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Netzfilm

Nintendo will bei “Let’s Plays” mitverdienen

Von 17. Mai 2013 um 13:32 Uhr

Sie nennen sich Gronkh und Commander Krieger, Sarazar und PietSmiet und sie alle haben das gleiche Hobby: Videospiele spielen und gleichzeitig lustig kommentieren. Das scheint zunächst ungewöhnlich: Wieso sollte man anderen Menschen beim Spielen zusehen? Tatsächlich aber gehören die sogenannten “Let’s Plays” zu einem der beliebtesten Formate auf YouTube. Über 800.000 Abonnenten haben die Macher von PietSmiet, sogar 1,5 Millionen sind es bei Gronkh. Damit gehören sie zu den erfolgreichsten deutschen YouTubern. Sie verdienen ihr Geld buchstäblich mit Zocken. Denn bei jedem Video bekommen sie einen Teil der Werbeeinnahmen.

Für die meisten Let’s Player spielt es keine Rolle, was sie spielen: Egoshooter und Strategiespiele, Puzzle- und Rollenspiele, alles wird angespielt. Das könnte sich nun ändern. Nintendo hat gleich mehrere Kanalbetreiber informiert, dass sie durch den Upload von Szenen aus Nintendo-Games Urheberrechtsverletzungen begehen. Doch statt die Videos löschen zu lassen, haben sich die Japaner für eine andere Lösung entschieden: Sie schalten künftig eigene Werbung vor die Videos. Mit dem Ergebnis, dass die Kanalinhaber an diesen nichts mehr verdienen können. Auch Microsoft hatte im vergangenen Herbst ähnliche Schritte angekündigt. Nun diskutiert die YouTube- und Spielerszene: Wer profitiert eigentlich am meisten von Let’s Plays?

Kritik an Content-ID

Dass Nintendo überhaupt Inhalte von YouTubern monetarisieren kann, macht das sogenannte Content-ID-System möglich. Teilnehmende Rechtinhaber können ihre Inhalte in einer Bibliothek speichern, YouTube vergleicht diese mit neu hochgeladenen Videos und informiert die Rechteinhaber, falls eine vermeintlich rechtswidrige Nutzung vorliegt. Dann gibt es drei Optionen: erlauben, löschen lassen oder mitverdienen.

Das System steht in der Kritik. Immer wieder werden Videos fälschlicherweise gesperrt. Sei es, weil das System Inhalte falsch erkennt, oder weil Dritte falsche Ansprüche geltend machen. Das musste etwa die Nasa erfahren, als Unternehmen plötzlich die Rechte an den Aufnahmen der Marssonde Rover Curiosity einforderten.

Im Fall von Nintendo scheint der Fall zumindest aus technischer Sicht eindeutig. Let’s Plays bestehen ausschließlich aus langen, abgefilmten Spielszenen, nicht selten zeigen die Kanäle die kompletten Spiele über mehrere Episoden hinweg. Deshalb greift in diesem Fall eine Fair-Use-Regel nicht. Doch sind sie deshalb mit Filmen zu vergleichen, die unerlaubt aufgeführt werden?

Nein, sagt Zach Scott. Der Amerikaner, dessen YouTube-Kanal knapp 70 Millionen Abrufe hat, hatte die Entscheidung jüngst in Beiträgen auf Facebook und Reddit öffentlich gemacht. Erste Nachrichten an Kanalbetreiber hatte Nintendo aber bereits im März verschickt und seitdem wurden die Entwicklungen auch in der deutschen Let’s-Play-Szene diskutiert.

Von Let’s Plays profitieren Spieler und Studios

Für Scott – und die meisten anderen Let’s Player – ist die Sache klar: Die Videos stellen keinen unerlaubten Trailer dar, sondern ein subjektives Spielerlebnis. Wenn 1,4 Millionen Menschen innerhalb von vier Tagen Gronkh bei seiner 1000. Folge Minecraft zuschauen, dann nicht, weil sie Szenen aus dem Spiel sehen möchten. Sie kommen des Kommentars wegen. Bis ein Spieler erst einmal in den Bereich kommt, in dem er mit den Werbeeinnahmen Geld verdient, vergehen nicht selten Jahre der Community-Pflege.

