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Antisemitische und neonazistische Aktivitäten am „Der Tag der Deutschen“

 

„Der große Tag der Deutschen“, hieß es in der ARD-Tagesschau in freudiger Erwartung auf das „Fest der Freiheit“ am 9. November in Berlin. Der 20. Jahrestag des Mauerfalls stand am Montag im Zentrum der bundesdeutschen Öffentlichkeit. Am Brandenburger Tor versammelten sich die internationalen Staatsgäste. Thomas Gottschalk führte das ZDF-Publikum durch dieses „würdelose Spektakel“ (Spiegel Online).

Davon fast unbemerkt, erinnerten in ganz Deutschland tausende Menschen des 71. Jahrestags der Reichspogromnacht vom  9. November 1938. Das Erinnern an jenen Tag, als die Mehrheit der Deutschen endgültig ihre Bereitschaft zum Holocaust zeigte, wurde jedoch überschattet durch antisemitische und neonazistische Aktivitäten. Bereits in der Nacht vom 7. auf den 8. November wurde die Dresdner Synagoge mit Hakenkreuzen beschmiert. In Nordrhein-Westfalen kam es gleich in mehreren Städten zu Übergriffen und Provokationen von Neonazis auf antifaschistische Versammlungen. Obwohl es in der Vergangenheit zum Beispiel in Dortmund vermehrt zu militanten Aktionen von Neonazis kam, reagierte die Polizei unvorbereitet, teilte das Bündnis gegen Rechts in Dortmund mit. Auch in Essen wurden AntifaschistInnen bei einer Gedenkveranstaltung provoziert. Wie der Blog „NRW Rechtsaußen“ mitteilte, marschierten bis zu 35 Neonazis mit Fackeln und Feuerwerkskörpern ungestört durch Ahlen. Sie skandierten antisemitische Parolen und störten laut eigenen Angaben noch eine Gedenkveranstaltung der Kirche in Hamm.

Allein die rund 550 antisemitischen Straftaten in der ersten Jahreshälfte 2009 geben Aufschluss über die Notwendigkeit des Erinnerns an die Reichspogromnacht. Doch passen diese Zustände wohl nicht zu dem großen „Fest der Freiheit“ am „Tag der Deutschen“.