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Keine Neonazi-Konzerte in Berlin 2007? Doch.

 

Neulich verkündete Innensenator Ehrhart Körting stolz, dass es den Berliner Sicherheitsbehörden gelungen sei, rechtsextremen Musikveranstaltungen „weitestgehend vorzubeugen“ und sie aus der Stadt verdrängt zu haben. So fand 2007 angeblich kein einziges Neonazi-Konzert in Berlin statt. In den letzten vier Jahren registrierte die Polizei 2004 ein Konzert in Lichtenberg mit 60 Teilnehmern, 2005 eines in Marzahn-Hellersdorf (56 Teilnehmer) sowie den Auftritt eines Liedermachers in Treptow-Köpenick, 2006 je ein Konzert in Lichtenberg (123 Teilnehmer) und Reinickendorf (bei einer NPD-Kundgebung). Aber, man ahnt es schon: Die Dunkelziffer liegt da etwas höher. Dass beispielsweise letztes Jahr kein einziges Neonazi-Konzert in Berlin stattgefunden haben soll, ist nicht korrekt. Nach Informationen des ´Antifaschistischen Bündnis Süd-Ost´ (ABSO) gingen in Berlin 2007 mindestens zwei Shows über die Bühne – beide von den Sicherheitsbehörden unbemerkt und damit auch nicht erfasst. Dass sie tatsächlich statt fanden, geht eindeutig aus bebilderten Berichten darüber in einschlägigen Neonazi-Foren hervor. Jetzt frage nicht nur ich mich: Guckt die Polizei da nicht rein?

Zweifelsfrei richtig in Körtings Bericht war eigentlich nur die Aussage, dass die Anzahl rechtsextremer Musikveranstaltungen in Brandenburg zugenommen hat, was sicherlich ein wenig damit zu tun hat, dass es für die Neonazis in Berlin nicht mehr ganz so einfach ist, ein Konzert auf die Beine zu stellen. Unmöglich ist es dennoch nicht, wie die beiden Beispiele zeigen. Es bleibt also lediglich festzuhalten, dass es den Rechten zunehmend gelingt, sich dem Zugriff des Staates zu entziehen. Somit wird aus Körtings vermeintlicher Erfolgsmeldung bei näherem Hingucken ganz schnell eine beunruhigende Nachricht. Oder anders: Noch immer bekämpft der Staat lediglich die Symptome des Rechtsextremismus, weswegen zivilgesellschaftliches Engagement wichtiger ist denn je.

In diesem Sinne…

7 Kommentare

  1.   puh

    Wie entziehen sich die Rechten zunehmend dem Zugriff des Staates? Da ist mir jetzt nicht klar geworden, woraus das festzuhalten ist.


  2. Könnte aber auch daran liegen dass da Bands als rechts stigmatisiert werden die es nicht sind. Rammstein und Eisregen haben auch mit derartigen Vorurteilen zu kämpfen.

    Das unsere lieben Herren Polizisten im Internet keine Nazi-Foren finden könnte schlicht daran liegen dass sie keine Ahnung haben. Als ich einem Freund, selbst Polizist, neulich das Geheimnis der sog. „Google Hacks“ naha brachte, dachte der doch tatsächlich ich hätte das Internet verlassen und ein braunes Netzwerk betreten.

    Es ist immer wieder erschreckend zu sehen wie Politikerbrüste stolz geschwellt werden nur um die Inkompetenz dahinter zu verdecken.

  3.   Ameise

    Alleine die Angabe der Teilnehmerzahl sollte doch beruhigen. Das geht ja sogar noch als Privatfete durch.

    Hysterie ohne jeden Anlass.

    Warten wir mal die „Maifeiern“ der ebenso bescheuerten Linkradikalen ab, welche regelmäßig in Berlin für größtmögliche Zerstörung sorgen.

    Ihr Rechten und Linken gehört in einen Sack gestopft, mit dem Knüppel verdroschen. Egal, wen man trifft, man trifft immer den Richtigen.

    Ihr geht mir auf den Piss.

