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„Die analoge Achterbahn“

Drastische Darstellungen von Doktorspielen: Manuel Francescon kommt zu einer ganz besonderen Filmvorführung ins B-Movie.

Für den ungebildeten Laien des digitalen Zeitalters sieht das Ding aus wie ein sehr alter Föhn. Und das wahrscheinlichste, das ihm zu Namen wie Bauer T610 oder Braun Nizo 801 in den Sinn kommt, ist vielleicht ein obskures Rasierer-Modell oder ein Spähpanzer aus der DDR. Was Manuel Francescon leidenschaftlich sammelt und ebenso leidenschaftlich verwendet, ist tatsächlich ein Fossil des analogen Neolithikums: eine Super8-Kamera. Seit er in seiner späten Jugend eine auf dem Flohmarkt erstand und sogleich seinen ersten Film drehte (Zahnpasta des Grauens), hat ihn die Nerdwut nicht mehr losgelassen. Heute kann er auf eine beachtliche Super8-Filmografie zurückschauen, darunter Blockbuster wie Freax, Freax II und (überrascht?) Freax III, eine erschütternde Trilogie über Sex, Gewalt, Mundgeruch und jede Art von Körperflüssigkeit, ein ekelerregend komische Reise zu den Deponien des deutschen TV-Sondermülls. Sein neuestes Werk, das er persönlich mit ins B-Movie bringt, sind satirische Super8-Filme „aus dem analogen Grab“. Aufgrund „drastischer Darstellungen von Doktorspielen“ und „unflätiger Gossensprache“ unterliegt die Filmvorführung strengstem Jugendverbot. Also, Ausweis nicht vergessen!

Text: Nik Antoniadis

 

Rabatz Open Air

Elektrisch, aber anders: Das beschauliche Landhaus Walter im Hamburger Stadtpark mutiert von der Bluesbühne zum House-Dancefloor. 

Was ist passiert? Eigentlich sehen wir im Landhaus Walter regelmäßig Holzfällerhemden und Lederwesten, gerne auch kräftige Kerls, die seit 40 Jahren Pferdeschwanz tragen und beim Klang von Worten wie Gibson Les Paul und Dobro feuchte Augen kriegen. Wenn am Samstag zum zweiten Mal in Folge das Rabatz Open Air an den Start geht, werden sich die meisten von ihnen vermutlich ebenfalls die feuchten Äuglein reiben, aber nicht bei allen Stammgästen werden es Freudentränen sein. Die einzige musikalische Schnittmenge zwischen dem üblichen geliebten ehrlichen Bluesrock und dem samstäglichen Freiluft-Rabatz ist nämlich: Elektrisch. Allerdings weniger im Sinne von E-Gitarre, sondern eher im Sinne von Elektro. Im Sinne von Matthias Koehl alias Bratenschneider, Timo Maas und dem Brasilianer Victor Ruiz, die zusammen mit Dick Himself, Switchbox, Mike Peppel, HEADtoTOE, Daniel Bruns und Hotzpod an den Decks alles raushauen, was die Party-Crowd im Stadtpark zum schwingen bringt.

Text: Nik Antoniadis

 

PowerPoint Karaoke

Albtraum oder Freizeitgestaltung: Im Molotow können alle, die sich trauen, ihr Improvisationstalent an vollkommen unbekannten Charts testen.

Ihr redet gerne über Dinge, von denen ihr keine Ahnung habt? Vor Leuten, die auch keine Ahnung haben? Dann ist die PowerPoint Karaoke im Molotow eine Pflichtveranstaltung. Möchtegern-Meteorologen, gedemütigte Werbefachleute oder auch zwanghafte Selbstdarsteller sind herzlich aufgefordert, sich durch Reihen unbekannter Charts zu clicken und ihre Zuhörer irgendwie glauben zu lassen, sie seien vollkommen Herr der Lage. Was jeden Büroangestellten dazu brächte, Blut und Wasser zu schwitzen, ist im Molotow zur festen Institution geworden. Mit garantiertem Kündigungsschutz. Einige Eindrücke gibt das untenstehende Video der Deutschen Meisterschaft in Köln.

Wer danach noch nicht genug hat, kann ab 23 Uhr den allsamstäglichen Motorbooty! Rock’n’Roll Dancefloor entern und seinen Improvisationserfolg zu DJ Starry Eyes und Michi gebührend abfeiern.

Text: Nik Antoniadis

 

Friends Alster

Rundherum Wasser und jede Menge Eiweiß: Das neue Sushi-Boot Friends Alster lädt zur Eröffnungsfeier auf die Binnenalster.

