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Leistung steigern, Schlafrhythmus hacken

 
Die Schlafmuster "Everyman", "Dymaxion" und "Uberman" © Master Uegly/Wikimedia
Die Schlafmuster "Everyman", "Dymaxion" und "Uberman" © Master Uegly/Wikimedia

Die Deadline für ein Arbeitsprojekt sitzt Ihnen im Nacken – oder die Abschlussarbeit findet kein Ende, muss aber bald abgegeben werden? Das schaffen Sie: Schlafen Sie einfach weniger – viereinhalb Stunden pro 24 Stunden. So haben Sie viel mehr Zeit, um mit Ihrer Arbeit voranzukommen. Bescheuerter Vorschlag, denken Sie jetzt vielleicht. Das hält doch kein Mensch aus. Wie sollen Sie sich konzentrieren, wenn Sie so übermüdet sind?

In dieser Lage war vor einigen Jahren auch der Journalist Akshat Rathi. Um mit seiner Doktorarbeit in Chemie fertig zu werden, trickste er seinen Schlafrhythmus aus. Aus acht Stunden Schlaf am Stück wurden 3,5 Stunden pro Nacht plus drei 20-minütige Nickerchen am Tag.

Everyman-Muster nennt sich dieser polyphasische, also aus mehreren Phasen bestehende Schlafrhythmus. Damit sollen die Tage verlängert werden, ohne dass die Leistung darunter leidet. Der Trick ist, dass der Körper zwar nur kurz, aber dafür sehr tief ruht. Für Rathi lief das gut: Er schloss sein erstes Doktorandenjahr erfolgreich ab und hatte sogar Zeit, sich in fachfremde Kurse einzuschreiben, ohne die Zeit im Labor zu begrenzen.

In seinem Erfahrungsbericht beschreibt er ausführlich die Wissenschaft und die verschiedenen Muster des polyphasischen Schlafes. Der Journalist schildert Erlebnisse wie luzide Träume, in denen er wusste, dass er träumt und die Situation kontrollieren konnte. Er erzählt aber auch, wie sein soziales Leben gelitten hat mit diesem Schlafrhythmus, der sich komplett von dem seines Umfeldes unterschied. Mehr als ein Jahr lang hielt Rathi durch, bis er auf einer Konferenz eine Woche lang keine Nickerchen machen konnte.

Danach fehlte ihm die Motivation, wieder zum ungewöhnlichen Schlafmuster zurückzukehren. So praktisch der verkürzte Rhythmus auch sein mag, die Mehrheit der Erwachsenen braucht nun einmal sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

24 Kommentare

  1.   prefec2

    Da wir nicht wissen warum wir ca. 8 Stunden Schlaf am Tag brauchen sollten solche Hacks zur Steigerung der Produktivität unterbleiben. Mal ganz davon abgesehen, dass wir wissen, dass man durch eine Verlängerung der Arbeitszeit mittelfristig nicht mehr Output produziert sondern nur länger braucht für die selbe Leistung. Auch das ist wissenschaftlich belegt. Je länger wir arbeiten desto ineffizienter werden wir. Es ist also ein Trugschluss zu glauben mit mehr Wachzeit auch mehr Arbeit zu schaffen.

    Zudem sind wir auch nicht auf der Welt um möglichst produktiv zu sein.


  2. Diese Nachricht sollte man schleunigst an die Chefetage von Goldman Sachs weiterleiten, siehe Link:

    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-06/ueberstunden-goldman-sachs-praktikanten-arbeitszeit?commentstart=17#cid-4892339

    Nicht, dass die noch bankrott gehen ;-)

  3.   Illoran

    Das eigentliche Problem an der Geschichte ist, dass wir in einer Gesellschaft leben in der solches Verhalten bewundert wird. Das es vollkommen krank ist sich selbst systematisch mit Schlafentzug zu foltern um seine Arbeitszeit auf 16 oder mehr Stunden pro Tag zu erhöhen kommen wenige. Zunehmend schleicht sich der Glaube ein so etwas sei normal. Irgendwann wenn dann unsere Generation 40-50 wird und ein Haufen ausgebrannter Zombies rumläuft oder wegstirbt kommt dann das böse Erwachen und die Erkenntnis das ausreichend Schlaf keine schlechte Idee ist und ein Paper auch ungelesen bis zum nächsten Tag auf dem Schreibtisch liegen kann.

