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Klima

Macht die Straßen smarter

Von 25. April 2014 um 10:09 Uhr

Die N329 ist, so zeigt es zumindest Google Maps, eine 0815-Landstraße durch die wunderbare Pampa der Niederlande. Bislang. Denn seit einigen Tagen könnte diese Langeweile-Landstraße das Verkehrswesen revolutionieren: Auf einer Strecke von zwei Mal 500 Metern hat das niederländische Designbüro Studio Roosegaarde zusammen mit der Firma Heijmans die Randstreifen neu präpariert. Von der Straße der Zukunft schwärmt bereits das Designbüro.

Die Straße ist nun am Rand mit einer fluoreszierenden, grünen Farbe bemalt, die sich über Tag auflädt und dann in der Nacht leuchtet. So macht sie Straßenlaternen überflüssig, das spart Energie und damit Kosten. Die Idee ist schon länger in der Welt, aber nun sind tatsächlich die ersten Straßenkilometer bepinselt. Selbst die niederländische Umweltministerin kam zur Einweihung des smarten Highways vorbei. Weitere Projekte sind schon in der Pipeline. Markierungen auf der Straße könnten etwa nur auf Temperaturen reagieren. Wenn es friert, leuchten bemalte Schneeflocken als Warnzeichen auf.

© Studio Roosegaarde

© Studio Roosegaarde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was mich an der N329 fasziniert, ist die große Frage dahinter: Wer profitiert eigentlich von Innovation? Der Designer Dan Roosegaard hat dazu ganz eigene Vorstellungen. Bislang sei es so, dass nur Autos optimiert beziehungsweise nachhaltiger werden: Tesla baut HighEnd-Wagen, BMW bringt schicke Elektrowagen auf den Markt. An Autos würden wir herumschrauben, weltweit würden sich die Konzerne Gedanken über die Autos der Zukunft machen – aber die Straßen verharren designmäßig im Mittelalter. “Innovation darf nicht nur für die Elite sein, für die happy few“, sagt Roosegarde. Es gehe darum, kollektive Güter besser zu machen, also das, was wir gemeinsam nutzen oder nutzen könnten: eben Straßen, erneuerbare Energien. Mal schauen, wie das in der Realität klappt. Die N329 wird wertvolle Hinweise liefern.

Ökofonds-Anbieter scheuen Transparenz

Von 26. November 2013 um 13:38 Uhr

Wer mit der Berliner S-Bahn fährt, der kommt an Werbung für Umweltinvestments nicht vorbei. Ein Windpark in der brandenburgischen Pampa, ein Wasserkraftwerk in der Türkei: Immer neue Umweltprojekte werben derzeit um Investoren – nicht selten mit zweistelligen Renditen. Klar stoßen die Angebote auf meine Sympathie. Schließlich kann ich als Anleger, je nach Angebot, die Energiewende mit unterstützen. Und eine gute Rendite gibt es auch.

Die Verbraucherzentrale Bremen hat sich die grünen Produkte genauer angeschaut. Ihr Fazit fällt ernüchternd aus: Die Branche habe einen großen Nachholbedarf, wenn es um Transparenz und Risikohinweise geht. Die Finanzspezialisten haben in einem Marktcheck 54 Produkte mit Umweltschwerpunkt überprüft, vom Waldsparbuch über ein Teakholz-Investment bis zum Bürgerwindpark. Drei Viertel der Anbieter verschweigen demnach auf ihren Flyern, dass die Anleger das Risiko eingehen, das gesamte Geld zu verlieren. Auch im Internet gibt es dazu kaum Hinweise. Zwei Drittel der Anbieter unterschlägt auf seinen Homepages sogar den Hinweis auf Risiken. Auch die Anleger selbst würden die Risiken gern verdrängen, sagt die Verbraucherschützerin Ulrike Brendel. Schließlich seien die Investments in Niedrigzinszeiten attraktiv. Und viele Anleger seien glücklich, mit der Geldanlage etwas für ihr Gewissen zu tun.

