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Den Gospel abgestaubt

 

Auf ihrem Album „To Be Still“ rührt die Amerikanerin Alela Diane ganz neue Klangfarben an. Vom spröden Folk des Vorgängers ist wenig geblieben, jetzt lässt sie es voll und abwechslungsreich tönen

Cover
 
Alela Diane – White As Diamonds
 
Von dem Album: To Be Still (2009) Fargo Records
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Wenn der Schnee schmilzt, glitzert Nevada City. Die Stille weicht dem gleichmäßigen Geräusch des Frühjahrsputzes, im Hintergrund rauscht der Bach, und gelegentlich findet man ein Goldklümpchen.

Alela Diane Menig wurde 1983 im Goldgräbernest Nevada City geboren und sang schon als Kind mit ihren Eltern und im Schulchor. Mit zarten 20, vor fünf Jahren, veröffentlichte sie im Selbstvertrieb ihre ersten eigenen Lieder auf Forest Parade. Während einer Europareise schrieb sie kurz darauf die Stücke zu The Pirate’s Gospel – erst 2006 brachte sie es bei einer Plattenfirma unter, im vergangenen Jahr war es dann auch in Europa zu erwerben. Mittlerweile ist sie so bekannt, dass man ihr neues Album To Be Still weltweit ungefähr zeitgleich in den Händen halten kann.

In den vergangen Jahren ist Alela Diane durch die Welt getourt, hat sehr viele kleine Konzerte gespielt und dabei Menschen kennen gelernt, sich weiterentwickelt und sicherlich auch an ihrem handwerklichen Können gearbeitet. War Pirate’s Gospel von der Folkgitarre geprägt, die melancholische Melodien und griffigen Gesang in einer ganz eigenen, staubigen Klangwelt aufleben ließ, erklingt auf To Be Still eine ungleich vollere Instrumentierung. Schlagzeug, Perkussion und Streicher färben die Töne licht ein. Man hört aktuelle Popproduktionen durch, aber auch Neil Youngs Harvest.

Auf Pirate’s Gospel ging sie entspannter zu Werke, irgendwie intuitiver. Hier nun wirkt alles bewusst gesetzt und sorgfältig abgestaubt. Ausgeleuchtet die dunklen Nischen, die die frühen Lieder ausmachten.

In vielen Liedern bekommt die neu angerührte Klangfarbe Alela Diane gut und verleiht dem Album angenehme Abwechslung. Träumerisch untermalt eine Slide-Guitar im ersten Stück Dry Grass & Shadows die Zeilen „There are things that I’ve seen in my head while I’m sleeping in bed“, in The Ocean lassen die Mandolinen im Hintergrund den Hörer das Wasser riechen. Textzeilen wie I’ve known mornings white as diamonds rufen entrückte Bilder hervor. Überhaupt sind die Texte direkt und persönlich, dabei aber immer soweit verschlüsselt, dass eigenen Assoziationen Raum bleibt.

Diese gefühlte Offenheit ist sicher auch Alela Dianes Stimme geschuldet. Sie ist griffig und macht es zum Genuss, der Leichtigkeit ihrer Erzählungen zu lauschen, von der Schönheit und Härte des Frostes, ihren Reisen oder einem Treffen am Fluss der Schneeschmelze. Manche Kapriole im Gesang ist zu gut gemeint, nicht jedes Vibrato müsste sein. Und es ist erstaunlich, wie nah am Kitsch manches Instrument wandelt – und meist doch nicht vorn überkippt. Die stärksten Lieder auf To Be Still sind die, in denen Alela Diane es bescheiden tönen lässt und folkige Essenz greifbar wird.

Alela Diane besitzt die wunderbare Gabe, den Hörer in ihre Welt zu entführen und sich dort wohlfühlen zu lassen. Wie gut es einem dort geht merkt man erst, wenn der letzte Ton verklungen ist und plötzlich etwas fehlt.

„To Be Still“ von Alela Diane ist auf CD und Doppel-LP bei Fargo Records/Rough Trade erschienen.

Mehr von Alela Diane gibt es am Montag, dem 23.2. ab 21 Uhr beim Webradio ByteFM in der Sendung Hello Mellow Fellow zu hören. Die Wiederholung läuft am Mittwoch, dem
25.2. um 14 Uhr.

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