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KZ Auschwitz in elf Video-Stolpersteinen

 

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"Wir haben nur Totenmeldungen geschrieben, in Tag- und Nachtschichten. Nicht Totenmeldungen von denen, die nach Auschwitz deportiert und sofort in den Gaskammern getötet wurden, von denen gab es keine Namen und Zahlen – sondern von denen, die im Lager waren und als Häftlinge gestorben sind, gestorben wurden." Historische Originalberichte von Überlebenden des KZ Auschwitz haben der Radiosender N-Joy und Studenten der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) mit künstlerischen ein- bis zweiminütigen Bewegtbildsequenzen animiert.

Die Redakteure hatten für das Projekt monatelang in den Schallarchiven des NDR recherchiert und Kontakt mit Überlebenden und deren Nachfahren aufgenommen. Im Anschluss setzten die Studenten in Zusammenarbeit mit dem NDR die O-Töne visuell um – mit Zeichnungen, Fotos, Computeranimationen.

Das Projekt schlägt eine Brücke – von historischen Tondokumenten bis ins heutige YouTube-Zeitalter. Einen anderen Ansatz verfolgt der Fotograf Christopher Furlong: Er hat die letzten Zeugen des KZ Auschwitz porträtiert. Bundespräsident Joachim Gauck warnte anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor einem Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem Holocaust. "Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz", sagte Gauck.

8 Kommentare

  1. Avatar  julia bargsten

    martin auer, vielen dank.

  2. Avatar  Martin Auer

    Das Problem mit solchen und ähnlichen Kunstaktionen ist, dass hier immer nur das Grauen thematisiert wird, die Grausamkeiten, die Unmenschlichkeit. Doch fast immer scheuen sich die Künstler und Künstlerinnen, zu den Ursachen dieses Grauens Stellung zu nehmen. Vielmehr scheinen sie zu hoffen, dass die Erinnerung an das Grauen die Menschen zum Nachdenken über die Ursachen anstößt. Doch das tut sie nur in den seltensten Fällen. Man begnügt sich mit Statements wie: „Unfassbar!“, „Erschütternd!“, „Nie wieder!“. Wenn überhaupt. Denn bei vielen entsteht eben das, was C. G. so unverblümt schreibt:

    „Leute, ich habe es echt satt. Ich bin absolut nicht rechts gesinnt, tolerant erzogen worden, aber es geht mir langsam auf die Nerven.
    Nach so vielen Jahrzehnten immer noch Aufarbeitung, bzw. Schuldgefühle??
    Das Leben sollte weitergehen. Wie lange sollen wir uns noch schuldig fühlen??? “

    Und ich glaube, das liegt nicht an „zu viel“ Holocaust-Gedenken, auch wenn es C. G. vermutlich so empfindet, sondern an einem Holocaust-Gedenken, das keine Handhabe zur Bewältigung der Gegenwart und der Zukunft bietet.

    Es nützt uns nichts, wenn wir uns immer wieder die Schrecken des Holocaust und der Nazi-Diktatur vor Augen führen, wenn wir uns nicht fragen: Wie konnte eine Partei wie die NSDAP an die Macht kommen? Wem hat sie was versprochen? Wer hat sich was von ihr erhofft? Wer hat was von ihr bekommen? Wer wurde enttäuscht? Wie hängen Völkermord und Krieg miteinander zusammen? Wie hängen Krieg und Diktatur miteinander zusammen? Wie hängen Rassismus und Eroberungskrieg miteinander zusammen? Haben wir heute Verhältnisse, die eine solche Entwicklung ausschließen? Oder werden wir bald den nächsten Krieg führen? Gegen wen? Wer wird ihn gewinnen? Was wird er wem bringen? Werden heute in unserem Europa Menschengruppen als minderwertig, als anders, als fremd, als gefährlich abgestempelt? Wie ist das mit den Muslimen? Wie ist das mit den Roma? Wie ist das mit den Fremden, den Ausländern, den Asylanten? Wer kriegt heute die Schuld zugeschoben, wenn’s in der Wirtschaft kriselt, wenn unsere Jobs plötzlich nicht mehr sicher sind? Was hat unsere Abneigung gegen die Fremden im eigenen Land zu tun mit unserer Angst dass die Milliarden Habenichtse da draußen in Afrika und Asien über uns herfallen und uns unseren Wohlstand wegnehmen könnten? Was ist, wenn die Bangladeshis und Vietnamesen sagen: „He, euer Wohlstand, der geht auf unsere Kosten, ihr könnt euch soviele Jeans und Tennisschuhe leisten, weil wir sie für Hungerlöhne herstellen! Eure Handys, die ihr jedes Jahr wegschmeißt, müssten ein Vielfaches kosten, wenn die Minenarbeiter in Afrika und die Monteurinnen in China denselben Lebensstandard wie ihr verlangen würden!“ Werden wir einen Krieg führen, um unsere Vorherrschaft in der Welt zu verteidigen? Oder hat der Krieg an den Grenzen Europas vielleicht schon begonnen?

