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Rechtsextreme begehen im ersten Halbjahr 2019 mehr als 8.600 Straftaten

 

Die Bundesregierung meldet für Januar bis Juni viele rechtsextreme Delikte. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist die Zahl stark gestiegen. Dabei sind noch nicht einmal alle Fälle erfasst.

Von Tagesspiegel-Autor Frank Jansen

Rechtsextreme begehen im ersten Halbjahr 2019 mehr als 8.600 Straftaten
Die Zahl der rechtsextremen Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (Symbolfoto). © Patrick Pleul/dpa

Rechtsextreme Kriminalität lässt auch 2019 nicht nach. Neonazis und andere Rechte haben nach Informationen des Tagesspiegels im ersten Halbjahr bundesweit 8.605 Straftaten verübt, darunter 363 Gewaltdelikte. Dabei wurden mindestens 179 Menschen verletzt. Die Zahlen sind den Antworten der Bundesregierung auf monatliche Anfragen von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) und ihrer Fraktion zu entnehmen. Das Innenministerium übermittelte Pau jetzt die Angaben für Juni, damit ist eine Halbjahresbilanz möglich. Die Antworten liegen dem Tagesspiegel vor.

In den Angaben für Juni fällt auf, dass der mutmaßlich rechtsextreme Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke in der Polizeistatistik nicht auftaucht. Hessen meldete für Juni kein rechtes Gewaltdelikt. Lübcke wurde am 2. Juni mutmaßlich von dem Neonazi Stephan Ernst erschossen. Er gab die Tat bei der Polizei zu, zog aber später das Geständnis zurück.

Deutliche Zunahme an Straftaten

Obwohl in den Zahlen für Januar bis Juni bereits Nachmeldungen der Polizei enthalten sind, wird die Summe der Straftaten wahrscheinlich noch deutlich steigen. Die Landeskriminalämter berichten häufig erst Monate später über Fälle rechter Kriminalität, die zunächst als unpolitisch eingestuft wurden.

Im Vergleich zu den Angaben, die das Ministerium für das erste Halbjahr 2018 gemacht hatte, ergibt sich bei den rechten Delikten eine Zunahme um mehr als 900 Straftaten. Die Zahl der Gewaltdelikte blieb allerdings nahezu gleich hoch. Ob nun für das gesamte Jahr 2019 eine Steigerung der rechten Kriminalität zu erwarten ist, bleibt jedoch offen.

Aus den Antworten des Ministeriums geht auch hervor, dass die Polizei von Januar bis Juni insgesamt 2.625 rechte Tatverdächtige ermittelte. Festgenommen wurden nur 23 Personen, zwei von ihnen erhielten einen Haftbefehl.

76 Kommentare

  1.   Lametta

    Und immer noch herrscht wohl die Vorstellung in vielen Köpfen vor, dass das alles ja nicht so schlimm oder extrem sei. Und warum taucht der Mord an Lübcke nicht auf? Weil noch nicht ausermittelt oder das Geständnis wieder zurückgezogen wurde?

  2.   themrock

    Wenn das von den Flüchtlingen käme, wie es die AfD Hetzer gerne hätten, dann hätten wir jetzt brennende Asylantenheime. Hatten wir zwar auch schon, aber nicht organisiert flächendeckend.

  3.   Schimmelblau

    „Gestern hat jemand an unsere Hauswand „Fuck AFD“ gesprüht.

    Ist das jetzt eine linksextremistische Straftat ?“

    Warum sollte es linksextrem sein, gegen Rechtsextreme zu sein?

  4.   Boriana

    Zwei Dinge bleiben festzuhalten:

    Die Straftatbestände werden sich seit den letzten Statistiken nicht geändert haben.
    Daraus folgt eine reale Zunahme rechter Straftaten.

    Wenn ein Flüchtling ein Verbrechen begeht, generalisieren das dieselben Leute, die nun bei rechter Straftaten relativieren.

  5.   Babelfishundhandtuch

    Noch erschreckender als diese Zahlen ist die unglaubliche Zahl an relativierenden Kommentaren hier im Forum. Der Rechtsterrorismus scheint, sollte dies ein Spiegel unserer Gesellschaft sein, dank AfD tatsächlich in der „Mitte der Gesellschaft“ als tolerierbar angekommen zu sein.

  6.   alba63

    „Gestern hat jemand an unsere Hauswand „Fuck AFD“ gesprüht.
    Ist das jetzt eine linksextremistische Straftat ?“

    Nein, eher ein Aufbäumen des common sense 🙂

 

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