Zusammenbruch, Klinik, Diagnose: Depression – Der Comedian und Bestseller-Autor präsentiert seinen schwarzhumorigen Erfahrungsbericht live im Nochtspeicher.
Oliver Polaks neues Buch Der jüdische Patient ist weniger die Fortsetzung seines Bestsellers Ich darf das, ich bin Jude, als eher die unbeabsichtigte Konsequenz: Der Comedian, der das Erfolgsbuch als Bühnenprogramm landauf-landab spielte, Interviews gab und Lesungen hielt, konnte irgendwann nicht mehr. Zusammenbruch, Klinik, Diagnose: Depression. In seiner aktuellen Show konfrontiert Polak sein Publikum wieder mit dem eigenen Unbehagen, diesmal zu einem anderen Tabuthema: Über psychische Krankheiten spricht man schließlich nicht, jeder ist doch seines eigenen Glückes Schmied, oder nicht? Nein. Dass Depression eine Krankheit ist, die sich der Betroffene genauso wenig ausgesucht hat wie der Krebsleidende, erforscht Polak in seinem schwarzhumorigen Erfahrungsbericht aus der Psychiatrie. Er findet eine Gesellschaft mit kranken Vorstellungen von „gesund“ vor und räumt mit Vorurteilen auf: witzig, schonungslos und leider immer aktuell.
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Die beliebten Retro-Rocker aus dem schwedischen Borlänge präsentieren die Songs ihres aktuellen Albums, „Aelita“, live in der Sporthalle.
Der mit Soul durchzogene Retro-Garagenrock der schwedischen Band Mando Diao hatte sich anscheinend irgendwann totgelaufen. Deswegen traten die beiden Köpfe, Sänger und Gitarristen Björn Dixgard und Gustaf Norén im Jahr 2009 aus lauter Langeweile dem Künstler-Netzwerk Caligola bei, um drei Jahre später das Album Back To Earth mit beklopptem Disco-Pop herauszubringen, das in Deutschland und Schweden immerhin fast in die Top Ten der Albumcharts gelangte. Der schlechten Ideen nicht genug: Auf ihrem jüngsten Album Aelita klingen Mando Diao nach Achtzigern, Billy Idol und Elektrofunk. Doch Moment, die Umsetzung mutet gar nicht so übel an: hoch gepokert, und nicht mal komplett abgebrannt aus dem Kasino. Und: Immerhin hielt sich das im Mai dieses Jahres veröffentlichte Album ganze 18 Wochen auf Platz 1 der schwedischen Bestenliste.
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Unter dem Motto „Gegen?Öffentlichkeit!“ zeigt das Metropolis Kino vom 15. bis zum 23. November frühe Beispiele des engagierten Reportagekinos.
Ziemlich selbstverständlich stehen umstrittene Stadtentwicklungsprojekte wie Abriss und Neubau der Esso-Häuser heute im Mittelpunkt öffentlich geführter Debatten. Das war nicht immer so. Wer sich noch in den 1980er Jahren aus erster Hand über die hamburgische Art des Umgangs mit Altbausubstanz informieren wollte, war auf Besuche übel beleumundeter Video-Kaschemmen angewiesen. Im Störtebeker oder Sturzbach liefen dann Bänder wie Hospitalstraße 6, über Besetzung und Abriss eines Hauses in Altona (1980), und Terrible Houses in Danger, ein Selbstdarstellungsvideo aus der Hafenstraße (1985). Beide werden erneut am 28. November im Lichtmeß zu sehen sein – als „Zugabe“ zum Cinefest, das in diesem Jahr das weite Feld des filmdokumentarischen Schaffens im vergangenen halben Jahrhundert erschließt. Unter der kryptisch interpunktierten Headline Gegen?Öffentlichkeit! präsentiert es ab dem 15. November Filme, die sich einerseits einem politischen Selbstverständnis und Engagement der an ihnen beteiligten Filmemacher verdanken – andererseits aber auch den kameratechnischen Neuerungen seit den 1960er Jahren. Nach der Eröffnungsgala startet das reguläre Programm am 16. November um 14 Uhr mit Ein Film für Bossak und Leacock, in dessen Rahmen der Hamburger Dokumentarfilmer Klaus Wildenhahn auf seine beiden Lehrmeister trifft, den Polen Jerzy Bossak (1910-1989) und Richard Leacock (1921-2011), den Hauptvertreter des Direct Cinema in den USA.
Unnachahmlich und unersetzbar: Das Elektronik-Duo aus Köln lässt im Rahmen des „Greatest Hits“-Festival seine Beat-Ungetüme auf das Kampnagel-Publikum los.