Grau-grüner Kapitalmarkt schlecht reguliert

Brendel beklagt, dass der graue Kapitalmarkt für grüne Investments schlecht reguliert ist. Während es etwa für geschlossene Fonds relativ strikte Vorgaben der Finanzaufsicht gibt, fehlen diese etwa für sogenannte Nachrangdarlehen oder Spezialprodukte wie Partiarische Darlehen. Diese müssen noch nicht einmal einen umfassenden Informationsprospekt vorlegen, geschweige denn eine kurze, dreiseitige Zusammenfassung. Selbst Internetseiten der Anbieter seien nicht selbstverständlich. “Das Internet nutzen die Anbieter, um ihre Produkte zu bewerben”, sagt Brendel. “Die Risiken hingegen verschweigen sie gern.” Gerade im Netz müsse der Gesetzgeber viel strengere Auflagen für Risikohinweise machen.

Verbraucherschützer warnen zudem, dass Öko-Investments nicht per se sicherer seien als konventionelle Angebote. Das gilt vor allem für Genussrechte, eine beliebte Form der Anlage im Umweltbereich. Seit Jahren schon streiten sich die Verbraucherschützer etwa mit dem Windkraftunternehmen Prokon aus Itzehoe. Die Firma bietet solche Investments in Windparks und Biomasseanlagen an und stellt sie als sichere Anlage dar. Eine Behauptung, die Verbraucherschützer auf die Palme bringt, schließlich gibt es keine Einlagensicherung oder Mitbestimmungsrechte bei Genussrechten. Prokon ist inzwischen der kritischen Nachfragen überdrüssig: Man habe sich entschlossen, auf Medienanfragen nicht mehr zu reagieren, teilte das Unternehmen jüngst auf der Homepage mit. Zu mehr Transparenz trägt eine solche Maßnahme sicherlich nicht bei.

Anleger müssen allerdings nicht prinzipiell die Finger von Öko-Investments lassen. Mehr als 63 Banken und Sparkassen bieten klimafreundliche Geldanlagen an, die selbst Verbraucherschützer empfehlen. In der Regel sind es Tagesgelder oder Sparbriefe, bei denen 100.000 Euro schon mal durch die Einlagensicherung geschützt sind.

Morgan Stanley startet weltweit größtes Gezeitenkraftwerk

Von 7. Oktober 2013 um 16:56 Uhr
Simulation des Strömungskraftwerks  MeyGen © MeyGen

Simulation des Strömungskraftwerks MeyGen © MeyGen

 

 

 

 

 

 

 

 

Die amerikanische Großbank Morgan Stanley ist mir bislang ja nicht untergekommen, wenn es um Energie- und Ökothemen geht. Asche auf mein Haupt: Morgan Stanley finanziert zurzeit das weltweit größte Gezeitenkraftwerk. Es soll vor der Küste Schottlands entstehen. Vor sieben Jahren sind die amerikanischen Banker in das damals kleine Projekt eingestiegen und halten inzwischen einen 45-Prozent-Anteil daran. Offenbar hatten sie 2007 einen guten Riecher. Kürzlich hat die britische Regierung dem Projekt MeyGen das grüne Licht gegeben, die Bauarbeiten dürfen beginnen. Morgan Stanley plant das Projekt zusammen mit dem französischen Energiekonzern GDF Suez  und dem Turbinen-Entwickler Atlantis Resources.

