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Proust für Blogger

Proust-Fragebogen für Blogger (106)

Von 12. April 2014 um 17:00 Uhr

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Klaas Twietmeyer (33) hat einen Traum. Der Hamburger träumt von einer eigenen Brauerei. 2012 probiert er sein erstes Craft Beer. Überwältigt vom Geschmack, beschließt er, sich intensiver mit Herstellung von Bieren und den chemischen Prozessen dahinter auseinanderzusetzen. In seiner Küche in Eimsbüttel experimentiert er seitdem mit Zutaten und testet Rezepturen für das einzigartige Geschmackserlebnis. Seit Januar 2013 schreibt er im Netz über seine Brauerfahrungen und die noch junge Craft Beer-Szene in Deutschland. Anfangs noch über Tumblr, dann bald auf einem eigenen Blog hopshysteria. Für den Kommunikationsdesigner ist Bier das „vielfältigste und interessantesten Getränk der Welt“. Abseits von Pils, Weizen und Helles geht er auf Entdeckungstour. Immer auf der Suche nach dem Besonderen.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?

Der Spaß am Thema sollte deutlich spürbar sein. Spannende, gut lesbare Texte sind natürlich das A und O. Wenn diese mit tollen Fotos kombiniert werden, bleibe ich auf der Seite hängen.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?

Es gibt natürlich sehr gute fachbezogene Blogs, die ich regelmäßig lese – ob zu Design, zu Kunst oder eben zum Thema Bier. Eine Identifikationsfigur habe ich da allerdings nicht. Ich versuche meine eigene Sicht der Dinge in Wort zu fassen.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Wissensdurst löschen und Inspirationen suchen. Der typische digitale Zeitvertreib.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Neben der praktischen Beschäftigung mit dem Thema Bier (das Brauen und Verkosten), befasse ich mich auch im weitesten Sinne mit Genuss. Ob es nun andere, feine Lebensmittel sind, oder Genuss für die Ohren (Musik) und Augen (Design und Kunst).

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?

Ich lüge nicht, ich weiß es einfach nicht besser. Da mein Blog vollkommen unabhängig ist, muss ich nicht die Unwahrheit schreiben, sondern kann mich auf das Schöne und auf meine Wahrheit konzentrieren

Ihr Lieblingsheld im Netz?

Ich finde Menschen, die Vorbilder sind, eher außerhalb des Netzes. Den Begriff «Held» würde ich hier nicht zu wörtlich nehmen.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?

Es gibt viele Designer und Künstler, deren Arbeit ich bewundere. Aber auch alle kleinen Brauer, die großartiges und kreatives Bier brauen sind Vorbilder. Außerdem bewundere ich einige Freunde für deren Persönlichkeit.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen?

Wahrscheinlich sind es die Eigenschaften, die ich sonst auch schätze.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen?

Ich schätze Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit, Zurückhaltung und einen Sinn für Ästhetik.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten?

Unhöfliches Verhalten bei Diskussionen. Oder wenn bei Youtube mal wieder ein Video nicht funktioniert. Fehlende Plugins. Und ich mag es nicht, dass Sarkasmus und Ironie im Netz nicht so direkt funktionieren.

Was stört Sie an Bloggern am meisten?

Mich stört der Drang, ständig online und präsent sein zu müssen (ich schließe mich dabei nicht aus). Smartphone zücken, Instagram, Twitter, Facebook. Das kann nerven.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?

Manchmal wäre ich gerne etwas risikofreudiger. Das kann in gewissen Situationen auch nerven.

Ihr glücklichster Moment als Blogger?

Jedes mal, wenn ich positives Feedback bekomme, freue ich mich. Natürlich besonders dann, wenn ich jemandem helfen oder ihn inspirieren konnte. Sobald ich jemanden neugierig auf mehr machen kann, ist das ein toller Moment.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?

Das aufgebaute Netzwerk. Es ist großartig, immer wieder neue Menschen kennen zu lernen, die sich ebenfalls mit den gleichen Themen beschäftigen und sich davon begeistern lassen.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?

Ich hätte gerne das Aus-dem-Kopf-1:1-aufs-Blatt-bring-Talent. Alternativ wäre luzides Träumen auch ganz nett.

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

Im nächsten Level wird es keine Blogs mehr geben.

Ihre größte Extravaganz?

Ab und zu gönne ich mir hochwertige aber einfache Kleidung und Möbel-Klassiker. Und natürlich supergutes Bier, was sehr schnell, sehr viel kosten kann. Außerdem lege ich mir immer noch – total old-school – Musik-CDs zu.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Da ich gerade von einem wahnsinnig tollen Konzert komme: euphorisiert und leicht alkoholisiert.

Ihr Motto?

Ich halte es da wie Ludwig Mies van der Rohe und «Weniger ist mehr» oder wie Dieter Rams «Weniger, aber besser». Das erkenne ich in vielen Lebenssituationen immer wieder und es trifft auch für mich persönlich am besten zu.

(c) Bastian Görgens

Proust-Fragebogen für Blogger (105)

Von 5. April 2014 um 07:00 Uhr
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Alexa Heyden

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Jessica Weiß

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Julia Heifer

Jessica Weiß war die erste, die unseren Proust-Fragebogen beantwortete, damals noch als Betreiberin des bekannten Modeblogs Les Mads. Nun, 104 Folgen später, bloggt sie zusammen mit Alexa von Heyden und Julia Heifer auf der Fashion-Seite Journelles, die sich den schönen Dingen des Lebens widmet. “Journelles ist die logische Konsequenz gewesen, endlich mein eigener Herr in altbekanntem Metier zu sein”, sagt Jessica, die Chefin von Journelles. Ein ganzes Netzwerk von Autorinnen, unter ihnen Hanna Schumi, Tine Fleischer und Kerstin Göring, macht den Blog zu einer professionellen und sehenswerten Anlaufstelle für Modeliebhaber- und liebhaberinnen. Jede einzelne der Frauen ist ihre eigene Unternehmerin: Jessica hat die Online-Präsenz für das INTERVIEW Magazin Deutschland gestaltet, Kerstin ist die Besitzerin des Frankfurter Modeladens Hayashi, Julia ist Modedesignerin, Alexa arbeitet als Journalistin, Hanna als Art Direktorin, und Tine betreibt außerdem ihren eigenen Blog Inattendu. Wenn so viele sachkundige junge Frauen auf einer Seite vereint arbeiten, wird aus einem Modeblog ein ganz großartiges Format.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?