    Kleinkinder im Sandkasten.
    Und immer schön mit dem eigenen Schmutzfinger auf Andere zeigen!

    Dabei sind beide Seiten strunzdumm.

  4.   puh

    Hallo bitte, ist ne Antwort zu 1 möglich?

  5.   toben

    Liebe Ameise, Lieber Toben, das mussten wir leider streichen wegen du weißt schon //Mod, cb, danke.

  6.   heavenshallburn

    die polizei und der staatsschutz haben meiner meinung nach wirklich extremst wenig erfahrung beim umgang mit dem internet und auf der anderen seite wollen sie es oftmals auch nicht können oder verschweigen was sie wußten um das ansehen irgendeines bundeslandes, einer statistik, etc (siehe auch geschönte zahlen über straftaten mit rechtsextremistischem hintergrund) nicht zu schaden, wie sieht es denn aus, wenn berliner staatsschützer zugeben müßten, es habe in 2007 mindestens 4 (!) nazi-konzerte stattgefunden und sie haben wie es aussieht tatsächlich auch noch von dreien nichts gewußt, waren ja auch nur private feiern (2 x) und eine hochzeit (!). so schafft man es dann auch, ähnlich wie bei TS einen gewöhnungseffekt in der bevölkerung zu erreichen, die nazi machen halt auch mal konzerte, ist doch ihr gutes recht….so what?ich erinnere mich an einen fall in bayern vor ein paar jahren, wo eindeutig neofaschistische bands aus dem blood&honour umfeld (gibbet ja auch nicht mehr, also können die auch keine konzerte organisieren) aufspielten, anwesende verfassungsschutz leute, die zeilen mit dem „messer im judenleib2 nicht gehört haben wollten und anschließend tatsächlich kurzfristig mitteilen, es handelte sich nicht um ein nzi event.

  7.   Hartmut Slomski

    Erstmal ist doch die Frage angebracht. was ist überhaupt „rechte“ Musik? Denn es ist doch immer öfters zu beobachten, daß bestimmte Musikrichtungen (und damit deren Band bzw. Interpreten) pauschal als „rechts“ stigmatisiert werden, weil gewissen Leuten lediglich diese Musik ein Dorn im Auge ist.
    Was das Musikangebot im Fernsehen betrifft, so ist dies doch echt ätzend! Auf den öffentlich-rechtlichen Sender wird doch fast nur noch Schlager und Volksmusik gesendet. Die „normalen“ Privatsender bringen kaum noch Musik. Und die sogenanntgen „Musiksender“, also VIVA und MTV, führen diese Bezeichnung doch längst zu unrecht, denn statt Musik läuft dort die meiste Zeit nur irgendwelcher hirnrissiger Klamauk! Und wenn ausnahmsweise doch mal Musik gesendet wird, dann doch fast nur noch dieser Einheitsbrei aus mittelmäßigem Pop auf dem Niveau von „Deutschland sucht den Superstar“, durchsetzt mit niveaulosen Gangster-Rap-Einlagen! Wirklich gute Musik (…) sucht man doch im Fernsehen schon seit langem vergeblich! Und es fällt auf, daß gerade Musik, die sich in den Bereichen Hardrock, Metal, Gothic und Dark Music bewegt, von ihren Gegnern zu unrecht als rechtslastig angefeindet wird. Besonders z.B. Gothic Metal, Dark Metal, Viking Metal, Pagan Metal und Black Metal. Dabei ist es allgemein bekannt, daß diese Musik besonders den Kirchen ein Dorn im Auge ist!
    Dabei mischt die „rechte Musikszene“ doch in allen Genres mit, z.B. auch bei Schlager und Volksmusik (z.B.: Zillertaler Türkenjäger).
    Sicher besuchen doch viele leute nur deshalb rechtsextreme Musikveranstaltungen, um dort mal reinzuhören.Um andere Musik kennenzulernen. Um herauszufinden ob dort etwas Besseres gebracht wird, als im Fernsehen. Wenn man einem diesbezüglichen Interesse zuvorkommen möchte, dann sollte doch im Fernsehen endlich mal wirklich gute Musik gebracht werden!

 

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