Wo könnte man Fisch besser essen als auf einem Boot? Haben sich die Erfinder von Friends Alster gedacht und das neueste Baby von Sushi for Friends am Ballindamm festgemacht. Die Küche ist zwar schon seit ein paar Tagen offen, aber so richtig offiziell ist es noch nicht. Um die Eröffnung an der Binnenalster angemessen zu feiern, lädt das Team (Foto) zur Grand Opening Party – nicht nur zum Anleger am Ballindamm, sondern ab 22 Uhr auch im Golden Cut in St. Georg. Weil das Flanieren zwischen beiden Locations mit voranschreitendem Abend mühselig werden kann – besonders da in beiden Läden Sushi, Sekt und andere Glücklichmacher warten – steht ein Shuttle Bus für Pendler bereit. Um die Sache rund zu machen, servieren Kai Schwarz und Bruno Verdugo von den Decks die nötigen Vibes, damit man bei so viel Eiweiß auch mal auf andere Gedanken kommt.

Text: Nik Antoniadis

 

MS Artville

Salz, Brot und Beats: Zum Richtfest tischt die Wilhelmsburger Kunststadt erlesene künstlerische und musikalische Leckerbissen auf.

Natur, Sommer, Wiese, gute Musik, nette Leute und auch noch was fürs Auge. Zum fünften Mal wird das MS Artville auf der Elbinsel errichtet. Die Wilhelmsburger Kunststadt ist hungrigen Großstadtgeistern Inspirationsquelle, Hort der Entspannung und hemmungsloser Feierei. Los geht’s zwar eigentlich schon mit der Sonnenfeste (5.7.), der offizielle Opener ist aber das Richtfest am 25.7. Zu diesem Anlass wollen es die Artville-Stadtväter so richtig krachen lassen: Das Musikressort übernehmen die DJanes Meggy und Ratkat sowie Tilman Tausendfreund und Beykin. Außerdem parkt das Rap-Mobil Easy Kisi wieder auf dem Gelände, diesmal mit Zwegatmann und PHABSPIN am Steuer. Die Stadt selbst wird errichtet von bildenden Künstlern wie Darko Caramello, den Ghostbastlers feat. Kienast und Kienast (die eine Art Würfeldorf bauen), Zipper and the Corner mit „From Beer to Fame“ (muss man mehr sagen?) oder Konstanze Habermann und Adelaida Cue-Bär, die in einem verlassenen Wohnwagen die fantastische Geschichte des Browsky Palace erzählen. Zum Richtfest sind also reichlich Bauherren, Architekten und Musikanten geladen, Salz und Brot ist ebenfalls da, und wenn das Wetter mitspielt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

 

Hafengrün Festival

Elektro-infizierte, extrem peacige Piratenparty: Der Neuhöfer Strand wird drei Tage lang Dancefloor und Chillzone.

„Tanzen, schunkeln, lachen und Spaß haben unter freiem Himmel“. Die Ansage der Veranstalter klingt weniger nach Elektro-Party, sondern mehr nach gepflegtem Kaffeekränzchen auf dem sonnigen Barkassentörn. Ist es aber nicht. Zur vierten Auflage des Hafengrün Open-Air Festivals wird ein ganz amtliches Line-up von Housemeistern und Sounddealern aufgefahren. Drei Tage lang verwandeln sie das alte Werftgelände am Neuhöfer Strand in eine Elektro-infizierte, extrem peacige Piratenbucht. Lötkolben und Schweißerbrille könnt ihr getrost zu Hause lassen. Stattdessen gibt’s Cocktails, Sand zwischen den Zehen und Shanties in den Ohren, zum Ausspannen Chill-Oasen, Palmen inklusive. Damit es am Ende nicht allzu piratenmäßig abgeht, darf das Festival in diesem Jahr auch wieder ganz legal die Nacht durchfeiern.

Text: Nik Antoniadis

 

„Calligraffiti Ambassadors“

Kalligrafie mit Großstadt-Attitüde: Die Affenfaust Galerie präsentiert in ihren neuen Räumen die Streetart-Arbeiten von 25 zeichnenden Künstlern.