Julia: Eine übersichtliche Seite, die gleichermaßen durch Infos und neue Inspirationen überzeugt.
Alexa: Ein Online-Magazin mit Autoren-Netzwerk, das mehr als nur Outfit-Posts und tolle Fotos bieten kann, sondern Branchen-News, Reise- und Lifestyle-Themen bearbeitet.
Jessie: Persönlichkeit, News und schöne Bilder. Daran arbeiten wir jeden Tag!

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?

Julia: Identifizieren wäre hier zu viel, aber Leandra Medine finde ich super. Ich mag ihren Stil und dass sie Mode(blogs) mit Humor nimmt.
Alexa: Camille Charrière von Camille over the Rainbow finde ich cool. Ich habe sie dieses Jahr bei der Kopenhagen Fashion Week gesehen. Erst habe ich über sie gelästert (sie trägt die Chanel Boy Bag für mehrere tausend Euro, pffffff!) – jetzt bin ich verliebt.
Jessie: Meine ganze Sympathie bekommt auch Leandra Mediene von The Man Repeller. Identifikation empfinde ich eher in der Einstellung von ganz unterschiedlichen Bloggern.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Julia: Inspirierende Editorials entdecken und mich durch Onlineshops klicken – digitales Window Shopping sozusagen.
Alexa: Zwischen Mytheresa und Spiegelonline hin und her switchen.
Jessie: Momentan Pinterest, dort stöbere ich stundenlang für meine Hochzeit. So habe ich schon viele Ideen und Inspirationen gefunden!

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Julia: Zeit mit meinen Freunden verbringen. Die genaue Art der Beschäftigung ist dabei egal.
Alexa: Auch surfen, allerdings im Meer. Am liebsten an der North Shore von Fuerteventura, weil da das Wasser so klar ist und das Handy keinen Empfang hat.
Jessie: Reisen, Fahrrad fahren, essen!

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?

Julia: Selten, wenn ich eine Verabredung absagen muss.
Alexa: Nie, denn ich habe Journalismus studiert und halte mich an die Regeln. Lieber schreibe ich gar nix.
Jessie: Nie, das lässt sich immer höflich umgehen.

Ihr Lieblingsheld im Netz?

Julia: -
Alexa: -
Jessie: Beim letzten Fragebogen antwortete ich: Natalie Massenet, die Gründerin von net-a-porter. Ihren Antrieb und ihre Vision bewundere ich noch immer!

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?

Julia: Meine Eltern.
Alexa: Altenpfleger, Polizisten, die beim LKA gegen Kinderpornographie ermitteln und meine Kollegin, die Journalistin und Autorin Julia Stelzner, die sich in ihrer Freizeit bei der Berliner Stadtmission um Obdachlose kümmert.
Jessie: Mein Freund, denn der wagt es echt, mich zu heiraten.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen?

Julia: Wenn sie trotz Anonymität respektvoll und authentisch sind.
Alexa: Solche, denen Inhalte wichtiger als Likes für ihre Selfies sind.
Jessie: Solche, die mit viel Leidenschaft und eigenen Ideen an ihrem Produkt arbeiten.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen?

Julia: Humor, Ehrlichkeit und dass sie teilen können.
Alexa: Authentizität, Bescheidenheit und gute Manieren. Merke: Menschen zeigen ihren Charakter bei der Arbeit, nicht auf Partys.
Jessie: Aufrichtigkeit und Humor!

Was mögen Sie im Netz am wenigsten?

Julia: Übertriebene und realitätsferne Selbstdarstellung.
Alexa: Böse Kommentare, vor allem Frauen gegen Frauen sind oft sehr gehässig. Wenn offensichtlich nur Neid dahinter steckt, schäme ich mich für meine Geschlechtsgenossinnen. Ich denke immer: Ladies, es ist nur Mode!
Jessie: Geschwafel.

Was stört Sie an Bloggern am meisten?

Julia: Käuflichkeit.
Alexa: Der Impetus „Ich werde Blogger , weil ich eine Chanel-Tasche haben will.“
Jessie: Die Copy Cats. Da werden Konzepte, Artikel und sogar Überschriften kopiert.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?

Julia: Meine Ungeduld.
Alexa: Dass ich auch eine Chanel-Tasche haben will.
Jessie: Ich nehme vieles zu persönlich.

Ihr glücklichster Moment als Blogger?

Julia: Jedes Mal, wenn man mir sagt, dass ein Artikel interessant und lesenswert war.
Alexa: Der, den ich auch bei der Redaktionsarbeit liebe: Wenn man rausgehen darf, neue Erfahrungen macht, interessante Menschen trifft und den Horizont erweitert. Das werden die besten Geschichten.
Jessie: Ich zwicke mich eigentlich tagtäglich, dass wirklich so viele Leser Journelles besuchen. Das macht dauerglücklich.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?

Julia: Dass meine Arbeit für die Leser kostenlos verfügbar ist. Das ist aber gleichzeitig auch ein Fluch.
Alexa: Zu zeigen, dass jeder, der kreativ und hart arbeitet eine Chance hat, Anerkennung zu bekommen und seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen.
Jessie: Ein gut laufendes kleines Unternehmen mit dem Blogazine auf die Beine gestellt zu haben.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?

Julia: Ich könnte gerne sehr gut tanzen.
Alexa: Och, ich bin zufrieden, mit dem was ich vom lieben Gott bekommen habe und freue mich über die Talente meiner Mitmenschen.
Jessie: Ich will nur einmal gerade singen können! Nur einmal!

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

Julia: -
Alexa: Vielleicht als Scott Schuman (The Sartorialist)? Einfach um zu sehen, wie die Mode so ist, wenn man ein kleiner Mann ist und keine Chanel-Tasche braucht.
Jessie: Für’s Bloggen wäre es nach der Wiedergeburt viel zu spät. Dann wäre ich doch lieber Ärztin.

Ihre größte Extravaganz?

