‹ Alle Einträge

AfD-Gründer Lucke fordert: Partei soll Rechtsextreme ausgrenzen

 

AfD-Gründer Bernd Lucke hat die gemäßigten Mitglieder seiner ehemaligen Partei aufgefordert, Rechtsextremen in ihren Reihen die Stirn zu bieten.

AfD-Gründer Bernd Lucke, hier bei einer Parteiveranstaltung im März 2014 © Jens Meyer/dpa

Lucke schreibt in einem offenen Brief „an die nicht rechtsextremen Mitglieder der AfD“, den er auf seiner Homepage veröffentlichte: „Brechen Sie mit den Rechtsextremisten in der AfD! Grenzen Sie sie aus und fordern Sie sie auf, Ihre Partei zu verlassen.“

Wer noch Zweifel an der Gesinnung dieser Parteimitglieder habe, müsse sich nur das Gutachten des Verfassungsschutzes über die AfD zu Gemüte führen. „Warum lassen Sie es zu, dass die Rechtsextremen bei Ihnen eine Heimstatt gefunden haben?“, heißt es in dem Brandbrief des Volkswirtschaft-Professors. Und: „Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig.“ Nicht nur Holocaust-Leugner und Skinheads seien rechtsextrem, sondern auch Deutsche, die sich „über Menschen anderer Herkunft erheben, nur weil diese nicht deutsch sind“.

Sympathisierte Lucke selbst mit rechten Tendenzen?

Zuletzt waren mehrfach verfassungsfeindliche Umtriebe in der Partei publik geworden. Ein Gutachten des Verfassungsschutzes deutete auf Fälle von Holocaustleugnung und Kontakte hoher Funktionäre in die rechtsextreme Szene hin. Eine Störungsmelder-Recherche enthüllte Anfang Februar Aktivitäten von Mitarbeitern und Politikern im Neonazi-Milieu. Die Zusammenarbeit mit bestimmten Gruppen ist für AfD-Mitglieder durch eine sogenannte Unvereinbarkeitsliste reglementiert.

Indes stand auch Lucke selbst während seiner Zeit in der Partei in der Kritik, zumindest rechtspopulistischen Positionen wenig entgegenzusetzen. So saßen Mitglieder der islamfeindlichen Partei Die Freiheit in den Vorständen von AfD-Landesverbänden. Eine Studie der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung attestierte der AfD damals „nationalistische und kulturalisierende Tendenzen“.

Aufforderung zum Austritt

Lucke hatte die AfD 2015 verlassen, nachdem er als Parteichef abgewählt worden war. Er gründete die Partei Alfa, die wegen eines Namensstreits heute Liberal-Konservative Reformer (LKR) heißt. Lucke ist LKR-Bundesvorsitzender und Europaparlamentarier. In den vergangenen Tagen hat er nach eigenen Angaben zahlreiche wütende Zuschriften von AfD-Anhängern erhalten. Anlass war ein ZEIT-Interview, in dem er sich für die Beobachtung von Teilen der AfD durch den Verfassungsschutz ausgesprochen hatte.

In seinem offenen Brief schlägt Lucke moderaten AfD-Mitgliedern vor, Funktionäre wie den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke, den Bundestagsabgeordneten Thomas Seitz, den sächsischen Landtagsabgeordneten Jörg Urban und den Brandenburger AfD-Fraktionsvorsitzenden Andreas Kalbitz immer wieder öffentlich zum Parteiaustritt aufzufordern. Er schreibt: „Machen sie Ordnung im eigenen Haus, indem Sie zumindest sagen, wo es stinkt.“

(Mit dpa)

33 Kommentare

  1.   Kay-Ner

    Das kommt ein paar Jahre zu spät, aber ich glaub er hat es begriffen.

  2.   Siri W.

    Wer war das noch mal? Ach jaaaaa, dem hat die AFD auch kein Glück gebracht, haupsächlich durch den verstärkten einfliessenden Rechtsextrmismus.

