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Ranias Odyssee in die Ungewissheit

 

 

Sie sei nicht diesen langen Weg gegangen, um sich so unmenschlich behandeln zu lassen, schreit Rania Mustafa Ali in die Kamera, während ihre Augen wegen des Reizgases tränen und brennen. Rania sucht Frieden. Ihren Weg auf der Suche nach ebendiesem filmt sie mit einer Kamera. Der britische Guardian hat die Reise der Syrerin nach Österreich nun in einem eindrücklichen Video aufbereitet.

Alles beginnt in Kobane, im Norden Syriens. Ranias Weg führt zunächst in die Türkei, wo sie ihren Freund Ayman trifft. Gemeinsam steigen sie in ein Boot, das sie nach Griechenland bringen soll. Kosten: 300 Dollar pro Person. Selten wurde eine Flucht und die damit einhergehende Angst so eindrücklich sichtbar wie auf dem Boden des Schlauchbootes, das unter der Masse der Menschen zu sinken droht. 15 Menschen dürfen eigentlich in das Boot, an Bord sind aber 52. Wasser läuft hinein, es wird dunkel, die Kamera wird abgeschaltet. Der Ausgang der Geschichte ist für wenige Sekunden ungewiss.

Doch Rania und die anderen werden gerettet und haben nun endlich europäischen Boden unter den Füßen. Doch die lange Suche nach Frieden hält für Rania und Ayman weitere Herausforderungen parat. Zwischenzeitlich leben sie in der Endstation des Elends, dem Flüchtlingslager Idomeni, in dem Tausende in Zelten und im Morast vor sich hin vegetieren. Dann geht es weiter, durch einen reißenden Fluss, in Richtung Mazedonien, um dann vor der Grenze auf Soldaten zu treffen.

Über allem hängt das Gefühl der Unsicherheit. Die Unsicherheit, den Weg umsonst gegangen zu sein, um am Ende doch wieder zurück zu müssen oder in ein Auffanglager – weit weg vom Ziel: Deutschland.

 

Einige Autoren dieses Blogs

28 Kommentare

  1.   Hesekiel1985

    Ich wünsche der jungen Frau alles Gute für Ihren Lebensweg, hätte aber sowohl vom ZEIT blog als auch vom Guardian etwas mehr Recherche erwartet. Ohne jetzt mit der alten Leier von sicheren Ländern auf dem Fluchtweg anzustimmen wäre es doch interessant gewesen zu wissen, welche Motive so viele Menschen gen Deutschland treibt, und was den Rest Europas so unattraktiv macht. Wirtschaftliche Sicherheit und Sozialsysteme dürften dabei nur ein Faktor unter vielen sein, und zum Bewältigen der Flüchtlingskrise gehört nun mal Verstehen der Beweggründe und ein dortiges Ansetzen.

  2.   pink thousand

    „Gemeinsam steigen sie in ein Boot, das sie nach Griechenland bringen soll. Kosten: 300 Dollar pro Person.“

    Wucherpreise! Nicht mal Flüge Türkei – Deutschland kosten soviel. Weshalb hat Rania Mustafa Ali keinen Flug nach Deutschland gebucht? Diese Smartphones sind nicht nur zum Filmen da.

  3.   Dr. J

    Was heißt „die lange Suche nach Frieden“? In der Türkei und Griechenland war schon kein Krieg mehr. Wenn das Ziel Deutschland ist, kann es ganz offensichtlich nicht primär darum gehen, Frieden zu finden. Ich dachte, über diese Art der Berichterstattung komme man langsam hinweg.

  4.   DD84

    @pink thousand Weshalb keinen Flieger genommen?

    Weil Merkel (und die EU) versagen.
    Es gibt trotz mehrjähriger Flüchtlingskrise nach wie vor keine legale Möglichkeit einen Asylantrag vom Ausland aus zu stellen.

    Daher müssen die Flüchtlinge und Migranten auf illegalem Weg in die EU gelangen.

    Meines Erachtens zeigt es die Zynische Haltung von Merkel.
    Mein Vorschlag war schon vor Jahren: an der Syrisch-Türkischen Grenze eine Annahmestelle errichten. Syrer könnten dort einen Antrag stellen. Deutsche oder EU Beamten prüfen, machen einen Backgroundcheck (um Terroristen auszusieben). Bei Gutheissung gitb es einen Gratisflug in ein EU Land.

    Das System wäre eine Chance für die echten Flüchtlinge (Frauen, Kinder, Ältere) und würde die Schlepper ausschalten. Win-Win Situation. Aber offensichtlich von der Politik nie gewollt.

  5.   Hugo von Bahnhof

    Na ja. Diese Frau scheint sekulär zu sein. Kein Kopftuch. Als solche wäre sie im Nahen Osten wirklich bedroht. Falls meine Schätzung richtig ist, hätte ich kein Problem, sie auch bei uns in OstEU willkommenzuheissen.

  6.   Simma Wiedersoweit

    Weshalb hat Rania Mustafa Ali keinen Flug nach Deutschland gebucht?

    Manchmal erschreckend, wie wenig Menschen hierzulande über Reisemöglichkeiten anderer Menschen weltweit wissen. Die wenigstens können wie wir EU-Bürger mal eben schnell ohne Visum in andere Länder reisen.

  7.   pink thousand

    @DD84

    „Es gibt trotz mehrjähriger Flüchtlingskrise nach wie vor keine legale Möglichkeit einen Asylantrag vom Ausland aus zu stellen.“

    Sie hätte ihren Antrag in Deutschland legal stellen können, wenn sie einen Flieger nach Deutschland genommen hätte.

    Annahmestellen vor Ort sind in der heutigen Zeit unpraktikabel. Warum kann man keine Videochats mit deutschen Beamten einrichten? So könnten Asylsuchende weltweit Anträge aus ihren Ländern heraus stellen.

  8.   pink thousand

    @Simma Wiedersoweit

    Erschreckend ist, dass viele Menschen die Dreistigkeit der Zuwanderer nicht mal registrieren. Nein, sie finden es sogar beklagenswert, wenn diese mit Tränengas an der Grenze aufgehalten werden, nachdem sie mehrere sichere Länder durchwandert haben.

  9.   pmzzo

    Fluggesellschaften lassen Leute ohne Visum schlicht nicht an Bord, weil sie den Rücktransport auf ihre Kosten organisieren müssten. Asylbewerber können in ihren Heimatländern (und andernorts) praktisch nicht an Visa gelangen, also kriegen sie auch keine Flugtickets. Theoretisch wäre es möglich, das die Fluggesellschaft überprüft, ob eine realistsische Aussicht auf Asyl besteht, um die aussichtsreichen Kandidaten dann mitzunehmen, aber den Aufwand macht natürlich keiner.

  10.   Alacante

    Achja wieder ein Tränendrüsenfilmchen das uns dazu bringen die reelen Probleme zu vergessen und in moralische Verzückung zu gelangen….
    Früher hat man zu sowas wenigstens Heiligenbildchen gekriegt.