Julia: Meine wunderschöne, große und eigentlich zu teure Wohnung.
Alexa: Champagner trinken, auch wenn es nichts zu feiern gibt
Jessie: Sehr wenig kochen, sehr viel ausser Haus essen. Und trinken.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Julia: Zuversichtlich.
Alexa: Fernweh.
Jessie: Schlimme Frühjahrsmüdigkeit.

Ihr Motto?

Julia: Et hätt noch emmer joot jejange.
Alexa: Nur Mut, mein Herz.
Jessie: Augen zu und durch!

(c) Sandra Semburg

Proust-Fragebogen für Blogger (104)

Von 29. März 2014 um 07:00 Uhr

AndyMario2 Kopie

Dieser Tage scheint mal die Sonne und mal regnet es. Aber der Frühling kann machen, was er will, solange wir uns auf unseren Jahresurlaub freuen können. Und wer diesen noch planen muss, findet sich womöglich auf dem Reiseblog Nomad Earth ganz gut zurecht: “Nicht die konkrete Reise, sondern das Erleben des Reisens an sich” wird hier “in verschiedenen Einzelgeschichten nachlesbar” gemacht, sagt Mario Hainzl, 30, der den Blog zusammen mit Andreas Jaritz, 32, geschaffen hat. Die beiden Österreicher aus der Südsteiermark haben sich während des Wehrdienstes kennen gelernt, zusammen studiert und später viele gemeinsame Reisen unternommen – unter anderem nach Chile, Spanien und in den Senegal. Für Nomad Earth schreiben nicht nur sie, sondern inzwischen auch viele Gastautoren, so dass der Blog zu einer seriösen Anlaufstation für Urlaubswillige gereift ist. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter: Mit einer Dokumentation in Spielfilmlänge namens “The Old, the Young & the Sea” über die Küstenbewohner des Atlantiks und Surfen in Europa haben Hainzl und Jaritz es bis in die Kinos und auf Filmfestivals geschafft.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?

Ich denk’, das ist einer, der den erfüllt, der’s schreibt und den der’s liest. Die richtige Person, zum richtigen Thema, das Leserschaft nicht sucht, sondern findet. Aber auch wenn ich viel im Internet unterwegs bin – gefunden hab ich den vollkommenen Blog noch nicht.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?

Wer das Bloggen gut beherrscht, sind beispielsweise Chase Jarvis und Joey L. – das sind erfolgreiche Photographen, die ihr Wissen freizügig in Textform, Videobeiträgen und Photostrecken teilen. Die zeigen auch eines erfolgreich vor: Die Zeiten in denen man einfach auf seinem Wissen sitzen bleiben kann, sind vorbei. Und sie zeigen, dass dieses Teilen des Wissens ein profitables Geschäft sein kann – ein Schritt, den das klassische Bloggen nie wirklich vollzogen hat. Ich bin auch ein Fan der Doku-Formate vom Vice Magazine.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung? 

Kommunikation, Weiterbildung, Unterhaltung und Inspiration – in der Reihenfolge.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung? 

Reisen, Menschen und Länder kennenlernen, Bargespräche und Photo Sessions, Interviews führen. Vieles von dem landet letztlich – wenn man Internetmensch ist – wieder online…

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?

Nie. Oder: Gerade eben.

Ihr Lieblingsheld im Netz?

Wenn Barack Obama bei “Between two Ferns” auftritt, ist er ein Held, weil er sich als Politiker erlaubt, Pop gut und nützlich zu finden. Und wenn John Stuart und Steven Colbert nach Jahren täglichen Programms noch immer so energiegeladen und unterhaltsam sind, dann sind sie auch Helden – die neben Unterhaltung sogar Informationswert rüberbringen. Oder die Gründer von Kickstarter, weil sie vielen Menschen ermöglicht haben, an Projekten zu arbeiten, die es sonst nie gäbe. Oder die Aktivistinnen von Femen, weil sie mutig sind und die Mechanismen des Internets verstehen.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?

Die in der letzten Frage genannten gibt’s doch wohl alle auch in echt, oder nicht?

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen? 

Wenn es um Geschäftliches geht , dann schätze ich es, wenn Leute sich nicht hinter dem Medium verstecken und wenn Kooperation und Austausch im Vordergrund stehen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen? 

Neugier, Freundlichkeit, ich mag Menschen, die offen sind für ihre eigenen Bedürfnisse und Ideen.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten?

Wir sind ja alle mittlerweile sehr gut darin, Information, die wir suchen, in Suchbegriffen einzukreisen – aber eben das klappt nicht immer. Dann, andererseits, macht das wenigstens die menschliche Kommunikation nicht obsolet… Abgesehen davon natürlich die Anonymität, die manche Leute als Gelegenheit für mieses Verhalten nutzen.

Was stört Sie an Bloggern am meisten? 

Manches betrifft nur den Blogger als Person selbst – mich interessiert die x-te Café Latte und das so-und-sovielte Photo vom neuen Familienwelpen nicht. Glücklicherweise gibt es aber genug fantastische Blogger – man muss sich also über “schlechte Blogger” nicht ärgern. Das Internet ist groß genug für uns alle.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?

Manches nicht zu verstehen und manches nicht verstehen zu wollen – ich kann ganz schön veränderungsresistent sein, ein sogenannter Sturschädel. Und natürlich nicht immer den Willen aufzubringen, eigentlich gute Ideen umzusetzen.Das tut manchmal weh im Nachhinein, manchmal kann man damit ganz gut leben.

Ihr glücklichster Moment als Blogger?

Als wir mit unserem Blog online gingen – weil wir etwas fertig gemacht haben. Und bei der Spanien-Premiere von “The Old, the Young & the Sea”, als unsere drei ältesten Protagonisten mitsamt Familie im Kino feuchte Augen bekommen haben.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?

Dass wir einerseits mittlerweile viele regelmäßige Leser haben und dass andererseits viele Leute unseren Blog für würdig befunden haben, ihre Geschichten und Photos zu transportieren. Es ist schön, dass Andys und meine Idee eines Reiseblogs für nachhaltigen Reisestil Mitstreiter gefunden hat. Und natürlich damit dann auch auf zeit.de zu landen. Die Oma wird stolz sein.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?

