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Wo man Minarette verbietet

 

Braucht ein Land mit 4 (!) Minaretten ein Gesetz gegen den weiteren Bau solcher Türme?  Ist es überhaupt statthaft, ein Sonder-Gesetz gegen bestimmte religiös motivierte Bauformen zu erlassen? Gibt es in der Schweiz etwa kein Baurecht, in dem alles Nötige ohnehin geregelt ist?

Das sind alles ebenso naheliegende wie sinnlose Fragen. Denn der siegreichen Initiative zum Minarettverbot geht es ja gar nicht um dieses spezielle Bauwerk. Und dass ein Europäischer Gerichtshof die Sache wahrscheinlich stoppen wird, ist den Initiatoren um die SVP natürlich sehr recht: Wieder einmal wäre bewiesen, dass Europa schlecht für die Schweizer ist, weil es ihre Souveränität einschränkt.

Sie haben die Volksabstimmung ja gerade so formuliert, dass sie quer zu den obigen Fragen das Unbehagen am Islam und an den Fremden im Lande abfragt: Ein Minarett, so die Suggestion, ist ja eben nicht einfach Teil einer üblichen Sakralarchitektur, sondern Symbol einer mit den schweizerischen Werten nicht vereinbaren Ideologie namens Islam. Letztlich heißt das: Islam ist keine Religion, sondern eine politische Idee, die zurückgewiesen werden muss und mit allen Mitteln bekämpft werden darf. Für den Islam gilt die Verfassung nicht, gilt das Religionsprivileg nicht, gilt die Religionsfreiheit nicht.

Das ist die radikale Kampfansage, die in dem Volksbegehren steckt.

Es gibt sicher Leute, die diese Botschaft verstehen werden. Dann beginnt eine andere Debatte.

401 Kommentare

  1.   Zagreus

    @ HJS

    Ebend!

    Stimmt ja – ich muss ja nur darauf verweisen, wie es in der muslimischen Welt aussieht.
    Wie viele staaten die scharia in ihren gesetzbüchern in irgendeiner form haben. Wie sich die OIC in den diversen UN-gremien und -räten verhält.
    Wie in diversen Ländern religiös begründete mittelalterliche strafen udn praktiken umgesetzt werden – sei es vom auspeitschen bis hin zu soetwas gar wie den staatsausschluß von Nicht-muslimen, wie er 2008 auf den malediven geschah.
    ich muss nur auf umfrageergebnisse unter muslimen , gerade auch unter jungen muslimen, hier in europa hinweisen….
    Und bei ihnen HJS muss ich nur mit besonderem vergnügen auf einen wiki-beitrag verweisen, denn sie selbst mir geben haben:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liberale_Bewegungen_im_Islam
    und dazu nur erwähnen, daß diese (rtheolgosichen) Strömung eine marginale Minderheit in der ansonstens orthodoxen theologischen strömungen der Muslime darstellen.

    Sehr empfehlenswert ist auch:
    http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2002/09/21/a0331

    der islam ist eben nciht etwas, bei dem der Gros seine Anhänger einfach nur für sich ihren ritualen nachgehen wollen und sonst keine weitergehenden gesellschaftlichen ansprüche haben.

    Aber da stimmen sie mir ja zu.

    halt: Ebend!

  2.   Ratio

    pbuh, von jemand verwirrtem wie ihnen uninformiert genannt zu werden, ist ein kompliment.

  3.   Samuel

    Als jemand, der dem Islam seeehr skeptisch gegenübersteht sage ich: Die spinnen, die Schweizer! Nur weil man etwas nicht mag, gibt das einem noch lange nicht das Recht zu verbieten.
    Die einen wollten Karikaturen verbieten, die anderen verbieten Minarette. Willkommen in der Gesinnungsdiktatur!

  4.   Ratio

    freespeech, der islam wird, wie alle religionen, durch das grundgesetz beschränkt. wie man allerdings muezzin und beschneidung gleichermaßen als bedrohung sehen kann, ist ihr privatgeheimnis.

  5.   PBUH

    @Hein_W

    Am Islam-Thema werden auch deutsche Politiker nicht vorbei kommen, in Zukunft wird das eher noch stärker in den Fokus rücken.

    Wie Herr Lau schon richtig folgert:

    >Es gibt sicher Leute, die diese Botschaft verstehen werden. Dann beginnt eine andere Debatte.

    @All

    Realsatire:

    Schweizer stimmen gegen Minarette

    Rückschlag für Volksentscheide in Deutschland

    http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Rueckschlag-fuer-Volksentscheide-in-Deutschland_aid_789437.html

  6.   christian aka tati

    Soeben im SPON-Forum entdeckt.
    Dieser Kommentar zeigt die Heuchelei der Minarettbefürworter deutlich auf.

    Ich wundere mich, daß hier keine Parallelen zum jüngsten „Kreuz-Urteil“ der europäischen Menschenrechtshüter gezogen werden(?). Wenn in Italien eine einzelne Mutter sich an einem Kreuz im Klassenzimmer stört, dann würden die Menschenrechte dieser Einzelperson verletzt und das Kreuz müsse weg. Wenn eine Mehrheit der Schweizer keine Minarette sehen will, dann – oh Wunder – wird allgemein erwartet, daß ein Urteil genau umgekehrt ausfallen werde: Das Verbot von Kreuzen in Schulen ist ein Gebot der Menschenrechte und das Verbot von Minaretten ist ein Verstoß dagegen?

  7.   Nico89

    Offensichtlich sehen einige hier – allen vorran Zagreus und FreeSpeech – den liberalen Staat oder zumindest die Prinzipien die Ihn ausmachen durch den Islam gefärdet. Doch bedenke man eines: wer diese Prinzipien mit Verboten (von Religionen oder deren Symbolen) schützen will hat sie bereits verraten.

  8.   Ratio

    bisher war ich für volksentscheide. aber die schweiz lehrt, dass geschickte hetzer und lügner wohl auch synagogen- und kirchturmverbote durchbekämen. herr, wirf hirn vom himmel.

  9.   riccardo

    @JL

    Netter Kommentar. Aber haben sie jemals geglaubt, dass die Mehrheit der Europäer im Islam etwas anderes sehen könnte, als das von Ihnen beschriebene? Da nützen auch Häme und Herablassung nichts. Das Votum der Schweizer beweist, dass alle Versuche gescheitert sind, den Islam als eine beliebige Religion zu verkaufen.

    So gesehen sind diesmal die Watschen, die die Schweizer ihrer Obrigkeit verpaßt haben, noch milde ausgefallen.Vielleicht wird´s beim nächsten Mal etwas ungemütlicher.

  10.   Ratio

    freuen sie sich schon auf pogrome?

 

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