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MS Artville Manifest

Blütezeit der Kunststadt: Das Festival auf der Elbinsel zieht alle Register, um es zum krönenden Abschluss noch einmal richtig krachen zu lassen.

Beim Manifest zeigt das MS Artville sein wahres Gesicht. Als Höhepunkt des Festivals präsentiert sich hier das wachsende künstliche Stadtgebilde in seiner vorläufigen Blüte. Grund zum Feiern ist das allemal, und dafür haben sich eine ganze Reihe namhafter Garanten für hochwertige und hochprozentige Partys angekündigt. Jim Avignon aka Neoangin wird einen Auftritt hinlegen. Seine Shows, die Happenings zwischen Performance, Animationsdisco, DIY und Kunst sind, sollte man sich keinesfalls entgehen lassen. Außerdem dabei: King Rocko Schamoni & Tex M. Strzoda, Akaak, Martin Moritz und The Hairy Cowboy alias Sutsche, die Allah-Las, Mammút, Mint Mind und, und, und. Auf nach Wilhelmsburg, um sich mitreißen zu lassen!

 

Insel-Lichtspiele

In der Open-Air-Filmreihe auf der Veddel stehen alle Zeichen auf Punk: Highlight des Abends ist die Kultdokumentation „Punk in London“ von 1977.

Kino ohne Musik geht nicht! Da braucht man nur mal den Ton vom Lieblingsliebesfilm ausdrehen – und schon wirkt das ganze Drama nur noch albern. Das diesjährige Open-Air-Programm der Insel-Lichtspiele hat sich deshalb das Motto „Hauptsache Musik“ gegeben. Auf einem verwunschenen Gelände nahe dem S-Bahnhof Veddel und der BallinStadt zeigt der Verein Filme wie Berlin Calling (20.8.) oder Sound of Noise (23.8.). Am Samstag sind hier alle Sender auf Punkrock eingestellt: Als Warm-up laufen Videoclips aus verschiedenen Punk-Dekaden. Danach gibt es von Johnny Huhn, einem Wilhelmsburger One-Man-One-Guitar-Punkmassaker, was auf die Ohren, und ab 21.30 Uhr flimmert ein echter filmischer Leckerbissen über die Leinwand: Punk in London von Wolfgang Büld, der 1977 die große Punkrock-Explosion in England dokumentiert, eine Bestandsaufnahme der Szene mit zahlreichen Konzertmitschnitten und Interviews mit den Protagonisten der ersten Stunde, von The Clash über X-Ray Spex, The Lurkers und The Adverts bis zu Wayne County & The Electric Chairs und Miles Copeland. Hey Ho, Let’s Go!

 

Tropeninstitut feiert Fidel Castro

Zu Ehren des Ex-Präsidenten Kubas tischt das Tropeninstitut auf der „Hedi“ alles auf, was die afro-latino-karibische Musikszene zu bieten hat.

Unser Hafen ist berüchtigt: Tolle Aussicht, tolle Sonnenuntergänge, tolle Industrieromantik und tolle Partyschiffe. Davon hat auch Fidel Castro mitbekommen und deshalb feiert er hier am Freitag seinen Geburtstag. Okay, das stimmt so nicht, aber immerhin könnt ihr dafür seinen 89. Ehrentag auf der Frau Hedi feiern. DJ Basso Profundo, Don Diego „El Molestoso“ und Harm „El Superfino“ vom Tropeninstitut spielen zu Ehren des ehemaligen kubanischen Staatsoberhauptes alles, was Lateinamerika musikalisch zu bieten hat. Die Bandbreite auf den Plattentellern reicht von Cumbia und Son, Bigband-Mambo der Fünfiziger, New Yorker Hardcore-Salsa der Siebziger und elektronisch geschraubter Laptop-Dub und Breakbeat. Von Kuba über die West Indies nach Westafrika und im Sternenflug zurück in die Karibik lässt dieser Abend kein Tanzbein ungeschwungen. Fidel wird die Lebensfreude bis nach Kuba spüren!

Text: Andra Wöllert

 

Girl From Zorch

Nicht nur die Einrichtung der Hasenschaukel ist wunderbar freakig, sondern auch die Musik vom Girl From Zorch am Freitagabend.

Wer sein musikalisches Programm mit „Tarantinotrash“ ankündigt, schürt nicht nur große undefinierbare Erwartungen, derjenige darf sich auch unserer Aufmerksamkeit sicher sein. Immerhin gehören die irrsinnig eklektischen Nerd-Soundtracks vom unangefochtenen Exploitation-König der Gegenwart, Quentin Tarantino, zum Besten, was in der Schnittmenge von Musik und Film je passiert ist. Kopfkino ist also gewiss in dieser Nacht in der Hasenschaukel, die das Girl From Zorch mit Deep Cuts aus Postpunk, Wave und ehrlichem Indie anreichert. Bewiesen hat das Fräulein From Zorch ihre Kopfkinotauglichkeit schließlich schon des Öfteren in der rosagrünen Lokalität, die einen allein mit dem liebevoll freakigen Interieur in eine andere Welt katapultiert. Lasst euch entführen!