Ich würd’ gern das Einfühlungsvermögen von beispielsweise Elisabeth T. Spira haben, die großartige Doku-Formate rund um alle Arten von Menschen gedreht hat. Das wär’ schon eine schöne Gabe.

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

Wenn ich wiedergeboren werde, gibt’s wahrscheinlich das Wort Blogger nicht mehr. Und wenn ich’s mir aussuchen kann, werd’ ich frühestens in 60 Jahren wiedergeboren. Oder wie lange steht die Seele angeblich zwischen zwei Leben ohne Körper da? Also ich hätt’ jedenfalls gern noch vorher ein langes Leben, weil die Zeiten recht spannend sind.

Ihre größte Extravaganz?

Unsere Arbeit. Wir sind selbstständig, bauen einen Blog auf, beschließen dann ohne jede Vorkenntnis einen Film zu machen. Wenn man so von Selbstverwirklichung spricht, sind die Möglichkeiten, die wir hier in der westlichen Welt in diesen Zeiten haben, relativ extravagant, oder?

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Im Moment bin ich oft freudig erregt bis zutiefst beunruhigt – je nachdem, wie sich das derzeitige Filmprojekt entwickelt, wie sich Nomad Earth Media weiterentwickelt, ob wir uns diesen Lebensstil als Blogger, Photographen, Filmemacher, Contenterzeuger auch weiterhin erhalten können. Insgesamt gut, weil intensiv, irgendwie. Es sind gerade ganz aufgeregte Zeiten für uns – und dafür bin ich wirklich dankbar.

Ihr Motto?

Immer “Ja” sagen. Das bringt einen in alle möglichen und unmöglichen Situationen – was ja der Rohstoff für gute Geschichten ist. Und das ist für uns als Geschichtenerzähler alles. Und dann gibt es noch ein Zitat, das ich irgendwo geklaut hab’ und mir immer wieder in den Kopf springt: “Nichts schadet einer Sache mehr, als sie mit falschen Mitteln zu verteidigen.” Ich finde, das ist ein interessanter Gedanke, gerade jetzt, wo ja jeder alles verbreiten kann.

(c) Katharina Zimmermann

Proust-Fragebogen für Blogger (103)

Von 22. März 2014 um 07:00 Uhr

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Zu viel Zeit vor dem Bildschirm macht nervös und die Augen kaputt. Außer man verbringt seine Internetstunden auf Alicja Schindlers Blog Kooye. Dort sind die Farben so sanft und die Optik so beruhigend, dass einem nichts passieren kann. Die 21-jährige Freiburgerin bloggt seit dem Abitur über Kunst, Musik, Literatur und vieles mehr – alles hat Stil, alles passt in die Ästhetik ihrer Homepage. “Wenn mich jemand nach getaner Arbeit, egal bei was, auf kleine Fehler hinweist, dann finde ich die meistens gerade gut. Ich lege keinen Wert auf Perfektion”, sagt sie. Trotzdem wirkt Kooye ziemlich perfekt. Und wenn die Macherin nicht gerade bloggt oder Klavier spielt, dann schleicht sie durch die Taschenbuchabteilungen der Freiburger Bücherläden.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?

Eins, das gerade so unvollkommen ist, dass ich die Person dahinter erkennen kann.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?

Für mich klingt das Wort „Blogger“ fremd. Im Blogformat verstecken sich ganze Lebensgeschichten, Rezeptbücher, Fotoalben oder Magazine. Für die Menschen, die so viel Kraft in ihr Blog stecken, passt das Wort „Blogger“ meiner Meinung nach nicht mehr.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Mich treiben lassen durch Farbwelten, Trends oder Rezepte.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung?

In der Sonne lesen und Bananenbrot essen.

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?

Wenn meine Fantasie mit mir durchgeht.

Ihr Lieblingsheld im Netz?

Mein Freund, der das Netz immer schöner macht durch seine Gestaltung.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?

Meine Mama.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen?

Mir reicht es schon, wenn ich typische Eigenschaften eines Menschen im Netz überhaupt ausmachen kann.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen?

Gelassenheit, Sensibilität und Humor.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten?

Dass alles so schnell geht.

Was stört Sie an Bloggern am meisten?

Wenn sich die Schnelligkeit des Netzes auf die Rechtschreibung oder die Fantasie auswirkt.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?

Zu viele offene Tabs.

Ihr glücklichster Moment als Blogger?

Eine liebe, überraschende Mail von einer Leserin. Wie ein kurzes Gedicht formuliert – in dem Moment hab’ ich mich gefreut, dass sich jemand zwischen Scrollen und Klicken die Ruhe nimmt, mir etwas Liebes zu schreiben.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?

Dass ich überhaupt angefangen habe, zu bloggen.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?

Ich würde gerne Tische und Stühle bauen können.

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

Das ist lustig.

Ihre größte Extravaganz?

Wärmflasche all night long.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Überhitzt und überfragt.

Ihr Motto?

Ich hasse Motten. Die essen meine Pullover.

(c) Thomas Bartl

Proust-Fragebogen für Blogger (102)

Von 15. März 2014 um 07:00 Uhr

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Christine Neder, 27, war erst in der 10. Klasse, als sie ihren großen Traum schon wieder aufgeben wollte. Schreiben als Beruf, so hieß das Ziel, doch mit den schlechten Noten im Deutschunterricht schien es sich nicht verwirklichen zu lassen. Trotzdem ist Christine am Ball geblieben. Jahre später, als sie in New York studierte, startete sie ihren Blog Lilies Diary – und stellte fest, dass Schreiben eine Therapie für sie war. Je mehr sie aufschrieb, desto mutiger wurde sie. Und bald veröffentlichte sie ihr erstes Buch, “90 Nächte, 90 Betten”, in dem sie ihre Abenteuer als Couchsurferin erzählt. Die schlechten Noten im Deutschunterricht sind mittlerweile vergessen, Christine Neder kann vom Schreiben leben. Sie hat ein zweites Buch geschrieben und bloggt fleißig über das Reisen sowie über Mode und Design. “Wo Leidenschaft ist, ist auch immer ein Weg”, sagt sie, und schreitet weiter mutig voran.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?

