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Zur Demo geht mein Hologramm

 


In Spanien haben am Wochenende Tausende Menschen gegen schärfere Sicherheitsgesetze protestiert. Diese haben es in sich: Wer etwa vor Regierungsgebäuden demonstriert, kann künftig mit einem Bußgeld von bis zu 600.000 Euro bestraft werden. Genau das taten aber am Samstag die Demonstranten: Sie machten vor einem Parlamentsgebäude in der Hauptstadt Madrid ihrem Ärger Luft. Der Clou: Die Menschen waren gar nicht da – es handelte sich um einen geschickt inszenierten holografischen Protest.

Organisiert hatte diesen das Bündnis "No Somos Delito" – "Wir sind kein Verbrechen". Dieses hatte Menschen dazu aufgerufen, ihr Gesicht auf der Website der Gruppierung hochzuladen. Nach Angaben der Organisatoren entstand daraus die weltweit erste holografische Demonstration – die Protestler schickten quasi stellvertretend ihr Hologramm.

Das verschärfte Sicherheitsgesetz soll am 1. Juli in Kraft treten. Es wird von oppositionellen Parteien und Menschenrechtsgruppen scharf kritisiert. Sie sehen darin einen Versuch der konservativen Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy, insbesondere Proteste gegen deren Umgang mit der spanischen Finanzkrise zu unterdrücken. Die Regierung argumentiert, das Gesetz werde die Sicherheit im Land erhöhen.

Unter anderem sieht der Gesetzentwurf Strafen von bis zu 30.000 Euro für die Verbreitung von Fotos vor, auf denen Polizisten zu sehen sind, die durch eine Veröffentlichung gefährdet sein könnten. Das Beschimpfen eines Polizisten soll mit bis zu 600 Euro geahndet werden, das Verbrennen der spanischen Flagge mit bis zu 30.000 Euro.

Weitere Teilchen finden Sie hier.

10 Kommentare

  1.   doof

    Wie unendlich kreativ diese Sache mit den Hologrammen und wie unendlich hohl diese spanische Regierung* inklusive ihrer Gesetze, die natürlich vollkommen im EInklang mit den europäischen „Werten“und den Menschenrechten stehen.

    * Diese spanische Regierung wird übrigens von einer Schwesterpartei der CDU/CSU gestellt, die die Demokratie – oder besser: ihre konservative Welt – in Gefahr sieht, wenn einmal eine links-progressive Regierung, wie z.B. in Griechenland an die Macht kommt.
    Ich hoffe sehr, dass Podemos in Spanien die Parlamentswahlen gewinnen wird!
    Es wird Zeit für eine menschlichere und demokratischere Politik – überall in Europa!


  2. Und nun?
    Scharfe Worte der EU-Kommission, des EU-Parlamentes? Rügen? Gar Sanktionen?
    Aber nein.
    Denn schließlich wurden in Spanien keine Kapitalisten enteignet, sondern nur lästige Grundrechte eingeschränkt, die so gar keinen Profit für die Oberschicht bringen.

    Ich kann nur hoffen, dass sich die Spanier diesem Möchte-Gern-Franco Rajoy entgegenstellen und diesen bei der erstbesten Eskalation seiner „Sicherheitskräfte“ mit Fackeln und Mistgabeln aus dem Land jagen.
    Oder wenigstens Podemos wählen, in der naiven Hoffnung, dass diese den ganzen reaktionären Mist, den die PP in den letzten Jahren in Spanien angerichtet hat, wieder rückgängig macht.


  3. @doof
    Schön Sie mal wieder zu lesen!


  4. Schon 2005 sprach die Kanzlerin „Politik ohne Angst, Politik mit Mut – das ist heute erneut gefragt. Dann wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit.“

    Ja, keine Angst davor, dass irgendwer einem rein redet. Mut, das zu tun was man will, ohne Rücksicht auf Verluste.

    Die Spanier machen es vor. Und diese Hologramm-Demonstration ist nicht nur eine clevere Idee, sie macht auch deutlich, was viele empfinden. Auf Demonstrationen ist man nicht sicher und das nicht wegen denen, die jede Demo zu Gewaltaktionen nutzen. Man ist nicht sicher, weil man schon längst nicht mehr weiß, was das für Konsequenzen haben kann.

  5.   doof

    Valar Morghulis: danke sehr und sehr „hübscher“ Nick.

  6.   Dierks, Manfred

    Ich möchte mich da eigentlich meiner Vor Kommentatorin Claudia.K. nur ansschliessen.
    Traurig macht es einen, das die in Spanien erlassenen Demonstations Gesetze
    kaum irgendeinen Widerhall gefunden haben. Wer da an einer Demonstration teilnimmt,kann ganz schnell in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Zumal es
    fast ganz alleine der Polizei anheim gestellt wird, welche Straftatbestände da vorliegen. Auch die Bestimmung Uniformträger sind mit Respekt zu begegnen. Wenn nicht dann… Solche Gesetze erwartet man im allgemeinen in Diktaturen oder in feudalistischen Systemen.
    Man stelle sich nur mal vor, die russische Förderation würde solche Gesetze erlassen.
    Die Gazetten wären voll davon, und im Öffentlich Rechtlichen wären Brennpunkte unausweislich.
    Unsere westlichen Werte,sie sind längst verraten.

  7.   Tracy Chapman

    Talkin‘ about a revolution sounds like a …shhhh


  8. Phatasievolle Aktion!
    Allerdings befürchte ich, dass diesmal der spanische Gesetzgeber deutlich kreativer, phantasievoller und schwammiger bei der Verabschiedung der neuen faschistoiden Sicherheitsgesetze gewesen ist, als die oppositionellen Bewegungen bei dem Versuch diese zu unterwandern. Selbst gegen die Veranstalter und Teilnehmer einer holographischen Demonstration vor einem Regierungsgebäude sollte sich doch mit den neuen Gesetzen locker eine adäquate Strafverfolgung zusammenbasteln lassen. Ein bißchen Phantasie seitens der Staatsanwaltschaft und einer verurteilungswillgen Richterschaft ist da natürlich schon Vorausetzung. Aber mit der „Verunzierung öffentlichen Mobiliars“ ließe sich da schon arbeiten und auch was machen. Okay, diese wäre nur temporär, aber das ist es beispielsweise bei einem Odachlosen, der auf einer Parkbank nächtigt, ja auch nur. Und mit den diversen Verordnungen, die die „Respektlosigkeit gegenüber Sicherheitskräften“ betreffen, kann man vielleicht auch noch etwas machen, obwohl ich da gerade keine rechte Idee habe. Kurz, mit der entsprechenden Phantasie und dem nötigen Verfolgungswillen – an diesem zweifele ich bei den spanischen Behörden nicht, geht da noch was. Wäre doch gelacht, wenn man das nicht „rechtsstaatlich“ sauber hinbekommt…

  9.   jagu

    Die Spanier sind jung, Franko ist noch in der Volkserinnerung – diese mit der heißen Nadel gestrickten Maßnahmen wirken wie die Honeckers im letzten halben Jahr der DDR.

  10.   bercam

    Wird Rajoy jetzt zum Diktator?

    So nennt man ja üblicherweise in der kapitalistischen Weltpresse solche Entscheidungen von Regierungschef.

    Will Rajoy mit Franco gleichziehen? Anders kommt er wohl nicht in die Geschichtsbücher..

 

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