Ein Blog über Religion und Politik

Wo man Minarette verbietet

Von 30. November 2009 um 11:21 Uhr

Braucht ein Land mit 4 (!) Minaretten ein Gesetz gegen den weiteren Bau solcher Türme?  Ist es überhaupt statthaft, ein Sonder-Gesetz gegen bestimmte religiös motivierte Bauformen zu erlassen? Gibt es in der Schweiz etwa kein Baurecht, in dem alles Nötige ohnehin geregelt ist?

Das sind alles ebenso naheliegende wie sinnlose Fragen. Denn der siegreichen Initiative zum Minarettverbot geht es ja gar nicht um dieses spezielle Bauwerk. Und dass ein Europäischer Gerichtshof die Sache wahrscheinlich stoppen wird, ist den Initiatoren um die SVP natürlich sehr recht: Wieder einmal wäre bewiesen, dass Europa schlecht für die Schweizer ist, weil es ihre Souveränität einschränkt.

Sie haben die Volksabstimmung ja gerade so formuliert, dass sie quer zu den obigen Fragen das Unbehagen am Islam und an den Fremden im Lande abfragt: Ein Minarett, so die Suggestion, ist ja eben nicht einfach Teil einer üblichen Sakralarchitektur, sondern Symbol einer mit den schweizerischen Werten nicht vereinbaren Ideologie namens Islam. Letztlich heißt das: Islam ist keine Religion, sondern eine politische Idee, die zurückgewiesen werden muss und mit allen Mitteln bekämpft werden darf. Für den Islam gilt die Verfassung nicht, gilt das Religionsprivileg nicht, gilt die Religionsfreiheit nicht.

Das ist die radikale Kampfansage, die in dem Volksbegehren steckt.

Es gibt sicher Leute, die diese Botschaft verstehen werden. Dann beginnt eine andere Debatte.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    @ JL

    Zuerst einmal: schön, daß sie wieder hier sind! – willkommen zurück von ihrer Reise mit Guido.

    zu ihrem Kommentar, der da so frustriert klingt.

    Letztlich heißt das: Islam ist keine Religion, sondern eine politische Idee, die zurückgewiesen werden muss und mit allen Mitteln bekämpft werden darf. Für den Islam gilt die Verfassung nicht, gilt das Religionsprivileg nicht, gilt die Religionsfreiheit nicht.

    Ja, und genau das ist der islam – er ist eben nicht einfach nur eine religion in unserem Sinne, sondern er ist ein politisches konzept im religiösen gewandt.
    Denn was soll denn der *Islam* anderes sein als das, was die mehrheit der leute, die sich dazu bekennen als *Islam* oder *zum islam gehörig* verstehen?
    Und – das ist die gretchenfrage hier für sie – wie stellen sie sich denn vor, wie eine religion (=religionsauffassungen) aussieht, die noch keine ‘aufklärung’ hinter sich hat? Ist das dasselbe wie eine religion, die eine aufklärung hinter sich hat – also sind deren traditionen, interpretationen und verständnisse derartig theologisch wandelten im zuge einer gesellschaftlichen aufklärung und , ja, das gehört dazu, säkularisierung?
    Sind praktisch gesehen die religionsverständnisse
    von z. b. evangelischen Christen in Berlin prinzipiell dieselben wie die von sunnitischen mUslimen in kairo oder herrschen bei beiden gruppierungen ganz andere verständnisse darüber vor, inwieweit religiöse aussagen zum beispiel bestimmend für überzeugungen anderer menschen zu sein haben?
    Ich hege den veracht, daß viele Menschen Religionen wie essentialistische Universalien behandeln – dinge, die eine überzeitliche gültigkeit haben und irgendwie irgendwo feste wären – und nicht wie konstrukte, mit deren Hilfe u. a. auch herrschafts- und resourcenverteilungen geregelt werden, mit denen Menschen ihre Um- und Mitwelt regulieren und auch deuten und das ganz allgemein sowohl auch wiederspiegelt, was sie für weltauffassungen haben als auch umgekehrt diese weltauffassungen erst mit konstruieren. Und das solche Konstrukte auch: abspeicherungsmedien für eben weltwahrnehmungen sind.