Text: Friedrich Reip

 

„ThuleTuvalu“

Grönland und der Pazifik haben wenig gemeinsam, außer dass sie extrem unter dem Klimawandel leiden. Der filmische Beweis läuft im Abaton.

Auch wenn sich diese beiden Schauplätze auf der Erdkugel nicht strikt diametral gegenüberliegen, wird man Thule und Tuvalu Antipoden nennen dürfen. Hier die im Norden Grönlands gelegene Ortschaft und dort der Inselstaat im Pazifischen Ozean.
Und doch, bei allen Differenzen haben die beiden Orte etwas gemein: Stärker als anderswo macht sich bei ihnen der Klimawandel bemerkbar. Während im Norden die Gletscher schmelzen und die Eisgrenze sich deutlich nach Süden verschiebt, steigt im Pazifik der Wasserpegel. Welche Folgen das für die Menschen hat, die dort leben, zeigt der Schweizer Regisseur Matthias von Gunten in beeindruckenden Bildern.
In Thule sind es zwei Jäger und ihre Familien, die im Zentrum stehen, auf Tuvalu ein Vater und ein Pflanzer, die, wie ihre Nachbarn, für sich und ihre Kinder in dem bedrohten Atoll keine Zukunft mehr sehen. Im Norden werden die Jagdgründe immer kleiner, im Süden die Anpflanzungen immer öfter vom Salzwasser überschwemmt.

ThuleTuvalu zeigt die Besonderheiten uns fremder Lebensformen – etwas, wofür einst das Kino erfunden wurde. Engagiert setzt sich der Film dafür ein, dass es das auch in Zukunft tun kann. Doch die Chancen dafür sind wohl gering. Zu Gast im Abaton sind der Klimaforscher Dr. Hartmut Graßl, Dr. Freja Vamborg (Max-Planck-Institut für Meteorologie) und Regisseur von Gunten.

Text: Jörg Schöning

 

DJ Vito & Friends

Hip-Hop verbindet, und dieser DJ kennt sie alle – und lädt deshalb die Deutschrap-Riege zu seinem Sommerfest der Freundschaft ins Knust.

Was braucht es mehr, als gute Musik und genauso gute Freunde für einen gelungenen Abend? Definitiv nichts und beides sei euch garantiert bei DJ Vito & Friends im Knust am Freitag. Der Schützling von Samy Deluxe hat sich in der Szene einen Namen gemacht, produziert für und mit dem Who-is-Who des Deutschraps und bleibt dennoch bescheiden: „Ich habe meinem Mentor viel zu verdanken und bin stolz darauf, mit Künstlern wie Afrob, MoTrip und Chefket arbeiten zu dürfen. Da entsteht ein Vibe.“ Seine Freunde und Kollegen lädt er jetzt zum kopfnickenden Sommerfest nach Hamburg ein. Dieses Mal sind Megaloh, Ali As, Matteo Capreoli, Estikay, Bengio und streng geheim gehaltene Special Guests mit DJ Vito auf der Bühne. Entgegen dem Namen seiner neuen Platte Ein ganz entspanntes Ding wird diese Party so wohl eher ein ganz schön fettes Ding.

Text: Andra Wöllert

 

Dith Rockt

Hip-Hop, Indie, Punk, Metal oder Crossover: Das Dith Rockt Festival in Brunsbüttel kann mehr, als der Name vermuten lässt.

Mit seinem Namen leitet das Dithmarscher Rockfestival fast ein wenig in die Irre, denn im zehnten Jahr seines Bestehens ist es musikalisch so vielseitig aufgestellt, dass nicht nur Freunde der verstärkten Gitarre hier voll und ganz auf ihre Kosten kommen dürften. Zum Jubiläum haben die Macher des dreitägigen Festivals nämlich 30 Bands und Künstler eingeladen, deren musikalische Bandbreite von Alternative Rock (Madsen, Royal Republic) über Crossover (H-Blockx), Punk (Itchy Poopzkid), Indie-Pop (Kapelle Petra, Tonbandgerät), Singer-Songwriter (Pohlmann), Hip-Hop (Zugezogen Maskulin) und Metal (Syndicate) bis hin zu Synthie-Pop (Xplain) reicht. Etwas hat sich aber doch über die Jahre gehalten: Dith Rockts familiäre Atmosphäre. Da bleibt nur noch hinfahren und losrocken!