„Unnachahmlich“ – wird häufig unbedacht zum Kompliment gemacht, selten ist es so wahr wie bei der Musik von Mouse On Mars: Die elektronische Musik des Duos klingt häufig nach einem aus dem Ruder laufenden Experiment, das dann noch die Kurve kriegt, unnatürlich eiernd, aber – es bewegt sich doch. Jan St. Werner und Andi Thoma bauen seit über 20 Jahren zusammen Tracks, mal als glücklich blubbernde Lieder, mal als brutal zerschrottende Beat-Ungetüme. Wollte man das imitieren, würde man sich aus den Setzkästen von Krautrock wie Can und Neu!, bei Stereolab und dem Abstrakt-Techno von Aphex Twin und Autechre bedienen. Würde es sich wie Mouse On Mars anhören? Irgendwie dann doch nicht. Die lange Pause, die Mouse on Mars vor der Comeback-Platte Parastrophics (2012) eingelegt hatten, bewies jedenfalls eines: Ein Ersatz für sie ist nirgends zu finden.
Text: Michael Weiland
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Leiser Folk, Emocore und Wehleid mit Beats: Tom Krell spielt seinen verträumten Elektronik-Soul live im Uebel & Gefährlich.
Der verzagte Elektronik-Soul von Tom Krell alias How To Dress Well gefällt nicht jedem: Eines der abschätzigsten Labels, die man für das Wehleid mit Beats gefunden hat, lautet PBR&B – ein Kofferwort, das aus dem vermeintlichen Hipster-Bier Pabst Blue Ribbon und Rhythm and Blues scherzhaft ein neues Genre macht (siehe auch: The Weeknd oder Frank Ocean). Mag sein, dass man damit eine Teilmenge von Krells Fans empfindlich trifft, dem Songwriter selbst dürfte es egal sein. What Is This Heart, seinem jüngsten Album, kann man jedenfalls nicht vorwerfen, irgendeiner Zielgruppe nach dem Mund zu reden: Ein überraschendes Intro ahmt flüsterleise Tracy-Chapman-Folk nach, andere Stücke sind hörbar von Neunzigerjahre-Emocore beeinflusst, alles eingebettet in einen verschwommen-verträumten Maschinensound. Wenn das Hipster-R&B ist, dann Prost!
Text: Michael Weiland
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Aufbruch mit Experimenten: Ernst Becherts „No Show“ eröffnet die neue Reihe für zeitgenössisches Musiktheater im Lichthof Theater.
Am Anfang war die Unzufriedenheit. 2012 monierte der Regisseur Hans-Jörg Kapp, dass zeitgenössisches Musiktheater in Hamburg im Gegensatz zum Sprechtheater ein Nischendasein führt: „Dabei ist Musiktheater gerade sehr facettenreich, mit Ansätzen aus bildender Kunst oder von Popbands, die theatralisch arbeiten.“ Zusammen mit dem Regisseur Frank Düwel hat Kapp den Wettbewerb Stimme X ausgeschrieben. Die Resonanz hat beide überrascht. „Mit den Bewerbungen hätten wir locker eine ganze Spielzeit bestreiten können. Das Niveau war wirklich sehr hoch“, freut sich Kapp. Kapp und Düwel, die beim Wettbewerb als Produzenten fungieren, werden vom Dachverband der freien Theaterschaffenden und dem Verband für aktuelle Musik unterstützt. „Wir haben sechs Projekte von Hamburger Künstlern ausgewählt, in denen Klang und Stimme zentral sind“, erzählt Düwel. Es wird viel experimentiert. Doch soll die Reihe kein intellektuelles Vergnügen für Eingeweihte, sondern für alle zugänglich sein. Von November 2014 bis Juni 2015 werden die Stücke an verschiedenen Orten gespielt. Eröffnen und schließen wird Stimme X im Lichthof Theater. Für den Eröffnungsabend am 14. November inszenierte der Komponist Ernst Bechert unter dem Titel No Show ein Spiel mit dem Zeigen und dem Zeigbaren. Zudem wird das Tryout wir/wir/wir von Leo Hofmann und Benjamin van Bebber gezeigt.
Die Gralshüter des Heavy Rock beehren noch ihre Hamburger Fans in der Sporthalle – letzter Aufruf für alle Zuspätgeborenen.
Der Papst ist katholisch. Tom Waits hat eine Reibeisenstimme. Und Motörhead sind ein Weltwunder von Band. Will da jemand widersprechen? Also: Bevor es der gute und vor allem alte Lemmy bald nicht mehr auf die Bühne schaffen sollte (da war ja in den letzten Jahren immer wieder etwas schwierig), sollten sich zu spät geborene Motörhead-Entdecker rechtzeitig eine Karte für dieses Konzert in der Sporthalle Hamburg besorgen. Zu erwarten ist – zum Glück – das Übliche: die beste Begrüßungsfloskel ever („We are Motörhead and we play Rock’n’Roll„), ein paar neuere Stücke, ein paar Zigarettenpausen (oder geht’s mittlerweile an die Sauerstoffmaschine?), ein paar unverzichtbare Evergreens (Ace of Spades und so weiter) und danach ein unprätentiöser Abgang ohne viel Trara. Alles andere wäre eine große Überraschung. Hingehen – könnte die letzte Gelegenheit sein.
