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Wie ein Ort in Japan seinen kompletten Müll recyceln will

 

Morgens mit dem Coffee-to-go-Becher ins Büro: Das ist schon der erste Fehler. Zur Müllvermeidung könnten Sie wenigstens ein wiederverwendbares Trinkgefäß mitbringen. Als Paradebeispiel für Umweltbewusstsein dient ein Ort in Japan: Kamikatsu will bis 2020 seine Abfälle zu 100 Prozent recyceln, wiederverwenden oder kompostieren. Wie der Ort das schaffen will, zeigt dieses fünfminütige Video.

Haben Sie auch separate Behälter für Glas, Papier, Bioabfälle und Restmüll? Das ist noch gar nichts: In Kamikatsu wird Müll in 34 Kategorien sortiert – die Bewohner des Ortes waren davon anfangs wenig begeistert. Nehmen wir eine handelsübliche Plastikwasserflasche: Die gebrauchte Flasche wandert in einen Beutel, der Deckel in den zweiten, das Etikett in den dritten.

Nicht nur das: Die Menschen aus Kamikatsu müssen ihren Müll vor der Kategorisierung gründlich waschen und dann in ein Recyclingzentrum bringen, wo dieser wiederum kontrolliert wird. Warum die Stadt dabei Geld spart und was vor allem beschäftigungslose ältere Menschen davon haben? Schauen Sie selbst.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

11 Kommentare

  1.   Klausabc2.0

    34 Kategorien. ohje

    Hier werden sich gleich Befürworter finden, die das ganz toll finden.

    Abwaschen des Mülls per HandDas finde ich nicht gerade umweltfreundlich. Na klar, der Endnutzer leistet die Arbeit. Das entlastet natürlich den Entsorger. Aber obwohl ich ein Befürworter von weitgehender Dezentralisierung bin, empfinde ich das als Gipfel der Ineffektivität.

  2.   QPDO

    Tja.. auf einer Insel, die von Salzwasser umgeben ist den Müll mit Süßwasser sauber machen. Gibt sicherlich effektiveres. Natürlich spart die Gemeinde, denn jeder Bürger macht Arbeiten, die sonst eine Maschine oder ein Mensch machen müsste, der dafür bezahlt wird. Sortenrein getrennter Müll ist schon immer ein wertvoller Rohstoff, solang die Industrie allerdings alles daran legt eine sortenreine Trennung zu vermeiden ist der Verbraucher als kleiner Abfallwichtel gefragt, der die Abfälle vorbehandelt, reinigt und sortiert, damit dann jemand kommt und damit Kohle macht.

  3.   soletan

    Gut wenn in Japan mal einer das Thema anspricht. Gerade dort wird einem alles doppelt und dreifach in Plastik verpackt und im Plastikbeutel hintergeworfen. Selbst ein Essen im Café kommt nicht ohne die hier üblichen Zuckerpackungen erweitert um die dort üblichen Feuchtservietten – einzeln in Plastik verpackt – aus. Und Müll wird augenscheinlich in Japan offenbar nur danach sortiert, ob es eine Trinkdose, eine Plastiktrinkflasche oder irgendwas anderes ist. Papier bspw. gesondert zu sammeln kam mir in der Region Osaka und der Präfektur Hyogo nicht unter. Glas als wiederverwertbaren Rohstoff sieht man da auch seltener, dafür um so mehr Plastik. Ein Baumwoll-Beutel an der Kasse ist mir in Japan noch nicht begegnet, vllt. aber habe ich sie auch nur nicht gesehen.

    In jedem Fall muss das Beispiel nicht zwingend uns ein Vorbild sein, auch wenn wir darum noch lange kein Lob für Müllvermeidung verdient haben. Evtl. aber hilft es den Japanern, mehr Bewusstsein für den Schaden durch zu viele Umverpackungen zu steigern.

  4.   soletan

    Nachtrag: Worin Japan definitiv uns ein Vorbild sein kann ist die Integration aller, auch der Älteren. Mein bisheriges Bild vom hypermodernen Japan wurde vor Ort schnell korrigiert. Gerade außerhalb der Metroplexe ist in Japan sehr viel Handarbeit anzutreffen und das meint auch das Reinigen von Straßen oder Grünflächen. Und oftmals werden solche Arbeiten von älteren Menschen erledigt. Im Grunde hilft dies diesen dabei, sich auch nach dem Übergang in die Rente an der Gesellschaft zu beteiligen, sich nützlich zu fühlen und dem Alltag etwas abgewinnen zu können. Da verwundert es dann auch nicht, dass in Japans sehr viele sehr alte Menschen leben, da diese Integration gewiss auch die körperliche und geistige Aktivität erhält.

  5.   Weihnachtsliebhaber

    Ich weiß nicht in wie fern das nur ein Phänomen dieser Stadt oder ganz Japan ist. Auf einem Universitätsfest in der Stadt Niigata habe ich auch schon das ganze mitmachen dürfen. Da das ganze System der Abfallbeseitigung mir nicht in den Kopf ging, war ich da auch etwas perplex.
    Wir mussten unseren Müll übrigens auch innerhalb unserer kleinen Studentenzimmer lagern, bis dieser abgeholt wurde und durften ihn nicht schon vorher zu dem Müllsammelplatz bringen, wo dann tageweise die verschiedenen Müllarten abgeholt wurden. Wenn wir das getan haben, wurde der ganze Müll liegen gelassen. Es wurde auch immer alles begutachtet, sodass bei einer falschen Sortierung innerhalb der Beutel, dieser auch immer zurückgelassen wurde. Unsere Hausdame konnte dann lustiger weise den Müll auch immer dem Bewohner zuordnen….

