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Skandal in Thüringens CDU? Ehemaliger Redakteur von „Junge Freiheit“ (JF) soll Minister werden

 

Wie spiegel-online meldet, soll der ehemalige Redakteur der rechtskonservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“, Dr. Peter D. Krause, neuer Kultusminister im Kabinett Althaus in Thüringen werden. Vertreter von SPD und Linkspartei fordern Althaus einmütig auf, Krause aus dem Rennen zu nehmen.

Krause, CDU-Politiker aus Thüringen und promovierter Literaturwissenschaftler, hat demnach vor zehn Jahren mehrere Monate für die „Junge Freiheit“ gearbeitet. Noch 2004 soll er geäußert haben, vom „rechtsextremen“ Hintergrund der JF nichts gewusst zu haben. Jetzt verteidigt er das publizistische Flaggschiff von Deutschlands Rechten als „anerkanntes Medium in der Presselandschaft“.

Genau wegen dieser Äußerung sei Krause „als Minister mit Ressortverantwortung für Schüler und Lehrer nicht geeignet“, zitiert die „Welt“ den SPD-Bundestagsabgeordneten Carsten Schneider. Auch Vertreter der Linkspartei halten ihn für untragbar. Bodo Ramelow wirft ihm vor, er habe bislang „keine klare Grenze zwischen Ultra-Konservativen und Neofaschisten gezogen“.

Kommentar: Der Konservatismus endet nicht an Angela Merkels Fönfrisur!

Deutschland funktioniert: Kaum war ein ehemaliger Autor der „Jungen Freiheit“ (JF) auf dem Ticket des CDU-Ministerpräsidenten Althaus entdeckt, wurde die Medienmaschine angeworfen. WAS Krause seinerzeit in der JF geschrieben hat, interessiert keinen. Bisher wurde nicht ein einziges Zitat präsentiert, das Krause belastet. Gibt es etwa keines? Keine Ahnung! Seinen Rückzug zu fordern, ohne dass etwas Belastendes gegen ihn vorliegt, kommt einer Vorverurteilung gleich. Und dies ist einer westlichen Demokratie im 21. Jahrhundert unwürdig.

Offenbar kommt es also gar nicht darauf an, WAS Krause in der JF, sondern DASS er in ihr geschrieben hat. Nun, aber warum macht sich Deutschlands Presse dann nicht mit vereinten Kräften über Norbert Geis her? Geis ist für die CSU Mitglied des Deutschen Bundestages und schreibt regelmäßig für die „Junge Freiheit“, zuletzt im März 2008. Wäre er dann als Abgeordneter nicht genauso untragbar wie Krause für ein Ministeramt?

Alles entscheidet sich also an der Frage, ob die JF nicht in Wahrheit ein rechtsextremes oder zumindest ein zweifelhaftes Blatt mit Überschneidungen zum Rechtsextremismus sei. Indes hängt die Beantwortung dieser Frage wiederum davon ab, was man eigentlich unter „Konservatismus“ versteht. Natürlich: Wer glaubt, dass konservative Politik an der gefälligen Fönfrisur der Angela Merkel endet, muss alles, was rechts des beliebigen CDU-mainstreams steht, unter Rechtsextremismus-Verdacht stellen. Die „Junge Freiheit“ ist rechtskonservativ – keine Frage. Sie hält nichts von Multikulturalismus, bekennt sich zum Christentum, will Einwanderung begrenzen, steht für ein traditionelles Familienbild, schließt sich nicht der Geschichtsinterpretation der 68er an. Was aber, so muss man fragen, unterscheidet die JF dann eigentlich von der CDU der 1950er und 1960er Jahre? Wer heute die JF in die rechtsextreme Ecke stellt, muss dies rückblickend ebenso mit der Union tun. Dass das Bundesverfassunsgericht der Behauptung, die JF sei eindeutig rechtsextrem, in einem Urteil widersprochen hat, hat Gründe. Man mag die Positionen der JF „zum Kotzen“ finden. Aber Brechreiz ist kein Kriterium für Verfassungswidrigkeit.

Für den parteipolitischen Gegner ist der „Fall Krause“ natürlich ein gefundenes Fressen. Zu verlockend scheint die Möglichkeit, sich unter Ausnutzung der Medienreflexe ins moralisch gleißende Licht zu stellen – und den politischen Konkurrenten ins Dunkel zu verbannen. Es macht nachdenklich, wie intellektuell borniert und geistig eng Deutschlands Öffentlichkeit geworden ist. Ein Skandal ist es, wenn CDU-Mitglieder auf mehreren NPD-Demonstrationen mitmarschieren und dennoch in der Partei verbleiben dürfen. Solange jedoch keine belastenden Fakten gegen Krause auf dem Tisch liegen, hat Althaus keinerlei Grund, sich von seiner Personalie zu verabschieden.

michael-schaefer
weitere Informationen: http://www.endstation-rechts.de

134 Kommentare

  1.   A. Schlaegerle

    Mit dieser Interpretation von Demokratie machen Sie sich aber beim Parteigenossen „Maegerle“ nicht sonderlich beliebt. Denken Sie doch bitte auch daran, daß dieser Mann mit seinem jahrzehntelang aufgebauten Archiv seinen Lebensunterhalt bestreiten muß und die verkauften Informationen umso lukrativer sind, je gefährlicher die Denunzierten vom Denunzianten dargestellt werden.