Im kommenden Jahr starten die Bauarbeiten für sechs Unterwasserturbinen im Pentland Firth, der Meeresenge zwischen der Spitze Schottlands und der Insel Orkney. Die Turbinen werden erst einmal eine Kapazität von 86 Megawatt besitzen – ja, liebe Kritiker und Skeptiker, das ist noch nicht viel. Langfristig sollen es knapp 400 Megawatt werden. Das entspricht etwa der Leistung eines klassischen Kohlekraftwerks. Weiter…

Weltgrößte Förderbank wendet sich von Kohle ab

Von 24. Juli 2013 um 17:46 Uhr

Die Europäische Investmentbank (EIB), nach eigenen Angaben die weltgrößte staatliche Förderbank, hat am Dienstag eine kleine Revolution beschlossen. In ihren neuen Förderrichtlinien, welche die Bank heute bekannt gab, findet sich de facto das Aus für die Finanzierung von Kohlekraftwerken. Zukünftig will die EIB, die so etwas ist wie die KfW für Europa, nur noch Kraftwerke mitfinanzieren, die maximal 550 Gramm Kohlendioxid je Kilowattstunde emittieren. Damit will die Bank die 28 EU-Mitgliedsstaaten bei der Umsetzung der europäischen Klimastrategie unterstützen. Die neuen Emissionsstandards würden garantieren, dass die Bank durch ihre Förderpolitik im Energiebereich einen nachhaltigen und positiven Beitrag zu mehr Wachstum leiste, sagt Vizepräsident Mihai Tanasescu.

Was die neuen Richtlinien für die einzelnen Energieträger bedeuet, zeigt diese Grafik:

Weiter…

Ökostrom ersetzt Atomstrom

Von 2. Juli 2013 um 13:58 Uhr

Frisch vom Markt: NeBruttostromerzeugung 2012 in Deutschland, Quelle: Statistisches Bundesamtueste Zahlen vom Statistischen Bundesamt zum Strommix in Deutschland. Braunkohle ist immer noch der wichtigste Energielieferant, gefolgt von den Erneuerbaren Energien. Im Jahr 2010 lag der Kernenergieanteil noch bei 22,4 Prozent, jetzt sind es 16,1 Prozent. Der Atomausstieg (beziehungsweise die Energiewende) klappt also. Der Ökostromanteil Ist nur leider mühsamer als gedacht.

Atomkraft dümpelt auf dem Niveau von 1984

Von 19. Juni 2013 um 20:31 Uhr

Als Abendlektüre habe ich mir so eben noch den Weltenergiebericht des Erdölgiganten BP vorgenommen. Liebe Leser, scrollen Sie doch mal in der Präsentation des Chefökonoms auf Seite 15. Da findet sich ein wirklich bemerkenswertes Detail zur Nutzung der Atomenergie weltweit. Die ist ja bekanntlich nicht nur in Deutschland auf dem Rückzug. Im vergangenen Jahr sank ihr Anteil am globalen Primärenergieverbrauch auf 4,5 Prozent.

Das ist der niedrigste Wert seit dem Jahr 1984. Eine beeindruckende Entwicklung. Ich erinnere mich, dass wir noch vor ein paar Jahren in Deutschland heftig über den Ausstieg aus dem Atomausstieg diskutierten. Und jetzt legt Atomkraft im bereits zweiten Jahr einen Rekordrückgang hin, vor allem wegen des japanischen Atomausstiegs.

Und wer überholt? Die Erneuerbaren. In China, Japan und Deutschland toppt Ökostrom inzwischen Atomstrom.

Für Greenpeace ist Kohle das neue Atom

Von 3. April 2013 um 17:06 Uhr
Theoretische Todesfälle durch Kohlekraftwerke, laut Greenpeace © Greenpeace 2013

Theoretische Todesfälle durch Kohlekraftwerke, laut Greenpeace © Greenpeace 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bilder, die Worte, sie kommen mir irgendwie bekannt vor. Vor ein paar Jahren war es Atomkraft, heute ist es die Kohlekraft: Greenpeace hat eine Studie zu Gesundheitsgefahren von Kohlekraftwerken veröffentlicht, deren Grafiken in alarmierendem giftgelb gehalten sind. “Tod aus dem Schlot”, heißt es in der Studie plakativ. Im Auftrag von Greenpeace hat das IER, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (dazu später noch ein paar Worte), Deutschlands 67 leistungsstärkste Kohlekraftwerke untersucht.