Text: Katharina Grabowski

 

„Leftovers“

Mikro-Favela zwischen Einwegflaschen und illegaler Wohnzimmerentsorgung: Britta Lembke stellt in der Galerie M6 im Karoviertel aus.

Während auf Kampnagel das diesjährige Sommerfestival mit atemberaubenden künstlerischen Statements und stattlichen Preisen protzt und klotzt, lohnt es sich, den Blick ein Momentchen auf ein kleineres, unbekanntes, ja beinahe geheimnisvolles Kunstereignis zu lenken: puzzelink_evidenz 18. Der Name ist Programm, denn Näheres über dieses einmonatige Ausstellungsevent zu erfahren, ist mühsame Kleinstarbeit. Ein Anrufbeantworter, ein Online-Stadtplan, eine kryptische Einführung ins diesjährige Leitmotiv Höhlen-Löcher-Röhren: „Diogenes, Ghaddafi und Saddam Hussein machten es uns vor: Wenn wir nur wollten, könnten wir auf epikureerhaft-duldsame Weise in engen Behausungen über kurz oder lang existieren.“ Stirnrunzeln. „Wie sehen sie aus, unsere zukünftigen mietenbespiegelten Wohnungen?!? Und wie sollten sie aussehen? Zeigt her eure Kerker (Piranesi für Daheim), eure mit Fassmalerei verhübschten Weinfässer, eure verschimmelten Wohnhöhlen, eure baufälligen Bauwagen!!!“ Mhm. Aha. Zum Schluss geben uns die Veranstalter freundlich mit auf den Weg: „Gut Holz!“ Gut Holz! sagen auch wir und empfehlen einen Blick in die Galerie Konterkaro M6, wo Britta Lembke ausstellt: Unter dem Titel Leftovers präsentiert sie Objekte aus Müll, die Ähnlichkeit mit behelfsweise bewohnbaren Höhlen oder Nistplätzen aufweisen, eine Art Mikro-Favela „neben dem Gleis, zwischen Einwegflaschen und illegaler Wohnzimmerentsorgung“.

Text: Nik Antoniadis

 

Uone & Julez Cordoba

Einzigartiger Audio-Eargasm: Australiens Tech-Export und sein Hamburger Support versprechen im Baalsaal eine lange schweißtreibende Nacht.

Seine musikalischen Fingerabdrücke tragen auf den Steckbriefen der internationalen Club- und Festivalszene den Vermerk „deep, chunky and twisted tech house„. Uone, der seit Beginn der 2000er von Down Under aus den halben Globus bespielt hat, versteht sich selbst nicht als DJ, sondern als Künstler. Wenn er das Mischpult anschaltet, gibt es kein ordinäres DJ Set, sondern eine Performance, einen einzigartigen Audio-Eargasm. Sagt er. Seine Fans geben ihm recht, und hierzulande hat er nicht wenige davon, spätestens seit er in Berlin sein europäisches Base Camp einrichtete und mit Dirty Doerings Katermukke kooperiert. Im Baalsaal wird er unterstützt von Hamburgs Eigengewächs Julez Cordoba.

Text: Nik Antoniadis

 

„Himmelverbot“

Der Hamburger Regisseur Andrei Schwartz stellt seinen neuen Film über einen geständigen Mörder aus Rumänien persönlich im Abaton vor.

Nach seinem rumänischen Müllhalden-Drama Auf der Kippe vor 17 Jahren ist Andrei Schwartz, Hamburgs unerschrockener Beobachter des europäischen Ostens, erneut ins transsilvanische Dickicht aufgebrochen. Noch einmal kommt er dabei auf sein Knastporträt Jailbirds (2005) zurück, in dem er einen der Protagonisten, den er damals im Hochsicherheitsgefängnis Rahova kennen und schätzen gelernt hat, auf dem mühevollen Weg in die Freiheit begleitet. Gabriel ist beileibe kein Unschuldsengel, das hatte Andrei Schwartz von dem geständigen Mörder auch gar nicht erwartet. Doch in den zwei Jahren seiner Bewährungszeit, während denen der Regisseur ihm immer dicht auf den Fersen bleibt, erfährt er schließlich Ungeheuerliches. Denn mehr und mehr beschleichen ihn Zweifel an Gabriels Missetat, sodass er schließlich Einsicht in dessen Strafakte beantragt. Mit kleinen Gaunern und schlitzohrigen Strauchdieben kennt sich „Don Andrei“, wie man den Filmemacher zwischen Balkan und Karpaten ehrfurchtsvoll nennt, bestens aus. Auch Himmelverbot ist von jenem Respekt getragen, den er den Außenseitern der Ellenbogengesellschaft stets entgegenbringt. Doch diesmal wird seine Toleranz auf eine echte Probe gestellt.

Zur Premiere im Abaton wird der Regisseur Andrei Schwartz anwesend sein.

Text: Jörg Schöning