Ein Blog, den ich sicher nicht lesen werde, denn alles was vollkommen ist, erscheint mir sehr langweilig. Ich lese gerne Blogs, die sich immer wieder neu erfinden. Neues ausprobieren ist aber auch ein Risiko und klappt nicht immer und Fehltritte sind wohl weit entfernt von der Vollkommenheit.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?

Mit keinem. Das gehört zu meinem Konzept.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Tiervideos anschauen.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Leute beobachten und fremde Gespräche belauschen. Meistens so indiskret, dass ich von meiner Begleitung regelmäßig Schläge bekomme mit dem Satz: Glotz doch nicht so offensichtlich da hin, das ist ja peinlich.
Ich bin eben neugierig…

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?

Wenn ich sage, dass ich in Zukunft weniger reisen möchte um mich mehr auf meine Arbeit und Karriere zu konzentrieren.

Ihr Lieblingsheld im Netz?

Michael Buchinger. Er bringt mich immer zum Lachen.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?

Männer, die mir den Koffer die Treppe hoch tragen. Sie haben begriffen, was Frauen wirklich wollen. Und mein Programmierer.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen?

Wenn sie es in wenigen Sätzen schaffen, dass ich sie interessant finde. Ja, das Spiel mit den Wörtern und sie gekonnt einzusetzen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen?

In Berlin freut man sich schon, wenn die Menschen pünktlich zum Treffpunkt erscheinen und sich 50% des Treffens unterhalten und nicht auf Tinder abhängen. Ansonsten schätze ich Authentizität, Ehrlichkeit und verrückte Ideen, auf die ich selbst nicht gekommen wäre.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten?

Pseudo-depressive Persönlichkeiten, die ihren Weltschmerz in jeder Statusmeldung zum Ausdruck bringen.

Was stört Sie an Bloggern am meisten?

Wenn sie sich über Likes und Retweets definieren.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?

Ich bekomme feuchte Hände, wenn ich weiß, dass ich für längere Zeit kein W-Lan habe. Ich weiß, das ist nicht normal…

Ihr glücklichster Moment als Blogger?

Mir hat ein junge Frau eine Facebook-Nachricht geschrieben, um sich bei mir zu bedanken. Auf meiner Facebook-Fanseite von Lilies Diary hatte sie etwas kommentiert und ein Typ hat darauf geantwortet. Dann haben sie im privaten Chat weiter geredet, sich getroffen, verliebt, sind zusammen gezogen und bald kommt ihr Kind auf die Welt. Ich hoffe, es heißt Christine, wenn es ein Mädchen wird.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?

Ich kann alles und muss nichts.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?

Ich würde gerne Alkohol trinken und mich am nächsten Tag noch an die Gespräche erinnern können.

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

Ich kann mir schlecht die nächste Woche in meinem Leben vorstellen, deswegen bin ich mit der Frage, was im nächsten Leben passieren soll, überfordert.

Ihre größte Extravaganz?

Einen Tag nichts machen. Nur dasitzen und im Idealfall das Meer oder die Berge anschauen.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Ich sitze im Zug. Wir haben 66 Minuten Verspätung. 20 Minuten wegen Personen auf dem Gleis, 15 Minuten, weil sich die Strecke auf ein Gleis verengt, weitere 16 Minuten, weil wir auf einen Anschlusszug warten, und eine Umleitung sind wir auch gefahren. Einerseits bin ich absolut genervt, andererseits sehr gespannt, welche Ausrede als nächstes kommt.

Ihr Motto?

Be as much person, as you can be.

(c) Dominik Butzmann

Proust-Fragebogen für Blogger (101)

Von 8. März 2014 um 07:00 Uhr

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Schönschrift hat uns in der Schule immer genervt, doch wer sie beherrscht hat, den haben wir zugegebenermaßen ein bisschen bewundert. Christian Goldemann zum Beispiel hatte immer ein Faible für die Kunst des schönen Schreibens. Als Jugendlicher experimentierte er mit Graffiti und Schriftzügen, später studierte er Grafikdesign, und schließlich schuf er mit “Typostrate” einen Blog, der ausschließlich von Typografie handelt. “Von Anfang an ging es bei Typostrate um die Liebe zur Schrift”, sagt Goldemann, der auf seinem Blog Leute porträtiert, Apps, Bücher und hübsche Zitate in verschiedenen Stilen vorstellt. Außerdem gibt es ein Typografie-Lexikon und viele verschiedene Schriftarten zum Download – jeder Aspekt des schönen Schreibens ist hier abgedeckt. Wer sich für Schriftarten begeistert, nach Inspiration sucht oder einfach Geschichten über kreative Köpfe lesen möchte, ist bei Typostrate sehr gut aufgehoben.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?

Ein Blog, auf dem man mit Leidenschaft und Spaß jeden Tag neue Artikel verfasst und dies sich auch auf die Leute überträgt.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?

Da ich keinen Blogger nachmache und in dieser Nische einer der Ersten bin – mit niemandem.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Typografie recherchieren, finden und posten.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Web- bzw. Grafikdesign praktizieren, neue Ideen entwickeln, Musik und meine Tochter.

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?

Nie. Die Unwahrheit lasse ich weg.

Ihr Lieblingsheld im Netz?

Wahre Helden werden durch Mut dazu gemacht. Doch Mut findet man nur in der Wirklichkeit.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?

Mein Vater.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen?

Ich schätze es, wenn Leute das anerkennen, was ich tue und mir mit offenen Augen und Herzen begegnen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen?

Ehrlichkeit, Zuhören, wahre Freude und Spaß aus sich selbst heraus.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten?

Foren. Hier wird oft grenzenlos und unproduktiv gelästert, kritisiert und zerrissen. Was bringt’s?

Was stört Sie an Bloggern am meisten?

Mich stören generell Blogger, die nur Trends nachmachen und keinen Schimmer haben von der Materie.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?

Meine Ungeduld.

Ihr glücklichster Moment als Blogger?

Wenn mich Zeitungen um Interviews bitten, wenn Design-Seiten mir auf Twitter followen oder wenn meine Posts die Menschen begeistern.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?

Das Leute anfangen Typografie als eigene Kunstform zu betrachten und ihre Augen im Alltag anders ausrichten.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?

Kalligrafische Raffinesse.

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

-

Ihre größte Extravaganz?