    Diese Fragen, liebe Künstlerinnen und Künstler, müsst ihr zu beantworten versuchen, die Zusammenhänge müsst ihr zu verstehen versuchen, und nicht nur zu verstehen, auch darzustellen, wenn eure Kunst mehr als nur ein: „Entsetzlich, unfassbar, nie wieder!“ bewirken soll oder gar ein: „Ach nein, nicht schon wieder!“

  3. Avatar  H. W.

    Ich dachte lange Zeit auch, die Zeit fuer ein Vergessen waere langsam da. Aber nein, Auschwitz zeigt wie wichtig Menschlichkeit und Vergebung sind.
    Wir tragen keine Schuld aber zu Schuldigen zu werden, die Gefahr ist groß. In meiner Stadt Leipzig ist das jede Woche neu zu spüren.

  4. Avatar  Carmen B.

    Lieber Herr C.G.,

    es geht hier nicht ums „schuldig fühlen“, sondern ums „gedenken“. Beide sind elementar unterschiedliche Dinge. Niemand sagt Ihnen, dass sie sich schuldig fühlen sollten. Jedoch ist das Gedenken an die KZ-Opfer (ebenso wie alle anderen Bevölkerungsgruppen, denen im Lauf der menschlichen Geschichte Leid angetan wurde) eine Art der Besinnung auf die Grundrechte des Menschen und eine Mahnung Fehler nicht zu wiederholen. (Und diese Mahnung richtet sich nicht nur an Deutsche.)
    Erinnern heisst nicht „Schuld indoktrieren“. Erinnern heisst aus Fehlern zu lernen.
    Und: das gehört ebenfalls zum „leben“.

    Freundliche Grüsse,
    eine mittzwanzige Lebende

  5. Avatar  Christian G

    Leute, ich habe es echt satt. Ich bin absolut nicht rechts gesinnt, tolerant erzogen worden, aber es geht mir langsam auf die Nerven.

    Nach so vielen Jahrzehnten immer noch Aufarbeitung, bzw. Schuldgefühle??

    Das Leben sollte weitergehen. Wie lange sollen wir uns noch schuldig fühlen??? Fühlen sich die USA heute noch schuldig wegen Vietnam, oder der Indianer? Ist nur ein Beispiel.

    Lasst uns doch endlich leben, anstatt uns ständig Schuld indoktrinieren zu lassen!!!

    MfG

    C.G.

  6. Avatar  miguel martirena

    Berlin Antifascista.
    „miguelmartirena.blogspot.de“
    Bilder.

  7. Avatar  Field

    Wie hätten Sie Ihre „historische Wahrheit“ denn gerne serviert?

    Ist sie denn in Textform reiner als in visualisierter Form?

    Gerade solche Kunstformen sind es doch, die die Auseinandersetzung mit dem Horror zugänglicher machen.. Ein wichtiges Projekt!


  8. Geschmacklos. Bei solchen „künstlerischen Aufbereitungen“ wird doch einfach signalisiert, dass die historische Wahrheit nicht mehr ausreicht die Leute zu informieren.

 

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