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Das Jazz-Gen

 

Mit „Back East“ kehrt der Saxofonist Joshua Redman zu seinen Anfängen zurück. In kleiner Besetzung mit Bass und Schlagzeug swingt er dabei fast zu perfekt

Joshua Redman Back East

Joshua Redman trägt es in sich, das Jazz-Gen. Warum wäre er sonst Musiker geworden? Sein Vater, der in den Sechzigern an der Seite Ornette Colemans als Free-Jazzer bekannt gewordene Saxofonist Dewey Redman, war wenig erpicht darauf, den Sohn in seine Fußstapfen treten zu sehen. Brav schloss Joshua Redman sein sozialwissenschaftliches Studium an der Elite-Universität Harvard ab – mit Auszeichnung! – und erhielt einen Platz an der Yale Law School. Seine Karriere als Jurist hätte beginnen können.

Doch das Jazz-Gen setzte sich durch. Redman ließ sein Studium ruhen. Er gewann einen renommierten Nachwuchswettbewerb und spielte sich – unter anderem als Sideman seines Vaters – quer durch New York. Im Jahr 1993 veröffentlichte er sein Debütalbum; da war er 24. Fortan spielte er mit etlichen der Musiker, die im zeitgenössischen Jazz Rang und Namen hatten. Gelegentlich trat er auch mit Größen der klassischen Musik auf, so mit dem Cellisten Yo Yo Ma und dem Dirigenten Sir Simon Rattle.

Redman – inzwischen 38 – hat viel um die Ohren. Er war in Robert Altmans Film Kansas City zu sehen, tritt in Fernsehshows auf, schreibt Filmmusiken. Seit dem Jahr 2000 ist er künstlerischer Leiter bei San Francisco Jazz, einer Initiative, die den Jazz an der amerikanischen Westküste fördert. Auf seinem jüngsten Album Back East kehrt er zu seinen Anfängen zurück, geografisch wie musikalisch. In New York nahm er das Album im Trio mit Schlagzeug und Kontrabass auf. Das ist die kleinste Form für einen Saxofonisten.

Als er begann, Musik zu machen, konnte sich kaum ein Veranstalter mehr als drei Musiker leisten. Sonny Rollins hatte in dieser Besetzung im Jahr 1957 seine Platte Way Out West eingespielt. Joshua Redman – abwechselnd begleitet an Bass und Schlagzeug von Christian McBride/Brian Blade, Larry Grenadier/Ali Jackson und Reuben Rogers/Eric Harland – hat Back East als Vexierbild dieses fünfzig Jahre alten Vorläufers angelegt.

Die Band spielt präzise arrangierten, quirligen Jazz, der trotz Redmans eher geschmeidigem Saxofon-Ton mit viel Energie und Swing daherkommt. Die Aufnahmetechnik ist perfekt, stellenweise macht sie den Klang zu glatt. Ein Schuss Rauheit hätte den Stücken gut getan.

Back East ist mehr als eine Hommage an Sonny Rollins. Redman weist in Richtung Osten, Indian Song von Wayne Shorter sowie seine eigenen Kompositionen Mantra #5 und Indonesia bestechen durch ihre Melancholie und die orientalisch angehauchten Rhythmen. Die Höhepunkte des Albums sind die Gastauftritte anderer Saxofonisten. Mit dem virtuosen Joe Lovano spielt Redman ein kühles Duett, mit seinem Vater Dewey Redman liefert er sich in John Coltranes Komposition India eine wahre Saxofonschlacht. Bei der emotionalen Ballade GJ übernimmt der Senior ganz – Back East klingt mit seinen Tönen aus.

Dewey Redman starb am 2. September 2006 in Brooklyn, drei Monate nach der Aufnahme. GJ hatte er seinem Enkelsohn gewidmet. Ob auch der das Jazz-Gen in sich trägt?

„Back East“ von Joshua Redman ist erschienen bei Nonesuch/Warner Music

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