen. Nie ohne die lĂ€stige Frage: „Und dir schmeckendiese veganen WĂŒrstchen?“
  3. Im Winter ist Licht vielseitig! Im Winter kann ich Kerzen anzĂŒnden und mich freuen, wenn sie heller (oder blasser) werden, wĂ€hrend es draußen dĂ€mmert. Ich nehme den Sonnenauf- und -untergang wahr. Ich freue mich ĂŒber die hellen Stunden und gehe raus! Im Sommer ist es einfach immer nur hell

  4. Der Winter ist ein entspannter, kein Krisenmodus! In den letzten Jahren kein Sommer ohne dramatische Nachrichten: Hitzewelle, Wasserknappheit, BrÀnde, Hitzetote. Wie können wir im MÀrz so tun, als sei der Sommer die allein seligmachende Jahreszeit?
  5. Der Winter hat Geschmack! Na klar, im Winter ist weniger Tageslicht. Aber: Der Winter hat Zimt, Muskat, Kardamom und all die schönen, aufhellenden GewĂŒrze! Hören wir auf, sie von September bis Dezember zu essen, essen wir sie von Dezember bis MĂ€rz, damit sie ihren Job machen können!
  6. Der Winter geht bis MĂ€rz! „Ich mag ja auch Schnee, aber doch nicht mehr im MĂ€rz!“ Say whaat? Wer beleidigt ist, dass es im MĂ€rz „noch“ schneit, wĂ€hrend Weihnachten wieder nicht weiß war, ĂŒbersieht die Jahreszeiten: An Weihnachten sind wir genauso nah am Rand des Winters wie Mitte MĂ€rz.

On this happy note: Viel Freude an den ausklingenden Wintertagen. Und dann an den Forsythien, Tulpen und Narzissen. – Katrin DĂŒringer

 


 

 

Leserbrief zu „Was ich gern frĂŒher gewusst hĂ€tte“ von Tom Schilling im ZEIT Magazin

 

Die Treffsicherheit seiner Selbsterkenntnis, er sei nicht annĂ€hernd so schlau, wie er dachte, stellt Tom Schilling eindrucksvoll mit seinem leider ebenfalls abgedruckten „Wissen“ unter Beweis, Joggen sei „tatsĂ€chlich schlecht fĂŒr die Gelenke“. Das ist erwiesenermaßen Humbug (sofern man sich „die Gelenke“ nicht schon vorher bspw. durch Fußball vorgeschĂ€digt/ruiniert hat). Die ebenfalls in Hamburg ansĂ€ssigen Kolleg/inn/en von Runner’s World können Ihnen hierzu sicher gerne aktuelle Studien nennen. Vielleicht nehmen Sie diesen Ausrutscher zum Anlass, die zum Abdruck vorgesehenen Erkenntnisse – soweit geeignet – kĂŒnftig daraufhin zu untersuchen, ob ihr Inhalt bereits wissenschaftlich untersucht wurde und ob die „Erkenntnis“ dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht. – Jan Josua Krause

 

 

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