Das Ergebnis: Im  Jahr 2010 sollen deutsche Kohlekraftwerke wegen der Emission von Feinstaub und Schwermetallen zu theoretisch rund 3.100 Todesfällen geführt habe. Rund 700.000 Arbeitsstunden seien verloren gegangen, weil Arbeitnehmer durch Kohlekraftwerke erkrankten.

Aus Sicht von Greenpeace ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung natürlich naheliegend. 17 neue Kohlekraftwerke werden in den kommenden Jahren ans Netz gehen. Dagegen gilt es aus Sicht der Umweltschützer zu trommeln. Dass die neuen Meiler allerdings auch alte ineffiziente Kraftwerke ersetzen, unterschlägt Greenpeace gerne.

Sicher ist es richtig, auch die Energiewirtschaft zur Verantwortung zu ziehen, wenn es um Gesundheitsschäden geht. Für das Problem Feinstaub ist eben nicht nur der Verkehrssektor verantwortlich, sondern auch die konventionelle Energiebranche. Jedes Kohlekraftwerk, auch wenn es modernste Filteranlagen besitzt, emittiert nun einmal Schwefeldioxid, Stickoxide und Rußpartikel. Und dass Feinstaubemissionen gesundheitliche Folgen haben können, wurde in der jüngsten Vergangenheit immer wieder gezeigt, auch von der Weltgesundheitsorganisation und der OECD. Der IER-Studienautor Rainer Friedrich betont, dass der Zusammenhang zwischen Emissionen und Toten erst einmal ein rein statistischer, also nicht unbedingt kausaler ist (das erinnert doch auch an die Leukämie-Debatte bei Atomkraftwerken).

Trotzdem finde ich den Aufschlag von Greenpeace wenig gelungen, weil er mit Emotionen arbeitet. Hängen bleibt irgendwie der Eindruck: Wer in der Nähe von großen Kohlemeilern wie Jänschwalde (Brandenburg) oder Niederaußem (Nordrhein-Westfalen) lebt, der risikiert sein Leben.

Einmal davon abgesehen, dass die Auflagen strenger wurden, sich die Filtertechnologien in den vergangenen Jahren stark verbessert haben und somit die Emissionen stark gesunken sind: Die Diskussion über die Energieart Kohle sollte energiepolitisch geführt werden. Wer sich für die Energiewende entschieden hat, der muss auch Konsequenzen daraus ziehen, den Ausbau der Erneuerbaren fördern und das Energiesystem radikal umbauen. Neue Kohlekraftwerke sind langfristig “stranded investments”, wie Fachleute sagen: gestrandete Investitionen. Sie werden sich langfristig kaum rechnen, legen aber unseren Energiepark erst einmal für die kommenden Jahrzehnte auf Kohle fest. Smarter wären flexible Gaskraftwerke, die sich aber aktuell nicht rechnen. Also muss man die Energiemärkte neu strukturieren, von einem neuen Marktdesign sprechen hier die Fachleute. Angstmacherei hilft dabei nicht weiter.

Bislang war übrigens das Stuttgarter IER nicht unbedingt für kohlekritische Studien bekannt. Noch vor einem Jahr bescheinigte es in einer Studie der Braunkohle eine “hohe energiewirtschaftliche Bedeutung(…), um die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung für die Sicherstellung einer umweltschonenden, zuverlässigen und bezahlbaren Energieversorgung (zu) erreichen (…)”.

Auch spannend, wie sich Einschätzungen im Zuge der Energiewende so ändern können.

