Anfangs faszinierend kaputt, neuerdings mit Sinn für Arrangements: Die Kopenhagener Band macht auf ihrer Tour einen Zwischenstopp im Uebel & Gefährlich.
Dieses Quartett aus Kopenhagen strahlte schon eine gewisse Faszination aus, als man sie noch gar nicht verstand: Im Jahr 2008 gegründet, klang der wild um sich schlagende Punk der Band um Sänger und Gitarrist Elias Bender Rønnenfelt in ihrer Anfangszeit zwar kaputt und intensiv, aber nicht gerade schön oder besonders nachvollziehbar. Nach New Brigade und You’re Nothing legt nun das kürzlich erschienene dritte Album der Dänen, Plowing Into The Field Of Love, in bislang nicht gekanntem Maß Wert auf Songwriting und Arrangement. Überraschenderweise schleicht sich hier sogar erstmals eine gewisse Wärme in die Stücke. Nichts gegen das Frühwerk der vier Jungs, aber diese etwas sortiertere Version von Iceage ist die bislang beste. Und ihr Konzert im Turmzimmer des Uebel & Gefährlich wird sicher gut besucht sein.
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Der Designmarkt im Karoviertel lädt zum gemütlichen Bummeln mit frischen Waffeln und gutem Kaffee. Dort erhält man reichlich Inspiration für den eigenen Wunschzettel.
Einfach nur Hübsches bis Nützliches zum In-Tüten-packen und Mit-nach-Hause-nehmen gibt es am Samstag und Sonntag beim Elbrausch Designmarkt im Karoviertel. Rund 70 Aussteller aus dem ganzen Land überbieten sich hier am 22. und 23. November gegenseitig mit ihren Ideen aus den Bereichen Schmuck, Wohnaccessoires, Illustration, Möbel und Textilien. So könnte das ein oder andere früh gefundene Weihnachtsgeschenk unter den Bäumen dieser Stadt landen. Oder man macht sich selbst eine Freude – ist ja schließlich erst November … Das Elbrausch-Art-Kollektiv hat eine Reihe an Designern ausgesucht, die in Hamburg schöne Dinge fertigen – darunter das LabelAhoi Meise mit handgedruckten und illustrierten Produkten, die Fahrradfolierer Mooxibike, das auf St. Pauli beheimatete Modelabel XXII Streetwear und Schmuckdesignerin Katja Schian.
Konzept-Rock der etwas anderen Art: Das haarige Quartett aus Australien spielt seine bärtigen Heavy-Blues-Nummern live im Knust.
Freiwillige Beschränkung ist in Sachen Rockmusik manchmal der Kreativität förderlich, etwa, wenn Bands bloß mit Gitarre und Schlagzeug auskommen oder ihre Songs grundsätzlich live einspielen. Die Idee, nur noch Songs über Bärte zu schreiben, gehört da sicherlich auch irgendwie dazu. Unfassbare vier Alben mit etlichen Songs haben die großzügig gesichtsbehaarten Australier verfasst, an Einfällen mangelt es ihnen nicht: Songs wie If Your Dad Doesn‘t Have A Beard, You’ve Got Two Mums, You Should Consider Having Sex With A Bearded Man oder Damn That‘s A Nice Beard zeigen den glattwangigen Muttersöhnchen dieser Welt, wo der Rasierer hängt – und gefälligst hängen bleibt. Die Musik dazu ist bierseliger Blues- und Heavy-Rock, der das Testosteron frei fließen lässt, und bei aller gewollter Dämlichkeit auch noch seltsam eingängig ist. Der Witz hat zwar den sprichwörtlichen Bart, aber warum sollte ausgerechnet der keinen haben?
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Das Drama im Lichthof Theater hinterfragt die deutsche Einwanderungspolitik am Beispiel der Abschiebung einer fünfzehnjährigen Roma in den Kosovo.
