‹ Alle Einträge

Wo essen Gourmets?

 
Wo essen Gourmets?
Appetizer der französischen Gourmet-Firma Fauchon. © Miguel Medina /AFP/Getty Images

Viele glauben, Gourmets seien glückliche Menschen. Schließlich haben sie die Gabe, gutes Essen zu genießen. Doch dabei wird vergessen, dass im Gourmet-Dasein selbst eine gewisse Tragik liegt. Einen echter Gourmet kann sein Essen unmöglich genießen: Er weiß, dass es in irgendeinem Sternerestaurant dieser Welt einen Kenner gibt, der besser speist als er selbst. Das treibt Gourmets überall auf der Welt in den Wahnsinn. Das Gefühl sagt ihnen, dass sie nicht glücklich sein können, bis sie den vollkommenen Geschmack kosten.

Für alle unglücklichen Gourmets wird einmal im Jahr eine Rangliste der besten Restaurants der Welt erstellt. The World's 50 Best Restaurants heißt sie. Sie bringt Klarheit in die Kochkunst. Hier entscheiden Restaurantkritiker mit unbeirrbarem Geschmack seit 2002, wo die besten Speisen serviert werden.

Doch Moment! Ist Geschmack nicht Geschmackssache? Freilich werden vor allem in Frankreich Stimmen laut, eine solche Liste sei Unfug. Denn, mon dieu, für Restaurants im Land der Haute Cuisine gab es noch keine Auszeichnungen.

Dieses Jahr errang die Osteria Francescana in Modena den ersten Platz. Ihr Chef und Starkoch Massimo Bottura nahm die Ehrung in New York entgegen. Der Vorjahressieger El Celler de Can Roca ist das zweitbeste Restaurant der Welt. Das bereits vier Mal als Sieger ausgezeichnete Noma aus Kopenhagen hingegen erreichte nur einen enttäuschenden fünften Platz. Wahrscheinlich wurde es den Gourmetkritikern dort einfach zu langweilig.

Mehr Teilchen gibt es hier.


Einige Autoren dieses Blogs

8 Kommentare

  1.   Buchseite

    So ein richtig toller Gourmet-Eintopf mit Markknochen, ein saftiges Eisbein, Sülze mit Bratkartoffeln, ein supi Rollmops zu Hause oder ein perfekt gegrillter Fisch irgendwo am Strand bei Sonnenuntergang in Brasilien, ist allemal schmackhafter als Essen in einem ***Restaurant mit fetten Preisen und Miniaturportionen in Lila, unverständlichen Bezeichnungen und gewöhnungsbedürftigem Geschmack. :-)

  2.   Tiroler

    Die Liste ist wertvoll, weil man so weiß, welche Lokale man meiden sollte.

  3.   Noma?

    Wurde Noma nicht vor paar Jahren von der staatlichen Inspektion wg. Hygiene-Mängel vorübergehend geschlossen?

    Alle Mittelmeerländer sind voll von Dorf-Tratorien, in denen man ohne den ganzen Chi-chi herrlich essen kann.

  4.   Frank-Werner

    Da halte ich mich dann doch lieber an den Michelin.
    Bereits Restaurants mit „nur“ einem * bieten hier eine absolute Spitzenküche.

  5.   Noldi Schwarz

    Ist es nicht erstaunlich, dass ein paar wenige Menschen behaupten sie wüssten, wo man am besten isst? Was ist mit dem Ambiente, was mit der Gemütlichkeit? Ist einfache und währschafte Küche in einem lauschigen Garten mit Vogelgezwitscher nicht wertvoller als ein 250 Euro Menü (ohne Wein!). Und wenn mich mein Gegenüber, noch schlimmer, die übrigen Gäste rund um mich nerven, dann habe ich nicht dieses Erlebnis erfahren, das meinem persönlichen Wohlfühlen förderlich ist. Ich bin weit in der Welt herumgekommen, wurde in unzähligen Restaurants überrascht, aber auch hin und wieder enttäuscht. Quiz: Wo war öfters Enttäuschung?

  6.   NixNeuesImBesten

    An alle „Sternerestaurants-sind-doof“-Vertreter:
    Natürlich kostet ein Essen dort mehr als in einem „normalen“ Wirtshaus und natürlich kann es auch in diesem Wirtshaus super schmecken und sättigen. Aber der Unterschied liegt in der Auswahl der Zutaten, der Kombination der Aromen, dem kreativen Anrichten. Und dieser Unterschied kann simples Essen zur Kunst werden lassen – und einen Restaurantbesuch zum abendfüllenden Sinnesspektakel, vom Anblick über den Geruch bis zum Geschmack. Für mich vergleiche ich einen solchen Abend eher mit einem Opernbesuch (der ja auch ähnlich kosten kann) als mit dem einfachen Vorgang des Essens an sich, schlicht weil er die Sinne erfreut und herausfordert.
    Letztlich ist es doch gut, wenn jeder sein Geld für die Dinge ausgibt, die ihn glücklich machen und erfüllen (solange sie anderen nicht schaden), egal ob Karnickelzucht, Theaterpremiere, Pferderennen oder eben Essengehen. Ich verstehe nicht, warum sich immer so viele Menschen genötigt sehen anderen Menschen ihren Spaß schlecht zu reden.

  7.   Dieter Rantel

    @NixNeuesImBesten: mmh nichts dagegen einzuwenden. Nur dass ständig darüber berichtet werden muss. Ich würde mich auch freuen, wenn ständig irgendein Artikel übers Fliegenfischen auftauchen würde. So finde ich das“Gourmethobby“ einfach total überbewertet und es nervt.

  8.   Michael

    Mein erster Ausflug jenseits der Systemgastronomie führte uns zum „Franzosen“. Das Menü war abendfüllend, aber nicht magenfüllend, was auch an den langen Pausen zwischen den Gängen lag. Qualität, soweit ich das als Nicht-Gourmet beurteilen kann, war gut. Das Ambiente war sehr cool und hätte nur noch durch das anbringen von Neonröhren getoppt werden können. Die Kellner trugen ihre Nase eine Spur zu hoch, was an der fehlenden Krawatte meinerseits gelegen haben könnte. Oder es gehört einfach dazu.
    Fazit: ich bin wohl eher der Typ, der sich abends in einem bayerischen Gasthof einen Wurstsalat , mit einem Bier dazu, bestellt. Gemütlicher war es auch.