Gleichzeitig können auch die Spielestudios von Let’s Plays profitieren: Kaum ein Spieler wird ein Spiel, das ihn interessiert, nicht kaufen, nur weil er Szenen bereits in einem Let’s Play gesehen hat. Stattdessen, so Scott, möchten viele Zuschauer anschließend selbst das Spiel für sich erleben. Als Gronkh im vergangenen Jahr das fünf Jahre alte Adventure Edna bricht aus durchspielte, war die Hamburger Spieleschmiede Daedalic quasi über Nacht um einiges bekannter. Viele Spieleentwickler und Publisher erlauben den YouTubern deshalb die Aufnahmen, einige liefern ihnen sogar kostenlos Vorabexemplare neuer Titel.

Die YouTuber wollen Nintendo boykottieren

Kurioserweise möchte auch Nintendo offenbar nicht auf diese Art der Berichterstattung verzichten, sondern lediglich daran mitverdienen. “Wir möchten auch weiterhin, dass Fans Nintendo-Inhalte auf YouTube mit anderen teilen”, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens, aber eben “auf eine angemessene Art”.

Die Spieler sehen das anders. Viele Let’s Player haben angekündigt, in Zukunft keine Nintendo-Titel mehr spielen zu wollen. Nicht nur, weil sie an den Videos nichts mehr verdienen. Es kratzt auch an der Authentizität der Kanäle, wenn die Entwickler eigene Werbung über die Besprechungen ihrer Spiele legen können. Und was passiert eigentlich, wenn ein Let’s Play einmal nicht positiv ausfällt? Gut möglich, dass Nintendo dann zur zweiten Option greift und die Inhalte kurzerhand löschen lässt.

 

Jenn Frank schreibt auf Gameranx, dass Nintendo nie gelernt habe, “den Spielern zu vertrauen”. Der Angriff auf die Let’s-Play-Szene ist ein gewagter Schritt, der für das Unternehmen, das im zweiten Jahr in Folge Verluste einfährt, nach hinten losgehen könnte.

 

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Holland. The Original Cool.

Von 16. Mai 2013 um 15:09 Uhr

Imagefilme von Tourismusbehörden sind in der Regel eine schmalzige Angelegenheit. In übersättigten Bildern wird die Schönheit der lokalen Flora, Fauna und Menschen aufgetischt, meist begleitet von Musik, die entweder nach einem Lagerfeuersong der christlichen Gemeinde oder nach Erstrundenversagern des ESC klingt. Klar, es geht auch besser, aber solche Experimente sind doch eher selten.

Die niederländische Tourismusbehörde (die ihr Land selbst als Holland bezeichnet, das nur mal so am Rande für alle Pedanten, die reflexartig auf den Unterschied zwischen Holland und Niederlande hinweisen) kommt in ihrem neuen Werbevideo zwar ebenfalls nicht um die typischen Tourismus-Bilder herum, hat dafür aber das Zeug für einen viralen Hit. Ein gewisse Meme-Affinität, ein wenig Witz und etwas Mut beim Schnitt machen’s möglich.

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Netzfilm der Woche: “Internet Archive”

Von 12. Mai 2013 um 12:48 Uhr

Die neue Bibliothek von Alexandria steht nicht in Ägypten, sondern in einer gutbürgerlichen Nachbarschaft San Franciscos. In der 300 Funston Avenue, um genau zu sein, einer ehemaligen Kirche mit neoklassizistischen Säulen und schweren Metalltüren. Im Inneren befinden sich karge Holzbänke, die aber nicht etwa auf einen Altar oder Kreuze ausgerichtet sind, sondern auf kleiderschrankgroße Gerätschaften, die hektisch blau blinken: das Internet Archive.

1996 von Brewster Kahle gegründet, hat das Archive inzwischen über 200 Mitarbeiter und offiziell den Status einer Bibliothek. Seit 17 Jahren sammelt die Wayback Machine Schnappschüsse des Internets, längst verloren geglaubte Websites lassen sich damit, jedenfalls teilweise, wiederbeleben. Und das ist nur ein Teil des Projekts. Inzwischen hat die gemeinnützige Organisation mehr als 1,6 Millionen Bücher aus der Public Domain gescannt und archiviert. Dazu kommen die Mitschnitte sämtlicher US-Nachrichtensendungen seit 2009, zigtausende Filme, Texte und Audioaufnahmen. Seit 2011 schlummern zudem 750.000 tatsächliche Bücher in riesigen, klimakontrollierten Containern in Oakland, noch einmal so viele sollen bald folgen.

Brewster Kahle und sein Team bezwecken mit dem Projekt nicht allein die Archivierung für die Ewigkeit, sondern auch den freien Zugriff auf Informationen, überall und jederzeit. Und im Gegensatz zu Google, das ebenfalls ein umstrittenes Archivprojekt betreibt, soll das Internet Archive keine finanziellen und politischen Interessen bedienen.

