Kulinarisches Comeback: Cornelia Poletto lädt zum Vier-Gänge-Menü mit Entertainment in den Spiegelpalast vor den Deichtorhallen.
Die neue Gastgeberin von Palazzo heißt Cornelia Poletto. Die prominente Hamburger Köchin serviert im Spiegelzelt vor den Deichtorhallen ein Vier-Gang-Menü auf Spitzenniveau, dazu wird nicht minder hochklassige Unterhaltung geboten. Das Konzept aus Entertainment und gehobener Küche hat – nach acht Jahren Pause – wieder einen Platz in der Hansestadt gefunden und liegt wieder (oder immer noch?) im Trend. Die Beliebtheit von Kochshows ist schließlich ungebrochen, auch wenn Palazzo das Thema ein bisschen anders angeht: Die gute Küche ist das eine, die Show etwas ganz anderes. Auf den Tisch kommen Lachsrücken, Parmesansüppchen, Holsteiner Kalb und Karamellapfel, auf die Bühne die Lovely Bastards: Das Moderatorentrio Daniel Reinsberg, Andreas Wessels und Aron Eloy verzaubert das Publikum mit Bauchrednerei, Zaubertricks, Artistik und Musik. Da sind nur gute Zutaten drin!
Londoner Clubsound einmal rund um die Welt: Auf seiner Tournee macht Aaron Jerome einen Zwischenstopp im Hamburger Uebel & Gefährlich.
Aaron Jerome, der Kopf hinter SBTRKT und der dazugehörigen Maske, ist ein geschmackvoller Handwerker: Aus Soul, R ’n’ B und allerlei Clubmusik von Dubstep über House zu Techno bastelt der Brite immens basslastige Tracks, die ältere Zuhörer mitunter in grasvernebelten Trip-Hop-Zeiten schwelgen lassen. Dazu kann allerdings häufiger getanzt werden als zu den entschleunigten Verzweiflungsbeats aus Bristol: SBTRKTs Musik kommt aus Londons Clubs und will auch wieder dorthin. Zusammen mit seinem treuen Mitstreiter Sampha am Mikrofon trägt er den Sound einmal rund um die Welt, mit Zwischenstopp in Hamburg. Revolutionär neu klingt auch das aktuelle Album Wonder Where We Land nicht – dafür steckt zu viel vertrautes Erbmaterial drin. Der gewiefte Zusammenbau mutet aber erstaunlich frisch an.
Text: Michael Weiland
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Die Sängerin aus Kassel präsentiert die Songs ihrer neuen EP „Heroes“ live im Molotow. Im Vorprogramm: das Hamburger Duo Joco.
Fans des Hamburger Audiolith-Labels dürfte der Name Ira Atari längst bekannt sein. Dort veröffentlicht die mittlerweile 37-jährige Kasslerin seit 2009 ihre Platten – anfangs noch in Begleitung des Musikers Rampue, seit 2011 als Solo-Künstlerin. Shift, ihr letztes Album, entstand unter der Produktionsleitung von Frittenbudes Jakob Häglsperger. Danach folgten mehrere Singles und EPs, die dafür sorgten, dass Ira Atari ihre Bekanntheit in der Republik ausbauen konnte. Mit Heroes steckt nun eine weitere EP in der Pipeline, was der Grund dafür sein dürfte, dass sich Mrs. Atari (die mit bürgerlichem Namen Ira Anika Göbel heißt) wieder einmal auf Tournee begibt. Unterstützt durch den Schlagzeuger Bernhard Raser führt sie die Konzertreise unter anderem ins Hamburger Molotow. Im Vorprogramm: das Hamburger Duo Joco.
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Das Klangforum Wien spielt beim Festival für zeitgenössische Musik auf Kampnagel – Support von Sopranistin Marisol Montalvo und Dirigent Sylvain Cambreling.
Auch Neue Musik hat ihre Klassiker: So gilt der Schweizer Beat Furrer als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten, folgerichtig ist ihm der Eröffnungsabend des Festivals Greatest Hits auf Kampnagel gewidmet. Zu Gast ist das Klangforum Wien, ein von ihm 1985 gegründetes Ensemble, das sich über die Jahre Weltrang erspielt hat. Die Solisten werden dabei unterstützt von der amerikanischen Sopranistin Marisol Montalvo. Unter der Leitung des Ersten Gastdirigenten Sylvain Cambreling spielt das Kammerorchester Stücke von Georges Asperghis, Reinhard Fuchs, Edgar Varèse und natürlich Furrer. Der beschreibt seine Musik als „den Raum zwischen Sprache und Stimme“, eine Vorgabe, die dem gesamten Abend eine thematische Klammer verleiht: Montalvo darf bei Varèses Offrandes ihre gesamte Stimmkraft zeigen, während Furrers ira – arca geräuschvolles Ein- und Ausatmen verlangt. Die Auseinandersetzung mit Klang und Gesang ist der Auftakt für vier spannende Festivaltage im Zeichen der Avantgarde.