Fashion, aber momentan Sneaker.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Schlaflos wach.

Ihr Motto?

Als ich des Suchens müde wurde, erlernte ich das Finden!

(c) Rafael Wolsdörfer

Proust-Fragebogen für Blogger (100)

Von 1. März 2014 um 07:00 Uhr

Proust_100

Die Zeit vergeht so schnell: Der Proust-Fragebogen für Blogger wird an diesem Wochenende 100 Folgen alt. Als Jubiläums-Spezial haben wir die schönsten, witzigsten und originellsten Antworten in ausgewählten Kategorien gekürt. So viel können wir vorab verraten: Viele Blogger sind lustige Zeitgenossen. Weil wir sie auch stets nach ihrer gegenwärtigen Geistesverfassung gefragt haben, wissen wir, dass einige von ihnen müde, entspannt oder glücklich waren, als sie den Fragebogen ausfüllten (jeweils sieben). Wieder andere waren gespannt (sechs), gestresst (fünf), zufrieden, verwirrt oder optimistisch (jeweils vier). Und wer einzigartig sein wollte, der beschrieb seinen Geisteszustand mit den Adjektiven adrenalinesk, in Rave-Stimmung, wach mit leichtem Koffeindefizit, schwanger, in der goldenen Mitte, ansprechbar, urlaubsreif oder zurechnungsfähig. Die 99 Blogger aus der ganzen Welt haben sich für den Proust-Fragebogen wirklich ins Zeug gelegt. Hier sind ihre besten Antworten.

Best of “Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?”:

1. In den Antwort-SMSen an meine Eltern: Ja, es geht mir gut. Nein, wir sind im Urlaub in der Gegend in der keine Krisenherde herrschen, ja doch – die Sonnencreme ist längst eingepackt… (65)

2. Bei Postkarten. Da könnte ich eigentlich immer drauf schreiben: Keine Ahnung, was ich dir schreiben soll, aber liebe Grüße! Sonst selten. Ich übertreibe vielleicht gerne mal ein bisschen, damit sich Dinge toller anhören, als sie in Wirklichkeit sind. Oder lasse schlechte Dinge weg. Aber meistens schreibe ich die Wahrheit. (58)

3. – Jetzt gerade. Und wenn es die Höflichkeit erfordert. – Wenn ich auf Baby-Fotos reagieren muss.
 – Die Unwahrheit SCHREIBEN – das sehr selten. Die Unwahrheit SAGEN – da gibt es viele Fälle. (42)

4. Ständig, ich bin ja Schriftsteller. (3)

5. Ich versuche stets in der Logik der jeweiligen Fiktion zu bleiben. (91)

6. Am häufigsten lüge ich durch Schweigen. Indem ich nicht sage: „Hey, deine Bildershow wäre viel besser, wenn du die schlechtere Hälfte der Bilder gelöscht hättest.“ Oder: „Hier sind 20 Kommas, bitte benutze sie.“ Auch wenn es mir gelegentlich echt auf der Zunge liegt. (68)

7. Jedes Mal wenn ich vorgebe, objektiv zu sein. (5)

8. Geht es um Preußen Münster, fehlt mir jegliche Neutralität. (9)

9. Selbstverständlich immer, wenn die Wahrheit mich schlecht aussehen ließe. (71)

10. Stets und mit voller Überzeugung bei unangemessenen Fragen. (86)

Best of “Ihr Motto?”:

1. The difference between try and triumph is a little ‘umph’.
 (16)

2. – “Wer mir was vom goldenen Lebensabend quatscht, dem hau ich das Gebiss raus.” Leider nicht von mir, sondern von Klaus Kinski
. – Ha ha! Ich helfe mir auch mit einem Zitat: “Mehr Freude an der Frische.” (42)

3. Kein Motto – kein Druck. (50)

4. Warte nicht bis der Sturm vorüber ist, sondern lerne im Regen zu tanzen. (51)

5. Die Welt ist voll von Sachen, und es ist wirklich nötig, dass sie jemand findet. (Astrid Lindgren) (58)

6. „Tanzen”, sagte der Schafsmann. “Immer weitertanzen, solange die Musik spielt […] Und nicht darüber nachdenken, warum du tanzt. Versuche nicht, einen Sinn darin zu finden. Es gibt nämlich keinen.” (92)

7. Das Wichtigste im Getriebe ist der Sand. (93)

8. Ich lebe sehr streng nach dieser Vorgabe – sie war die Antwort für meine körperliche und geistige Gesundheit. 
24 Stunden am Tag: 
8 Stunden Arbeit, 
8 Stunden Freizeit, 
8 Stunden Ruhe. (98)

9. Go big or go home. (19)

10. Live a Little. (2)

Best of “Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?”:

1. Donald Duck. Diese durch keine noch so widrigen Umstände erschütterbare Zuversicht. (3)

2. Ich habe tiefste Bewunderung für alle, die es schaffen, trotz grober Hindernisse und Schwierigkeiten immer positiv zu denken. (13)

3. Die eigentlichen Helden sind doch Mütter, aber die hat ja jeder. Ich bevorzuge Lieblings-Antihelden. Zum Beispiel meinen Vater. Somit bleibt dann doch alles in der Familie. (36)

4. – …in der Wirklichkeit erst recht nicht. – Derjenige, der sich am erfolgreichsten um Hilfsbedürftige kümmert. Hilfe, jetzt klinge ich wie eine Miss-Wahl-Kandidatin
. – Die ihr Leben für andere riskieren. Und es ist mir egal, wenn ich wie eine Miss-Wahl-Kandidatin klinge. (42)

5. Auch der Typ, der den Ad-Blocker erfunden hat. Und natürlich Batman. (49)

6. Jeder, der es schafft, sich die Liebe zu den Menschen und zum Leben zu bewahren und sie weiterzugeben. (29)

7. Momentan: jeden Tag ein anderer. Nämlich jeweils derjenige, der mir die Tür aufmacht, um mit mir Kaffee zu trinken. (37)

8. Meine Eltern, die nach Jahrzehnten gemeinsamer Zeit und eines anstrengenden geteilten Arbeitslebens immer noch viel zusammen lachen. (17)

9. Mein Freund, der sieht gut aus und kann echt gut Schlagzeug spielen. (21)

10. Meine Mama. Hallo Mama! (81)

Best of “Ihre größte Extravaganz?”:

