Die mittlerweile selbst zur Legende gewordenen Black-Sabbath-Epigonen um Sänger Wino Weinrich rocken ihre Slow-Motion-Riffs im Knust herunter.
Born To Late lautet der Titel einer ihrer Schlüsselsongs. Und, in der Tat: Obwohl immerhin vor über 30 Jahren gegründet, waren die Mitglieder der Gruppe Saint Vitus auch Mitte der 1980er noch zu jung, um die besten Zeiten ihrer Vorbilder, Ozzy und Black Sabbath, mitbekommen zu haben. Und, wie sich die Geschichte wiederholt: Mittlerweile sind die in den letzten Jahren hinzugekommenen Fans von Saint Vitus zu jung, um die besten Zeiten des Quartetts um Sänger Wino Weinrich erlebt haben zu können. Die liegen nun mindestens 20 Jahre zurück. Aber da ihre Musik sowieso schon immer unglaublich retro war, tut das alles dem Vergnügen keinen Abbruch. Wie die letzten Hamburg-Gastspiele (und diverse YouTube-Mitschnitte der letzten Jahre) zeigen, ist hier noch längst nicht die Luft raus. Kein Wunder: Mit Heavy-Rock bei durchschnittlich nur 50 beats per minute kann man eben alt werden, ohne auch nur ein bisschen aus der Puste zu kommen.
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Das Museum für Völkerkunde wird für eine Woche zum „Mercadito“ mit Angeboten von Künstlern, Handwerkern und Organisationen aus aller Welt.
Zum 28. Mal verwandelt sich das Völkerkundemuseum ab dem 12. November in einen großen Markt der Völker. Über 60 Künstler, Kunsthandwerker und Hilfsorganisationen aus aller Welt stellen sich und ihre Produkte und Konzepte vor, bieten kulinarische Spezialitäten, Workshops und Vorträge an. Gemäß dem diesjährigen Motto Vamos al mercadito hält der Markt der Völker neben kulinarischen Spezialitäten auch ein buntes Rahmenprogramm ganz im Zeichen der lateinamerikanischen Kultur bereit. Zu den Highlights zählt unter anderem die Capoeira-Show Viva a Capoeira – Widerstand, Rhythmus & Bewegung am Samstag, den 15. November. Und natürlich wird es auch ein buntes Angebot für die kleinen Gäste geben. Der Markt der Völker kann noch bis Sonntag, den 16. November, besucht werden. Am Mittwoch eröffnet er um 18 Uhr pünktlich zum Feierabend vieler Hamburger und schließt erst wieder um 22 Uhr.
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… And You Will Know Us By The Trail Of Dead: Die texanische Band präsentiert die Songs ihres mittlerweile neunten Albums.
An der Spur der Toten soll man sie erkennen. Wenn das nicht hilft, geht aber auch „kleinteiliges Fleißarbeit-Artwork“, „manisches Getrommel“ oder „haltloses Gitarrengeschwurbel“ – Trail Of Dead aus Texas haben aus Rockmusik eine Art Kunsthandwerk gemacht. Das letzte Album, Lost Songs, war für ihre Verhältnisse eine recht reduzierte Nummer, die darum umso dringlicher klang – wie ein bewusster Versuch, den Autopilot, der zielsicher auf die größtmögliche Gitarren-Eskalation Kurs nimmt, eine Weile abzuschalten. IX ist wieder opulenter, beinahe ein Rückfall, aber kein Absturz: wiedererkennbar Trail Of Dead, mitreißend, wenn auch ohne den genialischen Funken, der dem Jahrhundertwerk Source Tags And Codes (2002) damals Lebensatem einhauchte. Einerlei: Von allen Qualitätsschwankungen auf Platte bleibt die Durchschlagskraft der Band als Live-Act unbenommen.
Text: Michael Weiland
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Ein Initiativprojekt der Freien und Hansestadt Hamburg bringt Bewegung in das seit 1981 bestehende Programm „Kunst im öffentlichen Raum Hamburg“.