Das ist ambitioniert, manche sagen unmöglich. Doch wer Kahle in der kurzen Dokumentation Internet Archive und zahlreichen anderen Auftritten sieht, möchte ihm fast glauben. Der Informatiker, der in den frühen Neunzigern den Webanalyse-Dienst Alexa gründete und später für viele Millionen an Amazon verkaufte, ist ein charismatischer Nerd. Seine Sammelwut begründet er mit der Unsicherheit, der Informationen im Netz unterliegen. Sei es durch Regierungen, die Seiten sperren, durch Unternehmen, die Dienste offline nehmen oder der fehlerhaften Technik, die täglich zu Datenverlusten führt.

Kahle und sein Team wissen, dass sie eine Sisyphusarbeit betreiben, dass sie niemals das Internet in seiner Gänze archivieren können. Ihre Arbeit wird nicht bloß durch die Masse der Daten, sondern auch durch rechtliche und technische Probleme erschwert. Doch sie machen weiter, solange sie sich durch Spenden finanzieren können. Im Oktober knackte das Internet Archive die 10-Petabyte-Marke. Die Filmemacher von Deepspeed Media nahmen diesen Tag zum Anlass, einen Blick hinter die Kulissen des Projekts zu werfen.

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Ryan Gosling mag kein Müsli

Von 10. Mai 2013 um 14:55 Uhr

Vine, die Video-App von Twitter, wurde zu Beginn des Jahres ziemlich gefeiert und teilweise als das nächste Videotool schlechthin und als würdiger Nachfolger von animierten Gifs gehandelt. Das war vielleicht etwas übertrieben. Gelegentlich taucht auf Twitter zwar mal ein Vine auf, wirklich kreativ oder informativ ist es aber in den wenigsten Fällen.

Wie es besser geht, zeigt RyanWMcHenry, der mit Ryan Gosling Won’t Eat His Cereal die bis dato vielleicht besten, auf jeden Fall witzigsten Vines erstellt hat. Buzzfeed hat alle Clips gesammelt.

Weiter…

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re:publica 2013: YouTube und die Stars von Heute

Von 8. Mai 2013 um 16:13 Uhr

Wie vermutlich jeder mitbekommen hat, der halbwegs aufmerksam im Internet unterwegs ist, findet dieser Tage wieder die re:publica in Berlin statt. Auf der Internetkonferenz geht es natürlich auch in einigen Sessions um das Thema Webvideo, und viele Vorträge gibt es anschließend auch auf, na klar, YouTube.

Am Montag diskutierte re:publica-Initiator Johnny Häusler über die Rolle der sogenannten YouTube-Stars, die sich fernab klassischer Medien eine Fanbase aufgebaut haben, von der andere nur träumen können. Mit den bekannten deutschen YouTubern LeFloid, Ungespielt, DiamondOfTears, sowie Christoph Krachten vom YouTube-Netzwerk Mediakraft und Hannes Jacobsen von YouTube auf der Bühne ging es um unerwartete Erfolge, um die Arbeit mit Netzwerken und die Professionalisierung von Webvideo.

Kurz vor der obrigen Diskussionsrunde gaben Bertram Gugel und der via Google Hangout zugeschaltete Markus Hündgen (vom Deutschen Webvideopreis) unter dem Titel YouTube – zwischen Wildwest und Goldgrube eine Einführung in den großen YouTube-Kosmos. Dabei geht es von Nutzerschichten über Kommentarstrukturen bis hin zu Vermarktung und dem Geldverdienen, und ist ebenfalls ein sehr sehenswerter Vortrag.

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YouTube startet Bezahlkanäle

Von 6. Mai 2013 um 17:55 Uhr
© Eric Piermont/AFP/Getty Images

© Eric Piermont/AFP/Getty Images

Update vom 9.5.: Die Informationen waren korrekt. Die Preise fangen bei 0,99 US-Dollar an und gehen bis zu 7,99 Dollar hoch. Für Interessenten gibt es jeweils ein zweiwöchiges Probeabo. Zu den künftig zahlungspflichtigen Kanälen zählen unter anderem der Sesame Workshop, in dem es ganze Episoden der beliebten Kinderserie zu sehen wird. Die Bezahlkanäle sind offenbar nicht von Deutschland aus abonnierbar.

