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Europas Zäune fehlen auf dieser Karte

 
Interaktiven Karte des Europäischen Rats.
Interaktive Karte des Europäischen Rats.

Keine Frage, das Anliegen ist löblich: Anlässlich des großen EU-Afrika-Gipfels auf Malta wollte die EU-Kommission auf einer Karte einmal zeigen, was sie und die Mitgliedsstaaten im Rahmen der Flüchtlingskrise bislang gemacht haben. Herausgekommen ist eine interaktive Europa-Karte.

Was als Erstes auffällt: Diese Karte ist vor allem weiß. Bislang gibt es gerade einmal etwas mehr als ein Dutzend Einträge  – bei aktuell 27 EU-Mitgliedsstaaten. Davon beschreiben knapp zehn EU-Initiativen: In kurzen Videos stellt die Kommission die Arbeit der Grenzschutzagentur Frontex, die EU-Hotspots in Griechenland und Italien sowie Missionen wie Triton und Sophia vor. Länderinitiativen gibt es bislang nur aus Deutschland, Schweden und Belgien ("Germany: hosting refugees"). Andere große Mitgliedsstaaten wie Frankreich, Großbritannien, Spanien und Polen sind weiße Flächen: kein Video, kein Text.

Eine aktuelle, realistische Darstellung sieht wohl anders aus. Denn natürlich passiert jede Menge – nur eben eher im Sinne von Abschottung: Ungarn hat einen Zaun gebaut, ebenso Griechenland und Bulgarien. Spanien unterhält die abgeschottete Enklave Mellila in Afrika, wohin Tausende Afrikaner vergeblich versuchen vorzudringen. Osteuropäische Staaten wehren sich vehement, Flüchtlinge aufzunehmen. Nicht nur Deutschland, auch Länder wie Frankreich geben sich neue Asylgesetze und kürzen Leistungen und Ansprüche.

All das zeigt die Karte nicht. Aber vielleicht hätte das auch nicht ins Bild gepasst, das die EU so gern von sich zeichnet: einem Europa des Wohlstands, das seine moralischen Werte hochhält.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

1 Kommentar

  1.   Claus der witz

    Nach innen gepriesen, nach aussen geschämt. Unsere Politiker hätten gerne beides, den panisch phobischen Teil ihrer Wähler zufriedenstellen UND im Ausland das Heiligenscheinchen bewundert. Das geht, denn es gibt ja beides. Hilfe und Verschärfung. Nur dass sich Menschen nicht für derartige Spiele eignen. Über den Widerspruch wird man spätestens stolpern, wenn die Menschen, die bei uns bleiben ihn bemerken und verinnerlichen. Integration erfordert Anstrengungen von allen Beteiligten. Erleichtert würde das durch eine klare Willkommenshaltung. Wenn man die nicht hat, wird man sie auch über intetaktive Europakarten nicht glaubwürdig behaupten können.