Top-Ökonomen scheuchen Obama auf

Von 14. März 2013 um 17:16 Uhr

Das ist mal ein Who is Who: 32 US-Ökonomen, darunter gleich acht Nobelpreisträger, fordern heute den amerikanischen Präsidenten in einem offenen Brief auf, sich dafür stark zu machen, dass auch Airlines ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Dazu gehören Joseph Stiglitz von der Columbia University, Kenneth Arrow aus Stanford und Eric Maskin aus Harvard. Sie schreiben:

“Pricing carbon in the aviation sector will incentivize appropriate investments and changes in operations that would reduce future greenhouse gas emissions. If climate change is to be slowed appreciably at tolerable cost, it is wise to use the market to provide incentives for individuals and firms to reduce greenhouse gas pollution.”

Der Hintergrund: Die EU will ja eigentlich endlich die Airlines dazu verpflichten, auch am Handel mit CO2-Rechten teilzunehmen. Am liebsten hätte sie alle Airlines weltweit dabei – nicht nur die, welche innerhalb der EU starten und landen. Das allerdings ist kompliziert. Bislang haben sich die USA und China mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, am EU-Emissionshandel teilnehmen zu müssen. Ende vergangenen Jahres verschob EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard überraschend den Start des CO2-Handels für Airlines um ein Jahr. Bis dahin könnten die USA und China doch noch dabei sein, hofft sie.

Der Zeitpunkt der Ökonomen-Iniative ist smart gewählt. Ende März trifft sich das zuständige Gremium, die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO, in der die EU ihre Position durchfechten will. Auf dem Treffen könnten die USA und EU ausloten, ob die USA nicht doch noch mitmachen wollen. Es wäre ein großer Schritt auf dem Weg zu einem weltweiten Emissionshandel. Und bitter nötig, schließlich steht das europäische System wegen des CO2-Preisverfall gerade vor dem Kollaps. Eine Zusage der USA könnten ihm noch mal neuen Schwung verleihen.

Für Ökonomen ist der Brief ungewöhnlich klar und politisch formuliert, sie sprechen gar von “egoistischer Tatenlosigkeit auf Kosten nächster Generationen”:

“Because emissions are not priced, the world is wastefully using up a scarce resource, the earth’s ability to safely absorb greenhouse gas emissions. Our selfish inaction pushes increased costs onto future generations, and dangerously increases the probability of extreme events with major impacts on their welfare.”

Eine Dame wird sich sicherlich über die Initiative gefreut haben: Klimaschutzkommissarin Hedegaard. Ihre Sprecherin schickte den Ökonomenaufruf gar über deren Presseverteiler. Eine ungewöhnliche Aktion.

CO2 ist doch nicht der Superdünger

Von 28. Februar 2013 um 19:16 Uhr
Vertrocknete Maiskolben in Colorado, Sommer 2012, © John Moore/Getty Images

Vertrocknete Maiskolben in Colorado, Sommer 2012, © John Moore/Getty Images

Dieses Working Paper ist mal eine komprimierte Analyse: Auf gerade einmal zwölf Seiten räumen Frank Ackerman und Elisabeth A. Stanton mit einigen Glaubenssätzen über die Folgen des Klimawandels für die Agrarwirtschaft auf. Ackerman ist Umweltökonom an der Tufts-Universität in Massachusetts/USA und hat bis vor Kurzem für das Stockholm Environment Institute gearbeitet.

Konsens ist, dass der Klimawandel sich auf die Produktivität in der Landwirtschaft auswirkt. Wie genau, das ist allerdings unklar. Bisher war die Lehre recht optimistisch: Mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre fördert das Wachstum. Schließlich werden Pflanzen besser mit Co2 versorgt, dem Stoff also, den sie für die Photosynthese brauchen. Außerdem verlängern sich durch längere Wärmeperioden die Anbauphasen gerade in höheren Regionen.

Doch so einfach ist es nicht, schreiben die Wissenschaftler. Weiter…

Kategorien: Agrar, Essen, Klima

Bilanzen aufhübschen mit CO2

Von 12. Februar 2013 um 16:11 Uhr

Mit Grünen Geschäften hat Arcelor Mittal erst mal wenig zu tun. Das Unternehmen ist der größte Stahlproduzent der Welt, mehr als 310.000 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen weltweit. Die Produktion des Stahls verursacht eine ganze Menge CO2. Zwar wird der Stahl anschließend auch für Windräder und andere Umwelttechnologien gebraucht. Klimaschutz ist Arcelors Kerngeschäft jedoch bislang sicher nicht.