Text: Michael Weiland
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Jeder zehnte Isländer besitzt ein Album des Singer-Songwriters. Nun ist der Sohn eines Dichters für ein Konzert zu Gast im Uebel & Gefährlich.
Der Isländer Ásgeir Trausti ist in seiner Heimat längst ein Superstar. Wobei Superstar in diesem Zusammenhang weder als Euphorismus noch als Castingshow-Siegertitel zu verstehen ist. Superstar meint im Hinblick auf den smarten Singer-Songwriter, dass rund jeder zehnte Isländer sein Album In The Silence besitzt und es damit die bestverkaufteste Debütplatte des Landes ist. Zugegeben, diese Statistik hört sich beeindruckender an, wenn man nicht weiß, dass der Inselstaat gerade einmal knappe 326.000 Einwohner beherbergt – ähnlich viele wie Bielefeld. Dennoch: Ásgeir Trausti erspielt sich auch hierzulande eine wachsende Fangemeinde. Der Mann kann halt mit Worten und Tönen umgehen, ganz sensibel. Seine Songs klingen zerbrechlich und wären der perfekte Soundtrack für einen Kurzfilm, in dem eine Knospe ganz langsam aufgeht und erblüht. Dieses Gefühl wurde ihm in die Wiege gelegt – schließlich ist sein Vater der Dichter Einar Georg Einarsson.
Text: Miriam Mentz
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Rasmus Gerlach begleitete über mehrere Monate die Gruppe der Lampedusa-Flüchtlinge auf St. Pauli mit der Kamera – sein Film zeigt Solidarität und Ablehnung.
Fast eineinhalb Jahre ist es nun her, dass Pastor Sieghard Wilm einer Gruppe von 80 Westafrikanern in der St. Pauli Kirche Unterschlupf bot. Mit Booten übers offene Meer vor dem Bürgerkrieg in Libyen nach Lampedusa geflüchtet, in Italien mit Touristenvisa ausgestattet und weitergeschickt, landeten die sogenannten Lampedusa-Flüchtlinge im Juni 2013 in Hamburg. Während niemand so genau wusste, wohin mit den Menschen, die von offizieller Stelle weder geduldet noch versorgt wurden, entwickelte sich im Stadtteil St. Pauli eine besondere Form der Solidarität. Filmemacher Rasmus Gerlach zückte seine Kamera und begleitete die Lampedusa-Gruppe. In seinem Film Lampedusa auf St. Pauli zeigt er, wie Nachbarn beim Wäsche waschen helfen, ältere Damen Deutsch unterrichten und Kiez-Türsteher die Kirchentüren bewachen. Bis heute hat die Stadt keine dauerhafte, humane Lösung für die Flüchtlinge gefunden. Mit dem Film liefert Gerlach einmal mehr Argumente dafür, dass Zusammenhalt viel schönere Früchte trägt, als eine verkopfte Bürokratie es je könnte.
Text: Miriam Mentz
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Die australischen Geschwister sind musikalisch wieder vereint und präsentieren ihr neues Album in der Großen Freiheit 36 – das Konzert ist bereits ausverkauft.
Zuletzt machten Angus und Julia Stone beide eine Weile ihr eigenes Ding. Mit The Memory Machine und By The Horns verwirklichte Julia sich solo, während Angus von seinem ersten „richtig eigenen Album“ Broken Brights erzählte. Hätte es die Zeit davor, in der die Australier gemeinsam Songs wie Big Jet Plane oder For You geschrieben haben, nicht gegeben, man hätte sich über diese schönen Songwriter-Platten gefreut. So schien aber immer etwas zu fehlen. Dass wir uns nun wieder über ein gemeinsames Werk der Geschwister freuen dürfen, ist nicht zuletzt Starproduzent Rick Rubin zu verdanken. Und würden wir ihm heute über den Weg laufen, wäre ein spontaner Kniefall absolut gerechtfertigt. Mit ihrem neuen Album schließen die Stone-Geschwister genau dort an, wo sie uns damals mit sehnsuchtsvoll pochenden Herzen haben sitzen lassen, dort wo innige Liebe, Melancholie, Sonnenaufgänge und leise Melodien ihre Schnittmenge bilden. Die Tickets für das Konzert in der Großen Freiheit 36 sind bereits vergriffen.