    • 30. November 2009 um 12:14 Uhr
    • Zagreus
  2. 2.

    Die Mehrheit der Schweizer stuft offensichtlich den Islam als politische Ideologie ein, und nicht als eine spirituelle Religion. Eine Kraft, die Macht anstrebt, nicht eine Hilfe, die dem Menschen eine Orientierung in seelischen Fragen gibt.

    Das ist alles.

    • 30. November 2009 um 12:21 Uhr
    • FreeSpeech
  3. 3.

    Islam ist keine Religion, sondern eine politische Idee, die zurückgewiesen werden muss und mit allen Mitteln bekämpft werden darf. Für den Islam gilt die Verfassung nicht, gilt das Religionsprivileg nicht, gilt die Religionsfreiheit nicht.

    Herr Lau, Sie sind der erste Journalist, der das begriffen hat. Ich ziehe meinen Hut.

    • 30. November 2009 um 12:22 Uhr
    • FreeSpeech
  4. 4.

    @ Zagreus

    “Denn was soll denn der *Islam* anderes sein als das, was die mehrheit der leute, die sich dazu bekennen als *Islam* oder *zum islam gehörig* verstehen?”

    ebend!

    • 30. November 2009 um 12:24 Uhr
    • Hans Joachim Sauer
  5. 5.

    danke für ihren kommentar, herr lau, nichts hinzuzufügen. und danke auch zagreus für die offenheit: so denkt der islamophobe, er spricht dem islam (was auch immer DER Islam sein mag) mal eben ab, eine religion zu sein und negiert damit seine schutzwürdigkeit als religion – dass so auch juden- und christenfeinde argumentieren könnten, ist egal. so sieht er aus, der weg in einen undemokratischen, ausschließenden, totalitären staat. bin gespannt, wann der erste hier halbmond-anstecker zur besseren identifizierung sich tarnender moslems vorschlägt. it is a sick world.

    • 30. November 2009 um 12:24 Uhr
    • Ratio
  6. 6.

    @ Ratio

    Genau das ist die Diskussion, die zu führen ist. Die monotheistischen Religionen beruhen auf Offenbarung, und die lässt sich nicht von Halluzination unterscheiden.

    Dem politisches Gewicht zu geben, ist nicht geraten.

    Beim Katholizismus gab’s die Verfassungsbestimmung gegen die Jesuiten, als das nötig war und bis der Einfluss Roms gezähmt war, und jetzt steht dort halt eine andere Bestimmung, weil sie nach Meinung der Schweizer nötig ist.

    • 30. November 2009 um 12:30 Uhr
    • FreeSpeech
  7. 7.

    War irgendwie klar, dass der Oberfaschist FreeSpeech und seine Freunde nun feuchte Träume bekommen.

    Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass hier in Deutschland ein paar Schmalspur-Neonazis nicht bewegen werden.Zum Glück!

    • 30. November 2009 um 12:35 Uhr
    • Hein_W
  8. 8.

    Man kann sich auch fragen, wo denn der Islam begrenzt werden dürfte, wenn das Minarett wegen der Religionsfreiheit erlaubt sein müsste.

    Muezzin? Moooment! Religionsfreiheit!
    Schächten? Moooment! Religionsfreiheit!
    Beschneidung? Moooment! Religionsfreiheit!
    Polygamie? Moooment! Religionsfreiheit!
    Scharia? Moooment! Religionsfreiheit!

    Die Frage muss früher oder später beantwortet werden.

    • 30. November 2009 um 12:37 Uhr
    • FreeSpeech
  9. Kommentar zum Thema

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