1. Nur sehr selten den Wecker zu stellen. (7)

2. Meinen sicheren Job verlassen zu haben, mein Haus verkauft zu haben und in die teuerste Stadt Amerikas gezogen zu sein und das alles mitten in der Wirtschaftskrise – um mich ganz meiner Photographie und meinem Blog zu widmen. (12)

3. Rückzug total. (61)

4. Alte Ölbilder von schicken Damen. (73)

5. Ich habe mir vor einigen Wochen mein erstes Auto angeschafft. 500 Euro. Rot. Brauche ich nur gar nicht. (89)

6. Ein Hut, komische Schuhe, Prosecco Grapefruit. (93)

7. Zwölf Becher Kaffee am Tag. (5)

8. Der unaufhörliche Glauben daran, dass alles irgendwie doch immer gut wird – und ich keinen Kaffee mehr trinke. (62)

9. Das zweite Paar Chloé-Sandalen, nachdem das erste dem Regen zum Opfer gefallen war. (26)

10. Niemals Parmesan auf die Spaghetti. Und gelegentlich abends eine Tasse Tee auf der Terrasse des Old Cataract Hotels. (3)

Proust-Fragebogen für Blogger (99)

Von 22. Februar 2014 um 07:00 Uhr

tine

Unter all den zauberhaften französischen Vokabeln hat das Wort “Inattendu” einen besonders schönen Klang. Es bedeutet “unerwartet, überraschend” – und gibt dem Blog von Tine Fleischer seinen Namen. Seit drei Jahren betreibt die 33-jährige Wahl-Schweizerin “Inattendu“, wo sie Schmuckstücke aus den Bereichen Design, Mode, Musik und aus anderen Welten sammelt. “Wenn ich etwas Schönes sehe, ist das für mich jedes Mal ein Glücksmoment, dann muss ich inne halten und schauen. Das kann dann eine Weile dauern, mein Umfeld kennt das schon”, sagt Tine. Und wenn man sie sich vorstellt, wie sie beim Spaziergang stehen bleibt und gedankenverloren etwas Schönes in ihrer Umgebung betrachtet, dann freut man sich ein kleines bisschen mit ihr.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?


Das wird es wahrscheinlich nie geben und das ist auch gut so.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?


Mit denjenigen, die auch einfach mal nichts schreiben.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung? 


Kommunizieren, recherchieren, Warenkörbe voll machen, Warenkörbe wieder leeren.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Skifahren.

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?


Auf die Frage „Rauchen Sie?”

Ihr Lieblingsheld im Netz?


Tim Berners-Lee.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?


Meine Eltern natürlich.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen?

Offenheit, Freundlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und Kreativität.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen?

Neben den bereits oben genannten: Körperlichkeit.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten?

Wenn ich keins habe. Außerdem der allgemein nachlässige Umgang mit Quellenangaben und dass nichts in Vergessenheit gerät.

Was stört Sie an Bloggern am meisten?

Dass sie so fleißig sind und ich mich immer anstrengend muß, hinterher zu kommen.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?


Das leider nicht vorhandene Timing meiner unglaublichen Schlagfertigkeit.

Ihr glücklichster Moment als Blogger?


Wahrscheinlich mein Auftritt bei „It’s Fashion“. Ich kann das Video leider immer noch nicht anschauen, ohne einen Lachanfall zu kriegen. Aber glückliche Momente gibt es viele, ich freue mich jeden Tag über jeden Kommentar, jede Mail und jeden Klick.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?


Gleichgesinnte gefunden zu haben.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?


Ich würde unheimlich gern auf zwei Fingern pfeifen können.

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?


Wiedergeboren zu werden ist für mich keine Option.

Ihre größte Extravaganz?


Hardcover kaufen. Ich kann nie abwarten, bis die Taschenbuchausgabe erscheint. Und irgendwann möchte ich meine eigene Bibliothek mit Büchern bis unter die Decke, einem grossen Sessel und einer Leiter.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?


Voll da.

Ihr Motto?


In case of doubt: overdress.

(c) Tine Fleischer

Proust-Fragebogen für Blogger (98)

Von 15. Februar 2014 um 07:00 Uhr

jjjjound

Justin Saunders ist in Deutschland aufgewachsen, aber rechtzeitig in sein Heimatland Kanada zurückgekehrt, um die Highschool-Blödeleien nicht zu verpassen. Er lebt in Montreal, genießt die feinen Dinge des Lebens und bezeichnet sich selbst als leidenschaftlichen Ästheten. Im Jahr 2006 hat er seinen wortlosen Fotoblog JJJJound.com geschaffen, der ursprünglich nur seinen Freunden als Moodboard diente. Auf JJJJound.com findet sich ein bunter Mix aus Design und Mode bis hin zu Musik, Architektur und Landschaften. Justin Saunders hat ein Auge für die schönen Dinge in seiner Umgebung; er ist freischaffender Designer – und teilt seine Eindrücke auf seinem Blog.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?


Ein Blog, das mich immer wieder neugierig macht, neue Dinge zu erforschen.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?


Leider verzehre ich Blogs und das Internet ohne mir die Autoren anzusehen. Alles fließt anonym in einen Rss-Reader, oder kommt zufällig über die Google-Bildersuche zu mir.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung? 


Recherche natürlich – aber die ist mit Arbeit verbunden. In meiner Freizeit suche ich online gerne nach neuer Musik.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung? 


Kochen und Gartenarbeit lernen.

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?


Ich bezweifle, dass ich das tue.

Ihr Lieblingsheld im Netz?


Freiheitskämpfer.

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?


Ich denke, Freiheitskämpfer passen hier auch.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen?

Echtheit.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen? 


Dasselbe.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten? 


Dass das Netz kontrolliert und zensiert wird.

Was stört Sie an Bloggern am meisten?

Überhaupt nichts.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?

Ich könnte wohl mehr hiervon machen.

Ihr glücklichster Moment als Blogger?


JJJJound.com hat mir eine Menge Türen geöffnet, die New York Times hat mich angeheuert, ich durfte eine Ausstellung in Los Angeles zeigen… Ich wurde für viele Projekte angefragt, zu denen ich ohne JJJJound.com niemals gekommen wäre.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?