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In der Galerie Affenfaust hängen die Bilder von Graffiti-Künstler Flying Förtress. Auf einem uriniert eine Sprühdose bunt gegen eine weiße Mauer.
Selten wurde so deutlich sowohl Loyalität als auch Ablehnung gegenüber der Graffitiszene demonstriert, wie nach dem Tod von Sprayer OZ im September auf den Hamburger S-Bahn-Gleisen. Auch Flying Förtress ist Sprayer aus Leidenschaft. Er veredelte für seine aktuelle Ausstellung Will spray for good keine Fassaden sondern Leinwände. „Mit Pinsel und Acrylfarbe bringt er die Sprühdose auf die Leinwand“, heißt es in der Ankündigung. Und tatsächlich ist hier das Traditionswerkzeug des gemeinen Sprayers das Motiv. Man sieht Sprühdosen, die bunt gegen saubere Wände urinieren. Oder Dosen, die als Großwildjäger gekleidet ihrer Beute nachstellen: Eisenbahnzügen. Flying Förtress spielt mit Street-Art-Klischees – und das schon ziemlich lange. Für die älteren Bilder standen noch ordinäre Industriefarbdosen Modell, mit gezeichneten D-Mark-Etiketten. Die Ausstellung in der Affenfaust ist noch bis zum 29. November zu sehen.
Nur nicht den Kopf verlieren: Das Kindermusical im Schmidt Theater schickt Norddeutschlands berühmtesten Seeräuber auf große Fahrt.
Pfiffikusse wissen: Das mit Störtebeker nimmt kein gutes Ende. Aber deswegen muss ja der Anfang nicht böse sein. Im Schmidt Theater werden die Kindertage des legendären Hamburger Piraten erzählt, der erst noch seinen Namen finden muss – mit viel Musik, Spaß und einer sprechenden Ratte. Sieben Darsteller in zahlreichen Rollen bringen mit vollem Körpereinsatz die fantastische Vorgeschichte des Jungen, der einmal Störtebeker sein wird, auf die Bühne. Dasselbe Team, das bereits die Schmidt-Kindermusicals Der Räuber Hotzenplotz und Es war einmal – 7 Märchen auf einen Streich erdacht hat, zeichnet sich für das Seeräuber-Abenteuer verantwortlich, in dem die Piraten eigentlich gar nicht so böse und alberne Wortspiele an der Tagesordnung sind. Natürlich ist das Ganze ein besonders großer Spaß für Kinder. Doch auch die Vorstellungskraft der Älteren wird von dem lustigen Freibeuterensemble ohne Gegenwehr gekapert und bis zum Schluss nicht losgelassen.
Heißkaltes Niemandsland: Mit ihrem fünften Album, „Taiga“, ist die US-amerikanische Elektronikmusikerin im Pop angekommen.
Eigentlich wollte Nika Roza Danilova von Kindesbeinen an Opernsängerin werden. Das Leben sieht aber manchmal andere Dinge für einen vor, als man sich das als Dreikäsehoch vorstellt. Beim Singen ist sie glücklicherweise geblieben: Ihr Künstler-Alias Zola Jesus bedient sich trotz vorhandener Stimmkraft weniger bei herkömmlicher Klassik als bei der Avantgarde-Sparte. Das Stimmwunder Diamanda Galás hat ihre Musik beeinflusst, ebenso schwieriger Noiserock wie Lydia Lunch oder Swans. Taiga ist ihr fünftes Album, das erste für das britische Traditionslabel Mute – und bekundetermaßen ihre erste Pop-Platte. Kalt und unzivilisiert sei die Taiga, der Wald unterhalb der Tundra, sagt die aus Wisconsin stammende Musikerin mit russischen Vorfahren, aber darum kein lebensfeindlicher Raum – ein unbehauenes Niemandsland, wie sie es auch mit ihren Songs erforscht. Die Maschinenkälte ihrer elektronischen Kompositionen füllt die Sängerin mit Wärme, manchmal gar Hitze: Die Single Dangerous Days ist ein aufbrausender Popsong, der so eingängig wie kompromisslos ist. Aus dem Kindertraum mag nichts geworden sein, aber die Wirklichkeit ist auch nicht schlecht.
Text: Michael Weiland
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