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Identitäre Bewegung greift Zeitungen und Parteibüros an

 

Gruppen der rechtsextremen Identitären Bewegung haben in mehreren deutschen Städten Redaktionen und Parteibüros angegriffen. Sie klebten Plakate mit Hinweisen auf linke Gewalt, die Mitarbeiterin einer Zeitung wurde verletzt.

Von Henrik Merker

Identitäre Bewegung greift Zeitungen und Parteibüros an
Polizisten lösen 2017 eine gewalttätige Identitären-Demonstration in Berlin auf. © Michael Trammer/24mmjournalism

Die Attacken kamen schnell und koordiniert: In mehreren deutschen Städten haben Gruppen der rechtsextremen Identitären Bewegung am Montag Redaktionen und Parteibüros angegriffen. In Berlin wurde die Mitarbeiterin einer Zeitung verletzt – nur in Frankfurt stoppte die Polizei den Trupp frühzeitig.

Mit einem Transparent posierten Identitäre am Montagmorgen in Dresden vor einem Büro der Linken und einer Niederlassung der SPD – darauf war die Frage „Wann reden Sie über linke Gewalt?“ zu lesen. Ein Zeuge berichtete dem Störungsmelder, die Teilnehmer hätten rote Farbe, Steine, Fahnen und Benzinkanister abgestellt; an die Eingangstüren klebten sie ebenfalls Plakate mit dem Hinweis auf linke Gewalt. Später brüsteten sich die Identitären auf Twitter mit der Tat und bezeichneten sie als Teil mehrerer bundesweiter Aktionen.

Auf Twitter zeigte die Identitäre Bewegung Fotos der Aktion. Screenshot: Störungsmelder

Der Staatsschutz ermittelt

In Berlin wurde die Tageszeitung taz Ziel der Aktion. Eine Mitarbeiterin habe sich einer Gruppe von sechs bis sieben Angreifern entgegengestellt und versucht, die Plakataktion zu verhindern. „Daraufhin wurde sie gepackt und am Oberkörper getroffen“, schreibt die Redaktion in ihrem Hausblog. Die Berliner Polizei ermittelte drei Verdächtige: Bei den zwei Männern und einer Frau im Alter von 24, 27 und 31 Jahren handele es sich um Aktivisten einer „bekannten Bewegung“, teilte sie mit. Zudem konnte der bei der Aktion benutzte Transporter gefunden werden.

Laut Medienberichten sollen in Berlin auch das ARD-Hauptstadtstudio und das Willy-Brandt-Haus der SPD von den Attacken betroffen sein. Auch in kleineren Städten zogen die rechtsextremen Aktivisten mit ihren Plakaten zu Niederlassungen ihrer politischen Gegner – in Augsburg zum Wahlkreisbüro der Grünen-Politikerin Claudia Roth, in Lüneburg zu einem Parteibüro der Linken.

Der schwäbische Ableger der Bewegung prahlt auf Twitter mit den Taten. Screenshot: Störungsmelder

Nur in Frankfurt am Main waren die Behörden offenbar im Vorfeld auf die Pläne aufmerksam geworden. Dort stellten Polizisten etwa zehn Identitäre, die Plakate an das Verlagshaus der Frankfurter Rundschau kleben wollten, wie die Zeitung berichtet. Jetzt läuft ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Enge Kontakte zur AfD

Die Identitären sind seit 2013 im Fokus des Verfassungsschutzes, seit 2016 werden sie offiziell als rechtsextrem eingestuft und beobachtet. Dabei gibt es auch Verbindungen zur AfD: Die Partei hat zwar schon 2016 offiziell beschlossen, nicht mit der Identitären Bewegung zusammenzuarbeiten – doch deren Kader sind unter anderem als Mitarbeiter bei Abgeordneten der Partei angestellt und nehmen regelmäßig an gemeinsamen Veranstaltungen teil. Zuletzt kamen die Abgeordneten Roger Beckamp und Hans-Thomas Tillschneider im Haus der Identitären in Halle zusammen, um mit ihnen zu diskutieren, wie die AfD der Beobachtung durch den Verfassungsschutz entgehen könne.

Erst kürzlich hatte die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative sich von ihrem niedersächsischen Landesverband getrennt, weil dieser zu enge Überschneidungen mit Identitären und anderen rechtsextremen Gruppen aufwies. Eine einheitliche Haltung zu der rassistischen Gruppierung hat die Partei bis heute nicht gefunden.

Notorisch gewaltaffin

Immer wieder wurde klar, dass zur Taktik der Identitären auch Gewalt gehört. Viele der Gruppenmitglieder sind in Kampfsportvereinen aktiv und nehmen an Wettkämpfen teil. Bei Kampfsportevents der Neonaziszene im sächsischen Ostritz waren regelmäßig Identitäre anzutreffen.

Vor zwei Wochen sollen Philip Stein, Jörg Dittus und Volker Zierke in Italien an einem Aufmarsch der neofaschistischen Partei CasaPound teilgenommen haben. Die drei Publizisten übernehmen eine Scharnierfunktion zwischen Identitären, Neuer Rechten und AfD. Bei dem Aufmarsch wurde laut Bildmaterial reihenweise der römische Gruß gezeigt – in Italien verboten als Erkennungszeichen der Mussolini-Faschisten, in Deutschland bekannt als Hitlergruß.

