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Wenn Eltern und Kinder ehrlich zueinander wären

 

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihren Kindern einfach alles erzählen, was Sie sonst vor ihnen verheimlichen. Denn so ganz unter uns: Sie sagen ihnen doch oftmals nur einen Teil der Wahrheit. Oder legen sich diese so zurecht, dass Sie kein schlechtes Gewissen haben müssen. Das ist natürlich richtig so, denn Kinder müssen erst eigene Erfahrungen machen, bevor sie "Erwachsenendinge" überhaupt verstehen können. Aber was wäre, wenn Sie alles loswerden könnten? Dann würde es vielleicht wie in diesem Kurzfilm ablaufen.

In einem schummrigen Diner sitzen sich Vater und Tochter gegenüber. Auf dem Tisch steht ein großzügig geschnittenes Stück Kuchen und frisch gebrühter Kaffee. Der Vater nimmt einen großen Schluck. "Süße, du weißt, dass Mama und Papa dich lieben. Und du weißt, dass wir bei allem, was wir tun, nur dein Bestes im Sinne haben." Das Mädchen schaut ein wenig verunsichert. Der Vater nimmt einen noch größeren Schluck Kaffee. Will sich noch eine Plattitüde zurechtlegen. Hält aber inne. Und dann bricht es aus ihm heraus.

"Mama und Papa sind wie der Weihnachtsmann. Unecht. Erfunden. Ein von einem armen Würstchen ausgedachter Marketing-Gag." Die Tochter schaut schockiert. Er versucht sich halbherzig zu entschuldigen: "Ach, komm schon. Das ist nun mal so. Ich verrate dir mal was: Kindererziehung ist zu 90 Prozent Bullshit." Doch statt hier die Reißleine zu ziehen, legt der Vater nach. Im Laufe seines langen Monologs erfährt die Tochter, dass die Ehe der Eltern am Ende ist, die Verwandten der Mutter angeblich Idioten sind, die es verdient haben, von einem Bus überfahren zu werden – und dass er seine Tochter eigentlich gar nicht so sehr mag. "Dein Bruder ist mein Liebling. Ganz ehrlich, du bist halt ein Mädchen. Sorry, das ist nun mal ein Männerding."

"Papa", unterbricht ihn die Tochter. Sie schaut amüsiert. "Auch ich muss dir was sagen." Tja, und dann … Aber schauen Sie selbst, diese Freude wollen wir Ihnen nicht nehmen.

Eine Warnung schickt der Regisseur Joe Otting aber doch vorweg, denn schließlich ist das Video nur halb ernst gemeint: "Nicht für ganz junge Kinder gedacht – außer, sie wollen danach ein merkwürdiges Gespräch mit ihnen führen."

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6 Kommentare

  1.   Rokin

    Wurde der Artikel vorher mit einem Kinder- und Jugendpsychologen oder Familientherapeuten besprochen? Wenn unsichere Eltern den Film auch nur „halb ernst“ nehmen, würde vermutlich doch einiges daneben gehen. Und die anschließenden Gespräche mit kleineren Kindern als „merkwürdig“ zu bezeichnen ist schon fast zynisch.

  2.   Malvee

    Wurde „Machete“ oder „Sin City“ auch vorher mit einem Psychologen besprochen? Wenn das jemand ZU ernst nehmen würde …

    Filme sind und bleiben Filme, wer als Erwachsener Mensch Filme nicht von der Realität unterscheiden kann braucht wohl selbst einen Psychologen.

  3.   Anna Morosa

    Es passiert oft genug, dass sich Eltern und Kinder gegenseitig die Wahrheit sagen. Und weil das Leben eben kein Film ist und wir nichts ungeschehen machen können, sind das nicht die schönsten Momente. Wir alle lügen aus gutem Grund so oft und so viel – eine gut vorgetragene Lüge oder eine nicht ausgesprochene Wahrheit kann Beziehungen retten. Ist das der Idealfall? Vielleicht nicht. Aber überdosiertes Heldentum tut sehr lange sehr weh.

  4.   Marbo Becker

    …oh weia is das ein gefühlsbesoffenes Zeugs…und der actor hat wirklich alles gegeben…(man gibt immer alles in LA.!!) das Kindchen spielt schön mit…und der actor wie er sich schon in den ersten Sekunden die Hände warm reibt….: And NOW !!! rrrrrrr…. : you know Mami and Dädi…always will love you honey…
    Aber es geht, ja es geht, sowas geht doch. Das hat man schlappe 6 Wochen lang geprobt, aber auch nicht zuviel, (das Kindchen viel weniger, denn sie muß „fresh“ bleiben) aber mit ihm dem Dädi…viel ganz viel, einschließlich einem pers. Coach, einem Pädogogen, analytischen Beistand… In LA. dreht man die Räder zu Ende

  5.   Anarchonda

    Super!

    Starke Persönlichkeiten können eben mit der Wahrheit umgehen. Wie so oft im Real Life stellt sich auch hier heraus, dass die Persönlichkeit des Kindes (noch) stärker ist, als die des Vaters. Und es ist dabei auch nicht ungewöhnlich, dass der männliche Part nur meint er sei stark, während der weibliche es tatsächlich ist.

    Jaja. „Life is just a game“. Last uns lieber weiterlügen, denn wer will die Wahrheit schon wissen?

    Lügen leben oder die Wirklichkeit akzeptieren? Immer mehr Menschen gehen daran kaputt, dass sie beides nicht können.

    Dabei gibt es nur eine Lösung: Die Wirklichkeit akzeptieren, inklusive der Tatsache, dass die meisten Menschen unehrlich zu sich selbst und anderen sind und dann versuchen diese Wirklichkeit zu gestalten. Alles andere ist Hollywood!

  6.   punainen

    Was für ein Waschlappen von Vater!
    Trifft aber vielleicht auf viele (nicht ALLE!) zu, diese schonungslose Selbstzentriertheit (Papi denkt immer nur an sich selber und seine Bedürfnisse).
    Ist aber leider wohl kein neues Phänomen…
    Schön zu sehen, dass das Mädchen stärker ist als der heulende „Erwachsene“.

    Kleine Anmerkung für die Übersetzung des Gesagten im Film:
    Der Mann sagt: „Mami und Papi SIND der Weihnachtsmann (…) Es gibt ihn (den Weihnachtsmann) nicht“
    (also, SIE bringen die Geschenke, nicht der Weihnachtsmann)
    – und nicht, wie im Artikel: “ Mami und Papi sind WIE der Weihnachtsmann, unecht, erfunden.“
    Will sagen, der Mann sagt nicht wie im Artikel behauptet, dass das Mädchen keine echten Eltern habe, sondern dass es den WEihnachtsmann nicht gebe.
    Dass die Beziehung zwischen dein beiden nicht stimmt, eröffnet das Mädchen während des Gesprächs, daher auch die emotionale Überraschung des Vaters, der glaubt am Anfang, die Beziehung zur Mutter wäre weitgehend ok.