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Neonazis: Mit Ku-Klux-Klan-Maske im Supermarkt

 

Rechtsextreme wollen Kapital aus der Mundschutzpflicht schlagen: Sie bieten Pullover mit Maske des Ku-Klux-Klan an. Das perfide Schauspiel in Thüringen ist ein Fall für den Staatsanwalt.

Von Sebastian Haak

Die rassistischen Kapuzenpullover werden im Versandhandel beworben. Screenshot: Störungsmelder

Ein Bild aus einem Thüringer Supermarkt: Am Obststand steht eine leicht untersetzte Person mit Bananen in den Händen. Auf dem Kopf trägt die Gestalt einen Spitzhut – das Erkennungszeichen von Mitgliedern des Ku-Klux-Klan (KKK) in Amerika. Das Foto hat sich zusammen mit anderen Aufnahmen in den vergangenen Tagen im Internet verbreitet. Auf Einkaufstour in der Kreisstadt Hildburghausen waren offenbar zwei Personen, bekleidet in einer Kluft, die stark an jene des rassistischen und antisemitischen Geheimbundes erinnert.

Mutmaßlicher Hintermann der Aktion ist der Rechtsextreme Tommy Frenck, der in Kloster Veßra im Süden Thüringens lebt. Er gilt als einer der umtriebigsten Neonazis der Region. Die Masken-Aktion, inszeniert zur Zeit der Mundschutzpflicht aufgrund der Corona-Pandemie, wird nun zum Fall für die Justiz: Die Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss von den Linken hat Anzeige erstattet.

Anzeige wegen Volksverhetzung

Sie wirft den Beteiligten unter anderem vor, sich der Volksverhetzung schuldig gemacht und zu Gewalttaten aufgerufen zu haben. Immerhin haben Mitglieder des KKK in den vergangenen etwa 150 Jahren Tausende vor allem afroamerikanische Männer gelyncht oder gefoltert. Der KKK existiert bis heute und gilt als eine der größten rechtsextremen Organisationen in den Vereinigten Staaten. Seine Anhänger glauben an die Überlegenheit der „weißen Rasse“.

Die offen rassistische Gesinnung ist allerdings nur ein Aspekt der Supermarkt-Aktion. Ein anderer ist die kommerzielle Seite. Frenck veröffentlichte die Bilder auf seinem Kanal in der Messenger-App Telegram. Dort verwies er auch auf einen Versandhandel, den er neben seinem Geschäft als Gastwirt und Konzertveranstalter betreibt. In dem Onlineshop bewirbt er „Kapuzenpullover mit Maskenfunktion“. Die im Netz veröffentlichten Fotos der von Frenck bislang „im Vorverkauf“ angebotenen Pullover gleichen denen, die bei der Aktion in dem Supermarkt genutzt worden sind.

Ministerpräsident kritisiert Missbrauch der Maskenpflicht

Für Frenck ein typisches Muster. Die Provokation ist bei ihm auch ein Instrument, um Gesinnungsgenossen auf seine Produkte und Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Ein Kapuzenpullover kostet 59,90 Euro. Ein Werbebild ist wiederum mit dem Hashtag „Maskenpflicht“ versehen.

Dafür, dass Frenck hinter dieser Aktion steht, gibt es viele Indizien; auch wenn sich wegen der vollständigen Maskierung nicht eindeutig sagen lässt, ob er selbst einer der zwei Männer ist, die in dem Supermarkt aufgetaucht waren. Auf einem der von dem Vorfall veröffentlichten Fotos heißt es: „Mit Maske einkaufen, haben sie gesagt …“. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat angekündigt, es nicht hinnehmen zu wollen, dass Rechtsextreme die Mundschutzpflicht missbrauchen, um sich so sehr zu maskieren, dass ihnen Straftaten kaum noch nachzuweisen sind. Man werde nicht zulassen, dass Frenck mit Hilfe von Masken seine „rassistische Gesinnung und seine menschenverachtende Haltung offen zum Ausdruck“ bringe.

Die Landesregierung werde nun prüfen, inwieweit die geltenden Regeln zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutz „präzisiert“ werden müssten, sagt Ramelow. Es müsse klar sein, dass es die Pflicht gebe, an bestimmten öffentlichen Plätzen einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen – aber kein Recht, sich unter dem Deckmantel der Mundschutzpflicht völlig zu maskieren und dabei Hass und Hetze zu verbreiten.

133 Kommentare

  1.   derenor

    War zu erwarten. Durch diesen Bericht steigt die Reichweite des Shops gerade um das 100fache.

    Lasst uns Ihnen doch Plastiktüten mit transparenten Teilen fürs Auge verkaufen.

    Einen Produktnamen habe ich auch schon:
    Glatzenkondom, verhindert die Übertragung von Gesinnungskrankheiten

  2.   jgbk

    Idioten gibt es über alle.

  3.   useros

    Was für Vollpfosten!

  4.   KHans

    Schlimmer geht immer. Angst und Feigheit hat viele Formen. Diese hier ist übel.

    Hier ist m. E. staatliche Strenge gefordert, die klar macht, was nicht geht.

  5.   KlausMeier62

    Das sieht für mich wie Satire oder gezielte Provokatio aus und könnte auch eine Aktion des Zentrums für politische Schönheit sein.

  6.   Herr Wolke

    Och – ich wüßte ziemlich sicher, wie ich mit jemandem in dieser Aufmachung umgehen würde.

    Zumindest erkennt man sie sofort!

  7.   HH1960

    Was soll man von derart dummen Menschen auch anderes erwarten?

    Wahrscheinlich kommen sich diese Menschen auch noch toll vor, dabei sind sie die Looser schlecht hin.

  8.   Binane

    Und wieder einmal ein Beispiel wie wenig zielgerichtet in Deutschland der Kampf gegen den Rechtsextremismus geführt wurde, vielleicht sogar bewußt verschleppt wurde. Da es bereits seit 2016 wohl Hinweise auf den KKK in Deutschland gibt scheint es bisher kein Verbotsverfahren bzw. keine Einordnung als Verfassungsfeindliche oder einfach kriminelle Organisation zu geben. Als solche könnten entsprechende Erkennungsmerkmale ja verboten werden, wie es beispw. bei verfassungsfeindlichen Symbolen oder auch den „Kutten“ verschiedener Rocker-Gruppierungen möglich ist.

  9.   Europäischer freier Demokrat

    Ein widerliches Pack!

  10.   km18

    Technisch: In etwa gleich viel Nutzen wie das selbstgenähte im allgemeinen – fragwürdig.

    Ansonsten: Widerlich

 

Kommentare sind geschlossen.