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Der Ball, der alles zerstört

 

In YouTubes Tiefen verbirgt sich ein Videokanal von nahezu unermesslicher Bedeutung, Carsandwater. Sein Inhalt: die gezielte Zerstörung von was immer den Machern in die Hände fällt – etwa Schallplatten, Wassermelonen oder eine große Kugel Zucker. Instrument der Wahl: ein roter, stark erhitzter Ball aus Nickel (RHNB genannt, red hot nickel ball).

Nun gut, der Sinn solcher Aktionen darf schon infrage gestellt werden. Auch möchten wir an dieser Stelle vor Nachahmung warnen. Aber warum nicht einfach mal die Chemie um der Chemie Willen betreiben und das oft so unbeliebte Fach damit feiern?

Im Mittelpunkt der Filmchen steht stets der RHNB. Da fragt man sich doch, warum ausgerechnet Nickel, dieses plump anmutende Übergangsmetall, gewählt wurde. Es kommt nicht so smooth daher wie Silber, ist nicht so begehrt wie Gold. Manch einer ist gar dagegen allergisch. Im Periodensystem (kürzlich berichteten wir hier über ein interaktives Periodensystem, in dem Sie auch mehr über Nickel erfahren) fügt es sich an 28. Stelle ein, ist als fester Stoff bekannt, der metallisch glänzt und zu 0,015 Prozent in der Erdhülle vorkommt. Unspektakulär irgendwie.

Titan, Titan, wer braucht schon Titan?

Es sei denn, man setzt es richtig in Szene. Für die YouTube-Serie ist der Stoff gut geeignet, weil er auch hoch erhitzt noch fest ist. Der Schmelzpunkt für reines Nickel liegt bei mehr als 1.400 Grad Celsius. Aluminium, Blei oder Zink wären bei diesen Temperaturen flüssig, wenn nicht sogar gasförmig. Kupfer hingegen sehr nahe am Schmelzpunkt. Titan oder Tantal wären fest, sind aber teuer.

Also Nickel. Wie steht es genau um den RHNB, wie heiß ist er? "An der Farbe lässt sich die Temperatur gut abschätzen", sagt Chemiker Igor Fajzulin vom Leibniz-Institut für interaktive Materialien. Er schätzt den glühenden Zerstörer auf 750 bis 950 Grad Celsius, "plus/minus 50 Grad". Legt man eine so stark erhitzte Nickelkugel auf einen Jawbreaker – eine äußerst harte, große runde Süßigkeit, die aus fast nichts anderem als gefärbten Zucker besteht – kommt es zur Reaktion. Es sei nicht leicht, eine Reaktionsgleichung für das, was hier passiert anzugeben, sagt Fajzulin. "Saccharose zersetzt sich ab einer Temperatur von 160 Grad Celsius und wird ab etwa 185 Grad flüssig." Wenn man das langsam und kontrolliert macht, entstehe Karamell. "Doch da diese Temperatur insbesondere im direkten Kontakt zur Nickelkugel weit überschritten wird, ist eine ganze Palette von Zersetzungsprodukten möglich", erklärt er weiter. "Diese Bruchstücke sind kleine, bei der Temperatur gasförmige Moleküle. Das entweichende Gas sorgt auch für das Verspritzen der noch flüssigen Zuckermasse."

Anscheinend reiche die Temperatur der Nickelkugel aus, dass das Gas sich selbst entzünden kann. So ist an einer Stelle im Video deutlich eine Flamme über der brodelnden Zuckermasse zu erkennen. Die entweichenden Bestandteile verbrennen mit Luftsauerstoff idealer Weise dann zu Wasser und Kohlendioxid, so denn die Verbrennung vollständig abläuft.

Was meinen Sie: Kann die glühende Kugel auch eine Wassermelone bezwingen?

6 Kommentare

  1.   Sven77

    „Da fragt man sich doch, warum ausgerechnet Nickel, dieses plump anmutende Übergangsmetall, gewählt wurde. Es kommt nicht so smooth daher wie Silber, ist nicht so begehrt wie Gold.“

    Nickel ist korrosionbeständig und hochtemperaturfest. Außerdem ist es deutlich billiger als Silber oder gar Gold. Das war jetzt nicht so schwer, oder?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Nickelbasislegierung

  2.   MA

    Kupfer schmilzt bei etwa 1085 Grad Celsius, also weit unterhalb von Nickel.

  3.   Orkische Horde

    Monsterkotze.
    So der Kommentar meiner Kinder.

  4.   no2

    Man kann aber auch alles kaputt machen ;-)

    Wundere mich, das die rohen Eier nicht explodiert sind. Und die Melone ist ja absolut Hitzefest. Kein durchbrennen!

  5.   Christian Stemmer

    Der Effekt scheint wohl eher von der hohen Temperatur zu kommen als vom Material. Wie wäre es denn einfach mit Eisen/Stahl – gibt’s sogar im Baumarkt?
    (Zitat Wikipedia: Der Schmelzpunkt von Stahl kann je nach den Legierungsanteilen bis zu 1536 °C betragen.)
    Es erschließt sich mir nicht so ganz, warum man auf das Material so abhebt, wobei es doch scheinbar völlig egal ist, welches Material es genau ist. Der Vergleich mit Silber oder Gold ist angesichts des Schmelzpunktes auch nicht wirklich relevant.

  6.   Karl-Michael Schindler

    Bei unserem Demonstrationsversuch nehmen wir eine glänzend polierte Kupferkugel und tauchen sie in Wasser. Das Abkühlen hat ein recht spektakuläres Ende.