  2.   Zagreus

    Uhi, Brodkorb, dass ist ja eine richtiggehende differenzierte Betrachtungsweise, die an alle dieselben Masstäbe anlegt. – Meinen Respekt dafür, gerade weil ‚Krause‘ wohl aus dem politischen Gegnerlager kommt und es ihnen wohl ’nur‘ Angriffe ihrer lieben, es nicht so genau nehmenden, Genossen einbringen wird.

    Ja, es ist nunmal entscheidend Begriffsklärung zu machen, wenn man wirklich den Willen hat zwischen „Rechtsextrem“ und „Rechts“ oder „Konservativ“ zu unterscheiden und es ist nunmal entscheidend genau zu schauen, was ein Mensch wo und in welchem Zusammenhang von sich gegeben hat, vor man in verurteilt (positiv oder negativ) – und dies hat für alle Menschen in gleichem Maßen zu gelten. Die Urteilsmassstäbe gehören offengelegt und die ‚Tat‘ (als handlungszusammenhang an bestimmten Stellen) genauso.

    Mit freundlichen Grüßen ihnen einen schönen Tag wünschend

    Zagreus

  3.   Icke

    Werden Redakteure der linksextremen “ Neuen Deutschlands“ wenn Sie in die Politik gehen, genauso angefeindet? Wohl nicht!
    Mann sollte endlich aufhören mit zweierlei Maß zu messen.
    MfG

  4.   Harki

    man wirklich den Willen hat zwischen “Rechtsextrem” und “Rechts” oder “Konservativ” zu unterscheiden

    „Rechtsradikal“ fehlt, wie üblich. Das gibt sich neutral und besonnen („bitte genau nachschauen, wer was gesagt hat“), und ist doch nur der allgegenwärtige Leidensgestus des deutschen Rechtsradikalismus: „Keiner mag uns, wie kommt’s? :-(„

  5.   ich nu wieder

    @ mathias brodkorb:

    meines wissens wurde die jf vor ein paar jahren zumindest in einigen bundesländern noch im verfassungsschutzbericht behandelt. wäre das ein kriterium für die bewertung der tätigkeit von herrn dr. krause bei der jf?

    (ernst gemeinte frage, keine polemik)

  6.   Upps

    ich nu wieder:

    Die Überwachung der JF wurde 10 Jahre gerichtlich bekämpft. Erst nach 10 Jahren musste NRW eingestehen, dass sie dieses ohne jegliche Fakten getan haben. Daher kann man nicht sagen, dass er zu dem Zeitpunkt bei einer rechtsextremen Zeitung geschrieben hat. Denn der Vfs hatte zu keiner Zeit belastenes Material, sondern hat sich auf Mutmaßungen und ideologische Vorstellungen gestützt. Der Vfs in NRW ist ja dafür bekannt alles rechts des linken Flügels der SPD zu überwachen ( O- Ton Focus- Chef).

    Icke:
    Der Herr Bartsch, von der Linkspartei, der sich auch über Krause aufgeregt hat, war bis 2005 Geschäftsführer bei der SED Zeitung „Neues Deutschland“. Aufgeregt hat sich darüber aber niemand. Daher ist ihre angesprochene Doppelmoral deutlich zu erkennen.

  7.   SizeOne

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem hervoragenden Artikel, der sich von dem ganzen Einheitsbrei in der deutschen Medienlandschaft abhebt.
    Differenziert, kritisch, nicht alles was irgendwie rechts der Mitte ist verdammend. So stelle ich mir den Kampf gegen Nazis vor.
    Vielen Dank.

  8.   Philipp

    Ein guter Artikel, der den absurden Artikel von Herrn Gathmann auf Spiegel online entlarvt. Herr Gathmann kompensiert in seiner Agitation gegen Herrn Dr. Krause eigene Verfehlungen aus seiner Jugend.
    Wir müssen ein freiens Land bleiben! Kampagnen-Journalismus wie bei Spiegel online schadet der politischen und journalistischen Kultur!

  9.   ich nu wieder

    schön, dass diejenigen kommentatoren, die den umgang von presse und politik mit der jf und ihrem umfeld beklagen, selbst nicht vor wüsten verallgemeinerungen und persönlichen beleidigungen zurückschrecken. bravo!

    (vielleicht ein wenig off-topic, musste aber mal raus)

  10.   Lichtmesz

    @Harki

    Tjo, wie kommts wohl?

    Du nervst mit deinem neuen Zauberwort „Rechtsradikalismus“… das leuchtet keinem Menschen außer dir ein, wieso das nun so eine revolutionäre, illuminierende oder differenzierende Kategorie sein soll. Ist doch g’hupft wie g’sprungen, ob jetzt einer „radikal“ oder „extrem“ zur JF etc. sagt. Der Stand der Dinge ist ja ohnehin so, daß „rechts“ allein reicht.

    Sonst: tja, wer bewacht die Wächter? Diverse VS-Stellen wie der berüchtigte VS-NRW, der hauptsächlich für die Eintragung der JF ins Schwarze Buch verantwortlich ist, ist zB geradezu notorisch für den Grad an linker Unterwanderung und den Haufen dort tätiger Demokratiebigotter, die den VS-Bericht für Bürgerkriegszwecke mißbraucht.

    Letztlich, wer braucht eigentlich den VS? Ein Blick genügt, um zu sehen, was für schlichte Gemüter dergleichen verfassen.

 

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