Die fünfzehnjährige Elvira hat keine Erinnerungen mehr an das Land, aus dem ihre Familie einst flüchtete, und doch muss sie dorthin zurück. Allerdings ist sie als Roma auch in ihrer vermeintlichen Heimat Kosovo fremd und unerwünscht. Der Autor und Dramaturg Björn Bicker erzählt in seinem mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichneten Stück die realistische Geschichte einer Abschiebung. Im Lichthof Theater inszeniert Harald Weiler nun Deportation Cast mit Ulrich Bähnk, Parbet Chugh, Wicki Kalaitzi und Wiebke Wackermann, die sich insgesamt zwölf Rollen teilen. Mit dieser Vorgabe wollte Björn Bicker nicht etwa an der Besetzung sparen, sondern zwei Familien und damit zwei Welten gegenüberstellen – beide von deutscher Einwanderungspolitik betroffen. Auf der einen Seite steht die Familie von Elvira, auf der anderen die deutsche Familie ihres Freundes, die ebenfalls ihren Teil zu der Abschiebung beiträgt. Deportation Cast handelt von der Brutalität eines Systems, das Menschen ausgrenzt, jedoch keine Schuldigen kennt. Aber es ist mehr als nur Abschiebedrama. Explizit werden die Folgen nationaler Grenzziehungen thematisiert. Die große Romantik einer innereuropäischen Mentalität auf Kosten einer massiv verteidigten Grenze wird infrage gestellt – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger. Das Stück soll keine Moralpredigt werden, sondern eine Frage stellen, die sich die Zuschauer selbst beantworten müssen.
Die Ausstellung zum „crossover art project“ der Hamburger Designerin Brigid Anderson eröffnet am 21. November im Ausstellungsraum Grindelallee.
Schon der Name des Projekts lockt einen ins Grindelviertel. Mettwurstmama grrr nennt sich das „vegane Collective“ um die in Hamburg wohnende Designerin Brigid Anderson, das sich im Cross-over zwischen Malerei und Multimedia versucht. Beständig haben M. Giltjes und Stefanie Koerner, Brigid Anderson und Hugo Mayer ihre Leinwände ausgetauscht, um die jeweils anderen Künstler drüber-, drauf- und dranmalen zu lassen. Die einzige Vorgabe, die es dabei gab: Am Ende darf niemand sauer über das Resultat sein. Was bei diesem crossover art project (zu dem neben den oben genannten noch weitere „special guests“ eingeladen wurden) herausgekommen ist, wird ab dem 21. November in der Grindelallee 117 gezeigt. Die Ausstellung läuft noch zwei Wochen. Finissage ist am Freitag, den 5. Dezember ab 19 Uhr.
Beim Benefizkonzert für die Opfer in der Ukraine steht unter anderem das ukrainische Kunstlied im Mittelpunkt. Der Verein EuroMaidan NRW sammelt Geld- und Kleiderspenden.
Neben Werken von Mozart, Puccini und Stradella bietet dieser Konzertabend eine seltene Gelegenheit, die ukrainische Klassik für sich zu entdecken – und das für einen guten Zweck. Seit einem Jahr lesen wir Schreckensnachrichten aus der Ukraine. Zahlreiche Menschen verloren in den Kämpfen ihr Leben, hinterließen Frauen und Kinder. Viele von ihnen erhalten keine staatliche Unterstützung. Um dem kriegsgeschüttelten Land zu helfen, spielen ukrainische Musiker aus Hamburg und Umland zugunsten der Betroffenen. Die gesammelten Spenden werden vom Verein EuroMaidan NRW in die Ukraine gebracht. Gebeten wird sowohl um Geldspenden als auch um Kinderkleidung, die vor dem Konzert abgegeben werden kann. Der erste Teil des Abends steht im Zeichen der klassischen Musik, im zweiten Teil erklingen lyrischer Gesang und das ukrainische Kunstlied. Die Opernsänger Natalia und Illya Prysiazhniuk sowie Andrey Valiguras und Julia Böttcher bieten unter anderem die Werke von Mozart, Puccini, Brahms, Stradella und Mykola Lyssenko dar. Instrumental wird das Konzert vom Violinisten André Böttcher und der Hamburger Pianistin und Stipendiatin der Brahms-Stiftung, Olesya Salvytska, gestaltet. Zur Begrüßung spricht der ukrainische Generalkonsul in Hamburg, Yuriy Yarmilko, ein paar Worte.
Die House-Experten aus Thüringen laden zum Showcase ins Docks. An den Pults: Mathias Kaden, Douglas Greed, das Krause Duo und andere.
Mal ganz ehrlich: Auf ein Motto wie Freude am Tanzen kann man sich doch wohl universell einigen, oder? Das Jenaer Elektronik-Label trifft mit diesem Namen jedenfalls voll ins Schwarze. Zum Showcase im Docks bringen die Thüringer Dance-Experten ihre Schützlinge Mathias Kaden und Douglas Greed (Foto) samt Bandkollegen Nagler und Kuss mit. Ersterer tourt regelmäßig um die Welt und ist zum Beispiel ein gern gesehener Gast bei Sven Väths Cocoon-Partys. Greed wird an diesem Abend seinen kürzlich bei den Kollegen von BPitch Control veröffentlichten Longplayer Driven vorstellen. Letzter im Bunde ist das für seine Marathon-Sets bekannte Krause Duo, bestehend aus Metaboman & Carlson Basu. Freude am Tanzen kommt da wahrscheinlich ganz von alleine auf – dazu sollte das DJ-Team kompetent und die Nacht lang genug sein.