Es gibt eine Art natürliche Verwandtschaft zwischen den beiden: Wenn Kalligrafie die Kunst des schönen Schreibens ist, dann ist Graffiti gewissermaßen eine Unterkategorie der Kalligrafie. Offiziell anerkannt wurde dieses familiäre Verhältnis im Jahr 2007 von Niels Meulman. Der Niederländer, der als Sprayer mit seinem Tag Shoe einige Bekanntheit erlangt hatte, organisierte damals in Amsterdam eine Ausstellung mit dem vielversprechenden Titel Calligraffiti. Dass Graffiti mehr ist als das Besprühen von S-Bahnwänden und Fußgängertunneln, ist ja schon lange klar; aber nach dieser Ausstellung wusste nun auch jeder, dass Kalligrafie durchaus mehr zu bieten hat, als sich in einem Volkshochschulkurs lernen lässt. Als traditionelle Handschrift mit Großstadt-Attitüde ist Calligraffiti inzwischen weltweit praktizierte Kunstform. Erst im vergangenen Frühjahr hat Shoe 25 Künstler aus aller Welt zu Botschaftern dieser Street Art gekürt. Auf Initiative des Hamburger Kalligrafen Jan Koke wurden diese Calligraffiti Ambassadors nun in der Affenfaust Galerie zu einer Gruppenausstellung zusammengeführt.

Text: Nik Antoniadis

 

Rock & Wrestling

Live, roh und würdelos: Das Hafenklang öffnet wieder die Türen für den brutalsten und unterhaltsamsten Ringerwettkampf des Universums.

Corkscrew Neckbreaker. Three-Quarter Facelock Bulldog. Cobra Clutch Slam. Das ist nichts für Pussies! Es ist hässlich, es ist gewalttätig, selbstverständlich nicht jugendfrei. Dafür ungeschnitten, live, roh und würdelos. Wenn im „kleinsten Wrestling-Ring des Universums“ im Hafenklang der Gong ertönt, gibt es nur noch eins: Aufs Maul! Und zwar nicht zu knapp. Unter dem Motto „Teuer & Panne“ entfesseln Loony Lobster, Pinkzilla, Kommander Kernschmelze, The Green Bastard, Dolly Duschenka und andere menschliche Monstrositäten die Naturgewalten. Dazu gibt’s Musik von The Bucky Rage und El Cantina und im Anschluss Siegerehrung und Aftershowparty im Goldenen Salon. Für die Aftershowparty ist der Eintritt frei!

Text: Nik Antoniadis

 

6 Jahre Grossstatttraum

HipHop-Lifestyle: B-Boys, Sprayer und Kopfnicker feiern im Uebel & Gefährlich zusammen eine fette Geburtstagsparty.

Grossstatttraum ist der Ruf, dem seit sechs Jahren HipHop-Aficionados mit einem Herz für Lösungsmittel, dope Sounds, Baggy Jeans und Base Caps folgen. Eine mehr oder minder lockere Gruppe aus B-Boys, MCs, Sprayern und Kopfnickern bedient sich dieses Labels, um in seinem Namen Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, die eins verbindet: HipHop-Lifestyle. Damit das zum 6. Geburtstag gebührend gefeiert wird, stehen am Bühnenaufgang im Uebel & Gefährlich namhafte Gratulanten Schlange: Kool Keith & KutMasta Kurt, Retrogott & Hulk Hodn, LakmanOneSupport, Witten Untouchable, eloQuent und Shawn The Savage Kid. Anschließend werden mit Suff Daddy, DJ Direction und MirkoMachine drei Turntable-Monster für die Aftershow-Party an die Decks gekettet. Also: Sneakers putzen, Goldkettchen polieren und den Bunker zum Beben bringen!

Text: Nik Antoniadis

 

Ching Zeng Summer Camp

Turntable-Schwergewichte: Resident Crack-T supportet seine Kollegen Karmaboy und Fede im Moondoo-Sommerlager.

Mit dem CMYKlub führte das Moondoo einen neuen DJ-Typus ein: den Resident auf Zeit. Nachdem Massive-Töne-DJ Schowie zuletzt für die Auswahl besonderer Schwergewichte der deutschen Freestyle- und HipHop-Szene zuständig war, hat seit Juli der Düsseldorfer und Ching Zeng-Labelbetreiber CRACK-T diese Rolle übernommen. Bis Mitte September schlägt er jeden Freitag im Moondoo das Ching Zeng Summer Camp auf; seine heutigen Gäste im DJ-Sommerlager sind die NRW-Hauptstadtkollegen Karmaboy und Fede, deren Namen eng mit der Aufbruchstimmung in einer der derzeit innovativsten HipHop-Städte Deutschlands verbunden sind. Auch ihre Sets fusionieren vorhandene Styles und bilden etwas Neues. Im Basement serviert derweil die KlangGetriebe-Crew hausgemachten Techno, Deephouse und IndiaDance. Es brodelt!

Text: Ole Masch