Wer einen Blick in die jüngsten Geschäftszahlen wirft, der entdeckt dort ein interessantes Detail: Im vierten Quartal 2012, heißt es dort, hat der Konzern eine große Menge CO2-Emissionsrechte verkauft. Das war für den Luxemburger Konzern kein schlechtes Geschäft – die Einnahmen lagen bei knapp 150 Millionen US-Dollar:

4Q 2012 EBITDA of $1.3 billion includes $0.2 billion from sale of carbon dioxide (CO2) credits.

Arcelor hat angekündigt, das Geld in Energieeffizienz-Projekte zu investieren. Für’s erste aber hat der Konzern mit dem Cash seine Jahresbilanz aufgehübscht. Von “boost its balance sheet” spricht der Energiefachinformationsdienst ICIS. Das Unternehmen hatte wegen der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr einen operativen Gewinn von 7,1 Milliarden US-Dollar bekanntgeben, ein Drittel weniger als noch im Vorjahr.

Was sagen die Zahlen aus?  Selbst wenn der Preis für CO2-Rechte gerade bei 4,16 Euro je Tonne vor sich hin dümpelt (ursprünglich lagen die Hoffnungen der Politik bei einem Preis von 30 Euro/Tonne): Für manche Konzerne sind die CO2-Rechte ein Bombengeschäft. Das zeigt auch die aktuelle Studie “Klimagoldesel” des BUND und der britischen Organisation Sandbag. Sie kommt zu dem Schluss, dass deutsche Unternehmen rund 85 Millionen Tonnen CO2-Zertifikate zu viel haben, also bunkern. Das entspreche etwa dem jährlichen CO2-Ausstoß Österreichs. Insgesamt wären diese Rechte derzeit rund 340 Millionen Euro wert.

Kein schlechter Schatz in den Bilanzen.

Was für die Unternehmen gut ist, ist für den Klimaschutz natürlich fatal. Die Grundidee des Handels mit CO2-Zertifikaten geht ja so: Das CO2 wird erstmals bepreist. Wer es ausstößt, braucht ein Emissionsrecht. Entweder strengt er sich an und mindert seine Emissionen. Oder er kauft sich eben ein Emissionsrecht. Wenn nun, wie aktuell, viel zu viele Rechte auf dem Markt sind, dann sinkt der Preis. Und niemand macht mehr richtigen Klimaschutz, weil es sich nicht lohnt.

Das alles wird leider nicht besser. Die EU vergibt ja die CO2-Verschmutzungsrechte, anfangs sogar umsonst. Und während an einigen Stellen inzwischen die Daumenschrauben angedreht werden (Stromunternehmen müssen in der sogenannten dritten Handelsperiode nun ihre Rechte komplett kaufen), gibt es weiterhin Branchen, die Verschmutzungsrechte umsonst erhalten, selbst wenn es zurzeit viel zu viel gibt. Dazu gehört — kaum überraschend – auch die Stahlindustrie.

Die EU-Kommission will den Preisverfall bekämpfen. Sie plädiert für eine künstliche Verknappung der Rechte. Rund 900 Millionen Tonnen CO2-Rechte sollen zurückgehalten werden, von backloading spricht die Fachwelt. Kommende Woche wird der Umweltausschuss des Europaparlaments sich damit beschäftigen. Der Industrieausschuss hat – ebenfalls kaum überraschend – bereits dagegen plädiert.

Fachleute sind sich  einig, dass auch 900 Millionen Tonnen CO2 zu wenig sind. Die Deutsche Emissionhandelsstelle plädiert für mindestens 1,5 Milliarden Tonnen, die dauerhaft vom Markt genommen werden müssten.