Das Projekt Stadtkuratorin Hamburg wurde von der Stadt Hamburg ins Leben gerufen, um dem Programm Kunst im öffentlichen Raum Hamburg neue Impulse zu geben. Wie und von wem werden öffentliche Räume in der Stadt heute definiert und wer wird in ihnen öffentlich? Längst haben Künstler Strategien entwickelt, die sich nicht mehr in die traditionellen Kategorien und Begriffe der Kunstgeschichte fassen lassen. Die politischen Proteste in den Städten sind zu einer eigenen Kunstform geworden. Hier setzt das Projekt Stadtkuratorin Hamburg an und untersucht die Zusammenhänge zwischen Stadt, Kunst und Politik. Im Mai 2014 fand zum Auftakt ein internationales Symposium in der HFBK statt und im September das erste Künstlerprojekt mit Georges Adéagbo. Seit dem 25. September 2014 stellen in der Reihe Stadtgespräch. Metropolitane Perspektiven internationale Künstler, Wissenschaftler und Aktivisten ihre Sichtweisen auf die Metropole Hamburg vor. Am 10. November lädt das Projekt zum Künstlergespräch mit Dan Perjovschi ins Kunsthaus.
Die Hamburger Indie-Rocker spielen die Songs ihres kürzlich erschienenen Albums „Wo Ist Die Euphorie“ live im Molotow. Support: Lafote.
Hamburger Schule, was ist nur aus Dir geworden? Gar nichts so verkehrtes, wenn wir mal ehrlich sind: Die Sterne haben dieses Jahr ein mehr als ordentliches Album abgeliefert, Blumfeld spielten eine beeindruckende Reunion-Tour und überhaupt kommt nach wie vor eine Menge guter Musik hierher. Aber wo ist das Neue, das Bilderstürmerische, für das man damals eben einen eigenen Begriff brauchte? Bei Trümmer findet man es auch nicht. Das ist nicht schlimm, ihr gleichnamiges Debüt macht sehr viel richtig: Paul Pötsch, Tammo Kasper und Maximilian Fenski spielen melodischen Indierock, Pötschs Texte sind sehnsüchtig, klug und beweisen mehr Haltung als das Gros deutschsprachiger Rockmusik. Eine Revolution ist das noch nicht, auch wenn Trümmer Widerstand predigen. Dass man das als Manko anmarkert, wo man andere Bands gar nicht erst mit derlei absurden Ansprüchen behelligt, hat einen einfachen Grund: Diesen Typen hätte man es fast zugetraut.
Text: Michael Weiland
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Der um seine Anonymität bemühte Kölner Musiker stellt sein beim Staatsakt-Label erschienenes neues Album, „Lob der Realität“, live auf Kampnagel K2 vor.
Die aktuelle Veröffentlichung von PeterLicht ist eine Doppel-Live-CD namens Lob der Realität – muss man sich auch mal trauen, der Wirklichkeit Komplimente zu machen. Die Platte demonstriert, dass der Mann auch live mit Band ziemlich gut ist und ein Repertoire von fast klassisch zu nennenden Songs hat. Ein bisschen fühlt man sich an die späten Blumfeld erinnert, die ihren älteren Stücken mitunter live ein etwas anderes Kleid anzogen: So klingt der unausweichliche Hit Sonnendeck von 2001 heute, nun ja, ein bisschen nach späten Blumfeld. PeterLicht ist der Rainald Grebe für Leute, die beim Anflug von Kabarett Reißaus nehmen: humorbegabt, aber in seiner Gesellschaftskritik eher poetisch und abstrakt – und deutlich kreativer. Zu seinem persönlichen Kunstbegriff gehört auch die etwas müde gewordene Anonymität des Musikers, aber die muss er nach all den Jahren eben weiter durchziehen.
Text: Michael Weiland
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Die Sammlung Falckenberg der Deichtorhallen präsentiert zeitgenössische chinesische Kunst (u.a. von Zhang Huan und Ai Weiwei) im Zeichen der Schrift.