    Eigentlich fehlt jetzt nur noch die andere politische „Heilsgestallt“ ( jo, Heilsgestallt, sind ja alles Kronen der Schöpfung 🙂 ) , wie heißt der dann noch mal, neee nicht Seehofer, ach ja Gysi! 🙂

  3.   Dogwalker

    Tolle Aktion von Lucke- und das nachdem er selbst die Tore ganz weit nach rechts aufgemacht hat.
    Er hätte Goethes Zauberlehrling lesen sollen…

  4.   Heini Huckeduster

    Jetzt hat der Mann auch erkannt, dass der „gärige Haufen“ (Zitat Gauland!) stinkt!

  5.   nunja-ninja

    Eugen Roth veranschaulicht in seinem Gedicht „Das Böse“, warum Bernd Lucke auch heute noch nicht aus der Verantwortung entlassen werden darf.

    Ein Mensch pflückt, denn man merkt es kaum,
    Ein Blütenreis von einem Baum.
    Ein andrer Mensch, nach altem Brauch,
    Denkt sich, was der tut, tu ich auch.
    Ein dritter, weil’s schon gleich ist, fasst
    Jetzt ohne Scham den vollen Ast
    Und sieh, nun folgt ein Heer von Sündern,
    Den armen Baum ganz leer zu plündern.
    Von den Verbrechern war der erste,
    Wie wenig er auch tat, der schwerste.
    Er nämlich übersprang die Hürde
    Der unantastbar reinen Würde.

  6.   Schelmchen

    Was fùr eine Heuchelei. Lucke selbst hat die Rechtsextremen immer ignoriert und dann klein beigegeben.

  7.   Margot Melzer

    „Walle, walle, manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe…“

  8.   TIMMAY

    Hat Herr Lucke nicht eine neue eigene Partei gegründet?
    Scheint wohl nix geworden zu sein, sonst wäre das jetzt vielleicht ein Anziehungspunkt, für die seiner Ansicht nach „nicht Rechtsextremen“.
    Fakt ist doch, daß sich Herr Lucke beleidigt und möglicher Weise auch etwas feige bei der AfD vom Acker gemacht hat, statt den Geistern, die er gerufen hat, die Stirn zu bieten.

  9.   EvaK42

    Lucke selbst hat sich von Anfang an als blind gegen diejenigen gezeigt, die von der Euro und EU ablehnenden nationaliberalen und erzreaktionären Tendenzen der AFD in Gründung angezogen wurden: Die Stammtischler der Fraktion „das wird man doch wohl noch sagen dürfen“. Die haben die AFD als Gelegenheit verstanden, in Windeeile übernommen und das ihnen zu intellektuelle Gründungstrüppchen enttäuschter ultrakonservativer Politprofessoren aus dem Umfeld von CDU und F.D.P. in die Wüste geschickt.

    Dann wurde die AFD zum Sammelbecken der Salonfaschisten umgebaut, die für alle diejenigen attraktiv erscheint, die ein autoritäres und antiliberales System wünschen, denen aber die „offiziellen“ Nazis ein allzu deutliches Springerstiefel- und Baseballschläger-Image haben. Die „moderaten“ Kräfte in der AFD gibt es nicht mehr sichtbar, die sind längst wieder in eine sich nach rechts neu orientierende CDU zurück gewandert.

    Was will Höcke also? Macht er sich noch Hoffnungen, aus der Ferne bei „seiner“ Partei doch noch etwas beschicken zu können? Das ist wohl zu spät, die AFD hat ihren Ruf als faschistoide Partei endgültig weg.

  10.   Marco Slanz

    „Indes stand auch Lucke selbst während seiner Zeit in der Partei in der Kritik, zumindest rechtspopulistischen Positionen wenig entgegenzusetzen. So saßen Mitglieder der islamfeindlichen Partei Die Freiheit in den Vorständen von AfD-Landesverbänden. Eine Studie der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftungattestierte der AfD damals „nationalistische und kulturalisierende Tendenzen“.“

    Moooment.

    Lucke greift zu recht diejenigen an, die sich „über Menschen anderer Herkunft erheben, nur weil diese nicht deutsch sind“.
    Deswegen kann man aber trotzdem islamkritisch sein.
    Es ist auch kein Nationalismus, für die Interessen unseres Gemeinwesens einzutreten. Genau genommen erwarte ich das von unseren Parteien als Grundkonsens.

    Etwas mehr Trennschärfe wäre schon angebracht.

 

Kommentare sind geschlossen.