„Machst du ein Foto?“

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Einmal, in Kundus, klopfte ein Mann an die Tür meines Hotelzimmers. „Machst du ein Foto von mir?“, fragte er. Er stellte sich vor die Wand, wartete bis ich auslöste und verschwand dann wieder.

 

Im Geschäft

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Kaugummi, Socken, Energy-Drinks und einzelne Zigaretten: Dieser Mann verkauft in seinem Laden so ziemlich alles. Früher, sagt er, sei er Journalist gewesen. Aber damit verdiene man inzwischen so schlecht.

 

Land des Friedens, Land des Schwerts

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Eine Konferenz für junge Unternehmer in Kabul. Zur Eröffnung stehen alle auf und hören der Nationalhymne zu:

Dieses Land ist Afghanistan
Es ist der Stolz aller Afghanen
Das Land des Friedens, das Land des Schwerts
Alle seine Söhne sind tapfer
Das Land aller Stämme
Land der Belutschen und Usbeken
Paschtunen und Hazaras
Turkmenen und Tadschiken
mit ihnen Araber und Gojaren
Bewohner des Pamir, Nooristanier
Barahawi und Qizilbash
Auch Aimaken und Pashaye
Dieses Land wird ewig leuchten
Wie die Sonne am blauen Himmel
In der Brust Asiens
Wird es ewig als Herz vorhanden sein
Wir folgen dem einen Gott
Wir alle sagen: Gott ist groß

 

Junge Kämpfer

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Provinz Bamyan, vor den Mauern eines so genannten Frauengartens. Im Sommer picknicken hier viele Familien, im Winter ist kaum einer da. Nur wir, diese beiden Jungs und ihre Schwester, die der Schneeballschlacht aus ein paar Metern Entfernung zuschaut.

 

Blick zurück

Meine Lieblingsbilder aus dem letzten Jahr. Landwirtschaftsmesse in Kabul, Sonne, eine Band spielt Hip Hop, und dann fängt dieser Junge an zu tanzen.

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Interview im ISAF-HQ

Interview im ISAF Headquarter. Ein sehr netter, freundlicher und interessierter Soldat holt mich an der ersten Sicherheitsschleuse ab. „Sind Sie gerade Taxi gefahren?“ fragt er. „Ja, das mach ich immer.“ „Hm.“

Etwas später: „Sagen Sie mal, fühlen Sie sich nicht manchmal unsicher?“

Noch später: „Und Sie tragen wirklich nie eine Waffe?“ „Ich wüsste nicht mal, wie man sie bedient.“ „Na ja, das kann man ja lernen.“

Als ich nach dem Interview auf mein Taxi warte, unterhalte ich mich mit drei Mädls, die vor dem Headquarter Schals und Schmuck verkaufen. Sie fragen: Bist du verheiratet? Hast du Kinder? Wieviel haben deine Schuhe gekostet? Warum sind deine Augen so blau? Was ist deine Lieblingsfarbe?

 

Staub

Staub

Der Staub in Kabul überdeckt alles: Straßen, Schleimhäute und Kameralinsen.

 

Die Schlange und der Stock

Es gibt ein afghanisches Sprichwort, das geht so: Wer von einer Schlange gebissen wurde, hat auch Angst vor einem großen Stock.

Die Schlange – das ist für viele Afghanen der Abzug der Sowjetunion: Im Februar 1989 verließen nach zehn Jahren die letzten Soldaten das Land. Mindestens einer Million Afghanen hatte der Krieg damals das Leben genommen. Vier Jahre später brach der Bürgerkrieg aus, jeden Tag zerstörten hunderte Bomben die Hauptstadt Kabul.

Der Stock – das ist für viele Afghanen der Abzug der Nato: Im Dezember 2014 wird ein Großteil der Soldaten das Land verlassen. Keiner weiß, was danach kommt.

2014 ist zum Symbol geworden:

Für die Angst vor dem Kollaps.

Für den Zorn über Medien, die ihn herbeischreiben.

Für die Hoffnung, dass die neue Regierung es besser macht.

Für die Sehnsucht nach Frieden.

An einem Tag in diesem Jahr wird das afghanische Volk einen neuen Präsidenten wählen, an einem anderen wird ein General die Mission Isaf für beendet erklären. Jeden Tag werden Menschen bei Luftangriffen, Terroranschlägen und Schießereien ihr Leben verlieren.

Und sonst?

Die Menschen werden Witze erzählen, im Stau stehen, sich heimlich betrinken, weinen, Schmiergeld bezahlen, Gäste einladen, tanzen, Gedichte schreiben, Politiker verfluchen, Schafe schlachten, Hochzeiten feiern, Cricket spielen, Examen schreiben, Frauen nachpfeifen, zu Gott beten und „Inschallah“ sagen. Ich will versuchen, ihnen dabei zuzuschauen.