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Spekulationen darüber gab es schon länger, jetzt ist es offenbar sicher: Noch diese Woche könnte YouTube bezahlte Spartenkanäle einführen. Das berichtet die Financial Times. Von der Umstellung sollen rund 50 Kanäle betroffen sein. YouTube hat noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben.

Foglich ist auch nicht bekannt, um welche Programme es sich handelt. Sie dürften aber mit ziemlicher Sicherheit zu den sogenannten Original- oder Premiumkanälen der Plattform gehören. Diese finanziert YouTube mit einem Vorschuss, den die jeweiligen Macher dann anteilig über Werbeeinnahmen an das Unternehmen zurückzahlen. Nicht alle dieser Kanäle sind erfolgreich. Google hatte vergangenen Herbst bereits nach einem Jahr die Verträge mit einigen Kanälen nicht verlängert.

Das neue Bezahlmodell wäre neben den Werbeeinnahmen eine zusätzliche Einnahmequelle für die Plattform. Es erinnert an das von klassischen Pay-TV-Sendern, mit dem Unterschied, dass einzelne Kanäle individuell abonniert werden, und nicht wie etwa bei Sky mehrere Programme in einem Abo verfügbar sind. Die Preise sollen bei 1,99 US-Dollar pro Monat liegen.

Sollte es soweit kommen, wäre es ein Indiz dafür, dass YouTube sich weiterhin um neue und vor allem unterschiedliche Erwerbsmodelle bemüht. Denn auch wenn die Werbeeinahmen auf der Plattform nach Angaben der Financial Times in diesem Jahr bei bis zu zwei Milliarden US-Dollar liegen könnten, ist das Modell nicht unumstritten – auch bei den Produzenten. So wird gemutmaßt, dass einige bekannte Namen einen höheren Prozentsatz der Werbeeinnahmen behalten dürfen als andere. Ein Bezahlmodell könnte die Einnahmen ergänzen, AdAge erwähnte im Januar einen möglichen 45-55 Prozent Split zwischen YouTube und den Machern. Entscheidend ist, ob denn die Fans auch bereit sind, künftig für die Inhalte zu bezahlen – eine der der wohl wichtigsten Fragen im Webvideo-Geschäft.

Interessant ist auch die Frage, was denn die Kanalbetreiber von dem Schritt halten, künftig nicht mehr für alle im Netz, sondern nur für einen kleinen Teil Inhalte zu produzieren. Also eigentlich genau das Gegenteil von dem, wofür YouTube steht. Ein Sprecher sagte Mashable im Januar, dass unterschiedliche Inhalte auch unterschiedliche Bezahlmodelle erforderten und dass einige Produzenten glaubten, sie könnten von bezahlten Abonnements profitieren.

Pläne für ein Pay-per-View Option für einzelne Filme, wie sie etwa Vimeo vor kurzem einführte, gibt es auf YouTube zurzeit nur für US-Bürger in einer Betaphase.

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Vice auf HBO: Vom Netz auf die Mattscheibe

Von 3. Mai 2013 um 17:13 Uhr

“Ich möchte das nächste CNN erschaffen.” Worte wie diese erinnern aus den Mündern der meisten Journalisten wohl sofort an Größenwahn. Bei Shane Smith klingen sie dagegen geradezu normal. Der gebürtige Kanadier war noch nie ein Leisetreter. Weder 1994, als er das kostenlose Jugendmagazin Vice in Montreal ins Leben rief. Und schon gar nicht heute, da Vice längst zu einem internationalen Medienunternehmen mit 35 Büros weltweit gewachsen ist. Das ist zwar noch nicht ganz die Größe von CNN, aber immerhin.

Viel wurde über Smith und sein Unternehmen in den vergangenen Wochen geschrieben. Der New Yorker hatte ein langes Porträt veröffentlicht, der Guardian ebenfalls und auch die Print-Ausgabe der ZEIT nahm sich den “Journalisten-Hipstern” an. Der Grund: Eine neue Kooperation mit dem US-Bezahlsender HBO. Wöchentlich läuft nun eine Nachrichtensendung, in der Vice-Reporter über abseitige Themen berichten. Nicht allzu lang, eine halbe Stunde bloß und zunächst für zehn Episoden. Und doch ist es ein Zeichen dafür, dass Web-Inhalte immer wichtiger für die klassischen TV-Sender sind.