100 Kommentare

  1.   MeisterGeist

    „Identitäre Bewegung greift Zeitungen und Parteibüros an“
    „Notorisch gewaltaffin – Immer wieder wurde klar, dass zur Taktik der Identitären auch Gewalt gehört.
    Schalten sie mal nen Gang runter Herr Merker. Plakatieren und das abstellen von Fahnen ist kein Angriff und dieser Versuch, mit starken Worten etwas zu dramatisieren passt vielleicht zur Bild, aber nicht zur ZEIT. Die notorische Gewaltaffinität kann man mit Verweis auf die Anfrage der Linken im BT getrost FakeNews nennen.

  2.   Geheimagent

    Gibt es dazu weiterführende Informationen, dass beim Aufkleben der Plakate Mitarbeiter verletzt wurden ?

  3.   c0mm0n sense

    @Geheimagent

    Es gibt die Berichte von unter anderem TAZ und SZ, sowie ein Video des Vorfalls auf Twitter.

  4.   kruegerparc

    Schon längst ist das Netz voll mit Alarmmeldungen über Angriffe der IB auf Medienhäuser und Parteizentralen.

    Schon längst ergießen sich Hohn und Spott über die Überbringer dieser Botschaften.

    Denn schon längst kennt jeder, der sich für die mediale Darstellung politischer Verhältnisse interessiert, die Bilder von den Aktionen und das Video, das die Vorgänge am taz-Gebäude zeigt.

    Ihr müsst eure Leser für ausgesprochen stumpf und dumpf halten oder es selber sein, dass ihr trotzdem versucht, die Aktionen in ein Narrativ von Nazigewalt gegen Sachen, Menschen und die Demokratie als solche zu betten.

  5.   Büro für Handstreiche

    ++ Vor zwei Wochen sollen Philip Stein, Jörg Dittus und Volker Ziercke in Italien an einem Aufmarsch der neofaschistischen Partei CasaPound teilgenommen haben. ++

    Zur Erinnerung:
    Die Faschisten stellten unter Mussolini den bewaffneten Arm der italienischen Kapital- und Großgrundbesitzer und sorgten mittels Straßenterror dafür, dass bis 1923 die italienische Arbeiterbewegung und die demokratische Zivilgesellschaft, von links bis liberal, durch Gewalt und Drohung nichts mehr zu melden hatte.

    D.h. diese „Patrioten“ der IB stellen sich in die Tradition einer Straßenschlägerbewegung, deren genuines Ziel war, die einfachen Menschen unter der dreckigen Knute ihrer elitären Ausbeuter zu halten um sich selbst kleptokratisch zu bereichern.

  6.   Dediee

    Seltsamerweise berichten alle andern Zeitungen das die Mitarbeiterin NICHT verletzt geschweige den angegriffen wurde.

    Es gibt auch YouTube ein Video in dem man deutlich genau das Gegenteil sehen kann die Mitarbeiterin ging mit einem Hund wie eine Furie auf die Aktivisten los und griff diese an, sämtliche Zeitungen berichten auch in diesem Wortlaut darüber selbst die TAZ ist seit Stunden zurück gerudert, nur die Zeit nicht.

    Warum eigentlich nicht wenn doch einwandfrei erwiesen ist das an dem Angriff auf die Mitarbeiterin überhaupt nichts dran ist?

  7.   Chateaupetrvs

    Ich erwarte eine Strafanzeige der verletzten Zeitungsmitarbeiterin und hoffe auf einen kurzen Bericht über das dann folgende Verfahren . Die Plakataktion selbst ist Pille-Palle. Ein paar Hundert Fanatiker vom rechten Rand haben gestört. War‘s das ?

  8.   Asu B

    „Gruppen der rechtsextremen Identitären Bewegung haben in mehreren deutschen Städten Redaktionen und Parteibüros angegriffen. Sie klebten Plakate mit Hinweisen auf linke Gewalt, die Mitarbeiterin einer Zeitung wurde verletzt.“

    Die Identitären haben außen auf die Gebäude Plakate geklebt, Flugblätter verteilt …., da von „angegriffen“ zu sprechen scheint mir schon ein bisschen übertrieben.

    Mit ein bisschen googlen auch das Video gefunden wo angeblich die TAZ Mitarbeiterin angegriffen und verletzt wurde.

    https://www.youtube.com/watch?v=BrSUzFvnY4w

    Da scheint die Gewalt aber eher von der TAZ-Dame ausgegangen zu sein?
    Wegen der Wahrheit und den Fakten, auf die ihr euch ja immer beruft, wäre es.

  9.   millenium_baby

    Da gibt es auch ein Video im Netz, kann man sich anschauen, harmlos. Das fällt der taz genauso verdient auf die Fuesse wie das Kantholz der Afd.

  10.   docbenway

    Das Video vom „Übergriff“ ist online zu finden. Ich lach mich scheckig;)

 

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