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Welche Medien in der Türkei geschlossen wurden

 
Welche Medien in der Türkei geschlossen wurden
Auch die Zeitung Zaman soll geschlossen werden. © Deniz Toprak/EPA/dpa

Tausende Lehrer, Polizisten, Soldaten und Ministeriumsmitarbeiter hat die türkische Regierung seit dem gescheiterten Putschversuch bereits entlassen oder strafversetzt. Sie hat Schulen und Unternehmen geschlossen, die vermeintlich zum Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen gehören, das hinter dem Putschversuch stecken soll. Diese Woche hat die Türkei auch ihre Angriffe auf die Pressefreiheit noch einmal ausgeweitet.

Die Regierung lässt jetzt Dutzende Journalisten und öffentliche Intellektuelle verhaften. Außerdem hat sie 131 Medien verboten. Dazu gehören Radio- und Fernsehsender, Zeitungen und Verlage. Das Blog JamesInTurkey hat nun die wichtigsten, überregionalen dieser Medien vorgestellt. Es sind kleine, detaillierte Nachrufe, die noch einmal die politische Ausrichtung, die Geschichte und die Verbreitung der Sender und Zeitungen beschreiben. Zusammengenommen ergeben sie ein weiteres Protokoll der andauernden Zerstörung von Freiheiten in der Türkei.

Unter den betroffenen Medien ist beispielsweise die Nachrichtenagentur Cihan. Sie war eine der Hauptkonkurrenten der staatlichen Agentur Anadolu. Auch das mediale Flaggschiff der Gülen-Bewegung, die Zeitung Zaman, steht auf der Liste. Am Donnerstagmorgen erschien dem Blog zufolge allerdings noch eine Ausgabe. Titel: "Junta's media leg arrested: they used Zaman like a terrorist base before administrators were appointed."

 

5 Kommentare

  1.   Etzel

    Taraf habe ich immer gerne gelesen, war leicht Links aber wir wusten IMMER das es von Gülen ist………
    jetzt kommt dies hier wenn man im web die Seite besuchen will:

    http://www.taraf.com.tr/

    nix……

  2.   macnesium

    Im Grunde ist das die größte Chanze für Deutschland die es gibt. Grenzen auf und das komplette Bildungsbürgertum der Türkei rekrutieren. Naja, vielleicht nicht das komplette, die Gülen-Anhänger sind ja ideologisch gar nicht so weit von Erdogan entfernt, aber einfacher bekommt man keine gut ausgebildeten Lehrer.
    Zudem würden diese Türken wahrscheinlich auch erheblich dazu beitragen das Deutschland nicht mehr das „konservativste Bundelsand der Türkei“ ist.

  3.   weiblich denken

    Nicht zu vorschnell urteilen.
    Die Türkei ist vielleicht auf dem richtigen Weg. An der Türkei kann man sehen wie und wo unsere Kraken-Arme in andern Staaten wirken.
    Unsere Medien scheinen ein unerklärtes Recht zu haben, zu sagen, was richtig und falsch ist.
    Unsere Medien machen sogar die Märkte zu Lebewesen mit Gefühlen so schrieb die ZEIT.de: „… die Märkte befürchten…“ Also hat der Markt „Angst“?
    Wer ist der Markt?
    Die Türkei hat noch eine Mitte und das macht sie stark.

  4.   Mert

    Ich bin dafür, das Gülen Medien verboten werden, man würde hier auch keine RAF-Medien oder Al-Qaida Medien zulassen, aber es werden auch Medien und Journalisten verboten, die nichts mit Gülen zur tun haben.

  5.   Marc Andreßen

    Jemand kommentierte:
    „Unsere Medien scheinen ein unerklärtes Recht zu haben, zu sagen, was richtig und falsch ist.“ Medien haben die unverzichtbare Rolle in der Gesellschaft das gesamte Meinungsspektrum zu dokumentieren und zu kommentieren. Deshalb steht die Pressefreiheit unter besonderem Schutz und und ist für unsere Gesellschaft ein bedeutendes hohes Gut. Pressefreiheit und die Medien sind eine unverzichtbare Komponente der Meinungsbildung und ihre Rolle besteht gerade darin, Dinge zu bewerten. AUs diesem Grund wird sie in der Theorie der Gewaltenteilung auch als „die vierte Gewalt“ bezeichnet. Eine Kontrollinstanz, die eben genau dann besonders zum tragen kommt, wenn es um die Bewertuing politischer oder kultureller Prozesse und Entscheiudungen geht.

    Sie kennen vielleicht das Beckenbförde-Diktum, das ich hier einmal vollständig wiedergeben möchte:

    „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das ist das große Wagnis, das er, um der Freiheit willen, eingegangen ist. Als freiheitlicher Staat kann er einerseits nur bestehen, wenn sich die Freiheit, die er seinen Bürgern gewährt, von innen her, aus der moralischen Substanz des einzelnen und der Homogenität der Gesellschaft, reguliert. Anderseits kann er diese inneren Regulierungskräfte nicht von sich aus, das heißt mit den Mitteln des Rechtszwanges und autoritativen Gebots zu garantieren suchen, ohne seine Freiheitlichkeit aufzugeben und – auf säkularisierter Ebene – in jenen Totalitätsanspruch zurückzufallen, aus dem er in den konfessionellen Bürgerkriegen herausgeführt hat.“

    Die „moralische Substanz“ von der hier die Rede ist besteht zu einem großen Teil aus dem Wertekonsens, der die Gesellschaft trägt und der von der Gesellschaft getragen wird. Dieser entsteht jedoch nicht aus zentral von oben verordneten Richtlinien und Prinzipien, sondern aus der Leistung des Individuums, sich aus den vorhandenen Möglichkeiten eine eigene Haltung zu bilden. Für diesen Prozess ist Meinungspluralismus zwingend notwendig – und dieser ist wiederum ohne die Pressefreiheit nur beschränkt wirksam.

    Ich könnte noch anmerken, dass Sie als Kommentatorin ebenfalls von dieser Meinungs- und Pressefreiheit profitieren, da sie Ihnen die Möglichkeit gibt zu schreiben, was Sie denken und was Sie für richtig und falsch halten. UNd genau das tun Medien eben auch. Sie beobachten, berichten und kommentieren – wie Sie – zumindest tun sie das in Ländern mit Rede- und Pressefreieheit, zu denen die Türkei offenkundig nicht gehört.

    Was Sie zu den Märkten schreiben: Wenn Menschen verunsichert sind, ändert das ihr Konsumverhalten, wenn Anleger unsicher sind, wohin sich ein Land politisch entwickelt, führt das zu veränderten Risikobewertungen für Anlagen. Wenn also von „Märkte befürchten…“ die Rede ist, beschreibt dies einen kollektiven Trend von Marktteilnehmern also Anbietenden und Nachfragenden Personen und Institutionen. Das kann man beobachten und davon wird dann auch so berichtet.