Dass Vice für eine eigene Form des Journalismus zwischen Gonzo und Selbstdarstellung steht, ist schon länger bekannt. Vice-Geschichten sind mitunter brillant investigativ, bisweilen sensationsheischend und stets provokativ. Coups wie der Zutritt ins verbarrikadierte Nordkorea mit Basketballer Dennis Rodman oder das (am Ende unglücklich verlaufene) Treffen mit dem flüchtigen Software-Unternehmer John McAfee haben dem Titel in den vergangenen Monaten noch einmal erhöhte Aufmerksamkeit beschert. Längst verfolgen bekannte Publikationen die Arbeit der New Yorker. Meistens noch immer mit argwöhnischer Distanz, aber mit steigendem Interesse.

Der wichtigste Schritt in der Geschichte von Vice aber liegt nicht bloß in einer eigenen Vision von Journalismus: Er liegt im konsequenten Übergang von Print zu Video, den Vice seit Jahren betreibt. Zwar gibt es auch noch das Magazin, längst aber ist Vice vor allem für seine Videoproduktionen bekannt. Ganz egal ob es sich nun um abseitige Reiseführer, Reportagen aus Krisengebieten oder Katzencontent handelt: Wenn es ein Publikum gibt, ist Vice vor Ort. Schon 2007, als weitaus größere Medienhäuser noch zaghaft mit eigenen Bewegtbildern experimentierten, drehte Vice mit seinem Videoportal vbs.tv die Dokumentation Heavy Metal in Baghdad, die es unter anderem auch auf die Berlinale schaffte.

Seitdem hat Vice sein Publikum gefunden – vor allem im Netz. Wie kaum eine andere Marke hat Vice es geschafft, die sogenannte Generation Y, die Digital Natives, an sich zu binden. Allein der YouTube-Kanal verbucht inzwischen über 1 Million Abonnenten. Mehr als 80 Prozent seines Umsatzes erzielt Vice inzwischen online dank eines cleveren Geflechts aus Branded Content, Kooperationen und klassischer Werbung. Vor allem junge Männer, eine für Werbekunden schwierige Zielgruppe, stehen auf die Vice-Inhalte, auf die Mischung aus Gefahr und Abenteuer, aus Hipstertum und Humor.

Auch deshalb wurde HBO auf das Programm von Vice aufmerksam: Es sind gerade die jungen Zuschauer, die für Pay-TV-Sender wichtig sind. Deshalb zeigt sich eine neue Entwicklung. Waren es lange Zeit die Sender wie HBO, die sich mit neuen Serien und Formaten vom traditionellen Programm absetzten, schafft mit Vice nun ein alternatives Angebot aus dem Netz den Weg in die Beletage des US-Fernsehens. “Die Vermittlung von Nachrichten muss mit der Generation wachsen, die ihre Informationen nicht mehr so eng verpackt haben möchte”, sagt Michael Lombardo von HBO zur Entscheidung, die Sendung ins Programm aufzunehmen. Und es wird nicht die letzte sein, die diesen Sprung schafft. Die Kooperation mag ein Erfolg für Vice sein. In jedem Fall ist sie ein Erfolg für die Generation YouTube.

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Webvideopreis 2013: Die Nominierten

Von um 11:00 Uhr

Der Deutsche Webvideopreis 2013 geht in die entscheidende Phase. Noch bis zum 23. Mai kann für die Nominierten abgestimmt werden. Zur Auswahl gibt es jeweils sechs Videos in insgesamt elf Kategorien, in denen sowohl Zuschauer als auch die Jury gleichberechtigt abstimmen und zwei zusätzliche Kategorien, die allein der Jury vorbehalten sind. Gezählt werden Verlinkungen, Shares, Likes und Tweets zu den Videos.

Mit dabei sind erwartungsgemäß einige bekannte deutsche Webvideostars wie der Gamer Gronkh, die durch ihre Popsong-Parodien bekannten Brüder Die Lochis und das YouTube-Allstar-Projekt Krieg Spielen! der Space Frogs.

Es geht aber nicht immer nur um Spaß: In der Kategorie FYI sind etwa auch die Reise des Münchner Kammerorchesters nach Nordkorea sowie eine 30-minütige Syrien-Dokumentation nominiert. Und auch die Webserie Shore, Stein, Papier, die wir hier kürzlich präsentierten, hat es in die Endrunde geschafft.

Auch schön: In der Kategorie Fail (aka der “Silberne Sellerie”) findet sich mit Edeka, McDonalds und den “Movie Stars” der Sparda Bank ein Best-of peinlicher Imagefilme aus dem vergangenen Jahr.

Die Preisverleihung findet am 25. Mai in Düsseldorf statt und wird live im Netz gestreamt.

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