Ich freue mich, dass Image- und Moodboard-Blogs jetzt Teil unserer Kultur sind. Sie sind ein großartiger persönlicher und kreativer Weg, mit dem wir unsere Visionen ordnen können. Kreativität ist für die meisten von uns sehr verwirrend – eine Plattform zu haben, wo wir unsere Sicht der Dinge auch ohne finanziellen Aufwand veröffentlichen können, macht die Sache leichter.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?

Ich arbeite an meinem grünen Daumen.

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

Als ich selbst, aber mit besserem Haar?

Ihre größte Extravaganz?


Meine Zeit.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?


Es ist Winter in Montreal – ich existiere in diesen Tagen quasi nur zu Hause, und genieße die Behaglichkeit meiner Wohnung.

Ihr Motto?

Ich lebe sehr streng nach dieser Vorgabe – sie war die Antwort für meine körperliche und geistige Gesundheit.
24 Stunden am Tag:
8 Stunden Arbeit
8 Stunden Freizeit
8 Stunden Ruhe

(c) Thanh Truc Trinh

Proust-Fragebogen für Blogger (97)

Von 8. Februar 2014 um 07:00 Uhr

morgenmuffelin-1

Kälte, Schnupfen und Dunkelheit schon mitten am Nachmittag: Es gibt eine Menge guter Gründe, den Winter zu hassen. Gut, dass auf der anderen Seite Leute wie Mela Mörtenbäck da sind, die uns das Warten auf den Frühling, wärmere Temperaturen und den Sommerurlaub etwas versüßen. Auf ihrem Blog “morgemuffel.in” lässt die gebürtige Oberösterreicherin ihre Leser teilhaben an entspannten Städtereisen und malerischen Landschaften (auch Winterfreunde werden hier fündig). Mela sagt, sie sei “von ständigem Fernweh gepackt”, seit sie für ein Jahr in der Toskana studiert hat. Ihre Reiselust lebt sie nun in vollen Zügen aus – und jeder, der seine nächste Auszeit nicht mehr erwarten kann, wird auf ihrem Blog ein wenig entschädigt.

Was ist für Sie das vollkommene Blog?


Eines, das es durch seine Inhalte schafft, seine Leser immer wieder aufs Neue in seinen Bann zu ziehen.

Mit welchem Blogger identifizieren Sie sich am meisten?


Mit mir selbst. Mein Blog trägt meine persönliche Handschrift; ich identifiziere mich nicht mit anderen Blogs, auch wenn ich sie gerne lese. Ich bin jedoch ein Fan von Blogs, welche durch ihre Bilder und Geschichten Emotionen wecken und ihren Lesern zum Träumen verhelfen. Der Blog fernwehosophy.com von Elisaveta beispielsweise schafft genau dies jedes Mal, wenn ich auf ihrer Seite bin. Ihre Bilder sind einfach großartig und ihre Geschichten nehmen den Leser mit auf Reisen.

Was ist online Ihre Lieblingsbeschäftigung? 


Mich vom Hundertsten ins Tausendste verlieren – meist bedingt durch einen Tweet, ein aussagekräftiges Bild auf Pinterest oder sonstige Link-Tipps und Kommentare. Es gibt einfach zu viel Inspiration sowie lesenswerte Seiten im Netz.

Was ist offline Ihre Lieblingsbeschäftigung? 


Reisen und Fotografieren. Außerdem habe ich ein Faible für außergewöhnliche Hotelkonzepte und liebe es, diese zu erkunden.

Bei welcher Gelegenheit schreiben Sie die Unwahrheit?


Nie. Da verschweige ich doch lieber das ein oder andere kleine Detail.

Ihr Lieblingsheld im Netz?


Jack Dorsey – immerhin verdanken wir ihm Twitter. Und mal ehrlich: Was wäre das Internet ohne Twitter?

Ihr Lieblingsheld in der Wirklichkeit?


Piloten.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie im Netz begegnen?

Die Offenheit und das Interesse, mit denen sie fremden Menschen begegnen. Offline vermisse ich diese Eigenschaften regelmäßig.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Menschen, denen Sie in der Wirklichkeit begegnen? 


Respektvoller Umgang miteinander und – wenn vorhanden – ehrliches Interesse am Gegenüber.

Was mögen Sie im Netz am wenigsten? 


Dass manche Menschen meinen, sich hinter ihrer Anonymität verstecken zu müssen und vorgeben jemand zu sein, der sie nicht sind.

Was stört Sie an Bloggern am meisten?

Solange sie authentisch bleiben und aus der Freude am Bloggen bloggen, nur wenig. Mich stört jedoch, dass in jüngster Zeit viele Blogs aus der Taufe gehoben werden, weil ihre Betreiber dadurch kostenlose Produkte und Reisen wittern.

Was stört Sie an sich selbst am meisten?

Ich bin zu ungeduldig.

Ihr glücklichster Moment als Blogger?


Zu sehen, wie meine Bilder und Geschichten als Inspiration für andere dienen. Außerdem habe ich das unglaubliche Glück, durch meinen Blog Orte auf dieser Welt sehen zu dürfen, welche ich ohne meinen Blog vielleicht nie gesehen hätte.

Was halten Sie für Ihre größte Errungenschaft als Blogger?

Mit meinem Blog selbst eine Inspirationsquelle für andere geschaffen zu haben.

Über welches Talent würden Sie gern verfügen?

Mehr Geduld an den Tag legen. Zählt das als Talent?

Als welcher Blogger möchten Sie gern wiedergeboren werden?

Wenn schon Wiedergeburt, dann nicht als Blogger, sondern als eine Person mit völlig anderen Vorlieben und Interessen. Nochmal dasselbe in grün? Langweilig!

Ihre größte Extravaganz?


Die paar Euro mehr auf Reisen, um nicht einfach nur eine günstige Übernachtungsmöglichkeit zu haben, sondern in einem Hotel zu schlafen, welches ich mir in den Kopf gesetzt habe.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?


Müde. (Nicht umsonst Morgenmuffelin.)

Ihr Motto?

„I haven’t been everywhere, but it’s on my list“ – Susan Sontag.

(c) Mela Mörtenbeck