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Dr. Thomas Sparr lädt zum Gespräch mit dem israelischen Autor und Siegfried-Lenz-Preisträger im Thalia Theater. Einführung: Günter Berg.
Wenn es um hebräische Literatur geht, ist Amos Oz eine weltweit unbestrittene Größe. Der 1939 in Jerusalem geborene Schriftsteller wurde häufig für seine sprachgewaltigen Erzählungen und Romane ausgezeichnet, in denen er psychologische Charaktertiefe mit schonungslosen politischen Analysen verbindet. Auch das essayistische Werk von Amos Oz zeichnet sich aus durch einen scharfen Blick auf Zeitgeschichte und die moderne Welt. Vor Kurzem wurde Amos Oz mit dem Siegfried-Lenz-Preis ausgezeichnet und ist damit der erste Preisträger der in diesem Jahr ins Leben gerufenen Stiftung. Die Jury, zu der unter anderem Ulla Hahn, Ulrich Greiner und Günter Berg gehören, lobte ihn für „die Verschmelzung von Zeitgeschichte und individuellem Schicksal“. Am Vorabend der Preisverleihung im Hamburger Rathaus ist Oz zu Gast im Thalia Theater. Im Gespräch mit Dr. Thomas Sparr vom Suhrkamp Verlag spricht er über das Leben in Israel sowie seine schriftstellerische Tätigkeit und liest im Anschluss aus seinen Werken. Günter Berg von der Siegfried Lenz Stiftung wird in den Abend einführen.
Der Hamburger Kinderbuchautor liest am Phorms Campus aus dem dritten Teil der Reihe „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“.
Finn-Ole Heinrich hat die frechste „Maulerin“ der Welt erfunden. Sie heißt Maulina und macht ihrem Namen alle Ehre, die junge Dame meckert ziemlich viel herum. Dazu hat sie allen Grund: Sie muss die Trennung ihrer Eltern verdauen und dann will ihre Mutter auch noch umziehen, weg aus dem geliebten „Mauldawien“ nach „Plastikhausen“. Da ist alles so steril, und es gibt überhaupt keine Kinder – auch nicht in der neuen Schule.
Der 32-jährige Kinderbuchautor liest auf dem Phorms Campus Hamburg aus dem jüngst erschienenen dritten Band seiner Trilogie Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt. Im Gegensatz zum Leben seiner Figur läuft bei Finn-Ole Heinrich gerade alles ziemlich glatt. Für ihn regnete es in den letzten Jahren Auszeichnungen – unter anderen ist er Preisträger des Deutschen Jugendliteraturpreises. Alle Kinder ab 10 Jahren sind herzlich zur Lesung eingeladen, kostenfreie Teilnahme – Anmeldung online oder telefonisch unter 040 / 325 370 50.
Hier kosten alle Werke zwischen 100 und 7.500 Euro – die Messe für „erschwingliche Kunst“ ist Plattform für internationale und Hamburger Galerien.
Zeitgenössische Kunst, die man sich leisten kann: Internationale Galerien präsentieren renommierte und noch unbekannte Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie – Günther Uecker, Damien Hirst, Daniel Richter und Barbara McQueen gehören dazu. Namensgebendes Merkmal (affordable = erschwinglich) aller zum Kauf angebotenen Werke ist, dass sie zwischen 100 und 7.500 Euro kosten und somit als bezahlbar gelten. Unter den 75 ausstellenden Häusern befinden sich erstmals auch einige Galerien aus Asien, unter anderem die Gallery Kitai aus Tokio und die White Birch Gallery aus Seoul. Im Programm der Kunstmesse stechen die neuen Art Talks hervor mit Kunstexperten wie Dirk Boll, dem Managing Director Continental Europe bei Christie’s. Lokale Nachwuchstalente wie Jana Schumacher, Verena Schöttmer und Mika Neu stehen im Rahmen der Emerging Artists Exhibition im Fokus. Zudem werden Hamburger Galerien bei der Affordable Art Fair zu Gast sein – beispielsweise die Affenfaust Galerie und die Mikiko Sato Gallery. Am Eröffnungsabend startet um 18 Uhr die Late View mit dem DJ-Kollektiv Lovegang und Drinks an der Hendrick’s Bar.