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Die legendäre Band um Sänger und Gitarrist Frank Z. gibt sich im Hafenklang die Ehre: Das Vorprogramm bestreiten Taucher.
Es gab mal Zeiten, in denen man auf ein Konzert ging und glücklich sein durfte, wenn man nur mit einem blauen Auge davonkam. Blaue Augen gab es damals nicht nur vor, sondern auch auf und hinter der Bühne (je nachdem, wie „gewaltbereit“ das werte Publikum war und wie gut oder schlecht es von den auftretenden Bands bedient wurde). Der legendäre Clash-Riot in der Hamburger Markthalle im Jahr 1980 zählt zu den bekanntesten Beispielen dieses Phänomens. Die ersten Auftritte der Hamburger Band Abwärts fallen ebenfalls in diese Zeit. Berichten älterer Hamburger Punks zufolge war die Gruppe um Frank Z. jedoch selten betroffen, da ihre eigene Ausstrahlung schon bedrohlich anmutete: Neubautens FM Einheit an der Stahlpercussion, die düstere Schönheit der ausdruckstanzenden Geigerin Margita Haberland, Z.’s aggressive Stimme – da hat sich wohl keiner getraut, Stunk zu machen. Fast 35 Jahre später sind solche Szenarien kaum noch denkbar. Wer sich also die immer noch existierenden Abwärts in ihrer vierten Reinkarnation und ganz gefahrlos anschauen möchte, sollte am 21. November in den Hafenklang gehen.
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Das Zweipersonenstück über den Künstler Mark Rothko läuft noch bis zum 29. November in den Hamburger Kammerspielen.
Ein Genie, ein Hitzkopf und eine Legende. Gleichwohl war Mark Rothko zeitlebens einsam und depressiv, bis er mit 66 Jahren sein Leben beendete. Den Kern des Künstlerdramas bildet die Zusammenarbeit von Rothko und seinem fiktiven Assistenten Ken, der den Künstler zu verstehen sucht. 1958 bekommt Rothko den höchstdotierten Auftrag seines Lebens: Er soll für das New Yorker Vier Jahreszeiten eine Reihe von Wandbildern kreieren – für den menschenscheuen Rothko Segen und Fluch. Das Zweimannstück von John Logan, der für die Drehbücher zu Filmen wie Gladiator, Sweeney Todd und Skyfall bekannt ist, zeigt Rothko als Choleriker und Selbstzweifler. Nach seiner Broadway-Premiere wurde Rot mit Preisen überschüttet, darunter sechs Tony Awards. Die Titelrolle übernimmt Markus Boysen, Jacob Matschenz mimt seinen Gegenspieler. Michael Bogdanovs Inszenierung wurde bereits im letzten Jahr von Kritikern für ihre schauspielerische Intensität gefeiert.
Die junge australische Singer-Songwriterin eignet sich als neues Role Model für Slacker – nachzuprüfen am 20. November im Molotow.
Ein properes Debütalbum von Courtney Barnett steht noch aus, mit der Doppel-EP A Sea Of Split Peas hat sich die Australierin aber immerhin schon mal eindrucksvoll vorgestellt. Redseliger als eine Hip-Hop-Platte fügen die Songs schläfrigen Indierock mit eindrucksvollem Mitteilungsbedürfnis zusammen, etwa bei der gleichermaßen dunklen, komischen und romantischen Traumnacherzählung History Eraser oder der weggelachten Nahtoderfahrung Avant Gardener. Barnett hat einen lyrischen Schwung, der den Dylan-Vergleich sucht (und sich dabei gut behauptet), und eine selbstbewusste Schnodderigkeit, die an die junge Liz Phair erinnert. Dem gitarrenverliebten Schräglagenrock von Pavement und Sebadoh wird nebenbei auch noch gehuldigt. Das Image des liebenswerten Slackers ist ein bisschen aus der Mode gekommen, mit Courtney Barnett wäre mal wieder ein geeignetes Role Model vorhanden.
Text: Michael Weiland
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