    mfg Illo


  4. Solche Promotionen braucht keiner.

  5.   Infamia

    Ich weiß gar nicht, warum Schlaf so derart in Verruf geraten ist, unproduktive Zeit zu sein. Ich schlafe gerne. Nicht übermäßig viel, aber ich freue mich oft darauf, ins Bett gehen zu dürfen und zu schlafen. Gelingt mir das nicht, nervt mich das. Ich gönne mir am Wochenende sogar mal ein gelegentliches Nickerchen.

    Mich würde vielmehr mal interessieren, ob es tatsächlich immer sieben bis neun Stunden schlaf sein müssen? Ich habe das Gefühl, dass es auch Phasen gibt, wo ich auf weniger komme. Einfach, weil ich dann wach werde. Also einfach gefragt, wenn der Körper (und Geist) erholt ist, kommt er dann nicht auch mit weniger aus. Ich fühle mich mit der Aussage, man braucht sieben bis neun Stunden Schlaf eher unter Druck gesetzt und dann klappt es nicht mit dem Schlaf, so wie ich mir das vorstelle.


  6. Wenn ich nicht ausgeschlafen bin bin ich unkonzentriert, auf lange Sicht macht mich das schwach und krank. Unausgeschlafen über komplexe Zusammenhänge nachdenken? Klappt zumindest bei mir nicht sonderlich gut.


  7. Ich brauche 9 Stunden Schlaf, um so ausgeruht zu sein, dass ich nicht einmal nach dem Mittagessen ein Tief habe. Ich habe festgestellt, dass ich mit 9 Stunden Schlaf wesentlich konzentrierter bin und in kürzerer Zeit mehr schaffe. Außerdem fühle ich mich einfach wohler und übrigens esse ich auch vernünftiger, wenn ich genügend geschlafen habe.

    Man verplempert soviel Zeit mit irgendeinem Schwachsinn (z.B. fernsehen), da ist es besser, man gönnt sich die 9 Stunden Schlaf, die sich frühere Generationen auch geleistet haben.

    Mein oberstes Prinzip ist, dass ich mich wohlfühle. Ich sehe überhaupt keinen Sinn darin, mich durch Selbstoptimierungszwänge in den Burnout treiben zu lassen, denn das hilft mir nicht. Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, möglichst viele Stunden im kapitalistischen Sinne produktiv zu sein, um sich dann mit 80 doch ins Grab zu legen.


  8. Weniger Schlaf bewirkt eine Steigerung des Risikos von Herzinfarkt und anderen Krankheiten. Für wenig Schlaf mit untypischen Schlafmustern, wie hier beschrieben, gibt es nach meiner Kenntnis keine oder wenig Daten zu langfristigen Auswirkungen aus grossen Kohorten. Von daher würde ich ausserhalb einer Studie eher abraten.

  9.   Sikasuu

    Habe so was im Studium auch mal, als eine längere Arbeit anstand, gemacht.
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    So lange arbeiten wie man/Frau sich fit fühlt, dann so lange schlafen gehen, bis man/Frau wieder von selbst wach wird. Interssant war dabei, das ich auf einen 25-28Std Schlafrythmus gekommen bin.
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    War recht effektiv für die Arbeit. Störend war nur, das man/Frau dann mit dem Tagesrythmus der Anderen über Kreuz kam.
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    Geht aber, mMn. ohne gesundheitsliche Probleme. War auch nicht abkürzen der Schlafphase, sondern „Uhr weg“ und hören auf den Körper.
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    Meint
    Sikasuu

  10.   Emir

    Das man weniger schläft um möglichst gut seine Doktorarbeit „durchzbringen“ finde ich ok, auch ist es schlau Tricks hierzu anzuwenden aber danach sollte man wieder in den natürlichen Schlafrythmus zurückkehren.