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Eine Geisterstadt für selbstfahrende Autos

 

Eine Geisterstadt für selbstfahrende Autos

© Melanie Maxwell/The Ann Arbor News/MLive/Landov/dpa

Man fühlt sich wie in einer Kleinstadt irgendwo in den Weiten der USA: Die State kreuzt die Liberty Street, eine Kreuzung weiter liegt die Main Street. Nur die Straßen sind seltsam leer, ein einziges Auto biegt von der Wolverine Avenue ab. Und die Häuserzeile an der Liberty ist reine Attrappe, aus den Fenstern im ersten Stock wird nie jemand schauen. Was hier in Ann Arbor auf den ersten Blick aussieht wie eine Filmkulisse, wie man sie aus Hollywood kennt, ist in der Tat eine Antwort auf Kalifornien – nur keine kinematografische. Die Straßen und Kreuzungen sind Teil von Mcity, einer Spielwiese für Autoingenieure

In Dearborn und Detroit, wenige Meilen östlich von Ann Arbor, saßen nämlich die Manager der großen Autokonzerne GM und Ford zusammen und ärgerten sich darüber, dass beim Auto der Zukunft Kalifornien dem Bundesstaat Michigan, wo jahrzehntelang das Herz der amerikanischen Autoindustrie schlug, das Wasser abzugraben droht. Tesla? Sitzt im Silicon Valley. Googles fahrerlose Auto? Fahren durch die Bay Area.

Ab sofort sollen fahrerlose Autos auch durch Michigan kurven – aber jenseits des echten Straßenverkehrs. Die Forscher der University of Michigan, die das Gelände mit Geld der Uni, des Bundesstaates und mehrerer Autohersteller aufgebaut haben, loben Mcity als "weltweit erstes simuliertes Stadtumfeld in Originalgröße", das ausdrücklich für Tests von vernetzten und selbstfahrenden Autos entwickelt wurde.

Mcity hat auf rund 13 Hektar alles, was das Herz begehrt – zumindest das der Autoingenieure: zwei Kreisverkehre (einen großen und einen engeren), eine Ampelkreuzung, einen Bahnübergang, Pflasterstein-, Schotter- und Betonwege, Gehwege, Straßenlaternen, Verkehrsschilder, ja sogar einen Tunnel. Unterschiedlich breite Straßen und teils enge Kurven simulieren das Wegenetz in Städten und suburbanen Bereichen, selbst ein Stück zweispuriger Highway mit Auf- und Abfahrt ist angelegt.

So können die Fahrzeuge der Zukunft hier ihre Kreise drehen, ohne bei technischen Pannen gleich die schlimmsten Unfälle auszulösen. An der Rechts-vor-links-Kreuzung können sich die selbstfahrenden Autos selbst die Vorfahrt geben, die Forscher können sogar einen Roboter-Fußgänger vor herannahenden Autos über die Straße laufen lassen. Der Vorteil gegenüber Kalifornien, wo Google seine autonomen Autos seit einigen Monaten auf regulären Straßen herumfahren lässt: In Mcity können die Forscher kritische Situationen bewusst herbeiführen und auch mehrfach wiederholen. In der Liberty Street wird niemand die Polizei rufen.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

5 Kommentare

  1.   Siri W.

    Also Berlin hat ja einen Flughafen, also einen Geisterflughafen mit den Zufahrtsstrassen… die haben schon ein Testgelände…:-)


  2. Anschenend gibt es jetzt wirklich jeden Tag einen Beitrag über das „selbstfahrende Auto“ – dies wird genauso herbeigebetet wie die Elektromobilität für jeden bis ins letzte Dorf.

  3.   Antiautor

    „…dies wird genauso herbeigebetet wie…“

    Es bedarf schon einiger Fassungslosigkeit um die Berichterstattung über eine technische Entwicklung als „Herbeibeten“ zu interpretieren. Auch wenn Ihnen eine Technikanwendung missfällt, sollten Sie die Berichterstatter nicht unter Manipulationsverdacht stellen.

  4.   Jan

    Bzgl. „herbeigebetet“…

    Das selbstfahrende Auto ist näher an der Realität als viele wahrhaben wollen. Bis zur zuverlässigen straßenzugelassenen Vollautomatik dauert es natürlich noch etwas, aber wenn man sich mal anschaut, was die Oberklassen heute schon können, dann braucht man alles andere als skeptisch zu sein.

    Und zur Elektromobilität: Die wird seit vielen Jahren von der deutschen Autoindustrie und auch Politik schlechtgeredet während z.B dir Japaner schon seit zwei Jahrzehnten Hybride im Programm haben. Man kann nur sagen “ zum Glück“ haben es doch mittlerweile auch die Deutschen erkannt, das die E-Mobilität die Zukunft ist. BMW z.B. schreibt mit dem i3 schon grüne Zahlen und kommt mit der Produktion bei weitem nicht hinterher – und das ganze obwohl das enorm teure Carbonleichtbaukonzept mehr als fragwürdog ist. Der Mut wurde/wird dennoch belohnt!

  5.   blackwatch

    Heute wird in München über alle Medien die helle Aufregung verbreitet, die die 30 Blitzer im neuen Tunnel bei den Autofahrern hervorgerufen haben sollen. Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass die Begeisterung groß ist, das Steuer an den Computer abzugeben und sich gemächlich durch die Stadt fahren zu lassen.

    Vorstellen könnte ich mir das allenfalls bei längeren Fahrten, zB Urlaub – wenn man sich traut.