    Aber Mülleimer auf der Straße sind in Japan gefühlt nicht vorhanden. Besonders nicht vor den convenience store (wo man drei Verpackungen erst aufmachen muss, um an das Eis zu kommen)

  6.   Otto Albrecht

    @ #1 Klausabc2.0
    Danke dass das noch jemand moniert. Das mit dem Abwaschen des Muells, von Hand, ist mir schon lange als Unsinn aufgestossen. Wird aber in Japan allgemein verlangt. Das ganze Zeug wird doch eh nochmals industriell gewaschen – hoffentlich!
    Dass man den Muell nicht schon vorher draussen ablagern soll ist in den meisten Gegenden verstaendlich – Affen, Voegel, wilde Katzen verteilen sonst den Muell in der ganzen Gegend. Das liegt aber auch am Fehlen geeigneter Muellbehaelter. Kuechenmuell in einer gebrauchten Einkaufstuete ist nicht die beste Art, aber der Standard.
    Oeffentliche Muellbehaelter gibt es fast nirgends mehr seit der Giftgasattacke in Tokyo – die wird als Grund dafuer angegeben – es koennte ja mal jemand eine Giftgasbome in einen Muelleimer werfen.

    Dass man auf Bergen auch keine Muellbehaelter findet ist eigentlich richtig – wer die volle Packung hochgebracht hat kann sie auch runterbringen – was man auf einer Huette kauft kann man dort auch zurueckgeben (obwohl das der Hubschrauber wieder runterbringen muss). Dass das auch da gemacht wird wo eine normale Muellabfuhr vorhanden ist (fuer die Bewohner, Restaurants, Industrie, Visior Centers…) ist natuerlich wieder nur mangelnder Service (oder Geldmacherei).

    Das mit dem Auswaschen wird aber doch auch in Deutschland, mindestens fuer manche Dinge (Pet-Flaschen, Glasflaschen…) stark empfohlen?

  7.   technokrat

    Das mit dem spülen ist doch jetzt nicht wirklich problematisch, spüle meinen Müll auch. Dafür muss man in der Küche normal auch kein Frischwasser nehmen, es gibt immer was zum spülen Töpfe etc. oder waschen Gemüse etc. da bleibt genug über um danach noch den Müll zu reinigen.

  8.   petiteplanete

    20% landfills? Deutschland ist bereits bei 1% angekommen — das ganze Land:

    http://circulatenews.org/2015/10/time-to-move-beyond-cradle-to-ashes-in-germany/

  9.   Planloser

    Recycling? Eigentlich unnötig, würde man auf Bioplastik setzen. Bei 34 Eimern muss nicht nur gewaschen werden sondern auch noch getrennt abgeholt werden. Völliger Unfug wie ich finde und nicht auf jeden
    übertragbar und eine Umweltverschmutzung ohnesgleichen. Wer Plastikverpackungen verkauft muss Sie eben auch selbst recyceln, da ist ein Pfandsystem einfacher wo ich den Müll an den Laden, an den ich sowieso fahren muss, gleich wieder abladen kann.

    Aber solange Papiertüten ungefähr das 10-Fache kosten als Plastiktüten funktioniert das System die reine Produktionskosten als Verkaufspreis einfach nicht.

  10.   Lügenbold

    Ich lache erstmal laut.

    JAPAN VORBILD?

    Nirgendwo auf der Welt gibt es solche Verpackungsmüllorgien wie in Japan. Auch die Amerikaner sind da vergleichsweise wahre Ökos. Es ist grundsätzlich alles mehrfach verpackt. Mehrweg zudem unbekannt. Dafür gibt es zusätzlich gigantische Einweg-Müllberge – ich rede dabei nicht von Verpackungen sondern von dem, was bei uns nie so richtig in Mode kam, spätestens seit den 80ern aber verpönt ist. Gebrauchsgegenstände nur 1x zu benutzen und dann wegzuwerfen. Viele Japaner kaufen jede Woche einen Beutel neuer Socke, die billigen weißen Tennissocken. Einmal getragen, ab in den Müll, werden nicht gewaschen, wie viele andere Artikel des täglichen Lebens. Dazu jeden Abend ein heißes Vollbad, dazu an wirklich jeder Straßenecke Automaten mit gekühlten Getränken (also freistehende Kühlschränke), dazu ein unfassbarer Verschleiß elektronischer Geräte (riesige Zahl, kurze Nutzung, dann kommt das nächste Gerät). Japan ist ein ökologischer Verschwendungshorror (bzw. ein feuchter Traum der herstellenden Industrie). Dieses Dorf ist da bis auf Weiteres nur ein symbolischer Tropfen auf den heißen Stein und wirklich nicht des Lobes – gar eines Vorbilds – wert. Es zeigt nur, wie neu und ungewohnt für Japaner Müllvermeidung ist.