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Fernsehbeitrag kritisiert Razzia bei Pfarrer Lothar König

 

Bereits als die Dienstwohnung des Jenaer Jugendpfarrers Lothar König am 9. August durchsucht wurde, geriet die Aktion der sächsischen Polizei massiv in die öffentliche Kritik. Ein Beitrag des Politik-Magazins „Frontal21“ weckt nun Zweifel an den Anschuldigungen der Polizei gegen den Pfarrer aus Jena. Auf Facebook hat sich inzwischen eine Unterstützergruppe für König gegründet, die Solidaritäts-T-Shirts für ihn verkauft.

Es sind schwere Vorwürfe, die die sächsische Polizei gegen Pfarrer König erhebt: Nötigung, Strafvereitelung und schwerer aufwieglerischer Landfriedensbruch. Als Beweis für diese Theorie soll ein Amateurvideo dienen, das bei der Demonstration gegen Neonazis in Dresden aufgenommen wurde. Das Filmmaterial zeigt vor der Polizei zurückweichende Demonstranten sowie den VW-Bus von Pfarrer König in der Menge. Dabei ist folgende Durchsage zu hören, die der Seelsorger gemacht hat: „Leute kommt mal her, wir sind hier so viele, einfach weitergehen, geht mal weiter“. Darauf folgt eine zweite, in der er sagt: „Das sind nicht so viele. Keine Schilde, keine Schutzsachen, die Polizei“.

Der Dresdner Staatsanwaltschaft nach soll der Geistliche mit dieser Aussage zu Gewalt gegen Polizisten aufgerufen haben. Für König ein absurder Vorwurf. Wie er gegenüber „Frontal21“ angab, hätten die Teilnehmer Angst vor der Polizei gehabt und es sei sein Ziel gewesen, durch diese Aussage den Protestlern zu versichern, dass es sich nicht um Beamte handle, die schwer bewaffnet seien und „nur zuschlagen“ wollen würden. Er betonte explizit, dass er den Demonstranten lediglich die Angst vor der Polizei nehmen wollte.

Das Unterstützer-Shirt

Zwei weitere Videos, die in der Sendung ebenfalls gezeigt wurden, bestätigen Königs Aussagen. So ist in einem Video zu sehen, wie der Pfarrer mit seinem VW-Bus von der Polizeikette wegfährt und die Demonstranten dazu aufruft bei seinem Fahrzeug zu bleiben. Im anderen, ist dann noch zu erkennen, wie König mit einem Mikrofon in der Hand eine Kundgebung anmeldet und versichert, dass es „friedlich und gewaltfrei“ zugehen wird.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber dem Störungsmelder bestätigte, handelt es sich bei besagtem Amateurvideo, in dem König die zwei Durchsagen macht, um eines der Beweisstücke. „Es gibt aber auch noch andere Beweismittel“, so der Pressesprecher weiter. Um welche anderen es geht, wollte er hingegen nicht mitteilen. Der Beitrag von „Frontal21“ sei ihm selbst zwar nicht bekannt, aber er gehe davon aus, dass die zwei anderen Videos bei den Ermittlungen berücksichtigt werden.

Die sächsische Polizei hatte Anfang August in einer eigenmächtigen Aktion die Dienstwohnung des Pfarrers im benachbarten Bundesland durchsucht. Nach der Razzia wurden von vielen Seiten Kritik an der Vorgehensweise der Polizei geäußert. Die Kirche kritisierte, dass das Beicht- und Seelsorgegeheimnis nicht ausreichend geachtet worden wäre. Das Bündnis Dresden-Nazifrei sieht in der Razzia den Versuch die Proteste gegen Europas größten Naziaufmarsch gezielt zu kriminalisieren.

6 Kommentare


  1. Ich sehe das auch so, dass die Staatsanwaltschaft in Dresden versucht, die Proteste gegen den Naziaufmarsch ganz gezielt zu kriminalisieren. Ich werde das meiner Zeitung online mitteilen und darum bitten, dass das auch in der Frankfurter Rundschau publiziert wird. Ebenso sollte man dafür sorgen, dass das in der SZ und im Tagesspiegel erscheint. Das ist ja wirklich unerträglich was da vor sich geht in diesem Bundesland.

  2.   Caspar Wahl-vom Bruch

    immer mal wieder entsteht der Eindruck, in einigen Gegenden unsere Republik haben Neofaschistische Sympathisanten viel Einfluss bei den staatlichen Organen, die für Polizei-Einsätze verantwortlich sind. Ich frage mich, stimmt der Eindruck, und, wenn ja, wie sehr verbreitet ist dieser Sachverhalt? Beschränkt er sich nur auf wenige Bundesländer, oder ist er mittlerweile bundesweit verbreitet?

    Auch wenn Angst ein guter Nährboden für diese „Ideologie“ sein soll, so muss ich sagen, das genau löst es bei mir aus: ein Grummeln, eine Übertragung, eine Verunsicherung: Ist es das, was erreicht werden soll?

  3.   Antifaschist

    Diese Strategie verfolgt die Polizei schon seit einigen Jahren, nämlich den antifaschistischen Widerstand zu kriminalisieren.
    So Körperverletzung, Brandstiftung und andere Widerstandsaktionen erbarmungslos verfolgt, jedoch die Aufmärsche der Rechtsradikalen nicht nur nicht verfolgt, sondern geschützt.
    1933 lässt grüßen.


  4. […] Zeit.de/Störungsmelder: Fernsehbeitrag kritisiert Razzia bei Pfarrer Lothar König (01.09.2011) […]


  5. […] Pfarrer Lothar König aus Jena weit gebracht. Erst hatte es die Stasi auf ihn abgesehen, dann der Freistaat Sachsen. Sein neuester Coup: Er hat einen Käfig bauen lassen, mit dem der Papst bei seinem Besuch in […]

 

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