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VISIONS zieht Festival-Präsentation wegen angekündigtem „Frei.Wild“-Auftritt zurück

 

Neonazi mit Frei.Wild-Schal beim Naziaufmarsch im Januar 2013 in Magdeburg © Jesko Wrede
Neonazi mit Frei.Wild-Schal beim Naziaufmarsch im Januar 2013 in Magdeburg © Jesko Wrede

Das Musikmagazins VISIONS zieht seine „Präsentation des With-Full-Force-Festivals“ wegen der bekannt gewordenen Teilnahme der völkisch-nationalistischen Band „Frei.Wild“ zurück. Die Entscheidung dürfte Signalwirkung haben – gilt VISONS doch als eines der einflussreichsten Magazine im Bereich der alternativen Rockmusik.

Mehr als 30 Bands sind in diesem Jahr beim „With-Full-Force“-Festival in der Nähe von Leipzig angekündigt. Doch neben „Slayer“, „Motörhead“ und vielen weiteren Musik-Gruppen wird in diesem Jahr auch „Frei.Wild“ zu dem Festival erwartet. Seit langem steht die Band aus Südtirol wegen ihrer völkisch-nationalistischen und rechtslastigen Texte im Fokus der öffentlichen Kritik.

Diese Kritik teilt auch das einflussreiche Musik-Magazin VISIONS, das das „With-Full-Force“-Festival 2013 präsentieren sollte. In einer Stellungnahme auf ihrer Homepage zieht das Magazin diese Präsentation nun aber aufgrund der Teilnahme von „Frei.Wild“ an dem Event zurück. „Mit Frei.Wild hat das With Full Force eine Band bestätigt, die sich mit nationalistischen Texten in der Mitte der Gesellschaft positioniert. VISIONS will das nicht unterstützen und zieht sich deshalb aus der Präsentation des Festivals zurück“, schreibt das Magazin in einer Stellungnahme. Kritisiert wird von VISION vor allem die Aussage der „Frei.Wild“-Songs. „Deutschtümmelnde wie nationalstolze Texte werden nun mal nicht besser oder gar relativiert, wenn bei Konzerten der Band „Nazis-raus!“-Sprechchöre angestimmt werden“, so das angesehene Musik-Magazin aus Dortmund in seiner Begründung.

Auch den Versuch der Band, sich als „unpolitisch“ darzustellen, nimmt ihnen das Magazin nicht ab. In ihrer Erklärung führt VISIONS die „Frei.Wild“-Songs „Das Land der Vollidioten“ und „Wir reiten in den Untergang“ an – und erklärt im Hinblick auf die Texte: „Wir sind weder der Meinung, dass diese Textpassagen unpolitisch sind, noch glauben wir, dass „Gegen-Rechts!“-Aktionismus diese Aussagen wettmacht.“ Zudem „spielt“ „Frei.Wild“ dem „Rechtspopulismus zu sehr in die Hände, um als unpolitisch gelten zu können“. Außerdem fehle eine eindeutige Distanzierung des Frontmanns Philipp Burger, der in der Vergangenheit einmal Mitglied der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheitlichen“ gewesen ist. „Statt sich jedoch – wie der ehemals rechte Liedermacher Felix Benneckenstein – ganz klar als Aussteiger zu positionieren, sprechen „Frei.Wild“ mit doppelter Zunge“.

„Den Auftritt einer solchen Band wollen wir nicht unterstützen und ziehen uns deshalb aus der Präsentation des With Full Force zurück. Das ist schade um eine langjährige Partnerschaft und die von uns geschätzten Bands wie Every Time I Die, Down oder Sick Of It All, die schon vor Frei.Wild für das Festival bestätigt waren – nicht aber um Unantastbar, um eine andere Nachfolgeband von Kaiserjäger, die sich ebenfalls am rechten Rand bewegt“, heißt es.

Scharf kritisiert wird ferner der Veranstalter, der von einer„Hexenjagd“ gegen die Band spricht und den Auftritt mit „Toleranz“ begründet hatte. VISONS stellt hierzu fest: „Als Festivalveranstalter mit Toleranz zu kokettieren und „Hexenjagden“ abzulehnen, wenn es um abgrenzenden Nationalismus geht, geht uns gegen den Strich. Deshalb findet das With Full Force 2013 ohne VISIONS statt.“