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Brandanschlag auf linkes Zentrum in Rendsburg

 

Konzerte, kulturelle Veranstaltungen, antifaschistische Politik und Offenheit für unterschiedlichste Kulturen: Dafür steht und lebt die selbstverwaltete T-Stube in der norddeutschen Kleinstadt Rendsburg seit Jahrzehnten und zieht damit immer wieder den Hass von Nazis auf sich: Ende der 80er Jahre gab es den ersten Brandanschlag durch Nazis, seit den 90er Jahren gib es immer wieder Nazi-Übergriffe und Hakenkreuzschmierereien.

Seit zwei Jahren hat der Terror von Rechts in Rendsburg und Umgebung erneut zugenommen und nun offensichtlich einen neuen Höhepunkt erlangt: In der Nacht zu Mittwoch stiegen Unbekannte in die T-Stube ein und legten an mehreren Stellen Feuer. Die Antifaschistische Aktion Rendsburg (AARD) geht von einem Brandanschlag durch Nazis aus. Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz.

In einer Pressemitteilung durch die Rendsburger Antifa-Gruppe wird auf Nazi-Aktivitäten der vergangenen Monate und die Umtriebe einer örtlichen Gruppe von sogenannten „Autonomen Nationalisten“ verwiesen:

„Hinter dem Brandanschlag vermuten wir Neo-Nazis, denen die Arbeit gegen Rassismus, Nationalismus und Diskriminierung, die in der T-Stube geleistet wird, ein Dorn im Auge ist. Der Brandanschlag reiht sich ein, in eine ganze Reihe von Vofällen mit rechten Hintergrund in Rendsburg und Umgebung. Erst im März diesen Jahres kam es zu rechtsextremen Schmiereien in Rendsburg und Fockbek, über die auch die Landeszeitung berichtete.

In letzter Zeit tritt auch verstärkt eine Gruppe auf, die sich selbst Aktionsgruppe Rendsburg nennt. Dahinter steckt eine Gruppe von Neo-Nazis, deren Mitglieder in letzter Zeit auf nahezu jedem rechten Aufmarsch in Schleswig-Holstein zu sehen sind. In Rendsburg fiel die Gruppe bislang vor allem durch einen Flyer auf, der gegen die T-Stube und das Charleston hetzte. Presserechtlich verantwortlich für dieses Flugblatt war Sebastian Sommer, der mutmaßliche Kopf der Gruppierung. Durch die Aktionsgruppe Rendsburg gibt es in Rendsburg erstmals eine Gruppe „autonomer Nationalisten“, wir werden weiterhin dagegen angehen, dass sich Nazistrukturen in Rendsburg weiter verfestigen!“

Erst im letzten Monat war die Renovierung der T-Stube abgeschlossen worden. Eine große Zahl junger Leute hat viel Zeit, Geld, Energie und Schweiß in die selbstorganisierte Renovierung der Räume gesteckt. Diese Arbeit wurde durch den Brand im Inneren jetzt zunichte gemacht, lediglich der Backstage- und der Technikraum wurden offenbar nicht beschädigt.

Der Bürgermeister der Stadt Rendsburg, Andreas Breitner (SPD), bekundete zum Anschlag, dass die Tat „ein autonomes Jugendzentrum, das eine eine wichtige Funktion für die politische Kultur in der Stadt hat“, getroffen habe. „Solche Taten verabscheue ich.“

Am Mittwoch-Abend demonstrierten auf einer Spontandemonstration ca. 150 Menschen gegen die Nazi-Gewalt (Pressebericht) . Nun ist es notwendig, dass sich in Rendsburg und Umgebung eine breite Öffentlichkeit mit der T-Stube solidarisch erklärt, die T-Stuben-Aktivisten unterstützt und Hilfe bei den Instandsetzungsarbeiten zusagt, damit der Betrieb der T-Stube schnell wieder aufgenommen werden kann und sich das Kalkül der Nazis nicht erfüllt.

Schon bei dem Brandanschlag Ende der 80er Jahre hatte es eine breite Solidarisierung mit der T-Stube gegeben, was zur Folge hatte, dass die T-Stube als Projekt sogar gestärkt aus der Situation hervorging.

Ausgehend davon, dass Nazis den Brandanschlag verübt haben, wird jedenfalls deutlich, dass die militante Nazi-Szene in Schleswig-Holstein, die sich seit Jahren um den Nazi-Club 88 in Neumünster herum gebildet hat, jedes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele zu nutzen bereit ist.

Es wird Zeit, das diesem Treiben deutlich ein Ende gemacht wird. Antifaschistische Aktivitäten sind hierzu ebenso erforderlich, wie ein erheblich konsequenteres Vorgehen von staatlichen Stellen gegen organisierte Nazi-Strukturen (Negativ-Beispiel: hier).