Die China Time bestimmt Hamburg im Herbst – und das auch in der Sammlung Falckenberg der Deichtorhallen. Weil diese während der Ausstellung Secret Signs am Wochenende auch ohne Führung zugänglich ist, fällt auch die Vernissage auf einen Sonntag. Im Zeichen der Schrift steht die zeitgenössische Kunst, die dort gezeigt wird, die Kalligrafie feiert, aber auch mit ihr bricht. Die Ausstellung, die am 9. November eröffnet wird, vereint zwei- und dreidimensionale Werke in verschiedenen Medien: Schriftkunst, Fotografie, Videos, Installationen und Objekte. Sie beginnt mit Werken aus den 1980er Jahren und reicht bis zu künstlerischen Werken, die speziell für diese Ausstellung konzipiert wurden (beispielsweise von Ai Weiwei). Weitere namhafte Künstler der Ausstellung sind u.a. Gu Wenda, Xu Bing, Qiu Zhijie, Wu Shanzhuan und Zhang Huan.
Zugunsten des ambulanten Kinderhospizdienstes Familienhafen e.V. präsentieren Entertainer in Alma Hoppes Lustspielhaus ihr Programm.
Mit einem Lächeln sammeln am 9. November die Kabarettisten Kerim Pamuk, Sebastian Schnoy (Foto) und Alma Hoppe sowie Sängerin Katie Freudenschuss Spenden für den Verein Familienhafen, der Kinder und ihre Familien ambulant nach der Diagnose einer unheilbaren Erkrankung in der neuen, belastenden Lebenssituation unterstützt. Das erwartet die Besucher an Witz und Ironie: Der Hamburger Historiker Sebastian Schnoy kommentiert die Weltgeschichte, Kerim Pamuk steckt voll anatolischem Weltschmerz sowie deutschem Gejammer und führt mit seinem Programm Burka & Bikini „das Vertraute im Fremden und das Fremde im Vertrauten vor Augen“, Katie Freudenschuss präsentiert ihre emotionalen Songs, Alma Hoppe legt sich in Sachen Satire ins Zeug – zudem werden Malereien von Liliane Sommer und Beate Böttcher versteigert.
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Manufakturen bieten im Freiluftmuseum am Kiekeberg ihr selbstgemachtes Naschwerk an. Für Kinder gibt es ein Mitmachprogramm.
Kleiner Appetizer auf die Weihnachtsmarktsaison gefällig? Zumindest ein buntes Potpourri an Naschkram findet man am süßen Sonntag im Freilichtmuseum Kiekeberg. Von 10 bis 18 Uhr bieten hier am 9. November rund 25 Manufakturen und Aussteller ihre Waren auf dem Süßwaren-Markt an. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen, wenn vor Ort filigrane Zuckerfiguren entstehen, die Mitarbeiter der Lüneburger Bonbonmanufaktur ihre Süßigkeiten drehen, Kinder süßes Stockbrot backen und bunte Knallbonbons basteln. Der ehemalige Obermeister der Konditoreninnung Hamburg, Dierk Eisenschmidt, erklärt sein Handwerk und als obligatorischer Bildungsblock fungiert eine Ausstellung im „Agrarium“, in der man erfährt, wie sich viele unserer Lebensmittel zusammensetzen.
In Wolfram Lotz‘ Stück zeigt die Moderne ihre hässliche Fratze während einer Reise an das Ende der Menschlichkeit auf der Bühne des Thalia in der Gaußstraße.
Frei nach Joseph Conrads Herz der Finsternis und Coppolas Apocalypse Now fahnden zwei Soldaten der Bundeswehr im Hindukusch nach einem abtrünnigen Oberstleutnant, der im Wahn zwei Kameraden tötete und verschwand. Sie sollen den Dysfunktionalen beseitigen. Es ist eine Reise an das Ende der Menschlichkeit, zu Tod, Krieg und Gewalt. Das Thalia in der Gaußstraße führt den Zuschauer gemäß seiner Leitidee „Theater im multinationalen Zusammenhang“ direkt in den dunklen Schlund der Globalisierung. Wie wird Regisseur Christopher Rüping diesen eigentlich als Hörspiel konzipierten „Zynismus in unverschämt naivem Gewand“ (Die Presse) auf die Bühne bringen? Am Wiener Akademietheater wurde Die lächerliche Finsternis kürzlich mit großem Kritikererfolg uraufgeführt, man darf auch hier auf ein unerhörtes Erlebnis hoffen.